Zur Methodik der Standortplanung

Inhalt

Einleitung

1 Zur Methodik der Standortplanung
1.1 Die Analyse-Phase
1.2 Die Ziel-Phase
1.3 Die Strategie-Phase
1.4 Die Ausf√ľhrungs-Phase

2 Beispielhafte Kriterien bei Freizeitgroßprojekten
2.1 Vorbemerkung
2.2 Arenen
2.3 Freizeitparks
2.4 Ferienzentren, Center-Parks
2.5 Multiplex-Kinos

3 Kriterien aus der Sicht der Raumordnung

4 Positive und negative Auswirkungen der Standortentscheidung

5 Entwicklungslinien und Trends

Literaturverzeichnis


Einleitung

"Sich erholen" gewinnt in unserer Gesellschaft seit √ľber zwei Jahrzehnten einen immer h√∂heren Stellenwert. Beg√ľnstigt wird dies durch die Zunahme von Freizeit. Aufgrund der Tatsache, dass die meisten Menschen in ihrer Freizeit nicht Ruhe suchen, sondern leider genau das Gegenteil, boomt der Freizeitsektor. Traditionelle, meist √∂ffentliche Freizeiteinrichtingen reagierten auf die ge√§nderte Freizeitnachfrage nur unzureichend. Es gab einen Strukturwandel und kommerzielle Betreiber brachten neue Formen von Freizeiteinrichtungen hervor: gro√üfl√§chige Anlagen, wie z.B. Arenen, Freizeitparks, Center-Parks und Mulltiplex-Kinos. Die Standortplanung dieser Freizeitgro√üprojekte soll in diesem Referat nun behandelt werden.

1 Zur Methodik der Standortplanung

Die Standortplanung ist ein komplexer Problemlösungsprozeß. Daher empfiehlt sich eine Einteilung in verschiedene Planungsphasen.

    Analyse-Phase: Bestandteile sind die Analyse und Prognose des Vorhabens und der Umwelt. Es geht also um die umfassende Bestimmung der Situation und um eine m√∂glichst genaue Herausarbeitung positiver und negativer Entwicklungen. Schwerpunkt ist die Analyse der Standortstruktur. Ziel-Phase: Anhand von Oberzielen und der Strukturanalyse werden Standortziele definiert. Strategie-Phase: Zur Realisierung der Ziele wird hierbei die Auswahl des g√ľnstigsten Weges erarbeitet. Dazu geh√∂ren auch Ma√ünahmen der Standortstruktur√§nderung und der Standortpolitik. Ausf√ľhrungs-Phase: Inhalt ist die konkrete Planung basierend auf den gew√§hlten Strategien.Abb. 1 Grundphasen des Planungsprozesses

1.1 Die Analyse-Phase

In der Analyse-Phase werden m√∂glichst viele f√ľr die Planung relevante Informationen systematisch erfa√üt und verarbeitet. Dabei werden sogenannte Standortfaktoren bestimmt. So untersucht die Standortfaktorenanalyse relevante Standorteigenschaften f√ľr die Zielerreichung. Eine √úbereinstimmung der Standortanforderungen mit den Standortbedingungen ist g√ľnstig f√ľr eine Unternehmung. Ergibt eine Standortuntersuchung, dass ein Standort √ľber mehr Bedingungen verf√ľgt, als ihm durch die Standortanforderungen abgefordert werden, so verf√ľgt dieser √ľber Standortreserven. Naturgem√§√ü sind derartige Standorte allerdings teurer als knapper ausgestattete.

