Die neuen Leiden des jungen W.

Der Autor in seiner Zeit am Beispiel "Die neuen Leiden des jungen W." von Ulrich Plenzdorf

1 Vorwort


Im Jahr 1973 - nur kurze Zeit nach dem Erscheinen des Buches "Die neuen Leiden des jungen W." von Ulrich Plenzdorf - veröffentlicht der westdeutsche Literaturkritiker M. Reich - Ranicki im Hinblick auf die Bezugspunkte Goethe und Salinger das Urteil: "Daher kann Plenzdorfs schriftliche Leistung als epigonal und originell zugleich gelten."[1]
Nach Reich - Ranicki beinhaltet Plenzdorfs Werk drei wesentliche Elemente:
Salingers Jugendproblematik, Goethes Werther - Konflikt und die Reflexion der LebensumstĂ€nde in der DDR. Diese Verbindung bestimmt die PrĂ€gnanz, die Anerkennung und sogar die PopularitĂ€t des Werkes, unterstreicht aber auch Plenzdorfs FĂ€higkeiten als Autor. Doch der daraus resultierende Wert des Romans besteht fĂŒr M. Reich - Ranicki vorrangig im direkten Zusammenhang mit den konkreten UmstĂ€nden in der damaligen DDR. Eine zeitlose AllgemeingĂŒltigkeit spricht er dem Roman ab.
Wie die offenkundige Diskrepanz zwischen der begeisterten Aufnahme der "Neuen Leiden" 1973 und der relativen Vergessenheit heutzutage zu erklÀren ist, soll diese Facharbeit zeigen, in der etwas genauer das VerhÀltnis zwischen dem Dichter, seiner Zeit und seinem Werk analysiert wird.
Aus diesem Grund werden zuerst der Lebenslauf und die Weltanschauung Ulrich Plenzdorfs betrachtet. Anschließend sollen vor dem Hintergrund "Der Dichter in seiner Zeit" die gesellschaftlichen UmstĂ€nde in der damaligen DDR skizziert werden.
Die Untersuchung formaler und thematischer Schwerpunkte der "Neuen Leiden" bilden den dritten Abschnitt. Besonders hier ist eine Reduktion der sich anbietenden Aspekte vorzunehmen, damit der vorgegebene Rahmen der Facharbeit eingehalten werden kann. Es ist unerlĂ€ĂŸlich, zunĂ€chst ganz kurz den Inhalt zusammenzufassen. Weiterhin wichtige Schwerpunkte gemĂ€ĂŸ der Fragestellung bilden die Überlegungen zu den literarischen Vorbildern sowie zur ErzĂ€hlperspektive.
Die nachhaltige Resonanz des StĂŒckes erfordert Beachtung, denn hier zeigt sich - ĂŒber die textimmanente Betrachtung hinausgehend - der besondere Zusammenhang zwischen dem Autor mit seinem Werk auf der einen und die Reaktionen in der Gesellschaft auf der anderen Seite.
Auch die folgenden InterpretationsansĂ€tze sind auf wichtige Schwerpunkte zu begrenzen, die noch aufzuzeigen sind. Auf diesen Erkenntnissen aufbauend soll abschließend der Versuch unternommen werden, das Charakteristische dieses literarischen Werkes in seiner Zeit einzuschĂ€tzen.

2 Ulrich Plenzdorf

2.1 Sein Leben und literarisches Schaffen im Umriß


Ulrich Plenzdorf wurde am 26. Oktober 1934 in Berlin - Kreuzberg als Sohn eines Arbeiters geboren. Nach dem Abitur 1954 beginnt er das Studium des Marxismus - Leninismus am Franz - Mehring - Institut in Leipzig. In den Jahren 1955 - 58 arbeitet er als BĂŒhnenarbeiter und tritt anschließend bis 1959 als Soldat in die nationale Volksarmee ein.
Von 1959 bis 1963 nimmt er erneut ein Studium auf, dieses Mal an der Filmhochschule Babelsberg mit der Fachrichtung Dramaturgie. Es folgen Arbeiten als Szenarist und Filmdramaturg im Auftrag des DEFA - Studios fĂŒr Spielfilme.
Seit Ende der 70er Jahre verfaßt Plenzdorf neben dieser Arbeit auch DrehbĂŒcher fĂŒr westdeutsche Fernsehfilme, wobei er unter anderem auch Vorlagen anderer Autoren bearbeitet, so Martin Stades historischen Roman "Der König und sein Narr", Erich Loests in der DDR umstrittenen Gegenwartsroman "Es
geht seinen Gang" und Martin Walsers Novelle "Ein fliehendes Pferd". International bekannt wird Plenzdorf 1973 durch sein BĂŒhnenstĂŒck "Die neuen Leiden des jungen W." (UrauffĂŒhrung: 18.5.1972, Landestheater Halle).
Neben anderen Auszeichnungen erhĂ€lt der Autor fĂŒr dieses Werk den Heinrich - Mann - Preis der Akademie der KĂŒnste. Plenzdorf zĂ€hlt zu einer Gruppe jĂŒngerer Filmautoren, die sich in dokumentarisch angelegten Spielfilmen kritisch mit der DDR - Gegenwart auseinandersetzen. Dieses zentrale Anliegen durchzieht Plenzdorfs kĂŒnstlerisches Schaffen, wie z.B. in seinem zweiten Film "Karla", in dem es um die Konflikte einer Junglehrerin mit den bĂŒrokratischen Strukturen im Bildungswesen der DDR geht. Dieses bereits im Jahre 1965 begonnene Projekt darf durch ein Verbot der SED im selben Jahr nicht beendet werden.
Vier Jahre spĂ€ter entsteht der Film "Weite Strassen - stille Liebe". Hier greift Plenzdorf erneut die Probleme junger Leute in der DDR auf. Das 1976 uraufgefĂŒhrte StĂŒck "Buridans Esel" thematisiert die Krise der mittleren DDR - Generation.
Nach dem TheaterstĂŒck "Die neuen Leiden des jungen W." erscheint das Werk "Die Legende von Paul und Paula" und wird zum grĂ¶ĂŸten Publikumserfolg der DEFA. Ähnlich wie Edgar Wibeau fordert hier die Hauptperson Paula die ErfĂŒllung ihres persönlichen GlĂŒcksanspruchs, ganz im Sinne Plenzdorfs verfolgter Linie des "dokumentarischen Spielfilms".
Im Jahre 1990/91 verfilmt Plenzdorf die ErzĂ€hlung "Unvollendete Geschichte". Durch die politische Entwicklung verliert diese Fluchtgeschichte jedoch ihre Brisanz und bleibt ohne grĂ¶ĂŸere öffentliche Resonanz. Im selben Zeitraum entsteht auch das Drehbuch "HĂŒpf, Haschen, HĂŒpf" (1991), welches den Einsatz von Polizei und Staatssicherheit in der DDR thematisiert und von der Deutschen Akademie der Darstellenden KĂŒnste mit dem Fernsehpreis prĂ€miert wird.
Zunehmend bedeutsam wird fĂŒr Plenzdorf die Zensur. Zwischen 1949 und 1971, in der Ära Ulbrecht, gelten schon öffentliche Distanzierung und milde Kritik als staatsfeindlich, was zur Folge hat, dass die Liste der verbotenen BĂŒcher sehr lang wird. Literatur hat die Aufgabe, gesellschaftliche VerhĂ€ltnisse positiv erscheinen zu lassen, das Darstellen von Problemen soll nicht zu ihrer Intention werden.
Aufgabe der KĂŒnstler ist es, dem Leben vorauszueilen und durch ihr Schaffen Millionen Menschen fĂŒr die großen Aufgaben des Sozialismus zu begeistern. [2]

Erst um 1971, in der Ära Honecker, wird die Zensur etwas großzĂŒgiger gehandhabt, da sich die DDR wirtschaftlich stabilisiert hat. So wird es Ulrich Plenzdorf jetzt möglich "Die neuen Leiden des jungen W." zu veröffentlichen, obwohl darin die LebensumstĂ€nde in der DDR nicht gerade systemkonform betrachtet werden. [3]
Plenzdorf selbst faßt dieses zusammen, indem er sagt, dass eine entscheidende Rolle in dem Werk "der Ă€ußere Druck" gespielt habe, da er viele Jahre lang wegen "ZurĂŒckweisung des Stoffes"[4] sich nicht frei verwirklichen konnte.

