Tiger

Einleitung

Vor etwa zwei Millionen Jahren lebte die Urform des Tigers im Süden Chinas. Die Nachkommen breiteten sich in alle Himmelsrichtungen aus. In der Taiga Sibiriens, im Dschungel der Regenwälder Südostasiens, in den Trockenwäldern Indiens, im sumpfigen Grasland der Flussläufe. Überall, wo die Katze genug Beute, Wasser und Deckung fand, ließ sie sich nieder. Im Laufe der Evolution passten sich die Tiger den unterschiedlichsten Lebensräumen an. Im Norden, wo zum Schutz gegen Wärmeverlust ein möglichst massiger Körper nötig ist, entwickelten sich viel größere und schwerere Tiere, als im Dickicht des tropischen Dschungels. Heute hat der Mensch dieses wundervolle Tier beinahe ausgerottet. Lebten vor 100 Jahren auf unserer Erde noch nahezu 100.000 Individuen, so zählen wir heute nur mehr rund 5.000 Tiger. Hilfe ist also dringend gefragt. Leider weiß ein Großteil der Menschheit gar nicht, wie es um diese Katzenart steht. Ich wollte nicht zu dem Teil gehören, darum habe ich mich eingehend mit dem Tiger beschäftigt.

Systematische Einordnung

Der Tiger ist ein Säugetier und gehört zur Ordnung der Raubtiere. Seine Familie ist die, der Katzenartigen, genauer gesagt, die der Raubkatzen. Diese lässt sich wiederum in Groß- und Kleinkatzen unterteilen. Der Tiger ist die größte lebende Raubkatze. Die Gattung der Tiger bezeichnet man im Lateinischen mit "Panthera tigris".

Ursprünglich konnte man zwischen acht verschiedene Arten des Tigers unterscheiden:

    dem Indischen-Tiger, dem Sibirischen Tiger, dem Sumatra-Tiger, dem Südchinesischen Tiger, dem Indochinesischen Tiger, dem Bali-Tiger, dem Kaspischen Tiger, und dem Java-Tiger.

Leider sind bereits im Laufe unseres Jahrhunderts drei davon (und zwar der Bali -, der Kaspische und der Java-Tiger) ausgestorben. Der Sibirische, der Südchinesische und der Sumatra-Tiger sind ebenfalls sehr stark bedroht und genau genommen ist die Existenz keiner einzigen Tigerart wirklich gesichert.

Biologische Daten

Der Tiger ist die größte lebende Raubkatze. Ein männliches Tier ist durchschnittlich drei Meter lang und 200 kg schwer. Diese Zahlen variieren allerdings sehr stark, weil (wie ich später noch genauer ausführen werde) die Arten, die im Süden leben wesentlich kleiner und dünner sind als der Sibirische Tiger. Das kommt daher, dass die im Norden beheimatete Unterart eine besondere Fettschicht benötigt, um sich vor der klirrenden Kälte zu schützen. Die, die in den Tropischen Gebieten anzutreffen sind, können mit der Hitze umso besser zurechtkommen, je kleiner und dünner sie sind.

Weibchen sind im allgemeinen immer etwas kleiner und leichter als ihre männlichen Artgenossen.

Ein Tiger wird maximal zwischen 15 bis 17 Jahre alt. In freier Wildbahn ist die Lebenserwartung wesentlich geringer.

Das Aussehen des Tigers ist sehr variabel (Dichte und Färbung des Fells, Größe). Albinismus, bzw. die Aufhellung des Felles kommen bei dieser Gattung viel häufiger vor als Melanismus. Einmal soll jedoch ein blauer Tiger gesehen worden sein (wie Perserkatze). Wesentlich öfter entdeckte man schneeweiße bis rahmgelbe Tiger, die lohgelb gemustert sind. Die meisten weißen Tiger tragen gewöhnlich noch rötlich, schokoladebraune, schwarzgraue oder schwarze Streifen.

