Die amerikanische Rebolution

Die Amerikanische Revolution
Der Wandel englischer Kolonien zum Muster
einer modernen Demokratie.


Einleitung


Hauptteil

1. Auswanderung nach Amerika
2. Aufbau und Selbstverwaltung der Kolonien
3. Wirtschaft und Sozialstruktur in den Kolonien
4. Das Verhältnis England - Kronkolonien bis zum Siebenjährigen Krieg
5. Die veränderte Kolonialpolitik nach dem Krieg
6. Reaktion der Kolonien (bis zur Unabhängigkeitserklärung)
7. Unabhängigkeit und Anerkennung durch Europa
8. Einf√ľhrung eines neuen Regierungssystem


Schluss


























Einleitung

Als sich die noch jungen Vereinigten Staaten von Amerika 1781 eine gemeinsame Konstitution gaben, hatten sich die Verfasser bei ihrer Ausarbeitung die Rechte des Individuums als oberstes Ziel gesetzt. Diese noch vor der Franz√∂sischen Revolution in Kraft getretene Verfassung sollte wie kein anderes Schriftst√ľck zuvor, die Rechte und Freiheiten des Einzelnen garantieren und dem B√ľrger das gr√∂√ütm√∂glichste Ma√ü an Eigenverantwortung und politischer Mitsprache geben. Mit ihrem Anspruch, dass alle Macht vom Volke ausgehen sollte, markierte sie den Anfang der modernen Demokratie, auf die viele L√§nder in der Alten Welt noch Jahrzehnte warten sollten.
Auch zweihundert Jahre sp√§ter sind f√ľr viele Menschen die USA noch immer das Symbol f√ľr Freiheit und Unabh√§ngigkeit. Jedoch zeigt sich heute, dass sich die Gesellschaft von den Leitgedanken der Ver - fassungsv√§ter zum Teil weit entfernt hat. Die Grundrechte, wie freie Meinungs√§u√üerung, Pressefreiheit sowie der stark ausgepr√§gte Individualismus haben auch ihre Schattenseiten offenbart und zu einem Werteverfall in der Politik und der Gesellschaft gef√ľhrt.
Die daraus entstandenen Probleme versuchen die folgenden Seiten darzustellen.


































1. Auswanderung nach Amerika

Zwischen den ersten Einwanderern die vor circa 50.000 Jahren aus dem asiatischen Raum
das amerikanische Festland betraten, und deren Entdeckung durch Christoph Columbus im Jahre 1492, gab es in Bezug auf Kontakte mit anderen Kulturen, keine besonderen Vorkommnisse auf dem amerikanischen Doppelkontinent. Au√üer einer kurzen Landung der Wikinger um 1000 n. Chr. kam es nicht zu weiteren Ber√ľhrungen mit anderen Zivilisationen. Bis zum Einfall der europ√§ischen Seefahrer waren die Lebensbedingungen der Eingeborenen noch auf einem einfachen, relativ primitiven Niveau, was insbesondere auf die nordamerikanischen Ureinwohner zutraf. Man lebte in kleinen St√§mmen √ľber das riesige Land verteilt, sprach seine eigenen Sprachen oder Dialekte und war mit den anderen St√§mmen verfeindet, was es den Eroberern aus der alten Welt leicht machte, sie zu unterwerfen oder gar auszurotten. Nach den ersten Erfolgen ihrer Expeditionen auf dem s√ľdamerikanischen Kontinent, versuchten Spanien und Portugal die neue Welt unter sich aufzuteilen. Trotz einiger Anstrengungen, auch mit kirchlicher Unterst√ľtzung, gelang es ihnen nicht, die anderen Seemachtnationen davon abzuhalten, ihre eigenen Schiffe zu entsenden. Private Kaufleute, welche vom Goldfieber gepackt waren, finanzierten immer neue Expeditionen um den, immer noch f√ľr Indien gehaltenen Kontinent, auf Bodensch√§tze zu untersuchen. Amerigo Vespucci schlie√ülich war es, der die Welt von diesem Irrtum befreite und bewies dass es sich um einen eigenen Kontinent handelte, der ihm zu Ehren Amerika genannt wurde. Im Gegensatz zu Portugal und Spanien, die auf dem s√ľdlichen Kontinent bis herauf nach Florida pr√§sent waren, verlegten Frankreich und England ihre Aktivit√§ten auf den nordamerikanischen Kontinent. Frankreich beanspruchte die Gegend um das heutige Kanada, und England die Ostk√ľste zwischen dem Hudson und Florida, unterbrochen von Holl√§ndischen Siedlungen um die Gegend des sp√§teren New Jersey.
Als am 10. April 1606 der englische K√∂nig Jakob l einige Staatsherren und Kaufleute zu sich berief und mit ihnen die Virginia Company gr√ľndete, begann England als letzte der europ√§ischen Weltm√§chte, intensiv mit dem Aufbau einer eigenen Kolonie auf dem nordamerikanischen Kontinent. Nachdem die ersten Besiedelungsversuche (auf rein privater Basis) fehlgeschlagen waren, √ľbernahm man das Modell der Franzosen und Holl√§nder, die eigens f√ľr ihre Aktivit√§ten in den neuen Kolonien Handelsgesellschaften gegr√ľndet hatten. Der K√∂nig erteilte den Anwesenden den Auftrag in seinem Namen die Amerikanische Ostk√ľste zu kolonisieren: das Christentum unter den Wilden zu verbreiten, nach englischem Muster eine Zivilisation zu errichten und den f√ľnften Teil des gefundenen Goldes und Silber an ihren K√∂nig abzuf√ľhren.
Ein gutes Jahr sp√§ter, am 14. Mai 1607, war der erste Schritt getan. Vier Monate nachdem sie ihre Heimat verlassen hatten, trafen drei englische Schiffe an der s√ľdlichen Atlantik - k√ľste Amerikas ein. Die 150 Passagiere, Adlige, Geistliche und einige Gl√ľcksritter, gaben ihrem Landungsort den Namen Jamestown in Virginia und gr√ľndeten damit die erste st√§ndige englische Siedlung in der neuen Welt.
Die ersten Jahre waren hart f√ľr die neuen "Amerikaner". Fieberkrankheiten und Angriffe
der eingeborenen Indianer f√ľhrten zu drastischen Verlusten unter den Siedlern, was zur Folge hatte, dass in den ersten 15 Jahren nur ein F√ľnftel von ihnen √ľberlebte. Auch die erhofften Bodensch√§tze blieben aus, so dass man sich auf die Kultivierung einer Landwirtschaft verlegen musste, deren erste Versuche mit fatalen Missernten endeten, weil die von den Siedlern eingef√ľhrten Pflanzungen, in dem zum Teil tropischen Klima nicht anzubauen waren. 1612 kam dann der Erfolg mit einer Pflanze, die wie geschaffen f√ľr diese Gegend war und deren Anbau als Monokultur den wirtschaftlichen Durchbruch erm√∂glichte: Tabak. 1624 schlie√ülich wurde die erfolgreiche Virginia Company aufgel√∂st und direkt der Krone unterstellt.
Durch den Tabakanbau und den sich nachziehenden Wirtschaftsaufschwung formierte sich schnell ein soziales Gefälle: der reiche Plantagenbesitzer und die immer neu eintreffenden Einwanderer, die zumeist als Tagelöhner mit ihrer anstrengenden Arbeit auf den Feldern, die Kosten ihrer Überfahrt abzuarbeiten hatten.
Im Gegensatz zu den meist wirtschaftlichen Interessen dieser ersten Siedler, entstanden zu dieser Zeit im Norden des Kontinents andere Arten englischer Kolonien, welche sehr stark vom Glauben der neuen Siedler geprägt war. Die ersten einer Welle von verfolgtenKirchengruppen, waren die Pilgrims (Pilgerväter), die 1620 mit der Mayflower vor Kap Code anlegten und sich in Plymouth niederließen, nachdem sie aus England und Holland vertrieben wurden.
Zur Gruppe der Verfolgten geh√∂rten auch die gottesf√ľrchtigen Puritaner, welche vom K√∂nig einen Freibrief erhalten hatten und aufgrund von Repressalien ihrer anglistischen Mitb√ľrger gen n√∂rdliche Ostk√ľste Amerikas flohen, um dort einen Staat nach Gottes Regeln und unter des K√∂nigs Gesetzen zu gr√ľnden. Man konzentrierte sich dabei auf das Gebiet um Massachusetts und blieb dabei bis ins 18. Jahrhundert, aufgrund seines intoleranten Auftretens gegen√ľber Andersdenkenden und der konsequenten Durchsetzung seines strengen Glaubens, was in einigen Extremf√§llen sogar in Hinrichtungen und Hexenverbrennungen endete, weitgehend unter sich.
Eine weniger stark von der Religion beeinflusste Gruppe von Einwanderern besiedelte zum Ende des 17. Jahrhunderts die Gegend zwischen New York und Maryland: die Qu√§ker, eine in England gegr√ľndete Gemeinschaft friedliebender Menschen, die sich besonders durch den toleranten Umgang untereinander, aber auch mit anderen, wie zum Beispiel den Indianern, auszeichnete. Die wohl herausragendste Person dieser Sekte, William Penn, bekam wegen seiner guten Beziehungen zum englischen Parlament, ein Gebiet an der Ostk√ľste zugewiesen, dessen Gr√∂√üe fast an die des Mutterlandes heranreichte. Er gab ihr seinen Namen, Pennsylvania und gr√ľndete darauf die Stadt der br√ľderlichen Liebe: Philadelphia, die sp√§ter kurzzeitig Hauptstadt der USA werden sollte und als Wiege der Amerikanischen Unabh√§ngigkeit gilt. Am Beispiel Pennsylvanias l√§sst sich verdeutlichen, dass die Kolonien verst√§rkt das Ziel von Einwanderern anderer Nationen wurden. Hier war der Anteil der Siedler englischer Herkunft am niedrigsten von allen Kolonien: am Ende des 18. Jahrhunderts bei 35%. Ob es Schotten, Iren, Skandinavier oder franz√∂sische Huge - notten waren; Menschen aus allen Teilen Europas machten sich auf,sei es wegen Verfolgung oder in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft, um in den englischen Kolonien ihr Gl√ľck zu suchen. Der Gro√üteil der Einwanderer geh√∂rte einer protestantischen Bewegung an oder war in keiner Kirche vertreten. Katholiken oder andere Religionen, etwa Juden, geh√∂rten einer Minderheit an und wurden nicht selten mit Misstrauen behandelt und vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen.