Als wichtige Standortfaktoren gelten:

    Grund und Boden (Lage, Gr√∂√üe, Zuschnitt, Topographie, Grundwasser) Verf√ľgbarkeit des Gel√§ndes (Eigentumsverh√§ltnisse, planungsrechtliche Festsetzungen, Bebauungsvorschriften, Nutzungsanspr√ľche konkurrierender Nutzungen) Verkehr und Transport (Anschlu√ü an das lokale Stra√üennetz und √ĖNV, Anschlu√ü an das lokale Schnellverkehrsstra√üennetz, Schienennetz, Binnenschiffahrt) Allgemeine Infrastruktur (Wohnraum, Bildungs- und kulturelle Einrichtungen) Arbeitsmarkt (Art, Anzahl, Ausbildungsstand) Beschaffung und Entsorgung (Rohstoffe, Energie, Wasser, Abfallbeseitigung) Absatz (Bev√∂lkerungspotential, Kaufkraft, Konkurrenz) Pers√∂nliche Pr√§ferenzen (Wohnlage, Erholungsm√∂glichkeiten)

Die Auswahl, Gewichtung und Bedeutung der Faktoren sind je nach Art des Vorhabens unterschiedlich. Deshalb m√ľssen verschiedene Standortfaktorenprofile aufgestellt werden. Zu beachten ist, dass mit Standortentscheidungen meist eine langfristige Bindung einhergeht. Werden nur aktuelle Standortbedingungen ber√ľcksichtigt, f√ľhrt dies zu einer statischen und vergangenheitsorientierten Analyse. Daher ist es wichtig, dass nicht nur aktuelle Anforderungen und Bedingungen erfa√üt werden, sondern auch zuk√ľnftige Entwicklungen. Die Gefahr, dass sich Standortfaktoren negativ ver√§ndern, nennt man Standortrisiko. Da zuk√ľnftige Entwicklungen nie genau vorhergesagt werden k√∂nnen, kann ein optimaler Standort nicht geplant werden.

1.2 Die Ziel-Phase

Die Ziel-Phase orientiert sich an den in der Analyse-Phase untersuchten Situation und an den aufgestellten Oberzielen. Konkrete Ziele sollen festgelegt werden.

Ziel der Standortplanung ist die Optimierung der Standortstruktur. Des weiteren soll das Verh√§ltnis der standortabh√§ngigen Kosten zu den standortabh√§ngigen Erl√∂sen langfristig am g√ľnstigsten sein.

Da die Folgen einer Standortplanung meist einen gro√üen Einflu√ü auf die nat√ľrliche Umwelt bedeuten, sind auch Umweltziele zu ber√ľcksichtigen. Allerdings sind umweltorientierte Standortentscheidungen der Unternehmen immer noch die Ausnahme. So wird die √∂kologische Seite der Standortplanung selten von den Unternehmen selber ber√ľcksichtigt, sondern von au√üen, z.B. durch Gesetzgebung, Kommune, √Ėffentlichkeit etc., bestimmt. Ma√ügeblich sind auch die Umweltziele der Stadt- und Regionalplanung, die zur Vermeidung oder Verminderung von Umweltbelastungen dienen.

1.3 Die Strategie-Phase

Trotz zahlreicher Restriktionen aufgrund der Umweltbedingungen besteht ein Handlungsspielraum. Die Aufgabe der Strategie-Phase ist es nun, den g√ľnstigsten Weg zur Realisierung der gew√ľnschten Ziele zu erarbeiten. Potentielle Handlungsalternativen m√ľssen gefunden werden und miteinander verglichen werden. Mit einem Ma√ünahmenkatalog als Hilfsmittel wird der Handlungsbedarf, der in der Analyse- und Ziel-Phase festgestellte wurde, konkretisiert.

Leitbilder von Strategien sind:

    Stärken zu erhalten und auszubauen, Schwächen zu mindern oder zu beseitigen, Chancen zu nutzen und Risiken zu vermeiden oder zu begrenzen.

Die Strategieauswahl ist meist ein komplexer Bewertungsprozeß. Als Hilfsmittel dienen Methoden und Modelle, wie z.B. Punktbewertungsverfahren, Portfoliotechniken, Simulationsmodell etc.

Die Wahl von Strategien ist häufig mit der Investition von Kapital verbunden. Daher besteht auch eine enge Beziehung zwischen der Standortplanung und der Investions- und Finanzplanung.

1.4 Die Ausf√ľhrungs-Phase

Der Inhalt der Ausf√ľhrungsphase ist die konkrete Planung der zuvor beschlossenen Strategien.

