Die Weltwirtschaftskrise

Inhaltsangabe


Einleitung Seite 2

1. Das Entstehen der Krise in Amerika Seite 2 1.1. Die goldenen Zwanziger und der gro├če Crash
1.2. Auswirkungen auf die amerikanische Wirtschaft
1.3. Der "New Deal"

2. Die Krise in Deutschland Seite 5
2.1. Br├╝nings Deflationspolitik

2.2. Auswirkungen auf Industrie und Arbeitslosigkeit


3. Die Krise in England Seite 7

4. Die Ursachen der Krise Seite 8
4.1. Die Ausgabenhypothese
4.2. Die Geldhypothese

5. Das Experiment von W├Ârgl Seite 10
5.1. Die Freiwirte
5.2. Das Nothilfe Programm
5.3. Das Ende des Programms
5.4. Weltweite Achtung

Einleitung

Die Weltwirtschaftskrise war die schlimmste Krise, welche die Weltwirtschaft jemals heimgesucht hat. Sie betraf sowohl hochentwickelte L├Ąnder, wie die Vereinigten Staaten von Amerika, und die Industriel├Ąnder Westeuropas, als auch weniger entwickelte L├Ąnder. Praktisch alle Staaten, die bereits am Geschehen auf den Weltm├Ąrkten beteiligt waren, wurden von der Krise betroffen. Nur die Sowjetunion, die sich fast vollst├Ąndig von der restlichen Welt abgekapselt hatte blieb verschont.
Viele L├Ąnder erlebten einen totalen Zusammenbruch ihrer Wirtschaft. Die B├Ârsenkurse verfielen, und das internationale W├Ąhrungssystem l├Âste sich auf. Es kam zu einem Sturz der Weltmarktpreise. Viele Fabriken mussten schlie├čen, und die Arbeitslosigkeit scho├č in die H├Âhe. Die, die noch Arbeit fanden, mussten schwere Lohnk├╝rzungen hinnehmen.
Weitere Folgen waren Hunger, steigende Kriminalit├Ąt, und eine zunehmende politische Radikalisierung unter der Bev├Âlkerung. Man ist sich noch immer nicht ├╝ber die genauen Gr├╝nde f├╝r das Entstehen der Krise im klaren; es steht jedoch au├čer Frage, dass sie erst beigelegt wurde, als auf der gesamten Welt, die Vorbereitungen auf den zweiten Weltkrieg voll angelaufen waren.


1. Das Entstehen der Krise im Amerika

1.1. Die goldenen Zwanziger und der gro├če Crash

Anders als die Staaten in Europa gingen die Vereinigten Staaten wirtschaftlich gest├Ąrkt aus dem ersten Weltkrieg heraus. Im Zeitraum von 1919 bis 1929 zeigten die USA ein kr├Ąftiges Wachstum. Das Bruttosozialprodukt stieg um 50%, und das Pro - Kopf - Einkommen nahm um 20% zu.
Noch zu Beginn der Zwanziger gab es wenig Gr├╝nde, eine solche Entwicklung vorauszusehen. Es gab einen scharfen R├╝ckschlag, der m├Âglicherweise eine Konsequenz der Umstellung von der Kriegswirtschaft zur Friedenswirtschaft darstellte. Besonders betroffen von dieser kurzen Krise waren vor allem die Landwirtschaft, und die Textilindustrie. Danach kam es zu einem Boom der Automobil - und der Baubranche, welche die Grundlage f├╝r die Prosperit├Ąt der Zwanziger war.
Wurden 1921 noch 1,5 Millionen PKW verkauft, waren es 1929 drei Mal so viele. Die Zahl der abgesetzten Busse und LKW verdoppelte sich im gleichen Zeitraum von knapp 400.000 auf 800.000.
Der Aufschwung in der Bauindustrie erkl├Ąrt sich vor allem dadurch, dass w├Ąhrend des Krieges, die Baut├Ątigkeit fast v├Âllig zum Erliegen kam, und deshalb eine enorme Wohnungsnot herrschte. Dadurch stiegen die Mieten von 1919 bis 1925 um 50%. Also wurden Bauaktivit├Ąten ein lohnendes Gesch├Ąft. Es entstanden viele Wohnungen und B├╝rogeb├Ąude.
Der gro├če Optimismus, der aus dieser Entwicklung entsprang, wirkte sich auch auf die B├Ârse aus. Der Glaube an ein anhaltendes Wirtschaftswachstum l├Âste umfangreiche Aktienspekulationen in Amerika aus. In nur vier Jahren, von 1925 bis 1929, gewannen die amerikanischen Wertpapiere um 250% an Wert. Im Vorfeld des gro├čen Crashs kam es zu zwei scharfen Kurseinbr├╝chen im Dezember 1928, und im M├Ąrz 1929. Allerdings erholte sich die B├Ârse Beidemale sehr schnell, und die Spekulanten waren der Ansicht, dass der Markt nur eine Anpassung durchmacht.
Angelockt durch die hohen Gewinne der vergangenen Jahre, legten immer mehr Kleinanleger ihr Geld an der B├Ârse an. Alle wollten von der gro├čen "Geldvermehrungsanlage" profitieren. Der Wert der Papiere stieg immer schneller. Von 67,5 Mrd. Dollar im Januar 1929 scho├č der Wert bis zum 1. Oktober auf 87 Milliarden.
Am 23. Oktober kam dann die unerwartete Wende. Viele gro├če Unternehmen warfen Aktienpakete aus ihren Sicherheitsbest├Ąnden auf den Markt. Der gesamte B├Ârsenmarkt geriet unter Druck. Der folgende Tag ging als "schwarzer Donnerstag" in die Geschichte ein. Diejenigen, die ihr gesamtes Geld in Aktien investiert hatten, stie├čen ihre Wertpapiere panikartig ab, um schnell Gewinn zu machen. In der Folge st├╝rzten die Kurse ins Bodenlose. Der Verfall war nicht mehr aufzuhalten. Am darauffolgenden Montag verlor General Motors allein 2 Milliarden Dollar in Aktien. In nur drei Wochen b├╝├čte die New York Stock Exchange 30% ihres Volumens ein.
Nach dem gro├čen Crash an der New Yorker B├Ârse kam es zu einem vollst├Ąndigen Zusammenbruch der amerikanischen Wirtschaft.

