Alternative Energieformen zur Atomkraft

Alternative Energieformen zur Atomkraft
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom Mittwoch, 29 Mai 1996: Die deutsche Kernkraftindustrie befindet sich in einer schwierigen Position. Mit all ihren Vorhaben stößt sie in Teilen der Bevölkerung auf heftigen Widerstand - auch wenn es oft nur kleine gewalttätige Gruppen sind, die ihr Handeln nachhaltig blockieren. Die Politiker können nur wenig dagegen unternehmen. Mittlerweile ist noch nicht einmal sicher, ob nicht sogar die Energieversorgungsunternehmen auf Distanz gehen, wenn die Nutzung der Kernenergie politisch zu schwierig oder wirtschaftlich unrentabel wird. [...]
I. Einleitung
Drei√üig Jahre nach dem Aufbruch in die "friedliche Nutzung der Kernenergie" k√§mpft die deutsche Atomwirtschaft mit neuen Argumenten und aggressiven Lobbystrategien um ihre Existenz. Das nukleare Ausbauprogramm ist zum Stillstand gekommen, die Auftragsb√ľcher f√ľr den Bau neuer Atomkraftwerke sind leer. Das Image der strahlenden Meiler ist unver√§ndert schlecht. Noch in diesem Jahrzehnt f√§llt das Urteil √ľber die Branche. Sp√§testens wenn die Stillegung oder Ersatz der Alt - Reaktoren in Deutschland auf der Tagesordnung ganz nach oben r√ľcken, werden die Weichen neu gestellt: Entweder wird die Atomenergie auch in unserem Land begraben, oder den Reaktorbauern und Kraftwerksbetreibern gelingt das nukleare Comeback. Der Ausstieg aus der Atomenergie w√ľrde den Weg freimachen f√ľr den √ľberf√§lligen √∂konomischen Umbau des Energiesystems. Eine Wiederbelebung des Atomprogramms w√ľrde dagegen zus√§tzliche Risiken heraufbeschw√∂ren.
Glaubt man den Verlautbarungen der Atomlobby, ist die Sache schon fast entschieden: "Neuer Boom f√ľr die Kernenergie", "Renaissance der Atomkraft", "Nukleare Wiedergeburt" lauten die Parolen, wenn es um die Zukunftspl√§ne der Branche geht.
R√ľckenwind versprechen sich die Atommanager von drei neuen Hoffnungstr√§gern: Treibhauseffekt und Klimakatastrophe kommen als Treibsatz f√ľr die "CO2 - freie Kernenergie" wie gerufen. Der Neuaufbau der Energieversorgung in Osteuropa verspricht einen m√§rchenhaften Markt f√ľr Nachr√ľstgesch√§fte und neuen Atommeiler. Neue Druckwasserreaktoren f√ľr das n√§chste Jahrtausend lassen sich angesichts des erbarmungsw√ľrdigen Zustands der Reaktorruinen im Osten √∂ffentlichkeitswirksam als strahlensichere Wundermaschinen verkaufen (F.A.Z. vom 29.5.96)
Den Treibhauseffekt entdeckte die Atomwirtschaft schon fr√ľhzeitig als Mittel, um die Kernenergie salonf√§hig zu machen. Vor dem Hintergrund der globalen Klima - ver√§nderung verlangt die Atomwirtschaft die Neubewertung der Kernenergie. Dabei hat sie vordergr√ľndig die Argumente auf ihrer Seite, denn Atomkraftwerke blasen bekanntlich nur wenig Treibhausgase in die Atmosph√§re. So sieht sich die Lobby als "Geheimwaffe" gegen den globalen Hitzestau. Dass sie in dieser Rolle eine glatte Fehlbesetzung ist zeigt der genauere Blick auf die Klima - und Energieszenarien der Branche. Wenn die Emissionszahlen die √∂kologische Wahrheit sagen sollen, muss