Jossif Wissarionowitsch Stalin

Stalin (Iossif Wissarionowitsch Dschugaschwili)
Der 1879 in dem kaukasischen Landst├Ądtchen Gori geborene Schustersohn
hatte die typische Laufbahn eines russischen Berufsrevolution├Ąrs hinter
sich. Er entstammte zwar proletarischen Verh├Ąltnissen, hat aber nie
selbst manuell gearbeitet, sondern seit seinem Ausschlu├č aus dem
Priesterseminar in Tiflis ausschlie├člich in der revolution├Ąren T├Ątigkeit
seinen Lebensinhalt gesucht. 1912 wurde er ins F├╝hrungsgremium des
Zentralkomitees der bolschewistischen Partei aufgenommen und 1922 vom
Plenum des ZK der Partei zum Generalsekret├Ąr gew├Ąhlt.

Kampf um die Nachfolge Lenins
Noch vor seinem Tod hat Lenin versucht Stalin als seinen m├Âglichen
Nachfolger auszuschalten, blieb damit aber ohne Erfolg. Als er am
21.1.1924 starb, entbrannte ein innenpolitischer Machtkampf um die
Nachfolge. Vorerst ├╝bernahm ein Dreim├Ąnnerkollegium (Triumvirat), dem
Sinowjew, Kamenev und Stalin angeh├Ârten, die Nachfolge der obersten
Parteif├╝hrung. Stalin, seit 1922 Generalsekret├Ąr der kommunistischen
Partei und damit f├╝r die gesamte Organisationsarbeit der Partei
verantwortlich, hatte die beste Ausgangsposition um Lenins Nachfolger zu
werden. Zuerst galt es aber in einem innerparteilichen Machtkampf die
Gegner auszuschalten. Neben Sinowjew und Kamenev war dies vor allem
Trotzkij (Organisator und Befehlshaber der Roten Armee), der einen
starken R├╝ckhalt in der Arbeiterschaft und der Armee hatte. Ein Umstand
der Stalin half, war die Tatsache, dass im Politb├╝ro alle einander
mi├čtrauten, vor allem aber f├╝rchtete man, Trotzkij k├Ânnte eine
Milit├Ąrdiktatur errichten. Stalins Prinzip war es, jeweils eine Meinung
zu vertreten, die der jener genau entgegengesetzt war, die sein Gegner
vertrat. So verb├╝ndete sich Stalin kurzzeitig mit Sinowjew und Kamenev
um gegen Trotzkij vorzugehen, der f├╝r die "permanente Revolution" war.
So wurde der "Trotzkismus" als eine gef├Ąhrliche Abweichung
diagnostiziert. 1925 musste Trotzkij als Volkskommissar f├╝r das
Kriegswesen zur├╝cktreten. 1926 wurde er aus dem Politb├╝ro
ausgeschlossen, sp├Ąter auch aus der Partei und schlie├člich aus Ru├čland
verbannt. Er wurde 1940 in Mexiko im Auftrag Stalins ermordet. Kurz
nachdem Trotzkij aus allen politischen Ämtern entfernt war, entledigte
sich Stalin aller Zweckb├╝ndnisse und ging gegen Sinowjew und Kamenev
vor, die zwar Reue zeigten, aber schlie├člich im Jahre 1936 Opfer der
Moskauer S├Ąuberungen wurden. Sie wurden im ersten der drei Schauprozesse
verurteilt und erschossen. Sp├Ąter schaltete Stalin auch die rechte
Opposition innerhalb der Partei aus. Hiervon waren vor allem Bucharin,
Tomskij und Rykov betroffen.
Stalin verstand es, sich geschickt des Parteiapparats zu bedienen um
seine Ziele zu erreichen. Es half ihm auch, dass es ihm fr├╝hzeitig
gelungen war, die Staatspolizei (Tscheka, seit 1922 GPU) unter seinen
Einflu├č zu bringen. An seinem 50. Geburtstag 1929 lie├č sich Stalin als
Erbe und Vollender des Werkes Lenins feiern. Aus dem Parteisekret├Ąr war
in wenigen Jahren der totale Beherrscher des Parteiapparates und der
m├Ąchtigste Mann im Staat geworden.

