Joseph Goebbels

Inhaltsverzeichnis:


Einleitung..............................................................................................................Seite 3
Biographie...............................................................................................Seite 3 - Seite 5
Pers├Ânliche Situation..............................................................................Seite 6 - Seite 8
Polit. Hintergrund der Rede "Totale Revolution".................................................Seite 8
Inhaltsangabe der Rede "Totale Revolution"..........................................Seite 8 - Seite 9
Analyse der Rede "Totale Revolution".................................................Seite 9 - Seite 11
Polit. Hintergrund der Rede zum "Totalen Krieg"..............................Seite 11 - Seite 12
Analyse der Rede zum "Totalen Krieg"..............................................Seite 12 - Seite 15
Entwicklung der sprachl. Kompetenzen von Dr. Goebbels...............Seite 15 - Seite 16
Folgen..................................................................................................................Seite 16
Schlu├čteil (Pers├Ânliches Statement)....................................................................Seite 16
Quellenverzeichnis..............................................................................................Seite 17
Erkl├Ąrung.............................................................................................................Seite 18






















Die Ihnen vorliegende Facharbeit befa├čt sich mit der Entwicklung der rednerischen F├Ąhigkeiten Dr. Joseph Goebbels, unter deren Zuhilfenahme er dem Gro├čteil des deutschen Volkes die nationalsozialistische Ideologie, als einzige Erfolg bringende, nahelegte. Auf den folgenden Seiten soll erl├Ąutert werden, warum es sich bei Goebbels um einen gro├čen Geist handelte, der im Sinne einer falschen Sache agierte. Dies soll bearbeitet werden unter Ber├╝cksichtigung verschiedener Aspekte, die sowohl seine pers├Ânliche Situation, als auch seine Karriere als Propagandaminister, beinhalten. Desweiteren soll anhand der Analyse offengelegt werden, inwiefern sich seine anf├Ąnglichen Reden von der zum "Totalen Krieg" unterschieden. F├╝r die Allgemeinheit ist das Thema von gro├čer Bedeutung, da Dr. Joseph Goebbels ein perfektes Beispiel daf├╝r ist, dass man positive F├Ąhigkeiten ebenfalls f├╝r falsche Zwecke mi├čbrauchen kann. F├╝r mich pers├Ânlich soll diese Facharbeit ein breites Spektrum an Fragen im Bezug auf den Nationalsozialismus beantworten, die mich bereits seit Jahren besch├Ąftigen. Dieses Thema wurde ausschlie├člich mit Hilfe von Fachliteratur erarbeitet. Trotz anf├Ąnglicher Schwierigkeiten, aus dem breiten Umfang der Quellen, geeignetes Material herauszusuchen, hoffe ich, dass ich allen gestellten Forderungen gerecht geworden bin.

Bevor wir auf die Entwicklung der sprachlichen Kompetenzen Joseph Goebbels' zu sprechen kommen, sollten wir zun├Ąchst kl├Ąren, wer diese Person ├╝berhaupt war.
Paul Joseph Goebbels wurde am 29. Oktober 1897 als Sohn des Buchhalters Friedrich Goebbels und dessen Ehefrau Maria (geb. Oldenhausen), in M├Ânchengladbach - Rheydt geboren. Nach der Jahrhundertwende erkrankte Joseph an einer Knochenmarksent -
Z├╝ndung, die eine L├Ąhmung des rechten Beines zur Folge hatte. Dadurch konnte sich sein rechter Fu├č nicht weiterentwickeln und verk├╝mmerte allm├Ąhlich zum Klumpfu├č. Aufgrund dieser Behinderung und seiner Abnormalit├Ąt, wurde der junge Joseph mehr und mehr zum Au├čenseiter. Die daraus resultierende Einsamkeit hinterlie├č bei ihm tiefsitzende Minderwertigkeitskomplexe. Der wahre Grund f├╝r sein Au├čenseiterleben war jedoch seine Verschlossenheit gegen├╝ber seinen Klassenkameraden. Doch nach einiger Zeit entdeckte er seine Vorliebe f├╝r Literatur und begriff, dass er auf dem Gebiet des Wissens seine k├Ârperliche Benachteiligung ausgleichen konnte. Diese Entdeckung erm├Âglichte ihm, unter anderem, die negativen Erlebnisse, durch die Flucht in seine fiktive Wirklichkeit, zu verarbeiten. Trotz der beengten finanziellen Situation des Elternhauses, wurde Goebbels von seinem Vater erm├Âglicht, das Reformgymnasium zu besuchen, um somit das Abitur, die Voraussetzung f├╝r sein angestrebtes Theologiestudium, zu erlangen. Aufgrund der Hoffnung auf eine bessere Zukunft, die der Krieg f├╝r Goebbels barg, meldete er sich zu Beginn des Ersten Weltkrieges als
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Freiwilliger, wurde jedoch, bedingt durch seine Gehbehinderung, als wehruntauglich abgelehnt. Im M├Ąrz 1917 bestand Joseph Goebbels das Abitur und durfte die Abgangsrede seines Jahrganges halten, da er den besten Deutschaufsatz geschrieben hatte. In seiner Rede fanden sich all jene Vorstellungen wieder, die das Weltbild seiner Generation, das er ganz besonders verinnerlicht hatte, bestimmten. Nach diesem Vortrag soll sein Schulleiter "ihm auf die Schulter geklopft"1und gesagt haben, er sei zum Redner leider nicht geboren. Zur gro├čen Entt├Ąuschung seiner Eltern, entschloss sich Goebbels, das zun├Ąchst angestrebte Theologiestudium nicht anzutreten. Statt dessen entschied er sich auf Dr├Ąngen seines Lehrers Altphilologie, Germanistik und Geschichte zu studieren.
Sein Studium wurde gr├Â├čtenteils von einem katholischen F├Ârderprogramm finanziert. Wegen der gegebenen Umst├Ąnde des Krieges war Goebbels mehrfach dazu gezwungen, die Universit├Ąt zu wechseln. Alles in Allem studierte er in M├╝nchen, W├╝rzburg, Freiburg und Bonn. Schlie├člich schaffte er die Promotion zum Doktor der Germanistik an der Bonner Universit├Ąt. Goebbels schrieb seine Dissertation unter der Betreuung des j├╝dischen Professors Freiherr von Waldberg und studierte bei dem ebenfalls j├╝dischen Literaturwissenschaftler Professor Friedrich Gundolf. Goebbels lie├č sich Zeit seines Lebens mit seinem Titel anreden. Zwischen 1921 und 1924 versuchte er vergeblich eine Anstellung als Journalist oder Dramaturg zu erhalten. Zu seiner starken Verbitterung wurde er von zahlreichen renommierten, j├╝dischen Verlagsh├Ąusern abgelehnt. Nach ersten Kontakten mit Nationalsozialistischen Kreisen auf dem Parteitag in Weimar, gr├╝ndete Goebbels in M├Ânchengladbach eine Ortsgruppe der nationalsozialistischen Freiheitsbewegung Gro├čdeutschlands, eine Tarnorganisation der seit dem Hitlerputsch verbotenen NSDAP. Zwischen dem 1. Oktober 1924 und dem 20. Januar 1925 attackierte Goebbels, in den von ihm verfassten Artikeln in der Wochenzeitung "V├Âlkische Freiheit", vor allem prominente, j├╝dische Verlage. 1926 wird Goebbels von Hitler zum Gauleiter von Berlin - Brandenburg ernannt. Zudem beendete er die 5 - j├Ąhrige Beziehung zu der Lehrerin Else Janke, Tochter einer j├╝dischen Mutter und eines christlichen Vaters.
Am 4. Juli 1927 erschien die erste Ausgabe der von Goebbels gegr├╝ndeten NS - Propagandazeitung "Der Angriff". Bereits im n├Ąchsten Jahr wurde er Mitglied des Reichstages. Er profilierte sich in den Jahren zwischen 1928 - 1945 durch demagogische, zynische und antisemitistische Verleumdungen einflu├čreicher Juden und linker Politiker.