Die Auswahl bei der Standortbestimmung erfolgt h√§ufig in mehreren Stufen. In der ersten Stufe wird der Makrostandort festgelegt, d.h. das Land oder die Region bestimmt. Die zweite Stufe ist die Auswahl des Mikrostandorts. So werden innerhalb des Makrostandortes m√∂glichst viele Standorte gesucht, die den aufgestellten Anforderungen entsprechen. In einer Feinauswahl werden diese z.B. mit einem Punktbewertungsverfahren verglichen. Zudem wird die in der Strategie-Phase durchgef√ľhrte Investitionsrechnung anhand der einzelnen Grundst√ľcksalternativen √ľberarbeitet. Die Ausf√ľhrungs-Phase endet mit der Standortempfehlung. Konkrete zeitliche und inhaltliche Vorgaben f√ľr die Umsetzung sollten dabei eingearbeitet sein.

2 Beispielhafte Kriterien bei Freizeitgroßprojekten

2.1 Vorbemerkung

Die planerische Bewertung von Freizeitgroßprojekten wirft auf der methodischen Ebene Probleme auf. Im Gegensatz zu großflächigen Einzelhandelsprojekten gibt es bei Freizeit-Großeinrichtungen keine anerkannten Beurteilungsroutinen oder Richt- und Erfahrungswerte. Zudem war von den Betreibern kaum Auskunft zu bekommen, da insbesondere amerikanische Tochterunternehmen generell an Außenstehende keine Informationen weitergeben.

2.2 Arenen

Standortorientierung

Die Wahl des Makrostandortes f√§llt vorwiegend auf bev√∂lkerungsm√§√üig hoch verdichtete Regionen (z.B. Rhein-Ruhr-Agglomeration) oder Gro√üst√§dte, die ein ausreichendes Nachfragepotential vorweisen. Ein Problem ist, dass in den Ballungszentren und Gro√üst√§dten Fl√§chenknappheit herrscht. So befinden sich Arenen h√§ufig in Cityerweiterungsgebieten oder am Stadtrand in Angliederung an bestehenden Einrichtungen wie z.B. Sportzentren (Gelsenkirchen) oder Messegel√§nden (D√ľsseldorf). Ziel ist es, Agglomerationsvorteile zu nutzen, sowie die

    Nutzung vorhandener Verkehrsinfrastruktureinrichtungen (Erschlie√üung, Parkpl√§tze, √ĖPNV-Anschlu√ü etc.), die Nutzung der Gesamtattraktivit√§t des Standortes sowie die Verf√ľgbarkeit zus√§tzlicher Fl√§chenpotentiale.

Agglomerationstendenzen

Messen, Freizeitzentren und Veranstaltungshalllen zeigen Agglomerationtendenzen. Die dabei entstehenden Komplement√§rnutzungen sind sehr erw√ľnscht, denn diese steigern die Gesamtattraktivit√§t eines Standortbereichs, was zu einem noch gr√∂√üeren Einzugsbereich f√ľhrt (kollektiver Einzugsbereich).

Kriterien der Standortplanung

    Standortalternativen: Alternativstandorte seitens des Investors Alternative Flächenangebote durch den Planungsträger Nutzung von Brachflächen möglich?
    Standortuntersuchungen: Wirtschaftlichkeit / Plausibilit√§t des Veranstaltung- und Betriebskonzeptes √Ėkologie Verkehr St√§dtebauliche / Funktionale Vertr√§glichkeit
    Übergeordnete Ziele der Landesentwicklung und Raumordnung Übereinstimmung mit Landesentwicklungsprogramm und Regionalplan? Gebietsentwicklungspläne
    Auswirkungen auf die Freizeit- und Sportstätten in den angrenzenden Kommunen/ Kreisen Interkommunale bzw. interregionale Abstimmung
    Einbindung in die stadtentwicklungpolitischen Leitvorgaben möglich? Flächennutzungsplanung Freizeit- und Sportstättenplanung Kulturstättenplanung
    Läßt sich das Vorhaben in die Umgebung integrieren? Auswirkungen auf das städtebauliche Erscheinungsbild Nachbarnutzungen Architektonische Gestaltung der Gebäude (städtebauliche Integration) Funktionale Integration
    Flächenbedarf Gebäudeflächen Freiflächen Stellplatzflächen evtl. vorbehaltene Ergänzungsflächen
    Verkehrsinfrastruktureller Anschlu√ü und Ver- und Entsorgung Bestehende Stra√üen f√ľr Fu√üg√§nger, Radler und MIV Bestehende √ĖV-Anbindung, sowohl lokal, regional als auch √ľberregional Ma√ünahmen zu umweltfreundlicheren Gestaltung des Modal-Split wie z.B. Kombiticket etc. Bestehende Ver- und Entsorgungsleitungen Erforderliche Neubauma√ünahmen im Verkehrs- und Ver- und Entsorgungsbereich

