Die griechische Philosophie

Vorwort

Eine Belegarbeit zum Thema "Griechische Philosophie" zu schreiben scheint zun√§chst erstmal eine reichlich unkluge Entscheidung zu sein. Wer setzt sich schon freiwillig mit den unverst√§ndlichen und geschachtelten Gedankeng√§ngen von l√§ngst verstorbenen Menschen auseinander, die sich einst einen Kopf um Probleme machten, die mit den abstrakten Erkl√§rungsmodellen der Philosophie dem normalen Menschenverstand noch unl√∂sbarer erscheinen als sie eh schon sind. Ich tue es. Ganz einfach aus dem Grund, weil mich die Sicht der Menschen auf unsere Welt interessiert, und da f√ľhrt halt kein Weg an der altbackenen griechischen Philosophie vorbei. Mein Ziel war es dabei, die Kerngedanken der gro√üen griechischen Philosophen herauszuarbeiten, was aber allein schon ganze B√ľcher f√ľllen k√∂nnte. Deshalb sollte diese Arbeit auch vielmehr als kleiner √úberblick verstanden werden. Es ist kein Ersatz f√ľr die dicken Philosophieschinken mit wirklich h√§√ülichem Vokabular. Daf√ľr war auch die Zeit viel zu knapp. Ansonsten musste ich mich auf den Teilbereich der Vorsokratik im Rahmen der Betrachtung der griechischen Philosophie beschr√§nken. Die eigentlich gr√∂√üten griechischen Philosophen Sokrates, Platon und Aristoteles lasse ich mich mit schlechtem Gewissen au√üen vor, da ihr Schaffen den Umfang und den Rahmen einer einfachen Belegarbeit sprengt.

Die Anfänge der griech. Philosophie

Die Griechen, die sich selbst auch Hellenen nannten, pr√§gten die Geschichte und das Geschehen Europas auf vielf√§ltige Weise. Besonders die gro√üe Kolonisation um 800 - 500 v. Chr. darf neben der Abwehr der Perser (490 - 479 v.Chr.) und der Erschlie√üung Asiens durch den Makedonenk√∂nig Alexander den Gro√üen als wichtiges Ereignis in der griechischen Geschichtsschreibung angesehen werden. In der griechischen Kolonisation nahmen ma√ügeblich alle wichtigen griechischen St√§mme teil: die √Ąoler, Ioner, Arch√§er und die Dorer. In Folge von √úberbev√∂lkerung und Nahrungsverknappung brachen die griechischen St√§mme auf, neues Terrain zu erschlie√üen. Dabei gingen sie jedoch so unsystematisch, spontan und individuell vor, dass man fast schon von einem anderen Lebensgef√ľhl, ja einer anderen Weltanschauung sprechen muss, die sich nach einem System der Ordnung, der Gesetzm√§√üigkeit, der Sch√∂nheit und der Liebe f√ľgt. Genau diese neue Art zu Leben mag wohl der beste N√§hrboden f√ľr die Anf√§nge der abendl√§ndischen Philosophie gewesen sein, die in der Nachzeit den Grundstein f√ľr viele andere Naturwissenschaften bildete.

a. Mythologie und Philosophie

Die Zeit vor dem gro√üen Philosophen Sokrates wird in der Philosophie auch h√§ufig als Vorsokratik bezeichnet. In dieser Zeit steht vor allem das Beobachten und Analysieren von Naturvorg√§ngen und Naturerscheinungen im Vordergrund. Ein wesentlicher Gegenstand der Philosophie war dabei die griechische Mythologie und der Mythosbegriff. Die Mythen, das sind im weitesten Sinne gefa√üt unreflektiert √ľbernommene Auffassungen der Gemeinschaft zu weltlichen und geistlichen Fragen, die der Handhabung der Welt dienen, pr√§gten das Leben der Griechen n√§mlich auf besondere Weise, genauso wie sie es heute noch bedingt tun, denn unser ganzes Wissen baut eigentlich nur auf Mythen auf. Wer kann auch schon beweisen, dass eins und eins zwei sind.
In der Antike aber brachte man den Mythos fast ausschlie√ülich mit der G√∂tterwelt in Verbindung, so wie sie von den Schriftstellern Homer und Hesiod in ihren gro√üen epischen Werken √ľber den Ursprung der G√∂tter, den Theogonien, und der Entstehung der Welt, den Kosmogonien, dargestellt wurde. Homer sah dabei den Ursprung alles Werdens im Wasser und bei den Meeresg√∂ttern Okeanos und Tethys, w√§hrend Hesiod das Chaos in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen stellte. Desweiteren besch√§ftigten sich Homer und Hesiod auch mit Problemen wie der Verg√§nglichkeit des Lebens, dem Ursprung alles B√∂sen und der Frage nach dem Sinn des Lebens. Viele Philosophen der Nachwelt setzten sich sp√§ter mit Homers Gedankengut auseinander. So auch Aristoteles, der den Mythos eigentlich als "Freund des Philosophen" bezeichnet; bietet er dem ge√ľbten Philosophen doch gen√ľgend Ausgangspunkte f√ľr seine Betrachtungen. Dennoch gelangt Aristoteles im weiteren Verlauf seines Lebens zur Erkenntnis, dass Mythos und Philosophie klar voneinander abgegrenzt werden sollten, denn im Gegensatz zur Mythologie, die Gedanken nur aufgreift jedoch nicht ernsthaft hinterfragt, bedeutet Philosophie Wissenschaft, die durch Beweisen und Veranschaulichen von Zusammenh√§ngen Wissen durch gezieltes Fragen √ľberpr√ľft und zu neuen Erkenntnissen gelangt.

b. Naturphilosophie oder Metaphysik?

