Zeitkritische Literatur im 1. Weltkrieg



Inhalt


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1 Einleitung 2
2 Die Zeit vor 1914 2
2.1 Das Ende der Monarchie 2
2.2 Ursachen f√ľr den 1. Weltkrieg 3
2.3 Literatur zum Ende der Monarchie 3
2.3.1 Joseph Roth 3
2.3.1.1 Radetzkymarsch 3
2.3.1.2 Die B√ľste des Kaisers 5
2.3.2 Joseph Roth und das Ende der Monarchie 5
3 Der 1. Weltkrieg 6
3.1 Die Soldaten im 1. Weltkrieg 6
3.2 Literatur zum 1. Weltkrieg 6
3.2.1 Jaroslav Hasek 6
3.2.1.1 Jaroslav Hasek: Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk 7
3.2.2 Jaroslav Hasek und der 1. Weltkrieg 9
    Doderer 9
3.2.3.1 Feldbegräbnis einer Liebe 9
3.2.4 Doderer und der 1. Weltkrieg 10
4 Das Ende der 1. Weltkriegs 10
4.1 Endlich Friede 10
5 Anhang 10
    Primärliteratur 10 Sekundärliteratur 11






1 Einleitung

Es ist f√ľr einen technisch interessierten Sch√ľler wie mich nicht leicht, eine Literatur Facharbeit zu Schreiben, wenn man sich f√ľr so etwas nicht besonders interessiert. Nun muss ich es aber machen und ich m√∂chte es als eine Chance sehen, dieses Themengebiet n√§her kennenzulernen.

Literatur wird von den Autoren benutzt um etwas wiederzugeben, was man denkt, f√ľhlt oder f√ľr die Nachwelt bewahren will. Dies k√∂nnte man (wenn es Fakten sind) in einer Chronik oder einem Geschichtsbuch tun. Nun gibt es aber noch andere Dinge als Zahlen und Fakten auf dieser Welt. Es gibt Freude, Liebe, √Ąngste, Kummer ... kurz gesagt: Gef√ľhle. Und die meisten Werke dienen dazu, diese Gef√ľhle zu vermitteln, die der Autor sich vorstellt oder erlebt hat.

Es gibt also B√ľcher, die liest man und man wei√ü, worum es geht und es gibt B√ľcher, bei denen man schon etwas Phantasie braucht, um herauszufinden, was der Autor sagen oder Ausdr√ľcken will. Bei manchen Werken braucht man √ľberhaupt fundiertes Hintergrundwissen, um den Autor zu verstehen.

Da ich literarisch nicht sehr begeisterungsfähig bin habe ich mir gedacht, ich sollte ein Thema verwenden, bei dem ich den Hintergrund verstehen kann. Dabei ist mir der 1. Weltkrieg sehr entgegengekommen, weil ich aus Filmen, Erzählungen und dem Geschichtsunterricht die Lage der Leute (Soldaten) im 1. Weltkrieg kenne und mich in deren Lage versetzen kann.

Ich m√∂chte noch kurz erkl√§ren, warum gerade der 1. Weltkrieg f√ľr mich so zug√§nglich ist: Ich fahre mit meinen Eltern in der 1. Ferienwoche immer nach K√§rnten an die italienische Grenze wandern. Dort werden die Stellungen aus dem 1. Weltkrieg von √Ėsterreichischen Alpenverein erhalten und schon als Kind haben mich die Wehrgr√§ben und in den Fels gehauenen Unterk√ľnfte interessiert. In dem Gasthaus, in dem wir n√§chtigen, gibt es auch viele Bilder von den Soldaten im 1. Weltkrieg.

2 Die Zeit vor 1914

2.1 Das Ende der Monarchie

Es gibt kein genaues Datum f√ľr das Ende der Donaumonarchie. Es gibt viele Gr√ľnde f√ľr diesen brutalen Krieg (√† siehe 2.2 Ursachen f√ľr den 1. Weltkrieg) aber einer der wichtigsten ist wohl der Nationalismus im 19. Jahrhundert, der dann am Anfang des 20. Jahrhunderts zu diesem Krieg gef√ľhrt hat.

Anlass f√ľr den 1. Weltkrieg ist die Ermordung des Thronfolgerpaares Franz Ferdinand und seiner Gemahlin durch serbisch bosnische Studenten in Sarajewo. Diese Ermordung war ein Aufschrei nach Freiheit des bosnischen Volkes, das in der √∂sterreichisch ungarischen Monarchie eine nicht beachtete Minderheit darstellte.