2.3 Freizeitparks

Standortorientierung

Die Standorte von Freizeitparks befinden sich vorrangig in den Außenbereichen von Gemeinden. Großräumig liegen sich im Einzugsbereich größerer Bevölkerungsagglomerationen.

Kriterien f√ľr die Standortwahl

    Gro√üe und zusammenh√§ngende Fl√§chen mit ausreichenden Fl√§chenreserven M√∂glichst niedrige Bodenpreise Leistungsf√§hige Verkehrsanbindung; m√∂glichst Autobahnanschlu√ü Hohes Bev√∂lkerungs- und damit Nachfragepotential im n√§heren Einzugsbereich Ausreichende und schnelle Verf√ľgbarkeit von Saison- und Teilzeitarbeitskr√§ften Freizeitwert des Standortumfeldes (Mikrostandort)

Einzugsbereich

Es wird davon ausgegangen, dass die Besucher eines Freizeitparks f√ľr den Anfahrtsweg anderthalb bis zwei Stunden in Kauf nehmen. Befragungen haben gezeigt, dass etwa die H√§lfte der Ausfl√ľgler mehr als 150 km zu einem Freizeitpark fahren w√ľrden.

2.4 Ferienzentren, Center-Parks

Standortorientierung

Eine landschaftlich reizvolle Umgebung geh√∂rt zu dem Grundkonzept von Ferienzentren. Daher werden landschaftlich attraktive Regionen als Standort bevorzugt. Dazu sollen sich die Standorte im weiteren Einzugsbereich von Ballungsregionen (Anfahrtswege bis zu 3 Stunden) befinden. So ist eine bereits erschlossene Fremdenverkehrsregion (z.B. Hunsr√ľck, Eifel, L√ľneburger Heide) pr√§destiniert f√ľr Ferienzentren mit einem halboffenen Konzept (peripherer Standort). Anlagen mit einem geschlossen Konzept (z.B. CenterParcs) sind, aufgrund ihrer partiellen Autarkie, weniger an infrastrukturelle Voraussetzungen gebunden (isolierter Standort).

Ziel von Ferienzentren ist es, trotz gro√üer Eingriffe in die Natur und Landschaft, den Eindruck von Naturn√§he zu erwecken. Das Unternehmen CenterParcs bevorzugt daher besonders Kiefernw√§lder als Standorte. Denn dort k√∂nnen relativ schonend und einfach Bungalows errichtet, sowie zus√§tzliche k√ľnstliche Gew√§sser angelegt werden. Das Parkgel√§nde ist somit attraktiv zum Spazierengehen und Radfahren, zumal Autos nur f√ľr die An- und Abreise zugelassen sind. In der Werbung wird dies als "unber√ľhrte Natur" angepriesen.

Die Makrostandortwahl fiel f√ľr CenterParcs bisher f√ľr Gebiete im Binnenland ohne entwickelten Fremdenverkehr aus. Bei neueren Projekten, wie z.B. Gran Dorado und Sun Parks, liegen die Standorte entweder an der K√ľste oder in touristisch entwickelten und attraktiven Gebieten, wie z.B. L√ľneburger Heide oder Eifel. Die Attraktivit√§t der Umgebung als Ausflugsziel und als Aktivit√§tsbereich gilt als zunehmend bedeutsamerer Standortfaktor.