Er sieht binokular und farbig. Nachts sehen seine Augen fünf Mal so gut wie Menschenaugen.

Lebensräume

Tiger kommen ausschließlich in Asien vor und hier auch nicht überall. So treten sie zum Beispiel auf manchen kleinen Sundainseln, wie auf Kalimatan und Sri Lanka, nicht auf. Im Hochland von Tibet ist der Tiger auch nicht anzutreffen, weil er normalerweise nicht über 2.000 Meter steigt. Im Gegensatz zum vorigen Jahrhundert, treffen wir ihn heute im Gebiet des Kaspischen Meeres, auf Bali und auf Java auch nicht mehr an, weil er dort bereits ausgestorben ist.

Trotzdem finden wir Tiger über 14 Länder verstreut:

    Bangladesch, Bhutan, Burma, Cambodia, China, Indien, Indonesien, Laos, Malaysien, Nepal, Nord Korea, Rußland, Thailand und Vietnam.

Diese Länder decken fünf große geographische Regionen ab:

    den Indischen Subkontinent, Indo China, Süd-Ost-Asien, Zentral - und Süd-China und den fernen Osten Russlands.

Der bevorzugte Lebensraum des Tigers ist das dichte, undurchdringliche Dickicht des Dschungels. In subtropischen und nördlichen Gebieten hält er sich gern in der unwegsamen Vegetation von Uferwäldern oder von Schilf- und Rohrsäumen in der Nähe von Gewässern aller Arten auf. Im Norden wird der Tiger zum Teil Jäger der offenen Landschaft. Im Laufe der Zeit hat er sich aber auch an andere Geländeformationen und Vegetationscharaktere angepasst, hauptsächlich, weil er vom Menschen dorthin verdrängt wurde.

So treffen wir den Tiger heute in:

    der nördlichen Taiga, gemischten Koniferenwäldern der gemäßigten Breiten, sumpfigem Grasland, subtropisch-feuchten Laubwäldern, subtropisch-gemäßigten Hochlandwäldern, tropischen Feuchtwäldern, tropischen Trockenwäldern und Mangrovenwäldern an.

Jagd- und Revierverhalten

Tiger sind keine Rudeltiere (wie zum Beispiel der Löwe), sondern Einzelgänger und sind daher meist einzeln anzutreffen. Vor allem Weibchen, die Junge haben, leben allein. Das Revier eines Männchens ist normalerweise zwischen 50 bis 1.000 Quadratkilometer, manchmal bis zu 4.000 Quadratkilometer groß und wird meist mit mehreren Weibchen geteilt. Sowohl Männchen als auch Weibchen markieren die Grenzen ihrer Territorien mit Urin und Kratzspuren an bestimmten Bäumen. Die Reviere der männlichen Tiger überschneiden sich häufig mit denen der weiblichen, aber nur die Männchen verteidigen ihre Reviere gegen andere Männchen. Dabei konzentrieren sie sich auf die wichtigsten Teile, wie die Grenzen zu einem Weibchenrevier oder Gebiete mit guten Beutetierbeständen. Das Tigermännchen ist aber nicht nur dem Weibchen gegenüber tolerant, sondern duldet auch, dass Tiere beiderlei Geschlechts sein Revier durchqueren. Übernimmt ein anderes Männchen das Revier, beißt es häufig die Tigerbabies tot, die noch von seinem Vorgänger stammen, um dann selbst für Nachwuchs zu sorgen.

