Strukturen und Mittel von Talkshows








Strukturen und Mittel von Talkshows und deren Wirkung auf die Rezipienten

Inhaltsverzeichnis:


Wenn im folgenden Text nicht immer dem Grundsatz der Gleichbehandlung von Mann und Frau in den sprachlichen Formulierungen gefolgt wird, ist dies der besseren Lesbarkeit zuzuschreiben.

1 Einleitung

Heute kann man sich kaum noch vorstellen, dass es je einen Fernsehnachmittag gegeben hat ohne die zahlreichen Nachmittags - Talkshows, wie zum Beispiel Hans Meiser, Arabella und Ilona Christen. Jahrzehnte glaubten die Programmacher, dass man ausschließlich mit der sogenannten "Prime Time", also der Zeit kurz vor und nach 20:00 Uhr, Geld verdienen könne. RTL war 1992 der Pioniersender, der mit Hans Meiser den ersten Talkmaster ins Rennen schickte und damit an die unglaublichen Erfolge der amerikanischen Talkshows wie Oprah Winfrey oder Geraldo anknĂŒpfen wollte. Mit bis zu 5 Millionen Zuschauer wurde dieser Versuch mit enormem Erfolg gekrönt. Die Folge war vorhersehbar: Jeder Fernsehsender schickte seine Talkmaster in den tĂ€glichen Quotenkampf. So kam es, dass man jeden Tag sieben Stunden lang das Neuste aus der Welt des "Otto - Normal BĂŒrgers" sehen kann.
Doch warum offenbaren Menschen in den Talkshows ihre intimsten Geheimnisse, mit der Folge, dass fĂŒr manche GĂ€ste nach der Sendung eine psychologische Betreuung notwendig ist? Und warum sind tĂ€glich so viele Zuschauer an dem Privatleben ihrer MitbĂŒrger interessiert?
Im folgenden soll das Wesen und die Art einer Talkshow erörtert werden. Weiterhin wird versucht zu erklÀren mit welchen Mitteln es diesem Genre gelingt zu einem solchem Erfolg zu kommen.

2 Was ist eine Talkshow?

2.1 Definition

Unter Talkshow steht im Lexikon folgende ErklÀrung:
"Talk - Show [engl., "Plauderschau"] ein in den 1950er Jahren in den USA entstandener Typ von Unterhaltungssendung in Hörfunk u. Fernsehen. Ein oder mehrere "Gastgeber" (engl. Host, in Dtld. Talkmaster genannt) befragen geladene GÀste in lockerer Form zu privaten, berufl. u. allg. Themen."
Anhand dieser Definition kann man erkennen, wie umfangreich das Genre der Talkshow ist. Beginnend bei denen wohl am meisten mit dem Begriff Talkshows assoziierten Sendungen, nĂ€mlich den Nachmittags - Talkshows, ĂŒber die eher seriöseren Sendungen, wie z.B. "Talk im Turm", bis hin zum Promi - Kochen mit Alfred Biolek wĂŒrden alle Sendungen in das Genre der Talkshow passen. Aufgrund des Umfanges dieser Kategorie wurden weitere Instanzen zur Klassifizierung bestimmter Sendungen eingefĂŒhrt. Nur so ist es möglich die Sendungen ihrem Inhalt und ihrem Sendekonzept nach einzuordnen. Die typische Nachmittags - Talkshow gehört den Sub - Genres "Themen Talk" und "Konfro Talk" an, allerdings sagt das noch nichts ĂŒber die QualitĂ€t der Sendung aus, denn "Talk im Turm", zum Beispiel ist ebenfalls eine Talkshow bei der jeweils ein Thema behandelt wird und bei der es mehrere Parteien gibt, die ihren Standpunkt vertreten, aber es werden im Gegensatz zur Nachmittags - Talkshow ausschließlich themenkompetente GĂ€ste eingeladen, was sich im Endeffekt auf das Niveau der Sendung auswirkt.
Den Begriff Talkshow darf man nicht als Sendekonzept ansehen, sondern eher als einen Bereich der Fernsehunterhaltung, wie zum Beispiel Quiz - Sendungen oder Spielfilme. Diese Genres bilden gemeinsam mit der Talkshow die zweite Ebene innerhalb der Hierarchie der Fernsehunterhaltung und sind somit gleichwertig. Deshalb kann man den Begriff Talkshow auch nur als einen Bereich der Fernsehunterhaltung definieren und nicht etwa als ein Sendekonzept, wie es zum Beispiel der Heimatfilm oder das Bauerntheater ist, wo immer die selben Strukturen zu erkennen sind.
Die Nachmittags - Talkshow stellt ein besonderes Sendekonzept dar, welches maßgeblich von dem Talkmaster beeinflußt wird. Durch seinen Charme und sein Können, den GĂ€sten möglichst viele (intime) Geheimnisse zu entlocken, wird der Charakter der Sendung geprĂ€gt. Er ist also eine Identifikationsfigur, was auch der Grund dafĂŒr ist, dass alle Nachmittags - Talkshows so heißen, wie der Moderator. Er ist das immer wiederkehrende einer Sendung; er ist die Leitperson der Sendung, da er die Verbindung zwischen GĂ€sten und Publikum herstellen soll. Dies geschieht hauptsĂ€chlich dadurch, indem er eine besondere EinfĂŒhlsamkeit und große emotionale Anteilnahme zeigen soll, in Folge dessen gewinnen die GesprĂ€che an GlaubwĂŒrdigkeit, was eine grĂ¶ĂŸere NĂ€he zum Publikum bewirkt. Bereits nach kurzer Zeit können die meisten Zuschauer mit dem Namen der Sendung, also der des Moderators, das gesamte Sendekonzept verbinden, bzw. ob die Sendung gut oder schlecht ist. Der Moderator ist eine Konstante, die bei jeder Sendung gleiche Vorgehensweisen aufzeigen muss, damit die Struktur der Sendung ĂŒber die Zeit hinweg gleich bleibt. Dies hat zur Folge, dass das eigentliche Thema der Diskussion, fĂŒr die unmittelbaren Einschaltquoten in den Hintergrund tritt, da der Rezipient zunĂ€chst nur die QualitĂ€ten des Moderators in Erinnerung behĂ€lt.

