Clemens Brentano (1778-1842)

Clemens Brentano - Leben und Werk



1. Biographie - zum Leben Clemens Brentanos

Clemens Brentano wurde am 9. September 1778 als Clemens Maria Wenzeslaus Brentano in Ehrenbreitstein bei Koblenz im Hause seiner Großmutter Sophie La Roche geboren. Da der katholische Feiertag "MariĂ€ Geburt" auf den 8. September - einen Tag vor seinem Geburtstag - fĂ€llt, gab er spĂ€ter diesen Tag als seinen Geburtstag an.
Er stammte aus einem reichen Frankfurter Kaufmannshaus, seinem Vater Peter Anton Brentano[1] gehörte das "Haus zum Goldenen Kopf" - eine Ex - und Importfirma fĂŒr SĂŒdfrĂŒchte und Spezereien, die von einem italienischen Vorfahren der Brentanos gegrĂŒndet wurde. Diese Firma hatte ein solch enormes wirtschaftliches Wachstum, dass Brentano zeitlebens von den Zinsen seines Anteils leben konnte und nie einen Beruf nachging. Auch als die Firma 1841 aufgelöst wurde, war es Brentanos grĂ¶ĂŸte Sorge, wie er wohl seinen Anteil gewinnbringend anlegen könnte.
Seine Mutter war Maximiliane, geb. La Roche, mit der Peter Anton Brentano in zweiter Ehe verheiratet war. Sie war die Tochter der Schriftstellerin Sophie La Roche, der Freundin Wielands und Goethes. Goethe berichtete 1775, es sei ein dĂŒsteres Handelshaus gewesen, in dem sich Maximiliane nicht eingewöhnen konnte.
Clemens war das dritte von zwölf Kindern aus dieser Ehe. Seine Mutter erschien ihm immer als Opfer der vĂ€terlichen HĂ€rte und SexualitĂ€t, die sie mit Geduld ertrug und in Liebe fĂŒr ihre Kinder sublimierte. 1793 starb Maximiliane Brentano, vier Jahre spĂ€ter war er schließlich Vollwaise; doch schon seit 1784 lag seine Erziehung in den HĂ€nden seiner strengen Tante Luise Möhn in Koblenz - Ehrenbreitstein. In den um 1818 entstandenen Einleitungsterzinen zu den "Romanzen vom Rosenkranz" reflektierte er die Koblenzer VerhĂ€ltnisse so:

"Getrennt lebte fern ich von den Meinen
In strenger und unmĂŒtterlicher Zucht.
Denk’ ich der Zeit, seh’ ich sich mir versteinern
Die Tage in des Lebens Blumenflucht,
Wie kleine GĂ€rten zwischen steilen Mauern,
Die nie ein Sonnenstrahl hat heimgesucht,
Wo kalte Marmorkinder einsam trauern,
Die wilder Buchs und Salbei trĂŒb umkreist.
Ihr kennet wohl des Knaben einsam Trauern!"[2]

Dort besuchte Clemens Brentano, von 1787 bis 1790, zusammen mit Joseph Görres das Jesuitengymnasium. Vorher besuchte er ein in der NĂ€he von Heidelberg gelegenen Pensionat eines Exjesuiten, welches ihn auf das Jesuitengymnasium vorbereiten sollte. 1791 wechselte er dann ins Mannheimer Philantropin, einem "kurpfĂ€lzischen öffentlichen Erziehungsinstitut fĂŒr Zöglinge des mĂ€nnlichen Geschlechtes aller drei christlichen Religionsparteien"[3]. WĂ€hrend dieser Erziehung in der Fremde machte er leidvolle Erfahrungen, die zusammen mit den Erinnerungen an ein "mĂ€rchenhaftes Kinderparadies"[4], welches er auf den Speichern der Frankfurter Handlung fand, zu SchlĂŒsselerlebnissen wurden, die seine psychische Entwicklung weitgehend beeinflußten.
Seine seelischen Konflikte, die Brentanos unreflektierte Bindung an die Mutter ausgelöst hatten, lassen sich aus den autobiographischen EinschĂŒben im FrĂŒhwerk ablesen.

"Meine Mutter starb, ich habe keine Bezeichnung fĂŒr mein ZurĂŒckbleiben, denn meine ganze Ă€ußre Welt sank mit mir. Lange war es mir, als sei ich auch gestorben, alle TĂ€tigkeit verließ mich."[5]

Die Versuche seines Vaters und seines Stiefbruders Franz, ihm eine bĂŒrgerliche Berufsausbildung zukommen zu lassen, fĂŒhrten nicht zum ersehnten Ergebnis. Seine BrĂŒder stellten fest, dass er zum Kaufmann nicht tauge, da Versuche, ihn als Lehrling im vĂ€terlichen Kontor (1794) und bei einem GeschĂ€ftsfreund in Langensalza (1796) zu beschĂ€ftigen, ohne Ergebnis blieben. Die kaufmĂ€nnische Lehrzeit belĂ€chelte er literarisch in seinem MĂ€rchen vom "Komanditchen" (ca. 1812). Auch flossen Elemente seiner Ausbildung im vĂ€terlichen Kontor, besonders das philiströse Element des Vaters, in die Abhandlung "Der Philister vor, in und nach der Geschichte" ein.
Auch seine Studien in den FÀchern Bergwissenschaft (1793/94 in Bonn und 1797/98 in Halle), Medizin (ab 1798 in Jena) und Philosophie (1801 in Göttingen) wurden von ihm offensichtlich nicht ernsthaft betrieben. Viel lieber beschÀftigte er sich mit dem Musizieren auf der Geige und seinen Kontakten zum Schlegel - Tieck - Kreis in Jena, die er in den Jahren 1798 bis 1800 machte.
Tieck und Schlegel waren Persönlichkeiten, die Brentano entscheidend prĂ€gten. Er ĂŒbernahm von Schlegel die Kunsttheorie und das neue Formenprinzip[6]; von Tieck erwarb er die fĂŒr die Praxis bestimmenden Dichtungselemente wie Stimmungskolorit und die Übertragung von Spannungselementen des Innenlebens auf MĂ€rchenmotive. Auch seine Freundschaften mit Achim von Arnim, Karl Friedrich von Savigny und den GebrĂŒdern Grimm waren ihm wichtiger.
Von der Gruppe der frĂŒhromantischen Dichter um die BrĂŒder Schlegel mit ihren Partnerinnen Dorothea und Caroline in Jena wurde er als Schriftsteller zunĂ€chst nicht ganz ernst genommen. Er versuchte, sein Können zu demonstrieren, indem er die theoretischen Forderungen der FrĂŒhromantik, die Schlegel und Novalis im AthenĂ€um formuliert hatten, in seinen Erstlingswerken "Gustav Wasa" (1800) und "Godwi" (1801) besonders konsequent umsetzte.
In Jena besuchte Brentano auch seine Schriftstellerkollegen Schiller und Goethe. Brentano lernte Goethe durch seine Großmutter schon sehr frĂŒh kennen, man kann sagen, dass Goethe Brentano seit seiner Geburt kannte. Auch rĂŒhmte Goethe das zu einem dramatischen Preiswettbewerb 1801 eingesandte Lustspiel "Ponce de Leon" von Brentano.
In Jena fand Brentano auch bald eine intensive Zuneigung zu der acht Jahre Ă€lteren, unglĂŒcklich verheirateten Schriftstellerin Sophie Mereau, die er im Salon von Caroline Schlegel kennengelernt hat. Sein intimes VerhĂ€ltnis mit ihr ging des öfteren zu Bruch - trotzdem heiratete er sie, auch trotz des zunĂ€chst erheblichen WiderstĂ€nden der Frankfurter Familie, am 29. November  1803 in Marburg. Diese Ehe war fĂŒr Sophie die Hölle; Brentano verbot ihr zu reiten, sich zu schminken und ihr dichterisches Werk unter ihrem Namen zu publizieren, da Brentano "’die VerstĂŒmmelung’ ihres Wesens hasse weil sie eine ‘schlechte KĂŒnstlerin’ sei, ‘die ĂŒber ein herrliches Werk hergefallen ist’"[7]. Bereits im Mai 1804 kommt ihr erstes Kind Achim auf die Welt, das schon nach fĂŒnf Wochen stirbt. Auch die beiden anderen Kinder aus dieser Ehe sterben und Sophie selbst stirbt bei der Totgeburt des dritten Kindes am 31. Oktober 1806 in Heidelberg. Schon kurz danach, am 21. August 1807 heiratete Brentano die erst 16jĂ€hrige Auguste Bußmann, die er in Frankfurt, wo er nach Sophies Tod wieder hinzog, kennenlernte; die Ehe dieser beiden seelisch unreifen Menschen war von Anfang an zum Scheitern verurteilt, was schließlich auch 1808 geschah. 1812 wurde die Ehe geschieden.
Zusammen mit seinem Freund und "Herzbruder" Achim von Arnim kam es in dieser Zeit zu einer intensiven Phase des Sammelns von Volksliedern. Diese Sammlung wurde im Herbst 1805 unter dem Namen "Des Knaben Wunderhorn" veröffentlicht. Der Briefwechsel zwischen den beiden Schriftstellern zeigt aber, dass deren SammeltĂ€tigkeit schon frĂŒh einsetzte. Diese meist auf schriftlichen Quellen basierenden Gedichte wurden von Arnim und Brentano verĂ€ndert, d.h. dem Zeitgeschmack angenĂ€hert. So wurden mundartliche Wendungen, Ungereimtheiten des Volksliedes und Zoten getilgt, der volkstĂŒmliche Charakter wurde aber nie ganz beseitigt. Dadurch entstanden romantische "Kunstvolkslieder"[8], die im 19. Jahrhundert dann fĂŒr einen großen Teil der deutschen Lyrik zum Modell wurden. Die Rezension zu "Des Knaben Wunderhorn" ermutigte Arnim und Brentano, zwei weitere BĂ€nde mit Volksliedern herauszugeben, die mit einem Anhang von Kinderliedern 1808 erschienen. Der Schwerpunkt lag dabei auf der Kunsterziehung und Geschmacksbildung des Volkes.

Der unerbittlichste Gegner der Wunderhorn - Sammlung war Johann Heinrich Voß, der 1806 nach Heidelberg ĂŒbersiedelte und dort eine scharfe Polemik gegen die romantische Schule entfachte. Die Hauptangriffspunkte waren die "VerfĂ€lschungen" der Wunderhorn - Dichtungen und die Renaissance der Sonettform im Schlegelkreis. Diese Auseinandersetzungen mit Voß trugen auch dazu bei, dass die romantische Gruppe um Joseph Görres, der dort einen Lehrauftrag hatte, den Mythenforscher Professor Friedrich Creuzer und die beiden Studenten Arnim und Brentano dort nicht Fuß fassen konnte. Die von ihnen herausgegebene "Zeitung fĂŒr Einsiedler", die sich zum einen mit der KriegserklĂ€rung an das philisterhafte Publikum und zum anderen als eine Musterkarte der neuen Bestrebungen, der Beleuchtung des vergessenen Mittelalters und seiner poetischen Meisterwerke, sowie den ersten Liedern von Uhland, Justinius Kerner u.a., darstellte, stellte vor Ablauf eines Jahres 1808 ihr Erscheinen ein und die Heidelberger Gruppe löste sich auf.
Brentano verschlĂ€gt es daraufhin nach Berlin, wo auch Arnim und Savigny ihren Wohnsitz nehmen. Savigny war damals an der GrĂŒndung der Berliner UniversitĂ€t beteiligt, zu deren Einweihungsfeier Brentano im Jahre 1810 eine Kantate schreibt.
Auch grĂŒndete er zusammen mit Achim von Arnim im Januar 1811 die "Christlich - deutsche Tischgesellschaft", in der er seine Satire "Der Philister vor, in und nach der Geschichte" vortrĂ€gt, die das Gegenbild des erhofften neuen romantischen Menschen aufzeigt. Diese Satire wirkt in der Literatur des 19. Jahrhunderts nach und bestimmt auch Eichendorffs Drama "Kampf den Philistern" und die Auseinandersetzung mit dem Philister Wilhelm Raabe.
Zwischen Mitte 1811 und 1813 lebt Brentano auf einem Gut in Bukowan in der NĂ€he von Prag, welches sich in Familienbesitz befindet. Dort kommt es zu einer sehr fruchtbaren Arbeitsperiode, solch wichtige und bedeutende Werke wie "Die GrĂŒndung Prags" (erschienen 1814), "Die drei NĂŒsse", "Geschichte vom braven Kasperl und dem Schönen Annerl" und "Die mehreren WehmĂŒller und ungarischen Nationalgesichter" (erschienen 1817) entstehen.
Nach dem Aufenthalt bei Prag zieht es Brentano weiter, zuerst nach Wien (Mitte 1813) und spĂ€ter auf den Arnimschen Besitz in Wiepersdorf im Herbst 1814. In Wien bemĂŒhte sich Brentano intensiv als Dichter und Rezensent. Dadurch wollte er am Burgtheater Einfluß gewinnen. Er wĂ€re sehr gerne der Nachfolger des in den Freiheitskriegen gefallenen Theodor Körner als Hofdichter geworden, scheiterte aber an den Versuch, die ĂŒberarbeitete Fassung des Dramas "Ponce de Leon" auf die BĂŒhne zu bringen. Daraufhin verließ er rasch Wien und nahm von seinen TheaterplĂ€nen großen Abstand.
Danach plagten Brentano in Berlin wieder Irritationen, die ihn fast dazu bewegt hÀtten, bei Schinkel Architektur zu studieren.