Trotz seiner großen Kraft und der scharfen Sinne muss der Tiger viel Zeit auf die Jagd verwenden, da in der Regel nur einer von zehn Angriffen erfolgreich ist. Er geht meist bei Dämmerung oder in der Nacht auf Jagd. Langsam und lautlos schleicht er durch sein Revier. Aufmerksam achtet er auf auffällige Bewegungen und lauscht nach ungewohnten Geräuschen. Sein Streifzug kann ziemlich lange dauern, weil der Tiger auf der Suche nach Futter bis zu dreißig Kilometer zurücklegt. Entdeckt er ein Beutetier, so schleicht er sich auf ganz leisen Sohlen und in geduckter Haltung in seine Nähe. Durch sein schwarz-gelbes Fell ist er ausgezeichnet getarnt und ist so fast nicht von seiner Umgebung zu unterscheiden. Ist er dann der Beute nahe genug, stürzt er sich in zwei oder drei gewaltigen Sätzen auf das überraschte Tier. Dabei kann er mit einem Satz über fünf Meter weit springen. Mit seinen spitzen Krallen packt er seine Beute, reißt sie zu Boden und bricht ihr das Genick oder erstickt sie. Den größeren Beutetieren zerbeißt der Tiger zuerst die Sehnen an den Beinen, sodass sie nicht weglaufen können und tötet sie dann durch einen gezielten Biss an der Kehle.

Nicht jeder Angriff führt jedoch zum Erfolg, denn viele Tiere wittern oder hören die großen Raubkatzen noch rechtzeitig und können vor ihr fliehen. Verfehlt der Tiger seine Beute, so verfolgt er sie noch etwa 200 m, erwischt sie dann jedoch nur noch selten. Nach dem Töten des Tieres zieht er es in Deckung, meistens in Wassernähe. Dann frisst und trinkt er, bevor der Tiger die Überreste versteckt und zunächst einmal schläft. Anschließend kehrt er zurück und frisst den Rest, aber zuvor muss er alle Nahrungskonkurrenten vertreiben. Ehe er Jagd auf neue Beute macht, frisst der Tiger sein Opfer gewöhnlich völlig auf. Besonders große Tiere können ihn für einige Tage satt machen. Misslingen dem Tiger mehrere Angriffe während einer Nacht, dann gibt er sich auch mit kleinerer Beute zufrieden.

Wie viele Tiger in einem Gebiet leben, ist sehr stark von der Menge der Beutetiere, die sich dort befinden abhängig. Das Nahrungsangebot eines Tigers ist sehr vielfältig. Er bevorzugt Wildrinder, wie Wasserbüffel oder Großwild, wie Hirsche und Wildschweine. Fallweise begnügt sich der Tiger auch mit kleinerer Beute, wie Affen, Vögeln, Reptilien, Fischen, Stachelschweinen, kleinen Nagern Fröschen oder Krebsen. Häufiger sieht man ihn aber auf der Jagd nach Krokodilen, Leoparden und Luchsen. Nur sehr selten greifen Tiger richtig große Tiere, wie zum Beispiel Elefanten- oder Nilpferdkälber an. Wird der natürliche Beutetierbestand der Raubkatze von Wilderern dezimiert, so vergreift sie sich immer häufiger an Haustieren, wie Hunden und Rindern.

Der Mensch selbst ist kein bevorzugtes Beutetier des Tigers, denn normalerweise meidet er ihn. Wenn ein Tiger jedoch einen Menschen anfällt, dann daher, weil er entweder seine Jungen in Gefahr sieht oder weil er bei einem erlegten Rind ruht, als der Bauer dazu tritt. Leider gibt es auch spezialisierte "Man-eaters". Das sind meist geschwächte oder verletzte Tiere, für die der Mensch eine leichte Beute ist, weil er nicht so flink ist. Aber auch Sundarbans-Tiger (leben im Sundarban-Nationalpark), die aus den Reihen des Bengal-Tigers kommen vergreifen sich an Menschen. Bei ihnen vermutet man, dass der hohe Salzgehalt des Trinkwassers in den Mangrovenwäldern zu Leber und Nierenbelastungen führt und die Tiger dadurch besonders reizbar macht.

Der Tiger verzehrt im Jahr um die hundert Stück Großwild. Das ist natürlich wieder nur ein Durchschnittswert, denn natürlich braucht ein größeres Tier, bei eisigen Temperaturen mehr Nahrung, als sein kleiner Artgenosse im tropischen Klima. Natürlich kommt es auch darauf an, welches Beutetier der Tiger reißt und wie groß es ist.

