Peter Handke

Inhaltsverzeichnis






1.
Biographie von Peter Handke

2.
Die wichtigsten Werke von Peter Handke

3.
Die Angst des Tormanns beim Elfmeter

3.1
Inhalt

3.2
Interpretation

4.
Handkes Ankn√ľpfung an die Wittgensteins Theorie vom Sprachspiel

5.
Handkes Verwendung der Postmoderne

6.
Handke als Vertreter der "Neuen Subjektivität"

7.
Aktuelles √ľber Peter Handke

8.
Informationen √ľber den Georg B√ľchner - Preis

9.
Informationen zur Gruppe 47

10.
Weitere Werke Handkes
























    Biographie von Peter Handke:

Peter Handke zählt zu den eigenwilligsten, erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren der Nachkriegszeit. Er wurde am 6.12.1942 in Griffen (Kärnten) geboren. Sein Großvater war Bauer und Zimmermann, slowenischer Abstammung. Seine Mutter arbeitete vor ihrer Ehe als Abwaschhilfe, Stubenmädchen und Köchin. Sein leiblicher Vater war ein deutscher Parteigenosse, verheiratet und welcher im Zivilberuf Sparkassenangestellter. Peter Handke lernte ihn zum ersten Mal zur Zeit seiner Matura kennen.
Seine Mutter heiratete, bevor das Kind zur Welt kam, einen Unteroffizier der Deutschen Wehrmacht, den Berliner Stra√üenbahnfahrer Bruno Handke, welcher die Mutter schon lange verehrt hatte. Von 1944 bis 1948 lebten Mutter und Sohn nach dem Kriegsende zusammen mit dem Stiefvater im Osten Berlins. 1948 zog die Familie in das Geburtshaus der Mutter in Griffen. Dort arbeitete der Stiefvater in der Werkstatt der Schwiegereltern. Die zunehmende Trunksucht seines Stiefvaters und die regionale und soziale Beschr√§nktheit, also die t√§gliche Erfahrung von Abh√§ngigkeit und abstumpfenden Wiederholungszw√§ngen, d√ľrften den Hintergrund f√ľr Handkes sp√§tere Ablehnung von allen erdr√ľckenden Systemen von Geboten und Gewohnheiten bilden.

Nach Absolvierung der Dorfschule in Griffen besuchte Handke das Knabeninternat des katholisch - humanistischen Gymnasiums Tanzenberg. Dort schrieb er die ersten literarischen Texte f√ľr die Internatszeitschrift "Fackel".
1959 wechselte er die Schule, da diese eher auf die Heranziehung von Priesternachwuchs ausgerichtet war, und bestand 1961 sein Abitur in Klagenfurt.

In der Zeit von 1961 - 1965 studierte Handke Jura in Graz. W√§hrend dieser Zeit fand Handke den Anschlu√ü an die Schriftstellergruppe um das "Forum Stadtpark" und √ľbernahm Publikationen in der Zeitschrift "manuskripte".

