Parapsychologie

Geschichte der Parapsychologie:

Die Geburtsstunde der Parapsychologie wird mit der Gr√ľndung der englischen Gesellschaft f√ľr psychische Forschung 1882 datiert. Man sichtete sogenannte spontane Erlebnisse, vor allem Erscheinungen Sterbender, und untersuchte experimentell die √úbertragung seelischer Vorg√§nge von einem Menschen auf einen anderen, die der Cambridger Psychologe Myers Telepathie nannte. Auch der physikalische Mediumismus wurde in den Bereich der kritischen Untersuchungen einbezogen. Man wollte wissen, wie es mit den Wunderleistungen der Medien stehe, die im entr√ľckten Zustand Tische au√üerhalb der Reichweite ihres K√∂rpers zu bewegen schienen, Musikinstrumente aus der Ferne zum Spielen brachten oder Abdr√ľcke von Kn√∂pfen und H√§nden in Tonmasse erzeugten. Um die Jahrhundertwende besch√§ftigten sich zahlreiche Kommissionen mit den Medien Slade und Eusapia Paladino. In Amerika konstruierte sich ebenfalls eine Gesellschaft, die das ber√ľhmte Medium Mrs. Piper untersuchte. Mrs. Piper hat in Sitzungen mit Angeh√∂rigen von Verstorbenen sehr genaue Angaben √ľber die Verstorbenen gemacht, √ľber intimste Dinge, die sie unter keinen Umst√§nden wissen konnte. Sie sprach auch in der Stimme des Verstorbenen, so dass sich der Eindruck aufdr√§ngte, dass die Verstorben selbst durch sie sprechen.

Die offizielle Wissenschaft blieb f√ľr dieses neue Forschungsgebiet unzug√§nglich. Der ber√ľhmte Physiker Helmholtz soll ge√§u√üert haben, weder die Zeugnisse aller Mitglieder der K√∂niglichen Akademie der Wissenschaften noch das Zeugnis seiner eigenen Sinne w√ľrden ihn auch nur von der Gedanken√ľbertragung √ľberzeugen. Es dauerte lange, bis Universit√§ten es wagten, dem parapsychologischen Forschungsgebiet ihre Pforten zu √∂ffnen. Auf dem Kontinent war es Holland, das die Bresche schlug. In Groningen untersuchten 1920 Heymanns und Brugmanns einen Studenten auf telepathische F√§higkeiten und kamen zu einem positivem Ergebnis.

Die Methode:

Mit dem Okkultismus alter Pr√§gung hat diese junge Wissenschaft nur noch den Ausgangspunkt gemeinsam. Der Okkultismus lebt nat√ľrlich wie alle anderen vorkritischen Str√∂mungen und abergl√§ubischen Lebenseinstellungen in manigfaltigem Gewand weiter. Er muss es sich aber gefallen lassen, von der Parapsychologie kritisch unter die Lupe genommen zu werden. Sie √ľbernahm den Auftrag der allgemeinen Psychologie zur Ergr√ľndung des Seelisch - Geistigen im Menschen. Sie weitete ihn auf jene k√∂rperlichen und seelischen Vorg√§nge aus, die in die g√ľltige wissenschaftliche Systematik der allgemeinen Psychologie nicht eingeordnet werden k√∂nnen. Sie beruht auf genauer Beobachtung der Ph√§nomene, auf Vergegenw√§rtigung, angemessener Formulierung der Beobachtungen und auf dem Experiment, verbunden mit der Statistik. Das Experiment stellt hier nicht wie in der normalen Psychologie einen willk√ľrlichen und planm√§√üigen Eingriff dar.
Es muss sich der einmaligen und meistens unwiederholbaren Situation anpassen, in der sich die außersinnlichen Erfahrungen darbieten. Als Erfahrungsquelle dienen Berichte und eigene Beobachtungen. Es ist nur selten möglich, ein Phänomen sachlich einwandfrei zu rekonstruieren. Weil im Bereich des Seelischen jeder Teilbereich von dem anderen und vom Ganzen mitbestimmt ist, muss immer in Hinblick auf den ganzen Menschen und die besondere Art des zu untersuchenden Phänomens vorgegangen werden. Die einzelnen Ergebnisse können dann allerdings statistisch miteinander verarbeitet werden.
Aber die wissenschaftliche Besch√§ftigung mit okkulten Erscheinungen setzt noch etwas anderes als nur kontrollierbare Methoden voraus. Das Verst√§ndnis f√ľr metaphysische Zusammenh√§nge und f√ľr Symbole, in der sich seelisches Geschehen zu kleiden liebt, bewahren sie vor einem Materialismus, der alles leugnet, was nicht den bekannten, klassischen Naturgesetzen entspricht. Wem es an Ehrfurcht vor dem Unerforschten fehlt, wird gerade in diesen Bereichen vor einem verworrenen Geschehen stehen und ihm keine sinnvollen Erkenntnisse abzugewinnen verm√∂gen; denn vorausgesetzt wird hier ein einf√ľhlendes Wissen, das man, wie bei jeder tiefen Wissenschaft, auch erleben muss, wenn nicht nur Formeln, Worte und Definitionen √ľbrigbleiben soll. Quantit√§t und Qualit√§t, Zahl, Ma√ü, Einf√ľhlung und Intuition m√ľssen sich erg√§nzen.