Die Wiege der Philosophie entstand zun√§chst in Ionien an der kleinasiatischen K√ľste um 700 v. Chr. Hier schlossen sich findige Naturbeobachter zusammen, die versuchten, verschiedene Erscheinungen in ihrer Umwelt zu ergr√ľnden. Aufgrund ihrer T√§tigkeit werden Sie heute teilweise noch f√§lschlicherweise als Naturphilosophen bezeichnet. Doch das trifft den Kern nicht ganz, denn obwohl sich die Philosophen damals mit den unterschiedlichsten Naturvorg√§ngen besch√§ftigten, so stand im Hintergrund der Betrachtungen immer die Suche nach dem Ursprung des Seins. Das Sein bildet strenggenommen den Ausgangspunkt f√ľr alles was ist, dem sogenannten Seienden, das sind alle greifbaren Dinge und Lebewesen, aber auch Eigenschaften, Zusammenh√§nge oder Werte. Beide Begriffe, Sein und Seiendes, werden unabh√§ngig in der griechischen Philosophie gebraucht. Zur Verdeutlichung kann man sich das Sein als Lebensgrundlage vorstellen, genauso wie ein Tisch, der die dritte Dimension ben√∂tigt, um im menschlichen Gehirn als Tisch zu erscheinen. Im Gegensatz dazu ist das Seiende, das Lebende bzw. das "Untote", der Tisch selbst.
Hinter der philosophischen Suche nach dem Ursprung des Seins stand aber eigentlich mehr die Suche nach dem Ziel des Seins. Denn wenn man wei√ü, wie und durch welche Kraft alles einmal entstanden ist, so ist der Schlu√ü zum Ende der Welt nicht mehr weit. Denn Geburt und Tod sind ja im Prinzip trotz ihrer Gegens√§tzlichkeit in gewisser Weise √§hnlich. Und die Kenntnis √ľber das Ende der Welt offenbart dem Menschen vielleicht die M√∂glichkeit, Vorsichtsma√ünahmen einzulenken und sich davor zu sch√ľtzen. Insofern lag die metaphysische Betrachtung der Dinge durch die Naturphilosophen damals nur in der Natur des Menschen.

Die Melesier

Vorsokratisch zu philosophieren bedeutet also, sich auf die Suche nach den Prinzipien des Seins, dem Wesen des Wesens, dem Urstoff aller Dinge, dem sogenannten Arche zu begeben. Dieses Leitmotiv ist charakteristisch f√ľr die philosophische Epoche der Vorsokratik. Viele Philosophen, so auch schon die Melesier, versuchen sich daran, diesen Urstoff zu fassen und l√§uten so die Anf√§nge der Metaphysik ein. Sie sollen im folgenden n√§here Betrachtung finden.

a. Thales von Milet (624 - 546 v. Chr.)

Thales von Milet war einer von den Sieben Weisen, die sich durch ihre Lebensweisheiten und ihre politische F√ľhrungskraft einen Namen machten. Ganz bekannt wurde zum Beispiel sein Ausspruch "Erkenne dich selbst", der in griechischer Schrift auf dem Eingangsportal zum Orakel von Delphi steht. Heute z√§hlt man ihn zu den Begr√ľndern der Philosophie. Aber auch schon Aristoteles erkannte damals, dass ihm eine Art Vaterrolle f√ľr die historische Entwicklung der Philosophie zustehe. In Verbindung mit Thales wird von Platon eine Anekdote √ľberliefert, die gern als Einstieg in den Philosophieunterricht √ľber die Antike verwendet wird: In Gedanken vertieft soll Thales einst von einer Magd beobachtet worden sein, als er in einen Brunnen fiel. "Typisch Philosophen", meint die Magd darauf, "wollen die Weisheit mit H√§nden greifen, aber begreifen nicht einmal, was vor ihren F√ľ√üen abl√§uft". Aber Thales war ein Universalgenie. Er fiel n√§mlich nicht in den Brunnen, sondern er stieg hinein, um einen besseren Ausblick auf den Himmelsk√∂rper zu haben. Er war gewisserma√üen ein leidenschaftlicher Sternenbeobachter, entdeckte sie als Navigationsmittel, und darf zurecht als erster Astronom, Mathematiker und Kosmologe angesehen werden.
Der Philosoph Thales aber machte sich viele Gedanken √ľber das Arche - Problem. Er sah den Urstoff, die Gestalt, aus der alle Dinge hervorgehen und in die sie wieder vergehen, im Wasser, genauso wie die Philosophen seiner Zeit sich bei der Suche nach dem Arche immer wieder auf die Materie beriefen und so die vier Elemente Erde, Feuer, Wasser und Luft, als solche entdeckten. Um Thales jedoch richtig zu verstehen, sollte man sich sein Arche nicht als Element, denn die Materie des Wassers muss schlie√ülich auch entstehen, sondern vielmehr als Prinzip vorstellen, das ihm beim Beobachten der Meereswogen ergriffen haben muss - unterliegen sie doch analog zur Ordnung der Materie gleichzeitig einem st√§ndigen Entstehen und Vergehen.
Im Zusammenhang mit Thales‘ Prinzip des Wassers muss man auch seine zweite Erkenntnis verstehen, dass alles voll von G√∂ttern sei. Auch hier darf man seinen G√∂tterbegriff nicht zwangsl√§ufig mit einem Mythos oder dem Gott, so wie wir ihn heute kennen, gleichsetzen. Thales sieht darin lediglich etwas "Unmenschliches", das das Eigenleben der Materie kontrolliert. Diese Denkweise ist charakteristisch f√ľr die Vorsokratiker. Man betrachtet die Dinge n√§mlich immer aus der Sicht des Menschen und versucht, die Erfahrungen des eigenen Lebens ihnen zu √ľbertragen. Da wird dem Magneten schon mal schnell eine Seele zugesprochen, weil er Eisen anzieht, und Anziehung bisher immer als Eigenschaft des Lebens verstanden wurde. Diese anthropomorphe Denkweise bezeichnet man gemeinhin auch als Hylozoismus.

b. Anaximander (610 - 545 v. Chr.)