2.2 Entstehung

Ausgehend von den Entwicklungen und dem Erfolg der Talkshows im US - amerikanischen Fernsehen in den 50er und 60er Jahren, ĂŒberlegten deutsche Programmacher, Ă€hnliche Sendungen dem deutschen Publikum anzubieten. Doch bis die Idee realisiert wurde, vergingen noch mehr als 20 Jahre.
Im MĂ€rz 1973 wurde unter dem Titel "Je spĂ€ter der Abend" im Dritten Programm des WDR die erste deutsche Talkshow gesendet. Moderator Dietmar Schönherr lud seine GĂ€ste zu einem zwanglosen GesprĂ€ch ins Studio ein. Schönherr wies die Zuschauer bei seinem ersten Auftritt darauf hin, dass dies nun eine sogenannte Talkshow sei, wie es sie in den USA schon lange gebe. Zwar wisse man selbst auch nicht ganz genau, was eine Talkshow eigentlich sei, man wolle aber ausprobieren, ob sich so etwas auf die BRD ĂŒbertragen lasse.
Den Zuschauern schien die Sendung zu gefallen, so dass es nach einem halben Jahr die nÀchste Folge gab. Von nun an wurde die Talkshow im Zwei - Wochen - Rhythmus gesendet. In der Silvesternacht 1973/74 wurde die Talkshow erstmalig bundesweit ausgestrahlt.
Ein Jahr spĂ€ter verließ Schönherr wegen Schwierigkeiten mit der WDR - Leitung die Talkshow. Schönherrs Nachfolger wurde HansjĂŒrgen Rosenbauer. Sein Konzept sah vor, den Unterhaltungs - und Showeffekt mehr zu betonen. Er wollte die Distanz zwischen Publikum und BĂŒhne abbauen und das Publikum mehr am Geschehen teilhaben lassen. Das Studiopublikum konnte Fragen an die GĂ€ste stellen. Als GĂ€ste sollten nicht nur Prominente eingeladen werden, sondern auch "NormalbĂŒrger", welche zu Beginn der Sendung in einem kleinen Film vorgestellt wurden.
Das Konzept war erfolgreich: 1976 wurde "Je spĂ€ter der Abend" auf den zentralen Sendeplatz - Sonnabend abends, 20.15 Uhr - gesetzt. Doch auch Rosenbauers Stil wurde kritisiert, ein Kritiker: "Rosenbauer ist wohl der bisher einmalige - und nur in Deutschland mögliche - Fall, dass jemand sich in einen angestrengten Masochismus des stĂ€ndigen Mißlingens seiner Sendung geradezu freut, ja trickreich das Mißlingen zum Prinzip der Sendung erklĂ€rt. Beim ersten ,zufĂ€lligen’ Mal wirkte das noch ganz charmant, beim zweiten abgeschmackt, mittlerweile wie eine Manie."
An der Talkshow "Je spĂ€ter der Abend" wurde das Problem deutscher Unterhaltungssendungen, speziell deutscher Talkshows, deutlich. Die Produzenten wollten ihren amerikanischen Vorbilder nacheifern, das konnten sie aber nicht, da es in Deutschland noch an einigen Grundvoraussetzungen mangelte. Zu der Zeit war das Privatleben der MitbĂŒrger noch geachtet und sogar die Prominenten lebten bis dahin noch einiges anonymer als heute. Das Interesse am Privatleben, sei es von Prominenten oder auch Privatpersonen, ist fĂŒr die Talkshow von Nöten, da das Privatleben der eigentliche Bestandteil dieses Genres ist. Die frĂŒhen Talkshows in Deutschland wurden zwar nach dem Vorbild der amerikanischen Fernsehsendungen gemacht, allerdings fĂŒr das damals noch konservative Fernsehpublikum. So entstand anfangs ein Konflikt der eine Moralfrage aufwarf: Darf das Fernsehen Privatleben auf diese Art und Weise senden ?
Innovative Neuerungen in diesem Genre gab es bis zur Mitte der achtziger Jahre nicht mehr. Die Kritik in den Medien verhinderte neue Ideen der Sender. 1988 fĂŒhrte der "Spiegel" eine grundlegende Abrechnung mit allen Talkshow - Sendungen, die es zu diesem Zeitpunkt im deutschen Fernsehen gab. Den Moderatoren wurde "wortreiche Inhaltslosigkeit" vorgeworfen, sie beherrschten die "Kunst des platten Fernsehdialogs - dusselige Frage, dusselige Antwort", von der "der deutsche Zuschauer offenbar gar nicht genug kriegen kann". Talkshows sollten in Richtung "Stammtisch" getrimmt werden, mit "viel Stoff, aber so einfach, dass Lieschen MĂŒller in GĂ€nsefĂŒĂŸchen auch alles versteht."
Als eine spezielle Talkshow - Form etablierte sich Anfang der neunziger Jahre die tĂ€gliche Talkshow im Fernsehen. Ausgehend von den "Daily Talks" im US - amerikanischen Fernsehen, begann 1990 die ARD mit der Ausstrahlung von "Talk tĂ€glich - Termin in Berlin". In der 30minĂŒtigen Sendung wurden an drei Tagen in der Woche GĂ€ste portrĂ€tiert. Es gab kein einheitliches Profil. Teils wurden einzelne GĂ€ste portrĂ€tiert, teils mehrere recht unterschiedliche Themen diskutiert. Diese von Sendung zu Sendung unterschiedliche Ausrichtung erschwerte eine konstante Zuschauer - und Zielgruppenbindung. Die Sendung wurde 1992 mit einem neuen Konzept versehen, das sich ĂŒberwiegend an das Senioren - Fernsehpublikum wandte. Jeweils zwei Zeitzeugen, die alle ĂŒber eine breite Lebenserfahrung verfĂŒgten, plauderten mit sich zurĂŒckhaltenden Moderatoren ĂŒber bestimmte Lebensabschnitte oder jetzige Lebenssituationen, welche durch Erfolge oder KreativitĂ€t gekennzeichnet waren oder sind.
Dann folgten die Privatsender mit der Ausstrahlung ihrer tĂ€glichen Talkshows. Die Ă€lteste Talkshow - Serie dieser Art ist "Hans Meiser". Ende 1992 wurde auf RTL mit dieser einstĂŒndigen Talkshow begonnen, die bis heute einen festen Sendeplatz im RTL - Nachmittagsprogramm hat.
Auf der StudiobĂŒhne werden fĂŒnf GĂ€ste plaziert, die zu einem ausgewĂ€hlten Thema ihre Informationen, Standpunkte und gegensĂ€tzlichen Positionen an das Publikum weitergeben, das aktiver Bestandteil der Sendung ist, Fragen stellt und mit Zwischenrufen und Beifall seine Zustimmung oder Ablehnung Ă€ußert.
Seit 1992 entwickelte sich diese Talkshow - Art vor allem bei den Privatsendern weiter und bestimmt seitdem das Fernsehgeschehen am Vormittag und Mittag.
Jetzt gibt es ab 11 Uhr vormittags eine "Talkshow - Schiene", die sich durch das Programm von RTL, SAT 1, PRO 7, aber auch durch das ARD - und ZDF - Programm zieht und gemeinsame konzeptionelle Ausrichtungen besitzt. Vor allem die Moderatoren geben den Sendungen ihre persönliche Ausrichtung und ein spezielles Profil. Deshalb werden die Sendungen nach ihnen benannt.
Kritiker und Medienexperten, die die frĂŒhen deutschen Talkshows oft noch lobten und ihnen positive Eigenschaften zusprachen, weil sie in erster Linie zweckfreie Plauderei waren und der Unterhaltungswert der Talkshow in der Selbstdarstellung der GĂ€ste bestand, konzentrierten sich in ihrer Kritik nun auf die Talkshows im Nachmittagsprogramm und konnten auch an den traditionellen Talkshows nichts Gutes mehr finden.

