Die Neoteriker und Catull

1) Politischer und gesellschaftlicher Hintergrund zu Zeit Catulls
    Politisch
Jahrhundert der B├╝rgerkriege
Triumvirat Caesar, Pompeius, Crassus
Konsulatsjahr des Quintus Metellus Celer
    Gesellschaftlich
Entwicklung des Individuums, Staat verliert Loyalit├Ąt und Respekt des Individuums

2) Die Neoteriker
"neoteroi" = "die Neuen, Jungen". Ausdruck gebraucht von Cicero in einem Brief an seinen Freund Atticus; Bezeichnung ist aber abf├Ąllig gemeint
Neoteriker entwickelten neben den traditionellen Dichtungsformen "Epos" und "Lehrgedicht" die "pers├Ânliche Dichtung" nach ihrem Vorbild Kallimachos. Sie schrieben kurze Gedichte in subjektiver Erlebnisdichtung ├á Sie bringen ihre eigenen Gef├╝hle in ihre Werke ein.
Haupt und "Lehrer": Publius Valerius Cato

3) Gaius Valerius Catullus
* 84 v. Chr. in Verona
V 54 v. Chr. in Rom
Wohlhabende Familie; Caesar selbst mit Catulls Vater befreundet.
Catull mit 20 Jahren nach Rom à Rhetorikstudium; gelangt in Künstlerkreise, macht die Bekanntschaft mit der Dichtergruppe der Neoteriker;
Er verliebt sich in eine Clodia, die Gattin des Konsuls Quintus Metellus Celer, und schreibt zahlreiche Liebesgedichte; anstelle des Namens "Clodia" benutzt Catull das Pseudonym Lesbia; (Lesbia = "die von Lesbos" = "eine wie Sappho"; Sappho (600 v. Chr.) hat Catull in seinen Werken sehr beeinflu├čt; au├čerdem sowohl Clodia als auch Catull Anh├Ąnger der Sappho)

4) Werke
Insgesamt 116 Gedichte (carmina)
Der erste Teil (1 - 60) sind "nugae" = Lappalien, Bagatellen; kurze Gedichte (meist Hendekasyllabus).
Der zweite Teil (61 - 68) sind l├Ąngere, "gelehrte" Gedichte (haupts├Ąchlich Hexameter und elegische Distichen (Hexameter und Pentameter)).
Der dritte Teil (69 - 116) sind Epigramme in elegischen Distichen.
Gesondert ist ein Priapeum ├╝berliefert, ein Gedicht auf den Schutzgott Priapos (Fruchtbarkeitsgott, bekannt aus der Cena Trimalchionis).
Neoteriker - Thematik in den Gedichten: subjektive, lebendige Erlebnisdichtung (Naturbilder, Liebesdichtung, Hochzeitslied, private Satire...)
Catull schreibt ab und zu auch ├╝ber Politik, war aber trotzdem kein politischer Dichter (d.h. er will keine Auswirkungen auf die Gesellschaft haben, engagiert sich nicht f├╝r eine Ver├Ąnderung)

Catull, c. 7
Quaeris, quot mihi basiationes
tuae, Lesbia, sint satis superque.
quam magnus numerus Libyssae arenae
lasarpiciferis iacet Cyrenis,
oraclum Iovis inter aestuosi
et Batti veteris sacrum sepulcrum,
aut quam sidera multa, cum tacet nox,
furtivos hominum vident amores:
tam te basia multa basiare
vesano satis et super Catullo est,
quae nec pernumerare curiosi
possint nec mala fascinare lingua.


Sekund├Ąrliteratur: * Catull, S├Ąmtliche Gedichte, ├╝bersetzt von Otto Weinreich
* Manfred Fuhrmann, R├Âmische Literatur
* Dr. Ludwig Bieler, Geschichte der r├Âmischen Literatur
* Michael von Albrecht, Geschichte der r├Âmischen Literatur
* Karl B├╝chner, Die r├Âmische Lyrik
* Gerhard Metzger, Lateinische Literaturgeschichte
* Dr. Heinrich Krefeld, Res Romanae
* Hans Peter Syndikus, Catull - Eine Interpretation (Erster Teil)

1) Politischer und gesellschaftlicher Hintergrund zu Zeit Catulls
    Politisch
Jahrhundert der B├╝rgerkriege
60 Triumvirat Caesar, Pompeius, Crassus
Konsulatsjahr des Quintus Metellus Celer (à Clodia)
    Gesellschaftlich
Durch die politische Situation ├á Entwicklung des Individuums, Staat verliert Loyalit├Ąt und Respekt des Individuums; man beginnt ├Âffentlich zu sagen, was man vorher unter Freunden ge├Ąu├čert hatte