Die wichtigsten Phänomengruppen


Der Bereich der okkulten Erscheinungen umfaßt eine Reihe von Phänomengruppen. Wenn auch viele dieser Phänomene als unecht entlarvt oder zum Teil entlarvt worden sind und außerhalb der Parapsychologie als exakter Wissenschaft liegen, so sind sie hier und da doch mit allen Konsequenzen im Bewußtsein vieler Menschen lebendig. Sie spielen im Leben des einzelnen, bei der zwischenmenschlichen Begegnung, in Gemeinschaften und im Leben der Völker zuweilen eine große Rolle. Jedem sind derartige Erlebnisse bekannt.

Telepathie:

Im Volksmund versteht man darunter Gedankenlesen, also Gedankensenden und Gedankenempfangen. Im strengen Sinne betrachtet, handelt es sich um die √úbertragung von Vorstellungs - und Gedankeninhalten auf eine andere Person ohne Benutzung der normalen Sinnesorgane. Die Entfernung spielt dabei keine Rolle. Es kann um Gedanken, Bilder, Gef√ľhle oder Empfindungen bewu√üter, aber auch unbewu√üter Art gehen. Solche pl√∂tzlich eintretenden telepathischen √úbertragungen scheinen den Zustand herabgesetzter Bewu√ütseinst√§tigkeit zu bevorzugen.
Wenn die Klarheit und Sch√§rfe des Denkens und Urteilens nachlassen, wird das Bewu√ütsein f√ľr solche, die Ebene des Unbewu√üten beherrschenden Inhalte durchl√§ssig. Sie vollziehen sich mit Vorliebe in Traumbildern, Visionen und pl√∂tzlich auftretenden Gewi√üheiten. Es ist nicht immer leicht, Telepathie vom Hellsehen zu unterscheiden. Sie gilt aber als direktes Kontaktmittel von Seele zu Seele als erwiesen. Es gibt telepathische Gespr√§che, telepathische √úbertragungen, sinnliche Empfindungen und Todesank√ľndigungen, telepathisch inspirierte Zeichnungen, Schlafzust√§nde und suggestive Fernbeeinflussung schlafender Patienten.
Auch die psychometrische Telepathie muss erw√§hnt werden. Darunter ist die F√§higkeit zu verstehen, an Hand eines Gegenstandes Aussagen √ľber den Besitzer zu machen. Dar√ľber hinaus k√∂nnen auch Menschen geschildert werden, durch deren H√§nde der betreffende Gegenstand gegangen ist. Fr√ľher nahm man an, der Gegenstand w√ľrde die Erlebnisse speichern und das Medium brauche sie lediglich abzulesen. Bei der Psychometrie ist diese Speicherungstheorie aber unhaltbar.

