Ohne einander

1.1 Die Darstellung der Thematik

Martin Walsers Roman "Ohne einander" erschien 1993 und kn├╝pft thematisch an seine Novelle "Ein fliehendes Pferd" und den Roman "Brandung" an, indem er den Problemkreis der Vereinsamung, der Entfremdung des Individuums, der Beziehungslosigkeit, der Sexualit├Ąt und vor allem der Kommunikationslosigkeit wieder aufgreift.

Weiterhin l├Ąsst sich in Walsers Roman die Kritik an der Gesellschaft als Thema wiederfinden.

In Walsers Roman "Ohne einander" spiegeln sich die aufgez├Ąhlten Problemkreise im Leben der einzelnen Figuren des Romans wieder.

Allein wie es schon der Romantitel "Ohne einander" ausdr├╝ckt, gibt es kein Leben miteinander mehr, bzw. zwischen den Romanfiguren sonder es lebt jeder sein eigenes Leben, so dass es zu keiner Kommunikation zwischen den Romanfiguren mehr kommt.

1.2 Die Skizze des Inhalts

Der Roman "Ohne einander"(1993) handelt von einer Trag├Âdie, der Familie Kern, in der es kein Miteinander mehr gibt. Die Handlungen des Romans spielen sich in M├╝nchen und am Starnberger See ab. In sich ist de Roman in drei Kapitel aufgeteilt, Ellen, Sylvi, Sylvio.

Ellen ist eine Mitarbeiterin beim Magazin DAS. Ihr Mann Sylvio ist von Beruf Apotheker, wurde jedoch Romanschriftsteller.

Als Ellen beauftragt wird einen philosometischen Bericht ├╝ber den Film "Hitlerjunge Salomon" zu schreiben ist sie jedoch nur in Gedanken beim Ernest- M├╝ller- Ernest (EME), der ein erfolgreicher Gesch├Ąftsmann ist. Unterst├╝tzung zu diesem Bericht, bekommt sie daher von Wolf Koltzsch, dem Fehlerverbesserer des Magazins, der als Gegenleistung jedoch die sexuelle Hingabe von Ellen verlangt.

Sylvi, die Tochter der Familie Kern, hat schon verschiedene Berufe hinter sich und hat sich nun schlie├člich f├╝r eine Sportart, das Surfen entschieden.

Eines Tages erh├Ąlt Sylvi von ihrer Mutter den Auftrag, ihren Vater Sylvio und den Bruder Alf aus dem Haus zu schaffen, bevor Ernest bei ihnen zu Hause eintrifft. Sylvi schafft es jedoch nicht den Bruder und den Vater aus dem Haus zu schaffen und so kann sie ein Aufeinandertreffen von Sylvio und Ernest nicht verhindern. Das Aufeinandertreffen von Sylvio und Ernest verl├Ąuft jedoch so gut, dass es sogar zwischen den beiden zu einer freundschaftlichen Beziehung kommt, in der sich Ernest sogar um Sylvio k├╝mmert, der sich n├Ąmlich den Kn├Âchel verstaucht hat

Eines Tages nimmt Sylvi, Ernest mit zum Surfen an den Starnberger See mit, wo Ernest sich auch gleich in Sylvi verliebt. Als Ernest sich beim Surfen zuviel zutraut, ertrinkt er in dem vom Sturm aufgew├╝hlten See.

Sylvio wird als Romanschriftsteller stets von dem Kritiker K├Ânig, "Erlenk├Ânig" genannt kritisiert, der auch gro├čen Einflu├č bei Sylvios Verleger Herzog hat. Zudem ist Sylvio noch Alkoholiker und nimmt auch von den Seitenspr├╝ngen seiner Frau Ellen kaum Kenntnis, oder sieht sie eher gelassen. In seinen Romanen verarbeitet er seine Erlebnisse und verleiht ihnen dabei wie er meint, erst die echte Wirklichkeit. Immer wieder bricht er in seitenlange Erfindungen mit seinen Romanfiguren aus, die alle der Wirklichkeit nachgebildet sind.