Nach diesem Attentat stellte √Ėsterreich den Serben ein Ultimatum und am 28 Juli 1914 erfolgte die Kriegserkl√§rung. Das war der Anfang vom Ende der Donaumonarchie.

2.2 Ursachen f√ľr den 1. Weltkrieg

Die Hauptursache f√ľr den 1. Weltkrieg in √Ėsterreich war der Nationalismus am Balkan. So wie auch die Ungarn Rechte zugestanden bekommen hatten, wollten die anderen V√∂lker in der Monarchie auch mehr Rechte und Autonomie. Nationalismus ist noch heute Ursache f√ľr viele Kriege - egal wo auf dieser Welt.

Warum konnte dieser inner√∂sterreichische Konflikt zu einem Weltkrieg ausarten? Ein Grund daf√ľr war die verfehlte B√ľndnispolitik in Europa: Es standen sich zwei gro√üe B√ľndnisse gegen√ľber (3 Bund und Tripple Entente). Aus diesem Grund mussten andere Staaten den √Ėsterreichern im Kampf helfen. Aber auch √Ėsterreichs Feinde hatten Verb√ľndete, die auch noch andere Gr√ľnde hatten aufeinander loszugehen:

Der Imperialismus f√ľhrte dazu, dass sich die Gro√üm√§chte um Kolonien stritten und Deutschland und Frankreich hatten noch ein Problem: Elsa√ü Lothringen.

Diese Gr√ľnde waren genug um einen Krieg anzufangen, der Europa stark ver√§ndern sollte.

2.3 Literatur zum Ende der Monarchie

Das Ende der Donaumonarchie wurde schon von vielen vorhergesehen oder gew√ľnscht. Dieser Drang nach Freiheit und Demokratie hat sich auch in der Literatur bemerkbar gemacht. Ein Buch, das die Stimmung in den letzten Jahren von √Ėsterreich - Ungarn beschreibt ist der Radetzkymarsch von Joseph Roth.

2.3.1 Joseph Roth

Roth ist als Erz√§hler den franz√∂sischen, russischen und √∂sterreichischen Realisten des 19. Jahrhunderts verpflichtet. In seinen ersten Romanen nimmt er Elemente der "Neuen Sachlichkeit" auf; sp√§ter distanziert er sich von dieser Richtung. Diese fr√ľhen Zeitromane sind noch ankl√§gerisch, nicht traurig - ironisch und melancholisch wie die sp√§teren vom Untergang der √∂sterreichischen Monarchie. Dennoch zeigen sie bereits seinen unverwechselbare Eigenart zu sprechen seine von Intellekt gepr√§gte, witzige und k√ľhle Sprache, auf deren Grund man Trauer err√§t, die von Anfang an von gl√§sern - glatter Durchsichtigkeit und Perfektion ist. Roths bekanntester Roman ist der Radetzkymarsch, der im letzten Jahr der Weimarer Republik, als sich der Sieg der Nationalsozialisten bereits abzeichnete, im Vorabdruck in der Frankfurter Zeitung zu erscheinen begann.

2.3.1.1 Radetzkymarsch

In seinem Meisterwerk stellt Roth den allm√§hlichen Zerfall des Habsburgerreiches am wechselvollen Schicksal der vier Generationen einer Familie dar. Mitl√§ufern und Randfiguren im Sog des historischen Geschehens, dessen bedeutsame Stationen und Repr√§sentanten jedoch fast v√∂llig ausgespart bleiben (selbst die Gestalt des Kaisers Franz Joseph lie√ü Roth erst auf Anraten seines Freundes Walter Landauer auftreten). Roth geht es nicht um die exakte und √ľberpers√∂nliche Dokumentation und Analyse der Geschichte, sondern um die Vermittlung von Privatexistenz und historischem Proze√ü, um "den Willen jener unheimlichen Macht, die am Schicksal eines Geschlechts das einer historischen Gewalt deutet" (Vorbemerkung zum Roman).

