Selbstdarstellungen: Ceija und Karl Stojka - zwei

Inhalt

1. Einleitung
von Judith Gartner, Gordana Joveti’c und Ulrike Schalling S. 5


2. Die Verfolgung der Roma in der NS - Zeit
von Ulrike Schalling S. 6


3. Die Biographie der Ceija Stojka
von Gordana Joveti'c S. 8

    1. Versuch einer tabellarischen Biographie von Ceija Stojka S. 9
3. 2. Unterschiede zur tabellarischen Biographie S. 9
3. 2. 1. Vertextung der Zeit im Werk S. 10
3. 2. 2. Vertextung des Raumes im Werk S. 13
    2. 3. Die EinschrÀnkung der IdentitÀt S. 16
3. 3. BeweggrĂŒnde, warum Ceija Stojka ihre Lebensgeschichte aufzeichnete S. 18
3. 4. Die Art und Weise wie Ceija Stojka ihre Erlebnisse darstellt S. 20


4. Ceija Stojka "Wir leben im Verborgenen"
von Judith Gartner

    1. Entstehungszeit S. 23
4. 2. Entstehungsbedingungen S. 25
    3. Textsorte: Autobiographie S. 27
4. 4. Handlungs - und ErzÀhlzusammenhÀnge S. 30
    5. Eigenarten ihres Schreibens S. 31
4. 6. Figurendarstellungen:
4. 6. 1. Darstellung der Mutter S. 35
4. 6. 2. Darstellung des Vaters S. 37
4. 6. 3. Darstellung der SS - MĂ€nner und Frauen S. 38
4. 6. 4. Darstellung zwischenmenschlicher Beziehung S. 39
4. 7. Funktion ihres Schreibens und Adressatenbezug S. 41


5. Ceija Stojka: "Weihnachten" und "Mit Roß und Wagen"
von Judith Gartner S. 43


6. Ceijas Bruder Karl Stojka
von Ulrike Schalling S. 46


7. Ceija Stojkas "Wir leben im Verborgenen" im Vergleich mit Karl Stojkas "Auf der ganzen Welt zu Hause"
von Ulrike Schalling

7. 1. Funktion des Schreibens - Schreibbeginn S. 48
7. 2. Handlungs - und ErzÀhlzusammenhang S. 49
7. 3. Eigenart der Sprache S. 51
7. 4. Darstellung der eigenen Person S. 54
7. 5. Darstellung der Mutter S. 56
7. 6. Darstellung des Vaters S. 58
7. 7. Darstellung der NS - MĂ€nner und Frauen S. 59
7. 8. Beschreibung der Situation im KZ S. 61


8. Exkurs: Vergleich mit " ... und dann zogen wir weiter" von Miso Nikolic
von Gordana Joveti’c S. 64


9. Interview mit Ceija Stojka
von Judith Gartner, Gordana Joveti’c und Ulrike Schalling S. 69


10. Zusammenfassung und Schlußbemerkung
von Judith Gartner, Gordana Joveti’c und Ulrike Schalling S. 91


11. Literaturverzeichnis S. 92




























    Einleitung


Über Roma - Angehörige weiß man heute eigentlich nur relativ wenig, ebenso ĂŒber ihre authentische Literatur, in der sie ihre Erfahrungen aus der Vergangenheit und ihre heutige Situation festhalten. Selbst Ceija Stojka erzĂ€hlt in ihrem Interview mit uns: "Es ist die Zigeunerwelt sehr klein, sehr jung mit dem Schreiben und ĂŒberhaupt mit Aussagen. Bis jetzt waren sie ja im Verborgenen und die meisten sind es heute noch."[1] Ceija Stojka und ihr Bruder Karl zĂ€hlen zu dem kleinen Kreis der Volksgruppe, der sich mit ihren ErzĂ€hlungen sowohl literarisch als auch musikalisch und kĂŒnstlerisch an die Öffentlichkeit wendet.
Anhand dieser Roma - Schriftsteller sieht man sehr gut wie zwei Geschwister ihre gemeinsamen Erfahrungen unterschiedlich erleben, verarbeiten und in ihren Werken wiedergegeben haben.
In Laufe unserer Literatursuche konnten wir feststellen, dass Werke der Roma - Schriftsteller nur sehr spĂ€rlich vorhanden sind und teilweise kaum in der SekundĂ€rliteratur erwĂ€hnt werden. Einige zaghafte Schritte findet man nur in analytischen Sammelwerken, in denen die Werke zwar kurz erwĂ€hnt und angeschnitten werden, jedoch nicht ausfĂŒhrlich verglichen und interpretiert werden. Daher haben wir beschlossen "Feldsuche" auf eigener Faust zu betreiben, um ungeklĂ€rte Fragen der Zigeunerin Ceija Stojka selbst zu stellen.
Wenn wir in unserer Arbeit von "Zigeunern" sprechen, dann verwenden wir diesen Begriff ohne negative Assoziation, da die beiden Autoren sich bereits auf den Titeln ihrer Werke als Zigeuner deklarieren ( "Wir leben im Verborgenen. Erinnerungen einer Rom - Zigeunerin.", "Reisende auf dieser Welt. Aus dem Leben einer Rom - Zigeunerin.", "Auf der ganzen Welt zu Hause. Das Leben und Wandern des Zigeuner Karl Stojka." ).
In unserer Arbeit wollen wir die Werke dieser beiden Geschwister nÀher betrachten, Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausfinden und besonders Ceija Stojka mit "Ein Teller voller Dukaten" von Miro NikolitC vergleichen.







