Kosovokonflikt

- Krieg gegen Menschenrechtsverletzungen -

Inhalt:

    Vorwort


    Historischer Hintergrund


    Der Terror der Serben


    Die Reaktion der Welt├Âffentlichkeit und der NATO


    Probleme des NATO - Eingriffes


    Bomben f├╝r Menschenrechte


    Die Informationspolitik im Krieg


    Das Fl├╝chtlingsproblem


    Das Leben der Fl├╝chtlinge im Lager


    Das Leben der Fl├╝chtlinge im Ausland


    Die Entwicklung dieses Krieges


    Bilanz der jetzigen Situation
1. Vorwort

Man h├Ârt in allen Nachrichten davon. T├Ąglich wird von den K├Ąmpfen im Kosovo, von Angriffen der NATO auf die Serben und von neuen Fl├╝chtlingswellen aufgrund der Vertreibung der albanischen Bev├Âlkerung aus dem Kosovo berichtet.
Nach dem Scheitern der politischen Verhandlungen begannen am 24.03.1999 die Angriffe der NATO im ehemaligen Jugoslawien. Die NATO fliegt jede Nacht immer intensivere Luftangriffe auf Serbien, um Milosevic dazu zu zwingen der Vertreibung und dem Morden im Kosovo ein Ende zu machen. Bislang blieb das leider ohne Erfolg. Im Gegenteil, die Greueltaten im Kosovo gegen die Albanische Bev├Âlkerung wurden weiter intensiviert. Die Fl├╝chtlingslager sind l├Ąngst ├╝berf├╝llt, so dass Fl├╝chtlinge ausgeflogen werden m├╝ssen. Die Augen der Welt blicken auf Kosovo.

2. Historischer Hintergrund:

Um das heutigen Geschehen im Kosovo zu verstehen, muss man dessen Geschichte kennen. Eine gro├če Rolle spielt dabei die Religion. In Serbien wird die Weltreligion des Christentums durch die serbisch orthodoxe Kirche vertreten. Die Urspr├╝nge des serbischen Volkes liegen im s├╝dlich gelegenen Teil des Landes, in der Provinz Kosovo. F├╝r die Serben verk├Ârpert der Kosovo die Stadt Jerusalem. Durch die bedeutende Stellung der Kirche, steht die Politik auf dem Balkan ganz im Zeichen des Kreuzes.
Die Situation auf dem Balkan war schon immer durch Unruhen gekennzeichnet. 1389 haben die T├╝rken bereits einen gro├čen Teil des s├╝dlichen Balkans erobert. Serbien unterstand dabei einer 500 j├Ąhrigen t├╝rkische Fremdherrschaft, die Sie ├╝berlebt haben, ohne dabei ihre Eigenarten zu verlieren. Die Standhaftigkeit und das Selbstbewu├čtsein der Serben wurzelt in ihrer byzantinisch orthodoxen Tradition. Obwohl der Kosovo das Ursprungsgebiet der Serben ist, ist diese nur zu einem kleinen Teil in der Bev├Âlkerung des Kosovo vertreten.
Diese Verh├Ąltnisse entstanden aus den Folgen der Migrationen um1690, bei denen ungef├Ąhr eine halbe Million Serben aus dem Kosovo auswanderten. In Folge dessen ├╝bernahmen die Albaner, also die muslimische Bev├Âlkerung die Mehrheit im Kosovo.
Nach der T├╝rkenherrschaft um 1878 bildete sich ein neuer unabh├Ąngiger serbischer Staat.
1912 und 1913 brachen die zwei Balkankriege aus. Im ersten wurde das Osmanische Reich geschlagen. Bei der territorialen Aufteilung brach jedoch der zweite Balkankrieg aus, bei dem Serbien als M├Ąchtigster hervorging. Serbien erhob Anspruch auf den Kosovo und auf einen Teil Mazedoniens.
Nach Beginn des 2. Weltkrieges tauchte 1941 ein Partisanenf├╝hrer auf, den sie Marschall Tito nannten. Er konnte ohne eine Unterst├╝tzung der Sowjetunion, aber mit Unterst├╝tzung von Seitens Englands, die Armeen von Deutschland und Italien in Schach zu halten.
1944 marschierten die Partisanen von Marschall Tito in Belgrad ein. Unter ihm, als neuen Staatschef, wurde die Provinz Kosovo selbstst├Ąndig und der serbischen Republik lediglich nur locker angegliedert.
Nach dem Tod von Marschall Tito im Mai 1980 fehlte die Vatergestalt des Vielv├Âlkerstaates Jugoslawiens. Trotz vieler Unruhen im Kosovo setzten sich die Serben durch und brachten die Provinz Kosovo wieder unter die serbische Regierung. Heute hat sie alle Autonomierechte verloren, die Albaner wurden all ihrer Rechte beraubt, die Lokalregierung und das Parlament wurde aufgel├Âst, sogar die albanische Universit├Ąt Pristina und albanische Schulen wurden geschlossen. Es entstand eine rein serbische Regierung, die eine Bildung einer albanischen Schattenregierung zur Folge hatte. Zudem entstand eine Untergrundarmee der Albaner, die UCK. Sie k├Ąmpfen f├╝r die Freiheit des Kosovo.
1989 schlug dann der neue Serbenf├╝hrer Slodoban Milosevic vor, einen Eid zu leisten um ein neues gro├č serbisches Reich zu errichten, um das Erbe der Serben zu retten. Er f├╝hrte das serbische Volk in Kriege auf dem Balkan, vor allem in Jugoslawien.

