Franz Theodor Csokor

Lebenslauf

Franz Theodor Csokor wurde am 06. September 1885 als Sohn eines Hochschulprofessors und Arztes in Wien geboren. Er studierte Kunstgeschichte. Von 1915 bis 1918 war er Soldat im Dienste der österreichischen Truppen. Später war er als Dramaturg in Petersburg tätig und seit 1923 arbeitete er als Regisseur im Wiener Raimundtheater. Er wird sehr früh Mitglied des Österreichischen PEN-Clubs. 1933 fällt er zum ersten Mal als Redner beim PEN-Kongress in Ragusa (Dubrovnik) auf. Er griff dabei die Unterdrückung der Freiheit des Denkens und Schaffens an; Adolf Hitler sagte ja: "Was Kunst ist, bestimme ich!". Aufgrund dieser Rede emigrierte er nach der Besetzung Österreichs 1938 freiwillig nach Warschau, wo er gerade noch von der deutschen Wehrmacht flüchten konnte. Sein nächster Zufluchtsort Rumänien schlug sich aber bald auf die deutsche Seite und so zieht er nach Belgrad, wo er abermals flüchten musste. Er zog sich auf die Adria-Insel Korcula zurück, wo er durch italienische Partisanen nach Spanien und Rom gerettet wurde. Als sich die Italiener auf die amerikanische Seite schlugen, wurde er bei verschiedenen Rundfunksendern angestellt. 1946 beendete er seinen Dienst bei der BBC, kehrte nach Wien zurück und wurde 1947 Präsident des Österreichischen PEN-Clubs. Er verstarb am 5. Januar 1969.
Csokor war Träger zahlreicher Auszeichnungen und Literaturpreise, so erhielt er z.B. 1927 und 1953 den Literaturpreis der Stadt Wien, 1937 den Grillparzer-Preis und 1955 den Österreichischen Staatspreis für Dichtung. Er gilt zusammen mit Fritz Hochwälder als bedeutendster Dramatiker der Nachkriegszeit.

Werke

Csokor begann mit expressionistischen Dramen mit surrealen Elementen und dem Traumspiel in der Nachfolge Strindbergs: "Die Stunde des Abstrebens" (1919) von der "Höllenfahrt eines armen Sünders" oder "Die rote Straße" (1918).
1939 folgte das Drama in sieben Stationen "Gottes General", der Leidensweg des Ignatius von Loyola, des Gründers der Gesellschaft Jesu.

Berühmt wurden seine beiden großen Trilogien:

    Europäische Trilogie:
      "Dritter November 1918" (1936) "Besetztes Gebiet" (1930) "Der verlorene Sohn" (1943)
    Olymp und Golgotha (Trilogie einer Weltwende):
      "Kalypso" (1942) "Cäsars Witwe" (1954) "Pilatus" (1954)

In einer dritten Trilogie Der Mensch und die Macht vereinigte er das historische Schauspiel aus dem 14. Jh., das in Ungarn, Litauen und Polen spielt, "Jadwiga" (1966), mit dem Wiedertäuferdrama "Der tausendjährige Traum" (1966) und dem Büchner-Stück "Gesellschaft der Menschenrechte" (1929).
"Eine Komödie um die letzten Dinge" nennt der Dichter sein Stück in drei Akten "Hebt den Stein ab" (1957). "Zeichen an der Wand" ist das Stück um die Schuld und Buße des Unternehmers Mazza irgendwo in den Tropen Südamerikas, der einst Parteigänger des NS-Regimes war.
Zwei historische Stücke bilden den Abschluss seiner dramatischen Tätigkeit: das Diokletian-Drama "Der Kaiser zwischen den Zeiten" (1969) und "Alexander" (1969).
Seine Kriegserlebnisse schildert Csokor in den beiden Büchern "Als Zivilist im Polenkrieg" (1940) und Am Balkan-Krieg" (1940), beide vereinigt unter dem Titel "Auf fremden Straßen" (1955).
In der Lyrik begann Csokor mit leidenschaftlichen Balladen "Die Gewalten" (1912); die weiteren Gedichtbände, "Der Dolch und die Wunde" (1917) und "Ewiger Aufbruch" (1926), zeigen seine Wandlung zum verantwortungsbewussten Lyriker seiner Zeit. Krieg und Nachkrieg fördern sein Bekenntnis und seinen Kampf für die Freiheit der Meinungen und des Gewissens: "Immer ist Anfang" (1951).

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