Jack London

(JL Folie)

Die Lebensgeschichte des Jack Londons


Jack London wurde am 12. Januar 1876 in San Francisco geboren. Armut, Kinderarbeit und Hunger prÀgten seine gesamte Kindheit sehr stark. Sein Traum war wegzukommen von er Arbeit, der Armut und vorallem von dem Hunger. Er wollte in den Westen.

(JL Folie weg!)

San Francisco


San Francisco um 1876 ist eine aufregende, eine schillernde Stadt, eine Stadt der Abenteurer, Goldsucher, GlĂŒcksspieler und Seeleute, eine Stadt der Unruhe und Habgier. Auf der einen Seite gibt das Elend der Obdachlosenquartiere, das Chinesenviertel, Kneipen, Bordellstrassen, Spielsalons und Opiumhölen. Andererseits gibt es die SchlossĂ€hnlichen Villen der Moneymaker, der wenigen, die es bereits geschafft haben, reichlich Geld zu verdienen. Der rasch erworbene Reichtum wird protzig zur Schau gestellt. Noch ist alles offen: Die Industrialisierung kriegt jetzt erst so richtig dampf. Die Eisenbahnverbindung zwischen Pazifik und Atlantik ist, als Jack geboren wird, gerade erst sieben Jahre alt. Jetzt kann man gross umsteigen und umladen in San Francisco. Von der Bahn aufs Schiff, von Ost nach West und umgekehrt.
Und schliesslich: San Francisco bietet phantastische Fluchtmöglichkeiten. Schon als kleiner Junge trÀumt Jack London seine ersten SegelboottrÀume von der grossen Reise durchs Golden Gate, das goldene Tor.

Jacks Kindheit


Seinen leiblichen Vater, William Harry Chaney, einen spiritistischen Philosophen, Astrologen und Wanderprediger hat Jack niemals persönlich kennengelernt. Als er zur Welt kommt, ist der "Professor" lĂ€ngst schon weitergezogen. Und zwanzig Jahre spĂ€ter leugnet William Chaney in einem Brief sogar die Vaterschaft: Er sei damals entkrĂ€ftet und ĂŒberhaupt nicht zeugungsfĂ€hig gewesen. Auf seinen GeschĂ€ftsreisen durch die Vereinigten Staaten von Amerika hat er sich auch anderorts mehrmals auf eheĂ€hnliche VerhĂ€ltnisse eingelassen. Vermutlich wollte er sich auch nicht mehr an sein zweijĂ€hriges Zusammenleben mit Jacks Mutter erinnern und verdrĂ€ngte, was damals als Skandalgeschichte Schlagzeilen machte. Im "Francisco Chronical" vom vierten Juni 1875 wurde gross und breit ĂŒber den verzweifelten Selbstmordversuch einer "Miss Chaney" berichtet. Die schwangere Frau - so stand zu lesen - habe eine Überdosis Opium genommen und sich mit dem Revolver in die SchlĂ€fe geschossen, konnte aber in letzter Minute gerettet werden. Diese Frau war niemand anderes als Jacks Mutter. Der Grund ihrer Verzweiflung: Ihr LebensgefĂ€hrte Professor W. H. Chaney, ein "herzloser, brutaler Unmensch" so sagt Frau Chaney, habe sie aus dem Haus gejagt, weil sie sich weigerte "die Frucht ihres Leibes" abtreiben zu lassen. "Ein Kapitel menschlicher Herzlosigkeit und hĂ€uslichen Elends!" entsetzte sich die Zeitung und liess es sich nicht nehmen, die Tragödie in allen Einzelheiten genĂŒsslich auszumalen.
Wieviel Wahrheit in dieser Dreigroschenstory steckt, lĂ€sst sich heute freilich nicht mehr feststellen. Fest steht, dass die Liebe zweier Menschen in einer Katastrophe endete und dass sich der "Professor" nach dem Skandal schleunigst aus dem Staub machte. All das hinderte aber Jacks Mutter nicht daran, Jack zu gebĂ€ren. Jack London wurde unter dem Namen John Griffith Chaney geboren. Erst spĂ€ter nannte er sich Jack. Jacks Mutter stammte aus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie in Ohio und ist gut behĂŒtet als höhere Tochter mit viel Literatur und Klavierspiel aufgewachsen.
Ein Jahr nach der Trennung von Jacks Eltern, findet Jacks Mutter einen Mann, der bereit ist Jack zu adoptieren und das UnglĂŒck der Familie zu teilen. Dieser Mann hiess: John London und war ein Farmer ohne Farm. Jacks Mutter die zum Vornamen Flora heisst, hat den gutmĂŒtigen Mann auf einer spirituellen Sitzung kennengelernt. Gemeinsam verdoppeln sie ihre Sorgen, denn er fleissige Gelegenheitsarbeiter ist nicht nur arbeitslos, sondern auch lungenkrank und seit kurzem verwitwet. Von seinen sieben Kindern bringt er allerdings nur die jĂŒngeren zwei MĂ€dchen mit in die Ehe. Was die beiden Pechvögel verbindet, ist ihr gemeinsames Lebensziel, aus der Unterstadt rauszukommen. Beide sind Absteiger, und beide wollen wieder zurĂŒck. John aufs Land und Flora in die bĂŒrgerliche Idylle ihrer Kindheit. Sie fĂŒhlen sich beide im Arbeiter - und Armenviertel fehl am Platz. Jack London schrieb einmal: "Meine Umgebung war ungebildet, roh, hart. Mein Platz in der Gesellschaft tief unten, wo nichts als Schmutz und Elend war, wo Körper und Geist ausgehungert und gequĂ€lt wurden. ZunĂ€chst einmal scheint es mit der Familie London aufwĂ€rts zu gehen. Flora stellt Horoskope, veranstaltet spirituelle Sitzungen und erteilt Musikunterricht. John nimmt jede Arbeit an, versucht sich als Zimmermann, Maurer, und NĂ€hmaschienenverkĂ€ufer. Und schliesslich kommt der ehemalige Farmer seinem Traumziel nĂ€her: Ein kleiner Obst - und GemĂŒsegarten wirft Gewinn ab. Die Familie kann die Pacht fĂŒr eine alte, heruntergewirtschaftete Farm zusammenkratzen, und zieht aufs Land.