Der Sozialismus in einem Lande
Als deutlich war, dass sich die Hoffnungen auf eine Weltrevolution nicht
so bald erf├╝llen w├╝rden und sich die Perspektiven f├╝r die von Trotzkij
geforderte "permanente Revolution" verd├╝sterten, stellte Stalin 1925
auf dem Parteikongre├č erstmals die These vom "Sozialismus in einem
Lande" auf. Er wollte nicht auf die Weltrevolution oder revolution├Ąre
Entwicklungen in den anderen Staaten warten. Um allerdings in der
Sowjetunion aus eigener Kraft eine "vollendete sozialistische
Gesellschaft" zu erreichen, schien es Stalin notwendig, die westlichen
Staaten auf wirtschaftlichem Gebiet einzuholen, denn die industrielle
Revolution hatte in Ru├čland noch nicht stattgefunden: Die Sowjetunion
war am Beginn des 20. Jahrhunderts in der Industrialisierung weit hinter
der westlich - kapitalistischen Welt zur├╝ck.

Stalinismus
Unter Stalinismus werden nicht - im Sinne der Totalitarismustheorie -
politische Institutionen und Erscheinungen wie Einparteienherrschaft,
Terror, Personenkult u. ├Ą. verstanden, sondern das sozial├Âkonomische
System, das sich im Zusammenhang mit der forcierten Industrialisierung
und der Massenkollektivierung herausbildete.

Industrialisierung
Sozialismus und industrielle Entwicklung stehen nach marxistischer Lehre
in einem unl├Âsbarem Zusammenhang, denn die technische Vervollkommnung
der Maschinenindustrie und die ihr gem├Ą├če Wirtschaftsform des
Kapitalismus bringen ja erst das Proletariat hervor, dem es bestimmt
ist, die sozialistische Endphase der Weltgeschichte zu verwirklichen.
Lenin machte allerdings aus diesem Widerspruch eine finale These: er
meinte, dass der
Kommunismus - das Ziel - in einer Verbindung von Sowjetmacht und
Elektrifizierung bestehe.
Stalin f├╝hrte dieses Prinzip weiter. Um neben den kapitalistisch -
feindlichen M├Ąchten auf die Dauer bestehen zu k├Ânnen, und schlie├člich
das Ziel - die Weltrevolution - verwirklichen zu
k├Ânnen, sah er die einzige Chance in einer industrialisierten und
hochger├╝steten Sowjetunion.
Mit dem ersten F├╝nfjahresplan 1928 schlug die Sowjetf├╝hrung nun eine
neue Industria - lisierungspolitik ein. Die in den Jahren 1927 - 1929
eingetretenen Krisen in der Getreide - versorgung dienten Stalin zum
Anlass, die N├ľP (Marktwirtschaft und Privatisierung in der
Landwirtschaft, im Handel und der Industrie) abzubrechen.
Von nun an wurde der Ausbau einzelner Schl├╝sselindustrien in
au├čerordentlich beschleu - nigtem Tempo vorangetrieben. Man konzentrierte
sich auf einige wenige Industriezweige (Metallproduktion, Maschinenbau,
Motoren - und Flugzeugbau, Automobil - und Traktorenerzeugung, chemische
Industrie und Energieerzeugung), ohne dabei auf gesamtwirtschaftliche
Zusammenh├Ąnge R├╝cksicht zu nehmen.
Die neue Industrialisierungsstrategie st├╝tzte sich auf bestimmte
M├Âglichkeiten wie zum Beispiel den Arbeitswettbewerb (Pr├Ąmiensystem,
Titel "Helden der Arbeit") und das ununterbrochene Betriebsjahr, welches
eingef├╝hrt wurde. Allerdings stellte der Mangel an qualifizierten
Arbeitskr├Ąften ein ernsthaftes Problem dar. Daher wurde das Netz der
Betriebsberufschulen ausgebaut.
Am Ende des zweiten F├╝nfjahresplanes 1937 hatte man eine m├Ąchtige
Schwerindustrie mit zahlreichen neuen Produktionszweigen geschaffen. Es
waren Tausende neue Betriebe entstanden, fast die gesamte Industrie war
elektrifiziert. Auch in bisher unerschlossenen Gebieten des Urals und in
Sibirien waren Industriezentren und neue Verkehrswege entstanden.
Zahlreiche neue Kraftwerke, die energieintensivere Produktionen
erm├Âglichten waren gebaut worden. Die R├╝stungsproduktion erlangte eine
wachsende Bedeutung.