1Quelle: Uwe Malik, ehemaliger Mitsch├╝ler von Joseph Goebbels, Augenzeugenbericht
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1930 erfolgte dann seine Ernennung zum Reichspropagandaleiter, wobei ihm automatisch die Hauptaufgabe, n├Ąmlich die propagandistische Vorbereitung der Reichswahlen 1930 und 1932, zugeschrieben wurde.
Am 19. Dezember des Jahres 1931 heiratete Goebbels Magda Quandt. Zu dieser Hochzeit fanden sich A. Hitler und Franz Ritter von Epp, als Trauzeugen, ein.
Er wurde am 13. M├Ąrz 1933 Leiter des "Reichsministerium f├╝r Volksaufkl├Ąrung und Propaganda"1und war damit j├╝ngster Minister im Kabinett. Infolge der "Gleichschaltung"2hat Goebbels die nahezu uneingeschr├Ąnkte Kontrolle ├╝ber s├Ąmtliche Bereiche des kulturellen Lebens und der Medien. Er konzentrierte sich auf den Rundfunk als Instrument der Massenbeeinflussung. Zwischen dem ersten und dem zweiten April zettelte er die Boykottaktion gegen j├╝dische Gesch├Ąfte an.
1937 organisierte er die Beschlagnahmung von sogenannter entarteter Kunst in Museen und lie├č einige der Kunstwerke in einer gleichnamigen Ausstellung zeigen.
9. November: Goebbels signalisierte in einer Rede vor der Parteif├╝hrung in M├╝nchen, dass antisemitistische Demonstrationen weder vorzubereiten, noch durchzuf├╝hren seien, dass aber auch nichts gegen "spontan erfolgende Ausschreitungen"3unternommen werden sollte. Die Rede von Goebbels war das Startsignal f├╝r die Gewaltt├Ątigkeiten an der j├╝dischen Bev├Âlkerung in der Reichskristallnacht. Die erste Ausgabe der von Goebbels gegr├╝ndeten Wochenzeitung "Das Reich" erschien am 26. Mai 1940.
Nach der Niederlage der deutschen Wehrmacht in Stalingrad, rief er am 18. Februar 1943 im Berliner Sportpalast zum "Totalen Krieg" auf.
Die gr├Â├čtenteils von der Partei bestellten Zuh├Ârer begleiteten die im Rundfunk ├╝bertragene Rede mit frenetischem Jubel. Viele Deutsche entschieden sich zur Mobilisierung ihrer letzten Reserven und unterst├╝tzten weiterhin die Kriegsf├╝hrung.
Der Staatsstreich vom 20. Juli 1944 scheiterte nicht zuletzt an Goebbels' reaktionsschnellem Handeln. Hitler ernannte ihn wenig sp├Ąter zum "Reichsbevollm├Ąchtigten f├╝r den totalen Kriegseinsatz"4.
Als Hitler sich am 30. April 1945, zusammen mit seiner Frau, das Leben nahm, betrachtete Joseph Goebbels die Welt, die nach dem F├╝hrer und dem Nationalsozialismus kommen sollte, nicht wertvoll genug, um darin zu leben. Daraufhin nahm er sich zusammen mit seiner Familie das Leben.

1Quelle http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/GoebbelsJoseph/index.html, Seite 2/4
2Quelle http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/GoebbelsJoseph/index.html, Seite 2/4
3Quelle http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/GoebbelsJoseph/index.html, Seite 2/4
4Quelle http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/GoebbelsJoseph/index.html, Seite 3/4
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Im nachfolgenden Text, der von der pers├Ânlichen Situation Joseph Goebbels handelt, soll ebenfalls erl├Ąutert werden, wie er seine politische Anschauung, vom Sozialismus
zum Nationalsozialismus, ├Ąnderte und inwiefern Adolf Hitler dabei eine gewichtige Rolle spielte.
Der tiefsitzende Minderwertigkeitskomplex, hatte bei Goebbels einen krankhaften Drang nach Anerkennung und Geborgenheit zur Folge. Da er diese Zuwendung und Geborgenheit allerdings nicht in der realen Welt fand, fl├╝chtete er in die von ihm erstellte, fiktive Welt des Schreibens. Die Protagonisten, mit denen er sich in seinen B├╝chern identifizierte, erhoben Anklage gegen die soziale Ungerechtigkeit und sch├Âpften Kraft aus ihren Hassgef├╝hlen. Von all den B├╝chern, die Goebbels in seinem Leben geschrieben hatte, enthielt nur eines, "Michael Voormanns Jugendjahre"1, eine kritisch - ehrliche Selbstspiegelung, in der er sein "ganzes Leiden"1hersagte, "ohne Schminke, so, wie ich es sehe"1. Goebbels entwickelte einen krankhaften Ehrgeiz und einen gesteigerten Hass auf die Menschen, mit denen er sein Gebrechen in der Schule, zu ├╝berspielen versuchte und immer hochm├╝tiger und tyrannischer wurde, sobald er Erfolg versp├╝rte. Daraus resultierend, war er auf dem Weg, an Stelle einer durchschnittlichen Pers├Ânlichkeit, ein tyrannischer Sonderling zu werden. In einem seiner weiteren Werke, setzte er sich abermals mit dem Kampf der Arbeiterklasse auseinander. In diesem St├╝ck, sagte Goebbels aus, dass die "Glut"2in den Seelen der Arbeiter, die "angefaulte"3und "morsche"3Weltanschauung, hinwegfegen w├╝rde.
Die Helden dieses Romanes erf├╝llten seinen Wunsch, nach einer "strahlenden, pr├Ąchtigen und unmaterialistischen"3Welt, in der "alle Menschen"3gl├╝cklich sind. Damit dies aber gew├Ąhrleistet werden konnte, bedurfte es eines "neuen Menschen"3, der allen anderen in allem gleichstand, da "alle Menschen Glieder in einer Kette sind"3, "alle Glieder gleich gro├č und gleich klein"3. Doch nirgendwo in der Welt fand sich ein "starkes Genie, das aus dem Chaos der Zeit, auf neuen Wogen zu neuen Zeiten"4 f├╝hren konnte.
In dem ├ľsterreicher, der sich in M├╝nchen gerade die kleine deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) unterworfen hatte, sah Goebbels das herbeigesehnte "starke Genie"5freilich noch nicht. In einem Artikel, den er f├╝r eine Zeitung verfasste, machte er sich ├╝ber Hitler - Anh├Ąnger lustig. Er zeichnete ein auf einem Nachttopf sitzendes Kind und