Als Annelie Franz hinzukommt, die Sylvios Romane gelesen hat, verf├╝hrt sie ihn, woraus jedoch nur eine kurze Aff├Ąre wird, denn auch Sylvio ist Seitenspr├╝ngen, vor allem mit Bewundern seiner Romankunst durchaus nicht abgeneigt.

Der Alf Bruder ist eher eine Nebengestalt, da er tagelang in einer Halle, in seinem Lehnstuhl sitzt und nur vor sich hintr├Ąumt. Arthur, ein Posaunenspieler, der in Sylvi verliebt ist, spielt genauso wie seine Schwester Katharina, die mit ihren f├╝nfzehn Jahren leichtlebig und unerfahren ist eine weitere Nebengestalt.

Die Charakteristik der sprachlichen Gestaltung des Werkes insgesamt

Martin Walsers Roman "Ohne einander" zeichnet sich besonders durch wortreiche Kleinheit aus. Denn auch dieser Roman lebt von einer F├╝lle von Details und Winzigkeiten.

Als Beispiel k├Ânnte man in dem Roman die genaue Beobachtung der K├Ârperdetails hervorheben, der H├Ąnde (Seite 88), aber vor allem der Gesichtspartien, Augen, Nase, Mund und Ohren. Wie in einer Gro├čaufnahme beschreibt Walser Sylvios Bewegung mit dem Mund und seine Ohren: "seine Lippen zu diesem Ku├čm├╝ndchen zusammenschob",

(Seite 110) oder "...diese gro├čen Ohren..., die Ohren ihres Vaters seien noch nie so gro├č gewesen" (Seite 110).

Bei der Beschreibung der Surfpartien greift Walser, selbst Segler, auf die Fachsprache zur├╝ck, wobei der Leser mit Begriffen, wie "Schot", "Gabelbaum" (Seite 131), "pumpen" (Seite 149) und "Halse" (Seite 150) konfrontiert wird.

Vor allem schenkt Walser seine volle Aufmerksamkeit Nomen und Adjektiven bei Beschreibungen der Personen, wie: "...junger, freier, entwickelter, mutiger, fortschrittlicher" (Seite 182), "...vollkommen, unglaubw├╝rdig, ├╝berw├Ąltigend" (Seite 183), bei einigen anderen Aufz├Ąhlungen kann man auch von einem Nominalstil sprechen, wie: "Kapitalist, Kommunist, Anarchist, Atheist, Nationalist, Militarist, Pazifist, Satanist, Sadist, Masochist, Liberalist, Bestialist (Seite 20) und "... die Psychoanalyse, den Marxismus, Strukturalismus, Dekontruktivismus..." (Seite 187).

Seit seinem Schw├Ącheanfall hat die Syntax bei ihm eine neue Bedeutung bekommen.

In der einfachen Parataxe, in Satzfetzen und Ellipsen ist das assoziative Denken der Figuren sprachlich umgesetzt, wie das folgende knappe Zitat belegen kann: "Die Verbindung war trostloser jetzt. Sie war trostlos. Eine reichwirkende Trostlosigkeit." (Seite 163).

Walsers bildreiche Sprache umfa├čt Metaphern, Vergleiche, Wortspiele, Wortneusch├Âpfungen wie: "Selbstdurchschauungsunf├Ąhigkeit" (Seite 63), "Abwesenheitsdemonstration" (Seite 108) und "Restlosverschmelzungsphilosophie" (Seite 185).

Diese Wortsch├Âpfungen bekommen besonders durch die L├Ąnge der Komposita besonderes Gewicht.

In diesen Neusch├Âpfungen und Metaphern formulieren die Personen Ihre momentanen Stimmungen, ihre Lebenssituation und die Deutung des Gegen├╝bers.