Anaximander lebte wie Thales fast zeitgleich in Milet und machte sich ebenfalls Gedanken √ľber das Arche, allerdings mit weniger hylozoistischem Gedankengut und anderen Erkenntnissen. Als Ursprung allen Seins sah er n√§mlich das Apeiron. Das Apeiron ist eigentlich nur eine logische Fortf√ľhrung von Thales Theorien und im Grunde nur eine Verallgemeinerung seines Wasserprinzips bis zur Unkenntlichkeit, die im wahrsten Sinne des Wortes das Unbestimmte darstellt. Anaximander erkannte n√§mlich schon fr√ľhzeitig, dass der Urstoff alles Seienden unm√∂glich ein Prinzip von etwas Seiendem oder gar etwas Seiendes sein kann, da das Sein immer wieder mit Eigenschaften einhergeht und alles, was Eigenschaften hat, muss selbst entstehen m√ľssen. Insofern kann man das Arche auch nicht weiter konkretisieren als etwas, das nicht mehr ist als das "Unbestimmte".
Mit all seinem Abstraktionsverm√∂gen verliert Anaximander schnell den Bezug zur Realit√§t, mag man meinen. Was soll das sein, das Apeiron? Etwas, das nicht mehr ist als das "Unbestimmte", das auf der einen Seite nichts Seiendes sein kann, da Seiendes mit Materie, Materie mit Eigenschaften und Eigenschaften mit Ursprung selbst wieder zusammenh√§ngen, und auf der anderen Seite nichts Nicht - Seiendes sein kann, da "Immaterie" wohl kaum die Materie begr√ľnden kann. Eine Komponente zwischen Sein und Nichtsein also. Aber ist das nicht ein Widerspruch in sich?
Interessant sind allerdings auch Anaximanders Weltentstehungstheorien. Aus dem Apeiron entwickelten sich nämlich seiner Meinung nach einst gegensätzliche Welten, die sich untereinander in ihrer Gegensätzlichkeit aufhoben und so nebenher existieren konnten. In ihrer Gesamtheit prägten sie so das Individuum. Anaximander sah dabei die Entstehung des Lebens im Wasser, aus dem sich die Vorfahren aller heutigen uns bekannten Lebewesen bildeten. Gleichermaßen verweist er auch schon deutlich auf unsere heutige Deszendenztheorie, wenn er die Anpassung der Urlebewesen an ihre Umweltbedingungen und die Übersiedlung an Land beschreibt.

c. Anaximenes (585 - 528 v. Chr.)

Anaximenes war ein Sch√ľler des Anaximanders. Auch er kam aus Milet, und auch er setzte die Suche nach dem Arche fort. Nach Anaximander schraubt er den Grad der Abstraktion aber wieder zur√ľck und gelangt zur Erkenntnis, dass der Urstoff aller Dinge in der Luft zu finden ist. Die Luft ist gewisserma√üen das Urelement, aus dem durch Verd√ľnnung Feuer und durch Verdichtung Wind, Wolken, Wasser, Erde und Stein entstehen, die wiederum die Grundlage allen Lebens bilden. Richtungsweisend war dabei f√ľr Anaximenes die Beobachtung, dass der Mensch nur durch das Atmen, durch die Luft existieren kann. Folgerichtig mi√üt er der Luft durch seinen anmutenden Hylozoismus eine gro√üe Bedeutung sowohl f√ľr den Mikro - als auch f√ľr den Makrokosmos zu und begr√ľndet damit eine pragmatischere Beobachtungsweise, die der Wissenschaft ma√ügeblich den Weg ebnete.

d. Pythagoras (ca. 570 - 496 v. Chr.)

Pythagoras wurde etwa um 570 in Samos, Westgriechenland geboren und z√§hlt genaugenommen nicht zu den Melesiern. Aber auch er machte sich viele Gedanken √ľber das Arche und wird deshalb noch gerne in die Spalte der ionischen Naturphilosophie geschrieben.
Pythagoras selbst hat keine Schriften hinterlassen, sondern nur eine Anh√§ngerschaft, eine Art Geheimorden, der Pythagoras‘ Wissen verehrte, in den Folgejahren aber schwerlich verbreitete oder schriftlich fixierte. Die Erkenntnisse Pythagoras sind deshalb nur schlecht √ľberliefert. Aber schon damals stand er im Zentrum der Kritik. Von Heraklit wurde er gleichzeitig als Mensch "der von allen am meisten gewu√üt habe" und als "der Schwindeleien Ahnherr" beschrieben. Die historische Person des Pythagoras bleibt also noch im Dunkeln.
In der Metaphysik zeichneten sich die Pythagoreer dadurch aus, dass sie das Arche in der Zahl sahen. Damit wichen Sie eigentlich von dem Arche - Verst√§ndnis der Melesier ab, die sich ja auf die Suche nach dem Arche auf den Urstoff, auf die Qualit√§t beschr√§nkten. Bei den Pythagoreern tritt nun wieder die Form in den Vordergrund, die den unbestimmten Stoff zu etwas Bestimmten macht. Denn: Ohne Quantit√§t - keine Qualit√§t. Kein Stoff ist ohne Zahl. Ma√ügebend f√ľr Pythagoras‘ Prinzip der Zahl waren dabei wohl Beobachtungen in verschiedenen Lebensbereichen. Pythagoras und die Pythagoreer verstanden es n√§mlich, sich in der Musik, in der Astronomie und in der Mathematik zu bet√§tigen. Dabei fiel Ihnen immer wieder die Bedeutung der Zahl auf: Sei es in der Beziehung von harmonischen T√∂nen (Intervallen) zueinander oder in der klar bestimmten Fl√§chengeometrie, immer war die Zahl Mittelpunkt der Betrachtungen. Der Schritt zur Verallgemeinerung war da nur logisch.
Eine andere bedeutende Erkenntnis der Pythagoreer beschr√§nkt sich auf den Kreislauf der Dinge im Zusammenhang mit der pythagoreischen Lehre vom gro√üen Weltenjahr. Die Pythagoreer erkannten n√§mlich schon fr√ľhzeitig beim Beobachten des Firmaments, dass die Gestirne sich einem ewigen Kreislauf unterziehen und periodisch immer wieder an einen Ort zur√ľckfinden. Auf dieser Grundlage konstruierten die Pythagoreer schlie√ülich ein Weltbild, in dessen Zentrum erstemal nichts die Erde sondern etwas "Gottgleiches" stand. Ausgehend vom Makrokosmos √ľbertrugen sie auch bald ihre Erkenntnisse auf andere Bereiche des Lebens. Die Welt ist, so wie wir sie sehen, ein Kosmos im "Kleinen" mit √§hnlicher Ordnung und gleichem Kreislauf. Alles ist in Bewegung und befindet sich dadurch in endloser Harmonie. Und damit kn√ľpfen die Pythagoreer an die Philosophie des Heraklits an.