Ein Zweifel an der eigenen Sprachkraft, den er in einem Brief an Wilhelm Grimm[9] vom 15. Februar 1815 formuliert, verschĂ€rften seine Lebenskrise, die 1816/17 dann sogar in eine Glaubenskrise mĂŒndet. Er kehrte sein Leben total um, bis es in einen sein KunstverstĂ€ndnis radikal verĂ€nderten Katholizismus umschlug.
Die Grundlagen dazu waren schon in der Romantik, z.B. bei Novalis gelegt, die eine tiefe Sympathie fĂŒr die katholische Kirche und ihre Tradition pflegte. Viele der Romantiker, unter ihnen auch Brentano, Friedrich Schlegel, Werner, Eichendorff, wenden sich in einer zweiten Lebensphase der katholischen Kirchentradition zu und empfinden ihr FrĂŒhwerk als leichtsinnige Jugendschöpfungen.
Bei Brentano fĂŒhrte diese Zuwendung zur katholischen Kirche zur Generalbeichte, die er zusammen mit seinem Bruder Christian am 27. Februar 1817 ablegt. Vorher wurde allerdings noch eines seiner großen literarischen Werke fertig - "Die Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl", welche in den von F. W. Gubitz herausgegebenen "Gaben der Milde" erschien.
Aufgrund der Generalbeichte und der RĂŒckbesinnung auf die katholische Tradition verkauft Clemens Brentano einen großen Teil seines BĂŒcherschatzes[10], sammelt theologische Literatur[11] und stellt seine poetisch - kĂŒnstlerischen FĂ€higkeiten in den Dienst der katholischen Erneuerung. Auch seine damalige Freundin Luise Hensel, eine protestantische Pfarrerstochter, die er im Oktober 1816 kennen und lieben gelernt hat, konvertierte Ende des Jahres 1818.
Vieles in der Beziehung zwischen Clemens Brentano und Luise Hensel ist ungeklĂ€rt, dazu gehört auch der Zeitpunkt ihres Kennenlernens. Luise Hensel gab spĂ€ter den Sommer 1816 an, einige Forscher[12] gehen aber auch vom Herbst 1816 aus. Auch ist umstritten, wie die beiden aufeinander mit ihren religiösen EntschlĂŒssen eingewirkt haben.
Brentano liebte Luise Hensel leidenschaftlich, sie schien aber diese leidenschaftliche Liebe zu ihm nicht geteilt zu haben, da sie seinen Heiratsantrag ablehnte. Grund mag die Abneigung von Luises Mutter gegenĂŒber Brentano sein, da er schon ein ZerwĂŒrfnis mit der Katholischen Kirche wegen der ersten Heirat mit einer Geschiedenen und der Scheidung seiner zweiten Ehe hinter sich hatte. Auch faßte Luise Hensel zur gleichen Zeit eine Neigung zu Ludwig von Gerlach, den sie aber auch entsagte.
Den zentralen Punkt ihrer Beziehungen bildete das gemeinsame Interesse fĂŒr die stigmatisierte Augustinernonne Anna Katharina Emmerick[13] aus der westfĂ€lischen Kleinstadt DĂŒlmen, zu der es Brentano nach seiner Generalbeichte zog, um deren Visionen aufzuzeichnen.
Er siedelte 1818 nach DĂŒlmen ĂŒber und blieb bis zum Tode der Nonne (1824) dort. Dort konterte er auch vehement gegen die amtliche Untersuchungskommission aus Berlin, die den Fall Emmerick peinlich genau untersuchte und die einen vermeintlichen Betrug zwecks der Visionen der Nonne aufdecken wollte. Brentano wollte wĂ€hrend dieser Zeit immer die RealitĂ€t des Wunders beweisen. Er experimentierte mit Reliquien, deren Echtheit die ehemalige Augustinernonne in der Ekstase erkennen sollte und er versuchte, den Tagesverlauf Jesu aus den ekstatischen TrĂ€umen der Nonne zu rekonstruieren. Selbst nach ihrem Tode gab er nicht auf und veranlasste eine Exhumierung, um die ĂŒberirdische Kraft des Leichnams zu erforschen.
Es gab aber auch Stimmen gegen Clemens Brentano, der mit der Augustinernonne nicht immer "menschlich" umging. Der Arzt der Emmerick, Franz Wilhelm Wegener, berichtete in seinem Tagebuch:

"Das Kreuz des Freundes B drĂŒckt sie [Emmerick] noch immer schwer; sie meint, es sei fĂŒr sie beide und fĂŒr die Sache [...] besser, wenn er nicht so heftig, manchmal brutal in seinen Forderungen sei, indem sie es ja doch nicht erzwingen könne, sondern von Gottes Hand annehmen mĂŒsse, was und wie es sich darbiete"[14]

Aus seinen protokollierten Aufzeichnungen der Visionen sollte ein christliches Weltepos in drei Teilen entstehen. Der Lebensgeschichte von Anna Katharina Emmerick sollte das Marienleben, die "Lehrjahre Jesu" und "Das bittere Leiden unsers Herrn Jesu Christi" angeschlossen werden. Aber nur die Leidensgeschichte Jesu erschien zu Brentanos Lebzeiten; das Marienleben war beim Tode Brentanos im Satz und die Lehrjahre Jesu lagen in einem satzfertigen Manuskript vor.
In den Jahren bis zu Anna Katharina Emmericks Tod widmete sich Brentano außer der Nonne nur noch Luise Hensel. Seine Kontakte zur Außenwelt hielt er aber trotzdem noch aufrecht. Er bekam oft Besuch von seinem Bruder Christian, Achim von Arnim oder Mitgliedern der Familie Diepenbrock.
Nach dem Tode von Anna Katharina Emmerick hielt sich Brentano meist in Koblenz oder Frankfurt auf, auch fĂŒhrten ihn kurze Reisen nach Straßburg[15]und in die Schweiz sowie nach Paris und Nancy. Schließlich siedelte Brentano im Jahre 1832 nach Regensburg ĂŒber, wo er seine Freundschaft mit Johann Michael Sailer auffrischte, und ein Jahr spĂ€ter nach MĂŒnchen, wo er wieder auf Görres traf. Dort fand sich spĂ€ter eine spĂ€tromantische Gruppe zusammen, der auch Görres’ Sohn Guido, der Maler Schlotthauer und der Arzt Ringseis angehörten. Joseph Görres grĂŒndete dort 1838 die "Historisch - politischen BlĂ€tter", die von seinem Sohn herausgegeben wurden und sich als Kampfschrift der katholischen Erneuerungsbewegung verstanden. Neben Brentano und Görres schrieb auch Joseph Freiherr von Eichendorff BeitrĂ€ge fĂŒr diese Zeitung.
In MĂŒnchen fand Brentano eine tiefe Zuneigung zu der Baseler Malerin Emilie Linder, der wir heute das einzige ÖlgemĂ€lde Brentanos verdanken. Brentanos Werben um sie fĂŒhrte 1834 zu einem Heiratsantrag, den Emilie Linder ablehnte. Durch sie nahm Brentano aber wieder Abkehr von seiner radikalen Kritik an jeglicher weltlichen Dichtung. Brentanos Lebenskreis schließt dort mit einer erneuten erotischen Bindung, die er diesmal fast ins mythische erhebt. Er wendet sich wieder den Freunden seiner Jugendjahre zu und nimmt die Arbeit an den "MĂ€rchen" wieder auf.

Am 24. Juli 1842 starb Clemens Brentano im Hause seines Bruders Christian in Aschaffenburg. Dieser war auch aufgrund einer testamentarischen VerfĂŒgung sein literarischer Nachlassverwalter, dem er - mit Ausnahme der Guido Görres ĂŒbergebenen MĂ€rchen und religiösen Werke - den gesamten dichterischen Nachlass zur Veröffentlichung ĂŒberließ. Christian publizierte 1852 sieben BĂ€nde der "Gesammelten Schriften" von Clemens Brentano.






Die damalige öffentliche Meinung ĂŒber den Dichter Clemens Brentano war, dass Brentano mit der Revision seine poetischen FĂ€higkeiten verlor und seine religiösen Werke daher kein lohnender Gegenstand der Literaturwissenschaft seien. Erst in der Brentano - Forschung dieses Jahrhunderts wurde mit Nachdruck[16]darauf hingewiesen, dass im Werk Brentanos Elemente der KontinuitĂ€t festzustellen sind.
Brentano hatte sein Leben der Kunst verschrieben; er war ein radikaler KĂŒnstler, dessen hoher Anspruch an die Ă€sthetische QualitĂ€t die Fertigstellung großer Werkkomplexe verhinderte.
Die sogenannte "Wende", d.h. die Hinwendung zum Glauben und zur katholischen Kirche, war eine der sich zwanghaft wiederholenden Krisen, in die Brentano mehrmals in seinem Leben kam. Der Grund dafĂŒr war wahrscheinlich seine verzweifelte Suche nach einer ĂŒbergreifenden Ordnung.

Die Bedeutung des Werkes von Clemens Brentano ist nicht der Ă€sthetischen Botschaft der FrĂŒhwerke mit der Verherrlichung subjektiver, spontaner Schöpfungspotenz noch in der religiösen Botschaft der SpĂ€twerke mit ihrem Appell fĂŒr eine neue, von einer erneuerten Kirche getragenen Frömmigkeit zu suchen.
Brentanos Werk bietet vielmehr eine BrĂŒcke zur literarischen Moderne[17].Alle seine BemĂŒhungen sind von einer verzweifelten Suche nach einer ĂŒbergreifenden Ordnung bestimmt. Aber das Scheitern dieser Suche zeigt den frĂŒhzeitigen Verfall bzw. die GefĂ€hrdung der bĂŒrgerlichen Welt.

2. Clemens Brentano - sein dichterisches Werk

2.1 Lyrik

2.1.1 Gedichte, Lieder und Balladen

Brentanos Ruhm in der deutschen Literaturgeschichte beruht auf seinen Gedichten. Er verfaßte Zeit seines Lebens ĂŒber 1000 Gedichte, von denen allerdings nur knapp ein Drittel wĂ€hrend seines Lebens gedruckt wurden, da er selbst so lange er lebte eine Sammelausgabe seiner lyrischen Werke verhinderte, obwohl er sie sogar selbst zusammen mit seinem Freund Johann Friedrich Böhmer zwischen 1837 und 1842 geplant hatte. Brentano meinte, ein Gedicht solle "lebendig und mitteilenswert erscheinen, es sollte zersungen und situationsgerecht abgewandelt, in den Herzen und Ohren jener Menschen klingen, denen es zugedacht war."[18].
So schrieb Brentano am 15. Januar 1837 an Böhmer:

"Sie nehmen ein ungemein rĂŒhrendes Anteil an meiner armen Poesie [...]. - Ich besitze zwar noch einige dutzend Lieder, habe sie aber seit 30 Jahren unter so speziellen Irren und Leiden geschrieben, dass ich sie kaum zu lesen, vielweniger abzuschreiben wage."[19]

Als "bessere Lieder" dieser Zeit betrachtet er nur die Gedichte aus den Dramen "Ponce de Leon" und den "Lustigen Musikanten" sowie dem Roman "Godwi oder das steinerne Bild der Mutter".
Eine Lyrik - Ausgabe war aber trotzdem geplant, da Brentano die MĂŒnchener Witwe Anna Barbara Sendtner beauftragte, die Gedichte Brentanos zu kopieren, was sie bis zu ihrem Tode 1840 auch tat. Damit muss Brentano dann aber auch die radikale Absage an die Gedichte seiner FrĂŒhzeit zurĂŒckgezogen haben. Dieser Widerspruch scheint sich allerdings wieder aufzulösen, da Brentano zu seinen Lebzeiten keinen Lyrik - Sammelband mehr veröffentlichte.
Alle Gedichte Brentanos, die hoch gelobt wurden und werden, stammen aus seinem FrĂŒhwerk vor seinen Lebenskrisen. Es handelt sich dabei um Gedichte wie "Lureley", "Der Spinnerin Lied", "Hör’ es klagt die Flöte wieder" und "Sprich aus der Ferne". Diese Gedichte nimmt aber Brentano auch aus seiner Schelte ĂŒber sein FrĂŒhwerk aus.

Brentano widmet sich schon frĂŒh der Lyrik. Als 19jĂ€hriger schrieb er seinen Kommilitionen alkĂ€ische Odenstrophen ins Stammbuch.

Stolz sei wer Mensch sich fĂŒhlet! Sein Wesen ist
Gehoben aus dem ewigen Feuerborn,
Ein edler Funke; seine Seele
Ausguß der Gottheit und unvertilgbar.

Du bist ein Mensch; drum hebe zum Himmel stolz
Dein Haupt, und blick umher, und verachte den,
Der seines Menschenadels unwert,
SchmÀhlichem Joche den Nacken reichet![20]

In Jena versuchte er sich dann in freien Versen, die sich an Goethes Sturm - und - Drang - Hymnen orientierten. Außerdem nahm Brentano Ludwig Tiecks gereimte freie Kurzverse auf.
Im Schlegel - Tieck - Kreis wurde er dann von deren Stanzenwut angesteckt, auch wurden die italienischen und spanischen Formen wie Sonett, Madrigal, Romanze (⇒ TrochĂ€us als typisches Versmaß) etc. wiederentdeckt. Von den BrĂŒdern Schlegel und Ludwig Tieck wurde Brentano allerdings als "Imitator" bezeichnet und er bekam eine Lektion in Form der Satire "Der neue Herkules am Scheideweg".
In den Jahren 1816 bis 1818 wendete sich Brentano dann von der Lyrik seiner FrĂŒhzeit ab und nahm den Ton der Pietisten auf. Es entsteht auch ein neues lyrisches Werk zur Werbung um Luise Hensel. Es bildet sich in seiner Lyrik eine tiefreligiöse Sehnsucht, die unerfĂŒllt bleibt. Dies bildet dann wiederum eine BrĂŒcke in das 20. Jahrhundert mit Themen wie das Ringen um die Überwindung der Einsamkeit und die vergebliche Sehnsucht nach Glaube, Harmonie und Liebe. Man kann ihn daher als einen VorlĂ€ufer des Surrealismus und Symbolismus bezeichnen.

Die Gedichte Brentanos sind in zeitliche und thematische Kontexte eingebettet, die ich im folgenden nÀher beschreiben werde.

Jugendlyrik
Zu Anfang machte Brentano vorlagengebundene Lyrikversuche im Stile Schillers, Goethes und des Göttinger Hains. 1803 kam es dann zur ersten ZĂ€sur, der Eheschließung mit Sophie Mereau und den daraus resultierenden Gedichten des Werbens um die Liebe Sophiens. Sie werden heute als Sophiengedichte bezeichnet. In ihnen spiegelt sich die Liebe als Objekt einer distanzierten Sehnsucht, die Geliebte wird fremd und dĂ€monisch wie die Loreley aus dem "Godwi"

Dirnenpoesie
Nach der Scheidung der Ehe mit Auguste Bußmann kamen Bilder der Entfremdung in Brentanos Lyrik. Liebe wurde unter den Gestalten der Sklavin, der Zigeunerin, der Einsiedlerin, der Undine und der Hure gesehen. Ein Beispielgedicht ist das 1816 geschriebene "Ich kenn’ ein Haus, ein Freudenhaus".

Neupietismus
Nach seiner Inspirationskrise 1816 und der Begegnung mit Luise Hensel kam es zusammen mit den Berliner Neupietismus zu der Entdeckung der Religion als Lebensmacht. Es entstanden zum einen Erweckungsgedichte und zum anderen Gedichte des Liebeswerbens um Luise Hensel, welche wiederum eine lyrisch vorweggenommene ErfĂŒllung und Umlenkung der enttĂ€uschten Liebe auf Kunst und Religion waren.
Brentano benutzte dazu barocke Vorlagen wie Heermann, Spee und Angelus Silesius sowie Zitate aus der geistlichen Lyrik von Novalis.
Hier ist als Beispiel das Gedicht von der Gottesmauer ("Sang das fromme MĂŒtterlein") zu nennen.

MĂŒnchener Romantik
1833 begegnete Brentano der Baseler Malerin und Kunstsammlerin Emilie Linder in MĂŒnchen. Daraufhin verfaßte er zwischen 1834 und 1837 ein poetisches Tagebuch großer erotischer Gedichte. Die Vorlage davon bildeten die Luisen - Gedichte des Neupietismus. Deshalb kam es auch nach Brentanos Tod zum Streit zwischen Luise Hensel und Emilie Linder um die Adresse der Gedichte. Deutlich sieht man diese Vorlagetechnik an dem Gedicht "Einsam will ich untergehn".
Diese Neigung, das einmal geschriebene weiter um - und fortzugestalten teilt Brentano mit Hölderlin.




