Zelt und Haus

Inhaltsverzeichnis Seite

Einleitung 2

I. Eigenschaften des Zeltes 2

II. Bewohner des Zeltes 4
II.1. Geschichte des Nomadismus in der Sahara 4
II.2. Verbreiter und Verbreitung des Zeltes 6
II.3. Erbauer des Zeltes 8
II.4. Aufteilung des Zeltinnern 9

III. Das Haus und die Siedlung 10
III.1. Aufbau eines islamischen Hauses 11
III.2. Siedlungsform 13

I.V. Seßhaftmachung von Nomaden 13

Literaturverzeichnis 14





Einleitung
Das folgende Referat befa√üt sich mit den beiden Wohnformen des Zeltes und des Hauses, wobei sich die Betrachtung √ľber das Vorkommens dieser beiden Wohnformen auf Nordafrika beschr√§nken soll, da sonst das Referat zu umfangreich werden w√ľrde. Anderseits lassen sich am Zelt in Nordafrika verschiedene Sachverhalte aufzeigen, wie zum Beispiel die Verdr√§ngung von urspr√ľnglich se√ühaften Bauern und Viehz√ľchtern (der berberischen Urbev√∂lkerung) durch arabische Nomaden und die damit verbundene Etablierung des Nomadismus mit dem Zelt als typischer Wohnform. Au√üerdem noch die Grenzen zwischen den Nomaden und den Se√ühaften, was sich durch das Haus als die vorherrschende Wohnform manifestiert sowie die verst√§rkten Versuche der nordafrikanischen Regierungen, Nomaden se√ühaft zu machen, wobei das Haus als vorherrschende Wohnform dient.
Es werden die naturr√§umlichen Gegebenheiten und die unterschiedlichen Lebensformen der Menschen vorgestellt, die sowohl das Zelt und das Haus bedingen. Im zweiten Teil soll dann der √úbergang vom Zelt zum Haus dargestellt werden, d.h., das Se√ühaftwerden der urspr√ľnglich nomadisierenden Zeltbewohner, au√üerdem das Se√ühaftmachen von Nomaden in moderner Zeit.

I. Eigenschaften des Zeltes
Im eigentlichen Sinne stellen Zelte Architektur dar, da das Wort Architekt auf das griechische Wort architektos zur√ľckgeht, was wiederum "der das Weben lenkt" bedeutet. Die W√§nde eines Hauses bestanden im klassischen Griechenland aus geflochtenen Zweigmatten, die mit Lehm oder Schlamm beschichtet wurden (FAEGRE, S.5).
Die augenf√§lligste Eigenschaft von Zelten besteht darin, dass sie keine Dauersiedlungen darstellen. Die meisten Nomadenzelte existieren nur so lange, wie die Familie, die in ihnen wohnt, wobei die Zelth√ľllen eine noch k√ľrzere Lebensdauer - bis 10 Jahre - haben. Das bedeutet, dass die Zelth√ľllen regelm√§√üig ersetzt oder erneuert werden m√ľssen. Wenn nun die Bewohner des Zeltes sterben, so stirbt auch deren Behausung, w√§hrend unsere H√§user durch ihre Konstruktion und verwendeten Materialien dazu bestimmt sind, mehrere Generationen zu √ľberdauern und zu beherbergen (FAEGRE, S.6).
(Meistens werden sie aber abgerissen, noch bevor sie im eigentlichen Sinne verschlissen und verbraucht sind.) Ein anderer Unterschied besteht darin, dass unsere Häuser vermietet oder verkauft werden können, Zelte hingegen nicht.
Ein weiterer Unterschied zwischen dem Haus und dem Zelt besteht darin, dass das Zelt keine vergleichbare scharfe Trennung zwischen Innen und Außen wie das Haus vornimmt; im Zelt bläst bei schlechtem Wetter der Wind durch die Zeltöffnungen, es regnet durch das Flechtwerk oder es schneit durch den Rauchabzug, was einen unmittelbaren Kontakt zur Außenwelt gewährleistet (FAEGRE, S.11).
Hinzu kommt noch die leichte Transportierbarkeit, das geringe Gewicht und die daraus resultierende Anpassungsf√§higkeit an Ver√§nderungen wie jahreszeitliche Klima√§nderungen (durch Wanderungen in klimatisch g√ľnstigere Gegenden), aber auch gesellschaftlichen Druck, der die Nomaden zum Weiterziehen bewog (FAEGRE, S.5).
Wie aus oben ausgef√ľhrten Eigenschaften hervorgeht, wird die Wohnform "Zelt" bedingt durch periodische Ver√§nderungen im Landschaftshaushalt. Durch die unregelm√§√üige und geringe Vegetation in den W√ľstenrandgebiete werden die Nomaden gezwungen, sich nach einer relativ kurzen Zeit neue Weidegr√ľnde zu suchen. Wegen Frost oder Schnee in den h√∂her gelegenen Gebieten m√ľssen die Nomaden und Halbnomaden ihre Herden im Winter entweder in die tiefer liegenden, milderen Gebiete oder in die W√ľste treiben. Auch der Bedarf an Brennmaterial kann die Ursache eines Ortswechsels sein, insbesondere dann, wenn der Kamelbestand zu gering ist (NAGEL, S.1)
Das Zelt kommt in den unterschiedlichsten Gr√∂√üen vor; die Spanne reicht von den kleinen Zelten der Sch√§fer √ľber das normale Familienzelt von etwa 15 - 60m¬® bis zu den √ľbergro√üen Zelten sehr reicher und angesehenen Familien. Die Vollnomaden der Sahara und der angrenzenden Gebiete, f√ľr die das Zelt die einzige Behausung darstellt, bewohnen gr√∂√üere Zelte (rund 50 - 60m¬®) als die Halbnomaden, die w√§hrend ihrer Wanderz√ľge einen Teil ihres Besitzes in festen H√§usern zur√ľcklassen (RIPSAM, S.18). Ein solches Magazin, was in unmittelbarer N√§he zu den Se√ühaften errichtet ist, ist auf dem beigef√ľgten Photo abgebildet.

