Ciceros erste Rede gegen Catilina

1. Wie lange wirst du eigentlich noch unsere Geduld missbrauchen

Catilina? Wie lange wird deine Wut uns noch verspotten? Bis zu welcher

Grenze wird sich <deine> z├╝gellose Frechheit br├╝sten? Beeindruckt dich

etwa gar nicht, die n├Ąchtlichen Wachen des Paladins, die Stadtwachen,

die Furcht des Volkes, der Zusammenlauf aller Patrioten (Optimaten),

nicht dieser ├Ąu├čerst befestigte Ort um eine Senatssitzung abzuhalten,

nicht deren (Rede) und Anblick? Merkst du etwa nicht, dass deine Pl├Ąne

offenstehen? Siehst du nicht, dass deine schon lahmgelegte Verschw├Ârung,

durch das Wissen all derer im Griff gehalten wird (beherrscht wird)?

Glaubst du, wir wissen nicht, was du letzte und vorletzte Nacht getan

hast, wo du gewesen bist, wen du zusammengerufen hast und welche

Beschl├╝sse du gefa├čt hast? O, Was f├╝r eine Zeit! O, Was f├╝r Sitten! Der

Senat hat dies durchschaut (erkannt), der Konsul sieht es, dennoch lebt

dieser. Er lebt? Nein, er kommt sogar (auch) noch in den Senat, er nimmt

teilhaftig am Staatsrat teil, er bezeichnet und kennzeichnet mit den

Augen das Blutbad eines einzelnen und das unsrige. Wir aber, die

tapferen M├Ąnner, bilden uns ein den Staat zufriedenzustellen, wenn wir

den Zorn (dessen Zorn) und die Waffen dieses da, meiden. Schon l├Ąngst

h├Ątte man dich, Catilina, den Anf├╝hrer, auf Befehl des Konsuls t├Âten

m├╝ssen, das Unheil, das du gegen uns ersinnst, gegen dich vereinigen

m├╝ssen. Hat nicht ein h├Âchst angesehener Mann, der Oberpriester P.

Scipio Tiberius Gracchus, weil er die Verfassung des Staates nur

geringf├╝gig ersch├╝tterte pers├Ânlich (als Privatmann) get├Âtet? Wollen wir

Konsuln einen Catilina, der den Erdkreis mit Mord und Brand zu verw├╝sten

w├╝nscht gew├Ąhren (vollf├╝hren) lassen? Denn ich ├╝bergehe jene all zu

alten <Ereignisse>, dass C. Servilius Ahala den Sp. Maelius, der sich um

einen Umsturz bem├╝hte mit eigener Hand t├Âtete. Es gab, ja es gab

<tats├Ąchlich> einst in diesem Gemeinwesen dieser Tapferkeit da, dass

tapfere M├Ąnner einen verderblichen B├╝rger mit h├Ąrteren Strafen in

Schranken hielten, als den erbittertsten Feind. Wir haben einen

nachtr├╝glichen und ernsten Senatsbeschlu├č gegen dich Catilina; Es fehlt

dem Gemeinwesen nicht der Ratschlag oder das Ansehen dieses Senats

(Standes): Wir, wir, ich sage es offen, wir Konsuln versagen.

2. Es beschlo├č einst der Senat, dass der Konsul L. Opimius daf├╝r sorgen

solle, dass der Staat keinen Schaden empfange; Keine Nacht verging: Es

wurde wegen einem gewissen Verdacht des Aufstandes (auf Aufruhr) C.

Gracchus, dem ein ├Ąu├čerst ber├╝hmter Vater, Gro├čvater und Vorfahren

waren, get├Âtet; Es wurde M. Fulvius, der Konsul gewesen war, mit seinen

Kindern get├Âtet. Auf ├Ąhnlichem Senatsbeschlu├č wurde der Staat den

Konsuln C. Marius und L. Valerius ├╝berlassen; Hat in der Folge der Tod

und die Strafe des Gemeinwesens den Volkstribun L. Saturninus und den

Praetor C. Sevilius etwa einen Tag warten lassen? Aber wir lassen sogar

schon zwanzig Tage lang die Sch├Ąrfe der Vollmacht derer Stumpf werden.