2. Die Verfolgung der Roma in der NS - Zeit


Die Verfolgung und Diskriminierung der Roma ist nicht eine Erfindung der Nationalsozialisten: Ihre Geschichte zeigt, dass sie schon sehr lange vor Hitler eine Art "SĂŒndenbockfunktion" darstellten. Nach und nach wurden ihnen negative Verhaltensweisen zugeschrieben, die zu tiefsitzenden Vorurteilen und somit zu zahlreichen Diskriminierungen und Verfolgungen fĂŒhrten.
WĂ€hrend der NS - Zeit, in der ihre Verfolgung einen grausamen Höhepunkt erreichte, wurde jedoch auf pseudowissenschaftlicher Ebene gegen Roma vorgegangen: Bereits seit 1931 begann die SS mit der Erfassung und Registrierung der Zigeuner[2] in Deutschland. 1936 folgte dann die GrĂŒndung des "Rassenhygiene - Instituts" in Berlin unter der Leitung des "Humangenetikers" Dr. Robert Ritter, in dem auf völlig unwissenschaftlicher Ebene Erbwissenschaftsforschung betrieben wurde. Aber auch in Österreich wurden bereits vor der NS - Zeit alle Zigeuner von Dr. Robert Ritter und seiner Assistentin Eva Justin untersucht und photographiert. Auch Karl Stojka und seine Familie wurden auf diese Art und Weise von den beiden Pseudowissenschaftern in Wien registriert. Dr. Robert Ritter bezeichnete aufgrund dieser "Studie" die Burgenlandzigeuner als Mischlinge, mit den niedrigsten Elementen verschiedener Rassen ausgestattet sind. Seine Gutachten dienten als Grundlage fĂŒr die Verfolgung der Zigeuner. So galten Roma bereits 1935 in den "NĂŒrnberger Gesetzen" als "TrĂ€ger artfremden Blutes".
Die treibende Kraft bei den ersten Verfolgungsschritten von österreichischen Nationalsozialisten gegen diese Volksgruppe war Dr. Tobias Portschi - der damalige Gauleiter des Burgenlandes. Er verfaßte 1938 die Denkschrift "Die Zigeunerfrage", in der er Roma - Angehörige den Juden gleichstellte und VorschlĂ€ge zur ihrer Ausmerzung einbrachte.
Seit dem 17.10.1939 mussten Zigeuner aufgrund des "Festsetzungserlasses" ihr Wanderleben aufgeben und durften nicht mehr ihren Wohnort verlassen. Dadurch wurde die Registrierung erleichtert, da alle Roma leichter geortet werden konnten. Danach folgte nach und nach die Deportation in Ghettos und Konzentrationslager, wo sie zu Zwangsarbeit gezwungen wurden. Der sogenannte "Auschwitzerlass" vom 29.1.1943, der vom damaligen Reichsinnenminister Heinrich Himmler veranlasst wurde, fĂŒhrte zur Deportation der restlichen Zigeuner aus Österreich und den besetzten LĂ€ndern Europas ins KZ Auschwitz - Birkenau.
Dem grausamen Treiben der Nazis fielen rund eine halbe Million Zigeuner zum Opfer, die an UnterernĂ€hrung, Seuchen, Mißhandlungen und Menschenversuche in den KZs ihr Leben lassen mussten. Allein in Wien haben - laut Karl Stojka - von den rund 3500 verschleppten Roma nur circa dreißig ĂŒberlebt - darunter ein großer Teil der Familie Stojka.[3]


























3. Die Biographie von Ceija Stojka


Anhand der zwei BĂŒcher "Wir leben im Verborgenen" und "Reisende auf dieser Welt", versuchte ich eine chronologische Biographie von Ceija Stojka zu erarbeiten. Ich wollte ihr Leben in einer Art "Lebenslauf" darstellen und ordnen, wie es in unserer "westlichen" Kultur ĂŒblich ist. Diese tabellarische Biographie war nicht so leicht zu verfassen, weil es sich herausstellte, dass Ceija Stojka eine andere Auffassung von Zeit und Raum hat, als wir es gewohnt sind. Daher mache ich zuerst den Versuch einer tabellarischen Biographie und gehe dann auf die eigentliche Darstellung von Zeit und Raum im Werk genauer ein.
Auch im folgenden Gedicht berichtet sie ĂŒber ihren Entschluß, die Erlebnisse schriftlich festzuhalten:

"Haustor
ein alter Hut
eine zerbrochene Feder
eine verwelkte Blume
eine zerwelkte Blume
ein morscher Baum
ein Kuß, der der letzte ist
ein Haus ohne Dach
4 zerrissene Socken
eine alte Teekanne
eine Peitsche
ein Strumpfband
5 Deka Butter
große GefĂŒhle
es gefÀllt
du musst gehen
Zahnschmerzen
4 BlÀtter durcheinander
wenn du schon wieder da wÀrst
solange es dich gibt und ich noch da bin
wirst du immer so lieb sein
und fĂŒr mich schreiben
ja Ceija, danke."[4]



3. 1. Versuch einer tabellarischen Biographie von Ceija Stojka

1933 in Kraubath bei Knittelfeld (Steiermark) als eines von sechs Kindern einer Roma - Familie (Romagruppe Lovara) geboren.

1939 wird das "Herumzigeunern" in Österreich verboten. Die Familie zieht nach Wien und baut sich ein kleines Holzhaus.

1941 wird Ceijas Vater von der Gestapo abgeholt und im Konzentrationslager Dachau ermordet. Im selben Jahr wird Ceija mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern nach Auschwitz deportiert.
Danach folgen noch Deportationen in das Frauenlager RavensbrĂŒck und Bergen - Belsen, wo sie das Kriegsende erlebt.

