Das faschistische Italien

Definition:

Der Faschismus wurde im Jahre 1919 in Italien von Benito Mussolini eingef├╝hrt. Der Faschismus lehnt die Demokratie, den Parlamentarismus und die Freiheit der Wirtschaft ab. Der erkl├Ąrte Gegner dieses politischen Systems ist der Kommunismus. Der Faschismus fordert die Allmacht des Staates und die Unterordnung des Einzelnen unter den Willen eines F├╝hrers (in Italien der "Duce"). Das Symbol des Faschismus in Italien war das Beil mit den Rutenb├╝ndeln (ital.: fasces), das im alten Rom den Konsuln vorangetragen wurde als Zeichen ihrer Gewalt ├╝ber Leben und Tod. Im Jahre 1922 ├╝bernahmen die Faschisten mit dem Marsch auf Rom (etwa 40 000 Teilnehmer) die Regierungsgewalt in Italien, die sie durch Terror und r├╝cksichtslosen Machtgebrauch festigten. Wie auch im Nationalsozialismus werden auch im Faschismus alle anderen Parteien ausgeschaltet. Au├čerdem wurde die Presse -, die Meinungs -, und die Versammlungsfreiheit aufgehoben. Der Faschismus ├╝bernahm auch die judenfeindliche Rassenpolitik der Nationalsozialisten, wenn auch in milderer Form. Im zweiten Weltkrieg k├Ąmpfte das faschistische Italien an der Seite Hitler - Deutschlands, jedoch 1943 wurde die faschistische Herrschaft durch einen Staatsstreich beendet.

Definitionen in der Nachkriegszeit:

Der Begriff Faschismus, als zusammenfassende Benennung der verschiedenen Arten von Rechtsradikalismus, wurde in den zwanziger Jahren von den Kommunisten eingef├╝hrt. Nach dem Weltkrieg wurde der Begriff Faschismus im Westen verschieden interpretiert, doch meistens nur auf Italien bezogen. Als zusammenfassender Begriff f├╝r die unmenschlichen Diktaturen in unserem Jahrhundert wurde in der Nachkriegszeit meistens der Ausdruck Totalitarismus verwendet. So war es auch m├Âglich die kommunistische Sowjetunion in den Begriff einzubeziehen. Erst in den sechziger Jahren wurde der Faschismus als "ein kennzeichnendes, nicht auf Deutschland und Italien beschr├Ąnktes, durch ideologische und strukturelle Eigent├╝mlichkeiten sowohl vom Bolschewismus wie von der parlamentarischen Demokratie, wie von blo├čen Entwicklungsdiktaturen verschiedenes Ph├Ąnomen der europ├Ąischen Zwischenkriegszeit" (Ernst Nolte) herausgearbeitet. Nolte versteht den Faschismus au├čerdem als Gegenst├╝ck zum Marxismus (Anti - Marxismus), der "den Gegner durch die Ausbildung einer radikal entgegengesetzten und doch benachbarten Ideologie und die Anwendung von sehr ├Ąhnlichen, aber doch charakteristisch umgepr├Ągten Mitteln zu vernichten trachtet, aber streng im Rahmen der nationalen Autonomie". In dieser Definition scheinen die antimarxistischen Bestrebungen etwas ├╝berbetont, die antiliberalen und die antidemokratischen Absichten aber etwas zu gering betont, doch war sie eine verl├Ą├čliche Basis f├╝r eine Diskussion.

Philosophische Grundlagen:

Im Gegensatz zum Marxismus, der auf bestimmte Intellektuelle und Philosophen zur├╝ckgef├╝hrt werden kann (zum Beispiel Karl Marx und Friedrich Engels), hat der Faschismus keinen bestimmten "geistigen Vater".
Er wurde vielmehr von mehreren Personen entwickelt, die mit Unbehagen einer Massengesellschaft entgegensahen und die sich von Elitetheorien und der darwinistischen Lehre leiten lie├čen. Weitere Kennzeichen sind Rassismus und Antisemitismus, wenn auch dies nicht in allen Auspr├Ągungen des Faschismus sichtbar wurde. Au├čerdem wurde der Faschismus auch durch soziale Hoffnungen mitbegr├╝ndet, das jedoch wichtigste und kennzeichnenste Element des Faschismus ist der Nationalismus. Der Nationalismus war kein Produkt der Zwischenkriegszeit, sondern ist gegen Ende des 19. Jahrhundert entstanden. Ein weiteres wichtiges Fundament ist auch die Kr├Ąftigung des kollektiven Denkens und Handelns durch den Krieg und die Propaganda.
Ein Philosoph der im Sinne des Faschismus dachte war zum Beispiel Friedrich Nietzsche. Er vertrat die These vom "Vorrang des Lebens vor dem Intellekt", war ein Gegner der Mitleidsethik und er verlangte au├čerdem nach dem ├ťbermenschen. Die Werke und das Denken Friedrich Nietzsches hatten vor allem auf Benito Mussolini gro├čen Einflu├č.

