Die Klassik

Inhalt

Seite:

    Die Epoche der Klassik 1 Klassik allgemein 1 Grundlagen der Klassik 1 Bereiche der Klassik neben der Literatur 2 Philosophische Str√∂mungen der Klassik 2 Immanuel Kant als wichtiger Vertreter der klassischen Philosophie 2 Die Musikrichtung Klassik 3 K√ľnstler der Klassik 3 Der Kunsttheoretiker Johann Joachim Winckelmann 3 Claude - Nicolas Ledoux 4 Jean Auguste Dominique Ingres 5 Antonio Canova 5 Die Weimarer Klassik 6 Ziele der Klassik und Einfl√ľsse auf sie 6 Verh√§ltnis zur Antike und das Humanit√§tsideal der Klassik 6 Idealvorstellung und Menschenbild der Klassik 6 Lyrik, Epik und Dramatik 7 Bedeutende Vertreter 8 Friedrich Schiller 8 Johann Wolfgang von Goethe 9 Literarische Analyse anhand eines Textbeispieles 10 Weimar und das gesellschaftliche Leben 12 Die Zeit vor und nach der Klassik 13 Sturm und Drang 13 Romantik 14 Die "Klassik" - Legende 15 Anhang 16 Quellenangabe 16 Bildmaterial ab 17

Die Epoche der Klassik



Klassik allgemein


Klassik ist ein Begriff, der in mehreren Gebieten Anwendung findet. Einerseits bezeichnet er eine zeitlich und r√§umlich festlegbare Epoche. "Klassik" l√§sst sich auf "classicus" zur√ľckf√ľhren. Der Begriff wurde schon im alten Rom von Cicero als Qualit√§tsbegriff verwendet. Im 18. Jh. b√ľrgerte sich der Klassikbegriff, von Frankreich kommend, auch im deutschsprachigem Raum ein. Er bezog sich auf die gro√üen Dichter der Antike und auf den H√∂hepunkt einer Nationalliteratur. "Klassik" wird in der deutschen Literatur praktisch nur auf das Schaffen Goethes und Schillers bezogen. Bei der zeitlichen Fixierung dieser Epoche gibt es unterschiedliche Ans√§tze:
    1770 - 1832: "Geist der Goethezeit" gelangt zur Darstellung 1795 - 1805: "Weimarer Hofklassik" (Zeit des Goethe - Schiller - Bundes) 1786 - 1805: Von Goethes Italienreise bis Schillers Tod

Der Begriff "Klassik" darf aber nicht mit der im 17. Jh. von Frankreich ausgehenden Zielrichtung des "Klassizismus" verwechselt werden. Der Klassizismus ahmte vorallem antike Muster nach.
Auch in der bildenden Kunst wird die Zeit der "Klassik" "Klassizismus" genannt.

Andererseits bezeichnet es auch die "absolut vollkommene" Kultur und Literatur eines Staates.
z.B. römische Klassik (Zeitalter des Augustus)
griechische Klassik (Zeitalter des Perikles)
englische Klassik (Zeitalter der Königin Elisabeth I.)

Ich werde mich in dieser Arbeit hauptsächlich auf die deutsche Klassik mit ihren Hauptvertretern Goethe und Schiller beziehen.


Grundlagen der Klassik


Durch Ludwig XIV. war Frankreich die Vormacht in Europa. Doch durch die vielen Kriege und die verschwenderische Hofhaltung Ludwigs war die wirtschaftliche Situation des Landes katastrophal. Adel und Kirch hatten die Vorherrschaft und beuteten das B√ľrgertum restlos aus. Da die Gefahr bestand, dass der K√∂nig die Nationalversammlung, zu der sich der 3. Stand erkl√§rt hatte, aufl√∂sen k√∂nnte, st√ľrmte das Pariser Volk die Bastille. Im September 1791 erhielt Frankreich eine Verfassung. Nachdem Frankreich 1792 Republik wurde, verurteilte man Ludwig XVI. wegen Hochverrates zum Tode. Napoleon, der gew√§hlt worden war, um in Frankreich f√ľr Ruhe, Ordnung und Sicherheit zu sorgen, ordnete den Staat neu. Seine Pl√§ne, ganz Europa seiner Herrschaft zu unterwerfen, scheiterten am Widerstandswillen der V√∂lker und der gegen ihn verb√ľndeten M√§chte. Napoleon machte nach der Niederlage gegen die Verb√ľndeten Russen, Preu√üen und √Ėsterreicher den Thron f√ľr Ludwig XVII., den Bruder des in der Revolution hingerichteten K√∂nigs, frei. Die Weimarer Klassik wird durch die Franz√∂sische Revolution mit ihren Forderungen nach Freiheit, Gleichheit und Br√ľderlichkeit gepr√§gt. Der Kampf um eine Verfassung, die revolution√§re Diktatur unter Robespierre und der, darauffolgende, Bonarpartismus f√ľhrten zu den Grundstrukturen des 19. Jahrhunderts.
Die Franz√∂sische Revolution hatte die alte Gesellschaft zerst√∂rt und erlaubte damit, das "ganz andere" zu denken: die Idee von Freiheit, Gleichheit und Br√ľderlichkeit. Das Interesse der deutschen Bev√∂lkerung an den Vorg√§ngen in Frankreich war gro√ü. Fr√ľher oder sp√§ter musste sich auch die Dichtung damit auseinandersetzen, inwieweit eine Revolution daf√ľr geeignet war, eine Verbesserung der herrschenden Zust√§nde herbeizuf√ľhren. Zun√§chst erteilten Goethe und Schiller der Revolution eine klare Absage und handelten sich damit den Ruf ein, unpolitisch und kurzsichtig zu denken. In Wirklichkeit glaubten sie aber an die M√∂glichkeit die Gesellschaft in kleinen Schritten zu reformieren, so dass eine Revolution g√§nzlich unn√∂tig w√§hre. Mit Kunst und Literatur wollten sie einen Prozess in Gang setzen, in dem sich die Gesellschaft zu einem harmonischen Zusammenleben von gleichberechtigten Weltb√ľrgern entwickelt.
Die Idee der Aufklärung entfaltete ihre volle Wirkung.
Eine weitere Grundlage ist das Verh√§ltnis zur Antike. Winkelmann, ein deutscher Arch√§ologe und Kunstwissenschaftler sieht die "Antike [als] das Wahre und Sch√∂ne, dem es nachzueifern gilt". In der griechischen Antike schien es als lebten die Menschen gl√ľcklich und zufrieden. Auf Grund der herrschenden Verh√§ltnisse galt diese Zeit als Vorbild.