2.2 Zwischenbilanz - der Schriftsteller in seiner Zeit

Vergleicht man Plenzdorfs Werke miteinander, können verschiedene Gemeinsamkeiten und Schwerpunkte erkannt werden. So ist ihm die Form einer Dokumentation sehr wichtig. Er versucht damit, auf reale MißstĂ€nde in der DDR hinzuweisen. Besondere Betrachtung finden hierbei Themen wie Bildungspolitik, das LebensgefĂŒhl jugendlicher BĂŒrger oder die persönliche Selbstverwirklichung im real existierenden Sozialismus. Diese Punkte charakterisieren Plenzdorf deutlich als einen engagierten Autor, der die DDR - Gesellschaft kritisch betrachtet.
Andererseits ist Plenzdorf genau dieser Gesellschaft entwachsen, die darauf ausgelegt ist, KonformitĂ€t zu schaffen. Nach diesen Normen und MaßstĂ€ben ist er erzogen, durch den Umgang mit seinen Mitmenschen geprĂ€gt und von politischer Ideologie beeinflußt worden. Die daraus resultierende weltanschauliche Position lĂ€sst sich daher treffend mit der Aussage von Edgar Wibeau umschreiben: "Kein einigermaßen intelligenter Mensch kann heute was gegen den Kommunismus haben"[5].
Mit der Satz: "Ich bin rot bis auf die Knochen", bestĂ€tigt Plenzdorf selbst seine sozialistische Grundeinstellung und verdeutlicht gleichzeitig, dass es grundsĂ€tzlich falsch ist, "Die neuen Leiden des jungen W." als "Anti - DDR - StĂŒck"[6] zu interpretieren.
Plenzdorf fordert vielmehr die Demokratisierung des sozialistischen Gesellschaftssystems, vergleichbar mit zeitgleichen Kritikern wie z.B. R. Havemann oder W. Biermann.
Er ist fĂŒr den Sozialismus/ Und fĂŒr den neuen Staat/ Aber den Staat [...] / Den hat er grĂŒndlich satt [7]

Sein Lebenslauf zeigt jedoch einen höheren Grad von Anpassung an die bestehende Gesellschaft als der z.B. von W. Biermann und erscheint sogar systemkonform.
[...] Plenzdorf ist alles andere als ausgeflippt. [8]
Man muss Plenzdorf trotzdem weniger als gesellschaftliches Produkt, sondern vielmehr als Individuum betrachten, welches sich mit seinem Umfeld kritisch auseinandersetzt. So unterscheidet er zwischen Schein und Wirklichkeit, indem er kritisch feststellt, dass "einer dem Abzeichen nach Kommunist ist und zu Hause seine Frau prĂŒgelt" [9].
Als ein Individuum gliedert er sich in die Gesellschaft ein, stimmt mit den sozialistischen Idealen ĂŒberein, verarbeitet sein konkretes Umfeld aber doch eher kritisch - distanziert (was wiederum die Form der Dokumentation zeigt), als dass er sich ihren Strukturen unterwirft.

3 ZeitumstÀnde

3.1 Die DDR Kulturpolitk


Die Literatur ist durch das marxistische KunstverstÀndnis der ehemaligen DDR beherrscht worden. Mit dem Beginn des "Aufbaus der Grundlagen des Sozialismus" im Jahre 1950 wird der "sozialistische Realismus" zur verbindlichen Richtlinie der Literatur erklÀrt.
Das Einhalten wird von einer zentralen KulturbĂŒrokratie kontrolliert. Um Werke zu veröffentlichen, muss sich der Schriftsteller außerdem den GrundsĂ€tzen eines Schriftstellerverbandes unterwerfen bzw. diese befolgen.
[Dieses] erfordert vom KĂŒnstler, dass er lernt, seine Kunstwerke im Geist des sozialistischen Realismus zu gestalten. [10]

In der Epoche des "sozialistischen Realismus" ist es somit fĂŒr einen Schriftsteller verbindlich, im Sinne der Regierung zu wirken. Zur Aufgabe des Autors gehört es, das Leitbild des "neuen Menschen" positiv darzustellen und dem Menschen eine Perspektive zu vermitteln, die eine gerechte und angenehme Zukunft prognostiziert.
Im Mittelpunkt des kĂŒnstlerischen Schaffens muss der neue Mensch stehen, der KĂ€mpfer fĂŒr ein einheitliches, demokratisches Deutschland, der Aktivist, der Held des sozialistischen Aufbaus.[11]
Da sich der Schriftsteller an das Volk wenden soll, verlangt man außerdem von ihm, dass die Sprache sowie der Inhalt des Werkes fĂŒr diese Zielgruppe verstĂ€ndlich ist. Die Aussage soll stets direkt und unmißverstĂ€ndlich sein, die Schreibweise volkstĂŒmlich.
Festzumachen ist diese Kulturpolitik an den "Bitterfelder Konferenzen" von 1959 bzw. 1964. Ziel ist es gewesen, die sozialistische Kultur und Kunst mit Hilfe der "Arbeiterklasse selbst" zu organisieren :
Greif zur Feder, Kumpel, die sozialistische Nationalkultur braucht dich! [12]
Da der Erfolg dieser Kulturpolitik begrenzt ist, kommt es aufgrund einer wirtschaftlichen StabilitĂ€t in den 70er Jahren, zu einer Liberalisierung und damit in der Literatur hĂ€ufiger zu kritischen Untersuchungen der LebensumstĂ€nde durch junge Autoren. Diese Werke stoßen auch vermehrt in der BRD auf positive Resonanz, wie beispielhaft das Werk " Die neuen Leiden des jungen W.".
Das gesamte sozialistische System wird auch in dieser Literatur nicht in Frage gestellt, denn es wird weiterhin pauschale Systemkritik als Verstoß gegen "sozialistische Grundpositionen" gewertet und stark bestraft.
Deshalb darf nicht ĂŒbersehen werden, dass auch in dieser liberalen Phase relativ eingehende Vorstellungen und Vorschriften existieren, die u.a. noch nach 1980 dazu fĂŒhrten, dass der populĂ€re Jugendschriftsteller Karl May verboten bleibt. 12

3.2 Weltanschauung und Literatur

Unter diesem Punkt muss erneut die ĂŒbergeordnete Ideologie bzw. das politische Ziel der SED - Regierung betrachtet werden:
Es steht die marxistische Idee des "sozialistischen Menschen" im Mittelpunkt. Dem Menschen soll es ermöglicht werden, in einer vom Kapitalismus befreiten Gesellschaft sich geistig, kulturell und körperlich zu verwirklichen. Es entsteht das Idealbild der "allseitig entwickelten sozialistischen Persönlichkeit"[12]. Zu seinen QualitĂ€ten sollen Verantwortungsbewußtsein, ein großes Maß an Bildung, sowie sozialistischer Gemeinschaftsgeist zĂ€hlen.
Alle kulturellen Einrichtungen der Regierungen zielen darauf hin, dieses Leitbild zu vertreten, um somit ihr parteipolitisches Ziel zu unterstĂŒtzen. So wird im Jahr 1946 ein Gesetz verabschiedet, welches allen Kindern und Jugendlichen, unabhĂ€ngig von ihren VermögensverhĂ€ltnissen ein Recht auf schulische Bildung garantiert. Streitpunkt ist auf welche Art und Weise das Wissen in den Schulen vermittelt werden soll. Zur Alternative stehen die Wissensvermittlung ("Lernschule") oder die Denkvermittlung. Unter Einfluß der dogmatischen sowjetischen PĂ€dagogik setzt sich ein Lehrsystem durch, in welchem die Wissensvermittlung eine vorrangige Stellung einnimmt. Die AutoritĂ€t der Lehrer dominiert, Selbstverwirklichung oder selbstĂ€ndige DenkvorgĂ€nge der SchĂŒler werden nicht gefördert. Disziplin ist wichtiger als die schöpferische SelbstbetĂ€tigung.
Es ist also eine starke Zweckverbindung von Ideologie und PĂ€dagogik festzustellen. Das Publizieren der sozialistischen Weltanschauung steht im Mittelpunkt des Bildungs - und Kultursystems in der DDR.
Offizielle Aufgabe der Schulen ist es, systemkonforme sozialistische Persönlichkeiten herauszubilden und keine selbstÀndigen Individuen. [13]
Dieser Gedanke findet sogar in der 1968 von der Kulturkammer verabschiedeten Verfassung seinen Niederschlag. Im Artikel 2 Satz 4 heißt es:
Die Übereinstimmung der politischen, materiellen und kulturellen Interessen der WerktĂ€tigen und ihrer Kollektive mit den gesellschaftlichen Erfordernissen ist die wichtigste Triebkraft der sozialistischen Gesellschaft." [14]

Ein Leitbild der sozialistischen Gesellschaft, dem der positive Held Edgar Wibeau in keiner Weise entspricht, wie noch nÀher erlÀutert werden wird.
Unter diesen politischen Voraussetzungen findet in der DDR eine interessante Auseinandersetzung mit dem "literarischen Erbe" statt, die einerseits zur Ablehnung von Autoren wie z.B. von Kafka fĂŒhrt, andererseits aber klassische Werke und ihre Verfasser hervorhebt:
Durch die Kulturpolitik unseres sozialistischen Staates [wird] zum erstenmal in der deutschen Geschichte das humanistische Werk Goethes, Schillers, Lessings, [...] dem ganzen Volk nahegebracht und zu seinem lebendigen Besitz gemacht. [15]

Damit kann Plenzdorfs Werther - Rezeption auf ein grundsÀtzliches Wohlwollen der DDR - Zensur bauen.

4 Das Werk


4.1 Textimmanente Betrachtung

4.1.1 Die neuen Leiden des jungen W.


"Die neuen Leiden des jungen W." schildern in Form einer FilmerzÀhlung, 1973 im Hinstorf Verlag in Rostock als Roman erschienen, ein zeitgenössisches "Wertherschicksal" in der DDR.[16]
Der Hauptcharakter und EinzelgĂ€nger Edgar Wibeau, ein zunĂ€chst strebsames, vorbildhaftes und erfolgreiches Mitglied der Gesellschaft gibt nach einem Konflikt mit seinem Ausbilder Flemming seine Lehre auf. Auslöser ist eine Auseinandersetzung mit dem Meister, da dieser seine Lehrlinge mit arbeitsintensiven TĂ€tigkeiten beauftragen muss, die maschinell hĂ€tten verrichten werden können. Nachdem Edgar seinem Ausbilder aus Protest eine Grundplatte auf den Zeh hat fallen lassen, wird sein Verhalten sogar von der Mutter kritisiert, die tradierten Ausbildungsmethoden werden allgemein gerechtfertigt. RĂŒckblickend stellt Edgar außerdem im Hinblick auf die Familiensituation fest, dass es ihm mißfĂ€llt, als "lebender Beweis dafĂŒr rumzulaufen, dass man einen Jungen auch sehr gut ohne Vater erziehen kann"[17] .
Im Mittelpunkt des Werkes stehen nun die aufkommenden rebellischen ZĂŒge der Hauptperson Edgar, die sich unter anderem in langen Haaren, Popmusik und Jeans widerspiegeln.
Veranlasst durch SelbstverwirklichungswĂŒnsche beschließt er, anfangs zusammen mit seinem Freund Willi, aus der Kleinstadt Mittenberg in eine zum Abbruch bestimmte Laube nach Ostberlin zu ziehen.
Hier findet er - bezeichnender Weise auf der Toilette - eine Reclam Ausgabe von Goethes "Die Leiden des jungen Werthers", welcher er jedoch anfÀnglich nichts Positives abgewinnen kann, sondern sie vielmehr salopp kommentiert:
Dieser Kerl in dem Buch, dieser Werther, wie er hieß, macht am Schluß Selbstmord [...], weil er die Frau nicht kriegen kann, die er haben will, und tut sich ungeheuer leid dabei. [18]