II. Bewohner der Zelte
Im oberen Abschnitt wurden die Bewohner schon mehrmals erwähnt. Es handelt sich um Nomaden, die man mit "Wanderhirten" wohl am besten charakterisieren kann. Ganz eng ausgelegt fallen darunter nur solche Menschengruppen, die vorwiegend von nicht ortsfester Viehzucht leben. Unter Nomadismus ist somit eine nicht - seßhafte Wirtschaftsweise zu verstehen, die noch in Voll - und Halbnomadismus unterschieden wird.
Die moderne Definition lässt ein geringes Maß an landwirtschaftlichen Anbau beim Vollnomadismus zu. Nimmt der des Pflanzenbaus einen größeren Umfang an, so spricht man von Halbnomadismus (NAGEL, S.1)

II.1. Geschichte des Nomadismus in der Sahara
In der Jungsteinzeit um 5000 bis 3500 BP, als in der Sahara noch g√ľnstigere Klimabedingungen als heute herrschten, siedelten in den heutigen Sandgebieten der Sahara noch eine relativ dichte ackerbaubetreibende Bev√∂lkerung. Im Sp√§tneolithikum und in der Metallzeit um 3500 - 2800 BP wurde die heutige W√ľste von Rinder - und Pferdez√ľchtern, sowie auch noch von Ackerbauern bev√∂lkert, somit stellt die Einf√ľhrung des einh√∂ckigen Kamels, dem Dromedar, durch die R√∂mer unter Septimus Severus in den K√ľstenl√§ndern Nordafrikas im 1.Jahrhundert v.Chr., eine wichtige Ver√§nderung dar. Das Dromedar stammt urspr√ľnglich aus Arabien und Mesopotamien, wovon es die R√∂mer nach Nordafrika brachten.
Das Dromedar breitete sich rasch s√ľdw√§rts aus, wobei die fortschreitende Austrocknung der inneren Sahara um 2200 BP die Ausbreitung des Dromedars als Hauptzuchttier f√∂rderte, da dessen physische Widerstandsf√§higkeit und Gen√ľgsamkeit gegen√ľber dem Vorteil der h√∂heren Milchproduktion des Rindes √ľberwog. Nicht nur f√ľr die Eigenversorgung der Kamelz√ľchter mit Milch, Fleisch, Fett, Wolle, Leder und Brennmaterial (getrockneter Dung) war das Dromedar von Bedeutung, sondern auch als Transportmittel f√ľr die Zelte und den Hausrat.
Bei der Austrocknung der Sahara um 2200 BP wurde die √§ltere negride oder √§thiopide Bev√∂lkerung, die Viehz√ľchter waren, aus der Sahara nach S√ľden verdr√§ngt und andere Bev√∂lkerungsgruppen konnten in diesen freigewordenen Lebensraum nachr√ľcken, wenn sie die Viehzucht aufgaben (NAGEL, S.1)
Dies war mit dem gen√ľgsamen und w√ľstenfesten Kamel m√∂glich, da in den Randgebieten der Sahara nur noch k√§rgliche Steppenvegetation vorhanden war. Hier vollzog sich also der √úbergang zum Vollnomadismus und mit ihm das Angewiesensein auf eine Behausung, die sich den Bed√ľrfnissen der Bev√∂lkerung und deren Versorgung anpa√üt, n√§mlich dem Zelt.
Als die Araber im 7.Jhdt.n.Chr. nach Nordafrika einfielen, f√∂rderten sie die Verdr√§ngung der berberischen Urbev√∂lkerung aus dem nordafrikanischen K√ľstensaum, unter Aufgabe ihrer landwirtschaftlich genutzten Fl√§che, in die W√ľstengebiete der Sahara, und somit den Nomadismus.
Um die Mitte des 11. Jhdt. erfolgte ein gewaltiger Vorsto√ü von arabischen Beduinen vom Stamme der Beni Hilal, Beni Solaym und Beni Makil, der als die Hilalische Wanderung in die Geschichte einging. Rund 1 Mio. Beduinen haben dabei weniger die St√§dte, sondern die offenen Landschaften im schwach bev√∂lkerte Nordafrika √ľberschwemmt, das damals fast ausschlie√ülich von se√ühaften und nomadisierenden Berbern bewohnt war. Die Hilal und die Solaym kamen als Nomaden mit ihren Familien und Herden, reklamierten Agrarland als Weideland, was wiederum das Se√ühaftwerden einiger urspr√ľnglicher Nomadengruppen zur Folge hatte (RIPSAM, S.10)
Entweder gr√ľndeten diese (R√ľckzugs - ) Siedlungen in schwer zug√§nglichen Regionen oder au√üerhalb der Weidefl√§chen neue St√§dte wie zum Beispiel Timbuktou im heutigen Mali.
W√§hrend der se√ühafte Bauer an seinen Grund und Boden gebunden ist, so ben√∂tigen die Nomaden zu jeder Jahreszeit Weidefl√§chen f√ľr die Tiere. Das Selbstverst√§ndnis der Nomaden dr√ľckt am besten ein Tuareg - Sprichwort aus: "Die Hacke bringt Schande √ľber das Haus".
Anderseits zwingen Trockenperioden, und somit der Verlust der Weidegr√ľnde, die Nomaden immer wieder dazu, Unterschlupf bei den Se√ühaften zu suchen, wobei aber die Halbnomaden feste und befestigte Magazine besitzen. In solchen Gew√∂lbebauten werden Vorr√§te wie Datteln und Getreide aufbewahrt (SCHWARZ, S.83)