Brentano und das Volkslied
Neben der Herausgabe der Volksliedsammlung "Des Knaben Wunderhorn" zusammen mit seinem Freund Achim von Arnim beschĂ€ftigte sich Brentano auch selbst mit dem Volkslied - man findet bei ihm viele artifizielle volksliedartige Formen in der Lyrik. Brentano gilt heute in der Literaturwissenschaft als der BegrĂŒnder der Volksliedstrophe.



2.1.2 "Romanzen vom Rosenkranz"

Zum Begriff "Romanze":
Der deutsche Begriff "Romanze" stammt vom spanischen "el romance", was soviel wie "das in der romanischen Volkssprache geschriebene" bedeutet.
Es handelt sich dabei um eine episch - lyrische Gattung der spanischen Literatur, ein kĂŒrzeres volkstĂŒmliches episodisches ErzĂ€hllied. Mit der Romanze wurden Stoffe der altspanischen Sage und Geschichte gestaltet. Die hĂ€ufigste Versform der Romanze sind reimlose trochĂ€ische 16 - Silbler mit MittelzĂ€sur und Assonanzen.
Der Stil und die ErzĂ€hlstruktur entsprechen der Volksballade des germanischen Sprachraumes. Man kann die Romanze von der Ballade aber durch die grĂ¶ĂŸere Heiterkeit, Gelöstheit, Breite der Darstellung und mehr musikalisch - klangliche Elemente unterscheiden.

Die Stoffkreise der Romanze sind
    historische Romanzen ĂŒber geschichtliche Ereignisse oder Legenden Romanzen des karolingischen und bretonischen Sagenkreises sogenannte Grenzromanzen ĂŒber die KĂ€mpfe zwischen Mauren und Christen, besonders in den letzten Jahrhunderten der RĂŒckeroberung Spaniens maurische Romanzen, entstanden nach 1492 (endgĂŒltiger Sieg der Christen ĂŒber die Mauren) romanhafte, religiöse und lyrische Romanzen

In Deutschland wurde die Romanze durch J. W. L. Gleim (1756) eingefĂŒhrt, zunĂ€chst allerdings als synonyme Bezeichnung fĂŒr die Kunstballade (im Sturm und Drang vor allem die Balladen BĂŒrgers, Goethes, Schillers). Herder weist spĂ€ter durch kogeniale Übersetzungen in assonanz - und reimlosen trochĂ€ischen Achtsilblern (die sogenannten spanischen TrochĂ€en) auf den formal gebundenen volkstĂŒmlichen Charakter der Romanze hin. Daraufhin kommt es in der Romantik zu einer BlĂŒtezeit der Romanzendichtung.




Das zweite große lyrische Werk Brentanos sind die "Romanzen vom Rosenkranz", obwohl sie Fragment geblieben sind.
1802 begann Brentano mit der Skizze einer Romanze von Lorenzos unglĂŒcklicher Liebe zu einer SĂ€ngerin. Diese Romanze bestand aus 15 Strophen, in denen Assonanzen den Reim ersetzen.

Durch die lĂ€ngstgewohnten Straßen
Geht Lorenzo, Zugezogen,
Sieht er ihre Fensterladen
Und verschlossen ihre Pforte.[21]

Es handelt sich dabei um vierfĂŒĂŸige trochĂ€ische Verse, den spanischen versos rondillos nachgebildet. A. W. Schlegel experimentierte mit diesen erstmals in seinen Romanzen "Die Erhörung" (Göttinger Musenalmanach, 1792) und "Leonardo da Vinci" (Gedichte, 1800)

Die ersten drei "Romanzen vom Rosenkranz" entstanden 1803. Ein "hÀusliches Elend" unterbricht dann aber seine Arbeit, er nimmt sie erst nach seiner Berliner Reise 1805 wieder auf. Es entstehen weitere drei Romanzen, die drei vorher entstandenen werden so zu den "mittleren". Victor Michels klÀrt diese Verwirrung: Die neuen Romanzen sind die erste, zweite und sechste, die legen sich wie ein Mantel um die Urromanzen 3, 4 und 5 herum.
1808 entstehen in Landshut die nÀchsten drei Romanzen. Diesmal lenkt Brentano das Interesse auf Apo, den irdischen Diener der bösen MÀchte - die "Romanzen vom Rosenkranz" bekommen einen Faust - Stoff.
Die Romanzen 10 - 12 mĂŒssen dann 1809 in Berlin geschrieben worden sein, da Brentano den Maler Runge in seinem Brief vom 21. Januar 1810 bat, sein Werk zu illustrieren.

"WĂ€hrend ich Solches erlebte, entstand in mir unbewußt die Begierde, ein Gedicht zu erfinden, wie ich gern eines lesen möchte, und, was mir nicht begegnet war, gewisse Bilder und Zusammenstellungen begegneten mir immer wieder. Ich schaute sie mit gleichem Genuß an, ihre Farbe wurde mir bestimmt, und ich entschloß mich, sie in einem historischen VerhĂ€ltnis zu einer ganzen Begebenheit auszubilden, die bald auch ein Schicksal, eine Notwendigkeit, ihren Himmel, ihre Erde, Leben und Tod empfing. Ich bildete sie in einzelnen Romanzen aus, die alle klar und bestimmt, ohne vielen lyrischen Erguß, meist handelnd sind, und empfand bald, dass sie mein gehörten, dass sie von mir waren und mich erfreuten. Ich teilte sie den verschiedensten Menschen mit, sie machten allen einen gleich angenehmen ernsten und rĂŒhrenden Eindruck, und ich gewann diese Arbeit lieb, von der ich leider durch betrĂŒbende Zeit und SelbstverhĂ€ltnisse nur zu oft getrennt wurde. Die HĂ€lfte ungefĂ€hr liegt fertig, der Plan des ganzen ist es auch, und ich bin in der Lage und Muße, den Rest bald zu vollenden. Der Titel wĂŒrde sein: Die Erfindung des Rosenkranzes. [...] Zimmer in Heidelberg, der das Gedicht liebt und es bei seiner Vollendung drucken wird, hat meinen heimlichen Wunsch, dass sie meine Arbeit mit ihren Zeichnungen verzieren möchten, durch die Schilderung ihrer GĂŒte schier in mir zu einer Hoffnung gemacht, ohne deren ErfĂŒllung ich meinen Mut, fortzuarbeiten, sehr wĂŒrde sinken sehen."[22]

Runge starb aber im Dezember 1810. Brentano arbeitete noch bis 1811 an den Romanzen weiter, bricht dann aber die Arbeit mitten in der 20. Romanze ab. WĂ€hrend Hoffmann der Meinung ist, dass Brentanos Thema eine unendliche Melodie sei, fĂŒr die es keine Schlußkadenz gĂ€be, da der Streit zwischen Gut und Böse im Menschen niemals aufhöre und er deshalb das Werk fragmentarisch ließ, wĂŒrde ich eher sagen, dass der Abbruch des Werkes mit dem Tode Runge in Verbindung zu bringen ist. Brentano flehte Runge regelrecht an, die Romanzen zu illustrieren. So schrieb Brentano an Runge

"[...] ich wollte ihnen nur sagen, dass ich sie liebe aus ihren Werken, und dass ich den herzlichen Wunsch habe, sie möchten eine Erfindung von mir mit der Ihrigen begleiten, damit sie mir selbst mehr Freude machen könne."[23]

Brentano wollte sogar den Reinerlös fĂŒr die "Romanzen vom Rosenkranz" Runge zukommen lassen, wenn er ihm nur sein Werk illustriert.

Die Handlung der "Romanzen vom Rosenkranz" spielt im Bologna des 13. Jahrhunderts.
Der Maler Kosme hat von seiner Frau Rosalaeta drei Söhne: Jacophone, Meliore und Pietro. Er gerĂ€t in den Bann böser MĂ€chte und verfĂŒhrt Rosalaetas Schwester, die Nonne Rosatristis, die ihm zu einem Madonnenbild Modell gestanden hat. Aus der Beziehung gehen drei Töchter hervor. Die beiden Ă€lteren, Rosarosa und Rosadora wurden ausgesetzt, und mit der jĂŒngsten, Rosablanka, bei deren Geburt Rosatristis gestorben ist, lebt Kosme als BĂŒĂŸer von Bologna. Die Halbgeschwister sind ĂŒber ihre Verwandtschaft im Unklaren. Jacophone, der Jurist und Rosarosa heiraten, entgehen jedoch der Gefahr der SĂŒnde durch die Hilfe des engelhaften Knaben Agnuscastus und leben in keuscher Ehe. Meliore, KĂŒnstler und Student, liebt Rosadora, die als Biondetta eine berĂŒhmte SĂ€ngerin geworden ist. Der GĂ€rtner Pietro wiederum ist Rosablanka zugetan, die jedoch eine Neigung zu Meliore hegt. Meliore wird gehaßt von seinem Lehrer, dem dĂ€monischen Arzt und Magier Apone (Apo), der Rosadora - Biondetta selbst begehrt. Um Biondetta zu entfĂŒhren, setzt Apo, der mit dem Teufel Moles im Bunde ist, das Theater in Brand, in dem sie ihre Abschiedsvorstellung gibt, bevor sie den Nonnenschleier nimmt. Meliore kann Biondetta retten, aber Rosadora, die mit Jacophone der Vorstellung beigewohnt hat, stirbt. An ihrem Sterbebett enthĂŒllt der engelhafte Agnuscastus ihre Verwandtschaft mit Biondetta. Die bösen MĂ€chte, an Biondettas Verderben interessiert, lassen zu, dass Meliore nun von Apo mit einen Degen, der mit Liebesgift prĂ€pariert ist, erdolcht wird. Biondetta indes rettet Meliores Leben, indem sie ihm Blut und daher auch das Gift aus der Wunde saugt; dadurch jedoch entflammt sie in Liebe zu ihm, und nur das Bild ihrer Mutter bewahrt sie vor dem Inzest. Den weiteren Nachstellungen Apos kann sich Biondetta nur durch Selbstmord entziehen. In ihren Leichnam schlĂŒpft der Teufel Moles und stiftet, als frech geschmĂŒckte falsche Biondetta, zusammen mit Apo Verwirrung in Rosarosas Leichenzug. Beim Anblick der falschen Biondetta wird Meliore ohnmĂ€chtig. Rosablanka und Pietro bringen ihn in Sicherheit.

Damit schließen die ausgefĂŒhrten Romanzen. Das spĂ€tere Schicksal hat Brentano nicht mehr dargestellt. Am Ende sollte jedoch daraus ein apokryphisches Gedicht werden, welches mit der Erfindung des Rosenkranzes endet.
In der Handlung dieser 19 gedruckten Romanzen wiederholt sich mehrmals das Inzest - Motiv. Man kann darin ein persönliches Problem des Dichters sehen, der selbst eine Art Inzest begeht, indem er in jeder Frau, der er sich nÀhert, die Mutter sucht. Er muss den Weg Jacophones, Meliores und Pietros gehen.

Die Romanzen vom Rosenkranz sind aus vierfĂŒĂŸigen trochĂ€ischen Versen gebildet und haben in der zweiten und vierten Zeile entweder Reime
Als er ging zur Doktor - Ehre
Durch der Aula hohe Pforte,
War die ZĂŒcht’ge ihm begegnet,
Und er sprach zu ihr die Worte:[24]

oder Assonanzen
Schöne Jungfrau! Ihr begegnet
Mir an so gefĂ€hrl’chem Orte,
Jetzo ich zu streiten gehe
De bonorum possessione.[25]

Das Assonanzenschema ist meist a - e oder o - e.

Brentanos Quellen fĂŒr die Geschichte der Stadt Bologna war Ghirardaccis "Historia di Bologna" (Bologna 1596). Daneben benutzte er noch marianische Literatur (die Bibliothek von ihm und seinen Bruder Christian wies viele Titel zum Rosenkranz - Thema auf), Werke ĂŒber Heiligenviten, Schriften ĂŒber das Judentum und Volksliteratur ĂŒber Wunder, Geister und Aberglauben.

In einem Nachwort zu den "Romanzen vom Rosenkranz", den Paralipomena, sollte die Vorgeschichte zu den Romanzen dargestellt werden, nach denen sich eine Verwandtschaft der Personen von Liliths Nachfahrin, ebenfalls Lilith genannt, bis zu Kosme und Apo.
Auch den weiteren Verlauf der Dichtung skizzierte Brentano in den Paralipomena. Offenbar wollte Brentano verschiedene historische Ereignisse in den "Romanzen vom Rosenkranz" verflechten. Auch wollte Brentano wahrscheinlich die Einleitungsterzinen zu einem autobiographischen Gedicht ausgestalten.



2.1.3 "Des Knaben Wunderhorn"

Die ‘Volksliedsammlung’ "Des Knaben Wunderhorn" nimmt eine Sonderstellung in der deutschen Literatur ein. Sie ist zugleich auch der Inbegriff des romantischen Kulturgutes und das wohl bekannteste Werk der deutschen Romantik.

Der Ursprung des Wunderhorns ist wohl um 1800 zu sehen; der Impetus ging dabei von Brentano aus, der sich damals begeisternd mit mittelhochdeutscher Literatur, besonders der Lyrik und Versepik beschĂ€ftigte. Am 9. Juli 1802 sendet Arnim einige Lieder von ZĂŒrich aus an Brentano, der ihn in einem Brief darum gebeten hatte.
Diese Idee einer Volksliedsammlung war nicht neu. Herder[26],der auch den Terminus "Volkslied"[27] einfĂŒhrte, brachte genauso wie auch Nicolai, von Eschenburg, GrĂ€ter und Anselm Elbert eine Volksliedsammlung heraus.
Die Intentionen der beiden Autoren waren aber nicht dieselben. WĂ€hrend Brentano damit mehr ein Freundschaftsdokument der LiederbrĂŒder Arnim und Brentano sowie ein Kunstwerk aus romantischen Geist erstellen wollte, ging es Arnim um eine nationale Opposition gegen Napoleon.

"WĂ€ren die deutschen Völker in einem einigen Geiste verbunden, sie bedĂŒrfen dieser gedruckten Sammlungen nicht, die mĂŒndliche Überlieferung machte sie ĂŒberflĂŒssig; aber eben jetzt, wo der Rhein einen schönen Theil unsres alten Landes los löst vom alten Stamme, andre Gegenden in kurzsichtiger Klugheit sich vereinzeln, da wird es nothwendig, das zu bewahren und aufmunternd auf das zu wirken, was noch ĂŒbrig ist, es in Lebenslust zu erhalten und zu verbinden."[28]

Das Wunderhorn sollte daneben auch eine belehrende und erzieherische Funktion haben. Man wollte nicht nur die Kunst regenerieren, sondern auch zur Hebung des gesamten Lebens aus der damaligen Entartung beitragen.