3. Der Terror der Serben

Anhand des Geschichtsverlaufes spiegelt sich die Ursache f├╝r den Konflikt zwischen den Serben und der Provinz Kosovo wieder. Die Kosovaren, die mit 90% der Bev├Âlkerung im Kosovo vertreten sind, k├Ąmpfen f├╝r ihre Rechte und f├╝r die Autonomie Kosovos mit einer albanischen Regierung.
Die Serben hingegen streben diesem entgegen, da der Kosovo ihr heiliges Ursprungsland ist. Es soll deshalb zu einem festen Bestandteil Serbiens werden und unter einer serbischen Regierung stehen. Um dieses Ziel zu erreichen gehen die Serben oft brutal und ohne R├╝cksicht auf Menschenrechte vor. Die serbische Sonderpolizei versucht die Albaner durch Massaker an der Zivilbev├Âlkerung und ethnische S├Ąuberungen aus dem Kosovo zu vertreiben. Angeh├Ârige m├╝ssen dabei zu schauen. Es ist f├╝r sie seelisch kaum auszuhalten solchen Taten zusehen. Vor allem Kinder sind durch das Geschehen v├Âllig verst├Ârt.
Haben die Serben das Recht ├╝ber Leben und Tod im Kosovo zu entscheiden, Familien auseinander zu rei├čen und ihnen alles zu nehmen was sie besessen haben? Selbst P├Ąsse und andere Ausweis wurden den Fl├╝chtlingen abgenommen, um ihnen die Identit├Ąt zu nehmen.
Ich glaube niemand auf der Welt hat das Recht elementarste Menschenrechte in dieser Form zu verletzen.
D├Ârfer wurden abgebrannt und es wird davon gesprochen, dass Konzentrationslager errichtet worden seien. Wenn eine serbische Bev├Âlkerungsmehrheit im Kosovo ├╝berm├Ąchtig vorhanden ist, hat Milosevic sein Ziel erreicht.
Die Kosovo - Albaner haben diesem kaum etwas entgegenzusetzen. Ihnen bleibt nur das nackte ├ťberleben. Ihre Armee, die UCK ist schlecht ausger├╝stet und kaum ausgebildet. Das einzige was ihnen bleibt ist der unersch├╝tterliche Wille ihr Land bis zum Ende zu verteidigen. Dazu hat sie die Mobilmachung ausgerufen. Auch in Deutschland lebende Kosovo - Albaner sind einbrufen worden.