Auff├Ąllig sind auch die h├Ąufigen Wortwiederholungen, die dabei mehrere Funktionen ├╝bernehmen.

Besonders gut l├Ąsst sich das an einem Beispiel zeigen wie: "Die Welt nicht liefern als Scheu├člichkeit... nicht Scheu├čliches mehr sehen... als etwas scheu├čliches seine Scheu├člichkeit (Seite 134).

Walser formuliert einen Gedanken mehrfach um, wenn ihm dieser besonders wichtig erscheint.

Die Wortwiederholungen verleiht dem Gedanken besonderen Nachdruck und macht auch bei einigen auf Schl├╝sselworte aufmerksam. "Aussicht" (Seite 82)", "Hexe" (Seite 141).

Eine weitere Besonderheit f├Ąllt auch immer wieder im Roman auf:

Die Umgangssprache, die zwischendurch immer wieder im Roman auftaucht. "Na dann machen Se' s doch passend, ich wart' derweil." (Seite 219), "Feigling find' ich 'ne gro├čes Buch." (Seite 219).

2.2 Die detaillierte sprachliche Analyse einer typischen Passage

...,,Es klopfte, eintrat der Studienrat.

Ex officio komme er, aber con amore. Zu diesem Spruch verbeugte er sich so gut es ging.

Wenn sie hier Namen zu vergeben h├Ątte, hie├če der Alberich oder Mime. Dass das zwergenhafte boshafte herausgekommen w├Ąre. Studienrat, dieses durchaus harmlose Wort erhielt in Verbindung mit diesem heuchlerischen Finsterling eine geradezu d├Ąmonische Ladung.

Ellen kritisierte jeden, der Wolf Koltzsch in ihrer Gegenwart Studienrat nannte.

Ellens Vater war Oberstudienrat gewesen. Franz├Âsisch und Latein. Ihr geliebtes Franz├Âsisch hatte sie von ihm.

Er hatte sich fr├╝hzeitig pensionieren lassen m├╝ssen. Zu wenig Humor hatte er gesagt. Ihm sei der Humor vergangen.

Und war gleich gestorben.

Il faisait ses adieux. Die Mutter hatte die Todesursache Seeleninfarkt genannt.

Koltzsch sollte man nicht Studienrat nennen, sondern Tartuffe. Aber darin k├Ąme das k├Ârperliche zu wenig vor. Die kurzen Beine, der lange Oberk├Ârper, dieser riesige Kopf, der schleichende Gang, die lauernde Haltung.

Und dazu noch dieser komische Bart, der auf dem sonst so spiegelglatt rasiertem Gesicht so umgeh├Ąngt wirkte. An den Ohren aufgeh├Ąngt -, so sah dieser Bart aus. Eigentlich wartet man andauernd darauf, dass Koltzsch diesen Bart lachend abnehme und in den n├Ąchsten Papierkorb werfe. Man wartete vergeblich. Und wie der dieses Gesicht, dass er meistens leicht nach vorne gesenkt trug, pl├Âtzlich heraufschraubte. Er hob es nicht einfach, sondern beschrieb eine Kurve, als m├╝sse er, um aus seiner Lauer aufzutauchen, Schwung nehmen"...

In der voran aufgef├╝hrten Passage lassen sich einige besonders auff├Ąllige sprachliche Besonderheiten feststellen. Zuerst einmal f├Ąllt auf, dass es sich um einen Kurzsatzstil handelt, der unter anderem durch die Anh├Ąufung von Parataxen zu erkennen ist. "Die kurzen Beine, der lange Oberk├Ârper, der riesige Kopf...". Durch diese Schreibform wird das Aussehen und die Bewegung der Person Koltzsch genauestens beschrieben und auch gleichzeitig damit charakterisiert. Auch die ├Ąu├čerst knappen sprachlichen Mittel sind besonders auff├Ąllig, welche oft dann eine bestimmte Kommunikationssituation betreffen. "Man wartete vergeblich. Und wie der dieses Gesicht,..."