Die Farm


Vom vierten bis zum neunten Lebensjahr lebt der kleine Jack auf drei verschiedenen Bauernhöfen und fĂŒhlt sich dort ziemlich allein. Er hat kaum SpielgefĂ€hrten, die beiden Schwestern sind wesentlich Ă€lter, und Mutter Flora kĂŒmmert sich nur selten um ihren Sohn. Mutterliebe und Zuneigung findet Jack eher bei seinem KindermĂ€dchen Jennie Prentiss.
Jack nannte sie "Mummy Jennie". SpÀter wird Jacks Lieblingsschwester Eliza seine Ersatzmutter und vertraute.

Die Schule


Nach einem langen Schulweg erwartet Jack in der Landschule ein wildes Chaos. Vier Klassen zusammengesperrt in einem viel zu kleinem Raum, der Lehrer als ein bisweilen recht hilfloser "Kinder - Dompteur" zwischen den verschieden altrigen SchĂŒlern.

John London, Freund und Vater von Jack


In John London fand der heranwachsende Jack einen vĂ€terlichen Freund. Gemeinsam gehen sie zur Jagd oder zum Fischen und Muschelsammeln an die nahe KĂŒste. Jack hilft bei der Feldarbeit, beim PflĂŒcken, bei der Weinlese und bei der Obsternte. ReichtĂŒmer sind auf den armseligen Farmen, die die Londons gepachtet haben zwar nicht zu finden, aber keiner muss hungern, die Familie hat ihr Auskommen.

Die Katastrophe bricht erst herein, als John London, getrieben von Floras Ehrgeiz, versucht, eine Ranch in Livermore Valley aus dem Minus herauszuwirtschaften. Diesmal hat die Familie alles auf eine Karte gesetzt: HĂŒhnerzucht und Eierverkauf an ein Hotel in San Francisco. Eine Zeitlang lĂ€uft alles gut, bis plötzlich eine Epidemie in den HĂŒhnerstĂ€llen ausbricht, an der alle Legehennen zugrunde gehen. Das ist der Knock - out: Die Bank fordert die geliehenen Gelder zurĂŒck. Doch John London ist zahlungsunfĂ€hig und muss erneut als Farmer ohne Farm in die Stadt zurĂŒckkehren.
Jack ist zehn Jahre alt, als auch fĂŒr ihn der Weg nach unten beginnt.