1.2. Auswirkungen auf die amerikanische Wirtschaft

An der Tatsache, dass die Vereinigten Staaten so schwer von der Krise betroffen waren, hat vor allem die Federal Reserve Bank, die amerikanische Zentralbank, schuld. 1927 vermochte man sich nicht zu entscheiden, in welche Richtung man die amerikanische Wirtschaft lenken solle. Einerseits bestand Gefahr einer erh├Âhten Inflation durch die starke Ausweitung des Kredits, andererseits drohte eine Rezession.
Man entschied sich f├╝r eine Politik des "leichten" Geldes. Die Konjunktur wurde so weiter am Leben erhalten, jedoch wurde die Kreditsumme f├╝r Spekulationen weiter erh├Âht. Schuhputzer konnten sich zum Beispiel Aktien im Wert von 5.000 Dollar f├╝r nur 500 Dollar in bar aneignen. Man glaubte, den Rest k├Ânne man leicht mit Kursgewinnen abbezahlen.
Erst im Februar 1929 erkannte der Chef der amerikanischen Notenbank die Gefahr, und k├╝ndigte an, die Notenbank w├╝rde eingreifen, wenn die Banken nicht die Kredite f├╝r Spekulationen einschr├Ąnken w├╝rden. Dennoch erreichten die an der B├Ârse eingesetzten Kredite immer neue H├Âchstst├Ąnde.
Im Sommer 1929 reagierte die Notenbank. Der Diskontsatz wurde dramatisch erh├Âht, so dass der Zinssatz f├╝r Darlehen auf 8% kletterte. Diese Ma├čnahe kam jedoch viel zu sp├Ąt. Der Kollaps war nicht mehr zu verhindern, und trat deshalb m├Âglicherweise noch etwas fr├╝her ein.
Ein weiterer Faktor, der den Verlauf der Krise in Amerika beeinflu├čte, waren die amerikanischen Banken. Viele Geldinstitute waren erst w├Ąhrend den Zwanzigern entstanden. Sie verf├╝gten ├╝ber ungen├╝gende Geldreserven, und waren auf eine Krise nicht vorbereitet. Wenn auch nur einige wenige Schuldner in Schwierigkeiten gerieten, war schon die Existenz der gesamten Bank gef├Ąhrdet.
Als die gro├čen Anleger begannen, ihre f├Ąlligen Gelder vom New Yorker Markt zur├╝ckzuholen, wurden den privaten Anlegern gro├če Verluste zugef├╝gt. Diese sahen sich gezwungen, ihren Konsum zu k├╝rzen.
Firmen, die mit leichten Gewinnen gerechnet hatten, bem├╝hten sich, m├Âglichst liquide zu werden, und k├╝rzten ebenfalls ihre Ausgaben. Man k├╝rzte die Produktion und baute Lager ab.
Bald erfa├čte die Panik auch den Immobilienmarkt. In den USA wurden Immobilien in der Regel ├╝ber Dreijahres - Schuldscheine finanziert. Da die Hausbesitzer in der Regel aber nicht ├╝ber gen├╝gend Geld verf├╝gten, um die gesamte Hypothek zur├╝ckzuzahlen, mussten sie Kredite aufnehmen. Nach dem B├Ârsenkrach sind viele Banken vorsichtiger geworden. Da viele Hausbesitzer keine Darlehen mehr erhielten, kam es zu Zwangsversteigerungen. In der Folge kam es zu einem R├╝ckgang der Immobilienpreise und der Baut├Ątigkeit.
Die zweite gro├če Boombranche der Zwanziger, die Automobilindustrie, musste ebenfalls herbe R├╝ckschl├Ąge hinnehmen. Im Sommer 1929 wurden monatlich noch beinahe eine halbe Million Autos verkauft, im Dezember waren es weniger als 100.000.
Des weiteren sanken die Preise f├╝r Rohstoffe und Agrarprodukte, da die gew├╝nschte Nachfrage ausblieb. Ebenso gingen die U.S. Importe stark zur├╝ck. Innerhalb weniger Monate sanken sie um 20%.
Viele Menschen verloren ihre Arbeit. Die Kaufkraft sank weiter, und trieb noch mehr Unternehmen in den Ruin. Amerika, wo bisher Vollbesch├Ąftigung herrschte, musste nun mit 13 bis 14 Millionen Arbeitslosen fertig werden.