2.3 Verschiedene Formen und Arten der Talkshow

Um einen weiteren Überblick ĂŒber die verschiedenen Talkshowarten zu bekommen, werden folgend die wichtigsten Kategorien der Talkshow aufgezeigt.

2.3.1 Der Promi - Talk

Diese Talkshow - Art ist die Ă€lteste, sie lebt vom personenorientierten GesprĂ€ch mit mehreren, meist prominenten GĂ€sten. DarĂŒber hinaus kann eine Talkshow dieses Formates auch eine themenbezogene Talkshow sein. Der Anspruch ist unterhaltend, und teilweise auch informativ. Die Talkshow - Redaktionen erhoffen sich durch prominente GĂ€ste viele Zuschauer, die die jeweiligen Prominenten gerne in anderen Situationen erleben möchten, als in bisher "offiziell" gewohnten. Zum Beispiel geht es in der Promi - Talkshow "Boulevard Bio" weniger um Sacherörterungen von Themen als um Meinungen der GĂ€ste zu emotional besetzten Inhalten.

2.3.2 Der Portrait - Talk

In dieser Talkshow steht das EinzelgesprĂ€ch mit dem Moderator eindeutig im Vordergrund. Zwar fĂ€llt damit ein scheinbar wichtiges Talkshow - Kriterium - das GesprĂ€ch oder die Diskussion - weg, doch es handelt sich trotzdem um eine Talkshow. Unterschieden werden dabei die unterhaltende und die journalistische Portrait - Talk - Variante. Letztgenannte könnte man auch als Fernsehinterview bezeichnen. Als GesprĂ€chsthemen des unterhaltenden Portrait - Talks kommen nur Inhalte in Frage, die eng mit der Person des Gastes verknĂŒpft sind und ausschließlich der Unterhaltung der Zuschauer dienen. Der sachlich orientierte Portrait - Talk stellt ebenfalls die Person in den Vordergrund, legt aber einen auf sachliche Information bezogenen Schwerpunkt, der zeitgeschichtliche Themen mit dem Gast verknĂŒpft.

2.3.3 Der Themen - Talk

An dieser Talkshow - Klasse ist charakteristisch, dass ein vorgegebenes, aktuelles Thema im Mittelpunkt des GesprĂ€ches steht. Die meist prominenten GĂ€ste werden aufgrund ihrer Kompetenz und ihres Expertenwissens eingeladen. Dabei kann diese Form auch eng mit dem Konfro - Talk verknĂŒpft sein, wenn es darum geht, die unterschiedlichen Standpunkte und Ansichten zu einem Thema deutlich zu machen und dem Zuschauer zu prĂ€sentieren. Diese Mischung aus Themen - und Konfro - Talk ist besonders bei den tĂ€glichen Talkshows zu erkennen. Der Unterhaltungseffekt spielt dabei eine wichtige Rolle.
"Talk im Turm" ist eine typische Sendung dieser Klasse, die Themen sind ĂŒberwiegend politisch und decken sich oft mit den in Zeitungen und aktuellen Nachrichtenmagazinen diskutierten Themen. Die "Talk im Turm" - Produzenten sehen darin die StĂ€rke der Sendung und charakterisieren sie als, informativ und unterhaltend. Der Moderator soll kritisch nachfragen, am Thema festhalten, wenn nötig darauf zurĂŒckfĂŒhren, auch seine eigene Meinung mit einbeziehen, sofern diese in der Runde noch nicht vertreten ist. Als GĂ€ste kommen nur thematisch kompetente Personen in Frage, was ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu den "Daily Talks" ist.

2.3.4 Der Boulevard - Talk

Diese Klassifizierung ist vor allem dadurch gekennzeichnet, dass sie weder auf die thematische oder personelle Ausrichtung der Talkshow eingeht, sondern eine "Übergruppe" aller Talkshows bildet, die sich inhaltlich mit den Themen der Boulevard - Presse beschĂ€ftigen. Ein kompetenter politischer oder intellektueller Inhalt ist in diesen Sendungen nicht erkennbar und wird von den Produzenten auch nicht angestrebt. GĂ€ste dieser Sendungen sind keine Persönlichkeiten. Die Auswahl erfolgt nicht nach fernsehrelevanten Kriterien, wie Sprache, Kompetenz, Redeverhalten, persönliche Darstellung oder Offenheit. Die GĂ€ste können, ohne dass die Moderatoren es hinterfragen, auch Unwahrheiten verkĂŒnden. Zwar versuchen die Moderatoren manchmal, ihre Distanz zum Gesagten deutlich zu machen, doch haben die GĂ€ste, die ihre Standpunkte öffentlich vertreten können, ein Millionenpublikum, das ihnen zuhört und diese Themen aufnimmt.

2.3.5 Der Konfro - Talk

Die deutschen Fernsehanstalten ĂŒbernahmen das Sendekonzept des Konfro - Talks von den Sendungen, die in den USA bereits erfolgreich waren. Dabei unterscheiden sich die einzelnen Sendungen, die dieser Klasse zugeordnet werden, in erster Linie in der Art und Weise der Konfliktaustragung zum Thema. Gemeinsam ist allen Sendungen, dass es weniger auf die argumentative Auseinandersetzung mit Inhalten ankommt, sondern vielmehr auf emotionale StreitgesprĂ€che vor einer angeheizten Kulisse, in der das Publikum sich positioniert, indem es eine Position fĂŒr eine der beiden Konfrontationsseiten einnimmt.
Zu dieser Klasse zĂ€hlten sowohl die Sendungen "Explosiv - Der heiße Stuhl", als auch die "daily talks" wie "Arabella", "Hans Meiser", "Sonja", "Ilona Christen" und "BĂ€rbel SchĂ€fer".