Der Weg nach unten


Doch die Mutter denkt auch jetzt noch nicht ans Aufgeben. Im Hafenviertel von Oakland mietet sie ein Achtzimmerhaus, benennt es als "Pension" und untervermietet Schlafstellen an zwanzig schottische Fabrikarbeiterinnen. Jack findet in seiner Familie immer weniger ein Zuhause. Die Mutter denkt nur noch an ihre GeschĂ€fte, und auch von seiner Lieblingsschwester Eliza fĂŒhlt er sich im Stich gelassen. Eliza hat sich in die Ehe mit einem dreissig Jahre Ă€lteren Mann, einem Witwer mit drei Kindern, abgesetzt. Auch sein Vater, vom Misserfolg krank und mĂŒrbe gemacht, hat keine Zeit mehr fĂŒr ihn. Er jagt Hilfsarbeiterjobs im GemĂŒsehandel nach oder betĂ€tigt sich als NachtwĂ€chter. Es geht jedoch weiter nach unten. John London erkrankt und wird arbeitslos, und kann wiedereinmal die Schulden bei der Bank nicht zurĂŒckzahlen. Die "Pension" muss auch aufgegeben werden. Obdach finde die Londons in den Elendsvierteln von Oakland. Jack muss ab jetzt auch krĂ€ftig mitverdienen. Der Schlaf von Jack wird immer kĂŒrzer, weil er schon frĂŒh am Morgen aufstehen muss. Morgens um vier steht er fröstelnd in der Einfahrt des Verlagshauses und holt sein Paket mit den noch druckfrischen Zeitungen ab. Im Halbschlaf eilt der zehnjĂ€hrige von HaustĂŒre zu HaustĂŒre und beliefert die ihm zugeteilten StrassenzĂŒge. Nachmittags muss er sich mit der Abendausgabe in den Kneipen des Hafenviertels selbst seine Kundschaft suchen. Die drei Dollar die er monatlich verdient gibt er seiner Mutter. FĂŒr Taschengeld arbeitet er zusĂ€tzlich am Wochenende: Er fegt Kneipen aus, stellt auf er Kegelbahn alle neune zurecht oder hilft als EisverkĂ€ufer aus. Nebenbei nimmt Jack natĂŒrlich auch noch am Schulunterricht teil, langweilt sich aber tödlich. Es geht ihm alles nicht schnell genug. Seine lieblingsfĂ€cher sind Geographie und Geschichte. Im Musikunterricht verweigert er das Singen und behauptet, er sei völlig unmusikalisch. Vorallem aber schreibt er gerne lange AufsĂ€tze.
Jacks Begabung wird von seinen Lehrern erkannt. Zur Jahresabschlussfeier beauftragt man ihm, die SchĂŒlerrede zu halten. Eine grosse Ehre, doch Jack muss absagen, denn er besitzt keinen passenden Anzug. Am liebsten wĂŒrde Jack seine Ausbildung selbst in die Hand nehmen. Ein Foto zeigt den zehnjĂ€hrigen Zeitungsjungen am Tisch einer Hafenkneipe am intensiven studieren von "Websters Dictionary". Seine Mutter hat ihm immer wieder eingepredigt, dass Bildung der einzige Weg sei, der aus dem Elend herausfĂŒhrt.