Sein VerstĂ€ndnis Ă€ndert sich jedoch, als er die KindergĂ€rtnerin Charlie kennenlernt und sich in sie verliebt. Er nutzt nun Werther - Zitate als Ausdruck seiner eigenen GefĂŒhle, die er seinem inzwischen nach Mittenberg zurĂŒckgekehrten Freund Willi in Form von Tonbandkassetten zuschickt. Im weiteren Verlauf der Handlung, in der ihn seine Leidenschaft zu Charlie immer unglĂŒcklicher macht, kann er sich schließlich mit Goethes Titelfigur identifizieren und sieht dessen Leiden als Spieglung seiner eigenen Situation.
Ich war jedenfalls fast so weit, dass ich Old Werther verstand, wenn er nicht mehr weiterkonnte. [19]

Zur vorĂŒbergehenden Trennung von Charlie und Edgar kommt es, als ihr Verlobter Dieter, ein strebsamer Germanistikstudent, auftritt.
Aus Geldnot beschließt Edgar, einer Arbeit nachzugehen, ohne jedoch seine individuellen Eigenarten aufzugeben oder sich kritiklos anzupassen. Er schließt sich einer Malerbrigade an, wird aber auch hier schnell zum Außenseiter. Auf dem Höhepunkt des Konfliktes mit seinem Vorarbeiter Addi entsteht Edgars Traum, sich durch die Erfindung eines nebellosen FarbspritzgerĂ€tes vor der Brigade und vor seinen ĂŒbrigen Bekannten profilieren und bestĂ€tigen zu können:
Und dann, wenn sie funktioniert, meine Spritze, wollte ich lÀssig wie ein Lord bei der Truppe aufkreuzen.[20]

Mit der Konstruktion dieser "Spritze" verbindet er außerdem die Hoffnung, seine privaten Probleme lösen und nach Mittenberg zurĂŒckkehren zu können.
Doch Edgars TrĂ€ume werden dadurch zerstört, dass seine Laube als unbewohnbar erklĂ€rt wird und in einer Frist von drei Tagen abgerissen werden soll. Außerdem kĂŒndigt sich auch seine Mutter an, die von Willi die Adresse der Laube erfahren hat. Dieser Zeitdruck zwingt ihn dazu, Sicherheitsmaßnahmen zu vernachlĂ€ssigen. Wegen eines defekten Transformators und eines unbrauchbaren Klingelknopfes, wird eine zu hohe Spannung in der Konstruktion erzeugt, so dass der elektrische Schlag beim Einschalten der Maschine fĂŒr Edgar tödlich wirkt.

4.1.2 Die ErzÀhlperspektive


Im Gegensatz zu der herkömmlichen Form eines TheaterstĂŒckes bzw. einer ErzĂ€hlung, setzt Plenzdorf eine sehr unkonventionelle Darstellungstechnik ein:
Es werden drei Informationsebenen deutlich. Am Anfang stehen drei Todesanzeigen und eine Zeitungsnotiz, als Dokumente fĂŒr einen "tragischen Unfall"[21]. Eine weitere Ebene stellt die szenisch - dialogische Erinnerungsperspektive dar. Die Hauptrolle spielt hier Edgars Vater, der sich von Mutter und Kind getrennt hatte und nun - nach dem Tod seines Sohnes - dessen Lebenslauf rekonstruiert. Dazu befragt er die Personen, zu denen Edgar in seiner letzten Lebensphase Kontakt gehabt hat.
In einer dritten Perspektive lĂ€sst Plenzdorf Edgar - zeitgleich montiert - aus dem Jenseits ironisch und kritisch Stellung nehmen und die Aussagen der Befragten zurĂŒckblickend kommentieren. Punktuell werden diese Reflexionen zu inneren Monologen.
Durch die Kommentarebene gelingt es Plenzdorf, Ereignisse gleichzeitig aus zwei Perspektiven darzustellen. Dem Leser kann somit zum einen - aus der subjektiven Sichtweise Edgars - dessen Bestrebung nach UnabhÀngigkeit und individueller Selbstverwirklichung dargestellt werden, aus der Distanz können sie jedoch zugleich relativiert werden und erhalten eine gewisse ObjektivitÀt.
Eine solche ErzĂ€hlmethode ermöglicht es Plenzdorf, HandlungesablĂ€ufe als real und objektiv darzustellen und gleichzeitig eine möglicherweise kritische Einstellung zu der Hauptperson zu schaffen. Sie setzt jedoch auch einen Leser voraus, der die hĂ€ufig auftretenden WidersprĂŒche zwischen subjektiver Darstellung und distanzierter Objektivierung zu lösen versteht und der aus den daraus resultierenden Fakten ein Gesamtbild erstellen kann.
Festzustellen ist außerdem, dass durch das vorweggenommene Ende und durch die beschriebene ErzĂ€hlstruktur kein fließender Text vorliegt, in dessen Handlung man sich leicht hineinversetzten kann. Es entsteht beim Leser eher eine Distanz zum Geschehen und unter UmstĂ€nden auch zur Hauptperson.

4.2 Die Wertherrezeption

Plenzdorf vollzieht auch die Wertherrezeption auf mehreren Ebenen: Es bestehen Parallelen im Titel sowie inhaltlich Àhnliche HandlungesablÀufe, wie beispielsweise die Dreiecksbeziehung. Des weiteren verwendet Plenzdorf durch die Werther - Zitate direkt Elemente der Goethe - Vorlage.
FĂŒr Edgar spielt die Sprache in den Werther - Zitaten eine besondere Rolle. Dadurch, dass sie ihm zuerst fremd und unbekannt ist, ist er von der Ausdrucksweise fasziniert. Die emotionale Sprache des "Sturm und Drang" steht in einem bemerkenswerten Kontrast zu seiner Umgangssprache.
Edgar möchte die gĂ€ngigen Sprachmuster der Gesellschaft nicht mehr benutzen, da er vermehrt Zitate aus Goethes Sturm und Drang Werk benutzt. Durch diesen individuellen Sprachstil wird die Absonderung von der Gesellschaft noch deutlicher. Im Umgang mit anderen Menschen setzt er diese Zitate als "Werther - Waffe" ein, ohne sich anfangs fĂŒr die inhaltliche Bedeutung zu interessieren. Da seine jeweiligen GesprĂ€chspartner mit den Zitaten nichts anfangen können, wirkt die Verwendung gewollt provozierend und wichtigtuerisch. Sie ist Edgars "schĂ€rfste Waffe"[22], mit der er andere schnell aus der Fassung bringen kann.
Werther - Zitate verwendet er auf dem Tonband an Willi oder im GesprĂ€ch mir Dieter. Da beide mit den Zitaten nichts anzufangen wissen - Willi bittet um einen neuen "Code" -, empfindet Edgar das GefĂŒhl der Überlegenheit und wird sich seiner eigenen StĂ€rke bewußt. Erfolgreich gelingt es ihm sogar, Charlies Verlobten Dieter damit zu imponieren, obwohl dieser ein Student der Germanistik ist.
Erst nach hĂ€ufigerem Gebrauch und durch eigene Lebenserfahrung kann Edgar selbst VerstĂ€ndnis fĂŒr die Zitate gewinnen. Er kann sie nun gezielt anwenden, um seinen GemĂŒtszustand auszudrĂŒcken und sich selbst bewußt zu machen. Sie dienen als Selbstreflektion und spiegeln besonders in seinem VerhĂ€ltnis zu Charlie GefĂŒhle wieder. Charlie ist die einzige, die seine Zitate ernst nimmt und sie zu verstehen versucht.

4.3 Der Jugend - Jargon

Neben Goethes "Werther" findet noch ein zweites literarisches Vorbild einen zentralen Niederschlag in der vorliegenden Plenzdorf - Schrift: der von J.D. Salinger 1951 verfaßte Jugendroman "The Cather in the Rye".
In dem von H. Böll ĂŒbersetzten Werk "FĂ€nger im Roggen" geht J. D. Salinger als einer der ersten Autoren auf die Probleme und WĂŒnsche junger Menschen ein. Es entsteht die Gattung "Jugendliteratur", die anschließend auch von anderen aufgegriffen wird und bis in die Gegenwart zu Verkaufserfolgen fĂŒhrt, wie das 1995 erschienene Buch "Ein verdammt starker Abgang" von U. Brizzi zeigt. [23]
Salinger paßt die Sprache in seinem Roman an den Slang der Jugend an, um eine Identifikation des jungen Lesers mit der Hauptfigur zu erleichtern. Dieses Mittel wird zu einem wesentlichen Bestandteil der Jugendliteratur.
Edgar empfindet deutlich Sympathien fĂŒr Salingers Ich - ErzĂ€hler Holden Caulfield.
Wie er da in diesem nassen New York rumkraucht und nicht nach Hause kann, weil er von dieser Schule abgehauen ist, wo sie ihn sowieso exen wollten, das ging mir immer an die Nieren. [24]

Dieses ist darauf zurĂŒckzufĂŒhren, dass beide sich selbst verwirklichen möchten, die Normen der Erwachsenenwelt sowie ihre Erziehnugsmethoden ablehnen. Beide werden zu gesellschaftlichen Außenseitern, da sie versuchen, eigene WĂŒnsche umzusetzen.
Es ist also deutlich zu erkennen, dass Plenzdorf den Grundkonflikt zwischen jugendlichen Vorstellungen und gesellschaftlichen Normen aus Salingers Werk ĂŒbernimmt. Des weiteren benutzt er die Form der Jugendliteratur, und paßt die Sprache dem Slang junger Menschen an.
So Ă€ußert sich H. Caulfield ĂŒber einen seiner Lehrer:
Noch deprimierender war, dass er einen trostlosen alten Morgenmantel an hatte, in dem er vermutlich auf die Welt gekommen war oder so. Ich sehe den alten Knaben ĂŒberhaupt nicht gern in Pyjamas. [25]

Dementsprechend dĂŒrften in diesem Sinn Edgars Äußerungen wie z.B. "Ich glaub mich tritt ein Pferd"[26] als "geflĂŒgeltes Wort" in die Literaturgeschichte eingegangen sein.