Bereiche der Klassik neben der Literatur


Philosophische Strömungen der Klassik

Immanuel Kant als wichtiger Vertreter der klassischen Philosophie

Immanuel Kant (1724 - 1804) war das 4. Kind eines Sattlers in K√∂nigsberg. Er wurde im pietistischen Christentum erzogen. Kant lernte im Cellegium Fridericianum von 1732 - 1740 die alten Sprachen. Seit 1740 studierte er in K√∂nigsberg Philosophie, Mathematik und Theologie. Von 1747 bis 1755 war er Hauslehrer in verschiedenen adligen Familien. Danach hielt er bis 1796 an der Universit√§t Vorlesungen. 1770 wurde er Professor f√ľr Logik und Metaphysik in K√∂nigsberg.
Kant war der Vollender und √úberwinder der Aufkl√§rung und legte die philosophische Grundlage der klassischen Dichtung. In "Kritik der reinen Vernunft", seinem Hauptwerk, stellte Kant klar, dass die menschliche Einsicht, die von der besonderen Struktur des Bewu√ütseins abh√§ngig ist, ausschlie√ülich in der Kategorie Raum und Zeit m√∂glich ist. Aus der Erkenntnis, dass der Mensch nicht die Dinge an sich erkennen kann, obwohl die menschliche Vernunft die Welt der Erscheinungen ordnet, zog er die Schlussfolgerung, dass die Frage nach Gott, Freiheit, Unsterblichkeit wissenschaftlich nicht zu l√∂sen ist. In seiner "Kritik der praktischen Vernunft" (1788) erkl√§rt Kant, dass der Mensch seiner Ansicht nach jederzeit aufgrund seines guten Willens f√§hig ist sittlich zu handeln. Der gute Wille, w√ľrde jedoch nicht von der Neigung bestimmt, sondern von der Pflicht. Nach Kant entzieht sich ein Kunstwerk der Beurteilung nach dem N√ľtzlichkeitsstandpunkt, und unterwirft sich allein √§sthetischen Kategorien. Auf Schiller hatte die Philosophie des K√∂nigsberger Philosophen gro√üen Einfluss. Er entwickelte die Ideen Kants nach seinen eigenen Anschauungen weiter.

Werke
"Kritik der reinen Vernunft"
"Kritik der praktischen Vernunft"
"Grundlegung zur Metaphysik der Sitten"
"Metaphysik der Sitten"
"Der Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft"


Die Musikrichtung Klassik


In der Musikgeschichte wird um 1730 die Barockmusik von der Klassik abgelöst. Sie endet mit dem Tod Beethovens im Jahr 1827.
Die klassische Musik ist gef√ľhlsbetonter als die Barockmusik. Ein wesentliches Merkmal ist die Ausgewogenheit zwischen Inhalt und Form. Im formalen Bereich schloss die Klassik die Entwicklung der zyklischen Sonatenform (Sonate, Symphonie, Kammerorchester) ab. H√∂hepunkte erreichte die klassische Musik unter Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven.
Die Musikepoche der Klassik hat jedoch wenig mit der Klassik in Literatur und bildender Kunst zu tun. In der Literatur und Kunst ist ein eindeutiges Streben nach den Idealen der Antike zu erkennen, was in der Musik nicht der Fall ist. Ihre Hauptvertreter sind Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791), der Werke, wie "die Zauberfl√∂te", "Entf√ľhrung aus dem Serail", "Don Giovanni" oder "Figaros Hochzeit" schrieb, Joseph Haydn (1732 - 1809), der √ľber 100 Sinfonien, Opern und geistliche Chorwerke (z.B. "Die Sch√∂pfung") schrieb und Ludwig van Beethoven, dessen 5. und 9. Sinfonie die bekanntesten sind.


K√ľnstler der Klassik

Der Kunsttheoretiker Johann Joachim Winckelmann




Winckelmann wurde am 9.12.1717 in Stendal geboren. Er war Sch√ľler der Lateinschule in Stendal, des K√∂llnischen Gymnasiums zu Berlin und der Altst√§dtischen Schule in Salzwedel. Nach dieser Zeit studierte von 1738 - 1740 Theologie in Halle. Nachdem er ein Jahr Hauslehrer war, besuchte er 1741 die Jenaer Universit√§t um Medizin zu studieren. 1742 wurde Winckelmann Hauslehrer in Hadmersleben bei Magdeburg. Von April 1743 bis Sep. 1748 arbeitete er als Korrektor an der Seehausener Lateinschule. Bis Okt. 1754 war Winckelmann Bibliothekar des Reichsgrafen Heinrich von B√ľnau, der in N√∂thnitz bei Dresden residierte. Im Juni 1754 trat der fr√ľhere Evangelist zum Katholizismus √ľber um nach Italien reisen zu k√∂nnen. Das Jahr vor seiner Abreise verbrachte er in Dresden mit Studien zur bildenden Kunst. Zu dieser Zeit stand er unter starken Einfluss des Malers Adam Friedrich Oeser. Ab 1755 lebte Winckelmann in Rom, wo ihm durch ein Stipendium des Kurprinzen ein unabh√§ngiges Gelehrtenleben erm√∂glicht wurde. Neben seinem Antikenstudium verfolgte er verschiedene Arbeiten: unter anderen eine Beschreibung der Statuen im Belvedere und eine Abhandlung "vom Geschmack der griechischen K√ľnstler". 1756 verband er diese Arbeiten in der "Geschichte der Kunst des Altertums". An dieser wissenschaftlichen Arbeit arbeitete Winckelmann weiter, bis zu seinem Tod. Als der siebenj√§hrige Krieg begann wurde er Bibliothekar des Kardinals Archinto, wodurch er engen Kontakt zu r√∂mischen Gelehrten pflegte. In der Zeit von Sep. 1758 bis April 1759 arbeitete er am "beschreibenden Katalog der Gemensammlung" des 1757 verstorbenen Barons Philipp von Stosch, das f√ľr das weitere wissenschaftliche Werk Winckelmanns von gro√üer Bedeutung sein w√ľrde. Im Juni 1759 wurde er von dem gr√∂√üten Antikensammler in Rom und Erbauer der Villa Albani, Kardinal Alessandro Albani, als Bibliothekar angestellt. Dort blieb er bis zu seinem Tod. Im April 1763 wurde ihm die Verantwortung √ľber alle Altert√ľmer in und um Rom √ľbertragen. Als er einen Monat danach zum Scriptor linguae teutonicae an der Vaticana ernannt wurde, war ihm der Ruhm in Deutschland sicher. Winckelmann schrieb eine Reihe von Aufs√§tzen, die 1759 in der "Bibliothek der sch√∂nen Wissenschaften und der freyen K√ľnste" erschienen. Die darauf folgenden Anmerkungen √ľber die Baukunst der Alten und das Sendschreiben von den Herculanischen Entdeckungen, die das Resultat seiner 1762 angetretener zweiter Neapelreise waren, riefen eine heftige Verstimmungen Am Hof zu Neapel hervor, da dieser s√§mtliche Ver√∂ffentlichungen √ľber die Ausgrabungen in den wiederentdecken Vesuv - St√§dten verboten hatte. Winckelmann reiste sp√§ter noch drei mal nach Neapel. Im sp√§ten 1763 erschien sein "Programm einer √§sthetischen Erziehung", was die "Abhandlung von der F√§higkeit der Empfindung des Sch√∂nen in der Kunst, und dem Unterrichte in derselben" beinhaltete. Als 1764 die "Geschichte der Kunst des Altertums" erschien wurde Winckelmann zu einer Europas meist Gesch√§tzter Personen. 1767 erschien neugewonnenes Material unter dem Titel "Anmerkungen √ľber die Geschichte der Kunst des Altertums" und ein weiteres gro√ües Werk "Monumenti antichi inedite spiegati ed illustrati", das aus zwei B√§nden bestand. Am 8.6.1768 wurde Winckelmann in Triest ermordet.

