Warum soll meine Religion die richtige sein?





Warum soll meine Religion die richtige sein?

Vorbemerkung:

Die Jahreslosung 1995 wendet sich an die heidnischen V├Âlker und fordert sie zur Verehrung des einen Gottes JAHWE auf. Damit stellt sich die Frage nach dem "Alleinvertretungsanspruch" der Religionen. Die folgende Ansprache versucht, dieser Frage nachzugehen, indem sie einen neutestamentlichen Zeugen zu Wort kommen l├Ąsst: Paulus. In erz├Ąhlerischer Form setzt er sich mit diesem Problem auseinander. Sie wurde in der Adventszeit 1993 bei einem Jugendgottesdienst von mir vorgetragen und in ihrer urspr├╝nglichen Form belassen.

Liebe Freundinnen, liebe Freunde,
in das Gewand eines anderen werde ich heute abend schl├╝pfen. Mein Name ist Paulus. Ihr werdet mich kennen oder habt zumindest von mir geh├Ârt oder gelesen: Lukas, der Bibelschreiber hat ja von mir erz├Ąhlt. Und meine Briefe, ein paar zumindest, haben die Christen in alter Zeit in Euer Bibel - Buch mit aufgenommen.
Ihr lieben Leute geht gerade auf das gro├če Fest der Christen zu. Mitten in den Vorbereitungen zu Weihnachten feiert ihr diesen Gottesdienst. Da, wo sich viele auf das Christfest freuen, so ein Thema: Warum soll meine Religion die richtige sein? Verwirrend f├╝r mich und spannend zugleich. Ich dachte, es k├Ânnte Euch interessieren, was ich zu sagen habe zu Eurer Frage. Denn in meinem Leben habe ich mich immer wieder damit auseinandersetzen m├╝ssen.
Ja, warum soll meine Religion die richtige sein? Zuerst, wenn ich ehrlich bin, war mir das kein Problem. Ein Jude war ich, aus dem Stamm Benjamin, Hebr├Ąer von Hebr├Ąern, am achten Tag beschnitten, wie alle j├╝dischen Jungen, aufgenommen in den Bund, den der Gott meiner V├Ąter mit seinem Volk geschlossen hat. Ob es diesen Gott gab oder nicht, das versuchte ich nie herauszufinden. Er existierte. Fraglos. Er hatte seinen Platz im Elternhaus, am Sabbat, bei den Festen, die wir feierten, im Unterricht in der Synagoge.
Unser Gott hatte eine Stimme, und sie sprach aus der Thora, dem Gesetz, wir h├Ârten sie in den Geschichten, die von ihm und unserem Volk erz├Ąhlten, wir sangen ihm in den tehilim, den Psalmen. Wir beteten ihn an in dem Schemah Israel: H├Âre Israel: Adonai ist unser Gott. Adonai allein, und er ist einzig. Ihn, den einzigen Gott, sollst du lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, und mit all deiner Kraft. Dein Gott ist eifers├╝chtig.
Diese Worte habe ich mir ins Herz geschrieben, habe sie in meinen Gedanken bewegt, um sie nie zu vergessen. Dass meine Religion die richtige war, warum sollte ich daran zweifeln? Das Gegenteil war der Fall. Ich wollte sie ernst nehmen, ernster als viele meiner Mitmenschen, die ihn zu einem Sonn - und Feiertagsgott gemacht hatten. Ich wollte ernst machen mit der Forderung, heilig zu sein, weil unser Gott ein heiliger Gott war. So ging ich bei den Pharis├Ąern in die Schule. Lernte, eiferte f├╝r meinen eifers├╝chtigen Gott.
Und doch gab es da auch das andere in meinem Leben: Ich war ein Jude aus Tarsus. Tarsus war eine Hafenstadt, m├╝├čt ihr wissen. Als Kind sa├č ich oft am Hafen, dort, wo man das Mittelmeer riechen kann, den S├╝dwind auf der Haut sp├╝ren, der die Frische und das Salz ├╝ber die Wellen in die Stadt hineintrieb. Das Meer brachte nicht nur gute Luft, sondern auch die Fremden: die Griechen, die Afrikaner, ├ägypter und Seefahrer aus Cypern, Exoten, M├Ąnner mit fremden Gesichtern und fernen Sprachen, mit bunten Kleidern und noch bunteren Gedanken, Kundschafter anderer, fremdartiger Religionen.
Immer, wenn ein Schiff aus dem Hafen ausfuhr, hat mich das Fernweh gepackt. Ich wollte die Welt kennenlernen, erfahren, was andere glaubten und wie andere lebten. Vielleicht lag in diesen vielen Stunden, die ich als Kind am Hafen meiner Vaterstadt verbracht habe, schon der Kern daf├╝r, dass ich sp├Ąter zum weitgereistesten Menschen der Bibel werden sollte. Die Linien meiner Wanderungen und Schiffspassagen durchkreuzen schlie├člich die Landkarten der ganzen damals bekannten Welt von Ost nach West und zur├╝ck. Nun, ganz reicht es noch nicht als Erkl├Ąrung daf├╝r aus.
II. La├čt mich von Damaskus erz├Ąhlen. Blinde sehen, Lahme gehen! t├Ânte es damals durch die Landschaften Judas und Galil├Ąas und ├╝ber die n├Ârdlichen Grenzen hinaus. Die R├Âmer hielten die neue religi├Âse Sekte des Nazareners f├╝r eine aufr├╝hrerische Gruppe, wir hielten sie schlicht f├╝r eine Bande von Gottesleugnern und Feinden unseres Volkes. Alles schienen sie daran gesetzt zu haben, unserem Volk Wunden zu schlagen und die Gemeinschaft der Glaubenden zu untergraben. Demonstrativ hatten sie die Sabbatgebote gebrochen, am heiligsten der Wochentage gebrechliches Volk von der Pest geheilt. In den Stra├čen erklang das Jubeln und Schreien derer, die sich nach Heilung sehnten. Schamlos, respektlos und ohne jede heilige Scheu erkl├Ąrten sie, die Thora h├Ątte sich erf├╝llt und das Ende der Zeiten sei angebrochen.
Die R├Âmer haben den Kopf der Bande ja dann hingerichtet, wie man Gottesl├Ąsterer und politische Aufr├╝hrer hinrichtet. Doch Ungeheuerliches hat man sich bald darauf erz├Ąhlt. Er, der Rabbi Joschua aus Nazareth, aus der Familie Davids, sei eingesetzt worden zum Sohn Gottes, auferweckt am dritten Tage, einem gewissen Kephas erschienen, danach auch den zw├Âlf M├Ąnnern, die sich als konspirative Gruppe in Jerusalem zur├╝ckgezogen hatten. Nicht lange darauf seien es gar 500 gewesen, die beim Pfingstfest in Jerusalem au├čer sich gerieten, weil sie mit unerkl├Ąrlicher Kraft von oben erf├╝llt wurden. Der Herr ist auferstanden, hie├č es. Und in aller ├ľffentlichkeit verbreiteten sie die Nachricht, der sagenhafte Josua sei der Messias gewesen, und die b├Âsen Juden h├Ątten den Gesalbten des Herrn umgebracht. Bis nach Damaskus hinaus verbreitete sich die Kunde, Krebsgeschw├╝ren gleich. La├čt sie uns aufsp├╝ren und gefesselt nach Jerusalem f├╝hren und anklagen! riefen wir und zogen nach Osten. Wir wollen unsere Ruhe haben.
Auf nach Damaskus. Aber ich erreichte die Stadt anders, als ich dachte. Kurz vorher war es mir, als ├Âffnete sich der Himmel. Qualvolles Licht b├╝ndelte sich zum Strahl und die Stra├če gl├Ąnzte. Saul, Saul, h├Ârte ich rufen, was verfolgst Du mich? Ein Krampf warf mich vom Pferd in den Staub. Wer bist Du? stammelte ich. Wie blind erhob ich mich vom Boden, m├╝hsam und voller Schmerzen: Wer bist Du? Drei Tage a├č und trank ich nichts. Qu├Ąlende Fragen, die nur der Schlaf zur Ruhe brachte. Wer bist Du? Dann kam Ananias und legte mir heilend die H├Ąnde auf die Augen. Wer bist Du? fragte ich noch einmal. Und irgend jemand sagte: Ich bin Christus, den du verfolgst. Mach Deine Augen auf. Blind warst du, blind vor Eifer. Bist an dem Gott des Lebens vorbeigegangen und hast ihn zum Erf├╝llungsgehilfen deiner religi├Âsen Vorstellungen degradiert. ...........
Das Leben hatte einen Strich durch meine Pl├Ąne gezogen. Blinde sehen, Lahme gehen. Gott hatte mir die Augen ge├Âffnet. Der Gott, der mir das Leben geschenkt hat, offenbarte mir seinen Sohn. Ich lebte, doch nun nicht nur ich, sondern Christus lebte in mir. Doch - was war nun mit meiner Vergangenheit? War mein bisheriges Leben vertan, vergeblich? Was war mit meinem Glauben an den Gott der Hebr├Ąer, mit meinen j├╝dischen Geschwistern? Mit den vielen, denen sich Jesus Christus nicht in den Weg gestellt hatte? Waren sie verloren? Verworfene? Welche Religion war die richtige, die j├╝dische oder die christliche?
Lange Jahre brauchte ich, bis ich f├╝r mich eine Antwort darauf fand: Die Zusagen, die Gott den Juden gegeben hat, k├Ânnen nicht hinf├Ąllig geworden sein. Gott steht dazu (R├Âm. 6,9). Auch wenn Gott durch seinen Sohn allen seine Liebe gezeigt hat. Wenn Gott einem Menschen seine Gemeinschaft anbietet, dann widerruft er dies nicht (R├Âm. 11,29). Gott hat verschiedene Wege, um zu uns zu reden. Jesus hat deutlich gemacht, dass Gottes Worte allen V├Âlkern und Nationen (R├Âm. 9,30) gelten. Schlie├člich hat Gott alle Dinge geschaffen, alles besteht durch ihn und in ihm haben sie ihr Ziel (R├Âm. 11,36).
Juden oder Christen? Ich war Christus begegnet. Er hat mich zu seinem Boten gemacht. Und ich habe mich von ihm rufen lassen. Mit einmal war mir bewu├čt geworden, dass ich bisher noch nicht begriffen hatte, was der Glaube an Gott bedeutet. Ich meinte, ich m├╝sste es ihm recht machen, indem ich f├╝r ihn eiferte. Jetzt wei├č ich, dass ich durch Gottes Barmherzigkeit bin, was ich bin. Er hat mir das Leben gegeben. Ich bin f├╝r ihn wichtig. Nicht wegen meiner guten Taten oder meines vorbildlichen Lebenswandels. Sondern weil er mich liebt. Deshalb habe ich mich auf den Weg gemacht, um diese gute Nachricht weiterzutragen.
III. Aber noch einmal musste ich dabei dazulernen. Juden oder Christen, das war nur ein Anlass, ├╝ber die Religionen nachzudenken. Da kam n├Ąmlich auch noch Athen! Eigentlich war die Hauptstadt der Griechen nur als Durchgangsstation zwischen Thessaloniki und Korinth gedacht gewesen. Doch kaum, dass ich sie betreten hatte, schlug sie mich in den Bann. Was f├╝r eine Stadt! Dichter, Denker, Wissenschaftler, K├╝nstler - Sokrates und Plato, Aristoteles und Homer, die gro├čen Dramatiker! Was f├╝r eine Welt! Noch nie war mir so bewu├čt geworden, welcher Geist, welche Kultur sich in dieser Stadt der Dichter und Denker versammelten. Auf dem Weg zur Akropolis rechts und links Alt├Ąre, viele f├╝r unbekannte G├Âtter, deren Zorn man sich nicht zuziehen wollte. L├Ąrm aus den Markthallen, neugierige, bildungsbeflissene Menschen, Philosophen und Philosophenschulen. Da war sie wieder, die Welt meiner Kindertage mit ihren fremdartigen Gedanken, mit ihrem bunten Leben. Neugierig schlo├č ich mich den Leuten auf dem Marktplatz an. Stoiker nannten sich einige, andere nach dem Philosophen Epikur. Und viele interessierten sich f├╝r meine Gedanken, die "neue Lehre". Manches klang fremd f├╝r sie und sie wollten gerne mehr dar├╝ber wissen.
Nach Art der Philosophen begann ich zu reden: "Ihr M├Ąnner von Athen, ich habe gemerkt, dass ihr die G├Âtter hoch verehrt. Ich bin durch eure Stadt gegangen und habe mir eure heiligen St├Ątten angesehen. Dabei habe ich einen Altar entdeckt mit der Inschrift: "F├╝r den unbekannten Gott". Diesen Gott, den ihr verehrt, ohne ihn zu kennen, will ich euch jetzt bekannt machen. Es ist der Gott, der die Welt geschaffen hat und alles, was darin lebt. Als Herr ├╝ber Himmel und Erde wohnt er nicht in Tempeln, die von Menschen gebaut werden....Meint nicht, die Gottheit sei den Bildern gleich, die ihr euch von ihnen macht. Er ist jedem von uns nahe; denn durch ihn leben, handeln und sind wir. Und Gott hat sich uns gezeigt, in einem Menschen, seinem Ebenbild. Ihn hat er vor aller Welt ausgewiesen, indem er ihn vom Tod erweckt hat."
Als ich von der Auferstehung redete, lachten einige und spotteten. Andere meinten, ich w├╝rde neue G├Âtter verk├╝ndigen. Sie lie├čen mich nicht mehr zu Wort kommen. So ging ich schweigend aus ihrer Mitte, aufrecht und ruhig, als ber├╝hrte mich das nicht. Nicht aus eigener Kraft und St├Ąrke, nicht aus ├ťberheblichkeit und Besserwisserei, sondern als sp├╝rte ich den namenlosen Mann, den ich verk├╝ndet hatte, an meiner Seite. Sp├Ąter erz├Ąhlten sie mir, dass einige meinen Worten vertrauten und Christen wurden. Gott ist jedem von uns nahe. Mit allen Menschen dieser Erde waren die Athener auf der Suche nach dem unbekannten Gott. Doch der hat uns Menschen besucht. Er hat Hand und Fu├č bekommen in jenem kleinen Kind von Bethlehem, in dem Prediger vom See Genezareth, in dem Aufr├╝hrer am Kreuz. Und er wirbt um unser Vertrauen.
IV. Warum soll meine Religion die richtige sein? Ich habe lernen m├╝ssen, dass es viele Arten gibt, Gott zu verstehen. Als ich ein Kind war, dachte ich wie ein Kind von Gott, redete wie ein Kind, f├╝hlte wie ein Kind. Als Mann musste ich viele meiner liebgewordenen Vorstellungen ablegen. Mir wurde bewu├čt, dass wir Gott nie ganz begreifen werden, solange wir leben. Unser Erkennen ist St├╝ckwerk. Wie in einem tr├╝ben Spiegel sehen wir Gott, unvollkommen, wie wir Menschen sind. Aber ich freue mich auf den Tag, an dem wir Gott gegen├╝berstehen und ihn erkennen werden, so wie er uns jetzt schon kennt (1.Kor 13,11 - 12).