3.1. Die Reaktion der Welt├Âffentlichkeit und der NATO

Obwohl die Konflikte in Restjugoslawien seit langem schwelen ist nach dem Bosnienkrieg das Thema etwas aus dem Blickfeld der Welt├Âffentlichkeit geraden. Erst als die NATO mit milit├Ąrischen Aktionen drohte, war das Thema in den Medien pl├Âtzlich wieder die Nummer 1.
Zum heutigen Zeitpunkt, hat der Konflikt einen neuen H├Âhepunkt erreicht. Weltorganisationen, wie die UNO hatten bereits versucht politisch zwischen den Kriegsparteien zu vermitteln, jedoch ohne Erfolg. Selbst die Drohung der NATO milit├Ąrisch gegen die Serben vorzugehen brachten keinen Erfolg.
Um ihre Glaubw├╝rdigkeit nicht zu verlieren begann die NATO am 24.03.1999 mit dem Angriff gegen die Serben.
Seit dem versuchen sie durch Luftangriffe die serbische Armee zu schw├Ąchen und Milosevic zum Aufgeben zu zwingen und damit die l├Ąngst eingetretene humanit├Ąre Katastrophe zu verhindern.
Anfangs wurden nur milit├Ąrische Ziele bombardiert, doch zunehmend werden auch zivile Ziele angegriffen. Die Bombardierung des serbischen Fernsehstudios f├╝hrte international zu gro├čen Protesten nicht nur unter Journalisten.
Leider sind durch die NATO - Angriffe auch Opfer unter der Zivilbev├Âlkerung zu beklagen. Das hei├čt es werden auch viele Menschen get├Âtet, die keine Schuld an der Politik Milosevics haben. Dadurch entsteht neues Leid in vielen Familien.
Spielt die NATO jetzt die Rolle des Vollstreckers? Schlie├člich werden fast ausschlie├člich serbische Ziele angegriffen. Sind die Serben schlechtere Menschen, weil sie einer Politik eines unmenschlichen Diktators unterliegen? Es ist schwer das zu beurteilen, da in Serbien keine Demokratie herrscht und somit der Wille des Volkes kaum zum Ausdruck gebracht werden kann. Meiner Meinung nach sind die Serben ebenso Menschen wie die Kosovo - Albaner. Der Hass auf die Albaner wurde haupts├Ąchlich von Milosevic hervorgerufen, der durch seinen Fanatismus Menschenleben f├╝r seien Vision opfert.
Erstmalig nach dem 2. Weltkrieg nimmt auch die Bundeswehr in vorderster Front aktiv an Angriffen der NATO teil. Die Meinung der Deutschen zu den Luftschl├Ągen ist sehr gespalten. Nach letzten Umfragen stimmten 53% f├╝r Luftangriffe und nur 35% gegen sie (FOCUS, M├╝nchen, 1999, Nr. 15, Seite 22).
Doch dieser Eingriff wirft viele Fragen und Probleme auf.

