Der Zweikampf

Heinrich von Kleist

Der Zweikampf

Der Autor:

Heinrich von Kleist wurde am 18.Oktober 1777 als Bernd Heinrich Willhelm von Kleist in Frankfurt an der Oder als Sohn von Joachim Friedrich von Kleist und dessen zweiter Frau Juliane Ulrike von Pannwitz geboren. Nach dem Tod seines Vater im Jahre 1788 wird Kleist vom Prediger Samuel Heinrich Catel in Berlin erzogen.
1792 wird er Korporal im Potsdamer Garderegiment und nimmt am Rheinfeldzug teil. 1799 beginnt er an der Universität von Frankfurt an der Oder Physik, Mathematik und Naturrecht zu studieren.
Er reist bis 1806 er in Deutschland und in der Schweiz umher und arbeitet an verschieden Werken. 1807 wird er von den Franzosen gefangengenommen und verbleibt 1 Jahr in einem Lager.
1809 erkrankt Kleist pl√∂tzlich schwer und beschlie√üt deshalb nach Frankfurt an der Oder zur√ľckzureisen. 1811 wird er Mitglied der Deutschen Tischgesellschaft und beginnt eine Zeitschrift mit dem Titel "Berliner Abendbl√§tter" zu schreiben. Nach vergeblichen Versuchen um eine neue Anstellung oder eine Pension begeht Kleist am 11.November 1811 mit Henriette Vogel am Kleinen Wannssee Doppelselbstmord.

Das Buch:

Der Zweikampf erschien erstmals im Jahre 1811 im 2.Teil des Buches "Erzählungen". Das Buch selbst basiert auf dem Werk Chroniques de France von Jean Froissarts, das im Jahre 1370 entstand.

Die Handlung


Das Buch spielt im 14. Jahrhundert und beginnt damit, dass Herzog Wilhelm von Breysach, der seit seiner heimlichen Verbindung mit Gr√§fin Katharina von Heersbruck mit seinem Halbbruder Graf Jakob dem Rotbart in Feindschaft lebt, in der Nacht des heiligen Remigius, nachdem er von einem Treffen mit dem deutschen Kaiser zur√ľckkam, von einem Pfeil in die Brust getroffen wird.
Vor der eilig zusammen gerufenen Versammlung der Vasallen √§u√üerte er seinen letzten Willen und stirbt: Sein Sohn solle seinen ganzen Besitz erben und sein Bruder sollte von der Erbfolge ausgeschlossen werden. Da sein Sohn jedoch noch minderj√§hrig war wurde seine Frau Regentin. Sein Bruder, Graf Jakob der Rotbart, unternahm keine Schritte um den letzten Willen seines Bruders anzufechten und lebte weiter unabh√§ngig und unz√ľchtig auf seiner Burg, da ihm nach dem Tod seiner Gattin ein k√∂nigliches Verm√∂gen zur Verf√ľgung stand.
Es wurden viele Untersuchungen angestellt, um den Inhaber des besagten Pfeiles ausfindig zu machen. Doch erst f√ľnf Monate sp√§ter wurde dem Kanzler, der ein Freund der Gr√§fin Katharina war, berichtet, dass ein Pfeilmacher aus Stra√üburg vor drei Jahren dem Grafen Jakob einen K√∂cher mit solchen Pfeilen angefertigt hatte. Doch die Herzogin, die froh war mit dem Schwager endlich auf gutem Fu√ü zu stehen meinte das w√§re sicher ein Irrtum. Da der Kanzler jedoch ein ehrlicher Mann war brachte er den Fall vor Gericht. Der Graf Jakob, der seine Aussage machen musste, beteuerte seine Unschuld und sagte er sei zwar seinem Bruder nicht zugetan aber er ermorden w√ľrde er ihn nicht. Als Alibi sagte er aus, dass er jenen Abend mit der Edeldame Littegarde von Auerstein verbracht h√§tte, die im ganzen Land als die sch√∂nste und bisher unbescholtene Frau bekannt war.

Sie lebte nach dem Tode ihres Mannes auf der Burg ihres Vaters mit ihren beiden Br√ľdern. Als ihr Vater Herr Winfried von Breda von der angeblichen Schande seiner Tochter Littegarde erfuhr, brach er zu Boden und starb an einem Schlaganfall. Auch Littegarde brach besinnungslos zusammen.
Der Wut ihrer Br√ľder jedoch waren keine Grenzen gesetzt und sie verwiesen die Schwester mit einem B√ľndel Kleider und etwas Geld des Schlosses. In ihrem Elend von allen allein gelassen, machte sie sich auf den Weg zur Burg ihres treuen Freundes Herrn Friedrich von Trota. Nachdem sie ihm die Geschichte erz√§hlt hatte, willigte er freudig ein ihre Schuldlosigkeit durch ein Gottesurteil, was damals ein Zweikampf war, zu beweisen.
Deshalb begaben sich die beiden nach Basel, wo der Kampf gegen Jakob den Rotbart stattfinden sollte. Dort war bereits die ganze Ritterschaft aus der Schweiz und aus Schwaben versammelt. Littegarde wußte, dass der Scheiterhaufen auf sie wartete, falls Gott sich gegen sie wandte.