Faschismus in Italien

Die Vorbedingungen zur Entstehung des Faschismus:

Italien war das erste Land im Nachkriegseuropa, in dem das liberale System vor einer Diktatur kapitulierte. Die Wurzeln f├╝r diese Entwicklung reichen bis in die Zeit der staatlichen Einigung Italiens in der Mitte des 19. Jahrhunderts zur├╝ck. Das Nord - S├╝d Gef├Ąlle in der industriellen Entwicklung, die krasse unterschiedliche Besitzverteilung in der Landwirtschaft sowie die Gegnerschaft zwischen dem K├Ânigreich und der katholischen Kirche verhinderten eine gesellschaftliche Einigkeit. Dazu kamen Mi├čst├Ąnde im parlamentarischen System, denn aufgrund des Zensuswahlrechts (1880 waren zum Beispiel nur 2,2% des italienischen Volkes wahlberechtigt) entstand eine Kluft zwischen der d├╝nnen Schicht der gehobenen Bev├Âlkerung und des restlichen Volkes.
Die ungel├Âsten sozialen, wirtschaftlichen und politischen Probleme erschwerten vor allem die Bildung einer Opposition innerhalb des parlamentarischen Systems. So blieben die Massenbewegungen der Arbeiterschaft und des politischen Katholizismus von der Teilnahme an der Politik ausgeschlossen. Am Anfang des 20. Jahrhunderts versuchte der linksliberale Regierungschef Giovanni Giolitti durch eine Ausweitung des Wahlrechts, soziale Reformen und den Verzicht auf den traditionellen Antiklerikalismus die benachteiligten Bev├Âlkerungsschichten zu integrieren. Doch diese Versuche hatten nur zum Teil Erfolg und so blieb Italien eine gespaltene Nation.
Durch den Ersten Weltkrieg kam es in den meisten L├Ąndern zumindest zu einer vor├╝bergehenden inneren Einigkeit, jedoch galt dies nicht f├╝r Italien. Hier gewannen die "Interventionisten", die von dem aus dem sozialistischen Lager stammenden Journalisten Benito Mussolini und von dem popul├Ąren Dichter Gabriele D’Annunzio gef├╝hrt wurden, die Auseinandersetzungen mit den "Neutralisten", die die Mehrheit im Parlament innehatten. Die "Interventionisten" n├Âtigten die abwartende Staatsspitze daraufhin in den Krieg an der Seite der Entente einzutreten (Mai 1915). Aufgrund seiner vehementen Forderung nach dem Kriegseintritt Italiens wurde Mussolini sp├Ąter aus der sozialistischen Partei ausgeschlossen.
Doch auch der Krieg l├Âste die Probleme f├╝r Italien nicht, sondern die Krise, in der sich das liberale System befand, verschlimmerte sich vielmehr. Und auch die Hoffnung der "Interventionisten" auf gro├če Gebietsgewinne Italiens erf├╝llten sich nur zum Teil. Durch Nationalismus und nicht erf├╝llte Hoffnungen angetrieben marschierte D’Annunzio im September 1919 an der Spitze eines Freikorps in Fiume (Rijeka) ein. Dort errichtete er einen Freistaat, der allen v├Âlkerrechtlichen Bestimmungen widersprach. D’Annunzios Freistaat existierte 15 Monate lang und schon hier waren Vorformen des faschistischen Regimes (z.B. F├╝hrerkult, Uniformierung, Massenaufm├Ąrsche) bemerkbar.
Die Regierung schritt gegen D’Annunzio und seinen Freistaat nicht ein, was die Schw├Ąche des damaligen Parlaments zeigt. F├╝r einen weiteren Autorit├Ątsschwund sorgten die von den Sozialisten initiierten Arbeiterk├Ąmpfe und Massenstreiks, die vor allem im Norden Italiens stattfanden. Es herrschten anarchistische Zust├Ąnde in Italien, die die Angst der b├╝rgerlichen Kr├Ąfte vor einer bolschewistischen Revolution vergr├Â├čerten. Der Regierung gelang es nicht die Lage in den Griff zu bekommen. Im November 1919 wurde erstmals das Verh├Ąltniswahlrecht angewendet, das den Sozialisten und der katholischen Volkspartei die Parlamentsmehrheit brachte. Die zersplitterten Liberalen wurden nahezu unbedeutend, doch da keine Kooperation der beiden Wahlsieger erfolgte, gelang es den Liberalen einen Teil ihres Einflusses zu wahren. Die Krise in der sich das Parlament und die Politik befanden zeigte sich auch durch h├Ąufige Regierungswechseln.