auch der Energieeinsatz der sogenannten Proze√ükette ber√ľcksichtigt werden. Bei der Atomenergie ist sie besonders aufwendig: sie beginnt mit der F√∂rderung von Uranerz, f√ľhrt √ľber die Uranaufbereitung zur extrem energie - intensiven Urananreicherung und schlie√ülich zur Brennelementefertigung. √ľberall wird Energie verbraucht und damit CO2 emittiert. Wissenschaftler haben einen Wert von insgesamt 54g CO2 pro kWh Atomstrom errechnet. Die Grafik zeigt die CO2 - Bilanz eines AKWs im direkten Vergleich mit Heizkraftwerken und erneuerbaren Energien. Auff√§llig an dieser Gegen√ľberstellung ist die "Minus - Emission" von verschiedenen Typen Kraft - W√§rme - gekoppeter Heizkraftwerke. Sie h√§ngt unmittelbar mittelbar mit ihrer idealen Doppeltfunktion als Strom - und zugleich W√§rmelieferant zusammen. Das Argument, wir brauchen Atomkraft um das CO2 - Problem zu l√∂sen ist somit sehr unseri√∂s. Es ist absurd, eine Quelle der Umweltzerst√∂rung durch eine andere ersetzen zu wollen. Das Ziel einer √∂kologischen Bewegung sollte sein, nach und nach alle Atomkraftwerke stillzulegen. Mit Hilfe nachwachsender Rohstoffe ist diese Vision eine realistisches Ziel.
II. Das Kraftwerk Sonne
An diesem Tag, schickt uns die Sonne 10000 - 15000mal soviel Energie zur Erde, wie wir heute weltweit verbrauchen; enthalten die Windströme 35mal soviel Energie wie verbraucht wird; wächst 10mal mehr Biomasse wie wir zur Gewinnung der gesamten Weltenergie nötig wäre, und allein die Wasserkraft enthält die Hälfte der Energie die wir an diesem Tag auf der ganzen Welt produzieren.
Theoretisch reichen also die direkte Sonnenenergie sowie die indirekte √ľber Wind, Wasser, Biomasse, bei weitem aus, um den Energiehunger von 6 Mrd. Menschen zu stillen. Es gilt als gesichert, dass das Gesamtpotential erneuerbarer Energien in der Gr√∂√üenordnung des Zehntausendfache des gegenw√§rtigen gesamten Weltenergie - verbrauchs liegt. Die Sonne ist Motor allen Geschehens auf unserem Planeten. Die Sonne schickt jedes Jahr 350 Millionen Milliarden (35*1015) Kilowattstunden Strahlungsenergie auf unseren Planeten. Das sind alle acht Minuten soviel Energie, wie die gesamte Menschheit in einem Jahr verbraucht. Alle irdischen Energiequellen verdanken wir der Sonne: die Kohle -, Erd√∂l -, und Erdgaslager, in denen Sonnenenergie von Jahrmillionen gespeichert ist. Ebenso sorgt die Sonne f√ľr die Kreisl√§ufe des Wassers. Der Kernreaktor Sonne unterscheidet sich von irdischen Kernkraftwerken dadurch, dass er unfall - und strahlensicher ist, keine Atomm√ľllbeseitigung erfordert und alle Menschen kostenlos mit Energie versorgt. Die Sonne ist unsere einzige unersch√∂pfliche Energiequelle. Die gr√∂√üte Gefahr f√ľr die Zukunft der Menschheit ist unsere falsche, umweltzerst√∂rende Energiepolitik. Statt Energie umweltfreundlich aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse zu gewinnen, benutzen wir umweltfeindliche Energiequellen. Mit √∂l, Gas und Kohle schaffen wir uns ein lebensfeindliches Treibhausklima. Und Atomkraftwerke sind allein dadurch, dass sie dastehen, lebensgef√§hrlich.