Claude Nicolas Ledoux: (Baumeister)

Ledoux wurde im Jahre 1736 in Dormans bei Marne in Frankreich geboren. 1773 wurde er in die Akademie "Salines de Franche - Comt√©" aufgenommen und somit zum "Architecte du Roi". Ledoux ist einer der Hauptvertreter der sogenannten Revolution√§rsarchitektur. Da er Royalist war kerkerte man ihn 1793 ein. Die demokratische, an der Aufkl√§rung orientierte Geisteshaltung Ledouxs spiegelte sich an den geometrischen Formen seiner Geb√§ude wieder. In seiner letzten Schaffensperiode, nacht 1785, er sich ganz und gar an die Geometrischen Formen. Seine Bauwerke haben in Grund - und Aufriss vorwiegend Formen des W√ľrfels, der Kugel oder der Pyramide. Ledoux starb am 19.6.1806 in Paris.
Arbeiten
Schloss von Eaubonne
Schloss von Bènouville bei Cain
Haus "Hosten" in Paris
Pl√§ne f√ľr eine Bibliothek des Landgrafen Friedrich II. von Hessen.
Architekturentw√ľrfe f√ľr den russischen Gro√üf√ľrsten Paul von Petersburg
"Architecture" f√ľr Zar Alexander I.

Jean August Dominique Ingres: (Maler)

Ingres wurde am 29.8.1780 in Mantauban, Frankreich, geboren. Von 1791 studierte er in der Akademie von Toulouse. Er schuf Werke literarischen Genres, historischer und religiöser Thematik und Aktdarstellungen. Im Jahre 1835 wurde Ingres Direktor der französischen Akademie in Rom. Seine Bildnisse besitzen einen leuchtenden, altmeisterlichen Farbton und eine präzise Darstellung.
Werke
"Paolo"
"Francesca"
"Gel√ľbde Ludwigs XIII"
"Liegende Odaliske"
"Die Apotheose Homers"
"Mme. Devansay"
"Der Maler Granet"
"Mme. De Senonnes"
"Fam. Riviére"
"Louis François Bertin"

Antonio Canova: (Bildhauer)

Canova wurde am 1.11.1757 in Possagno, Italien, geboren. Im Jahre 1779 zog er nach Rom um. In den Jahren 1802, 1810 und 1815 reiste er nach Paris, um dort Arbeiten f√ľr Napoleon und dessen Familie anzufertigen. Canova schuf Personen in Ruhe oder m√§√üiger Bewegung, da ihm stark bewegte Figuren nicht gelangen. Der Grundsatz seines Schaffens war "das Studium der auf Grund der Antike zur Sch√∂nheit gel√§uterten Natur".
Werke
"Herkules und Lichas"
"Amor und Psyche"
"Hebe"
"Perseus"
"Paolina Borghese"
"Reigen der Grazien"



Die Weimarer Klassik



Ziele der Klassik und Einfl√ľsse auf sie


Verhältnis zur Antike und das Humanitätsideal der Klassik


Die Klassik nimmt die Forderung des "Sturm und Drang", dass jeder sich zu einer harmonischen Individualit√§t entfalten muss, auf, erkennt dabei aber auch eine gesellschaftliche Ordnung an. Sie versucht harmonische Individualit√§t und harmonisches Zusammenleben miteinander zu verbinden. Um dieses Ziel zu erreichen darf der Mensch aber nicht unterdr√ľckt werden, sondern er muss das Ma√ü und die Grenzen freiwillig anerkennen. Diese "doppelte Harmonie", ein Zustand, in dem die Idee des Menschen Gestalt annimmt, ist ein Ideal dem die Klassik entgegenstrebt. Die griechische Antike hatte das Leitbild der "doppelten Harmonie" schon in Kunst und Leben veranschaulicht. Deshalb ist das Studium der Griechen ein unverzichtbarer Teil der Bildung. Jedoch war die doppelte Harmonie bei den Griechen noch Naturgabe, "(...) keine Frucht ethischer individueller Leistung." Der Mensch ist in der Lage diese Harmonie, nachdem sie verlorenging, durch Selbstbildung und Selbstzucht wiederzuerlangen. "Die Geschichte verl√§uft also im Dreischnitt: von naturgegebener Harmonie √ľber ihren Verlust zu ihrer Neuerwerbung [...]." "[Um diese Aufgabe zu l√∂sen muss man] sich soweit √ľberwinden, dass [sich Neigung und Pflicht, Triebstruktur und Vernunft nicht mehr widersprechen]. Dies alles bezeichnet der Vertreter der Klassik als Humanit√§t. Der Humanit√§tsgedanke verbindet das Sch√∂ne (doppelte Harmonie) mit dem Guten (moralische Leistung) und dem Wahren (die Idee des Menschen). Winkelmann dr√ľckt in der von ihm gepr√§gten Formel in seinem Aufsatz "Laokoon" "Edle Einfalt, Stille Gr√∂√üe" seine √úberzeugung vom rechten Ma√ü zwischen K√∂rper und Geist, Physis und Psyche aus. "[Das] Idealbild ist also der in Harmonie von K√∂rper und Geist, Denken und F√ľhlen ausgeglichene, innerlich freie Mensch, der in der Vers√∂hnung zwischen Sinnlichkeit und Vernunft, Pflicht und Neigung in der "sch√∂nen Seele" seine Gestalt findet.

