Die NS-Zeit - Literatur als Zeitbild

DEUTSCH SPEZIALGEBIET

"DIE NS - ZEIT - LITERATUR ALS ZEITBILD: ANHAND VON ZUCKMAYRS "DES TEUFELS GENERAL", HACKLS "ABSCHIED VON SIDONIE", HORVATHS "JUGEND OHNE GOTT" UND DEM TAGEBUCH DER ANNE FRANK"



Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg im Spiegel des deutschen Dramas

,,Wie tief der Einschnitt war, den das Jahr 1945 in die deutsche Geschichte machte, kann man kaum irgendwo anders so ablesen wie an der Literatur. Sie ist ein verletzlicher, leicht wandelbarer Bereich. In ihm wird empfindlicher reagiert als anderswo. Im vitalen Bereich wurde weitergelebt: an die Stelle der t├Âdlichen Gefahren des Krieges und unterm totalit├Ąren Regime traten die H├Ąrten, Entbehrungen und Gef├Ąhrdungen der Besatzungszeit. Man musste sich weiterhin durchschlagen. Im politischen Bereich gab es pl├Âtzlich ein Vakuum: ├╝ber Nacht hatte sich, schien es, mit dem Zusammenbruch der politischen Struktur, der NS - lnstitutionen, auch ihr ideologischer Inhalt ins Ungreifbare verfl├╝chtigt. Nazis schien es keine mehr zu geben. In das Vakuum traten diejenigen ein, die vor 1933 links von den Nazis gestanden und ├╝berlebt hatten - eine winzige, ├╝berlastete, bem├╝hte Minderheit. Eine diffuse Situation. Sie stellte sich in der Literatur dar, vielfach auf eine Weise, die heute zugleich r├╝hrend und peinlich wirkt. Alles war unsicher und schwankend, die Vergangenheit fragw├╝rdig und wegen ihrer unbeantworteten Fragw├╝rdigkeit nahezu tabuiert, die Zukunft verh├Ąngt - die noch verbliebenen Energien waren n├Âtig, um in der zur punktuellen Situation eingeschrumpften Gegenwart sich zu behaupten.
Was das Theater anlangt. so erlebte es in den ersten Jahren bis zur W├Ąhrungsreform eine hektische Bl├╝tezeit: ├╝berall wurde gespielt, Scheunen, Turnhallen, Keller mussten herhalten. An kleinen und mittleren Orten sammelten sich einige versprengte Schauspieler und fingen an, in den gr├Â├čeren St├Ądten etablierten sich die st├Ądtischen und staatlichen B├╝hnen, ├╝n Fr├╝hsommer 1944 des totalen Krieges wegen geschlossen, bald wieder, meistens noch im Herbst 1945. Man wollte das Neue, hatte aber eigentlich anfangs nur das Alte zur Verf├╝gung: Die Klassiker, Shaw, Hauptmann, Ibsen. Da und dort versuchte man's - mit entt├Ąuschendem Ergebnis mit den St├╝cken von Wedekind, Sternheim, Georg Kaiser. Und schob mancherlei Unterhaltungsware, auch solche aus der Nazizeit, dazwischen, um das Publikum bei der Stange zu halten.
Das Neue, das man vage und wenig zielbewu├čt suchte, kam von drau├čen. Die Theateroffiziere der Besatzungsm├Ąchte offerierten es: St├╝cke von Thornton Wilder, Maxwell Anderson, Ardrey, Odets, Saroyan, O'Neill wurden von den Amerikanern angeboten, von den Franzosen solche von Anouilh, Sartre, Giraudoux, von den Engl├Ąndern Werke von Priestley, von den Russen St├╝cke von Simonow und Ehrenburg. Den gr├Â├čten Eindruck machten wohl Anouilhs Antigone und Wilders Unsere kleine Stadt. Vor allein deshalb, weil beide Autoren ganz frei mit der B├╝hne schalteten: Wilder verzichtete auf Kulissen, lie├č Requisiten pantomimisch andeuten. Ein Spielleiter conferierte. Dasselbe Mittel bei Anouilh, dazu ebenfalls der Verzicht auf die illusionistische Kulisse und dar├╝ber hinaus auf das historische Kost├╝m.
Es ist heute eher komisch, nachzulesen, wie sich die neue Freiheit zum erstenmal auswirkte, auf ein Sollst nur routiniertes St├╝ck: auf Axel von Ambessers 1946 uraufgef├╝hrte Kom├Âdie Das Abgr├╝ndige in Herrn Gerstenberg. Da trat auch der conferierende Spielleiter auf... Ein Hintertreppenroman, mit pappenen Konflikten, ohne jede Beziehung auf die prek├Ąre Situation der Gegenwart von 1946...
Ein anderer, aber auch ein krasser Fall: Fred Dengers St├╝ck Wir hei├čen euch hoffen (1947). Das hielt sich an den guten alten Naturalismus, f├╝hrte in einen Keller unter Tr├╝mmern, zeigte eine Bande von asozial und kriminell gewordenen Jugendlichen. Eine grelle Kolportage - Handlung, Pubert├Ątserotik wie in Ferdinand Bruckners Krankheit der Jugend aus den hektischen zwanziger Jahren
Auch das bedeutendste und ber├╝hmteste St├╝ck jener Jahre, Wolfgang Borcherts Drou├čen vor der T├╝r, im Februar 1947 als H├Ârspiel gesendet, im November des gleichen Jahres zuerst auf dem Theater gespielt, geht voll einem Grundkonflikt aus, der so allgemeing├╝ltig gar nicht war, wie Borchert ihn sah und mit sprachlichem Furor hinausschrie. Denn tut das St├╝ck nicht so, als ob die aus Krieg und Gefangenschaft zur├╝ckkehrenden ehemaligen Soldaten auf eine intakt gebliebene, b├╝rgerlich erstarrte Heimat gesto├čen seien, die sie abwies und ausschlo├č? Dabei war ja der krasse Unterschied zwischen Front und Heimat, drau├čen und drinnen gar nicht vorhanden. Der totale Krieg hatte hier wie dort gewirkt. Zerst├Ârungen, Verheerungen ├╝berall. Nat├╝rlich hat es individuelle F├Ąlle gegeben, in denen Heimkehrer feststellten, dass ihre Eltern umgekommen, ihre Frauen untreu geworden waren. Aber f├╝r eine so durcheinandergesch├╝ttelte, in den gro├čen Zusammenh├Ąngen scheinbar zerst├Ârte, in den kleinen, intimen Gemeinschaften Ehe und Familie aber eher von der Not gefestigte Gesellschaft war Heimkehrerproblem bestenfalls eines unter vielen anderen. Borchert musste schon arg ├╝bertreiben, sentimental und pathetisch aufh├Âhen, um sein St├╝ck als signifikant erscheinen zu lassen.
Eigentlich ist Drau├čen vor der T├╝r ein Nachklang des Expressionismus: der einzelne, ein radikal und zugleich vage F├╝hlender, der sich als Anti - B├╝rger. als K├╝nstler, Fragender. Zweifelnder, Ausgeschlossener empfindet. st├Â├čt schmerzhaft mit der Welt zusammen oder mit dem, was sein Affekt sich als Welt einbildet. Das isolierte, extrem introvertierte Ich allein ist von Belang - die anderen. die Geborgenen erscheinen als Schemen oder grelle Karikaturen. Mit ihnen ist kein Dialog m├Âglich. Mi├čverst├Ąndnisse sind zwangsl├Ąufig wie Verh├Ąngnisse. Beckmann, das gro├če, sentimentale Ich, kann die Welt nicht konkret und real erfahren, dazu ist er au├čerstande...
Zwei Themen, die in den kommenden Jahren wiederkehrten, sind eingebettet in Borcherts manische Vision: Beckmann will dem Oberst ,die Verantwortung zur├╝ckgeben', die Verantwortung f├╝r einen Befehl, den er ,von oben' empfing und als Unteroffizier weitergab. Er hat dadurch - empfindet er - Soldaten in den Tod geschickt. Das andere Thema: wie kamen die kleinen Leute durch die Zeiten, wie wurden sie mit den politischen Umbr├╝chen fertig? ... Borcherts St├╝ck, obwohl vielgespielt, blieb - zu Recht - folgenlos. Peter R├╝hmkorf (in seiner Borchert - Monographie) zieht folgende Summe: ,ein sogenanntes Zeit - und Gegenwartsst├╝ck' ... aber seine Tendenz ist gerade: Heraus aus der Zeit, heraus aus der Gegenwart.'
Seine Qualit├Ąt liegt im manischen Nachdruck der Sprache. Diese Sprache ist im Grunde einfach, sie kennt kaum logische syntaktische Verkn├╝pfungen. Borchert bevorzugt emotionale Aneinanderreihungen, die Steigerung durch Wiederholung. Er ist wie besessen von dem Bindemittel des Stabreims ...
Noch der Leser von heute schwankt, wie doch wohl auch das Publikum von damals, zwischen Faszination - durch die hochgerissene Exaltation der Sprache - und Langeweile - wegen der unabl├Ąssigen Aneinanderreihung, Wiederholung."
(H. Rischbieter, Deutsche Dramatik in West und Ost, S.42 - 44)
CARL ZUCKMAYR: DES TEUFELS GENERAL

Biographie:

Carl Zuckmayer wurde am 27. Dezember 1896 in Nackenheim (Rheinhessen) als Sohn eines Fabrikanten geboren. 1900 kam Zuckmayer nach Mainz, wo er das Gymnasium von 1903 - 1914 besuchte. Mit 18 Jahren (1914 - 1918) nahm er als Freiwilliger am Weltkrieg teil, den er allerdings kurze Zeit sp├Ąter verabscheute. Ab 1918 studierte er in Frankfurt/M. und Heidelberg zun├Ąchst Jura und National├Âkonomie, dann jedoch Literatur - und Kunstgeschichte. Au├čerdem belegte er einige Semester in Philosophie, Soziologie und Biologie. Nach den verschiedenen Studieng├Ąngen arbeitete er als Dramaturg in Kiel, wurde aber entlassen und wechselte ans Schauspielhaus M├╝nchen. Von 1924 an arbeitete er zusammen mit Berthold Brecht als Dramaturg an Reinhardts Deutschem Theater in Berlin. Sein erster gro├čer Erfolg "Der fr├Âhliche Weinberg" brachte ihm 1925 den Kleist - Preis ein. Nach seiner Entlassung wegen Erfolglosigkeit bei Reinhardts Deutschem Theater lebte Zuckmayer als freier Schriftsteller zun├Ąchst in Salzburg dann in Berlin. 1929 erhielt der Autor den Georg - B├╝chner - Preis. 1930 schrieb er das Drehbuch zu dem Film "Der blaue Engel" nach dem Buch von Heinrich Mann "Professor Unrat".
Sein ├Âffentliches Auftreten gegen├╝ber dem Nationalsozialismus und seine j├╝dische Abstammung m├╝tterlicherseits f├╝hrten 1933 zum Auff├╝hrungsverbot seiner St├╝cke. 1933 - 38 lebte er in Henndorf bei Salzburg, wo er bereits 1926 ein Haus gekauft hatte.
Nach dem "Anschlu├č" ├ľsterreichs entzog er sich der Verhaftung durch die Flucht in die Schweiz. Von dort emigrierte er ├╝ber Kuba in die USA, wo er als Drehbuchautor und Dozent an Piscators "Dramatic Workshop" in New York arbeitete. Eine Art Reisef├╝hrer dieser Flucht erz├Ąhlt seine Frau Alice in "Die Farm in den gr├╝nen Bergen".
1946 kehrte er als Zivilbeauftragter der amerikanischen Regierung f├╝r Kulturfragen nach Deutschland zur├╝ck, lebte aber ab 1951 nochmals in den USA. Sp├Ąter erhielt er den Goethe - Preis der Stadt Frankfurt und 1957 den Dr. Phil. h.c. der Universit├Ąt Bonn.
1958 siedelte er in die Schweiz ├╝ber und lebte in Saas - Fee (Wallis), wo er 1960 den gro├čen ├ľsterreichischen Staatspreis und 1967 den Orden Pour le m├ęrite f├╝r Wissenschaft und K├╝nste erhielt.
Zuckmayer starb am 18. Januar 1977 in Saas - Fee.


Entstehung:

Carl Zuckmayr schrieb "Des Teufels General" auf seiner abgelegenen Farm im amerikanischen Bundesstaat Vermont, wo er die Kriegsjahre verbrachte. Grund f├╝r das Werk war der Tod seines Freundes Ernst Udet, der General der Deutschen Luftwaffe war. Von seinen Tod erfuhr Zuckmayer ├╝ber amerikanische Medien, die schrieben, Udet sei bei einem Probeflug eines neuen Flugzeugs abgest├╝rzt. Zuckmayer war von dieser Meldung best├╝rzt und schrieb in nur drei Wochen den ersten und letzen Akt seines Werks, f├╝r den Mittelteil brauchte er zwei Jahre und war mit dem Ende des zweiten Weltkriegs auch fertig mit seinem St├╝ck.



Inhalt:

Im "Sp├Ątjahr 1941, kurz vor dem Eintritt Amerikas in den Krieg", treffen sich in "Ottos Restaurant" einem exklusiven Berliner Nachtlokal der Naziprominenz, die scheinbar exemplarisch, im Grunde aber klischiert gezeichneten Gestalten der Zeit auf einer ausgelassenen Party des General Harras: der doktrin├Ąr linientreue "Kulturleiter" Dr. Schmidt - Lausitz, der naiv gl├Ąubige Nationalsozialist Oberst Eilers, dessen "f├╝nfzigster Luftsieg" gefeiert wird, der opportunistische aristokratische Waffenlieferant von Mohrungen, dessen Tochter, das kesse BDM - M├Ądchen "P├╝tzchen", die gefeierte Operettendiva Olivia Gei├č, die heimlich ihren j├╝dischen Freunden zur Flucht ins Ausland verhilft, mehr oder weniger plastisch gezeichnete Offiziere wie etwa Pfundmayer, "Typus bayrischer Kraftlackel" - schlie├člich der verehrte und gef├╝rchtete, geliebte und geha├čte Hauptheld General Harras, stilisiertes Nachbild des Fliegergenerals Ernst Udet. Mit kalauernder ("Das walte Himmler"), kaltschn├Ąuziger Schnoddrigkeit schwadroniert er unbek├╝mmert vor seinen entsetzten, heimlich entz├╝ckten oder rachs├╝chtig intrigierenden und spitzelnden Zuh├Ârern ├╝ber die "miesen Typen" des Regimes, dem er doch seine milit├Ąrische Karriere verdankt. Aus Sentimentalit├Ąt, um der "alten Mutter" den Spa├č an seinen Orden und Heldentaten nicht zu verderben, und aus Begeisterung f├╝r das Fliegen hat er sich dem "Teufel" Hitler verschrieben - ohne Skrupel ├╝ber die sich daraus ergebenden politischen und moralischen Konsequenzen: "Sie haben mich gebraucht - und sie brauchen mich jetzt erst recht. Au├čerdem - es ist mir wurscht." Ganz so "wurscht" scheint es ihm indes doch nicht zu sein: Er weigert sich in "die Partei" einzutreten, und hilft seiner Freundin Olivia und deren in zarter Liebe zu ihm entflammten Nichte Diddo zuliebe einem j├╝dischen Chefarzt (!) ├╝ber die Grenze. Wegen seiner milit├Ąrischen Erfolge genie├čt er weitgehend Narrenfreiheit, bis ihm die unerkl├Ąrliche Kette der durch Materialsch├Ąden verursachten Abst├╝rze seiner Kampfmaschinen zum Verh├Ąngnis wird. Von der Gestapo ultimativ zur Aufkl├Ąrung dieser "Unf├Ąlle" gezwungen, entdeckt er schlie├člich in seinem besten Freund, dem verantwortlichen Chefingenieur Oderbruch, den Hauptt├Ąter. Oderbruch, ein idealistischer Widerstandsk├Ąmpfer, der auch in der ├╝berarbeiteten Schlu├čfassung von 1966 nicht zu einer klar umrissenen Gestalt, versucht Harras von der Notwendigkeit der Sabotageakte zu ├╝berzeugen und zur Mitarbeit in seiner Organisation zu bewegen. Doch f├╝r den ist es zu sp├Ąt: "Wer auf Erden des Teufels General wurde und ihm die Bahn gebombt hat - der muss ihm auch Quartier in der H├Âlle machen", verabschiedet sich Harras, besteigt eine der defekten Maschinen und st├╝rzt kurz nach dem Start in den Heldentod.


Dichtung als Zeitbild anhand des St├╝cks:

General Harras und das deutsche Schicksal:

General Harras, ein k├╝nstlerisches Portr├Ąt von Zuckmayers Freund Ernst Udet, ist ein Mensch, der gegen die Gesellschaft seiner Zeit zu stehen kommt, und in Gewissensnot ger├Ąt, weil er sich in Schuld verfangen hat. In der Person und dem Geschick seines General Harras stellt Zuckmayer die Frage: Wie war es m├Âglich, dass das deutsche Volk, wenn nicht in seiner Gesamtheit, so doch in f├╝hrenden Schichten, dem Teufel, dem B├Âsen verfiel?
Doch ist dieser General Harras nicht etwa die Allegorie des deutschen Schicksals in der Nazizeit. Denn der Dichter versuchte ein Individuum zu bilden und keinen Typus, nur einmal wird kurz angedeutet, dass Haltung und Schicksal des Harras f├╝r Haltung und Schicksal der Deutschen steht. Als Oderbruch fragt: "Wissen sie einen anderen Weg?", antwortet Harras "Wenn ich ihn w├╝├čte - w├╝├čten ihn Millionen"
Und doch weist Harras Z├╝ge auf, wie sie auf viele Millionen Deutsche in der Nazizeit zutreffen. Er ist nicht der Nationalsozialist, spottet und schimpft ├╝ber die Bonzen, stellt sich aber dem Regime zur Verf├╝gung, f├╝gt sich, l├Ąsst sich solange alles gut geht, solange das Regime Arbeitm├Âglichkeiten, Aufstieg, Entfaltungsm├Âglichkeiten und Siege bringt, von ihm tragen. Im Laufe der Zeit gehen ihm immer mehr die Augen au. Aber er hat nicht mehr die Kraft sich dem Regime zu widersetzen, er ist schon zu tief in dessen Maschen verfangen. Im Prinzip ist der Charakter ein guter, aber er stellt sich in den Dienst des B├Âsen, deren Fesseln er sich nicht entwinden kann. So wird er schuldig und nur der Tod - f├╝r das deutsche Volk der Untergang als Volk - kann ihn ents├╝hnen. Alle diese Eigenschaften treffen sowohl auf Harras als auch auf viele seiner Landsleute zu, und Zuckmayer zeigt hiermit die Situation der Bev├Âlkerung anhand einer einzelnen Figur, jedoch ohne sie als Typus darzustellen, vielmehr als M├Âglichkeit sich mit ihr in einzelnen Punkten zu identifizieren und zu messen.
Doch der Held seines Dramas steht nicht allein f├╝r Deutschland. Ihm gegen├╝ber stehen auf einen Seite die Vertreter des Nationalsozialismus, auf der anderen Vertreter des Widerstands. Andere typische Gestalten erg├Ąnzen, so entsteht das Milieubild des deutschen Lebens im Hitlerkrieg.