2. Aufbau und Selbstverwaltung der Kolonien

Von enormer Wichtigkeit f√ľr den Verlauf, oder sogar f√ľr die Entstehung der Amerikanischen Revolution, ist die Tatsache, dass die Gesellschaften zur Kolonisierung des Kontinents es zur Bedingung bekamen, dass sie ihren B√ľrgern die gleichen Rechte wie die des englischen Mutterlandes einzur√§umen hatten. Deshalb begann man gleich mit den ersten Einwanderungswellen damit, in den neu gegr√ľndeten Kolonien, weite Teile der Bev√∂lkerung mit in die politische Entscheidungen einzubeziehen. In den einberufenen Versammlungen und Unterh√§usern (assemblies) wurden von frei gew√§hlten Abgeordneten Entschl√ľsse verfasst oder wie in einigen Kolonien √ľblich, sogar Gouverneure berufen.
Am weitesten fortgeschritten war die demokratische Mitbestimmung in den Neuengland - Staaten, die mit ihren Gemeindeversammlungen und Stadt√§mtern als Musterbeispiel galten. Das Wahlrecht jedoch war mit drei Bedingungen verbunden: Mann musste wei√ü, m√§nnlich und im Besitz von Grundeigentum sein, gem√§√ü der weitverbreiteten Meinung, dass sich nur der mit der eigenen Gemeinde identifizieren kann, der Grundbesitz sein Eigen nannte. In den ersten Jahren der Besiedelung war auch die Dazugeh√∂rigkeit in einer der Kirchen eine weitere Bedingung. Trotz dieser Tatsache lag in einigen Kolonien der Anteil der Wahl - berechtigten bei der in Frage kommenden Bev√∂lkerung zwischen 50 - 80 %, was daran lag, dass zu dieser Zeit recht viele B√ľrger im Besitz von eigenem Land waren, was besonders auf die n√∂rdlichen Staaten zutraf, die mit ihren zahlreichen Farmen einen Gro√üteil der √Ėffentlichkeit ausmachten.
In allen dreizehn Kolonien die dem englischen König unterstanden, war der Gouverneur der erste Mann im Staat. Er unterstand direkt dem König und wurde (bis auf wenige Ausnah - men) von diesem auch auf seinen Posten berufen. Er besaß die Exekutive und war als Rechtsgeber dazu befugt, Gesetzesvorlagen zu genehmigen. Ihm wurde ein Gremium zur Seite gestellt, welches ebenfalls vom König einberufen wurde und zumeist aus Mitgliedern der wirtschaftlichen Oberschicht bestand und das im Laufe der Zeit in fast allen Kolonien
von einem Unterhaus erg√§nzt wurde, so dass wie in England selbst eine Zwei - Kammer Legislative bestand. Die erste gesetzgebende Zwei - Kammer Versammlung wurde 1619 in Virginia als House of Burgess er√∂ffnet. Im Vergleich zum englischen Mutterland wurden die Kolonien weniger zentral verwaltet, was insbesondere auf die Nordkolonien zutraf. Parallel zu der Entwicklung in England, bei der sich das Parlament seine Souver√§nit√§t gegen√ľber der Monarchie st√§rkte, gewannen die beiden Parlamentsh√§user in den Kolonien stetig mehr Macht. Die Politik wurde zu einem gro√üen Teil in den Gemeindeversammlungen gemacht und Rechtsangelegenheiten in den lokalen Gerichten entschieden.
Vor der Unabh√§ngigkeitsbewegung bestimmten drei verschiedene Typen von Kolonien das politische Bild: die Kronkolonien, die von einem vom K√∂nig einberufenen Gouverneur (royal colony) oder von einem Besitzer ernannten Gouverneur (proprietary colony) verwaltet wurden. (Die Familie Baltimore z.B. besa√ü √ľber Generationen Land mit einer Gr√∂√üe von mehr als 10 Millionen acres, welches ihnen 1632 vom englischen K√∂nigshaus als Lehen im Bereich Maryland - Baltimore vergeben wurde, als sich die Virginia Company dort zur√ľck - zog). Die beiden n√∂rdlichen Kolonien Conneticut und Rhode Island konnten, aufgrund der vom englischen K√∂nig garantierten Selbstbestimmung, unter Ber√ľcksichtigung einer Charter (die in etwa einer Verfassung entsprach) ihren Gouverneur frei w√§hlen (Charta colony).
Trotz des relativ weit verbreiteten Wahlrecht (welches in England zur gleichen Zeit bei nur etwa 15% lag) geh√∂rten die, welche sich zur Wahl stellten, fast ausnahmslos der gesell - schaftlichen Elite an, was bei der breiten Bev√∂lkerung auch durchaus Zustimmung fand. Selbst in Zeiten der Unabh√§ngigkeitsbem√ľhungen wurde diese Tatsache, auch von prole - tarischen Revolutionsverb√§nden, nie ernsthaft in Frage gestellt.
Im Vergleich mit den souveränen Staaten in Europa kann man sagen, dass die Demokratie in den Kolonien zu diesem Zeitpunkt recht weit entwickelt war.