Idealvorstellung und Menschenbild der Klassik


Die Klassiker wollten den Menschen und die Aufgabe der Kunst neubestimmen, Sodas sie mit den neuen Idealen der Zeit, Ausgleich der Gegens√§tze, Ganzheit, Humanit√§t und dem Streben nach Vollkommenheit, √ľbereinstimmten. Man √ľbertrug die von Winckelmann als "edle Einfallt, stille Gr√∂√üe" charakterisierte griechische Plastik einfach auf den Menschen. Die Vertreter der Klassik versuchten die Harmonie von Sein und Sollen, Natur und Kunst und die von Sinnlichkeit und Verstandeskr√§ften, wie sie in der Antike, wie man zu dieser Zeit glaubte, gelebt wurde, wieder herzustellen. Die Idee der Klassik war von der Hoffnung gepr√§gt, dass die Zukunft die ideale Harmonie wiederherstellen werde und dass der freie, gebildete, humane Mensch erzogen werden k√∂nne. Doch das willk√ľrliche Morden und das gesellschaftliche Chaos der franz√∂sischen Revolution zeigte, dass der Mensch der Freiheit, f√ľr die sie k√§mpften, noch nicht w√ľrdig sei.
Die neuen "Menschheitsentw√ľrfe" setzten auf eine Revolution im Geist und auf eine √§sthetische und moralische Erneuerung desselben. Um dieses Ziel zu erreichen bedarf es der Erziehung. In ihr erhielten Kunst und Dichtung eine zentrale Aufgabe. Diese Aufgabe bestand darin, durch ihre sch√∂ne, harmonische Form, nicht etwa durch ihren wirkungsvoll vorgetragenen Inhalt zu beeinflussen. In Folge dessen bekamen Kunst und Dichtung geradezu eine religi√∂se Funktion. Die Menschen brauchten sie f√ľr die Humanit√§t.

Lyrik, Epik und Dramatik


Da die Klassik zum zu Ordnung und Ma√ü tendierte, l√∂ste sich die Lyrik der Epoche von ihren volkst√ľmlichen Wurzeln und kehrte sich von der Formfreiheit des "Sturm und Drang" ab. Jetzt treten haupts√§chlich antikisierte Formen der Lyrik auf, keine gef√ľhlsstarken und freien Rhythmen, wie in der "Geniezeit". Themen sind nun die menschliche Gesellschaft, die Gesetzlichkeit des Lebens, die sittliche und moralische Verpflichtung des Menschen, sich selbst gegen√ľber und geschichts - und kulturphilosophische Betrachtungen.
Richtungsweisend f√ľr die deutsche Epik ist das antike Versepos, da man danach strebte, eine Angleichung an klassische Prinzipien zu erreichen. Ausschlaggebend f√ľr die Wesensbestimmung des Epischen, im besonderen f√ľr die Musterg√ľltigkeit des Versepos, war die hohe Auffassung von Homer und die Tendenz des Zeitalters zur Entwicklung jeder Gattung nach ihren eigenen Charakteristika.
Auch das Drama wurde vom Mythos der Zeitlosigkeit der Antiken Kunst und ihrer absoluten Vorbildhaftigkeit bestimmt. In der Dramatik wurde nach wenigen, klaren Regeln geschrieben. So treten in den Dramen nur wenige Personen auf, der Schauplatz wird so gut es geht beibehalten und der Zeitablauf bildet eine Einheit. Die klassischen Dramen bestehen aus stilisierenden, gleichzeitig jedoch lockeren jambischen Versen.


Bedeutende Vertreter


Friedrich Schiller





Johann Christoph Friedrich von Schiller wurde am 10. 11.1759 in Marbach am Neckar geboren. Er war der Sohn des Milit√§rarztes Johann Caspar Schiller. Auf Befehl des Herzogs Karl Eugen musste er ab 1773 die Milit√§rakademie besuchen. Dort studierte er die Rechte und seit 1775 Medizin. Schiller trat 1780 den Dienst als Regimentsmedikus in Stuttgart an. Von 1777 - 1780 arbeitete er an seinem Drama "Die R√§uber", welches 1781 gedruckt wurde. Der einzigartige Erfolg f√ľhrte zum Konflikt mit Karl Eugen, der ihm neben einer Arreststrafe unter Androhung auf Festungshaft Schreibverbot erteilte, weil er unter anderem zu dessen Urauff√ľhrung gefahren war. Nachdem er im September 1782 mit Hilfe eines Freundes und Musikers gefl√ľchtet war, vollendete er in Oggersheim bei Ludwigshafen sein Trauerspiel "Die Verschw√∂rung des Fiesko zu Genua". In Bauerbach in Th√ľringen, wo er sich von Nov. 1782 - Juli 1783 aufhielt, schrieb er an seinem b√ľrgerlichen Trauerspiel "Luise Millerin", das am 13.4.1784 unter dem von W. A. Iffland umbenannten Titel "Kabale und Liebe" Urauff√ľhrung hatte. 1783/1784 war Schiller ein erfolgloser Theaterdichter am Mannheimer Theater. Er versuchte, indem er die Zeitung "Rheinische Thalia" gr√ľndete, vergeblich seine finanzielle Lage zu verbessern. Im April 1785 besuchte er, auf Anregung Christian Gottfried K√∂rner und anderen s√§chsischen Freunden, Leipzig. Noch im gleichen Jahr folgte er K√∂rner nach Dresden. Mit dem Werk "Don Carlos" ging er in die klassische Periode seines Schaffens √ľber (Entwurf siehe Anhang). 1787 besuchte Schiller Weimar, wo er herzlich willkommen war. Als er 1788 und 1791 - 1793 die "Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande" und die "Geschichte des Drei√üigj√§hrigen Krieges" schrieb trat er als Geschichtsschreiber hervor. 1789 begann er mit der Vorlesung "Was hei√üt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?" seine Arbeit als unbesoldeter Professor der Geschichte und Philosophie in Jena. 1791 beendete er diese von Goethe vermittelte Stellung. Im Jahre 1790 heiratete Schiller die 7 Jahre j√ľngere Charlotte von Lengefeld. In der Zeit von 1791 - 1794 wurden ihm auf Grund eines d√§nischen Stipendiums philosophische Arbeiten erm√∂glicht. Am 10.10.1792 wurde Schiller zum franz√∂sischen Ehrenb√ľrger ernannt (Urkunde siehe Anhang). 1793 verfasste er dort auch "√úber Armut und W√ľrde". Eine Auseinandersetzung √ľber die von Goethe naturwissenschaftlich begr√ľndete "Urpflanze" f√ľhrte 1794 zur Ann√§herung zwischen Goethe und Schiller, die zu einem intensiven geistigen Austausch wurde. Diese Zusammenarbeit war f√ľr die Entwicklung der modernen deutschen und europ√§ischen Literatur entscheidend. 1795 - 1797 gab Schiller die Zeitschrift "Horen" heraus, welche die bedeutendste seiner Zeit werden sollte. W√§hrend er seine Schriften "Briefe √ľber die √§sthetische Erziehung des Menschen" und "√úber naive und sentimentalische Dichtung", die 1795 und 1795/96 entstanden, verfasste, schrieb er die philosophischen Gedichte "Das Ideal und das Leben" und "Der Spaziergang". Bei "Xenien" arbeitete er mit Goethe zusammen. Im Jahr 1797 schufen Goethe und Schiller "Der Taucher" und "Die Kraniche des Ibykus". 1798 entstanden "Der Kampf mit dem Drachen" und "Die B√ľrgschaft", 1799 "Das Lied von der Glocke". 1799 zieht Schiller nach Weimar um. Nachdem er die Wallensteintrilogie, zu der "Wallensteins Lager", "Die Piccolomini" und "Wallensteins Tod" geh√∂ren, beendet hatte, vollendetet der bereits schwer kranke Schiller fast jedes Jahr ein neues Drama. 1800 erschien "Maria Stuart", 1801 "Die Jungfrau von Orl√©ans", 1803 "Die Braut von Messina" und 1804 "Wilhelm Tell". Parallel zu diesen Arbeiten √ľbersetzte er unter anderem "Macbeth" von Shakespeare und Racines "Ph√§dra". Sein Werk "Demetrius" stellte er nie fertig. In seinem sogenannten Ideendrama behandelt Schiller die moralische Freiheit. Die Schriften Immanuel Kants bewirkten in Schillers Denken eine entscheidende Wende. Ab jetzt hielt er eine Vereinigung von Pflicht und Neigung f√ľr m√∂glich. Am 9.5.1805 starb Schiller in Weimar an seiner schweren Krankheit im Alter von 45 Jahren.


