Das Schattennetz

Das Buch, √ľber das ich referiere, erschien erstmals 1964 unter dem Titel "Das Schattennetz". Die zweite (neueste) Fassung erschien 1981 unter dem Namen "GEH HEIM UND VERGISS ALLES". Es wurde von
K√ĄTHE RECHEIS
geschrieben, welche 1928 in H√∂rsching (in der n√§he von Linz) geboren wurde. Nach dem Abitur war K√§the Recheis zun√§chst mehrere Jahre als Redaktionssekret√§rin t√§tig. Seit 1961 ist sie eine freie Schriftstellerin und √úbersetzerin von Jugendb√ľchern. Rund 50 Titel sind bis jetzt von ihr erschienen, dazu Beitr√§ge in Anthologien (Kommt urspr√ľnglich aus dem griechischen, wo es "Bl√ľtenlese" bedeutet. Hier ist aber die Auswahl von Erz√§hlungen und Gedichten in Buchform gemeint), Kinder - und Jugendzeitschriften. Ihre Werke wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
K√§the Recheis hatte aber auch noch einen "zweiten Beruf", denn sie besch√§ftigte sich sehr mit den nordamerikanischen Indianern. Die jahrzehntelange Besch√§ftigung mit der Geschichte, der Kultur und dem Denken der Indianer sowie viele Reisen in die USA, nach Kanada und Lateinamerika haben zu engen Kontakten und Freundschaften gef√ľhrt. K√§the Recheis hat sich u.a. f√ľr Indianerschulen eingesetzt und verschiedene indianische Texte herausgegeben und ins Deutsche √ľbertragen.

In diesem Buch berichtet sie √ľber ein 16 - j√§hriges M√§dchen namens Christine. Christine lebt mit ihrem Vater und ihrer Mutter in einem Haus, am Rand eines ober√∂sterreichischen Dorfes. K√§the Recheis macht somit ihren Geburtsort zum Ort des Geschehens.