Die teilweise ĂŒberlebende Familie lebt eine zeitlang nach dem Krieg in verlassenen Nazi - Wohnungen. Ab 1947 sind sie wieder als reisende Roma unterwegs.

1949, als Ceija fĂŒnfzehn Jahre alt ist, bekommt sie ihr erstes Kind, ihren Sohn Willi. Es war ihr letztes Reisejahr, so wie auch fĂŒr viele andere Roma in dieser Zeit die Tradition des Reisens zu Ende ging.

1951 bekommt Ceija ihr zweites Kind, die Tochter Silvie und 1955 den Sohn Jano.

Ceija verdient ihr Lebensunterhalt mit Stoff - und Teppiche Verkauf.

1979 stirbt ihr Sohn Jano.

1988 erscheint ihr erstes Buch "Wir leben im Verborgenen", in dem sie als erste Romni in Österreich von den Erinnerungen aus dem KZ schreibt.

1992 schreibt Ceija ihr zweites Buch "Reisende auf dieser Welt". Darin beschreibt sie ihr Leben nach den Lagern, von der Ausgrenzung und Einsamkeit, die sie durchleben muss. Außerdem gibt sie uns einen Einblick auf den Stellenwert der Musik und die Problematik des Reisens bei den Roma.
Ceija schreibt auch Lieder und tritt in der Öffentlichkeit auf.

1988 beginnt sie zu malen, damit ihre Erinnerungen aus den Lagern nicht verlorengehen.



3. 2. Unterschiede zur tabellarischen Biographie

In ihrem ersten Werk "Wir leben im Verborgenen" schildert uns Ceija das Leben aus dem Konzentrationslager. Es wird aus der Perspektive eines Kindes beschrieben. Das Abgetrenntsein vom Rest der Welt, wĂ€hrend der Zeit im KZ, wirkt sich auf Ceijas Wahrnehmung von Raum und Zeit aus. Aber auch spĂ€ter, nach dem Krieg, spĂŒrt Ceija eine Ausgrenzung und damit verbunden auch eine EinschrĂ€nkung ihrer Person. Als eine Angehörige der Roma, und damit einer anderen Kultur, unterscheidet sich ihre Wahrnehmung der Zeit und des Raumes von jener "unserer westlichen" Kultur, was in ihrem zweiten Buch "Reisende auf dieser Welt" zum Ausdruck kommt.


3. 2. 1. Vertextung der Zeit im Werk

Der "logische" Anfang einer tabellarischen Biographie stellt normalerweise die Nennung des Eigennamens und des Geburtsdatums dar. Ceija erwÀhnt diese Daten erst in ihrem zweiten Buch, als sie eine Situation beschreibt, in der eine Amtsperson ihre Personalien aufnehmen will.

"Also trug ich meine Bitte an dieses Amt vor: "Ich heiße Margarete Stojka, geboren am 23. 5. 1933 in Kraubath, Bezirk Leoben in der Steiermark, und ich bitte Sie, mir einen IdentitĂ€tsausweis auszustellen."[5]

Das Amt reprĂ€sentiert unsere Gesellschaft, in der man die Menschen nach Zahlen und nach bestimmten Schemata einordnen möchte. Ceija musste sich damals einen IdentitĂ€tsausweis besorgen, damit sie in die "ordentliche und legale" Gesellschaft hineinpaßte. Wie sich Ceija dann mit ihrer "neuen IdentitĂ€t" fĂŒhlte, sagt sie uns eine Seite weiter: "Ein paar Zeilen und ein Stempel bestĂ€tigten meine IdentitĂ€t".[6]
In Ceijas ersten Buch erfĂ€hrt man von ihrer Zeitauffassung wenn sie von ihrer Zeit im Lager erzĂ€hlt. Die Zeitorientierung passierte dort ohne StĂŒtze eines Kalenders oder einer Uhr:
"Die Zeit verging ohne einen Kalender, so wußten wir auch nicht, ob es Montag oder ein anderer Tag war."[7]
Der Tagesablauf im Lager wird durch das stÀndige Apellstehen und durch ZÀhlen gekennzeichnet:

"Die SS - Frauen mit den Hunden kamen in die Baracke und riefen: ‘Alles zum Apell antreten, Marsch, Marsch!’ Nun stand das ganze Lager. Es waren so viele Menschen. Sie standen in FĂŒnferreihen mit je einem Meter Abstand voneinander. [...] Die ZĂ€hlung dauerte sehr lange, es wurde schon Abend, die Nacht zog langsam ĂŒber das Lager."[8]

Die Zahl der Hiebe und weiterer strafender Mittel ist auch ein Anhaltspunkt:

"Wenn manche weniger als 25 Hiebe bekamen, so wurden die gleich in der Baracke ausgeteilt. Man legte die HĂ€ftlinge ĂŒber den langen Schlauchofen, zwei SS - MĂ€nner gaben den zwei Kapos die Anweisung, wieviel derjenige bekommen sollte. [...] und das wiederholte sich tĂ€glich."[9]