Jugendpfarrer Wolfgang S├Ânning, Esslingen


Just another brick in the wall - Jugendgottesdienst zur Jahreslosung 1996

1. The wall - Part 1


Im Angesicht der Tr├╝mmer der Jerusalemer Tempelmauern entstehen nach 587 die Klagelieder. Man wird sie sp├Ąter dem Propheten Jeremia zuschreiben. Das dritte Lied, aus dem unsere Jahreslosung genommen ist, erz├Ąhlt von dem Unheil, das den Menschen widerfahren ist. In 66 Versen klagt eine Unbekannter (der Vorbeter der Gemeinde?) Gott seine Einsamkeit. Er klagt seine "Not und Unrast". Wie ein Feind bei der Belagerung einer Stadt die Sturmmaschinen und Rammb├Âcke aufbaut, so umbaut und umgibt Jahwe den Leidenden mit Gift und M├╝hsal. Er ist ein Gefangener, eingemauert und an schwere KettenIgelegt. Alles Schreien und Rufen ist sinnlos. Jeder Zugang nach au├čen, selbst der Zugang zu Gott ist versperrt. Doch im Gebet zeigt er sich bereit, Bu├če zu tun und umzukehren, alle nationale und religi├Âse ├ťberheblichkeit hinter sich zu lassen und auf Gottes Eingreifen zu hoffen. Er erinnert sich an die vergangenen "Gnadenerweise" Gottes, an die G├╝te, die Gott seinem Volk in der Vergangenheit erwiesen hat. T├Ąglich neu wendet Gott seine G├╝te den Menschen zu. Unumst├Â├člich ist die Barmherzigkeit Gottes. Darauf ist Verlass. Auch in Zukunft. So zeigt der S├Ąnger der versammelten Gemeinde den Weg zur ├ťberwindung ihres Leids auf: Im neuen Vertrauen auf die Hilfe Gottes.

Der Text aus Klagelieder 3


3/1 Ich bin der Mann, der Elend sah durch die Rute seines Grimmes. 3/2 Mich trieb er weg und lie├č mich gehen in Finsternis und ohne Licht. 3/3 Nur gegen mich wendet er immer wieder seine Hand, jeden Tag. 3/4 Verfallen lie├č er mein Fleisch und meine Haut, zerbrach meine Knochen, 3/5 umbaute und umgab mich mit Gift und M├╝hsal. 3/6 Er lie├č mich wohnen in Finsternissen, wie die Toten der Urzeit.
3/7 Er ummauerte mich, dass ich nicht herauskann; er legte mich in schwere, bronzene Ketten. 3/8 Auch wenn ich schrie und um Hilfe rief, verschlo├č er [sein Ohr vor] meinem Gebet. 3/9 Er vermauerte meine Wege mit Quadersteinen, kehrte meine Pfade um.
3/21 [Doch] dies will ich mir in den Sinn zur├╝ckrufen, darauf will ich hoffen:
3/22 Ja, die Gnadenerweise des HERRN sind nicht zu Ende, ja, sein Erbarmen h├Ârt nicht auf, 3/23 es ist jeden Morgen neu. Gro├č ist deine Treue. 3/24 Mein Anteil ist der HERR, sagt meine Seele, darum will ich auf ihn hoffen. 3/25 Gut ist der HERR zu denen, die auf ihn harren, zu der Seele, die nach ihm fragt. 3/26 Es ist gut, dass man schweigend hofft auf die Rettung des HERRN.