Johann Wolfgang von Goethe





Goethe wurde am 28.8.1749 in Frankfurt am Main in eine reiche B√ľrgerfamilie hinein geboren. Durch die finanziell relativ gute Situation seiner Familie wurde ihm schon fr√ľh eine sehr gute Ausbildung zu Teil. Er wurde von Privatlehrern seiner Familie in alten und neuen Sprachen, Musik und Tanz, Fechten und Reiten unterrichtet. 1765 ging er auf Wunsch seines Vaters nach Leipzig um dort Jura zu studieren. W√§hrend der Genesungsphase von einem 1770 erlittenem Blutsturz, die er in seiner Heimatstadt verbrachte, besch√§ftigte er sich mit den Schriften der Mystiker und Alchimisten Paracelsus und Emanuel Swedenborg, die ihn sp√§ter zur Gestaltung des "Faust" - Stoffes anregte. Bald darauf schloss er in Stra√üburg sein Jurastudium ab. 1771 kehrte Goethe nach Frankfurt zur√ľck und widmete sich dort der Dichtung. Nebenbei arbeitete er als Praktikant an Kammergerichten. In dieser Zeit entstanden neben den Gedichten "Prometheus" und "Ganymed" und den Dramen "G√∂tz von Berlichingen" und "Clavigo", die der 1773 und 1774 schrieb, 1774 auch der Briefroman "Die Leiden des jungen Werthers", der ihn schlagartig sehr bekannt machte. 1775 lud ihn Herzog Karl August nach Weimar ein. In den folgenden Jahren war Goethe in politischen Gesch√§ften, wie die Betreuung der Erschlie√üung von Verkehrswegen, der Verwaltung des Ilmenauer Bergwerkes oder der Beaufsichtigung des Finanzbudgets des Heeres des Herzoges t√§tig. Da die Dichtung diesen T√§tigkeiten weichen musste beschloss Goethe eine Bildungsreise nach Italien zu unternehmen, zu der ihm von Charlotte von Stein, einer gebildeten Dame des Weimarer Hofs riet. Dort wandte sich Goethe von seinem √ľbersteigerten Gef√ľhlskult seiner fr√ľheren Werke zu ungez√ľgelter Subjektivit√§t. Als er 1788 nach Weimar zur√ľckkehrte begann seine zweite Schaffensperiode. Nun gelang es ihm, neben seiner politischen T√§tigkeit auch dichterisch t√§tig zu sein. 1791 wurde ihm die Leitung des Weimarer Hoftheaters √ľbertragen und ab 1797 k√ľmmerte er sich um den Bestand der Hofbibliotheken des Herzogs. 1794 begann eine √§u√üerst produktive Freundschaft zwischen Goethe und Schiller. Schiller war f√ľr Goethe eine wichtige Quelle f√ľr neue Ideen und au√üerdem als Freund ein vertrauensvoller Ratgeber. Neben dem "Faust" schrieb Goethe in dieser Zeit die "Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten", "Reineke Fuchs" und "Wilhelm Meisters Lehrjahre" Als Schiller 1805 starb geriet Goethe in eine schwere Krise in der er keinerlei schriftstellerische Produktivit√§t zeigte. In der 1808 - 1810 erschienenen "Geschichte der Farbenlehre" in der Goethe Isaac Newton kritisierte. 1804 erschien sein Roman "Die Wahlverwandtschaften", in dem er √úberlegungen zur Naturwissenschaft aufgreift. 1814 - 1719 arbeitete Goethe an "Der West√∂stliche Divan", in der er die abendl√§ndischen Kultur die Kultur des Orients entgegensetzt. 1829 schrieb Goethe die Fortsetzung des "Wilhelm Meister" - Romans "Wilhelm Meisters Wanderjahre" und 1832 stellte er den zweiten Teil des "Faust" fertig. In der letzten Phase seines Lebens widmete er sich seiner Autobiographie "Dichtung und Wahrheit", in der er seinen Werdegang als Dichter bis zu der Zeit in Weimar schilderte. Am 22.3.1832 starb Goethe im Alter von 82 Jahren in Weimar.


Literarische Analyse anhand eines Textbeispiels


"Die Worte des Glaubens"


Drei Worte nenn ich euch, inhaltsschwer,
Sie gehen von Munde zu Munde,
Doch stammen sie nicht von außen her,
Das Herz gibt davon Kunde;
Dem Menschen ist aller Wert geraubt,
Wenn er nicht mehr an die drei Worte glaubt.

Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei,
Und w√ľrd er in Ketten geboren,
Laßt euch nicht irren des Pöbels Geschrei,
Nicht den Mißbrauch rasender Toren.
Vor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht,
Vor dem freien Mensch erzittert nicht.

Und die Tugend, sie ist kein leerer Schall,
Der Mensch kann sie √ľben im Leben,
Und sollt er auch staucheln √ľberall,
Er kann nach dem göttlichen streben;
Und was kein Verstand der Verständigen sieht,
Das √ľbet in Einfallt ein kindlich Gem√ľt.

Und ein Gott ist, ein heiliger Wille lebt,
Wie auch der menschliche wanke,
Hoch √ľber der Zeit und dem Raume webt
Lebendig der höchste Gedanke.
Und ob alles in ewigem Wechsel kreist,
Es beharret im Wechsel ein ruhiger Geist.

Die drei Worte bewahret euch, inhaltsschwer,
Sie pflanzet von Munde zu Munde,
Und stammen sie gleich nicht von außen her,
Euer Inneres gibt davon Kunde;
Dem Menschen ist nimmer sein Wert geraubt,
Solange er noch an die drei Worte glaubt.


Der Autor dieses Werkes ist Friedrich Schiller. Das Gedicht besteht aus vier Strophen zu je sechs Zeilen. Jede Strophe ist in zwei Teile unterteilt. Die ersten vier Zeilen bilden den ersten und die restlichen Beiden den zweiten Teil. Das Gedicht besitzt einen unregelm√§√üigen Takt. Der Endreim der ersten und der letzten sowie der zweiten bis vierten Strophe sind jeweils gleich. Die erste und die letzte Strophe besitzen in den ersten vier Zeilen ausschlie√ülich einen weichen und in der f√ľnften und sechsten Zeile einen harten Endreim. In der zweiten bis vierten Strophe √ľberkreuzt sich der Endreim im ersten Teil, in der Form hart, weich, hart und weich. Im zweiten Teil gibt es wider nur harten Endreim. Der Reim an sich ist in jeder Strophe gleich. Im ersten Teil ein Kreuzreim und im zweiten ein Paarreim.
In diesem Gedicht ist Schiller wahrscheinlich der lyrische Sprecher. Er spricht aus der Ich - Perspektive.
Im Inhalt ähneln sich die erste und letzte Strophe sehr. In ihnen gibt Schiller eine allgemeine Erklärung der "Worte des Glaubens" ab und sagt, was passiert, wenn der Mensch nicht an sie glaubt. In den anderen drei Strophen nennt und erläutert er in jeder Strophe eines dieser Worte. In der zweiten die Freiheit, in der dritten die Tugend und in der vierten Gott.
In diesem Gedicht sind einige Personifizierungen zu finden. Es werden zum Beispiel den "Worten" in der ersten und f√ľnften Strophe T√§tigkeiten, wie gehen und pflanzen und dem Herzen beziehungsweise dem Inneren die des "kundgeben" angedichtet. In der vierten Strophe wird der Wille mit dem Verb wanken oder der Gedanke mit der Eigenschaft des Lebens und dem Verb "weben" kombiniert.
Der Titel "Die Worte des Glaubens" trifft exakt den Inhalt des Werkes.
In der ersten Strophe schreibt Schiller "sie gehen von Munde zu Munde,", womit er meint, dass die Menschen ihren Kindern den Glauben an diese Worte anerziehen. Diese Worte, so schreibt Schiller, werden den Menschen jedoch nicht gesagt, wie in der dritten Zeile gesagt wird, sonder "das Herz nur gibt davon Kunde", was soviel hei√üt, das die Menschen aus ihrer innersten Seele an diese Worte glauben. F√ľr die Menschen damals gab es nicht viel anderes au√üer dem Glauben, deshalb schrieb Schiller "Dem Menschen ist aller Wert geraubt, wenn er nicht mehr an die drei Worte glaubt."
In Strophe II erkl√§rt Schiller das erste der drei Worte: Die Freiheit. Er schrieb, dass der Mensch in seinem Geist frei von Gott erschaffen wurde, auch wenn er k√∂rperlich unfrei ist. Er glaubt, dass jeder Mensch, unabh√§ngig von den Meinungen anderer, daran glauben m√ľsse. Dies dr√ľckt er mit "lasst euch nicht irren des P√∂bels Geschrei, nicht den Mi√übrauch rasender Toren", in Zeile drei und vier, aus. In den letzten beiden Strophen schreibt Schiller, dass man sich vor einem Entflohenen Sklaven nicht f√ľrchten soll, da er im Geiste ein freier Mensch sei.
Die dritte Strophe beschreibt die Tugend. Die zweite Zeile sagt aus, dass der Mensch f√§hig sei sie zu erlernen. Und wenn der Mensch einmal Probleme hat, so soll er, nach der dritten und vierten Zeile nach "der g√∂ttlichen [Tugend] streben". In der f√ľnften und sechsten Zeile wird Schillers Meinung ausgedr√ľckt, das der Mensch tugendhaft geboren wird, obwohl das viele anders sehen - "Und was kein Verstand eines Verst√§ndigen sieht, das √ľbet in Einfallt ein kindlich Gem√ľt."
In der vorletzten Strophe geht es um Gott. Zuerst wird gesagt, das Gott existiert, egal in welcher geistlichen Lage sich die Menschheit befindet - "Wie auch immer der menschliche [Wille] wankt" Unabhängig von Zeit und Raum zieht Gott "die Fäden der Weltordnung", egal wie groß das Chaos auf der Erde ist, Gott behält immer den Überblick - "Und ob alles in ewigem Wechsel kreist, es beharret im Wechsel ein ruhiger Geist."
Die letzte Strophe ist eine R√ľckbesinnung auf die erste. Doch nun appelliert Schiller an die Menschheit, die Worte, Freiheit, Tugend und Gott nie zu vergessen.
Schiller achtete in diesem Gedicht auf die Rechtschreibung und Interpunktion. Obwohl jede Zeile groß anfängt endet fast jede Zeile, ordnungsgemäß, mit einem Satzzeichen.
Schiller schrieb neben "den Worten des Glaubens" noch ein √§hnliches Gedicht mit dem Titel "Die Worte des Wahns". Auch in diesem Gedicht geht es um drei Worte und auch diese werden in der zweiten bis vierten Strophe, in je sechs Zeilen, des insgesamt f√ľnfstrophigen Werkes beschrieben.
Ich persönlich finde jedoch, dass das erste einfacher zu verstehen ist.


