Schachnovelle

Gliederung


Lebenslauf Stefan Zweig Biographie.doc

Weitere Werke Aufbau.doc

Aufbau Aufbau.doc

Personen Personen.doc

Erzähler

Mirko Czentovic Charakter Mirko.doc
Dr. B Charakter Dr B.doc
Mc Conner

Umfeld Umfeld.doc

Weltpolitische Situation Umfeld.doc

Der Film Der Film.doc

Inhaltsangabe Inhalt2.doc

Pers. Beurteilung Beurteilung.doc
Stefan Zweig
Lebenslauf:
Stefan Zweig wurde am 28 November 1881 als zweiter Sohn des b√∂hmischen Textilfabrikanten Moritz und der italienischen Bankierstochter Ida Zweig (geborene Brettauer) in Wien geboren und w√§chst in seinem wohlhabenden, j√ľdischen B√ľrgertum auf, in dem er von materiellen Dingen v√∂llig unabh√§ngig blieb. Er litt an der sogenannten "schwarzen Leber", eine Art immer wiederkehrende Depression, die ihn selbst bei bester Stimmung f√ľr die "Schattenseiten des Lebens" anf√§llig machte.
Stefan Zweig war immer pazifistisch und weltpolitisch eingestellt, w√ľnschte sich ein Kultureuropa ohne Grenzen, und fungierte oft als literarischer Vermittler zwischen den Nationen. Sein Leben war sonst durch st√§ndiges Reisen innerhalb Europas, unter anderem in Belgien, Frankreich, England und Italien, gepr√§gt, die er seine "wirklichen Studien" nannte.
Er studierte in Wien und Berlin Germanistik. 1904 wurde er zum Doktor der Philosophie an der Wiener Universität promoviert.
Zwischen 1908 und 1912 unternahm er Reisen nach Indien sowie nach Kuba, Nordamerika und Panama. 1914 kehrte er zur√ľck nach Wien um seinen Kriegsdienst abzuleisten, wurde jedoch ausgemustert, weil er untauglich war. W√§hrend des 1. Weltkrieges bekannte er sich √∂ffentlich zum Pazifismus ( Ablehnung des Krieges aus religi√∂sen oder ethnischen Gr√ľnden ).
Schon 1919 zog er nach Salzburg um, da dieses zentraler gelegen und somit geeigneter f√ľr seine Auslandsreisen war als Wien.
Sein Erfolg, schon zu Lebzeiten war er der meist√ľbersetzte und international bekannteste √∂sterreichische Schriftsteller, l√§sst sich durch verschiedene Faktoren erkl√§ren: Stefan Zweig besa√ü die Kunst, geschichtliche Begebenheiten auf eine novellistische Art zu erz√§hlen, konnte typisch menschliches Verhalten auf eine fesselnde Art und Weise darstellen und wu√üte sich dabei des psychoanalytischen "Auseinandernehmens" zu bedienen; eine Art Einf√ľhlungs - verm√∂gen war in seinen Werken zu erkennen.
Er selbst war ein f√ľr alles offener und in einer selbstaufopfernden Weise Hilfe leistender Mitmensch, der immer an das Gute im Menschen zu glauben schien, eine Art "√úberparteilichkeit" geh√∂rte ebenfalls zu seinen Charakterst√§rken. Durch eine "b√∂se Vorahnung", die er f√ľr √Ėsterreich hegte, entschlo√ü er sich, 1933 nach London zu reisen, 1934 setzte er sich dort fest und 1940 nahm er die britische Staatsb√ľrgerschaft an, seine Ehefrau Friderike (geb√ľrtige von Winternitz) blieb derweil in √Ėsterreich zur√ľck, Stefan Zweig fand in Lotte Altmann, seiner Sekret√§rin, seine neue Lebensgef√§hrtin. Stefan Zweig lie√ü sich durch seine Eigenschaft der "√úberparteilichkeit" nicht vom damals aufkommenden Fanatismus begeistern, wodurch er auffiel. Seine eigene politische Meinung tat er, wie so oft, durch seine folgenden Werke kund, jedoch musste er, durch den damalig aufkommenden Nationalsozialismus, mit seinem seit 30 Jahren seine Werke ver√∂ffentlichenden Verlag brechen. Doch auch in England f√ľhlte er sich nicht wohl, ihn √ľberkam eine Art innere Unruhe, der er sich nicht entziehen konnte, seine Idee vom vereinigten Kultureuropa war zerst√∂rt.
Wegen einer Vortragsreise kam Stefan Zweig 1941 nach Brasilien, in Petr√≥polis (nahe bei Rio de Janeiro) lie√ü er sich daraufhin mit seiner nachgereisten Lebensgef√§hrtin nieder, wollte nicht mehr in eine v√∂llig zerst√∂rte Welt zur√ľckkehren. So schrieb er nicht nur die "Schachnovelle", sondern auch 1941 seine eigene Biographie, die er "Die Welt von gestern" nannte, die Welt, die er nie wieder sehen w√ľrde; die Ideale, die ihm so wichtig waren, waren nun vernichtet worden.
Mit dem Eintritt Japans in den Weltkrieg und der Niederlage Singapurs, den schlimmen Nachrichten aus Europa und der Hoffnungslosigkeit seiner Lage, wählten Stefan Zweig und seine Lebensgefährtin Lotte Altmann am 23. Februar 1942 in Petrópolis den Freitod als innerlich gebrochener Mann.
Stefan Zweig, Die Schachnovelle (1941)