Ende der drei├čiger Jahre belegte die Sowjetunion im Volumen der
Produktion hinter den USA den zweiten Platz. Innerhalb von einem
Jahrzehnt war aus dem Agrarstaat der zweitgr├Â├čte Industriestaat der Welt
geworden. Doch die quantitativ eindrucksvollen Erfolge konnten nicht
dar├╝ber hinwegt├Ąuschen, dass diese durch enorm hohe Opfer in der
Bev├Âlkerung entstanden waren. Die Industrialisierung war durch
r├╝cksichtslosen Terror erzwungen worden. Der massive Einsatz und die
Disziplinierung von Arbeitskr├Ąften beutete die Bev├Âlkerung aus, die
Konsumg├╝terproduktion wurde stark vernachl├Ąssigt. Der Ausbau der
Industriezweige wurde
auch durch die Massenkollektivierung gef├Ârdert, welche viele
Arbeitskr├Ąfte bereitstellte.
Die handwerklichen Kleinbetriebe bzw. das Kleinb├╝rgertum wurden
vernichtet.
Au├čerdem wurden Ressourcen verschwendet. Man holzte die W├Ąlder ohne
reproduktive Forstwirtschaft ab, ebenso wie man nur die ergiebigsten
Erzadern ausbeutete.
Die Produktionszahlen stimmten zwar, die Produktionskosten waren aber
enorm hoch und die gro├čen quantitativen Erfolge wurden oft durch die
schlechte Qualit├Ąt der Erzeugnisse wieder aufgehoben. Immer wieder
wurden Massen ungeschulter Arbeitskr├Ąfte eingesetzt, die die
kollektivierte Landwirtschaft in ausreichendem Ma├če zur Verf├╝gung
stellte, und Mehrleistungen durch verst├Ąrkten Druck auf die Arbeiter
erzwungen. Die produktiven M├Âglichkeiten des technischen Apparats
blieben aber unausgesch├Âpft.

Die Kollektivierung der Landwirtschaft (Zusammenschlu├č von Klein - und
Mittelbetrieben)
Parallel zur Industrialisierung vollzog sich die Zwangskollektivierung
der Landwirtschaft, die in wenigen Jahren die Bauern in
Kollektivwirtschaften (Kolchosen = Genossenschaften und Sowchosen =
staatliche Musterbetriebe) eingliederte und den Privatbesitz an Grund
und Boden abschaffte.
Gr├╝nde f├╝r die Kollektivierung waren einerseits, dass Stalin die letzte
selbst├Ąndige Bev├Âlkerungsgruppe unter die totale Kontrolle des
Parteistaates bringen wollte und andererseits, dass aus wirtschaftlicher
Sicht der landwirtschaftliche Gro├čbetrieb besser geeignet war
├ťbersch├╝sse f├╝r den Markt bzw. f├╝r die Zwecke des Staates zu
produzieren. Auf diesen Gro├čbetrieben war der Einsatz von Maschinen und
Traktoren lohnender und die Bauern konnten als "Werkt├Ątige" leichter
unter Kontrolle gehalten werden. Das eigentliche Ziel der
Kollektivierung war aber die Abschaffung des Privateigentums in der
Landwirtschaft - der "Klassenkampf auf dem Lande" - und damit ein
wichtiger Schritt auf dem vom Kommunismus propagierten Weg zur
klassenlosen Gesellschaft. Nach Stalins Verst├Ąndnis war die
Kollektivierung in der Landwirtschaft auch eine Voraussetzung f├╝r seine
Industrialisierungs - politik. Allerdings traten nur wenige, vor allem
├Ąrmere Bauern, freiwillig den neugebildeten Kollektiven bei. Vor allem
die Kulaken, die b├Ąuerliche Mittelschicht wehrte sich: Sie schlachteten
ihr Vieh und vernichteten Getreide. So wurde die "Liquidierung des
Kulakentums" eines der gro├čen Ziele Stalins. Man nannte sie auch die
"Revolution von oben", da sie auf Initiative der staatlichen Macht
beruhte. Sie wurde gegen den massiven Widerstand der Bauern und mit
gro├čer Brutalit├Ąt durchgesetzt. Etwa eine halbe Million Kulaken
wurden im tiefsten russischen Winter in die entlegensten Teile des
Landes, meist nach
Sibirien, deportiert und mussten entweder Zwangsarbeit in Straflagern
(Gulag) leisten
( => Industrialisierung) oder sie verhungerten bzw. erfroren, da ihnen
weder Unterk├╝nfte noch Nahrung zur Verf├╝gung gestellt wurden. Die
Durchf├╝hrung der Deportationen lag bei der GPU bzw.