2. The wall - Part 2

CD Pink Floyd - The wall (erschienen auf EMI Records Ltd. 1979/1994)





1977 beginnt die englische Popgruppe Pink Floyd mit der Arbeit an dem ehrgeizigsten und vielseitigsten Multimediaprojekt seit Pete Townshends B├╝hnenshow Tommy, mit der Arbeit an The Wall. Es wird die Geschichte des Jungen Pink Floyd, der als Kind seinen Vater im zweiten Weltkrieg verloren hat - eine Trag├Âdie, die nicht nur das Leben des Komponisten Roger Waters betraf, sondern auch das Leben vieler Engl├Ąnder seiner Generation ├╝berschattete. Die erstickende Liebe der Mutter, ein unmenschliches Bildungssystem, die Heirat mit einer treulosen Schlampe und der Zwang zum Erfolg in der Rockmusikszene machen sein Leben unertr├Ąglich. Die Folge: Je schlechter die Erfahrungen in seinem Leben, desto mehr zieht er sich in sich zur├╝ck und f├╝gt der "Mauer", die sie um ihn aufgebaut haben, einen weiteren Stein hinzu. "Good bye cruel world, I’m leaving you today, Good bye all you people, there’s nothing you can say to make me change my mind," singt Pink am Ende des ersten Teils der B├╝hnenshow, v├Âllig eingemauert in den Steinen seiner Vergangenheit.
In der zweiten H├Ąlfte vollzieht sich Pinks endg├╝ltiger Zusammenbruch und seine "Auferstehung" zu einem wunderbar einf├╝hlsamen Menschen. Der halluzinierende Popstar Pink wird von einem Arzt mit einer Spritze zu neuem Leben erweckt. Er taucht hinter der Mauer auf und marschiert im Stechschritt ├╝ber die B├╝hne. Rassistische Parolen und "Hammer! Hammer!" - Rufe erf├╝llen die B├╝hne bis die Mauer des Rock n’ Roll Demagogen zusammenst├╝rzt: "All alone, or in twos, the ones who really love you, walk up and down outside the wall."

Zum absoluten Hit von The Wall wurde der der Song Another brick in the wall. Bereits eine Woche nach der Ver├Âffentlichung 1976 f├╝hrte er die Charts an und war bereits in ├╝ber 340 000 Exemplaren verkauft worden. Er wurde zugleich einem der umstrittensten Songs der Popgeschichte. S├╝dafrika hat das Lied zur Hymne der Widerstandsbewegung im landesweiten Schulboykotts erkoren. Die staatliche Zensurbeh├Âre reagierte mit einem Verkaufs - und Sendeverbot. Auch in den USA boykottierten die TOP - Forty - Sender im Gro├čraum Los Angeles den subversiven Hit. Hier der Text:

Another brick in the wall


Part 1

Daddy’s flown across the ocean
leaving just a memory
a snapshot in the family album
Daddy what else did you leave for me
Daddy what d’ya leave behind for me
All in all it was just a brick in the wall
All in all it was just a brick in the wall.

Part 2

We don’t need no education
we don’t need no thought control
no dark sarcasm in the classrooms
teachers leave the kids alone
all in all it’s just another brick in the wall
all in all you’re just another brick in the wall.

Part 3

I don’t need no arms around me
I don’t need no drugs to calm me
I’ve seen the writing on the wall
don’t think anything at all
all in all it was just a brick in the wall
all in all you were all just bricks in the wall.

3. The wall - Part 3: Ein JugendGottesdienst



4. Verwendete Literatur

Hans - Joachim Kraus, Biblischer Kommentar Band XX, Klagelieder (Threni), Neukirchen 1968
Nicholas Schaffner, Pink Floyd, M├╝nchen 1994

Jugendgottesdienst Berkheim

Ich hab’s im Griff


Na, habt ihr’s im Griff? Euer Leben, meine ich? Klar, wie kann ich fragen. Wenn euch jemand in die Quere kommt, saust ihr wie der Terminator durch die Weltgeschichte und sorgt f├╝r Gerechtigkeit! Wenn jemand eine freche Lippe riskiert, kassiert er silvester - stallon - m├Ą├čig einen Haken. Wenn die Mathearbeit verhagelt ist, zeigt ihr eurem Lehrer eure kalte Schulter und macht euren Mitsch├╝lerinnen klar, dass es im Leben wichtigere Dinge gibt. Wenn euch jemand bl├Âde Kuh nennt, zuckt ihr mit den Achseln. Ihr seid ja obercool. Nur, wie’s drinnen aussieht, das darf euch niemand fragen. Wenn euch die Tr├Ąnen in den Augen stehen, dann darf das niemand wissen. Wenn euch ein Klos im Hals sitzt, schluckt ihr den selber runter. Ihr seid ja cool. Ihr strahlt wie die Boys und Girls im Quelle Katalog, immer gut drauf. Dass das Leben ganz anders ist, wissen wir alle. Aber keiner zeigt es. Mu├č das so sein? Manchmal habe ich den Eindruck, wir laufen wie die Heman - und Barbiepuppen in der Welt herum, mit steinernen Gesichtern, leblos wie in einer Plastikwelt. Ist das gut so?