Zum Autor :

Stefan Zweig: 1881 - 1942:
J√ľdischer Herkunft, geboren in Wien, wandte sich vor allem der erz√§hlenden Dichtung zu. Er glaubte an das friedliche Zusammenwirken aller
Völker und an die fortschreitende Humanisierung unserer Welt. Dieser Glaube wurde aber durch den Ausbruch des zweiten Weltkrieges zerstört.
Er war gegen Nationalismus und Militarismus. Und durch Hitlers Armeen verlor er die Hoffnung auf eine gl√ľckliche Wendung und nahm sich am 23.Februar 1942 mit seiner zweiten Frau das Leben.
Einige Werke von ihm sind: "Brennendes Geheimnis", "Angst", "Schachnovelle" und der einzigeRoman "Ungeduld des Herzen".


Zur Struktur :

Rahmennovelle : 1. Rahmen beschreibt Handlung auf dem Schiff, der 2. Rahmen die Handlung während Dr. B's Gefangenschaft.


Zu den Personen :

der Erzähler
Das ganze Buch wird aus seiner Sicht erz√§hlt. Er ist ein m√§√üiger Freizeitschachspieler, der von der "h√∂heren" Kunst des Schachspielens √ľberhaupt keine Ahnung hat. Trotzdem ist er aber interessiert daran, was das f√ľr ein Mensch ist, der die Kunst des k√∂niglichen Spieles beherrscht. Im Leben des Erz√§hlers gibt es eine Anzahl von Prinzipien, u.a. dass er sich immer korrekt gegen√ľber seinen Mitmenschen verh√§lt.

Mirko Czentovic

Er ist der Sohn eines armen Donaufischers. Mit 21 wurde er zum Schachweltmeister gekr√∂nt.. Er lebt zur√ľckgezogen und versucht, jeglichen Kontakt zur Au√üenwelt zu vermeiden. Er ist ein selbstgef√§lliger Million√§r, primitiv und zugleich arrogant. In vielen Kreisen wird bel√§chelt, dass er Analphabet ist und zudem, dass er als Schachmeister sich das Schachbrett gedanklich nicht vorstellen kann.

Dr. B

Der √∂sterreichische Emigrant Dr. B, wurde von den Nazis in Isolationshaft genommen. Durch diese qualvolle Zeit gepr√§gt ist er heute der geistigen Schizophrenie verfallen. Er ist ein Mensch von unscheinbarer Statur, der einsam und zur√ľckgezogen lebt und trotzdem mit seiner Umgebung in freundlicher Weise verkehrt.

 McConner

McConner ist ein reicher Schotte, der einen sehr ehrgeizigen Charakter besitzt.. Au√üerdem reagiert er sehr empfindlich gegen√ľber Bem√§ngelungen an seiner Person.


Zur Zeit :

Die Novelle spielt sich in der Zeit anfangs des 2. Weltkrieges ab und Stefan Zweig verarbeitet hier seine Eindr√ľcke.