Oderbruch und das Problem des Widerstands:

Neben der Titelfigur ist der Chefingenieur Oderbruch ein wichtiger Teil der Problematik in dieser Zeit - das Problem des Widerstands gegen einen Unrechtsstaat. Denn dieser Widerstand ist, zumindest formal - rechtlich gesehen, Verletzung der Treue - und Gehorsamspflicht; er kommt dem Landesverrat gleich. Nicht nur der Hitlerstaat wird ja durch die Sabotageakte Oderbruchs gef├Ąhrdet, sondern der Fortbestand der
wird aufs Spiel gesetzt. Oderbruch hat sich daf├╝r entschieden, das Gebot des Gewissens h├Âher zu achten als die Existenz der Nation.
Dieses Problem hatte nicht nur Oderbruch, es ist auf viele Deutsche die einer Widerstandsbewegung angeh├Ârten zu projezieren. Doch meiner Meinung nach z├Ąhlt nicht nur das Problem, das der Widerstand mit sich bringt, es z├Ąhlt vielmehr der Wille zum Widerstand bzw. der Widerstand selbst. Zuckmayer will mit Oderbruch auch einen "Typus" in seine Milieuschilderung bringen, der weder dem Nationalsozialismus ausn├╝tzt noch von ihm abh├Ąngt. So versucht er dem Zuseher klarzumachen, dass nicht alle sog. Nazis waren, sondern es auch Menschen gab, die nicht nur redeten, wie Harras, sondern auch Taten setzten. So gesehen, kann man Oderbruch als Gegenspieler zu Harras betrachten.

Leutnant Hartmann und die deutsche Jugend:

Besonders die durch den Nationalsozialismus irregeleitete Jugend durfte sich durch "Des Teufels General" angesprochen f├╝hlen, da Zuckmayer im Leutnant Hartmann eine Figur geschaffen hatte, die die Hoffnung Deutschlands auf eine bessere Zukunft zu verhei├čen schien. Hartmann war und ist ein Symbol f├╝r viele Deutsche, die das selbe Schicksal erlitten wie er, auch sie wurden mit dem Nationalsozialismus gro├čgezogen und kannten nichts anderes, so war es f├╝r die Jugend schwer eigene Meinungen zu entwickeln. Sie konnten meist erst gegen Ende des Krieges feststellen, welchem System sie da verfallen waren, und dann war es zu sp├Ąt. Dieses Schicksal trifft auf sehr viele Deutsche, ├ľsterreicher, Japaner und Italiener zu, und deswegen kann man Leutnant Hartmann als globale Figur, die den zweiten Weltkrieg symbolisiert, sehen.


├ľD├ÂN VON HORVATH: JUGEND OHNE GOTT:

Biographie:

├ľd├Ân von Horv├íth: geboren am 9. 12. 1901 in Fiume (Rijeka, HR), gestorben am 1. 6. 1938 in Paris (Unfall). Er war der Sohn eines ├Âsterreichisch - ungarischen Diplomaten, lebte ab 1923 als Schriftsteller in Berlin und Murnau (Bayern). Aufgrund von nationalsozialistischer Repressalien lebte er von 1933 - 38 in Wien, emigrierte im M├Ąrz 1938 nach Paris. Seine St├╝cke stehen in der Tradition des Wiener Volksst├╝cks und der ├Âsterreichisch sprachskeptischen Literatur. Vor allem durch die Demaskierung kleinb├╝rgerlicher Sprache ("Bildungsjargon") und Verhaltensweisen ├╝bte er radikale Sozialkritik, wobei besonders die Frauen als Opfer erscheinen. In seinem Sp├Ątwerk, den Romanen "Jugend ohne Gott" (1937) und "Ein Kind unserer Zeit" (1938) befa├čte er sich mit dem Aufstieg des Faschismus. 1931 erhielt er den Kleist - Preis.
Weitere Werke: Romane und Prosa: Sportm├Ąrchen (ab 1924 in der Zeitschrift "Simplicissimus"); Der ewige Spie├čer, 1930. Dramen: Revolte auf C├┤te 3018, 1927 (neue Fassung unter dem Titel "Die Bergbahn", 1928); Sladek, der schwarze Reichswehrmann, 1930; Ital. Nacht, 1931; Geschichten aus dem Wienerwald, 1931; Kasimir und Karoline, 1932; Glaube, Liebe, Hoffnung (Ein Totentanz), 1932; Die Unbekannte aus der Seine, 1933; Hin und Her, 1933; Figaro l├Ąsst sich scheiden, 1934; Don Juan kommt aus dem Krieg, 1937; Pompeji, 1937; Der j├╝ngste Tag.

Entstehung:

Sein, 1937 in Henndorf bei Salzburg, entstandener Roman "Jugend ohne Gott", hat als Grundlage ein Dramenfragment ("Der Lenz ist da! Fr├╝hlingserwachen in unserer Zeit."), in dem er sich schon mit militaristisch - autorit├Ąren Staat besch├Ąftigt. Weiters h├Ąlt er sich an eine, 1935 entstandene, Romanskizze, in der schon von "Radiopropaganda" die Rede ist, und er sich ebenfalls mit der im Roman behandelten Problematik, ernsthaft auseinandersetzt.
Grund f├╝r seine ├ťberlegungen zum Thema Jugend im Faschismus, war die politische Situation zu dieser Zeit.

Inhalt:

Ein junger, idealistischer, an humanistischen Idealen orientierter Lehrer ├╝bernimmt im faschistischen Vorkriegsdeutschland eine neue Schulklasse. Er steht einer faschistisch eingestellten Klasse gegen├╝ber, die ihn als Lehrer ablehnt. Als die Schulklasse in den Osterferien in ein milit├Ąrisches Ausbildungslager f├Ąhrt, kommt es unter den Sch├╝lern zu einem Diebstahl. Der Lehrer, der sich bem├╝ht das Verbrechen aufzukl├Ąren, kommt im Verlauf seiner heimlichen Nachforschungen in den Besitz des Tagebuches eines Sch├╝lers, verschweigt aber aus Feigheit seine Tat und macht sich so am Streit zweier Sch├╝ler und dem folgenden Mord mitschuldig. Nachdem noch das Verh├Ąltnis einer der Jungen, der f├╝r den Diebstahl mitverantwortlich ist, mit einem fremden M├Ądchen ans Licht kommt, sieht sich der Lehrer verstrickt in ein "Leben des Elends und der Widerspr├╝che". Bei einer Gerichtsverhandlung gesteht er die Wahrheit und r├╝ttelt so das Gewissen der anderen Zeugen wach. Dadurch kann er, unterst├╝tzt von einigen Jugendlichen, den wahren M├Ârder entlarven.

Dichtung als Zeitbild anhand des Romans:

Wie schon im zuvor besprochenen Werk greift der Autor den Faschismus insbesondere die Jugend im Nationalsozialismus als Grundproblematik seines Werkes auf.
Parallelen sind besonders in den behandelten Personen zu erkennen, so hat Horvath ebenfalls drei Gruppen von Menschen im Nazi - Regime charakterisiert:
Die erste erfa├čt diejenige, die der Ideologie gegen├╝ber aufgeschlossen sind, sie kritiklos akzeptieren, verinnerlichen, ja sogar verteidigen. (z.B.: B├Ąckermeister N und sein Sohn - vgl. Schmidt - Lausitz).
Die zweite und bei weitem gr├Â├čte Gruppe unter den Handelsfiguren vereint diejenigen, die sich im System einrichten, ohne die Ideologie wirklich zu ├╝bernehmen. Sie verhalten sich ihr gegen├╝ber weitgehend passiv bzw. gleichg├╝ltig, haben mitunter sogar innere Vorbehalte, zeigen diese aber aus Opportunismus oder auch nur aus Angst vor Repression nicht nach au├čen. (z.B.: der Lehrer - vgl. Harras, Hartmann)
Die dritte Gruppe ist sehr klein, zu ihr geh├Âren der Julius C├Ąsar, der Pfarrer und sp├Ąter der Lehrer. Diese Gruppe zeichnet sich durch eine ablehnende Haltung gegen├╝ber der neuen Ideologie aus. Sie verweigert bzw. entzieht sich dem System, leistet aber bestenfalls passiven bzw. geistigen Widerstand. (vgl. aktiver Widerstand von Oderbruch)
Im folgende Absatz behandle ich einige thematische Schwerpunkte im Bezug auf die damalige Zeit n├Ąher:
Horvath beschreibt in seinem Werk einen faschistischen Menschen (in der Person des Lehrers), an dem die Zweifel nagen - oder besser gesagt er beschreibt den Menschen im Faschismus bzw. Nationalsozialismus. Dies ist eines der Kernthemen, das, wie schon bei Zuckmayer, den "durchschnittlichen" Nazi behandelt, und deutlich zeigt, dass es den Nazi, so wie man ihn sich vorstellt im Gro├čteil der Bev├Âlkerung, nicht gegeben hat. Er r├Ąumt hier nicht nur unbewu├čt mit einem Klischee auf, sondern zeigt auch deutlich, wie eine Ideologie so an Zulauf gewinnen kann. Ein Grund, so Horvath, ist der Antiintellektualismus, der das Volk blind macht, indem es nicht denkt. "Das Denken ist den Anh├Ąngern der Ideologie verha├čt, und Humanit├Ąt wird zur Humanit├Ątsduselei".
Ein weiterer, viel schwerwiegender Grund ist die ├ťberbewertung der eigene Gruppe und eine rassistisch wie sozialdarwinistische gef├Ąrbte Argumentation zu deren Begr├╝ndung. Dies verkn├╝pft mit Opferbereitschaft, die in solchen F├Ąllen meist auftritt, f├╝hrt zur Verdammung jeder Form von Individualismus. "Sie wollen Maschinen sein [...] und noch lieber Munition" Wozu diese Ansichten f├╝hren k├Ânnen, sieht man nicht nur am Nationalsozialismus, und ist nicht nur Vergangenheit, sondern, im Gegenteil, hat noch immer Aktualit├Ąt.
Ein weiterer wichtiger Faktor f├╝r das Funktionieren einer Ideologie, ist die gezielte Ausbildung der Jugend, in die vom Staat vorgeschriebene Richtung. Auf diesen Aspekt legt der Autor besonders gro├čen Wert, und zeigt wie durch gezieltes Drillen der junge Mensch auch sp├Ąter noch vom Weiterdenken abgehalten werden kann (vgl. P├╝tzchen).
Doch Horvath spricht noch einen weiteren Aspekt an der jeder Ideologie verha├čt ist: die Kirche. Nicht umsonst versucht jede Ideologie jegliche Religion zu verbieten, und sie durch ihr Programm zu ersetzen. Grund hierf├╝r ist die Religion selbst, sie k├Ânnte Menschen zum Denken anregen, und intellektuelle Priester k├Ânnten die Probleme der Ideologie erkennen und weiterverbreiten. Dieses Problem spricht der Autor schon im Titel an und baut es noch weiter im Dialog Lehrer - Pfarrer aus.
Das folgende Beispiel, soll zeigen, wie weit es die Nationalsozialisten mit "ihrer Religion" getrieben haben:
Die Nationalsozialisten versuchten, Hitler wie einen Gott darzustellen. Das sieht man auch an dem Tischgebet eines nationalsozialistischen Kindergartens:
"F├╝hrer, mein F├╝hrer, von Gott mir gegeben,
besch├╝tz’ und erhalte noch lange mein Leben!
Hast Deutschland gerettet aus tiefster Not,
Dir danke ich heute mein t├Ągliches Brot.
Bleib noch lange bei mir,
verlass mich nicht,
F├╝hrer, mein F├╝hrer, mein Glaube, mein Licht!
Heil mein F├╝hrer!"
(L. Mosse, Der nationalsozialistische Alltag. K├Ânigstein 1979. S. 268 zitiert nach Bernhard Heinloh (Hrsg.), Oldenbourg Geschichte f├╝r Gymnasien 9. M├╝nchen 1994. S. 167)
Dies spricht gleich ein weiteres, schon vorher erw├Ąhntes, Problem an: die Jugend im Nationalsozialismus, erl├Ąutert und besprochen anhand historischer Fakten:
"In besonderer Weise versuchten die Nationalsozialisten, die Jugend f├╝r sich zu gewinnen. Die Hitlerjugend z├Ąhlte kurz vor dem Regierungsantritt Hitlers etwa 10000 Mitglieder. 1933 wurden viele Jugendgliederungen entweder freiwillig oder zwangsweise gleichgeschaltet. Die Mitgliederzahl wuchs bis 1934 auf 3.5 Mill. Die Jugendlichen wurden zu Soldaten erzogen." (Franz Hofmeier (Hg.), Wege durch die Geschichte. Band 4. Berlin 1994. S. 153)
1. Schulerziehung:
Die NS - Parteif├╝hrer versuchten die Schulen dem kirchlichem Einfluss durch Gr├╝ndung staatlicher Gemeinschaftsschulen zu entziehen. Lehrpl├Ąne und Schulb├╝cher spiegelten die NS - Weltanschauung wider. Sch├╝ler bespitzelten Mitsch├╝ler und Lehrer denunzierten andere Lehrer wegen parteisch├Ądigender ├äu├čerungen. F├╝r Lehrer gab es den NS - Lehrerbund, in dem alle Lehrer Mitglieder sein sollten.
Das wichtigste Fach war im Dritten Reich Biologie. Man verstand darunter keine wirkliche Naturkunde, sondern eine Rassenideologie, die nun von klein an den Sch├╝lern eingetrichtert wurde. Nur die Menschen arischer Abstammung wurden als wirkliche Menschen angesehen.
Das zweitwichtigste Fach war Leibes├╝bung. An erster Stelle stand hier "das Heranz├╝chten kerngesunder K├Ârper. Erst in zweiter Linie kommt dann die Ausbildung der geistigen F├Ąhigkeiten." (Adolf Hitler: "Mein Kampf") Diese Ausbildung sollte als Vorbereitung f├╝r den Wehrdienst dienen und den arischen Gedanken unterst├╝tzen.
Beides kommt im Roman vor. Im Ferienlager werden die Jungen auf den Krieg vorbereitet. Die Verbreitung des arischen Gedankens sieht man daran, dass der Lehrer Schwierigkeiten bekommt, weil er sagt, auch Neger seien Menschen.
Deutsch und Geschichte geb├╝hrte die n├Ąchste Rangstufe im NS - Erziehungssystem. Das Wesentliche dieser F├Ącher wurde durch ideologische Propaganda ersetzt. Die Jugendlichen sollten die Grundz├╝ge deutschen Wesens erkennen: deutsches Denken und Handeln wie zum Beispiel Heldentum, Ehre, deutsche Mannhaftigkeit, deutsche Sitte, deutsche Ehre, innere Freiheit und den deutschen K├Ânigs - und F├╝hrergedanken. So wurden zum Beispiel in Geschichte Themen wie "Der deutsche Arbeiter unter volksfremder marxistischer F├╝hrung" oder "Die Wiedergeburt des deutschen Volkes im Weltkriege" behandelt.
Der Aufsatz, den die Sch├╝ler im Roman schreiben m├╝ssen, passt in diesen Zusammenhang. Denn er hat das Thema "Warum m├╝ssen wir Kolonien haben?" (S. 12)
Die ├╝brigen F├Ącher spielten keine wesentliche Rolle im Nationalsozialismus. Dies zeigt sich besonders darin dass in einer grundlegenden theoretischen Erziehungsschrift der NS - Zeit die F├Ącher Biologie, Deutsch, Leibeserziehung und Geschichte 39 Seiten einnehmen, die Naturwissenschaften (Mathematik, Physik, Chemie und Erdkunde) jedoch nur eine.
2. Erziehung in anderen Organisationen:
Au├čer der Schule gab es noch andere Organisationen, die die Jugend nationalsozialistisch erzogen. Die meisten Jungen waren in der Hitler - Jugend, die meisten M├Ądchen waren im Bund Deutscher M├Ądel. Dort wurden fast die selben Sachen unternommen wie im Ferienlager im Roman. Die Ziele sind im "Gesetz der Hitler - Jugend" vom 1.12.1936 zusammengefa├čt:
"Von der Jugend h├Ąngt die Zukunft des deutschen Volkes ab. Die gesamte deutsche Jugend muss deshalb auf ihre k├╝nftigen Pflichten vorbereitet werden. Die Reichsregierung hat daher das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verk├╝ndet wird:
┬ž1 Die gesamte deutsche Jugend innerhalb des Reichsgebietes ist in der Hitler - Jugend zusammengefa├čt.
┬ž2 Die gesamte deutsche Jugend ist au├čer in Elternhaus und Schule in der Hitler - Jugend k├Ârperlich, geistig und sittlich im Geiste des Nationalsozialismus zum Dienst am Volk und zur Volksgemeinschaft zu erziehen. (...)


ERICH HACKL: ABSCHIED VON SIDONIE:

Erich Hackl beschreibt in seiner Erz├Ąhlung ein Einzelschicksal, n├Ąmlich jenes eines Zigeunerm├Ądchens, das in ├ľsterreich unter dem Nationalsozialismus keine Chance zu ├╝berleben hat. Das M├Ądchen, Sidonie Adlersburg, erleidet dasselbe Schicksal wie Millionen andere Menschen, die ebenfalls in einem Konzentrationslager umgekommen sind. Somit unterscheidet sich dieses Buch von den zuvor analysierten in der Hinsicht, dass hier das Problem der "Vernichtung der Rassenfremden" angesprochen wird, und das Milieu des Nazi - Regime wird aus einer ganz anderen Perspektive gesehen.
Als S├Ąugling wird Sidonie Adlersburg im August 1933 vor den Pforten des Krankenhauses Steyr in Lumpen geh├╝llt aufgefunden. Sofort versucht man, die leiblichen Eltern des M├Ądchen ausfindig zu machen. Diese Suche verl├Ąuft zun├Ąchst aber erfolglos. Angesichts der besonders tristen wirtschaftlichen Lage der Stadt Steyr bem├╝ht man sich, Pflegeeltern f├╝r das Kind zu finden. Die Familie Beirather nimmt sich zun├Ąchst des M├Ądchen an. Sidonie, die an der englischen Krankheit, einer mangelten Verkalkung des Knochengewebes, leidet, entwickelt sich nur langsam und bekommt mehr und mehr die rassistischen Einstellungen ihrer Mitmenschen zu sp├╝ren. Die Lage spitzt sich zu, die leibliche Mutter kann ausgeforscht werden, und Sidonie wird schlie├člich am 30. M├Ąrz 1943 an diese ├╝berstellt. Ihr Todesurteil ist damit gef├Ąllt. Mit dem letzten Transport wird sie gemeinsam mit ihrer Familie nach Auschwitz gebracht. Von ihrem Bruder, Joschi Adlersburg, erf├Ąhrt der Leser, dass sie im Konzentrationslager Auschwitz - Birkenau umgekommen ist.
Sidonies Schicksal ist, wie bereits erw├Ąhnt, nur eines von vielen ├Ąhnlichen. Auf welche Weise Erich Hackl gerade auf den Lebensweg dieses einen M├Ądchen gesto├čen ist, soll nun in dem nun folgenden Kapitel behandelt werden.