Jacks Selbststudium

Systematisch beginnt Jack damit, seinen Wortschatz zu erweitern. Schon damals hat er einen bemerkenswerten Drang zum Selbststudium. In der Volksbibliothek von Oakland entdeckt Jack schliesslich ein Eldorado, ein wahres Schlaraffenland fĂŒr seinen Lesehunger. Miss Ira Coolbrith die Bibliothekarin, wird auf den bĂŒcherverschlingenden Strassenjungen in der zerschlissenen Kleidung aufmerksam. Kein Wunder, denn Jack ist einer ihrer besten Kunden. Miss Coolbrith nimmt sich seiner an, weist ihm den Weg durch das Labyrinth der Kataloge und bringt behutsam ein wenig System in die wilde Schmökerei. VerstĂ€ndnisvoll beantwortet sie Jacks Fragen, und wenn sie selbst nicht mehr weiterweiss, findet sie schnell BĂŒcher, die Antwort geben. Die Volksbibliothek wird Jacks zweite Heimat, und Miss Ira Coolbrith eine mĂŒtterliche Freundinn, die "Göttin seiner Kindheit", wie er sie beschreibt.
Zum Lesehunger gesellt sich der Wissensdurst. Neben Abenteuerromanen und ReiseerzĂ€hlungen liest Jack zunehmend historische und geographische Abhandlungen, um noch tiefer in die fremden Welten eindringen zu können. Und mit der Zeit wachsen auch die literarischen AnsprĂŒche: Werke von Flaubert, Melville, Tolstjoi und Dostojevskij finden sich auf seiner Ausleihkarte. In der Oaklander VolksbĂŒcherei bekommt Jacks Selbststudium Fundament, Methode und Ziel. Jack lernt das Lernen und stellt fest, dass er aus eigener Motivation heraus wesentlich leichter und schneller vorankommt, als auf der Schulbank. Jack wird Autodidakt, sein eigener Lehrmeister. Er weis, dass er es auch aus eigener Kraft schaffen kann. Eine wichtige Erfahrung, denn bald schon kann er sich den Luxus eines tĂ€glichen Schulbesuches nicht mehr leisten. Sein Vater ist krank und immer noch arbeitslos, die Familie braucht einen ErnĂ€hrer. Jack wird in die Fabrik gesteckt. Ein knurrender Magen ist dringlicher als ein durstiger Kopf.
Das Jack das einsieht, wird von ihm erwartet.
Die Kindheit hat ein Ende.

Die Fabrik

Der dreizehnjĂ€hrige findet sich als Arbeiter in einer Konservenfabrik wieder, und erhĂ€lt einen Stundelohn von zehn Cent. Auf dem freiem Arbeitsmarkt jener Jahre sind Kinder nun mal die billigste Ware fĂŒr den Unternehmer. GĂŒnstiger als irische Einwanderer, profitabler als Frauen, Schwarze oder Chinesen. So denken alle Arbeitgeber. Noch um 1900 arbeiten in den Vereinigten Staaten mehr als zwei Millionen Kinder fĂŒr einen Hungerlohn in der Industrie. Jack steht jetzt, manchmal bis zu zehn Stunden hintereinander in der stickigen Luft am Fliessband. Oft muss er bis in die Nacht hinein arbeiten, trĂ€umt seinen kurzen Schlaf im Maschienenrythmus weiter und wird bereits um halb sechs am nĂ€chsten Morgen von seiner Mutter aus dem Bett geworfen. Jack fĂŒhlt sich als Arbeitssklave, ausgebeutet, verraten und verkauft. Im Hinterkopf hat er noch die Vorstellung seiner Mutter, dass er ja eigentlich etwas "besseres" sei. Aber hier ist er ohnmĂ€chtig, muss die Erniedrigung als Schicksal erdulden. Diese Zeit wird er nie vergessen. Sechzehn Jahre spĂ€ter verarbeitet er seine Erinnerungen in der Geschichte ĂŒber einen elfjĂ€hrigen Kinderarbeiter.
Das schlimmste aber ist, dass Jack sich nicht nur von den Fabrikherren, sondern auch von seiner Familie ausgebeutet fĂŒhlt. Zuhause hat er nur noch eine Schlafstelle. Seinen Vater, der inzwischen wieder eine Anstellung als NachtwĂ€chter gefunden hat, bekommt er dadurch kaum mehr zu Gesicht. Seine Mutter behandelt ihn kĂŒhl und geschĂ€ftsmĂ€ssig. Sie scheint ihn nur noch zur Kenntnis zu nehmen, wenn sie seinen Wochenlohn abkassiert. Um so zĂ€rtlicher verhĂ€tschelt sie ihr Enkelkind, den kleinen Johnny. Wenn Jack von der Arbeit nach Hause kommt, findet er kaum noch Beachtung. Kein freundliches Wort, keinen Dank. Aber gerade das darf er jetzt nicht mehr. Alle wollen in ihm einen Erwachsenen sehen. Das erspart ihnen das Nachdenken. Jack verhĂ€rtet sich und kapselt sich ab. Mit der Zeit wird er ruhiger und gewinnt Abstand zu seiner Familie. Seine Mutter ist jetzt fĂŒr ihn keine grosse mythische Person mehr, sondern klein, verhĂ€mt und hĂ€sslich. Jack beginnt zu rebellieren. Zum ersten Mal fragt er nach seinen eigenen Interessen. Mit fĂŒnfzehn Jahren steigt Jack aus seiner Verantwortung fĂŒr die Familie aus. Er kĂŒndigt in der Konservenfabrik und taucht im Hafenviertel unter.
Mutter Flora kann sich, selbst viele Jahre spÀter, die plötzliche Wandlung ihres Sohnes, nicht erklÀren. Einem Zeitungsreporter erzÀhlt sie:
"Er war ein recht guter Junge, aber er kam in schlechte Gesellschaft. Er hat schreckliche KĂ€mpfe mit den Nachbarsjungen ausgetragen. Immer wieder ging er zum Hafen und wurde zu Hause schrecklich rechthaberisch. Manchmal konnten wir es mit ihm fast nicht mehr aushalten."