In der (historischen) Schlacht von Solferino (1859) rettet der (fiktive) Leutnant Trotta den Kaiser, indem er ihn rechtzeitig zu Boden wirft, als dieser sein Fernglas an die Augen f√ľhrt und sich dadurch dem Feind als Ziel, "w√ľrdig getroffen zu werden, pr√§sentiert; er selbst wird durch die dem Kaiser zugedachte Kugel verwundet. Trotta wird zum Hauptmann bef√∂rdert, mit dem Maria - Theresien Orden ausgezeichnet und geadelt. Die pl√∂tzliche Verbindung mit welthistorischen Ereignissen und seine unerwartete Karriere entfremden ihn dem Vater, dem Repr√§sentanten der b√§uerlichen slovenischen Vorfahren der Familie Trotta. Ein neues "Ein neues Geschlecht brach mit ihm an" - Nach Jahren entdeckt Hauptmann Trotta im Lesebuch seines Sohnes Zuf√§llig eine Geschichte, die seine Tat entstellt und verkitscht wiedergibt; w√§hrend sie in Wirklichkeit eher Reflex als "Heldentat" war, wird sie im Lesebuch zur Propagierung eines zweifelhaften vaterl√§ndischen Heldentums mi√übraucht. Bei den zust√§ndigen Beh√∂rden st√∂√üt Trotta mit seiner Beschwerde auf Unverst√§ndnis - nur der Kaiser, der ihm eine Audienz gew√§hrt, begreift seine Emp√∂rung, f√ľgt sich aber resigniert dem Zwang der politischen Mythenbildung. Trotta bittet um seine Entlassung aus der Armee und √ľbersiedelt auf das Gut seines Schwiegervaters, um zur Lebensform seiner b√§uerlichen Vorfahren zur√ľckzufinden. Der Erz√§hler enth√ľllt die Unangemessenheit und gewollte K√ľnstlichkeit dieses Reprivatisierungsversuchs, indem er die neue t√§tigkeit des "Helden von Solfenino" mit denselben Worten beschreibt, die zuvor Trottas Vater galten.

Sein Sohn, zum Beamten, nicht zum Soldaten bestimmt, wird Bezirkshauptmann in der Provinz. Er ist eine der pr√§gnantesten Gestalten des Romans ein typischer Vertreter des in der √∂sterreichischen Literatur von Grillparzer bis Doderer wiederholt portr√§tierten pflichtbewu√üten Beamten; er verkennt die Hinf√§lligkeit der Monarchie: Als er einmal gezwungen ist, in seinen Akten den Ausdruck "revolution√§rer Agitatur" (als Bezeichnung eines aktiven Sozialdemokraten) durch "verd√§chtiges Individuum" zu ersetzen, verharmlost er progressive politische Str√∂mungen zu privaten Unruheherden. - Der Enkel Carl Joseph, Offizier wie der "Held von Solferino -, sp√ľrt dagegen bald das bevorstehende Ende des alten Staatengebildes. Er steht freilich unter dem Bann des Gro√üvaters, dem er es, seiner √úberzeugung nach, nie wird gleichtun k√∂nnen: Hatte jener den Kaiser selbst gerettet, so beschr√§nkt sich der Enkel darauf, das Bild des Kaisers aus einem Bordell zu "retten". Schon fr√ľh verbinden sich in ihm Todesahnung und Schuldgef√ľhle. Als die Frau des Wachtmeisters Slama, die ihn als f√ľnfzehnj√§hrigen Kadettensch√ľler verf√ľhrte, an einer Geburt stirbt, schreibt er sich nur allzu bereitwillig die Schuld an ihrem Tod zu. Diese Schuldgef√ľhle verst√§rken sich, als sein einziger Freund, der j√ľdische Regimentsarzt Dr. Demant, bei einem Duell ums Leben kommt - ein Vorfall, der die Sinnlosigkeit des erstarrten Ehrenkodex demonstriert: Trotta hatte die leichtlebige Frau seines Freundes lediglich nach dem Theater nach Hause begleitet, worauf Demant von einem Regimentskameraden angep√∂belt worden war und Genugtuung verlangen "musste". Diese Toten, besonders aber das Bild des toten "Helden von Solferino", zehren an der Lebenskraft des Leutnants: "Ich bin nicht stark genug f√ľr dieses Bild. Die Toten! Ich kann die Toten nicht vergessen! Vater, ich kann gar nichts vergessen! Vater!" In der abgelegenen Garnisosstadt nahe der russischen Grenze, wo diese Worte fallen, ahnt schlie√ülich auch der Bezirkshauptmann, dass die k. u. k. Monarchie, deren Einheit sich in der Figur des Kaisers versinnbildlicht, nicht mehr lange bestehen wird, Es ist der polnische Graf Chojnicki - die einzige Gestalt in Roths Roman, die die politischen Ver√§nderungen nicht nur mehr oder weniger dumpf sp√ľrt, sondern sie auch zu artikulieren vermag -, der ihm die Augen √∂ffnet: "Die Zeit will uns nicht mehr! Diese Zeit will sich erst selbst√§ndige Nationalstaaten schaffen!"