II.2. Verbreiter und Verbreitung des Zeltes
Das Zelt, was in den vorangegangenen Abschnitten der Gegenstand ist, ist das sogenannte schwarze (Nomaden - ) Zelt Die Beduinen nennen ihr Zelt be√Įt sh'ar, das "Haus aus Haaren", sich selbst Ahl el be√Įt, das "Volk des Zeltes". [Anm.: Au√üerdem bedeutet be√Įt in der arabischen Sprache auch "Haus".] Es ist das Zelt der Bibel, der Juden, Araber und weiterer St√§mme in Afrika und Asien, wobei Araber w√∂rtlich √ľbersetzt "Zeltbewohner" hei√üt (FAEGRE, S.20).
Urspr√ľnglich stammt das schwarze Zelt wohl aus Mesopotamien. Der Entstehung ging die Z√§hmung von Ziegen und Schafen voraus, da beide Tiere die Materialien f√ľr den Zeltbau liefern. Das schwarze Zelt wanderte vom Ursprung westlich bis an die Atlantikk√ľste. Es stellt eine ausgezeichnete Anpassung an die subtropische Trockengebiete mit ihren geringen Niederschl√§gen dar (FAEGRE, S.13).
Das Zelt sichert weniger vor Regeng√ľssen - obwohl es dazu auch f√§hig ist, was aber sp√§ter behandelt wird - sondern es bietet gen√ľgend Schutz gegen die n√§chtliche Abk√ľhlung und die Staubst√ľrme.
Ethnologische Untersuchungen ergaben, dass es nicht wie die Kuppel - und Stangenzelte an verschiedenen Stellen der Erdoberfl√§che bei verschiedenen V√∂lkern entstand. Vielmehr war im eng begrenzten Verbreitungsgebiet und der Voraussetzung, die Webtechnik zu beherrschen, der Grund zu suchen, dass es von indoeurop√§ischen Nomaden entwickelt und fr√ľhzeitig von semitischen St√§mmen √ľbernommen wurde.
Nach Nordafrika gelangte das schwarze Zelt aber erst mit der arabischen Einwanderung und es wurde nicht weiter im afrikanischen Kontinent verbreitet. Einzig die tunnelf√∂rmigen H√ľtten der Massai stellen eine gewisse √úbergangsform dar.
Bevor die Araber das Zelt in Nordafrika einf√ľhrten, benutzten die Nomaden und die Se√ühaften mit Matten bedeckte H√ľtten. Das leichter zu transportierende Zelt verdr√§ngte jedoch diese urspr√ľngliche nomadische und se√ühafte Wohnform. Bei den Tuareg finden sich beide Wohnformen, sowohl das Zelt mit einer Plane als auch die mit Matten bedeckte H√ľtte (SCHWARZ, S.81).
Die Form des schwarzen Zeltes wurde den Bedingungen der jeweiligen Umgebung angepa√üt. D.h., in niederschlagsreichen Gebirgsgegenden wurde das Dach spitz nach oben aufgerichtet, damit der Regen daran ablaufen kann. In der W√ľste wurde es flach und m√∂glichst niedrig gehalten, damit die Bewohner sowohl vor der Hitze als auch vor Sandst√ľrmen gesch√ľtzt waren.
In heißen Gegenden wurde es nach zwei Seiten offen gehalten, um Durchzug zu gestatten, in kälteren Landstrichen wurde es völlig geschlossen gehalten (FAEGRE, S.13 f).
