Medizin im antiken Griechenland

MEDIZIN IM ANTIKEN GRIECHENLAND
UND DIE ZWEI WICHTIGSTEN MEDIZINER DER ANTIKE: HIPPOKRATES UND GALEN VON PERGAMON

Die Anfänge der Medizin im alten Griechenland:
Bevor sich zu Beginn des 6.¬†Jahrhundert v.¬†Chr. eine fortgeschrittenere Medizin entwickelte, gab es bereits verschiedene medizinische Ansichten, die sich aber vorwiegend auf Magie, Hausmittel und einfache chirurgische Verfahren st√ľtzten. Krankheiten und Seuchen wurden auf ein Ungleichgewicht zwischen Menschen und G√∂ttern gesehen, und man versuchte dies mit Opfern und Riten auszugleichen.
Bei Homer ist zwar noch Apollon der Gott der Heilkunst, doch trat wenig sp√§ter Asklepios als Gott der √Ąrzte an die Stelle Apollons, und die Priester √ľbten in seinen Tempeln die Heilkunst aus. Sie praktizierten eine fr√ľhe Form der Psychotherapie, die als Inkubation[1] bezeichnet wurde.
Homers Ilias l√§sst aber bereits erkennen, dass man √ľber betr√§chtliche Kenntnisse in der chirurgischen Behandlung von Wunden und anderen Verletzungen verf√ľgte. Die Chirurgie galt als besonderes Fachgebiet, das man von der restlichen Medizin unterschied.

Ursachen von Krankheiten:
Nach der Vorstellung des griechischen Philosophen Empedokles war Krankheit in erster Linie eine Störung des Gleichgewichts der vier Elemente (Feuer, Wasser, Erde und Luft).
F√ľr viele Mediziner war jedoch die Grundlage der Physiologie die Lehre von den vier K√∂rpers√§ften - eine Vorstellung, die sich aus der Theorie des Empedokles von den vier Elementen ableitete. Schmerzen und Krankheiten f√ľhrte man auf ein Ungleichgewicht dieser S√§fte zur√ľck. Noch heute beruht die psychologische Einteilung von Menschen auf dieser Theorie:
Choleriker (gr. cholos = Galle): aufbrausend, w√ľtend
Phlegmatiker (gr. phlegma = Schleim): zäh, ausdauernd, emotionsstabil, träge
Sanguiniker (röm. sanguis = Blut): lebenslustig, froh
Melancholiker (gr. melan cholos = schwarze Galle): traurig, depressiv

Eine weitere Theorie besagt, dass der menschliche Körper aus einzelnen Teilchen, den Atomen, aufgebaut ist, die durch Zwischenräume getrennt seien. Krankheit, so meinte man, entstehe durch Einschränkungen der geordneten Bewegung der Atome oder durch Verstopfung der Zwischenräume.

Fortschritte in der Medizin:
Bis zum Ende des 6.¬†Jahrhundert v.¬†Chr. war die griechische Medizin im Wesentlichen zu einer weltlichen Disziplin geworden: Man legte das Schwergewicht auf klinische Beobachtung und Erfahrung. Die beiden ber√ľhmtesten Medizinerschulen Griechenlands befanden sich in Kos und Knidos. Ihre Bl√ľtezeit erlebten sie im 5.¬†Jahrhundert v.¬†Chr.