Unf√§hig, sich von seinen Schuldgef√ľhlen und Todesahnungen zu befreien, wird Carl Joseph vom Alkohol abh√§ngig und verstrickt sich in Schulden. Seine Schwermut wird nur selten von j√§h aufkommender Euphorie unterbrochen, wie etwa w√§hren einer glanzvollen Fronleichnamsprozession in Wien - einer barocken Apotheose der alten Donaumonarchie -, der er mit einer Geliebten auf der Trib√ľne beiwohnt. Die Nachricht von der Ermordung des Thronfolgerpaares trifft - ein makabrer Zufall - bei Trottas Regiment ein, als ein orgastisches Sommerfest im Gange ist. Trotta reicht seinen Ab schied ein und versucht, wie sein Gro√üvater, der "Held von Solferino", innere Ruhe als Bauer zu finden, Bei Kriegsausbruch zur Armee zur√ľckgekehrt, kommt er im Gescho√ühagel ums Leben, als er f√ľr die Soldaten seines Zuges Wasser holen will.

Der "Epilog" schildert die beiden letzten Lebensjahre des Bezirkshauptmanns, der am Tage der Beisetzung des Kaisers (1916) stirbt. Diese Gleichzeitigkeit weist ein letztes Mal darauf hin, dass Roth mit dem Schicksal der Familie Trotta zugleich auch das Schicksal des Habsburgerreiches darstellen will: "... sie konnten beide" - der Kaiser und der Bezirkshauptmann - "√Ėsterreich nicht √ľberleben." Die melancholische, virtuos auf der Grenze zwischen tragischer Ironie und Sentimentalit√§t balancierte Stimmung des Romans beruht auf der Diskretion und Anpassungsf√§higkeit des Autors, der sich in die jeweilige Bewu√ütseinslage seiner Figuren einzuf√ľhlen versteht, aber auf die aufdringliche Position des allwissenden Erz√§hlers verzichtet. Dieser elegischen Grundhaltung, die selbst an den un√ľberschaubaren Schw√§chen der Romangestalten wie der untergehenden Monarchie noch liebenswerte Z√ľge entdeckt, entspricht die r√ľckw√§rtsgewandte Utopie, die verkl√§rende Sehnsucht nach der verlorenen Urspr√ľnglichkeit, die die kritische Analyse des historischen Prozesses verweigert. Sein Leitmotiv ist der Radetzkymarsch, der jeden Sonntag vor dem Haus des Bezirkshauptmanns gespielt wird: Er versinnbildlicht die Idee der Einheit des Vielv√∂lkerstaats, die schlie√ülich nur noch so wenig in der Wirklichkeit begr√ľndet ist, dass die ironische Formulierung "Einmal in der Woche war √Ėsterreich" nur scheinbar paradox ist.

2.3.1.2 Die B√ľste des Kaisers

Die B√ľste des Kaisers ist eine Kurzgeschichte die die gleiche Stimmung vermittelt, wie man sie aus Radetzkymarsch kennt. Sie beschreibt die Stimmung in einem Dorf nahe der polnischen Grenze, wo auch nach Ende der Donaumonarchie die B√ľste des Kaisers aufgestellt wird und die Einwohner weiterhin den Kaiser gr√ľ√üen und ehren, nicht vor Ehrfurcht, sondern rein aus Gewohnheit und auch der Druck der Kommunisten die B√ľste zu entfernen scheitert.

2.3.2 Joseph Roth und das Ende der Monarchie

Joseph Roth lebte von 1894 bis 1939. Er stammt aus Schwabendorf bei Brody in Galizien, hatte j√ľdische Eltern, besuchte das Gymnasium in Brody und die Universit√§ten in Lemberg und Wien, wo er Philosophie und Germanistik studierte. Er diente seit 1916 als Freiwilliger in der k. u. k. Armee und geriet als F√§hnrich in russische Gefangenschaft. Ab 1918 arbeitete er als Journalist in Wien, ab 1921 in Berlin (Berliner B√∂rsenkurier, Vorw√§rts) und wurde 1923 Mitarbeiter der Frankfurter Zeitung, f√ľr die er jahrelang Europa als Korrespondent bereiste.