Die Mimik und die Gestik der Figuren, werden durch Anh├Ąufungen von Adjektiven besonders deutlich dargestellt und beschrieben. Wie zum Beispiel: "Der riesige Kopf," "...schleichende Gang..." "... lauernde Haltung..." dr├╝cken eine gewisse Gestik aus.

Besonders deutlich hervorgehoben werden die K├Ârperdetails, weshalb man hier auch von einer bildhaften Sprache sprechen kann. "An den Ohren aufgeh├Ąngt -, so sah dieser Bart aus."

Durch diese bildhafte Sprache sind die Figuren viel leichter f├╝r den Leser vorzustellen.

Einige Wortwiederholungen, wie sie aber nicht nur hier in der typischen Passage auftauchen, sollen auf besondere wichtige und bedeutende Sachen aufmerksam machen. Wortwiederholungen tauchen meist in S├Ątzen hintereinander auf. "Zu wenig Humor...". "Ihm sei der Humor...". Dieses Wort "Humor" hat im Bezug auf Ellens Vater eine hohe Bedeutsamkeit, da er ja anscheinend an seinem ihm schon l├Ąngst vergangen Humor gestorben war. Somit hat dieses Wort "Humor" eine sehr bedeutende Funktion f├╝r Ellens Vater gehabt.

Au├čergew├Âhnlich in dieser Sprachform sind die Fremdspracheneinsch├╝be, wo es sich einmal um Franz├Âsisch "Il faisait ses adieux" und dann noch mal um Latein "Ex officio komme er, aber con amore" handelt. Diese Fremdspracheneinsch├╝be kommen jedoch nicht nur in dieser Passage vor, sondern tauchen immer wieder im ganzen Roman auf. Weiterhin f├Ąllt auf, dass in S├Ątzen, wo Ellen von W. Koltzsch redet der Konjunktiv gebraucht wird, womit deutlich ausgedr├╝ckt wird wie es vern├╝nftiger oder besser w├Ąre ihn zu nennen. "Koltzsch sollt...".

2.3 Die Frage nach der Angemessenheit der sprachlichen Mittel

Die sprachlichen Mittel sind im Bezug auf den Inhalt schon angemessen, da sie auf den Inhalt deutlich bezogen sind und auch Zusammenh├Ąnge klar machen. Dies kommt zum Beispiel bei den Fremdspracheneinsch├╝ben vor, welche im Roman von Ellen ausgehen und somit ihre Fremdsprachenkenntnis mit einbeziehen. Eine hohe Bedeutsamkeit haben diese Fremdspracheneinsch├╝be besonders f├╝r den Leser, da er dadurch auf eine wichtige Stelle im Text hingewiesen wird und zwar ohne eine Vorank├╝ndigung. Die Wiederholungen einiger S├Ątze machen auf inhaltlich wichtige Aspekte aufmerksam und sind durch diese Wiederholung f├╝r den Leser kaum zu ├╝bersehen.

Aufgrund der kurzen S├Ątze, die f├╝r diesen Roman typisch sind, kann es schon mal vorkommen, das der Leser den Satz noch einmal lesen muss, um den Inhalt richtig erfassen zu k├Ânnen.

Allgemein l├Ąsst sich trotz einiger sprachlichen " Hindernisse" f├╝r den Leser der Inhalt erfassen, da der Leser immer wieder aufs Wichtige hingewiesen wird.

3.1 Die Biographie des Autors

Martin Walser wurde am 24. M├Ąrz in Wasserburg am Bodensee geboren. Walsers Eltern besa├čen einen kleinen Gasthof und so wurde der wirtschaftliche Konkurrenzkampf einer der st├Ąrksten Kindheitserinnerungen denen er im Familienleben ausgesetzt war. Au├čer der Gastwirtschaft betreiben die Walsers nebenbei einen kleinen Kohlehandel, wo von dem 11 Jahre alten Martin auch k├Ârperlicher Einsatz f├╝r seine Familie abverlangt wurde, als sein Zuckerkranker Vater mit 49 Jahren starb. Walsers Mutter, die von einem Bauernhof stammte, ├╝bernahm das Gesch├Ąft und f├╝hrte es mit Ihren drei S├Âhnen weiter.

