Der zerbrochene Krug

Der zerbrochene Krug

Heinrich von Kleist wurde am 18. Oktober 1777 in Frankfurt a. d. Oder geboren, verlor frĂŒh seine Eltern, und wurde nach der Vorstellung einer preußischen Adelsfamilie Soldat. 1799 nahm er jedoch freiwillig als Leutnant Abschied vom Heer, um Philosophie und Mathematik zu studieren. 1802 sieht Kleist in der Schweiz einen Kupferstich, der einen Richter, eine Frau mit einem zerbrochenen Krug, ein MĂ€dchen als Zeugin und einen Bauern als Angeklagten zeigt. Unter dem Werk steht "Der zerbrochene Krug". Diesen Kupferstich nimmt er als Vorlage fĂŒr sein Werk. Erst seit 1820 wurde der Zerbrochene Krug auf der BĂŒhne heimisch. 1807 leitet er mit Adam MĂŒller in Dresden die Kunstzeitschrift "Phoebus". 1810 finden wir Kleist in Berlin als Redakteur der "Berliner AbendblĂ€tter", die - von der Zensur bedrĂ€ngt - nur eine Lebensdauer von 6 Monaten hatte. Als Patriot sah er sein Vaterland am Boden liegen.. In dieser Not fand er in der todkranken Henriette Vogel eine Frau, die bereit war, mit ihm zu sterben. Am 21. November 1811 erschoß er sie und sich am Ufer des Wannsees bei Potsdam.
Dieses Lustspiel handelt von dem Dorfrichter Adam, der in einer Gerichtsverhandlung den anderen Schuld zuweist, um sich selbst außer Verdacht zu bringen.

In einem Dorf bei Utrecht trifft der Schreiber Licht den Dorfrichter Adam morgens in der Gerichtsstube verschlafen und schlimm zugerichtet an. Der gibt an, beim Aufstehen aus dem Bett auf die Heizung gefallen zu sein. Licht hat erfahren, dass der strenge Gerichtsrat Walter bald eintreffen wird. Adam, der Licht erzĂ€hlt, er habe getrĂ€umt, selbst angeklagt zu sein, hat Angst vor Walters Ankunft und dem anbrechenden Gerichtstag. Außerdem sagt Adam, er habe seine PerĂŒcke verloren.
Unter der Aufsicht Walters muss Adam nun ĂŒber Frau Marthe Rull, ihre Tochter Eve, den Bauer Veit TĂŒmpel und Ruprecht, dessen Sohn, den Frau Marthe beschuldigt, im Zimmer von Eve in der letzten Nacht einen wertvollen Krug zerbrochen zu haben, richten. WĂ€hrend des Verhörs bekommt Adam von Marthe Rull eine umstĂ€ndliche und genaue Beschreibung des Kruges und einen Bericht ĂŒber die vergangene Nacht. Als sie in das Zimmer von Eve ging, fand sie inmitten der Scherben des Krugs, Ruprecht und Eve, die ihr geschworen habe, dass Ruprecht der ÜbeltĂ€ter sei. Doch im Zeugenstand sagt Eve, dass sie das nie geschworen habe. Ruprecht erzĂ€hlt, er habe in der Nacht Stimmen aus dem Zimmer gehört und sogleich die TĂŒr eingetreten. Er sei herein gestĂŒrmt, habe dem aus dem Fenster Springenden, dessen weiße PerĂŒcke im Spalier hĂ€ngen blieb noch mit der TĂŒrklinke eins ĂŒber den SchĂ€del geschlagen, und wollte ihm nachspringen, doch hat er vom Fliehenden eine Handvoll Sand in die Augen bekommen, so dass er nicht weiß, wer nachts bei seiner Braut gewesen ist.
Adam will dem Flickschuster Lebrecht, dessen Namen Ruprecht nannte, zuschieben. Eve aber entlastet Lebrecht und Ruprecht, will aber den Namen des TĂ€ters nicht nennen. Nun nennt aber Frau Marthe Rull die Muhme Brigitte als Zeugin. Dem Leser ist mittlerweile klar geworden, dass Adam der TĂ€ter war, und deshalb die Verletzungen hat und die PerĂŒcke verloren hat. In der Zwischenzeit versucht er den Verdacht von sich zu lenken und mit Speisen und GetrĂ€nken den Gerichtsrat Walter auf seine Seite zu ziehen. Doch als die Muhme im Gerichtssaal erscheint, bringt sie die PerĂŒcke des Richters mit, die im Spalier von Frau Marthe hing und will außerdem im Schnee Fußspuren entdeckt haben, die zum Haus des Richters fĂŒhren. So bleibt dem in die Enge getriebenen Adam nichts anderes ĂŒbrig, Ruprecht zu verurteilen. Nun aber bricht Eve ihr schweigen und sagt, dass der Richter den Krug zerbrochen habe.
Adam flieht, Eve wirft sich Walter vor die FĂŒĂŸe und bettelt ihn an, er möge Ruprecht freisprechen da der Richter versucht habe sie zu erpressen, und das mit einem gefĂ€lschten Papier. Walter suspendiert sofort Adam und setzt an dessen Stelle den Schreiber Licht ein. Frau Rull will sich aber nicht zufrieden geben, da ihr immer noch niemand den Krug ersetzt hat.