Joseph Roth erlitt als Jude pers√∂nlich das Schicksal der √ľbernationalen oder kleineurop√§ischen Monarchie: "Ich bin ein Franzose aus dem Osten, ein Humanist, ein Rationalist mit Religion, ein Katholik mit j√ľdischem Gehirn: ein wirklicher Revolution√§r" (1926 an Benno Reifenberg aus Odessa). Dieses Schicksal verarbeitete Roth in seinem bekanntestem Roman Radetzkymarsch.

3 Der 1. Weltkrieg

3.1 Die Soldaten im 1. Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg war ein die meiste Zeit ein Stellungskrieg, bei dem sich die Fronten kaum ver√§ndert haben. F√ľr die Soldaten war es brutaler und harter Krieg, da sich die feindlichen Stellungen oft nur mehrere hundert Meter vor den eigenen befanden. Auch bestand andauernd die Gefahr von den feindlichen Kanonen getroffen zu werden. In den Bergen war es schwierig und gef√§hrlich den Nachschub zu sichern. Jede Kanonenkugel, jeder Schu√ü musste m√ľhsamst an die Front geschafft werden. Auch der Abtransport der Verwundeten war nicht immer gesichert und so musste man oft zusehen, wie Kameraden verbluten oder qualvoll sterben.

Solche Bilder sind f√ľr einen Jungen Soldaten nicht zu verkraften und so kam es immer wieder zu Selbstmorden an der Front.

3.2 Literatur zum 1. Weltkrieg

3.2.1 Jaroslav Hasek

Jaroslav Hasek wurde am 24. April 1883 in Prag geboren. Sein Vater war ein eher k√ľmmerlich dahinlebender Mittelschullehrer, der es sp√§ter schaffte, zum kleinen Bankbeamten aufzusteigen. Jaroslav Hasek war Bohemien, Anarchist, Landstreicher, Hundeh√§ndler, humoristischer Schriftsteller, Mystifizierer und zu guter letzt auch ein √∂sterreichisch - ungarischer Soldat.

Vor dem Ersten Weltkrieg ver√∂ffentlichte Hasek in den verschiedensten Zeitschriften, Revuen und Kalendern rund f√ľnfhundert kurze humoristische Erz√§hlungen und gab mehrere Erz√§hlb√§nde heraus. Der erste Entwurf der Figur des Josef Schwejk, die sp√§ter zur zentralen Gestalt von Haseks literarischem Hauptwerk anwachsen sollte, entstand bereits 1911. Damals notierte sich Hasek auf einem kleinen Papierblatt den Titel einer neuen Erz√§hlung: "Der T√∂lpel bei der Kompanie". 1921, kurz nachdem er den Schwejk - Roman zu schreiben begonnen hatte, gr√ľndete er mit drei Freunden eine Gesellschaft, die den Roman in Eigenregie in Form von Fortsetzungsheften verlegte und in Gasth√§usern kolportierte. Das Manuskript pflegte Hasek der Druckerei stets nur seitenweise zu liefern. Zuerst schrieb er mit der Hand, sp√§ter diktierte er den Text beim Biertrinken in seinen Stammgasthaus namens Invald in Lipnice bei Havlickuv Brod. Nach Lipnice war er umgezogen, weil es ihm in Prag unbehaglich und sein Leben dort voll Widerw√§rtigkeiten geworben war.

Die Literaturkritik nahm Schwejk vorerst gar nicht zur Kenntnis, er geh√∂rte ja in den verrufenen Bereich der Boulevardliteratur. Diese Mi√üachtung st√∂rte Hasek kaum, denn seine Leser - es waren fast ausschlie√ülich kleine Leute, meist Kriegsveteranen - waren wortw√∂rtlich bereit, um die begehrten Schwejk - Hefte zu raufen. Eine Ausnahme unter den tschechischen Literaturgranden war der Schriftsteller Ivan Olbracht. Er beschrieb Josef Schwejk als einen "genialen Deppen, der, den Anarchismus seines Autors verk√∂rpernd, in seiner tiefen Lebenskenntnis und seinem Wissen √ľber die menschlichen Eigenschaften den Protest gegen die Niedertracht, Brutalit√§t und Absurdit√§t des Ersten Weltkriegs ausdr√ľckt".

Wesentlich deutlicher als in seinen Erz√§hlungen aus der Vorkriegs - und Kriegszeit f√ľhrte Hasek im Schwejk ungew√∂hnlich originell und klarsichtig die verschiedenen Abarten der Ruchlosigkeit und des Zerfalls vor.