Das der junge Martin sich so unsicher und minderwertig f├╝hlte, lag wohl an dem, auf die Familie dem├╝tigend wirkende, Schicksal des Vaters.

Die pers├Ânlichen und famili├Ąren Erlebnisse erkl├Ąren wahrscheinlich Walsers einf├╝hlsame Portr├Ąts von sozial verunsicherten und Versagern in seinen H├Ârspielen, Theaterst├╝cken und Romanen.

Martins Mutter ├╝berstand die Krisen mit Hilfe ihres katholischen Glaubens, der ihr auch ├╝ber den Nationalsozialismus hinweggeholfen hatte.

Von 1938- 1943 besuchte Walser die Oberschule in Lindau und kam dann 1944-45 zum Arbeitsdienst und zum Milit├Ąr.

1946 holte Walser sein Abitur nach, da er 1943 als Flakhelfer eingezogen worden war.

Im September 1946 immatrikulierte sich Walser an der theologisch- philosophischen Hochschule Regensburg, wo er sich besonders eng dem Studententheater anschlo├č und ihm die Studentenb├╝hne wichtiger wurde als das Studium.

1951 wurde er bei Friedrich Beissner mit der Beschreibung einer Form, Versuch ├╝ber die epische Dichtung Franz Kaffkas (T├╝bingen 1952) promoviert.

Durch die Arbeit am auf der B├╝hne verschaffte Walser sich Kontakte, als er dann im April 1948 nach T├╝bingen wechselte.

Durch Heinz Schoeppes F├╝rsprache wurde Walser in das T├╝binger Ensemble aufgenommen, wo er sich als Schauspieler, Texter und Organisator bet├Ątigte.

Im Jahre 1948 fand die W├Ąhrungsreform statt, was zur Folge hatte, dass seine Mutter ihm das Studium nicht mehr bezahlen konnte. Durch seine Theaterbeziehungen bekam er das Angebot nach Stuttgart in den Rundfunk zu gehen um selber Geld zu verdienen.

Die Notwendigkeit Geld zu verdienen verst├Ąrkte sich, als er 1950 Katharina Neuner- Jehler, die wie Walser aus einem Gasthaus stammte, heiratete und dann auch 1952 ihre erste Tochter geboren wurde.

Von 1949-57 war Walser Mitarbeiter beim S├╝ddeutschen Rundfunk und Fernsehen, was f├╝r ihn auch eine willkommene Einkommensquelle war.

Walsers T├Ątigkeit f├╝r den SDR war sehr vielschichtig.

Da man ihn im Kabarett in T├╝bingen kennengelernt hatte, wurde er zuerst in die Unterhaltungsabteilung geschickt, dann arbeitete er in der politischen Abteilung als Reporter, bevor er dort kurzfristig Redakteur wurde.

1953 stie├č Walser zur Gruppe 47, wo er des Kaffka- Epigonentums bezichtigt wurde.

Zwei Jahre sp├Ąter jedoch wurde er f├╝r seine Erz├Ąhlung des Bandes "Ein Flugzeug ├╝ber dem Haus und andere Geschichten (1955) mit dem Preis der Gruppe ausgezeichnet.

In der Folgezeit f├╝hrten ihn Vorlesungsreihen zur Poetik u.a. in die USA, eine Erfahrung, die sich vor allem im Roman Brandung (1985) niederschlug.

1981 erhielt Walser den Georg- B├╝chner- Preis und 1987 das Bundesverdienstkreuz.

Walsers erster Roman "Ehen in Philipsburg"(1937), beschreibt die Karrieregesellschaft in einer s├╝ddeutschen Gro├čstadt.