Entstanden ist das Werk dadurch, dass Arnim und Brentano auf ihren Reisen und Wanderungen Volkslieder gehört haben und diese in ihrem GedĂ€chtnis festhielten. Sie sollten spĂ€ter dem Volk wieder vorgesungen werden. Rölleke sagt ĂŒber Brentano:

"Was auf Dorfstraßen, in Spinnstuben und im Herzen alter Leute lebte, wurde gesammelt. Brentano war der rechte Mann fĂŒr dieses Werk. Nichts war ihm lieber, als mit der Laute unterm Arm durch das Land zu streifen und Volkslieder zu singen."[29]

Brentano widmete sich einige Zeit intensiv dem Projekt. Der anfĂ€ngliche Eifer ließ aber schnell nach, sobald das Werk in die "Arbeitsphase" ĂŒberging. Im Endstadium ĂŒberließ er die Arbeit dann ganz Achim von Arnim. Daher ist dieses Werk wohl doch mehr ein Werk Arnims als ein Werk Brentanos.

1805 begann der Druck des ersten Bandes, welcher Goethe zugeeignet war. Er erschien zur Michaelismesse in Frankfurt. Goethe gefiel das Wunderhorn sehr gut, wie Brentano an Friedrich Karl von Savigny am 7. Januar 1806 aus Heidelberg schrieb.

"Von Arnim habe ich zwei Briefe [...], aus dem zweiten kann ich nur erzĂ€hlen, dass Göthe ihn mit Liebe ĂŒberhĂ€uft hat, dass ihm unsre Lieder sehr wohl gefallen und er sie selbst rezensieren will; um die Fortsetzung hat er gebeten."[30]

Diese angesprochene Rezension folgte am 21./22. Januar 1806.

Die meisten Lieder des Wunderhorns sind Kunstlieder, im Gegensatz zum Volkslied; sie wurden weder vom Volk noch fĂŒrs Volk gedichtet. Überhaupt war der Inhalt des Wunderhorn eine Mischung aus Altem und Neuem, Fremden und Eigenem. Es stellte nie einen reprĂ€sentativen Querschnitt durch den deutschen Volksgesang dar. Statt dessen findet man viele philologische Ungenauigkeiten, d.h. Abwandlungen des ĂŒberlieferten Materials.
Das Material der Wunderhorn - Lieder stammt aus den verschiedensten Quellen. Von den 723 Liedern des ersten Bandes gehen ca. 340 auf gedruckte BĂŒcher oder Zeitschriften zurĂŒck, ca. 100 gehen auf sogenannte "Fliegende BlĂ€tter"[31] zurĂŒck, ca. 40 auf Ă€ltere handschriftliche Codices[32] und nur ca. die letzen 250 gehen auf handschriftliche BeitrĂ€ge jener Zeit zurĂŒck.
Das Titelkupfer des ersten Bandes zeigt eine Abbildung des Oldenburger Horns mit Stellenverzierungen am Rande des Horns. Es hat seinen Ursprung in der Schrift "Des Oldenburgischen Wunder - Horns Ursprung" von Johann Just Winkelmann. Im Hintergrund ist das Heidelberger Schloß zu erkennen.

Außer von Goethe erntete die Volksliedsammlung meist negative Kritik. Zum einen schrieb Friedrich Schlegel am 11. November 1805 an seinen Bruder August Wilhelm Schlegel, dass das Wunderhorn "eine grosse Menge Schund, Kropzeug, Crethi und Plethi mit vielen eignen Bretanereien"[33]enthielte.
Der aber wohl hartnĂ€ckigste Gegner des Wunderhorns und somit auch von Achim von Arnim und Clemens Brentano war Johann Heinrich Voß. Dieser bezeichnete den ersten Band des Wunderhorns als "zusammengeschaufelten Wust, voll muthwilliger VerfĂ€lschungen, sogar mit untergeschobenem Machwerk."[34].
Daraufhin wurde er von Goethe in seinem Faust - Paralipomenon Nr. 47 zitiert:

Eutiner
Mit Fleiß und TĂŒcke webt ich mir
Ein eignes Ruhmgespinste
Doch ist mirs unertrÀglich hier
Auch hier find ich Verdienste

Wunderhorn
Hinweg von unserm frohen Tanz
du alter neidscher Igel.
Gönnst nicht den Teufel seinen Schwanz
Dem Engel nicht die FlĂŒgel.[35]

Diese Kritik der Zeitgenossen (v.a. von Voß) verhinderte zwar nicht den wirkungsgeschichtlichen Triumphzug des Wunderhorns, hatte aber zur Folge, dass sich Goethe mehr und mehr von den Romantikern abwandte und die Rezension des 2. und 3. Bandes, welche wegen der Kriegswirren erst nach 1807 erschienen, an den Germanisten von Hagen ĂŒbergab.

Das romantische Element des Wunderhorns zeigt sich v.a. durch die Stoffwahl, das ZurĂŒckgreifen auf das UrsprĂŒngliche, das Unaffektierte im Kunstwerk und die Form seiner Darbietung. Es wurde nie offiziell als Volksliedsammlung bezeichnet, da es vielmehr aus einer FĂŒlle von Neu - und Umdichtungen besteht.[36]

Zum Abschluß dieses Abschnittes möchte ich noch ein anerkennendes Zitat ĂŒber das Wunderhorn bringen, welches sehr schön die literarischen Ambitionen Arnims und Brentanos mit ihrem Gemeinschaftswerk aufzeigt.

"Das Wunderhorn [...] bleibt der originellste und zugleich letzte Versuch, Volks - und Kunstdichtung, alte und moderne Lyrik, Poesie aller Schichten und Provinzen in einem Gemeinschaftswerk zu einem neuen Ganzen zu verschmelzen, allen alles wiederzugeben, wie es Arnim formuliert."[37]



2.2 Epische Dichtung

2.2.1 MĂ€rchen

Brentano hatte seine ersten Kontakte zu MĂ€rchen schon in seiner Kindheit. Seine 80jĂ€hrige Amme erzĂ€hlte ihm die MĂ€rchen "Großmutters Schlangenkönigin", "Vom Machandelbaum" und "Vom Fischer und seiner Frau". Er las selbst Gozzis "Fiabe" und Basiles "MĂ€rchen vom Hahn und dem Ring" aus der Bibliothek seines Vaters.
1800 erscheint in der von August Klingemann herausgegebenen Zeitschrift Memnon das MĂ€rchenfragment "Die Rose"[38]. Die Hauptschaffensphase seiner MĂ€rchendichtung begann im Jahre 1805; Brentano arbeitete dann an den MĂ€rchen bis etwa zu dem Zeitpunkt seiner Generalbeichte. Allerdings erschienen zu seinen Lebzeiten nur das MĂ€rchen vom "Gockel, Hinkel und Gackeleia" aus den Italienischen MĂ€rchen (1838)[39] und ohne sein Wissen auf Veranlassung eines Bekannten in der Frankfurter Zeitschrift "Iris" ein Teil aus den "MĂ€rchen vom Rhein" und das "MĂ€rchen vom MyrtenfrĂ€ulein" (1826/27). Man wollte damit erreichen, dass Brentano alle seine MĂ€rchen dem Lesepublikum zugĂ€nglich machte. Brentano, der zu dieser Zeit seiner religiösen Besinnung tiefe Zweifel an der Notwendigkeit und Lauterkeit aller Poesie hegte, war darĂŒber verĂ€rgert, bewilligte aber eine Publikation unter dem Titel "MĂ€hrchen, nachlĂ€ĂŸig erzĂ€hlt und mĂŒhsam hingegeben von C. Brentano. Als Almosen fĂŒr eine Armenschule erbeten, geordnet, und herausgegeben von milden Freunden", zu der es aber nicht kam, da Brentano begann, die MĂ€rchen im Sinne seines damaligen Welt -, Zeit -, Poesie - und Gottesbewußtseins umzuarbeiten. So erschien die erste Gesamtausgabe seiner MĂ€rchen erst nach seinem Tod in den Jahren 1846/47, herausgegeben von Guido Görres.



2.2.1.1 Italienische MĂ€rchen

Den italienischen MĂ€rchen, die zwischen ca. 1805 und 1811 entstanden, liegt in einer freien Bearbeitung der einzelnen StĂŒcke die MĂ€rchensammlung "Pentamerone" (1634)[40] des neapolitanischen Schriftstellers Giambattista Basile zugrunde

Sie besteht aus der RahmenerzĂ€hlung "Liebseelchen" und fĂŒnf der insgesamt 50 Spinnstubengeschichten des "Pentamerone".
Liebseelchen ist eine traurige Prinzessin, die ihr königlicher Vater nur dadurch zum Lachen bringen kann, dass er ihre geschraubte Tanz - und Anstandslehrerin Mademoiselle Pimpernelle bei Glatteis auf dem Marktplatz durch ein listiges Manöver zu Fall bringt. Doch Pimpernelle ist eine Hexe, und bevor sie aus Wut ĂŒber den ihr angetanen Affront zerplatzt, verdammt sie Liebseelchen dazu, den toten Prinzen Röhropp aus seinen Marmorgrab herauszuweinen, falls sie nicht ledig bleiben will, denn sie kann nur ihn und keinen anderen zum Manne bekommen. Liebseelchen hat ein gutes Herz, das Marmorbild des Prinzen an seinem Grabe rĂŒhrt sie, und sie weint den TrĂ€nenkrug voll. Am Ende ist sie so abgeweint und mĂŒde, dass sie einschlĂ€ft. WĂ€hrenddessen stiehlt ihr die böse Mohrin Russika den Krug und den auferstandenen Prinzen. Das gute Liebseelchen lĂ€sst sich alles gefallen und schenkt der Mohrin sogar noch einen Papagei, eine goldene Glucke und eine Wunderpuppe, die sie drei alten Frauen, denen sie aus der Not geholfen hat, verdankt. Russika legt die Gaben ihrem Kind an die Wiege, das in Wirklichkeit nur ein in Windeln gehĂŒllter Flederwisch ist. Die Wunderpuppe, die spinnen kann, muss Tag und Nacht fĂŒr sie arbeiten; schließlich empört sie sich und droht der Mohrin, dem Prinzen ihren doppelten Betrug zu verraten, wenn sie ihr nicht beim Spinnen zum Zeitvertreib MĂ€rchen erzĂ€hle. Russika ist nicht imstande dazu, doch sie bringt zehn alte Jungfern zusammen, die ihr die Arbeit abnehmen sollen. Sie erzĂ€hlen die fĂŒnf Spinnstubengeschichten "MyrtenfrĂ€ulein", das MĂ€rchen von der Liebe eines Prinzen zu einem Myrthenbaum, "Witzenspitzel", ein Schwank von einem listigen TausendkĂŒnstler, der ein Riesenehepaar erlegt, "RosenblĂ€ttchen", die Geschichte einer launischen Prinzessin und ihrer Tochter, der es wie Dornröschen und Schneewittchen ergeht, "HĂŒpfenstich", eine Groteske von einem König und einem Floh, den er wie seinen eigenen Sohn liebt und nach vielen ZwischenfĂ€llen mit seiner Tochter verheiratet, und das MĂ€rchen von dem glĂŒckhaften Tölpel "Dilldapp".[41]

Brentanos MÀrchen stehen im Gegensatz zu den VolksmÀrchen, in denen die Figuren nur allgemeine Bezeichnungen (wie z.B. Prinzessin, Schneider) tragen. Brentano gibt seinen Figuren Namen, die den TrÀger charakterisieren und zugleich Wortspielereien sind.
Der Wortsinn ist oftmals verfremdet, Redewendungen werden wörtlich genommen. Aus dem Barock ĂŒbernahm Brentano WorthĂ€ufungen wie z.B.: "Du Plappermaul! Du GĂ€nseschnabel! Du EntenpĂŒrzel! Du SchnatterbĂŒchse! Du KlappermĂŒhle! Du große Glocke! Du Ausrufer! Du Stadt - und Landtrompeter! Du Knarre! Du Schnarre!"[42]
Wie in der Fabel werden die Tiere vermenschlicht, wobei ihre charakteristischen WesenszĂŒge aber nicht verwischt werden. Oft kann man als Leser auch nicht erkennen, ob es sich nun um Tiere oder Menschen handelt.[43]



2.2.1.2 RheinmÀrchen

Die RheinmĂ€rchen wurden von Clemens Brentano in den Jahren 1810 - 1812, zur Zeit der Rheinromantik, verfaßt. In ihnen wurden lokale Rheinsagen mit eigenen Erfindungen (z.B. der Lore Lay/Lureley, die Brentano zuerst als Ballade im "Godwi" vorstellte) vermischt.
Die RheinmĂ€rchen umfassen vier thematisch zusammenhĂ€ngende und motivisch miteinander verbundene EinzelmĂ€rchen. Den Rahmen bildet das "MĂ€rchen von dem Rhein und dem MĂŒller Radlauf".

Der MĂŒller Radlauf rettet die schöne Prinzessin Ameleya aus den Fluten des Rheins und erwirbt sich damit, einem Versprechen des Königs von Mainz zufolge, die Krone des Landes und die Hand seiner Tochter; der treulose König aber betrĂŒgt den MĂŒller um GlĂŒck und Herrschaft. Die Strafe folgt auf dem Fuß: Ein Krieg zwischen MĂ€usen und Menschen bricht los, der König wird mit seinem Hofstaat vertrieben. Aus Rache fĂŒr die Beleidigung der Königin von Trier und des Prinzen Rattenkahl lockt der Prinz Mauseohr die Kinder von Mainz mit Hilfe einer Zauberpfeife in den Rhein, wo sie ihrer Erlösung harren. Derweil begeht des MĂŒllers Star, ein verzauberter Freier der Prinzessin, Selbstmord, ein VermĂ€chtnis hinterlassend, das seinen Herrn flugs ins zweite große MĂ€rchen transponiert, wo der MĂŒller, von MĂ€rchenepisode zu MĂ€rchenepisode fortschreitend - der Geschichte seiner Ahnen nachspĂŒrt, die zugleich die Geschichte des Hauses Starenberg ist.

In dem MĂ€rchenkomplex der "RheinmĂ€rchen" wurden verschiedene deutsche Sagen und Rheinsagen vermischt, so z.B. die Sagen vom RattenfĂ€nger von Hameln, Bischof Hatto von Mainz, Binger MĂ€useturm und die Melusinensage[44], aus der die Sage von der Wasserfee Lureley hervorging. Diese Sagenfiguren stecken alle in der Rahmengeschichte, die mehrere Einlagen hat - die Geschichte des Hauses Starenberg. Die MĂ€rchen im ganzen blieben aber unvollendet. Abgeschlossen sind nur das einfĂŒhrende "MĂ€rchen von dem Rhein und dem MĂŒller Radlauf", das "MĂ€rchen vom Murmeltier" und das MĂ€rchen vom "Schneider Siebentot auf einem Schlag".