Wir haben n├Ąmlich einen Senatsbeschlu├č dieser Art, allerdings in den

Urkundenb├╝chern der Quaestoren eingeschlossen, wie in einer Scheide

verborgen, aufgrund dieses Senatsbeschlusses h├Ątte es sich geh├Ârt, dass

du Catilina unverz├╝glich get├Âtet werden m├╝sstest. Du lebst, und du lebst

nicht um deine Frechheit abzulegen, sondern um sie zu festigen. Ich

w├╝nsche meine Herren Senatoren Nachsichtig zu sein, ich w├╝nsche in einer

so gro├čen Gefahr f├╝r das Gemeinwesen nicht leichtsinnig zu erscheinen,

aber schon spreche ich mich selbst der Tr├Ągheit und der

Pflichvergessenheit schuldig. Die Lager sind in Italien in den

Schluchten Etruriens gegen das r├Âmische Volk aufgestellt, die Anzahl der

Feinde w├Ąchst von Tag zu Tag: Aber den Befehlshaber dieser Lager und den

Anf├╝hrer der Feinde sehen wir innerhalb der Stadtmauern, ja sogar im

Senat, dem Gemeinwesen im Inneren tagt├Ąglich irgendein Verderben

schaffen (ins Werk zu setzen). Wenn ich dich Catilina auf der Stelle

ergreifen lasse, wenn ich befehle dich t├Âten zu lassen, werden

sicherlich alle Guten eher sagen, dies sei von mir zu sp├Ąt gemacht

worden als das irgendeiner grausam nennt. Aber ich werde aus einem

bestimmten Grund noch nicht veranlassen, dass zu tun (dass ich dies tue)

was schon l├Ąngst h├Ątte getan werden m├╝ssen: Dann erst sollst du get├Âtet

werden, wenn niemand mehr gefunden werden k├Ânnte (kann), der so dreist

so verrucht, dir so ├Ąhnlich w├Ąre, der bekennen w├╝rde (dass er bekennen

w├╝rde), dass dies nicht mit Recht gemacht worden sei. Solange es irgend

jemand gibt, der es wagt dich zu verteidigen, wirst (sollst) du leben

und du wirst (sollst) so leben, wie du jetzt lebst, von meinen

zahlreichen und zuverl├Ąssigen Wachen (von meiner zahlreichen und

zuverl├Ąssigen Besatzung) belagert, damit du dich nicht gegen das

Gemeinwesen bewegen kannst. Auch werden dich, w├Ąhrend (obwohl) du es

nicht merkst die Augen und Ohren vieler beobachten und bewachen wie sie

es bisher getan haben.

3. Was allerdings gibt es f├╝r einen Grund, Catilina, dass du noch l├Ąnger

wartest, wenn weder die Nacht die verbrecherische (frevelhafte)

Zusammenkunft in Finsternis verbergen kann, noch dein Privathaus die

Stimmen deiner Verschw├Ârung in seinen W├Ąnden festhalten kann, wenn alles

aufgehellt wird, wenn alles ans Licht gebracht wird? Ändere jetzt deine

Gesinnung (diese ... da), glaube mir, vergi├č Mord und Brandstiftung. Du

bist (wirst) von allen Seiten umstellt (eingeschlossen). Heller (Klarer)