Hellsehen


Bei diesem Ph√§nomen muss zwischen r√§umlichen und psychometrischen Hellsehen, dem zeitlichen Hellsehen oder der Vorschau und den Erlebnissen, unterschieden werden. Grunds√§tzlich ist zu sagen, dass unter Hellsehen im strengen Sinne nur au√üersinnliche Wahrnehmungen eines niemanden bekannten Gegenstandes oder Vorgangs zu verstehen sind. In der Praxis geht es dann unter anderem um das Lesen verschlossener Briefe und um Angaben √ľber kommende Ereignisse.
Das r√§umliche Hellsehen bezieht sich einmal auf Gegenst√§nde, die den Sinnen v√∂llig entzogen sind, sich aber in der Umgebung der hellsehenden Person, des Mediums, befinden. In diesem Falle wird von Kryptoskopie gesprochen (Schauen). Die Gegenst√§nde oder Vorg√§nge k√∂nnen vom hellsehenden Medium aber auch weiter entfernt sein. Dann handelt es sich um Teleskopie. Das zeitliche Hellsehen geht bereits in die Prophetie √ľber. Es hat mit der zeitlichen R√ľckschau (Retroskopie) und mit der zeitlichen Vorschau (Prophetie) zu tun.
Hellsehversuche wurden wiederholt durchgef√ľhrt. Sie sind durch eine gewisse Verschwommenheit der Aussagen charakterisiert, als m√ľsste das Medium sich erst durch einen Ozean flie√üender Bilder allm√§hlich hindurchtasten. Die zeitliche R√ľckschau bewegt sich auf gleicher Ebene. Schwieriger verh√§lt es sich mit der zeitlichen Vorschau und mit dem Zweiten Gesicht. Beide Ph√§nomene h√§ngen zusammen, in beiden F√§llen werden Dinge geschaut, die zeitlich √ľberhaupt noch nicht da sind. Zum Verst√§ndnis solcher Ph√§nomene tragen viele Theorien und Erkl√§rungsversuche bei, so diejenigen, die von einer √úberzeit und von einem √úberraum ausgehen, wo bereits alle Ereignisse der Zukunft vorgegeben sind.

Das Zweite Gesicht:

Diese Gabe ist an bestimmte Personen gebunden, und es wird angenommen, sie sei erblich. Jedenfalls wird das von den Sp√∂kenkiekern Westfalens und auch Schottlands berichtet. Inwieweit die Landschaft auf solche Bef√§higungen beg√ľnstigend einwirkt, konnte bislang noch nicht einwandfrei erforscht werden. Sp√∂kenkieker sind oft Urheber von Geistergeschichten und √ľben zuweilen die Hellseherei und Wahrsagerei als Beruf aus. Sie sehen ihre Visionen im Wachzustand und sehen vor allen Dingen Ereignisse voraus, die mit Sterbe - und Ungl√ľcksf√§llen zu tun haben, also eine Gef√§hrdung biologischer Urschichten bedeuten. Solche Ereignisse k√∂nnen noch nach Jahren eintreffen. Die Seherkraft kann sich aber auch auf das Vorhersehen von Besuchen beschr√§nken und tritt nicht nur wie im Falle der Prophetie einmalig oder selten auf. Die Gesichter erscheinen je nach dem Typus des Sehers im Wach - oder D√§mmzustand des Bewu√ütseins. Sie sind oft so klar, dass Personen und Gegenst√§nde unverwechselbar erkannt werden k√∂nnen. Es hei√üt auch, das Gesicht k√∂nne sich auf den √ľbertragen, der den Seher ber√ľhrt. W√§hrend die einen solche F√§higkeiten preisen, halten die anderen sie f√ľr ein Sinnbild des Ungl√ľcks.

