Allergien (Zivilisationskrankheiten)

1.) Definition:
Der Begriff Allergie kommt aus dem Griechischen von allos (anders) und ergon (Reaktion, Verhalten).
Allergien sind √úberempfindlichkeitsreaktionen gegen√ľber bestimmten Stoffen in der Umwelt, in der Luft, in der Nahrung, in den Dingen, die die Menschen umgeben und mit denen sie tagt√§glich zu tun haben.
Schätzungsweise ein Viertel der Bevölkerung leidet unter einer solchen Unverträglich - keit und diese Allergieempfindlichkeit nimmt zu, weil der Mensch mit neuen Umwelt - schadstoffen, Chemikalien und Nahrungsmitteln konfrontiert wird.


2.) Auslöser:
Um genau herauszufinden, gegen welche Stoffe man allergisch reagiert, muss man die Lebensgewohnheiten und die Umwelt des Betroffenen genau beobachten und sich die Frage stellen inwieweit der Kontakt mit bestimmten Stoffen zu den Beschwerden f√ľhren. Es kann zwar sein, dass an der Stelle, wo sich das Symptom zeigt (zum Beispiel: Hautausschlag) auch der allergieausl√∂sende Stoff (zum Beispiel: Waschmittel) in den K√∂rper gelangt ist, doch es gibt auch eine andere M√∂glichkeit. Der Stoff auf den der K√∂rper √ľberempfindlich reagiert, kann auch durch die Blutbahn an eine ganz andere Stelle gebracht worden sein.
Deshalb muss man sich genau fragen, was vor dem Auftreten der allergischen Beschwerden gegessen oder getrunken wurde, was man ber√ľhrt oder eingeatmet hat.
Das Erscheinungsbild aller möglichen allergischen Erkrankungen ist äußerst vielfältig. Die Symptome sind oft sehr unterschiedlich und die Ursachen der allergischen Überreaktionen lassen sich nicht unbedingt denselben Symptomen zuordnen.
Oft wird keine unmittelbare Ursache f√ľr eine allergische Reaktion gefunden. Das ist meistens dann der Fall, wenn die Reaktion nicht direkt nach dem Kontakt mit dem Allergen auftritt.

Die Zahl der Allergene ist au√üerordentlich gro√ü, sie geht in die Tausende. Sie entstammen der belebten und unbelebten Umwelt. Die weitaus gr√∂√üte Zahl der allergischen Krankheiten wird durch ,,nat√ľrliche" Allergene hervorgerufen, was h√§ufig √ľbersehen wird. Eine Klassifizierung der Allergene hat sich als zweckm√§√üig erwiesen.

a.) Inhalationsallergene: Sie sind zum großen Teil organischer (tierische und pflanzliche Allergene) aber auch nicht - organischer Herkunft (chemische Allergie), die inhalativ aufgenommen werden.
Zu diesen gehören Pflanzenpollen, Hausstaubmilben; Schimmelpilzsporen, Hautschuppen und Exkremente von Säugetieren, Stäube vielfältiger Herkunft wie zum Beispiel Insekten, Arbeitsstoff (zum Beispiel: Mehl).
b.) Nahrungsmittelallergene: Jedes Nahrungsmittel tierischen und pflanzlichen Ursprungs kommt als Allergen in Frage, auch in Spuren und in ,,maskierter" Form (zum Beispiel: H√ľhnerei in Backware, Sellerie in W√ľrzmischungen). Die Allergenzufuhr erfolgt haupts√§chlich oral.
Es werden Milch und Milchprodukte, H√ľhnereier, Fische, N√ľsse, Gew√ľrze, Gem√ľse, Obst und andere dazugez√§hlt.
c.) Insektengiftallergene: Die Sensibilisierung (den Organismus auf bestimmte Allergene empfindlich machen) und die Ausl√∂sung einer allergischen Reaktion durch Insekten erfolgen entweder nach einem Stich bzw. Bi√ü durch Gift aus den Giftdr√ľsen (zum Beispiel: Biene, Wespe, Hornisse, Hummel) oder durch Speichelsekrete (zum Beispiel: Stechm√ľcken, Fliegen, Wanzen, L√§use, Fl√∂he), oder nach der Einatmung von Insektenstaub.
d.) Arzneimittelallergene: Penicillin und andere Antibiotika, Sulfonamide, Analgetika, usw.
e.) Parasitenallergene: Spulwurm, Hundebandwurm ....
f.) Kontaktallergene: Metallsalze, Gummistoffe, Kunststoff, Farbstoffe, Kosmetika, Konservierungsstoffe, Inhaltsstoffe von Pflanzen und pflanzlichen Produkten.


Der K√∂rper des Menschen kann theoretisch gegen alle m√∂glichen Stoffe allergisch sein. Um erkl√§ren zu k√∂nnen, wie eine Allergie entsteht, muss man zuerst √ľber die Funktion des Immunsystems Bescheid wissen.

Der K√∂rper des Menschen ist von der Umwelt durch Haut und Schleimh√§ute getrennt. Diese ,,Grenze" besitzt eine Reihe von Einrichtungen, um den K√∂rper mit seinen verschiedenen Organen vor sch√§dlichen √§u√üeren Einfl√ľssen [Hitze, K√§lte oder k√∂rperfremde Stoffe (Viren, Bakterien, Parasiten, Chemikalien)] zu sch√ľtzen. Diese sch√§dlichen Einfl√ľsse hei√üen Antigene.

Die Talgdr√ľsen in unserem K√∂rper sondern ein Sekret ab, das viele Krankheitserreger schon auf der Haut abt√∂tet. Doch durch die K√∂rper√∂ffnungen (Nase, Mund, Augen, Ohren, Scheide, Harnr√∂hre, Anus oder irgendwelche Verletzungen an der Hautoberfl√§che) k√∂nnen Fremdk√∂rper in das K√∂rperinnere eindringen. Diese Fremd - stoffe werden durch die K√∂rperfl√ľssigkeiten wieder nach au√üen bef√∂rdert. Au√üerdem wirken diese Fl√ľssigkeiten chemisch gegen Mikroorganismen und t√∂ten sie meistens schon beim ersten Eindringen ab. Im Magen werden k√∂rperfremde Stoffe, die √ľber die Speiser√∂hre in den K√∂rper gelangt sind, durch die Magens√§ure bek√§mpft.