Durch vielj√§hriger Erfahrung, von anderen L√§ndern wissen wir, dass mittlerweile Wasserkraftanlagen, wenn sie dezentral und gew√§sserschonend eingesetzt werden, effektive Stromerzeuger sind; Windkraftanlagen an der K√ľste, entlang gro√üer Fl√ľssen und in Mittelgebirgen wirtschaftlich arbeiten und best√§ndig Strom liefern; Sonnenkollektoren f√ľr Warmwasserbreitung ausgereift sind und sich schon nach etwa sechs bis acht Jahren bezahlt machen; Biogas - und Biomasseanlagen im Winterhalbjahr wirtschaftlich und umweltfreundlich Strom - und W√§rmeversorgung √ľbernehmen k√∂nnen; Photovoltaik - Anlagen mit ihren heute noch hohen Kosten durch Massenproduktion innerhalb von 15 Jahren auf ein wirtschaftliches Niveau gesenkt und im Sommerhalbjahr gewinnbringend sehr viel Strom ins √∂ffentliche Netz einspeisen k√∂nnen.
Die alten Energieträger gehen zu Ende, sind umwelt - und klimazerstörend und werden immer teurer werden. Die neuen Solarenergien sind unerschöpflich, umwelt - und klimaverträglich und werden immer billiger.
III. Energie aus der Kraft der Sonne
1. Direkte Nutzung der Sonnenkraft
a) Photovoltaik
Photovoltaik ist eine direkte Nutzung der Sonnenenergie. Mit der Photovoltaik wird Sonnenstrahlung und Licht mit Hilfe von Solarzellen in elektrische Energie umgewandelt. Solarzellen wandeln die Strahlungs - energie der Sonne auf photoelektrischem Weg durch Freisetzen von Elektronen im inneren von Silicium, Galliumarsenid oder Cadmiumtellurid in elektrische Energie um. Es wurde errechnet, dass Solaranlagen mit einem Wirkungsgrad von nur 10% in der Sahara - W√ľste auf einer Fl√§che von 500000 qkm ausreichen w√ľrde, um die gesamte Menschheit mit Sonnenenergie zu versorgen. Gegenw√§rtig werden j√§hrlich weltweit 50MW Solarzellen zur direkten Umwandlung von Sonnenlicht in Strom produziert, insgesamt sind bisher etwa 400 Megawatt hergestellt worden. Bis jetzt gibt es noch keine Produktion in automatisierten Gro√üserien. Das oftgenannte Argument, die Marktaussichten seinen noch zu ungewi√ü, ist in Wirklichkeit widerlegt: Die Nachfrage ist inzwischen h&! ouml;her als die Produktion.
Solarfachleute in den USA haben berechnet, dass Solarzellen auf einem Dreihundertstel der Fl√§che der Vereinigten Staaten den gesamten Strombedarf der Nation liefern w√ľrde. Eine Studie des britischen Solarforschers Robert Hill ergab, dass in Gro√übritannien der gesamte Strom √ľber Photovoltaik - Zellen produziert werden kann, wenn nur 10% der heutigen Geb√§udefl√§chen mit Photovoltaik - Anlagen ausgestattet werden. Auf Neubauten sollten Solaranlagen nicht auf den D√§chern und Fassaden angebracht werden, sondern als D√§cher oder Fassaden.
b) Solarthermische Kraftwerke
Eine weitere direkte Nutzung der Sonnen - energie ist die der solarthermischen Kraft - werke. Bei solarthermischen Anlagen werden mit Hilfe von Spiegeln Sonnenstahlen geb√ľndelt. Dieses geb√ľndelte Licht, das bei einigen Kraftwerkstypen mehrere Tausend Grad erreichen kann, wird zur Erhitzung von einer Bestimmten Fl√ľssigkeiten genutzt. Die Rinnenkollektoren sind hierbei am weitesten entwickelt und werden seit Jahren in Kalifornien eingesetzt. Die neuen Anlagen dieses Typs haben bereits einen Wirkungs - grad von 16%. Diese Kraftwerkstypen sind weltweit das Vorzeigeprojekt f√ľr solare Stromerzeugung.