Das Werden und das Sein

Thales, Anaximander, Anaximenes und Pythagoras haben bisher bei Ihren philosophischen Betrachtungen sich immer auf den Urstoff des Seienden und das Seiende selbst konzentriert. In Hinblick auf das Resultat der Dinge wurde versucht, auf den Ursprung zu schlie√üen. Aber was war eigentlich zwischen Entstehung und Sein? Dazwischen war das Werden und dieses Werden ist Ansatzpunkt f√ľr die philosophischen Betrachtungen des Heraklits und der Eleaten.

a. Heraklit (544 - 488 v. Chr.)

Heraklit wurde in Ephesos an der K√ľste Kleinasiens geboren und leitete dort eine Bl√ľtezeit der Philosophie ein. Von seinen Zeitgenossen und den Philosophen, auf die er nachhaltig wirkte, wird er jedoch eher als "dunkle" Person beschrieben, die vermutlich aus Arroganz heraus - er selbst war Aristokrat - Abstand von vielen seiner Mitmenschen hielt. Jedoch brachte er mit seinen Betrachtungen √ľber die Welt, das Leben und das Schicksal die vorsokratische Philosophie entscheidend voran. Sein Leitmotiv war dabei die Erkenntnis, dass alles flie√üe. Die Welt, so wie wir sie sehen, befindet sich in einem ewigen Flu√ü. Alles Seiende ist in st√§ndiger Bewegung, und genau das ist, was es auch ausmacht. Das Sein ist im Werden zu finden. F√ľr Heraklit war das Arche also √ľbertragen auf die Weltanschauung der ionischen Naturphilosophen die Ver√§nderung, das Werden. In diesem Zusammenhang ist auch folgender Ausspruch von ihm zu verstehen: "Man kann nicht zweimal in denselben Flu√ü steigen." Denn als Verk√∂rperung seiner Theorie unterliegt der Flu√ü wie alles andere Seiende auch st√§ndiger Ver√§nderung, und deshalb ist es uns unm√∂glich, ihn zweimal im selben Zustand vorzufinden, zumal wir und unsere Wahrnehmung ja zwangsl√§ufig auch im Werdenproze√ü integriert sind und selbst keinen (offensichtlichen) Unterschied als Wandel aufgrund unseres Wandels interpretieren w√ľrden.
Aber wieso muss sich alles Seiende einem ewigen Wandel unterwerfen? Alles Seiende, was sich uns als Einheit pr√§sentiert, ist nach Heraklit nichts anderes als eine F√ľlle von gegens√§tzlichen Eigenschaften, die sich in ihrer Gesamtheit gesehen in einem Gleichgewicht befinden. Dieses Gleichgewicht ist jedoch nicht statisch, sondern kann durch das st√∂rende Element des Feuers sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht beeinflu√üt werden. Und da das Feuer allgegenw√§rtig ist, findet im Seienden wie im Universum jedoch im Kleinen ein Kampf der Prinzipien statt, die uns jedoch in unserer eingeschr√§nkten Wahrnehmung in ihrer Gr√∂√üe verschlossen bleibt und nur in einer geringf√ľgigen Struktur√§nderung des Seienden im Laufe der Zeit offenbart wird. Dieses von Gegens√§tzen geformte Innenleben des Seienden, das ja zuvor schon von Thales in √§hnlicher Weise angesprochen wurde, regelt also das Werden und die Wiederkunft der Dinge und offenbart uns so eine f√ľr das Seiende charakteristische Einheit, die uns unsere Welt so sehen l√§sst, wie wir sie sehen. Dieses Prinzip tituliert Heraklit mit dem Begriff des Logos. Logos ist also die Einheit in der Verschiedenheit, die voller Leben steckt und so das Werden voran bringt. F√ľr Heraklit ging mit dieser Erkenntnis nur konsequenterweise eine Absage an den Mythos einher. Logos bedeutet Gott, denn das Feuer kontrolliert das Sein durch das Werden. Heraklit selbst soll auch mal gesagt haben: "Es ist immer ein und dasselbe, Lebendiges und Totes, das Wache und das Schlafende, Jung und Alt. Wenn es umschl√§gt, ist es jenes, und jenes wieder, wenn es umschl√§gt, dieses." Jede Eigenschaft und ihr Gegenteil sind nach Heraklit also miteinander identisch und nur der Inbegriff von Harmonie.
Mit seinen Theorien stie√ü Heraklit aber auch auf viel Kritik. So soll Aristoteles einmal behauptet haben, dass es nach Heraklit keine Wahrheit und somit auch kein Wissen, keine Wissenschaft, ja keine Philosophie geben k√∂nne, denn jeder Versuch, bleibende, wissenschaftliche Erkenntnisse zu erlangen, ist im Flu√ü der Realit√§t zum Scheitern verurteilt und schon in der n√§chsten Sekunde ad absurdum gef√ľhrt. Dass Heraklit selbst aber trotzdem kein Nominalist war, erkennt man schon daran, dass er hinter allem immer eine harmonische Ordnung sah. Diese √ľbergeordnete Einheit, den Logos, l√§sst, so wie wir das Seiende wahrnehmen, das Anlegen von Schemen und wissenschaftliche Betrachtungen schon zu.

Aber was lässt uns eigentlich das Seiende in so vollendeter Harmonie erscheinen? Damit beschäftigen sich die Eleaten Xenophanes, Parmenides und Zenon, die mitunter eine derart extreme Gegenposition zu Heraklit einnehmen, wie sie unterschiedlicher schon nicht mehr sein kann.

b. Xenophanes (570 - 475 v. Chr.)