Liquidierungskommandos. Insgesamt wurden etwa 3 Millionen Bauern
deportiert, die meisten kamen dabei ums Leben. Durch die Gewaltma├čnahmen
und die ├╝berst├╝rzten Deportationen waren Teile der l├Ąndlichen
Infrastruktur v├Âllig zerst├Ârt oder erheblich in Mitleidenschaft gezogen
worden. Notschlachtungen hatten den Viehbestand dezimiert, weite
Ackerfluren blieben unbestellt und hohe Ernteausf├Ąlle versch├Ąrften die
Engp├Ąsse bei der Nahrungsversorgung. Die Folge war ein v├Âlliger
Zusammenbruch der d├Ârflichen Ordnungen und eine schreckliche Hungersnot,
die in den Jahren 1932/33 weit ├╝ber 5 Millionen Opfer forderte. Die
Zwangskollektivierung endete in einem wirtschaftlichen Fiasko, doch
bekam der Staat damit die b├Ąuerliche Bev├Âlkerungsmehrheit unter direkte
Kontrolle. 1938 war die privat - b├Ąuerliche Produktion praktisch
verschwunden, Sowchosen und Kolchosen teilten sich in 99% der
Anbaufl├Ąche. Insgesamt forderte die stalinistische Agrarpolitik rund 11
Millionen Tote.

Der totalit├Ąre Staat - S├Ąuberungen - Personenkult
Die Entwicklung des sowjetischen Herrschaftssystems verlief weiter in
Richtung einer faktischen Alleinherrschaft des Diktators Stalins. Die
KPdSU war die einzig zugelassene politische Organisation und wurde zur
St├╝tze des totalit├Ąren politischen Systems des Stalinismus. Ein
zentrales Element des Stalinismus war der Massenterror, der Widerstand
und jede Kritik r├╝cksichtslos unterbunden hat, der vor allem aber die
Bev├Âlkerung einsch├╝chterte und willkommene S├╝ndenb├Âcke schuf. Vor
Denunziationen und willk├╝rlichen Verhaftungen war niemand mehr sicher.
Die Aufl├Âsung der traditionellen gesellschaftlichen Strukturen lie├č die
Kriminalit├Ątsrate rapide ansteigen und so entwickelte man ein
ausgekl├╝geltes System erzwungener Arbeit. Kriminelle und politisch
Gefangene wurden in gemeinsamen Arbeitslagern (ca. 5 - 6 Mio. Insassen) in
Sibirien und des Hohen Nordens zusammengefa├čt, wo viele an den
unmenschlichen Bedingungen starben.
Stalin nahm die Ermordung des Leningrader Parteisekret├Ąrs S. M. Kirov
zum Anlass, eine umfassende S├Ąuberung einzuleiten. Zu Kirov ist zu sagen,
dass am "Parteitag der Sieger" 1934 eine gro├če Anzahl der Delegierten
gegen Stalin als Generalsekret├Ąr gestimmt hatte und Kirov - h├Ątte er
kandidiert - Stalin vermutlich ├╝berlegen gewesen w├Ąre. Man nimmt an, dass
Kirov im Auftrag Stalins ermordet wurde. Der folgenden S├Ąuberung fielen
die alte Garde der Bolschewiki und anderer Parteien, die Spitzen der
Armee, B├╝rokratie und politischen Polizei, die gesamte Elite der
nichtrussischen Nationen und zahlreiche Vertreter der russischen
geistigen Elite zum Opfer. Die S├Ąuberungswelle gipfelte in den Jahren
1936 - 1938 in den Moskauer Schauprozessen, denen vor allem prominente
├ťberlebende der alten Parteielite und verdiente Altkommunisten aus der
internationalen Arbeiterbewegung zum Opfer fielen. W├Ąhrend der
Untersuchungshaft durch Dauerverh├Âre und Folter gebrochen, gestanden die
Angeklagten ihre angeblichen Verbrechen gegen den Staat und wurden
schlie├člich exekutiert.