Der Hafen und die Kneipen

In den Kneipen und Spelunken des Hafenviertels sieht der fĂŒnfzehnjĂ€hrige ein Tor zur Freiheit, zum Abenteuer.
Jack hat schon frĂŒh bekanntschaften mit Matrosen, Abenteurer, Schmuggler und Hehlern gemacht. Jetzt ist er entschlossen, seine Kindheit zu vergessen, die Jugend zu ĂŒberspringen und ab sofort erwachsen zu sein. Von jetzt an nimmt Jack sein Leben selbst in die Hand. Doch um in Johnnys Spelunke dazuzugehören und mitreden zu können, beginnt Jack sehr viel Alkohol zu trinken. Das fĂ€llt ihm zunĂ€chst gar nicht leicht, er muss sich regelrecht zwingen seinen Ekel zu ĂŒberwinden. Eigentlich wĂŒrde er nach wie vor seine sĂŒssen Pfefferminzbonbons lutschen. An der Theke verbrĂŒdert sich Jack mit den RauschtrĂ€umern und Worthelden, den Seeleuten und Hafenarbeitern. Vorallem die ErzĂ€hlungen der Austernpiraten reizen seine Phantasie. Jack ist erstaunlich schnell bereit, sich in der Piratenbranche als selbststĂ€ndiger Unternehmer zu etablieren. Mit dreihundert Dollar, die ihm Mummy Jennie geliehen hat, steigt er gross ein. Vom Franzosen - Frank ĂŒbernimmt er ein Segelboot, die berĂŒhmte "Razzle Dazzle" (JL Bild: Razzle Dazzle), und - mehr oder weniger unfreiwillig - auch dessen Geliebte, die sechszehnjĂ€hrige Mamie, die sich im Hafenviertel den Ehrentitel "Königin der AusternrĂ€uber" erworben hat. Mamie hat gefallen an dem hĂŒbschen und krĂ€ftigen Jungunternehmer gefunden und bleibt der Einfachheit halber gleich mit an Bord. Jack gibt sich die grösste MĂŒhe, seiner Mamie zu gefallen und sich mit den schlimmsten Ganoven trinkend, prĂŒgelnd und raufend aufzunehmen. Nach kurzer Zeit hat er sein AdelsprĂ€dikat der Piraten: Als er im Zweikampf den eifersĂŒchtigen Franzosen - Franz in die Schranken weist, ernennt man ihn zum "FĂŒrsten der AusternbĂ€nke". Moralische Skrupel schiebt der jugendliche Ganove beiseite. Doch eines Tages wird es Jack klar, dass wenn er in der Piratenbranche noch mehr aufsteigt, er bald am Galgen baumeln wĂŒrde.
Als Jacks Boot in eine Polizeikontrolle gerĂ€t, stellt man ihn vor die Wahl: GefĂ€ngnis oder Polizeidienst. Er entscheidet sich fĂŒr das letztere und gilt ab sofort unter den Piraten als VerrĂ€ter Nummer 1. Nachdem Jack versucht hatte, sich selbst umzubringen, Ă€ndert er seine Lebensweise radikal. Er will aufhören zu trinken, und nichts mehr mit krummen GeschĂ€ften zutun haben.