Die faschistische Macht├╝bernahme:

Gegen Ende des Jahres 1922 fand in Neapel ein Parteitag der PNF ("Partitio Nazionale Fascista"), wie sich die Faschisten jetzt nannten, vor 40000 Besuchern und Delegierten statt. Benito Mussolini, der nach seinem Ausschlu├č aus der sozialistischen Partei zu den Faschisten gewechselt war, hielt eine Rede, die vom Publikum begeistert aufgenommen wurde. Er k├╝ndigte an, dass sich die Faschisten die Regierungsgewalt mit Gewalt holen w├╝rden, falls sie ihnen nicht ├╝bertragen wird.
Die Anh├Ąngerschaft Mussolinis und der faschistischen Partei war eine seltsame Ansammlung von abtr├╝nnigen Sozialisten, Republikanern, Anarchisten, konservativen Monarchisten, Revolution├Ąren und aufs├Ąssigen Soldaten. Kurz gesagt ein Sammelbecken der Entt├Ąuschten und Unzufriedenen. Sie organisierten sich zu Kampfgruppen - den sogenannten "fascii di combattimenti" - die straff organisiert waren. Am Anfang waren die Faschisten bei den Wahlen erfolglos geblieben: 1919 hatten sie bei den Wahlen zur Abgeordnetenkammer nicht mehr als 4795 Stimmen bekommen. Doch da es den einander rasch abl├Âsenden Regierungen nicht gelang, die zahlreichen wirtschaftlichen und sozialen Probleme Italiens in den Griff zu bekommen, war f├╝r die Faschisten die M├Âglichkeit gekommen, sich als Retter des Landes darzustellen. Sie wollten den Bolschewismus nicht nur in Schach halten, sondern auch niederk├Ąmpfen. Bewaffnete Faschisten, sogenannte "squadristi", attackierten Vertreter sozialistischer Gewerkschaften und rivalisierender Parteien, Zeitungsredaktionen und andere Personen und Institutionen, die sie f├╝r Anh├Ąnger des Bolschewismus hielten. Die Faschisten gingen dabei mit einer Systematik und Brutalit├Ąt vor, die das Land in einen B├╝rgerkrieg zu st├╝rzen drohte. Mit ihren patriotischen Parolen und nationalistischen Liedern und mit ihren schwarzen Hemden konnten sie eine gro├če Anh├Ąngerschaft f├╝r sich gewinnen, da offenbar viele Italiener der Meinung waren, dass nur durch die brutalen Methoden der Faschisten, der Bolschewismus ausgemerzt und die Ordnung wiederhergestellt werden kann. Im Laufe des Jahres 1922 konnten die Faschisten die Macht in Ravenne, Ferrara und Bologna ergreifen. Schon zuvor hatten sie die Erfahrung gemacht, dass manche Regierungsstellen mit ihnen kooperieren und die Polizei ihnen freie Hand gew├Ąhrt oder sie sogar unterst├╝tzt. Das gab ihnen den Mut den Marsch nach Rom und den Griff nach der Macht im Staat zu wagen.

Der Marsch auf Rom - die Macht├╝bernahme:

Bei den vorzeitigen Neuwahlen im Mai 1921 versuchte der linksliberale Ministerpr├Ąsident Giolitti die Faschisten in einen "nationalen Block" einzubinden. Sein Plan schlug fehl, erm├Âglichte aber den Faschisten den Einzug ins Parlament. Mussolini drohte im Fr├╝hjahr 1922 mit einem faschistischen Aufstand, falls ein Ministerpr├Ąsident ernannt werden w├╝rde, der eine antifaschistische Koalition anstrebe. Die Sozialisten und die katholische Volkspartei waren auch jetzt nicht zur Zusammenarbeit mit der Regierung bereit. Statt dessen nutzte Mussolini im September 1922 einen fehlgeschlagenen sozialistischen Generalstreik dazu, die Mobilmachung der faschistischen Schwarzhemden anzuordnen und zum "Marsch auf Rom" aufzurufen.
Auf vier Kolonnen aufgeteilt, marschieren 26.000 Faschisten sternf├Ârmig auf Rom zu und erreichen die Stadt am 28. Oktober. Die Regierung wollte das Kriegsrecht verh├Ąngen, aber weil Mussolini Verhandlungsbereitschaft signalisierte, weigerte sich K├Ânig Viktor Emanuel III. die Verordnung zu unterzeichnen. Als sich herumsprach, dass er Mussolini mit der Regierungsbildung beauftragen will, lie├čen Polizei und Armee den Schwarzhemden freie Hand. Mussolini selbst, der es vorzog nicht am Marsch teilzunehmen, besch├Ąftigte sich nun mit der Bildung einer neuen Regierung. Am Morgen des 30. Oktober 1922 traf der neue Regierungschef mit einem Zug in Rom ein.
Schon nach seinem Amtsantritt entpuppte er sich als h├Âchst geschickter Machthaber. Er war von Anfang an dazu entschlossen Diktator zu werden und sobald er sicher war, dass ihm der Polizeiapparat vollkommen gehorcht, lie├č er seine politischen Gegner festsetzen. Au├čerdem wandelte er die faschistischen Kampfgruppen in eine staatliche Miliz um, die nicht dem K├Ânig sondern ihm unterstellt wurde. Schon bald wurde klar, dass Mussolini sich selbst nicht als Parteimann, sondern als national denkender F├╝hrer sah. So etwas w├╝nschte sich auch das Volk: eine nationale F├╝hrerfigur. Sie hatten die Streiks und Unruhen satt und fanden Gefallen an dem bombastischen und mittelalterlichen Auftreten der Faschisten. So ist es auch zu erkl├Ąren, dass es im Anschlu├č an den "Marsch auf Rom" zu spontanen Beifallsbekundungen f├╝r die Faschisten und besonders Mussolini kam.
Im November 1923 f├╝hrte der Duce, so lie├č sich Mussolini nun nennen, ein neues Wahlgesetz ein. Die st├Ąrkste Partei bekam nun automatisch zwei Drittel der Sitze, sofern sie mindestens 25 Prozent der Stimmen erhielt. Bei den Wahlen im April 1924 erreichten die Faschisten, sicherlich auch durch den vorangegangenen Wahlterror, einen Stimmenanteil von 65 Prozent.
Doch bevor sich der Faschismus in Italien voll etablieren konnte, musste er noch eine Krise ├╝berstehen. Als der popul├Ąre sozialistische Abgeordnete Giacomo Matteotti kurz nach der Wahl im Jahre 1924 von einem Faschisten ermordet wurde, reagierte die ├ľffentlichkeit mit Abscheu. Doch auch jetzt fand sich die Opposition nur zu einem symbolischen Akt bereit: Sie zog aus dem Parlament auf den Aventin und durch diese altr├Âmische Tradition brachte sie ihren Protest zum Ausdruck. Doch dieser Schritt war wirkungslos und Nutznie├čer der Situation war wieder einmal der geschickt taktierende Mussolini. Er gewann die Initiative zur├╝ck und 1925 schaltete er die Opposition ebenso aus wie die bisherigen B├╝ndnispartner (Parteiaufl├Âsung, Verbot von Oppositionszeitungen, R├╝cktritt der nichtfaschistischen Regierungsmitglieder).




Die Struktur der Diktatur:

In der ersten Etappe der Errichtung der faschistischen Diktatur erfolgte die Einf├╝hrung eines Korporativsystems, mit dessen Hilfe der Klassenkonflikt ├╝berwunden werden sollte. Nach der Macht├╝bernahme wurden zus├Ątzliche Institutionen errichtet, auf die sich der Faschismus st├╝tzen konnte, wie zum Beispiel ein politisches Sondergericht und eine Geheimpolizei, die nicht davor zur├╝ckschreckte Terror auszu├╝ben. Au├čerdem wurde ein Netz von Berufs -, Frauen -, Jugend -, und Freizeitorganisationen aufgebaut, das alle Lebensbereiche erfassen sollte. Jedoch war ein wichtiges Merkmal des faschistischen Italiens, dass es mit dem Modell des totalit├Ąren Staates nicht genau ├╝bereinstimmt. Denn neben dem Duce existierten die Krone, die Kirche, der Industriellenverband und der Gro├če Faschistische Rat als Machtzentren weiter und bewahrten eine gewisse Autonomie. Im damals b├╝rokratisch noch wenig entwickelten Italien stie├č zudem die Umsetzung der zentralistischen faschistischen Ma├čnahmen auf Schwierigkeiten. Anders als der Nationalsozialismus st├╝tzt sich der italienische Faschismus ideologisch vor allem auf die Gr├Â├če des R├Âmischen Reiches, weniger auf den Rassismus. In Italien setzte die Judenverfolgung erst 1938 ein und wurde nicht so systematisch betrieben wie im Nationalsozialismus. Zudem erlaubte der italienische Faschismus eine gr├Â├čere Offenheit gegen├╝be9r modernen Str├Âmungen in Kunst und Literatur. Er ist deshalb von manchen Intellektuellen in der Zwischenkriegszeit untersch├Ątzt worden. Der Antifaschismus formierte sich in Italien vor allem w├Ąhrend des Zweiten Weltkriegs.