Ein weiterer Roman wo der Antiheld Anselm Kristlein hei├čt ist der Roman "Halbzeit"(1960).

Erweitert wurde die Trilogie mit:,, Das Einhorn"(1966) "Der Sturz" (1973). Im Roman "Halbzeit", ist eine sp├Âttische Bestandsaufnahme der bundesrepublikanischen Gesellschaft der 50-er Jahre.

Um Anpassung und gesellschaftliches Fortkommen geht es auch in Walsers Theaterst├╝ck "Eiche und Angora"(1962). Ein weiteres St├╝ck "Zimmerschlacht" (zusammen mit " Der Abstecher"; 1967), karikierte Walser das Rollenverhalten in einer Ehe.

Der Roman " Brief an Lord Liszt"(1982)ist die Selbsttherapie einer schweren narzi├čtischen St├Ârung, der Abstieg in einer Privath├Âhle. Walsers Helden sch├Ąmen sich unentwegt kleinster Vergehen und entwickeln Schuldgef├╝hle, die ihnen schlie├člich ├╝ber den Kopf wachsen.

In "Verteidigung der Kindheit" (1991), l├Ąsst W. seinen Helden Alfred Dorm das Leben als

Erwachsenen verweigern.

Weitere Werke:

- Prosa L├╝gengeschichten nach 1964: Fiction 1970; Die Gallistl'sche Krankheit 1972; Jenseits der Liebe 1976; Ein fliehendes Pferd 1978; Seelenarbeit 1979; Das Schwanenhaus 1980; Brandung 1985; Dorle und Wolf 1987; Jagd 1988; der Gedichtband Zauber und Gegenzauber (1995).

- Dramen: ├ťberlebensgro├č Herr Krott (1964); Der Abstecher(1967); Ein Kinderspiel (1970); In Goethes Hand (1982) und Die Ohrfeige (1986).

Zahlreiche Werke Walsers wurden auch verfilmt, darunter: Eiche und Angora (1964), Das Einhorn (1977), Der Sturz (1978), Ein fliehendes Pferd (1986).

3.2 Die Stellung des Werkes in der Vita des Autors

Martin Walsers Roman " Ohne einander" erschien 1993 und wurde vom Suhrkamp Verlag ver├Âffentlicht. Thematisch kn├╝pft der Roman "Ohne einander" an Walsers vorherigen Werke, der Novelle, ein fliehendes Pferd und dem Roman Brandung an. Die Novelle und der Roman gelten auch als zwei seiner besten Arbeiten.

Weiter ist jedoch leider nichts ├╝ber die Stellung des Werkes in der Vita bekannt.

Ist die Thematik ein abstruser Einzelfall oder wird mit dem Besonderen auch Allgemeines erfa├čt?

Die Thematik des Romans " Ohne einander" ist kein Einzelfall, sondern erfa├čt auch Allgemeines.

Allein wie es der Titel des Romans " Ohne einander" schon ausdr├╝ckt, gibt es unter den Figuren im Roman kein leben miteinander mehr, sondern jeder isoliert sich vor dem anderem und lebt nur noch f├╝r sich. Diese Isolation der Menschen und das jeder nur noch f├╝r sich im Leben k├Ąmpft, spiegelt der Roman auf die heutige Gesellschaft bezogen sehr gut wieder. Denn auch heute ist immer deutlicher zu sehen, dass es nur noch um den Kampf des Einzelnen in unserer Gesellschaft geht und nicht mehr der gemeinsame Kampf und Zusammenhalt unter einander besteht.