Gelingt es irgendwelchen Fremdstoffen, nicht nur Mikroorganismen, sondern auch harmlose Stoffe, die in der Natur, in der Luft und in der Nahrung vorkommen, die erste Barriere (Haut, Schleimh√§ute) zu √ľberwinden, wird der n√§chste Schutzmechanismus des K√∂rpers eingeschaltet, das Immunsystem.
Dieses System kann an ihrer Zellstruktur die körperfremden von den eigenen Stoffen unterscheiden und schaltet gleich Gegenmaßnahmen zur Vernichtung ein.
Unter den wei√üen Blutk√∂rperchen gelten die Lymphozyten als die schnellsten Eingreiftruppen des Immunsystems. Etwa vier Prozent befinden sich st√§ndig im Blutkreislauf und sind somit immer zur Stelle, wenn irgendwo Fremdk√∂rper in den Organismus eindringen k√∂nnen. Der Rest wird in Knochenmark, Lymphknoten, Mandel, Thymus und der Milz gespeichert, abrufbereit f√ľr einen gr√∂√üeren ,,Notfall". Der Blut - oder Lymphkreislauf sp√ľlt sie an die Stelle, wo sie im Gewebe eingreifen und Eindringlinge zerst√∂ren m√ľssen.

Die Aktivitäten des Immunsystems beruhen auf zwei verschiedene Arten von Lymphozyten, den B - Zellen und die T - Zellen. Das sind weiße Blutkörperchen mit rundem Kern und schmalen Zytoplasmasaum. Sie sind die Träger der spezifischen Immunität.

B - Lymphozyten: Sie produzieren beim Eindringen fremder Zellen in den Körper Eiweißkörper, die man als Antikörper bezeichnet. Diese sind exakt auf die feindlichen Zellen ausgelegt und damit werden diese feindlichen Zellen gebunden, also neutralisiert. Im Falle einer Grippe rettet dieser Schutzmechanismus den Körper vor Schaden.

Bei einer Allergie funktioniert das √§hnlich, nur l√§uft das Immunsystem gewisserma√üen Amok und setzt seine Abwehr gegen Fremdstoffe ein, die eigentlich keine Gefahr f√ľr den K√∂rper bedeuten (Tierhaare, Pollen, Hausstaubmilben oder bestimmte Stoffe in der Nahrung).
Wenn B - Lymphozyten in Kontakt kommen mit k√∂rperfremden Stoffen (Allergene), produzieren sie wieder Eiwei√ümolek√ľle (Antik√∂rper oder Immunglobuline IgE). Diese Antik√∂rper ergreifen mit ihren Fangarmen die Allergene. Das ben√∂tigt zirka ein oder zwei Tage, bis das Immunsystem das Allergen in seiner Struktur erkannt hat und die passenden Antik√∂rper produziert. Nach ein bis zwei Wochen ist der H√∂hepunkt der Abwehrproduktion erreicht und der Antik√∂rperspiegel geht wieder zur√ľck.
Kommt es erneut zu einem Eingreifen derselben Fremdk√∂rper, produziert es die Antik√∂rper viel rascher. Die Antik√∂rperproduktion beim ersten Kontakt mit einem Allergen f√ľhrt noch zu keinen Symptomen.
An dieser Stelle tritt noch eine andere Art weißer Blutkörperchen in Aktion, die Mastzellen. Auf ihrer Oberfläche setzen sich die Antikörper fest, erst hier sind sie in der Lage, die Allergene an die Mastzelle zu koppeln.
Die Mastzellen sind mit Bl√§schen gef√ľllt, die bestimmte Substanzen enthalten, die man als Mediatoren (,,√úbertr√§gersubstanzen") bezeichnet. Eine solche Substanz ist das Histamin, das f√ľr Allergien eine wichtige Rolle spielt.

Falls es zu einem erneuten Eindringen Allergene kommt, sitzen auf den Mastzellen die Antik√∂rper und k√∂nnen sofort die feindlichen Allergene binden. Sogleich wird die Membran der Mastzellen durchl√§ssig und die Bl√§schen sch√ľtten den √úbertr√§gerstoff, das Histamin, aus.
Ein Histaminaussto√ü bringt den Organismus in eine Notsituation und es wirkt sich fatal auf das Gewebe aus. Die Blutgef√§√üe werden weit, darauf folgt sinkender Blutdruck, die Schleimh√§ute entz√ľnden sich, schwellen an und sondern Schleim ab. Die Nase, der Mund, die Augen beginnen zu jucken und die Luftr√∂hre schwillt ebenso an. Durch die Beeintr√§chtigung der Muskulatur des Darms kann es zu Magen - Darm - Kr√§mpfen und Durchfall kommen. Die Haut r√∂tet sich und es entsteht Ausschlag.
Am Ort der Entz√ľndung tauchen nun die T - Lymphozyten auf. Das sind spezielle Fre√üzellen, die die Allergene entsorgen.
Damit der ganze Mechanismus auch wieder aufhört, tauchen nach einiger Zeit
T - Suppressor - Zellen auf, die eine weitere Produktion von Antik√∂rpern in den B - Lymphozyten reduzieren und schlie√ülich beenden. Sobald alle Fremdstoffe neutralisiert sind und die entz√ľndungsf√∂rdernde Wirkung der √úbertr√§gersubstanz zu wirken aufh√∂rt und nicht nachproduziert wird, verschwinden die Symptome.

