Atheismus


Wer ist eigentlich Gott?


    eine Illusion oder Wirklichkeit der alliebende Vater oder der "grausame J├Ąger"(Nietzsche) Opium oder das Gewissen ein h├Âheres Wesen oder die Tiefe der Welt die Weltordnung oder das Gute im Menschen Eine "Fr├Âhlichkeitspille" (G.Benn) oder das blindzuschlagende Schicksal Eine Person oder ein anderes Wort f├╝r Mitmenschlichkeit Der "Allumfasser" (Goethe) oder das unfa├čliche Geheimnis Der "Dunkle Unbewu├čte" (Rilke) oder der Aufheller dunkler Stunden Ein Grenzwort f├╝r alles Unbegreifliche oder theologisches Spielzeug Die Verabsolutierung menschlicher S├╝chte und Sehns├╝chte oder der unverrechenbare Rest unseres Lebens ein Geist oder der, der in Jesus Christus Fleisch geworden ist?

Wer ist dieser Gott? Dieser Frage kann niemand ausweichen, ganz gleich ob er Gott bejaht oder verneint. Die Frage nach Gott ist keine akademische Frage. Sie ist die Frage des Menschen nach Grund und Sinn seiner Existenz. Theismus (=Gottesglaube) und Atheismus kommen in der gleichen Weise von ihr nicht los.


Der Atheismus


kommt aus dem Griechischen:
atheos ist der, der ohne theos, ohne Gott ist

F├╝r viele Menschen ist Gott ein "├╝berfl├╝ssiges Relikt" aus einer vergangener Epoche. Ein Erinnerungsst├╝ck - gewi├č, das mitunter sogar liebevoll aufbewahrt und demgegen├╝ber man so etwas wie eine ironische Treue empfindet. Aber eben etwas, was man nicht mehr gebrauchen kann im Leben.
Die moderne industrialisierte Welt kann sich aus sich selber erkl├Ąren. Sie bedarf zu ihrer Erkl├Ąrung keiner Gottesvorstellung mehr. Sie kommt ohne Gott aus.


Die Technik, die alles machbar macht, ersetzt heute das Gebet. Wo der vorindustrielle Mensch auf Gottes Hilfe im Gebet angewiesen war, verl├Ąsst sich der moderne Mensch auf ein selbstgeschaffenes Sicherungssystem, mit dem er sich vor Ungl├╝ck und Not sch├╝tzt, vom Blitzableiter bis hin zur Krankenversicherung und zum Pensionsanspruch.
Weil Gott ohnehin ├╝berfl├╝ssig ist, macht man sich gar nicht mehr die M├╝he ihn abzulehnen.
Man spricht vom praktischen oder stillschweigenden Atheismus.


Anders der dezidierte oder ├ťberzeugungsatheismus, der die Gottesvorstellung ausdr├╝cklich bek├Ąmpft und den praktischen Atheismus zu Ende denkt.
Er bestreitet nicht nur - wie jener - die Brauchbarkeit Gottes, sondern Gott selber. Die Anf├Ąnge des ├ťberzeugungsatheismus liegen in der Aufkl├Ąrungszeit (Vernunftzeitalter 17.und 18.Jhdt.).
Erbarmungslos brach er im 19. und 20. Jahrhundert in die Umz├Ąunungen der traditionellen Theologie ein.
Er war die sch├Ąrfste Herausforderung des Christentums seit seinem Bestehen. Es wurden Antworten gegeben auf Fragen die gar nicht gestellt wurden, und Fragen, die gestellt wurden, nicht beantwortet.
Fr├╝her sahen Theologen und Kirchenm├Ąnner im Atheismus etwas rein Negatives. Sie unterstellten ihm b├Âsen Willen, Dummheit, S├╝nde oder etwas Kriminelles und D├Ąmonisches. Heute haben nicht wenige, nicht zuletzt auf Grund ihrer pers├Ânlichen Begegnung mit Atheisten ein gerechtes Atheismusbild. Nicht wenige Atheisten und Christen bauten ihre Vorurteile ab und schlossen sich zusammen im gemeinsamen Kampf f├╝r eine menschliche Welt. Sie erkennen den Atheismus relativ an und geben zu, dass er gewisse Verdienste hat und Positives leisten kann.
Die dialogische Offenheit ist auf seiten der Christen und Atheisten, wenn auch aus verschiedenen Motiven, gewachsen.