3. Wirtschaft und Sozialstruktur in den Kolonien


Mit der Besiedelung der n√∂rdlichen Ostk√ľste entstanden auch neue Wirtschaftszweige in den englischen Kolonien: Fischerei, Schiffsbau und der Handel wurden ihre St√ľtzpfeiler. An den K√ľsten entstanden neue Gro√üst√§dte, wie Boston, Neu Amsterdam oder Philadelphia, die mittlerweile auch von anderen Nationalit√§ten, etwa Holl√§ndern, Deutschen und Iren besiedelt oder gegr√ľndet waren und die mit ihren H√§fen zur Versorgungsader des jungen Landes wurden. Man erkl√§rte Leben, Freiheit und streben nach Gl√ľck zu seinen obersten Grunds√§tzen, wovon aber in den meisten F√§llen Indianer, Andersgl√§ubige und M√ľ√üigg√§nger ausgenommen und vertrieben wurden. Durch eine gro√üe Anzahl von eigenst√§ndigen Betrieben aus dem Handwerk oder Handel, ergab sich eine relativ ausgewogene Bev√∂lkerungsschicht aus reichen Kaufleuten, breitem Mittelstand und einfachen Arbeitern. Wirkliche Armut war zu dieser Zeit eher eine Ausnahme, da es auch den neu eintreffenden Einwanderern, aufgrund des Mangels an Arbeitskr√§ften und des noch d√ľnn besiedelten Landes, m√∂glich war, rasch die ersten Sprossen der Wohlstands - leiter zu erklimmen.
Waren die ersten Jahrzehnte noch von einer weitgehend wirtschaftlichen Autonomie gepr√§gt, wurden die Eingriffe der englischen Machthaber in der Mitte des 18. Jahrhunderts zu einem ernsten Problem f√ľr die koloniale Wirtschaft. Da sich die Staatsverschuldung in England, durch Kriegskosten oder Misswirtschaft, auf dem H√∂hepunkt befand, entschlo√ü sich das Parlament die Steuern und Einfuhrz√∂lle in den amerikanischen Kolonien zu erh√∂hen. Ein weiteres Problem stellten die Handelsvorschriften aus England dar, die den Handel oder die Herstellung bestimmter G√ľter verboten, was zur Folge hatte, dass die Kolonien mehr Waren importierten als sie exportierten, da auch der Wirtschaftsverkehr mit anderen Staaten vielfach verboten war. Da man jedoch nicht gewillt war sich gute Gesch√§fte entgehen zu lassen, erreichte der Schmuggel (indem der Gro√üteil der amerikanische Kaufleute kein Unrecht sah) seinen H√∂hepunkt. An der Amerikanisch - Kanadischen Grenze entwickelte sich ein reger, illegaler G√ľterverkehr, bei dem die Holl√§nder die begehrtesten Handelspartner waren.
Der S√ľden hingegen glich in seiner Struktur stark dem des englischen Mutterlandes. Einige wenige Plantagenbesitzer mit riesigen Besitzt√ľmern, herrschten wie Landgrafen √ľber ein Heer von Tagel√∂hnern, die zum Teil jahrelange Fronarbeit ausf√ľhren mussten, um die von ihren Herren bezahlte Schiffspassage in die Kolonien abzuarbeiten. Die Indentured servants, wie sie genannt wurden, machten in den mittleren und s√ľdlichen Kolonien zeitweise bis zu 50% der Immigranten aus. Einige Tausend von ihnen waren Str√§flinge aus englischen Gef√§ngnissen, die dadurch die Chance bekamen, nach dem Abarbeiten ihrer Strafe ein neues Leben zu beginnen. Trotz dieser Vorgehensweise, Menschen aus √§rmlichen Verh√§ltnissen mit falschen Versprechungen in die Kolonien zu locken, herrschte ein st√§ndiger Mangel an Arbeitskr√§ften, so dass man, anfangs √ľber holl√§ndische H√§ndler, Negersklaven importierte, um auf den mehreren hundert Hektar gro√üen Plantagen Tabak, Reis und Baumwolle anzubauen.
Aufgrund des enormen Export des begehrten Tabaks und des Einsatzes von billigen Arbeitskr√§ften, entwickelte sich der S√ľden schnell zu der wirtschaftlich st√§rksten Region in den Kolonien. Aber erst der Einsatz von Negersklaven, der in dieser Form nicht dem englischen Recht entsprach und von den englischen Karibikinseln √ľbernommen wurde, machte diesen enormen wirtschaftlichen Aufschwung m√∂glich. Die erste Generation von verschleppten Negersklaven wurde nur zeitlich befristet zu Arbeiten gezwungen und waren nach Ablauf dieser Frist freie B√ľrger. Diese Regelung lie√ü man jedoch aus √∂konomischen Gr√ľnden fallen und in den Folgezeiten konnte man auf ihren teuren Einkauf verzichten, da die nachfolgenden Generationen ebenfalls versklavt wurden, so dass in South - Carolina der Anteil der Schwarzen an der Bev√∂lkerung bis zu 60% betrug. In den Augen der wei√üen Bev√∂lkerung war der Schwarze ein Wesen, das seine Erf√ľllung darin fand, sich zu unterwerfen und seinem Herren zu dienen. Der Sklave galt als Eigentum seines
Besitzers: er besa√ü keinerlei Rechte oder Mitspracherecht und auch das Erlernen von Lesen und Schreiben war ihm verboten. Bemerkenswert ist auch, dass in allen Menschenrechtserkl√§rungen vor oder auch unmittelbar nach der Amerikanischen Unabh√§ngigkeit die Negersklaven keine Erw√§hnung fanden. Selbst solche historischen Gr√∂√üen und Verfechter der Demokratie und Freiheit, wie Thomas Jefferson oder George Washington, besa√üen Sklaven f√ľr ihre L√§ndereien und hatten bis zuletzt ein ambivalentes Verh√§ltnis zur Sklaverei.
W√§hrend der S√ľden in der Wirtschaft f√ľhrend war, besa√ü der Norden nicht zuletzt auch wegen seiner stark religi√∂sen Mentalit√§t die moderneren Sozialstrukturen. Der Sklaven -
handel war verboten, das politische Mitspracherecht der unteren Bevölkerungsschichten war ausgeprägter und man besaß schon eine Schulpflicht. In Massachusetts veranlasste ein Gesetz das Dörfer mit 50 oder mehr Familien eine Schule zu unterhalten hatten. In Pennsylvania gar wurde Eltern eine Gefängnisstrafe angedroht, wenn sie ihren Kindern nicht den Schulbesuch ermöglichten. Die ersten Universitäten auf amerikanischem Boden entstanden in Neu - England und die hohe Allgemeinbildung hatte einen nicht unerheblichen Anteil daran, dass der Funke der Revolution in den nördlichen Kolonien entsprang.