Hippokrates (* 460 auf Kos, † 377 v. Chr. in Larissa)
Hippokrates, wahrscheinlich selbst Sohn eines Heilkundigen, gilt als der ber√ľhmteste Arzt der Antike und zurecht wird er auch als Vater der Medizin angesehen. Bevor er sich auf Kos niederlie√ü studierte er auf zahlreichen Reisen Krankheiten und Heilmethoden. Er kam zu der damals revolution√§ren Auffassung, Krankheiten auf die Grundlage wissenschaftlicher Beobachtungen zu stellen und bewirkte damit eine Abkehr von religi√∂sen und magischen Erkl√§rungen. Als Medikamente setzte er pflanzliche Drogen ein und war einer der ersten, der bei chirurgischen Eingriffen auf √§u√üerste Sauberkeit achtete.
Von den √ľber 70 Schriften, die Hippokrates zugeschrieben werden, hat er vermutlich nur sechs selber verfa√üt. Der Corpus Hippocratium (Sammlung des Hippokrates), zu dem neben Hippokrates selbst auch seine Studenten beigetragen haben sollen, entstammt der Medizinerschule von Kos. Zu den bedeutenderen Werken z√§hlen:
Luft, Wasser und Pl√§tze: hier werden wissenschaftliche Ursachen f√ľr Krankheiten diskutiert.
Prognostisch, Prognose und Aphorismen: in diesen drei Werken kommt er zur Ansicht, dass ein Arzt
durch die Beobachtung einer ausreichenden Zahl von Krankheitsfällen den Verlauf einer Krankheit
vorhersagen kann.
In Heilkuren und Heilkuren bei akuten Krankheiten: wird zum ersten Mal die Präventivmedizin zum
Ausdruck gebracht und er betont nicht nur die Rolle der Ern√§hrung f√ľr Gesundheit und Genesung,
sondern stellt auch die Bedeutung der Lebensweise heraus.
Br√ľche, Verrenkungen und Wunden: sind nicht nur ein au√üergew√∂hnlich kenntnisreiches Werk, sondern
hatten bis ins 18. Jh. ihre G√ľltigkeit.
Die heilige Krankheit: erklärt die damalige Vorstellung, dass Epilepsie durch die mangelnde Zufuhr von
Luft verursacht wird.
Der Hippokratische Eid (auch Asklepiadenschwur):
Im Hippokratischen Eid, der nach neueren Forschungen seinen Ursprung in den Regeln einer pythagoreischen Sekte haben soll, legte er ethische Regeln und Handlungsma√üst√§be fest, denen sich praktizierende √Ąrzte als eine Art Ehrenkodex unterwarfen. In seiner urspr√ľnglichen Fassung verbietet der Hippokratische Eid den √Ąrzten Abtreibungen und Euthanasie. Mit diesem Eid verpflichteten sich die √Ąrzte au√üerdem sexuelle Beziehungen zu Patienten zu unterlassen und die ihnen anvertrauten Informationen nicht weiterzugeben (sogenannte Schweigepflicht). Weiters mussten auch Verbrecher nach besten Wissen behandelt werden.

Erkenntnisse und Entdeckungen nach Hippokrates:
Kenntnisse √ľber die Anatomie des Menschen stammten vor allem aus dem Sezieren von Tieren. Der griechische Philosoph Aristoteles war selbst nicht als Arzt t√§tig, da er aber zahlreiche Tiere sezierte, trug er ebenfalls erheblich zur Weiterentwicklung der Medizin bei. Er gilt als Begr√ľnder der vergleichenden Anatomie.
Im 3.¬†Jahrhundert v.¬†Chr. war die √§gyptische Stadt Alexandria, wo es eine ber√ľhmte Medizinschule und Bibliothek gab, das anerkannte Zentrum der griechischen medizinischen Wissenschaft. Hier nahm der Anatom Herophilus die erste historisch belegte √∂ffentliche Sektion eines Menschen vor, und der Physiologe Erasistratos stellte wichtige Untersuchungen zur Anatomie von Gehirn, Nerven, Venen und Arterien an.

Griechisch - römische Medizin:
Die griechische Medizin beeinflusste, als Teil des Imperiums, auch die römische. Jedoch stammten die wichtigsten Mediziner dieser Zeit wiederum aus dem griechischen Raum.