Xenophanes wurde in Kolonien, Ionien, geboren. Er reiste viel durch Griechenland und gelangte einst nach Elea. W√§hrend seinen Reisen machte er sich viele Gedanken √ľber philosophische Probleme und verstand es schon fr√ľhzeitig, sich vom griechischen Mythos zu l√∂sen. Denn die griechische Mythologie umfa√üte seiner Meinung nach eine Unmenge von anthropomorphen G√∂tterbildern. F√ľr Xenophanes gen√ľgte ein Gott, und dieser mu0te auch nicht die Gestalt eines Menschen annehmen. Er beschrieb ihn als Gesamtheit aller Wahrnehmungen, ganz Auge, ganz Geist und ganz Ohr, an einem Ort verharrend und sich nicht bewegend. Xenophanes G√∂tterwelt bestand also nur aus einem einzigen "ruhenden" Gott und insofern mag er den Grundstein f√ľr unsere heutige Vorstellung vom Monotheismus gelegt haben.

c. Parmenides (540 - 470 v. Chr.)

Parmenides war Sch√ľler von Xenophanes und wurde unmittelbar in Elea geboren. Er ist eigentlich der bedeutendste Repr√§sentant der eleatischen Philosophie und nimmt gleicherma√üen eine derart markante Gegenposition zu Heraklits Thesen ein, wie sie gegens√§tzlicher fast schon nicht mehr sein kann. Ob Parmenides und Heraklit sich letztlich aber gekannt haben, ist umstritten.
Parmenides philosophische Theorien werden am besten in seinem noch bruchst√ľckhaft √ľberlieferten Werk "Peri Physeos" (√úber die Natur) deutlich. Dieses Werk besteht aus zwei Teilen und handelt vom Lebensweg des Philosophen, dem sogenannten Weg der Wahrheit, und im Gegensatz dazu vom Lebensweg eines gew√∂hnlichen Sterblichen, dem Weg der Meinung, auf der Suche nach der Wahrheit. Beide Wege unterscheiden sich voneinander. Am Ende des philosophischen Weges steht die Wahrheit, am Ende des gew√∂hnlichen Weges der Schein.
Grundgedanke des Weges der Wahrheit ist die Erkenntnis, dass es nach Parmenides in Wirklichkeit kein Werden sondern nur ein Sein geben kann. Es gibt keine Unterschiede genauso wenig wie ein Werden. Denn Unterschiede oder Ver√§nderungen schlie√üen immer mit ein, dass das Seiende nicht mehr so ist, wie es einmal war. Das Seiende war aber nie. Das Seiende ist jetzt und deshalb befindet es sich in einem Zustand der ewigen Ruhe. Im Gegensatz dazu ist das Werden f√ľr Parmenides genau das Gegenteil vom Sein, das "Nicht - Sein" also, weil das Werden sich ja im Gegensatz zum Sein in ewiger Bewegung wiederfindet. √Ąu√üerst interessant ist auch Parmenides Argumentation zur Undenkbarkeit des Nicht - Seins, des Werdens: "Denken muss in Analogie zur optischen Wahrnehmung aufgefa√üt werden. Wenn ich sehe, dann sehe ich etwas Seiendes (zum Beispiel einen Stuhl, einen Tisch, einen Menschen). Entsprechend muss gelten: Wenn ich denke, dann denke ich an etwas, was da ist. Ich denke an etwas Seiendes. Das bedeutet umgekehrt: Wenn ich an etwas Nicht - Seiendes denke, dann denke ich an etwas, was nicht da ist, ich denke an nichts und denke also gar nicht! Das Nicht - Seiende ist undenkbar, so dass nur das Seiende ist. Werden kann es daher nicht geben, denn es setzt voraus, dass etwas, das noch nicht ist, sein kann." Wenn wir also an etwas Denken, so denken wir an eine Kopie von etwas Seiendem. Denken bedeutet Sein. Aber was ist das Sein f√ľr Parmenides? Das Sein bildet f√ľr ihn eine Einheit und ist in der Allgemeinheit der Sache zu gleichen Anteilen wiederzufinden. Das Sein ist nie entstanden und wird nie vergehen. Denn Parmenides: "Wie k√∂nnte Seiendes zugrunde gehen, wie entstehen? Denn entstand es, so ist es nicht, und ebensowenig, wenn es erst in Zukunft sein sollte. So ist Entstehen verl√∂scht und verschollen Vergehen." Eine klare Abfuhr an Heraklit. Das Sein ist ewig, das Werden undenkbar.
Dennoch offenbart Parmenides mit seinen Theorien einige Ansatzpunkte f√ľr Kritik. Zu sehr verrennt er sich wie einst Anaximander mit seiner Abstraktion mit dem Begriff des Seins in Unstimmigkeiten. Er verwechselt Logos mit Realit√§t und macht sich damit selbst unglaubw√ľrdig.
Der zweite Teil seines Werkes "√úber die Natur" beschreibt den Weg der Meinung, den der gew√∂hnliche Sterbliche betritt. Dieser Teil ist nur teilweise √ľberliefert und gibt der Wissenschaft noch einige R√§tsel auf. Was aber ersichtlich ist, ist, dass sich nach Parmenides der gew√∂hnliche Mensch mehr auf seine Sinneswahrnehmungen verl√§sst, als er eigentlich sollte. Er lebt mehr in einer Welt der T√§uschungen und gen√ľgt sich mit Meinung und Schein, der ihm glaubhaft das ewige Werden und die Vielfalt vort√§uscht.

d. Zenon (ca. 495 - 445 v. Chr.)

Auch Zenon verbrachte ein Gro√üteil seines Lebens in Elea. Er war Sch√ľler von Parmenides und kn√ľpfte gleicherma√üen an die Erkenntnisse des Parmenides an. Sein Ziel war es dabei, konkret die Ideen seines Lehrers zu begr√ľnden und die Bewegung und das Werden an sich innerhalb vier Beweisschritten g√§nzlich zu widerlegen. Er wendete dabei erstmals die Form der indirekten Beweisf√ľhrung an, gelangte dabei aber nicht √ľber Paradoxien hinaus. Das Bekannteste davon mag wohl das Achilles - Schildkr√∂te - Paradoxum sein, nach dem Achilles nie eine Schildkr√∂te einholen wird, weil Achilles, um den R√ľckstand zur Schildkr√∂te einzuholen, eine gewisse Zeitspanne braucht, in der die Schildkr√∂te ihrerseits aber wieder ein Vorsprung aufbauen kann usw. usw.
Nicht zu unrecht wird Zenon von Aristoteles als Begr√ľnder der Dialektik angesehen.