Dieser Schutzmechanismus des Immunsystems sch√ľtzt den Organismus vor vielen Krankheiten. Gelangen die Bakterien in den K√∂rper, so sorgt diese Reaktion daf√ľr, dass die Krankheit von selbst geheilt wird.
Das Immunsystem kann freilich auch einem Irrtum unterliegen und falsch reagieren. Staubpartikel und Bl√ľtenstaub sind eigentlich harmlose Stoffe und trotzdem k√∂nnen sie eine Immunreaktion hervorrufen. Das kann man nur damit erkl√§ren, dass das Immunsystem gef√§hrliche Stoff von ungef√§hrlichen nicht unterscheiden kann. Dazu kommt, dass zu viele Antik√∂rper gebildet werden, die dann wiederum daf√ľr sorgen, dass zu viel Histamin ausgesch√ľttet wird. Die dadurch hervorgerufenen Symptome machen eine Allergie aus.
Das Immunsystem hat ein ,,gutes Ged√§chtnis", das in der Regel sehr n√ľtzlich ist, weil der K√∂rper auf diese Weise gegen bereits bekannte Bakterien immun ist. Kommt es n√§mlich zu einem zweiten Kontakt, werden diese Fremdstoffe durch die bereits vorhandenen Antik√∂rper beseitigt.
Bei allergischen Fehlreaktionen ist dies jedoch anders. Auch hier ist das Immunsystem bereits auf das bekannte Allergen programmiert und reagiert sofort sehr heftig, indem das frei werdende Histamin zu Gewebeentz√ľndungen und anderen Symptomen der Allergie f√ľhrt.

Nicht nur Stoffe k√∂nnen die Ursache f√ľr Allergien sein, sondern kann auch die eigene Psyche schuld an der √úberempfindlichkeit sein.
Fr√ľher glaubte man, dass der Mensch eine bestimmte Pers√∂nlichkeitsstruktur haben m√ľsse, um f√ľr die Allergie anf√§llig zu sein. Manche, auf die Tiefenpsychologie spezialisierten Psychotherapeuten, die Allergiker behandeln, suchen deshalb auch heute noch in der Lebensgeschichte ihrer Patienten nach Ereignissen, die das Leiden ausgel√∂st haben k√∂nnte. Daf√ľr gibt es jedoch keinerlei Beweise.
Allergien sind nach heutigem Kenntnisstand organische Erkrankungen, die, wie jede andere Krankheit, auch auf die Psyche eines Patienten r√ľckwirken und damit auch die Allergie verst√§rken k√∂nnen.
Ein Patient, der weiß, dass er zum Beispiel auf Insektenstiche allergisch reagiert und sich schon einmal in einer lebensbedrohlichen Lage befand, kann schon beim Anblick einer Biene oder Wespe in Panik geraten. Durch unkontrollierte schnelle Bewegungen der Arme (,,Herumfuchteln") kann er sich somit selbst in Gefahr bringen, indem das Insekt zum Stechen herausfordert.
Schließlich spielt auch das soziale Umfeld des Allergikers eine große Rolle. Eine Allergie kann die Leistungsfähigkeit eines Menschen sehr einschränken. Bei Unwissenheit der Mitmenschen kann es zu Mißverständnissen kommen und das kann mögliche Probleme im Beruf und auch im Freundeskreis mit sich bringen.


3.) F√ľnf Arten der Allergien:
Allergische Prozesse verlaufen sehr kompliziert. Wenn das Immunsystem des Allergikers mit einer ,,Invasion" von Antigenen √ľberschwemmt wird und sich als Immunreaktion Antik√∂rper bilden, reagiert der K√∂rper √ľberempfindlich.
Nicht alle Allergien verlaufen gleich und die Reaktionszeiten sind verschieden lang. Deshalb gibt es f√ľnf verschiedene Allergietypen.

Allergie - Typ 1: Reaktion sofort !!!
Unmittelbar nach dem Kontakt treten die ersten Symptome auf. Es kann zu Niesreiz, Juckreiz oder zu Atemnot kommen. Schuld daran ist eine zu hoch gestiegene Produktion von Antik√∂rpern, die sich auf den Mastzellen niederlassen und die Allergene einfangen. Die Folge ist, dass die Mastzellen Histamin absondern, das wiederum zu den Symptomen der Allergie f√ľhrt. Die h√§ufigsten Auswirkungen dieses Allergietyps sind Nesselausschlag, Angio√∂dem, Asthma und Schnupfen. Zirka 90 Prozent aller Allergien fallen unter diesen Typ.


Allergie - Typ 2: Zytotoxische Reaktion !!!
Diese Allergieform beruht auf einer weiteren Fehlregulation im Immunsytem.
Das System greift k√∂rpereigene Zellen an, weil es sie f√ľr fremde h√§lt. Dieser Irrtum kommt deshalb zustande, weil sich an den Zelloberfl√§chen k√∂rpereigener Zellen k√∂rperfremde Teilchen oder vom Organismus selbst produzierte Fremdstoffe angelagert haben.
Zytotoxische Reaktionen werden auch als Autoimmunkrankheit bezeichnet (zum Beispiel: Blutgruppenunverträglichkeit in der Schwangerschaft oder Krankheiten wie Agranulozytose).

Allergie - Typ 3: Immunkomplexe!!!
Hier bilden Allergene und Antik√∂rper, manchmal zusammen mit k√∂rpereigenen Zellen, mehrgliedrige Zellkomplexe, die die Allergene unsch√§dlich machen sollen. Wenn die Zahl der Immunkomplexe zu hoch ist, kann das zu allergischen Entz√ľndungen im Gewebe kommen. Die Symptome erscheinen nicht sofort, es braucht einige Stunden bis sie sich ausbilden.

Allergie - Typ 4: Zelluläre Immunreaktion!!!
Hier werden die Allergen direkt den T - Lymphozyten attackiert und gefressen, also nicht auf dem Umweg der Antikörperbildung. Es verhält sich so ähnlich wie beim Allergie - Typ 2. Die körpereigenen Zellen haben sich mit kleinen körperfremden Teilchen verbunden. Diese lassen sich von den T - Zellen genau lokalisieren.
Auch hier treten die Symptome erst später auf. Von der Überreaktion (Sensibilisierung) bemerkt der Betroffene nichts, erst bei neuerlichem Kontakt mit dem Allergen kommen die Symptome zum Vorschein.

Pseudo - Allergien: In diesem Fall spielt weder das Immunsystem verr√ľckt noch spielen auch Allergene, denen ein irritiertes Immunsystem Antik√∂rper entgegensetzt, eine Rolle. Die k√∂rperfremden Stoffe bewirken die Symptome direkt. Manche Stoffe veranlassen die Mastzellen, Histamin auszuscheiden. Die darauf folgenden Symptome fallen je nach Menge des eingenommenen Stoffes heftiger oder schw√§cher aus.
Beispiele f√ľr Stoffe, die diese Pseudo - Allergien ausl√∂sen:
Erdbeeren
Thunfisch, Makrelen
Käse
Konservierungsstoffe


4.) Allergie - Tests:
Der erste diagnostische Schritt des Arztes wird die genaue Untersuchung des Blutes sein. Danach gibt es verschiedene Möglichkeiten zu testen, ob der Patient Allergiker ist, und wenn ja, auf welche Allergene er empfindlich reagiert.