Weimar und das gesellschaftliche Leben


Herzog Karl Augusts gem√§√üigt aufgekl√§rte Erziehung war der Anlass, dass Weimar so eng an die deutsche Klassik gebunden war. In Weimar herrschte damals ein unb√ľrokratisches, pers√∂nliches, relativ freiheitliches aber doch traditionelles Klima. Die perfekte Atmosph√§re f√ľr eine kultivierte, aristokratisch - b√ľrgerliche Gemeinschaft. In diesem Personenkreis war Traditionsbewusstsein und das Streben nach Bildung direkt miteinander verbunden. Durch die N√§he der Jenaer Universit√§t, die der Herzog mitverwaltete, wurde das Interesse an der Wissenschaft gesch√ľrt. Zu Gespr√§chs - und Leseabenden, Theatervorf√ľhrungen und Musikveranstaltungen traf sich das gebildete Weimar in den Salons edler Damen oder in Goethes Haus. Auch wissenschaftliche Gesellschaften, wie die "Weimarer Kunstfreunde", bildeten sich. Unter der Leitung von Goethe entwickelte sich das Weimarer Theater von einem unbekannten Provinztheater zu einem ber√ľhmten Hoftheater.
Durch den Goethe - Schillerbund wurde neben dem Weimarer Leben die gesamte literarische Epoche gepr√§gt. Diesem Dichterb√ľndnis geh√∂rten neben Goethe und Schiller auch Wieland und Herder an. Da Herder extrem mit der franz√∂sischen Revolution sympathisierte relativierte sich dieses Verh√§ltnis bald. Auch Wilhelm von Humboldt pr√§gte die klassische Bildungsidee entscheidend. Er versuchte als Kulturpolitiker eine allgemeine, an der Antike orientierte Bildung einzuf√ľhren.


Die Zeit vor und nach der Klassik


Sturm und Drang


Der 1770 beginnende Sturm und Drang wird 1789 von der Klassik abgel√∂st. In ihm wurde sich mit den geistigen Auseinandersetzungen der Aufkl√§rung besch√§ftigt. Man wandte sich in der Politik gegen die Einteilung in verschiedene St√§nde und es wurde in literarischer Form gegen Heuchelei, soziale Ungerechtigkeit Habgier und Machtbesessenheit protestiert. Die Verfasser solcher Werke stie√üen bei Kirche und Adel auf heftigen Widerstand. Einer der wichtigsten Vertreter des Sturm und Drang war Gotthold Ephraim Lessing. Er versuchte bei den Leser seiner Werke Furcht und Mittleid zu erregen, damit diese √ľber die Zust√§nde ihrer Zeit selbst√§ndig nachdenken w√ľrden. Lessing meinte, dass erst so vernunftgem√§√ües Handeln m√∂glich w√ľrde. Weitere Vertreter des "Sturm und Drang" waren Klinger, der junge Johann Wolfgang von Goethe, der junge Friedrich Schiller und Jakob Michael Reinhold Lenz. Sie versch√§rften die Mittel Lessings in ihren Werken erheblich. Der Geniekult r√ľckte in dieser Zeit in den Mittelpunkt, dessen Vorbild William Shakespeare war. Er verk√∂rperte all die Qualit√§ten, an denen es einem Genie nicht fehlen sollte. Solche Eigenschaften waren Spontaneit√§t, Individualit√§t, Empfindung, Nat√ľrlichkeit und Originalit√§t auf vollendete Weise. Durch diesen Geniekult wollte man den Konflikt zwischen Individuum und herrschender Ordnung in der sp√§tfeudalen Gesellschaft in zugespitzter Form darstellen. Die Vertreter dieser Epoche k√§mpften f√ľr die politische Freiheit, wie Schillers es in seinem "Fiesko" beschrieb, f√ľr die Freiheit des Einzelnen wie es Goethe in "G√∂tz von Berlichingen", Schiller in "Die R√§uber" oder Klinger in "Die Zwillinge" darstellte. Es wurde sich f√ľr die Befreiung von Standesgrenzen in der Liebe wie in Schillers "Kabale und Liebe" oder Lenz' "Soldaten" und f√ľr die Freiheit der Gef√ľhle wie es Goethes "Clavigo" verdeutlicht. Da in Deutschland nach der Franz√∂sischen Revolution 1789 gesellschaftliche Reformen ausblieben verlor der Sturm und Drang schlie√ülich an Bedeutung. Der Sturm und Drang war jedoch f√ľr die folgenden Literaturepochen ein wichtiges Vorbild, da er den Grundstein eines revolution√§ren Verst√§ndnisses von Dichtung legte.