La├čt uns ein paar Jahrhunderte zur├╝ckgehen, in die Weltstadt Korinth im sch├Ânen Griechenland. Das erste Jahrhundert unserer Zeitrechnung strotzt vor Kultur. Philosophen und Denker, Kriegshelden und Musen, in Stein gemei├čelte Sch├Ânlinge zieren die Pl├Ątze und Stra├čen der Weltstadt. Madame Toussous Wachsfigurenkabinett in Marmor und open Air, zum Null - Tarif. Muskul├Âs und maskulin, sportlich und aktiv die Athleten des Geistes und der K├Ârperkultur, kriegserfahren und obercool. Sch├Âne Frauen, mal ohne mal mit wehenden Gew├Ąndern, Musen und G├Âttinnen in verf├╝hrerischen Posen, das war der lifestyle der Zeit.
Bei so viel Eleganz wollen die Frommen in Korinth nicht nachstehen. Die einen halten es mit einem gewissen Apollos. Ein gl├Ąnzender Redner ist er, sagen sie, ein kr├Ąftiger Grieche, der die Frauenherzen h├Âher schlagen l├Ąsst. Geistreich und intelligent. Andere schw├Ąrmen f├╝r diesen Petrus, menschlich total gut drauf, ein einfacher Mann zwar, Fischer von Beruf, aber vertrauenerweckend, irgendwie hat der was, der Mann.
Nur den Paulus, den mag offenbar keiner. Und dabei hat er, der Apostel, die Gemeinde der Christen gegr├╝ndet. Ein armseliges Leben legt er an den Tag: Voller Schwachheit und Furcht. Manchmal, so schreibt er, steht ihm der Schwei├č auf der Stirn, manchmal zittert er am ganzen K├Ârper, als h├Ątte er Fieber. Manchmal erschrickt er vor seinem eigenen Spiegelbild: Bin ich das noch, bin ich ├╝berhaupt noch vorhanden? "Immer tragen wir das Sterben Jesu an unserem Leib", sagt er. "immer werden wir bei Leibes Leben dem Tod ausgeliefert. ├äu├čerlichkeiten zerfallen, wenn auch unser Inneres Tag um Tag neu wird." Er habe sich in Tr├╝bsal, N├Âten und ├ängsten zu bew├Ąhren, Schwachheit und Schmach. In durchwachten N├Ąchten verzweifelt er an sich und an seinem Gott. Er hat es schwer, sich gegen die Sch├Ânen und Erfolgreichen durchzusetzen. Von seinen Tr├Ąnen will niemand etwas wissen. Mit seinen Schw├Ąchen will sich niemand identifizieren. Einer wie er taugt nicht zum Helden. Seine Zweifel ziehen einen herunter. Seine Unsicherheit stellt einen in Frage. Doch Paulus l├Ąsst es nicht darauf beruhen. Er setzt sich hin und schreibt - keine Abrechnung, keine Selbstrechtfertigung, Paulus schreibt von der Liebe.
13
13/1 Wenn ich in den Sprachen der Menschen und der Engel reden k├Ânnte, aber keine Liebe habe, so bin ich ein t├Ânendes Erz geworden oder eine schallende Zimbel. 13/2 Und wenn ich Weissagung habe und alle Geheimnisse und alle Erkenntnisse wei├č und wenn ich allen Glauben habe, so dass ich Berge versetze, aber keine Liebe habe, so bin ich nichts. 13/3 Und wenn ich alle meine Habe zur Speisung [der Armen] austeile und wenn ich meinen Leib hingebe, damit ich verbrannt werde, aber keine Liebe habe, so n├╝tzt es mir nichts. 13/4 Die Liebe ist langm├╝tig, die Liebe ist g├╝tig; sie neidet nicht; die Liebe tut nicht gro├č, sie bl├Ąht sich nicht auf, 13/5 sie benimmt sich nicht unanst├Ąndig, sie sucht nicht das Ihre, sie l├Ąsst sich nicht erbittern, sie rechnet B├Âses nicht zu, 13/6 sie freut sich nicht ├╝ber die Ungerechtigkeit, sondern sie freut sich mit der Wahrheit, 13/7 sie ertr├Ągt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles.
Das, liebe Freunde, ist kein Liebesgedicht f├╝r milde Mitsommern├Ąchte. Das sind keine Schmuseverse f├╝r Romantiker. Das sind Zeilen f├╝r die Obercoolen, f├╝r die, die alles im Griff haben wollen, f├╝r die Helden, die kein W├Ąsserlein tr├╝ben kann.
Es ist ja merkw├╝rdig: Wenn man verliebt ist, dann hat man nichts mehr im Griff. Da schl├Ągt einem das Herz zum Hals und da zittern die Knie, wenn man nur an ihn denkt. Da macht man die verr├╝cktesten Dinge, um ihr zu gefallen. Da werden aus spr├Âden Typen Dichter und Mauerbl├╝mchen bl├╝hen auf zu Rosen. Man l├Ąuft singend durch den Alltag, schwebt auf Wolke sieben und k├Ânnte die ganze Welt umarmen. Mit einem mal kehrt das Leben in uns ein. Wir lachen und weinen, sind himmelhoch jauchzend, zu Tode betr├╝bt. Und alles, weil man verliebt ist.
Wenn Paulus von der Liebe schreibt, dann meint er das noch nicht einmal erotisch: "Wenn ich redete und redete. Wenn ich mir den Mund fusselig redete wie Apollos und die ganzen Gelehrten Griechenlands. In den Sprachen der Engel und in allen Dialekten der himmlischen Welt. Und wenn ich mir die Finger Wund schrieb, schrieb und schrieb. Was bedeutete das alles, was n├╝tzte es mir? Habe ich die Liebe nicht, dann bin ich nichtssagend, ein t├Ânendes Erz, eine klingende Schelle, ich rief ins Leere. Und wenn ich alle Erkenntnisse der Welt in mir h├Ątte, einen Glauben, der Berge versetzen kann, wie dieser Petrus und all die anderen Frommen, wenn ich ohne die Liebe bliebe, dann w├Ąre von all meinen Begabungen nichts ├╝brig. Ich verliere mein Profil, meine Person wird gestaltlos, dann bin ich nicht, ein nichts, nie gewesen. Wenn ich die Liebe nicht habe, dann lebe ich nicht, dann sp├╝re ich nichts, dann bleibt mein Leben sinnlos." "Ich zeig euch einen besseren Weg zu leben. Strebt nicht nach Begabungen, mit denen ihr euch aufplustert und wichtig machen k├Ânnt, sondern strebt nach der Liebe Gottes."
Paulus k├Ąmpft also darum, dass das Leben in uns Menschen einzieht. Man soll etwas von uns sp├╝ren, soll sich an uns ├Ąrgern oder reiben, sich mit uns freuen und lachen k├Ânnen. Unsere Traurigkeit soll einen Platz bekommen und unsere Freude soll andere anstecken. Unsere Sorgen sollen ihren Platz bekommen und unser Lachen soll andere anstecken.
Wie das geht? Durch die Liebe. Durch die Liebe Gottes, durch "die Liebe die ausgegossen ist in unsere Herzen durch den Heiligen Geist." (R├Âm. 5) Wer sich geliebt wei├č, der braucht sich nicht zu f├╝rchten - die Liebe treibt die Furcht aus. Wo Liebe ist, das ist Platz f├╝r Vertrauen und f├╝r Offenheit. Wo Liebe ist, da ist Raum f├╝r alle unsere Gedanken und Gef├╝hle. Da wird nicht gemessen und zensiert und verglichen. Wo Liebe ist muss keiner sich aufspielen und niemand den anderen klein machen, da schaut keine hochm├╝tig auf die andere herab und keiner ├╝bergeht den anderen. Wo Liebe ist, da k├Ânnen wir sein, wie wir sind.
So m├Âchte ich euch Mut machen, eure Gef├╝hle zu leben und zu zeigen. Ich m├Âchte euch Mut machen, die zu werden, die ihr wirklich seid, die Masken abzulegen und ehrlich miteinander umzugehen. Vielleicht wird dann manches schwieriger zwischen euch: Wenn sich einer seinen Kummer von der Seele redet, dann kann man nicht so leicht zur Tagesordnung ├╝bergehen. Das braucht Zeit, um zuzuh├Âren. Und oft wird man selbst davon betroffen sein von dem, was andere einem erz├Ąhlen. Aber trotzdem das Leben wird bunter und reicher. Wir erfahren etwas voneinander und wir lernen voneinander. Und das Leben wird leichter. Wer alles im Griff haben will, muss st├Ąndig darauf achten, sein Gesicht nicht zu verlieren. Wer wei├č, dass Gott ihn liebt, der kann so sein und leben wie er ist.

Mein Gott, das muss anders werden


Skizze zu einem Jugendgottesdienst

I. Aus der Tiefe rufe ich zu dir....!


Babylon. Die Israeliten, vielmehr das, was von ihnen nach der gro├čen Katastrophe ├╝brigblieb, haben ihre Harfen in die Weiden geh├Ąngt. Ihre Freudenlieder sind verstummt. Noch immer k├Ânnen sie kaum fassen, was geschah: Das Land liegt am Boden. Die H├Ąuser sind ein Raub der Flammen. Der Tempel, die lieblichen Wohnungen ihres Gottes Zebaoth liegen in Tr├╝mmern. "Wie k├Ânnten wir das Lied des Herrn noch singen im fremden Lande?
Einer sieht weiter: Der Prophet Jesaja, aus dessen Buch unsere Jahreslosung entnommen ist. Er fragt: Wie geht es mit euch weiter? Was kommt? Wer hilft?
Wir singen: Aus der Tiefe rufe ich zu dir, Herr, h├Âre meine Klagen
(U.Seidel, O.G.Blarr, aus: Wenn der Stacheldraht bl├╝ht, 1981)

Wir sitzen auf den Tr├╝mmern unserer Vergangenheiten und fragen was kommt? Wer hilft? Wie geht es mit uns weiter?
Zuf├Ąllig zusammengetragene Erlebnisse aus einer Sommerfreizeit mit 13 - 17j├Ąhrigen:
"Vor vier Wochen habe ich erfahren, dass ich Diabetes habe. Und das mit 16! Ich kann von nun an nicht mehr so leben, wie alle anderen. Immer brauche ich eine Sonderbehandlung. St├Ąndig muss ich mich einschr├Ąnken. Warum geschieht das gerade mir?"
"Meine Eltern haben mir meine ganze Kindheit verdorben mit ihren st├Ąndigen Streitereien. Ich bin total sauer auf sie. Ich h├Ątte mir das Leben so sch├Ân, so unbeschwert vorgestellt. Und jetzt f├Ąllt ihr ganzer Beziehungsschrott auf mich ab."
"Nie hat jemand Zeit, um mit mir vern├╝nftig zu reden. Alles nur schnell schnell. Die Arbeit, der Garten, das Auto sind anscheinend wichtiger als ich und meine unbequemen Fragen. Ich st├Âre doch nur."
"Eigentlich hatte ich viele Freunde, fr├╝her. Aber ich bin wohl zu oberfl├Ąchlich und zu eigensinnig gewesen. Ich habe Freundschaften nie richtig ernst genommen und deshalb haben sie nie richtig lange gedauert. Jetzt stehe ich alleine da. Sicher habe ich viele verletzt, vielen wehgetan."
"Lernen, nichts als Lernen! Den ├ťbergang von der Realschule zum Gymnasium h├Ątte ich mir leichter vorgestellt. Jetzt bin ich die einzige aus meiner alten Klasse, sonst alles neue Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler. Und die erste Mathearbeit habe ich schon voll verhauen. Mu├č ich mir das antun? Ich komme zu nichts mehr! Und wozu das alles?"
Wir sitzen auf den Tr├╝mmern unserer Vergangenheiten und fragen, was hilft. Wir tragen unsere Tr├╝mmer vor, vor zum Altar und gestehen unsere Hilflosigkeit ein.