Fortpflanzung

Die Tiger haben keine feste Paarungszeit im Jahr. Die Weibchen zeigen ihre Bereitschaft durch Urinmarkierungen und Kratzspuren an Bäumen an. Sie sind nur drei bis sieben Tage im Jahr empfängnisfähig. Daher dauert eine "Tigerhochzeit" mehrere Tage. Tigerin und Tiger paaren sich dabei alle 15 bis 20 Minuten. Zwischen den Begattungen werden ausgiebige Zärtlichkeiten ausgetauscht. Wie bei allen Katzenarten braucht es die häufigen Kopulationen, um den Eisprung auszulösen. Danach verlässt das Männchen das Weibchen wieder und sucht sich ein weiteres Weibchen.

Während der Paarungszeit bleiben sie die ganze Zeit beisammen, aber außerhalb der Paarungszeit gehen sich die Tiger aus dem Weg.

Nach etwa 95 bis 112 Tagen bringt die Tigerin ihre Jungen an einem gut geschützten Platz, am liebsten im hohen Gras, zur Welt. Ein Wurf zählt meist zwischen zwei bis vier Tigerbabies.

Vorerst säugt die Tigermutter ihre Jungen, später schleppt sie die Beute heran, dann führt sie die Kleinen von Riss zu Riss und lehrt sie schließlich jagen und in der Wildnis zu überleben. Die Zeit, die die jungen Tiger bei den Müttern verbringen, dauert zwischen 18 und 28 Monaten.

Der Vater kümmert sich kaum um den Nachwuchs. Für die Tigermutter ist er gar eine Bedrohung, denn wie wir zuvor schon gehört haben, sterben die Kleinen oft, weil sie von männlichen Tigern gefressen werden. Trotzdem sind schon "freundliche Vaterbesuche" beobachtet worden, die von der Seite der Mütter erwidert worden sind. Dabei sind die Väter ebenso zärtlich mit den Jungen umgegangen wie die Mütter.

Ein Weibchen ist gewöhnlich mit drei Jahren geschlechtsreif und danach gebärt es meist jedes zweite bis dritte Jahr, bis es ein Alter von neun bis zehn Jahren erreicht hat. Daher dauert das "gebärfähige" Leben eines Tigerweibchens durchschnittlich sechs Jahre. Ein männlicher Tiger ist hingegen erst ab einem Alter von vier oder fünf Jahren geschlechtsreif.

Besonderheiten

Löwe und Tiger haben eine weitgehende anatomische Übereinstimmung und trotzdem weichen sie im Verhalten und in den von ihnen bevorzugten Lebensräumen sehr weit voneinander ab. Der vorderasiatische Löwe weicht im Knochenbau weniger stark vom Tiger ab als der südafrikanische. Das kommt daher, dass beide nah verwandten Formen in Eurasien entstanden sind. Der Löwe ist wesentlich weniger anpassungsfähig als der Tiger, was auch in Bezug auf die Beutetiere gilt. Daher kommt es auch kaum zu Begegnungen in den Überschneidungsbereichen Man kann also sagen, dass sich beide Arten örtlich fast gänzlich ausschließen.

Die Fortpflanzung des Tigers in Gefangenschaft gelingt häufig, aber nicht so regelmäßig wie beim Löwen.

Ein jung eingefangener oder in Gefangenschaft aufgewachsener Tiger ist nicht nur sehr zahm und anhänglich, sondern auch höchst gelehrig, warum er oft zur Dressurkunststücken im Zirkus verwendet wird.

Unter besonderen tiergärtnerischen Voraussetzungen können sich Tiger und Löwen verpaaren und es sogar zur Fortpflanzung kommen lassen. Die Mischlinge sind durchaus lebens- und zum Teil sogar fortpflanzungsfähig. Sie haben die sandgelbe Färbung des Löwen und mattgraue Tigerstreifen und wenn sie männlich sind, bekommen sie eine Löwenmähne.