1.3. Der "New Deal"

U.S. Pr├Ąsident Hoover (1929 - 33) stand der Krise machtlos gegen├╝ber. Erst sein Nachfolger Franklin D. Roosevelt (1933 - 45) vermochte es, die Krise in den Griff zu bekommen. Er erkannte, dass die amerikanische Wirtschaft alleine niemals ├╝ber die Krise hinwegkommen w├╝rde, und erh├Âhte die Staatsausgaben dramatisch. Er rief viele neue Programme ins Leben, die unter dem Begriff "New Deal" zusammengefa├čt wurden.
Den Bauern wurde mit Subventionen unter die Arme gegriffen. Es kam zu einer teilweisen Entlastung der Farmer, aber die Landwirtschaft konnte vorerst nicht aus ihrer Krise befreit werden.
Mit dem Social Securitiy Act wurden in Amerika erstmals soziale Mindeststandards, wie Arbeitslosengeld und ein Mindestlohn eingef├╝hrt. Trotzdem mussten viele Menschen in Armut leben.
Um die Arbeitslosigkeit zu bek├Ąmpfen, wurden viele ├Âffentliche Bauprogramme ins Leben gerufen. Wiederum konnte dadurch die Arbeitslosigkeit nicht beseitigt, aber zumindest gemildert werden.
Die Bankenkrise wurde ├╝berwunden, indem konkursreife Banken, immerhin 25% aller Banken, geschlossen wurden. Der Rest wurde an das Federal Reserve Board angeschlossen. Spareinlagen waren dadurch bis zu einer gewissen H├Âhe bei der Notenbank versichert. Durch diese Ma├čnahme wurde das Vertrauen der B├╝rger in die Banken wiederhergestellt.
Die Krise der Industrie wollte Roosevelt beseitigen, indem er den Gewerkschaften mehr Rechte zuerkannte. Mit einer weiteren Ma├čnahme, wollte er Absprachen zwischen Unternehmen erlauben, um ├ťberproduktionen vorzubeugen.
Die Gesundung der amerikanischen Wirtschaft ben├Âtigte viel Zeit. 1941 war das Produktionsniveau von vor der Krise wiedererreicht, und erst nach dem zweiten Weltkrieg begann die amerikanische Wirtschaft wieder zu bl├╝hen.