4.4 Zusammenfassung - Autor und Werk in ihrer Zeit

Die beschriebene ErzĂ€hlweise zeigt den individuellen Schreibstil und den dokumentierenden Charakter seines Werkes (vgl. Seite 9; Abschnitt 4.1.2). Außerdem verstĂ¶ĂŸt Plenzdorf gegen wesentliche Bestandteile damaliger Dichtung, die aus eindeutiger Aussage und Leserlenkung bestehen sollen. Ebenfalls vertritt er nicht das von der Kulturpolitik geforderte Bild eines sozialistisch denkenden Menschen.
Jedoch stimmt er mit jener auch ĂŒberein, da er den marxistischen Leitgedanken nicht direkt ablehnt. Plenzdorf zeigt sich ferner von klassischer Goethe - Dichtung beeinflußt.
Die Tatsache, das Plenzdorf mit seiner Werther - Rezeption humanistisches Gedankengut verarbeitet und neu interpretiert, kann einerseits als geschickter Schachzug angesehen werden, um die Akzeptanz innerhalb der DDR - Kulturpolitik zu erlangen, andererseits enthĂ€lt die im verfremdeten Kontext stehende Rezeption auch die aufklĂ€rende, kritische Intention Plenzdorfs (vgl. Punkt 6.5). Hier deutet sich erneut der Konflikt zwischen Plenzdorfs kritischer Einstellung und der Zensur in der DDR an. Das "offene Ende" (vgl. Abschnitt 6.4) kann somit auch als Mittel interpretiert werden, die Zensurmaßnahmen zu umgehen.
Durch diese Aspekte können verschiedene Strömungen, EinflĂŒsse und ZwĂ€nge aufgezeigt werden, die offensichtlich auf Plenzdorf gewirkt haben.
Zusammenfassend kann nun begrĂŒndet festgehalten werden, dass Plenzdorf zwar ein eingegliedertes und scheinbar angepaßtes Mitglied des DDR - Gesellschaft gewesen ist, jedoch keineswegs als fremdbestimmtes Produkt dieser Gesellschaft gesehen werden kann.

5 "Werther" - Wirkung 1973

"Die Sache mit Edgar poppt"[27] stellt J. Kummer im Mai 1973 fest und verweist damit auf den Erfolg des TheaterstĂŒckes in Ost - und West - Berlin. [28] Zu diesem Zeitpunkt wurde der "Renner" allein in West - Berlin zeitgleich in drei Theatern aufgefĂŒhrt.

5.1 Reaktionen in der DDR

In der DDR wird der eigentlich gar nicht systemkonforme, jeanstragende Edgar auf 14 BĂŒhnen dargestellt und das jugendliche Publikum "klatscht auf offener BĂŒhne Beifall" [29]. "Edgar ist zum Idol der DDR - Jugend geworden"[30] Sie können Edgars Bestrebungen und GefĂŒhle nachvollziehen, ihre Identifikationsbereitschaft mit Plenzdorfs Hauptfigur ist sehr groß, trotz der ErzĂ€hlperspektive (vgl. Abschnitt 4.1.2).
In einer Umfrage des "FDJ - Forums" antworteten 77 Prozent der Theaterbesucher mit "ja" auf die Frage: "WĂŒrden Sie mit Edgar befreundet sein wollen?"
Aufgrund des Erfolges in Ost und West ist die Reaktion der DDR Kulturpolitik gezwungen, sich mit dem StĂŒck auseinanderzusetzten, da ein autoritĂ€res Verbot unmöglich geworden ist.
FĂŒr eine ablehnende Interpretation ist die Auffassung von F. - K. Kaul herausragend, der Edgar als "verhaltensgestörten Jugendlichen" charakterisiert und feststellt: "Aber Dank der energischen Maßnahmen unseres Staates sind sie alles andere als reprĂ€sentativ fĂŒr unsere Jugend". [31]
In einem spÀteren Brief an die Redaktion der DDR - Literaturzeitschrift "Sinn und Form" thematisiert derselbe kritisch die Sprache von Edgar als "FÀkalien - Vokabular". [32]
Plenzdorf selbst versucht die Kluft zwischen begeisterter Zustimmung und schroffer Ablehnung zu mildern, indem er darauf hinweist, dass "Die neuen Leiden" nicht als Anti - DDR - StĂŒck zu interpretieren seien.[33]
GemĂ€ĂŸigte Stellungnahmen beziehen sich vermehrt auf das unglĂŒckliche Scheitern der Hauptperson, welche auf dem Anpassungsweg in die Gesellschaft einem "tragischen Unfall" [34] zum Opfer fĂ€llt.
Der immense Erfolg ist jedoch hauptsĂ€chlich auf die spezifischen politisch - geschichtlichen Bedingungen der damaligen Zeit zurĂŒckzufĂŒhren. In ihr gelingt es Plenzdorf, das auszudrĂŒcken, was Jugendliche und auch Erwachsene empfinden, denken oder sich wĂŒnschen.
In zeitgenössischen Stellungnahmen heißt dieses beispielsweise, dass Plenzdorfs Werk "authentisch die Gedanken, die GefĂŒhle der DDR - Arbeiterjugend" [35] formuliert. Auch in der Laudatio bei der Verleihung des Heinrich - Mann - Preises im Jahre 1973 wird das Werk als "ein Gleichnis jugendlichen Denkens und Empfindens in unserer Zeit und in unserem Land"[36] bezeichnet.
Die Vielschichtigkeit wird von der DDR - Bevölkerung nur ungenĂŒgend wahrgenommen. Bei dem Massenerfolg in der DDR wird das Werk weitgehend simplifiziert und man konzentriert sich vornehmlich auf den Hauptcharakter Edgar. Dies fĂŒhrt zum einem zu begeisterten Lesern, die sich mit der Titelfigur identifizieren können, aber auf der anderen Seite auch zu Kritikern wie Peter Ulbrecht, der dem Autor ein "subjektives VerhĂ€ltnis zu seinem Held" vorwirft oder Rainer Kerndl, der meint die "qantitative Übergewichtigkeit der Zentralfigur fĂŒhrt zur qualitativen Begrenztheit des realistischen Wirklichkeitsgehaltes" [37].
Mit einer Ă€hnlichen Meinung Ă€ußerte sich auch F. - K. Kaul, der in Plenzdorfs Werk ein "sozial - politisches Gegengewicht" vermißt und dadurch eine "VerfĂ€lschung" der RealitĂ€t diagnostiziert [38].

5.2 Reaktionen in der BRD

Ganz anders erfolgt die Aufnahme in der Bundesrepublik, in der das kritische Element gegenĂŒber dem DDR - System betont wird. Edgar wird als rebellischer Jugendlicher gesehen, der innerhalb der sozialistischen Gesellschaft keine ausreichende Entfaltungsmöglichkeit besitzt.
M. Reich - Ranicki, der sich differenziert mit dem StĂŒck auseinandersetzt, kritisiert im Hinblick auf Goethe und Salinger das "Epigonale" und meint: "Plenzdorfs RĂŒckgriff auf den "Werher" erweise sich als

amĂŒsanter Trick, als frappierter Gag". [39]
Das Publikum verkennt jedoch grĂ¶ĂŸtenteils die konkrete Intention des Romans, da es in der Bundesrepublick in einer politischen und kulturellen Umgebung aufgefĂŒhrt wird, fĂŒr die es nicht verfaßt worden ist. Man spricht dem Werk jegliche Intention oder QualitĂ€t ab. Bezeichnungen des StĂŒckes als "grenzenlose BanalitĂ€t" oder als das Werk ohne "Kunst - Gehalt"[40], wie hier von Joachim Kaiser, sind keine Seltenheit.
Der Spiegel charakterisiert Edgar als "sozialistischen Neuerer auf romantischen Ego - Trip"[41]. Er verkörpere das "Lustprinzip" und das "neue Selbstbewußtsein der DDR Jugend"[42].
WĂ€hrend in der DDR breite Schichten der Bevölkerung Personen oder Situationen in dem Roman wiedererkennen konnten, dient er in der BRD fast ausschließlich als "Spielvorwand und Spaßanlass"[43].
Ursachen, die das Werk auch im Westen erfolgreich machten sind "die Schnauze" Edgars und "das Herz"[44].
Zusammenfassend stellt F. Luft das kurzfristige Interesse an dem Werk mit der Aussage fest:"Patient auf dem Transport verstorben". [45]
Im Vergleich zu der PopularitĂ€t des Werkes in der Zeit nach der Veröffentlichung, kann man sagen, dass das Interesse des Publikums heutzutage stark zurĂŒckgegangen ist. An Schulen gehört es heutzutage nicht zwangslĂ€ufig in den Lehrplan, unter jungen Menschen ist es wenig bekannt.