Wieso ist das Zelt eigentlich schwarz ? Ein schwarzes Dach spendet mehr Schatten, da das Schwarz die Hitze absorbiert und die locker gewebten Seitenw√§nde lassen die Hitze gleichzeitig nach au√üen verstr√∂men. So ist es im Zeltinnern immer um 10 - 15¬įC k√ľhler als drau√üen. Gleichzeitig bietet der Zeltstoff, obwohl er lose gewebt ist, einen guten Regenschutz. Im feuchten Zustand schwillt das Garn an und schlie√üt somit die L√∂cher in der Zeltplane. Zus√§tzlich l√§sst das nat√ľrliche Fett des Ziegenhaares den Regen eine Zeitlang au√üen ablaufen. Bei einem l√§ngeren Gu√ü wird es schlie√ülich doch durchregnen und das vollgesogene Zelt wird derma√üen schwer, das es von den Lasttieren beim Wegziehen kaum noch transportiert werden kann (FAEGRE, S.16).
Wie oben schon kurz aufgef√ľhrt, sind die Bewohner des schwarzen Zeltes Weber, die mit dem in jedem Zelt vorhandenen Webstuhl verschiedene Tuchsorten herstellen. F√ľr das Zeltdach und die Spannb√§nder wird ein sehr festes Tuch hergestellt, da es wasserundurchl√§ssig sein soll. Wohingegen die Seitenw√§nde nicht so fest gewebt werden, um winddurchl√§ssig zu sein, sei es zur Bel√ľftung und K√ľhlung, oder f√ľr die Erh√∂hung der Standfestigkeit.
Die Zeltplane setzt sich aus mehreren aneinandergen√§hten langen Stoffseiten, den aflij (Singular: flij) zusammen die dadurch zur Z√§hleinheit f√ľr die Gr√∂√üe des Zeltes werden. [Der in Moses 2,26, 7 - 14 erw√§hnte Bau eines Wohn - oder Tabernakelzeltes bezieht sich auf diese Stoffbahnen. Zu beachten ist die genaue Angabe der Ma√üe, 30 x 4 Ellen (1 Elle = 45,72 cm), was auf das Alter dieses Systems schlie√üen l√§sst.] (FAEGRE, S.16)
Die aflij werden je nach Stammeszugehörigkeit unterschiedlich eingefärbt, wobei die Zelte der Ulad Nail in der Mitte bräunlich - schwarz mit rotbraunen Rändern gefärbt sind.
Die Zelte der Nemenscha sind rot, braun und schwarz gestreift, die Tschambazelte sind schwarz und grau.
Gew√∂hnlich sind die Bahnen 60 - 80cm breit und durch Ann√§hen erweiterbar oder durch Zerlegen verkleinerbar. Der Zeltstoff hat eine Lebensdauer von 5 bis 6 Jahren. Um eine m√∂glichst lange Lebensdauer des Zeltes zu erhalten, werden j√§hrlich neue Stoffbahnen von der Mitte aus in die Zeltplane eingef√ľgt.
Wie schon erw√§hnt, ist die Lebenszeit des Zeltes mit der Lebenszeit der Bewohnern identisch. Ein neues Zelt wird dann hergestellt, wenn eine neue Familie gegr√ľndet wird und solange diese Familie besteht, wird das Zelt st√§ndig erneuert (FAEGRE, S.17).
Mehrere Zelte stehen √ľblicherweise in einem Kreis, dem duar, zusammen, mit den Eing√§ngen zur Mitte hin. In einem solchen Lager vermeidet es strikt, ein Zelt so aufzustellen, dass sein Eingang direkt auf ein anderes gerichtet ist, um damit die Gefahr der √úbertragung von unheilvollen Kr√§ften zu vermindern. Fr√ľher bildeten solche Zeltlager eine Schutzgemeinschaft mehrerer miteinander verwandter Familien. Zum Schutz gegen m√∂gliche √úberf√§lle wurden die Lager mit Gr√§ben, W√§llen und Dornhecken umgrenzt. Heutzutage stellt man die Zelte in einer Reihe oder weit von einander entfernt auf, als ein Zeichen der Auflockerung von verwandtschaftlichen Banden und der mittlerweile gr√∂√üeren Sicherheit, die aus mangelnden Raub√ľberf√§llen resultiert (RIPSAM, S.9).