A.) Hauttests:
Diese Testmethode gehört zum Standard einer Allergieuntersuchung. Dabei verwendet man Allergenextrakte der Stoffe, die möglicherweise die Allergie ausgelöst haben.
Es gibt verschiedene Methoden, wie man den Allergenextrakt auf oder in die Haut bringt. An der betreffenden Hautstelle, wo das Allergen aufgebracht wird, kommt es in Kontakt mit den bei sensibilisierten Patienten vorhandenen Antik√∂rpern, und diese setzen die allergische Reaktion in Gang. Histamin wird freigesetzt, dringt ins Gewebe und bewirkt dort eine Entz√ľndung. Auf der Haut erscheint diese Reaktion als deutliche R√∂tung.
Der Arzt testet nicht nur ein einziges Allergen, sondern stellt eine sinnvolle Reihe zusammen. Meist werden Hausstaubmilben, tierische Antigene (Pferde, Hund, Katze, Meerschweinchen,...) und Federn, Schimmelpilzsporen, Textilien (Wolle, Seide) und Pollen (Birke, Erle, Hasel, Roggen, Knäuelgras, Beifuß, Wegerich, Esche) anhand von Hauttests untersucht.
Der Patient kann außerdem im Test auf Allergene positiv reagieren, auf die er im Alltag noch nie allergisch reagiert hat. Oder selbst, wenn der Test auf ein bestimmtes Allergen positiv reagiert, muss das nicht heißen, dass die faktisch vorhandene Allergie tatsächlich auch auf dieses Allergen anspricht.
Es passiert sogar, dass alle verwendeten Testextrakte eine Reaktion zeigen. Das bedeutet, dass das Immunsystem grundsätzlich auf mechanische Reize der Haut mit Histaminabsonderungen reagiert.
Andererseits kann auch eine Testreihe negativ ausfallen und dennoch eine Allergie vorliegen. Um diese M√∂glichkeit richtig zu deuten, muss sich der Patient einem Test unterziehen, bei dem er mit Histamin in Ber√ľhrung kommt. Wenn an dieser Stelle keine R√∂tung entsteht, deutet es darauf hin, dass der Patient unter Einflu√ü eines Anti - Histaminikums (Anti - Allergie - Mittel) steht.

Es gibt f√ľnf M√∂glichkeiten, wie das Allergenextrakt beim Test vom Arzt mechanisch in die Haut gebracht wird:
a.) Reibetest: Wenn ein Patient äußerst empfindlich auf ein Allergen reagiert, reicht der unkomplizierte Reibetest aus, um das Allergen mit dem Immunsytem in Kontakt zu bringen.
Bei diesem Test wird mit dem nat√ľrlichen Allergen (Tierhaare, Eiklar, Fisch, Nativpollen, Staub exotischer H√∂lzer, sowie diverse Frucht - und Gem√ľses√§fte) die Haut an der Innenseite des Unterarms acht bis zehn Mal kr√§ftig gerieben. Bei positiver Reaktion entwickeln sich nach zwei bis drei Minuten stecknadelkopfgro√üe nesselsuchtartige Hautver√§nderungen, die zun√§chst um die feinen Haarkan√§le lokalisiert sind, sich innerhalb von zwanzig Minuten zu juckenden Anschwellungen (Quaddeln) vergr√∂√üern und je nach Reaktionsausfall unter Umst√§nden zu erhabenen Hautbezirken gro√üfl√§chig zusammenflie√üen. Der Reibtest f√§llt nur bei einer h√∂heren Empfindlichkeit positiv aus.
Bei diesem Test kann es auch zu unerw√ľnschten √ľberschie√üenden Reaktionen kommen, deshalb soll er nur von einem Arzt durchgef√ľhrt werden.

b.) Scratch -, Kratz - oder Ritztest: Der Scratchtest ist weitgehend speziellen Allergenen vorbehalten, da er oft zu unempfindlich ist und die zugef√ľhrte Allergenmenge nicht dosierbar ist.
Anwendung findet der Scratchtest besonders in F√§llen mit anamnestisch hohem Sensibilisierungsgrad als Sicherheitsma√ünahme vor Durchf√ľhrung anderer Hauttests, zum Beispiel mit Arzneimitteln und besonders nat√ľrlichen Allergenen, wie Nahrungsmittel.
Auch dieser Test wird bevorzugt an den Innenseiten der Unterarme durchgef√ľhrt. Die Haut wird mit einer Impflanzette leicht und oberfl√§chlich angeritzt; nach M√∂glichkeit soll kein Blut austreten.

c.) Prick - oder Stichtest: Der Prick - Test wird heite am h√§ufigsten angewandt. Der Arzt tropft den glyzerinhaltigen Extrakt auf die Innenseite der Unterarme. Durch den Tropfen hindurch wird die Haut mit einer Impflanzette oberfl√§chlich kurz angestochen, ohne dass die Hautblutgef√§√üe verletzt werden. Die aufgebrachten Allergenl√∂sungen werden nach f√ľnf bis f√ľnfzehn Minuten mit Flie√üpapier entfernt. Nach zirka 20 Minuten l√§sst sich das Ergebnis ablesen. Bilden sich rund um die Einstichstelle Quaddeln, so kann man davon ausgehen, dass der Patient f√ľr das betreffende Allergen sensibilisiert ist.

d.) Intrakutantest: Dieser Test unterscheidet sich vom Prick - Test eigentlich nur in der Technik, mit der Allergenlösung in die Haut gebracht wird.
Die Allergen verd√ľnnung wird mit einer feinen Kan√ľle (Injektionsspritze) in die Haut gespritzt. Da die Nadel bis in die Lederhaut reicht, also tiefer geht als beim Pricktest, ist dieser Vorgang schmerzhafter und kann auch √ľberzogene Reaktion hervorrufen. Man setzt diesen Test bei Penizillinen und Insektengift ein oder wenn man ein einziges Allergen in verschiedenen Verd√ľnnungen austesten will, um den Grad der Sensibilisierung festzustellen.