Woran Ceija im Lager noch ihre Zeitwahrnehmung mißt, ist der Wechsel der Jahreszeiten (WitterungsverhĂ€ltnisse). Das heißt, dass sie eine zyklische Wahrnehmung der Zeit hat:
"Inzwischen war der Winter vorbei, Weihnachten und Neujahr gingen lautlos vorĂŒber. Es war ein Tag wie jeder andere [...]"[10]
Die einzige konkrete Zeitnennung aus dem Lager ist das Weihnachtsfest im Jahre 1944, als die Nazis die Kinder zu einer Feier einladen. Die Wahrnehmung der Zeit geschieht so in einer Umgebung, die nicht "ihre" ist, sondern sie wird durch eine "höhere Macht" prÀsent: "Ein Kalender zeigte den 24. Dezember 1944."[11]
In einem Interview berichtet uns Ceija nachtrÀglich ihre Erinnerungen an die Zeit im Lager:
"Jeder Tag dort drinnen war ein Jahr, jede Stunde war eine Ewigkeit."[12]
Das Leben wÀhrend des Reisens nach den Lager wird auch zyklisch - nach dem Wechsel der Jahreszeiten und der WitterungsverhÀltnisse wahrgenommen:
"Die Sonne schien schon ziemlich warm, da konnte man keinen Rom mehr aufhalten. Unsere zwei Wagen rollten aus dem Gasthof."[13]
Die Feiertage sind auch als bedeutende Punkte zur Zeitmessung anzusehen. Es sind die Tage, an denen die Familie zusammenkommt. Auffallend ist vielleicht, dass Geburtstagsfeiern keine Relevanz in den ErzĂ€hlungen haben, was wieder davon zeugt, dass das genaue Geburtsdatum keine große Wichtigkeit besitzt.
Auf die Gesellschaft bezogen, bringt uns Ceija die Zeit mit dem Fortschritt in Verbindung. Der wirtschaftliche Fortschritt beendet die lange Tradition des Reisens der Roma und bedrohte somit ihre finanzielle Existenz. Ohne Arbeit und dem Leben mit der Natur verloren viele Roma einen Teil ihrer IdentitÀt:

"Die Zeit blieb nicht stehen, man merkte den Fortschritt. Vereinzelt tauchten die Traktoren auf, und mit den ViehmÀrkten ging es immer mehr bergab. Unsere Reise mit Pferd und Wagen lohnte sich nicht mehr."[14]

Durch die Änderung der wirtschaftlichen VerhĂ€ltnisse beginnt damals ein neuer Zeitabschnitt fĂŒr die Roma:

"Langsam und mit schwerem Herzen fuhren wir weiter. Das sollte unsere letzte Reise mit Pferd und Wagen sein. Unsere Rösser wurden in Wien zu einem Schlachthof gebracht und unsere Wagen kaufte ein alter Fiaker. Somit ging fĂŒr uns eine sehr alte Zigeunertradition zu Ende."[15]

Die einzige Stelle, wo Ceija Zeitangaben sehr ausfĂŒhrlich schildert, sind jene Tage und Minuten, in denen Ceija spĂŒrt, dass mit ihren Sohn Jano etwas nicht in Ordnung ist und er schlußendlich stirbt. Das Kapitel, in dem sie vom Tod ihres Sohnes erzĂ€hlt, beginnt mit dem Satz: "Es war am 10. November 1979."[16]
An diesem Tag muss Ceija zu einem Jahresmarkt fahren und lĂ€sst ihren Sohn zurĂŒck. Von dem Zeitpunkt an quĂ€lt sie eine gewisse Unruhe und gleichzeitig beginnt sie, die Zeit genau wahrzunehmen und zu schildern. Sie nennt das genaue Datum des nĂ€chsten Tages und beschreibt ihn folgendermaßen:
"FĂŒr mich war dieser Tag endlos und ruhelos."[17] Zwei Seiten weiter erwĂ€hnt sie wieder die Zeit in Verbindung mit ihrer Aufregung:

"Ich dachte an meine Kinder, an Jano, um den ich stÀndig Angst hatte, und an meine kleine schwarze Puppe Silvia und ihre Tochter Simona. Die Gedanken an die Kinder und die Autobahn hielten mich in ihrem Bann. Meine Autouhr zeigte 22 Uhr."[18]

Anschließend an diese Szene spĂŒrt sie Janos Hand und hört seine Stimme, die sagt, dass er schon gestorben ist. Ihre Verzweiflung steigert sich zwei Stunden spĂ€ter: "Die Uhr zeigte 24 Uhr. Ich lag im Bett und starrte durch das offene Fenster."[19] Ceija versucht, sich zu beruhigen, indem sie zu stricken beginnt. "Nach zwei Stunden war die schöne, kleine Weste fertig. Es war genau drei Uhr morgens."[20] Und dann doch die letzte Meldung:
"Es war entweder ein paar Minuten vor oder nach fĂŒnf, als das Telefon lĂ€utete."[21] Der Anruf teilt den Tod des Sohnes mit.
Es ist interessant zu sehen, dass Ceija den Tod so wie das Leben als eine "ewige Reise" bezeichnet: "Nachdem sich mein Jano auf die ewige Reise gemacht hatte und dort drĂŒben auf mich wartet, blieb ich mit meiner Tochter Silvia [...] zurĂŒck [...]"[22]
Ab dem Tod ihres Sohnes verĂ€ndert sich fĂŒr Ceija die Perspektive ihrer Zeitwahrnehmung:
"Die Jahre vergingen fĂŒr mich mit einem anhaltenden, nie aufhörenden Entzug von meinem geliebten Kind."[23]


3. 2. 2. Vertextung des Raumes im Werk

In ihrem ersten Werk "Wir leben im Verborgenen" schildert uns Ceija kurz die Ereignisse aus ihrer glĂŒcklichen Kindheit, wo sie in der vertrauten Umgebung ihrer Familie das freie Leben der Reisenden genoß: "1939 fuhren wir Rom noch mit Wagen und und Pferden frei in Österreich herum."[24]
Im gleichen Jahr wird das "Herumreisen" verboten. Das Verbot des Reisens beschneidet das BedĂŒrfnis nach Freiheit, wodurch ein GefĂŒhl der Beengung entsteht. Ceija erzĂ€hlt in einem Interview, wie diese Ereignisse ĂŒber ihre Familie gekommen sind:

"Was man zum leben gebraucht hat, ist immer enger geworden, die Frauen durften keine Stoffe mehr verkaufen. Auch der Raum wurde immer beengter, obwohl wir im Freien waren. Wenn wir uns irgendwo hinstellten, wurde es uns verboten."[25]

Die Familie zieht dann nach Wien, wo sie sich ein kleines Holzhaus bauen muss, damit sie nicht auffĂ€llt. Das Leben beginnt fĂŒr Ceija eine "Ordnung" zu bekommen: "Wir Kinder kamen wieder in die Schule, meine Ă€lteste Schwester Mitzi in eine Papierfabrik."[26]
Man kann hier eine EinschrĂ€nkung oder Beengung des Raumes erkennen. Wie wichtig das naturverbundene Leben, weit weg von unserer "schematischen" Welt, fĂŒr die Roma ist, beschreibt Ceija in einer kurzen Geschichte:

"Eine wahre Geschichte:
Ein Pfarrer verurteilte einen armen, alten Zigeuner, denn er zahlte keine Steuer. Der Priester dachte so vor sich hin: "Warte nur du böser Wicht, auch fĂŒr dich wird das StĂŒndlein schlagen, doch auf meinen Friedhof kommst du nicht!"
Ja, wie gerecht war dieser Priester, es zu sagen, ist nur recht. Der Zigeuner ging zur Kirche, denn er war gewiß sehr fromm. Er bat um Gnade, denn sein StĂŒndchen war sehr nah. Man begrub ihn außerhalb des Friedhofes, und so war es auch gerecht.
Die Seele des Zigeuners freute sich so sehr, sie dachte: "Ach, wie gut sind die lebende Priester zu mir, sie haben mich nicht am Friedhof eingekerkert, ich liege außerhalb des Friedhofes, ich bin selig und zufrieden, denn ich bin draußen und ich bin frei!"[27]

Den Kindern wird spĂ€ter die Schule verboten und es ist gefĂ€hrlich fĂŒr sie, sich ĂŒberhaupt im Freien zu befinden. Die BeschrĂ€nkung des Raumes fĂŒr Ceija steigert sich immer mehr. Die Nazis legen ein spanisches Gitter um ihr Haus und somit ist jeder Versuch, sich außerhalb des HĂ€uschen zu bewegen, eine Gefahr:
"Die Gestapo legte ein spanisches Gitter um unser kleines Holzhaus und verbot uns, uns außerhalb dieses Gitters aufzuhalten. Ja, wir spĂŒrten Auschwitz schon in der Freiheit."[28]
Dann folgt die schlimme Zeit, die Ceija im KZ verbringen muss. Das Eingesperrtsein im Konzentrationslager Àndert Ceijas Wahrnehmung von der Welt. Schon der Titel des ersten Kapitels ihres ersten Buches deutet auf die eingeschrÀnkte Perspektive hin: "Ist das die ganze Welt?"
FĂŒr Ceija reprĂ€sentiert das Lager eine eigene Welt. Erst ca. fĂŒnfzig Jahre spĂ€ter erfĂ€hrt sie bei einem Besuch in Bergen - Belsen, dass es neben ihrer Abteilung auch andere gab:

"Obwohl der Abteil sehr groß war, wußte ich nicht, dass unmittelbar neben uns noch ein Abteil ist. Gell. Weil sagen wir diesen Abteil, den Du hier siehst, der war umrahmt von lauter BĂ€umen. Da gab es einen Zwischenraum von fĂŒnf Metern. Nachdem die nicht schreien durften und wir auch nicht, haben wir gar nicht gewußt, dass da noch ein Abteil ist, und noch einer, und noch einer... Erst von oben, nach vierundfĂŒnfzig Jahren habe ich das Ausmaß der GrĂ¶ĂŸe gesehen, dass es noch ein Abteil gibt. Am Anfang als ich herausgekommen bin von dort hab’ ich geglaubt das ist alles, wo wir waren. Daweil war ein russisches Lager dort, dann waren Austauschjuden dort."[29]

In einem anderen Interview erwÀhnt sie noch einmal die Orientierungslosigkeit:
"Oft haben wir uns gefragt, wo sind die Menschen rundherum? Gibt es Österreich nicht mehr? Sind nur mehr wir da und das andere existiert nicht mehr?"[30]
Im Lager gibt es in den Baracken noch "kleine Buchsen", wo sie mit den vielen Menschen untergebracht sind: "Wir krochen in die Buchse, sie war 2,40 x 2 m. In der Baracke waren so viele Menschen und eine Buchse um die andere."[31]
Im Lager hat Ceija keine Chance, sich von den anderen Menschen und erschĂŒtternden Ereignissen zurĂŒckzuziehen. Eine "intime SphĂ€re" gibt es nicht, und wenn einem etwas passiert, haben gleich alle Angst um ihr Leben:

"Im ganzen Lager sah es schrecklich aus. Die langen GrĂ€ben und die vielen Toten und dazu der viele Regen. Es war grauenvoll. Wir hatten schon drei Tage keine Suppe bekommen. Die Menschen konnten sich nicht mehr bewegen. Manche waren schon tot, aber man ließ sie noch in der Baracke."[32]

Nach der Befreiung wird die Frage nach der Herkunft fĂŒr Ceija wieder aktuell. Sie berichtet von einer tragikomischen Situation, als ein Besatzungssoldat zu ihr sagt:

"Ich bin EnglĂ€nder. Ihr seid jetzt alle frei. Von wo bist du?’ Ich sagte: ‘Ich bin von Austria’, meinte aber die Papierfabrik im 16. Bezirk neben der Paletzgasse, die Austria hieß. Ich kannte ja sonst nichts."[33]

Die Raumwahrnehmung nach dem Lager ist auch eingeschrĂ€nkt. Ceija fĂŒhlt sich fremd und einsam in der "großen Welt" außerhalb des KZ, die nicht viel VerstĂ€ndnis fĂŒr ihr Schicksal hatte:

"Und auch nach 1945 war das sehr schwer. Wir sind rausgekommen und jetzt kommst du rein in die Stadt, unter Menschen, die von dem Ganzen nichts wissen. Der kennt ja meine GefĂŒhle nicht, der weiß nicht, was ich hinter mir hab, wo ich gewesen bin. Das ist nicht leicht. Und trotzdem musst du dich auf die FĂŒĂŸe stellen, sonst verkommst du, du musst ja leben."[34]

Das GefĂŒhl der Freiheit hat Ceija trotz der rĂ€umlichen EinschrĂ€nkung behalten, was von ihrer PositivitĂ€t spricht:

"Im Wohnwagen hatten wir wenig Platz, und auch der Raum, den wir neben dem Wagen benĂŒtzten, war beschrĂ€nkt. Aber wir haben Augen gehabt, wir haben die Ferne gesehen und den Flug der Vögel und die BĂ€ume, wenn sie getanzt haben."[35]


3. 2. 3. Die EinschrÀnkung der IdentitÀt

Am Beispiel der Behandlung der Juden vor dem Zweiten Weltkrieg weist Ceija auf das Ă€hnliche Schicksal der Roma hin: "Der Jude war zuerst der "schöne Nachbar", dann nur ein "Jud’", und dann ein "Nichts", das im KZ vernichtet wurde:

"Am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts gibt es sogar noch MassengrĂ€ber. So wie damals der Jude auch der schöne Nachbar im Haus war, ist das heute wieder Dein Nachbar. Er hat der armen BĂŒrgerin Brot gegeben, ihr Schilling geborgt und plötzlich war’s der Jud. Man hat ihnen alles weggenommen."[36]

Das Leben im Konzentrationslager ist von der gewohnten Außenwelt völlig getrennt. Die IdentitĂ€t im Lager kennzeichnet nur die TĂ€towierungsnummer: "Am nĂ€chsten Tag mussten wir uns alle zu fĂŒnft aufstellen und in den TĂ€towierungsblock marschieren. Ich bekam die Nummer Z 6399."[37]
Im Lager RavensbrĂŒck bekommen die HĂ€ftlinge auch eine Nummer:

"Anschließend bekamen wir alle eine Registriernummer: ein weißer, lĂ€nglicher Stoffstreifen mit einem schwarzen Winkel, das hieß arbeitsscheu. (Aber wie konnte ich arbeitsscheu sein, ich war ja noch ein Kind!) Den Streifen mussten wir uns auf die linke Seite nĂ€hen. Nun waren wir alle gekennzeichnet: der letzte Abschaum der Menschheit."[38]

Der zunehmende IdentitÀtsverlust wird beim Aufenthalt in den verschiedenen Lagern sichtbar:

"Nein! Nicht mehr in Bergen - Belsen. Da warst Du nichts mehr. Da warst Du kein Zigeuner, da warst Du ein Niemand. In Bergen - Belsen, da hast Du keine Registriernummer mehr gehabt. Da hast Du keinen Namen gehabt. Da warst du Nichts."[39]

Als sie aus dem KZ kommen ist, hat sie wieder mit der EinschrĂ€nkung der IdentitĂ€t zu kĂ€mpfen. Ausgegrenzt, weil sie eine Romni ist, spĂŒrt sie auch die Einengung bei der Erziehung ihrer Kinder. Ihren Sohn Jano holt man von zu Hause weg und steckt ihn in eine Erziehungsanstalt, weil er in der Schule schwĂ€nzt:

"Ich konnte es nicht fassen. Da plagte man sich fĂŒr seine Kinder, und ein anderer nahm sie und machte mit ihnen was er wollte. FĂŒr mich ging alles unter, ohne meinen Jano konnte ich nicht mehr leben. In meinen TrĂ€umen sah ich sein Gesicht. [...] Es war mir unbegreiflich, wieso sie mein Kind in ein Heim steckten. Es war Winter 1968 und ich spĂŒrte die KĂ€lte von Auschwitz."[40]


Auch jetzt versucht man die Roma - IdentitĂ€t zu leugnen. Ceija kritisiert, dass das Schicksal der Roma in der Öffentlichkeit zu wenig prĂ€sent ist:

"Es ist auch eine Behandlung, die ungerecht ist. Es wird alles nur ĂŒber die Juden gesprochen und die Zigeuner haben nichts erlebt. Wir werden unter den Minderheiten noch diskriminiert. [...] und als Frau."[41]

Die geschlechtliche Diskriminierung der Frau ist ein wichtiger Punkt, besonders in der jungen "Zigeuner - Literatur". Ceija hat als Frau große Probleme mit ihren mĂ€nnlichen Verwandten, als sie zu schreiben beginnt:

"Und da ist aber der Machtkampf zwischen den MĂ€nnern - jetzt sind wir wieder dort: MĂ€nner. HĂ€tte er frĂŒher (zu schreiben begonnen), hĂ€tte ich keine Chance, ĂŒberhaupt eine Aussage zu machen."[42]