2.4 Der Ablauf eines "Daily Talks"

Im Schnitt dauert eine Talkshow 60 Minuten, in dieser Zeit wird meist ein Thema mehr oder weniger ausfĂŒhrlich und tiefgrĂŒndig besprochen. Pro Sendung werden bis zu 10 GĂ€ste eingeladen, die sich zu dem Thema Ă€ußern wollen. Die Sendung beginnt meist schon mit drei oder mehr GĂ€sten auf der BĂŒhne, damit fĂŒr die kommenden Personen schon Diskussionspartner vorhanden sind. Der Moderator stellt nun seine Fragen, die je nach SeriositĂ€t der Sendung die Schamgrenze der GĂ€ste ĂŒberschreiten, oder respektieren, ohne, dass der Moderator weitere Informationen in einem Verhör nahekommenden GesprĂ€ch herauszufinden versucht. Falls sich die Diskussion festgefahren hat, bezieht man das Publikum in das GesprĂ€ch mit ein, welches ein aktiver Bestandteil der Nachmittags - Talkshow darstellt und damit dessen Involvierung in die Diskussion ausdrĂŒcklich erwĂŒnscht ist. Je nach Sendung werden die Studiozuschauer immer wieder vom Moderator nach ihrer Meinung gefragt, oder sie mischen sich selbststĂ€ndig in das Geschehen ein. Das Publikum bildet somit fĂŒr den Moderator auch ein RĂŒckrad falls er im Moment keine neuen Aspekte mehr einbringen kann. Nachdem alle GĂ€ste hinreichend ihren Standpunkt diskutiert haben, resĂŒmiert der Moderator die Sendung in schnellen ZĂŒgen und beendet sie mit dem Hinweis auf das Thema der nĂ€chsten Sendung.

3 GrĂŒnde fĂŒr den Erfolg der Nachmittags - Talkshows

Im folgenden soll erklĂ€rt werden, warum eine Talkshow einen solch großen Erfolg hat, denn sobald man versucht eine Talkshow mit konventionellen Kriterien zu beurteilen, lĂ€sst sich keine schlĂŒssige ErklĂ€rung fĂŒr die relativ hohen Zuschauerzahlen finden. Die Sendung ist weder wirklich informativ, noch spannend und auch nicht von allgemeinen Nutzen fĂŒr das Privatleben. Doch die Quoten belegen, dass die Talkshows fĂŒr viele Menschen schon zum Fernsehleben dazugehören.

3.1 Zeitvertreib

Die heutigen gesellschaftlichen Strukturen, wie zum Beispiel hohe Scheidungsraten, viele Single Haushalte und die große Arbeitslosigkeit wirken sich auch auf den Gebrauch des Fernsehers aus. FrĂŒher war dieses Medium reine Informationsquelle, heute dient es vielen nur als Zeitvertreib, damit man Langeweile und Probleme verdrĂ€ngen kann. Auf diesen Wandel haben die Produzenten mit leicht verdaulicher Fernsehkost geantwortet: Es soll unterhalten werden, das heißt der Zuschauer soll sich möglichst wenig Gedanken ĂŒber das gesendete machen und sich den Inhalt der Sendung erst gar nicht merken. Diese Sendungen sollen eine Ablenkung sein, um die ganzen Alltagsprobleme vergessen zu können.

3.2 Sachlichkeit als Deckmantel

Auf die Nachmittags - Talkshow trifft dieser Punkt nicht unmittelbar zu, da die Themen des "Daily Talks" selten mit Sachlichkeit und ObjektivitĂ€t verbunden werden können und keine redaktionelle Recherche notwendig ist, dennoch kann man vereinzelt erkennen wie dank der "kompetenten Recherche der Talkshow Redaktion", aus völlig belanglosen oder selbstverstĂ€ndlichen Themen ein Skandal wird, Beispiel hierfĂŒr wĂ€re folgender Fall: Ein Arbeiter eines Tierlabors wandte sich an eine Talkshow, er sagte, dass er Ratten fĂŒr Kosmetika qualvoll töten mĂŒsse. Die Redaktion machte daraus eine Sondersendung, in der einige Laborarbeiter ĂŒber ihre TĂ€tigkeiten sprachen. Der Talkmaster wies mehrmals darauf hin, dass dieser "Skandal" nur mit Hilfe der Zuschauer aufgedeckt worden sei.
Anhand dieses Beispieles, lĂ€sst sich deutlich aufzeigen wie die Produzenten ihre Zuschauer halten, bzw. gewinnen können: Der Tierversuch ist bei der Mehrzahl der Bevölkerung nicht akzeptiert, oder mit anderen Worten: Er ist "schlecht" und "böse" und muss somit bekĂ€mpft werden. Die Rolle des "friedliebenden Helden" ĂŒbernimmt die Talkshow, respektive deren Redakteure, die mit Hilfe der Zuschauer das "Böse" besiegen. Der Zuschauer wird stets als ein Kollektiv angesprochen, was zur Folge hat, dass sich der einzelne Zuschauer einer Gruppe zugehörig, sich also nicht mehr alleine fĂŒhlt. Die Talkshow kann im Extremfall sogar Familienersatz werden, weil der Rezipient die Sendung im Unterbewußten mit einem Freund assoziiert, der sich um ihn kĂŒmmert und nie alleine lĂ€sst. Im Normalfall ist dies aber nicht so, viele der oben beschriebenen VorgĂ€nge finden fĂŒr den Zuschauer latent im Unterbewußtsein statt. Dadurch erfĂ€hrt er zwar ein GefĂŒhl des "dazu gehören" und der Geborgenheit, doch er bemerkt nicht, dass seine Talkshowfreunde virtuell und irreal sind. Die Folge davon kann sein, dass sich der Zuschauer aus dem normalen Leben zurĂŒckzieht und keine echten sozialen Kontakte mehr pflegt. Ähnliches kann man auch bei Vielsehern von den "Daily Soaps" feststellen, die nur noch in der fiktiven Welt der heilen Fernsehfamilie leben. Dieser fehlende Kontakt wirkt sich aber erst dann aus, wenn der Zuschauer versucht mit seiner "irrealen Familie" zu kommunizieren. Dies wird ihm im allgemeinen nicht gelingen und da er im schlimmsten Falle kein anderes Soziales Netz aufgebaut hat ist er einsam, was er wiederum versucht, mit noch mehr FernsehaktivitĂ€t zu kompensieren.
Alle Sendungen, die Informationen kompetent prĂ€sentieren wollen, prahlen damit besonders sachlich und objektiv an ein Thema heranzutreten, wie zum Beispiel Nachrichtensendungen. Es wird also versucht jegliche Emotion von einer sachlich - kompetenten Sendung fernzuhalten. Das ist fĂŒr viele Zuschauer zu trocken bzw. zu langweilig. Mehrere Studien haben ergeben, dass der Rezipient jene Informationen am besten aufnehmen kann, die eine Mischung aus (Pseudo - )Sachlichkeit und Emotionen beinhalten. PrimĂ€r will der Rezipient zwar auf die Information achten, im Unterbewußtsein prasseln aber jede Menge Emotionen auf ihn ein. Beispiele hierfĂŒr wĂ€ren viele Nachrichtensendungen: Wenn von einem Krieg berichtet wird, kommen die wirklichen Informationen, warum und wo ein Krieg ist, fast ausschließlich vom Sprecher; der Bildschirm zeigt dazu die entsprechenden Bilder mit verletzen oder toten Personen. Zuschauer, die die Nachrichten eher beilĂ€ufig anschauen wissen danach zwar, dass irgendwo ein Krieg ist, aber die Informationen, die der Sprecher geliefert hat, wußten sie nicht mehr. Das zeigt, dass emotionale Ereignisse im allgemeinen besser aufgenommen und behalten werden als rein sachliche.
Die Ergebnisse aus der Untersuchung, machen sich auch die vielen Talkshows zu nutze: Sie verkaufen reine Emotionen teilweise unter dem Vorwand sachliche Informationen vermitteln zu wollen. SAT 1 zeigt dies recht deutlich: Vor jedem "Daily Talk" schiebt der Sender einen Trailer mit dem Hinweis "Information" voraus, so wird dem Zuschauer suggeriert, dass er sich informiert, es ihm somit gestattet ist diese Sendung zu schauen. Der Rezipient betrachtet solche Sendungen im vermeintlichen Glauben wichtige Lebenserfahrungen anderer Menschen auf sein Leben direkt ĂŒbertragen zu können, um jene Fehler, die ein Gast der Sendung vielleicht begangen hat nicht auch zu tun. Am Ende einer Sendung nimmt der Zuschauer an, sich informiert oder gar weitergebildet zu haben, tatsĂ€chlich hat er sich nur an den Emotionen anderer Menschen erfreut.