2.5 Multiplex-Kinos

Standortorientierung

Die Standortwahl f√ľr Multiplex-Kinos orientiert sich an Siedlungsschwerpunkten von Agglomerationen sowie an St√§dten mit oberzentraler Funktion. Bei der Wahl des Mikrostandortes gibt es unterschiedliche Strategien. So bevorzugen die Tochterunternehmen amerikanischer Betreiber, wie z.B. UCI und Warner Bros., periphere Standorte mit Angliederung an bereits bestehende Einkaufs- oder Freizeitzentren (Bochum, Gelsenkirchen, Leipzig). Deutsche Kinobetreiber, wie z.B. der Flebbe-Filmtheaterbetrieb (Cinemaxx), Neue Constantin, Thomas-Filmtheater und die Ufa AG, w√§hlen dagegen eher innerst√§dtische Standorte (Hannover, Essen, Kiel, K√∂ln). Typisch ist die Nutzung von Synergieeffekten, wie z.B. hohes Besucheraufkommen, Bekanntheit des Standortes etc.

Tab. 1 Größe und Standort von Multiplex-Kinos

Multiplex BetreiberLein-wände Sitze StandortAus-weisung Eröffnung
1UCI H√ľrth Park UCI14 2.891Stadtrand (EKZ)SO 10/90
2Cinemaxx Hannover Flebbe10 3.281Innenstadt3/91
3Warner Cinema Gelsenkirchen Warner Bros.9 2.6553/91
4Ruhr-Park Bochum UCI18 4.168Stadtrand (EKZ)SO 3/91
5Cinemaxx Essen Flebbe16 5.322InnenstadtMK 12/91
6Cinedom Köln Neue Constantin13 3.183Innenstadt12/91
7UFA-Palast Dresden UFA8 2.000Innenstadt8/92
8Saale-Park Leipzig, G√ľnthersdorf UCI10 2.272Gr√ľne Wiese (EKZ)GE 9/92
9Maxx M√ľnchen Flebbe7 1.500Innenstadt9/93
10Warner Cinema M√ľhlheim Warner Bros.8 1.725Innenstadt10/93
11HamburgOlympic FTB Heinz Riech OHG 61.800Innenstadt 11/93
12Stadthallen Filmpalast L√ľbeck Kieft & Kieft71.800 Innenstadt12/93
13UFA-Palast KölnOlympic FTB Heinz Riech OHG 132.600Innenstadt 12/93
14Kinopolis Frankfurt/Sulzbach Theile Gruppe12 3.800Gr√ľne Wiese (EKZ)10/94
15Extra Kinocenter KoblenzExtra Cinema GmbH9 2.100Gewerbege-biet10/94
16Cinemaxx KielFlebbe 103.090Innenstadt MK3/95
17UFA-Palast ErfurtUFA 92.000Innenstadt 4/95
18Omniplex AalenOmniplex Filmtheater 71.562Stadtrand 7/95
19Cinecitta N√ľrnbergWolfram Weber12 2.987InnenstadtMK 10/95
20Cinemaxx HalleFlebbe 102.450Innenstadt 10/95
21Cinestar RostockKieft & Kieft 72.196EKZ 1/96
22UFA-Filmpassage Osnabr√ľck Rosenhof und Universum 91.850Innenstadt 4/96
23Cinema Ober-hausen im CentrO Warner Bros.9 2.500StadtrandMI 9/96
24Cinemaxx MagdeburgFlebbe 2.800 Innenstadt10/96
25Cineplaza BayreuthThomas-Filmtheater 81.200Innenstadt 2/97

Einzugsbereich

Der mittlere Einzugsbereich wird bei Gro√ükinos auf ca. 25-30 km gesch√§tzt. Bei peripher gelegenen Multiplex-Kinos liegt die Maximalentfernung bei rd. 60 km. Die Besucher von innenstadtorientierten Gro√ükinos legen im Mittel rd. 18 km zur√ľck.