Auf Grund seiner kritischen Beschr√§nktheit wurde Schwejk als Abbild einer einf√§ltigen Volksseele gedeutet, blo√ü als Ausdruck des Lebenswillens von Unterdr√ľckten und eines derben, die Wunden heilenden Lachens. Haseks Humor aber geht viel mehr von der Doppeldeutigkeit des Tragischen und des Komischen aus. Bemerkenswert ist auch, dass es Hasek selbst war, der den Welterfolg seines Romans vorhersah - auf seinen ausgedehnten Zechtouren sprach er oft und lange dar√ľber. Lange bevor der gute tschechische Soldat die Weltszene erreichte, hatte bereits ein Werbeplakat angek√ľndigt, dass es sich beim Schwejk um eines der bedeutendsten Werke der Weltliteratur handelte.

In der Tat, der Roman "Die Schicksale des guten Soldaten Schwejk w√§hrend des Ersten Weltkriegs" ist das ber√ľhmteste und meist√ľbersetzte Buch der gesamten tschechischen Literatur geworden. Die Figur des Josef Schwejk wird mit Don Quijote und Sancho Panzo verglichen, mit Oblomow, Falstaff und vielen anderen eindrucksvollen Gestalten der Weltliteratur.

Das Geburtsjahr von Jaroslav Hasek, 1883, ist auch das Geburtsjahr eines anderen aus Prag Geb√ľrtigen: Franz Kafka. Der eine lebte vierzig Jahre lang, der andere einundvierzig. Ihre gegens√§tzlichen Werke werden von der heutigen Literaturwissenschaft nebeneinandergestellt. Sie sind, ob ihrer starken Anziehungskraft und tiefen Menschlichkeit und trotz aller offensichtlichen Unterschiede, einander sehr nahe. Sowohl in seinem Land wie auf der ganzen Welt gilt Jaroslav Hasek als ein origineller und aktueller Klassiker, als einer, dessen Werk einen wichtigen Beitrag zur Erkenntnis des Menschlichen geleistet hat. Es ist ein Werk, das in seinem Wesen einen Spiegel jener Menschlichkeit darstellt, die selbst die tragischsten Lebensumst√§nde nicht zerst√∂ren k√∂nnen.

Ohne seinen sp√§ter so ber√ľhmten Roman zu Ende diktiert zu haben, starb Jaroslav Hasek am 3. J√§nner 1923 in Lipnice.

3.2.1.1 Jaroslav Hasek: Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk

Dieser Roman ist der umfangreichste und wahrscheinlich auch der bekannteste von Jaroslav Hasek. Er blieb wegen Hasek Tod unvollendet und wurde vom Publizisten Karel Vanek (1887 - 1933) vollendet. Das Buch ist eine Satire auf den Militarismus, nicht nur in der Donaumonarchie. Der Roman berichtet vom Schicksal des Prager Hundeh√§ndlers Josef Schwejk im Getriebe der k. u. k. Kriegsmaschinerie w√§hrend des Ersten Weltkrieges. Dem Soldaten sind Sieg oder Niederlage der √∂sterreichischen Herrschaft vollkommen gleichg√ľltig. Mit entwaffnender Einf√§ltigkeit und wohlberechneter Naivit√§t f√ľhrt er einen Kleinkrieg gegen die Mechanik des Milit√§rapparats, gegen die Dumm - und Tr√§gheit der B√ľrokratie, gegen die Willk√ľr der staatlichen Direktiven und gegen die scheinbar unausweichliche Zwangsl√§ufigkeit des Kriegsgeschehens.

Schwejk ist durch ein amts√§rztliches Attest als bl√∂de ausgewiesen und wird im Krieg dem Oberstleutnant Lukas als Bursche zugeteilt. Sein Pflichtbewu√ütsein und sein Befehlsgehorsam √ľbertreffen alle Erwartungen. Schwejk erf√ľllt seine Aufgaben √ľber Geb√ľhr und f√ľhrt damit ihre Sinnhaftigkeit auf eine unwiderlegbare Weise ad absurdum. So vermag der "kleine Mann" im Chaos der Krieges seine pers√∂nliche Freiheit zu verteidigen, indem er sich mit Hilfe seines Humors souver√§n √ľber die Ereignisse erhebt. Er befreit sich durch seinen Witz und seine Phantasie, die ihm bei jeder Gelegenheit eine Anekdote eingibt, welche unter anderem die ganze L√§cherlichkeit des k. u. k. Patriotismus und Milit√§rfetischismus blo√üstellen.