Zum Inhalt:

Auf einem Passagierdampfer, der in New York Richtung Buenos Aires ausl√§uft, befindet sich der amtierende Schachweltmeister Mirko Czentovic, Dr. B. und der Erz√§hler. √Ąu√üerst gerne w√ľrde der Erz√§hler den Schachweltmeister n√§her kennenlernen, dies gelingt ihm vorderhand leider nicht. Schlie√ülich verabredet er sich mit McConner zu einer Partie gegen Czentovic. Nach kurzer Zeit verlieren die beiden Schachfreunde die erste Partie. Als sie nochmals spielen und schon wieder in aussichtslosem R√ľckstand liegen kommt Dr. B zu Hilfe und rettet die Partie mit exzellenten Ratschl√§gen auf Remis. Merkw√ľrdigerweise hat Dr. B. kein Interesse daran, alleine gegen den Meister zu spielen. Der Erz√§hler fragt ihn, weshalb er nicht bereit sei zu spielen. Dieser erz√§hlt ihm, wie ihn die Nazis in Isolationshaft nahmen und wie er ein Schachbuch mit 150 Meisterpartien gestohlen hatte. Er beschreibt auch, wie er die Partien im Geiste durchspielte und wie es ihm zu monoton wurde als er jedes Spiel etliche Male durchgedacht hat. Er begann nun, gegen sich selber zu spielen. Dadurch verfiel er der Schizophrenie, so dass er schlie√ülich, f√ľr die Nazis als Informant unbrauchbar war und aus der Isolationshaft entlassen wurde.
Nach diesem Gespräch erklärt Dr. B. sich bereit, eine Partei gegen den Meister zu spielen, die er mit Bravour gewann. Czentovic fordert ihn zu Revanche auf, diesmal gewinnt der Meister, nachdem, Dr. B. wieder der "Schach - Schizophrenie" verfallen war.


Schlusswort :

Die Geschichte kann jedem empfohlen werden, der gerne kurze und spannende Geschichten liest. Und wer sich mit dem Druck psychisch kranker
Menschen auseinandersetzt, kann sich gut in die Form des Dr. B. hineinversetzen.
Weitere Werke :

Brennendes Geheimnis
Angst
Ungeduld im Herzen ( sein einziger Roman )


Aufbau :


NOVELLE ( Def. nach Benno v. Wiese ) :
• dramatische Erz√§hlung mit einem oder mehreren Wendepunkten
( vgl. PERIPETIE ) .
• behandelt einen einzelnen Fall, sie ist √ľbersichtlich
• erz√§hlt von einer merkw√ľrdigen oder unerh√∂rten Begebenheit
• in der Novelle kann ein Gegenstand ( Dingsymbol ) oder ein
Sachverhalt ( Leitmotiv ) eine besondere Rolle spielen

Struktur:
Die Schachnovelle ist nach der Struktur einer Rahmennovelle aufgebaut.
Die Binnenerz√§hlung der Schachnovelle beschreibt, wie Dr. B. von den damals in √Ėsterreich herrschenden Nazis aus seinem Leben gerissen wurde. Sie enth√§lt eine deutliche Kritik an dem Naziregime. Doch zeigen die √Ąhnlichkeiten, die Dr. B. in seiner Mentalit√§t und seinem Schicksal zu Zweig aufweist, dass Zweig in der Schachnovelle sein eigenes Schicksal und seine Erfahrungen mit dem Wandel der Gesellschaft verarbeitet hat. Dr. B. teilt mit Zweig das Schicksal eines auf traditionelle Werte bedachten √Ėsterreichers, der Anfang des 20. Jahrhunderts aus seiner Heimat fliehen musste. Zweig wuchs in einer heilen Welt auf (siehe: Zweigs Leben) und verkraftete den Zusammenbruch dieser Welt nicht. In Briefen beschreibt er, wie er unter diesem litt, und sein Selbstmord ist ein Beleg daf√ľr.