II. Mein Gott, das muss anders werden, aber wie...?


Wir singen: Mein Gott, das muss anders werden...
(Ch.Lehmann, aus: F├╝nf Brote und zwei Fische - Kinderbeatmesse, 1977)
Mein Gott, das muss anders werden! Fragt sich nur wie? Wir haben unsere verschiedenen Methoden entwickelt:
Abhauen: Sex, Drugs, Rock’n Roll, das sei Gl├╝ck, meinen die einen. Ich verkriech mich in meine Ecke, sagen die anderen. Ich mach einen drauf, meinen wieder andere. Es gibt viele M├Âglichkeiten, um sich den Alltagsproblemen nicht stellen zu m├╝ssen.
Aussitzen: Manche Menschen bringen ihr Leben zu wie ein Ges├Ą├č. Sie sitzen die Probleme aus, bis sie nicht mehr existieren. Meinen sie. Ob das geht?
Dreinschlagen: Macht kaputt, was Euch kaputt macht! Ich finde schon einen Schuldigen, eine Schuldige. Denn einer ist immer der Arsch.
Das alles sind keine L├Âsungen. ├ändern tut sich gar nichts. Alles wird nur noch schlimmer!
Mein Gott, es muss anders werden. Fragt sich nur wie?
Wir bringen unsere Klagen vor Gott:
Unsere Kyriegebete
Wir singen: Herr, erbarme dich, erbarme dich
(A.Albrecht, P.Janssens, aus: Ein Halleluja f├╝r dich", 1973)
Wir h├Âren auf Gottes Zusage: Wendet euch zu mir, so werdet ihr gerettet, aller Welt Enden; denn ich bin Gott, und sonst keiner mehr.
Wir erz├Ąhlen Rettungsgeschichten aus der Bibel der Hebr├Ąer oder der Christen, Befreiungsgeschichten, und bekommen Anteil an der Hoffnung der Menschen, die Gott vertrauten (Auszug aus ├ägypten, F├╝hrung durch das W├╝stenland, Elia oder andere).
Wir feiern das Mahl der Befreiung und erleben die Gemeinschaft untereinander.
Wir singen: Neue Hoffnung, neues Leben, kann uns Gott alleine geben.
(E.B├╝cken, C.Lehmann, aus: Exodus, 1979)

Dass Menschen sich Gott zuwenden und darin Befreiung und Hilfe erfahren, soll nicht gelehrt, sondern gefeiert werden. Wir wenden uns Gott zu im Gebet, wir wenden uns Gott zu und spitzen die Ohren f├╝r seine Befreiungsgeschichten, wir erleben die Gemeinschaft untereinander im Mahl.

III. Hilf mir, es besser zu machen, mein Gott, erbarme dich...


Befreiung wird konkret in den Schritten, die wir miteinander in die Freiheit gehen. Wir haben uns Gottes N├Ąhe vergewissert. Wir haben die Gemeinschaft untereinander erlebt, indem wir unsere Sorgen teilten und im Mahl das neue Leben schmeckten, zu dem uns Gott berufen will. Nun wenden wir uns noch einmal unseren Tr├╝mmern zu. Die Israeliten bauten die Stadt und den Tempel wieder auf. Auch wir tun, was uns gegenseitig aufbaut.
Wir geben einander Zeit, um miteinander zu reden. Wir sagen uns gegenseitig unsere Unterst├╝tzung zu. Wir ├╝berlegen die n├Ąchsten Schritte, die wir miteinander gehen. Wir ermutigen uns, an unseren Zielen festzuhalten. Wir treffen Absprachen, um uns wieder zu treffen.
Wir teilen uns gegenseitig mit, wo wir Hilfe erfahren, wo f├╝r uns der Weg weitergeht. Wir vergewissern uns, dass wir nicht alleine sind.
Wir gehen unter Gottes Segen.
Wir singen: Steh mit mir auf, geh mit mir los
(H.J.Netz, P.Janssens, aus: Exodus, 1979)

Jugendpfarrer Wolfgang S├Ânning, Esslingen




Warum soll meine Religion die richtige sein?