II.3. Erbauer des Zeltes
Die Frauen sind in den Nomadengesellschaften die Architekten. Ihnen wird auch innerhalb des Zeltes mehr Platz als den M√§nnern einger√§umt, da sie h√§ufiger innen arbeiten als die M√§nner. Die M√§nner stellen allenfalls die Holzteile her, wohingegen die Frauen es sind, die Stoffe weben, Felle gerben, das Leder bearbeiten und damit die Gestaltung des Zeltes bestimmen. Auch f√ľr den Zeltauf - und - abbau sind die Frauen zust√§ndig, nur die ganz gro√üen Zelte werden von den M√§nnern aufgestellt (FAEGRE, S.11).



II.4. Aufteilung des Zeltinnern
Die Araber schlagen ihr Zelt entweder mit der Frontseite nach Osten in Richtung Mekka oder nach S√ľden hin auf. Die R√ľckseite ist den Nordwinden zugewandt und die M√§nnerabteilung nach Osten gekehrt. Das M√§nnerabteil ist durch einen Trennvorhang, der quata, vom Frauenteil abgetrennt, wobei die Frauenseite nimmt den gr√∂√üten Teil des Zeltes ein.
Es ist die Abteilung, in der sich das Privatleben der Zeltbewohner abspielt und wo gearbeitet wird und wohin außer dem Zeltbesitzer kein anderer Mann Zutritt hat. Das Zelt gehört also dem Mann, doch es wird immer von der Frau regiert. Hat ein Mann mehr als eine Frau, so ist er verpflichtet, jeder von ihnen ein Zelt zu stellen. Das Zelt wird als Heiligtum betrachtet, was den Hausherr zum Schutz und zur Hilfe verpflichtet (FAEGRE, S.24).