Atheismus und seine Einteilung

Wir gehen von sieben Grundtypen des Atheismus aus. Diese Einteilung erfolgt weniger nach historischen, als nach inhaltlich - weltanschaulichen Gesichtspunkten.

    DIE ABLEHNUNG GOTTES IM NAMEN DER VERNUNFT Der Rationalistische Atheismus

    DIE ABLEHNUNG GOTTES IM NAMEN DER NATUR Der Naturalistische Atheismus

    DIE ABLEHNUNG GOTTES IM NAMEN DES MENSCHEN Der Marxistische Atheismus

    DIE ABLEHNUNG GOTTES IM NAMEN DES LEBENS Der Vitalistische Atheismus

    DIE ABLEHNUNG GOTTES IM NAMEN DER M├ťNDIGKEIT Der Psychologische Atheismus




    DIE ABLEHNUNG GOTTES IM NAMEN DER FREIHEIT Der Existentialistische Atheismus

    DIE ABLEHNUNG GOTTES IM NAMEN DER
LEIDENDEN KREATUR


1. DIE ABLEHNUNG GOTTES IM NAMEN DER VERNUNFT

Der Rationalistische Atheismus

Ist Gott ein Hirngespinst oder Wirklichkeit? Kann man Gottes(Nicht - ) Existenz mit der Vernunft beweisen? Oder entzieht er sich dem Zugriff der Vernunft? Kann der moderne Mensch, f├╝r den alles erkl├Ąrbar, erreichbar und machbar geworden ist, nicht auf die Hilfskonstruktion "Gott" verzichten, mit der man fr├╝her die Welt gedeutet und bew├Ąltigt hat?

Der Rationalismus : Wahr ist nur, was sichtbar, greifbar und beweisbar ist.

Bertrand Russell:
Gott als Fesselung der freien Intelligenz

Der englische Philosoph und Mathematiker f├╝hrt die Religion vor allem auf die Angst zur├╝ck. Russell schreibt in seinem Buch ‚Warum ich kein Christ bin‘: "Angst ist die Grundlage der Religion" "Die Welt braucht einen furchtlosen Ausblick auf die Zukunft und eine freie Intelligenz."
Die Gottesbeweise ,die die christliche Theologie immer wieder wie eine Pflicht├╝bung absolviert, ├╝berzeugen nicht - meint Russel.
Der Beweis aus der ersten Ursache argumentiert folgenderma├čen: Es gibt in der Welt auf Schritt und Tritt Bewegung. Was bewegt wird, wird von einem anderen bewegt, das seinerseits wieder von einem anderen bewegt wurde und so fort. Alle Ursachen der Welt sind ihrerseits von anderen Ursachen abh├Ąngig und die wieder von anderen und so fort. Da das aber nicht ins Unendliche weitergehen kann, muss es eine erste unverursachte Ursache geben: GOTT. Russel meint, dieser Ursachenbeweis sei unvern├╝nftig. Denn auf die Frage: Wer hat die Welt erschaffen, gibt es keine Antwort, da diese sofort die weitere Frage nahelegt: "Wer hat Gott erschaffen?" Wenn man davon ausgeht, das alles eine Ursache haben muss - wie der Ursachenbeweis - dann muss auch Gott eine Ursache haben. Wenn es aber umgekehrt etwas geben kann, das keine Ursache hat, kann das ebenso die Welt wie Gott sein, so dass der Ursachenbeweis hinf├Ąllig ist. Russel meint noch: " Ein Verfall des



dogmatischen Glaubens kann nur Gutes hervorbringen - ganz gleich, ob er christlichen oder kommunistischen Ursprungs ist. Was die Welt braucht ist nicht ein Dogma, sondern eine Bejahung der Wissenschaft......" Richtwert und Norm ist f├╝r Russel allein die Vernunft und die Wissenschaft.