Durch unabl├Ąssige Propaganda versuchte Stalin von Terror und Gewalttaten
abzulenken.
Er lie├č sich in einem beispiellosen Personenkult als "gro├čer und
genialer F├╝hrer und Lehrer" feiern. Der Stalinkult umfa├čte bald das
ganze Leben der Sowjetb├╝rger: Schule, Beruf, Freizeit, Kultur und die
Massenmedien. Auch die Kunst und K├╝nstler mussten im Dienst des
Personenkults stehen. Der Sozialistische Realismus war das neue
Schlagwort in der Kunst.
So gelang es Stalin, die Mehrheit der Bev├Âlkerung durch neue Ideologien
zu mobilisieren und zu integrieren. Die Idee des sozialistischen Aufbaus
vermochte vor allem junge Leute zu begeistern. Der proletarische
Internationalismus wurde durch den Sowjetpatriotismus ersetzt, der
russisch - nationale und populistische Ideen wiederaufnahm.

Der Weg in den 2. Weltkrieg
Stalin versuchte der feindlichen Haltung Hitlers mit der
Volksfronttaktik zu begegnen. Der sowjetisch - tschechoslowakische
Beistandspakt (1935) h├Ątte mit franz├Âsischer Unterst├╝tzung zur
Eind├Ąmmung expansiver Ambitionen Hitler - Deutschlands beitragen sollen,
blieb jedoch 1938/39 beim Zusammenbruch der Tschechoslowakei
wirkungslos.
Am 23. 8. 1939 unterzeichneten die beiden Au├čenminister Molotov und
Ribbentrop in Moskau den Hitler - Stalin - Pakt. Er beschlo├č die Aufteilung
der k├╝nftigen Interssensph├Ąren in Ostmitteleuropa. Die sowjetische
Interessensph├Ąre umfa├čte Finnland, Estland, Lettland, Bssarabien und
Ostpolen. Deutschland sollte Westpolen bekommen. Weiters garantierte der
Nichtangriffspakt Hitler, bei seinem geplanten Angriff auf Polen nicht
in einen Zweifronten - krieg verwickelt zu werden. Nachdem Hitler Polen
im September 1939 in einem Blitzkrieg besiegt hatte, wurde das Land wie
vertraglich festgelegt, aufgeteilt. Im selben Jahr besetzte die
Sowjetunion auch Estland, Lettland und Litauen, wandelte sie 1940 in
Sowjetrepubliken um und gliederte sie in die UdSSR ein. Der Angriff auf
Finnland (Winter 1939/40) brachte der
Sowjetunion enorme Verluste und den Ausschlu├č aus dem V├Âlkerbund
(Dezember 1939).
Im M├Ąrz 1940 wurde der Konflikt mit einem Friedensvertrag wieder
beigelegt.
Stalin erkannte im politischen Zusammengehen Deutschlands und Japans,
die Achse Berlin - Tokio, die Gefahr eines Zweifrontenkrieges, zumal
Japans Ambitionen, beherrschende Macht in einem gro├časiatischen
Wirtschaftsraum zu werden bekannt waren, und schlo├č im April 1941 einen
Neutralit├Ątspakt mit Japan.

Der "Gro├če Vaterl├Ąndische Krieg"
Am 22. 6. 1941 gab Hitler seiner Wehrmacht den Befehl zum Angriff auf
die Sowjetunion.
Der Angriff schien die Sowjetf├╝hrung v├Âllig zu ├╝berraschen und die
Deutschen konnten in den ersten Wochen des Krieges immense Erfolge
verzeichnen. Gr├╝nde hierf├╝r waren vor allem die sich bemerkbar machende
F├╝hrungsschw├Ąche der Roten Armee, die anf├Ąngliche Unterst├╝tzung der
Deutschen durch Balten und Ukrainer, die die Deutschen zun├Ąchst als
Befreier sahen, aber auch die Millionen ├╝bergelaufenen Rotarmisten
(unzufriedene Kulaken, Freunde hingerichteter Offiziere, von Stalin
entt├Ąuschte Jungkommunisten). Das brutale Auftreten der Deutschen und
die schlechte Behandlung der ├ťberl├Ąufer verst├Ąrkte allerdings den
Widerstand in der Bev├Âlkerung. Stalin n├╝tzte die immer gr├Â├čer werdende
Angst vor fremden Besatzungs - soldaten und rief zur Verteidigung
Ru├člands auf. Er gab dem Krieg den propagandistischen Namen "Gro├čer
Vaterl├Ąndische Krieg". F├╝r die Bev├Âlkerung nahm der Krieg einen neuen
Charakter an. Man k├Ąmpfte nicht mehr f├╝r den Sozialismus, sondern f├╝r
das Vaterland. Viele verbanden den zu erwartenden Sieg mit der Hoffnung
auf ein freieres Leben. Die sowjetischen Soldaten leisteten von nun an
erbitterten Widerstand. Es bildeten sich Partisanengruppen, die hinter
der Front Sabotage betrieben.