Die Aufteilung des Schwarzen Zeltes
(Quelle: FAEGRE, S.28)






















III. Das Haus und die Siedlung
Einleitung
Der Islam entstand in der Welt der Nomaden, in den Weite der Steppen und W√ľsten Arabiens und er fand die Grenzen seiner Ausbreitung dort, wo die Trockent√§ler zwischen Marokko und Innerasien an andere Landschaftsbereiche anstie√üen. Nichts weist auf eine gewisse "arabische Form" der fr√ľhen Architekturen Arabiens hin; die geringe Zahl st√§dtischer Siedlungen √ľberhaupt beweist, dass das Land weder zur Urbanisierung geeignet war, noch das darin Ehrgeiz seitens der Bev√∂lkerung aufgebracht wurde (SIUS, S.52).
Es ist unmöglich, vom arabischen Haus als eine Art Typ zu sprechen, aber es ist möglich, auf Typen hinzuweisen, die Araber etwa im Maghreb bewohnten (SIUS, S.53).
Allerdings ist der theoretische Oberbau des Islams ein entscheidendes Element beim Bau eines Hauses. Er bildet die Lebensgewohnheiten und Gebr√§uche aus, er pr√§gt die Familienstruktur der Gro√üfamilie, bei der Heirat den Zuzug von Personen in den Familienkreis bedeutet. Die wechselnde Familiengr√∂√üen machen eine st√§ndige Anpassung der Wohnung an unterschiedliche Nutzer und Nutzungen notwendig. Erweiterungen werden ben√∂tigt, wenn der Besitzstand w√§chst oder die Bauten verfallen, wenn er abnimmt. Den Zelten der Nomaden nicht un√§hnlich ist das andauernde Bed√ľrfnis nach Ver√§nderung der Wohnung. Dies bedeutet f√ľr den einzelnen Raum, dass er nutzungsneutral wegnehmbar aber auch addierbar sein muss. Hierbei sch√§lt sich ein additives Prinzip heraus, n√§mlich die Wohnung ist die Addition von einzelnen Raumzellen (SIUS, S.1).
So wie bei den Zelten f√ľr die jeweilige Familiengr√∂√üen einzelne Zeltbahnen entweder aus der Zeltplane herausgenommen oder in sie eingearbeitet werden kann. Allerdings besteht hier ein wichtiger Unterschied: wird eine neue Familie gegr√ľndet, so wird ein neues Zelt ben√∂tigt, innerhalb eines Hauses werden neue R√§ume oder Anbauten f√ľr die neuen Familienmitglieder ben√∂tigt. Eine Addition der Wohnr√§ume symbolisieren die Ghorfas in Tunesien, aber auch die H√∂hlen in Matmata, wo der zus√§tzliche Raum eine neue H√∂hle ist.
Den Hausbau, sowie das Anlegen von Siedlungen, besorgten andere, d.h., die nicht arabischen Moslems wie die Berber oder die Kabylen (SIUS, S.52).
Das √§nderte sich erst mit der Vertiefung und Verinnerlichung des islamischen Denkens und unter dem Einflu√ü anderer Nationen innerhalb der umma, wie der Perser, Berber und T√ľrken.
Das Haus der Moslems hat bestimmte, sowohl aus nat√ľrlichen Gegebenheiten als auch aus der geistig - seelischen Sph√§re des Menschen herauswachsende Aufgaben zu erf√ľllen. Die nat√ľrliche Umgebung fordert vom Haus, das es seine Bewohner gegen die wochenlange Sommerhitze, gegen die Winterk√§lte, gegen die zwar seltenen, dann aber sintflutartig, fallenden Regeng√ľsse und gegen Sand - und Staubst√ľrme sch√ľtzt. Prinzipiell zwingen die atmosph√§rischen Einfl√ľsse nicht zum Hausbau, da das Zelt diese erforderlichen Schutzanforderungen erf√ľllt.
Allerdings bietet das Haus dem Moslem die M√∂glichkeit, sich r√§umlich abzusondern und ein Leben nach eigener Ordnung, von niemanden beobachtet zu f√ľhren (SIUS, S.53).
Wie eng zum Beispiel Familie und Haus zusammenh√§ngen, wird an dem kabylischen Wort f√ľr "Haus" (akhkham) ersichtlich; es bezeichnet gleichzeitig das traditionelle Wohnhaus und die Gro√üfamilie (RIPSAM, S.22). Das Haus bildet die Voraussetzung f√ľr den Zusammenhalt der Familie und es dient f√ľr die wichtige Abschottung der Frau gegen√ľber der Umwelt, und zwar sowohl r√§umlich als auch geistig.
Allerdings zwang der Mangel an Baumaterialien zu eingeschr√§nkten Gestaltungsm√∂glichkeiten. Je nach Landschaft sind zwischen Schilf -, Zweigger√ľst -, Holz -, Stein - und Lehmbauweisen zu unterscheiden (SIUS, S.53).