Der Roman besteht aus einer Reihe von locker aneinandergereihten Erz√§hlungen, Unterhaltungen und Einw√ľrfen Schwejks, die ein lebensnahes Bild der b√∂hmisch - √∂sterreichischen Wirklichkeit gegen Ende der Habsburgermonarchie entstehen lassen. Je mehr die Hauptfigur in das Kriegsgeschehen einbezogen wird, desto einfacher wird die √§u√üere Szenerie. Daf√ľr wird das umfassende Mosaik aus widerspr√ľchlichen Charakteren und Schicksalen immer dichter. Hasek l√§sst Menschen der verschiedensten sozialen Schichten, Soldaten und Zivilisten, St√ľtzer des Regimes und Gegner oder Gleichg√ľltige zu Wort kommen. Der Autor gibt jeder Person einen eigenen Charakter, der nur selten stark √ľberzeichnet dargestellt wird und es gibt auch kaum rein negative Gestalten.

Umgekehrt idealisiert er die Menschen vom Schlag Schwejks mit ihrer charakteristischen Blickrichtung, die alles "von unten" sehen nicht. L√§cherlich und niedrig in ihrem √§u√üeren Verhalten und in ihrer Lebenseinstellung, verk√∂rpern sie ein unersch√∂pfliches Reservoir der Menschlichkeit. Solche Personen sind der einf√§ltige Gastwirt Palivec, der uners√§ttliche Paloun u. a. Diese Leute werden an den exponierten Stellen des Romans zum Gegenpol des sinnlosen Mechanismus zur Vernichtung des menschlichen Lebens. Sie verk√∂rpern in Sprache und Denken den unbeugsamen Willen zu leben - nicht aus falscher, pathetischer Parolen - sondern um des Lebens selbst. Zum Unterschied von allen √ľbrigen Gestalten jedoch entlarvt Schwejk die groteske Komik des Geschehens, das er mit humorvollem Blick von au√üen betrachtet, nicht durch die Einseitigkeit seines Urteils, sondern durch den fortw√§hrenden komplizierten √úbergang von einen Extrem ins andere. Durch seine blo√üe - jedoch keinesfalls passive Existenz wurde Schwejk zum Sinnbild des Widerstandes gegen jegliche Art Diktatur.

Berthold Brecht hat das Motiv des Soldaten Schwejk zum antifaschistischen Protest in "Schwejk im Zweiten Weltkrieg" wiederaufgenommen. 1928, nur wenige Jahre nach dem ersten Erscheinen des Romans, haben Max Brod und Hans Reimann die Satire f√ľr das Theater √ľberarbeitet. Der Roman wurde auch verfilmt und man konnte wohl kaum einen besseren Schwejk finden als Fritz Muliar.


3.2.2 Jaroslav Hasek und der 1. Weltkrieg

Hasek war Soldat in der √∂sterreichisch - ungarischen Armee an der russischen Front - einer freilich, der sich weder durch Disziplin noch durch Gehorsam auszeichnete. Er war also in der Lage, den Tagesablauf an der Front wirklichkeitsgetreu darzustellen. Einige Personen aus dem Buch "Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk" sind aus seinem Leben und aus seiner Erinnerung an die Front. Die Hauptfigur freilich ist eine Erfindung. Hasek war aber mehr Anarchist als Soldat und so hat es ihm im Milit√§r nicht sehr gut gefallen. Wahrscheinlich spiegelt sich im Soldaten Schwejk das Gef√ľhl, das Hasek an der Front hatte: In einen Krieg geraten zu sein, der ihm zuwider war und dessen Ausgang ihm egal war. Er ha√üte das Milit√§r und die milit√§rische Ordnung und so entstand in Haseks Unterbewu√ütsein langsam eine Figur namens Schwejk.

Es war also kein wunder, dass desertierte, um sich, pl√∂tzlich patriotisch entz√ľckt, den damals gerade entstehenden Tschechoslowakischen Legionen anzuschlie√üen, um es zum Kommissar und sogar zum Sonderbeauftragten der bolschewistischen Bewegung zu bringen.

3.2.3 Doderer

Er wurde 1896 in Weidlingau bei Wien geboren. Sein Vater war Erbauer der √∂sterreichischen Alpenbahnen. Seine Jugend verbrachte Heimito von Doderer in Wien; 1916 geriet er als Reserveoffizier in Gefangenschaft; bis 1920 lebte er in Sibierien. Danach studierte Geschichte in Wien, 1925 Dr. phil., sp√§ter freier Schriftsteller, 1939 Kontroversion zum Katholizismus, ab 1940 erneut Soldat, nach Kriegsende wieder in Wien. 1950 wurde er Mitglied im Institut f√ľr Geschichtsforschung. Er erhielt mehrere Literaturpreise. Doderer starb 1966 in Wien.