3 Kriterien aus der Sicht der Raumordnung

Die Kommunen k√∂nnen mit verschiedenen Instrumenten die Standortplanung von gro√üfl√§chigen Freizeiteinrichtungen beeinflussen. Die Instrumente befinden sich haupts√§chlich im Baugesetzbuch (BauGB) und in der Baunutzungsverordnung (BauNVO). Des weiteren m√ľssen bei der Ansiedlung von Freizeitgro√üprojekten die Richtlinien der Landes- und Regionalplanung ber√ľcksichtigt werden. Weiterhin hat die Ministerkonferenz f√ľr Raumordnung Grunds√§tze zur Bestimmung von Standorten f√ľr gro√üfl√§chige Freizeiteinrichtungen verabschiedet:

Orientierungsrahmen f√ľr die Eignung von Standorten f√ľr Freizeitgro√üprojekte beschlossen von der Ministerkonferenz f√ľr Raumordnung am 14.02.1992

1. In der Regel nicht in Betracht kommende Gebiete:

    Naturschutzgebiete und vergleichbare Teilgebiete von Nationalparken und von Naturparken. Vorranggebiete, z.B. f√ľr Natur und Landschaft, Trinkwasserschutz und f√ľr oberfl√§chennahe Rohstoffe. Wald. Gebiete mit einem hohen Anteil an √∂kologisch und landschaftlich wertvollen oder gering belastbaren Fl√§chen. Gebiete mit besondere Bedeutung f√ľr das ruhige Landschaftserleben sowie die landschaftsorientierte und siedlungsnahe Erholung, kulturhistorisch, geologisch und geomorphologisch besonders bedeutsame Gebiete.

2. In Ausnahmefällen in Betracht kommende Gebiete:

    Landschaftsschutzgebiete und vergleichbare Teilgebiete von Naturparken, wenn der Schutzzweck nicht in Frage gestellt wird und die landschaftlichen Gegebenheiten eine besondere Ber√ľcksichtigung finden, Gebiete mit √∂kologisch und landschaftlich wertvollen oder gering belastbaren Fl√§chen, wenn diese in das Projekt integriert werden k√∂nnen, ohne dass eine Beeintr√§chtigung zu bef√ľrchten ist, struktur- und artenreiche Landschaften, wenn die landschaftstypischen Strukturen und das Artenpotential erhalten und gesichert werden k√∂nnen, Gebiete mit erheblichem Fremdenverkehr und Vorranggebiete f√ľr Erholung, wenn die allgemeine Zug√§nglichkeit gew√§hrleistet bleibt.

3. Grundsätzlich in Betracht kommende Gebiete:

    nicht √ľberlastete Naherholungs-/ Fremdenverkehrsgebiete, ehemals milit√§risch genutzte Fl√§chen, aufgelassene Industrie- und Gewerbefl√§chen, Fl√§chen, die zuvor dem gro√üfl√§chigen Abbau von oberfl√§chennahen Rohstoffen dienten, landwirtschaftliche Fl√§chen mit geringer wirtschaftlicher und lanschaftspflegerischer Wertigkeit sowie √∂kologisch verarmte Kulturlandschaften

4. Kleinräumige Standortkriterien

Freizeiteinrichtungen sollen nach M√∂glichkeit in bestehende Siedlungsbereiche integriert oder zumindest in Anlehnung an diese errichtet werden. Im Au√üenbereich ist der Umnutzung bereits vorhandener baulicher Einrichtungen gegen√ľber der Errichtung neuer baulicher Anlagen Vorzug zu geben.

Freizeiteinrichtungen mit hohem Besucherverkehr sollen an öffentliche Verkehrsmittel angeschlossen sein und/oder eine direkte Anbindung an bestehende, leistungsfähige Bundesfernstraßen haben.

(Quelle: Ministerkonferenz f√ľr Raumordnung (1992), Entschlie√üung "Gro√üfl√§chige Freizeiteinrichtungen in der Raumordnung und Landesplanung" vom 14. Februar 1992.)