Entstehung und Autorintention:

Es handelt sich hierbei um eine authentische Geschichte, sowie "Auroras Anlass", ebenfalls ein Werk von Erich Hackl.
"Die Geschichte der Sidonie Adlersburg hat sich in Steyr, Hackis Geburtsstadt, wirklich abgespielt, wie er sie berichtet. Kaum etwas ist erftinden: auch nicht der brutale Eifer, mit dem die Jugendamtsleiterin K├Ąthe Korn, der Oberlehrer Frick und die Betreuerin C├Ącilie Grimm nicht mehr Grunde zum Leben, sondern nur noch Gr├╝nde zum T├Âten des Kindes suchten." (Frankfurter Allgemeine, 1. 7. 1989)
Auch dieses Buch ist ein Ergebnis von jahrelangen Recherchen. (vgl. Rybarski: Zu Tode zitiert - Profil 17. 7. 1989, S.80) Konkret stie├č Hackl auf den Fall Sidonie w├Ąhrend seiner Recherchen ├╝ber das Jahr 1934 f├╝r ein Radiofeature. Allerdings konnte die gesamte Menge des recherchierten Materials innerhalb dieses Radiofeatures nicht bearbeitet werden. In der Folge wurden Dokumente ausfindig gemacht und in der Gegend, in welcher Sidonie lebte, Zeugen befragt.Diese Zeugen waren die Menschen im Umkreis von Sidonie, vor allem aber die Pflegemutter, der Pflegebruder und der leibliche Bruder des M├Ądchens. Dann entstand eine kurze Erz├Ąhlung f├╝r das ,,Tagebuch", "Hackls literarisch - journalistischer Heimat" (Rybarski: Zu Tode zitiertm, S.81). Normalerweise entsteht ein Film zu einem Buch erst nach dem Erscheinen des Buches. Nicht so bei ,,Abschied von Sidonie". Bei diesem Projekt entstanden die Erz├Ąhlung und das Buch fast gleichzeitig. Hackl selbst schildert seine Probleme bei der Verarbeitung dieses Stoffes folgenderma├čen:
"Ich hatte das Gef├╝hl, dass ich es nicht mehr schaffen w├╝rde, die Erz├Ąhlung zu schreiben, dem Dokument so treu zu bleiben, dass sich die Menschen, die noch leben, wiedererkennen und einverstanden sind und andererseits einen Text zu schreiben, der auch literarische Oualit├Ąten besitzt. Und in diesem Moment des Zweifels gab es das Angebot vom ORF, ob ich eine Idee f├╝r ein Drehbuch h├Ątte. Da war einer meiner beiden Vorschl├Ąge die Geschichte von Sidonie, auch mit dem Hintergedanken, dass, wenn ich die Erz├Ąhlung nicht schaffe, ich vielleicht das Drehbuch schaffe, und es ist etwas f├╝r die Familie getan. Und dann, als ich das Drehbuch fertig hatte, hatte ich den Schwung, mit der Erz├Ąhlung weiterzumachen." (Hackl: Anhang, S.136)
Mit diesen Worten deutet Erich Hackl bereits den Grund an, warum er eine derartige Erz├Ąhlung verfa├čt hat. Seine Gr├╝nde f├╝r das Verfassen dieser Erz├Ąhlung nennt er aber auch mehrmals innerhalb der Erz├Ąhlung: ,,Alle taten, als h├Ątte es Sidonie nie gegeben."(Hackl: Abschied von Sidonie, S. 118) Und weiter: ,,Es bedurfte erst der Umtriebe des Chronisten, bis das Netz des Schweigens zerri├č." (ebenda, S. 120) Hackls Intentionen werden schon in diesen zwei Textstellen deutlich. Er wollte einfach an ein M├Ądchen erinnern, an einen Menschen, der wie viele andere Opfer eines politischen Systems wurde. Indirekt verurteilt er auch jene Menschen, die Sidonie ,in den Tod getrieben haben', jene Leute, die, wenn sie gewollt h├Ątten, das Leben des M├Ądchens h├Ątten retten k├Ânnen. Diese Anklage wird besonders deutlich, als der Erz├Ąhler sein Buch mit dem Bericht vom Schicksal eines anderen Menschen beendet. Sidonies Bruder, Joschi Adlersburg, hat ihm von einem M├Ądchen erz├Ąhlt, das von ihren Mitmenschen gerettet wurde.
"Und doch besteht einer, der es wissen muss und Joschi Adlersburg hei├čt, darauf, dass sich auch das nicht zu Erwartende zugetragen hat, nicht in Letten, sondern 160 Kilometer weiter s├╝dlich, in der Steiermark, in einer Ortschaft namens P├Âlfing - Brurin, das Kind hie├č nicht Sidonie, sondern Margit und lebt heute noch, eine Frau von 55 Jahren, und kein Buch muss an ihr Schicksal erinnern, weil zur rechten Zeit Menschen ihrer gedachten." (Hackl: Abschied von Sidonie, S.128)
Des Autors Intentionen sind in dieser Textstelle offensichtlich. Indirekt will er seinen Lesern sagen: ,,Sidonie h├Ątte nicht sterben m├╝ssen. Sie h├Ątte von ihren Mitmenschen gerettet werden k├Ânnen. Ihr Leidensweg h├Ątte verhindert werden k├Ânnen." Auf diese Weise erh├Ąlt die Erz├Ąhlung am Ende eine besonders tragische Dimension.

Sprache und Stil:

Erich Hackl bedient sich in "Abschied von Sidonie" der distanzierten Erz├Ąhlweise, diese aber unterbrochen, als er sich selbst als Chronist in die Erz├Ąhlung einbringt. Dies geschieht an jener Textstelle, an der er berichtet, wie Sidonie sich von ihrer Pflegefamilie trennen muss, um an ihre Mutter ├╝berstellt zu werden:
"Das ist die Stelle, an der sich der Chronist nicht l├Ąnger hinter Fakten und Mutma├čungen verbergen kann. An der er seine ohnm├Ąchtige Wut hinausschreien m├Âchte. Sidonies Ahnungslosigkeit. Ihre pl├Âtzliche Furcht. Wie sie sich halb umdreht und an Josefa klammert. Sidonies Tr├Ąnen. Josefas hilfloser Versuch, das M├Ądchen zu tr├Âsten. Du musst tapfer sein, Sidi. Ich will nicht zu dieser Frau fahren. Du musst. Ich will bei dir bleiben. Das geht nicht. Du musst mitfahren. Ich kann nicht. Ich komm zur├╝ck. Wir vergessen dich nicht. Gr├╝├č alle sch├Ân von mir. Wein nicht. Ich wein ja gar nicht. Es wird alles gut." (Hackl: Abschied von Sidonie, S. 100 f.)
Erich Hackl hatte offenbar seine Gr├╝nde f├╝r das Durchbrechen dieser distanzierten Erz├Ąhlweise. Er versucht, seine sprachliche Entscheidung zu rechtfertigen. Ein Grund war f├╝r ihn, dass er in diese Geschichte emotional sehr verstrickt war. Sidonies Schicksal spielte sich ganz in der N├Ąhe seiner Heimatstadt Steyr ab. Au├čerdem lernte er die Menschen, die Sidonie Adlersburg nahestanden, pers├Ânlich kennen. Dieser emotionale Bezug zu den Verwandten und zur Pflegefamilie Sidonies, die er durch die relativ lange Besch├Ąftigung mit dem Stoff aufbauen konnte, veranlassten den Schriftsteller, die distanzierte Erz├Ąhlweise zu durchbrechen. Hackl selbst nannte auch noch einen anderen Grund f├╝r seine Entscheidung, sich selbst in die Geschichte einzubringen: "Der zweite Grund h├Ąngt damit zusammen, eine Entscheidung einen Moment lang zur├╝ckzunehmen, und zwar die Entscheidung, eine literarische Form zu w├Ąhlen, in diesem Fall eine Erz├Ąhlung, und damit klarzumachen, dass dieser Text nicht nur eine fiktive Ebene hat, sondern auch eine reelle." (Hackl: Anhang S.135) In diesem Sinne erscheint Hackls Durchbrechen der distanzierten Erz├Ąhlweise sinnvoll. Die negativen Kritiken, die ihn f├╝r diesen Schritt zugetragen wurden, h├Ąlt er eher f├╝r die Resultate von Fehlinterpretation.
Durch verschiedene Stilmittel, welche Hackl in seiner Erz├Ąhlung ,,Abschied von Sidonle" einsetzt, macht er den Leser gleichsam zum Augenzeugen.Dies geschieht zum Beispiel dadurch, dass er die direkte Rede durch keinerlei Satzzeichen von der ├╝brigen Erz├Ąhlung unterscheidet, was er in jeder der drei Erz├Ąhlungen gleicherma├čen handhabt. Dadurch wird eine N├Ąhe zwischen den Lesern und den im Buch
dargestellten Personen erzeugt, die es ersteren erlaubt, mit den Protagonisten mitzuf├╝hlen. Dieses Mitleiden wird noch verst├Ąrkt erm├Âglicht an jener Stelle, an welcher der Chronist sich selbst in die Erz├Ąhlung einbringt. Sp├Ątestens dann wei├č der Leser, dass sich diese Geschichte tats├Ąchlich zugetragen hat und dass es sich um eine authentische Geschichte handelt. Der Schriftsteller Erich Hackl schafft es also durch verschiedenste Stilmittel, dass seine Leser mit dem M├Ądchen und der Pflegefamilie mitf├╝hlen.