Romantik


Der √úbergang zwischen Klassik und der darauf folgenden Epoche der Romantik ist nicht als eigenst√§ndige Epoche zu betrachten. Beim √úbergang von der Klassik zur Romantik vermischen sich die Stilelemente, vor allem die der Literatur, beider Epochen, es wird an die Grundz√ľge beider Zeitperioden angekn√ľpft. Die Klassik versuchte eine Harmonie zwischen Verstand und Sinnlichkeit, von Genialit√§t und Kritik, sowie Poesie und Prosa herzustellen. Jedoch im Gegensatz zur Romantik suchte man diesen Ausgleich nicht im Unbewu√üten Mythischen, sondern im Leben. In der Romantik erinnerte man sich an das Mittelalter, an die "Kindheit" des Menschen, um sich von der Gegenwart abzulenken. Man wandte sich von der Realit√§t ab, da diese als schrecklich empfunden wurde. Diese Einstellung spiegelt sich in der Literatur wieder. Mit Hilfe des Harmoniegedanken will die Klassik die wirren, politischen Geschehnisse ordnen. Sie versucht durch ihn die Realit√§t zu vereinfachen und die Allgemeinbildung zu f√∂rdern. Die literarischen Werke bezwecken das Erreichen eines Idealzustandes der Gesellschaft. Die Literatur der Romantik hat hingegen vorrangig einen unterhaltenden Charakter, da sie die Menschen nur vom Alltagsgeschehen ablenken soll.
Im Jahre 1795 beginnt die Epoche der Romantik und l√§uft bis 1805 zeitlich parallel zur Klassik. Sie endet 1840, obwohl es sp√§ter immer mal wieder eine zeitweilige Renaissance der Romantik gab. Die Urspr√ľnge dieser Literaturepoche liegen in Deutschland, als die Br√ľder Friedrich und August Wilhelm Schlegel 1798 in der von ihnen gegr√ľndeten Zeitschrift "Athen√§eum", die Positionen einer romantischen Kunstauffassung darlegten. Dort hei√üt es im 116. Fragment: "Die romantische Poesie ist eine progressive Universalpoesie. Ihre Bestimmung ist nicht blo√ü, alle getrennten Gattungen der Poesie wieder zu vereinigen und die Poesie mit der Philosophie und Rhetorik in Ber√ľhrung zu setzen. Sie soll auch Poesie und Prosa, Genialit√§t und Kritik, Kunstpoesie und Naturpoesie bald vermischen, bald verschmelzen, die Poesie lebendig und gesellig und das Leben und die Gesellschaft poetisch machen. Die romantische Dichtart ist noch im Werden, ja das ist ihr eigentliches Wesen, dass sie ewig nur werden, nie vollendet sein kann.". In diesen S√§tzen sind die Stilmerkmale und inhaltlichen Akzente der Romantik dargestellt. Aber auch politische Aussagen sind in den Werken der Romantiker vorhanden. Diese meinen, das sie ihre Arbeiten nie w√ľrden abschlie√üen k√∂nnen, da sie sich in einem "best√§ndigen Werden" bef√§nden. Man wollte im Gegensatz zur Klassik, die ideale Gegenwelten entfernte, die reale Welt mit der Phantasiewelt in praktische Verbindung bringen. Da die Romantiker nicht nur √ľber ihre √úberzeugungen schrieben, sondern auch nach ihnen lebten, schlug sich das praktisch Denken und Handeln auch in der Lebensform nieder. Da es sich zu dieser Zeit schwer realisieren lie√ü das gesellschaftliche Leben mit einer Phantasiewelt zu verbinden, fl√ľchteten viele Menschen in den Glauben oder f√ľhrten, wie es sp√§ter viele Sp√§tromantiker taten, ein Doppelleben als K√ľnstler und B√ľrger. Einige wichtige Vertreter waren Novalis, Friedrich Schlegel, Clemens Brenteno, Ludwig Tieck, E. T. A. Hoffmann und Joseph von Eichendorff. Zu den bekanntesten lyrischen Werken, die in der Zeit der Romantik entstanden, z√§hlen Novalis‘ "Hymnen an die Nacht", das 1799 entstand, sowie Eichendorffs Liebes - und Brentanos Naturlyrik. In der Prosa Novalis' "Heinrich von Ofterdingen" von 1802, Tiecks 1796 geschriebener "William Lovell", Hoffmanns "Kater Murr" an dem er von 1820 - 22 arbeitete, Brentanos 1801 entstandenes Werk "Godwi" und Eichendorffs "Taugenichts" von 1826. Ein wichtiges Drama war das 1804 von Brentano geschriebene: "Ponce de Leon". Einige Romantiker, wie August Wilhelm Schlegel √ľberzeugten aber auch als √úbersetzer. Er √ľbersetzte zum Beispiel William Shakespeare. Die Bl√ľtezeit der deutschen Romantik war von 1820 - 1830. Bedingt durch den Einfluss deutscher Romantiker setzte au√üerhalb Deutschlands erst nach 1805 eine Bl√ľtezeit dieser Literaturstr√∂mung ein, die sich schrittweise bis 1848 steigerte. So finden sich in Frankreich romantische Einfl√ľsse bei Francois Chateaubriand, Senancour, Alfred Musset und George Sand, in Italien bei Giacomo Leopardi und Alessandro Manzoni, in D√§nemark bei Hans Christian Andersen, in Russland bei Alexander Puschkin, Nikolai Wassiljewitsch Gogol und dem jungen Fjodor Dostojewski, in Polen bei Adam Mickiewicz, und in England bei Walter Scott, John Keats, Mary Shelley und Samuel Taylor Coleridge.



Die "Klassik" - Legende


Wegen ihrer hohen Ideale in Kunst und Erziehung wurde die Klassik bald verherrlicht. Jedoch wurde gerade diese Epoche oft f√ľr ideologische Zwecke missbraucht. F√ľr Nietzsche sind die Philologen des 19. Jahrhunderts schuld am Mythos "Deutsche Klassik". Sie wollten damit die kulturpolitische Einigung Deutschlands vorbereiten. Auswirkungen des Mythos sind im Heroenkult der Klassiker im Wilhelminismus und in der Ideologie des, den anderen Menschenrassen √ľberlegenen, deutschen Geistes des Germanismus. Auch im Nationalsozialismus sind Folgen des Mythos "Deutsche Klassik" zu sehen. So sagte der Reichsjugendf√ľhrer Baldur von Schirach 1937 in einer Rede "von Schirach, Baldur: Goethe an uns.", zur Er√∂ffnung der Weimarer - Festspiele der deutschen Jugend: "Jugend Adolf Hitlers! Auch f√ľr dich gilt heute und immerdar das Wort, dass du dir erwerben musst, was du dereinst besitzen willst. Das Deutsche Reich hat dich hierher gerufen, damit auch an dieser St√§tte sich die Gr√∂√üe, Weite und Tiefe Deutschlands offenbare. Du handelst im Sinne des Mannes, dem du dienst, wenn du den Inhalt alles dessen, was der Begriff Weimar und Goethe umschlie√üt, in dich aufnimmst und in deinem treuen und tapferen Herzen einschlie√üt, damit du immer wei√üt, worum es geht, wenn du f√ľr Deutschland k√§mpfen musst."
Ein Beispiel f√ľr die Auswirkungen des Mythos im DDR - Sozialismus steht im "Kollektiv f√ľr Literaturgeschichte im Volkseigenen Verlag Volk und Wissen": "Die Darstellung des Lebens und die Bedeutung der Werke der gro√üen Dichter und Schriftsteller der klassischen Zeit sind ein wichtiger Beitrag sowohl f√ľr die literaturkundliche Bildung als auch f√ľr die sozialistische Erziehung unserer Jugend, unseres Volkes."


Anhang



Quellenangabe


    "Die Weimarer Klassik - Goethes Spätwerk (deutsche Literaturgeschichte, Bd.3, Auflage 2)"
Autor: Ernst u. Erika von Borries
Verlag: deutscher Taschenbuchverlag
M√ľnchen, Mai 1992

    "Schillers Werke in f√ľnf B√§nden - Gedichte und Prosaschriften (Bd.1, Auflage 13)"
Ausgew√§hlt und eingeleitet von Joachim M√ľller
Verlag: Aufbau - Verlag Berlin und Weimar
1974

    "Literatur Lexikon - Autoren und Werke deutscher Sprache"
Bertelsmannlexikonverlag (digitale Bibliothek)
Verlag: Direkt Media Publishing GmbH
Berlin, 1998

    Internet:
Vorwiegend:
www.fundus.org
www.gutenberg.aol.de

    Deutschhefter der 9. Klasse

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