6 Eigene InterpretationsansÀtze

Im Rahmen der Facharbeit muss dieser Aspekt Ă€ußerst pointiert abgehandelt werden. Es ist nur möglich, einzelne Schwerpunkte, die fĂŒr die Aussage der Arbeit von grĂ¶ĂŸerer Wichtigkeit sind, zu thematisieren.
So finden z.B. die Familienstruktur von Edgar, die Entwicklung der Dreickesbeziehung genauso wenig Beachtung, wie der durchaus sehr interessante Charakter von Einzelpersonen, wie z.B. von "Old Zeremba" [46].
Eine zentrale und oft diskutierte Interpretationsfrage ist, ob Edgars Scheitern auf einer individuellen Fehlleistung beruht oder ob diesem gesellschaftliche Ursachen zu Grunde liegen.
So wird in verschiedenen kritischen Stellungnahmen zu Plenzdorfs Werk Edgar als ein arbeitsfauler Außenseiter der Gesellschaft dargestellt, dessen Denkweisen nicht reprĂ€sentativ fĂŒr die Meinung der DDR - Jugend seien.[47]
Die Kritik kann jedoch nicht nur durch die hohe Identifikationsbereitschaft der DDR - Jugend mit Plenzdorfs Hauptcharakter, sondern auch durch eine vertiefende inhaltliche Interpretation widerlegt werden, wie der eingehende Blick in den Text beweist.

6.1 Edgars Integration in die Gesellschaft

Es gilt zu beachten, dass Edgar lange Zeit die Rolle eines vorbildlichen Musterknaben spielt, sein Sinneswandel ist eine Reaktion auf negative Erfahrungen. Diese sind, auch relativiert durch die Retrosperspektive, die Lehrmethoden des Ausbilders Flemming, die kleinbĂŒrgerlichen Moralvorstellungen seiner Mutter oder allgemein das ihm von der Gesellschaft auferlegte Rollenverhalten, berechenbar und angepaßt zu handeln. Edgar legt Wert darauf, als Individuum ernst genommen zu werden. Beispiel hierfĂŒr ist sein Ärger ĂŒber die falsche Aussprache seine Namens: "Wibau"[48]. Als besonderer literarischer Kunstgriff von Plenzdorf darf die Wahl des Namens angesehen werden, da er als Metapher fĂŒr individuelles Freiheitsstreben der Hugenotten gilt. [49]
Es lassen sich somit objektive GrĂŒnde finden, die zeigen, dass Edgars Verhalten als ernstzunehmende Kritik an realen EinschrĂ€nkungen seiner persönlichen Freiheit zu deuten ist. Sein Verhalten nur als persönlich motivierte jugendliche UnmutsĂ€ußerung zu behandeln, ist demnach unzureichend.
Durch die insgesamt jedoch etwas blasse Dieter - Figur wird der Kontrast unterschiedlicher Lebensauffassungen und Verhaltensweisen verdeutlicht. Dieter gilt als Vertreter der kleinbĂŒrgerlich - spießigen Erwachsenenwelt. Seine Wert - und Normenvorstellungen sind identisch mit den vorbildlichen Charaktereigenschaften des "positiven Helden", so wie sie von der Kulturpolitk eigentlich verbreitet werden sollten. Edgars Abneigung gegenĂŒber dieser Figur, die ihre BĂŒcher nach der GrĂ¶ĂŸe ordnet[50], stellt also nicht nur spezielle Kritik an dessen Ordnungssinn dar, sondern - allgemein gesehen - Kritik an vorherrschenden Tendenzen der kleinbĂŒrgerlichen Bequemlichkeit sowie dem ausgeprĂ€gten FunktionĂ€rsdenken.
Aus Geldmangel und aus Langeweile wendet sich Edgar nach dem kurzen Leben in Abgeschiedenheit der Baubrigade zu. Ihm wird bewußt, dass er sich auf Dauer nicht den gesellschaftlichen Forderungen entziehen kann. Aus der Retrosperspektive kommentiert Edgar sein eigenes Verhalten: "Ich hatte auch nichts gegen den Kommunismus und das, [...] aber gegen alles andere"[51].
Dieses verdeutlicht, dass Edgar nicht gĂ€nzlich gesellschaftsablehnend eingestellt ist, sondern nur einzelne Elemente als objektive MißstĂ€nde kritisiert. Doch auch in der Brigade wird er schnell zum Außenseiter, da er sich ihren Forderungen und Meinungen nicht anpassen oder unterordnen will. Er provoziert seine Kollegen durch Werther - Zitate oder erledigt seine Arbeit nicht gewissenhaft.
Als Außenseiter schafft er es nicht, Anerkennung zu gewinnen. Der Versuch der Eingliederung endet schließlich in einer VerstĂ€rkung der ablehnenden Haltung Edgars gegenĂŒber der Gesellschaft. Edgar:
Ich hatte nichts gegen Arbeit. Meine Meinung dazu war: Wenn ich arbeite, dann arbeite ich, und wenn ich gammle, dann gammle ich. [52]

Auf sich allein gestellt versucht er nun, durch die Farbspritzpistole BestĂ€tigung zu erhalten, und somit den Weg in die Gesellschaft zu finden. Zwischenzeitlich wird er jedoch durch FĂŒrsprache eines Kollegen wieder in die Brigade aufgenommen. Obwohl er nun Konflikte mit der Gesellschaft vermeidet, ist diese Anpassung nur scheinbar. Er arbeitet weiter an der Farbspritze, auch um sich selbst zu bestĂ€tigen, und nicht ausschließlich, um der Allgemeinheit einen Nutzten zu erweisen. Dieser Sachverhalt zeigt aber auch, dass Edgar sehr wohl versucht, sein Leben auf die Gesellschaft auszurichten. Seine individuellen Bestrebungen sind jedoch zumindest vorĂŒbergehend unvereinbar mit den Gedanken der Gesellschaft. In seinen Absichten zeigt er sich aber auf keinen Fall einseitig als "arbeitsfauler Außenseiter".

6.2 Edgars Scheitern

Durch das BeschĂ€ftigen mit dem nebellosen FarbspritzgerĂ€t verdeutlicht Plenzdorf den Versuch seiner Hauptfigur, etwas selbstĂ€ndig zu erarbeiten, mit dem Ziel, seinem Leben in der Gesellschaft einen Sinn zu geben. Edgar unterwirft sich somit auch einem gewissen Leistungsdruck, der jedoch von ihm selbst bestimmt ist. Gleichzeitig befindet er sich damit deutlich auf dem Weg der Anpassung. Das tragische Ende ist somit nicht als "letzte Konsequenz des EinzelgĂ€ngertums"53zu verstehen, sondern wird von Plenzdorf verwendet, um zu zeigen, wie wenig Edgar auf dem Weg zu seiner individuellen Freiheit von den sozialistischen Gesellschaftsstrukturen unterstĂŒtzt wird, sondern eher kontraproduktiv durch
den von außen erzwungenen Zeitdruck eingeengt wird.
Plenzdorf bestĂ€tigt dieses selbst, indem er bei einem Interview auf die Frage: "Wir wollen das StĂŒck spielen als Warnung an alle, die es angeht, so mit Edgar und seinesgleichen umzugehen. Was sagen Sie dazu?" mit "schon recht" antwortet.[53]
Die Deutung, dass das Ende die Konsequenz der gesamten ErzĂ€hlung ist, bekrĂ€ftigt Plenzdorf, indem er sagt, dass der Tod Edgars nicht als "realer Fakt oder tragischer Fakt", "sondern vielmehr als ein "Einen - Gedanken - zu - Ende - Denken"[54] zu sehen ist und verdeutlicht, dass Edgar seinen Platz nicht im gesellschaftlichen Kollektiv finden kann. Die Wirkung des "offenen Endes" besteht laut Rolf Fieguth aus einem "Ausrufezeichen hinter dem unausgesprochenen Postulat nach einer Integration in die sozialistische Gemeinschaft, in der sich SensibilitĂ€t und Anderssein bewahren ließen".[55]
Einen beachtlichen Schuldanteil am Scheitern Edgars trĂ€gt somit die Gesellschaft, da sie die Talente und FĂ€higkeiten des Individuums nicht fördert, sondern vielmehr fĂŒrchtet und unterdrĂŒckt.
Demenstprechend lĂ€uft eine der letzten SĂ€tze von Edgar aus dem Jenseits wieder auf Distanz zur Gesellschaft hinaus: "Aber ich wĂ€re doch nie wirklich nach Mittenberg zurĂŒckgegangen"[56]
Im Vergleich zu Goethes Roman spielt das LiebesverhĂ€ltnis bezĂŒglich des Todes nur eine untergeordnete Rolle.