Prophetie:

Die Prophetie oder Prekognition kennt die Zukunft oder Ausschnitte der Zukunft. Solche Sachverhalte k√∂nnen nicht erschlossen werden. Sie √ľberkommen den zur Vorhersage bef√§higten Menschen pl√∂tzlich als Visionen, Ahnungen oder auch Wahrtr√§ume. Es handelt sich um das Vorauswissen eines zuk√ľnftigen Ereignisses, f√ľr das im Augenblick der Voraussage keine zureichenden Gr√ľnde bekannt sind.
Sie erscheint als Gabe aus einer sph√§rischen H√∂chststufe, die nur Menschen zuteil werden, deren Ethos im Einklang mit den ewigen Gesetzen der Natur steht. Die mit der Prophetie verbundene Inspiration kann aber auch einem negativen satanischen Prinzip verfallen. Die Menschen pflegen sich vor allem in Zeiten der Not und Ausweglosigkeit an Prophezeiungen zu klammern. Beliebt sind Prophezeihungen, die durch die Phantasie des einzelnen weiter ausgeschm√ľckt werden k√∂nnen.

Wahrträume:

Auch im Traum k√∂nnen paranormale Erlebnisse wie Telepathie oder Prophetie verarbeitet werden. In prophetischen Tr√§umen werden Ereignisse erlebt, die wirklich eintreten. Telepathische Tr√§ume vermitteln Inhalte, die sich gleichzeitig abspielen, ohne dass der Tr√§umende davon wissen konnte. Es geht beim Wahrtraum um die seelische Fernwirkung, um die Kunde, um Voraussagen √ľber Personen und Orte. Medial veranlagten Menschen soll es m√∂glich sein, im Traum die Gedanken anderer zu erfahren. Selbstmord und Traum h√§ngen zusammen. Der Tod wird h√§ufig vorhergetr√§umt.
Ebenso h√§ufig wie prophetische Tr√§ume treten telepathische Tr√§ume auf. Bei sensibel aufeinander abgestimmten Eheleuten kann es leicht zu gleichen Trauminhalten kommen; denn auf dem Boden gemeinsamer Konflikte, Sorgen und Bed√ľrfnisse vermag das Unbewu√üte auch gleiche Tr√§ume zu produzieren.

Stigmatisation und Bilokation:

Stigmatisierte sind Tr√§ger der Wundmale Christi. Manche Forscher sprechen auch von Ideolplastik, das hei√üt von einem Wirklichkeit - werden von Ideen und Vorstellungsbildern. Zur Stigmatisation bef√§higte Menschen haben physiologisch gesehen ein √ľberempfind - liches Nervensystem und reagieren auf seelische oder √§u√üere Erregungen mit bestimmten Stigmen, wie Organver√§nderungen, Hautr√∂tung oder Krampf. Sie neigen zu Ekstase und Bed√ľrfnis - losigkeit und erleiden im besonderen Falle die Kreuzigungsgeschichte mit ihren Begleiterscheinungen. Ihre Wunden an den H√§nden, an den F√ľ√üen und am Kopf schmerzen, eitern aber nicht und lassen sich durch Wundversorgung nicht heilen.
Bereits der heilige Franz von Assisi soll Wundmale besessen haben. Seit jener Zeit wurden im europ√§ischen Bereich √ľber 300 F√§lle von Stigmatasition verzeichnet. Man darf annehmen, dass es sich hier um ein v√∂llig unbestrittenes Ph√§nomen handelt, das auch au√üerhalb religi√∂ser und konfessioneller Situationen auftritt.