Es gibt kein Gottesbeweise, sondern nur Hinweise!
Martin Luther: " Die Vernunft ist viel zu gering, als dass sie Gottes Majest├Ąt begreifen k├Ânnte" Das gilt f├╝r die Beweise seiner Existenz gleicherma├čen wie f├╝r die seiner Nicht - Existenz
Gott ist "├ťbervern├╝nftig" ( K.Jaspers): " Ein bewiesener Gott ist kein Gott." Gott ist f├╝r die Vernunft unangreifbar.

Sowohl die Religion als auch die Vernunft haben Angst - und Unterdr├╝ckungsapparate geschaffen, so sehr auch beide von ihrem Wesen her den Menschen frei machen wollten:

Der R├╝ckfall in die Angstreligion:
    Knebelung der Geistesfreiheit Zwangstaufen Inquisition T├Âtung Andersdenkender (Kreuzz├╝ge, Religionskriege
Verkehrung der Vernunft:
    Franz├Âsische Revolution Straflager I./II. Weltkrieg, Atombombe Menschenz├╝chtung Kommunismus




2. DIE ABLEHNUNG GOTTES IM NAMEN DER NATUR

Der Naturalistische Atheismus


Ludwig Feuerbach: Gott als Wunschprojektion des Menschen


Ludwig Feuerbach ( 1804 - 1872) war zusammen mit Karl Marx Sch├╝ler des
Philosophen Hegel, die dessen Idealismus (Anschauung, die in der Idee
die wahr Wirklichkeit sieht) mit aller Sch├Ąrfe bek├Ąmpften.

Die Natur als Ersatzgott

Feuerbach ist Anh├Ąnger des Materialismus. Materialismus wird im Gegensatz zum Idealismus als jene Anschauung bezeichnet, f├╝r die nur die k├Ârperlich - materielle Welt realistisch ist. Der Materialismus f├╝hrt automatisch zum Atheismus, denn in der materialistischen Denkweise gibt es keine geistige Welt und wenn Gott Geist ist, gibt es keinen Gott. Es existiert nur das, was durch die Natur erkl├Ąrbar ist. Somit nennt Feuerbach den Materialismus auch Naturalismus, denn die Natur nimmt f├╝r ihn den Platz ein, den bei uns Gott hat.

Gott als Ebenbild des Menschen
Nach Feuerbach ist nicht der Mensch das Ebenbild Gottes, wie es in Gen 1,27 hei├čt, sondern Gott Ebenbild des Menschen. Gott ist nur ein Wunschgebilde, ein Ideal - Ich, das wir Menschen sein m├Âchten, aber nicht sind. H├Ątte der Mensch keine W├╝nsche, so h├Ątte er auch keine G├Âtter.

Aus Christen Menschen machen

Laut Feuerbach ist das Ziel des Christentum die Erf├╝llung der unerf├╝llbaren W├╝nsche, w├Ąhrend die erf├╝llbaren W├╝nsche auf der Strecke bleiben. Damit wurde dem Menschen durch das Vertrauen auf Gottes Hilfe das Vertrauen an seine eigenen Kr├Ąfte und durch den Glauben an ein besseres Leben im Himmel der Glaube an ein besseres Leben auf Erden genommen. So soll der Mensch an sich selbst glauben, statt an Gott und an Stelle der Gottesliebe soll die Menschenliebe treten.