3.3 Emotionalisierung

Wie in 3.2 bereits angedeutet arbeitet die Talkshow mit den GefĂŒhlen der GĂ€ste. Diese sind sozusagen das Kapital eines jeden "Daily Talks". Je tiefer ein Talkmaster in den GefĂŒhlen der GĂ€ste "herumwĂŒhlt", desto interessanter wird es fĂŒr den Zuschauer, da er unmittelbar die einzelnen Reaktionen, wie Leid, Trauer, GlĂŒck usw. erlebt. Die heutige Gesellschaft zeigt aber im normalen Leben keine so heftigen GefĂŒhlsausbrĂŒche, es wird versucht jede Stimmungsschwankung zu maskieren; nur guten Freunden erklĂ€rt man warum man in welchem GemĂŒtszustand ist, also nur Personen seines Vertrauens.
WĂ€hrend einer Talkshow werden sehr viele, zum Teil intime Offenbarungen gemacht, wodurch der Zuschauer ein GefĂŒhl des "gebraucht - werdens" bekommt, weil er im Unterbewußten ein VerantwortungsgefĂŒhl gegenĂŒber dem Gast aufbaut. Sobald man Wissen ĂŒber einen anderen Menschen besitzt, könnte man es auch gegen ihn verwenden. Der Zuschauer meint deshalb eine gewisse Verantwortung zu haben. Durch diese Verbindung zwischen Talkshow - Gast und Rezipient kann der Zuschauer wieder einen vermeintlichen Zweck in dem Betrachten der Talkshow sehen.
Die Folge davon ist aber, dass die Zuschauer immer mehr vereinsamen, weil sie die Menge an Emotionen (letztendlich Vertrauen und VerantwortungsgefĂŒhl) nur durch die Talkshow bekommen. Das reale Leben kommt den Zuschauern so vor, als wĂŒrde es ihm Mißtrauen, weil ihnen ein "normaler" Mensch nicht soviel Geheimnisse erzĂ€hlt, wie sie es aus der Talkshow gewohnt sind. Das hat wiederum zur Folge, dass sich der Zuschauer möglicherweise nur noch innerhalb der "Talkshow - Gemeinde" zu hause fĂŒhlen kann, und sich deshalb immer mehr aus dem normalen Leben heraus halten kann und sich zurĂŒckzieht. Dies ist allerdings nur bei ExtremfĂ€llen festzustellen. Jene Personen werden von ihrer Umwelt hĂ€ufig nicht respektiert, sie suchen deshalb in der Talkshow wieder Anschluß an die Gesellschaft.
Generell kann man feststellen, dass sich Menschen, die viel Zeit vor dem Fernseher verbringen, also auch mehr Talkshows anschauen, sich öfters von der Gesellschaft distanzieren, als Menschen die entweder nur ausgewÀhlte Sendungen betrachten oder erst gar kein FernsehgerÀt haben.