Im Jahr 1966 publizierte das Verlagshaus Suhrkamp seinen ersten Roman "Die Hornissen". Daraufhin brach Handke das Studium ab und arbeitete seit dem als freiberuflicher Schriftsteller.
Bekannt wurde Peter Handke durch die Behauptung der "Beschreibungsimpotenz" der inzwischen zur Kritikervereinigung gewordenen Gruppe 47 auf deren Tagung in Princeton. Dieses Urteil hatte wahrscheinlich auch Schuld daran an der Auflösung der Gruppe.
Im Jahr 1966 heiratete Peter Lipgart Schwarz, eine Schauspielerin, mit der er 1969 eine Tochter mit dem Namen Amina bekam.
1971 beging seine 51 - j√§hrige Mutter Maria Selbstmord. Vor ihrem Selbstmord verfasste sie aber noch einen Brief an Peter, welcher aussagte, dass es unvorstellbar zu leben sei. Durch dieses dramatisches Ereignis entstand 1971 sein Werk "Wunschloses Ungl√ľck", eine Art Biographie √ľber das tragische Leben seiner Mutter.
1972 ließ er sich von Lipgart scheiden und erzog seine Tochter alleine. Dadurch entstand im Jahr 1981 das Buch "Kindergeschichte", in dem er seine Probleme als Alleinerzieher beschreibt.
Wichtige Reisen f√ľhrten Peter fr√ľh nach Jugoslawien, Rum√§nien und in die USA. Die Erfahrungen seines l√§ngeren Aufenthaltes in Amerika spiegelt der Reiseroman "Der kurze Brief zum langen Abschied" von 1972 wider.
Mehrfach wechselte Handke seine Wohnsitze: Graz, D√ľsseldorf, Berlin, Paris, K√∂ln, Frankfurt/M., Kronberg im Taunus, 1978/79 die USA. Im Herbst 1979 √ľbersiedelte Handke nach Salzburg, damit seine Tochter ein deutschsprachiges Gymnasium besuchen konnte. Ende der achtziger Jahre machte Handke ausgedehnte Reisen und Wanderungen in Europa, Alaska und Japan.
Seit 1991 lebt der Schriftsteller in Chaville bei Paris, wo ihm die Schauspielerin Sophie Semin 1992 seine zweite Tochter, mit dem Namen Leocadie, gebar.

Im Jahre 1973 wurde Handke mit dem "Georg - B√ľchner - Preis" ausgezeichnet, 1979 erhielt er den "Franz - Kafka - Preis". Den letzten Preis, den serbischen Literaturpreis ("Goldschl√ľssel von Smederevo" erhielt er 1998.

Man kann sagen, dass Peter Handke nun seit drei√üig Jahren seine Leser immer wieder √ľberrascht, dies kann durch seine Romane, Erz√§hlungen und Theaterst√ľcke sein. Allein schon deren Titel sind schon zur Alltagssprache geworden. Um nur einige zu nennen: Die Angst des Tormanns beim Elfmeter, Der kurze Brief zum langen Abschied, Als das W√ľnschen noch geholfen hat, Mein Jahr in der Niemandsbucht.

Eines seiner zentralen Themen ist der Zustand der Welt mittels der Sprache. Steht sein Fr√ľhwerk noch deutlich unter einem sprachskeptischen Aspekt, welche sich bem√ľht den Unterschied zwischen Zeichensystemen und au√üersprachlicher Wirklichkeit zu zeigen (Die Angst des Tormanns beim Elfmeter, 1972), so wandelt sich dieser Gedanke im Verlauf der siebziger Jahre zum Glauben an das "gro√üe Wort" der Literatur (Mein Jahr in der Niemandsbucht, 1994).

F√ľr jeden seiner Romane gilt, wovon er erz√§hlt, wie er erz√§hlt, so war es bisher noch nicht zu lesen gewesen.
Durch den engen Kontakt von Handke zum "Forum Stadtpark" ist es ihm in erster Linie zuzuschreiben, dass Graz Anfang der 70er Jahre den Beinamen "heimliche Literaturhauptstadt" erhielt.

Seinen ersten gro√üen Erfolg konnte Handke mit einer absoluten Provokation verbuchen, der legend√§ren "Publikumsbeschimpfung" (1966): Stillhalten, innehalten, losgehen, wieder verharren - dieses Ineinander von Bewegungen, Bewu√ütseinsbewegungen, das beharrliche Befassen mit scheinbaren Nebens√§chlichkeiten, kleinen Dingen, all dies sind Kennzeichen f√ľr Handkes erz√§hlerische Grundhaltung.