In dem Text kommen recht viele GliedsĂ€tze vor und er ist in einem recht eigentĂŒmlichen Deutsch gehalten. Es kommen alte AusdrĂŒcke wie "jetzo" oder "eilfe" vor und auch die Zeiten sind ungewohnt angewendet.
Adam ist der schönen Eve verfallen, die jedoch einen Verlobten hat, und so versucht er sie zu erpressen und zu vergewaltigen. Als sein Plan durch das HereinstĂŒrzen von Ruprecht vereitelt wird und er dabei unverkennbar zugerichtet wird, bleibt ihm nichts anderes ĂŒbrig, als eine LĂŒge anzuwenden, um sich aus der ersten Gefahr zu befreien. Doch bei einer LĂŒge kann es nicht bleiben, so verfĂ€ngt er sich in einem riesigen Netz aus LĂŒgen, das schließlich reißt und ihn entlarvt. Er ist bei allen Leuten beliebt und jedermann vertraut ihm, er genießt ein gutes Leben mit wenig Aufwand. Doch als der Gerichtsrat seine Arbeit ĂŒberprĂŒft, wird seine AmtsunfĂ€higkeit und Korruption aufgedeckt.
Der Schreiber Licht ist ein loyaler Bediensteter und SchĂŒler von Adam, der jedoch das Richterhandwerk besser zu beherrschen scheint, als sein Vorgesetzter.
Der Gerichtsrat Walter ist ein ehrlicher und fÀhiger Richter, der seine Arbeit ernst nimmt und versucht Recht und nicht Geld oder Macht gelten zu machen.
Frau Marthe Rull ist eine recht einfĂ€ltige Person, der es anscheinend wirklich mehr um den zertrĂŒmmerten Krug als um die Geschehnisse der fraglichen Nacht geht. Sie ist sehr entsetzt, als sie hört, dass sich MĂ€nner des Nachts im Zimmer ihrer Tochter prĂŒgeln und ist böse, weil Eve sie in ihrer Aussage nicht unterstĂŒtzt.
Eve ist ein liebevolles MĂ€dchen, das bis zum Schluß den wahren ÜbeltĂ€ter nicht preisgeben will aus Angst um ihren Verlobten.
In diesem Drama geht es um einen Menschen, der von außen völlig tadellos, tugendhaft und rein erscheint. Doch der Leser erfĂ€hrt, dass auch er Fehler hat und kein Heiliger ist. Kleist wollte vielleicht ausdrĂŒcken, dass es keinen guten und keinen bösen Menschen gibt. Jeder Mensch trĂ€gt beides in sich, auch wenn er in der Öffentlichkeit noch so perfekt und Fehlerlos dasteht.

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