Vorbemerkung:
Die Jahreslosung 1995 wendet sich an die heidnischen V├Âlker und fordert sie zur Verehrung des einen Gottes JAHWE auf. Damit stellt sich die Frage nach dem "Alleinvertretungsanspruch" der Religionen. Die folgende Ansprache versucht, dieser Frage nachzugehen, indem sie einen neutestamentlichen Zeugen zu Wort kommen l├Ąsst: Paulus. In erz├Ąhlerischer Form setzt er sich mit diesem Problem auseinander. Sie wurde in der Adventszeit 1993 bei einem Jugendgottesdienst von mir vorgetragen und in ihrer urspr├╝nglichen Form belassen.
Liebe Freundinnen, liebe Freunde,
in das Gewand eines anderen werde ich heute abend schl├╝pfen. Mein Name ist Paulus. Ihr werdet mich kennen oder habt zumindest von mir geh├Ârt oder gelesen: Lukas, der Bibelschreiber hat ja von mir erz├Ąhlt. Und meine Briefe, ein paar zumindest, haben die Christen in alter Zeit in Euer Bibel - Buch mit aufgenommen.
Ihr lieben Leute geht gerade auf das gro├če Fest der Christen zu. Mitten in den Vorbereitungen zu Weihnachten feiert ihr diesen Gottesdienst. Da, wo sich viele auf das Christfest freuen, so ein Thema: Warum soll meine Religion die richtige sein? Verwirrend f├╝r mich und spannend zugleich. Ich dachte, es k├Ânnte Euch interessieren, was ich zu sagen habe zu Eurer Frage. Denn in meinem Leben habe ich mich immer wieder damit auseinandersetzen m├╝ssen.
Ja, warum soll meine Religion die richtige sein? Zuerst, wenn ich ehrlich bin, war mir das kein Problem. Ein Jude war ich, aus dem Stamm Benjamin, Hebr├Ąer von Hebr├Ąern, am achten Tag beschnitten, wie alle j├╝dischen Jungen, aufgenommen in den Bund, den der Gott meiner V├Ąter mit seinem Volk geschlossen hat. Ob es diesen Gott gab oder nicht, das versuchte ich nie herauszufinden. Er existierte. Fraglos. Er hatte seinen Platz im Elternhaus, am Sabbat, bei den Festen, die wir feierten, im Unterricht in der Synagoge.
Unser Gott hatte eine Stimme, und sie sprach aus der Thora, dem Gesetz, wir h├Ârten sie in den Geschichten, die von ihm und unserem Volk erz├Ąhlten, wir sangen ihm in den tehilim, den Psalmen. Wir beteten ihn an in dem Schemah Israel: H├Âre Israel: Adonai ist unser Gott. Adonai allein, und er ist einzig. Ihn, den einzigen Gott, sollst du lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, und mit all deiner Kraft. Dein Gott ist eifers├╝chtig.
Diese Worte habe ich mir ins Herz geschrieben, habe sie in meinen Gedanken bewegt, um sie nie zu vergessen. Dass meine Religion die richtige war, warum sollte ich daran zweifeln? Das Gegenteil war der Fall. Ich wollte sie ernst nehmen, ernster als viele meiner Mitmenschen, die ihn zu einem Sonn - und Feiertagsgott gemacht hatten. Ich wollte ernst machen mit der Forderung, heilig zu sein, weil unser Gott ein heiliger Gott war. So ging ich bei den Pharis├Ąern in die Schule. Lernte, eiferte f├╝r meinen eifers├╝chtigen Gott.
Und doch gab es da auch das andere in meinem Leben: Ich war ein Jude aus Tarsus. Tarsus war eine Hafenstadt, m├╝├čt ihr wissen. Als Kind sa├č ich oft am Hafen, dort, wo man das Mittelmeer riechen kann, den S├╝dwind auf der Haut sp├╝ren, der die Frische und das Salz ├╝ber die Wellen in die Stadt hineintrieb. Das Meer brachte nicht nur gute Luft, sondern auch die Fremden: die Griechen, die Afrikaner, ├ägypter und Seefahrer aus Cypern, Exoten, M├Ąnner mit fremden Gesichtern und fernen Sprachen, mit bunten Kleidern und noch bunteren Gedanken, Kundschafter anderer, fremdartiger Religionen.
Immer, wenn ein Schiff aus dem Hafen ausfuhr, hat mich das Fernweh gepackt. Ich wollte die Welt kennenlernen, erfahren, was andere glaubten und wie andere lebten. Vielleicht lag in diesen vielen Stunden, die ich als Kind am Hafen meiner Vaterstadt verbracht habe, schon der Kern daf├╝r, dass ich sp├Ąter zum weitgereistesten Menschen der Bibel werden sollte. Die Linien meiner Wanderungen und Schiffspassagen durchkreuzen schlie├člich die Landkarten der ganzen damals bekannten Welt von Ost nach West und zur├╝ck. Nun, ganz reicht es noch nicht als Erkl├Ąrung daf├╝r aus.
II. La├čt mich von Damaskus erz├Ąhlen. Blinde sehen, Lahme gehen! t├Ânte es damals durch die Landschaften Judas und Galil├Ąas und ├╝ber die n├Ârdlichen Grenzen hinaus. Die R├Âmer hielten die neue religi├Âse Sekte des Nazareners f├╝r eine aufr├╝hrerische Gruppe, wir hielten sie schlicht f├╝r eine Bande von Gottesleugnern und Feinden unseres Volkes. Alles schienen sie daran gesetzt zu haben, unserem Volk Wunden zu schlagen und die Gemeinschaft der Glaubenden zu untergraben. Demonstrativ hatten sie die Sabbatgebote gebrochen, am heiligsten der Wochentage gebrechliches Volk von der Pest geheilt. In den Stra├čen erklang das Jubeln und Schreien derer, die sich nach Heilung sehnten. Schamlos, respektlos und ohne jede heilige Scheu erkl├Ąrten sie, die Thora h├Ątte sich erf├╝llt und das Ende der Zeiten sei angebrochen.
Die R├Âmer haben den Kopf der Bande ja dann hingerichtet, wie man Gottesl├Ąsterer und politische Aufr├╝hrer hinrichtet. Doch Ungeheuerliches hat man sich bald darauf erz├Ąhlt. Er, der Rabbi Joschua aus Nazareth, aus der Familie Davids, sei eingesetzt worden zum Sohn Gottes, auferweckt am dritten Tage, einem gewissen Kephas erschienen, danach auch den zw├Âlf M├Ąnnern, die sich als konspirative Gruppe in Jerusalem zur├╝ckgezogen hatten. Nicht lange darauf seien es gar 500 gewesen, die beim Pfingstfest in Jerusalem au├čer sich gerieten, weil sie mit unerkl├Ąrlicher Kraft von oben erf├╝llt wurden. Der Herr ist auferstanden, hie├č es. Und in aller ├ľffentlichkeit verbreiteten sie die Nachricht, der sagenhafte Josua sei der Messias gewesen, und die b├Âsen Juden h├Ątten den Gesalbten des Herrn umgebracht. Bis nach Damaskus hinaus verbreitete sich die Kunde, Krebsgeschw├╝ren gleich. La├čt sie uns aufsp├╝ren und gefesselt nach Jerusalem f├╝hren und anklagen! riefen wir und zogen nach Osten. Wir wollen unsere Ruhe haben.
Auf nach Damaskus. Aber ich erreichte die Stadt anders, als ich dachte. Kurz vorher war es mir, als ├Âffnete sich der Himmel. Qualvolles Licht b├╝ndelte sich zum Strahl und die Stra├če gl├Ąnzte. Saul, Saul, h├Ârte ich rufen, was verfolgst Du mich? Ein Krampf warf mich vom Pferd in den Staub. Wer bist Du? stammelte ich. Wie blind erhob ich mich vom Boden, m├╝hsam und voller Schmerzen: Wer bist Du? Drei Tage a├č und trank ich nichts. Qu├Ąlende Fragen, die nur der Schlaf zur Ruhe brachte. Wer bist Du? Dann kam Ananias und legte mir heilend die H├Ąnde auf die Augen. Wer bist Du? fragte ich noch einmal. Und irgend jemand sagte: Ich bin Christus, den du verfolgst. Mach Deine Augen auf. Blind warst du, blind vor Eifer. Bist an dem Gott des Lebens vorbeigegangen und hast ihn zum Erf├╝llungsgehilfen deiner religi├Âsen Vorstellungen degradiert. ...........
Das Leben hatte einen Strich durch meine Pl├Ąne gezogen. Blinde sehen, Lahme gehen. Gott hatte mir die Augen ge├Âffnet. Der Gott, der mir das Leben geschenkt hat, offenbarte mir seinen Sohn. Ich lebte, doch nun nicht nur ich, sondern Christus lebte in mir. Doch - was war nun mit meiner Vergangenheit? War mein bisheriges Leben vertan, vergeblich? Was war mit meinem Glauben an den Gott der Hebr├Ąer, mit meinen j├╝dischen Geschwistern? Mit den vielen, denen sich Jesus Christus nicht in den Weg gestellt hatte? Waren sie verloren? Verworfene? Welche Religion war die richtige, die j├╝dische oder die christliche?
Lange Jahre brauchte ich, bis ich f├╝r mich eine Antwort darauf fand: Die Zusagen, die Gott den Juden gegeben hat, k├Ânnen nicht hinf├Ąllig geworden sein. Gott steht dazu (R├Âm. 6,9). Auch wenn Gott durch seinen Sohn allen seine Liebe gezeigt hat. Wenn Gott einem Menschen seine Gemeinschaft anbietet, dann widerruft er dies nicht (R├Âm. 11,29). Gott hat verschiedene Wege, um zu uns zu reden. Jesus hat deutlich gemacht, dass Gottes Worte allen V├Âlkern und Nationen (R├Âm. 9,30) gelten. Schlie├člich hat Gott alle Dinge geschaffen, alles besteht durch ihn und in ihm haben sie ihr Ziel (R├Âm. 11,36).
Juden oder Christen? Ich war Christus begegnet. Er hat mich zu seinem Boten gemacht. Und ich habe mich von ihm rufen lassen. Mit einmal war mir bewu├čt geworden, dass ich bisher noch nicht begriffen hatte, was der Glaube an Gott bedeutet. Ich meinte, ich m├╝sste es ihm recht machen, indem ich f├╝r ihn eiferte. Jetzt wei├č ich, dass ich durch Gottes Barmherzigkeit bin, was ich bin. Er hat mir das Leben gegeben. Ich bin f├╝r ihn wichtig. Nicht wegen meiner guten Taten oder meines vorbildlichen Lebenswandels. Sondern weil er mich liebt. Deshalb habe ich mich auf den Weg gemacht, um diese gute Nachricht weiterzutragen.
III. Aber noch einmal musste ich dabei dazulernen. Juden oder Christen, das war nur ein Anlass, ├╝ber die Religionen nachzudenken. Da kam n├Ąmlich auch noch Athen! Eigentlich war die Hauptstadt der Griechen nur als Durchgangsstation zwischen Thessaloniki und Korinth gedacht gewesen. Doch kaum, dass ich sie betreten hatte, schlug sie mich in den Bann. Was f├╝r eine Stadt! Dichter, Denker, Wissenschaftler, K├╝nstler - Sokrates und Plato, Aristoteles und Homer, die gro├čen Dramatiker! Was f├╝r eine Welt! Noch nie war mir so bewu├čt geworden, welcher Geist, welche Kultur sich in dieser Stadt der Dichter und Denker versammelten. Auf dem Weg zur Akropolis rechts und links Alt├Ąre, viele f├╝r unbekannte G├Âtter, deren Zorn man sich nicht zuziehen wollte. L├Ąrm aus den Markthallen, neugierige, bildungsbeflissene Menschen, Philosophen und Philosophenschulen. Da war sie wieder, die Welt meiner Kindertage mit ihren fremdartigen Gedanken, mit ihrem bunten Leben. Neugierig schlo├č ich mich den Leuten auf dem Marktplatz an. Stoiker nannten sich einige, andere nach dem Philosophen Epikur. Und viele interessierten sich f├╝r meine Gedanken, die "neue Lehre". Manches klang fremd f├╝r sie und sie wollten gerne mehr dar├╝ber wissen.
Nach Art der Philosophen begann ich zu reden: "Ihr M├Ąnner von Athen, ich habe gemerkt, dass ihr die G├Âtter hoch verehrt. Ich bin durch eure Stadt gegangen und habe mir eure heiligen St├Ątten angesehen. Dabei habe ich einen Altar entdeckt mit der Inschrift: "F├╝r den unbekannten Gott". Diesen Gott, den ihr verehrt, ohne ihn zu kennen, will ich euch jetzt bekannt machen. Es ist der Gott, der die Welt geschaffen hat und alles, was darin lebt. Als Herr ├╝ber Himmel und Erde wohnt er nicht in Tempeln, die von Menschen gebaut werden....Meint nicht, die Gottheit sei den Bildern gleich, die ihr euch von ihnen macht. Er ist jedem von uns nahe; denn durch ihn leben, handeln und sind wir. Und Gott hat sich uns gezeigt, in einem Menschen, seinem Ebenbild. Ihn hat er vor aller Welt ausgewiesen, indem er ihn vom Tod erweckt hat."
Als ich von der Auferstehung redete, lachten einige und spotteten. Andere meinten, ich w├╝rde neue G├Âtter verk├╝ndigen. Sie lie├čen mich nicht mehr zu Wort kommen. So ging ich schweigend aus ihrer Mitte, aufrecht und ruhig, als ber├╝hrte mich das nicht. Nicht aus eigener Kraft und St├Ąrke, nicht aus ├ťberheblichkeit und Besserwisserei, sondern als sp├╝rte ich den namenlosen Mann, den ich verk├╝ndet hatte, an meiner Seite. Sp├Ąter erz├Ąhlten sie mir, dass einige meinen Worten vertrauten und Christen wurden. Gott ist jedem von uns nahe. Mit allen Menschen dieser Erde waren die Athener auf der Suche nach dem unbekannten Gott. Doch der hat uns Menschen besucht. Er hat Hand und Fu├č bekommen in jenem kleinen Kind von Bethlehem, in dem Prediger vom See Genezareth, in dem Aufr├╝hrer am Kreuz. Und er wirbt um unser Vertrauen.
IV. Warum soll meine Religion die richtige sein? Ich habe lernen m├╝ssen, dass es viele Arten gibt, Gott zu verstehen. Als ich ein Kind war, dachte ich wie ein Kind von Gott, redete wie ein Kind, f├╝hlte wie ein Kind. Als Mann musste ich viele meiner liebgewordenen Vorstellungen ablegen. Mir wurde bewu├čt, dass wir Gott nie ganz begreifen werden, solange wir leben. Unser Erkennen ist St├╝ckwerk. Wie in einem tr├╝ben Spiegel sehen wir Gott, unvollkommen, wie wir Menschen sind. Aber ich freue mich auf den Tag, an dem wir Gott gegen├╝berstehen und ihn erkennen werden, so wie er uns jetzt schon kennt (1.Kor 13,11 - 12).