Mussolinis Innenpolitik - Die Ver├Ąnderung Roms:

Rom wurde allm├Ąhlich unter der pers├Ânlichen Leitung des Duce umgestaltet. In f├╝nf Jahren wollte er Rom so kolossal und m├Ąchtig aussehen lassen, dass es die ganze Welt als Wunderwerk preist. Ihm schwebte eine Megacity vor, eine sowohl fl├Ąchenm├Ą├čig als auch der Einwohnerzahl nach wesentlich gr├Â├čere Stadt, mit jenen Hochbauten und Wolkenkratzern, die ihn so faszinierten. Auf dem Forum sollte ein riesiger Palast des Faschismus entstehen, dieser sollte eines der gr├Â├čten und eindrucksvollsten Bauwerke der Welt werden. Diesem "neuen" Rom sollte alles weichen, was irgendwie mit dem Mittelalter zu tun hatte oder danach aussah. Zu einem v├Âlligen Verschwinden des mittelalterlichen Roms kam es zum Gl├╝ck nicht, obwohl ein gro├čer Teil der Pl├Ąne verwirklicht wurde. So wurden zum Beispiel f├╝nfzehn antike Kirchen beseitigt, an deren Stelle Bauten der faschistischen Architektur entstanden. Dieser faschistischen Architektur ging es weniger um k├╝nstlerische und geschmackliche Anspr├╝che, als um Zurschaustellung blo├čer Gr├Â├če und Wucht. Zum Gl├╝ck f├╝r Italien und f├╝r Rom setzten die Faschisten aber nicht alles in die Tat um, was sie in ihren Proklamationen ank├╝ndigten. Jedoch konnten sie zum Beispiel mit diversen Trockenlegungs - und Kultivierungsprojekten einige Erfolge verbuchen, wie zum Beispiel mit der Trockenlegung der Pontinischen S├╝mpfe und der Ausrottung der Malaria in diesem Gebiet. Au├čerdem bauten sie viele neue Stra├čen, Kan├Ąle und Wasserkraftwerke, die Tausenden Menschen zu einer neuen Heimat und zu Arbeitspl├Ątzen verhalfen. Die Statistiker Mussolinis verk├╝ndeten stolz, dass zwischen 1922 und 1942 nie weniger als hunderttausend Arbeitskr├Ąfte bei staatlichen Gro├čprojekten im Einsatz waren und dass circa 33 Millionen Lire f├╝r diese Projekte ausgegeben wurden. Es wurde gewi├č eine Menge getan, doch es wurde nur ein Bruchteil dessen, was geplant und angek├╝ndigt wurde, tats├Ąchlich erreicht. Begonnene Projekte kamen h├Ąufig zum Erliegen und riesige Geldsummen wurden f├╝r irgendwelche grandiosen Projekte ausgegeben, die sich sp├Ąter als undurchf├╝hrbar erwiesen haben, oder flossen in die Taschen korrupter Beamten und hochrangiger Faschisten. So wurde zum Beispiel ein riesiges Forum geplant, dass sich auf einer Fl├Ąche zwischen dem Tiber und dem Monte Marius erstrecken sollte. Es sollte sowohl das Kolosseum als auch den Petersdom in den Schatten stellen. Zuerst wurde geplant in das Zentrum des Forums einen 36 Meter hohen und 800 Tonnen schweren Obelisken zu stellen, doch als dieser Plan nicht imposant genug erschienen war, wollte man eine 80 Meter hohe Statue des Herkules errichten, der seinen Arm zum faschistischen Gru├č heben sollte und die Gesichtsz├╝ge Mussolinis haben sollte. Als bereits ein Teil des Kopfes und ein Fu├č fertig waren, wurde das Projekt eingestellt.

Die Au├čenpolitik Mussolinis - "Il mare nostro":