Besessenheit:

Wenn ein D√§mon oder ein b√∂ser Geist vom Menschen Besitz ergreift, spricht die katholische Kirche von Besessenheit. Der Mensch wird Werkzeug einer √ľberpers√∂nlichen Macht. Die g√∂ttliche oder teuflische Macht nimmt ganz von ihm Besitz. Sie redet durch seinen Mund, schreibt mit seinen H√§nden und l√§sst den K√∂rper sich in Schmerzen qu√§len. Der Gesichstausdruck ver√§ndert sich zur scheu√ülichen Fratze, die Stimme schl√§gt um, der Mensch verwandelt seine Bewu√ütseinsinhalte. Tobsuchtsanf√§lle, blindes Herumschlagen der Glieder und Zerst√∂rungswut kommen hinzu.
In alten Zeiten vermochte man die wirklichen Besessenen noch nicht von den Kranken zu unterscheiden, die an Epilepsie und schweren hysterischen Anf√§llen litten. Die Schlangengrube war in beiden F√§llen das unabwendbare Los. Impulsst√∂rungen und Ichst√∂rungen f√ľhren zu Sinnest√§uschungen und zu leibhaftigen Halluzinationen.
Die katholische Kirche hat eine eigene Methode zur Austreibung von Geistern aus Besessenen entwickelt, die nach bestimmten Überlieferungen und Vorschriften verfährt. Im Bereich der evangelischen Kirche wird die Kraft des Gebetes als Gegenmittel eingesetzt. So soll es dem Pfarrer Christoph Blumhardt gelungen sein, die in der Literatur wiederholt zitierte Frau Dittus zu heilen, so dass "ganze Horden von Teufeln, die einen stumm, die anderen unter Protest", den Körper verließen.

Tischr√ľcken, Telekinesen und Levitationen:

Beim Tischr√ľcken wird das gew√∂hnliche Ph√§nomen des Klopfens von den Telekinesen und von den h√∂chst umstritten Levitationen unterschieden. Tische werden auch f√ľr den Verkehr mit Geistern benutzt, die das Alphabet klopfen und sich auf diese Weise verst√§ndlich machen. Dann wird von den Bewegungen des Tisches ohne physisch sichtbare Kraft berichtet, von sogenannten Tele - kinesen. Seltener sollen Levitationen, das hei√üt Erhebungen entgegen den Gesetzen der Schwerkraft, auftreten.
Man kann den Tisch durch Handauflegen oder aus der Ferne bewegen. Es z√§hlt zu den harmlosen Gesellschaftsspielen okkultisch angehauchter Kreise, und es mag verwunderlich erscheinen, dass experimentelle Forscher die Echtheit solcher Erscheinungen f√ľr m√∂glich halten. Wilhelm Moufang berichtet √ľber eine Sitzung: "W√§hrend wir um den Tisch herumsa√üen, kamen zwei Erscheinungen spontan vor: Ein schnelles Hochkippen des Tisches, und zwar fast immer an der Breitseite, an der ich sa√ü, und au√üerdem ein pl√∂tzliches Rutschen des Tisches. Letzteres hatte ich Schlittenph√§nomen genannt. Die Bewegung war schu√üartig, und ich habe es mit dem pl√∂tzlichen Anziehen eines St√ľckes Eisen von einem Magneten verglichen. Mir war es unm√∂glich, mit aller Kraft den Tisch in seiner Schnelligkeit seitw√§rts zu schieben!"
Weiterhin ereigneten sich unter der Kontrolle mehrerer Herren Erhebungen des schweren Tisches. In einigen Fällen sollen die Beteiligten mehrere Meter vom Tisch entfernt gewesen sein. Ein Betrug soll ausgeschlossen gewesen sein.
Fr√ľher sprach man bei diesen Ph√§nomenen vom Wirken des Teufels oder von Magie. Neuerdings wird auch von wissenschaftlicher Seite versucht, die Schwebeph√§nomene aufzukl√§ren. Der Energie - und Gewichtsaustausch soll eine wichtige Rolle spielen. Der Forscher Arsonval will festgestellt haben, dass die schon erw√§hnte Eusapia Paladino um das Gewicht des Tisches zunahm, den sie durch Fernwirkung zur Erhebung brachte. Es gibt mehrere Theorien √ľber die Aufhebung der Schwerkraft, die der Kritik jedoch nicht standhalten.
Die Frau, die verschlossene Briefe lesen konnte