Ernst Haeckel: Gott als Welt Nr.2

Haeckel, ein Naturwissenschaftler (1834 - 1919) vertritt einen "Monismus", d.h. er geht von der Meinung aus, dass es nur eine einzige Welt gibt, nicht noch eine zweite ├╝bernat├╝rliche Welt.
Der Monismus und das Christentum stehen wie zwei Pole gegen├╝ber, denn der Monismus sagt, wir sterbliche Menschen sollen die Herrlichkeit und Sch├Ânheit dieses Planeten genie├čen, so lange wir leben. Laut Haeckel lehrt das Christentum im Gegensatz dazu, die Erde ist ein Ort voller Qual, wo wir durchgehen m├╝ssen, um das gl├╝ckselige Leben im Himmel zu bekommen.

Was hei├čt eigentlich Himmel?

Im NT ist das Wort "Himmel" ein anderes Wort f├╝r Freude (Mat.25,21) und grenzenloses Gl├╝ck(Mat.5,3 - 10). "Himmel" ist in der Bibel auch ein anderes Wort f├╝r Gottesgemeinschaft. Da wir jetzt in der Gemeinschaft Gottes leben, leben wir jetzt schon im Himmel.



3. DIE ABLEHNUNG GOTTES IM NAMEN DES MENSCHEN

Der marxistische Atheismus


Karl Marx: Gott als Opium f├╝r das Volk


Karl Marx (1818 - 1883) war Sch├╝ler von Hegel, dem Begr├╝nder des Idealismus.
Im Idealismus steht der Geist und die sittliche Idee im Mittelpunkt. Der
Materialismus umgekehrt nur dem Stofflich - Materiellen eine Realit├Ąt zubilligt.
Marx ist - ├Ąhnlich wie Feuerbach - Materialist.


Was hei├čt ├╝berhaupt Marxismus?

Die Pariser Manuskripte sind nach vielen Forschern der Schl├╝ssel zum Denken von Marx. Zentralbegriff der Manuskripte ist die Entfremdung. Marx verwendet den Begriff in der Form, dass der Arbeiter in den fremden Besitz des Kapitaleigners ├╝bergeht. Die Wurzel der Entfremdung ist das Privateigentum, und dies kann durch gewaltsame Revolution abgeschafft werden. Sein Ziel ist daher der Kommunismus.

Warum ist der Marxismus atheistisch ?

Der Marxismus ist deshalb atheistisch, weil ein Jenseits - Gott den Menschen von seiner Diesseits - Aufgabe ablenkt. Die Aufgabe des Menschen auf Erden ist nach Karl Marx ein Paradies auf Erden zu schaffen und zwar durch gewaltsame Revolution. Au├čerdem erl├Âst sich der Mensch nach Marx selbst.


ERNST BLOCH : Gott als Vergangenheit

Die Philosophie von Ernst Bloch geht von der Projektionstheorie Feuerbachs aus. Nach dieser Theorie ist Religion ein an den Himmel projiziertes Spiegelbild des " Untertanenstaates" der Menschen. Es ist gleichzeitig eine Projektion nach hinten.

Neu gegen├╝ber Marx ist Blochs Sicht des Christentums und der Bibel. Atheismus und Christentum schlie├čen sich f├╝r ihn nicht - wie f├╝r Marx - aus, sondern ein. Er sagt: " Nur ein Atheist kann ein guter Christ sein, nur ein Christ kann ein guter Atheist sein." Das Christentum ist im Grunde auch atheistisch, weil es zukunftsorientiert ist.
Der biblische Atheismus setzt Jesus an die Stelle Gottes. Jesus m├Âchte das Bestehende ver├Ąndern und wiedersagt somit Gott, der ja das bestehende geschaffen hat. Jesus ist herrschaftsfrei und das ist unvereinbar mit Gott dem Herrscher. So ist auch Jesus ein Atheist.



4. DIE ABLEHNUNG GOTTES IM NAMEN DES LEBENS


Der Vitalistische Atheismus


Friedrich Nietzsche: Der Gott am Kreuz ist ein Fluch auf das Leben

Friedrich Nietzsche ( 1844 - 1900) zeigt sich stark beeinflu├čt
von Schopenhauers Willensphilosophie("Die Welt als Wille und Vorstellung"),
aber auch von Max Stirners Ich - Philosophie ( " Mir geht nichts ├╝ber Mich").
Im Gegensatz zu den anderen Atheismustypen ist Nietzsches Atheismus
antihumanistisch und "egoistisch" orientiert.