1 Quelle Ralf Georg Reuth: Goebbels, eine Biographie, Seite 42, Tagebuchauszug
2 Quelle Ralf Georg Reuth: Goebbels, eine Biographie, Seite 45, Tagebuchauszug
3 Quelle Ralf Georg Reuth: Goebbels, eine Biographie, Seite 47, Tagebuchauszug
4 Quelle http://www.dhm.de/lemo/html/biographien/GoebbelsJoseph/index.html
5 Quelle Ralf Georg Reuth: Goebbels, eine Biographie, Seite 54, Tagebuchauszug
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schrieb darunter: "Seh’ ich nur ein Hakenkreuz, krieg ich schon zum Kacken Reiz"1.
Nach und nach wollte er sich nicht mehr mit der beklagenswerten, von Gott geduldeten Existenz, des armen, verlorenen Volkes, abfinden. Er sah ein, dass der "moderne Mensch"2sich selbst erl├Âsen konnte, d.h., dass er von der Passivit├Ąt abwich und suchte aktiv den "Erl├Âser"2in Menschengestalt. Daraufhin lie├č er seinen Protagonisten, "Michael", fragen, ob denn niemand da sei, der den Weg in eine bessere Zukunft wisse. Im F├╝hrer, Adolf Hitler, sah er die "Inkarnation seines Glaubens"2und ordnete ihm, einer realen Person, die Rolle des "Erl├Âsers" zu.
Dar├╝ber hinaus verinnerlichte er die Weltanschauung von Houston Steward Chamberlains, die besagte, das alle Juden den Materialismus verk├Ârpern, das B├Âse schlechthin seien und damit die Konkret - Schuldigen am ├ťbel der Welt seien.
Pl├Âtzlich geh├Ârte auch Goebbels zu den Bewunderern Hitlers, obwohl er diesen anf├Ąnglich verspottet hatte, dann aber merkte, dass er ihm aus der Seele sprach. Er f├╝hlte sich unter dem "Zeichen des Hakenkreuzes sicher und geborgen, wie in einem grossen Haus mit vielen Kindern"3. Goebbels ├╝bernahm die Weltanschauung der Nationalsozialisten, da er sich f├╝r deren "h├Âhere Mission"4auserw├Ąhlt f├╝hlte. Die Reden, die er kurz darauf f├╝r die Partei hielt, gaben ihm das Gef├╝hl, "ein begabter Redner"4zu sein. Mit oder ohne Manuskript, die Gedanken kamen ihm wie "von selbst"4. F├╝r ihn verk├Ârperte Hitler das "heldische F├╝hrer - Ideal"5und feierte ihn als den "grossen deutschen Apostel"6, der f├╝r seine Idee leiden m├╝sste, da dieser sich zu diesem Zeitpunkt in Festungshaft befand. Kurz nachdem er sich in den Dienst des Nationalsozialismus stellte, wurde er zum Organisator der Hitler - Bewegung und trat bei allen Feierlichkeiten als Redner auf. Bereits nach der ersten Begegnung mit Hitler, erlag er ganz und gar der Faszination des F├╝hrers. In sein Tagebuch notierte er: "Alles hat dieser Mann, um K├Ânig zu sein. Der geborene Volkstribun. Der kommende Diktator."7 Soviel Verehrung, soviel Begeisterung, verband ihn mit seinem Hitler. Auf der F├╝hrertagung in Bamberg, stellte Goebbels fest, dass die Ansichten Hitlers den genauen Gegensatz zu seinen bildeten, jedoch war sein Glaube an Hitler und dessen historische Mission st├Ąrker, als seine sozialistische Anschauung, denn f├╝r ihn stand ohnehin l├Ąngst

1 Quelle: Ralf Georg Reuth: Goebbels, eine Biographie, Seite 54
2 Quelle: Ralf Georg Reuth: Goebbels, eine Biographie, Seite 66
3 Quelle: Ralf Georg Reuth: Goebbels, eine Biographie, Seite 80, Tagebuchauszug
4 Quelle: Ralf Georg Reuth: Goebbels, eine Biographie, Seite 81
5 Quelle: Ralf Georg Reuth: Goebbels, eine Biographie, Seite 83
6 Quelle: Ralf Georg Reuth: Goebbels, eine Biographie, Seite 84
7 Quelle: Ralf Georg Reuth: Goebbels, eine Biographie, Seite 93/94
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fest, sich "dem Gr├Âsseren, dem politischen Genie"1zu beugen oder beugen zu wollen. Er sah in Hitler den ersten Menschen, der ihn wirklich "liebte", da er ihn lobte, umarmte und ihn an seiner Geburtstagsfeier, zum 37. Geburtstag, teilnehmen lie├č. Hitler sch├Ątzte Goebbels, da er ihn f├╝r ein willenloses Werkzeug hielt, das er nach Belieben benutzen konnte und das ihm bedingungslos folgen w├╝rde. Inzwischen war Goebbels, wie sein Vorbild, bereit, der besseren Welt wegen, ├╝ber Leichen zu gehen. Abschlie├čend bleibt zu sagen, dass Goebbels seine Ansichten f├╝r Hitler verworfen hat, weil er in ihm den Erl├Âser sah, der die Hoffnung auf eine bessere Zukunft verk├Ârperte.
Eine von Goebbels' Aufgaben als Propagandaminister bestand darin, dem Volk die Absichten des Staates mitzuteilen, wobei er gegebenenfalls die Meinung der Zuh├Ârer zu suggestieren hatte. Dies gelang ihm einerseits durch seine F├Ąhigkeit, den Menschen aus der Seele sprechen zu k├Ânnen, da er die Probleme und Sorgen seines Publikums kannte und andererseits durch die Begabung, rhetorische Mittel gezielt einzusetzen. Diese demagogische und rhetorische Begabung m├Âchte ich Ihnen anhand der beiden Reden zeigen. Durch die Analyse soll ebenfalls die Entwicklung, der von Goebbels verwendeten Stilmittel, dargestellt werden.