Leseprobe: Seite 5 - 6

Christine "arbeitet" im Barackenlager ihres Vaters als Krankenschwester. Dazu meldet sie sich freiwillig, als sie sieht, wie ein alter Mann im Graben liegt, dem niemand hilft, obwohl er noch lebt. Als dieser dann stirbt, entschlie√üt sie sich, den Kranken und Verletzten Menschen zu helfen. Daran erkennt man, dass sie nicht nur sich selbst als die wichtigste Person sieht, sondern auch die anderen, denn sie denkt, dass ihr ihr Leben nichts bringt, wenn alle anderen an Hunger und Krankheit schon l√§ngst gestorben sind. Christine ist ein sehr hilfsbereites (sie will den Kranken helfen), mutiges und selbstbewusstes (sie geht alleine zum Kommandanten und bittet ihn um Hilfe) M√§dchen. Sie f√ľhlt sich sehr hingezogen zu vielen Kranken, aber vor einigen anderen hat sie Angst.
Die vom General aus den Stacheldrahtlagern befreiten Menschen werden in das Barackenlager gebracht, welches Christines Vater gegr√ľndet hat. Das Lager besteht aus vielen Baracken: Eine davon ist f√ľr die √Ąrzte, eine f√ľr die Krankenschwestern, eine wird als "Operationsraum" genutzt und der Rest ist f√ľr die Kranken. In der Mitte des Lagers ist ein lehmiger Platz, auf dem im Sommer Gras w√§chst und wo die Kranken die Sonne genie√üen k√∂nnen. Im Lager gibt es kein Wasser, wenig zu essen und jede Decke ist kostbar, auch wenn sie schon ganz zerrissen ist. Die Fenstergl√§ser der Baracken sind zerschlagen und die Reste vom Glas sind mit dicken Papierstreifen √ľberklebt. Die Baracken sind grau, der Boden ist grau, der Himmel ist grau, auch die Gesichter der Kranken sind durch das Fleckfieber ergraut. F√ľr Christine ist das ein trostloser Anblick. Sie wei√ü, dass die Kranken fast keine √úberlebenschance haben, aber sie gibt die Hoffnung nicht auf. Die Krankenschwestern wissen, dass die meisten Kranken sie nicht m√∂gen, weil sie Deutsch sprechen. Aber es gibt einige, die Christine m√∂gen, wie zum Beispiel Michael und Imre. Der Kapo mag Christine nicht, denn wenn sie und Lucy den Saal der Kranken betreten, f√§ngt er zu schreien an. Christine und Lucy haben Angst vor ihm. Der Kapo hat schon oft die √Ąrzte geschlagen und Christine denkt, dass er auch sie schlagen wird, aber er tut es nicht. eines Tages kommt ein gro√üer Wagen an. Er ist mit Juden beladen, die aus den Stacheldrahtlagern gefl√ľchtet sind. Unter ihnen ist auch ein zehnj√§hriges Kind, dem sie den Namen Jari geben. Christine k√ľmmert sich sehr um ihn. In dieser Nacht stirbt der Kapo. Christine trauert um ihn, obwohl er sie gehasst hatte. Der Kapo ist gestorben, weil er zu wenig zu essen bekommen hatte. Somit beschlie√üt Christines Vater zum Kommandanten zu gehen, denn dieser hat die Menschen aus dem Stacheldrahtlager befreit. Der Kommandant sagt aber zu Christines Vater, er sei f√ľr die Kranken verantwortlich und m√ľsse schauen, wo er die n√∂tigen Sachen herbekommt. Dass es selbst die Juden aus dem Stacheldrahtlager befreit hat und in das Barackenlager gef√ľhrt hat, k√ľmmert ihn jetzt nicht mehr. Christine ist sehr ver√§rgert √ľber die Aussage des Kommandanten und beschlie√üt selbst zu ihm zu gehen. Aber sie verschiebt diesen Besuch von einem Tag auf den anderen. Eines Morgens, als sie die Kranken waschen muss, sch√ľttet Michael seine Decke mit dem Badewasser an. Das ist aus zwei Gr√ľnden schlimm. Erstens m√ľssen sie mit dem Wasser sparen, welches sie nur im Dorf holen k√∂nnen. Zweitens ist Michaels Decken nun nass, und da niemand in der Nacht gestorben ist, ist keine Decke da, die nicht gebraucht wird und Michael erk√§ltet sich unter der nassen Decke. Ein anderer Kranker hei√ü Ilja. Er wird ins Lager gebracht, weil er schwer verletzt ist. Er leidet noch nicht unter Fleckfieber als er ins Lager kommt, aber auch er wird bald davon angesteckt. Nach acht Tagen stirbt Ilja. Tags darauf komm schon wieder ein neuer Kranker. Er hei√üt Lajos und ist auch an Fleckfieber erkrankt. Einige Tage sp√§ter bringt Christine Papier und Stifte f√ľr Imre, den Maler, mit. Imre zeichnet Christine, aber diese Zeichnung wird nie fertig, denn nur wenige Tage sp√§ter stirbt er. Christine trauert sehr um ihn. Die anderen in seiner Baracke tun das nicht, was Christine nicht versteht. Christine setzt sie sich auf die gro√üe Wiese hinter den Baracken. Pl√∂tzlich steht Penny, der Soldat, neben ihr und fragt sie, ob er sich zu ihr setzen darf. Sie erz√§hlt ihm von Imre und dem Bild, welches er von ihr malen wollte. Jetzt, wo sie mit Penny dar√ľber redet, versteht sie, warum die anderen nicht um Imre trauern. Trotzdem versteht sie nicht, warum ihnen der Kommandant nichts zu essen, keine neuen Decken und Medikament bringt. Also beschlie√üt sie, zum Kommandanten zu gehen.