In der Au├čenpolitik verfolgte Mussolini einen aggressiven und imperialistischen Kurs mit dem Ziel, Italien zur Vormacht im Mittelmeer zu machen. Am Anfang waren dem faschistischen Expansionsdrang jedoch enge Grenzen gesteckt. Die Alliierten haben ihr Versprechen von 1915 - Italien sollte Dalmatien, die Inseln des Dodekanes und Teile des Balkan bekommen - nicht gehalten. Die gewaltsame Einforderung dieser Gebiete h├Ątte zu ernsthaften Konflikten mit Frankreich, Gro├čbritannien und Ru├čland gef├╝hrt, und so erschien es Mussolini einfacher Gebiete in Afrika zu besetzen. Denn auch dort f├╝hlten sich die Nationalisten benachteiligt. Deutschland hatte nach dem Ersten Weltkrieg zwar alle seine Kolonien verloren, aber Italien war bei der Aufteilung unter den Siegern leer ausgegangen.
Seit 1899 besa├č Italien Somaliland und seit 1890 Eritreia als afrikanische Kolonien und im Krieg gegen das Osmanische Reich hatte es auch die Cyrenaika und Tripolitanien gewonnen, doch gingen diese Gebiete im Ersten Weltkrieg bis auf wenige Hafenst├Ądte wieder verloren. Gem├Ą├č der "Il mare nostro" Politik wollte Mussolini diese Gebiete an der afrikanischen Mittelmeerk├╝ste zur├╝ckgewinnen. Zwischen den Jahren 1922 und 1932 gelang es den italienischen Truppen, die einheimischen St├Ąmme in mehreren Feldz├╝gen zu unterwerfen. 1934 vereinigte Mussolini den nordafrikanischen Besitz zur Kolonie Libyen. Den n├Ąchsten Schritt setzte Mussolini 1935 um den italienischen Kolonialbesitz in Italien zu erweitern. Italienische Truppen und faschistische Milizen griffen das wehrlose Abessinien (├äthiopien) an. Abessinien war das einzige Land au├čer Liberia, dass nicht im Einflu├čbereich der anderen europ├Ąischen Kolonialm├Ąchte lag. Doch bevor er Abessinien eroberte, versicherte er sich nochmals, dass weder Frankreich noch Gro├čbritannien ernstgemeinte Einw├Ąnde gegen seine Pl├Ąne hatten. Nachdem im Mai 1935 italienische Truppen in der Hauptstadt Abessiniens, in Addis Abeba, einmarschiert waren, vereinte Mussolini das neueroberte Land mit den bestehenden Gebieten Somaliland und Eritreia zur Kolonie Italienisch - Ostafrika. Den inzwischen schon beinahe machtlosen K├Ânig Viktor Emanuel III ernannte Mussolini zum "Kaiser von ├äthiopien".
Als Reaktion auf Mussolinis Milit├Ąrschlag verh├Ąngte der V├Âlkerbund Sanktionen ├╝ber das faschistische Italien. Dies veranlasste Mussolini, eine Ann├Ąherung an das nationalsozialistische Deutschland zu suchen. Zuvor hatte er noch Hitler und dessen Expansionspolitik mi├čtraut. Im Jahre 1936 unterst├╝tzten Italien und Nazideutschland gemeinsam den Diktator General Franco im spanischen B├╝rgerkrieg. Im Oktober 1936 begr├╝ndeten Mussolini und Hitler die Achse Berlin - Rom und Italien trat kurz darauf (1937) aus dem V├Âlkerbund aus. 1938 erkl├Ąrte der Faschistische Gro├črat seine Expansionspl├Ąne (die Eroberung Albaniens, Tunis, Korsika und Tessin) und ein Jahr sp├Ąter, 1939, besetzten italienische Truppen Albanien. Im M├Ąrz 1938 musste Italien den Anschlu├č ├ľsterreichs an das Deutsche Reich akzeptieren. Zuvor hatte Mussolini versucht diesen zu verhindern, im Jahre 1934 lie├č er sogar italienische Truppen an der Brennergrenze aufmarschieren, weil Hitler ├ľsterreich zur Eingliederung ins Deutsche Reich zwingen wollte. Im Falle eines Angriffs Deutschlands k├╝ndigte er eine Intervention an. Beim M├╝nchner Abkommen, 1938, unterst├╝tzte Mussolini Hitlers Forderungen, die sudetendeutschen Gebiete an das Deutsche Reich abzutreten. Auch innenpolitisch war der wachsende Einflu├č Deutschlands bemerkbar, denn ebenfalls 1938 ├╝bernahm Mussolini die nationalsozialistischen Rassengesetze. Im Jahr 1939 schlossen die beiden Diktatoren einen Freundschafts - und B├╝ndnispakt.

Der Zweite Weltkrieg:

Beim Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im September 1939 erkl├Ąrte Mussolini, dass er unter keinen Umst├Ąnden Deutschland milit├Ąrisch unterst├╝tzen k├Ânne, da Italien nicht vor 1942 f├╝r einen Krieg bereit w├Ąre.
Doch nach Deutschlands Erfolgen im ersten Kriegsjahr ├Ąnderte Mussolini seine Politik. Nachdem Frankreich gerade eine schwere Niederlage erlitten hatte und die britischen Truppen dem st├Ąrkeren deutschen Heer ohne Verb├╝ndete gegen├╝berstanden, trat Italien im Juni 1940 in den Krieg ein und zwei Monate sp├Ąter (August 1940) besetzten italienische Truppen in Ostafrika Britisch - Somaliland. Ab November versuchten sie von Libyen und von Italienisch - Ostafrika aus, die britischen Truppen in ├ägypten zu bezwingen. Im Oktober 1940 fielen italienische Truppen von Albanien aus in Griechenland ein, um die Briten von ├ägypten abzulenken und um St├╝tzpunkte in Griechenland zu sichern. Jedoch schlug die italienische Invasion fehl und die Griechen konnten sie aus ihrem Land und aus Albanien vertreiben. Dieses Debakel und die folgenden britischen Siege im Mittelmeerraum und in ├ägypten ersch├╝tterten das faschistische Regime in Italien. Mussolini blieb keine andere Wahl als Hitler um Hilfe zu bitten und brachte Italien damit noch st├Ąrker unter deutsche Kontrolle. Mussolini versuchte auch durch radikale Ver├Ąnderungen im Milit├Ąrapparat und durch andere Reformen die Moral des Volkes zu heben, doch diese Versuche mi├čgl├╝ckten.
1941 hatte Italien mehrere Niederlagen zu verzeichnen und hatte aufgrund der Blockade der Alliierten auch mit wirtschaftlichen Engp├Ąssen zu k├Ąmpfen. Bald machte sich in der ganzen Bev├Âlkerung eine antifaschistische Stimmung breit. Der aufgrund Hitlers Einmischung erfolgreiche Balkanfeldzug glich die vorigen R├╝ckschl├Ąge durch den Gewinn neuer Gebiete etwas aus. Nach einer Absprache mit Deutschland besetzten Mussolinis Truppen ganz Griechenland. Doch bald erkannte Italien, dass die Gebietsgewinne nicht viel wert hatten, da diese praktisch unter deutscher Kontrolle standen. Au├čerdem musste Italien f├╝r die milit├Ąrische Hilfe Hitlers einen immer h├Âheren Preis zahlen. Nahrungsmittel und andere wichtige Waren wurden knapp, da gro├če Mengen nach Deutschland geschafft wurden. Italien erkl├Ąrte im Juni 1941 der Sowjetunion den Krieg und schon wenige Monate sp├Ąter wurde die erste italienische Division an die russische Front geschickt. Als die deutsche Offensive in der Sowjetunion immer mehr zum erliegen kam, stiegen auch Hitlers Forderungen an Mussolini.
Gleichzeitig versch├Ąrften sich die Beziehungen zwischen Italien und den Vereinigten Staaten. Im M├Ąrz 1941 beschlagnahmte die amerikanische Regierung 28 italienische Handelsschiffe und lie├č die Besatzung festnehmen. Als im Juni 1941 italienische Verm├Âgenswerte in den Vereinigten Staaten beschlagnahmt wurden, ergriff Italien ├Ąhnliche Ma├čnahmen im eigenen Land. Nach dem Angriff der Japaner auf Pearl Habour im Dezember 1941 erkl├Ąrte Mussolini den Vereinigten Staaten den Krieg und die Beziehungen zwischen den beiden Staaten waren somit am Tiefpunkt angelangt.
1942 beendete eine britische Offensive in Nordafrika die vor├╝bergehenden Gebietsgewinne Deutschlands und Italiens. Weiters erlitten die B├╝ndnispartner schwere Niederlagen in der Sowjetunion. Au├čerdem verloren italienische Truppen zahlreiche Gebiete in Albanien, in Jugoslawien und in Griechenland im Kampf gegen Guerillabanden.
Die zunehmende Kontrolle des Deutschen Reiches ├╝ber Italien, die Korruption unter den faschistischen Offizieren und die Umgehung des Rationalisierungsgesetzes durch einflu├čreiche Personen dr├╝ckten immer st├Ąrker auf die Moral der Bev├Âlkerung. Im Februar 1942 begannen die Briten Industriest├Ądte im Norden Italiens zu bombardieren. Nachdem alliierte Truppen in Algerien und in der Cyrenaika (Region im Osten Libyens) Luftwaffenst├╝tzpunkte errichtet haben, wurde nun auch der S├╝den Italiens bombardiert. In der Hoffnung, dass Mussolini der Lage eine Wendung geben k├Ânnte, wurde er im Februar 1943 mit der vollen Verantwortung ├╝ber politische Angelegenheiten und Milit├Ąroperationen betraut. Als die Streitkr├Ąfte Italiens und Deutschlands im Mai in Tunis aufgerieben wurden, errichtete Mussolini einen Verteidigungsrat, um sich auf die drohende Invasion der Alliierten aufs Festland vorzubereiten. Alle Bem├╝hungen die Verteidigung zu st├Ąrken und die Moral der Bev├Âlkerung zu heben wurden jedoch durch die Luftangriffe der Alliierten zunichte gemacht.
Im Juli 1943 landeten die Alliierten auf Sizilien. Wenige Tage sp├Ąter griffen circa 500 Bomber Bahnh├Âfe, Flugpl├Ątze und Waffenfabriken in der N├Ąhe Roms und in Rom an. Bei diesem Angriff der Alliierten wurde ein gro├čer Teil der Bev├Âlkerung Roms get├Âtet und die politische Krise in Italien erreichte ihren H├Âhepunkt.