Jugendpfarrer Wolfgang S├Ânning, Esslingen


Vorbemerkung

Von Gottes G├╝te ist in der Jahreslosung die Rede. 1995 trafen sich die evangelischen Christen zum Kirchentag in Hamburg. "Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist!" war die Losung in Hamburg. Der Satz aus Micha 5 kann erl├Ąutern, was mit der G├╝te Gottes gemeint ist, von der in der Jahreslosung die Rede ist und was die Konsequenzen f├╝r unser Verhalten sein k├Ânnen. Der folgende Jugendgottesdienst wurde als Vorbereitung zum Kirchentag in Hamburg vorbereitet und gefeiert.

Was gut ist!

An den Eingangst├╝ren der Kirche

Verteilen von Gummib├Ąrchen an die Gottesdienstbesucher/innen

Musik der Band

Einstiegssketch : Was ist gut an den Gummib├Ąrchen

Gummib├Ąrchen sind gut!

Wolfi kaut Gummib├Ąrchen
Eicke kommt dazu: "Hallo Wolfi, wie geht’s?"
W Gummib├Ąrchen kauend: "Gut, warum?"
E Du bist so blass. Was kaust du denn da?
W Gummib├Ąrchen
E Ach darum bist du so blass.
W Ha, die sind gut.
E Was soll denn daran gut sein?
W Na der Geschmack, Zitrone, Himbeer, Waldmeister ...
E Das soll gut sein? Ist doch alles Chemie.
W Naturidentische Aromastoffe, bitte! Und dann die sch├Ânen Farben.
E H├Âr auf, alles Chemie.
W Aber die Gelatine, die ist sehr gesund, habe ich gelesen. Gut f├╝r Knochen und Gelenke.
E Das stimmt zwar, aber wei├čt du als Vegetarier auch, aus was Gelatine hergestellt wird? Aus Haut - und Knochenabf├Ąllen von toten Tieren!!! Da m├╝sstest du eigentlich "Pfui Deibel" sagen.
W Ach, nun mach doch nicht alles mies. Gummib├Ąrchen braucht man halt. Die geh├Âren dazu. Der Thomas Gottschalk hat sie auch.
E Deswegen sind sie noch lange nicht gut.
W Aber sie sind sch├Ân weich. Schau mal, man kann sie ziehen und knuddeln.
E Na, das ist doch eher was f├╝r Kinder.
W Ja, als verkalkter Grufti braucht man das nicht mehr.
E Wenn du das so sagst: ‘das braucht man’, dann h├Ârt sich das an, als ob das so etwas wie eine Ersatzdroge w├Ąre.
W Ehrlich, meinst du das wirklich?
E Ja, wenn du so scharf darauf bist, und au├čerdem siehst du wirklich etwas blass aus.
W Alles Quatsch! Du wei├čt nur nicht was gut ist.


Begr├╝├čung

Einen sch├Ânen guten Abend allerseits. Ich begr├╝├če euch zu diesem Jugendgottesdienst. "Was Gut ist", so haben wir diesen Gottesdienst ├╝berschrieben. Wir, das sind einige junge Leute hier aus Zell und der Jugendpfarrer. Wir haben uns gedacht, dass es gut ist, wenn wir gemeinsam ein wenig dr├╝ber nachdenken, was gut ist, jetzt, in diesem Gottesdienst, den wir im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes feiern wollen. Wir haben euch dazu eingeladen, aber eigentlich ist es ja Gott, der uns zu seinem Fest einl├Ądt. So hei├čt jedenfalls das erste Lied, das wir jetzt miteinander singen wollen

Lied: Gott l├Ądt uns ein zu seinem Fest

Aktion: Plakats├Ąule bekleben

In der Kirche steht eine Plakats├Ąule aus Kartonagen, Wellpappe. Reklameplakate und Werbespr├╝che suggerieren, was gut sein k├Ânnte. Die Gottesdienstbesucherinnen und - besucher sind gebeten, aufzuschreiben, was f├╝r sie gut ist und an die Plakats├Ąule zu kleben.
dazu: 2 Lieder der Band

Eingangsgebet

Barmherziger Gott, heute abend sind wir hier zusammengekommen um Gottesdienst zu feiern. Wir haben uns Gedanken dar├╝ber gemacht, was gut ist, was du f├╝r gut h├Ąltst. Doch oft frage ich ganz anders: ich frage nur danach, ob etwas gut f├╝r mich ist, ob es mir selber gut tut. Weniger denke ich daran, ob es auch gut f├╝r andere ist. Manchmal ist es mir auch nur wichtig, dass es im Moment gut f├╝r mich ist: Beim Abschreiben in der Schule gl├╝ckt mir manchmal eine bessere Note dadurch, ich wei├č aber, dass ich auf die Dauer damit nicht durch komme.
Herr, schenke du uns offene Ohren und Herzen, dass wir in diesem Gottesdienst mitbekommen wie du es meinst, dass es gut ist, dass wir etwas mitnehmen von deinem Wort, mit dem wir leben k├Ânnen. Amen

