Intelligenz


Quellen: Meyers grosses Taschenlexikon, Geo 7/96, Geo 8/96



Was ist Intelligenz?

(lat. Intellegentia = Vorstellung, Einsicht, Verstand)
Allgemein: Intelligenz äussert sich in der Fähigkeit, anschauliche und abstrakte Beziehungen zu verstehen und in problemlösendem Verhalten.
L. Thurstone hat Intelligenz in folgende Primärfähigkeiten unterteilt:
    sprachliches Verst√§ndnis Assoziationsfl√ľssigkeit Rechengewandtheit R√§umliches Denken Ged√§chtnis Auffassungsgeschwindigkeit schlussfolgerndes Denken



Woher kommt Intelligenz?

Diese Frage konnte bis heute nicht definitiv beantwortet werden. Man nimmt an, dass ein gewisser Teil vererbt wird. Allerdings hat auch die Umwelt sehr grossen Einfluss. Soziales Umfeld, kulturelle Einfl√ľsse, Erziehung, Schulung und Bildung spielen eine Beachtliche Rolle, vor allem in der fr√ľhesten Kindheit.
Man kann nicht pr√ľfen, wieviel vererbt wird. Intelligenz ist nicht einfach ein bestimmtes Gen, das mit bestimmten Eigenschaften vererbt wird, wie dies z.B. bei einigen Erbkrankheiten der Fall ist, sondern ein sehr komplexes Zusammenspiel von vielen Genen. Deshalb ist die Erforschung sehr schwierig.
In unserem Gehirn befinden sich etwa 100 Milliarden Nervenzellen, die f√ľr K√∂rperfunktionen zust√§ndig sind. Nur ein sehr kleiner Teil davon ist bei Neugeborenen schon nach genetisch festgelegten Pl√§nen vernetzt und aktiv. Der grosse Rest wartet auf seine sinnvolle "Verschaltung". Das Kind lernt √ľber einen l√§ngeren Zeitraum sehen, riechen, tasten, h√∂ren und schmecken. Dabei etablieren sich durch st√§ndige Reizverarbeitung feste Schaltkreise aus den 100 Billionen m√∂glichen Schaltstellen im Hirn. So kann auch Intelligenz vor allem in den ersten Lebensjahren zum Teil "gelernt" werden.
Solche Lernvorg√§nge sind jedoch zeitlich begrenzt. Die sprachliche Wahrnehmung zum Beispiel ist mit etwa zehn Jahren beendet. An ihr kann man den Umwelteinfluss leicht erkennen: Ein Kind von eher schweigsamen Eltern beherrscht mit zwei Jahren rund 300 W√∂rter weniger als ein gleich altes Kind gespr√§chiger Eltern. Wenn das Kind vor zehn Jahren mit einer Fremdsprache in engen Kontakt kommt, wird es sein Leben lang ein gutes Gef√ľhl f√ľr diese Sprache haben.
Soziale und emotionale Erfahrungen in der ersten Lebenszeit entscheiden mit dar√ľber, wie intelligent, selbstsicher und redegewandt ein Kind wird.
Man kann also zusammenfassend sagen, dass die F√∂rderung von Kleinkindern in verschiedensten Bereichen wertvoll ist, da die Intelligenz nur zu einem gewissen Teil vererbt wird. Allzuviel ist jedoch sehr ungesund: Fr√ľher Leistungsdruck f√ľhrt zu Reiz√ľberflutung. Dadurch wird das Kind nicht intelligenter, sondern nerv√∂ser, √§ngstlicher und weniger aufnahmef√§hig.

IQ (= Intelligenzquotient)


1905 stellte der französische Psychologe Alfred Binet den ersten IQ - Test vor. Seit damals sind die Tests stark verfeinert und genauer geworden. Allerdings werden und wurden sie zu recht auch immer wieder angegriffen.
Der Pr√ľfling muss Zahlenreihen fortsetzen, Bilder erg√§nzen, graphische und r√§umliche Probleme l√∂sen, logische Folgerungen aus zwei Aussagen ziehen, S√§tze beenden und unpassende W√∂rter erkennen, dies meist unter Zeitdruck. Anhand der gel√∂sten Aufgaben wird ein Wert berechnet, der relativ zum willk√ľrlichen "Normalwert" 100 die Intelligenz angeben soll.
Das sagen die errechneten Werte aus:

IQ Intelligenzgrad Bevölkerungsanteil

140+ genial 1%
130 - 139 hochbegabt 1.1%
120 - 129 talentiert 10.4%
110 - 119 intelligent 18%
90 - 109 normal begabt 48%
80 - 89 lernbehindert 14%
70 - 79 geistig behindert 5%
- 69 schwachsinnig 2.5%

Die Werte sind problematisch, weil nicht klar ist, was genau gemessen werden soll. Es gibt Forscher, die 150 Komponenten von Intelligenz messen wollen, während andere nur zwei unterscheiden. So könnte man z.B. auch körperliche, musikalische und emotionale Intelligenz messen.
Auch andere Fakten sprechen gegen IQ - Tests: Je h√∂her der IQ, desto widerspr√ľchlicher die verschiedenen Testergebnisse. Man hat schon Verbesserungen von 20 Punkten gemessen. Man hat entdeckt, dass der Durchschnitts - IQ in 14 Industriestaaten seit Beginn der Tests kontinuierlich bessere Resultate ergeben hat, im Schnitt drei Punkte pro Jahrzehnt. So schnell k√∂nnen sich Gene nicht √§ndern. Dies zeigt uns, dass man Intelligenz bis heute eben nicht wirklich messen kann. Ausserdem verhilft ein hoher IQ allein weder zu guten Leistungen noch zu Zufriedenheit im Leben.