Am Margarethentag hatte sich bereits eine riesige Menschenmenge versammelt als sich die beiden K√§mpfer gegen√ľbertraten und den Kampf begannen. Herr Friedrich verwundete den Grafen gleich zu Beginn mit dem Schwert, doch die Wunde war nicht viel mehr als ein Kratzer. Im Laufe des Kampfes stolperte Herr Friedrich und Graf Jakob, nicht eben der edelm√ľtigste Ritter, stie√ü ihm sein Schwert mehrmals tief in den K√∂rper. So endete der Kampf zu Gunsten von Graf Jakob.
Die √Ąrzte konnten jedoch wie durch ein g√∂ttliches Wunder das Leben von Herrn Friedrich retten. Littegarde, die aber fest an das Gottesurteil glaubte hielt sich selbst f√ľr schuldig und wollte bis zum Tage ihrer Hinrichtung mit niemandem mehr sprechen. Auch die Mutter von Herrn Friedrich, die zu Beginn von ihrer Unschuld √ľberzeugt gewesen war, verfluchte sie nun.
Herr Friedrich jedoch wollte nicht wahrhaben, dass Littegare schuldig war und besuchte sie in ihrer Zelle. Zuerst wollte sie nicht mit ihm sprechen, doch gerade in ihrer tiefsten Not erinnerte sich Littegarde, dass sie und ihre Br√ľder drei Tage vor jener verh√§ngnisvollen Nacht auf dem Schlo√ü des Grafen Jakob waren und sie in ihren Gem√§chern einen Liebesbrief ohne Unterschrift gefunden hatte. Die Br√ľder erkannten die Schrift als die von Jakob und beschlossen sofort abzureisen. Als Friedrich dies h√∂rte, faltete er die H√§nde und erkannte ihre Unschuld.
Im Gegensatz zu Herrn Friedrich erholte sich Jakob der Rotbart nicht von der eigentlich ungef√§hrlichen Verletzung und die Wunde entz√ľndete sich, breitete sich in seinem K√∂rper aus und kein Arzt konnte ihm helfen. Der Prior des Klosters, in dem er gepflegt wurde beschwor ihn die Wahrheit zu sagen und Graf Jakob brach sein Schweigen: Er sagte, dass er ein Verh√§ltnis mit der Zofe von Littegarde h√§tte und, dass er in jener Nacht in Wahrheit bei dieser gewesen und er nur gelogen hatte, um sich an Littegarde zu r√§chen, die ihn verschm√§ht hatte und er gab auch zu, dass er seinen Bruder ermordet hatte.

Das M√§dchen aber war inzwischen wegen eines Diebstahls entlassen und in das Haus ihrer Eltern zur√ľckgeschickt worden. Nach der Geburt ihres Kindes, erz√§hlte sie ihrer Mutter, dass der Vater Graf Jakob der Rotbart war und diese wollte auf Unterhalt klagen und brachte den Fall vor Gericht, wo sie als Beweis einen Ring vorlegte, der dem M√§dchen von Graf Jakob gegeben wurde. Das Gericht, das von dem Proze√ü in Basel geh√∂rt hatte schickte diese Informationen sofort nach Basel. Der Brief kam an dem Tag in Basel an, an dem die beiden hingerichtet werden sollten und wurde zuerst Graf Jakob vorgelegt. Als der kranke Graf den Brief gelesen hatte, schrie er, dass es genug sei und man ihn zum Richtplatz bringen sollte, wo die Ungl√ľcklichen schon auf ihre Hinrichtung warteten.

Leseprobe Seite 38 + Seite 40

Nach diesen Worten hauchte er seine böse Seele aus. Der Kaiser, der kreidebleich geworden war sprach Littegarde und Friedrich von allen Anklagepunkten frei. Am selben Tag noch wurde Littegarde wieder als Erbin des Thrones ihres Vaters eingesetzt und Herr Friedrich heiratete sie.
Der Kaiser ließ nun auf allen Plätzen wo göttliche Zweikämpfe stattfanden eine Tafel aufstellen, auf der geschrieben stand "Wenn es Gottes Wille ist".

Interpretation


Das Buch wurde im Jahre 1811 geschrieben und unterscheidet sich daher im Ausdruck und im Stil merklich von den B√ľchern heutiger Autoren, dennoch hat es mir gefallen und es war eine Freude es zu lesen. Da das Buch eigentlich ein Cover ist hatte der Autor nur bedingt eigene Ideen und Absichten. Jedoch ist der Sinn des Buches klar herauszulesen: Gottes Wille kann nicht immer durch eine von Menschen erfundene Methode erkannt werden. Er greift selbst ein, falls er dies f√ľr n√∂tig h√§lt und korrigiert so die Fehlentscheidungen, die Menschen durch ihre Urteile machen.

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