Bei seiner t√§glichen Visite im psychiatrischen Krankenhaus der russischen Stadt Tambow blieb Dr.A.N. Chowrin eines Tages stehen, um mit einer Patientin, der 34 Jahre alten Sophia Alexandrowna, zu plaudern. Sie war eine Frau von lebhafter Intelligenz und ehemalige Vorsteherin einer M√§dchenschule. Ins Krankenhaus war sie wegen einer milden Form von Hystero - Epilepsie eingeliefert worden. An diesem Tag war sie ohne alle Beschwerden und bei guter Laune - bis ihr die Krankenschwester einen Brief brachte. Sie bef√ľhlte ihn kurz in Chowrins Gegenwart und begann zu weinen. Als er sie fragte, was sie bek√ľmmere, antwortete sie: "Meine Schwester schreibt, sie habe soeben ihren kleinen Jungen verloren und sei selber sehr krank." Obgleich gegen√ľber wunderlichen Behauptungen ziemlich abgebr√ľht, bat der Psychiater, den Brief zu sehen, nachdem er ge√∂ffnet worden war - Sophia hatte in jeder Einzelheit recht! Chowrin wollte den Vorfall als eine ungew√∂hnliche Koinzidenz abzutun, aber Sophie sagte: "Ich wei√ü h√§ufig, was in den Briefen meiner Verwandten steht, bevor ich sie √∂ffne."
Er entschlo√ü sich, ihre anscheinend hellseherische Begabung einer Reihe von Tests zu unterziehen. Und so begann am 21. M√§rz 1892 eine Versuchsreihe, die seither in den Annalen der Parapsychologie unter dem Namen "der Fall Chowrin" bekannt geworden ist. W√§hrend all dieser Tests und sogar danach bewahrte Chowrin gegen√ľber den verbl√ľffenden F√§higkeiten Sophias eine distanzierte und skeptische Haltung. Ihre einzigartigen Begabung konnte er beobachten, aber er traute kaum seinen eigenen Augen und Ohren. Seine wissenschaftlichen Kollegen waren sogar noch weniger bereit, Sophias hellseherische F√§higkeiten glauben zu schenken.
Beim ersten, einfachen Versuch nahm Chowrin ein halbes Blatt Papier, schrieb einen Satz darauf, faltete es doppelt, verschlo√ü es in einem gew√∂hnlichen Umschlag und bat die Patientin, zu lesen, was er geschrieben hatte. Zuerst weigerte sie sich, doch schlie√ülich nahm sie den Brief und begann dich auf Chowrins Bitte darauf zu konzentrieren, indem sie den Umschlag mit ihren Fingern bef√ľhlte. Nach zwei oder drei Minuten sagte sie: " Ich meine die W√∂rter Sophia Alexandrowna zu sehen und noch einige andere, aber ich bin zu m√ľde, um weiterzumachen."
Chowrin sah ein, dass es nicht ratsam sei, sie zu erm√ľden. Da sie die ersten zwei W√∂rter aber erraten hatte, √ľberlie√ü er ihr den Brief und sagte, dass sie ihm morgen mitteilen solle, ob sie den Rest lesen konnte. Nach einiger Zeit schickte sie den Brief zur√ľck. Auf den Umschlag hatte sie mit Bleistift gekritzelt: "Sophia Alexandrowna, Sie sollten gesund werden" - genau das, was er selbst geschrieben hatte. Mit einer Lupe versuchte er, Spuren zu entdecken, die darauf hingedeutet h√§tten, dass der Umschlag ge√∂ffnet worden war, aber er fand keine, und er konnte auch nicht durch den Umschlag durchsehen, wenn er ihn gegen das Licht hielt.
Als er die Patienten aufsuchte, sagt sie ihm, dass sie, als sie den Umschlag in H√§nden hielt, pl√∂tzlich den ganzen Satz vor sich gesehen habe, ohne einzelne W√∂rter zu unterscheiden. Auf jeden Fall verursachte ihr das Kopfweh, aber Ihr Interesse war gen√ľgend geweckt, so dass sie Chowrins Vorschlag, weitere Experimente durchzuf√ľhren, annahm.