Galen von Pergamon (* 129 n.Chr. in Pergamon[2], † 199 in Rom)
Hinsichtlich seiner Bedeutung in der Medizingeschichte der Antike kommt ihm der 2. Platz nach Hippokrates zu. Seine Jugend verbrachte er in Pergamon, wo es ein Heiligtum f√ľr Asklepios gab. Hier beobachtete der junge Galen, wie man medizinische Techniken einsetzte, um Kranken und Verwundeten zu helfen. In der N√§he von Smyrna (heutiges Izmir) erhielt Galen seine Ausbildung zum Arzt und vervollst√§ndigte seine medizinischen Kenntnisse anschlie√üend bei weiten Reisen. Um 161 lie√ü er sich in Rom nieder und wurde wegen seines √§rztlichen K√∂nnens, seinen Untersuchungen an Tieren und seinen √∂ffentlichen Vortr√§gen ber√ľhmt. Wenige Jahre sp√§ter wurde er vom r√∂mischen Kaiser Marcus Aurelius zum Leibarzt seines Sohnes Lucius Aurelius Commodus ernannt.
Zu seinen wichtigsten Lehren geh√∂rt die Abhandlung √ľber die 4 klassischen Symptome von Entz√ľndungen (R√∂tung, Erw√§rmung, Schwellung und Schmerz). Weiters leistete er wichtige Beitr√§ge zu den Kenntnissen √ľber Infektionskrankheiten und Pharmakologie[3]. Sein anatomisches Wissen √ľber den Menschen war jedoch l√ľckenhaft, denn es st√ľtzte sich nur auf das Sezieren von Affen, Ziegen und Schweinen. Obwohl die Medizin durch seine Leistungen ein h√∂heres Niveau erreichte, hielten seine Ansichten √ľber Blut und Blutkreislauf den medizinischen Fortschritt teilweise auf. Obwohl er erkannte, dass in den Arterien nicht (wie 400 Jahre lang angenommen) Luft, sondern Blut transportieren, vertrat er die Ansicht, das Blut enhalte den Lebensgeist (Pneuma), der ihm seine rote Farbe gebe. Au√üerdem war er der Meinung, das Blut dringe durch eine por√∂se Wand zwischen den Herzkammern. Auf diese Weise verz√∂gerte er die Aufkl√§rung der Funktion des Blutkreislaufes und andere physiologische Forschungen. Seine wichtigsten Arbeiten besch√§ftigten sich aber mit Form und Funktion der Muskeln sowie mit den Funktionen der einzelnen Abschnitte des R√ľckenmarkes.
Von seinen 500 Abhandlungen zu Medizin, Philosphie und Ethik hebt sich besonders das Buch
Über die Aufgaben der Körperteile des Menschen hervor, in dem er den Vorstellungen des griechischen
Philosphen Aristoteles folgte, dass nichts in der Natur √ľberfl√ľsig sei und alles eine bestimmte
Bedeutung habe. Ein grundlegender Beitrag zum philosophischen Gedankengut war die Vorstellung,
Gottes Ziele könne man durch die Untersuchung der Natur erkennen.
Die Bedeutung Galens Werk kann man gar nicht hoch genug einsch√§tzen, denn durch seine Schriften wurden seine Erkenntnisse auf dem Umweg √ľber die Araber an das Abendland √ľberliefert.

Die weitere Entwicklung der Medizin:
Diese Erkenntnisse und Werke waren noch in der gesamten Antike angesehen und dienten als Basis einer jeden medizinischen Entwicklung, bis das Wissen im Mittelalter verloren ging. In der Renaissance gelangte das vergessene Wissen √ľber Aufzeichnungen der Araber wieder nach Europa, wo es teilweise bis ins 18. Jahrhundert seine G√ľltigkeit hatte.
[1]) unter Inkubation wird in der gegenwärtigen Psychologie noch immer eine Ruhephase des Geistes verstanden
[2] ) heutiges Bergama, T√ľrkei
[3] ) Wissenschaft vom Zusammenwirken chemischer Substanzen und lebendem Gewebe

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