Jack wird Matrose

Jack ist gerade mal siebzehn als er sein neues Leben beginnt. Er wird Seemann. Da er sich nicht als Schiffsjunge ausnĂŒtzen und schikanieren lassen will, gibt Jack sich als erfahrener Vollmatrose aus. Der jĂŒngste, schwĂ€chste und unerfahrenste an Bord, gesellt sich zu neunzehn skandinavischen SeebĂ€ren. Erneut muss er sich durchsetzen und Respekt verschaffen. Die Wikingergestalten mach es ihm nicht gerade leicht, denn sie versuchen ihn ĂŒberall zu provozieren. Sie hĂ€nseln ihn, weil er Pfefferminzbonbonslutschend Romane von berĂŒhmten Schriftstellern liest. Doch bald erfĂ€hrt Jack, dass das Schiff, die "Sofia Sutherland" ein RobbenfĂ€ngerschiff ist, und er nur ein Handlanger in diesem sehr blutigen GeschĂ€ft ist. Hundert Tage dauert das bestialische Gemetzel der RobbenfĂ€nger. Danach in San Francisco heuert Jack wieder ab. Hier hat er ausgelernt. Trotz der gigantischen Trinkparty, mit der Jack seinen Abschied vom Matrosenleben feiert, bringt er noch einen beachtlichen Teil seines Lohnes der Familie. Jack hat sich sehr verrechnet, was sein Umgang mit dem Geld angeht. Er dachte, er könne den Winter mit dem Rest vom Lohn verbringen. Dem war aber gar nicht so.

(JL Bild: Couch)

Die Wirtschaftskrise

Jetzt sucht Jack wieder Arbeit, was aber gar nicht leicht ist, weil 1893 ein Jahr der schweren Wirtschaftskrise ist. Drei Millionen arbeitslose werden gezÀhlt.
Als Jack ein Inserat in einer Zeitung entdeckt, und liest, man könnte 25 Dollar gewinnen, wenn man die beste Kurzgeschichte schreibt, fÀngt Jack sofort an, die Schreibmaschine hervorzukramen.
Seine Geschichte erhielt den Namen "Die Geschichte von einem Taifun vor der japanischen KĂŒste". Er holt sich damit die 25 Dollar!
Die Zahl der arbeitslosen wĂ€chst weiter. Millionen Menschen hungern, Hunderttausende sind obdachlos. Es kommt zu Krawallen, Streiks und Protestdemonstrationen. Doch die Regierung rĂŒhrt sich nicht. Im FrĂŒhjahr 1894 wird es den arbeitslosen zu bunt. Von mehreren Bundesstaaten aus organisieren sie einen gewaltigen Sternförmigen Protestmarsch nach Washington. Ihr gemeinsames Ziel ist, dem Kongress Druck zu machen und ein Soforthilfeprogramm gegen die Arbeitslosigkeit - 5 Millionen Dollar fĂŒr den Strassenbau - zu erzwingen. Jack schliesst sich der "Armee des Gemeinswohl" an. AnfĂŒhrer dieser zweitausend Mann starken Armee ist General Charles T. Kelly.
Jack ist aus purer Abenteuerlust und Erlebnishunger auf der Strasse, nicht als Arbeitsloser, sondern als Arbeitsverweigerer. Er will sich nie mehr ausbeuten lassen. Auf der Strasse lernt Jack schnell die vielen Überlebenstricks. Er lernt, sich ohne Geld zu ErnĂ€hren und zu Reisen. Als er achtzehn Jahre alt ist, ist er ein Profi - Hobo. Ein Hobo ist jemand, der aus EisenbahnzĂŒge aufspringt, um Schwarzfahren zu können.
Die Vagabunden sehen den Jugendlichen aus San Francisco bald als einer der ihren an, und geben ihm den Spitznamen "Frisco - boy". Als Jack sich die NiagarafĂ€lle ansehen will, verhaftet ihn ein Polizist und fĂŒhrt ihn vor den Schnellrichter. Jack glaubt, nicht gegen das Gesetz verstossen zu haben, und glaubt an die BĂŒrgerrechte. Doch nach fĂŒnfzehn Sekunden wurde er fĂŒr einen Monat ins GefĂ€ngnis gesteckt.