e.) Epikutan - oder Pflastertest: Liegen Kontaktekzeme vor, greift man zu dieser Methode. Der Arzt verwendet eine Pflaster, auf dem an verschiedenen Punkten die einzelnen in Frage kommenden Allergene in entsprechender Verd√ľnnung bereits aufgetragen sind. Das Pflaster wird auf den R√ľcken oder Oberarm des Patienten geklebt. Da sich Kontaktallergien langsam entwickeln, muss das Pflaster 48 bis 72 Stunden auf der Haut bleiben. Dann wird es abgenommen und je nachdem wie die Reaktionen (R√∂tung, Schwellung, Kn√∂tchen, Bl√§schen) ausfallen, erfolgt die Einordnung der Reaktion in verschiedenen St√§rkegraden.
Der Ablauf wird √ľber Tage beobachtet und schlie√ülich beurteilt.

B.) Provokationstest:
Am einfachsten und unverf√§lschtesten m√ľsste es eigentlich sein, wenn man der zu testenden Person die Allergene direkt auf die Haut oder Schleimhaut verabreicht, denn so funktioniert eigentlich eine Allergieausl√∂sung. Das wird beim Epikutantest auch gemacht, allerdings bringt man dabei nur die Allergene auf die Haut, die im t√§glichen Leben auf die Haut wirken.
Wenn man nun Allergene, die sonst √ľber die Schleimh√§ute von Nase, Auge oder Bronchien aufgenommen werden, dem Organismus auf dieselbe Weise zuf√ľhrt, spricht man dabei vom Provokationstest.
Bei manchen Arzneimittel - oder Nahrungsmittelallergien ist dieser Test nicht durch andere Methoden zu ersetzen. Er ist jedoch auch nicht ungef√§hrlich, deshalb sollte ihn nur ein Arzt durchf√ľhren, der mit dieser Methode Erfahrung hat und alle Hilfsmittel bereith√§lt und beherrscht, um eine m√∂gliche Schockreaktion sofort in den Griff zu bekommen. Er muss auch bei einem m√∂glichen Atemstillstand alle Ma√ünahmen zur Wiederbelebung durchf√ľhren k√∂nnen.

Beim Verdacht auf Nahrungsmittelallergie gibt man dem Patienten zuerst ein Kontrastmittel zu schlucken, und unter dem Röntgengerät beobachtet, wie sich der Magen - Darm - Kanal nach Einnahme des verdächtigen Nahrungsmittels verhält.
Handelt es sich um allergenhaltige L√∂sungen, l√§sst man diese inhalieren. In einer Testreihe steigert man langsam sie Konzentration der L√∂sung und mi√üt dabei die Atemfunktion des Patienten. √Ąhnlich kann man auch diesen Test am Auge (die Testl√∂sung wird in den Bindehautsack getropft) oder an der Nase (Testl√∂sung auf der Nasenschleimhaut) durchf√ľhren.

C.) In - vitro - Tests:
Bei allergischen Erkrankungen ist normalerweise eine spezielle Art der weißen Blutkörperchen (eosinophile Leukozyten) deutlich erhöht. Man nimmt an, dass im Plasma dieser Blutkörperchen anti - allergisch wirkende Stoffe enthalten sind.
Im Labor z√ľchtet man nun die Blutzellen, die Antik√∂rper enthalten k√∂nnen, in einem Kulturgef√§√ü. Wenn man nun bestimmte Antigene hinzuf√ľgt, schwellen diese Zellen an und zeigen vermehrte, me√übare Stoffwechselaktivit√§t. Die Antik√∂rper werden mit dieser Methode nur indirekt nachgewiesen, also durch die Ver√§nderung wei√üer Blutk√∂rperchen. Der Befund kann auf eine Allergie schlie√üen lassen, muss aber nicht sein. Deshalb ist es besser, die Antik√∂rper direkt im Blut nachzuweisen und dazu dienen verschiedene Blutuntersuchungen.
a.) Radio - Immun - Sorbens - Test (RIST):
Mit dem RIST kann man das Immunglobulin E nachweisen. Da prinzipiell alle Antikörper Immunglobuline sind, muss bei einer Allergie der gesamte Immunglobulin - Spiegel erhöht sein. Je größer die Überempfindlichkeit (Allergiebereitschaft), desto höher ist auch der Immunglobulin - Spiegel. Der Befund aus diesem Test kann den Verdacht bestätigen, dass eine Allergie vorliegt. Welche Allergie dies ist, lässt sich nicht herausfinden.

b.) Radio - Allergo - Sorbens - Test (RAST):
Mit diesem Verfahren lassen sich wesentlich genauer die Immunglobuline gegen ganz bestimmte Allergene im Blut nachweisen. Dieser Test ist technisch sehr aufwendig und deshalb auch teuer. Darum muss man auch schon vorher einen bestimmten Verdacht gegen das eine oder andere Allergen haben, um nicht blindlings nach Allergenen zu suchen. Oft sucht man mit dem RAST die Bestätigung eines Ergebnisses, das sich bereits aus dem Hauttest als möglich gezeigt hat.
Eine letzte Sicherheit kann jedoch auch dieser Test nicht geben: Ist das Ergebnis negativ, muss das nicht unbedingt heißen, dass sich keine Antikörper im Blut befinden. Einem positiven Resultat kann man aber in der Regel vertrauen.
Bei Insektenallergien, Arzneimittelallergien gegen Penizillin oder Insulin, Kinder oder alten Menschen wird jedoch gerne darauf zur√ľckgegriffen, da es zu gef√§hrlich w√§re die Hauttests durchzuf√ľhren.
Auch wenn der Hauttest einmal negativ ausfällt, kann der RAST bei einer weiteren Klärung behilflich sein.