    Die wichtigsten Werke von Peter Handke:

Zu Handkes wichtigsten bzw. bedeutenderen Schriften zählen:

2.1 Erzählungen:
    Die Hornissen (1966) Wunschloses Ungl√ľck (1972) Die Angst des Tormanns beim Elfmeter (1970) Die Stunde der wahren Empfindung (1975) Kindergeschichte (1981) Der Chinese des Schmerzes (1983) Mein Jahr in der Niemandsbucht (1994)


    Hörspiele:
    Wind und Meer (1970)

    dramatische Gedichte:
    Das Spiel vom Fragen oder Die Reise zum senoren Land Über die Dörfer (1981)


    St√ľcke:
    Publikumsbeschimpfung (1966) Das M√ľndel will Vormund sein (1969) Die Unvern√ľnftigen sterben aus (1973)



    Die Angst des Tormanns beim Elfmeter:

    Inhalt:

Als der Monteur Josef Bloch, der fr√ľher ein bekannter Tormann gewesen war, zur Arbeit kam wurde ihm mitgeteilt, dass er entlassen sei. Daraufhin verl√§sst er den Arbeitsplatz und bezieht f√ľr einige Tage ein Hotelzimmer im 2. Bezirk.
W√§hrend dieser Zeit geht er ziellos von einem Ort zum andern. Er ist √∂fters am Naschmarkt oder im Kino. Er lernt die Kassiererin eines Kinos kennen. Ein paar Tage sp√§ter begleitet Bloch sie zu ihrer Wohnung, wo er sie am n√§chsten Morgen erw√ľrgt.
Bloch verl√§sst die Stadt und f√§hrt mit dem Bus aufs Land. Er besucht eine ehemalige Freundin, die nahe der Grenze eine Gastst√§tte gepachtet hat. Es ist ein kleiner Ort, wo Bloch sich aufh√§lt. Er kommt mit den Leuten ins Gespr√§ch fragt sie Dinge √ľber den Ort, ob sie hier leben, welcher Arbeit sie nachgehen und vieles mehr. Bloch macht viele Spazierg√§nge, sieht sich die Landschaft und die H√§user an und beobachtet die Menschen.
Eines Tages lie√üt er in der Zeitung einen Artikel √ľber die Kassiererin, die er ermordet hat. Neben dem Artikel ist ein Phantombild des T√§ters abgebildet. Bloch beunruhigt das nicht, er verl√§sst den Gasthof und geht zum Fu√üballplatz, wo gerade ein Spiel stattfindet.
Er stellt sich hinter das Tor und beginnt mit einem anderen Mann, der ebenfalls dort steht ein Gespr√§ch √ľber die wichtige Funktion des Tormanns in einem Spiel. W√§hrend des Spiels kommt es zu einem Elfmeter. Bloch erz√§hlt seinem Stehnachbar √ľber die Beziehung zwischen Tormann und Sch√ľtzen, ob der eine wei√ü, wie der andere reagiert und dar√ľber auf welche Seite sich der Tormann werfen wird, wenn der Ball kommt. Alle warten auf den Elfer. Der Spieler l√§uft an. Der Tormann bleibt vollkommen regungslos stehen und der Elfmetersch√ľtze schie√üt ihm den Ball genau in die H√§nde.


    Interpretation:

Handke erzählt nicht die Geschichte des Mörders Bloch, sondern die Entfremdung des Menschen Bloch von der Gesellschaft.
Seit seiner Entlassung f√ľhlt Bloch sich losgel√∂st und fremd. Er ist wie Treibgut, dass von der Str√∂mung erfa√üt, hin und her getrieben wird. Er verliert sich in Gedanken √ľber Geschehnisse, Dinge, W√∂rter und deren Bedeutung. Die Unruhe, die Bloch bef√§llt l√§sst ihn nie lange an einem Ort verweilen, selbst nach seiner Flucht in das kleine Dorf √§ndert sich nichts an dieser Unbest√§ndigkeit.
Bloch wird zum Beobachter, er beobachtet seine Umgebung und die Menschen, die ihm begegnen. Er versucht hinter allem eine Bedeutung zu sehen, zB warum die Leute so reagieren, wie sie reagieren und was sie damit bezwecken. Bloch versucht den Sinn bzw. die Berechtigung einer Sache zu finden.
Die Symbolik tritt f√ľr Bloch im Verlauf der Geschichte immer mehr in den Vordergrund. Er sieht das Ding nicht als das an was es ist, sondern als das was es bedeutet und ob sich diese Bedeutung auf seine Person bezieht. Dadurch werden bis jetzt verst√§ndliche Handlungen unverst√§ndlich, sinnlos. Auch in diesem Buch ist Wittgensteins Theorie vom Sprachspiel zu erkennen.
Handke gibt sich nicht zufrieden damit eine Reihe von Geschehnissen zu einer Geschichte zusammenzust√ľckeln. Er schickt Bloch auf eine Suche nach Sinn und Zusammenhang von Geschehnissen. Handke l√§sst gew√∂hnliche HandIungen absurd oder irreal erscheinen.
Handke jongliert in seiner Geschichte mit W√∂rtern, Satzstellungen und Entsprechungen. Kurzzeitig benutzt er auch Bilder statt W√∂rter um die f√ľr Bloch so beherrschende Symbolik darzustellen.




4. Handkes Ankn√ľpfung an die Wittgensteins Theorie vom Sprachspiel:

Erklärung laut "Philosophische Untersuchungen" § 23:

Wie viele Arten der S√§tze gibt es aber? Etwa Behauptung, Frage und Befehl? - Es gibt unz√§hlige solcher Arten: unz√§hlige verschiedene Arten der Verwendung alles dessen, was wir "Zeichnen", "Worte", "S√§tze" nennen. Und diese Mannigfaltigkeit ist nichts Festes, ein f√ľr allemal Gegebenes; sondern neue Typen der Sprache, neue Sprachspiele, wie wir sagen k√∂nnen, entstehen und andre veralten und werden vergessen. (Ein ungef√§hres Bild davon k√∂nnen uns die Wandlungen der Mathematik geben.)
Das Wort "Sprachspiel" soll hier hervorheben, dass das Sprechen der Sprache ein Teil ist einer T√§tigkeit oder einer Lebensform. F√ľhre dir die Mannigfaltigkeit der Sprachspiele an diesen Beispielen, und anderen, vor Augen:
Befehlen, und nach Befehlen handeln -
Beschreiben eines Gegenstandes nach dem Ansehen, oder nach Messungen -
Herstellen eines Gegenstandes nach einer Beschreibung (Zeichnung) -
Berichten eines Hergangs -
√úber den Hergang Vermutungen anstellen -
Eine Hypothese aufstellen und pr√ľfen -
Darstellen der Ergebnisse eines Experimentes durch Tabellen und Diagramme -
Eine Geschichte erfinden; und lesen -
Theater spielen -
Reigen singen -
Rätsel raten -
Einen Witz machen; erzählen -
Ein angewandtes Rechenexempel lösen -
Aus einer Sprache in die andere √ľbersetzen -
Bitten, Danken, Fluchen, Gr√ľ√üen, Beten.

Erkenntnis:

Zum "Sprachspiel" gehört also nicht nur die Sprache, sondern auch die Tätigkeit oder das Verhalten, welches während des Sprechens abläuft, z.B. beim Beten. So kann Wittgenstein sagen: "Eine Sprache vorstellen heißt, sich eine Lebensform vorstellen".