Rahmennovelle:
Eine Rahmennovelle besteht aus einer Rahmenerzählung, in welche eine oder mehrere Binnenerzählungen eingebettet sind. Meist wird in der Rahmenerzählung ein Erzähler erwähnt, aus dem die Binnenerzählung dann entspringt. Diese Form wird meist benutzt, um einen Eindruck der Authentizität der Binnenhandlung beim Leser zu erzeugen.
Die Technik der Rahmenerz√§hlung stammt √ľbrigens aus dem Orient. Dort wurde sie schon im 11. Jh. benutzt und ist uns allen aus "1001 Nacht" bekannt
AUTOR:
Am 28. November 1881 wurde Stefan Zweig in Wien geboren. Er war j√ľdischer Abstammung. In Berlin und Wien studierte er Philosophie und Germanistik. 1904 wurde er zum Doktor der Philosophie an der Wiener Universit√§t promoviert. Zwischen 1908 und 1912 Reisen nach Indien sowie Kuba, Nordamerika und Panama. 1914 R√ľckkehr nach Wien f√ľr den Kriegsdienst jedoch untauglich. W√§hrend des 1. Weltkriegs bekannte er sich √∂ffentlich zum Pazifismus1. 1938 zog Zweig nach England, 1940 weiter in die USA und 1941 schlie√ülich nach Brasilien. Dort ver√ľbte er am 23. Februar 1942, gemeinsam mit seiner Frau, als innerlich gebrochener Mensch, Selbstmord.
1Pazifismus = Ablehnung des Krieges aus religi√∂sen oder ethischen Gr√ľnden
Beurteilung :

Viele Skeptiker erheben gegen Zweig den Vorwand, er w√ľrde sch√∂ngeistige Literatur schreiben. Doch ist die Schachnovelle ein Werk, das eine auch jetzt noch aktuelle Aussage hat. Er schreibt zwar √ľber eine fast schon "gew√∂hnliche" Problematik (NS - Regime), jedoch auf seine eigene Art.
Bei der Schachnovelle ist eine Interpretation sinnvoll, die auf der Autobiographie Zweigs sowie auf der damaligen weltpolitischen Situation basiert.
Zweig hat sich bem√ľht, die Schachnovelle nach seinem Empfinden, seiner Lebensauffassung und - erfahrung zu optimieren.
Dem Leser bietet er eine ausgekl√ľgelte Personenkonstellationen (siehe: Personencharakterisierung) und die Spannung, die dadurch erzeugt wird. Dabei zeichnet sich eine klare Wertung zu den Hauptpersonen ab: Dr. B. und der Ich - Erz√§hler haben eine der Zweigschen verwandte Mentalit√§t. Sie sind die positiv gezeichneten Figuren. Negativ gezeichnet sind Czentovic und der reiche Investor. Sie haben andere Wertvorstellungen als Zweig sie hatte.
Die Geschichte kann jedem empfohlen werden, der gerne kurze und spannende Geschichten liest. Und wer sich mit dem Druck psychisch krankerMenschen auseinandersetzt, kann sich gut in die Form des Dr. B. hineinversetzen