Einige Monate nach der Macht├╝bernahme ergriff Goebbels das Wort, in seiner Rede vom Nov. 1933 "Totale Revolution", um dem Volk das Gef├╝hl zu vermitteln, dass alle Ver├Ąnderungen, die die Macht├╝bernahme der NSDAP mit sich brachte, zum Wohle des Volkes vorgenommen wurden. Dabei verschweigt er jedoch vors├Ątzlich die negativen Auswirkungen, in Bezug auf die Einschr├Ąnkung der Meinungs -, Presse - und Versammlungsfreiheit, als auch das Berufsverbot f├╝r Juden und Regimkritiker. Kurz nachdem die SPD verboten wurde, l├Âsten sich auch DVP und Zentrum auf, woraus resultierte, dass die NSDAP die einzige Partei im Deutschen Reich wurde. Um zu vermeiden, dass neue Oppositionen entstehen, erlie├č die NSDAP ein Verbot, was Parteineubildungen untersagte.
Ich bin der Ansicht, dass dieser politische Hintergrund nennenswert ist, da er zum besseren Verst├Ąndnis der Rede beitr├Ągt.

Die Rede "Totale Revolution", die Dr. Joseph Goebbels im November 1933 hielt, ist in Anfang, Hauptteil und Schlu├č unterteilt.
Im ersten Sinnabschnitt spricht Goebbels die Geschehnisse der vergangenen Monate an. Unter anderem erw├Ąhnt er den 14 - j├Ąhrigen Kampf, als Opposition, gegen die grossen
Parteien SPD und KPD, wobei er die NSDAP mit einer Weltanschauung gleichsetzt.

1Quelle: Ralf Georg Reuth: Goebbels, eine Biographie, Seite 101
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Desweiteren schneidet er kurz die positiven Auswirkungen der "Totalen Revolution", auf das Zusammenleben des deutschen Volkes, an.
Im Hauptteil geht Goebbels n├Ąher auf die angeschnittenen Themenbereiche des ersten Sinnabschnitts ein. Er kritisiert den Liberalismus, da dieser der Individualit├Ąt eine hohe Bedeutung zuschreibt. Im Anschlu├č daran lobt er die von ihnen eingef├╝hrte Volksgemeinschaft, welche das Individuum ersetzen soll. Laut Goebbels muss die Freiheit des Einzelnen insofern eingeschr├Ąnkt werden, dass die Freiheit der Gemeinschaft ( Nation ) nicht in Gefahr ger├Ąt. Er vertritt die Ansicht, dass die Gemeinschaft der Individualit├Ąt in jedem Falle ├╝bergeordnet ist. Aus dem weiteren Textverlauf ist zu entnehmen, dass diese Verordnung jede soziale Schicht betreffe.
Im Schlu├č verdeutlicht er, anhand eines Beispieles, die Gefahr, die vom Individuum ausgeht, wenn es sich seiner Freiheit bediene, ohne R├╝cksichtnahme auf die Freiheit des Volkes. Als Beispiel w├Ąhlt er den freischaffenden K├╝nstler, da er sich nicht auf die Kultur des Volkes bezieht und dadurch in seinen Werken Individualit├Ąt widerspiegelt. Er sieht im K├╝nstler einen Gottgesandten, der seine Mission nur innerhalb einer Volksgemeinschaft erf├╝llen kann. F├╝gt sich dieser K├╝nstler nicht der Kultur des Volkes, so stellt er eine Gefahr dar und wird, da er sich gegen das Volk stellt, keine Unterst├╝tzung von diesem erhalten. Dies hat zur Folge, dass er sich entweder dem System f├╝gen muss oder diesem unterliegen wird.

Goebbels versucht, unter Zuhilfenahme der Demagogie1, das Volk davon zu ├╝berzeugen, das die "Totale Revolution" dem Volke einen gro├čen Dienst erwiesen hat. Dies l├Ąsst sich anhand vieler, von ihm verwendeter, rhetorischer Mittel belegen. Bereits zu Anfang der Rede verwendet Goebbels die "in medias res" - Technik2, indem er schon im ersten Satz die Hauptthese der Rede nennt, unter Einsatz der "Emphatischen Umstellung"3. Diese l├Ąsst sich durch den Satz "Die Revolution, die wir gemacht haben,..."4belegen.
Die n├Ąchsten beiden S├Ątze bilden eine "Parallelstruktur"5, in Verbindung mit einer "Anapher"6. Um die Monotonie, welche durch die Verwendung der Parallelstruktur entsteht, zu vermeiden, erweitert er den zweiten Satz um ein Satzglied. Der Beleg f├╝r