Die Mechanisten

Nach den oppositionellen Philosophien des Heraklits und der Eleaten wird mit den Mechanisten eine Zeit eingeläutet, in der es darum geht, die aufgeworfenen Wogen zu glätten und die vielen Unterschiede in den vielen, vorsokratischen, philosophischen Weltbildern einigermaßen auszugleichen. Wichtigste Vertreter dieser Zeit waren dabei Empedokles, Demokrit und Anaxagoras, die im folgenden kurz vorgestellt werden sollen.

a. Empedokles (ca. 492 - 432 v. Chr.)

Empedokles wurde auf Sizilien in Akragas (heute Agrigento) geboren. Er bet√§tigte sich auf vielf√§ltige Weise am gesellschaftlichen Leben, war bedeutender Politiker, der sich ma√ügeblich f√ľr die griechische Demokratie einsetzte, sowie gleicherma√üen angesehener Mediziner, Priester, Mystiker, Schriftsteller und Philosoph. In seinen Werken "Peri Physeos" (Von der Natur) und "Katharmoi" nimmt er nahezu eine Zwischenstellung zu den metaphysischen Weltansichten des Heraklits, der Eleaten und der ionischen Naturphilosophen ein. So findet er wieder auf der Suche nach dem Arche - Problem die Wurzeln allen Seins erstmals in den Elementen, wenn auch gleich in allen vieren, und mi√üt ihnen die Eigenschaften der makrokosmischen Gegenwerte zu, und andererseits best√§tigt er Heraklits ewiges Werden, wenn er behauptet, dass nichts aus dem Nichts entstehen oder ins Nichts vergehen k√∂nne, und den Eleaten ihre Priorit√§t des Seiendem vor dem Werden, wenn er hinter allem den Flu√ü der Zeit auf der Grundlage des Seins sieht. Auch ein Anaximander l√§sst sich in einem Empedokles wiederfinden; sieht er doch hinter jeder Harmonie eine F√ľgung von Gegens√§tzlichkeiten. Jede Sch√∂pfung, jedes Werden und Vergehen befindet sich durch das Mischen und Trennen von entgegengesetzten Urkr√§ften in Harmonie. In ihrer Brisanz stehen Liebe und Ha√ü, Freundschaft und Streit, Anziehung und Absto√üung ma√ügeblich f√ľr das Sein ein. Nach diesem Prinzip der Urkr√§fte ist nach Empedokles auch die Weltentstehung zu erkl√§ren und in Perioden einzuteilen, in deren erste Phase die Elementarteilchen durch Verwirbelung zu Weltk√∂rpern zusammengef√ľgt wurden. In der zweite Phase findet schlie√ülich eine weitere Verwirbelung dieser K√∂rper statt, weshalb so zun√§chst Himmel, Luft und Firmament, sp√§ter Erde und Wasser und dann Lebewesen und alles Seiende entstehen konnte. Folglich bestand alles Seiende auf mikrokosmischer Ebene also nach dem Prinzip des Chaos aus kleinsten Bestandteilen aller Urk√∂rper; und deshalb gelingt uns Menschen auch die Sinneswahrnehmung, da wir uns selbst in allem Seienden wiederfinden und es so erkennen und systematisieren k√∂nnen. Auf diese Weise setzt sich der Weltbildungsproze√ü fort und genauso wie das Seiende durch Verwirbelung entstanden ist, wird es auch wieder durch Verwirbelung vergehen. Dieses Denken in "Kreisbahnen" brachte den Mechanisten schlie√ülich ihren Namen ein.

b. Demokrit (ca. 460 - 370 v. Chr.)

Demokrit wurde in Abders, Thrakien geboren und war Sch√ľler des Leukippos. Heutzutage werden beide in der vorsokratischen Philosophie unter den Begr√ľndern des Atomismus zusammengefa√üt, auch wenn streng genommen Demokrit seinen Lehrer bei weitem √ľbertraf, und heutzutage von Leukippos bis auf seinen Namen kaum noch etwas √ľberliefert wurde. Demokrit selbst war n√§mlich ein Universalgenie √§hnlichen Formats wie Aristoteles. Er verfa√üte viele Schriften unter anderem √ľber den Menschen und die Natur, unser Planetensystem, Physik, Mathematik, Kunst, Literatur, Musik, Ethik, Leben und Tod und √ľber seine Atome, die zum Leitmotiv der Atomisten avancieren sollten. Die Idee, die dahinter stand, mag wohl erneut die Suche nach der Vielschichtigkeit des Seins gewesen sein, die Demokrit nach seinem Harmonieverst√§ndnis auf eine unver√§nderliche Gestalt zu reduzieren versuchte, und sie unverhofft im Atom fand. Demokrits Atom ist nach seiner Ansicht etwas Unteilbares, Ewiges, Unver√§nderliches und f√ľr das menschliche Auge Unsichtbares, das Bestandteil vom allem Seienden und somit Inbegriff eines Seins ist, das in viele kleine Teile geteilt selbst wiederum das Sein eines Parmenides beschreibt, das nicht im Wandel ist, sondern nur durch die Bewegung, Verbindung und Trennung von verschiedenartigen Atomen ein scheinbares Werden formt. Dementsprechend versteht Demokrit auch die Sinneswahrnehmung, die f√ľr ihn dadurch zustandekommt, dass einzelne Atome, die vom K√∂rper ausgehen, mit Atomen, die vom menschliche Auge ausgehen, zusammensto√üen. Da die vom K√∂rper ausgestrahlten Atome aber nicht den ganzen K√∂rper in all seiner Komplexit√§t darstellen k√∂nnen, bleibt letztlich die Wahrnehmung immer noch zum Teil eine Frage der menschlichen Vorstellungskraft und ist deshalb subjektiv. In diese Erkenntnis des Demokrit k√∂nnte man also zweifelsohne eine Toleranz in die menschliche Vernunft reininterpretieren.
Neben den Atomen stellte sich Demokrit aber auch noch den leeren Raum als ma√ügeblichen Bestandteil seiner Weltanschauung vor. Der leere Raum ist f√ľr ihn ein atomloser Raum, in dem das Sein in keinster Weise geb√ľndelt wird und so eigentlich das "Nichtsein" darstellt. Der leere Raum ist quasi ein √Ąquivalent zum "gef√ľllten" Raum des Atoms. Beide R√§ume zusammen erm√∂glichen erst die ewige Bewegung der Atome und Parmenides und Demokrits scheinbares Werden.
√úbertragen auf die ionische Naturphilosophie sah Demokrit den Ursprung von allem Seienden also im Atom. Er war so sehr von seiner Theorie √ľberzeugt, dass er alles darauf zur√ľckzuf√ľhren versuchte und seine Atomtheorie selbst auf die Seele, das Denken und die Sinneswahrnehmung √ľbertrug, was schlie√ülich den Mythos und Gott aus seinem Weltbild verdr√§ngte. Nichts geschehe seiner Meinung nach zuf√§llig, alles sei erkl√§rbar. Damit stie√ü er vielerorts aber auch auf Kritik, so auch bei Aristoteles, der seine Theorie gemeinhin huldigte, aber zurecht die ewige Bewegung der Atome hinterfragte und die Allgemeing√ľltigkeit der mechanischen Grunds√§tze anzweifelte.