Charakterisierung des DR. B


Dr. B.
Dr. B., ein √∂sterreichischer Emigrant, befindet sich auf dem Passagierschiff von New York nach Buenos Aires. Nach dem ersten Drittel der Novelle tritt Dr. B. zum ersten Mal in der Handlung auf. Er wird beschrieben als ein 45 j√§hriger Mann, mit schmalem, scharfem Gesicht und kreidiger Bl√§sse. Der Leser erf√§hrt nicht seinen Namen, jedoch seine Herkunft. Dr. B. geh√∂rt einer alt√∂sterreichischen hochangesehenen Familie an. Sein Vater ist Mitglied in der klerikalen Partei gewesen und hat Verbindung zum Klerus und zum √∂sterreichischen Kaiserhaus gehabt. Dr. B. f√ľhrt diese Familientradition fort und arbeitet in seiner Rechtsanwaltskanzlei in der Verm√∂gensverwaltung der Kl√∂ster und der kaiserlichen Familie. Im Rahmen dieser T√§tigkeit gelingt es ihm, den Kl√∂stern und dem Hof betr√§chtliche Betr√§ge vor der Habgier der Nazionalsozialisten in Sicherheit zu bringen. Der Leser lernt Dr. B. als umsichtigen und √ľberaus vorsichtigen Juristen kennen. Trotz all dieser Vorsicht ist es den Nazis gelungen, einen Spion in seine Kanzlei einzuschleusen, dem Dr. B. seine baldige Verhaftung zu verdanken hat. Im Hotel Metropole wird Dr. B. in raffinierter Isolationshaft gehalten, um Informationen √ľber die verschwundenen Gelder zu erzwingen. Dem "psychologisch m√∂rderischen System des Hotelzimmers" kann Dr. B. einige Zeit standhalten, doch bald zerm√ľrbt ihn, den hochintelligenten Menschen, die "v√∂llige Leere", "das Nichts", das ihn umgibt. In dem Hotelzimmer hat er immer auf etwas gewartet: was seine Peiniger mit ihm vorhaben, was er aussagen soll. Sein Geist hat angespannt gearbeitet, es fehlt jedoch die Abwechslung. In dieser Situation gelingt es ihm, ein Buch mit 150 Meisterschachpartien zu stehlen. Das Nachspielen der Schachpartien - nat√ľrlich ohne Brett - schult seine Vorstellungskraft und die Technik des Vorausdenkens und Kombinierens, sein Intellekt bekommt dadurch Nahrung. Nach einigen Monaten langweilt ihn das Nachpielen und er sinnt auf Neues. So kommt er auf die Idee, als Spieler Wei√ü gegen Spieler Schwarz zu spielen. Dies f√ľhrt zu seinem geistigen Zusammenbruch. Mit der Bewu√ütseinsspaltung kann sein Geist nicht umgehen. Er bekommt Nervenfieber und wird ins Krankenhaus eingeliefert. Von dort wird er als geheilter Mann entlassen. Der Arzt hat ihn jedoch vor Schachspielen gewarnt, da dies zu einem R√ľckfall f√ľhren kann.
Die Schachpartie, in die Dr. B. als "rettender Engel" eingreift, bedeutet f√ľr ihn ein Test, ob er vom Wahnsinn, der ihn in der Isolierhaft ergriffen hat, v√∂llig genesen ist. Die erste Schachpartie, in der er gegen den Schachweltmeister gewinnt, zeigt schon Ans√§tze seines wiederkehrenden Wahnsinns. Wider alle Vernunft stimmt er einer zweiten Partie zu. Er kann jedoch der Hinhaltetaktik des Weltmeisters nicht standhalten. Sein Geist f√§ngt wieder fieberhaft zu arbeiten an. Er ist schon l√§ngst in einem anderen Spiel. Bevor sein v√∂lliger Zusammenbruch kommt, wird er von einem Mitreisenden, der ein Freund ist, wie aus einer Trance wachger√ľttelt. Nach einiger Zeit hat Dr. B. wieder Kontrolle √ľber sich gewonnen. Er ist wieder der kultivierte, h√∂fliche Mann, den der Leser kennengelernt hat. Schach wird er nie wieder spielen.