Bei neueren √úberlegungen zur Standortwahl √ľberwiegen die sozio√∂konomischen Aspekte. Empfehlungen zum Makro- und Mikrostandort sind:

zum Makrostandort

    Der Makrostandort soll in strukturschwachen Gebieten liegen, die f√ľr den Fremdenverkehr geeignet sind. Die Konkurrenzsituation mit gleichartigen Freizeitgro√üeinrichtungen sollte beachtet werden.

zum Mikrostandort

    Eine Anlehnung an vorhandene Ortslagen ist unter sozio√∂konomischen Gesichtspunkten nicht zwingend. Je gr√∂√üer die Anlage, umso eher sollte ein isolierter Standort gew√§hlt werden. Der Vorrang des allgemeinen Erholungsanspruchs sollte bei der Standortwahl ber√ľcksichtigt werden.

4 Positive und negative Auswirkungen der Standortentscheidung

Großprojekte sind sehr umstritten, sie tangieren viele Lebensbereiche und beeinflussen nachhaltig die Umwelt. Je nach Betrachtungsweise ergeben sich Vor- und Nachteile aus der Standortentscheidung.

Positive Auswirkungen

    F√ľr die Stadt oder Gemeinde kann sich ein Freizeitgro√üprojekt positiv auf die Wirtschaftstruktur auswirken und das Image f√∂rdern. Beispielsweise gewinnt der terti√§re Sektor an Bedeutung. Zudem geben die G√§ste und Besucher im Ort Geld aus, auch wenn sie nur kurze Zeit im Ort selbst verweilen (Tankstellen, Gastronomie, Souvenirl√§den etc.). Schlie√ülich profitiert der kommunale Haushalt von zus√§tzlichen Steuereinnahmen (Gewerbesteuer und Vergn√ľgungssteuer). Brachliegende Industrie- oder Gewerbefl√§chen lassen sich eventuell wieder nutzen. Initialwirkungen f√ľr weitere Investitionen sind m√∂glich. Ausbau des √∂rtlichen Tourismussektors: besonders wetterunabh√§ngig nutzbare Anlagen k√∂nnen die Saison verl√§ngern und verbessern somit das touristische Angebot, denn auch "ferienparkexterne" G√§ste und Tagesbesucher profitieren davon. Eine besonders attraktive Freizeitinfrastruktur kann zum Standortfaktor f√ľr die Ansiedlung anderer Wirtschaftsunternehmen werden. Arbeitsplatzbeschaffung durch Ausbau des Dienstleistungssektors. Vor allem begehrte Teilzeitarbeitspl√§tze k√∂nnen geschaffen werden..

Negative Auswirkungen

    Fl√§chenverbrauch: Freizeitgro√üprojekte sind gro√üz√ľgig dimensionert und haben zusammen mit den Parkpl√§tzen einen enormen Fl√§chenverbrauch. Suburbanisierung: Die jahrzehntelang durchgef√ľhrte funktionale Trennung hat sich negativ auf die St√§dte ausgewirkt. So lassen sich auch die aktuellen Standorte von Freizeitgro√üanlagen nicht st√§dtebaulich integrieren. Als Folge steigt der motorisierte Individialverkehr weiter an, da meist eine Anbindung an das √ĖPNV-Netz fehlt. Auch wenn es eine √ĖPNV-Anbindung gibt, wird sie selten angenommen angesichts riesigen kostenlosen Parkm√∂glichkeiten. Nachhaltig umweltbewu√ütes Verkehrswahlverhalten wird also verhindert. Schw√§chung gewachsener Stadtteilzentren: Dezentrale Freizeitgro√üanlagen sind eine starke Konkurrenz f√ľr nat√ľrlich gewachsene Standorte und f√ľhren zu deren Funktionsentleerung. Zus√§tzlich wird aufgrund nicht angepa√üter Architektur das Stadt- oder Landschaftsbild verfremdet. Zus√§tzlicher Freizeit-auto-verkehr ensteht aufgrund ausgedehnter Einzugsbereiche und Pkw-Orientierung. Umweltbelastungen durch hohen Fl√§chenverbrauch und -versiegelung, Erzeugung zus√§tzlichen Freizeitverkehrs, Energieverbrauch, Entsorgung etc. Abh√§ngigkeitsverh√§ltnis der Stadt/Gemeinde zu internationalen Gro√übetrieben. Zukunftsunsicherheit, da f√ľr unrentable Anlagen kaum Nachfolgenutzungen m√∂glich sind.