Der Knast

Wenig spĂ€ter ist Jack zusammen mit Schwerverbrechern im Erie - County Zuchthaus. Jack hat den absoluten Tiefpunkt seines Lebens erreicht. Er bekommt es mit der Angst zu tun. Die Angst ist fĂŒr ihn ein völlig neues GefĂŒhl.
Der Knast hat seine eigenen Gesetze. Dreizehn VertrauensmĂ€nner beherrschen als Vorhut des Wachpersonals das Zuchthaus und erpressen fĂŒnfhundert Mitgefangene. Mit brutalen Mafiamethoden kontrollieren sie die Tabak - und Lebensmittelversorgung, den heimlichen Nachrichtenverkehr und die innere Ordnung. Doch selbst hier erlangt Jack eine bevorzugte Stellung, sodass er vor DemĂŒtigungen, Vergewaltigungen und SchlĂ€gereien bewahrt bleibt. Zudem beschĂŒtzt Jack ein alter Berufsverbrecher. Nachdem der Monat vorbei ist, entscheidet er sich, zurĂŒck zu seiner Familie nach San Francisco zu gehen.

Jack bildet sich weiter

Seit Jack geschuftet hat, und erkannt hat, dass man damit nicht sehr viel Geld machen kann, fĂ€llt Jack ins andere extrem. Ein ungeheuer grosser Wissensdurst ĂŒberkommt ihn. Jacks hauptinteresse ist die Politik. Mit ErklĂ€rungen und Beschreibungen der Welt allein gibt sich Jack nicht mehr zufrieden. Er will auch wissen, wie man die Welt verĂ€ndern und verbessern kann. Jack ist nicht der einzige, der sich fĂŒr sozialistische Ideen interessiert. Die Probleme liegen schliesslich auf der Strasse: Arbeitslosigkeit, LohndrĂŒckerei, Kinderarbeit und Ausbeutung. Jack hat das alles am eigenen Leib erfahren.
Im Henry - Clay Debattierclub lernt er bĂŒrgerliche Sympathisanten der Arbeiterbewegung kennen. Jack bĂŒffelt schon seit langem, um in die UniversitĂ€t in Barkley zu gelangen. Wenn er dort drin ist, so glaubt er, stĂŒnden ihm alle TĂŒren offen. Im Herbst von 1896 ist es soweit: Jack hat die AufnahmeprĂŒfung bestanden. Jetzt hat er endlich einen direkten Zugang zu den Quellen des Wissens. Vorallem aber ist er Student, und das ist schon fast ein Gesellschaftlicher Status jenseits der Klassenschranken. Als Jack am ersten Schultag seine Biologielehrerin sieht, hat er sich sofort in sie verliebt. Doch ĂŒber Nacht muss Jack seine PlĂ€ne ĂŒber den Haufen werfen, denn sein Vater wurde schwer krank. Er muss sein Studium abbrechen und die Stelle in einer WĂ€scherei einnehmen. Er wird wieder das ausgebeutete Arbeitstier. Als Jack erfĂ€hrt, das in Alaska Gold gefunden wurde, sieht er seine Chance, reich zu werden. Er fĂ€hrt mit dem nĂ€chsten Dampfer nach Alaska.

Gold rush

Jack ist ĂŒberzeugt, dass er einen riesengrossen Goldklumpen finden wird. Doch er findet nichteinmal Goldstaub. Das einzige was er findet ist "Mica" oder auch "Katzengold" genannt. Nach einiger Zeit erkrankt Jack an Skorbut. Die Preise fĂŒr FrĂŒchte und GemĂŒse in Alaska sind unerschwinglich hoch, und so ist er gezwungen, ins Krankenhaus zu gehen. Nachdem er entlassen wurde, zimmert er sich ein Boot, und lĂ€sst sich 2500 Kilometer den Yukon bis Boning See hinuntertreiben. Von dort aus ging es mit einem Dampfer weiter nach Britisch - Kolumbien und danach zurĂŒck nach San Francisco. Dort erfĂ€hrt er, dass sein Stiefvater John London gestorben ist.