c. Anaxagoras (ca. 496 - 428 v. Chr.)

Anaxagoras kam aus der griechischen Kolonie Klazomenai in Ionien, verbrachte aber ein Gro√üteil seines Lebens in Athen. Seine philosophische Arbeit, die man eigentlich nach den Mechanisten ansiedeln m√ľsste, war trotz ihrer Gr√∂√üe √§u√üerst umstritten und f√ľhrte letztlich dazu, dass Anaxagoras der Asebieproze√ü wegen Gottesl√§sterung gemacht wurde, weil er ge√§u√üert haben soll, dass die Sonne kein Gott sondern lediglich ein gl√ľhender Steinhaufen sei. Um seinem eigenen Tod zu entgehen, floh er nach Lampsakos, wo er auch starb.
Bei seiner Suche nach dem Prinzip des Seins beschritt Anaxagoras jedoch andere Wege als die Atomisten. Im Mittelpunkt seiner Betrachtungen stand dabei erneut die Frage nach dem Werden und dem Sein und ein Erkl√§rungsansatz f√ľr die Vielfalt der Dinge. Ma√ügebend f√ľr ihn war dabei die Erkenntnis des Empedokles, dass nichts aus dem Nichts entstehen und ins Nichts vergehen k√∂nne. Man sollte vielmehr von einem "Mischen" und "Trennen" sprechen, die Werden und Vergehen formen. Aber was ist dieses Mischelement? F√ľr Anaxagoras konnten dies jedenfalls keine Atome sein, denn sooft man eine Sache auch teilt, die Bruchteile weisen immer wieder dieselben Eigenschaften des Ganzen auf. Das Seiende kann also nicht aus verschiedenen Bauelementen bestehen, die gesamt gesehen die Gestalt und Eigenschaften des Ganzen formen, sondern muss schon im Kleinen einen Teil von allem enthalten. Diesen Grundstoff bezeichnet Anaxagoras mit dem Begriff der Homoiomerien, die √§hnlich wie Keimanlagen von der Substanz her mit ihrem Endprodukt identisch sind. Diese Homoiomerien sind √§hnlich wie Demokrits Atome unendlich, unzerst√∂rbar und unver√§nderlich allerdings mit dem Unterschied, dass alle Homoiomerien von etwas Seiendem identisch sind. Alles Seiende ist nach Anaxagoras Vorstellung also schon durch seine kleinsten Bestandteile vom Charakter her vorbestimmt.
Eine zweite wichtige Lehre des Anaxagoras ist die Lehre vom Geist, wonach er allem Seienden neben der Materie auch einen Geist zuschreibt, der ma√ügeblich f√ľr die Ordnung aller Dinge, der Natur und des Weltalls verantwortlich ist. Diese Erkenntnis erg√§nzt die Philosophie der Mechanisten ma√ügeblich. Schlie√ülich erkannte Anaxagoras erstmals, dass Entwicklung auch lediglich durch die Notwendigkeit eines Zieles stattfinden kann. Daf√ľr steht sein Prinzip des Geistes, dem sogenannten Nous, ein, das f√ľr ihn entscheidend f√ľr die Weltbildung beitrug.