3.4 Weitere GrĂŒnde

FĂŒr den Erfolg der Nachmittags - Talkshows gibt es noch weitere GrĂŒnde. Einer davon ist bereits vor gut 2000 Jahren von dem dichter Lukrez aufgeschrieben worden: "SĂŒĂŸ ist’s, anderer Not bei tobendem Kampfe der Winde / Auf hochwogigem Meer vom fernen Ufer zu schauen." Lukrez hat in diesem Gedichtsauszug bereits den wichtigsten Grund fĂŒr das Gelingen des Genres der Talkshow aufgeschrieben. Die Zuschauer freuen sich, dass es noch Jemanden gibt, dem es schlechter geht, als ihm selbst. Dies erfĂŒllt den Zuschauer mit dem GefĂŒhl des "zufrieden seins", weil er weiß, dass es ihm genauso gehen könnte wie der erzĂ€hlenden Person. Es entsteht also eine Identifikation mit dem Gast. Der Rezipient lĂ€sst sich von dem realen Leben ablenken, indem er in die fiktive Welt des Talkshowgastes einsteigt, dabei muss es, oder soll es ihm nicht einmal bewußt sein, dass er sich an einer Scheinwelt vergnĂŒgt.
Der Zuschauer erhĂ€lt mit dem Medium Fernsehen die Möglichkeit die Alltagsprobleme zu vergessen. Dies geschieht durch Spielfilme, Komödien und besonders durch Nachmittags - Talkshows, weil bei diesem Genre die Emotionen besonders hervorgehoben werden. Dazu kommen Themen, von denen der Rezipient zwar angesprochen wird, aber selten selbst davon betroffen ist, doch prinzipiell davon betroffen sein könnte. Dadurch wird eine besondere NĂ€he zwischen den TalkshowgĂ€sten und dem Zuschauer hergestellt. Gerade auch weil Personen auftreten, die alles selbst miterlebt haben und nicht irgendein Reporter, der die Story auch nur ĂŒber Dritte erfahren hat. Der Zuschauer ist in das Geschehen involviert, durch unmittelbare NĂ€he zu den Agierenden. Das ist auch der Unterschied zwischen der Unterhaltung, die zum Beispiel ein Spielfilm bietet. Der Zuschauer eines Spielfilmes weiß im allgemeinen, dass er einen gespielten Film anschaut, bei einer Talkshow dagegen verschwimmen die Grenzen zwischen RealitĂ€t und Fiktion.

4 Praktische Umsetzung der Theorien

Im folgenden wird erklĂ€rt wie die Beteiligten der Sendungen, die erfolgversprechenden GrĂŒnde in die RealitĂ€t umsetzen. Betrachtet wurden hierfĂŒr primĂ€r folgende Nachmittags - Talkshows: Arabella, Pro7; Ilona Christen, RTL; Hans Meiser, RTL und JĂŒrgen Fliege, ARD. Im speziellen wurde auf folgende Dinge geachtet: Sendeumfeld, Moderatoren und GĂ€ste. Da nur geringfĂŒgige Differenzen zwischen den Talkshows bestehen, wurde auf eine detaillierte Betrachtung der einzelnen Sendungen verzichtet.

4.1 Sendeumfeld

4.1.1 Das Studio

Bei Fernsehshows mit Publikum, ist es im allgemeinen ĂŒblich, dass BĂŒhne und Zuschauer voneinander getrennt sind. Das BĂŒhnenbild endet seitlich spĂ€testens bei der ersten Zuschauerreihe. Zwischen BĂŒhne und Betrachter befindet sich eine FreiflĂ€che, die dazu dient, die Stativkameras bewegen zu können. Dieser Freiraum stellt eine gravierende rĂ€umliche Trennung von Zuschauer und BĂŒhnengeschehen dar.
Bei Nachmittags - Talkshows ist dies anders. Der Zuschauer soll voll und ganz mit in das Geschehen auf der BĂŒhne involviert werden. Es gibt keinen separaten Zuschauerraum, sondern nur eine große BĂŒhne mit den GĂ€sten dem Publikum und den Kameras. Dies ist auch daran zu erkennen, dass die Kulisse sich nicht nur vor den Zuschauern befindet, sondern es (das Publikum) umschließt. Das BĂŒhnenbild ist rundherum geschlossen, dadurch werden die Zuschauer animiert, sich in die Diskussion mit einzubeziehen. Sie sollen sich aktiv durch Fragen, Kommentare und Kritiken an der Handlung beteiligen.

4.1.2 KamerafĂŒhrung

Die KamerafĂŒhrung unterscheidet sich von herkömmlichen Unterhaltungsshows durch folgende Dinge:
Bei "Daily Talks" werden bevorzugt Handkameras statt den sonst ĂŒblichen Stativkameras verwendet, dadurch ist eine grĂ¶ĂŸere Bewegungsfreiheit bei der KamerafĂŒhrung gegeben. Somit kann jede Person im Studio anvisiert werden, um ihre Emotionen der Zustimmung, Ablehnung oder des Mitleids einfangen zu können. Auffallend ist auch die große Anzahl der Nahaufnahmen der Personen im Studio, die dem Rezipient NĂ€he zu der Handlung suggeriert. Mit diesem Mittel versuchen die Produzenten Emotionen bei dem Fernsehpublikum zu wecken. Sehr hĂ€ufig werden Schwenks ĂŒber die Zuschauerreihen gezeigt, damit die allgemeine Zustimmung oder Ablehnung des Studiopublikums fĂŒr den Fernsehzuschauer ersichtlich ist.

4.2 Moderatoren

Folgend wird das Verhalten der Moderatoren wÀhrend der Sendung erklÀrt, dabei werden die Moderatoren nicht als Privatmenschen charakterisiert, sondern es wird ihre Rolle in der Talkshow betrachtet und dargestellt.

4.2.1 Arabella Kiesbauer

Arabella Kiesbauer ist eine Talkmasterin, die bei jedem Thema und jeder Problematik ihre eigene Meinung mit einbringt. Sie verhÀlt sich wÀhrend einer Sendung immer parteiisch, wodurch sie Gefahr lÀuft, durch dieses Verhalten von einigen Gesellschaftsgruppen ablehnend betrachtet zu werden. Jedoch hebt sie sich dadurch von den anderen Talkmastern ab und gewinnt somit neue Zuschauer.
Desweiteren ist es ihr wichtig, ihren GĂ€sten helfen zu können, wie zum Beispiel alte Freundschaften wiederzufinden oder sie bietet ihre Hilfe bei der Suche nach den Eltern eines Adoptivkindes an. Dadurch erreicht sie bei den Zuschauern einen Freundschaftsstatus - besonders bei den JĂŒngeren.

4.2.2 Ilona Christen

Ilona Christen versucht wĂ€hrend ihrer Sendung nicht parteiisch zu sein. Sie hat nur die Aufgabe die GĂ€ste und die Diskussion zu fĂŒhren. Dies versucht sie jedoch auf eine unterhaltsame und humorvolle Weiße zu tun. Das GesprĂ€chsformat Ă€hnelt mehr einem Interview, als einer (kontroversen) Diskussion. Ilona Christen sitzt zusammen mit ihren GesprĂ€chspartnern auf einem kleinen Podium. Ihre recht statische Sitzhaltung zeigt, dass fĂŒr sie der Kontakt zum Publikum nicht so wichtig ist wie es fĂŒr andere Talkshows typisch ist, tatsĂ€chlich bezieht sie das Studiopublikum sehr selten bis gar nicht mit in das GesprĂ€ch ein.