Titel erklären:
Der General weigert sich aber, ihr die Sachen zu geben, aber dann sagt er ihr, er wolle ihr alles geben, wenn sie am Abend wiederkomme. Christine weigert sich zuerst, kommt aber dann doch, obwohl sie große Angst hat, aber sie brauchen diese Sachen. Sie sag zum General, dass er ihr nun alles geben soll, aber der lacht nur. Nach einiger Zeit bittet er Christine näher zu kommen und erklärt ihr, warum er ihnen nicht helfen will, weil er selber Jude ist.
(Leseprobe Seite 88 Mitte; 89 oben.)
Als sie am nächsten Morgen, als sie heimkommt, erfährt sie von ihrer Mutter, dass auch ihr Vater an Fleckfieber erkrankt ist. Als Christine später wieder ins Lager kommt, bemerkt sie, dass auch sie Fieber hat. Sie geht nach Hause, aber sie ist so erschöpft, dass sie neben der Straße ins Gras fällt. Als sie wieder aufwacht, liegt sie zu Hause in ihrem Bett. Penny hat sie nach Hause gebracht. Wenige Tage später stirbt ihr Vater. Christine und ihrer Mutter nehmen Jari zu sich nach Hause. Penny kommt auf Besuch und erzählt Christine, dass er Jari mitnehmen wolle, wenn er fortgehe. Christine ist traurig, denn sie weiß, dass es nicht mehr lange dauert, bis alle Judenweggebracht werden. Dann werden auch Penny und Jari gehen.
Schon am n√§chsten Morgen kommt Doktor Mamor zu Christine. Er erz√§hlt ihr, dass man jetzt alle Juden wegbringt; an einen unbekannten Ort. Er bittet Christine, mit ihm zu kommen, um sich zu verabschieden. Auf dem Kasernenhof stehen unz√§hlige Juden. Manche kauern stumm herum, andere schauen √§ngstlich um sich, einige weinen und als die Wagen wegfahren, h√∂rt sie Nikolaus sagen, dass er sie und die anderen vermissen werde. Dar√ľber wundert sich Christine noch lange, denn Nikolas ist einer von denen gewesen, die die Krankenschwestern gehasst hatten. Pl√∂tzlich ist der Platz leer. Alles sieht so friedlich aus. Dann sieht sie, wie Penny mit Jari an der Hand √ľber das Feld geht und sie merkt, dass sie nicht zu ihnen geh√∂rt. Sie ist traurig, √ľber die pl√∂tzliche Abreise der Kranken, denn sie hat alle sehr gerne gehabt.






Personen aus diesem Buch:
√Ąrzte: (sind alle Juden)

Christines Vater: leitet das Barackenlager und ist dort auch selber Arzt.

Doktor Mamor: ist ein junger Arzt, der sich nicht viel um seine Umgebung und
andere Leute k√ľmmert, sondern sich immer auf seine Arbeit konzentriert. Christine
w√ľnscht sich, mehr von ihm beachtet zu werden.
Doktor J√∂kesch: war fr√ľher Chefarzt (Chirurg) in einem Spital in Budapest. Er wirft immer ein Auge auf Christine, was sie sehr st√∂rt, denn er nimmt sie nicht ernst und wenn Christine gerade im Raum ist, und er Hilfe von einer der Krankenschwestern braucht, ruft er immer Hilde, damit sie ihm hilft und nicht ein "kleines Kind"(damit meint er Christine).
Doktor Noht: ist ein eher √§lterer Mann, der nur einige Wochen in einem Spital gearbeitet hat, weil er dann zum Milit√§r gehen musste, und als die Ungarn die Juden aus der √Ėffentlichkeit ausschlie√üen, wird er in ein KZ gebracht.
Krankenschwestern: (sind freiwillige einheimische Mädchen)
Christine: ist eine Krankenschwester in dem Lager ihres Vaters. Sie hat aber nicht die berufliche Ausbildung einer Krankenschwester.
Hilde: ist eine Krankenschwester, hat aber nicht die berufliche Ausbildung dazu.
Lucy: ist eine Krankenschwester, hat aber nicht die berufliche Ausbildung dazu.
Eva: ist eine Krankenschwester, hat aber nicht die berufliche Ausbildung dazu.
Patienten: (sind alle Juden)
Der Kapo: war Aufseher in einem KZ. Er ist selber ein Jude, hat aber seine Mitgefangenen gequält, in der Meinung, etwas Besseres zu sein.
Michael: ist ein Student.
Nikolaus: ist ein Ingenieur.
Jari: ist ein zehnjähriger Junge, der keine Eltern mehr hat.
Lajos: ist in Ungarn geboren worden. Seine Eltern und Geschwister sind im Krieg gestorben. Nur seine Schwester lebt noch in Paris.
Imre: ist ein Maler.
Ilja: ist ein rumänischer Medizinstudent.
Sonstige Personen:
Christines Mutter: ist Hausfrau.
Penny: ist ein Soldat. Er ist mit einer Frau verheiratet, die in einer Nervenheilanstalt leben muss.
Kommandant: ist ein Amerikanischer Jude.



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