4. Probleme des NATO - Eingriffes

Ohne die USA h├Ątte es diesen Krieg nicht gegeben. Die NATO sollte ein reines Verteidigungsb├╝ndnis sein, handelt hier aber auf Dr├Ąngen der USA ohne Mandat der UNO gegen einen souver├Ąnen Staat.
Aufgrund der geschichtlichen Vergangenheit der Deutschen und der Serben flammt jetzt der alte Hass wieder auf. Diesmal k├Ąmpfen nicht alle gegen Deutschland, sondern gegen Serbien. Schon im ersten Weltkrieg, bei dem Deutschland an der Seite ├ľsterreichs Serbien aufgrund eines politischen Mordes angriffen, tauchte der unsinnige Spruch "Serbien muss sterbien" auf. Auch im zweiten Weltkrieg behandelten die Deutschen die Serben nicht gerade sanft. Sie wurden nur durch eine Partisanenarmee aufgehalten.
Es ist kein Wunder das die heutige Situation mit NAZI - Deutschland in Verbindung gebracht wird und Clinton mit Hitler verglichen wird. Deutschland und die USA spielen in den Augen der Serben die Rolle des B├Âsewichten.
Die Angriffe der NATO st├Ąrken die politische Position von Milosevic im eigenen Land. Da die gesamte Bev├Âlkerung Serbiens von den Angriffen bedroht ist, hat die Opposition gegen Milosevic keine Chance mehr.
Der Verlauf von Kriegen ist kaum vorhersehbar. Einmal begonnen entwickelt ein Krieg eine Eigendynamik.
Die NATO steht nun unter dem Zwang diesen Krieg zu gewinnen. Wenn sie die Angriffe einstellen w├╝rde, ohne ihre Ziele vollst├Ąndig erreicht zu haben, dann w├Ąre das eine Sch├Ądigung des Ansehens der NATO als Weltmacht.
Andererseits kann sie das zum Einsatz von Bodentruppen zwingen. Das wiederum f├╝hrt mit Sicherheit zu eigenen Verlusten und damit zu gro├čem Leid in den Familien der Soldaten.
Die Frage, ob die Angriffe gerechtfertigt sind zeigt weitere Konflikte auf.
Die Allianz ist der Auffassung, dass man angesichts solcher Vorg├Ąnge im Kosovo nicht zu schauen kann. Das ist zweifellos richtig, doch strittig ist die Wahl der Mittel. Doch wenn ein Eingriff n├Âtig ist, dann sollte er rechtlich abgesichert sein.
Im Grunde genommen sind die Angriffe eine v├Âlkerrechtswidrige Kriegshandlung. Es werden viele Stimmen laut, die sich gegen diese Selbstmandatierung aussprechen.
"Die Selbstmandatierung der NATO f├╝r einen Milit├Ąrschlag ist ein gef├Ąhrlicher Pr├Ązedenzfall" (Roth, Claudia; B├╝ndnis '90/Die Gr├╝nen - Bundestagsabgeordnete, In: FOCUS, M├╝nchen, 1999, Nr. 15, Seite 25); "Die NATO - Luftangriffe sind v├Âlkerrechtlich h├Âchst problematisch und politisch nicht zu Ende gedacht" (Gauweiler, Peter; CSU - Landtagsabgeordneter, In: FOCUS, M├╝nchen, 1999, Nr. 15, Seite 24).
Diese Aussagen bringen zum Ausdruck, dass Angriffe auf einen souver├Ąnen Staat, wie Serbien, sehr negative Auswirkungen haben kann, da sie durch ein fehlendes UNO - Mandat rechtlich nicht abgesichert sind.
Ein weiterer Risikofaktor ist die Rolle, die Ru├čland zukommt. Ru├čland hat schon aus seiner Vergangenheit eine enge Beziehung zu Serbien. Und obwohl dieses Land wirtschaftlich stark geschw├Ącht ist, hat es noch immer den Eindruck von der Weltmacht aus Zeiten des kalten Krieges. Und die Atomwaffen lassen sich leicht wieder auf NATO - Staaten richten. Zudem wird dieses unsichere Land von einem Staatschef regiert der ├Ąu├čert schwach und kr├Ąnklich ist und kaum noch eine Kontrolle ├╝ber seine politischen Entscheidungen hat.
Einige Vertreter der russischen Regierung sprechen schon von der Gefahr eines dritten Weltkrieg und dass Ru├čland seinen serbischen Br├╝dern helfen m├╝sse. Zwar hat Pr├Ąsident Jelzin versichert, dass Ru├čland nicht eingreifen wird, dennoch hat er eindringlich vor einer Eskalation gewarnt und die Einstellung der Luftangriffe gefordert.