4. Das Verhältnis England - Kronkolonien bis zum Siebenjährigen Krieg

Um die Beziehungen Englands zu seinen Kolonien zu beschreiben empfiehlt es sich parallel dazu, die Vorkommnisse im Mutterland zu betrachten, das zu dieser Zeit von schweren Krisen heimgesucht wurde.
Zu Zeiten der beginnenden Kolonisierung des amerikanischen Kontinents, besetzten die in der Heimat unbeliebten Stuarts den englischen Thron. Seit Schaffung der Magna Charta im 13. Jahrhundert musste sich der K√∂nig von England die Macht mit einem Parlament, das aus einem Unterhaus und einem Oberhaus bestand, teilen. Jakob l. jedoch legte eine absolutistische Regierungsweise an den Tag und war deshalb und wegen der Verfolgung von religi√∂sen Minderheiten im eigenen Volk sehr unpopul√§r. Dieser Effekt verst√§rkte sich bei seinem Nachfolger, seinem Sohn Karl l. um so mehr, da dieser das Amt des K√∂nigs von Gott gegeben sah und die Arbeit mit dem Parlament zum Teil verweigerte. Nachdem er in den folgenden Jahren mehrmals das Parlament aufl√∂ste und Kriege gegen Frankreich und Schottland verlor, kam es zum B√ľrgerkrieg, an dessen Ende die Enthauptung des K√∂nigs und die Ausrufung der Republik stand (1649). Oliver Cromwell, der ma√ügeblichen Anteil am Sturz des K√∂nigs hatte, √ľbernahm vier Jahre sp√§ter die Macht, ernannte sich zum Lord - protector und baute durch zahlreiche milit√§rische Siege die Macht Englands aus. Nach seinem Tod 1658 fiel das Land in seine n√§chste Krise, die der Sohn des letzten K√∂nigs nutzte, und 1660 nach England zur√ľckkehrte. Das Parlament bestimmte die Wiederher - stellung der Monarchie und ernannte Karl ll. zum uneingeschr√§nkten K√∂nig. Dessen Amtszeit endete 1685 mit seinem Tod und war gezeichnet durch st√§ndige Kriegser - kl√§rungen, Konfessionsstreitereien und finanziellen Bankrotten. Sein Bruder Jakob ll. bestieg den Thron und zog den Unmut seiner Untertanen auf sich, da er sich zu dem in England schon immer verhassten Katholizismus bekannte und seine Politik nach Frankreich hin orientierte. Nachdem sich herausstellte, dass der n√§chste Thronfolger ebenfalls katholischer Herkunft sein w√ľrde, bereiteten protestantische Kr√§fte im Parlament den Einzug von Wilhelm von Oranien vor. Dieser landete 1688 mit seinen Truppen in England und zog unter Beifall der B√ľrger in London ein. Jakob ll. floh nach Frankreich und versuchte zwei Jahre sp√§ter die erfolglose Zur√ľckeroberung seines ehemaligen Reiches. Die Glorreiche Revolution war gelungen und Wilhelm von Oranien bestieg als Wilhelm lll. den englischen Thron. Unter seiner F√ľhrung kam endlich Stabilit√§t in das englische Macht - gef√ľge, denn das Parlament hatte es nicht vers√§umt, ihm vor seiner Amtseinf√ľhrung die Declarations of rights abzuverlangen. Diese Erkl√§rung der Rechte sicherte die Freiheit des Glaubens und stellte vor allem die Souver√§nit√§t der beiden Parlamentsh√§user, st√§rker als je zuvor, wieder her.
Diese Ereignisse blieben selbstverst√§ndlich nicht ohne Folgen f√ľr die Kolonien an der amerikanischen Ostk√ľste. Nach Jahren der relativen Autonomie (in einigen Stadtchroniken der Gr√ľnderzeit wird erst Jahrzehnte nach Stadtgr√ľndung erstmals englische Rechts -
sprechung erwähnt) begann man nun sich wieder mit seinen, mittlerweile wohlhabenden, Kolonien intensiver zu beschäftigen.
Das bevorzugte Ziel der neuen englischen Autorit√§t war der koloniale Handel. Das Parlament setzte nun auf einen konsequenteren Umgang der Navigationsakte von 1651, die besagte, dass die in den Kolonien produzierten G√ľter oder Rohstoffe nur nach England oder seine Kolonien und nur durch die englische Handelsflotte exportiert werden durften. Das gleiche galt kurze Zeit sp√§ter auch f√ľr einige Importg√ľter, die dann nur noch √ľber England zu beziehen waren. Diese Ma√ünahmen hatte zwei positive Aspekte f√ľr die englische Wirtschaft. Die Produktion im Mutterland wurde erh√∂ht und man erzielte nun h√∂here Einfuhrz√∂lle in den Kolonien. Die Monopolisierung des Handels hatte einen Seekrieg mit Holland zur Folge, den die englische Flotte f√ľr sich gewonnen konnte und an dessen Ende auch die Einnahme des sp√§teren New York stand. Doch war seit Einf√ľhrung der Navigationsakte deren Befolgung nur halbherzig kontrolliert worden. Zum einen lag das an dem nur unvollkommenen Zollapparat und an der geographischen Distanz zwischen England und Amerika, welche eine konsequente und schnelle Reaktion auf Probleme recht schwierig gestaltete. Um dieser Probleme Herr zu werden, schuf man im ausgehenden 17. Jahrhundert einen neuen Zollapparat und berief ein neues Gericht, das Vergehen gegen die Navigationsakte zu bestrafen hatte und nur aus k√∂niglichen Beamten bestand.
Die Navigationsakte brachte jedoch nicht nur weitere Einschr√§nkungen f√ľr den freien Handel, denn sie war auch der Garant f√ľr einen sicheren Export, da die englischen Handelsschiffe unter dem Schutz der britischen Marine stand, die seinerseits die Vormachtstellung auf See einnahm. Die neue Haltung Englands gegen√ľber seinen amerikanischen B√ľrgern rief auch Unmut hervor, war jedoch nicht das dringendste Problem das die Kolonien betraf.
Die gr√∂√üte Bedrohung der Kolonien ging von den benachbarten Territorien aus, was im besonderen Frankreich betraf. Immer wieder kam es zu kleineren Streitigkeiten oder Scharm√ľtzeln zwischen Engl√§ndern und Franzosen, die doch nur von kurzer Dauer waren und keine gr√∂√üeren Konflikte nach sich zogen. Die Beziehungen zwischen englischen und franz√∂sischen Siedlern war jedoch stets von Mi√ütrauen √ľberschattet, da die Franzosen den verachteten Katholizismus verk√∂rperten und einen regen Handel mit den wilden Eingeborenen betrieben. Den Franzosen ihrerseits, war die rigorose Besiedelungspolitik der Engl√§nder, die eine stetige Ausdehnung nach Westen zur Folge hatte, ein Dorn im Auge. Nachdem man in England endg√ľltig die Stuarts vertrieben hatte, zogen die dunklen Wolken die zwischen Frankreich und England aufkamen, auch auf den amerikanischen Kontinent √ľber. Der neue englische K√∂nig Wilhelm von Oranien war mit weiteren europ√§ischen Staaten aufgebrochen, um die zur Jahrhundertwende bestehende Vormachtstellung der Franzosen einzuschr√§nken. In den folgenden Jahrzehnten kam es unter Beteiligung der nachfolgenden englischen K√∂nige zu einer Reihe von europ√§ischen Kriegen, die sich teilweise auch auf die Kolonien √ľbertrugen. Die st√§ndig wechselnden Konstellationien der Machtb√ľndnisse verhinderte jedoch, dass es in den Kolonien zu einem gro√üen Schlagabtausch kam. 1748 schloss man schlie√ülich den Aachener Friedensvertrag, der einen Schlu√üpunkt unter die Streitigkeiten setzten sollte, und f√ľr die englischen Kolonien Landgewinn bedeutete, da sich die Franzosen aus einigen Gebieten der Ostk√ľste zur√ľckzogen.
Angetrieben durch diesen Erfolg bereitete sich England darauf vor, die Franzosen endg√ľltig vom nordamerikanischen Kontinent zu vertreiben und somit sein Empire weiter auszubauen. 1756 kam es in den Kolonien zum French and Indian War, der den Siebenj√§hrigen Krieg einl√§utete, der daraufhin auch in Europa tobte. Einige Historiker sprechen von diesem Krieg auch als den ersten Weltkrieg der Geschichte, da er mit der Beteiligung von anderen L√§ndern, etwa Spanien, auch in deren Kolonien getragen wurde. Die ersten Auseinandersetzungen mit den franz√∂sischen Truppen in Nordamerika f√ľhrten zu blutigen Verlusten auf Seiten der Engl√§nder. Erst mit dem Amtsantritt des charismatischen William Pitts im englischen Parlament kam der erhoffte Durchbruch. Die Franzosen mussten eine Reihe milit√§rischer Niederlagen einstecken und besiegelten schlie√ülich 1763 mit dem Frieden von Paris das Ende ihrer amerikanischen Kolonialpolitik. In Europa kehrte Frieden ein, von dem England f√§lschlicherweise dachte, dass dieser auch auf die Kolonien zu √ľbertragen w√§re.