Lied: Schritte wagen

Ansprache

Neulich war ich im KADEWE in Berlin, im KaufHausDesWestens, fr├╝her einmal gigantischer Konsumtempel kurz vor der Mauer, heute in Sachen Kaufh├Ąuser immer noch erste Sahne. Da stand ich nun mit gro├čen Augen vor der 40 m langen FrischwarenTheke, Spezialit├Ąten aus aller Herren L├Ąnder! Eine Riesenauswahl, so weit das Auge reicht. So weit, so gut! Aber wenn ich mir da z.B. eine Tube Senf kaufen m├╝sste und unter 50 Tuben und Gl├Ąschen ausw├Ąhlen muss, ist das ganz sch├Ân schwierig. Bei Tante Emma zu hause gibt’s gerade mal drei, den scharfen, den mittleren und den s├╝├čen vom Hengstenberg. Aber hier: Wer sagt mir, was gut ist?
Ich kann mir die h├╝bschesten Tuben oder das netteste Gl├Ąschen aussuchen. Das Auge kauft ja schlie├člich mit. Aber schmeckt der deswegen schon am Besten? Ihr kennt das ja von den Klamotten: Da habt ihr euch die absolutsuperstarke Jacke ausgesucht, liegt total im Modetrend und dann kommt bestimmt einer und sagt: Was hast du denn f├╝r einen Fussel an. So w├╝rde ich nie rumlaufen. ├ťber Geschmack l├Ąsst sich streiten. Und was f├╝r den einen gut ist, ist f├╝r die andere noch lange nicht der Hit.
Wer sagt mir, was gut ist? Soll ich das kaufen, was alle kaufen? Auch nicht so ganz das Gelbe vom Ei. Ihr kennt ja den Spruch: Mist schmeckt gut. Millionen Fliegen k├Ânnen sich nicht irren! So ist das mit diesen Mehrheitsentscheidungen.
Ich kann mich auf meine Erfahrung berufen! Aus Erfahrung wird man klug, sagt man! Da ist was dran, sogar dann wenn euch die Eltern diesen Satz immer vorbeten. Aber nun probier mal vierzig Sorten Senf durch, bist du die Erfahrung hast, welcher dir schmeckt! Sp├Ątestens nach der 10 Tube wird dir schon schlecht, wenn du blo├č das Wort Senf h├Ârst. Das mit der Erfahrung ist auch nur begrenzt tauglich. Wer sagt mir also, was gut ist?
Wenn das beim Senf schon so schwierig ist, wie schwierig ist es dann erst im sonstigen Leben!
Einige von euch sind ja schon dick drin mit dem Berufspraktikum. Ihr m├╝├čt euch einen Ausbildungsplatz suchen und einen Beruf erlernen, von dem ihr noch nicht wi├čt, ob er euch ein Leben lang Spa├č macht. Wer sagt denn da, was gut ist? Nur weil der Vater und der Gro├čvater schon beim Bosch geschraubt haben, muss euch das ja noch lange nicht liegen. Nur weil die Mutter ihr Leben lang zu hause war, m├╝├čt ihr ja noch lange nicht auf die Hauswirtschaftsschule.
Vielleicht sind bei euch zarte Fr├╝hlingsgef├╝hle erwacht. Wenn ihr sie seht, dann kriegt ihr rote Ohren und in eurem Bauch tanzen die Schmetterlinge, wenn ihr nur an sie denkt. Die Telefonrechnungen steigen ins astronomische und statt Kugeln und Quadern malt ihr Herzchen in euer Matheheft. Aber wie geht man mit einem M├Ądchen um? Wer sagt euch denn, wie man sich verhalten muss, um bei den M├Ądels nicht gleich eine Abfuhr zu kassieren und ihnen auf den Geist zu gehen? Alle Bravohefte der Welt sind graue Theorie, wenn’s wirklich zur Sache geht.
Eure Eltern sind gerade in einem schwierigen Alter. An allem, was ihr tut, m├Ąkeln sie herum. Nichts ist recht - sie finden eure gef├Ąrbten Haare nicht sch├Ân und l├Ąstern ├╝ber die L├Âcher in euren Jeans, sie verstehen einfach nicht, dass es neben der Schule auch noch andere wichtigen Sachen gibt und dass man Freunde nicht warten lassen kann, weil der Abwasch wartet oder ein Zimmer nicht aufger├Ąumt ist. Aber wenn immer der Haussegen schief h├Ąngt, wird es mit der Zeit etwas ungem├╝tlich. So eine dicke Haut hat keiner, dass alles an ihm abprallt, was an elterlichen Erziehungsratschl├Ągen auf ihn hereinbricht. Und irgendwie wollt ihr ja auch, dass es bei euch zu Hause gut geht. Aber wie macht man das? Wie findet man einen guten Draht zu seinen Eltern? Wie kommt man miteinander klar? Wer sagt, was gut ist?
Im dem Bibelbuch, dass ich des ├ľfteren zur Hand nehme, habe ich zu unserem Problem einen ungeheuerlichen Satz gefunden. Da wei├č n├Ąmlich einer, was gut ist. Und er sagt es auch. Bei dem Propheten Micha im Alten Testament steht doch tats├Ąchlich: "Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was Gott, der Herr von dir erwartet: Nichts anderes als dies: Recht tun, G├╝te und Treue lieben, in Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott." Die Menschen damals waren nicht besonders gottlos, aber auch nicht besonders fromm. Sie gingen flei├čig ihrer Arbeit nach, versuchten ihre Sch├Ąfchen ins Trockene zu bringen, sparten auf den n├Ąchsten Urlaub am Roten Meer oder sa├čen unter ihrem Feigenbaum und tranken Tee, ihr Leben war nicht besonders aufregend - kurz, es waren Menschen wie Du und ich. An die Korruption im Land hatte man sich gew├Âhnt, an die Steuern f├╝r die Kriegskasse weniger. Aber noch lie├č es sich leben. Alle waren zufrieden, bis auf Gott. Der war sauer. So hatte er sich n├Ąmlich die Gemeinschaft mit den Menschen, mit seinem Gegen├╝ber, mit seinen Ebenbildern, nicht vorgestellt. Was hatte er f├╝r diese Israeliten nicht alles unternommen: "Ich habe dich aus ├ägypten herausgef├╝hrt, dich freigekauft aus dem Sklavenhaus. Den Mose habe ich dir gesandt, Aaron und Mirjam...habt ihr denn alles vergessen? Was habe ich euch denn getan, womit bin ich euch zur Last gefallen, dass ihr mir gegen├╝ber so gleichg├╝ltig geworden seid?" Gott versteht die Welt nicht mehr. Feierlich hatten sie einen Bund miteinander geschlossen, damals am Sinai. Er wollte f├╝r immer ihr Gott sein und sie wollten f├╝r immer sein Volk sein. Und jetzt lie├čen sie ihn einfach links liegen. Ihm ging es wie einem Liebhaber, der seiner Angebeteten jeden Wunsch von den Augen abliest und erf├╝llt und dann trotzdem nicht beachtet wird.
Nun, dieser Micha hat das Ged├Ąchtnis der Israeliten wieder aufgefrischt. Er erinnerte sie an all das, was Gott f├╝r sie getan hatten: an das Leben, dass er ihnen gegeben hatte, an das Land, das er ihnen zum Wohnen gab, an die Gefahren, in denen sie beh├╝tet waren. Und irgendwie schien das die Leute zu beeindrucken. Ja, der Junge hat recht, dachten sie, im Grunde verdanken wir alles, was wir sind und haben Gott. Aber, was sollen wir denn tun? Wie sollen wir uns verhalten, dass es gut ist? Da f├Ąllt der Satz, den wir vorhin geh├Ârt haben: "Es ist dir gesagt worden, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir erwartet: Nichts anderes als dies: Recht tun, G├╝te und Treue lieben, in Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott."
Als wir uns neulich ├╝ber diesen Satz im Mitarbeiterkreis unterhalten haben, ist uns aufgefallen, dass wir ganz selbst verst├Ąndlich davon ausgehen, dass alles, was gut ist, nat├╝rlich zuallererst gut f├╝r uns sein soll. Dass das, was f├╝r uns gut ist, f├╝r andere noch lange nicht gut sein muss, das ist uns kaum bewu├čt. Wir merken es h├Âchstens da, wo uns z.B. unsere Eltern zum Gl├╝ck zwingen wollen: dass das, was f├╝r sie gut und richtig ist, f├╝r uns noch lange nicht so sein muss. Aber meistens gehen wir doch davon aus, dass unser Gl├╝ck auch das der anderen sein muss.
In den Augen Gottes ist das nicht gut. Er will, dass es allen gut geht, allen miteinander, dass nicht einer auf Kosten der anderen lebt. Bei Gott ist es gut, wenn alle zu ihrem Recht kommen, wenn es gerecht zu geht unter uns. Und gut ist, wenn zu diesem Recht auch noch Liebe und G├╝te dazukommen. Das ist dann wirklich gut. D.h. gut ist es, wenn ich bei meinen Entscheidungen also nicht nur darauf achte, dass es mir gut tut, sondern auch, ob es den anderen n├╝tzt oder schadet. Und gut ist, wenn ich mich dabei von der Liebe zu den anderen leiten lasse.
Bei all dem, meint Micha, hilft es mir, wenn ich mein Gewissen an den Ma├čst├Ąben Gottes sch├Ąrfe, etwa an den Geboten Gottes, bzw. wenn ich mit Gott mitgehe, wie Micha sagt, mich von Gottes Worten bestimmen lasse. Da lesen manche unter uns jeden Tag einen Satz aus der Bibel als Tageslosung, als Motto f├╝r den Tag. Und manchesmal passiert es dann, dass einem auf einmal klar wird, was heute gut und richtig ist. Oder dass einem bewu├čt wird, dass ich mich falsch verhalten habe. Sie sehen klar und k├Ânnen weitergehen.
Probiert es aus, nehmt Gott beim Wort. Ich bin sicher, dass ihr dann erfahren werdet, was gut ist - f├╝r euch und f├╝r andere. Die schwere Entscheidung, welche Senfmarke nun die Richtige ist, werdet ihr vielleicht selbst bew├Ąltigen k├Ânnen. Aber wie ihr mit euren Mitmenschen klar kommt, dabei kann Gott euch sicher helfen.

Lied: Es ist ein guter Weg, den Gott mit mir geht

Gebet und Vater Unser

Herr Gott, himmlischer Vater, wir danken dir f├╝r alles was gut ist. Vieles ist uns bewu├čt und wir haben es auf diese Zettel geschrieben. Wir danken dir f├╝r Freunde und Eltern, f├╝r Gummib├Ąrchen und Pizza Margherita, f├╝r Musik und Schlagzeug, f├╝r Sonntage und f├╝r Feten, f├╝r Licht, Sonne und W├Ąrme, aber auch f├╝r Regen, Wind und Schnee, f├╝r Gesundheit und Frieden, f├╝r Eis und f├╝r Disco, f├╝r Altbach, Hohengehren und Zell, f├╝r Freiheit und f├╝r Freizeit. Es ist gut, dass es dich gibt. Du wei├čt immer was gut ist, und du sagst es uns. Du sagst es uns immer wieder, und immer wieder durch andere Menschen und immer wieder mit anderen Worten und auf andere Weise. Wir h├Âren dich, aber oft nur aus der Ferne und oft werden deine Worten von anderen Eindr├╝cken verdr├Ąngt. Wir bitten dich, lass uns empfindsamer f├╝r deine Worte, f├╝r das, was gut ist, f├╝r uns und f├╝r alle.
Auch f├╝r das Gebet hast du uns ein Beispiel gegeben, das gut ist, und das wir jetzt gemeinsam sprechen: Vater unser ...

Segen

Lied: Bewahre uns Gott

Nachspiel der Band

Jugendpfarrer Wolfgang S├Ânning und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Esslingen - Zell


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