Dichtung als Zeitbild anhand des Werkes:

Folgende Tabelle stellt die Biographie Sidonies den geschichtlichen Ereignissen gegen├╝ber und soll die den historischen Hintergrund und die Situation in der damaligen Zeit deutlicher machen:

Sidonies Biographie
Geschichtliche Umst├Ąnde
1933: Sidonie wird gefunden, Jugendamt (S. 7 - 10)
Magistrat Steyr, Anna Derflinger ( - 14)

Familie Breirather nimmt Sidonie auf, erste Begegnung mit Hans, Arzt Sch├Ânauer ( - 30)

Josefa und Sidonie allein, Heirat im Gef├Ąngnis auf Druck Pfarrer ( - 46)

Sidonie und die Kinder, Kontrolle durch F├╝rsorge ( - 53)

Sidonie in der Schule, (pl├Âtzlich fehlen Zigeuner im Ort), Aufsatz f├╝r Hitler ==> Streit ├╝ber ihre Herkunft, Verh├Ąltnis der Nachbarn Krobath zu Sidonie, Firmung Frau Hinteregger (Szene mit dem Jungen in Linz) ( - 79)

Angstvolles Warten auf Schreiben, Reaktionen der Beteiligten (Josefa bei Grimm, K├Ąthe Korn) ( - 94)

Abreise nach Hopfgarten, Sidonie wird von Grimm begleitet, die dem Chronisten Jahre sp├Ąter davon berichtet ( - 101)

├ťbergabe Sidis an B├╝rgermeister

letzte Nachricht: Zug in Linz Hbf. ( - 111)

Kriegsende, Hans B├╝rgermeister, Nachforschungen nach Sidi: erf├Ąhrt 1947, dass sie in Auschwitz an Flecktyphus gestorben ist ( - 116)
soziale Situation in Steyr ( - 12)

Biographie Hans/Josefa ( - 20): Wirren der 1. Republik, sozialistische ├ťberzeugung

Februar 1934 und Folgen, Hans Gef├Ąngnis, Verhaftungen, Pl├╝nderungen ( - 40)

viele Arbeiter laufen zu Heimwehr/NSDAP ├╝ber, Hans h├Ârt im Radio Hitlerreden ( - 47)

Einrichtung einer zentralen Zigeunerstelle/Wien ( - 55)

1938: Einmarsch Nazis, steigende Angst um Sidi, Wiederaufnahme Waffenproduktion in Letten, Zwangsarbeiter, Aufbau des Widerstandes, Denunziation, Hinrichtung des Polen und Anprangerung der Magd ( - 68)

R├╝ckblende: Anfrage Kripo Innsbruck, Korn sammelt Gutachten ├╝ber Sidonie bei Schuldirektor, Lehrerin, B├╝rgermeister, Oberinspektor Schiffler>>> alle bef├╝rworten ohne Zwang eine ├ťberstellung Sidis ( - 94)

Geschichte Hopfgartens - Ansiedlung der Zigeuner, bevor sie deportiert werden ( - 108)

Erinnerung an Nazi - Zeit wird verdr├Ąngt: keine Mahnmal, keine Erw├Ąhnung im Heimatbuch, erst sehr viel sp├Ąter Gedenktafel auf Initiative des Chronisten ( - 121


Hackl beschreibt nicht nur die Situation der Menschen, vor allem derer, die nicht einverstanden waren mit der herrschenden Ideologie, sondern er spricht auch ein Thema an, dass in den vorher behandelten Werken nicht angesprochen wird: Die systematische Vernichtung von Menschen, die nicht in das Programm der Nazis pa├čte. Doch in seiner Erz├Ąhlung sind es nicht die Juden die verfolgt werden, es ist eine Gruppe, die meist nicht erw├Ąhnt wird, aber genauso gelitten hat, wie die Juden: die Roma und Sinti auch als Zigeuner bekannt. Wie die Erz├Ąhlung zeigt wurden auch sie systematisch verfolgt und "vernichtet". Da diese Erz├Ąhlung ein Einzelschicksal darstellt und nicht verallgemeinert wird, spiegelt sie das Leiden der Zigeuner besonders kra├č wider. Dazu sollte man vielleicht die Geschichte der Zigeuner miteinbringen, die, genauso wie die Juden, eine schon immer verha├čte Gruppe war. Bereits 1899 begann in Bayern eine systematische ├ťberwachung der Volksgruppe durch die Polizei, die weitergef├╝hrt wurde und zu einer "├ťberwachungs - und Erfassungszentrale" in M├╝nchen 1926 f├╝hrte, also schon vor Hitler. In den "N├╝rnberger Rassengesetzen" wurde schlie├člich die "Mischehe" mit Zigeunern verboten. Und 1936 wurde dann mit Deportationen und Zwangsterilisierungen begonnen. 1940 begann schlie├člich die "endg├╝ltige Vernichtung" im KZ Auschwitz. Doch das fatale ist das auch noch nach 1945, die Totalerfassung der "Landfahrer" fortgesetzt wurde und ihnen eine Wiedergutmachung bis in die 60er Jahre verweigert wurde, mit der Begr├╝ndung, sie seien nicht aus rassistischen Gr├╝nden in die KZs gebracht worden, sondern sie wurden wegen ihrer "asozialen und kriminellen Haltung verfolgt und inhaftiert". Erst 1982 anerkennt der deutsche Staat sie als Opfer eines V├Âlkermordes durch die Nazis.


TAGEBUCH DER ANNE FRANK:

"Ich will noch fortleben nach meinem Tode. Und darum bin ich Gott so dankbar, dass er mir bei meiner Geburt schon die M├Âglichkeit mitgegeben hat, meinen Geist entfalten und schreiben zu k├Ânnen, um alles zum Ausdruck zu bringen, was in mir lebt." Diesen Satz notierte Anne Frank am 4. April 1944 in ihr Tagebuch - wenige Wochen vor ihrem f├╝nfzehnten Geburtstag, im einundzwanzigsten Monat des Eingesperrtseins im engen Versteck des Hinterhauses an der Prinsengracht 263 in Amsterdam.
"Ich will noch fortleben nach meinem Tode.": Was Anne Frank sich ertr├Ąumte, ist in tragischer Weise Erf├╝llung gegangen Ein Jahr nach der Niederschrift dieses Satzes war Anne Frank tot, elend zugrunde gegangen im Inferno des Lagers Bergen - Belsen - und doch lebt sie fort, denn wie durch ein Wunder blieben die Tagebuchaufzeichnungen Anne Franks erhalten. So wurde es m├Âglich, dass die Stimme dieses Kindes und jungen M├Ądchens - eine von Millionen, die verstummt sind - bis heute eindringlich zu uns spricht. Sie ├╝berdauerte, um es mit den Worten des Anne - Frank - Biographen Ernst Schnabel zu sagen, "das Geschrei der M├Ârder und ├╝berfl├╝gelte die Stimmen der Zeit".
Jedem ist die dramatische Geschichte der Rettung von Anne Franks Tagebuchaufzeichnungen gel├Ąufig. Die H├Ąscher, die am 4. August 1944 die acht "Untergetauchten" aus ihrem Versteck im Hinterhaus zerrten, hielten es nicht der M├╝he wert, die Kladden und losen Bl├Ątter mit den Aufzeichnungen Anne Franks zu beschlagnahmen und zu vernichten. Treuen Helfern der Verfolgten ist es gelungen, diese Papiere zu bergen und durch die letzten Monate der Naziherrschaft hindurch zu retten. 1945 wurden sie dem Vater Anne Franks ausgeh├Ąndigt, der als einziger der acht "Untergetauchten" den Holocaust ├╝berlebte und nach Kriegsende in die Niederlande zur├╝ckkehrte. Otto Frank hat zun├Ąchst einigen Freunden Einblick in die Tagebuchaufzeichnungen Annes gew├Ąhrt und sich dann zur Ver├Âffentlichung entschlossen, nachdr├╝cklich zu einer solchen Publikation ermutigt durch den angesehenen holl├Ąndischen Historiker Jan Romein, der Annes Tagebuch als ein "De profundis in der unbeholfenen Stimme eines Kindes" bezeichnete:
"Es sagt mehr ├╝ber die Scheu├člichkeit der Faschisten als das ganze N├╝rnberger Gericht."
"Das Tagebuch der Anne Frank", dieses bewegende Zeugnis der Menschlichkeit in unmenschlicher Zeit, hat in der f├╝nfziger Jahren Weltruhm erlangt; es wurde in ├╝ber 50 Sprachen ├╝bersetzt und bislang in mehr als 18 Millionen Exemplaren gedruckt. Mi├čt man nicht ausschlie├člich mit der Elle einer rein literarischen Wertung, sondern fa├čt man auch Bedeutung, Ausstrahlung und Wirkung eines literarischen Dokuments ins Auge, dann ist die Feststellung erlaubt, dass das Tagebuch der Anne Frank zu einem St├╝ck Weltliteratur geworden ist. Dass es dazu kommen w├╝rde, hat Anne Frank bei allem Ehrgeiz, sp├Ąter vielleicht eine Schriftstellerin zu werden, gewi├č nicht geahnt, als Sie in den langen f├╝nfundzwanzig Monaten
der beengten und bedr├Ąngten Existenz im Versteck des Hinterhauses ihre Beobachtungen, Empfindungen und Gedanken den Tagebuchbl├Ąttern anvertraut hat.
Was wei├č man vom kurzen Leben der Anne Frank? Man ist recht gut informiert ├╝ber ihr Schicksal bis zum Zeitpunkt der Verhaftung und des anschlie├čenden Abtransports ins holl├Ąndische Durchgangslager Westerbork. Man wei├č wenig, fast nichts ├╝ber die letzte Lebensspanne in den Konzentrationslagern Auschwitz und Bergen - Belsen und man kennt weder dieUmst├Ąnde noch den genauen Zeitpunkt ihres Todes in BergenBelsen. Die wichtigsten Stationen von Anne Franks Lebensweg:
Als die j├╝ngere von zwei T├Âchtern einer gutsituierten Frankfurter Kaufmannsfamilie wurde Anne Frank am 12. Juni 1929 geboren. Mit ihrer um drei Jahre ├Ąlteren Schwester Margot wuchs Anne in Frankfurt auf, bis die nationalsozialistische Machtergreifung die Familie Frank - wie alle j├╝dischen Familien in Deutschland - vor schwierige Entscheidungen stellte. Um die Dimension des Problems zu bezeichnen, vor das Zehntausende von Familien gestellt waren, nenne ich einige Zahlen. Von den rund 500.000 j├╝dischen Deutschen, die Anfang 1933 in Deutschland lebten, sind rund 300.000 bis zum Herbst 1941, als die Auswanderung verboten wurde, emigriert. Knapp 50.000 sind in den Jahren 1933 - 1939 verstorben. Im Oktober 1941 lebten im Deutschen Reich - in den Grenzen von 1937 "Altreich" - noch 164.000 Juden, von denen 134.000 in die Ghettos des Ostens, in Arbeitslager, Konzentrationslager und Vernichtungslager deportiert wurden. Nur etwa 5.000 von ihnen ├╝berlebten, weitere rund 5.000 ├╝berlebten in Verstecken oder im Untergrund, und rund 12.000 in Mischehen Lebende entgingen der Vernichtung. Von jenen, die in die L├Ąnder emigriert waren, die ab 1939 von den Deutschen besetzt wurden, sind sch├Ątzungsweise 30.000 dann doch den Mordaktionen des Holocaust zum Opfer gefallen. Die Zahl der get├Âteten deutschen Juden wird daher auf 160.000 gesch├Ątzt.
Die Familie Frank entschlo├č sich schon im Sommer 1933 zur Auswanderung aus Deutschland - ein solcher Entschlu├č war alles andere als selbstverst├Ąndlich f├╝r einen nationalgesinnten deutschen Juden wie Otto Frank, der als Frontsoldat am Ersten Weltkrieg teilgenommen hatte und im Leutnantsrang aus dem Krieg zur├╝ckgekehrt war. Aber indem Otto Frank sich so fr├╝h dazu durchrang, Deutschland zu verlassen, ersparte er seinen beiden heranwachsenden T├Âchtern all jene Dem├╝tigungen und Schikanen, denen j├╝dische Kinder im nationalsozialistischen Deutschland seit 1933 ausgesetzt waren. W├Ąhrend Otto Frank in Amsterdam eine neue Firma gr├╝ndete, hielt sich die vierj├Ąhrige Anne mit ihrer Mutter einige Monate in Aachen auf, im M├Ąrz 1934 siedelten die beiden dann auch nach Amsterdam ├╝ber.
In der liberalen, weltoffenen, von jeder Diskriminierung freien Atmosph├Ąre der Stadt Amsterdam, in der Geborgenheit einer intakten Familie.
Am 10. Mai 1940 fielen die deutschen Armeen in die Niederlande ein und besetzten das Land. Wenig sp├Ąter begann die SS mit der systematischen Verfolgung des holl├Ąndischen Judentums. Gerade in den Niederlanden wurde die Erfassung und dann der Abtransport der Juden in die Vernichtungslager des Ostens mit einer m├Ârderischen Energie ohnegleichen organisiert. Von den rund 140.000 Juden, die beim Einmarsch der deutschen Truppen in den Niederlanden lebten, sind 110.000 deportiert worden; nur 6.000 von ihnen kehrten nach Kriegsende zur├╝ck. Holl├Ąndische B├╝rger hielten rund 20.000 j├╝dische Mitb├╝rger - unter ihnen waren viele Kinder - bis zum Kriegsende versteckt. Wohl in die Tausende geht auch die Zahl derer die zun├Ąchst eine Zuflucht fanden, dann aber - wie die Untergetauchten der Prinsengracht 263 - in ihren Verstecken aufgesp├╝rt oder verraten wurden und schlie├člich doch den Weg ins Durchgangslager Westerbork und von dort in die Vernichtungslager antreten mussten.
Otto Frank hat sich keinen Illusionen dar├╝ber hingegeben, was den Juden unter deutscher Besatzungsherrschaft bevorstand. Als im Januar 1941 in den Niederlanden die Registrierung aller Personen j├╝dischen Glaubens und aller Personen ganz oder teilweise j├╝dischen Blutes verf├╝gt wurde, ├╝bertrug Otto Frank die Leitung seines kleinen Betriebes auf einen "arischen" Holl├Ąnder und traf Vorbereitungen f├╝r das Untertauchen der Familie im Dachgescho├č des Hinterhauses der Prinsengracht 263, in deren Vordertrakt sich die B├╝ro - und Lagerr├Ąume der Firma befanden. Am 5. Juli 1942 war es soweit: Annes Schwester Margot erhielt die Aufforderung, sich bei der Auffangstelle f├╝r das Lager Westerbork zu melden - l├Ąngeres Zuwarten war nun nicht mehr m├Âglich. Am folgenden Tag bezog die Familie Frank das illegale Quartier im Hinterhaus. Gegen├╝ber Freunden und Bekannten wurde das pl├Âtzliche Verschwinden der Franks damit motiviert, ein hoher deutscher Offizier ein Jugendfreund Otto Franks, habe die ├ťbersiedlung der Familie in die Schweiz bewerkstelligt. Eine Woche sp├Ąter gesellte sich zu den Franks eine weitere Familie, Herr und Frau van Daan mit ihrem Sohn Peter; und im November 1942 wurde noch ein weiterer Verfolgter; Herr Dussel, in die Gemeinschaft der Untergetauchten aufgenommen. F├╝r acht Menschen war das Hinterhaus 25 Monate lang - vom 6. Juli 1942 bis zum 4. August 1944 - Zufluchtsst├Ątte und Gef├Ąngnis zugleich.
In Anne Franks Tagebuch besitzen wir einen authentischen und exemplarischen Bericht ├╝ber das Leben in dieser "Zwangsgemeinschaft" auf engstem Raum. Anne hatte bereits am 14. Juni 1942, zwei Tage nach ihrem dreizehnten Geburtstag und wenige Wochen vor der Flucht ins Hinterhaus, damit begonnen, ein Tagebuch zu f├╝hren, und zwar in Gestalt von Briefen an die fiktive Freundin Kitty. Nun, in den langen Monaten des Eingesperrtseins und der erzwungenen Unt├Ątigkeit wurde das Schreiben f├╝r Anne zum Lebenselixier; im Schreiben von Tagebuchbriefen und kleinen Geschichten fand sie zu sich selbst, entwickelte ihre eigene Individualit├Ąt.
Wenn man heute die Aufzeichnungen der dreizehn -, dann vierzehnj├Ąhrigen Anne Frank liest, in ihrer Mischung aus Wissen und kindlicher Naivit├Ąt, aus tiefem Ernst und vitaler Heiterkeit, sollte man sich immer zweierlei vor Augen halten. Zum einen die konkrete Lebenssituation der Verfolgten, die im Hinterhaus der Prinsengracht ihre illegale und verborgene Existenz f├╝hrten, von den verschwiegenen und opfermutigen Mitarbeitern der Firma mit Lebensmitteln versorgt: acht Menschen ganz unterschiedlichen Alters, abgeschnitten vom "gew├Âhnlichen Leben" (Anne Frank), zusammengepfercht in vier kleinen Kammern, die Nerven bis zum Zerrei├čen gespannt zuerst vor der Furcht vor Entdeckung, dann von den Strapazen des beengten Zusammenlebens. Diese kleine Gemeinschaft glich einem Flo├č von Schiffbr├╝chigen in der Wasserw├╝ste. Haie ringsum, Menschenhaie, bestehend aus "gr├╝ner Polizei" und m├Âglichen, am Ende faktischen Denunzianten. Und was sah die Dreizehn -, die Vierzehnj├Ąhrige von der Welt in langen 25 Monaten? Durch die Dachluke ein St├╝ck Himmel, einen Kastanienbaum im Wandel der Jahreszeit. Und manchmal, wenn keine Angestellten im Hause waren und man in die vorderen R├Ąume huschen konnte, durch einen Gardinenspalt einige M├Âwen, wie sie im Gleitflug ├╝ber den Grachten zanken; ein am Wasser vert├Ąutes Hausboot, auf dem ein kleines Kind in der Sonne spielt. Das ist alles. So viel, so wenig sah Anne Frank von der Welt, und das ├╝ber zwei Jahre lang.
Zum anderen: Anne Frank war kein Wunderkind; das haben diejenigen bezeugt, die sie damals kannten und sich sp├Ąter ├Ąu├čerten. Sie war ein junger Mensch in der Entwicklung, "zwischen Selbstvertrauen und Zweifel, zwischen hochfliegenden Zukunftspl├Ąnen und der Erfahrung einer elenden Gegenwart, zwischen kindlicher Freude am Unsinn und der Melancholie der Adoleszenz" (Gertrud Baruch), aber doch - ├╝ber allem - von einer gro├čen und tapferen Selbstbeherrschung. "Je l├Ąnger die Abgeschlossenheit im Hinterhaus dauert, desto intensiver scheint die Erlebnisf├Ąhigkeit des M├Ądchens zu werden, desto sch├Ąrfer ihr Blick f├╝r die Verhaltensweise der Schicksalsgenossen und desto souver├Ąner ihre F├Ąhigkeit, Gedanken und Beobachtungen zu formulieren" (Gertrud Baruch). Wie Annes Handschrift ver├Ąndert sich in diesen zwei Jahren alles in au├čerordentlicher Weise:
die Sprachkraft, das Niveau der Reflexion, die Energie der Autorin; ihre sch├Âpferische Individualit├Ąt.
Am 15. Juli 1944 notierte Anne Frank in einer ihrer letzten Eintragungen: "Wir J├╝ngeren haben doppelte M├╝he, unsere Ansichten zu behaupten in einer Zeit, in der alle Ideale vernichtet und zerst├Ârt werden, wo die Menschen sich von ihrer h├Ą├člichen Seite zeigen, wo gezweifelt wird an der Wahrheit, am Recht, an Gott... Es ist ein Wunder; dass ich all meine Hoffnungen noch nicht aufgegeben habe, denn sie erscheinen absurd und unerf├╝llbar. Doch ich halte daran fest, trotz allem, weil ich noch stets an das Gute im Menschen glaube. Es ist mir nun einmal nicht m├Âglich, alles auf der Basis von Tod, Elend und Verwirrung aufzubauen. Ich sehe die Welt mehr und mehr in eine W├╝ste verwandelt, ich h├Âre immer st├Ąrker den anrollenden Donner; der auch uns t├Âten wird, ich f├╝hle das Leid von Millionen Menschen mit, und doch, wenn ich nach dem Himmel sehe, denke ich, dass alles sich wieder zum Guten wenden wird, dass auch diese H├Ąrte ein Ende haben muss und wieder Friede und Ruhe die Weltordnung beherrschen werden." Konkreter kann sich der Idealismus eines jungen Menschen nicht ausdr├╝cken. Wieviel davon hin├╝bergerettet ist in eine materialistische Zeit, das beweist die unmittelbare Beeindruckung, die Anne Frank - durchaus im Sinn ihres Traums ├╝ber den Tod hinaus - auf die Gleichaltrigen und die wenig J├╝ngeren der n├Ąchsten Generation in unserer Gegenwart ausge├╝bt hat und noch immer aus├╝bt.
Am 4. August 1944 brach das Verh├Ąngnis ├╝ber die acht Menschen im Hinterhaus herein. Ein Auto stoppte vor der Prinsengracht 263, ein deutscher Polizist und drei holl├Ąndische Zivilisten, alle bewaffnet, betraten das Haus, eilten auf das B├╝cherregal zu, das als Geheimt├╝r zur Stiege ins Hinterhaus fungierte, ├Âffneten diese T├╝r und st├╝rmten ins Obergescho├č. Wenig sp├Ąter wurden alle acht Untergetauchten und zwei ihrer treuen Helfer ins Amsterdamer Gestapo - Hauptquartier abtransportiert. Wie der Verrat erfolgte, wer der Verr├Ąter war; konnte nie aufgekl├Ąrt werden.
Vom Amsterdamer Gestapogef├Ąngnis ging es nach einigen Tagen ins Lager Westerbork. Am 3. September mussten die Familien Frank und van Daan sowie Herr Dussel die Waggons eines Eisenbahnzuges besteigen, der Westerbork in Richtung Auschwitz verlie├č - es war der letzte Transport von Westerbork nach Auschwitz. Wir besitzen Unterlagen ├╝ber diesen Transport; auf der "Judentransportliste" ist unter der Nummer 309 eingetragen: "Frank, Anneliese, 12.6.1929, ohne Beruf". Der G├╝terzug mit seiner Menschenfracht hielt am 5. September an der Rampe von Auschwitz - Birkenau. Die "Selektion" begann: Von den 1.019 Menschen, die in den Waggons zusammengepfercht waren, musste etwa die H├Ąlfte sofort den Weg zu den Gaskammern antreten, 258 M├Ąnner und 212 Frauen wurden ins Lager eingeliefert; unter ihnen befanden sich alle Mitglieder der Familie Frank. Aber sie waren damit noch nicht dem Tod entronnen.
Dass Anne zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester im Block 29 des Frauenlagers untergebracht war; ist so ziemlich alles, was wir ├╝ber Anne Franks Existenz im Lager Auschwitz - Birkenau wissen
Am 30. Oktober fand wieder einmal eine Selektion statt. Alle Frauen, die nicht schwer krank oder zu alt waren, wurden zum Transport ausgesondert; Margot und Anne Frank befanden sich unter ihnen. Nach mehrt├Ągiger Fahrt in ├╝berf├╝llten Viehwaggons traf dieser Transport in Bergen - Belsen ein, und weil in den Baracken kein Platz mehr war, wurden die "Auschwitz - Frauen" ins "Zeltlager" eingeliefert: In Herbstk├Ąlte und N├Ąsse schliefen sie - auf einer d├╝nnen Strohsch├╝tte - in riesigen, aber v├Âllig ├╝berbelegten Zelten, in denen es weder Beleuchtung noch Waschm├Âglichkeiten oder Toiletten gab. Als dann ein schwerer Novembersturm ├╝ber die Heide fegte und die Zelte wegri├č, standen die Frauen stundenlang im str├Âmenden Regen, bis sie in einige Baracken eingewiesen wurden, die in aller Eile ger├Ąumt worden waren.
Innerhalb weniger Monate forderten die im Lager herrschenden Zust├Ąnde Zehntausende von Opfern. Zwischen Anfang Januar und Mitte April 1945 sind in Bergen - Belsen rund 35.000 Menschen umgekommen, allein im Monat M├Ąrz fanden hier 10.000 Menschen den Tod, unter diesen Toten waren auch Margot und Anne Frank. Wir kennen nicht die Umst├Ąnde und den genauen Zeitpunkt ihres Todes; es gibt kein Grab und keinen Grabstein. Durch die Aussagen einiger Schicksalsgef├Ąhrtinnen wissen wir lediglich, dass Anne Frank kurz nach ihrer Schwester Margot irgendwann im M├Ąrz an Typhus gestorben ist - eines von ungez├Ąhlten Opfern des barbarischen Rassenfanatismus der Nationalsozialisten und des hemmungslosen Vernichtungswillens der SS - Funktion├Ąre.
Als Buch, als Theaterst├╝ck, als Film hat "Das Tagebuch der Anne Frank" gerade hierzulande mehr als alle gutgemeinten p├Ądagogischen und publizistischen Bem├╝hungen dazu beigetragen, besonders der j├╝ngeren Generation eine Vorstellung von der Scheu├člichkeit und Unmenschlichkeit des NS - Systems zu vermitteln und bei den ├älteren das Eis des Nichtwissenwollens und des Verdr├Ąngens der NS - Zeit zu brechen und eine kritische Auseinandersetzung mit diesem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte einzuleiten. Der damalige Bundespr├Ąsident Theodor Heu├č schrieb 1958: "Doch hat sich in den letzten zwei Jahren etwas Merkw├╝rdiges und Ergreifendes begeben: Ein kleines j├╝disches M├Ądchen hat nach seiner "Liquidierung", wie der Vorgang des genormten Mordes genannt wurde, durch einen Sto├č Papier, den sie hinterlie├č, Geschichte gemacht. Das ist wohl zu pathetisch formuliert. Aber ich lasse den Satz stehe, weil ein St├╝ck Optimismus in ihn hineingeraten ist. "Das Tagebuch der Anne Frank", absichtsloses, doch begabtes Kinderspiel der Not, ist zu einem fast missionarischen Auftrag gekommen. In der Begegnung mit ihm handelt es sich fast um etwas wie eine Bew├Ąhrungsprobe der deutschen Gewissenspr├╝fung. Und wie sie bestanden wurde, das hat etwas Tr├Âstliches."