D.) Karenz - oder Vermeidungsprobe:
Handelt es sich um eine Nahrungsmittel - oder Arzneimittelallergie, kann man durch diese sehr einfache Methode feststellen, gegen welchen Stoff man allergisch ist.
Das Verfahren geht systematisch vor: von Mal zu Mal verzichtet man auf bestimmte Stoffe und beobachtet, ob sich während des Verzichts die Symptome verringern, verschwinden oder bleiben.
W√§hrend man die Tests durchf√ľhrt sollten keine antiallergischen Medikamente eingenommen werden, da sie das Resultat verf√§lschen k√∂nnen.
Auch die Karenzprobe hat ihre Grenzen. Bestimmte Farb - oder Konservierungsstoffe in Lebensmitteln und Kosmetika kann man nicht auf diese Weise testen.
Unter Anleitung des Arztes l√§sst sich durch das Weglassen und wieder Hinzuf√ľgen zum Speiseplan eine richtige Suchdi√§t entwickeln.
Nicht jeder Allergiker ist auf das mit dieser Di√§t gefundene Nahrungsmittel allergisch. Mit anderen Testverfahren muss das Ergebnis √ľberpr√ľft werden.


5.) Die häufigsten allergenvermittelten Krankheitsbilder:
a.) Allergische Reaktionen des äußeren Auges (Lider, Bindehaut):
Allergische Reaktionen am Auge k√∂nnen oft auf vielf√§ltige Weise entstehen und ablaufen. Oft handelt es sich nur um Mitreaktionen, indem eine durch Allergen - Kontakt bedingte allergische Reaktion aus der Umgebung (zum Beispiel Hautentz√ľndung, Neurodermitis, Schwellungen) auf das Auge √ľbergreift oder eine allgemeine allergische Reaktion des Gesamtorganismus einzelne Augenabschnitte miterkranken l√§sst.
Die empfindlich machende und ausl√∂sende Allergieinvasion vollzieht sich bei den allergischen Krankheiten des Lides, der Bindeh√§ute und der dazugeh√∂rigen oberfl√§chlichen Hornhaut zumeist von au√üen, kann aber auch √ľber den Blutweg erfolgen.
Eine gleichartige klinische Symptomatik am √§u√üeren Auge kann durch die fast un√ľbersehbare Zahl von organischen und anorganischen Kontaktallergenen ausgel√∂st werden, zum Beispiel durch Arzneimittelallergene, Kontaktlinsenreiniger, Kosmetika, an den Fingern haftende Substanzen (gewerbliche Kontaktallergene, die durch das Wischen in die Augen gebracht werden), aber auch bei einer Pollenallergie durch die Pollenk√∂rner und bei Inhalationsallergenen.
Erste Krankheitszeichen sind Brennen und Juckreiz, Rötung und Tränenfluß sowie stärkere Lichtscheu. Später kann es auch zu einem Anschwellen des Augapfels kommen. Durch das ständige Reiben der Augen wird die Schwellung nur verstärkt.

b.) Nasenschleimhautentz√ľndung (Schnupfen), insbesondere Heuschnupfen (Pollenallergie = Pollinosis):
Die allergische Nasenschleimhautentz√ľndung ist eine Reaktion der Schleimhaut von Nase und Nasennebenh√∂hlen auf das Eindringen von Allergenen. Je nach zeitlicher Begrenzung des Allergieeinstroms und somit der Dauer der Beschwerden unterscheidet man eine ganzj√§hrige von einer streng saisonalen allergischen Nasenschleimhautentz√ľndung.
~Heuschnupfen/Heufieber/Pollenallergie/Pollinosis: Diese saisonale Form ist fast ausschließlich an die Flugzeit bestimmter Pflanzen und Pilzsporen, gelegentlich auch von Insektenstäuben gebunden und wird daher als "Heuschnupfen", besser "Polliniosis" bezeichnet.
Die streng saisonale Bindung an die Bl√ľtezeit der allergieerregenden Pflanzen ist so charakteristisch, dass allein hierdurch, bei Ber√ľcksichtigung eines Pflanzen - Bl√ľhkalenders, nicht nur die Ursache, sondern die Krankheitsentstehung weitgehend gesichert.

c.) Asthma:
Unter Asthma bronchiale (aus dem Griechischen: erschwertes Atmen) versteht man eine oft anfallsweise auftretende Atemnotsymptomatik mit allgemeiner Enge in den Bronchien. Es handelt sich hierbei um ein urs√§chlich sehr unterschiedlich bedingtes Lungensyndrom, das durch die erh√∂hte Reaktionsbereitschaft der Bronchien gegen√ľber vielen Reizen gekennzeichnet ist.
Charakteristisch ist das anfallsweise Auftreten des Beschwerdebildes mit zunächst völliger Beschwerdefreiheit im anfallsfreien Intervall. Mit zunehmender Krankheitsdauer werden die Beschwerden chronisch, die Übergänge zur chronischen Bronchitis sind fließen.

d.) Lungenbl√§schenentz√ľndung:
Auch die kleinsten Luftr√∂hrenabschnitte und die Lungenbl√§schen sind mit in das allergische Geschehen an den Atemwegen einbezogen. Es sind √ľber drei√üig verschiedene Krankheitsbilder bekannt, die sich durch verschiedene Allergene unterscheiden. Unabh√§ngig davon haben alle Formen der allergischen Lungenbl√§schenentz√ľndung eine gemeinsame Entstehung.
Am l√§ngsten bekannt sind die Farmerlunge (bei Ernte - oder Gartenarbeitern, die St√§ube von verschimmeltem Getreide, verdorbenem Heu oder Komposterde einatmen und mit einer allergischen Lungenkrankheit reagieren) und die Zuckerrohrlunge (tritt bei der Verarbeitung von ausgepre√ütem Zuckerrohr auf). Die krankmachenden Allergene sind hier Bakterien. Die Farmerlunge tritt h√§ufig in feuchten Gegenden bei Landwirten mit Milchwirtschaft im sp√§ten Winter auf, wenn das gute Heu bereits verf√ľttert ist.
In Mitteleuropa ist die Vogelhalterlunge sehr stark verbreitet. Sie wird durch eine Allergie gegen Vogelstäube, besonders Taubenkot hervorgerufen.
Andere Arten w√§ren auch noch die Flachs - oder Hanfarbeiterlunge, Getreide - oder Dreschstaublunge, Silof√ľller - Krankheit (durch giftige Wirkung der Nitrosegase), K√ľrschnerlunge und die Autoimmun - Lungenbl√§schenentz√ľndung (Ursache unbekannt, setzt am Gef√§√übindegewebe an).