    Handkes Verwendung der "Postmoderne":

Peter Handke zählt zu den wenigen Dramatikern, welche sich nicht dem Neorealismus verschrieben haben. Unter Neorealismus versteht man eine Strömung der italienischen Literatur (sowie italienischen Films) der vierziger Jahre. Der Neorealismus der Literatur stellte die schonungslose Schilderung der politischen und sozialen Lage im Italien der Kriegs - und Nachkriegszeit ins Zentrum des Interesses.
Peter Handkes dramatisches Gedicht "√úber die D√∂rfer", welches 1982 bei den Salzburger Festspielen Uraufgef√ľhrt wurde, ist kein Drama im √ľblichen Sinn. Es ist eher ein Weihespiel mit klassischen Z√ľgen.
"√úber die D√∂rfer" und die dramatische Dichtung "Das Spiel vom Fragen oder Die Reise zum senoren Land" werden als "postmoderne" bezeichnet. Dieser Begriff "Postmoderne" stammt aus Amerika und meint ein in Bezug zur Moderne gewandeltes Bewu√ütsein der Gesellschaft. Sie ist die Gegenbewegung zur Moderne der sechziger und siebziger Jahre unseres Jahrhunderts. Die Moderne war unter anderem durch eine neue Aufkl√§rung, Kritik, Rationalismus (philosophische Str√∂mung, welche die Vernunft als f√ľr den Erkenntnisprozess wesentlich hervorhebt) und das Streben nach gesellschaftlichen Ver√§nderungen gekennzeichnet.
Die Postmoderne kehrt zum Antirationalismus, zum Mythos zur√ľck, betont die Wichtigkeit der Phantasie, der Sinne und das √úbersinnliche, das Denken in Metaphern und den Glauben. Sie verzichtet auf alte lyrische Formen, Pathos (leidenschaftliche Ergriffenheit) und Innerlichkeit, sie nennt reale Erlebnisse.

Zur Problematik Realismus kontra Formalismus (arealistisch):

Die weiterentwickelten Theorien Eugen Berthold FriedrichBrechts und Georg Lukàcs (Verfremdung, Weiterentwicklung der Form) zeigen nur, dass man den Realismus im Sinne der ästhetischen Erfassung unbedingt weiter entwickeln muss.
So meint auch Handke, dass er sich in jedem literarischem Werk neue Information, bzw. eine Ver√§nderung, Erweiterung seines Bewu√ütseins erwartet. Deswegen ist er auch √ľberzeugt, dass er andere Menschen √§ndern kann - als Autor reichen ihm die bekannten M√∂glichkeiten die Welt darzustellen nicht mehr. Aber er betont die Bedeutung der individuellen Abweichung und Ver√§nderung, was ihm den Vorwurf der "deutschen Innerlichkeit" eingebracht hat. So verwischen sich schlie√ülich die Grenzen zwischen Formalismus und Realismus.


6. Peter Handke als Vertreter der "Neuen Subjektivität":


Unter dem Begriff "Neue Subjektivit√§t" versteht man eine neue Richtung der deutschen Literatur in den siebziger Jahren, welche Probleme im Privatleben, pers√∂nliche Tr√§ume bzw. Phantasien und √Ąhnliches thematisieren .
Sie bildete sich als Gegenbewegung zu einer politisch engagierten Literatur mit ihren systemkritischen und gesellschaftstheoretischen Implikationen, wie sie im Umfeld der Studentenrevolten 1968 entstanden war.
Ziel der "Neuen Subjektivität" war ein auf Innerlichkeit, Introspektion und Selbsterfahrung ausgerichteter Schreibprozess.


    Aktuelles √ľber Peter Handke:


Zuletzt wurde Peter Handke wieder aktuell durch den Krieg in Serbien. Mit der Schlagzeile : "Handke - eine Erregung" wurde in der Zeitschrift Format √ľber einen Schauspieler berichtet, welcher seine Rolle im neuen Handke - St√ľck "Die Fahrt im Einbaum" zur√ľcklegte. Der offizielle Grund sind private Gr√ľnde, aber es wird vermutet, dass der wahre Hintergrund politische Motive w√§ren.
Die Akteure des explosiven Serbien - Dramas stehen derzeit unter permanenten Druck der "Sekund√§rliteratur", welche zum St√ľck, aber vor allem zum heftig umfehdeten Autor tagt√§glich in den Medien zwischen Rambouillet, Wien und Belgrad erscheint.
Den Anfang machte Handke selbst mit dem fast schon sprichwörtlichen Satz: "Mein Platz ist in Serbien, wenn die Nato - Verbrecher das Land bombardieren."
Peter Handke reiste selbst in das serbische Nato - Angriffsgebiet, um Wort zu halten und sich jenseits der CNN - Wahrheit zu informieren. In der Zwischenzeit probte seine Frau in Wien f√ľr die Urauff√ľhrung seines neuen St√ľckes. Dieses St√ľck handelt vom bosnischen Krieg. Handke beharrt auf seiner eigenen Wahrheit: dass im Bruderkrieg nicht eine Seite die Bestien und die andere die Opfer stellt; dass man dem vom ihm so geliebten Land Serbien somit Unrecht tue. Handke verurteilt das Bombardement als barbarischen, v√∂lkerrechtswidrigen Akt.
In einem Brief von Handke, einem sonst eher medienabstinenten Menschen, an die Medien stand, Zitat: "Ich aber, der Schriftsteller Peter Handke, getaufter und, nach M√∂glichkeit, praktizierender Katholik, erkl√§re dementsprechend meinen Austritt aus dieser momentanen katholischen Kirche. Gegen jedwede Ethikkommission: Es lebe das Recht." Grund f√ľr diesen Brief waren namhafte Anh√§nger der katholischen Kirche und das Schweigen des Papstes zum NATO - Bombardement. Weiters im Brief unter dem Titel, Zitat: "Andere Kleinigkeit: Das Preisgeld f√ľr den mir 1973 gegebenen B√ľchner - Preis gebe ich an die Deutsche Akademie zur√ľck (zum Gl√ľck waren’s damals nur 10.000 DM): " symbolisch", so wie es laut den westlichen Medien das Zuschlagen der NATO im Herzen Belgrads ist, "unvermeidlich", wie, laut fast aller Welt, der Krieg der "Welt" gegen Jugoslawien; um meine "Glaubw√ľrdigkeit nicht zu verlieren". Einem jeden seine Glaubw√ľrdigkeit."

Durch solche √Ąu√üerungen von Handke wurde er von der Presse stark kritisiert. Um ein Beispiel zu nennen: "Peter Handke gibt 10.000 Mark Preisgeld zur√ľck, aber zinslos", aber auch positive Reaktionen gab es auf Handkes "Protest" wie zum Beispiel von Martin Walser, einem √∂sterreichischen Schriftsteller, welcher sich hinter Handke stellte.

    Informationen √ľber den Georg B√ľchner - Preis:

Dieser Literaturpreis wurde 1923 zur Erinnerung an Georg B√ľchner geschaffen. Urspr√ľnglich wurde dieser Preis an K√ľnstler hessischer Herkunft, oder dem hessischen Raum geistig verbunden waren, vergeben. Aber im Jahre 1951 wurde dieser in einen Literaturpreis umgewandelt. Geehrt werden deutschsprachige Autoren, welche sich mit ihren Arbeiten Verdienste um die deutsche Literatur erworben haben.


    Informationen zur Gruppe 47:

Man kann sagen, dass die Gruppe 47 eine Art lockerer Zusammenschluss linksgerichteter Schriftsteller bzw. Kritiker war. Die Gruppe¬†47 entstand aus einem Kreis, der sich urspr√ľnglich um die Zeitschrift "Der Ruf" (Untertitel: Unabh√§ngige Bl√§tter der jungen Generation) gebildet hatte (Anh√§nger: Alfred Andersch und Walter Kolbenhoff). Als "Der Ruf", ein kritisches Organ zur politischen Bewusstseinsbildung, von der US - Milit√§rregierung verboten wurde, trafen sich die Mitarbeiter, um ihre ungedruckten Manuskripte vorzustellen. Dies war der Beginn der Gruppe¬†47, die ohne festes politisches oder √§sthetisches Konzept antrat. Ihr Ziel war allein die Wiederbelebung einer jungen deutschen Literatur. Peter Handkes Beschimpfung, die der Gruppe¬†47 auf einer Auslandstagung in Princeton 1966 Beschreibungsimpotenz attestierte, leitete das Ende des Zusammenschlusses ein. 1967 kam es zur letzten offiziellen Tagung der Gruppe¬†47. Auch ein privates Treffen im Haus Hans Werner Richters 1972 und eine weitere Zusammenkunft in Saulgau im Jahr 1977 vermochte sie nicht neu zu beleben. Trotzdem res√ľmierte Richter positiv: "Eine Aufgabe hat die Gruppe mit ihrer literarischen Schubkraft wirklich erf√ľllt, n√§mlich den nach dem Krieg stehen gebliebenen Waggon der deutschen Literatur wieder an den Zug der Weltliteratur zu koppeln."