6.3 Edgar im Vergleich mit Werther

In dem Briefroman "Die Leiden des jungen Werther" wird der Leser durch die gewÀhlte Perspektive in die Gedanken des Hauptcharakters versetzt. Beide Autoren haben durch die Auswahl von ErzÀhlstil und Sprache versucht, Strömungen der jeweiligen Zeit aufzunehmen, um somit eine Identifikation des Lesers mit dem Inhalt zu ermöglichen bzw. zu erschweren.
Diese jeweiligen Strömungen können am besten verdeutlicht werden, betrachtet man die Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Werke:
Eine deutliche Parallele von Goethes Hauptcharakter Werther und Plenzdorfs Titelfigur Edgar W. ist das Ablehnen gesellschaftlicher ZwĂ€nge. Durch die Gesellschaft fĂŒhlen sich beide Charaktere in ihrer Freiheit eingeschrĂ€nkt.
Die Ursachen der Ablehnung sowie die Verwirklichung des individuellen Lebenswegs gehen auf zeit - und gesellschaftliche UmstĂ€nde zurĂŒck.
So zieht sich Goethes Werther zurĂŒck, weil das Verstandesdenken und die Moralvorstellung seiner Umwelt ihn an dem Ausleben seiner intensiven GefĂŒhle hindert. Werther stellt somit das Genie des Sturm und Drangs dar, welches sich nach einem irrationalen LebensgefĂŒhl sehnt.
Die Form der Selbstverwirklichung vollzieht sich bei Goethe im ZurĂŒckziehen in die Natur, bei Edgar Wibeau Ă€ußert sie sich in einem isolierten Leben in einer Laube in Ostberlin.
Aber auch die Moralvorstellungen und die GefĂŒhlsebene der jungen Menschen werden von Plenzdorf den zeitlichen UmstĂ€nden angepaßt. Dieses wird besonders deutlich, vergleicht man die LiebesverhĂ€ltnisse beider Werke: Sowohl Edgar als auch Werher geraten in ein DreickesverhĂ€ltnis, welches bei Plenzdorf aus der Konstellation Edgar - Charlie - Dieter besteht, bei Goethe aus der Gruppierung Werther - Lotte - Albert. Bei einer nĂ€hren Betrachtung erscheinen diese Parallelen jedoch als oberflĂ€chlich. Besonders offensichtlich werden die Unterschiede, betrachtet man die Auswirkung der LiebesverhĂ€ltnisse auf die jeweilige Hauptperson.
Da Goethes Werther von der Liebe vollkommen erfĂŒllt wird, leidet er auch dementsprechend unter der Trennung. Die Liebe Werthers zu Lotte steigert sich so sehr, dass er von ihr behauptet "Sie ist mir heilig" und ĂŒber sich selbst sagt "Ich bin kein Mensch mehr". Es wird deutlich, dass die Liebe jegliche gesellschaftliche Konventionen ĂŒbersteigt.
Werther ist sich jedoch auch darĂŒber bewußt, dass sich seine GefĂŒhle jeglicher RationalitĂ€t entziehen und nicht die realistischen UmstĂ€nde seines LiebesverhĂ€ltnis beachten. Zu spĂ€t wird ihm deutlich, dass er den Normenkodex der Gesellschaft nicht ĂŒberwinden kann, seine gesellschaftliche Eingliederung wird endgĂŒltig unmöglich.
Zwar empfindet auch Edgar Zuneigung, entgegengesetzt zu Werther leidet er jedoch nicht so stark an der letztendlich unerfĂŒllt bleibenden Liebe. Ihm gelingt es, sich mit der Situation abzufinden.
Mit diesem Unterschied zeigt Plenzdorf die jugendliche LebensprĂ€misse seiner Zeit auf, denn Edgar Ă€ußert eine andere Einstellung gegenĂŒber GefĂŒhlen als Werther. Er analysiert diese nicht und trauert ihnen auch nicht hinterher. Aus diesem Grund entsteht fĂŒr ihn auch kein Konflikt, der ihn zur Selbstzerstörung treibt.[57]

6.4 Das "offene Ende"

Am Ende beider Werke steht der Tod der jeweiligen Titelfigur. Bei Werther geschieht dieses durch einen Selbstmord, bei Edgar durch einen Unfall. Im letzteren ist jedoch mehr als nur eine Verkettung von unglĂŒcklichen ZufĂ€llen zu sehen. Vielmehr muss man die bewußt verwendeten Parallelen zwischen beiden Werken weiterfĂŒhren, indem man den jeweiligen Tod als Scheitern an der gesellschaftlichen Wirklichkeit interpretiert. Das Scheitern an sich, ist jedoch wiederum persönlichkeits - und gesellschaftsbedingt. Aus dem unterschiedlichen zeit - und gesellschaftsspezifischen Kontext ergibt sich ein unterschiedlicher Romanausgang.
So ist Werthers Selbstmord eine notwendige Konsequenz, da die gesellschaftlichen und persönlichen Differenzen unĂŒberbrĂŒckbar erscheinen. Schuld am Scheitern wird sehr deutlich der Gesellschaft gegeben.
Diese eindeutige Schuldzuweisung kann Plenzdorf nicht aussprechen, da die Kulturpolitik eindeutige Systemkritik zensiert. Er muss sich hier also gesellschaftlichen UmstĂ€nden anpassen und das Ende auf Auslegung verfassen, um ĂŒberhaupt sein Werk veröffentlichen zu dĂŒrfen. In diesem Sinn ist von einem "offenen" Ende zu sprechen, das die Frage nach dem Schuldanteil auf gesellschaftlicher bzw. individueller Seite erst stellt.
Dieses bestÀtigt Plenzdorf selber mit der Aussage:
Durch die ungeheure Breite der Assoziationsmöglichkeiten [ist das Werk] bewußt auf Auslegbarkeit geschrieben [...] [58].

Mit seinem Werk ĂŒbertrĂ€gt Plenzdorf die Werther - Thematik auf die Moderne. Aus Goethes StĂŒck eliminiert er den historischen Kontext und setzt das Thema in die Gegenwart. So ĂŒbernimmt Plenzdorf die LebensprĂ€misse der jungen DDR - Generation, und lĂ€sst sie in ihrem eigenen gesellschaftlichen Umfeld agieren. Dadurch kommen die wesentlichen AbĂ€nderungen zu Goethes LektĂŒre zustande. Er zeigt somit, dass der schon von Goethe festgestellte Gesellschaftskonflikt zu jeder Zeit möglich ist, die Lösungen und Ursachen jedoch auf die jeweiligen gesellschaftlichen UmstĂ€nde bezogen werden mĂŒssen. Um dieses zu erreichen, lĂ€sst Plenzdorf realistische LebensumstĂ€nde in sein Werk fließen.
Beide Figuren reprĂ€sentieren weiterhin die Lebensvorstellung sowie die WĂŒnsche und Ziele der jeweiligen Generation. Dieses ist bei Werther besonders die Auffassung von Natur, Kunst oder Liebe, bei Edgar der Musikgeschmack, das Tanzen oder die langen Haare. Die unterschiedliche Auffassung der LiebesverhĂ€ltnisse bestĂ€tigen diese Erkenntnis.
Trotz aller Änderungen hat Plenzdorf jedoch den Werther - Typus, nĂ€mlich einen nach UnabhĂ€ngigkeit und Selbstverwirklichung strebenden jungen Menschen von Goethe ĂŒbernommen. Dessen Differenzen mit der Gesellschaft fĂŒhren auch in den "Neuen Leiden" zu einem tragischen Ende. Das Ă€hnliche Scheitern an der Gesellschaft wird direkt durch die Werther - Zitate bestĂ€tigt, die im Verlauf der Handlung Edgars GefĂŒhlszustand verdeutlichen. Die Differenzen mit der Gesellschaft sowie die Isolation aus ihr lösen bei beiden Ă€hnliche GefĂŒhle aus. FĂŒhrt man diese Parallelen weiter, so mĂŒsste auch Edgars Tod Kritik am gesamten System bedeuten. Direkt aussprechen kann Plenzdorf ein solches Fazit jedoch nicht, da er sich durch die Zensurmaßnahmen der Politik im gewissen Maße an die Gesellschaft anpassen musste. Die Werther - Rezeption ermöglicht Plenzdorf aber in gewisser Weise der DDR - Zensur zu entgehen, möglicherweise ist hiermit das fĂŒr Plenzdorf wichtigste Motiv der Werther - Rezeption benannt.

6.5 Zusammenfassung - Plenzdorfs Intention

Trotz seiner aufklĂ€renden Intention Ă€ußert Plenzdorf keine konkrete Kritik an dem sozialistischen Regierungssystem. Auch versucht er durch den bereits analysierten ErzĂ€hlstil eigentlich keine Identifikation mit dem EinzelgĂ€nger Edgar zu erzeugen, da ihm ObjektivitĂ€t sehr wichtig ist. Seine Absicht faßt Plenzdorf selbst in folgender Aussage pointiert zusammen:
Es ist fĂŒr mich keine Frage, dass man die Wirklichkeit nach ihrer Deckung mit den Idealen immer wieder befragen muss [59].