2.2.2 "Godwi oder das steinerne Bild der Mutter"

Godwi, ein adeliger Kaufmannssohn, schreibt an seinen Jugendfreund Karl Römer, den nĂŒchtern - bĂŒrgerlichen, aber ironisch veranlagten Verwalter der GĂŒter von Godwis Vater. Godwi berichtet zunĂ€chst ĂŒber einen Aufenthalt in B., wo er Molly kennenlernte. Nach der Trennung von ihr fĂŒhrt ihn der Zufall in das abgelegene Schloß eines Landjunkers, dessen Tochter Joduno ihn vorĂŒbergehend als Kontrast zu Molly anzieht.
Joduno steht wiederum im Briefwechsel mit Otilie, der Tochter eines in der NĂ€he hausenden Einsiedlers, Werdo Senne. Godwi stattet ihnen auf DrĂ€ngen Jodunos einen Besuch ab und beschließt dann aber, dort fĂŒr lĂ€ngere Zeit zu bleiben.
Karl Römer unternimmt wĂ€hrenddessen eine GeschĂ€ftsreise, die ihn ebenfalls nach B. fĂŒhrt, wo er auch Molly - eine in Deutschland ansĂ€ssige Lady Hodefield - trifft. Diese weist ihn aber bestĂŒrzt ab, als sie seine Herkunft erfĂ€hrt.
Molly Hodefield steht ihrerseits in Briefkontakt zu Werdo Senne, dem sie offenbart, dass Karl Römer ihr Sohn ist und aus einem VerhÀltnis zwischen ihr und Godwis Vater entstammt.
Den Schluß bilden die Briefe Karl Römers an Godwi, welche einen Besuch Jodunos in B. ankĂŒndigen.

"Die Begebenheit steht zuletzt wie ein schwankendes GerĂŒst da, das die Behandlung nicht mehr ertragen kann und jagt den Lesern Todesangst fĂŒr sich und sein Interesse ein."[45], befĂŒrchtet der Autor des zweiten Bandes und Herausgeber der Briefe des ersten Bandes, Maria, in der Vorrede des zweiten Bandes. Er entschließt sich, weitere Daten der Handlung direkt bei Godwi zu beschaffen, da sie ihm von Karl Römer, der den ersten Band in Auftrag gab, verwehrt bleiben. Mit der Hilfe des inzwischen gealterten, nun abgeklĂ€rt - ruhigen Godwi sieht er sich imstande, den im ersten Band geschĂŒrzten Knoten von Personenkonstellationen zu lösen. Godwi fĂŒhrt Maria zu einigen Örtlichkeiten des ersten Bandes, tadelt seinen Biographen (Maria gelang die Beschreibung der Otilie nicht besonders) und steuert aus Briefen und eigenen ErzĂ€hlungen die Lebensgeschichten verschiedener Nebenfiguren bei. Godwis Bericht stiftet zwischen allen Figuren enge verwandtschaftliche Beziehungen und klĂ€rt so die Verwirrungen des ersten Bandes. Die Szene wird bereinigt, indem die gesamten Nebenfiguren nach Italien geschickt werden.

"’An der Spitze flog Eusebio, hinter ihm Franzesko und Otilie, und hinter diesen mein Vater nebst dem alten Joseph, in ihrer Mitte aber Molly von Hodefield, so piramidalisch, wie die Störche fliegen - adieu - .’
‘GlĂŒckliche Reise,’ sagte ich, ‘kommt um Gotteswillen nicht wieder - !’"[46]

Nach der Vollendung der Familiengeschichte erkrankt Maria, und Godwi selbst bemĂŒht sich um eine "fragmentarische Fortsetzung". Seine (zu Beginn des ersten Bandes unternommene) Reise fĂŒhrt ihn nach dem Besuch auf dem Reinhardstein zu einem Schloß am Rhein, dessen Herrin, die GrĂ€fin von G., ihn an sich band. Als sie jedoch ihre Tochter Violette, die ihn liebte, durch Godwi in die Mysterien ihrer erotischen Religion einzufĂŒhren versucht, weigert er sich und flieht. Violette wurde zur Dirne, die Godwi nach einem Italienaufenthalt wiedertraf und erschĂŒttert auf seinem Landgut aufnahm, wo sie dann starb.
In einem kurzen Epilog gibt es noch "Einige Nachrichten von den LebensumstÀnden des verstorbenen Maria" und eine Auswahl seiner Gedichte, darunter eines "An Clemens Brentano".




"Godwi oder das steinerne Bild der Mutter" war Brentanos einziger Roman und entstand zwischen 1798 und 1801 in zwei Teilen. Der erste Teil erschien Ende 1800 und wurde auf 1801 vordatiert. Er besteht aus 28 undatierten Briefen von mehreren Briefautoren; in diesen Briefen sind Tagebuchaufzeichnungen, Erinnerungsdokumente, Gedichte und Lieder eingebettet. Ein Kreis zahlreicher Personen, die getrennt voneinander leben, finden darin immer mehr zusammen und teilweise entdecken sie auch ihre Verwandtschaft zueinander.

Die Ausgangskonfiguration bilden Godwi und Römer, die gemeinsam aufwuchsen. Ihr Gegensatz ist nur ihre verschiedene Auffassung vom Reisen. WĂ€hrend Godwi Reisen sein Ideal nennt ("Wenn draußen der wilde Sturm in vollen Wogen braust, dann habe ich nie meinen so oft beklagten Drang nach Reisen empfunden. Mein Ideal - kennst du es noch?"[47]), wirft Römer ihm unnĂŒtzes Reisen vor ("Es ist mir unbegreiflich, Karl, dass er dich so unnĂŒtze Reisen tun lĂ€sst,[...]"[48]. Römer ist mehr ein Mensch der "bĂŒrgerlichen Ordnung", wĂ€hrend Godwi ein FreikĂŒnstler ist. FĂŒr Godwi sind seine Reisen ein Versuch, sich selbst zu verwirklichen, aus der "bĂŒrgerlichen Welt" auszutreten. So trifft Godwi auch auf die verschiedensten Frauen - und MĂ€dchengestalten, wie Molly Hodefield, Joduno von Eichenwehen oder Otilie Senne.

Ein Schema zum Aufbau des ersten Buches[49] soll mir helfen, die Beziehungen nÀher darzustellen und den Verweis auf die einzelnen Briefe erleichtern.

1
Godwi an Römer
(Die Reisen Godwis [sig!] und
2
Römer an Godwi
Römers)
3
Joduno an Otilie

4
Römer an Godwi

5
Otilie an Joduno

6
Römer an Godwi

7
Werdo an Molly

8
Godwi an Römer

9
Molly an Werdo

10
Jost an Joduno

11
Godwi an Römer
(Godwi auf dem Reinhardstein)
12
"

13
"

14
"

15
"

16
"

17
"

18
"

19
Joduno an Sophie

20
Antonio Firmenti an Godwis Vater

21
Römer an Godwi
(Römer im ‘Goldenen Kopf’)
22
"

23
"

24
"

25
"

26
"

27
"

28
"


Kurz nach Godwi (Brief 2) bricht auch Karl Römer zu einer GeschĂ€ftsreise auf. Auch er trifft zufĂ€lligerweise auf Molly Hodefield und nĂ€hert sich damit unbewußt der Position Godwis an.
Zu Joduno, die Godwi dann trifft (Brief 1,3 und 4) hat er eine eher geschwisterliche Beziehung, da sie beide durch empfindsame NaturschwĂ€rmerei verbunden sind. Joduno schickt Godwi dann auch zu ihrer Freundin Otilie und deren Vater Werdo Senne, der als Einsiedler auf dem Reinhardstein lebt. Man kann diesen Teil (Brief 11 - 18) auch als den Hauptteil des ersten Teiles bezeichnen, da hier die GemĂŒtszustĂ€nde der einzelnen Personen sich abrupt Ă€ndern. So leidet Werdo an einer geheimnisvollen Trauer und Todessehnsucht, die sich zum Teil auf Otilies Mutter, zum anderen aber auch auf eine andere, geheimnisvolle Frau bezieht. In den Briefen 7 und 9 wird darĂŒber berichtet..
Ein anderer Punkt ist der RĂŒckzug in die Natur, der durch Godwis Liebe zu Otilie hervorgerufen wird. Diese Liebe wird von Godwi als ein umfassendes GefĂŒhl der Einheit mit der Natur bezeichnet, so wird die Liebe bei Godwi zur Wunschvorstellung.

"Wenn mich Tilie liebt, so habe ich keinen Wunsch, kein Begehren, keine Geschichte mehr, ich bin aus dem Leben in die Natur getreten."[50]

Mit dem Eintritt in die Natur vollzieht sich auch ein RĂŒckzug aus der Gesellschaft, wodurch die Leiden aus der Vergangenheit beruhigt werden sollen.

Etwa zur gleichen Zeit findet Römer Aufnahme in dem Salon des ‘Goldenen Kopfes’, dessen Mittelpunkt Mademoiselle Budlar ist (Brief 21 - 28).

Wie ein Fremdling erscheint der 20. Brief des ersten Bandes - der Brief Antonio Firmentis an Godwis Vater. Hier wird zum ersten Mal in diesem Roman chronologisch erzÀhlt. Firmenti teilt hier seine Familiengeschichte dem alten Godwi mit, der Firmentis Bruder Francesco gefunden hat, um diesen auf ein Wiedersehen mit Antonio Firmenti vorzubereiten.

Im zweiten Teil, ein ErzĂ€hlroman in der Ich - Form, wird erstmals der Dichter Maria als Romanfigur eingefĂŒhrt, der Godwi, den Helden des ersten Bandes, aufsucht. Es stellt sich heraus, dass Maria der Herausgeber und Bearbeiter der Briefe des ersten Bandes ist, der von Karl Römer den Auftrag dazu erhalten hat. Er erledigte diese Arbeit aber nicht zur Zufriedenheit Godwis. Somit sucht Maria Godwi auf, um sein begonnenes Werk zu vollenden. Der Aufbau ist wie folgend:

Vorrede
Verbindung zum ersten Teil des Romans
1
Ankunft, Bekanntschaft mit Godwi, Haber und Flametta
2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15
Violettens Denkmal
16

17

18
Geschichte von Godwis Mutter und ihrer Schwester; Bilder
19

20

21

22

23

24

25

26

26[51]

27

28
Vollendung des ersten Bandes durch Godwis ErzÀhlung
29

30

31

32
Fragmentarische Fortsetzung, teils von Maria, teils von Godwi
33

34

35

36

37

38

39


LebensumstÀnde des verstorbenen Maria

Hier werden nun, von allem in den Kapiteln 18 bis 27, die dunklen Stellen des ersten Bandes geklĂ€rt. Godwi ĂŒbergibt dazu Maria einen BĂŒndel Papiere mit fragmentarischen Aufzeichnungen[52].

Das besondere Merkmal an diesem zweiten Band ist die "verblĂŒffende Pointe", wie sie Benno von Wiese[53] bezeichnet. Der Autor stirbt, wĂ€hrend die Hauptperson am Leben bleibt und sein Werk vollendet.
Auch wurden die "Nachrichten ĂŒber die LebensumstĂ€nde des verstorbenen Maria" nicht mehr von Brentano, sondern von einem seiner Jenaer Kollegen verfaßt, der ĂŒber die literarischen Beziehungen des Dichters berichtet. So schreibt Brentano im August 1801 an Savigny:

"Heute ist mein ganz Manuskript 2. Band abegangen. Es ist wĂŒst, wĂŒst, hinten stirbt Maria und eine satirische Lebensbeschreibung von ihm hat Winkelmann dazu gemacht, in der Sonette an Sie sind und Parodien auf Gedichte großer Meister als Leichengedichte."[54]




Brentano gestaltete seinen Roman nach dem Vorbild Schlegels Romantheorie, worauf auch der Begriff "verwildert" im Untertitel hinweist. FĂŒr Schlegel war die Handlung eines Romans nicht die Folge notwendiger, sondern zufĂ€lliger Begebenheiten, die sich ohne Ende aneinanderreihen lassen. Vorbild war Goethes "Wilhelm Meister", da er nach F. Schlegel die Elemente aller Gattungen in sich trĂ€gt. In seinem "Brief ĂŒber den Roman" sagte Schlegel:

"Ich kann mir einen Roman kaum anders denken, als gemischt aus ErzÀhlung, Gesang und anderen Formen... Gibt es einen Roman, in welchem dies nicht stattfindet und nicht stattfinden kann, so liegt es nur an der individuellen Beschaffenheit des Werkes, nicht im Charakter der Gattung..."[55]

Nach diesem Prinzip verfuhr auch Clemens Brentano. In seinem Roman vermischte er Prosa, Lyrik und dramatische Reflexionen[56], den Dialog zwischen Godwi und Otilie im ersten Band (Brief 11 - 18) sowie den Dialog zwischen Godwi und dem Mönch im zweiten Band (Kapitel 36).

Die Grundlage des Romanstoffes ist autobiographisch. Dorothea Veit schrieb darĂŒber am 13. MĂ€rz 1801 an Brentano:

"Ich habe gestern an meine Freundin in Berlin, die mich nach Ihrem Roman fragte, etwas recht HĂŒbsches darĂŒber geschrieben. Ich will es Ihnen auch schreiben. RĂŒhrend, [...] ist der immer wieder kommende Haß gegen den Vater, die Liebe zur Mutter, und die AnhĂ€nglichkeit an die Geschwister. Seine Romane sind wie eine Galerie der Ahnen und der Bekannten, an deren Ende man ihn selbst in LebensgrĂ¶ĂŸe erblickt, und zwar so, dass man ihn von Anfang an immer in den Augen hat, und ihn nicht wieder verliert; oder er geht auch wie ein gesprĂ€chiger Cicerone neben einem her, und erklĂ€rt einem die Gesichter."[57]

So stellt der alte Pietro Firmenti seinen Vater dar, die Frau Firmentis stellte seine Mutter dar. Im ‘Goldenen Kopf’ portraitierte Brentano einige seiner Geschwister. Die ‘Blonde’ stellt Kunigunde, die Gattin Savignys, dar; als die ‘Rabenschwarze mit den Locken der Nacht’ bezeichnete sich seine Lieblingsschwester Bettine selbst. Seine spĂ€tere Ehefrau Sophie Mereau verleiht Lady Hodefield und Elise aus den "LebensumstĂ€nden des verstorbenen Maria" ihre ZĂŒgeff. In dem Dichter Haber aus dem zweiten Band wird der Tasso - und Ariost - Übersetzer Johann Dietrich Gries (1775 - 1842) lĂ€cherlich gemacht, der tatsĂ€chlich drei Tage zusammen mit Brentano verbrachte (Herbst 1800). Brentano selbst projizierte seine Eigenschaften auf Godwi, Römer und Maria.




Brentano hielt nie viel von seinem Werk, ein Grund dafĂŒr ist vielleicht die herbe Kritik, die auf seinen Roman herabprasselte. So tadelten besonders seine Vorbilder Tieck und F. Schlegel sein Werk. In einem von Caroline Schlegel ĂŒberlieferten Distichon vom Dezember 1801 sagte er:

"Hundert PrĂŒgel vorn A[rsch] - die wĂ€ren Dir redlich zu gönnen, Fr[iedrich] Schl[egel] bezeugts, andre Vortrefliche auch."[58]

Zu Brentanos Ehrenrettung möchte ich noch zum Schluß ein Zitat von Joseph Freiherr von Eichendorff bringen, der beschreibt, was den Roman fĂŒr die Literaturgeschichte so interessant macht.