5. Bomben f├╝r Menschenrechte

Doch stellt sich nun die Frage, ob die Verletzung der Menschenrechte
Tausender Kosovo - Albaner einen v├Âlkerrechtswidrigen Angriff gegen Serbien rechtfertigt, dessen Ausgang und weiterer Verlauf ungewi├č ist.
Die Staatsoberh├Ąupter der Teilnehmerstaaten begr├╝nden die Angriffe damit, dass im Kosovo Terror, Mord und Vertreibung herrscht, die den Kosovo wieder unter serbische Kontrolle bringen sollen. Man ist auch nicht sicher ob Kosovo - Albaner als menschliche Schutzschilde mi├čbraucht werden. Dies ist meiner Meinung nach eine der schlimmsten Kriegsmittel die es gibt. Menschen an einen Ort einzusperren um eine Fabrik, Br├╝cken oder andere wichtige Ziele zu sch├╝tzen ist mehr als eine Menschenrechtsverletzung.
Trotz der Luftangriffe hat Milosevic bereits fast alle Albaner aus dem Kosovo vertrieben.
Ein Ziel hat er schon ganz sicher erreicht. Die Welt h├Ârt ihm zu.

6. Die Informationspolitik im Krieg

Was im Krieg als erstes stirbt ist die Wahrheit. Das hat seinen Grund darin, dass die Informationspolitik zum Mittel der Kriegsf├╝hrung wird.
Ein Grund f├╝r die deutschen Politiker die Beteiligung der Bundeswehr an den Angriffen zu bef├╝rworten war die Rolle die Deutschland in der NATO spielt. W├Ąhrend der deutschen Teilung konnte Deutschland nicht als vollwertigen Teilnehmer angesehen werden, da es zwei deutsche Staaten gab, von denen keiner ├╝ber den anderen entscheiden konnte. Nach der deutschen Wiedervereinigung hatte Deutschland eine vollwertige Rolle in diesem B├╝ndnis. Diesmal sollte sich Deutschland nicht aus der Verantwortung ziehen k├Ânnen. Zudem sollte es seine B├╝ndnistreue beweisen.
Doch welche Rechtfertigungen f├╝r den Einsatz liegen vor? Der Einsatz ist eine Gewissensfrage. Es ist nicht zu leugnen, dass es Massaker in D├Ârfern des Kosovos gegeben hat. Seit Beginn der Angriffe auf Serbien wurden alle westlichen Journalisten des Landes verwiesen, so dass es keine journalistischen Berichte f├╝r ethnische S├Ąuberungen oder Konzentrationslager gibt.
Bekannt ist, dass im Krieg Informationen von h├Âchster Wichtigkeit sind, wie man an der Informationspolitik der NATO gut erkennen kann. Die USA haben Spionagesatelliten, die t├Ąglich Bildmaterial aus der Krisenregion liefern. Doch diese werden nicht vollst├Ąndig an andere Teilnehmerstaaten weitergereicht.
Die Deutschen m├╝ssen sich deshalb ein eigenes Bild von den Geschehnissen im Kosovo machen, doch selbst ├╝ber die Bilder die durch den Einsatz der deutschen Drohnen (unbemannte Flugk├Ârper zur Aufkl├Ąrung) aufgenommen werden, bestimmt das NATO - Oberkommando und damit sind auch diese Informationen nicht unzensiert verf├╝gbar.
Auch in Serbien haben Informationen h├Âchste Wichtigkeit. Die serbische Bev├Âlkerung hat seit Beginn des Krieges keine M├Âglichkeit ausl├Ąndische Sender zu empfangen. Viele Radiostadionen und Fernsehsender wurden geschlossen oder von den Bomben zerst├Ârt. Die wenigen Informationsquellen f├╝r die Bev├Âlkerung stecken nat├╝rlich voller Propaganda. Milosevic will mit Zensur der Nachrichten den Ha├č auf die NATO verst├Ąrken und gleichzeitig von den Greultaten im Kosovo ablenken.
Der Bev├Âlkerung wird beispielsweise mitgeteilt, dass die Russen und viele andere L├Ąnder Serbien bald milit├Ąrisch unterst├╝tzen w├╝rden. Au├čerdem werden die Bombeneinschl├Ąge viel dramatischer dargestellt die Zahl der zivilen Opfer wird schnell hochgespielt und man kann nicht unterscheiden ob Geb├Ąude von der NATO bombardiert worden sind oder ob das serbische Milit├Ąr Geb├Ąude aus Propagandazwecken in Schutt und Asche legt, um dieses dann als Tat der NATO darzustellen.
Die NATO wiederum versucht die Angriffe zu rechtfertigen und gleichzeitig und gleichzeitig auf einen Bodenkrieg vorzubereiten.
Die USA fordern immer intensivere Luftangriffe auch gegen nicht milit├Ąrische Ziele. Als Begr├╝ndung f├╝hren Sie die st├Ąrkeren und brutaleren Aktionen der serbischen Sonderpolizei gegen die Albanische Bev├Âlkerung, bei denen sogar Konzentrationslager errichtet worden seien. Da andere Staaten mitunter Deutschland keine Beweise f├╝r solche Vorw├╝rfe haben, k├Ânnen Sie dieser Argumentation nicht vollst├Ąndig zustimmen. Allerdings gibt es einen eindeutigen Hinweis daf├╝r, dass Vertreibungen weiterhin anhalten: Die Kosovo - Fl├╝chtlinge.