Nachdem die Deutschen ohne gro├če Gegenwehr Leningrad eingeschlossen
hatten, r├╝ckten sie weiter bis in die unmittelbare N├Ąhe von Moskau vor.
Hier erlitt die deutsche Wehrmacht aber ihre erste gro├če Niederlage. Die
f├╝r einen Winterkrieg nur mangelhaft ausger├╝steten Soldaten mussten
hunderte Kilometer zur├╝ckweichen. Die deutschen Verluste stiegen
sprunghaft an.
Zwar gelang es den Deutschen in der Sommeroffensive 1942 die Krim und
mehrere Halbinseln zu erobern und bis zu den ├ľlfeldern am Kaspischen
Meer und zum Hochkaukasus vorzusto├čen, doch scheiterten alle Versuche
Stalingrad zu erobern. Eine sowjetische Gro├čoffensive vom 19. - 22. 11.
1942 schlo├č die 6. deutsche Armee im Kessel von Stalingrad ein. General
Friedrich Paulus, von Hitler pers├Ânlich zum Ausharren verpflichtet, sah
sich nach aussichtsloser Gegenwehr am 2. 2. 1943 zur Kapitulation
gezwungen. Von nun an war die
Rote Armee im Vorteil, die Deutschen mussten zur├╝ckweichen und die
besetzten Gebiete r├Ąumen. Die Truppenlandung der Westalliierten in
der Normandie am 6. 6. 1944 er├Âffnete die zweite Front in Westeuropa und
machte die Lage f├╝r Deutschland immer aussichtsloser.
Am 9. 5. 1945 musste Deutschland die bedingungslose Kapitulation
anerkennen.
Im Verlaufe der letzten Kriegsmonate war die Sowjetunion bei ihrem
Vorr├╝cken bis nach Mitteldeutschland gelangt und hatte eine ganze Reihe
von Staaten in Ost - und S├╝dosteuropa besetzt. Polen, Tschechoslowakei,
Ungarn, Rum├Ąnien, Bulgarien und der ├Âstliche Teil ├ľsterreichs waren nach
Kriegsende in russischer Hand. Stalin stand nach dem 2. Weltkrieg auf
dem H├Âhepunkt seiner
Macht.

Stalins Satelliten - Der "Eiserne Vorhang" senkt sich
Nach dem Krieg waren etwa 50 Millionen Menschen in ganz Europa auf der
Flucht. Seit die Rote Armee im Winter 1944/45 die deutsche Grenze
erreicht hatte, str├Âmten Millionen von Deutschen in den Westen
(=>Repatrierung). Man f├╝rchtete sich vor der brutalen Vorgangs - weise
der Russen - nicht zu Unrecht: Ru├čland, das die gr├Â├čten Opferzahlen aus
dem
2. Weltkrieg zu beklagen hatte (etwa 20 Millionen), versuchte aus dem
"Tr├╝mmerfeld Europa" m├Âglichst viel Kriegsbeute herauszuholen,
Voraussetzung daf├╝r war die Vertreibung der Deutschen aus den ├Âstlichen
Gebieten. Hunderttausende, die die deutschen Ostgebiete nicht mehr
rechtzeitig verlie├čen, wurden von den Sowjets in die UdSSR verschleppt.
Au├čerdem erhob die Sowjetunion Anspruch auf sogenanntes deutsches
Eigentum in der Sowjetzone.
So wurden halbe Fabriken und Bahnlinien demontiert und nach Ru├čland
gebracht.