e.) Allergische Pilzkrankheiten der Bronchien und der Lunge:
Bei diesen Pilzkrankheiten, meist durch Kolben - oder Gie√ükannenschimmelpilze (Aspergilli) hervorgerufen, handelt es sich um ein sehr komplexes Krankheitsbild. Aspergilli sind sehr widerstandsf√§hig und daher √ľberall in der Natur vorhanden. Nach Regenperioden sind an trockenen Tagen die Sporenkonzentrationen sehr hoch, zumeist h√∂her als im Sommer. Bei normaler Abwehrlage k√∂nnen Aspergilli eine harmlose Besiedelung der Bronchien darstellen, solange sie nicht in das umgebende Gewebe eindringen. Das allergene Pilzmaterial kann durch die Atmung bis in das Hohlraumsystem der kleinen Bronchien, sowie der Lungenbl√§schen und kann hier bei empfindlichen Menschen eine allergische Reaktion hervorrufen.
Hier entwickeln sich aber nicht nur Sofortreaktionen (im Sinne von Typ 1), sondern auch verzögerte oder Spätreaktionen (Typen 3/4). Das Krankheitsbild dieser Pilzerkrankungen entwickelt sich meist auf dem Boden eines jahrelang bestehenden Asthmas, das auch fast immer weiter bestehen bleibt.

f.) Nesselsucht und Schwellungen:
Nesselsuchtartige Hautausschl√§ge an der Haut, obwohl als unerl√§√üliches Zeichen allergischer Reaktionsabl√§ufe bekannt, sind keineswegs ausschlie√ülich allergischer Natur. Im Erscheinungsbild gleiche oder √§hnliche Merkmale k√∂nnen auch nach der Ber√ľhrung mit einer Brennessel, einer Nesselqualle, von Raupen, Wiesengr√§sern, durch Insektenstiche oder physikalische Reize (W√§rme, K√§lte, Strahleneinwirkung) hervorgerufen werden.
Verschiedene Ursachen verursachen eine nach dem Erscheinungsbild gleichartige Reaktion. Das gleiche gilt f√ľr die der Nesselsucht nahestehenden Schwellungen.
Das auffallendste Merkmal der Nesselsucht ist der anfänglich als Brennen empfundene, äußerst intensive Juckreiz, der entweder durch direkte Einwirkung der auslösenden Stoffe auf die empfindlichen Nervenendigungen oder durch die freigesetzten Botenstoffe (besonders Histamin) bedingt ist.

g.) Neurodermitis:
Diese atopische Ekzem geh√∂rt zu einer der h√§ufigsten Hautkrankheiten. Es handelt sich um eine chronische oder chronisch wiederkehrende Hautkrankheit entz√ľndlichen Charakters, die nicht ansteckend ist und mit starken Juckreiz einhergeht.
Die Krankheit bef√§llt vorwiegend Kinder und Jugendliche Erwachsene. In √ľber drei Viertel der F√§lle beginnt sie in der fr√ľhen Kindheit (erstes Lebensjahr - Milchschorf im Kopfbereich). Sp√§ter √§ndern sich das √§u√üere Aussehen der Haut - ver√§nderung und ihre Lokalisation.
Zusammen mit Asthma, der allergischen Bindehautentz√ľndung und Nasen - schleimhautentz√ľndung tritt dieses Ekzem famili√§r geh√§uft auf.


6.) Behandlungsmethoden:
a.) Medikament√∂se Behandlung: Mit Medikamenten versucht der Arzt die Wirkung des von den Mastzellen bei einer allergischen Reaktion ausgesch√ľtteten √úbertr√§gerstoffes, des Histamin, zu neutralisieren oder von vornherein eine Freisetzung zu unterbinden.

~ Antihistaminika: Das sind Medikamente der ersten Wahl bei allergischen Symptomen. Diese Antihistaminika neutralisieren die Wirkung des Histamins im Gewebe. Es gibt eine Reihe von Mitteln, die bei einzelnen Patienten verschieden wirken. Welches Mittel tatsächlich hilft, lässt sich nicht vorhersagen.
Aber auch durch Antihistaminika lassen sich die Symptome der Allergie nicht ausschalten, weil nämlich neben dem Histamin auch noch andere Stoffe bei allergischen Prozessen beteiligt sind.
Die Nebenwirkungen dieser Medikamente k√∂nnen nicht nur sehr unangenehm sondern auch gef√§hrlich werden (zum Beispiel: Stra√üenverkehr, Arbeit an gef√§hrlichen Maschinen): die M√ľdigkeit.
Alkohol und Psychopharmaka muss man meiden, da beides die dämpfende Wirkung des Antihistaminikums verstärkt.

~ Cromoglizins√§ure: Diese S√§ure wird in Tropfenform (Augen) und f√ľr die Inhalation (Nase, Rachen) hergestellt.
Dieses Arzneimittel verhindert, dass die Mastzellen √ľberhaupt Histamin aussch√ľtten. Allerdings wirkt dieses nicht sehr schnell, da der Wirkstoff nur sehr langsam in das Gewebe √ľbergeht. F√ľr Pollenallergiker w√ľrde das bedeuten, ihre Allergie ein bis zwei Wochen vorherzusehen. Bei einem unvorhersehbaren Energieschub n√ľtzt dieses Medikament nichts und ist im therapeutischen Wert eingeschr√§nkt.

~Kortisonpr√§parate: Kortison ist ein chemisches Produkt, das sich von einem nat√ľrlichen Hormon der Nebenniere, dem Kortisol, ableitet. Vor fast 50 Jahren entdeckte man die entz√ľndungshemmende Wirkung und man glaubte, ein richtiges Wundermittel gegen viele Leiden gefunden zu haben.
Kortison spielt im Stoffwechsel aller Gewebe eine zentrale Rolle und sorgt daf√ľr, dass der Organismus gef√§hrliche Stre√üsituationen √ľberwindet.
Bei Allergien gelingt es mit Kortison, entz√ľndliche Prozesse nachhaltig zu beeinflussen und zu beseitigen. Dabei ist entscheidend welche Allergene die √úberempfindlichkeit ausl√∂sen oder in welcher Form sie ausgel√∂st wird. Kortison hilft praktisch in allen F√§llen.
Es ist jedoch auch mit Vorsicht zu handhaben, da es eine Reihe von gefährlichen Nebenwirkungen hat.