"Dieser Roman enthielt schon damals (1801 und 1802) ungefĂ€hr alle Elemente, womit die jetzige Literatur als mit neuen Erfindungen prahlt: Weltschmerz, Emanzipation des Fleisches und des Weibes und revolutionaires Umkehren der Dinge. Und dennoch ist er wieder gĂ€nzlich verschieden von jener neuesten Literatur. Denn einmal klingt auch im Godwi in den einzelnen eingestreuten Volksliedern ĂŒberall schon ein tieferer, ja religiöser Ernst fast sehnsĂŒchtig hindurch; und sodann ĂŒberkommt dem Dichter selbst mitten in dieser Verwirrung die tödlichste Langeweile, Ekel und Abscheu davor, und er vernichtet sofort, was er im ersten Band geschaffen, im zweiten Bande schonungslos wieder durch die bitterste Ironie."[59]



2.2.3 "Die Chronika eines fahrenden SchĂŒlers"

Im Mai 1358 erwacht Johannes am Morgen seines zwanzigsten Geburtstags, der bis dahin als bettelnder SchĂŒler durch das Land gezogen war, in einer ihm völlig fremden Umgebung: am Abend zuvor hatte ihn der Ritter Veltlin von TĂŒrlingen als Schreiber in sein Straßburger Haus aufgenommen. Im Lauf dieses Tages erzĂ€hlt Johannes seinem neuen Herrn seine Kindheitsgeschichte, den Anfang der traurigen Liebesgeschichte seiner Mutter, die als einfaches MĂ€dchen einen Ritter liebte, Episoden aus seiner Wanderzeit und die Parabel von dem Wunderspiegel, der seinen Erfinder zur Hoffart verfĂŒhrte und ihn mitsamt der ganzen Stadt ins Verderben riß. Die ErzĂ€hlungen werden immer wieder unterbrochen, da Johannes die drei Töchter des Ritters kennenlernt und GesprĂ€che ĂŒber Kunst fĂŒhrt. Am Abend liest der SchĂŒler schließlich aus einem alten Buch das MĂ€rchen "Vom traurigen Untergang zeitlicher Liebe" vor, an dessen Ende der Text abbricht.

Die Chronika eines fahrenden SchĂŒlers - eine der frĂŒhen ErzĂ€hlungen von Clemens Brentano neben "Die Rose" und "Der SĂ€nger" - ist Fragment geblieben. Unter dem Titel "Aus der Chronika eines fahrenden SchĂŒlers" erschien eine gekĂŒrzte und ĂŒberarbeitete Fassung 1818 in Friedrich Försters Almanach "Die SĂ€ngerfahrt". Das Originalmanuskript lag bis 1923 versteckt im elsĂ€ssischen Trappistenkloster Ölenberg.

Die "Chronika eines fahrenden SchĂŒlers" entstand in Brentanos Jenaer Zeit. 1803, kurz nach der Vollendung des "Godwi" begann Clemens Brentano mit der Arbeit an der Chronika, die sich, mit mehreren Unterbrechungen dazwischen, bis 1810 hinzog. Der Text schließt sich perfekt an das Konzept der "Progressiven Universalpoesie"[60] von Schlegel an, die das Ganze der Wirklichkeit in der Poesie erfassen will. Somit ist die Chronika ein typisch romantisches Kunstwerk. Sie ist ein tiefer Selbstausdruck Brentanos sowie seiner Kunstauffassung und reflektiert zugleich wesentliches im Denken und Kunstempfinden der damaligen Zeit.

Wie alle ErzĂ€hlungen Brentanos ist auch die Chronika eine RahmenerzĂ€hlung. Den Rahmen bildet die Ankunft und der Aufenthalt von Johannes auf der Burg des Ritters. Als Binnengeschichte wird die Kindheitsgeschichte des Johannes, die Geschichte seiner Mutter, die Parabel "von dem Untergang zeitlicher Liebe" sowie verschiedene Gedichte eingefĂŒgt. Vollendet wĂ€re aus der Chronika wahrscheinlich eine Art Roman im Sinne des Godwi geworden.
Auch das mystische ist vorhanden. So lassen sich die vier Töchter des Ritters Veltlin mit den esoterischen Lebenselementen Luft, Erde, Feuer und Wasser in Beziehung setzen.



2.2.4 "Die Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl"

Die "Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl" ist wohl das bekannteste Werk Brentanos; ein hochartifizielles Kunstwerk. Sie ist aber auch das wohl am höchsten bewertete und in der Forschung am hÀufigsten analysierte und interpretierte Werk Brentanos. Es entstand zwischen 1815 und 1817[61], auf jeden Fall noch vor der Generalbeichte 1817, also in der Zeit der ZweifelskÀmpfe.
Brentano war damals in einer fast ausweglosen Situation, da er einen Stoff fĂŒr eine Geschichte benötigte, die fĂŒr einen wohltĂ€tigen Zweck in dem Taschenbuch "Gaben der Milde", herausgegeben von F. W. Gubitz, erscheinen sollte. Nach Diel / Kreiten erzĂ€hlte die Pastorin Hensel ihm zwei Gedichte, die er zu einer Geschichte verband.

Weltlich Recht

Joseph, lieber Joseph, was hast du gedacht,
Dass du die schöne Nanerl ins UnglĂŒck gebracht.

Joseph, lieber Joseph, mit mir ists bald aus,
Und wird mich bald fĂŒhren zu dem Schandthor hinaus.

Zu dem Schandthor hinaus, auf einen grĂŒnen Platz,
Da wirst du bald sehen, was die Lieb hat gemacht.

Richter, lieber Richter, richt nur fein geschwind,
Ich will ja gern sterben, dass ich komm zu meinem Kind.

Joseph, lieber Joseph, reich mir deine Hand,
Ich will dir verzeihen, das ist Gott wohl bekannt.

Der FĂ€hndrich kam geritten und schwenket seine Fahn,
Halt still mit der schönen Nanerl, ich bringe Pardon.

FĂ€hndrich, lieber FĂ€hndrich, sie ist ja schon todt:
Gut Nacht, meine schöne Nanerl, deine Seel ist bei Gott.[62]



Lied vom jĂŒngsten Gericht
Wann der jĂŒngste Tag soll werden,
Da fall’n die Sternlein auf die Erden,

Da neigen sich alle BĂ€umelein,
Da singen die lieben Engelein,

Da kommt der liebe Gott gezogen
Auf einem schönen Regenbogen.

"Ihr Todten, Ihr Todten, sollt auferstehn
Und sollt vor Gottes Gerichte gehen.

Heran, heran auf diesen Plan,
Gott nimmt alle SĂŒnder zu Gnaden an!"

Als Jesus in den Garten ging,
Sein bitt’res Leiden sich anfing.

Da trauerte Laub und grĂŒnes Gras
Und alles, was auf Erden war.

Da kamen die falschen Juden gegangen,
Die haben den Herrn Jesum gefangen.

Sie fĂŒhrten ihn in des Richters Haus,
Mit blanken Schwertern wieder heraus.

Sie fĂŒhrten ihn vor den Kreuzesstamm,
Mit NĂ€geln wurd’ er angehang’n.

Die hohen BĂ€ume neigten sich,
Die harten Steine zerknirschten sich.

Der Morgenstern verlor seinen Schein,
Alle Vöglein ließen das Singen sein.

Die ganze Welt ist sehr betrĂŒbt
Um unseren Herrn Jesu Christ.[63]


Daraus bastelte Brentano seine "Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl" mit folgendem Inhalt:

Ein "Schreiber" trifft nachts auf eine Ă€ltere Frau (Großmutter), die ihn bittet, ihr eine Petition an den Herzog aufzusetzen, damit ihr toter Enkel Kasper und ihre zum Tode verurteilte Nichte Annerl, die sich liebten, beieinander im Tode ruhen könnten.
Nacheinander erzĂ€hlt sie deren Geschichten: Ihr Enkel Kasper hatte ein solch ĂŒbertriebenes EhrgefĂŒhl, dass auch die Großmutter ihn oft mahnen musste "Gib Gott allein die Ehre". Vor wenigen Tagen, als er auf Urlaub kam, wurde er von seinem eigenen Vater und Stiefbruder beraubt und niedergeschlagen. Aus PflichtgefĂŒhl ĂŒberlieferte er beide dem Gericht und erschoß sich am Grab seiner Mutter, da er es nicht ertrug, eines Diebes Sohn zu sein. In seinem Abschiedsbrief bat er um ein ehrliches BegrĂ€bnis.
Auch Annerl wurde ihre Ehre zum VerhĂ€ngnis. Sie war in der Stadt als Magd tĂ€tig. Dort gab sie einen adligen VerfĂŒhrer nach, der ihr erzĂ€hlte, dass ihr Verlobter Kasper in Frankreich gefallen sei. Um der Schande zu entgehen, erstickte sie ihr Kind nach der Geburt. Doch den Namen des Vaters gab sie vor Gericht nicht preis. Nun sollte sie am folgenden Morgen hingerichtet werden. Trotz der nĂ€chtlichen Stunde dringt der Dichter beim Herzog vor, der unverzĂŒglich einen Offizier, den Grafen Grossinger, mit einer Begnadigung zum Richtplatz schickt. Doch er kommt zu spĂ€t. An Annerls Leichnam bekennt er, Annerls VerfĂŒhrer zu sein und vergiftet sich kurz darauf. Als Lehre aus der Geschichte entschließt sich der Herzog, seine Geliebte, Grossingers Schwester, zu heiraten. Die Großmutter bricht bei der kirchlichen Bestattung von Kasper und Annerl tot zusammen.

Kasper und Annerl sind sich sehr Ă€hnlich - sie handeln nicht mit dem Verstand, sondern handeln gemĂ€ĂŸ ihrer Ehre. Auch sind sie beide Opfer eines VerhĂ€ngnisses, dass ihnen schließlich aus falschem EhrverstĂ€ndnis das Leben kostet.

Ein anderer interessanter Punkt ist das Gattungsproblem. Aus dem Namen kann man nach Kluge schließen, dass es sich um eine Novelle handelt. Dies bestĂ€tigen auch andere Autoren der SekundĂ€rwerke. Benno von Wiese geht sogar so weit, dass er von drei Novellen spricht: der Novelle von der Ehre (Kaspers Geschichte), der Novelle vom unglĂŒcklichen Annerl und der Novelle von Grossingers Schwester und dem Herzog, welche ein Parallelschicksal zu dem Annerls und ihres VerfĂŒhrers ist.
Auch findet man in der "Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl" die beiden wichtigsten Elemente einer Novelle - Wendepunkt und Falke. Alewyn nimmt an, der Wendepunkt ist die ErklĂ€rung der Großmutter, dass Annerl um vier Uhr Morgens hingerichtet werde. Den Falken sehe ich in dem Begriff der Ehre, der sich durch die Novelle zieht.

Die "Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl" ist außerdem ein VorlĂ€ufer der Dorfgeschichte[64] des Realismus. Die Figuren stehen hier allerdings nicht in Verbindung zum Gemeinschaftsleben und es herrschen keine bĂ€uerlichen Lebensvorstellungen vor.

Alewyn bringt noch eine dritte epische Gattung ins Spiel. Er sieht in der "Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl" eine moralisierende Kalendergeschichte[65] mit dem Motto: "Gib Gott allein die Ehre!".




Viel diskutiert in der SekundÀr ist auch folgendes Zitat aus Brentanos "Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl":

"Aber ein sogenannter Dichter ist am ĂŒbelsten daran, weil er meistens aus dem Schulgarten nach dem Parnaß entlaufen, und es ist auch wirklich ein verdĂ€chtiges Ding um einen Dichter von Profession, der es nicht nur nebenher ist. Man kann sehr leicht zu ihm sagen: ‘ Mein Herr, ein jeder Mensch hat, wie Hirn, Herz, Magen, Milz, Leber und dergleichen, auch eine Poesie im Leibe; wer aber eines dieser Glieder ĂŒberfĂŒttert, verfĂŒttert oder mĂ€stet und es ĂŒber alle andre hinĂŒber treibt, ja es sogar zum Erwerbszweig macht, der muss sich schĂ€men vor seinem ganzen ĂŒbrigen Menschen. Einer, der von der Poesie lebt, hat das Gleichgewicht verloren, und eine ĂŒbergroße GĂ€nseleber, sie mag noch so gut schmecken, setzt doch immer eine kranke Gans voraus.’"[66]

Hier kann man, wie schon FrĂŒhwald erkannte, ein Paradoxon erkennen - in einem Kunstwerk wird die Berechtigung eines Kunstwerkes in Frage gestellt.
Brentano ist sogar schon so weit, dass er sich wegen seiner bĂŒrgerlichen Berufslosigkeit mit den Worten der Großmutter auf eine Stufe mit Tagedieben[67] setzt. Er nennt sich dann selbst allerdings einen "Schreiber", also einen Menschen, der "mit der Feder dient"[68].Auch fĂŒhrte Brentano damals in der "Deutschen Christlichen Tischgesellschaft" in Berlin den Namen "Schreiber".

In dieser Novelle wird die AbnormalitĂ€t eines Lebens fĂŒr die Poesie drastisch durch den Vergleich mit der "gemĂ€steten GĂ€nseleber" verdeutlicht. Eine solche ist zwar lecker und schmackhaft, sie setzt jedoch immer eine kranke und gequĂ€lte Gans voraus. So ist auch der Berufsdichter fĂŒr Brentano ein Mensch, der trotz seines angenehmen Berufs ein unerfĂŒlltes Leben fĂŒhrt.



2.3 Dramatische Dichtung

2.3.1 "Ponce de Leon"

Don Sarmiento kehrt nach langer Abwesenheit inkognito in seine spanische Heimat zurĂŒck, um das GlĂŒck seiner Kinder zu fördern. Nur den Schneider Valerio weiht er in seine PlĂ€ne ein. Sein Sohn Felix ist in ein MĂ€dchen namens Lucilla verliebt; seine Töchter Isidora und Melanie leben streng bewacht von seiner Schwester Juanna auf einem benachbarten Gut. Felix’ Freund Ponce de Leon hat Valeria, der Tochter Valerios, den Kopf verdreht, ohne dass sie ihn wirklich zu fesseln vermag. Auf einem Maskenball fallen die wesentlichen Entscheidungen: Sarmiento rĂ€t seinem Sohn, Lucilla zu entfĂŒhren und auf das Gut seiner Schwestern zu bringen. Ponce sieht am Hals einer Dame das Brustbild eines MĂ€dchens, in das er sich sofort verliebt: Es ist Isidora, die bereits durch die ErzĂ€hlungen ihres Bruders seine tiefe Neigung erregt hat. Von Sarmiento aufgemuntert, beschließt er, mit seinem Freund Aquilar heimlich die Schwestern zu besuchen. Sarmiento schickt unterdessen zur Vorbereitung der kommenden Ereignisse Valerio und dessen Findelsohn Porporino, der Valeria vergeblich liebt, auf das Gut voraus und ersetzt Juanna durch eine andere Aufseherin: Isabella. - Auf dem Gut finden sich nacheinander alle Verliebten ein: die als Mohrin verkleidete Valeria, Ponce und Aquilar, die sich als von RĂ€ubern ĂŒberfallene Pilger beherbergen lassen, Felix mit der entfĂŒhrten Lucilla. Nach turbulenten Szenen entwirrt sich schließlich das HandlungsknĂ€uel. Sarmiento, der wie ein allwissender Gott ĂŒber dem Ganzen steht, klĂ€rt vor den versammelten Personen der Handlung alle VerhĂ€ltnisse auf und fĂŒhrt die Liebenden einander zu: Isidora und Ponce, Melanie und Aquilar, Lucilla und Felix, Valeria und Porporino, der sich als Bruder Lucillas und Sohn Sarmientos von Isabella entpuppt.