Stalin sowjetisierte in den folgenden Jahren die besetzten Staaten
Polen, Tschechoslowakei (1948 in freien Wahlen f├╝r den Kommunismus
entschieden), Ungarn, Rum├Ąnien, Bulgarien und Ostdeutschland (1949 DDR).
Man bezeichnete diese Staaten auch Satelliten Moskaus oder
Volksdemokratien. Damit war die Sowjetunion neben den USA zur zweiten
Weltmacht geworden. Churchill pr├Ągte 1946 den Begriff "Eiserner
Vorhang". Man verstand darunter die Trennung Europas in den
kommunistisch gepr├Ągten Osten und den Westen.

Der Kalte Krieg bis Stalins Tod
1953
Nach dem 2. Weltkrieg verh├Ąrtete sich das Klima zwischen den USA und der
Sowjetunion
wieder. Ideologische Gegens├Ątze und unterschiedliche machtpolitische
Zielsetzungen vor allem
der Sowjetunion f├╝hrten schlie├člich zum "Kalten Krieg". Man versteht
darunter die
Konfrontation zwischen den USA und der UdSSR, eine Fortsetzung des
Ringens um die Herrschaft ├╝ber Menschen und G├╝ter mit nichtkriegerischen
Mitteln. Aus Furcht vor einem direkten milit├Ąrischen Zusammensto├č mit
neuen, verheerenden Waffensystemen versuchten die beiden Superm├Ąchte,
ihre eigene Position zu st├Ąrken und die des Gegners zu schw├Ąchen.
Die Truman - Doktrin 1947 legte die Containmentpolitik fest. Man wollte
den Kommunismus
eind├Ąmmen. Dies geschah durch wirtschaftliche Unterst├╝tzung der nicht
kommunistischen L├Ąnder Europas. Es wurde ein wirtschaftliches
Hilfsprogramm aufgestellt, das nach dem Namen des damaligen
Au├čenministers "Marshall - Plan" genannt wurde. Von 1948 - 1952 empfingen
die westeurop├Ąischen L├Ąnder Milliardenbetr├Ąge an Sachlieferungen und
Krediten. So bildete der Marshall - Plan eine Grundlage des
westeurop├Ąischen Nachkriegswohlstandes. Vor allem die Wirtschaft
Westdeutschlands fa├čte wieder Fu├č, w├Ąhrend in der sowjetisch besetzten
Zone die Demontage von Industrieanlagen und die Ablieferung von G├╝tern
und Rohstoffen weitergingen. Amerika bot auch den Staaten Osteuropas
Marshall - Plan - Hilfe an. Stalin zwang jedoch die Regierungen der
kommunistischen Staaten zu einem Verzicht. Daf├╝r wurde als Pendant zum
Europ├Ąischen Wirtschaftsrat (OEEC) der "Rat f├╝r gegenseitige
Wirtschaftshilfe" (COMECON, 1949) gegr├╝ndet. Beide Seiten sicherten
ihren Machtbereich durch Verteidigungsb├╝ndnisse ab. Im Westen war dies
die Gr├╝ndung der Nordatlantikpakt Organisation (NATO, 1949), im Osten
kam es zum Abschlu├č des Warschauer Paktes (1955).
Der Kalte Krieg steuerte mit der von Stalin verf├╝gten Berlin - Blockade
(Juni 1948 -
Mai 1949) einem ersten H├Âhepunkt zu und besiegelte auf Jahrzehnte die
Teilung Deutschlands. Stalin wollte mit der Isolation Berlins erreichen,
dass es ganz kommunistisch wird, hatte allerdings keinen Erfolg da
Westberlin 10 Monate erfolgreich von den USA aus der Luft versorgt
wurde.
Um einen eskalierenden, globalen Schlagabtausch zu vermeiden kam es zu
Stellvertreter - kriegen wie zum Beispiel in Korea (1950 - 1953). Stalin
versuchte hier mit chinesischem Beistand eine Ausweitung des
kommunistischen Herrschaftsbereiches in Ostasien und provozierte die
amerikanische Intervention. 1953 beendete ein Waffenstillstand den Krieg
und bestimmte in etwa die alte Zonengrenze als Staatsgrenze.
Als Stalin am 5. M├Ąrz 1953 starb atmeten die Menschen auf der ganzen
Welt auf. Mit Nikita Chruschtschow begann eine neue Ära.


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