als das Licht, sind uns alle deine Pl├Ąne, welche du jetzt mit mir

durchgehen magst. Erinnerst du dich, dass ich am 21. Oktober im Senat

gesagt habe, dass Gaius Manlius, der Spie├čgeselle deiner Frechheit, an

einem bestimmten Tag, welcher der 27. Oktober sein w├╝rde, in Waffen

stehen werde. Ist mir, Catilina, nicht etwa blo├č eine so gro├če, so

abscheuliche und so unglaubliche Sache sondern, was viel

bewundernswerter erscheint der Tag entgangen? Ebenso habe ich im Senat

gesagt, du habest den Mord der (an den) Optimaten auf den 28. Oktober

festgelegt, damals flohen viele adlige B├╝rger aus Rom nicht so sehr um

sich zu retten, als vielmehr um deine Pl├Ąne zu vereiteln. Kannst du etwa

leugnen, dass du gerade an jenem Tag selbst, nachdem du durch meine

Wachposten und meine Umsicht eingeschlossen warst, dich nicht gegen den

Staat bewegen konntest, w├Ąhrend du nach der Abreise der ├╝brigen sagtest,

dass du dich f├╝r uns, die wir zur├╝ckgeblieben waren, mit dem Tod m├Ą├čigst

(zufrieden gibst). Was? Als du darauf vertrautest Praeneste am 1.

November durch einen n├Ąchtlichen Handstreich zu besetzen, hast du <da>

etwa nicht bemerkt, dass jene Kolonie auf meinen Befehl hin, durch meine

Wachmannschaften, Einzelposten und Nachtwachen befestigt war? Nichts

tust du, nichts beabsichtigst du, nichts erw├Ągst du, was ich nicht nur

h├Ârte, sondern auch s├Ąhe und klar (deutlich) wahrn├Ąhme.

4. Erinnere dich mit mir endlich an jene vorletzte (vorige) Nacht: Schon

erkennst du, dass ich viel eifriger ├╝ber das Wohl des Staates wache, als

du ├╝ber sein Verderben. Ich behaupte, dass du vorletzte Nacht in das Haus

des M. Laeca unter den Sensenmachern --- ich tue (will) nichts

verdunkeln --- gekommen bist, <eben> dort sind mehrere Gef├Ąhrten eben

dieses (deines) Wahnsinns zusammengekommen. Wagst du es etwa zu leugnen?

Was schweigst du? Ich werde (es) unwiderleglich beweisen, wenn du (es)

leugnest. Denn ich sehe, dass hier im Senat einige sind, die mit dir

<zusammen> dort waren. Oh ihr Unsterblichen G├Âtter! Wo in aller Welt

sind wir? Was f├╝r ein Staat (Gemeinwesen) haben wir? In welcher Stadt

leben wir? Hier, <ja> hier in unserem Rang, meine Herren Senatoren, in

dieser tugendhaftesten und ehrw├╝rdigsten K├Ârperschaft der Erde, sind sie

(Menschen) die auf unser aller Untergang, die auf das Verderben dieser

(├╝ber diese) Stadt, ja sogar der <ganzen> Erde dr├Ąngen! Ich, der Konsul,

sehe diese und frage sie um ihre Meinung ├╝ber (zum) Staat (Gemeinwesen)

und verletze diese, welche man mit dem Schwert niedermetzeln m├╝sste,

nicht einmal mit der Stimme. Also bist du in jener Nacht bei Laeca

gewesen, Catilina, du hast die Rollen in Italien verteilt, du hast

beschlossen, wo es angenehm w├Ąre, dass ein jeder marschierte (hinginge),

du hast ausgew├Ąhlt, welche du in Rom zur├╝ckl├Ąsst und welche du mit dir

mitnimmst, du hast die Teile der Stadt zum Brand bezeichnet, du hast

bekr├Ąftigt, dass du selbst gleich <die Stadt>verlassen wirst, du hast

gesagt, dass dir noch ein wenig Aufenthalt sei (bliebe), weil ich lebe

(leben w├╝rde). Es wurden zwei r├Âmische Ritter gefunden, die dich von

dieser Sorge befreien wollten und versprachen, dass sie mich am Morgen

des 7. November in meinem Bett t├Âten (und sich anboten mich in jener

Nacht selbst kurz vor Tageseinbruch in meinem Bett zu t├Âten). Dies alles

habe ich erfahren, als ihr noch kaum erst aus der Versammlung entlassen

wart; Mein Haus habe ich durch st├Ąrkere (bessere) Wachposten befestigt

und gest├Ąrkt, ich habe diese, welche du in den Morgenstunden zu mir zum

Gru├č schicktest, abgewiesen, weil jene selbst gekommen waren, welche ich

schon vielen und wichtigsten M├Ąnnern ├Âffentlich bekannt gemacht hatte,

dass sie zu mir zu dieser Stunde kommen w├╝rden.