Der ├ťbermensch als Ersatzgott

Der Mensch wurde nach Nietzsche deshalb zum ├ťbermenschen, weil der Mensch niemanden ertragen kann, der ├╝ber ihm steht. Deshalb wurde auch Gott vom Menschen get├Âtet. Durch den ├ťbermensch soll der Mensch ├╝berwunden werden. Der ├ťbermensch gleicht Gott. Durch den ├ťbermenschen wurden neue Thesen entwickelt:
"Gut ist, was stark macht; b├Âse ist, was schwach macht."

Das Christentum als Verschw├Ârung gegen das Leben

F├╝r Nietzsche ist das Leben das Gegenteil von Gott. Gott wird vom Leben strikt abgelehnt.
GOTT: Widerspruch zum Leben
Mi├čg├Ânnt den Menschen das Leben
Verlangt vom Menschen Erniedrigung
Duldet Schwache und verabscheut Starke
Das Christentum ist ein Attentat auf das Leben.

Gott als Erfindung der Schwachen

Schwache Menschen sind st├Ąndig auf der Suche nach einem ├╝bermenschlichen Helfer. Sie fanden ihn. Der Helfer ist Gott.
Sozusagen ist Gott ein L├╝ckenb├╝├čer f├╝r Schwache bzw. einer, der f├╝r die Schwachheit der Menschen geradesteht. Darum ist auch die Religion ein Schw├Ąchegef├╝hl.
Au├čerdem sagt Nietzsche, beginnen die Menschen erst zu glauben, wenn ihnen das Wasser bis zum Hals steht.

Was hei├čt Leben?

Nach Nietzsche ist das Leben ein Bohren der Lust (Sexualit├Ąt)
Jesus h├Ątte gl├╝cklicher gelebt, w├Ąre er all dem guten ferngeblieben. Denn ihm wurden die Guten ( Christen) zum Verh├Ąngnis, da diese bekanntlich gerne morden. Eigentlich handeln Christen nicht so, wie sie sollten.

Der unbekannte Gott

F├╝r Nietzsche ist der unbekannte Gott das Schicksal.
Gebet an den unbekannten Gott:
"Du bist der grausame J├Ąger. Nicht t├Âten willst du, nur martern."












5. DIE ABLEHNUNG GOTTES IM NAMEN DER M├ťNDIGKEIT


Der Psychologische Atheismus

Im psychologische Atheismus wird Gott als ├╝berh├Âhter Vater verstanden, der den Menschen zeitlebens entm├╝ndigt und somit seine Entwicklung zum Erwachsenen hemmt.

Vertreter: Sigmund Freud
Erich Fromm
Alexander Mitscherlich



    Sigmund Freud (1856 - 1939) : Gott als Zwangsneurose

    Begr├╝nder der Psychoanalyse Entdecker des Unbewu├čten Entwickler eines Pers├Ânlichkeitsmodells

Freuds Menschenbild

ES ( Lustprinzip)
ICH (Realit├Ątsprinzip)
├ťBER - ICH (Moralit├Ątsprinzip)



Das ├ťBER - ICH ist die Kontrollinstanz im Menschen. Dadurch verdr├Ąngt das Ich die Triebe die im Lust bereiten w├╝rden .
F├╝r Freud ist die Religion eine Illusion aus der Kindheit und Erf├╝llung der ├Ąltesten, st├Ąrksten und dringendsten W├╝nsche der Menschen. Die Fortdauer dieser kindlichen Hilflosigkeit wird durch das Festhalten an der Existenz eines m├Ąchtigen Vaters verursacht. Er sieht Religion als Erziehungsmittel, das in bestimmten Phasen der Entwicklung notwendig ist.
F├╝r Freud ist Religion auch eine Erinnerung an den ermordeten Urvater der zu einem Gott ├╝berh├Âht wurde. Diese Erinnerung hat f├╝r Freud Zwangscharakter.
Er bringt Religion mit der Neurose in Zusammenhang. So entspricht dem Schuldbewu├čtsein des Zwangsneurotikers das S├╝ndenbewu├čtsein des Frommen und somit wird die Religion einer Zwangsneurose gleichgestellt. Erst die Befreiung von dieser Neurose l├Ąsst den Menschen m├╝ndig werden.