2. Deutschland in der Krise

2.1. Br├╝nings Deflationspolitik


Nach dem ersten Weltkrieg hatte Deutschland bereits eine Hyperinflation zu ├╝berstehen. Doch die 1929 beginnende Krise wirkte sich noch schlimmer auf die L├Âhne aus. Massenentlassungen und Kurzarbeit bedrohten die Existenz vieler Arbeiter und Angestellter. Die leere Staatskasse erzwang eine Herabsetzung der Bez├╝ge der Beamten.
Das entsprach auch der g├Ąngigen ├Âkonomischen Theorie der Zeit. Danach musste man in Krisenzeiten sparen, um die zur├╝ckgehenden Einnahmen kompensieren, indem man auch die Ausgaben zur├╝ckschraubt. Nicht nur die Regierung, auch die Bev├Âlkerung war dieser Ansicht, und begann ebenfalls zu sparen.
Mit Hilfe dieser "Deflationspolitik" versuchte man, den Wert der W├Ąhrung stabil zu halten. Allerdings war auch eine hohe Arbeitslosigkeit mit dieser Haltung verbunden.
Der damalige Kanzler Br├╝ning glaubte, er k├Ânne mit einer solchen Politik erreichen, dass die Siegerm├Ąchte auf ihre Reparationszahlungen aus dem ersten Weltkrieg verzichten. Er wollte demonstrieren, dass Deutschland zwar den Willen h├Ątte, die Zahlungen zu leisten, und diese auch p├╝nktlich erbringen. Es w├╝rde aber ├╝ber kurz oder lang an dieser Last zusammenbrechen.
Neben der Befreiung von den Reparationszahlungen sollte weiters auch eine Aufhebung der milit├Ąrischen Beschr├Ąnkungen, um "rascher als erwartet wieder eine starke und unabh├Ąngige, von allen zu respektierende Machtposition in Europa" zu werden.
Als Folge der Deflationspolitik gingen die L├Âhne und Geh├Ąlter auf den Stand von 1927 zur├╝ck. Sofern die Preise nicht an Absprachen gebunden waren, wurden sie zweimal um 10% gesenkt. Die Handelsbilanz wurde trotz der schwierigen Situation wieder positiv, da die sinkende Ausfuhr, durch eine scharfe Drosselung der Einfuhr wettgemacht wurde.
Der einzige Wirtschaftszweig, der von der Deflationspolitik verschont blieb, war die Landwirtschaft. Den ostdeutschen Bauern, die in Reichspr├Ąsident Hindenburg einen starken Verteidiger hatten, wurde eine gro├čz├╝gige Hilfe gew├Ąhrt. Den Landwirten ├Âstlich der Elbe, wurden Steuernachl├Ąsse, Umschuldungen und g├╝nstige Darlehen gew├Ąhrt. Mit Schutzz├Âllen wurde der deutsche Getreidepreis 1931 k├╝nstlich 250% ├╝ber Weltmarktniveau gehalten. Andere Branchen standen dem Preisverfall schutz - und hilflos gegen├╝ber.
Die Krise erreicht in Deutschland im Sommer 1931 mit der Bankenkrise ihren H├Âhepunkt. Den Banken wurden in erster Linie die hohen kurzfristigen Auslandsverschuldungen zum Verh├Ąngnis.
Der Wahlsieg der Nationalsozialisten im Jahr 1930 trug sein eigenes zu diesem Umstand bei. Das Ausland verlor sein Vertrauen in die innenpolitische Stabilit├Ąt Deutschlands. Zusammen mit den Liquidit├Ątsschwierigkeiten der USA f├╝hrte das dazu, dass in den ersten vier Wochen der Bankenkrise, eine halbe Million Reichsmark ausl├Ąndischer Kredite gek├╝ndigt wurden.
Als am 11. Mai 1931 die ├ľsterreichische Creditanstalt zusammenbrach, st├╝rmten die ausl├Ąndischen Gl├Ąubiger die deutschen Banken erneut, da sie Verh├Ąltnisse, wie in ├ľsterreich bef├╝rchteten. In der Folge wurden zweieinhalb Milliarden Reichsmark ausl├Ąndischer Kredite an deutsche Banken gek├╝ndigt.
Die Auswirkungen f├╝r das deutsche Bankensystem waren verheerend. Die Abz├╝ge von Auslandskrediten f├╝hrten zur Lahmlegung des Bankensystems in Deutschland und spannten so die Reserven der Reichsbank auf das ├äu├čerste an.
Am 6. Dezember 1931 konnte Br├╝ning eines seiner Ziele erreichen. Mit dem Hoover Moratorium wurden die Reparationszahlungen und die politisch internationalen Schulden f├╝r ein Jahr ausgesetzt. F├╝r diese Ma├čnahme war es aber schon fast zu sp├Ąt. Im Moratorium wurde die drohende Zahlungsunf├Ąhigkeit Deutschlands sogar ausdr├╝cklich in den Vordergrund gestellt. Deshalb kam es zu weiteren Kreditabfl├╝ssen aus dem Land.

2.2. Auswirkungen auf Industrie und Arbeitslosigkeit

Bevor ich auf die Arbeitslosenzahlen in der Weimarer Republik eingehe, m├Âchte ich anmerken, dass man beginnt, von Unterbesch├Ąftigung in einer Volkswirtschaft zu sprechen, wenn die Zahl der Arbeitslosen 5% der Zahl der Besch├Ąftigten erreicht. An diesem Ma├čstab gemessen, herrscht in der Weimarer Republik die meiste Zeit Unterbesch├Ąftigung. Nur w├Ąhrend des Zwischenhochs der Jahre 1924 - 25 nach den tiefen konjunkturellen Einbr├╝chen bedingt durch die Winter 1925/26, und von Juni bis Oktober 1927 konnte die 5% H├╝rde unterboten werden. 1928 sank die Quote nicht unter 5,5%.
Im Februar 1929 erreichten die Arbeitslosenzahlen schwindelerregende 19,3% - das entspricht ├╝ber 3 Millionen Arbeitslosen. Der bisherige Rekord aus dem Jahr 1926 wurde damit um 700.000 Arbeitslose ├╝bertroffen. Doch noch erkannte man die drohende Gefahr nicht. Zum Teil lie├čen sich die Zahlen auf den ungew├Âhnlich starken Frost zur├╝ckf├╝hren, der viele Aktivit├Ąten zum Erliegen kommen lie├č. Bis zum April sank die Arbeitslosenzahl auf 1,25 Millionen.
Als im folgenden Winter die Zahl der Erwerbslosen abermals die 3 Millionen Grenze ├╝bersprang, glaubte man, dass sich die Situation im Fr├╝hjahr wieder normalisieren w├╝rde. Allerdings setzte der saisonale Aufschwung diesmal nur sehr schleppend ein und kam bereits im Mai wieder zum Erliegen. Es waren immer noch 2,6 Millionen Deutsche ohne Arbeit.
Im September waren bereits wieder 3 Millionen arbeitslos, und im Februar 1931 war die 5 Millionen Marke fast erreicht. Die Situation verbesserte sich das ganze Jahr ├╝ber kaum. Der beste Monat war der Juni mit knapp unter 4 Millionen Erwerbslosen. Der offizielle Arbeitslosenrekord wurde im Februar 1932 mit 6,1 Millionen Arbeitslosen erreicht. Die wahre Zahl d├╝rfte weit h├Âher gelegen haben. Gr├Â├čtenteils Frauen und Jugendliche sch├Ątzten ihre Lage als hoffnungslos ein, und ersparten sich den Weg zum Arbeitsamt.
Als Beispiel dient die Entwicklung der Frankfurter Metallindustrie. Setzt man den Index f├╝r 1925 bei 100 an, so sank dieser bis 1932 auf 60 Punkte im Bereich der elektrotechnischen Industrie, und auf 26 Punkte in der Fahrzeug - und Schreibmaschinenindustrie.
Es waren wohl gerade diese horrenden Arbeitslosenzahlen, die den Feinden der Demokratie frischen Wind in die Segel bliesen. Dennoch ist nicht sicher, ob Br├╝ning angesichts der wirtschaftlichen Restriktionen und der damaligen Lehrmeinung viele Alternativen hatte.