7. Das Fl├╝chtlingsproblem

7.1. Das Leben im Lager

T├Ąglich fl├╝chten mehr und mehr Kosovaren aus ihren Heimatd├Ârfern ├╝ber die Grenzen in anliegenden L├Ąndern. Nach letzten Angaben str├Âmten seit den NATO - Angriffen 7.900 Menschen nach Bosnien Herzegowina, 35.700 nach Montenegro, 226.000 nach Albanien, 120.000 nach Mazedonien und 6.000 in die T├╝rkei.
Aufgrund so starker Fl├╝chtlingswellen, die selbst die NATO nicht erwartet hatte, wurden riesige Zeltst├Ądte errichtet. Zahlreiche Hiflsorganisationen werden durch unerwartet hohe Spenden unterst├╝tzt, um die Fl├╝chtlinge bestm├Âglich zu versorgen.
Ohne Hab und Gut kommen die v├Âllig ersch├Âpften Fl├╝chtlinge auf Traktoren in die Auffanglager. Diese sind durch Greultaten der Serben seelisch am Ende. Sie berichten meist, dass sie die Polizei aus dem Dorf getrieben hatten und vor ihren Augen Exekutionen an Zivilisten durchf├╝hrten. Die Auffanglager sollen die Sicherheit und Versorgung der Fl├╝chtlinge garantieren.
Um das zu gew├Ąhrleisten muss Kontrolle ├╝ber die Fl├╝chtlinge vorhanden sein. Die ersch├Âpften Ank├Âmmlinge stecken deshalb schon vor dem Lager in Problemen. Um Unterst├╝tzung zu erhalten, m├╝ssen sie nat├╝rlich erst einmal in die Lager vordringen. Da die Lager nur begrenzte Kapazit├Ąten haben, muss jemand ├╝ber das Schicksal der Fl├╝chtlinge entscheiden. Diese Rolle ├╝bernimmt die OSZE.
Bevorzugt werden nat├╝rlich Kinder, Frauen, Alte und ├Ąu├čerst Bed├╝rftige. Im Lager angekommen werden die Fl├╝chtlinge nach der Registrierung in die wenigen noch nicht ├╝berf├╝llten Zelte einquartiert.
Fast alle Kosovo - Vertriebenen mussten in gr├Â├čter Eile ihr Haus verlassen. Meist haben sie dadurch Angeh├Ârige aus den Augen verloren. Durch die Selektierung am Eingang des Lagers ist es nicht unwahrscheinlich, dass die nur selten komplett ankommenden Familien getrennt werden.
Jeder Fl├╝chtling steckt dabei in seinem eigenen Schicksal. Es gibt so viele verzweifelte Menschen und keiner vermag zu sagen ob sich die Situation noch zum Guten wenden. Haupts├Ąchlich sicherlich die Serben.
Hat sich nun die Situation seit dem Eingriff der NATO verbessert? Nein, im Gegenteil die Fl├╝chtlingszahlen nahmen seit den Angriffen zu.
Trotz allem werden die Fl├╝chtlinge im Lager so gut wie m├Âglich betreut. Nicht allein die eine eingerichtete Luftbr├╝cke mit st├Ąndig ankommenden Versorgungsflugzeugen sprechen daf├╝r, dass das menschenm├Âgliche getan wird. Unter anderem ist die Bundeswehr und das Deutsche Rote Kreuz vor Ort. Es werden hygienische Anlagen aufgebaut und medizinische Hilfe organisiert. Vor allem die physischen Sch├Ąden der Ankommenden m├╝ssen behandelt werden. Au├čerdem werden sie gegen Krankheiten geimpft, um einen Ausbruch von Seuchen zu verhindern.
Die langen Fu├čm├Ąrsche haben die Menschen an die Grenzen ihrer Kr├Ąfte gebracht. Haupts├Ąchlich Kinder und alte Leute sind v├Âllig am Ende, da sie solche extremen Anstrengungen nicht so gut ├╝berstehen. Sie sind oft v├Âllig abgemagert und haben au├čer den physischen Sch├Ąden auch psychische Probleme. Auch f├╝r diese F├Ąlle ist gesorgt. Es stehen st├Ąndig Psychiater f├╝r Bed├╝rftige zur Verf├╝gung.
Die Fl├╝chtlinge im Lager m├╝ssen dennoch weiterk├Ąmpfen. Sie k├Ąmpfen f├╝r das Essen zum ├ťberleben. Bei den t├Ąglichen Nahrungsmittelverteilungen ist es schwer bei einer derart gro├čen Menschenmenge koordinierte Verteilungen durchzuf├╝hren. Oft wird die Nahrung von einem LKW aus in die Menge gereicht. Daher ist es nicht unwahrscheinlich, dass nur diejenigen in den ersten Reihen etwas bekommen.