5. Die veränderte Kolonialpolitik nach dem Krieg

Nach dem Ende des Siebenj√§hrigen Krieges stand f√ľr das englische Parlament fest, dass sich die amerikanischen Kolonisten dankbar zu zeigen und den Gro√üteil der verbliebenen Kriegsschulden auszugleichen hatten. Viele amerikanische Politiker sahen das anders, da man nun von der st√§ndigen Bedrohung der Franzosen befreit war und den Schutz der englischen Truppen nicht mehr ben√∂tigte. Mit der Begr√ľndung, die inneren Grenzen sch√ľtzen zu m√ľssen, belie√üen die englischen Machthaber einen nicht unerheblichen Teil ihrer Armeen in den Kolonien und gingen damit bewusst eine Provokation ein, die sie mit einer Reihe von Wirtschaftseingriffen verst√§rkte.
Der Erlass von Handelsgesetzen war keine Neuheit in den Kolonien. Zwischen 1660 und 1765 erlie√ü England 29 dieser Vorschriften, deren Kontrolle aber das siebenfache veranschlagte, wie die dadurch erzielten Gewinne. Um diesen Zustand zu √§ndern entschloss sich das englische Parlament das Zollsystem zu reformieren. Die erste dieser Ma√ünahmen war die Sugar act, die einen Zoll auf den Import von Zucker erhob, und ein Gesetz das den Kolonien verbot weiterhin ihr eigenes Papiergeld zu drucken. Ihr folgte 1765 das Steuermarkengesetz (Stamp act), das eine Krise in den Kolonien verursachte. Auf jedes rechtliche Dokument und auch auf andere √∂ffentliche Druckerzeugnisse wurde eine Abgabe verlangt. Ein Aufschrei ging durch die Bev√∂lkerung: nicht nur dass es sich dabei um die erste direkte Steuer aus England handelte, es wurden auch zur √úberpr√ľfung der Durchsetzung englische Z√∂llner und Beamte eingeschifft, f√ľr deren Unterbringung und Sicherheit die Gemeindeversammlungen die Verantwortung tragen sollten. Die Reaktion der betroffenen Kolonisten bestanden aus Interventionen ihrer Versammlungen, Boykotten der Kaufleute gegen√ľber englischen G√ľtern und Ausschreitungen des Mobs gegen die k√∂niglichen Beamten. Der Sachverhalt, dass es solche Abgaben wie den Sugar Act auch in England gab (sogar mit h√∂heren Z√∂llen), √§nderte nichts an der Meinung der Kolonisten.
Die Einf√ľhrung dieses Gesetzes endete mit einer Niederlage f√ľr England. Neben der Tatsache, dass sie die Verordnung nach nur einem Jahr zur√ľcknahmen, blieb die Feststellung √ľbrig, dass man erstmals einen geschlossenen Protest √ľber fast alle Kolonien und Gesellschaftsschichten verursacht hatte. Dennoch war man im Mutterland nicht gewillt das Verhalten seiner Siedler zu tolerieren. Der Aufruf William Pitts, der im englischen Parlament davor warnte, dass sich die Nachfahren derer, die sich vor Generationen aufmachten um der Verfolgung und Willk√ľr des Staates zu entgehen, sich gegen England erheben w√ľrden, verhallte ungeh√∂rt.
In den Kolonien hingegen sah man sich weiter im Recht sich gegen jede Art von Steuern aus London zu wehren. Man war der Ansicht, dass London nicht das Recht hatte Steuern f√ľr die Kolonien zu erheben und berief sich dabei auf ein englisches Gesetz das lautete: no taxation without representation. Deshalb waren viele koloniale Politiker der Meinung dass die Steuererlasse nicht rechtens waren, da man nicht im englischen Parlament mit eigenen Abgeordneten vertreten war. Die Parlamentsh√§user hingegen vertraten die Ansicht dass es f√ľr eine Vertretung der Interessen keines direkten Mandates ben√∂tige und dass die B√ľrger des gesamten K√∂nigreichs von allen Parlamentsmitgliedern vertreten wurden.
Nach Zur√ľcknahme des Steuermarkengesetz kehrte wieder der Alltag in die Beziehungen zwischen Gro√übritannien und seinen Kolonien ein. Die Vorkommnisse der vergangenen Jahre hatten keine gro√üen Auswirkungen auf die Loyalit√§t der Kolonisten hinterlassen. Noch immer war man gr√∂√ütenteils englischer Herkunft, man sprach englisch und stand hinter seinem K√∂nig.
Jedoch wurden einzelne Stimmen laut, die mehr Autonomie oder gar von einer Losl√∂sung von England sprachen, da der wirtschaftliche W√ľrgegriff einem grenzenlosen Aufbl√ľhen der Kolonien im Weg stand. Ebenso hatte man nach einigen Generationen das Recht auf Selbstverwaltung als selbstverst√§ndlich erachtet und einige Kolonien beriefen sich gar darauf, dass sie einer k√∂niglichen Charta unterstanden und somit nicht dem englischen Parlament unterstellt waren, das f√ľr die neuen Gesetze verantwortlich war.