2) Die Neoteriker
Der Begriff "Neoteriker" kommt vom griechischen "neoteroi" = "die Neuen, Jungen". Benutzt wurde dieser Ausdruck 50 v. Chr. von Cicero in einem Brief an seinen Freund Atticus; allerdings ist die Bezeichnung abf├Ąllig gemeint, denn Cicero h├Ąlt nicht viel von dem neuen Stil, in welchem die Neoteriker schreiben.
Die Neoteriker waren eine Gruppe von Dichtern, die sich von den traditionellen Dichtungsformen abwandten. Der antike Dichter suchte sich ein Thema und schrieb dar├╝ber ein langes Epos oder ein Lehrgedicht, lie├č aber nie seine eigene pers├Ânliche Meinung in den Text einflie├čen. Beispiel: Quintus Ennius (Annales; Epos in 18 B├╝chern: Geschichte Roms von Beginn bis zu seiner Zeit (~ 2. Jahrhundert v. Chr.) Bei den Neoterikern hatte sich das nun folgenderma├čen ge├Ąndert: Durch sie gab es nun noch eine dritte Form, die "pers├Ânliche Dichtung": Durch ihr Vorbild Kallimachos (310 - 240; Bibliothekar in Alexandrien, Wissenschaftler und Lyriker) entdeckten sie die Liebe zur kleineren Form, schrieben kurze Gedichte in subjektiver Erlebnisdichtung ├á Sie bringen ihre eigenen Gef├╝hle in ihre Werke ein. Dabei war das Schreiben selber eigentlich gar nicht das Ereignis, das die Tradition gebrochen hatte; die Tatsache, dass die Autoren ihr Werke ver├Âffentlichten, war das Provozierende an den Neoterikern.
Als Haupt und "Lehrer" der Neoteriker gilt Publius Valerius Cato (nicht zu verwechseln mit dem Staatsmann Cato), ein Philologe (Sprachwissenschaftler) zur Zeit Sullas.


3) Biographie C. Valerius Catullus
* 84 vor Christus in Verona
V 54 vor Christus in Rom, also nur 30 Jahre alt geworden
Wohlhabende Familie; Caesar selbst mit Catulls Vater befreundet.
Catull mit 20 Jahren nach Rom à Rhetorikstudium; in Rom gelangt er in Künstlerkreise, macht die Bekanntschaft mit der Dichtergruppe der Neoteriker;
Er verliebt sich in Clodia, die Gattin des Konsuls Quintus Metellus Celer, und schreibt an sie zahlreiche Liebesgedichte; Catull verwendete allerdings nicht Clodias wirklichen Namen, sondern er schreib die Gedichte an eine gewisse "Lesbia"; ein Pseudonym f├╝r Clodia hat er gew├Ąhlt, um die Liebe nicht ├Âffentlich zu machen; Erkl├Ąrung f├╝r den Namen "Lesbia": w├Ârtliche Bedeutung "die von Lesbos" = "eine wie Sappho"; Sappho, Dichterin, um 600 v. Chr. auf Lesbos geboren, hat Catull in seiner Dichtkunst stark beeinflu├čt. Clodia wie Catull waren beide Anh├Ąnger von Sappho, was wohl zu dem Pseudonym Lesbia gef├╝hrt hat.

4) Werke
Insgesamt 116 Gedichte (carmina)
Der erste Teil (1 - 60) sind "nugae" = Lappalien, Bagatellen; dazu gleich ein Beispiel
Der zweite Teil (61 - 68) sind l├Ąngere "gelehrte" Gedichte (z.B. 64: Hochzeit des Peleus und der Thetis)
(Hexameter und elegische Distichen (Hexameter und Pentameter))
Der dritte Teil (69 - 116) sind Epigramme in elegischen Distichen
Gesondert ist noch ein Priapeum ├╝berliefert, ein Gedicht auf den Schutzgott Priapos (Fruchtbarkeitsgott; bekannt aus der Cena Trimalchionis)
Neoteriker - Thematik in den Gedichten: subjektive, lebendige (!) Erlebnisdichtung (Naturbilder, Liebesdichtung, Hochzeitslied, private Satire...)
Catull schreibt ab und zu auch ├╝ber Politik, war aber trotzdem kein politischer Dichter (d.h. er will keine Auswirkungen auf die Gesellschaft haben, engagiert sich nicht f├╝r eine Ver├Ąnderung)