1 Quelle: wysiwyg://rechts.56/http://kultur - netz.de/hdk/demagogie.htm
2 Quelle: Hermann Schl├╝ter: Grundkurs der Rhetorik, Seite 24
3Quelle: Hermann Schl├╝ter: Grundkurs der Rhetorik, Seite 38
4Quelle: Dokumente 45 - 47, 3.Kapitel, Seite 89
5Quelle: Hermann Schl├╝ter: Grundkurs der Rhetorik, Seite 40
6Quelle: Hermann Schl├╝ter: Grundkurs der Rhetorik, Seite 27
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die Anapher ist das Personalpronomen "Sie", mit dem die aufeinander folgenden S├Ątze beginnen, der f├╝r die Parallelstruktur die Verwendung von einem Haupt - und einem Nebensatz, im ersten Satz und die Verwendung von einem Haupt -, einem Nebensatz und einer Erweiterung um einen zweiten Nebensatz, im zweiten Satz.
Desweiteren greift Goebbels im letzteren Satz auf eine Kette zur├╝ck ("...die Beziehungen der Menschen untereinander, die Beziehung der Menschen...")1. In diesem Fall haben die rhetorischen Mittel eine hervorhebende Funktion. Die Hervorhebung der Revolution soll bei den Zuh├Ârern hervorrufen, dass diese denken, dass sie den Zustand der Menschen verbessert hat. Im weiteren Verlauf des Abschnittes, personifiziert Goebbels die NSDAP, als Partei, mit einer "jungen Weltanschauung"1, welche "14 Jahre lang in der Opposition um die Macht gek├Ąmpft hatte,..."1. Dadurch stellt er seine Partei dem Volk in Perfektion vor und hebt die "Verdienste" der NSDAP besonders hervor, indem er noch anf├╝gt, dass dem Volk, dank seiner Partei, ein "neues Staatsgef├╝hl"1gegeben wird. Er verherrlicht das nationalsozialistische System, indem er im n├Ąchsten Satz indirekt darauf hinweist, dass man nur den "sichtbaren Ausdruck"1der Revolution erkennt, allerdings die "harte Arbeit" der Partei nicht zu Gesicht bekommt (Anspielung auf den 14 - j├Ąhrigen Kampf). Desweiteren erw├Ąhnt Goebbels, dass die Totale Revolution am 30.Januar angefangen und hiermit " zu Ende gef├╝hrt worden"1ist. Um dies zu belegen, verweise ich auf seine Sylvesteransprache des selben Jahres, in der Goebbels als Schlu├čsatz sagt, dass "das Jahr der Revolution"2zu Ende sei und dass "das Jahr des Aufbaus"2beginne.
Den Hauptteil beginnt er mit einer Emphatischen Umstellung.("Das System, das wir niederwarfen...")1Dadurch versucht er, den Liberalismus abzuwerten, wobei er durch gleichzeitiges Verwenden der "Wir - Gruppe"3anstrebt, dem Volk einzureden, dass es ebenso am Umsturz des Systems mitgewirkt hat, wie seine Partei. Die Wir - Gruppe ist mit positiven Attributen versehen, was dazu f├╝hrt, dass der Redner Sympathie beim Zuh├Ârer weckt. Unter Benutzung der "Detailierung"4, "Individuum durch Volk und Einzelmensch durch Gemeinschaft"1, will Goebbels sicherstellen, dass seine Aussagen auch jeden erreichen. In einem weiteren Satz bedient er sich einer "Steigerung"5, um der Zuh├Ârerschaft zu erl├Ąutern, dass durch die Freiheit des Individuums, die Freiheit der
Gemeinschaft " auf's Spiel"1gesetzt oder " ernsthaft gef├Ąhrdet"1wird, falls die

1 Quelle: aus einer Rede von J. Goebbels vom Nov. 1933, Dokumente 45 - 47
2Quelle: http://www.dhm.de/lemo/html/1933/index.html
3 Quelle: wysiwyg://22/http://kultur - netz.de/hdk/redestrategie.htm
4 Quelle: Hermann Schl├╝ter: Grundkurs der Rhetorik, Seite 44
5 Quelle: Hermann Schl├╝ter: Grundkurs der Rhetorik, Seite 42
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individuelle Freiheit, die des Volkes ├╝bersteigt. Im zweiten Abschnitt des Hauptteils bedient sich Goebbels einer "Antithese"1( " ..., er mag hoch oder niedrig stehen,..")2, um zu demonstrieren, dass er jede soziale Schicht anspricht. Das darauf folgende Satzgef├╝ge wird von ihm, unter Verwendung der Anapher " Je freier... Je eingeengter.."2, besonders hervorgehoben. Dies f├╝hrt automatisch dazu, dass ein Zusammenhang der beiden S├Ątze zu erkennen ist. Mit dieser Aussage will Goebbels dem Publikum anlasten, dass sich jeder irrt, der denkt, eine individuelle Freiheit w├Ąre besser, als eine nationale, was an dem Satz " .., um so illusorischer eine vermeintliche Freiheit, .."2zu erkennen ist. Ich komme nun auf den Schlu├čteil zu sprechen. Diesen Teil der Rede nutzt Goebbels, um darzustellen, von welch gro├čer Wichtigkeit es f├╝r das Volk ist, dass die Individualit├Ąt der Gemeinschaft weicht. Ich m├Âchte dies, anhand der nun folgenden Belege, beweisen.
Das erste f├╝r mich erkennbare rhetorische Mittel im Schlu├čteil ist eine "Metapher"3("Kunst...; sie gewinnt erst Leben im Leben..")2. Goebbels will damit vermutlich sagen, die Kunst habe nur ein Recht zu existieren, wenn sie die Kultur des Volkes widerspiegelt. Mit " .. die Wurzel verloren, die ihnen t├Ąglich neue Nahrung zuf├╝hrte."2versucht er, das Volk als Wurzel, den K├╝nstler als Baum und die Individualit├Ąt als das Mittel, das den Baum von der Wurzel trennt, durch eine erneute Verwendung einer Metapher. Dr. Goebbels will unter Umst├Ąnden damit zum Ausdruck bringen, dass der K├╝nstler, durch die Ann├Ąherung an die Individualit├Ąt, "die Quelle seiner Fruchtbarkeit"2aufgibt. Im Zusammenhang damit bedient er sich einer "Hyperbel"4, um eine ├╝bertriebene Darstellung, im Bezug auf eine angebliche "g├Âttliche Mission"2des K├╝nstlers, anzuf├╝hren. Zum Schlu├č spricht Goebbels eine indirekte Drohung aus, die durch Benutzung des "Euphemismus"5abschw├Ącht ( " erliegen"2statt aussterben).
Durch seine demagogischen F├Ąhigkeiten, war es Dr. Joseph Goebbels m├Âglich den Zuh├Ârern einzureden, das die Revolution nur positive Ver├Ąnderungen mit sich brachte, obwohl grunds├Ątzlich zu sagen bleibt, dass eine absolute Einschr├Ąnkung der individuellen Freiheit in keinster Weise positiv zu bewerten ist.

Die Rede vom 18. Februar 1943 war in erster Linie dazu da, um die Niedergeschlagenheit der Bev├Âlkerung angesichts der Zur├╝ckeroberung von Stalingrad

1 Quelle: Hermann Schl├╝ter: Grundkurs der Rhetorik, Seite 38
2 Quelle: Aus einer Rede von J. Goebbels vom Nov. 1933, Seite 89 - 90
3 Quelle: Hermann Schl├╝ter: Grundkurs der Rhetorik, Seite 31
4 Quelle: Hermann Schl├╝ter: Grundkurs der Rhetorik, Seite 35
5 Quelle:Hermann Schl├╝ter:Grundkurs der Rhetorik, Seite 34
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durch die Rote Armee und der Kriegslage insgesamt zu ├╝berwinden und erneut Siegeszuversicht zu verbreiten. Der praktische Zweck der Rede war zweifellos die Durchsetzung von Ma├čnahmen zur totalen Kriegsf├╝hrung, zur Einf├╝hrung der
allgemeinen Arbeitspflicht, auch f├╝r Frauen, und zur Einschr├Ąnkung von ├╝berfl├╝ssigem Luxus.