6. Reaktionen der Kolonien (bis zur Unabhängigkeitserklärung)

Die st√§ndig neu erlassenen Handelsgesetze waren l√§ngst nicht mehr nur rein wirtschaft - lischer Natur, sondern es ging dem englischen Parlament auch darum, seine St√§rke gegen√ľber den Kolonisten zu beweisen. Diese jedoch sahen sich in ihren pers√∂nlischen Freiheiten beschnitten und suchten ihrerseits den offenen Konflikt, zu dem sie in der Zeit zwischen 1764 und 1776 reichlich Gelegenheiten bekamen.
Ein Jahr nach Zur√ľcknahme der Sugar Act (1766) wurden die Townshend Acts verab - schiedet. Diese, nach dem damaligen englischen Schatzkanzler benannten Gesetze f√ľhrten zu hohen Abgaben auf Importg√ľter wie Glas, Papier und Tee. Nach der miss - gl√ľckten Einf√ľhrung von internen Steuern, versuchte man nun, die entgangenen Gelder durch Erh√∂hung der Z√∂lle zu erwirtschaften. Wieder kam es zu Tumulten zwischen Siedlern und englischen Beamten, in deren Verlauf es 1770 in Boston erstmals zu Toten unter den Kolonisten kam. Dieses Ereignis, etwas √ľberzogen auch Massaker von Boston genannt, kann man als einen Wendepunkt in der Beziehung zwischen den Machthabern und den Kolonisten sehen, da er die verh√§rteten Fronten offen darlegte. Es folgte eine Wieder - holung der Ereignisse wie zwei Jahre zuvor: das Gesetz wurde noch im selben Jahr (1770) zur√ľckgenommen, da sich fast alle Kolonien (eine Ausnahme) zu einem Handelsboykott zusammenschlossen. Bis auf Tee wurden alle G√ľter von der Liste gestrichen, was dann drei Jahre sp√§ter zu einem weiteren Disput f√ľhrte.
1773 wurde es der East India Company erlaubt ihren Tee, ohne Abgabe von Z√∂llen, direkt in den Kolonien zu verkaufen. Das englische Parlament hatte diesen Entschluss vor dem Hintergrund verfasst, dass die Handelsgesellschaft vom Konkurs bedroht war. Durch den Direktverkauf ihres Tees sollte ein Monopol entstehen, welches die Company von ihren finanziellen Schwierigkeiten befreien sollte. Dieses Vorhaben wiederum, rief die kolonialen Zwischenh√§ndler auf den Plan, weil sie einen derart niedrigen Teepreis bef√ľrchteten, der keinen Gewinn mehr f√ľr sie versprach. Die Kolonisten schickten daraufhin die Teeschiffe beladen zur√ľck, oder hielten die Waren in ihren H√§fen fest. Die Ausnahme blieb der Hafen von Boston, der weiterhin den Tee der East India Company vertrieb. Aufgehetzt durch einige Personen der entstehenden revolution√§ren Oberschicht, ging der P√∂bel im Dezember 1773 auf die Stra√üe. Die Unruhe endeten in der Bostoner Tea Party, die sp√§ter oft als Ausl√∂ser f√ľr die Amerikanische Revolution bezeichnet wurde. Bei dieser Aktion des Mobs, enterten einige dutzend M√§nner, die als Indianer verkleidet waren, drei englische Schiffe und warfen den an Bord befindlichen Tee √ľber Bord. Die Zerst√∂rung der wertvollen Fracht brachte in England das Fass zum √ľberlaufen. Man entschloss sich, die aufm√ľpfigen Kolonisten mit neuen Gesetzen zu bestrafen, unter denen vor allem die von Boston verwaltete Kolonie Massachuesetts zu leiden hatte. Der Bostoner Hafen wurde ge - schlossen, die lokale Verwaltung unter englische Verantwortung gestellt und die B√ľrger Bostons hatten die neu eintreffenden und ungeliebten englischen Soldaten in ihren Privath√§usern zu beherbergen. Zu dieser Dem√ľtigung kam 1774 der Quebec Act hinzu,
der besagte, dass die Gebiete westlich der Apalachen (trotz vorangegangener Zusagen an die eigenen Siedler) den franz√∂sichsprechenden Provinzen zugesprochen und unter Siedlungsverbot f√ľr die eigenen Kolonisten gestellt wurde. England versprach sich von dieser Ma√ünahme den Expansiondrang der Siedler zu unterbinden, da sich mit der Flucht nach Westen eine Kontrolle der Kolonisten immer schwieriger gestalteten w√ľrde. Die Landvergabe an die ungeliebten Katholiken war in den Augen der meisten Kolonisten mit einem Verrat gleichzusetzen, zumal viele der betuchteren Unternehmer sich von den westlichen Gebieten in der Zukunft enorme Gewinne versprachen. Zwischen England und seinen Kolonien kam es nun zum offenen Bruch, da sich einige Kolonien dazu entschlossen hatten, gemeinsam gegen die englische Politik zu k√§mpfen.
Im Herbst 1774 traten dann erstmals revolution√§re Kongresse in Massachuesetts und Philadelphia zusammen, die vom englischen Parlament f√ľr illegal erkl√§rt wurden und deren Beteiligung unter Strafe gestellt war. Die Teilnehmer verfassten ein Schreiben an den englischen K√∂nig, dass unter anderem auch die Zur√ľcknahme der zuletzt erlassenen Gesetze und mehr Autonomie f√ľr die Kolonien forderte. Trotz der Formierung eigener Milizen, die auf den Kongressen beschlossen wurde, war die Mehrheit der Kolonisten noch immer an einer Auss√∂hnung mit den Engl√§ndern interressiert.
Die endg√ľltige Spaltung in Patrioten oder k√∂niglische Loyalisten geschah dann im Fr√ľhjahr des folgende Jahres. Nachdem die revolution√§re Bewegung die Tagung einer weiteren Versammlung angek√ľndigt hatte, rief das englische Parlament den Ausnahmezustand f√ľr Massachuesetts aus. Im April 1775 machten sich englische Truppen auf, um Vorratslager der amerikanischen Milizen auszuheben. In der N√§he von Boston, kam es dann zum Aufeinandertreffen mit amerikanischen Patrioten. Durch einen versehentlich abgegebenen Schuss kam es zur Schlacht von Lexington und Concorde, dessen Folgen fast 300 Tote und eine schwere Dem√ľtigung der Engl√§nder waren. In dem kurz darauf tagenden Kongress der amerikanischen Kolonien, betonte man jedoch noch einmal seine loyale Haltung gegen√ľber der britischen Krone und forderte den K√∂nig auf, gegen die unerbittliche Politik seines Parlaments zu votieren. Dieser aber unterst√ľtzte sein Parlament indem er nun f√ľr s√§mtliche Kolonien den Zustand der Rebellion erkl√§rte und ab M√§rz 1776 den Handel mit Fremdl√§ndern unter Strafe stellte.
F√ľr die meisten der Kolonien war nun ersichtlich, dass die Zukunft der Amerikaner nicht mehr unter der englischen Flagge zu gestalten war. Einige Kolonien gaben sich autonome Verfassungen, und andere √§u√üerten laut den Wunsch nach Unabh√§ngigkeit. Im Fr√ľhjahr 1776 schlie√ülich wurde eine f√ľnfk√∂pfige Delegation unter Benjamin Franklin formiert, die den Auftrag hatte, sich mit der Schaffung einer Unabh√§ngigkeitserkl√§rung zu besch√§ftigen. Mit der Ausarbeitung einer m√∂glichen Erkl√§rung wurde der Rechtsgelehrte Thomas Jefferson beauftragt, dessen Entwurf dann am 4. Juli 1776 vom Kongress, mit 12 Ja - Stimmen und einer Enthaltung, verabschiedet wurde.
Die Amerikanische Unabh√§ngigkeitserkl√§rung war f√ľr die damalige Zeit ein revolution√§res Dokument und diente sp√§ter noch vielen anderen Staaten als Vorlage f√ľr eine moderne Verfassung. Zum ersten mal wurde konkret die Idee der Menschenrechte zum Kernpunkt der Politik erkl√§rt. Alle Menschen sollten die gleichen Rechte und Freiheiten bekommen, egal welcher Herkunft oder welchen Standes sie waren. Des weiteren wurde die Presse - und Religionsfreiheit proklamiert und ein Rechtsystem verk√ľndet, das mehr Gerechtigkeit f√ľr alle Bev√∂lkerungsschichten versprach. Die Macht sollte allein vom Volk ausgehen, das in freien Wahlen eine Volksvertretung w√§hlte, dessen Aufgabe es sein solle "den h√∂chsten Grad an Gl√ľck und Sicherheit" zu gew√§hrleisten. Sollte sich eine Regierung dieser Aufgabe als nicht m√§chtig erweisen, besitzt das amerikanische Volk das Recht, diese "zu reformieren, umzugestalten oder abzuschaffen." Ebenso wurde die Vererbbarkeit von Titeln oder √∂ffentlichen √Ąmtern abgeschafft. Ein weiterer wichtiger Punkt war die Einf√ľhrung der Gewaltenteilung: die strikte Trennung der staatlichen Gewalt in Exekutive, Legislative und Judikative.