Ihr Einsatz ist jedoch nicht √ľberall m√∂glich, weil f√ľr diesen Kraftwerkstyp eine Direktstrahlung von 1800 kWh pro qm im Jahr notwendig ist, so dass nur Sonnenreiche und weitgehend dunstfreie Fl√§chen s√ľdlich des 40. Breitengrades daf√ľr in frage kommen. Aber in zahlreichen Regionen, von Kalifornien bis S√ľditalien oder S√ľdspanien, gibt es keinen vern√ľnftigen Grund, weiter mit der Einf√ľhrung auf Breiter Basis zu warten. Italien und Spanien k√∂nnten ihren gesamten Strombedarf durch solartermische Stromgewinnung decken. Durch Kabelleitungen auf dem Meeresboden k√∂nnte man Strom von Nordafrika nach Europa leiten, von S√ľdeuropa nach Mitteleuropa. Ein schweizerisches Stromversorgungsunternehmen plant den Bau eines solartermischen Kraftwerks in S√ľdspanien f√ľr den Schweizer Bedarf. Auch die Einf√ľhrung solarthermischer Kleinkraftwerke bietet gro√üe M√∂glichkeiten, f√ľr individuelle Betreiber bi! s hin zu D√∂rfern.
2. Indirekte Nutzung der Sonnenkraft
a) Windkraft
Meteorologische Messungen haben ergeben, dass im ständigen wehenden Wind etwa 35mal soviel Energie steckt, wie die Menschheit verbraucht! Da der Wind jedoch ungleichmäßig stark weht und häufig seine Richtung ändert, kann nur ein Bruchteil davon auch praktisch genutzt werden.
Erst seit den 80er Jahren wird die Gewinnung von Strom aus Windkraft wieder versucht. Etwa 2000 MW sind weltweit installiert, davon fast drei Viertel in den USA - insgesamt also nicht mehr als die Kapazit√§t zweier gro√üer Atomkraftwerke. Aber obwohl der Forschungsaufwand minimal war und auch bisher nur kleine St√ľckzahlen produziert werden, sind die Kosten der Windstromerzeugung an g√ľnstigen Standorten mit denen der Atomkraft schon jetzt vergleichbar! In Zentralafrika, aber auch in gro√üen Teilen Asiens und Lateinamerikas bl√§st der Wind mit durchschnittlichen Gesch - windigkeiten unter 3,6 Meter in der Sekunde und ist damit heute f√ľr die Energieproduktion uninteressant. In Ostsibirien und Alaska, in Kanada, im Himalaja - Gebiet und in Nordeuropa hingegen ist der Wind meist schneller als 5,0 Meter in der Sekunde. Das bringt viel Energie. Allein f√ľr Westdeutschland gibt es Berechnungen, die Gebiete von zusammen etwa 20000qkm als f√ľr die Windenergienutzung geeignet bezeichnen. Danach k√∂nnte bei voller Ausnutzung eine Kapazit√§t von insgesamt 250000MW erreicht werden, was fast 1 Million Anlagen bedeuten k√∂nnte und der doppelten Kapazit√§t aller deutschen Kraftwerke entsprechen w√ľrde. Die Zahl der als geeignet erkannten Gebiete nimmt mit weiteren Analysen eher zu und nicht ab, und mit weiterer technischer Entwicklung werden auch Gebiete mit geringerer Windgeschwindigkeit interessant. 1992 wurde in Schleswig - Holstein bereits 182 000 kWh Strom aus Windkraft "geerntet". Diese Windernte hat eine einzigartige Umweltbilanz. Denn:
bei 182000 Kilowattstunden Windernte werden - bei vergleichbarem Steinkohleeinsatz - 165000 Tonnen CO2, 130 Tonnen Schwefeldioxid und 122 Tonnen Stickoxid vermieden. Außerdem fallen 2700 Tonnen Reststoffe, 3600 Tonnen Asche und 31000 Tonnen sonstige Stoffe nicht an.