4.2.3 Hans Meiser

Hans Meiser ist die einzige Talkshow, die fast jeden Tag in der Woche live auf Sendung geht. Dadurch können wĂ€hrend der Sendung auch die Fernsehzuschauer ihre Meinung per Fax oder Telefon kundtun. Hans Meiser rĂ€umt diesen Kommentaren aber nicht sehr viel Zeit in seiner Sendung ein. Viel mehr arbeitet Meiser mit seinem Publikum, indem er einzelne Zuschauer nach ihrer Meinung fragt, oder auch freiwillige Wortmeldungen unmittelbar berĂŒcksichtigt. Seine NĂ€he zum Publikum demonstriert er auch durch sein Aufenthaltsort wĂ€hrend der Sendung, er steht fast immer im Publikumsraum, was ab und zu seine kontrĂ€re Meinung zu dem Gesprochenen auf der BĂŒhne vermuten lĂ€sst. Meiser neigt oft dazu seine eigene Meinung in Form von Witzen auf Kosten der GĂ€ste zu verkĂŒnden. Dies ist wohl auch einer der GrĂŒnde fĂŒr seinen großen Erfolg.

4.2.4 JĂŒrgen Fliege

JĂŒrgen Fliege hat vergleichsweise wenig GĂ€ste pro Sendung, fĂŒr diese hat er aber sehr viel Zeit. Fliege versucht jedem Gast gerecht zu werden, das heißt, er hat fĂŒr jeden soviel Zeit, wie er fĂŒr richtig hĂ€lt. Eine StĂ€rke von Fliege ist es, den GĂ€sten ein GefĂŒhl des Vertrauens zu vermitteln, hierbei ist ihm seine Rolle als Zuhörer sehr nĂŒtzlich. Er hört sich in aller Ruhe die Probleme seiner GĂ€ste an und gibt seine Meinung erst kund, wenn er sie sich wohl ĂŒberlegt hat. Das Format dieser Sendung erinnert mehr an den Portrait - Talk, als an eine Typische Nachmittags - Talkshow, da Fliege jeden Gast nacheinander befragt und nicht wie viele andere Talkshows eine kontroverse Diskussion provozieren will. Sehr oft hat er neben seinen eigentlichen GĂ€sten noch Fachleute und Spezialisten, die bei Bedarf zu rate gezogen werden können.

5 Themenauswahl


ErklÀrung: Bei Arabella ist das Thema Familie zu ca. 8 % vertreten, das Thema Sex zu ca. 15 %.

6 Die GĂ€ste

Eine Studie zum Thema "Affektfernsehen" (Sendungen in denen einzelne Menschen bzw. Einzelschicksale im Mittelpunkt stehen) umfaßt folgende Kernpunkte bezĂŒglich den GĂ€sten und ihren GrĂŒnden in einer Talkshow aufzutreten.

• Selbstdarstellung und eventueller Nutzen fĂŒr ihre Zukunft
Die GĂ€ste erhoffen sich durch ihren Auftritt mehr Respekt und Ansehen in ihrem unmittelbaren Personenumfeld.
• Versuch mit der Talkshow persönliche Probleme zu lösen (SchĂŒchternheit, Streßsituationen bewĂ€ltigen)
Oft wird den GÀsten suggeriert, sie können ihre Phobien, durch eine Talkshow verlieren. Diese Schocktherapie wirft aber oft mehr Probleme auf, als sie löst.
• Anschluß an die Gesellschaft finden
In einer Talkshow, scheint sich das Publikum und besonders der Moderator fĂŒr die Geschichte des Gastes zu interessieren, das ermutigt ihn an einer Talkshow teilzunehmen, weil der Gast sich dadurch erhofft, wieder Anschluß an die Gesellschaft zu finden.
• Appelle an einzelne, bekannte oder unbekannte Personen oder Gruppen richten
Viele GĂ€ste wollen einfach nur auf etwas aufmerksam machen, zum Beispiel auf einen Komet, der auf die Erde stĂŒrzt oder auf etwas ernsthafteres wie zum Beispiel auf das Walsterben oder die Atomkraftrisiken. Diese Personen finden durch die Talkshow eine Möglichkeit, sehr viele Menschen anzusprechen.
• Vergeltung oder Rache an anderen Personen
Themen wie: "Du hast mich betrogen" oder "Ich bin doch nur eure Putzfrau" zeigen dieses Motiv, Diese GĂ€ste wollen im Rahmen der Sendung einen Menschen blamieren, der oft zunĂ€chst als Zuschauer eingeladen wurde, um dann der Person gegenĂŒbergestellt zu werden, die ihm dann VorwĂŒrfe und Anschuldigungen macht. Der Vorteil sich auf diesem Wege an Personen zu rĂ€chen, ist es, dass meist das gesamte Publikum hinter einem steht.
• Trend: "Talkshowgast - Dabei sein ist alles!"
Wenn der bisherige Trend sich fortsetzt, wird, statistisch gesehen, bis zum Jahre 2002 jeder vierte BundesbĂŒrger an einer Talkshow teilgenommen haben. Man ist also schon fast ein Außenseiter, wenn man noch nicht einen Talkshowbesuch nachweisen kann. Außerdem haben viele Spaß daran, sich einfach mal in eine andere Person zu versetzen, um dem Publikum irgendwelche fiktiven Geschichten zu erzĂ€hlen, die es dann auch noch glaubt.
• "EntschĂ€digungszahlung" in Höhe von bis zu 1500 DM
Einige GĂ€ste nehmen an einer Talkshow nur Teil um damit etwas Geld zu verdienen. Zu den 1000 bis 1500 DM kommt meistens noch ein kostenloses Wochenende in der Großstadt, wo die Sendung produziert wird. Eine Talkshowproduktion ist praktisch ein bezahlter Kurzurlaub in einer Großstadt. Aus diesem Grund gibt es schon regelrecht "Talkshow - Pendler" die schon ziemlich an allen Talkshows teilgenommen haben, die es gibt.

Nach Betrachtung einiger Talkshows kann man zwei Grundtypen der Teilnehmer unterscheiden, der erste ist praktisch der Nachbar von Nebenan, allerdings mit einem Macken (Er muss jeden Tag sein Auto waschen) oder einem Schicksalsschlag (Arbeit verloren, Haus verloren,...). Der Zweite ist ein kurioser, teilweise VerrĂŒckter und dem spießbĂŒrgerlichen Leben fremder Mensch. Beide ĂŒbernehmen in der Maschinerie "Talkshow" bestimmte Aufgaben. WĂ€hrend der erste eine NĂ€he zum Zuschauer, durch Identifikation und Mitleid (vgl. 3.4) herstellen soll, dient der Zweite dazu, dem Zuschauer zu zeigen, dass er (der Zuschauer) eigentlich ein ganz normaler Mensch ist, der einen viel besseren Status in der Gesellschaft genießt, als der Gast. Diese Aufgabe ĂŒbernehmen oft Punks, Wohnungslose, Weltenbummler und noch vor einigen Jahren auch Schwule und Lesben.