5. Weil dies so ist, Catilina, mache dich auf (setze fort was du

begonnen hast) endlich einmal aus der Stadt hinauszugehen; Die Tore

stehen offen: Marschiere (Mache dich auf). Allzu lange vermi├čten dich,

den Befehlshaber, jene deine Lager bei Manlia. Nimm auch alle die deinen

mit dir, wenn nicht <alle>, m├Âglichst viele; Reinige die Stadt. Du wirst

mich von einer gro├čen Furcht befreien, wenn nur die Stadtmauer Roms sich

zwischen dir und mir befindet. Unter uns kannst du dich nicht mehr

l├Ąnger aufhalten; Ich werde es nicht ertragen, nicht dulden, nicht

zulassen. Den unsterblichen G├Âttern und diesem Jupiter Stator selbst,

dem ├Ąu├čerst alten W├Ąchter dieser Stadt, muss man gro├čen Dank sagen, dass

wir diesem so abscheulichen, so schrecklichen und dem Staat so feindlich

gesinnten Scheusal schon so oft entflohen sind. Das Staatswohl darf

nicht ├Âfter von einem einzigen Menschen riskiert werden (aufs Spiel

gesetzt werden). Solange du, Catilina, mir dem designierten (dem bereits

gew├Ąhlten, aber noch nicht amtierenden) Konsul nachstelltest habe ich

mich nicht mit ├Âffentlichen Wachposten (durch ├Âffentliche Wachposten),

sondern mit (durch) pers├Ânlicher Sorgfalt verteidigt. Als du bei der

letzten Versammlung zur Wahl der Konsuln, mich und deine Mitbewerber auf

dem Marsfeld t├Âten wolltest, habe ich deinen ruchlosen Versuch durch die

Hilfe und die Truppen meiner Freunde unterdr├╝ckt, ohne dass ├Âffentliche

Unruhe erregt wurde (erregt worden war). ├ťberhaupt, so oft du nur mich

bedroht hast, habe ich mich gegen dich gestellt, obwohl ich sah, dass

mein Verlust mit einem gro├čen Schaden f├╝r den Staat (das Gemeinwesen)

verbunden w├Ąre. Nun bedrohst du schon freim├╝tig (offenkundig) den

gesamten Staat (das gesamte Gemeinwesen), du willst den Tempeln der

unsterblichen G├Âtter, den H├Ąusern der Stadt, dem Leben aller B├╝rger,

<ja> ganz Italien den Untergang und die Verw├╝stung bringen. Nachdem ich

daher, das was zuerst (am naheliegendsten) ist, und was meiner Macht und

den Grunds├Ątzen der Vorfahren zutreffend ist, noch nicht wage zu machen,

will ich das machen, was weniger streng und dem Gemeinwohl n├╝tzlicher

ist. Denn wenn ich befehlen werde (w├╝rde), dich zu t├Âten, wird die

verbliebene Schar der Verschw├Ârer im Staat (Gemeinwesen) zur├╝ckbleiben,

wenn du aber, wozu ich dich schon l├Ąngst aufforderte, weggingst, wird

die gro├če und sch├Ąndliche Kloake des Staates (Gemeinwesens) (von deinen

Gef├Ąhrten) aus der Stadt fortgeschafft werden. Was ist Catilina? Z├Âgerst

du etwa, dies auf meinen Befehl hin zu machen, was du schon freiwillig

machen wolltest? Der Konsul befiehlt dem Staatsfeind, die Stadt zu

verlassen (das der Staatsfeind aus der Stadt gehe). Du fragst mich, etwa

gar in die Verbannung? Ich befehle es <dir> nicht, aber wenn du mich um

Rat fragst, rate ich es <dir>.