Hochbegabung


Hochbegabte zeichnen sich vor allem durch eine schnelle Auffassungsgabe und ein gutes Gedächtnis aus.
Hochbegabte Kinder werden beneidet und haben es doch sehr schwierig: Sie sind schnell unterfordert und langweilen sich und werden oft ausgegrenzt, weil sie andere Interessen haben oder als Streber gelten. Dadurch können sie zu Klassenclowns werden, jede Leistung verweigern oder durch schlechtes Betragen auffallen.
Hochbegabte sind in manchen Bereichen anders. Sie pr√ľgeln sich selten, da Konfliktl√∂sung eine ihrer klassischen Eigenschaften ist, sie brauchen wenig Schlaf, haben viel Ausdauer und eine h√∂here Lebenserwartung, k√∂nnen zu Depressionen oder Aggressivit√§t neigen, sind fast immer motiviert und denken anders. Dies nennt man divergenzorientiertes Denken. Das heisst, dass die Aufgabe mit ungew√∂hnlichen und individuellen Assoziationen beantwortet wird.
Manche hochbegabte Kinder machen Schlagzeilen, wie z.B. eine Engl√§nderin, die mit elf Jahren - IQ 173 - ein Mathematikbuch ver√∂ffentlichte. Oder der amerikanische Junge, der mit drei Jahren lesen konnte wie ein Sechstkl√§ssler. Rund 80% aller Hochbegabten bleiben jedoch unerkannt. In der Schweiz werden im Vergleich zu anderen L√§ndern keine systematischen IQ - Tests durchgef√ľhrt. Das ist wohl besser so. Allerdings w√ľrde es unserem Schulsystem wohl nicht schaden, wenn etwas mehr f√ľr begabte Kinder getan w√ľrde. Lernschwache werden mit Spezialprogrammen gef√∂rdert, w√§hrend sich Begabte langweilen, weil sie schon lange begriffen haben, was ihnen erz√§hlt wird.




Rassismus

Leider sind IQ - Tests zu krassen Argumenten f√ľr Rassismus geworden. Verschiedene amerikanische Psychologen verbreiten die Theorie, der durchschnittliche IQ der Schwarzen liege 15 Punkte unter demjenigen der Weissen. Diese Behauptung ist nat√ľrlich unhaltbar. Allerdings ist nicht zu leugnen, dass die Schwarzen im Schnitt schlechter abschneiden. Hier m√ľsste aber nat√ľrlich ber√ľcksichtigt werden, aus welchen Verh√§ltnissen die Gepr√ľften stammen, da dies - wie weiter vorne beschrieben - sehr viel ausmacht. Die Schulen in den Ghettos sind meist miserabel, die Testfragen auf das Wissen der weissen Bildungselite zugeschnitten. Ausserdem sind die Pr√ľfungsmethoden h√§ufig geradezu emp√∂rend. So hat ein irischer Psychologe in Afrika IQ - Tests gemacht, die auf einen Durchschnitts - IQ von 70 kamen. Demnach w√§re jeder zweite Schwarzafrikaner schwachsinnig. Er ber√ľcksichtigte nicht, dass die meisten Testpersonen die englischen Testfragen nur zum Teil oder gar nicht verstanden.
Mit √§hnlichen Methoden ist auch die Wissenschaft in "Bell Curve" zurechtgebogen worden. Die "Bell Curve" ist ein 850 - Seiten Werk von zwei amerikanischen Psychologen und ist die Bibel der akademischen Ethno - Rechten. Das Hauptargument ist, der IQ der Schwarzen liege 15 Punkte unter demjenigen der Weissen. Traurigerweise wurde das Buch 500‘000 mal verkauft.




Primärfähigkeiten


    sprachliches Verst√§ndnis Assoziationsfl√ľssigkeit Rechengewandtheit R√§umliches Denken Ged√§chtnis Auffassungsgeschwindigkeit schlussfolgerndes Denken








IQ Intelligenzgrad Bevölkerungsanteil


140+ genial 1%
130 - 139 hochbegabt 1.1%
120 - 129 talentiert 10.4%
110 - 119 intelligent 18%
90 - 109 normal begabt 48%
80 - 89 lernbehindert 14%
70 - 79 geistig behindert 5%
- 69 schwachsinnig 2.5%

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