Mischlinge, deren Vater ein Löwe und deren Mutter ein Tiger ist, heißen "Ligers" und wenn der Vater ein Tiger und die Mutter ein Löwe ist, dann heißt der Mischling "Tigon".

Eine Erklärung dafür geben fossile Großkatzenreste, die Merkmale von Löwe und Tiger vereinen und aus Europa und Nordasien stammen. Das deute auf einen nördlichen Ursprung der Löwe-Tiger-Gruppe unter den Großkatzen hin, aus der sich dann wahrscheinlich im Westen der Löwe und im Osten dagegen der Tigertyp entwickelt haben.

Tiger sind keineswegs wasserscheu, sondern vorzügliche Schwimmer und Taucher. Manchmal wagen sie sich sogar ins Meer hinaus, um zu einer küstennahen Insel zu kommen. Sie paaren sich zum Beispiel auch oft im Wasser.

Eine besondere Fähigkeit, die auch mit dem Wasser zu tun hat ist, dass Tiger sehr gute Fischer sind. Diese Eigenschaften haben ja auch zahlreiche Hauskatzen.

Durch das Reißen von Wildschweinen und anderen auf Äckern und Pflanzungen großen Schaden anrichtenden Tieren ist der Tiger oft landwirtschaftlich nützlich.

Tiger können schwere Beutetiere wegschleppen, für deren Abtransport die Kraft von fünf Männern nötig wäre.

Gefährdung

Es gibt viele verschiedene Gründe, warum alle Arten des Tigers vom Aussterben bedroht sind. Aber ich möchte nur fünf Hauptfaktoren anführen:

Die Population des Menschen steigt ununterbrochen. Leider erscheint es vielen von uns als logisch, dass das Tier automatisch weichen muss, wenn der Mensch Platz braucht. So musste auch der Tiger verschwinden, als ihm die Menschen immer näher rückten. Dabei war er es, der zuerst da war und der immer wieder zurückgesteckt hat und sich neu eingewöhnt hat und seine Gewohnheiten geändert hat.

Ein weiterer Grund ist unsere Profitgier. Wir müssen immer die Hölzer haben, die für uns am ungewohntesten sind. Wegen uns werden Wälder in Sibirien gerodet, billigst verkauft und so blüht die Holzindustrie in Russland. Und wer ist derjenige der weichen muss? Natürlich der Tiger. Der Herr der Wälder, der dort seinen Schutz sucht, seine Jungen aufzieht und dort seine Beute sucht.

Natürlich ist der nächste Schritt, dass auch seine Nahrung schwindet, weil seine Beutetiere so für die Wilderer (die Wilderei bringt der armen Bevölkerung einerseits Geld und andererseits Nahrung ein) noch leichter zu fangen ist. Woher soll der Tiger seine Nahrung bekommen, wenn sie der Mensch ausrottet? Er muss sich auf Haustiere, die noch dazu einfacher zu fangen sind, spezialisieren. Er wird zum "Viehtöter".

Was ist wiederum die Folge davon? Er wird zum gejagten.

Aber nicht nur darum wird er gejagt, sondern auch, weil seine verschiedensten Körperteile auf dem Schwarzmarkt eine Unmenge von Geld einbringen: rund 300 US-Dollar für einen toten Tiger (im Vergleich dazu das Durchschnittseinkommen eines Inders pro Tag: ein US-Dollar). Für zehn Kilogramm getrocknete Tigerknochen bekommt man 25.000 US-Dollar. Das ist wiederum ein Grund für die arme Bevölkerung, den Tiger zu ermorden, obwohl er eigentlich ein Heiligtum ihrer Religionen und Kulturen ist.