3. England in der Krise

In England konnte man nie von den goldenen Zwanzigern sprechen. Man hatte mit den Schwierigkeiten einer ├╝bergro├čen Exportindustrie zu k├Ąmpfen. Das englische Pfund war im Vergleich zum US - Dollar zu hoch bewertet; und aufgrund des festen Wechselkurssystems war England immer zu einer deflation├Ąren Politik gezwungen.
Als die Kurse an der New Yorker B├Ârse verfielen, wurde die britische Wirtschaft schwer getroffen. Zwischen 1929 und 1931 verlor sie Wirtschaft ein Drittel ihres Volumens.
Vor der Krise bewegte sich die Arbeitslosigkeit bei 10%. Zwischen 1931 und 1933 betrug sie im Durchschnitt 21%.
Lange Zeit glaubte die Engl├Ąnder dennoch daran, dass ihre Insularit├Ąt sie vor einer ├Ąhnlichen Katastrophe, wie in Europa sch├╝tzen w├╝rde. Die Anzeichen einer beginnenden Depression wurden untersch├Ątzt. Deshalb wurde England 1931 besonders hart getroffen, als sie Krise mit voller Wucht ├╝ber das Land hereinbrach.
England f├╝hlte sich derweil immer noch als eine Weltmacht, die autonom und souver├Ąn Entscheidungen treffen konnte. Jetzt mussten die Engl├Ąnder lernen, dass auch sie von anderen Staaten abh├Ąngen. Auf einmal waren selbst innenpolitische Entscheidungen von ├Ąu├čeren Ereignissen oder der allgemeinen Situation bestimmt.
Trotz zahlreicher Warnungen nahm der Goldabflu├č von der Bank von England bedrohliche Formen an. Dies erforderte die Aufnahme von ├ťberbr├╝ckungskrediten aus Frankreich und den USA. Um die Belastungen durch die Kredite auszugleichen, sah sich die Labour - Regierung gezwungen, Sparma├čnahmen zu beschlie├čen. Wegen der Ma├čnahmen kam es zu einer Regierungskrise. Eine konservativ gepr├Ągte "nationale" Regierung ├╝bernahm das Ruder.
Wie in anderen L├Ąndern auch, versuchte sie Regierung erst einmal mit Sanierungsma├čnahmen, wie Lohn - und Gehaltsk├╝rzungen sowie Steuererh├Âhungen, die Lage in den Griff zu bekommen. Diese Politik war relativ erfolgreich, dennoch blieb der Druck auf die Bank von England erhalten. Man musste sich zur Aufgabe des Goldstandards entschlie├čen.
Als die USA nach dem B├Ârsencrash ihre Rolle als Kreditgeber f├╝r Europa nicht mehr einhalten konnte, versuchte die Bank von England diese Rolle zu ├╝bernehmen. Nach dem Zusammenbruch der ├ľsterreichischen Creditanstalt, die zu einem guten Teil von der Bank von England gest├╝tzt wurde, geriet der Sterling zu sehr unter Druck.
Die neue Politik ging nun vor allem in zwei Richtungen. Einerseits bem├╝hte man sich um billiges Geld. Ein Gro├čteil der Staatsschulden konnte von einer f├╝nfprozentigen in eine dreiprozentige umgewandelt werden. Kredite, die nicht durch B├╝rger des britischen Weltreichs aufgenommen wurden strengen Beschr├Ąnkungen unterworfen.
Durch geschickte Marktoperationen und der Erh├Âhung der Banknotenbest├Ąnde wurden die Bargeldreserven erh├Âht. Mit dieser inflation├Ąren Politik wurden die Zinss├Ątze gesenkt, was der Wirtschaft sehr zu gute kam. Billiges Geld allein konnte keine Prosperit├Ąt schaffen, doch zusammen mit anderen Ma├čnahmen wirkte es in diese Richtung.
Die zweite und wichtigere Ver├Ąnderung der Politik war die Aufgabe der Freihandelspolitik, die England trotz der Depression lange Zeit aufrechterhalten konnte. F├╝r Industrieg├╝ter wurde ein Schutzzoll von 20% eingef├╝hrt. Obwohl man den Kolonien mit den Z├Âllen entgegenkommen musste, kam es im April 1932 zu einer Stabilisierung des Pfundes, und das Budget war einigerma├čen ausgeglichen.
Die Abkehr von dieser Politik verhinderte einen ruin├Âsen Preiskampf unter den Unternehmen. Das Vertrauen der Bev├Âlkerung in die Regierung wurde wiederhergestellt. Somit hatten die innovativen Kr├Ąfte in der Wirtschaft, Zeit an Einflu├č zu gewinnen. Da die Zwanziger in England eher depressiv waren, konnten die neuen Investitionsm├Âglichkeiten, die durch neue Industrien erm├Âglicht wurden, voll ausgenutzt werden. Der Inlandsmarkt war gesichert, und die Nachfrage nach langlebigen Konsumg├╝tern war noch lange nicht befriedigt.
Der Aufschwung wurde also durch eine Abkehr vom Goldstandard, und der damit verbundenen Abkehr vom Binnenmarkt erreicht, da so die Kaufkraft erh├Âht wurde.
Im Vergleich zu den anderen Staaten Europas war Gro├čbritannien ausgesprochen reich. Die Einkommen entfernen sich rasch vom Tiefstand des Jahres 1932. Dennoch waren zu keiner Zeit weniger als eine Million Menschen (~14%) arbeitslos.