7.2. Das Leben im Ausland

Da die Fl├╝chtlingswellen sich nicht verringerten, erreichten die Auffanglager schnell ihre Kapazit├Ąten. Um die Fl├╝chtlinge dennoch versorgen zu k├Ânnen, wurden Fl├╝chtlingskontingente au├čerhalb der Region seitens der NATO festgelegt. Unter anderen soll Deutschland 10.000 Fl├╝chtlinge aufnehmen.
Kosovo - Fl├╝chtlinge hatten vor den Angriffen auf Serbien keine gute Stellung in Deutschland. Kosovo - Albaner, die Asyl in Deutschland beantragten, wurden oft nicht aufgenommen, da ihnen eine politische Verfolgung im eigenen Land als Grund f├╝r Asyl oft nicht abgenommen wurden. 1998 lag die Asylanerkennungsquote f├╝r Kosovo - Albaner bei 2,5%.
Jetzt werden die Fl├╝chtlinge nach Deutschland geflogen und hier mit gro├čer Zustimmung empfangen. Nach letzten Umfragen stimmten 84% f├╝r die Aufnahme von Fl├╝chtlingen in Deutschland und nur 13% gegen sie (FOCUS, M├╝nchen, 1999, Nr. 15, Seite 22).
F├╝r die meisten Fl├╝chtlinge ist das Leben in Deutschland ein Paradies auf Erden. Im Vergleich zu ihrem Haus im Heimatdorf sind die kleinen Zimmer nicht gerade w├╝nschenswert, aber in Deutschland werden keine Massaker an ihren Bekannten oder Vertreibungen durchgef├╝hrt. In Deutschland sind die Fl├╝chtlinge wirklich sicher. Doch trotz der ganzen Geschehnisse wollen viele der Fl├╝chtlinge so schnell wie m├Âglich wieder in ihre Heimat und alles wieder aufbauen.
Es ist geplant, dass nach Beendigung des Konfliktes die Fl├╝chtlinge so schnell wie m├Âglich zur├╝ck kommen.