Sehr deutlich sieht man diese "K├Ąmpfe" untereinander in der Berufswelt, wo jeder Einzelne darauf bedacht ist Karriere zu machen und dabei das Miteinander leben gar nicht mehr beachtet. Auch dieses Thema, der Kampf des Einzelnen im Berufsleben wird im Roman sehr gut wieder gespiegelt. Ganz besonders deutlich wird das an den Figuren, Ellen, die als Redakteurin versucht weiter auf zusteigen und ihr Mann Sylvio der mit seinen Romanen erfolgreich werden m├Âchte. Obwohl Ellen und Sylvio sich gegenseitig unterst├╝tzen k├Ânnten k├Ąmpft jeder f├╝r sich alleine.

Ein weiteres zentrales Thema im Roman ist das Fremdgehen der Figuren untereinander, wie es bei Ellen und Sylvio vorkommt, obwohl sie ja verheiratet sind. Aber wie auch schon im Roman geschildert ist es f├╝r Sylvio und Ellen unbedeutend, ob einer von ihnen ein Verh├Ąltnis mit jemand anderem hat.

Diese Gleichg├╝ltigkeit wie sie in Sachen Beziehung im Roman dargestellt werden, ist auch heut zu Tage kein Einzelfall mehr, sondern schon fast allt├Ąglich. In unsere Gesellschaft wird das Thema "Fremdgehen" in den meisten Beziehungen nicht mehr gro├č angesprochen, sondern wird einfach geduldet.

Auch die Ehe an sich, wie sie im Roman zwischen Ellen und Sylvio dargestellt wird, ist in der heutigen Zeit schon normal. Dieses aneinander vorbei leben und das Desinteresse gegenseitig, wie es die Ehe von Sylvio und Ellen widerspiegelt, kommt in vielen Ehen unserer Gesellschaft auch vor.

Gelingt ├╝ber die gew├Ąhlten Inhalte die Kontaktaufnahme zur Leserin / zum Leser ?

Meiner Meinung nach gelingt die Kontaktaufnahme zur Leserin / zum Leser recht gut, da die Themen die im Roman dargestellt werden auch noch heute sehr aktuell sind. Die Themen die auch noch in der heutigen Gesellschaft auftauchen sind sie somit f├╝r den Leser / die Leserin auch interessant.

Da der Autor sehr bildlich und detailliert schreibt, kann sich der Leser /die Leserin alles genau vorstellen und vielleicht auch in die eine oder andere Figur hineinversetzen.

Anhand der aufgez├Ąhlten Kriterien w├╝rde ich den Roman nicht als sperrig, oder als eine Qual ansehen.

Die Bedeutung der Stilistik f├╝r die Rezipienten: "lesbar" oder nicht ?

Um Wiederholungen zu vermeiden lesen Sie sich bitte den Punkt 2.3 und den Punkt 4.1.1 durch.

Dabei finden Sie die Antworten auf die in der ├ťberschrift formulierte Frage.

Skizze eines produktorientierten Interpretationsansatzes

Zu dem Roman " Ohne einander" lassen sich einige Biographische Bez├╝ge zwischen M. Walsers Leben und dem Roman ziehen.

Schon in fr├╝herer Kindheit lernte Walser das Konkurrenzdenken. Seine Eltern besa├čen einen Gasthof und als sein Vater stirbt muss er den Kohlehandel weiterf├╝hren den sein Vater nebenbei betrieben hatte.

Und diesen Aspekt des "Konkurrenzdenkens" in der Gesellschaft greift Walser in seinem Roman wieder auf, was sich sehr deutlich an den Figuren Sylvio und Ellen widerspiegelt. Die Figuren Sylvio und Ellen sind n├Ąmlich auch sehr deutlich vom Konkurrenzdenken gepr├Ągt, da jeder nur an seinen eigenen Erfolg und sein eigenes Wohl denkt und nicht dabei dem anderem hilft.

Ein weiterer Aspekt der zu vergleichen ist, ist Walsers Heimat, die er in dem Roman mit einbezieht

Geboren ist Walser n├Ąmlich in Wasserburg am Bodensee.

In dem Roman gibt Walser den Starnberger See und M├╝nchen als Schauplatz an, welche sich in gewisser Weise mit seiner Heimat vergleichen lassen, da sie von der Umgebung und Lage ├Ąhnlich sind.