4. Die Ursachen der Krise

Praktisch seit Beginn der Krise begannen die ├ľkonomen ├╝ber die Ursachen der Krise nachzudenken. Bis heute gibt es keine anerkannte Antwort. Ich werde im folgenden versuchen, einige der Erkl├Ąrungsans├Ątze zu umrei├čen, ohne dabei tief in die Volkswirtschaft und das damit zusammenh├Ąngende Gesamtnachfragemodell einzugehen.

4.1. Die Ausgabenhypothese

Einige Wissenschaftler glauben heute, dass die Krise vom G├╝termarkt her ausgel├Âst wurde. Andere gehen davon aus, dass der Zusammenbruch des Aktienmarkes im Jahr 1929 teilweise f├╝r die ├änderung des Konsumverhaltens verantwortlich war. Der dadurch verbundene Verm├Âgensr├╝ckgang k├Ânnte die Haushalte veranlasst haben, mehr zu sparen.
Wieder andere vertreten die Meinung, dass der Ausgabenr├╝ckgang auf das starke Absinken der Investitionen im Wohnungsbau zur├╝ckzuf├╝hren ist. Der Investitionsboom im Wohnungsbau k├Ânnte einfach zu viel gewesen sein. Dieser R├╝ckgang der Aktivit├Ąt der Baubranche lie├če sich auch dadurch erkl├Ąren, dass die Immigration in die USA in den Drei├čigern zur├╝ckgegangen ist. Das langsamere Bev├Âlkerungswachstum, bremst nat├╝rlich auch die Nachfrage nach neuen Wohnungen.
Als die Depression erst einmal angefangen hatte, f├╝hrten weiter Faktoren zu einem R├╝ckgang der Ausgaben. Einerseits ist es m├Âglich, dass die vielen Bankzusammenbr├╝che zu einer Verringerung der Investitionen gef├╝hrt haben. Da Banken die zentrale Rolle bei der Vergabe von Krediten innehaben, war es vielen Unternehmen unm├Âglich, ben├Âtigte Kredite zu erhalten.
Zu diesem Umstand kam die deflation├Ąre Politik vieler L├Ąnder hinzu. Wie bereits beschrieben, waren die Regierungen damals um einen ausgeglichenen Staatshaushalt bem├╝ht. Allerdings war der Einsatz der Fiskalpolitik zu jener Zeit kein anerkanntes Mittel, um die Wirtschaft zu stimulieren. Beispielsweise wurden in den Vereinigten Staaten die Steuern 1932 mit dem "Revenue Act" erh├Âht. Diese Ma├čnahme traf vor allem den Mittelstand.
Auch das Wahlprogramm der Demokraten dr├╝ckte die Sorge ├╝ber das steigende Budgetdefizit aus. Sie traten f├╝r eine Beschr├Ąnkung der Staatsausgaben ein. Aufgrund dessen kam es zu einer ├ťberproduktion in der Industrie, die in den folgenden Jahren abgebaut werden musste.
Diese kurzen Ausf├╝hrungen zeigen bereits, dass es viele M├Âglichkeiten gibt, die Depression vom G├╝termarkt her zu erkl├Ąren. Sie schlie├čen sich keineswegs gegenseitig aus. Vielmehr k├Ânnten alle diese Faktoren auf einmal eingetreten haben, und dadurch einen bedeutenden R├╝ckgang der Gesamtausgaben verursacht heben.