Nun will ich auf die, in der Rede verwendeten, rhetorischen Mittel und ihre Wirkung zu sprechen kommen.
Goebbels beginnt die Rede mit einer "Apostrophe"1("Meine Deutschen..."2). Durch diese Anrede wendet er sich dem Publikum unmittelbar zu. In der Einleitung bezieht er sich auf die Rede vom 30. Januar 1943, zum zehnten Jahrestag der Machtergreifung, bei der er die F├╝hrerproklamation kurz einzuleiten und vorzulesen hatte. Um den Zuh├Ârern, den Inhalt dieser Rede in Erinnerung zu rufen, bedient er sich einer Emphatischen Umstellung ("Die Krise,..."2).Am Anfang des n├Ąchsten Satzes verwendet Goebbels die Wir - Gruppe ("Wir hatten uns..."2). Im weiteren Verlauf des Satzes schreibt er der Wir - Gruppe unter Zuhilfenahme der "Tautologie"3("...der Einheit, der Geschlossenheit..."2), positive Eigenschaften zu. Dadurch versucht er, den Zusammenhalt zwischen Volk und Staat zu sichern. Er erweckt den Anschein, Volk und Staat seien gleichberechtigt. Desweiteren kommt er auf die angeblich vorbildliche Haltung der Soldaten an der Ostfront zu sprechen, verschweigt aber bewu├čt, dass der gr├Â├čere Teil der Truppen bereits am 31. Januar in Stalingrad kapituliert hat. Im n├Ąchsten Satz verwendet Goebbels die Steigerung "...zu ertragen...zu ├╝berwinden, ..., daraus noch zus├Ątzliche Kraft zu sch├Âpfen, ist unbesiegbar."2, um durch die Zuschreibung von positiven Attributen die Sympathie des Volkes zu erlangen. Mit dem Einsatz der Anapher "...Ich m├Âchte... Ich glaube,...Ich will..."2baut er eine pers├Ânliche Beziehung zum Auditorium auf, weil er "...aus tiefstem Herzen, zum tiefsten Herzen..."2spricht. Im weiteren Verlauf des Textes lobt er das Volk unter Zuhilfenahme der "Akkumulation"4"...erzogene, geschulte und disziplinierte Volk..."2. Mit der Aussage "...kann die volle Wahrheit ertragen!"2will Goebbels dem Volk weismachen, dass er die reine Wahrheit spricht, obwohl er bewu├čt L├╝gen einsetzt, um die Zuh├Ârer zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Der n├Ąchste Abschnitt wird von Goebbels genutzt, um der Zuh├Ârerschaft
zu erl├Ąutern, dass im Falle einer Niederlage im einfachen Krieg, die Mobilisierung zum

1Quelle: http://www.fundus.org
2Quelle: Kurt Spang: Rede, Seite 151; 4.2.2 Text der Rede vom 18.Feb.1943
3Quelle: http://www.fundus.org
4Quelle: http:// www.fundus.org
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Totalen Krieg erfolgen muss. Dazu benutzt er zweimal ein "Hendiadyoin"1( "Schw├Ąche und Anf├Ąlligkeit" und "Schwierigkeiten und Hindernisse"2) und einmal eine Steigerung ("...die n├Âtigen harten,...n├Âtig sogar h├Ąrtesten..."2).
Ich will nun einen gro├čen Teil des Hauptteils ├╝berspringen und direkt auf den H├Âhepunkt der Rede zu sprechen kommen, der auch die zehn "Rhetorischen Fragen"3beinhaltet, die Goebbels an seine Zuh├Ârer richtet, die nur aus, speziell f├╝r diesen Anlass, geladenen G├Ąsten bestehen. Die NSDAP will durch speziell geladenes Publikum verhindern, dass auch Skeptiker und Gegner, w├Ąhrend der Rede, im Sportpalast sind.
Ich will nun an dem Teil der Rede ansetzten, an dem Goebbels das Publikum erneut direkt anspricht ("Meine Deutschen Volksgenossen..."4), um den Kontakt nicht abbrechen zu lassen. Im n├Ąchsten Satz bereitet er seine Zuh├Ârer bereits auf die zehn Fragen vor, indem er sich einer Abwertung der englisch - amerikanischen Presse bedient, indem er sie als Juden beschimpft. In diesem Zusammenhang verweist er auch auf seine Rede vom 30. Januar und bringt zum Ausdruck, dass die Engl├Ąnder und Amerikaner behaupten, die durch diese Rede hervorgerufenen Reaktionen entsprechen nicht der "wahren Stimmung"4der Deutschen. Desweiteren z├Ąhlt Goebbels die anwesenden Bev├Âlkerungsgruppen auf, damit sich jeder pers├Ânlich angesprochen f├╝hlt. Er benutzt Metaphern ("in der Bl├╝te ihrer Jahre" und "eine gl├Ąnzende..."4), um seinen Zuh├Ârern zu schmeicheln. Au├čerdem behilft er sich einer Anapher ("Kein Stand, kein Beruf und kein Lebensjahr..."4), als Beweis daf├╝r, dass wirklich jede Bev├Âlkerungsschicht vertreten ist.
Um sich seine Aussage best├Ątigen zu lassen, stellt er eine rhetorische Frage an das Volk ("...stimmt das?"4). Diese Frage wird mit frenetischem Beifall beantwortet. Es folgt eine weitere direkte Anrede an das Auditorium. Daraufhin schmeichelt er den anwesenden G├Ąsten, indem er sagt, dass diese die Nation vertreten, teilt ihnen jedoch sofort Verantwortung zu, die er unter Zuhilfenahme einer rhetorischen Frage ("Wollt Ihr das?"4) scheinbar abschw├Ącht. Auch diese Frage wird mit Beifall und st├╝rmischen Ja - Rufen beantwortet. Ich komme nun auf die zehn rhetorischen Fragen zu sprechen, die den H├Âhepunkt und geheimen Zweck der Rede darstellen. In den Einleitungen der ersten f├╝nf Fragen informiert er seine Zuh├Ârer ├╝ber die abwertende Einstellung der Engl├Ąnder zum deutschen Volk. Diese ersten f├╝nf Fragen dienen der Aufstachelung der Zuh├Ârer, bzw. der gesamten Nation, die die Rede ├╝ber das Radio verfolgt. Dabei schneidert er die Behauptungen der Engl├Ąnder so zurecht, dass die rhetorischen Fragen