    Erich Fromm (1900 - 1980): Gott als kollektive Phantasiebefriedigung

F├╝r Fromm ist die Religion die ├Ąlteste und kollektive Phantasiebefriedigung die eine dreifache Funktion hat:

    Die Funktion des Trostes Die Funktion der einwirkenden Beeinflussung im Sinne ihres psychischen Abfindens mit ihrer Klassensituation Die Funktion der Entlastung vom Schuldgef├╝hl gegen├╝ber der Not der von ihr Unterdr├╝ckten


    Alexander Mitscherlich (1908 - 1982): Der Abschied vom Vater

Der Psychologe und Mediziner war in seinem Denken stark von Freud gepr├Ągt. Er bef├╝rwortete die Entwicklung zur vaterlosen Gesellschaft, obwohl sie auch Nachteile hat.
Durch die Industrialisierung wurde die bisherige Vaterrolle immer mehr zerst├Ârt.
Der g├Âttliche Vater verschwindet immer mehr, sowie der Vater in den Familien immer mehr verschwindet. In diesem vaterlosen Klima stirbt die Religion von selber ab .
Der moderne Mensch setzt dem Gottesglauben keinen bewu├čten Unglauben entgegen.


6. DIE ABLEHNUNG GOTTES IM NAMEN DER FREIHEIT


Der Existentialistische Atheismus


Existentialismus ist eine Weltanschauung, die die Existenz des Menschen - also sein Dasein - in den Mittelpunkt des Denkens r├╝ckt.
Er ist eher individualistisch ausgerichtet d.h. der Mensch wird nicht als Glied der Gesellschaft, sondern als der einzelne gesehen.

Jean - Paul - Sartre: Wenn Gott existiert, ist der Mensch ein Nichts

Der franz├Âsische Schriftsteller und Philosoph (*1905) ist der Hauptvertreter
des franz├Âsischen Existentialismus.



    Wenn Gott nicht existiert, ist alles erlaubt ( Dostojewski)
Existiert Gott nicht, ist der Mensch frei. Der Mensch ist sein eigener Sch├Âpfer er bestimmt sich selbst und wird nicht vorausbestimmt. Der Mensch ist, was er aus sich macht.


    Zur Freiheit verurteilt
Der Atheismus entwendet dem Menschen alle St├╝tzen, er ist ohne Gott verlassen. Vor allem findet er keine Entschuldigungen. Er muss selber f├╝r alles geradestehen. Wenn Gott nicht existiert, kann der Mensch sich nicht mit "Geboten Gottes" rechtfertigen oder entschuldigen. Er ist sein eigener Gesetzgeber und hat es dadurch viel schwerer. Er ist " verurteilt, frei zu sein".

    Die Unaufrichtigkeit als einzige S├╝nde
F├╝r Sartre gibt es eigentlich nur eine S├╝nde, die Unaufrichtigkeit - wenn der Mensch darauf verzichtet, er selber zu sein, wenn er sich b├╝rgerliche Konventionen aufzwingen l├Ąsst, wenn er sich unfrei machen l├Ąsst.
Sartre hat sich selber als Antib├╝rger verstanden - den ihm zuerkannten Nobelpreis f├╝r Literatur lehnte er ab.