Ich fragte mich, wofür so viel bezahlt wird. Also einerseits kann laut der Chinesischen Tradition der Medizin aus Tigerknochen Heilmittel herstellen, die Malaria, Rheuma, Geschwüre und böse Geister besiegen. Es gibt Tigerknochen-Wein, Knochenessenz und jede Menge Tigerpillen. Aber damit nicht genug. Tigerpenisse werden in stärkenden Suppen serviert. Reiche Taiwanesen zahlen über 300 US-Dollar für eine Schüssel davon, in der festen Hoffnung, dadurch potent wie ein Tiger zu werden, der mit einer brünftigen Tigerin tagelang mehrmals pro Stunde kopuliert. Nicht zu vergessen sind hier die Tigerfelle, die als Teppiche oder Wandbehänge verwendet, ja sogar als Mäntel getragen werden. Auch ein Tigerkopf allein ist eine begehrte Trophäe und das Fleisch des Tigers gilt als Delikatesse.

Schutzprojekte

"Traffic" ist eine Organisation der WWF, die den Handel mit Tierprodukten überwacht. Sie soll Schmugglern auf die Schliche kommen. Es ist schwierig, den Handel mit Tierarten in den Griff zu bekommen, denn die Armut rund um die Tigergebiete ist groß. Wenn es für diese Menschen keine anderen Möglichkeiten gibt, der Armut zu entkommen, wird der Tiger weiterhin gejagt werden. Deshalb muss sich der WWF hier nicht nur für den Tiger einsetzen, sondern auch die einheimische Bevölkerung in seine Projekte mit einbeziehen und zum Beispiel Arbeitsmöglichkeiten schaffen.

"Projekt Tiger" wurde 1973 in Zusammenarbeit von WWF und der indischen Regierung (in Indien) gestartet. Ein Jagdverbot wurde für den Königstiger ausgerufen und neun spezielle Tigerreservate wurden geschaffen.

In Zusammenarbeit mit russischen und internationalen Naturschutzorganisationen hat der WWF 1994 in den Wäldern des fernen Ostens Wildhüter aufgestellt, um den Wilderern das Handwerk zu legen.

Darüber hinaus plant der WWF mit 65.000 Quadratkilometern weltweit größte Naturschutzgebiet für den Sibirischen Tiger.

Umweltbildungsprogramme sollen der einheimischen Bevölkerung das Verständnis für den Naturschutz näher bringen.

Außerdem soll der sanfte Naturtourismus proklamiert werden, indem man den Menschen das Schicksal des Tigers näher bringt.

Der WWF versucht in Zusammenarbeit mit westlichen der Pharmaforschung die Nachfrage nach Tigerprodukten einzudämmen, was schwierig werden wird, weil die Asiaten sehr stark an ihrer überlieferte Traditionsmedizin glauben.

Es wird von manchen Forschern sogar überlegt, ob man in Tiergärten die Zucht antreiben soll und diese Tiere dann für die Medizin zu verwendet, weil diese ohnehin die Scheu vor dem Menschen abgelegt haben und wenn sie ausgesetzt würden, sowieso erschossen würden.

Dagegen gibt es aber Gott sei dank genügend Proteste und so wird vorgeschlagen besser die Bauern, die sehr mit der Natur verbunden sind, zu entschädigen und noch mehr Wildhüter einzusetzen.

Zusätzlich soll die Öffentlichkeit über die Situation der Tiger laufend informiert werden. Außerdem sind eine Erweiterung der Schutzgebiete und die Erschließung neuer Einnahmequellen geplant.

1993 wurden die Länder China, Taiwan und Südkorea von Mitgliedern des Washingtoner Artenschutz Abkommens (unter der Androhung von Handelssanktionen) aufgefordert, den Handel mit Tigerprodukten einzustellen. Daraufhin ist der Handel mit diesen Produkten eingeschränkt, aber nicht gänzlich abgebrochen worden.

Unterarten

Der Sibirische-, oder Amur Tiger wird im Lateinischen "Panthera tigris altaica" genannt. Wie sein Name schon verrät ist er die größte Raubkatze, denn ein Männchen erreicht eine Länge von 2,7 bis 3,8 Meter, seine Schulterhöhe beträgt 105 bis 110 Zentimeter und er wiegt zwischen 250 bis 280 Kilogramm.