1 Quelle: http://www.fundus.org
2 Quelle: Kurt Spang: Rede: Goebbels: Rede vom 18.Feb.1943; Seite 151
3 Quelle: Hermann Schl├╝ter: Grundkurs der Rhetorik, Seite 37
4 Quelle: Kurt Spang: Rede: Goebbels: Rede vom 18.Feb.1943, Seite 165
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genau darauf abgestimmt sind. Dies hat zur Folge, dass bei den letzten f├╝nf Fragen eine solche Einleitung nicht mehr n├Âtig ist, da die Zuh├Ârer aufgrund der Fanatisierung nur noch antworten, ohne ├╝ber die gestellten Fragen nachzudenken. Goebbels sagt z.B., dass die Engl├Ąnder ├╝ber die deutschen B├╝rger gesagt h├Ątten, dass diese "sich gegen die totalen Kriegsma├čnahmen der Regierung"1wehren und "nicht den totalen Krieg,..., sondern die Kapitulation!"1wollen. Daraufhin fragt er, ob das Volk den "Totalen Krieg"1will. Diese Frage wird mit st├╝rmischen Rufen "Wir wollen ihn!"1und Beifall beantwortet. Da sich im anwesenden Publikum nur ├╝berzeugte Nationalsozialisten befinden, ist es klar, dass die Fragen nur mit Zustimmung beantwortet werden k├Ânnen. Goebbels nutzt diese Tatsache bewu├čt aus und kann sich deswegen auch leisten, z.B. ├╝berlange Arbeitszeiten von "...10, 12, wenn n├Âtig 14 und 16 Stunden t├Ąglich..."1zu verlangen. Die letzten f├╝nf Fragen nutzt der Redner, um den "Hass", den er durch die Aufstachelung erzeugt hat, insofern auszunutzen, um seine Zuh├Ârer zu ├╝berzeugen, dass es von absoluter Notwendigkeit ist, alle verf├╝gbaren Reserven f├╝r die totale Kriegsf├╝hrung zu mobilisieren. In der achten Frage ruft er z.B. die Frauen dazu auf, sich freiwillig zum Arbeitseinsatz zu melden, um die M├Ąnner f├╝r den Kriegsdienst freizumachen. Den schmeichelnden Worten folgt die, von brausendem Beifall begr├╝├čte Drohung, das "wer sich am Krieg vergeht, den Kopf verliert"2. Mit dieser Aussage will Goebbels sicherstellen, dass sich auch niemand seiner Forderung widersetzt. In der zehnten Frage bedient er sich zweimal einer "Antithese"3("...hoch und niedrig und arm und reich..."2), um zu zeigen, dass seine Forderungen an jeden gestellt sind, auch an die h├Âheren Bev├Âlkerungsschichten. All diese Fragen wurden unter frenetischem Beifall und dem Rausch einer Massenekstase, mit einem hysterischem Ja - Geschrei beantwortet.
Zum Abschlu├č der Rede m├Âchte Goebbels, unter Zuhilfenahme von zahlreichen rhetorischen Mitteln, dem Volk schmeicheln und danken. Zun├Ąchst dankt er den Zuh├Ârern daf├╝r, dass sie ihm die "Antwort nicht vorenthalten"2(Litotes)4haben. Nebenbei lobt er noch einen Parteigenossen, unter Verwendung der Tautologie ("...zu schulen und zu erziehen."2). Goebbels bedient dich desweiteren einer Akkumulation ("...mit uns vereinigt alle F├╝hrer der Partei, der Wehrmacht...des Staates"2), um den Zuh├Ârern zu erl├Ąutern, dass Staat, Volk, Wehrmacht und Partei eine Einheit bilden m├╝ssen, auf die sich "der F├╝hrer und seine k├Ąmpfenden Soldaten...verlassen k├Ânnen!"2, da eine geschlossene Einheit immer st├Ąrker ist, als mehrere einzelne Einheiten.

1 Quelle: Kurt Spang: Rede: Goebbels: Rede vom 18.Feb.1943, Seite 166
2 Quelle: Kurt Spang: Rede: Goebbels: Rede vom 18.Feb.1943, Seite 167
3 Quelle: Hermann Schl├╝ter: Grundkurs der Rhetorik, Seite 38
4 Quelle:http://www.fundus.org
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Ich komme nun auf den Schlu├č der Rede zu sprechen.
Goebbels stellt die Wichtigkeit der Nation, unter Verwendung von Anapher und Parallelstruktur ("Was ihr und ihrem Lebenskampf dient, ...muss erhalten und gef├Ârdert werden. Was ihr...schadet, ...muss beseitigt und abgeschnitten werden"1) Dadurch spricht er ein indirektes Versprechen aus, was beinhaltet, dass jeder, der der Nation dient, eine gerechte Belohnung, allerdings jeder, der sich gegen Nation und Staat stellt, eine Strafe erhalten wird. In den letzten S├Ątzen der Rede arbeitet Goebbels ausschlie├člich mit der Wir - Gruppe, um nochmals allen zu verdeutlichen, dass Volk und Staatsapparat eine geschlossene Einheit darstellen m├╝ssen. Eine weitere Wirkung ist, das die Zuh├Ârer sich geschmeichelt f├╝hlen, mit der Regierung auf eine Stufe gestellt zu werden und somit scheinbar eine bestimmte Entscheidungskraft besitzen.
Erw├Ąhnenswert ist ebenfalls die Suggestivkraft der religi├Âsen Sprache ("...begr├╝ndet im Glauben an den F├╝hrer!"1), welche zu den st├Ąrksten Mitteln seiner Redekunst geh├Ârte. Mit der Behauptung "Wir sehen den Sieg greifbar nahe vor uns liegen, wir m├╝ssen nur zufassen"1(Anapher), versucht Goebbels schlie├člich auch sich selbst Mut zu machen. Nachdem er am Anfang der Rede den Zuh├Ârern mit dem Hinweis auf den Ernst der Frontlage einen Schock versetzt hatte, verschafft er ihnen jetzt, zum Abschied, Erleichterung durch k├╝nstlich erzeugte Zuversicht. Nach dieser suggestiven Verhei├čung kann sich kaum jemand dem Aufruf entziehen: "Nun, Volk steh auf und Sturm brich los!"1. Die von Goebbels in seiner Propaganda angewandten Methoden stimmen mit den Lehren der Massenpsychologie durchaus ├╝berein.
Um zu zeigen, dass es sich bei Dr. Joseph Goebbels um einen "gro├čen Geist im Sinne einer falschen Sache"2handelt, m├Âchte ich zum Abschlu├č der Analyse das folgende Zitat anbringen: "Diese Stunde der Idiotie. Wenn ich den Leuten gesagt h├Ątte: Springt aus dem dritten Stock des Columbushauses - sie h├Ątten es auch getan."3Damit wird bewiesen, dass sich Goebbels durchaus der Wirkung, der von ihm angewandten rhetorischen Mittel, bewu├čt war.