Catull, c. 7
L Quaeris, quot mihi basiationes
K tuae, Lesbia, sint satis superque.
K quam magnus numerus Libyssae arenae
L lasarpiciferis iacet Cyrenis,
L oraclum Iovis inter aestuosi
K et Batti veteris sacrum sepulcrum,
L aut quam sidera multa, cum tacet nox,
L furtivos hominum vident amores:
K tam te basia multa basiare
L vesano satis et super Catullo est,
L quae nec pernumerare curiosi
K possint nec mala fascinare lingua.

Versma├č: Hendeka - syllabus (11 - Siber): - - - ~ ~ - ~ - ~ - -

├ťbersetzung:
Du fragst, Lesbia, wie viele K├╝sse von Dir mir genug und mehr als genug sind.
Wieviel libyscher Sand (eigentl.: Wie gro├č die Zahl libyschen Sandes...) liegt

zwischen dem Orakel des gl├╝henden Jupiters und der heiligen Grabst├Ątte des alten Battos,
oder wie viele Sterne, wenn die Nacht schweigt, die heimlichen Lieben der Menschen sehen:
so viele K├╝sse zu k├╝ssen sind dem wilden Catull genug und ├╝bergenug,
K├╝sse, die weder neugierige Menschen z├Ąhlen noch b├Âse Zungen (eigentl. Singular) behexen k├Ânnen.

Emotionen des Dichters sind wohl deutlich zu erkennen; mit diesem Gedicht f├╝hrt er das Carmen 5 fort; dies beginnt mit "La├č uns, Lesbia, leben und lieben..."; dieser Tonfall, diese Aufforderung hat Roms Leser nat├╝rlich ├╝berrascht, und er rief Ablehnung hervor. Mit "Quaeris" l├Ąsst er Lesbia bzw. Clodia nun auf das Carmen 5 reagieren.
Der unz├Ąhlbare Sand und die unz├Ąhlbaren Sterne sind schon in Werken anderer Dichter vorgekommen (z.B. bei Homer, Ilias); in diesem Gedicht ist aber der "Sand" besonders deutlich ausgef├╝hrt: Dreimal wird auf die libysche W├╝ste angespielt, und zwar mit "Libyssae arenae", die Nennung der Stadt Cyrene (eine Hauptstadt in Nordafrika), und durch die Eingrenzung des Gebietes durch "oraculum aestuosi Iovis" und "sepulcrum Batti". Der Grund f├╝r diese Anspielung ist folgender: Kallimachos, das Vorbild der Neoteriker, ist in Cyrene geboren; Cyrene wurde von Battos gegr├╝ndet, weshalb Kallimachos seine Mitb├╝rger und auch sich als "Batiaden" bezeichnete. Catull will also wieder an kallimacheische Dichtung erinnern.
Die "schweigende Nacht" trennt, wie auch schon das ferne Nordafrika im "Sandvergleich", die Liebenden von der l├Ąrmenden Gro├čstadt Rom.
Der H├Âhepunkt des Gedichts ("tam te basia...") wird besonders durch das "vesano" hervorgehoben; dieses Wort hat eigentlich einen negativen Beiklang; dadurch, dass sich Catull mit diesem Wort beschreibt, dr├╝ckt er wieder das Anderssein der neuen Art aus, die ihn und die Neoteriker ausmacht.
Das Gedicht schlie├čt wieder mit einer Abgrenzung der Liebenden von den ├╝brigen Menschen, von denen niemand die beiden st├Âren darf.

Die Neoteriker und Catull


1) Politischer und gesellschaftlicher Hintergrund der Zeit der Klassik
Dauer: 60 vor Chr. (Lukrez, Catull) bis 14 nach Chr. (Tod Ovids)
* Politisch
88 - 82 B├╝rgerkrieg Marius - Sulla
60 Triumvirat Caesar, Pompeius, Crassus
Konsulatsjahr des Quintus Metellus Celer
* Gesellschaftlich
Entwicklung des Individualismus, der Staat verliert Loyalit├Ąt und Respekt des Einzelnen

2) Die Neoteriker
Cicero: neoteroi ├á neumodisch (abf├Ąllig gemeint!)
Sie wenden sich teilweise von traditionellen Dichtungsformen ab

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