Jack wird Schriftsteller

Um die Schulden die John hinterlassen hat, loszuwerden, nimmt Jack jede Arbeit an. Er fĂ€ngt wieder an zu schreiben und im Januar 1899 erscheint Jack Londons ErzĂ€hlung "Unterwegs" in der Zeitschrift "Overland monthly". Sein Honorar: 5 Dollar. Ab jetzt geht es plötzlich Schlag auf Schlag: FĂŒr die nĂ€chste Story werden ihm 7 Dollar 50 gezahlt. Sein literarischer Marktwert beginnt zu steigen.

Am sechsten April 1900 heiratet Jack die Lehrerin Elizabeth Maddern, die ihm das Haus versorgt, ihm zwei Töchter schenkt, Manuskripte tippt und fĂŒr den ungestörten Verlauf seiner Schriftstellerkarriere sorgt. Jack will ein geregeltes Leben fĂŒhren, eine Fixpunkt haben. Jack geniesst seine erste Erfolge und seinen frischen Ruhm. Jetzt muss er keine Manuskripte mehr auf Rundreisen schicken, jetzt schreiben Redakteure und bitten um BeitrĂ€ge. MĂŒhelos kann er ihnen sogar seine alten, frĂŒher abgelehnten Kurzgeschichten neu anbieten, und den bevorzugen, der am meisten bezahlt. Jack sieht das ganz nĂŒchtern und materialistisch:

"Die wichtigsten Werte im Leben werden heute in Geldwert ausgedrĂŒckt. Das, was fĂŒr dieses Zeitalter am meisten kennzeichnend ist, das ist das Geldverdienen."

Um die Jahrhundertwende erscheint Jacks erstes Buch, eine Sammlung alaskischer Kurzgeschichten, unter dem Titel "Der Sohn des Wolfs". Es wird auf Anhieb ein Erfolg. Die Kritik feiert ihn, und binnen eines Jahres erscheinen drei weitere BĂ€nde. Der literarische Selfmademan hat es geschafft. Jetzt kann er sich und seiner Familie ein Haus in den Bergen kaufen. Jetzt hat er genug Geld.
Im Jahre 1902 erteilt man Jack den Auftrag, ĂŒber den Burenkrieg in SĂŒdafrika zu berichten. Jack nimmt natĂŒrlich an. Doch als er endlich in SĂŒdafrika angekommen ist, ist der Krieg schon wieder vorbei. Telegraphisch wird der Auftrag zurĂŒckgenommen. Da er nun mal in Afrika ist, will er die Probleme und den Alltag in den Slums studieren. Drei Monate bleibt Jack in den Slums, kĂ€mpft wieder um sein Essen. NatĂŒrlich hĂ€tte er Geld, um sich etwas zu kaufen, doch er will aus seinen Erlebnissen ein Buch schreiben. Dieses Buch trĂ€gt den Titel: "Die Kinder des Abgrunds (Die Stadt der Verdammten)".

Mit diesem Buch löst er in Amerika eine geradezu gewaltige Welle an Hilfsbereitschaft aus. Hunderte von Schriftstellern und Kritiker, schreiben ihm Briefe, in denen sie schreiben, sie seien geschockt ĂŒber die Erniedrigung der Armen, und das sie helfen wollen, dass das ganze ein Ende hat.
1903 erscheint Jacks erfolgreichster Roman, die Tiergeschichte "Der Ruf der Wildnis", ein Jahr spÀter "Der Seewolf" und die 1906 die ebenfalls ausserordentlich populÀre ErzÀhlung "Weisszahn, der Wolfshund", und "Wolfsblut". (Filmausschnitt)

Depressionen

WĂ€hrend Jack an "Seewolf" schreibt, gerĂ€t sein Privatleben zunehmend in eine tiefe Krise. Jack ist unglĂŒcklich, fĂŒhlt sich eingeengt und wird depressiv. Er verfĂ€llt zunehmend dem Alkohol, bis er schliesslich an Morphium gelangt. Er scheidet sich von seiner Frau, und lĂ€sst sich in verworrene LiebesaffĂ€ren ein. Eines Abends kann er nicht mehr. In einem kurzen Abschiedsbrief schreibt er: "Ich denke ernsthaft ĂŒber Selbstmord nach, wie es ein griechischer Philosoph schon getan hat..."
Jack stirbt am 22. November 1916 mit 40 Jahren an einer Überdosis Morphium.
(JL Bild: Todesverifikation)






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