III.1. Beispiel eines islamischen Stadtwohnhauses
(M'zabitisches Wohnhaus in Algerien)
M'zabiten sind durch die Islamisierung und die Hilalische Wanderung zur√ľckgedr√§ngte Berber, die sich in ein besonders unzug√§ngliches Tal zur√ľckgezogen haben. Dort gr√ľndeten sie 1011 die Stadt El Ateuf.
Die Stadtstruktur ist typisch "islamisch. Ein Netz winkliger und enger Sackgassen durchzieht das dichte Baugef√ľge, wobei dieses einem Gewebe gleicht, in dem das Haus die Zelle und der Hof der Zellkern ist. Das Haus zeigt sich nach au√üen geschlossen (SIUS, S.5).
Man betritt es √ľber den Pfortenraum (skifa), dessen beider T√ľren im Winkel oder Versatz zueinander angeordnet sind, damit bei der offenstehenden T√ľr keine Einsichtsm√∂glichkeit in das Haus besteht.
Nach der zweiten T√ľr betritt man einen Nebenraum. Bis hierher ist das Haus halb - √∂ffentlich. Der Raum dient dem unverbindlichen Zusammentreffen mit Leuten aus der Nachbarschaft oder auch fremden G√§sten. √úberdies wird in ihm w√§hrend der Gebetsstunde auch gemeinsam gebetet.
Danach tritt man in den zentralen Hof, um den herum K√ľche, Vorratslager und der Arbeitsraum der Frau (tizifri) angeordnet sind. Die Wand zwischen tizifri und skifa besitzt in Sitzh√∂he ein kleines Loch, das den Blick auf die Stra√üe freigibt. Somit kann die Frau, die ihre Arbeit sitzend auf dem Boden verrichtet, den Hauseingang kontrollieren und das Geschehen auf der Stra√üe beobachten, ohne dabei selbst gesehen zu werden (SIUS, S.6).
Aufschnitt eines m'zabitischen Wohnhauses
(nach SIUS, S.6)






















III.2. Siedlungsform
Wie im vorangegangenen Kapitel erw√§hnt, waren Expansionsbewegungen von Nomaden der Grund f√ľr das Zur√ľckziehen von Se√ühaften. In bestimmten Regionen wie dem M'zab in Algerien, oder im S√ľden Tunesiens wurden Wehrsiedlungen,, die ksour errichtet, um sich gegen die √úberf√§lle der Nomaden besser zu sch√ľtzen. Die se√ühaften Oasenbauern waren gezwungen, sich in Wehrsiedlungen zusammenzuschlie√üen. Die daraus entstandenen ksour (Singular: ksar) werden von der bodenbauenden Bev√∂lkerung bewohnt. Sie stellen kein zuf√§llig gewachsenes Gebilde wie etwa ein Gebirgsdorf dar, sondern geplante und einheitliche Gebilde.
In ihm leben die verschiedenen Sozialen Gruppen nach Vierteln getrennt. Die Gr√∂√üe eines Ksar variiert betr√§chtlich, von 5 - 6 H√§usern bis zu mehreren 100. Ein ksar ist aber selten gr√∂√üer als 1 bis 1¬Ĺ ha mit 400 - 1000 Einwohnern. Liegt die Einwohnerzahl h√∂her, so bilden sich mehrere ksour, aber kein gro√üer ksar (RIPSAM, S.20f).