Wie sein Hauptcharakter Edgar ist er nicht gegen das System, sondern spricht sich lediglich gegen die reale Umsetzung aus.
Betrachtet man den Einfluß von Salingers Werk "Der FĂ€nger im Roggen", so verdeutlicht Plenzdorf mit seiner Person Edgar die SehnsĂŒchte jugendlicher Menschen. Er stellt das Problem des Generationskonfliktes dar und beschreibt deutlich das ablehnende Verhalten von Jugendlichen gegenĂŒber den tradierten Normen der Erwachsenengeneration. Ferner kritisiert er das Erziehungs - und Ausbildungswesen.
Die Goethe Rezeption hat jedoch gezeigt, dass es fĂŒr Plenzdorf wichtiger ist, den Typus eines auf Selbverwirklichung strebenden Menschen in den sozialistischen Hintergrund zu ĂŒbertragen.
So kommt es, dass Edgar zur einen HÀlfte ein rebellischer, provozierender Jugendlicher wie Holden ist, zur anderen HÀlfte aber auch ein ernst zu nehmender Mensch wie Goethes Werther - Figur, dessen IndividualitÀt mit Tendenz zum Genialen in einen Konflikt mit der Gesellschaft gerÀt.
Außerdem beinhaltet sein Werk realitĂ€tstrĂ€chtige Details und fĂŒhrt zu einer Darstellung der DDR - Wirklichkeit, die als Hintergrund der gesamten Handlung dient.
Es kommen also drei wichtige Strömungen in seinem Werk zusammen, die nicht immer nahtlos ineinander ĂŒbergehen.
Diese sind die von Salinger ĂŒbernommenen Zeitprobleme junger Menschen, Goethes Werther - Konflikt zwischen Individuum und Gesellschaft und die sozialistische Wirklichkeit, auf die alles bezogen wird und in der die Ursachen fĂŒr Edgars Scheitern gefunden werden mĂŒssen.
Jeden Teil einzeln zu betrachten wĂ€re falsch und wĂŒrde Plenzdorfs Intention verfehlen. In Verbindung gesehen kann man sie jedoch zu dem gemeinsamen Schluß zusammenfĂŒhren, dass Plenzdorf in seinem Werk "Die neuen Leiden des jungen W." ein PlĂ€doyer fĂŒr eine Weiterentwicklung der sozialistischen Gesellschaft hĂ€lt. Um seine Intention zu verstĂ€rken greift er zu Mitteln des Dramatischen, wie zum Beispiel an Edgars Tod zu sehen ist. Ihm ist es wichtig durch Provokation und Übertreibung eine große öffentliche Resonanz zu erzielen. Heute liegt das Werk in einer Theater - einer Film, einer Hörspiel, und einer Prosafassung vor. Das Werk soll Menschen aller Schichten und Altersgruppen ansprechen. An sie gerichtet formuliert er die Forderung nach einer liberaleren und toleranten Gesellschaft, dessen Mitglieder sich individuell selbstverwirklichen können. Hierzu dienen seine Erfahrungen aus dem Bereich des Theaters und seiner Arbeit bei der DEFA.
Diese Intention Plenzdorfs lÀsst - etwas abstrakter gesehen - in Bezug auf seine Umgebung deutlich seine Beeinflussung durch das marxistische - leninistische Studium erkennen. Denn auch Marx vertritt die Einstellung, dass nicht die Gesellschaft einen Menschen prÀgt, sondern Menschen die Gesellschaft gestalten. Genau dieses dialektische Prinzip stellt Plenzdorf in seinem Werk dar, indem das Spannungsfeld zwischen Anpassung und Auslegung zum Thema wird.
Diese Beziehung zwischen Einzelmensch und Gesellschaft steht im Mittelpunkt seines Werkes, denn die Möglichkeit individueller Selbstverwirklichung ist das zentrale Anliegen von Plenzdorf. Nur ein selbstÀndig denkender Mensch ist in der Lage, Dinge kritisch zu betrachten und auch das Kollektiv einer Gesellschaft zu prÀgen.
Alle Elemente der Regierung, die darauf ausgelegt sind, Menschen angepaßt und konform zu machen und somit IndividualitĂ€t zu unterdrĂŒcken, werden von Plenzdorf kritisiert. Zu diesen gehört beispielsweise die Erziehung, das Bildungssystem oder die Kollektivarbeit in der DDR. WĂŒrden sich diese Elemente in Plenzdorfs Sinne Ă€ndern, so könnte eine sozialistische Gesellschaft entstehen, in der Menschen individuell Denken und Handeln könnten.
Mit dieser Intention wendet er sich durch Edgar Wibeau direkt an die Menschen in der DDR. Denn sie wĂ€ren in der Lage gewesen durch ein anderes Bewußtsein und Verhalten konkret solche VerĂ€nderungen herbeizufĂŒhren.

7. Der Autor und sein Werk - Versuch einer EinschÀtzung

Dem großen Erfolg der "Neuen Leiden" in den 70er Jahren steht gegenwĂ€rtig ein nahezu völliges Vergessen von Autor und Werk gegenĂŒber. Welche ErklĂ€rungen können fĂŒr dieses Entwicklung gegeben werden?
Es ist in der Facharbeit dargestellt worden, dass die Veröffentlichung erst möglich geworden ist durch die Liberalisierung der DDR Kulturpolitik zur Zeit Honeckers.
Wenn man von den festen Positionen des Sozialismus ausgeht, kann es meines Erachtens auf dem Gebiet der Kunst und Literatur keine Tabus geben [60].

FĂŒr P.J. Brenner stellt Plenzdorfs Werk sogar "die endgĂŒltige Abwendung von tradierten Positionen der Literaturtheorie und Politik in der DDR"[61] dar.
Damit kommt dem Plenzdorf Werk in einer ganz besonderen gesellschaftlichen Situation ein hoher, innovativer Wert zu. Zum zweiten stellt die aktive - kritische Auseinandersetzung mit der DDR - Vergangenheit einen wichtigen ErklÀrungsansatz dar.
Festzuhalten ist, dass sich in dem Text expressis verbis keine entscheidende bzw. grundlegende Ablehnung des real existierenden Sozialismus findet. Eher indirekt werden Elemente des Systems kritisiert, wie z.B. die Art der Ausbildung.
Im Mittelpunkt des Werkes steht demgegenĂŒber das Streben nach individueller Selbstverwirklichung von Edgar Wibeau. Veranschaulicht zum einen durch den Ort der Handlung - in einer verlassenen Gartenlaube - sowie dem Wunsch nach "Allein - Sein", d.h. außerhalb des Kollektives einer sozialistischen Gesellschaft. In dieser besonderen nach sozialistischen Vorstellungen unangebrachten Lebenssituation findet er seine Freiheit.
Plenzdorf dĂŒrfte in diesem Punkt durch seine eigene Integration in die Gesellschaft selbst gespĂŒrt haben, wie die GefĂŒhle junger Menschen strukturiert waren. Nur so konnte es ihm gelingen, diese so authentisch umzusetzen. Neben dem literarisch Neuen kommt damit der hohe Grad von AuthentizitĂ€t des Werkes zu diesem Zeitpunkt.
Beachtung muss zusammenfassend auch den literarischen Verbindungen geschenkt werden. Besonders der "Werther - Bezug" hat den "Neuen Leiden" in Ost und West Beachtung gesichert. BezĂŒglich der DDR durfte - neben den bereits ausgefĂŒhrten Aspekten - die Adaption der Werther - Thematik (Streben nach Selbstverwirklichung) ein besonderer Schutz vor der DDR - Zensur gewesen sein, da Goethe wie bereits aufgezeigt, ein akzeptierter Dichter gewesen ist (vgl. Abschnitt 3.2 ).
Ein Schonraum also in dem der neue Werther Edgar seine Jeans - Weltanschauung und Salinger - Sprache verbreiten kann. Es wird an dieser Stelle deutlich, dass die Kombination des offiziell akzeptierten Goethe mit dem in der DDR nicht gelesenen Salinger unter den damaligen ZeitumstĂ€nden fĂŒr die Leser bzw. Theaterzuschauer einen ganz besonderen Reiz entfaltet hat.
Richtig gelesen enthalten viele Äußerungen von Edgar systemkritische ZĂŒge, z.B. als er zu der Maler - Brigade kommt: "Sie renovieren alle Berliner Wohnungen, immer gleich hausweise" [62]
Und der Vorarbeiter Addi stellt sich mit den Worten vor: "Morgen sagt man, wenn man reinkommt!"
Dazu kommentiert Edgar: "Den Typ kannte ich. Frag so einen nach Salinger [...]"[63]
FĂŒr die Jugendlichen in der DDR dĂŒrfte dieser harmlos klingende Text ein Hinweis auf die Lebenswirklichkeit gewesen sein und dem Autor hohe Anerkennung fĂŒr seine augenzwinkernde, "indirekte" Kritik eingebracht haben.
Im Ergebnis muss man festhalten, dass sich die tiefere Bedeutung und begeisterte Aufnahme des Buches aus den gesellschaftlichen UmstÀnden ergeben.
Den einzigartigen Gehalt bekommt der Romans "Die neuen Leiden des jungen W." nur dadurch, dass er seine spezielle Bedeutung nur in seinem Verwendungszusammenhang in der DDR enthĂ€lt, und zwar dadurch, dass der Kontrast zwischen der Gesellschaft und dem Thema des Werkes deutlich wird. Trotz dieser Diskrepanz ist es Plenzdorf gelungen, in den starren sozialistischen Gesellschaftsstrukturen der damaligen DDR Menschen anzusprechen (was die positive Resonanz gezeigt hat), obwohl er sein systemkritisches StĂŒck so den gesellschaftlichen UmstĂ€nden anpaßt, dass es die Zensur umgehen kann. Mit seinem Werk gelingt es Plenzdorf also, sich den ZwĂ€ngen einer Gesellschaft anzupassen und sich nach ihnen zu richten, gleichzeitig aber auch diese zu kritisieren und zeitgenössische GefĂŒhle auszudrĂŒcken. Er orientiert sich somit sehr stark an den gesellschaftlichen Bedingungen, da aus dieser nicht nur sein eigener Lebenslauf resultiert, sondern auf selbige auch seine Intention abzielt, sowie die Bedingungen, die fĂŒr das Entstehen des Werkes von Bedeutung sind auf ihr basiert.
Nach den politischen VerĂ€nderungen in den 90er Jahren haben sich diese Rahmenbedingungen grundsĂ€tzlich geĂ€ndert (Deutsche Einigung), und fast automatisch hat danach dieses Werk seine Bedeutung verloren. Das Resultat der Überlegungen fĂŒhrt zu der Erkenntnis, dass das vorliegende Plenzdorf - Werk in seiner Wertigkeit exemplarische Bedeutung hat fĂŒr Literatur, die von den gesellschaftlichen ZeitumstĂ€nden abhĂ€ngig ist.

Die von Reick - Ranicki (vgl. S.4) getroffene EinschÀtzung hat sich damit als grundsÀtzlich richtig erwiesen
Das Epigonale der "Neuen Leiden" ist zwar reizvoll und auch in Verbindung mit der ErzĂ€hlperspektive als geschichtlicher Kunstgriff anzusehen, insgesamt hat Plenzdorf jedoch kein substantielles Werk geschaffen, dass wie Goethes Werther oder auch Sanlingers "FĂ€nger im Roggen" eine zeitlose literarische Wirkung ĂŒber die ZeitumstĂ€nde der Entstehung hinaus besitzt.