7. Unabhängigkeit und Anerkennung durch Europa

Die Ausrufung der Vereinigten Staaten von Amerika war ein recht forsches Unterfangen der ehemaligen Kolonien. Die Idee eines Staatenbundes war nicht neu, denn schon vor der Unabh√§ngigkeit bestanden, jedoch nur f√ľr kurze Zeitr√§ume, Zusammenschl√ľsse zwischen einigen Kolonien. Diese hatten aber nur den Zweck, den Handel untereinander zu optimieren oder kleinere Grenzstreitigkeiten zu schlichten. Der Zusammenschluss zu einer festen Union jedoch war ein ungewisser Schritt in die Zukunft. Wie w√ľrden die, zum Teil v√∂llig unterschiedlichen, Staaten miteinander auskommen, und wie konnten die neu errungenen Freiheiten gegen die milit√§risch √ľberlegenen Briten verteidigt werden? Auch war die Spaltung der Bev√∂lkerung in K√∂nigstreue und Republikaner zu bedenken, die zu einer Art B√ľrgerkrieg in den folgenden Auseinandersetzungen f√ľhren konnte.
Das dringendste Problem aber war die militärische Unterlegenheit, die sich in der weit geringeren Anzahl an Soldaten und Waffen äußerte. Als ein weiterer Mangel erwies sich der Zustand und die Ausbildung der Milizen, die sich auf einem sehr niedrigen Niveau
befanden. Die schlechte Moral der Truppe und ihre geringe Kampferfahrung waren nicht unerhebliche Gr√ľnde f√ľr die anf√§nglichen Niederlagen, an denen auch ein George Washington als Oberbefehlshaber nichts √§ndern konnte. Durch die hohe Zahl der Deserteure sah sich das Milit√§r gezwungen Erwerbslose, Sklaven oder dienendes Personal zum Dienst an der Waffe zu zwingen. Frauen unteren Standes hatten ihren Beitrag in den Lazaretten oder Feldk√ľchen zu leisten. Mit dem Jahr 1777 stellten sich dann die ersten Erfolge √ľber die englische Armee ein, welche zur St√§rkung ihrer Truppen S√∂ldner aus ganz Europa, und speziell aus Deutschland angeheuert hatten. Ein weiterer Durchbruch war dann die Franz√∂sisch - Amerikanische Allianz (1778), die milit√§rische sowie finanzielle Unterst√ľtzung f√ľr die Amerikaner bedeutete. Durch den Beistand Frankreichs engagierten sich nun auch Spanien und Holland f√ľr die amerikanische Sache und erkl√§rten England ebenfalls den Krieg. Dies war jedoch kein Garant f√ľr ein baldiges Ende der Konfrontationen, die sich noch weitere drei Jahre hinzogen. Im Oktober 1781 war es dann soweit: die englischen Truppen mussten nach dreiw√∂chiger Belagerung durch amerikanische und franz√∂sische Verb√§nde die Waffen niederlegen und die Kapitulation eingestehen.
Die Revolution war mit Erfolg beendet worden, und die Briten mussten sich die Frage stellen ob sie nicht vielleicht auf das falsche Pferd gesetzt hatten. Anstatt seine Kolonisten mit politischer Mitbestimmung zu verw√∂hnen, und somit den Freiheitsdrang unabsichtlich zu f√∂rdern, w√§re es eventuell kl√ľger gewesen, seine Kolonien totalit√§rer zu regieren, wie es etwa in den spanischen Kolonien √ľblich war.
Amerika hatte sich seine Unabh√§ngigkeit erk√§mpft und musste dennoch auf die offizielle Anerkennung durch die europ√§ischen Gro√üm√§chte weitere zwei Jahre warten. Im Friedensvertrag von Paris (1783) wurden die Modalit√§ten der amerikanischen Integrierung in das Weltm√§chtesystems geregelt. Kanada blieb bei Gro√übritannien und der S√ľden der USA, vom Mississippi bis nach Florida, wurde Spanien zugesprochen. Au√üerdem erkl√§rten sich die Vereinigten Staaten zur Tilgung aller Schulden bereit, die sie vor und w√§hrend der Revolution gemacht hatten. Mit dem Friedensvertrag wurde auch der Konflikt zwischen Frankreich und England beigelegt, bei dem man das englische Empire als moralischen Sieger sehen kann, da es kurz nach Beendigung des Krieges wieder diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen mit den Vereinigten Staaten aufnahm. Der Franz√∂sische K√∂nig hingegen hatte sich mit der Unterst√ľtzung der amerikanischen Interessen gleich doppelt bestraft: mit der Unterst√ľtzung einer revolution√§ren Idee hatte er sich nicht nur in finanzielle Schwierigkeiten man√∂vriert, er hatte auch mit dem Erfolg dieser Idee ungewollt den Grundstock zur Rebellion im eigenen Land gelegt, die dann wenige Jahre sp√§ter seinen eigenen Kopf kosten sollte. Zum einen wurden die, durch die Finanzmisere notwendigen Steuererhebungen, der Ansto√ü zur Franz√∂sische Revolution, und zum anderen hatte der K√∂nig selbst, mit seiner √únterst√ľtzung der amerikanischen Rebellen, das erfolgreiche Beispiel einer Revolution gleich mitgeliefert.
Die Gr√ľnde f√ľr ein Scheitern der englischen Kolonialpolitik sind zuerst in bei den Engl√§ndern selbst zu suchen. Die britische Krone hatte es nie richtig verstanden, den neu - en Kolonien ihren Stempel aufzudr√ľcken. Zum einen mag dies an der gro√üen Entfernung zwischen den beiden Gebieten gelegen haben, zum anderen ist aber die mangelnde Konsequenz der englischen Politik die wohl schwerwiegendere Ursache f√ľr die Niederlage der Briten in ihren Kolonien. Im Gegensatz zu ihren anderen Kolonien, etwa die Westindischen Inseln, die haupts√§chlich von den Eingeborenen bewohnt wurden, und dementsprechend hart regiert wurden, musste man den Siedlern in Nordamerika mehr Freiheiten einr√§umen, da sie laut englischer Verfassung den Engl√§ndern gleich zu setzen waren. Dies war nicht nur ein verbrieftes Recht, sondern auch eine moralische, wie wirtschaftliche Notwendigkeit. Da die meisten Kolonisten aus dem Mutterland stammten, durfte man sie ihrer Rechte nicht beschneiden, nur weil sie sich entschlossen hatten "in einem anderen Teil Englands" zu leben. Eine auf Unterdr√ľckung setzende Behandlung der Siedler, h√§tte au√üerdem zu einem Ausbleiben von Arbeitskr√§ften gef√ľhrt, die gerade zum Beginn der Kolonisierung dringend ben√∂tigt wurden. W√§re man den Siedlern mit den gleichen totalit√§ren Methoden wie in den anderen Kolonien begegnet, h√§tte dies nie zu dem enormen Anstieg der Bev√∂lkerung gef√ľhrt, der sp√§ter den wirtschaftlichen Erfolg der Kolonien garantierte. Der wohl einzig erfolgreiche Weg, die Kolonien weiterhin an sich zu binden, w√§re gewesen dem Drang der Kolonisten nach mehr Autonomie, nachzugeben. Der Aufstand der Amerikaner war sicherlich durchaus mit einkalkuliert worden, als man sich dazu entschloss seine Kolonisten in die Schranken zu weisen. Das Ergebniss, der Verlust der Kolonien, war jedoch nicht von den Briten erwartet worden.
In den ehemaligen Kolonien selbst begann nun die Zeit der politischen Reformen. Die neuen Staaten gaben sich eigene Verfassungen und f√ľhrten bis auf zwei Ausnahmen ein Zwei - Kammersystem ein : der Gouverneur als Vorsitzender der beiden Kammern wurde jedoch in seiner Machtaubung st√§rker von den Kammern kontrolliert, als es zu den Zeiten der Engl√§ndern √ľblich war. Viele der k√∂niglichen Loyalisten flohen ins Mutterland zur√ľck, siedelten in das weiterhin britische Kanada √ľber, oder passten sich der neuen Situation an. Auch wenn allzu gro√üe gesellschaftliche Umw√§lzungen ausblieben, sch√§tzt man dass circa dreiviertel der f√ľhrenden Oberschicht wirtschaftliche wie politische Einbu√üen hinnehmen mussten. Insgesamt dehnte sich das Machtgef√ľge in Richtung der unteren Schichten aus, dan man im Zuge der Reformen auch das Wahlrecht erweitert hatte. Die Frage, die die Politik jedoch am meisten besch√§ftigte war: wer sollte, und vorallem wie sollten k√ľnftig die dreizehn ehemaligen Kolonien regiert werden?