10. Weitere Werke Handkes:

Werke (Auswahl):

Prosa
    Die Hornissen. Roman. Frankfurt/M.:
Suhrkamp,1966.
Handkes erstes erschiene Werk
    Der Hausierer. Roman. Frankfurt/M.:
Suhrkamp,1967.
    Kaspar. Frankfurt/M.:
Suhrkamp,1967.
    Die Angst des Tormanns beim Elfmeter. Erzählung. Frankfurt/M.:
Suhrkamp,1970.

    Der kurze Brief zum langen Abschied. Erzählung. Frankfurt/M.:
Suhrkamp,1972.
    Ich bin ein Bewohner des Elfenbeinturms. Aufsätze. Frankfurt/M.:
Suhrkamp,1972.
    Wunschloses Ungl√ľck. Erz√§hlung. Salzburg ,Wien:Residenz,1972.;der Mutter gewidmet Die linksh√§ndige Frau. Erz√§hlung. Frankfurt/M.:
Suhrkamp,1976.
    Über die Dörfer. Dramatisches Gedicht. Frankfurt/M.:
Suhrkamp,1981.
    Das Spiel vom Fragen oder Die Reise zum sonoren Land. Frankfurt/M.:
Suhrkamp,1989.
    Versuch √ľber die Jukebox. Erz√§hlung. Frankfurt/M.:
Suhrkamp,1990.
    Versuch √ľber den gegl√ľckten Tag. Ein Wintertagtraum. Frankfurt/M.:
Suhrkamp,1991.
    Die Kunst des Fragens Frankfurt/M.:
Suhrkamp,1994
    Mein Jahr in der Niemandsbucht. Ein Märchen aus den neuen Zeiten Frankfurt/M.:
Suhrkamp,1994.


St√ľcke:
    Publikumsbeschimpfung. Regie: Claus Peymann.
Frankfurt/M.: Theater am Turm,1966.
    Das M√ľndel will Vormund sein. Regie: Claus Peymann.
Frankfurt/M.: Theater am Turm,1969.
    Die Stunde, da wir nichts voneinander wußten. Regie: Claus Peymann.
Wien: Burgtheater,1992.
    Zur√ľstungen f√ľr die Unsterblichkeit. K√∂nigsdrama. Regie: Claus Peymann.
Wien: Burgtheater,1997.


Filme:
    Die Angst des Tormanns beim Elfmeter. TV - Film. Drehbuch (nach der gleichnamigen Erzählung von Peter Handke): Peter Handke, Wim Wenders, Regie: Wim Wenders. ORF,WDR,1972. Die linkshändige Frau. Spielfilm, Drehbuch (nach seiner gleichnamigen Erzählung), Regie: Peter Handke, Deutschland, WDR,1977.

√úbersetzungen:
    Florjan Lipus: Der Zögling Tjas. Roman.
√úbersetzung. a. d. Slowenischen: Peter Handke, Helga Mracnikar. Salzburg, Wien:Residenz,1981
    William Shakespeare: Das Wintermärchen.
√úbersetzung. a. d. Englischen: Peter Handke. Frankfurt/M. Suhrkamp,1991.






















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