6. Was gibt es n├Ąmlich, Catilina, was dich ferner in dieser Stadt

erfreuen k├Ânnte? In dieser gibt es niemanden, au├čer dieser

Verschw├Ârerbande verdorbener Menschen da, der dich nicht f├╝rchtet,

niemanden der dich nicht ha├čt. Welches Kennzeichen famili├Ąrer Schande

ist in deinem Leben nicht eingebrannt? Welche Schandtat des (im)

privaten Umgangs haftet <deinem> Ruf nicht an? Welche Gier war jemals

von deinen Augen, welches Gewaltverbrechen von deinen H├Ąnden, welche

Schandtat von deinem ganzen K├Ârper fern? Welchen Jungen, die du durch

die Reize (Anreize) <deiner> Verf├╝hrungsk├╝nste gefangen hattest, hast du

nicht entweder zur K├╝hnheit das Schwert oder zur Gier die Fackel

vorangetragen (gezeigt). Was aber? Hast du nicht neulich, nachdem du

durch den Mord <deiner> vorigen Ehefrau, dass Haus f├╝r eine neue Hochzeit

feigemacht hattest, auch dieses Verbrechen, durch ein anderes

unglaubliches Verbrechen ├╝berboten? Dies ├╝bergehe ich, und lasse leicht

(m├╝helos) zu, es zu verschweigen, damit in diesem Staat (damit in dieser

B├╝rgerschaft) die Grausamkeit eines so gro├čen Verbrechens (einer so

gro├čen Tat) weder vorhanden noch unbestraft zu sein scheint. Ich

├╝bergehe den Einsturz deines Verm├Âgens, den du g├Ąnzlich an den n├Ąchsten

Iden bemerken wirst; Ich komme <nun>, zu jenen <Dingen>, welche sich

nicht auf die pers├Ânliche Schmach deiner Fehler, nicht auf deine

h├Ąuslichen finanziellen Schwierigkeiten und deine moralische

Verkommenheit, sondern auf die h├Âchsten Staatsinteressen und auf unser

aller Leben und Wohl beziehen. Kann dir etwa dieses Licht, Catilina,

oder die Luft dieses Himmels angenehm (liebensw├╝rdig) sein, w├Ąhrend du

wei├čt (wenn du doch wei├čt), dass es niemanden derer gibt, der nicht wei├č,

dass du am letzten Tag des Jahres 66, unter den Konsuln Lepidus und

Tullus mit einem Dolch in der Volksversammlung gestanden hast, <und> dass

du, um die Konsuln und f├╝hrenden B├╝rger zu t├Âten, eine Hand vorbereitet

hast (bereithieltest), <und> das deinem Verbrechen und deinem Wahnsinn

nicht irgendeine vern├╝nftige ├ťberlegung, oder deine Furcht, sondern das

Gl├╝ck des r├Âmischen Volkes im Wege gestanden sind (entgegenstand). Aber

jetzt ├╝bergehe ich jene --- denn in der (Tat) sind sie weder unbekannt,

und auch sp├Ąter (denn auch danach) sind viele Verbrechen von dir

begangen worden --- wie oft hast du versucht mich als gew├Ąhlten, wie oft

sogar als amtierenden Konsul zu t├Âten? Wie viele deiner St├Â├če, die so

gef├╝hrt waren, dass es nicht m├Âglich schien, sie meiden zu k├Ânnen, habe

ich durch eine ganz kleine Wendung, und wie man <so sch├Ân> sagt, mit dem

K├Ârper vermieden. Nichts richtest du aus, nichts erreichst du und

dennoch h├Ârst du nicht auf es zu versuchen und zu wollen. Wie oft ist

dir schon dieser Dolch aus den H├Ąnden entrissen worden! Wie oft ist er

<dir> durch irgendeinen Zufall herabgefallen und entglitten! Dennoch

kannst du nicht einen Tag auf diesen verzichten. Mit welchen heiligen

Handlungen dieser freilich von dir feierlich geweiht worden ist (sei),

wei├č ich nicht, weil du glaubst, dass es notwendig sei, ihn in den K├Ârper

des Konsuls hineinzubohren.