8. Die Entwicklung dieses Krieges

Den genauen weiteren Verlauf dieses Konfliktes kann man nicht genau vorhersehen.
Sicher ist aber, dass die NATO ihre Angriffe weiter fortsetzen wird, solange bis Milosevic einlenkt. Dabei ist der Einsatz von Bodentruppen keinesfalls ausgeschlossen.
Wie sich Milosevic verhalten wird ist ungewiss. Bis jetzt hat er jedenfalls die NATO immer ├╝berrascht, indem er genau das Gegenteil vom erwarteten getan hat. Er wird auch sicherlich die Vertreibungen der Kosovo - Albaner weiter fortsetzten, bis der Kosovo von Albanern befreit ist.
Die Fl├╝chtlinge tun bislang alles freiwillig. Sie vertrauen der NATO ihr Leben an. ├ťber die M├Âglichkeiten die ihnen zur Verf├╝gung stehen entscheiden jedoch andere. Auch die Zukunft der Kosovoregion liegt in der Macht anderer.
Erst wenn die Situation in der Krisenregion Kosovo eindeutig gekl├Ąrt ist k├Ânnen die Fl├╝chtlinge wieder in ihre Heimat zur├╝ck.

9. Bilanz der jetzigen Situation

Wenn man die bis jetzt abgelaufenen Geschenisse beurteilen will, f├Ąllt dieses sehr schwer. Wer wei├č schon, was geschehen w├Ąre, wenn man eine andere Entscheidung als Krieg gew├Ąhlt h├Ątte. H├Ątten die Vertreibungen in dieser Zeit ein Ende gefunden? Oder w├Ąre ohne Eingriff der NATO dennoch eine L├Âsung zustande gekommen? Bringen die derzeitigen Angriffe ├╝berhaupt eine L├Âsung?
Obwohl man diese Fragen nicht beantworten kann, bin ich trotz allem der Auffassung, dass ein Krieg nicht so schnell h├Ątte entstehen m├╝ssen. Sicher ist jedenfalls, das die Luftangriffe die ethnischen S├Ąuberungen nicht gestoppt hat. Insofern hat der Krieg also den Kosovo - Albanern nicht geholfen, sondern nur zus├Ątzliches Leid unter die serbische Zivilbev├Âlkerung gebracht.
Auch fehlgeleitete Raketen und Bomben kann man nicht einfach als Versehen abtun, dahinter stecken schwere pers├Ânliche Menschenschicksale.
Ich glaube, dass die NATO erst viel zu sp├Ąt reagiert hat und sich somit selbst in die Sackgasse man├Âvriert hat, aus der nur der Krieg nun herrausf├╝hren soll.
F├╝r einen Fehler halte ich auch die Selbstmandatierung der NATO. H├Ątte sie ein UNO - Mandat gehabt w├Ąre die Aktion erstens v├Âlkerrechtlich abgesichert und zweitens h├Ątte eine weitere Organisation auf ihrer Seite, die ebenfalls ein Ende des Konfliktes anstrebt.
Weiterhin ist ein Angriff auf einen souver├Ąnen und dazu einen mit
Ru├čland befreundeten Staat sehr riskant. Wie bereits gesagt ist deren Stellung dazu ungewi├č. Falls Ru├čland Serbien milit├Ąrisch unterst├╝tzt, droht ein dritter Weltkrieg mit unabsehbaren Folgen f├╝r alle Europ├Ąer.
Gegenw├Ąrtig werden die Kosovo angliegenden L├Ąnder mit in den Konflikt hineingezogen, vor allem Albanien, da diese eine gro├če Unterst├╝tzung f├╝r die NATO darstellen.
W├Ârter: 3458

Quellenangabe:
- Scholl - Latour, Peter: Videodokumentation "Der Balkan - Im Fadenkreuz der M├Ąchte, ZDF, 1994
- FOCUS: "Die Akte Milosevic", Burda GmbH, M├╝nchen, 1999, Seite 20 - 26, 34 - 36, 286 - 296, 298/299
- DER SPIEGEL: "Das Protokoll des Schreckens - Was geschieht wirklich im Kosovo?", Spiegel - Verlag Rudolf Augstein GmbH, Hamburg, 1999, Seite 22, 24/25, 32 - 40, 166 - 182, 184, 186 - 188

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