8. Einf√ľhrung eines neuen Regierungssystem

Nach dem Erringen der Unabh√§ngigkeit, fielen die neuen Vereinigten Staaten von Amerika in eine Krise, die sich darin √§u√üerte, dass sich eine gemeinsame Politik sehr problematisch gestaltete, da sich die Einzelsaaten zu sehr auf ihre eigene Souver√§nit√§t st√ľtzten. Das Fehlen einer zentralen Regierung f√ľhrte speziell in der Au√üenpolitik zu Schwierigkeiten, da sich das Ausland an jeden Einzelnen der Union zu wenden hatte. Das seperate Verhandeln oder Abschlie√üen von Vertr√§gen mit auslandischen Staaten, betraf somit zuerst den Au√üen - handel, der lebenswichtig f√ľr die Vereinigten Staaten war, da er neue diplomatische Bezie - hungen schuf, und Einnahmen garantierte, die man wiederum zur Tilgung der Auslands - schulden brauchte. George Washington sagte dazu: "Vor der Unabh√§ngigkeit waren wir (Kolonien) gezwungenerma√üen Schwestern mit einer gemeinsamen Mutter, nach der Revolution nur noch Stiefschwestern."
Auch lie√ü die durch den Pariser Friedensvertrag beschlossene √Ėffnung des Westens f√ľr weitere Besiedlungen, erahnen, dass in absehbarer Zeit weitere Staaten in die Union eintreten w√ľrden. Doch noch immer war man sich √ľber das zuk√ľnftige politische Gebilde der Vereinigten Staaten im unklaren. Bei den Verhandlungen der dreizehn Einzelstaaten bildete sich schnell eine Front zwischen F√∂deralisten, welche f√ľr eine starke Zentral - regierung eintraten, und Antif√∂deralisten, die einen Bund unabh√§ngiger Staaten favorisierten. Die Gegner eines √ľbergeordneten Regierungsapparates kamen meist aus den Reihen der kleineren Staaten, die bef√ľrchteten, dass sie bei einem Zusammenschluss von den wirtschaftlich st√§rkeren Staaten √ľbervorteilt w√ľrden. Doch eine Kl√§rung der zuk√ľnftigen Zusammenarbeit war dringend geboten, denn die f√ľr die Zusammenarbeit zust√§ndige Konf√∂deration war mit zu wenigen Machtbefugnissen ausgestattet und wurde auch nicht immer von allen Staaten respektiert. Unter den einzelnen L√§ndern kam es immer wieder zu Konflikten, etwa Handelskriege oder die Herstellung eigener Zahlungsmittel, was nach gemeinsamen Vertr√§gen zufolge verboten war. Vereinzelt kam es sogar zu Aufst√§nden benachteiligter Gruppen, so dass das noch junge B√ľndnis schon wieder kurz vor seinem Zerfall stand. Unter dem Druck dieser Ereignisse beschloss man schlie√ülich im Mai 1787 die Er√∂ffnung eines Verfassungskonvents, der die Fragen der weiteren Kooperation zu kl√§ren hatte.
Unter der √ľber f√ľnfzig K√∂pfe z√§hlenden Delegation, unter denen sich auch eine Reihe sp√§terer Pr√§sidenten befand, kristallisierte sich schnell heraus, dass die Einzelstaaten in Zukunft auf einen gro√üen Teil ihrer Souver√§nit√§t verzichten sollten. Nach vier Monaten konnte man endlich das Modell einer gemeinsamen Verfassung vorstellen, das einem nationalen Machtgebilde absolute Priorit√§t einr√§umte. Die Ausarbeitung schlug ein, wie in den meisten Staaten schon vorhandenes, Zweikammer - System vor, welches aus einem Repr√§sentantenhaus und einem Senat bestehen sollte. Um eine Machtansammlung oder Korruption zu unterbinden, sollten die Vertreter beider H√§user nach festen Fristen und durch freie Wahlen ausgetauscht werden. Um die Unabh√§ngigkeit der Abgeordneten gegen√ľber ihrer Heimatstaaten zu gew√§hrleisten, wurden die Mitglieder des Senat vom Bund f√ľr ihre Arbeit entlohnt. Die Staaten besa√üen, egal welcher Bev√∂lkerungsst√§rke, jeweils zwei Abgeordnete im Senat. Die sollte verhindern, dass sich die bev√∂lkerungs - reichen Staaten, aufgrund ihrer Stimmenmehrheit im Representantenhaus, stets gegen die kleineren Bundesstaaten durchsetzen konnten. Die Besetzung des Repr√§sentantenhauses wurde durch die Gr√∂√üe der jeweiligen Einzelstaaten bestimmt: pro 30 000 Einwohner ein Abgeordneter, wobei ein Farbiger nur dreif√ľnftel eines Wei√üen z√§hlt. F√ľr die Einhaltung eines staatlich √ľbergeordneten Rechtssystems wurde der Oberste Gerichtshof geschaffen, der f√ľr alle F√§lle zust√§ndig war, die die Staaten untereinander betrafen. Die am heftigsten diskutierte Entscheidung war die Einf√ľhrung eines Staatsoberhauptes, das die Arbeit der genannten Organe koordinieren sollte. F√ľr die Besetzung dieses Amtes hatte man einen Pr√§sidenten vorgesehen; trotz der Tatsache, dass einige der Delegierten die Einsetzung eines K√∂nigs bevorzugt h√§tten. Der Pr√§sident sollte √Ąmter besetzen, Vertr√§ge abschlie√üen k√∂nnen und Oberbefehlshaber der Truppe werden. Um jedoch eine willk√ľrliche Amtsf√ľhrung des Pr√§sidenten zu unterbinden, sollte dieser alle vier Jahre in freien Wahlen neu bestimmt werden und musste sich bei Entscheidungen von gro√üer Bedeutung eine zweidrittel Mehrheit aus dem Kongress einholen.
Am 17. September 1787 wird unter dem Gel√§ut der Friedensglocke in Philadelphia die neue Verfassung der Vereinigten Staaten verk√ľndet. Da jedoch nur 39 Vertreter der Delegation diesem Entwurf ihre Zusage erteilten, trat die Verfassung vorerst nicht in Kraft, da sie auch die Ratifizierung durch neun Einzelstaaten zur Bedingung hatte. Einige Staaten nahmen die Verfassung jedoch sofort an und andere zogen sp√§ter nach, so dass neun Monate nach ihrer Verk√ľndung die Verfassung endg√ľltig als gesetzgebend verabschiedet wurde. Am 23. April 1789 bekamen dann die ehemals englischen Kolonien nach dreizehn Jahren wieder ein gemeinsames Staatsoberhaupt: der einstimmig gew√§hlte George Washington zieht als erster Pr√§sident der Vereinigten Staaten in die Hauptstadt New York ein. Der Mann, der allein durch seinen Namen und durch seine Erscheinung viel zum Kompromiss zwischen den zerstrittenen Parteien beigetragen hatte.
1791, mittlerweile haben alle dreizehn Staaten die Verfassung unterzeichnet, wird diese, auf Initiative der Antif√∂deralisten, mit zehn Zusatzartikel versehen. Diese Erg√§nzungen waren ganz auf die Rechte und Freiheiten des Individuums bedacht, etwa das Recht auf einen Verteidiger vor Gericht, Versammlungs - und Redefreiheit sowie die Aussage - verweigerung bei einer m√∂glichen Selbstbezichtigung. Ein weiterer Artikel garantierte das mittlerweile legend√§re und umstrittene Recht auf Waffenbesitz. Noch nie hatte eine Verfassung in dieser Gr√∂√üenordnung so die Rechte seiner B√ľrger garantiert, und war derart darauf bedacht die Rechte des Individium zu sch√ľtzen.
Noch heute sind die Amerikaner voller Stolz auf ihre Verfassung: sie Besitz einen fast heiligen Status und darf nur in Notf√§llen ge√§ndert werden. Den urspr√ľnglichen Gedanken, die Verfassung ein f√ľr allemal geltent zu machen, somit f√ľr un√§nderbar zu erkl√§ren, wurde schnell verworfen, da man sich nicht anma√üen wollte, die nachfolgenden Generationen an Grunds√§tze zu binden, die vielleicht einmal nicht mehr zu vertreten waren.
Die relative Ausgewogenheit der Verfassung wird auch dadurch sichtbar, dass sich viele andere Staaten auf der ganzen Welt, sich ihrer annahmen und sie als Vorbild f√ľr ihre eigenen Erkl√§rung benutzten. Die Amerikanische Revolution selbst, wird auch oft als Ideal f√ľr andere Unabh√§ngigkeitsbewegungen gesehen. Etwa der Franz√∂sichen Revolution oder speziell den Autonomiebestrebungen in Lateinamerika, welches sich im 18. Jahrhundert aufmachte, sich von seinem spanischen Unterdr√ľcker zu befreien.


Literaturhinweise



Hellmuth G√ľnther Dahms: "Grundz√ľge der Geschichte der Vereinigten Staaten"
3. Auflage, Darmstadt 1991

Horst Dippel: "Die Amerikanische Revolution"
1. Auflage, Frankfurt a. M. 1985

J√ľrgen Heideking: "Geschichte der USA"
1. Auflage, T√ľbingen 1996

Franz Herre: "Die Amerikanische Revolution"
1. Auflage, Köln 1976

Gert Raeithel: "Geschichte der nordamerikanischen Kultur"
2. Auflage, Frankfurt a. M. 1995

Udo Sautter: "Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika"
4.Auflage, Stuttgart 1991







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