Entstanden ist dieses Lustspiel aus einer Preisaufgabe heraus, die Goethe und Schiller Ende 1800 in den PropylĂ€en ausgeschrieben hatten. Auf das beste IntrigenstĂŒck war ein Preis von 600 Dukaten ausgesetzt. In den PropylĂ€en hieß es:

"Es sei ein herrschender Fehler auf unserer komischen BĂŒhne, dass das Interesse noch viel zu sehr aus der Empfindung und aus sittlichen RĂŒhrungen geschöpft wird. Das Sittliche aber sowie das Pathetische macht immer ernsthaft und jene geistreiche Heiterkeit und Freiheit des GemĂŒts, welche in uns hervorzubringen das schöne Ziel der Komödie ist, lĂ€sst sich nur durch eine absolute moralische GleichgĂŒltigkeit erreichen."[69]

1801 reichte Brentano das StĂŒck unter dem Titel "Laßt es euch gefallen" als einer von 13 Bewerbern ein. Keines dieser Manuskripte wurde mit einem Preis bedacht. Goethe bescheinigte Brentano aber, dass es sich unter den eingesandten StĂŒcken "durch seinen guten Humor und angenehme Lieder"[70]besonders auszeichne. Man kann dies aber auch als eine Freundschaftsgeste gegenĂŒber dem Sohn der mit Goethe bekannten Frankfurter Familie und dem Enkel seiner Freundin Sophie La Roche interpretieren.

Goethe war auch das kĂŒnstlerische Vorbild Brentanos, von ihm hatte er die Auffassung, dass sich ein Autor in allen Gattungen zu bewĂ€hren habe. So versuchte sich auch Brentano am Drama, ohne jedoch Ă€ußeren Erfolg zu haben. Sein StĂŒck galt als unauffĂŒhrbar, da ein ĂŒppig wuchernder Sprachwitz[71]es immer weiter von der BĂŒhne entfernte. Auch die BĂŒhnenbearbeitung, 1814 als "Valeria oder Vaterlist" in Wien uraufgefĂŒhrt, scheiterte.
So ist "Ponce de Leon" kein Drama im herkömmlichen Sinne, von dem man erwartet, dass es auf der BĂŒhne aufgefĂŒhrt wird. Es ist vielmehr ein ‘Lesedrama’, welches den Leser Freude mit den vielen Wortspielen bringen
soll.

"Ponce de Leon" und der zweite Band des "Godwi" wurden zugleich geschrieben. So ergĂ€nzen sie sich auch teilweise auf ĂŒberraschende Art und Weise. So sind Godwi und Ponce narzisshaft und egozentrisch. Ponce ist ein gesteigerter Godwi, er gibt sich melancholisch. Als VorlĂ€ufer von ihm kann man Julius aus F. Schlegels "Lucinde" sehen; einer seiner Nachfahren ist Prinz Leonce aus BĂŒchners "Leonce und Lena".

"Es kommt mir ein entsetzlicher Gedanke, ich glaube es gibt Menschen, die unglĂŒcklich sind, unheilbar, blos weil sie sind."[72]

Diese Worte Lenas sollen Brentano in seinem damaligen Zustand portraitieren, welcher sein unstetes, innerlich zerrissenes Wesen auf seine Helden spiegelte.


2.3.2 "Gustav Wasa"

Die Literatursatire "Gustav Wasa", Brentanos dramatisches Erstlingswerk, richtet sich gegen das gleichnamige StĂŒck des damals sehr beliebten und erfolgreichen BĂŒhnenschriftsteller August von Kotzebue. Von ihm erschien 1799 das parodistische Lustspiel "Der hyperboreische Esel oder die heutige Bildung", welches sich gegen die Jenaer Romantiker, besonders aber gegen A. W. Schlegel richtet. Es bezieht sich auf ein AthenĂ€umsfragment:

"Schwerlich hat irgend eine andre Litteratur so viele Ausgeburten der OriginalitĂ€tssucht aufzuweisen als unsre. Es zeigt sich auch hierin, dass wir Hyperboreer sind. Bey den Hyperboreern wurden nĂ€mlich dem Apollo Esel geopfert, an deren wunderlichen SprĂŒngen er sich ergötzte."[73]

Genau so wie Kotzebue fĂŒr seinen Hyperboreischen Esel mit aus dem AthenĂ€um entlehnten Zitaten eine Figur gestaltete, die F. Schlegel glich, benutzte Brentano diese Methode, um Kotzebues 1800 uraufgefĂŒhrtes historisches Drama "Gustav Wasa" zu verspotten, um damit die GebrĂŒder Schlegel zu rĂ€chen. Zweifellos hatte Brentano auch die Ambition, Nachfolger von Kotzebue als beliebter BĂŒhnenautor zu werden.
ZunĂ€chst setzt Brentano im "Gustav Wasa" Kotzebues Hyperboreischen Esel fort und fĂŒhrt ihn ad absurdum. SpĂ€ter werden Szenen aus Kotzebues "Gustav Wasa", welcher im Blankvers[74] geschrieben ist, parodistisch in Knittelversen[75]nachgedichtet.

Brentanos "Gustav Wasa" erschien im Sommer 1800, allerdings arbeitete Brentano daran schon seit 1798, was ein Brief an Heinrich Remigius SauerlÀnder zeigt:

Ich kann dir in diesem Augenblick nicht mehr schreiben, ich muss noch an Rein schreiben, bei dem Ostern eine Satire herauskommen wird gegen Kotzebue und seinen Esel aber schweig, der Bote geht gleich in die Stadt."[76]

Im Sommer 1800 muss es dann erschienen sein, da Goethe ihn bereits am 29. Juli 1800 in einen Brief an Schiller zitiert. Auch Dorothea Veit schreibt am 16. Juni 1800 etwas ĂŒber die Entstehung des StĂŒckes an Friedrich Schleiermacher.

"Wir haben seit einiger Zeit hĂŒbschen Spaß mit einigen Bewundrern und Nachahmern von Tieck und Friedrich [Schlegel], die auch in Tiecks Journal tĂŒchtig persifliert werden. Der eine ist Clemens Brentano; der legt sich darauf, Tiecks Nachahmer zu sein; und schĂ€mt sich seiner sentimentalen Ader, die er doch gar nicht verleugnen kann. Er hat eine Farce geschrieben, ‘Gustav Wasa’, worin er glaubt, der Tieck der Tiecks zu sein; es ist aber herzlich dumm und toll, und klingt doch wie Tieck ungefĂ€hr, so dass sich dieser tĂŒchtig darĂŒber erboßt, und darum hat er ihn auch so derb mitgenommen im Journal. Uns hat er aber den Anfang eines sentimentalen Romans [‘Godwi’] zu lesen gegeben; der ist ungleich besser, und das verdrießt ihn nun wieder; er will von Teufels Gewalt satyrisch sein. Kurz, es ist ein Hauptspaß!"[77]

TatsĂ€chlich war Tieck Brentanos Vorbild, nicht nur in seinen lyrischen AnfĂ€ngen. So ist diese Satire ganz nach den Literaturkomödien Tiecks, dem "Gestiefelten Kater", der "Verkehrten Welt" und dem "Prinzen Zerbino" gestaltet. Auch hier ist ein diskutierendes Publikum sowie der Autor mit einbezogen, das ganze ist mit lyrischen Einlagen ausgeschmĂŒckt.



2.4 Religiöse Schriften

Brentanos religiöse Schriften, ein dreiteiliges Prosaepos der Heilsgeschichte, das aus einem Marienleben, dem Leben Jesu und der Passion nach den Geschichten der Anna Katharina Emmerick bestehen sollte[78],sind zugleich sein Lebenswerk oder sollten es zumindest werden. "Das bittere Leiden unseres Herrn Jesu Christi" ist ohne Zweifel große epische Dichtung, obwohl die religiösen Schriften Brentanos lange als Beweis dafĂŒr galten, dass durch die RĂŒckkehr Brentanos zum katholischen Glauben die erfindende Kraft des Dichters gemindert und gelĂ€hmt wurde.[79]
Zum Stoff der "Leben - Jesu" - Trilogie kam Brentano ĂŒber die von ihm aufgezeichneten Visionen der stigmatisierten[80] DĂŒlmener Nonne Anna Katharina Emmerick.

1816 hörte Brentano im Hause seines Schwagers Friedrich Karl von Savigny in Berlin das erste Mal von Anna Katharina Emmerick. Einer der Studenten Savignys, der 21jĂ€hrige Ernst Ludwig von Gerlach, erzĂ€hlte, er hĂ€tte im April 1815 zusammen mit einem Kommilitonen die Nonne in DĂŒlmen gesehen. Gleichzeitig berichtete er von ihrer Stigmatisierung. Brentano entgegnete ihm damals: "Was? Das haben sie gesehen und sitzen hier noch und essen?"[81].
In Berlin eignete sich Brentano die pietistischen Leitvorstellungen an. Er erteilte einer natĂŒrlichen, nicht - religiösen Kunst, wie sie in seinem FrĂŒhwerk zu finden ist, eine Absage, wie man in einem Brief an Wilhelm Grimm vom 15. Februar 1815 erkennen kann.

"Ich weiß nicht, lieber Wilhelm, ob ich noch zu ihren Freunden gehöre, denn mir ist oft, ja meist, als gehöre ich nicht mehr zu den Lebendigen. [...] Der Blick auf mich selbst vernichtet mich, und nur wenn ich die Augen flehend zu dem Herrn aufrichte, hat mein zitterndes, zagendes Herz einigen Trost [...]. Meine dichterischen Bestrebungen habe ich geendet, sie haben zu sehr mit dem falschen Wege meiner Natur zusammengehangen, sie ist mir alles mißlungen, denn man soll das Endliche nicht schmĂŒcken mit dem Endlichen, um ihm einen Schein des Ewigen zu geben; jedes, auch das gelungenste Kunstwerk, dessen Gegenstand nicht der ewige Gott und seine Wirkung ist, scheint mir ein geschnitztes Bild, das man nicht machen soll, damit es nicht angebetet werde."[82]


In der MaikĂ€ferei, ein von Brentano angeregter Freundeskreis, las er seine patriotische Dichtung, seine Dirnengedichte und seine MĂ€rchen vor. Doch schon 1818 wurde die Situation in Berlin fĂŒr Brentano unertrĂ€glich. Am 14. September verlĂ€sst Brentano Berlin und reist nach DĂŒlmen, wo er Quartier "auf der Post" nimmt.
Dort begann er ein Tagebuch fĂŒr Luise Hensel, in dem er in langen Briefen euphorisch die körperliche und seelische Verfassung der Emmerick beschrieb.
Mehrere Kommissionen versuchten damals aufzudecken, was sich hinter Anna Katharina Emmerick verbirgt, ob sie wirklich ein Medium Gottes war. Brentano versuchte, die Emmerick darauf vorzubereiten, damit ihre Stigmatisierung unwiderruflich festgestellt wĂŒrde und somit alle UnglĂ€ubigen beherrscht wĂŒrden. Beim Besuch der Kommission verschwanden aber ihre Wunden und die Kommission kam zu dem Ergebnis, dass es sich teilweise um einen Betrug handelte.

In DĂŒlmen war Brentano der Biograph der Emmerick. Er zeichnete an ihrem Bett alle Beobachtungen und Ă„ĂŒĂŸerungen in Tagebuchform mit Datum auf. Außerdem suchte er die StĂ€tten auf, an denen die Nonne gelebt hat und sammelte Einzelheiten aus ihrem Leben.
Um zu seinen Aufzeichnungen zu kommen, ließ Brentano die Nonne Personen und ihre Kleidung, Bewegung, die Sprach - und Denkweise sowie Orte, GebĂ€ude und Geschehnisse scharf und genau beschreiben. Dies waren zum Teil fĂŒr Anna Katharina Emmerick unerfĂŒllbare Forderungen, und sie wertete diese Suggestivbefragung Brentanos als einen brutalen Eingriff in ihr inneres und Ă€ußeres Leben. Brentano war aber auf der Jagd nach diesen Details, da das Unerhörte, das Heilige in der visionĂ€ren, poetischen Teilhabe als der eigentliche Grund des Seienden und der Geschichte angesehen werden, welche eine angestrengte Detailtreue verlangen.
Von diesen Aufzeichungen sind ca. 15.000 Folioseiten mit Stichwörtern, die nur auf der linken Seite beschriftet sind, erhalten.
Vorhandene LĂŒcken in den Aufzeichnungen wurden von Brentano eigenmĂ€chtig ergĂ€nzt. Seine Quellen kamen zum Teil aus seiner eigenen umfangreichen theologischen Bibliothek, z.B. das Werk des Kapuziners Martin von Cochem "Das Leben Christi" (1677 - 92), die Vita Christi des Adam Walasser (Köln 1657), des Mystikers Thomas de Jesu (Thomas d’Andrade) und des MĂ€rtyrers Philipp a Jesu (Philipp de Las Casas). Ferner die Apokryphen, besonders das Protoevangelium des Jacobus, das arabische Kindheitsevangelium und das Nikodemus - Evangelium, sowie PalĂ€stinabĂŒcher und Reiseliteratur, aus denen er Modelle der Stadt Jerusalem selbst anfertigte und der Nonne vorfĂŒhrte.

"Das bittere Leiden unseres Herrn Jesu Christi" zĂ€hlte zu Brentanos erfolgreichsten Schriften. Bis zu seinem Tode 1842 erlebte es 6 Auflagen, ab der 2. Auflage 1834 wurde es um ein Abendmahl - Kapitel erweitert. Das "Leben der heiligen Jungfrau Maria", dass außerdem die Kindheitsgeschichten Jesu behandelt, erschien erst nach seinem Tod 1852. Es war damals ein Eingriff in die mariologische Diskussion um die ‘unbefleckte’ EmpfĂ€ngnis Marias, die 1854 zum Dogma erhoben wurde. Das "Marienleben" ist nur mit Vorbehalt als Werk Brentanos zu betrachten, da er die Redaktion des Manuskriptes nicht mehr zu Ende fĂŒhren konnte.

Benutzte Literatur


PrimÀrliteratur:
BRENTANO, CLEMENS: Werke. Band 1 - 4, herausgegeben von Friedhelm Kemp. MĂŒnchen ÂČ1978.