6.1 Die Folgen auf die Talkshow - GĂ€ste

Was passiert mit den Talkshow - GÀsten, wenn sie ihre Geschichte erzÀhlt haben und die Aufzeichnung beendet ist? Diese Frage stellt sich der Psychologe Colin Goldner, der sich auf die Behandlung von "Talkshow - Opfern" spezialisiert hat.
Er stellte fest, dass dem Gast schon im Vorfeld eine außergewöhnliche Aufmerksamkeit zukĂ€me, zum Beispiel durch telefonische Vorabsprachen und manchmal auch ein Casting - Team, welches zu Besuch kommt und die GĂ€ste interviewt. Vor Sendebeginn steigert sich der Druck enorm, nicht enttĂ€uschen zu wollen (der Sender hĂ€tte viel Geld investiert, Flug - und Hotelkosten wurden bezahlt). WĂ€hrend der Sendung ließe die vermeintliche NĂ€he der Moderatoren vorhandene Hemmungen schwinden. Die GĂ€ste hĂ€tten das GefĂŒhl, man interessiere sich fĂŒr ihre Geschichte und ihr Problem. Ihnen fiele der schlagartige Wechsel von teilnahmsvoll zugewandter Mine zu schlagartigem Desinteresse wĂ€hrend der Werbepausen nicht auf. Nach der Aufzeichnung wechsele der Moderator kein Wort mehr mit seinen GĂ€sten.
Der Talkgast hÀtte mit Betreten des Studios keine Chance mehr, sich dem Geschehen zu entziehen: Schminken, Frisieren, Mikrofonprobe, Kameraprobe, Regieanweisungen, Moderatoren - GesprÀch.
Goldner argumentiert weiter, die GĂ€ste wĂŒrden wĂ€hrend der Sendung mit der Meinung des Publikums konfrontiert. Oft wĂŒrden sie erst hier erfahren, welche Meinung zum Thema andere GĂ€ste vertreten. Auf jede PublikumsĂ€ußerung mĂŒsse der Gast reagieren, Schutz biete auch der Moderator nicht.
Nach der Sendung beurteilten die meisten GĂ€ste ihren Auftritt als positiv und versprechen sich erhöhte Anerkennung im Bekannten - und Arbeitskreis. Doch es gebe keinerlei UnterstĂŒtzung fĂŒr TalkgĂ€ste, die langsam merken, viel zu viel oder viel zu Intimes preisgegeben, sich und andere entblĂ¶ĂŸt oder zum Narren gemacht zu haben. Sie mĂŒssen damit leben, vor Millionenpublikum ihre Probleme und ihr Privatleben zur Schau gestellt zu haben. Die "Talkshow Therapie", also die Möglichkeit mir der Talkshow Probleme zu bewĂ€ltigen, schlĂ€gt fatal ins Gegenteil um, wenn keine wirkliche Auseinandersetzung stattfindet und die fehle bei den Daily - Talks.
Wenn Talkshow - GĂ€ste vor einem Millionenpublikum scheinbar freiwillig ĂŒber intimste und schmerzhafteste Dinge redeten, wĂŒrden sie zu Folgendem verfĂŒhrt: Es werde ihnen vorgegaukelt, derlei SelbstentblĂ¶ĂŸung habe befreiende oder heilsame Wirkung. In Wahrheit diene sie nur der Quote. Talkmoderatoren seien weder Seelsorger noch Therapeuten, auch wenn sie sich gerne als solche verhalten. Sie haben keinerlei medizinisch - psychologische Schulung, die sie befĂ€higen wĂŒrde, Grenzen zu erkennen.

7 Die potentiellen Zuschauer

Öffentliche Untersuchungen zu dem Zuschauerprofil eines Talkshow Zuschauers sind uns nicht bekannt, dennoch kann man durch die Werbung, die wĂ€hrend den Talkshows ausgestrahlt wird, RĂŒckschlĂŒsse auf die Zuschauer ziehen. Die Werbeagenturen geben viel Geld fĂŒr Studien aus, die die Zuschauerprofile einzelner Sendungen aufzeigen. Mit Hilfe dieser Studien werden die einzelnen Werbespots zielgruppengerichtet plaziert. Die große Anzahl von Kosmetik - und Lebensmittelwerbung lĂ€sst die Vermutung zu, dass besonders viele Hausfrauen und Alleinstehende (erkennbar an der Werbung fĂŒr Fertiggerichten fĂŒr eine Person) den Fernsehnachmittag mit den Talkshows verbringen.

8 Fazit

Abschießend kann man sagen, dass Nachmittags - Talkshows einzig und allein den Sinn haben, möglichst viele Menschen zu animieren die tĂ€glichen Talkshows zu sehen, um die Einschaltquoten, respektive die Gewinne der Sendeanstalten in die Höhe zu treiben. Hierbei wenden die Produzenten viele psychologische Grundlagen an, die im schlimmsten Fall eine psychische AbhĂ€ngigkeit des Rezipienten hervorrufen können. Hier wĂ€re etwas mehr Verantwortung gegenĂŒber den GĂ€sten seitens der Produzenten dringend Notwendig.
Ansonsten sollte man die tÀgliche Flut der Talkshows entweder gar nicht ertragen, oder mit Humor wie es zum Beispiel Oliver Kalkofe, Mediensatiriker, tut:
"Ohne unsere tĂ€glichen Vor -, WĂ€hrend - und Nachmittags - Talkshows wĂŒssten wir gar nicht, wie furzlangweilig und erschreckend uninteressant doch das Leben der anderen ist und wieviel kleine geile Latex - Teufelchen in der Hirnschale des durchschnittlichen Filialstellenleiters schlummern. Daily Talks, wie man das serienmĂ€ĂŸige Schwachsinns - geschwafel gern cool in der Branche nennt, sind schließlich dazu da, damit genau die uninteressanten Fusselfressen sich fĂŒr umsonst mal so richtig einen ablabern dĂŒrfen, die sich einen teuren Therapeuten oder Friseur sonst nicht leisten können."

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