~Hyposensibilisierung: Hinter diesem Fachbegriff verbirgt sich die einfache Erklärung, den Allergiker gegen die Auslöser seiner Allergie unempfindlich zu machen. Dabei wird dem Patienten das betreffende Allergen in steigender Konzentration unter die Haut gespritzt, so dass sich sein Immunsystem langsam an die allergieauslösenden Stoffe gewöhnt und nicht mehr mit den bekannten Symptomen reagiert.
Diese Therapie gehört zu den wirkungsvollsten gegen allergische Leiden, und wenn sich die Allergene eignen, sollte man sich unbedingt zu solch einer Behandlung entschließen.
Die Hyposensibilisierungsl√∂sungen wird daraus zusammengesetzt, dass der Rohstoff (Pollen, Schimmelpilze, Hausstaubmilbe) in eine Speziall√∂sung kommt. Dort geht die allergen wirkende Substanz in die L√∂sung √ľber. In komplizierten pharmazeutischen Verfahren wird diese L√∂sung nun gereinigt und aufbereitet, so dass sie am Schlu√ü des Prozesses nicht mehr Pollenk√∂rner oder ganze Milben enth√§lt, sondern nur noch die Eiwei√ük√∂rper der Allergene.
Aus diesem Extrakt werden Verd√ľnnungen f√ľr jeden Patienten individuell nach den Angaben des Arztes hergestellt.
Normalerweise dauert eine solche Behandlung zirka drei Jahre, wobei es auf die Stärke der Allergie und dem Allgemeinzustand des Patienten ankommt.

b.) Alternative Behandlungen:
~Heilung durch Akupunktur: Diese Methode beruht auf einer alt√ľberlieferten chinesischen Philosophie, dass n√§mlich im Krankheitsfall Energiestr√∂me im K√∂rper blockiert seien. Indem der Therapeut an bestimmten K√∂rperstellen feine Nadeln in die Hautoberfl√§che sticht, versucht er das innere energetische Gleichgewicht des Organismus wiederherzustellen.
Die Akupunktur hat schon viele Heileffekte bewirkt. Selbst wenn das Leiden nicht ganz verschwindet, kann eine Verbesserung der Symptome bewirkt werden.

~Entspannung durch Aromatherapie: Mit pflanzlichen √Ėlen, die in die Haut eingerieben werden, soll versucht werden, Krankheitsherde zu beseitigen. Abgesehen von den angenehmen Stimulationen durch die Massagen und den D√ľften der √Ėle, k√∂nnen gerade diese dem Allergiker Probleme bereiten.

~Reflexzonenmassage: Die Theorie dieser Behandlung geht davon aus, dass bestimmte Zonen der menschlichen F√ľsse bestimmten Organen des K√∂rpers zugeordnet werden k√∂nnen. Massiert man die F√ľsse unter diesem Gesichtspunkt, so soll es gelingen, auf bestimmte K√∂rperorgane heilend einzuwirken.

~Hom√∂opathie: Nach dem Prinzip, Gleiches mit Gleichem zu behandeln, arbeitet die Hom√∂opathie. Diese Arzneimittel enthalten Substanzen, die eigentlich bestimmte Leiden hervorrufen, in h√∂chster Verd√ľnnung aber heilen. Bei Allergien muss man aber vorsichtig damit umgehen, weil das Immunsystem schon auf geringste Spuren m√∂glicher Allergene reagieren kann.


7.) Prävention:
Nicht immer gelingt es nat√ľrlich kritische Stoffe zu meiden. Das kann zum Beispiel bei Mehrfachallergien, bei Stoffen, die sich in fast allen Nahrungsmitteln als Basisstoffe befinden.
Wenn ein Allergiker aber genau weiß, welche die Stoffe sind, die die allergische Reaktion auslösen, kann diese Stoffe vermeiden. Was man nicht verträgt, vermeidet man in der Regel sehr schnell und beinahe schon automatisch.


8.) Allergien im Steigen?!???
Allergien sind keine Erfindung im 19. Jahrhundert, denn schon die Menschen des Altertums litten unter Symptomen, die wohl auf eine allergische Reaktion zur√ľckgingen. Asthma, allergische Ekzeme und Heuschnupfen plagten die Vorfahren genau so, auch wenn sie klangvollere Namen hatten, wie zum Beispiel Rosenfieber f√ľr den Heuschnupfen.
Obwohl man inzwischen den allergischen Mechanismus recht gut kennt und auch eine Reihe wirksamer Behandlungsmethoden entwickelt hat, sind Allergien nicht ausgerottet, im Gegenteil. Es ist nicht √ľbertrieben, wenn man von einer st√§ndigen Zunahme spricht und das muss Ursachen haben.
Der Mensch ist teilweise selbst an der Zunahme der Allergiegef√§hrdung schuld. Es sind die Annehmlichkeiten der anspruchsvollen Zivilisation. Heute schimpft man gerne auf die Verw√ľstung und Verschmutzung der Umwelt und man lastet alles der Industrie an. Und trotzdem werden immer bessere, schnellere, neuere, perfektere Produkte von dieser Industrie gefordert.
Allergien sind, neben vielen anderen Problemen, auch ein Preis f√ľr diesen Konsumanspruch.




Quellen:
~Prof. Dr. med. Erich Fuchs: ALLERGIE - Was tun?;
Seehamer Verlag; M√ľnchen 1992
~Dr. med. Gerda Rentschler, Dr. Magda Antonic: ALLERGIE - Erkennen & behandeln; Midena Verlag; K√ľttigen/Aarau 1996


ALLERGIEN:


1.) Definition


2.) Auslöser


3.) F√ľnf Arten der Allergien


4.) Allergie - Tests


5.) Häufigste Allergenvermittelte Krankheitsbilder


6.) Behandlung


7.) Prävention


8.) Allergien im Steigen?!???


Quellen

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