Seine bevorzugte Nahrung sind Rot- und Sikahirsche, wilde Ziegen, Wildschweine, Elche, Luchse und Bären. Er macht aber auch auf kleinere Beutetiere Jagd. Pro Tag braucht er mindestens neun bis zehn Kilogramm Fleisch, wenn er in diesem kalten Klima überleben will.

Ambra, wie er von den Einheimischen genannt wird, hat eine Lebenserwartung von etwa 15 Jahren. Anzutreffen ist er im Flussgebiet von Amur und Ussuri im fernen Osten Russlands und in Nordchina.

Das Revier des Sibirischen Tigers ist sehr groß, bis zu 3.000 Quadratkilometer (ungefähr die Größe des Bundeslandes Burgenland). Wenn er in diesem Gebiet beständige Nahrungsquellen findet, bleibt er manchmal jahrelang innerhalb der Grenzen seines Reviers.

Bei dieser Territoriumsgröße muss sich das Weibchen, das zur Paarung bereit ist, manchmal selbst auf die Suche nach einem Partner machen.

Das Fell dieser Tigerart hat eine blass ockergelbe Grundfärbung. Seine Streifung scheint verwaschen und matt, nicht schwarz, sondern dunkelbraun und außerdem sind es bei ihm eher in die Länge gezogene Rosetten, wie beim Leoparden. Er hat sich eine dicke und weiche Unterwolle angelegt, um die Kälte ertragen zu können. Seine Deckbehaarung ist bis zu 5 cm lang. Das helle Fell verbirgt ihn sehr gut in der schneebedeckten Taigalandschaft. Da der Amur-Tiger mit Temperaturen bis zu 45C leben muss, hat er an Flanken und Bauch eine bis zu 5 cm dicke Fettschicht. Er ist wesentlich größer als der Königstiger und doppelt so groß wie (einst) der Bali-Tiger. Seine Ohren sind entsprechend seiner kalten Heimat sehr kurz. Trophäenjäger hätten wohl längst dem Amur-Tiger das Fell über die Ohren gezogen, wäre kurz nach dem 2. WK. die Treibjagd in der Sowjetunion nicht verboten worden. So konnte sich der Bestand in den fast menschenleeren

Urwäldern Sibiriens vorerst erholen. Aber heute gibt es leider wesentlich mehr Amur-Tiger in Gefangenschaft als in freier Wildbahn.

Zur Zeit zählen wir insgesamt nur noch 437 Sibirische Tiger und wenn er trotz aller Schutzversuche trotzdem weiter gejagt wird, ist er im Jahr 2.000 ausgestorben.

Der Bengal- oder Königstiger lebt in Indien. Sein lateinischer Name lautet "Panthera tigris tigris". Er konnte dem Artentod bis jetzt nur knapp entrinnen. Bis zum Jahr 1973 war er ein begehrter Fang. Anfang des 20. Jahrhunderts war in Indien der Bestand der Königstiger von 40.000 Tieren auf 1800 gefallen. Das im selben Jahr vom WWF und der indischen Regierung begonnene "Projekt Tiger" hat dem Bestand dieser Tiere wieder auf die Beine geholfen. In dieser Zeit konnten sich die Tiere wieder vermehren. In den letzten Jahren haben jedoch Wilderer den Bestand auf etwa 3500 Tiere herabgesetzt.

Vom Sumatra-Tiger existieren höchstens noch 400 Exemplare auf der Insel Sumatra. Sein lateinischer Name ist "Panthera tigris sumatrae". Er hat ein rotockeres Fell und dunkle, breite Streifen. Viel Holz wurde auf Sumatra in den letzten Jahren für den Export geschlagen. Die indonesische Regierung siedelt zudem Millionen von Menschen aus den dicht bevölkerten Inseln Java und Bali nach Sumatra um. Auf die Dauer wird hier nicht genug Platz für wilde Tiger bleiben.