Die Sophisten

Mit den Sophisten beginnt eine eher unfruchtbarere Zeit der Philosophie, deren oberstes Gebot, die Suche nach Wissen, erstmals einem Bed√ľrfnis der Regierung wich, n√§mlich politische F√ľhrungskr√§fte zu formen, die neue Eroberungen planen und durchsetzen k√∂nnen. Die Sophisten √ľbernahmen dabei die Rolle der Ausbilder, und so waren sie die ersten Philosophen, die sich f√ľr ihre Arbeit bezahlen lie√üen.
Wichtige Anh√§nger der Sophistik waren unter anderem Protagoras, Gorgias, Prodkus, Thrasymachos, Antiphon oder Kallikles. Sie alle wirkten in Athen in der N√§he des politischen Nabels der Welt, und sie alle verstanden es, bedeutende Politiker hervorzubringen, die die Menge begeisterten und so nie um ihren politischen Einflu√ü bangen mussten. Das Mittel eines guten Politikers war daf√ľr die Rede, die mit viel Hintergrundwissen und √úberzeugungskraft aufwarten musste, damit die eigenen politischen Ambitionen nicht vom Volk behindert wurden. Denn letztlich ging es dem ausgebildeten griechischen Politiker doch haupts√§chlich darum, die subjektiven Interessen durchzusetzen, und da war die Rede nur ein Mittel der politischen Willk√ľr. Ebenso verstand sich der Sophist auch vielmehr als Lehrer der Rhetorik und der Politik denn als Lehrer der Philosophie. Dass der Sophistik trotzdem ein Extraabschnitt in den Philosophieb√ľchern der Gegenwart gewidmet wird, liegt daran, dass die Sophisten sich nebenher auch noch mit philosophischen Problemen besch√§ftigten. Dabei schlugen sie jedoch eine ganz andere Richtung ein als beispielsweise die ionischen oder eleatischen Philosophen. Ihnen lag n√§mlich von Natur aus mehr daran, sich auf die Suche nach Propaganda denn nach Weisheit zu begeben. Gleicherma√üen waren ihre philosophischen Erkenntnisse weniger ergiebig, auch wenn sie zur Bl√ľtezeiten der Sophistik hochgehalten und in der Nachwelt noch teilweise sch√∂ngeredet wurden. Heute haftet der Sophistik im Gegensatz zur damaligen Zeit jedenfalls eher ein √ľbler Ruf an - verstanden es die Sophisten doch vorz√ľglich, den Demos um sein politisches Bewu√ütsein zu bringen.
Die Philosophie der Sophisten l√§sst sich aber in zwei gro√üen Lehre einteilen: dem Relativismus (der bei Protagoras n√§her erl√§utert wird) und ihr Verst√§ndnis vom Naturrecht. Dahinter verbirgt sich eine hierarchische Machtidee, die eingeleitet durch Antiphon die Sophisten in der Natur begr√ľndet sahen. Denn von Natur aus wird der St√§rkere bevorzugt, da er mehr hat als der Schw√§chere - n√§mlich mehr Kraft. Dieses Naturgesetz √ľbertrugen die Sophisten nun auf den Menschen und behaupteten, dass nur der Schw√§chere Gesetze erfindet, um sich vor dem St√§rkeren zu sch√ľtzen. Dies widerstrebt aber dem Naturrecht des St√§rkeren. Der St√§rkere soll der herrschen, der Schw√§chere sich unterwerfen.
Nach unserer heutigen Auffassung w√ľrden wir dieses Naturrecht aber wohl kaum mehr als Naturrecht bezeichnen, da es schlichtweg ungerecht ist, und das Leben in der Gesellschaft in keiner Weise voranbringt. So bleibt vom Naturrecht eigentlich nur noch Natur √ľbrig, und der Mensch m√ľsste sich gleicherma√üen als Tier bezeichnen, wenn er sich auf seine Instinkte beschr√§nkt und vergi√üt, dass er nebenher noch ein Bewu√ütsein hat.

a. Protagoras (ca. 481 - 411 v. Chr.)

Protagoras war vermutlich der ber√ľhmteste und bedeutendste Vertreter der Sophistik. Er wurde in Abdera in Thrakien geboren, und sein Leben lang zog es ihn von Stadt zu Stadt. Wie f√ľr alle Sophisten √ľblich lehrte er in Politik, Rhetorik und Philosophie nur gegen entsprechendes Entgelt. Dar√ľber hinaus verband ihn eine ganz besondere Freundschaft zu dem Staatsmann Perikles, der Protagoras Wissen verehrte und ihm viel Verantwortung √ľbertrug, als er ihm um 444 v. Chr. die Verfassung f√ľr die griechische Kolonie Thurior ausarbeiten lie√ü. Auf diese Weise konnte Protagoras also direkt ins politische und √∂ffentliche Leben eingreifen.
Der Philosoph Protagoras verfa√üt zu Lebzeiten viele Schriften, die aber zum gr√∂√üten Teil verloren gegangen sind. Erhalten sind lediglich einige Fragmente und die Kenntnis anderer Philosophen und Zeitgenossen √ľber den gro√üen Sophisten. Als Leitmotiv f√ľr die Sophistik ging dabei Protagoras Homo - Mensura - Satz in die Geschichte ein: "Der Mensch ist das Ma√ü aller Dinge." Dieser Satz steht ma√ügeblich f√ľr den anmutenden Relativismus dieser Zeit, der zum ersten Mal in der Philosophie Zweifel an der objektiven Wahrheitsfindung des menschlichen Bewu√ütseins ausspricht. Denn nach Protagoras ist die Wahrheitsfindung nicht unmittelbar eine Frage der Sinneswahrnehmung sondern vielmehr eine Frage der menschlichen Vernunft, und die wird immer noch durch die Erlebnisse und Erfahrungen eines jeden Individuums individuell gepr√§gt. Gleicherma√üen gibt es keine objektive Wahrheit genauso wenig wie es ein einziges menschliches Bewu√ütsein gibt, und deshalb ist Wahrheit immer relativ, weil gleicherma√üen die Basis f√ľr unsere Lebensf√§higkeit unserem Bewu√ütsein obliegt. Unwahrheit existiert somit nicht.
Was zun√§chst als Toleranz in die menschliche Vernunft erscheint, war tats√§chlich der perfekte N√§hrboden f√ľr die damalige Politik. Du l√§sst mir meine Wahrheit, und ich lass dir deine. Dieses Motto wurde auch auf moralische und philosophische Fragen angewendet, hinterlie√ü aber keinen Ansatzpunkt f√ľr Kritik und ein gewisses "Anzweifeln", was unter diesen Voraussetzungen das Erkenntnisstreben der Philosophie zunehmend hemmte. Wie soll man auch nach universellem Wissen streben, wenn es pl√∂tzlich keine allgemeine Wahrheit mehr gibt?
Gorgias treibt diese Anschauung mit seinen drei S√§tzen auf die Spitze: "1. Nichts ist. 2. Wenn aber etwas w√§re, dann w√§re es f√ľr den Menschen nicht erkennbar. 3. Und w√§re es erkennbar, dann w√§re es jedenfalls nicht mitteilbar."
Platon erwiderte darauf nur zynisch: "Sind diese S√§tze √ľberhaupt wahr? Wenn nein, warum spricht Gorgias √ľberhaupt?"



































Literaturangaben

Johann Hirschberger, Geschichte der Philosophie, Herder, ISBN 3 - 451 - 22408 - 9
Ernst R. Sandvoss, Geschichte der Philosophie, dtv, ISBN 3 - 423 - 04440 - 3
Anton H√ľgli/Poul L√ľbcke, Philosophie - Lexikon, Rowohl, ISBN 3 - 499 - 55453 - 4
Kurt Wuchterl, Lehrbuch der Philosophie, utb, ISBN 3 - 258 - 04461 - 9
www2.cybernex.net/~mhodges/biography/contents.htm
http://www2.cybernex.net/~mhodges/reference/greece2.htm

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