Ich m├Âchte die Gegen├╝berstellung der beiden Analysen dazu verwenden, die Entwicklung der sprachlichen Kompetenzen von Dr. Joseph Goebbels darzustellen. Zum einen verwendet er keine verschleiernden, sondern direkte und offene Formulierungen, z.B. anstatt "erliegen" "ausrotten". Zu dem Zeitpunkt, als Goebbels seine Rede zur Totalen Revolution gehalten hat, konnte er noch nicht direkte

1 Quelle: Kurt Spang: Rede: Goebbels: Rede vom 18.Feb.1943, Seite 168
2 Verweis auf das Titelthema der Facharbeit
3 Quelle: Iring Fetscher: J. Goebbels im Berliner Sportpalast 1943, Seite 118
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Formulierungen verwenden, da die NSDAP noch nicht alle Reformen durchgef├╝hrt hatte. Als er jedoch die Rede zum Totalen Krieg gehalten hat, war die Macht der NSDAP schon so ausgepr├Ągt, dass sie unanfechtbar geworden ist, d.h. sie konnte offen ihre Ansichten auslegen. Eine weitere Entwicklung ist, dass Goebbels sich in der Rede zum Totalen Krieg direkt dem Publikum zuwendet und es scheinbar mitentscheiden l├Ąsst. Im Unterschied zu seinen fr├╝heren Reden, erfolgen laute Zwischenrufe und ein geradezu ekstatisches "Mitgehen" der Zuh├Ârer. Im Gegensatz zur ersten Rede, bedient er sich auch aller m├Âglichen psychologischen Mittel, um seine Ziele zu erreichen.

Aufgrund seiner rednerischen F├Ąhigkeiten und auch dank der Tatsache, dass er in der Lage war, seinen Redestil der jeweils gegebenen Situation anzupassen, gelang es Dr. Joseph Goebbels, das Volk dazu zu bewegen, die letzten Kr├Ąfte zu mobilisieren, um die Ostfront erneut zu st├Ąrken. Dies beweist, dass er auf ganzer Linie Erfolg hatte. Trotz all der Hoffnungen, die er im Volk weckte, verlor das Deutsche Reich den Krieg und die Zeit des Nationalsozialismus war vorbei.

Pers├Ânliches Statement:
Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass Goebbels den Vorteil hatte, dass er aus der gleichen Bev├Âlkerungsschicht kam, wie ein Gro├čteil seines Publikums, so dass er besonders gut auf deren Probleme eingehen konnte. Er nutzte seine sprachliche Begabung mit Hilfe von Demagogie, Propaganda und Massenpsychologie aus, um das Volk nach seinen Vorstellungen zu formen. Abschlie├čend m├Âchte ich zum Ausdruck bringen, dass ich der Ansicht bin, dass Dr. Joseph Goebbels sein Talent leider f├╝r einen falschen Zweck einsetzte.
Das einzige Problem, das ich bei der Erstellung dieser Facharbeit hatte, war, mit dem vorgeschriebenen Seitenumfang von maximal 12 Seiten, auszukommen. Dies hat zur Folge, dass ich viele, meiner Meinung nach, wichtige und zum besseren Verst├Ąndnis der Facharbeit, beitragende Informationen und Aspekte, auslassen musste. Einer der zahlreichen positiven Gewinne, die dieses Thema mit sich brachte, ist, dass ich nun in der Lage bin, rhetorische Mittel zu erkennen und selbst anzuwenden.
Alles im Allem hoffe ich, dass diese Ihnen vorliegende Arbeit zu Ihrer vollsten Zufriedenheit erf├╝llt wurde und ich dem Leser interessante und mitreissende Ausf├╝hrungen bieten konnte.




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QUELLENVERZEICHNIS

    Hermann Schl├╝ter: Grundkurs der Rhetorik Ralf Georg Reuth: Goebbels, eine Biographie Arbeitsmaterialien Deutsch: Die ├Âffentliche Rede, Situationen und Formen Iring Fetscher: Joseph Goebbels im Berliner Sportpalast 1943 Kurt Spang: Rede Dr. Kurt Zentner: Illustrierte Geschichte des Dritten Reiches (Band 1) Dr. Kurt Zentner: Illustrierte Geschichte des Dritten Reiches (Band 2) wysiwyg://22/http://kultur - netz.de/hdk/redestrategie.htm wysiwyg://rechts.56/http://kultur - netz.de/demagogie.htm http://www.fundus.org http://www.dhm.de/lemo/html/1933/index.html http://www.dhm.de/lemo/html/1942/index.html http://www.dhm.de/lemo/html/1943/index.html http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/GoebbelsJoseph/index.html Aus einer Rede von Joseph Goebbels vom November 1933, Dokumente 45 - 47 Uwe Malik, Augenzeuge



















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Inhaltsverzeichnis:


Einleitung..............................................................................................................Seite 3
Biographie...............................................................................................Seite 3 - Seite 5
Pers├Ânliche Situation..............................................................................Seite 6 - Seite 8
Polit. Hintergrund der Rede "Totale Revolution".................................................Seite 8
Inhaltsangabe der Rede "Totale Revolution"..........................................Seite 8 - Seite 9
Analyse der Rede "Totale Revolution".................................................Seite 9 - Seite 11
Polit. Hintergrund der Rede zum "Totalen Krieg"..............................Seite 11 - Seite 12
Analyse der Rede zum "Totalen Krieg"..............................................Seite 12 - Seite 15
Entwicklung der sprachl. Kompetenzen von Dr. Goebbels...............Seite 15 - Seite 16
Folgen..................................................................................................................Seite 16
Schlu├čteil (Pers├Ânliches Statement)....................................................................Seite 16
Quellenverzeichnis..............................................................................................Seite 17
Erkl├Ąrung.............................................................................................................Seite 18

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