8. Literaturverzeichnis



PrimÀrliteratur

Goethe, Johann Wolfgang von
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Reclam, Stuttgart 1968
Plenzdorf, Ulrich
Die neuen Leiden des jungen W.,
Frankfurt am Main 1973, Suhrkamp Verlag
Salinger, J.D.
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Hamburg, 1966

SekundÀrliteratur

Behn, Manfred
KLG zu Ulrich Plenzdorf,
MĂŒnchen, 1991
Buck, Theo und Steinbach Dieter
Goethes "Werther" als Modell fĂŒr kritisches Lesen,
Ernst Klett, Stuttgart 1974
Buehler, Arnim - Thomas
Ulrich Plenzdorf : Personal - Bibliographie 1970 - 1993,
Giessen, 1996
Eckart Thurich und Hans Endlich
Zweimal Deutschland,
Frankfurt am Main, 1970
Faulenbach, JĂŒrgen; Diehl, Elke und Hesse, Christine
Deutschland in den fĂŒnfziger Jahren,
Bonn 1997 Bundeszentrale zur politischen Bildung
Flaker, Aleksandar
Modelle der Jeans - Prosa : Zur literarischen Opposition bei Plenzdorf im ost - europaeischen Roman - kontext,
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Hohendahl, P.U. und Herminghouse, P.
Literatur der DDR in den siebziger Jahren ,
Frankfurt am Main 1983
Hotz, Karl
Goethes "Werther" als Modell fĂŒr kritisches Lesen,
Ernst Klett Verlag, Stuttgart 1980
JĂ€ger, Georg
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Wien 1984
Kaschuge, Heidrun

Die(neuen) Leiden des jungen (W.) Werthers: Vergleiche und Untersuchungen,
Hollfeld/Ofr. 1976
Mews, Siegfried
Bibliographie Ulrich Plenzdorf,
MĂŒnchen, 1984
MĂŒnder, Peter
ErlÀuterungen zu Ulrich Plenzdorf: Die neuen Leiden des jungen W.,
Hollfeld/Ofr. 1986
Pinkerneil, Beate und Pinkerneil Dietrich
Literatur und Gesellschaft Zur Sozialgeschichte der Literatur seit der Jahrhundertwende,
AthenÀum Fischer Taschenbuch Verlag
Frankfurt am Main 1973
Pötzch, Horst und Möckel, Iris
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Preiter,Carolin; Pötzch, Horst und Möckel, Iris
Geschichte der DDR,
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Rothmann, Kurth
ErlÀuterungen und Dokumente zu J.W.Goethe "Die Leiden des jungen Werthers",
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Siepmann, Thomas
J.W. von Goethe, Die Leiden des jungen Werthers,
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Wolff, JĂŒrgen
Materialien zu Ulrich Plenzdorf: Die neuen Leiden des jungen W.,
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Wolfgang, Emmerich
Kleine Literaturgeschichte der DDR; erweiterte Neuausgabe,
Leipzig 1996






[1] Reich - Ranicki, M.: Der FĂ€nger im DDR - Roggen, in: Die Zeit Nr.19, 4.Mai 1973
[2] Honecker, E.: Der Geburtshelfer des Neuen, in: Sinn und Form, 1952, Seite 34
[3] Angaben zum Lebenslaufes sind hauptsÀchlich entnommen aus: Behn, Manfred: Kritisches Lexikon zur deutschsprachigen
Gegenwartslitaratur, MĂŒnchen 1991, Seite 1 - 11
[4] Plenzdorf, U.: Diskussion um Plenzdorf, in: Sinn und Form Nr.25, 1973 Heft 1, S. 242
[5] Plenzdorf, U.: Die neuen Leiden de jugen W., Frankfurt am Main, 1973, Seite 80
[6] Plenzdorf, U.: Diskussion um Plenzdorf, a.a.O., Seite 242
[7] Biermann, W.: Verse aus dem Jahre 1962, zitiert nach Hotz, Karl: Goethes "Werther" als Modell fĂŒr kritisches Lesen, Klett
Verlag, Stuttgart 1980, Seite 201
[8] Fritz J, R.: Ulrich Plenzdorfs Flucht nach innen?, in: Merkur 1973, Seite 1174 - 78
[9] Plenzdorf, U.: Die neuen Leiden ... a.a.O. Seite 36
[10] Honecker, E.: Der Geburtshelfer des Neuen, in: Sinn und Form, 1952, Seite 34
[11] Honecker, E.: Der Geburtshelfer des Neuen., a.a.O. Seite 35
12Schlagwörter der 1. Bitterfelder Konferenz 1959 entnommen aus: Thurich, E. und Endlich, H.: Deutschland in den fĂŒnfziger
Jahren, Frankfurt am Main 1970, Seite 55
[13 ]Reinschke, Kurt J.: Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit, in: Geschichte der DDR, 1983 S.35
[12] Ebd., Seite 36
[13] Angaben beruhen auf Emmerich, Wolfgang: Kleine Literaturgeschichte, erweiterte Neuausgabe Leipzig, 1996 Seite 34
[14] Verfassung der DDR, Artikel 2 Absatz 4 von 1968, zitiert nach Thurich, E. und Endlich, H.: Zweimal Deutschland, Diesterweg
1979 Seite193
[15] Abusch, A.: Zur Funktion der Goethe Rezeption in der Kulturpolitik der DDR, in: Theaterforum 1973, Seite 15
[16] vgl. Seite 16 Anmerkung 60
[17] Plenzdorf, Ulrich: Die neuen Leiden ... a.a.O. Seite 23
[18] Ebd., Seite 36
[19] Ebd., Seite 147
[20] Ebd., Seite 109
[21] Ebd., Seite 7
[22] Plenzdorf, Ulrich: Die neuen Leiden ... a.a.O. Seite 82
[23] Brizzi, Enrico: Ein verdammt starker Abgang, MĂŒnchen 1997 (deutsche Ausgabe)
[24] Plenzdorf, Ulrich: Die neuen Leiden ... a.a.O. Seite 33
[25] Salinger, J.D: Der FĂ€nger im Roggen, Hamburg 1966, Seite 9
[26] Ebd., Seite 84
[27] Kummer, J.: Die Sache mit Edgar poppt, in: Stern Nr. 22, 1973 Seite 36
[28] Angaben nach: Kersten, H.U.: Ein StĂŒck DDR - Gegenwart, in: Die Rheinpfalz, 17. Mai 1973, Seite 46
[29] Ebd., Seite 46
[30] Kummer, J.: Die Sache mit Edgar ... a.a.O. Seite 37
[31] Kaul, F. - K.: Diskussion um Plenzdorf, in: Sinn und Form, 1973 Seite 234
[32] Ebd. Seite 178
[33] Plenzdorf, U.: Diskussion um Plenzdorf, in: Sinn und Form Nr.3, 1973, S. 219 ff.
[34] Plenzdorf, U.: Die neuen Leiden ... a.a.O. Seite 8
[35] Hermlin, S.: Diskussion um Plenzdorf, in: Sinn und Form, 1973 Seite 674
[36] Jakobs, K. - H.: Laudatio zum Heinrich - Mann Preis, in: Mitteilungen, Akademie der KĂŒnste der DDR, 1973 S.20
[37] Kerndl, R., a.a.O. S.4
[38] Kaul, F. - K.: Diskussion um Plenzdorf In: Sinn und Form H.1, 1973 S. 219 - 252
[39] Reich - Ranicki, M.: Der FĂ€nger im DDR - Roggen a.a.O. Seite 40
[40] Kaiser, J.: DDR - Literatur, in: SĂŒddeutsche Zeitung, 1973 S.10
[41] Schneider, M.: Kuß von Charlie, in: Der Spiegel 28.Juni 1973 S.168
[42] Ebd. Seite 165
[43] Jörder, G.: Ausgefippt, in: Badische Zeitung 25./26. Jan.1975 Seite 45
[44] Grack, G.: Plenzdorf heute, in: Tagespiegel (Berlin/W), 10.Mai 1973 Seite 56
[45] Luft, F.: Vorsicht transportunfÀhig!, in: Die Welt, 10. Mai 1973. S.10
[46] Plenzdorf, Ulrich: Die neuen Leiden ... a.a.O. Seite 112
[47] vgl. Seite 12 Zitat 33
[48] Plenzdorf, Ulrich: Die neuen Leiden ... a.a.O. Seite 14
[49] Vgl., ebd. Seite 16
[50] Vgl. ebd. Seite 80
[51] Ebd., Seite 80
[52] Ebd., Seite 56
55Biele, P.: Nochmals - "Die neuen Leiden ", in: Sinn und Form 1973 Seite 1288 - 93
[53] Kalle, Fr.: Interview mit einem wortkargen Autor, in: Spielzeit, 1975/76 Seite 13
[54] Karö, C.: GesprÀch mit DDR - Schriftstellern, in: Deutschland Archiv, 7.Jh 1974 S.165/71
[55] Fieguth, R.: "Die DDR und die Literatur", in: Nationale - Zeitung (Basel) 1973. S.3
[56] Plenzdorf, U.: Die neuen Leiden ... a.a.O., Seite 147
[57] InterpretationsansÀtze basieren auf Kaschuge, H.: Die (neuen) Leiden des jungen (W.) Werthers, 1976 Seite 81
[58] Karö, C.: GesprÀch mit DDR - Schriftstellern, a.a.O., S.166
[59] Plenzdorf, Ulrich: In einem Interview In: Sinn und Form 1974 Nr.3 S. 24
[60] Zitiert nach: Barck, S.: Bildung und Kultur in der DDR, MĂŒnchen, 1997 Seite 52
[61] Brenner, P.: Plenzdorfs "neue Leiden des jungen W.", Frankfurt am Main, 1982 Seite 46
[62] Plenzdorf, U.: Die neuen Leiden ... a.a.O. Seite 88
[63] Ebd., Seite 88

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