7. Jetzt vollends, was ist dieses dein Leben (was ist das f├╝r ein

Leben)? So n├Ąmlich will/werde ich nun mit dir sprechen, dass ich nicht

durch Ha├č bewegt erscheine, wie ich m├╝sste, sondern durch Mitleid,

welches du keineswegs verdienst (welches dir keineswegs geschuldet

wird). Du bist vor kurzem (wenig vorher) in den Senat gekommen. Wer hat

dich aus dieser so zahlreich besuchten Versammlung, wer von deinen so

vielen Freunden und engen Bekannten gegr├╝├čt? Wenn dies seit der

Erinnerung der Menschen (seit Menschengedenken), niemandem widerfahren

ist, wartest du auf Beschimpfungen durch Worte, w├Ąhrend du durch das

h├Ąrteste Urteil des Stillschweigens erdr├╝ckt worden bist? Wie kommt es,

dass bei deiner Ankunft diese B├Ąnke leergemacht wurden, dass alle Konsuln,

die du sehr oft zur Ermordung bestimmt hattest, sobald du dich

hingesetzt hast, diesen Teil der B├Ąnke leer und unbesetzt zur├╝cklie├čen,

mit welcher Gesinnung schlie├člich glaubst du <dies> ertragen zu k├Ânnen?

Beim Herkules, wenn mich meine Sklaven auf diese Weise (so) f├╝rchteten,

wie dich alle B├╝rger (deine Mitb├╝rger) f├╝rchten, w├╝rde ich glauben

(glaubte ich) mein Haus verlassen zu m├╝ssen: Glaubst du nicht, die Stadt

verlassen zu m├╝ssen? Und wenn ich s├Ąhe, dass ich meinen Mitb├╝rgern mit

Unrecht (Frevel) so schwer verd├Ąchtigt und verha├čt bin, w├╝rde ich mich

lieber vor dem Anblick der Mitb├╝rger h├╝ten, als von den feindlichen

Augen aller angeschaut zu werden; Obwohl du im Bewu├čtsein deiner

Verbrechen, den Ha├č aller als begr├╝ndet (gerecht) anerkennst und schon

lange <anerkennen> musst, zweifelst du den Anblick und die Anwesenheit

derer zu meiden, denen du Gesinnung und Empfindungen verletzt? Wenn dich

<deine> Eltern f├╝rchteten und ha├čten und du sie nicht durch eine

vern├╝nftige ├ťberlegung bes├Ąnftigen k├Ânntest (und du sie auf keine Weise

vers├Âhnen k├Ânntest), w├╝rdest du dich, wie ich meine, von deren Augen

irgendwohin entfernen. Nun ha├čt und f├╝rchtet dich das Vaterland, welches

uns allen gemeinsam die (eine) Mutter ist, und es ist schon lange der

Ansicht, dass du nichts au├čer seinen Hochverrat (den Muttermord) im Sinn

hast. Wirst du nicht dessen Ansehen, nicht dessen Urteil folgen und

nicht dessen (seine) Macht sehr f├╝rchten. So handelt dieses (wendet sich

an dich) Catilina, und spricht auf eben diese Weise (sozusagen)

schweigend zu dir: "Kein Verbrechen ist schon seit einigen Jahren

hervorgetreten (geschehen/entstanden), au├čer durch dich, keine Schandtat

ohne dich; dir allein ist die Ermordung vieler B├╝rger, dir <allein> die

Mi├čhandlung und Pl├╝nderung der Bundesgenossen straflos und frei gewesen;