Albert Camus (1913 - 1960): Man muss k├Ąmpfen, nicht auf die Knie fallen


" Der Mensch ist die Gegenformel zu Gott, der aus eigener
Verantwortung lebt."
Daher wendet er sich gegen den stellvertretenden S├╝hnetod Christi -
jeder Mensch muss f├╝r sein Tun die Verantwortung ├╝bernehmen.


    Der gl├╝ckliche Sisyphus

Sisyphus, eine griechische Sagengestalt, ist nach Camus das Urbild des Existentialisten. Sisyphus wurde dazu verdammt, in der Unterwelt einen Felsblock zum Gipfel eines Berges empor zu rollen, der ihm immer wieder kurz vor dem Ziel in die Tiefe entgleitet.
Camus meint: " Es gibt kein Schicksal, das nicht durch Verachtung ├╝berwunden werden kann." Indem Sisyphus die G├Âtter verachtet, w├Ąchst er ├╝ber sie hinaus.

    Ohne Gott ein Heiliger sein

Das Leitsymbol des Sisyphus wird auch im Roman " Die Pest" (1947) durch den Arzt Dr. Rieux verk├Ârpert. Darin versucht der Arzt in unerm├╝dlichem Einsatz, so viele Menschenleben wie m├Âglich zu retten. Der Roman ist ein Gleichnis! Die Pest versinnbildlicht das B├Âse, das unausrottbar ist. Es ist wichtig, das man gegen es ank├Ąmpft und sich nicht damit abfindet.

    Mein ganzes Reich ist von dieser Welt

Im Drama " Die Gerechten"(1949) lehnt ein russischer Revolution├Ąr seine Begnadigung ab weil er sich alleine richten und alleine retten will. Er lehnt daher auch das Gebet ab und wird dort hingelangen, wo seine geliebten Br├╝der auf ihn warten. "Beten hie├če, sie verraten."





7. DIE ABLEHNUNG GOTTES IM NAMEN DER LEIDENDEN KREATUR


Bei einer Meinungsumfrage im Jahre 1967 wurden folgende Gr├╝nde angegeben, warum man nicht mehr an Gott glauben k├Ânne:

    "Wenn ich an den Ersten und Zweiten Weltkrieg denke, dann vergeht mir der Gottesglaube." "Gott hat mich zu oft entt├Ąuscht und alleingelassen." "Weil ich gel├Ąhmt bin und noch viele traurige Gel├Ąhmte sehen werde". Wenn es einen Gott g├Ąbe, w├Ąre nicht so viel Unheil auf Erden." "Die Kirche selbst ist gottlos." "Die Vertreter Gottes auf Erden sind zu feige ( Drittes Reich)."

Der Einspruch gegen Gott im Namen des Leides ist die h├Ąufigste Form des Atheismus, der man heute begegnet. Er wird vor allem in der modernen Literatur und Dichtung vertreten.

    Kurt Tucholsky (1890 - 1935): Kopf ab zum Gebet

Der Berliner Journalist bekennt sich ├Ąhnlich wie andere Atheisten zu Jesus von Nazareth. Jesus ist f├╝r Tucholsky der " gro├če Revolution├Ąr"
Er sagt es kann keinen Gott geben, der es zul├Ąsst, dass sich Menschen gegenseitig abschlachten und der V├Âlker gegeneinander in den Krieg hetzt. Tucholsky ist Pazifist (" Nie wieder Krieg").

    Elie Wiesel : Gott als launischer Tyrann

Der Jude Elie Wiesel (geb.1929) wird als 14j├Ąhriger in einem Viehwaggon nach Ausschwitz gebracht. Er schrieb in den Erinnerungen an seine KZ - Zeit:
"Ich hatte zu beten aufgeh├Ârt. Ich leugnete zwar nicht Gottes Existenz, zweifelte aber an seiner Gerechtigkeit."
Gott ist laut Wiesel, ein launischer Tyrann, der die Kinder qu├Ąlt. Der Mensch ist sein Lieblingsspielzeug, das ihn zum Lachen bringen soll.
Am Anfang war weder das Wort noch die Liebe, sondern das Lachen Gottes.









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