Damit wird derselbe CO2 - Entlastungseffekt erzielt wie von 330000 B√§umen, die ja bekanntlich viel Kohlendioxid - Treibhausgase binden. Doch amtliche Natursch√ľtzer f√ľhren oft ihren Kampf gegen die Windm√ľhlen mit landschafts√§sthetischen Argumenten. Der unsinnige Streit zwischen Naturschutz und Umweltschutz n√ľtzt nur der Atomlobby und den Energieriesen, die grunds√§tzlich gegen jede eigene Stromversorgung der Verbraucher sind, weil ihr Monopol in Frage gestellt wird.
Keine Form der Energiegewinnung braucht so wenig Platz wie die Windenergie. Die tats√§chlich verbrauchte Fl√§che durch Windkraftanlagen ist minimal und liegt bei unter 1% der f√ľr Windkraftanlagen ausgewiesen Fl√§che - bei 20000qkm die in Deutschland f√ľr die Windenergienutzung in frage kommen sind es demnach 200qkm f√ľr Anlagenpl√§tze. Die heutigen Windenergieszene wird beherrscht von Anlagen, die 30 - 50 Meter Bauh√∂he und einen Rotordurchmesser von 30 Metern haben. Kleinere Windanlagen, mit denen schon vor Jahrhunderten alles angefangen hat, spielen zur Zeit kaum eine Rolle. Es wird in Zukunft aber wieder viele Energieselbstversorger mit kleinen Windm√ľhlen geben: Rotordurchmesser bis 10 Meter, Masth√∂he bis 20 Meter, Generatorleistung von 20 - 30 Kilowatt. Damit k√∂nnen Millionen Menschen ihren Strom selbst erzeugen. Kombiniert mit Solarzellen, kann die eigene Kleinwindanlage eine intelligente, schadstoffarme und preiswerte Energieerzeugung werden.
b) Wasserkraft
Bis jetzt ist die Wasserkraft der gr√∂√üte regenerative Energieproduzent in Deutsch - land. 20 Milliarden Kilowattstunden Strom werden j√§hrlich produziert. Sie ersparten der Umwelt 20 Millionen Tonnen CO2, neben der Abw√§rme und anderen Schadstoffen. Wasserkraft liefert etwa 5% der Elek - trizit√§t f√ľr Deutschland. Welt - weit liefern Wasserkraft - anlagen etwa 20% des Stroms. Norwegen, Island oder Ghana produziern ihren Strom zu fast 100% aus Wasserkraft. In der US - Westk√ľstenstadt Seattle zum Beispiel, in der so energieintensive Unter - nehmen wie Boeing arbeiten, kostet Strom aus Wasserkraft nur einen Bruchteil des Kilowattstunden - Preises des Atomstroms.
Da der Bau von riesigen Wasserkraftanlagen in der Dritten Welt oft zur Vertreibung von Menschen und zu gro√üen Umweltproblemen f√ľhrt - wie z.B. in √§gypten, Brasilien, Indien und China - und da er meist einen empfindlichen Eingriff in die Natur bedeutet, ist es sinnvoller, Wasserkraftwerke dezentralisiert zu nutzen.
In Deutschland k√∂nnten deshalb viele tausend stillgelegte kleine Wasserkraftwerke reaktiviert werden. In Bayern zum Beispiel werden mit der Wasserkraft 18% des Strombedarfs umwelt - und klimafreundlich erzeugt: Wasserkraft bezieht ihre Energie aus dem nat√ľrlichen Kreislauf des Wassers, der durch Verdunstung, Regnen und Abflie√üen entsteht. Dieser Kreislauf wird von der Sonne aufrechterhalten. Wasserkraft ist regenerative Sonnenenergie. Deshalb sollten in Deutschland die vielen tausend kleine stillgelegten Wasserr√§der in Schwung kommen.