Doderer, der als Schriftsteller zunächst nur wenig Resonanz fand, bietet in seinen umfangreichen Wiener Romanen ein Zeitbild aus den Jahren 1910 bis 1927. Er belebt das großstädtische Panorama mit vielen Gestalten, die eine Art Querschnitt durch alle Stände, Berufe und Lebenskreise bieten, deren Lebensläufe und Schicksale nebeneinander herlaufen und zugleich ineinander verschlungen werden.

Doderers große Romane (Die Strudelhofstiege, Die Dämonen, ...) schrieb Doderer erst lang nach dem Ersten Weltkrieg. Als unbekannter Schriftsteller war Doderer jedoch auch schon während des Ersten Weltkriegs aktiv.

3.2.3.1 Feldbegräbnis einer Liebe

Feldbegr√§bnis einer Liebe ist eine Kurzgeschichte die den Zerfall der Monarchie im 1. Weltkrieg darstellt. Die Donaumonarchie wird durch ein altes Schlo√ü repr√§sentiert, in dem eine Truppe ihr Quartier aufschl√§gt. In einem Zimmer im hinteren Teil des Schlosses findet der Kommandant eine Sammlung von Briefen, die von einer Liebe zwischen Adeligen handeln. Da die Feinde n√§her r√ľcken ger√§t das Schlo√ü nach und nach unter Beschu√ü und erst als letztes wird der Teil des Schlosses getroffen, in dem die Briefe versteckt sind. Der Autor beschreibt den Niedergang der Monarchie anhand des Schlosses und der Soldaten, die den ehemaligen Glanz des Schlosses mit ihren dreckigen Schuhen zerst√∂ren.

Nach und nach wird das Schloß zur Gänze zerstört und der Kommandant lässt die Briefe symbolisch begraben.

3.2.4 Doderer und der 1. Weltkrieg

Auch Doderer war wie viele andere im Ersten Weltkrieg als Soldat vertreten und geriet 1916 in russische Gefangenschaft. Bis 1920 blieb Doderer in Sibirien. Der junge Doderer versucht in seinen ersten Werken die Erlebnisse aus dem Weltkrieg zu verarbeiten.

4 Das Ende der 1. Weltkriegs

4.1 Endlich Friede

Seit dem Winter 1916/1917 versucht man wegen allgemeiner Ersch√∂pfung Friedensgespr√§che zu f√ľhren. Diese bleiben vorerst ohne Erfolg. Erst Ende 1918 kommt es zum Frieden.

Es ist eine schmerzhafte Niederlage f√ľr die Mittelm√§chte Deutschland und √Ėsterreich - Ungarn. Die Friedensvertr√§ge, die den Verlierern diktiert werden k√∂nnen keinen standhaften Frieden sichern.




5 Anhang

5.1 Primärliteratur

Joseph Roth: Radetzkymarsch
Ungek√ľrzte Ausgabe
    Auflage November 1981
5. Auflage Februar 1986: 51. Bis 60. Tausend
Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, M√ľnchen
ISBN 3 - 423 - 01715 - 5

Jaroslav Hasek: Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk Band 1
    - 304. Tausend Dezember 1993
Veröffentlicht im Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH (rororo),
Reinbeck bei Hamburg, Dezember 1960,
ISBN 3 499 10409 1

Jaroslav Hasek: Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk Band 2
238. - 241. Tausend März 1993
Veröffentlicht im Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH (rororo),
Reinbeck bei Hamburg, Dezember 1960,
ISBN 3 499 10411 3

Aus √Ėsterreichische Erz√§hlungen des 20. Jahrhunderts
Herausgegeben von Alois Brandstetter
Lizenzausgabe mit Genehmigung des Residenz Verlages, Salzburg und Wien,
f√ľr die Buchgemeinschaft Donauland Kremayr & Scheriau, Wien
Joseph Roth: Die B√ľste des Kaisers
Heimito von Doderer: Feldbegräbnis einer Liebe


5.2 Sekundärliteratur

KINDLERS neues Literatur Lexikon 1991

Werner Stein: Kulturfahrplan
Copyright 1946 by F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung
(Walter Kahnert), Berlin - Grunewald


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