BRENTANO, CLEMENS: Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl. MĂŒnchen 1994.

BRENTANO, CLEMENS: Gedichte. Hrsg. von Hartwig Schultz. Stuttgart 1995. (= RUB Nr. 8669)

BRENTANO, CLEMENS: Godwi. Hrsg. von Ernst Behler. Stuttgart 1995 (= RUB Nr. 9394)

Des Knaben Wunderhorn. Alte deutsche Lieder gesammelt von L. Achim von Arnim und Clemens Brentano. MĂŒnchen 1957.

BĂŒCHNER, GEORG: Werke und Briefe. MĂŒnchner Ausgabe, hrsg. von Karl Pörnbacher u.a. MĂŒnchen 61997


SekundÀrliteratur:
BRENTANO, CLEMENS: Der Dichter ĂŒber sein Werk. Hrsg. von Werner Vordtriede. MĂŒnchen 1970.

BUSSE, GĂŒNTHER: Romantik. Karlsruhe 1982.

CATHOLY, ECKEHARD: Das deutsche Lustspiel. Von der AufklÀrung bis zur Romantik. Stuttgart u.a. 1982.

Die deutsche Literatur in Text und Darstellung. Romantik I. Hrsg. von Otto F. Best und Hans - JĂŒrgen Schmitt. Stuttgart 1974 (= RUB Nr. 9629)

EMMEL, HILDEGARD: Geschichte des deutschen Romans. Band 1. Bern / MĂŒnchen 1972.

FRĂŒHWALD, WOLFGANG: Clemens Brentano. In: Deutsche Dichter der Romantik. Ihr Leben und Werk. Hrsg. von Benno von Wiese. Berlin 21983. S. 344 - 376

DERS.: Das SpĂ€twerk Clemens Brentanos (1815 - 1842). Romantik im Zeitalter der Metternich’schen Restauration. TĂŒbingen 1977.

GAJEK, BERNHARD: Der romantische Dichter und das Christentum. Clemens Brentanos religiöse Schriften. In: Schultz, H. (Hrsg.):Clemens Brentano. 1778 - 1842. Zum 150. Todestag. Bern 1993. S. 109 - 132.

Geschichte der deutschen Literatur von den AnfĂ€ngen bis zur Gegenwart. Bd. 7 (hrsg. von Gerhard Schulz), Teil 1 und 2. MĂŒnchen 1989

HOFFMANN, WERNER: Clemens Brentano. Leben und Werk. Bern / MĂŒnchen 1966.

Kindlers Neues Literatur - Lexikon. MĂŒnchen 1989. Band 2, S. 129 - 147.

KLUGE, GERHARD: Clemens Brentano. Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl. Text, Materialien, Kommentar. MĂŒnchen / Wien 1979.

KOLL, ROLF - DIETER: Des Dichters Ehre. Bemerkungen zu Brentanos "Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl". In: Jahrbuch des Freien Deutschen Hochstifts 1978. S. 256 - 290.

NEUNZIG, HANS A.: LebenslĂ€ufe der deutschen Romantik. Schriftsteller. MĂŒnchen 1986.

RILEY, HELENE M. KASTINGER: Clemens Brentano. Stuttgart 1985. (= Sammlung Metzler Band 213)

RILEY, HELENE M. KASTINGER: Achim von Arnim. Reinbek 1979.

RöLLEKE, HEINZ: Anmerkungen zu "Des Knaben Wunderhorn. In: Clemens Brentano. BeitrĂ€ge des Kolloquiums im Freien Deutschen Hochstift 1978. TĂŒbingen 1980. S. 276 - 294.

ders.: Die gemÀstete GÀnseleber. Zu einer Metapher in Clemens Brentanos "Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl". In: Jahrbuch des Freien Deutschen Hochstifts 1974. S. 312 - 322

SCHLOSSER, HORST D.: dtv - Atlas zur deutschen Literatur. Tafeln und Texte. MĂŒnchen 61994

SCHULTZ; HARTWIG: Clemens Brentano. In: Deutsche Dichter, Band 5. Romantik, Biedermeier und VormÀrz. Hrsg. von G. E. Grimm und F. R. Max. Stuttgart 1989. (= RUB Nr. 8615)

DERS. (Hrsg.): Clemens Brentano. 1778 - 1842. Zum 150. Todestag. Bern 1993

VON GERSDORFF, DAGMAR: Dich zu lieben kann ich nicht verlernen. Das Leben der Sophie Brentano - Mereau. Frankfurt/Main 1984.


[1] In der SekundÀrliteratur wird auch die italienische Form seines Namens - Pietro Antonio Brentano - verwendet.
[2] Aus: Clemens Brentano: Werke. MĂŒnchen ÂČ1978. Bd. 1, S. 654
[3] Aus: Helene M. Kastinger Riley: Clemens Brentano. Stuttgart 1985. S. 14.
[4] Aus: Hartwig Schultz: Clemens Brentano. In: Deutsche Dichter Band 5 - Romantik, Biedermeier und VormÀrz. Stuttgart 1989. S. 180 - 198
[5] aus: Brentano ÂČ1978, Band 2, S. 505
[6] Das romantische Selbstbewußtsein; der Dichter als Vermittler des Wahren; Ironie; Brechung; PolaritĂ€t; Witz; Mischung des Genres; usw. (Entnommen aus: Kastinger Riley 1985, S. 19f)
[7] Aus: Kastinger Riley 1985, S. 24
[8] Aus: Schultz, S. 185
[9] Abgedruckt im Kapitel: 2.4 Religiöse Schriften
[10] Im Dezember 1819 in Berlin
[11] Heiligenviten, Mystiker, KirchenvÀter
[12] z.B. Spiecker, Cardauns etc. (nach Riley 1985, S. 50)
[13] In der Literatur auch Anna Katharina Emmerich genannt
[14] Aus: Riley 1985, S. 56
[15] dort lebte sein Freund Joseph Görres im Exil
[16] vor allem durch die Habilitationsschriften von Bernhard Gajek und Wolfgang FrĂŒhwald
[17] Beginnend mit der Tatsache, dass Brentano keinen Beruf ausĂŒbte, wie viele seiner heute lebenden Schriftstellerkollegen dies tun. Zu seiner Zeit war dies allerdings unĂŒblich, da die Schriftsteller nicht alleine von ihrem literarischen Schaffen leben konnten. Außer, sie hatten solch große Geldreserven wie Clemens Brentano.
[18] Aus: Kindlers Literatur - Lexikon, MĂŒnchen 1989, Band 2, S. 129
[19] Aus: Clemens Brentano: Gedichte. Hrsg. von Hartwig Schultz. Stuttgart 1995. S. 233.
[20] Aus: Brentano 1995, S. 7.
[21] Aus: Hoffmann, S. 242
[22] Aus: Brentano 1970, S. 154f
[23] Aus: Brentano 1970, S. 158
[24] Aus: Brentano 1973, 9. Romanze, S. 798.
[25] Aus: Brentano 1973, 9. Romanze, S. 798
[26] Seine Volksliedsammlung erschien postum 1807 unter dem Titel: "Stimmen der Völker in Liedern"
[27] abgeleitet von dem englischen popular song
[28] Aus: FrĂŒhwald, W.: Clemens Brentano. In: Deutsche Dichter der Romantik. Ihr Leben und Werk. Hrsg. von Benno von Wiese. Berlin 21983. S. 353.
[29] Aus: Rölleke, Heinz: Anmerkungen zu "Des Knaben Wunderhorn". In: Clemens Brentano. BeitrĂ€ge des Kolloquiums im Freien Deutschen Hochstift 1978. Hrsg. von Detlev LĂŒders. TĂŒbingen 1980. S. 278.
[30] Aus: Clemens Brentano. Der Dichter ĂŒber sein Werk. MĂŒnchen 1970. S. 113
[31] billige Einzelblattdrucke des18. und des frĂŒhen 19. Jahrhunderts
[32] hauptsÀchlich aus dem15. bis 17. Jahrhundert
[33] Aus: Helene M. Kastinger Riley: Achim von Arnim. Reinbek 1979. S. 52.
[34] Aus: Kastinger Riley 1979, S. 52
[35] Aus: Kastinger Riley 1979, S. 53
[36] Dazu Rölleke 1980, S. 279:
1. Was Arnim und Brentano mit "MĂŒndlich" bezeichnen, sind nur höchst selten Lieder, die sich selbst etwa aus mĂŒndlicher Tradition gewonnen hĂ€tten; vielmehr kennzeichnet dieser im Wunderhorn hĂ€ufigste Herkunftsvermerk fast ausschließlich gravierende Eingriffe in einen ĂŒberlieferten Text oder die meist vage Vermutung, ein durch einen Mittelsmann eingesandter Text sei von diesem nach mĂŒndlicher Tradition aufgezeichnet - was selten genug der Fall ist.
2. Wirklich direkt aus lebendiger VolksĂŒberlieferung sind von Brentano neben einigen Kinderliedern nur verschwindend wenig Texte gewonnen, [...].
[37] Aus: Kastinger Riley 1985, S. 81.
[38] In den Gesammelten Werken (Brentano ÂČ1978) ist dieses MĂ€rchenfragment allerdings im zweiten Band bei den ErzĂ€hlungen und nicht im dritten Band bei den MĂ€rchen abgedruckt.
[39] Zu diesem Zeitpunkt war es von Brentano als SpÀtfassung um das vierfache erweitert worden.
[40] Im Original "Lo cunte de li cunti"
[41] Nach: Werner Hoffmann: Clemens Brentano. Leben und Werk. Bern / MĂŒnchen 1966. S. 271f
[42] aus: Brentano 1978, Band 3, S. 380.
[43] Beispiel: Hinkel steht "so betrĂŒbt und beschĂ€mt und kĂŒmmerlich" vor Gockel, "als ob sie den Pips hĂ€tte."(Brentano 1978, Band 3, S. 485). Der Pips ist eine HĂŒhnerkrankheit.
[44] Von Tieck 1800 dramatisiert, von Görres 1807 in den Teutschen VolksbĂŒchern behandelt.
[45] Aus: Brentano 1978, S. 225
[46] Aus: Brentano 1978, S. 387
[47] Aus: Brentano ÂČ1978, Band 2, S. 17
[48] Aus: Brentano ÂČ1978, Band 2, S. 32
[49] aus: Hayer, S. 24f
[50] Aus: Brentano ÂČ1978, Band 2, S. 119
[51] Wegen eines Fehlers Brentanos bei der Kapitelnumerierung ist das Kapitel 26 zweimal vorhanden.
[52] Das Kapitel 27 besteht fast nur aus diesen Fragmenten.
[53] Entnommen aus: Handbuch des Deutschen Romans.
[54] Aus: Brentano 1970, S. 91
[55] Aus: GĂŒnther Busse: Romantik. Personen - Motive - Werke. Freiburg 1982. S. 38
[56] Siehe dazu auch: dtv - Atlas zur deutschen Literatur. MĂŒnchen 61994. S. 182
[57] Aus: Brentano ÂČ1978, S. 1178f)
[58] Aus: Clemens Brentano. Godwi. Stuttgart 1995, S. 557
[59] Aus: Kastinger Riley 1985, S. 98
[60] Friedrich Schlegel schrieb im 116. "AthenĂ€um" - Fragment: "Die romantische Poesie ist eine progressive Universalpoesie. Ihre Bestimmung ist nicht blos, alle getrennten Gattungen der Poesie wieder zu vereinigen und die Poesie mit der Philosophie und Rhetorik in BerĂŒhrung zu setzen. [...] Sie umfaßt alles, was nur poetisch ist, [...] Sie allein ist unendlich, wie sie allein frei ist und das als ihr erstes Gesetz anerkennt, dass die WillkĂŒr des Dichters kein Gesetz ĂŒber sie leide. Die romantische Dichtart ist die einzige, die mehr als Art und gleichsam die Dichtkunst selbst ist: denn in einem gewissen Sinn ist oder soll alle Poesie romantisch sein. (Aus: Die deutsche Literatur in Text und Darstellung. Romantik I. Hrsg. von Otto F. Best und Hans - JĂŒrgen Schmitt. Stuttgart 1974. S. 22 - 25
[61] wegen dem Bericht der Großmutter "Der Ulan stand wieder in Frankreich..." (Clemens Brentano: Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl. MĂŒnchen 1994), welcher die kriegerischen Ereignisse der napoleonischen Kriege nach Napoleons RĂŒckkehr aus Elba meint.
[62] Aus: Brentano 1994, S. 172.
[63] Volkslied aus Böhmen. Aus: Clemens Brentano. Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl. Hrsg. von Gerhard Schaub. Stuttgart 1990. S. 62f
[64] ErzĂ€hltypus des 19. Jahrhunderts, in dem ein Geschehen durch eine spezifische Wertung des bĂ€uerlich - dörflichen Milieus geprĂ€gt ist. Das idealisierte lĂ€ndliche Dasein wird einer stĂ€dtischen, als bindungslos gesehenen Existenzform als realer Raum der WertbestĂ€ndigkeit und Geborgenheit gegenĂŒbergestellt, dessen KrĂ€fte allen andrĂ€ngenden Verunsicherungen und VerĂ€nderungen trotzen.
[65] Kurze, volkstĂŒmliche, meist realitĂ€tsbezogene ErzĂ€hlung, oft unterhaltend und stets didaktisch orientiert.
[66] Aus: Brentano 1994, S. 21
[67] Eine "Person, welche Gott und der Zeit gleichsam die Tage stiehlet, sie mit MĂŒĂŸiggange zubringet" (Aus: Heinz Rölleke: Die gemĂ€stete GĂ€nseleber. In: Jahrbuch des Freien Deutschen Hochstifts 1974, S. 313f.
[68] Aus: Rölleke 1974, S. 315.
[69] Aus:
[70] Aus: FrĂŒhwald, Wolfgang: Clemens Brentano. In: Deutsche Dichter der Romantik. Ihr Leben und Werk. Hrsg. von Benno von Wiese. Berlin ÂČ1983. S. 351
[71] Brentano ließ die Sprache mit sich selbst spielen
[72] aus: BĂŒchner, Georg: Werke und Briefe. MĂŒnchen 61997, S. 179
[73] Aus: Kastinger Riley 1985, S. 130f.
[74] fĂŒnfhebiger Jambus ohne Reim
[75] vierhebiger Jambus
[76] Aus: Brentano 1970, S. 87
[77] Aus: Brentano 1978, Band 4, S. 903
[78] es wurden nur zwei Teile, das Marienleben und das Leben Jesu, fertig.
[79] Zum Beweis des Gegenteils kann gesagt werden, dass Brentano in der Phase der RĂŒckbesinnung zu seinem Glauben auch einen Höhepunkt seiner Lyrik hatte.
[80] D.h. sie hatte Wunden an den Hand - und FußrĂŒcken sowie an der Brust und blutete an Stirn und Haaransatz; sie trug also die Wunden des gekreuzigten Jesus.
[81] Aus: Gajek 1993, S. 110
[82] Aus: Gajek 1993, S. 112

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