Mussolinis Entmachtung - Das Ende des Faschismus in Italien:

Mussolini selbst war w├Ąhrend des Angriffs in Verona um mit Hitler ├╝ber Verteidigungsma├čnahmen gegen die alliierten Angriffe zu beratschlagen. Als er nach Rom zur├╝ckkam wurde er aufgefordert vor dem Faschistischen Gro├črat die milit├Ąrische Krise einzugestehen. Es folgte eine st├╝rmische Debatte die mit einem Mi├čtrauensvotum gegen Mussolini endete. K├Ânig Viktor Emanuel III lie├č ihn am 25. Juli 1943 verhaften und forderte Marschall Pietro Badoglio auf, eine neue Regierung zu bilden. Bald lie├č Badoglio alle faschistischen Organisationen verbieten.
Mussolinis Entmachtung l├Âste landesweit Friedensdemonstrationen aus. Die Alliierten eroberten in der Zwischenzeit immer weitere Teile Siziliens und der britische Premierminister Winston Churchill stellte Italien vor die Wahl sich entweder von Deutschland abzuwenden oder gemeinsam mit Deutschland vernichtet zu werden. General Eisenhower sicherte dem italienischen Volk Frieden zu, falls es den Deutschen von nun an seine Unterst├╝tzung verweigern w├╝rde. Mitte August bot die Regierung Badoglio den Alliierten an, sie gegen das Deutsche Reich zu unterst├╝tzen, wenn sie ihre Invasion auf dem Festland beginnen. Die Alliierten handelten mit den Italienern eine bedingungslose Kapitulation aus und der Waffenstillstand wurde am 3.September 1943 unterzeichnet. Am selben Tag begann die alliierte Invasion in S├╝ditalien.
Der Waffenstillstand l├Âste ein Wettrennen zwischen den Alliierten und den Deutschen um italienische Gebiete, St├╝tzpunkte, Waffen, Vorr├Ąte und Kommunikationsmittel aus. Eine gro├če britisch - amerikanische Armee landete s├╝dlich von Neapel in der Hoffnung weiter n├Ârdlich ins Landesinnere vordringen zu k├Ânnen. Doch die Deutschen konnten die alliierten Truppen aufhalten und zugleich gelang es ihnen, wichtige St├Ądte und strategische Zentren in Nord - und Zentralitalien einzunehmen und die italienischen Truppen zu entwaffnen. Im September besetzten sie Rom, von wo aus K├Ânig Viktor Emanuel III und Pietro Badoglio schon zuvor geflohen waren. Die deutschen Truppen befreiten Mussolini aus seiner Haft, der wenig sp├Ąter in Norditalien, in der N├Ąhe des Gardasees, die faschistische, von Deutschland abh├Ąngige "Republica Sociale Italiana" (Republik von Salo) schuf.
Gem├Ą├č seinen Versprechungen an die Alliierten erkl├Ąrte Badoglio im Oktober 1943 Deutschland den Krieg. Badoglio hatte einstweilen eine sogenannte technische Regierung mit parteilosen Experten organisiert, um administrative Aufgaben ausf├╝hren zu k├Ânnen. Im November sprachen die nationalen Befreiungsausschl├╝sse der Regierung Badoglio das Mi├čtrauen aus und setzten den K├Ânig ab.
Im April 1944 erkl├Ąrte K├Ânig Viktor Emanuel III, er werde sich aus dem politischen Leben zur├╝ckziehen und ernannte seinen Sohn, Umberto II, zum Generalleutnant von Italien. Als die Alliierten in Rom einmarschierten, ├╝bertrug Viktor Emanuel seinem Sohn offiziell die k├Ânigliche Autorit├Ąt. Zum neuen Premierminister wurde Ivanoe Bonomi ernannt, der eine Koalitionsregierung formte.

Der Tod Mussolinis:

Ihren letzten Angriff in Italien begannen die Alliierten im April 1945 und bereits Ende des Monats kapitulierte die deutsche Armee. Mussolini wurde auf der Flucht in einer kleinen Stadt in der N├Ąhe des Comer Sees gefangen genommen und am 28. April ohne Gerichtsverfahren erschossen.

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