Das n√§chste, unter strengeren Vorsichtsma√ünahmen durchgef√ľhrte Experiment lieferte nicht weniger √ľberzeugende Resultate.
Diesen zwei erfolgreichen Leseversuchen schlo√ü sich eine Reihe von Experimenten an, die so strikt kontrolliert waren, dass Chowrin zum Schlu√ü kam: "Sophia Alexandrowna besitzt eine einzigartige F√§higkeit, n√§mlich eine au√üergew√∂hnliche Sch√§rfe gewisser Sinnesorgane, die sie instand setzt, Sinneseindr√ľcke aus Quellen zu erhalten, durch die normale Menschen nicht affiziert werden."
Aber noch immer z√∂gerte Chowrin, seine Experimente sogar seinen eigenen Kollegen bekanntzugeben, und zwar haupts√§chlich deshalb, weil die Umschl√§ge mitunter mehrere Stunden in Sophias Besitz waren. Deshalb bat er sie um ihre Einwilligung, die Versucher in Gegenwart anderer Forscher durchzuf√ľhren. Auch fragte er sie, warum sie es vorziehe, das lesen der Briefe in der Abgeschlossenheit ihres Zimmers vorzunehmen. Sophia antwortete mit einer schriftlichen Stellungnahme, die nicht nur f√ľr sie, sonder auch f√ľr viel andere Sensitive charakteristisch ist:
"Wenn ich einen solchen Umschlag erhalte und aufgefordert werde, den darin eingeschlossenen Brief zu lesen..., dann versp√ľre ich ein starkes Bed√ľrfnis, allein zu sein, ohne Licht und ohne jedes Ger√§usch; ich ertrage dann die Gegenwart von Fremden nicht; ihre Bewegungen, sogar ihr Atem st√∂rt meine Konzentration."
Obgleich Sophia anf√§nglich keine Versuche mit anderen Forschern durchf√ľhre wollte, konnte Chowrin sie doch dazu √ľberreden, an einer Anzahl von Versuchen mit verschiedenen Medizinern teilzunehmen.
Indessen beobachtete Chowrin, dass Sophia allmählich einzelne Wörter des verschlossenen Textes nicht mehr erriet oder las, sondern die Fähigkeit entwickelte, Bilder, die sich auf ihn bezogen, zu sehen, und das häufig erstaunlich detailliert.
Nach einer langen Reihe erfolgreicher Versuche mit versiegelten Texten, die erst in ihrem eigenen Zimmer, sp√§ter in Chowrins B√ľro durchgef√ľhrt wurden, begann er, Sophias psychometrische F√§higkeiten zu testen, dann ihre F√§higkeiten, Farben mittels des Tastsinns zu erkennen und schlie√ülich die, verschiedene Geschmacks - eindr√ľcke zu unterscheiden, aber nicht vermittels des Geschmacks - sinns, sondern indem man mit verschiedenen geruch - und farblosen Fl√ľssigkeiten getr√§nkte Watte auf die Haut ihrer rechten Hand oder zwischen die Finger legte. All diese Versuche ergaben in der Regel positive Ergebnisse; nur ein unbedeutender Prozentsatz fiel unbestimmt oder negativ aus.
Was √ľbrigbleibt, ist die nackte Tatsache, dass Sophia Alexandrowna hellseherisch begabt war. Das ist eine physiologische oder psychologische Begabung oder beides zusammen oder keines von beiden - bis heute wei√ü das niemand, und wie lange man noch auf die richtige Antwort wird warten m√ľssen.




LITERATUR:

Heinz Dirks; Psychologie - eine modene Seelenkunde
Martin Ebon; PSI in der UdSSR, Religion ohne Kreuz

















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