c) Gezeitenenergie
Im nordfranz√∂sischen La Rance gibt es ein 240 MW - Gezeitenkraftwerk; Gro√übritannien plant an der Westk√ľste ein 16km langes Kraftwerk, das 7000 MW Strom erzeugen k√∂nnte, was 5% der britischen Strom - versorgung aus - macht. Doch gro√üe Anlagen k√∂nnten Probleme verur - sachen durch eine √§nderung der Gezeitenh√∂hen, der K√ľstenlandschaft und der Meeresbiologie; ein technisches Problem ist z.B. die Versandung. Zwar sind diese Probleme nicht mit denen der atomaren oder fossilen Energienutzung zu ver - gleichen, dennoch sollte man gro√üe Gezeitenkraftwerke im Bereich der erneuerbaren Energie eher als zweite Wahl betrachten. Bei Ausnutzung der anderen Potentiale gibt es daf√ľr wahrscheinlich kaum noch Bedarf.
d) Wellenenergie
Bei der Wellenenergie erfolgt in einem Abstand von wenigen Kilometern vor der K√ľste mit Hilfe eines Kranzes von Bojen die Umwandlung der Meereswellen in Strom. Eine n√§here technische Beschreibung ist mir durch meine literarischen Informationsquellen leider nicht m√∂glich. F√ľr Gro√übritannien wurde ein Potential von 120000 Megawatt an der Westk√ľste errechnet, mehr als der gegenw√§rtige britische Stromverbrauch. Alle bereits laufenden Anlagen haben jeweils eine Kapazit√§t von unter 50 kW. Umweltbeeintr√§chtigungen erwachsen aus diesen Anlagen nicht. Das Potential ist bisher weitgehend untersch√§tzt worden, ebenso wie die technischen Einsatzm√∂glichkeiten, die den besonderen Vorzug haben, dass die Bojen zwar vertaut werden m√ľssen, aber vom Wasser getragen werden und keinen Aufst√§nderung n√∂tig ist.
e) Geothermische Energie
Die geothermische Energie ist keine Energieform bei der die Sonnen ihre Kraft einsetzt. Die Reserven sind begrenzt und nicht unbedingt erneuerbar. Wenn Druck und Temperatur in einem angezapften Reservoir nach einer Zeit des W√§rmeentzugs absinkt, ist es f√ľr die Energienutzung ersch√∂pft. Auch diese Form der Energienutzung ist Umweltfreundlicher als die Nutzung der fossilen oder Atomaren Energie, aber dennoch in ihrer √∂konomischer Qualit√§t nicht mit der Sonnenenergie vergleichbar. Zum Beispiel kann der geothermische Dampf toxische Elemente wie etwa Arsen enthalten.
f) Meereswärme
Meeresw√§rme ist wieder eine Variante der Sonnenenergie. "Ocean Thermal Gradient" - Kraftwerke nutzen den Temperaturunter - schied zwischen der Meeresoberfl√§che und der Tiefe aus und nutzen die durch Sonnenenergie aufgew√§rmten Oberfl√§chen - schichten der Meere. Ihr Potential betr√§gt mehr als das 100fache des weltweiten Energiebedarfs. Meeresw√§rme k√∂nnte ein solares "Reservepotential" darstellen - aber vieles spricht wiederum daf√ľr, dass ihre Nutzung in gro√üem Umfang nicht unbedingt notwendig werden wird.
g) Energie vom Acker
Was der Wind im n√∂rdlichen K√ľstenland schafft, bringen Energiepflanzen im s√ľdlichen Ackerland. Der gr√∂√üte Teil der in der land - und forst - wirtschaftlichen Produktion gebundene Bioenergie, d.h. die in organischen Kohlen - stoffverbindungen chemisch gespeicherte Sonnenenergie, wird nicht energetisch ge - nutzt, so dass aus dem daraus m√∂glichen Nutzen sogar eine zus√§tzliche √∂kolog - ische Belastung geworden ist.
Biomasse ist ein Sonnenenergietr√§ger gro√üen Umfangs, wenn ihre Regenerierbarkeit genutzt wird: Sie steht, unter der Voraussetzung einer bestanderhaltenen Bewirtschaftung, weltweit und zeitlich unbegrenzt zur Verf√ľgung. Deshalb kann sie einen enormen Beitrag zur Abl√∂sung fossiler und atomarer Energiequellen leisten.