IV. Seßhaftmachung von Nomaden
Die Se√ühaftmachung von Nomaden soll am Beispiel der Siedlung Klip Dokhan in Tunesien gezeigt werden. Das Dorf liegt ca.50 km westlich von Gab√©s inmitten des tunesischen Steppeng√ľrtels. Das Dorf wurde gegen Ende der 70er Jahre angelegt. Von der √§u√üeren Morphologie ausgehend, stehen die einzelnen H√§user verh√§ltnism√§√üig weit auseinander, wobei kein eigentlicher Dorfkern ersichtlich ist. Diese Streulage der einzelnen H√§user soll die verschiedenen Nomadensippen voneinander trennen und ihnen das Gef√ľhl von Weite geben. Die vorherrschenden Hausformen sind aus Betonsteinen hergestellte Kastenh√§user, die aber kaum als Wohnh√§user genutzt werden. Vor den H√§usern errichteten die Nomaden informelle Siedlungsformen, die dem verlorengegangenen Zelt nachgeeifert sind.
Die Gr√ľnde f√ľr die Se√ühaftmachung der Nomaden sind auf der einen Seite eine bessere staatliche Kontrolle, anderseits zwingt der Bev√∂lkerungsdruck zu einer Ausweitung des Ackerbaus, was mit einer Verringerung der Weidegebiete der Nomaden einhergeht. Au√üerdem tr√§gt die Absicht des Staates, der jugendlichen Nomadengeneration eine Schulbildung zu erm√∂glichen, auch zu einer Se√ühaftmachung bei.
Allerdings leben viele dieser se√ühaft gewordenen Nomaden halbnomadisch. Im Fr√ľhjahr und Sommer ziehen die Hirten mit Viehherden in die s√ľdlichen oder n√∂rdlichen Weidegebiete.
Die Familie des Hirten f√§hrt dann h√§ufig mit einem gemieteten LKW in das Weidegebiet. Durch die fortschreitende Ausweitung des Ackerbaus bleiben nur noch wenige Weidegebiete √ľbrig, deren Gr√∂√üe durch den Ackerbau weitestgehend verkleinert wurde. Diese, im Vergleich zu vollnomadischen Weidefl√§chen, kleineren Weidefl√§chen, werden von den Herden sehr stark und schnell √ľberweidet, was zu einer Degradation dieser Fl√§chen f√ľhrt (NAGEL/RIPSAM, S.8f).
Auf lange Sicht betrachtet, werden solche √∂kologische Ver√§nderungen das Nomadentum aussterben lassen, was allerdings nicht automatisch zum Aussterben des Schwarzen Zeltes f√ľhren wird; es findet bei der Se√ühaftmachung als eigentliche Wohnform weiter Verwendung.

Literaturverzeichnis:

Faegre, Torvald (1980): Zelte, die Architektur der Nomaden. Hamburg

St√§dtebauliches Institut Universit√§t (SIUS) (1982): Grundz√ľge des islamisch - arabischen St√§dtebau. Seminarbericht √ľber das Planen in Entwicklungsl√§ndern.

Nagel, Jörg (1990): Geschichte des Nomadismus in Nordafrika. Seminararbeit. Stuttgart

Nagel, J√∂rg / Ripsam, Martin (1992): Tagesprotokoll √ľber Klip Dokhan vom 24.2.1992 der Tunesienexkursion vom 19.2. - 17.3.1992 des Geographischen Instituts der Universit√§t Stuttgart.

Ripsam, Martin (1990): Die Berber. Seminararbeit. Stuttgart.

Schwarz, Gabriele (41989): Allgemeine Siedlungsgeographie. Teil 1: Die ländlichen Siedlungen; die zwischen Land und Stadt stehenden Siedlungen. Berlin, New York.



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