Das Haus der Familie Kern liegt direkt am See, wie es im Roman genaustens beschrieben wird.

Es l├Ąsst sich auch ein Bezug zwischen Walsers Hobby, dem Segeln und dem Roman finden.

Die Romanfigur Sylvi ist n├Ąmlich leidenschaftliche Surferin und kann durch das Surfen mit Walsers Hobby gleichgesetzt werden. Im Roman l├Ąsst sich n├Ąmlich gut der Bezug vom Surfen zu Walsers Segeln zeigen, da er Fachw├Ârter ohne weiteres mit einbezieht und auch ansonsten ├╝ber die Sportart genauste Informationen liefert.

Zum Schlu├č l├Ąsst sich noch eine wichtige Gemeinsamkeit zwischen Walsers Jugend und der Romanfigur W. Koltzsch zeigen. Fr├╝her hatte Walser immer Angst vor der Schule, wo auch noch Minderwertigkeitsgef├╝hle hinzu kamen. Und da diese ├ängste des Jugendalters mit der Midlife-crisis eng zusammenh├Ąngen, versucht Walser seine Gef├╝hle mit der Figur W. Koltzsch auszudr├╝cken, wo m├Âglich zu verarbeiten. Denn W. Koltzsch will immer noch jung und sportlich bleiben, was sich im Roman sehr deutlich an den Gef├╝hlen zu der jungen Sylvi zeigt, mit der er auch sp├Ąter noch surfen geht, trotz seines hohen Alters.

Allgemein l├Ąsst sich sogen, dass es viele Figuren im Roman gibt die Bez├╝ge zu Walsers Leben darstellen und somit auch verk├Ârpern.

Zusammenfassende Darstellung der Rezeptionsgeschichte

Zu diesem Roman, gab es aus Gr├╝nden des sp├Ąten Erscheinungsdatums (1993) keine Materialien zur Erfassung der Rezeptionsgeschichte.

Zusammenfassendes Urteil

Insgesamt l├Ąsst sich zu dem Roman " Ohne einander" sagen, dass es in Sprache, Aufbau und Inhalt ein eher traditioneller Roman ist, in dem die Realit├Ąt der heutigen Zeit widergespiegelt wird.

Es ist jedoch ein anspruchsvoller Roman, der den Leser/ die Leserin auch mal zum wiederholten lesen zwingt und damit auch zum nachdenken anregt, was es zum Beispiel mit der Umgangssprache, oder den Fremdsprachen im Roman auf sich hat.

Trotz einiger "Leserhindernisse" erfa├čt der Leser/ die Leserin jedoch immer wieder den Inhalt des Romans und wird auf die wirklich wichtigen inhaltlichen Sachen hingewiesen. (siehe 2.3)

Weiterhin ist der Roman teilweise auch spannend geschrieben, da er folgendes erst einmal dem Leser /der Leserin vorenth├Ąlt und damit Anregungen zur eigenen Phantasie l├Ąsst.

Allgemein l├Ąsst sich der Roman weiter empfehlen, wobei er nicht als Bettlekt├╝re geeignet ist, da er wie schon die oben angesprochenen "Leserhindernisse" enth├Ąlt und der Leser/ die Leserin dabei schon etwas tiefgr├╝ndiger lesen muss, um den Inhalt auch richtig erfassen zu k├Ânnen.

8. Literaturverzeichnis

Autorenb├╝cher: Herausgegeben von Heinz Ludwig Arnold und Ernst- Peter Wilckenberg

Herausgegeben von C. H. Beck' sche Verlagsbuchhandlung (Oscar Beck) M├╝nchen 1980.

Marcel Reich- Ranicki: Martin Walser

Herausgegeben 1994 vom Amman- Verlag und Co. Z├╝rich

3464 Worte in "deutsch"  als "hilfreich"  bewertet