RES├╝MEE:

Nach der Analyse dieser vier Werke, die, jedes in ihrer Weise, die Schreckensherrschaft der Nazis widerspiegeln, kann man nur sagen, sie haben ihren eigentlichen Auftrag erf├╝llt, n├Ąmlich jenen, nicht zu vergessen, was damals passiert, und so m├Âchte ich mit einem Zitat von George Steiner schlie├čen: "Es gibt Realit├Ąten, die zu gro├č sind f├╝r Ha├č und Vergebung. Nur eins darf man nicht zulassen: das Vergessen. Mit jedem Vergessen sterben die Gefolterten und Verbrannten ein zweites Mal."


QUELLENVERZEICHNIS:

Meyer's Gro├čes Taschenlexikon
Literaturlexikon
Carl Zuckmayer: Des Teufels General
Carl Zuckmayer: Als w├Ąrs ein St├╝ck von mir.
Mews Siegfried: Des Teufels General
H. Rischbieter: Deutsche Dramatik in West und Ost
J. Vandenrath: Drama und Theater in Zuckmayers B├╝hnendichtung
├ľd├Ân von Horvath: Jugend ohne Gott
Schlemmer Ulrich: ├ľd├Ân von Horvath, Jugend ohne Gott
Franz Hofmeier: Wege durch die Geschichte
Hermann Glaser: Das Dritte Reich
Werner Klose: Generationen im Gleichschritt
L. Mosse: Der nationalsozialistische Alltag
Erich Hackl: Abschied von Sidonie +Anhang
Huemer Barbara: Die Darstellung der Eltern - Kind Beziehung in Erich Hackls Werken
Frank Schirrmacher: Lautlos ohne Tr├Ąnen
Richter: Intertextualit├Ąt als Mittel der Darstellung
Anne Frank: Tagebuch
Eberhard Kolb: Anne Frank

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