4.2. Die Geldhypothese

In Amerika ging das Geldangebot von 1929 bis 1933 um 25% zur├╝ck. Im gleichen Zeitraum, stieg die Arbeitslosigkeit von 3,2% auf 25,2%. Diese Beobachtungen st├╝tzen die Geldhypothese. Ihre Vertreter lasten die Krise in erster Linie der Zentralbank an, die einen derartigen R├╝ckgang des Geldangebotes zulie├č.
Die wichtigsten Vertreter dieser Auffassung sind Milton Friedman und Anna Schwarz. Sie meinten, dass die meisten gesamtwirtschaftlichen Abschw├╝nge der Geschichte auf eine kontraktive Geldpolitik zur├╝ckzuf├╝hren sind.
Heute wird diese Ansicht jedoch einhellig von der Wissenschaft zur├╝ckgewiesen. Um die Gr├╝nde daf├╝r anzugeben, m├╝sste ich tief in die volkswirtschaftlichen Mechanismen eingehen, was im Rahmen dieser Arbeit nicht erfolgen kann.
Ein weiterer Ansatz, die Krise vom Geldmarkt her zu erkl├Ąren, l├Ąuft ├╝ber die Deflation. Von 1929 bis 1933 sank das Preisniveau um 25%. Damals behaupteten die ├ľkonomen, dass das ein ganz normaler Abschwung gewesen w├Ąre. Heute ist es wahrscheinlicher, dass durch die restriktive Geldpolitik die Weltwirtschaftskrise ausgel├Âst wurde.
Sollte das tats├Ąchlich zutreffen, sind Friedman und Schwarz zumindest teilweise best├Ątigt, da der R├╝ckgang des Geldniveaus offenbar f├╝r den R├╝ckgang des Preisniveaus verantwortlich war.

5. Das Experiment von W├Ârgl

Am Schlu├č dieser Arbeit m├Âchte ich mit einem konkreten Beispiel demonstrieren, wie schwierig es war, aus der Krise auszubrechen, das Experiment von W├Ârgl. Es ist nicht nur bemerkenswert, weil es ganz in unserer N├Ąhe stattgefunden hat; es wurde auch in der ganzen Welt beachtet und imitiert.

5.1. Die Freiwirte

Der Vater des Experiments war Michael Unterguggenberger, W├Ârgler Vizeb├╝rgermeister von 1920 bis 1931, und B├╝rgermeister von 1931 bis 1934.
Er vertrat die Ideen Silvio Gesells, welcher von der Schweiz ausgehend bis nach Estland Anh├Ąnger fand. Ihre Ziele waren eine krisenfreie Marktwirtschaft und mehr soziale Gerechtigkeit. Die gro├če Not nach dem ersten Weltkrieg f├╝hrten sie auf den Kapitalismus zur├╝ck. Das Geld sammelte sich immer mehr in den H├Ąnden einiger weniger, die es als Spekulationsmittel zur├╝ckhalten. Geldstauungen haben wegen der Rolle des Geldes Warenstauungen, und Arbeitslosigkeit zur Folge. Der Geldumlauf wird gef├Ąhrlich verlangsamt.
Weiters verlieren Waren im Lager mit der Zeit an Wert, denn sie verderben und verursachen Lagerkosten. Geld kann andererseits ohne Risiko gelagert werden. Die Freiwirte wollten nun, dass das Geld einem Schwund unterworfen wird. Gesell ging von 5 - 6% "Geldsteuer" im Jahr aus. Einzig Spareinlagen bei Kassen sollten nicht betroffen sein. Dieser Schwund sollte als Umlaufzwang wirken.
Die Freiwirte forderten den Ersatz der Goldw├Ąhrung durch unter Umlaufzwang stehendes Geld (Freigeld). Sein Wert sollte unter allen Umst├Ąnden (Inflation bzw. Deflation) gleichbleiben, und im Verh├Ąltnis zum Waren - und Geldangebot umlaufen. Andere Ideen der Freiwirte waren eine Vergesellschaftung des Bodens, eine Umwandlung der Notenbank in ein staatliches W├Ąhrungsamt, das den Geldschwund steuert und die Errichtung einer Freihandelszone.