Charakterisierung Mirko Czentovic

Mirko Czentovic:
Mirko ist der Sohn eines armen, s√ľdslawischen Donauschiffers, der bei einem Schiffsungl√ľck ums Leben gekommen ist. Der Ortspfarrer hat den Zw√∂lfj√§hrigen aus Mitleid aufgenommen und sich sehr um seine Bildung bem√ľht. Mirko jedoch kann keinen Sinn in den Buchstaben und W√∂rtern erkennen. Er wird als "maulfaules, dumpfes, breitstirniges Kind" beschrieben. Sein Gehirn arbeitet nur schwerf√§llig. Willig verrichtet er h√§usliche Arbeiten, aber mit "totaler Teilnahmslosigkeit". Abends, wenn der Pfarrer mit dem Polizisten Schach spielt, sitzt Mirko scheinbar schl√§frig daneben. Sein K√∂nnen, Schachpartien zu spielen, stellt sich heraus, als der Pfarrer zu einer Kranken gerufen wird, und Mirko mit dem Polizisten Schach spielt. In der Nachbarstadt stellt Mirko seine F√§higkeit, Schach zu spielen, im Schachclub unter Beweis. Die Mitglieder des Clubs sind von Mirkos Talent begeistert und f√∂rdern seine Karriere. So wird aus dem geistig zur√ľckgebliebenen Schiffersohn im Alter von 21 Jahren der Schachweltmeister. Ihm fehlt die Gabe, "blind" zu spielen. Er muss immer das Schachbrett vor sich haben. An seiner "z√§hen und kalten Logik" sind viele intelligentere und ihm an Phantasie √ľberlegene Champions gescheitert. Er ist immer der beschr√§nkte, maulfaule Bauernjunge geblieben. Er lebt zur√ľckgezogen und versucht, jeglichen Kontakt zur Au√üenwelt zu vermeiden. Das beinhaltet z. B. dass er kein Gespr√§ch mit Personen, die ihm nicht vertraut sind, f√ľhrt. Durch dieses Verhalten sind auch zahllose "Mythen" √ľber seine Person entstanden. Er ist ein selbstgef√§lliger Million√§r, primitiv und zugleich arrogant. In vielen Kreisen wird bel√§chelt, dass er Analphabet ist und zudem, dass er als Schachmeister sich das Schachbrett gedanklich nicht vorstellen kann. Aus diesem Grund ist er immer im Besitz eines kleinen Taschenschachs, um die Partien zu rekonstruieren. Seine Habgier erregt gro√üen √Ąrger bei seinen Kollegen.
Mirko spielt nur gegen Geld. So ist es auch auf dem Passagierschiff, als er gegen den schottischen Tiefbauingenieur McConnor f√ľr ein Honorar Schach spielt. Hier wird Mirko als "unmenschlicher Schachautomat", der nur einen "fl√ľchtigen Blick" aufs Schachbrett wirft und die Gegner von oben herab behandelt, beschrieben. Auf dem Schachbrett hat er Erfolg, doch im Leben ist er eine "groteske, beinahe komische Figur".

Der Film


Das Werk "Die Schachnovelle" von Stefan Zweig wurde 1960 in einer UFA - Produktion verfilmt. Regie f√ľhrte bei dieser Verfilmung Gerd Oswald von der ROXI Film GmbH &Co aus M√ľnchen.
Die Figur des Czentovicz, des einseitigen Schach - Weltmeisters, wird von Mario Adorf gespielt. Die Rolle des arroganten, verw√∂hnten, leicht d√ľmmlich wirkenden Meisters, stand Mario Adorf wie angegossen .
Anders als im Werk erf√§hrt man nichts √ľber einen Erz√§hler, sondern erh√§lt man die Informationen √ľber Czentovic durch Dialoge und Monologe. Die Vergangenheit Czentovics, welche im Werk ausf√ľhrlich beschrieben ist, wird im Film v√∂llig weggelassen, da sie belanglos f√ľr den Verlauf der Handlung ist.
Anders als bei Czentovic wird die Figur Dr. B. (im Film Dr. von Basil), welche von Curd J√ľrgens verk√∂rpert wird, genauestens beschrieben. Es gibt viele Szenen im Film (Gespr√§che mit dem Bischof oder anderen Wienern), von denen im Werk keine Rede war. Diese zus√§tzlichen Gespr√§che geben dem Zuschauer wichtige Informationen √ľber die Person Dr. B. und dessen politische Auffassung und seine Wichtigkeit f√ľr die Organisationen der Anti - Nationalsozialisten. Durch st√§ndigen Szenenwechsel in der Geschichte des Dr. B.'s wird der Zuschauer durch Abwechslung zum Weitergucken animiert. Die Information √ľber Dr. B.'s Vergangenheit werden dem Zuschauer auf dem Weg von Gedanken und Tr√§umen vermittelt.
Um die Widersacher Dr. B.'s zu charakterisieren, hat man die Charaktere Irene und Hans Berger, welche im Werk nicht auftauchen, hinzugef√ľgt. Irene ist eine Deutsche, die sich als Vertraute Dr. B.'s aufweist. Sie spielt in dem Film eine wichtige Rolle, da sie den Handlungsverlauf tr√§gt. Sie ver√§ndert den Handlungsverlauf der Geschichte, indem sie Dr. B. von dem Ende bewahrt, dem er in dem Ursprungswerk unterliegt.
Hans Berger steht f√ľr die Widersacher von Dr. B., das nationalsozialistische Regime. Durch ihn werden dem Zuschauer die Grausamkeit und Gerissenheit der Nationalsozialisten nahegef√ľhrt. Berger scheint wichtig f√ľr die Handlung, doch am Ende war er nur einer von vielen (Zitat aus dem Film): "Er musste so schnell gehen wie er kam, denn er war nur einer unter vielen."