5 Entwicklungslinien und Trends

Die Bedeutung des Freizeitsektors hat in den letzten drei Jahrzehnten stark zugenommen und die Umsätze der Freizeitindustrie steigen. Wachstums- und Erfolgsfaktoren lassen eine Fortsetzung der expansiven Entwicklung von Freizeitgroßprojekten erwarten, jedoch wird sich voraussichtlich Ende des Jahrzehnts bzw. Jahrtausends die Wachstumsphase verlangsamen.

In den letzten Jahren haben besonders Freizeitparks in den Erhalt und die Modernisierung investiert, um verstärkt Wiederholungsbesucher anzuziehen. Ebenso wird versucht, eine Nach- oder Zwischensaison zu etablieren. Zudem zeichnet es sich ab, dass sich die Einzugsbereiche von Großprojekten weiter vergrößern. Die Betreiber versuchen z.B. durch Gruppenreisenangebote oder die Bereitstellung von Übernachtungsmöglichkeiten auch den Ferneinzugsbereich zu erschließen.

Betrachtet man die Entwicklungen von multifunktionalen Großveranstaltungshallen im Ausland, so ist auch in Deutschland eine Zunahme der Ansiedlung zu erwarten. Bei der Planung von Arenen ist zu beobachten, dass versucht wird, die hohen Kapital- und Betriebskosten durch das Angliedern von hochrentablen Komplementärnutzungen (z.B. Freizeit-, Sport-, Wohn-, Gewerbe- und Dienstleistungsnutzungen) zu decken. Eine Entwicklung vom Standort der einzelnen Arena zu komplexen multifunktionalen Arealen ist absehbar.

Bei Multiplex-Kinos wird sich eine weitere Marktdurchsetzung bemerkbar machen. Die Constantin-Warner-Cinemas GmbH plant f√ľr die n√§chsten f√ľnf Jahre etwa 15 weitere Gro√ükinos. Die Markts√§ttigung wird auf 50 Multiplex-Kinos in Deutschland gesch√§tzt. United Cinemas International (UCI) h√§lt f√ľr die n√§chsten f√ľnf Jahre knapp 15 weitere Multipexe f√ľr tragf√§hig.


Literaturverzeichnis

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Hatzfeld, U./ B. Temmen (1994a), Raumplanung in "fun-tastischen" Zeiten. In: Der Städtetag 2/1994, S. 80ff.

Hatzfeld, U./ B. Temmen (1994b), Die "Auto"matisierte Freizeit. Kommerzielle Freizeitgroßeinrichtugen als Verkehrsproblem. In: Informationen zu Raumentwicklung, Heft. 5/6, S. 363-376.

Hauptverband Deutscher Filmtheater e.V. (1995), Geschäftsbericht 1995. Wiesbaden.

Institut f√ľr Landes- und Stadtentwicklungsforschung des Lades Nordrhein-Westfalen (ILS) (Hrsg.) (1994), Kommerzielle Freizeitgro√üeinrichtungen, D√ľsseldorf. =Bausteine f√ľr die Planungspraxis in NRW 17.

Mielke, B./ H. Sander/ H. Koch (1993), Großflächige Freizeitzentren. In: ILS (Hrsg) (1993), Großflächige Freizeiteinrichtungen im Freiraum - Freizietparks und Ferienzentren. Duisburg, S. 9-72.

Ministerkonferenz f√ľr Raumordnung (1992), Entschlie√üung "Gro√üfl√§chige Freizeiteinrichtungen in der Raumordnung und Landesplanung" vom 14. Februar 1992.

Schill, Carl Otto (1990), Industrielle Standortplanung. Frankfurt, Bern, New York, Paris: Peter Lang Verlag

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