5.2. Das Nothilfe Programm

Zu Beginn der Drei├čiger hatte die W├Ârgler Wirtschaft vor allem mit der 1929 aufgekeimten Weltwirtschaftskrise und der Elektrifizierung der Bahn zu k├Ąmpfen. Im Juni 1930 wurde das Heizhaus geschlossen, 1931 wurde das gr├Â├čte Unternehmen, die Zellulosefabrik, stillgelegt. In der Region waren insgesamt 1500 Arbeitslose, und es wurden t├Ąglich mehr.
Die Gemeinde war nicht einmal mehr in der Lage die Zinsen f├╝r ihre 1,3 Millionen Schilling Schulden zu zahlen. Der einzige Aktivposten im Budget waren die Steuerr├╝ckst├Ąnde der B├╝rger, die wegen die Wirtschaftslage jedoch uneinbringlich waren.
Um die Lage zu verbessern arbeitete Bgm. Unterguggenberger gem├Ą├č seiner Wirtschaftsphilosophie sein Nothilfe Programm aus, das am 8. Juli 1932 einstimmig vom Gemeinderat angenommen wurde. Es sah vor Arbeitswertscheine, die nach dem Prinzip des Freigeldes funktionierten auszugeben. Sie sollten monatlich 1% ihres Wertes durch das Aufkleben von Stempelmarken verlieren. Mit den Scheinen sollten auch ├Âffentlich Arbeiten durchgef├╝hrt und bezahlt werden.
Im Juli 1932 wurden erstmals Scheine im Wert von 1600 Schilling an die Arbeiter ausgezahlt. Sie verwendeten diese, um dringend ben├Âtigte Waren zu kaufen. Die H├Ąndler konnten nun beginnen, ihre Steuerschuld bei der Gemeinde zu begleichen. So war der Kreislauf in k├╝rzester Zeit geschlossen. W├Ąhrend der 13 Monate in denen das Experiment lief, flossen die Arbeitswertscheine durchschnittlich zwei Mal pro Woche durch die Gemeindekasse. Mit einem Schilling Schwundgeld wurden so 104 Schilling Steuern im Jahr bezahlt.
Die ersten Bauvorhaben, die mit dem Freigeld gestartet wurden, waren vor allem Asphaltierungs - und Kanalisierungsarbeiten. Es wurden unter anderem eine neue Sprungschanze und eine Notstandsk├╝che errichtet. Die L├Âhne f├╝r diese Arbeiten wurden ausschlie├člich mit Arbeitswertscheinen bezahlt. 1933 wurden Infrastruktureinrichtungen f├╝r den Fremdenverkehr geschaffen, wie zum Beispiel dreieinhalb Kilometer langer Rodelweg, der teilweise Neubau des Weges zu den Lechner Wasserf├Ąllen, und ein Steig in die bisher unzug├Ąngliche Aubachklamm.
Mit diesen Arbeiten konnte man 60 Leute direkt und weitere 40 in der Zulieferindustrie anstellen. W├Ąhrend in ganz ├ľsterreich die Arbeitslosigkeit zu dieser Zeit stieg, ging sie in W├Ârgl um ein Viertel zur├╝ck.
Leider ging die Rechnung mit den Investitionen in den Fremdenverkehr nicht auf, was allerdings nicht im Einflu├čbereich der W├Ârgler lag. Am 1. Juni verh├Ąngte Deutschland die 1000 - Mark - Sperre, welche fast den gesamte Fremdenverkehr zum Erliegen brachte.

5.3. Das Ende des Experiments

Nur zwei Wochen nach der Einf├╝hrung des Notgeldes versuchte die ├ľsterreichische Nationalbank AG das W├Ârgler Programm zu stoppen, da sie eine Verletzung ihren Banknotenprivilegs sah. Unterguggenberger reist mit einer kleinen Delegation nach Wien um bei Minister Rintelen vorzusprechen. Sie ernten Verst├Ąndnis von ihm. Auch die Kufsteiner Bezirkshauptmannschaft erlaubt das Experiment vorerst, muss die Ausgabe der Arbeitswertscheine aber im J├Ąnner 1933 auf Antrag der Landesregierung verbieten. Der Gemeinderat beruft beim Landeshauptmann gegen die Entscheidung. Die Arbeitswertscheine verletzen nicht das Banknotenmonopol der Nationalbank, da sie ja nur auf den an der Nothilfe beteiligten Personenkreis beschr├Ąnkt sei, und die Teilnahme auf freiwilliger Basis beruht. Die Berufung wurde abgewiesen. Im M├Ąrz wendet sich der Gemeinderat an den Verfassungsgerichtshof. Wieder ohne Erfolg. Auch eine letzte Intervention bei Kanzler Dollfu├č war umsonst. Am 15. September mussten die Scheine eingezogen werden. Der endg├╝ltige Todessto├č erfolgte am 18. November, als das Ende der Aktion vom Verfassungsgerichtshof best├Ątigt wurde.

5.4. Weltweite Achtung

Der positive Effekt des Nothilfe Programms wurde bald auch in den Nachbargemeinden wahrgenommen. Kirchbichl und Kitzb├╝hel f├╝hrten ebenfalls Arbeitswertscheine ein. In Brixen und Westendorf waren sie bereits beschlossen, aber man wartete noch den Ausgang des Gerichtsverfahrens ab.
Bald kamen Volkswirtschafter und Politiker aus aller Herren L├Ąnder nach W├Ârgl, um sich vor Ort von der Wirksamkeit der Ma├čnahmen zu ├╝berzeugen. Prof. Fischer, ein angesehener Geldtheoretiker aus Amerika, w├╝rdigte Gesells Konzept als "geniale Idee," und wollte es in Amerika zur Anwendung bringen. In vielen Gro├čst├Ądten wurde das Schwundgeld eingef├╝hrt, aber bei einem Schwund von w├Âchentlich 2% wurde es nicht angenommen.

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