Inhalt:

Die Schachnovelle erschien 1941 noch vor Zweigs Selbstmord im Exil als seine letzte abgeschlossene Prosadichtung. In der Schachnovelle wird von einem Ich - Erz√§hler berichtet, der an Bord eines Passagierdampfers von New York Richtung Buenos Aires reist und den Schachweltmeister Mirko Czentovic, von dem er durch Zufall erfahren hat, dass sich dieser an Bord befinde, gerne kennenlernen w√ľrde. Dem Erz√§hler ist Schach n√§mlich nicht bekannt, weswegwn wer sich gerne mit Czentovic unterhalten w√ľrde, was ihm aber vorerst nicht gelingt.
Dieser wird von einem selbstgefälligen Millionär gegen Honorar zu einer Simultanpartie zusammen mit dem Erzähler herausgefordert. Czentovic wird als primitiv und arrogant dargestellt. Er ist des Lesens und Schreibens nicht mächtig und beherrscht das königliche Spiel fast automatisch. Die erste Partie gegen den Weltschachmeister geht verloren. Bei der zweiten Partie greift ein fremder Herr, der österreichische Emigrant Dr. B., beratend in die schon fast verlorene Partie ein. Er rettet gegen den Weltschachmeister ein Remis. Er erzählte, dieses Spiel zuletzt vor 25 gespielt zu haben. Als er nun gefragt wurde, wie er sich dann gegen einen Weltmeister behaupten könne, erzählt er seine Lebensgeschichte :
Dr. B. wurde zur Nazizeit als Vermögensverwalter großer Klöster von der Gestapo verhaftet. Dr. B. wurde während seiner Haft in einem Hotelzimmer festgehalten. In Kriegsgefangenschaft der Gestapo war er monatelang in einem Hotelzimmer eingesperrt, welches er nur zum Verhör verlassen habe. Er hatte
dort nichts zu schreiben, zu lesen und auch keine andere Besch√§ftigung. Zum Raum geh√∂rte nur ein Bett, ein Sessel, ein Fenster und die T√ľr.
Er konnte sich nur vor nervlicher Zerm√ľrbung und geistiger Aush√∂hlung bewahren, indem er Monate lang eine Sammlung von 150 Meisterpartien auswendig lernte. Das Buch mit den Meisterpartien konnte er aus dem Mantel eines Milit√§roffiziers stehlen. Dieses Buch bot ihm eine geeignete Besch√§ftigung gegen die Monotonie der Haft. Als er aber alle Partien auswendig konnte, verlor es f√ľr ihn seinen Reiz. So verfiel er der geistigen Schizophrenie gegen sich selbst zu spielen. Er begann mit Brotst√ľcken gegen sich selbst Schach zu spielen. Diese "Schachvergiftung" verursachte bei ihm ein Nervenfieber. Er wurde in ein Hospital verlegt. Der Arzt des Hospitals erwirkte seine Entlassung. Daraufhin konnte er fliehen. F√ľr Dr. B w√§re es seitdem sehr gef√§hrlich wieder Schach zu spielenm da er wieder von der Schizophrenie befallen werden k√∂nnte. Zum ersten Mal seit seiner Haft spielt Dr. B. nun wieder Schach auf einem richtigen Schachbrett und gegen einen menschlichen Gegner. Nachdem er gegen den Weltschachmeister ein Remis geschafft hat, liess er sich zu weiteren Partien √ľberreden. In der ersten Partie schl√§gt er Czentovic. W√§hrend der zweiten Partie verf√§llt er wieder in sein Nervenfieber. Die Ursache hierf√ľr ist, dass Czentovic die Zeit herausz√∂gerte um Dr.B m√ľrbe zu machen. Deswegen f√§ngt Dr. B. aus Langeweile an, sich mit imagin√§ren Partien zu besch√§ftigen. Dr. B. droht wieder durchzudrehen und muss von dem Schachbrett weggebracht werden.
Das Werk in seiner Gesamtheit stellt die Brutalität des faschistischen Regimes dar und zeigt die nationalsozialistischen Terrormethoden.