Der Südchinesische Tiger lebt auf der Insel Amoy, weshalb er auch seinen lateinischen Namen "Panthera tigris amoyensis" bekommen hat. Er ist aus der Pelzwirtschaft ein Begriff: von ihm stammen die Tigerfelle mit den kurzen, breiten und weniger zahlreichen Streifen. Um 1950 gab es noch rund 4.000 Exemplare dieser Rasse. Aber heute lebt nur noch ein Restbestand von etwa 20-30 Tigern in den Bergregionen der Provinz Hunan, die meisten vereinzelt, ohne Kontakt zu Artgenossen und somit ohne echte Fortpflanzungschancen. Der Amoy-Tiger ist der zur Zeit am stärksten vom Aussterben bedrohte Tiger.

Indochinesische Tiger sind in Burma, Thailand, Kambodscha, Vietnam und Malaysia heimisch. Der lateinische Name dieser dunkel gefärbten Raubkatze mit schmalen Streifen lautet "Panthera tigris corbetti". Von dieser Unterart gibt es noch etwa zwischen 1050 und 1700 Tiere, gut die Hälfte davon in Malaysia. Nur eine Minderheit lebt einigermaßen geschützt in Reservaten. Überall schrumpfen die Lebensräume, und außer in Thailand und Malaysia sind Wilderer ziemlich unbehelligt am Werk.

Der Bali-Tiger war klein und ockergelb. Wie auch seine lateinische Bezeichnung "Panthera tigris balica" sagt, war er auf der Insel Bali zu Hause. Der Bali-Tiger war die kleinste Form des Tigers, so wogen die Männchen selten mehr als 100 kg. Für diese Unterart wurde der Lebensraum wegen dichter Besiedelung schon Anfang unseres Jahrhunderts zu knapp. Die letzten Tiere wurden zu Beginn der vierziger Jahre gesichtet.

Im Gebiet des Kaspischen Meeres war einst der Kaspische Tiger, "Panthera tigris virgata" heimisch. Er war ein verhältnismäßig großes Tier, mit einem üppigen Bart und langen Nackenhaaren (nordlichste Unterart mit größter Ähnlichkeit zum Löwen). 1972 sichtete noch jemand im Osten der Türkei eine frische Tigerspur. Es war sein letzte Lebenszeichen.

Java ist eine der am dichtesten besiedelten und bewirtschafteten Inseln der Welt. Für Tiger ist sie längst zu eng geworden. Die letzten Exemplare des Java-Tigers, "Panthera tigris sondaika", starben Anfang der achtziger Jahre in einem Reservat im Osten Javas.

Zusammenfassung

Seit Jahrhunderten spielt der Tiger in vielen Religionen und Kulturen der Erde eine besondere Rolle. Manche sehen ihn als wahren König der Tiere. So schrieb zum Beispiel der frühere Berliner Zoodirektor Ludwig Heck in seinem Buch: "Im Tierreich erkenne ich unbedenklich dem Tiger den ersten Schönheitspreis vor dem Löwen zu, weil mir dessen Mähnenschmuck nicht den Farbreiz des Streifenfelles ersetzen kann. Solch wundervollen herkulischen Muskelbau, wie er am Vorderteil unseres riesigen... bengalischen Königstigers so weich und locker und doch so gewaltig und kraftstrotzend bei jedem Schritte spielt, hat kein Löwe, und hätte er ihn, so deckte ihn die Mähne zu! Dagegen finde ich nicht, dass die Querstreifung des Tigers die Körperformen sehr verwischt und verschleiert, wie das die Ringelfleckung des Leoparden ohne Zweifel tut." Wir alle sollten mithelfen den Tiger zu schützen, weil es schade wäre, könnten wir unseren Enkeln nur noch von einer wunderschönen, edlen und anmutigen Raubkatze erzählen, ohne ihnen die Möglichkeit zu geben sich selbst davon zu überzeugen.

Literaturhinweis

    sämtliche Auflagen von WWF-Zeitschriften. Grzimets Tierleben 12 Säugeti e III.er

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