Schilfgras ist die interessanteste Energie - pflanze. Nach langj√§hriger Forschung steht fest: Chinaschilf bringt etwa 10mal soviel Biomasse wie der Wald und drei mal soviel Biomasse wie Raps. Schilfgras geh√∂rt zur Gruppe der C4 - Gr√§ser, die eine weit effektivere Photosynthese haben als die heimischen C3 - Pflanzen. Sie hei√üen C4 - Pflanzen weil das erste stabile Produkt nach der Fixierung des Kohlenstoffs aus dem CO2 ein Molek√ľl ist, das vier Kohlenstoff - Atome besitzt. C3 - Pflanzen geben gro√üe Teile des durch Photosynthese gebildeten Kohlenstoffs als CO2 wieder an die Atmosph√§re ab, wobei potentielle Biomasse verloren geht. C4 - Pflanzen hingegen binden mehr CO2 und binden deshalb auch mehr Biomasse. Ein weiterer Vorteil der C4 - Pflanzen ist die Architektur der Bl√§tter. Die oberen Bl√§tter stehen steil und senkrecht zur Sonne, die unteren Bl√§tter bekommen deshalb noch gen√ľgend Licht und wachsen parallel zum Boden. Die Bl√§tter ! solcher C 4 - Pflanzen sind deshalb die besten und nat√ľrlichsten Sonnenkollektoren der Welt.
Es gibt √ľber 1700 C4 - Gr√§ser, so dass diese Energiepflanze nicht als Monokultur angebaut werden m√ľsste. C4 - Pflanzen brauchen nur halb so viel Wasser wie C3 - Pflanzen. Die Verwendungs - m√∂glichkeiten von C4 - Pflanzen sind vielf√§ltig: Man kann Strom, W√§rme und Benzin daraus gewinnen; man kann sie als chemische Ersatzstoffe benutzen, zum Beispiel f√ľr die Produktion von Lacken, L√∂sungsmittel und Kunststoffe; man kann biologisches Baumaterial daraus gewinnen, aber auch Papier und Verpackungsmaterial, das problemlos in den biologischen Kreislauf zur√ľckgef√ľhrt werden kann. Also nicht nur als Alternative zur Atomkraft ist die C4 - Pflanze das landwirtschaftliche Produkt der Zukunft.
Der größte Vorteil von Pflanzenenergie ist jedoch: kein CO2 - Problem, kein Treibhauseffekt ! Die Pflanzen nehmen beim Wachsen nämlich genau soviel CO2 aus der Luft auf, wie beim Verbrennen und Vergasen freigesetzt wird: ein geschlossener CO2 - Kreislauf.
Diese Pflanzen brauchen keine Pestizide und nur etwas D√ľnger im ersten Jahr. Sie werden einmal gepflanzt und wachsen dann immer wieder: jahrzehntelang nachwachsende Energie. Im Vereinten Europa, liegen demn√§chst etwa 25 - 30 Millionen Hektar Fl√§che brach, die nicht mehr zur Nahrungsproduktion gebraucht werden. Eine Fl√§che von 80000 qkm w√ľrde den Energiebedarf der Europ√§ischen Union decken. Mit einen Ertrag von 25 - 30 Tonnen Trockenbiomasse pro Hektar kann genau soviel Energie erzeugt werden wie von 10000 - 14000 Litern Erd√∂l. Das bedeutet Jahr f√ľr Jahr √ľber 10000 Liter √Ėl pro Hektar - automatisch nachwachsend -, eine niemals versiegende Energiequelle.