Personenbeschreibung / - charakterisierung

der Erzähler
Das ganze Buch wird aus seiner Sicht erz√§hlt. Er ist ein m√§√üiger Freizeitschachspieler, der von der "h√∂heren" Kunst des Schachspielens √ľberhaupt keine Ahnung hat. Trotzdem ist er aber interessiert daran, was das f√ľr ein Mensch ist, der die Kunst des k√∂niglichen Spieles beherrscht. Im Leben des Erz√§hlers gibt es eine Anzahl von Prinzipien, u.a. dass er sich immer korrekt gegen√ľber seinen Mitmenschen verh√§lt.

 

Mirko Czentovic

Er ist der Sohn eines armen s√ľdslawischen Donaufischers. Mit 21 wurde er zum Schachweltmeister gekr√∂nt. Mirko Czentovic beherrscht fast automatisch die K√ľhnheit des Schachs. Er lebt zur√ľckgezogen und versucht, jeglichen Kontakt zur Au√üenwelt zu vermeiden. Das beinhaltet z. B. dass er kein Gespr√§ch mit Personen, die ihm nicht vertraut sind, f√ľhrt. Durch dieses Verhalten sind auch zahllose "Mythen" √ľber seine Person entstanden. Er ist ein selbstgef√§lliger Million√§r, primitiv und zugleich arrogant. In vielen Kreisen wird bel√§chelt, dass er Analphabet ist und zudem, dass er als Schachmeister sich das Schachbrett gedanklich nicht vorstellen kann. Aus diesem Grund ist er immer im Besitz eines kleinen Taschenschachs, um die Partien zu rekonstruieren.

 

Dr. B

Der √∂sterreichische Emigrant Dr. B, wurde von den Nazis in Isolationshaft genommen. Durch diese qualvolle Zeit gepr√§gt ist er heute der geistigen Schizophrenie verfallen. Er ist ein Mensch von unscheinbarer Statur, der einsam und zur√ľckgezogen lebt und trotzdem mit seiner Umgebung in freundlicher Weise verkehrt.
 
 

 McConner

McConner ist ein reicher Schotte, der einen sehr ehrgeizigen Charakter besitzt. Das zeigt sich, dass er der Tatsache nicht ins Auge sehen will, dass es aussichtslos ist, gegen den amtierenden Schachweltmeister eine Partie zu gewinnen oder "nur" ein Remis zu erlangen. Au√üerdem reagiert er sehr empfindlich gegen√ľber Bem√§ngelungen an seiner Person.

UMFELD:

Diese Novelle spielt sich in der Zeit Anfangs des 2. Weltkrieges ab. Stefan Zweig verarbeitet in diesem Buch seine Eindr√ľcke, die Grausamkeiten und die tiefen Narben, die dieser Krieg bei ihm hinterlassen hat. In dem Zeitraum als er dieses Buch schrieb, fand in dem Gro√üteil der Bev√∂lkerung ein Umdenken in Bezug auf den Nationalsozialismus statt. Diesen Gedankengang unterst√ľtzt Stefan Zweig in dieser klassischen Novelle


Weltpolitische Situation:
Nach den Ersch√ľtterungen, die der 1. Weltkrieg hinterlassen hatte, war die politische Lage in Deutschland instabil. Die junge Republik litt nicht nur unter den Zerst√∂rungen durch die K√§mpfe, sondern auch unter den harten Reparationsbedingungen, die man ihr gestellt hatte. In dieser Situation wurden die Nationalsozialisten sehr popul√§r und kamen schlie√ülich an die Macht. Die dann regierende Partei, die NSDAP (urspr√ľnglich: DAP) versuchte, das dritte Reich so gro√ü und m√§chtig wie m√∂glich zu machen. Bald geh√∂rte auch √Ėsterreich zum dritten Reich. Juden wurden, wie viele andere Minderheiten, nun auch im ehem. √Ėsterreich verfolgt (Dies war ein Grund f√ľr Zweig, zu emigrieren; er war Jude). Viele Juden wanderten aus, wie es Zweig selber tat. Als sich die politischen Spannungen zwischen dem Dritten Reich und den Westm√§chten erh√∂hte, wurde Deutschlands Einmarsch in Polen zum Ausl√∂ser des 2.Weltkriegs. Zweig beging Selbstmord vor Beendigung des 2. Weltkrieges.


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