du warst imstande nicht nur die Gesetze und Untersuchungen nicht zu

achten, sondern auch sie zu untergraben und zu durchbrechen. Jene

fr├╝heren (Schandtaten) habe ich dennoch wie (so gut) ich konnte

ertragen, obwohl sie nicht zu ertragen waren (obwohl sie unertr├Ąglich

waren); Nun aber ist es nicht zu ertragen, dass ich wegen dir alleine

ganz in Furcht bin (sein muss), dass bei jedem Ger├Ąusch Catilina

gef├╝rchtet wird, <und> das es scheint, das kein Plan gegen mich gefa├čt

werden kann, der von deinem Verbrechen abweicht. Deswegen gehe weg

(weiche) und entrei├če mir diese Furcht; wenn sie begr├╝ndet ist, damit

ich nicht bedr├Ąngt werde, wenn sie unbegr├╝ndet (falsch) ist, damit ich

endlich einmal aufh├Âren kann zu f├╝rchten (in Furcht zu sein).

8. Wenn dieses, das Vaterland, so mit dir spr├Ąche (sprechen w├╝rde), wie

ich <es> gesagt habe, sollte es etwa nichts erreichen, auch wenn es

keine Gewalt anwenden k├Ânnte? Wie kommt es, dass du dicht selbst in

Obhut/Beaufsichtigung (freie Haft) gegeben hast, das du gesagt hast, das

du, um einen Verdacht zu vermeiden bei M. Lepidus (im Hause des M.

Lepidus) wohnen wolltest (willst). Als du von diesem nicht aufgenommen

wurdest, hast du es sogar gewagt, zu mir zu kommen und hast mich

gebeten, dich in meinem Haus zu ├╝berwachen (das ich dich in meinem Haus

├╝berwache). Als du auch von mir diese Antwort erhieltest (erhalten

hattest), dass ich auf keinen Fall mit dir in denselben W├Ąnden sicher

sein k├Ânnte, da ich doch schon in gro├čer Gefahr sei, weil ich von

denselben Stadtmauern umgeben werde (bin), bist du zum Praetor Q.

Metellus gegangen. Als du auch von diesem zur├╝ckgewiesen (verschm├Ąht)

wurdest, bist du weitergegangen zu deinem Spie├čgesellen, dem ehrenwerten

Mann M. Metellus, von dem du nat├╝rlich glaubtest (annahmst), das er

<dich> sowohl am gewissenhaftesten beaufsichtigen, als auch am

scharfsinnigsten dich argw├Âhnisch beobachten und am tatkr├Ąftigsten dich

bestrafen werde. Aber wie weit scheint mir <einer> vom Staatsgef├Ąngnis

und den Fesseln entfernt sein zu m├╝ssen, der sich selbst schon der

Bewachung f├╝r Wert h├Ąlt. Obwohl dies so ist (Obwohl diese so sind)

z├Âgerst du noch, Catilina, wenn du <schon> nicht mit gelassener

Gesinnung (mit ruhigem Geist) sterben kannst, in irgendwelche <andere>

L├Ąnder wegzugehen und dieses Leben, dass vor vielen gerechten und

verdienten Strafen gerettet wurde, der Verbannung und Einsamkeit

anzuvertrauen. Erstatte dem Senat Bericht, sagst du, denn dies forderst

du und du sagst, dass du dich f├╝gen (gehorchen) wirst, wenn dieser Stand

entscheiden sollte (daf├╝r zu stimmen) dich ins Exil zu schicken. Ich

werde es nicht erwidern, weil dies von meinem Charakter (meiner

Gesinnung) abweicht und dennoch mache ich (sorge ich daf├╝r), dass du

erkennst, was diese <Senatoren> von dir denken (halten). Gehe aus dieser

Stadt, Catilina, befreie das Gemeinwesen von der Furcht, gehe

(marschiere) in die Verbannung, wenn du dieses Wort (Stimme) erwartest.

Was ist? Bemerkst du etwa, erkennst du etwa das Schweigen derer (der

Senatoren)?

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