Eine Modellrechnung besagt: Wenn ein Dorf von 1000 Einwohnern 10 Bauern jeweils 15 Hektar Schilfgras anbauen, dann kann damit das gesamte Dorf mit Strom und W√§rme versorgt werden. Nach der Ernte kann man Schilfgras maschinell leicht zu Staub zerkleinern. √úber eine Turbine kann dann Strom und W√§rme erzeugt werden. Aus dem Pflanzenstaub kann aber auch Treibstoff f√ľr Autos gewonnen werden. Ja sogar f√ľr Karosserieteile der Autos oder f√ľr zementgebundene Faserplatten beim Bau von H√§usern kann das Material verwendet werden. Schon 1991 machte der Einsatz von Biomasse in D√§nemark 5% des gesamten Energieverbrauchs aus, in den √∂sterreichischen Bundesl√§ndern K√§rnten und Steiermark bereits 15%, in Schweden ebenfalls 15% und in Finnland gar 20%.
Es wäre theoretisch denkbar, den gesamten Energiebedarf der Menschheit aus den Biomassen zu decken; aber dies ist wiederum wegen den anderen Sonnenenergieträger nicht notwendig.
IV. Die Speicherung der solaren Energie
Solarer Wasserstoff
Das Hauptproblem bei der Nutzung der Sonnenenergie besteht darin, die wenig konzentrierte und unregelm√§√üig einfallende Energie zu sammeln, zu speichern und zu transportieren. Mit Ausnahme der Biomasse ist Sonnenenergie nur mit hohem Aufwand speicher - und transpotierbar. Die solare Technologie wird weltweit die fossilen und atomaren Energietr√§ger nur dann vollst√§ndig ersetzen k√∂nnen, wenn es gelingt, einen Energietr√§ger zu finden, der diese Nachteile der Sonnenenergie auf umweltfreundliche Art ausgleichen kann. Ein solcher Energietr√§ger sollte - aus technischen Gr√ľnden - eine brennbare chemische Verbindung sein. Der chemische Energietr√§ger f√ľr eine solare Zukunft muss allerdings mehrere wichitige Voraussetzungen erf√ľllen:
Der Brennstoff sollte aus einem Rohstoff gewonnen werden, der reichlich vorhanden ist. Seine Produktion muss Umweltfreundlich sein, und er sollte beim Verbrennen keine giftigen Abfallprodukte hinterlassen.
Diese Anforderungen sind mit dem leichtesten aller chemischen Elementen vereinbar, - dem Wasserstoff. In gebundener Form f√ľllt Wasserstoff als Bestandteil des Wassers die Weltmeere. Man kann mit Hilfe der Elektrolyse aus Wasser Wasserstoff in nahezu unbegrenzter Menge herstellen. Und wenn der Brennstoff verbrannt wird, entsteht aus der Verbindung von Wasserstoff und Sauerstoff als einziges Produkt wieder reines Wasser.
V. Die solare Zukunft
Der solare Energiemix
Die Sicherheit einer Energieversorgung verlange eine "Energie - Mix". Man st√ľtzt sich auf mehrere Energiequellen, um nicht von einer einzigen abh√§ngig zu sein. Genau das ist mit der Sonnenenergie ideal zu erreichen. Die parallele Einf√ľhrung von solarthermischen und photovoltaischen Technologien, von Windkraft und Biomasse, von Wasserkraft und solarem Wasserstoff. Dazu geh√∂rt auch eine Mischung von heimischen Sonnenenergietr√§ger und Sonnenenergie - Importen. Das Spektrum der Sonnenenergie ist sehr viel breiter und technologisch vielf√§ltiger als das des herk√∂mmlichen Energie - Mixes. Eine reelle M√∂glichkeit f√ľr die Energiewende bis in das Jahr 2050 w√§re:
50% direkte Solarenergie
25% Biomasse aus Schilfgras und Biogas aus landwirtschaftlichen Abfällen
15% Windenergie
10% Wasserkraft
Diese vier Faktoren könnten vollständig die Energiegewinnung aus fossielen und atomaren Energieträgern ersetzen.

"Ich kann freilich nicht sagen,
ob es besser werden wird,
wenn es anders wird;
aber so viel kann ich sagen
es muss anders werden
wenn es gut werden soll."
Georg Christoph Lichtenberg

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