Verwandtschaft spielt eine große Rolle in Ceijas Leben. Gerne erinnert sie sich an die schöne Zeit ihrer Kindheit, wo noch die gesamte Familie zusammen ist. Zugleich bereitet ihr die Erinnerung einen stetigen Schmerz, da mit ihr der Verlust der geliebten Personen verbunden ist. In ihrem ersten Buch spricht Ceija von einem Haus im sechzehnten Bezirk, in dem die Familie vor der Deportation ins Lager gelebt hat. Am Haus befinden sich die ersten "IdentitĂ€tsspuren" ihrer Kindheit, das "Gekritzel", das sie als Kinder an die Mauern geschrieben haben. Diese schriftlichen Zeugnisse sind fĂŒr sie wichtige Anhaltspunkte fĂŒr ihre IdentitĂ€t. Sie besucht oft diesen Platz, damit sie der Erinnerung freien Lauf geben kann.

"Es gibt eine Mauer, an der so viel Gekritzel von uns steht, unsere Namen, wer alles da war. Heute noch kann man viel davon lesen. Es ist schon sehr blass, aber man kann es noch sehen. Stundenlang sitz ich dort. Das lebt in mir. [...] Manchmal denk ich, könnt ich die Zeit nur halten. Oder die Sekunde verwĂŒnschen, wo mein Vater gerade zu Hause war. Er war eh nur selten da, [...] Diese Sekunde, wo er zu Hause war und der Wagen gekommen ist, die könnt ich verfluchen."[43]



3. 3. BeweggrĂŒnde, warum Ceija Stojka ihre Lebensgeschichte aufzeichnete

Im Gegensatz zu vielen anderen KZ - HĂ€ftlingen ist Ceija Stojka bereit, ĂŒber ihre Erlebnisse im KZ zu berichten und so das Schweigen zu brechen. Sie bringt zwei BĂŒcher an die Öffentlichkeit. Vorerst hat sie nicht die Absicht, die BĂŒcher einer breiteren Öffentlichkeit zugĂ€nglich zu machen. Wie sie selbst in einem Interview sagt, wollte sie ihre Lebensgeschichte ihren Kindern und Enkelkindern schriftlich ĂŒberliefern. FĂŒr sie selbst ist der Prozeß des Schreibens eine Art von "Therapie", um ĂŒber die noch unausgesprochenen Erlebnisse im KZ hinwegzukommen.

"Als ich das Buch geschrieben habe - und das ist die Wahrheit - vor zehn Jahren, da hab’ ich mich gelöst, also den Druck aus meinem Bauch, wo man immer gesagt hat "AuschwitzlĂŒge" und "das Gelogene", wo dann mein Bruder..., also ich habe nicht geschrieben fĂŒr die Öffentlichkeit, ich hab’ fĂŒr mich geschrieben. Und wenn ich einmal meine Augen zumache: fĂŒr meine Kinder. Ich hab’ nie gedacht, dass es an die Öffentlichkeit kommt. Ich hab’ auch nicht gerechnet, dass es jemand nimmt und zu einem Verlag... Ich wĂ€r’ sowieso nie damit gegangen!"[44]

Mit ihrer Geschichte illustriert sie nicht nur ihre individuelle Erfahrung, sondern viel weiter, die Geschichte eines ganzen Volkes. Sie will erreichen, dass man nichts vergißt oder verheimlicht, was damals geschehen ist. Außerdem ist es ihr Ziel, die Roma - Tradition weiter leben zu lassen: "Es ist gut, dass es Menschen gibt, die wissen wollen, wer ich bin!"[45]
Ceija hat kein Interesse daran, ein hochliterarisches Werk zu verfassen. Ihr Werk lebt nicht von der Fiktion, sondern von der Geschichte, von den Greueltaten der Nazis, aber auch vom Reichtum der Roma - Kultur. Über ihr Volk sagt sie folgendes:

"Aber im Grunde ist auf uns nie etwas Gutes zugekommen. Wir Rom sind ein Volk, das sehr im Hintergrund lebt, seit Jahrhunderten. Wir haben uns nie gerĂŒhmt, wir können das und das, wir sind eine große Persönlichkeit, obwohl wir das vielleicht hĂ€tten sagen können. Wir haben uns immer, egal ob Rom oder Sinti, im Verborgenen gehalten und nur gewartet, was auf uns zukommt. Leider Gottes ist auf uns nur Böses zugekommen, egal, ob vor dem KZ oder nachher."[46]

Die Diskriminierung der Zigeuner erklĂ€rt Ceija zum Teil als eine "Eifersucht" der "Gadje" ihrem Volk gegenĂŒber. Der Rom lebt sein Leben viel unförmlicher und freier. Diese Unterschiede sieht man schon bei den Kindern:

"Vielleicht sind die Gadje heute, in dieser Zeit, wo wir fast zum 21. Jahrhundert gehen, auch schon ein biß'l lockerer geworden und lassen den Kindern ein biß'l mehr Freiheit. Aber im großen und ganzen werden sie darauf getrimmt: Das musst du tun und das darfst du nicht."[47]

Ceija schreibt auch Gedichte, in denen sie sich kritisch ĂŒber die Vergangenheit und ĂŒber zeitgenössische Probleme Ă€ußert. Sie schreibt sehr ehrlich und offen ihre Kommentare und Bemerkungen, ihre Kritik an der damaligen und heutigen Gesellschaft. Die bitteren Erfahrungen der Ausgrenzung sind fĂŒr sie heute noch aktuell:

"Warum
hat man nicht in Auschwitz geschrien:
AuslÀnder raus
und warum mĂŒssen erst 50 Jahre vergeh’n
war es damals nicht erlaubt
und jetzt ist es gestattet zu schrei’n:
AuslÀnder raus, raus, raus..."[48]


3. 4. Die Art und Weise wie Ceija Stojka ihre Erlebnisse darstellt

Ceija besitzt die Kunst, uns die einzelnen Situationen, von denen sie berichtet, Ă€ußerst lebhaft darzustellen. Sie lĂ€sst den Lesern an ihrer GefĂŒhlswelt teilnehmen und damit durchbricht sie die Distanz zu den Geschehnissen der Vergangenheit und ruft eine gewisse Unmittelbarkeit hervor. Die Kunst, uns die Situationen so wahrheitsgetreu darzustellen, liegt auch vermutlich darin, dass Ceijas Hauptaugenmerk nicht am literarischen Stil liegt, sondern, dass ihr wichtig ist, natĂŒrlich zu erzĂ€hlen. Sie verbindet die KZ - Welt mit ihrem bisherigen Leben. Und so können wir uns die ganzen Schilderungen sehr gut vorstellen. Es ist eine Perspektive, die uns sehr ans Herz geht. Sie baut Antonyme auf, in dem sie trotz der Welt im KZ, die Schönheit der Außenwelt nicht vergißt. Es kommt so oft zu Situationen, die objektiv gesehen schrecklich sind, aber an denen Ceija doch etwas "Positives" findet:

"Aber ihr kleiner dreijĂ€hriger Junge lag auf dem Totenhaufen. Er lag auf dem RĂŒcken. Schöne schwarze Augen hatte er und schwarzes Haar. An seinem Körper trug er einen dunkelblauen Angorrapullover. Er war ein schönes Kind gewesen, aber nun war er schon acht Tage tot."[49]

Selbst bei einem Besuch im KZ denkt sie nicht nur an die schreckliche Zeit, die sie darin verbringen musste, sondern lĂ€sst die NatureindrĂŒcke auf sich wirken. Sie empfindet den Regen als einen Begleiter, der ihr Schicksal kennt und mit ihr weint und sie trotzdem positiv stimmt:
"Es hat furchtbar geregnet, wir waren patschnaß, aber es war herrlich, ein Empfang fĂŒr uns, eine BegrĂŒĂŸung. Es war ein warmer Regen."[50]
Ceija vermittelt uns sehr stark und bildhaft ihre GefĂŒhle, ihre enge Verbundenheit mit der Natur und den Glauben an das Leben. Von der Mutter hat sie die StĂ€rke bekommen, die ihr Selbstvertrauen und eine Persöhnlichkeit gaben. Dieser Glaube an sich selbst rettete ihre IdentitĂ€t in der Zeit im KZ, wo man sie zu vernichten versuchte:

"FrĂŒher hat sie öfter zu mir gesagt: Du bist du, Ceija, du darfst keine andere sein, du musst immer schau’n, dass du deine Art, die dir der liebe Gott gegeben hat, behĂ€ltst, und dass du sagst: Ich bin ich, was willst du von mir? - Wenn man das nicht ist, wird man ein MauerblĂŒmchen und kann aus seinem Leben nichts machen. HĂ€tt ich mich immer verkrochen, wo wĂ€re ich hingekommen? WĂ€r ich wahrscheinlich in Auschwitz geblieben."[51]

Ceija glaubt auch an ein Weiterleben der Verstorbenen nach dem Tod. Hier finden wir eine "archaische" Vorstellung, nÀmlich jene, dass sich die Seelen der Verstorbenen in Tiere verwandeln:

"Und in dem Moment rennen zwei Hasen vorbei, bleiben dort stehen, setzen sich auf und spielen miteinander. Ist denn so etwas möglich, hat der Karli gesagt, wenn du das jemandem erzĂ€hlst, das glaubt dir kein Mensch, aber du siehst es mit deinen eigenen Augen. Mir kommt das so vor, als wĂ€ren es der Kurti und unser Ossi. [...] Ja du hast recht, sie haben uns gesehen, das sind ihre Seelen. Du glaubst, sie sind in die Tiere hineingeschlĂŒpft, um uns diese Freude zu machen. [...] Ein Bodenwind ist gegangen, ein leichter. Kein normaler Wind. FĂŒr mich war das ein Wind der BegrĂŒĂŸung, von den Menschen, deren Seelen dort sind. Mit dem Wind hab ich gesprochen: Ich bin eh da, wir haben es geschaft."[52]

Die Sinneswahrnehmungen spielen eine große Rolle in ihrem Werk; die Erinnerungen werden durch GerĂŒche oder GerĂ€usche hervorgerufen. Die Empfindungen, die sie dann verspĂŒrt, sind stark wie damals:

"Sonne, Wind, bei einer Mauer, gell. Und plötzlich kam durch das Feuchte, durch die WÀrme... kam der Geruch aus dem Stein raus, als wÀre es jetzt genau wieder so, wie es damals war. Ja, könnt ihr das verstehen?"[53]

Ein wichtiger Punkt in Ceijas Werk sind ihre TrĂ€ume. Meistens sind es AlptrĂ€ume, die sie seit der Kindheit plagen, aber auch Visionen oder Voraußdeutungen die in wichtigen Situationen kommen. Durch ihre TrĂ€ume erlöst sie sich vielleicht von den Ereignissen aus dem KZ und wandelt sie in etwas ErwĂŒnschtes und Gerechtes um:

"In dieser Nacht trĂ€umte ich. Ich erwachte und lachte ĂŒber meinen Traum. [...] Ich sah das Lager Bergen - Belsen von damals und darin ein großes Grabmal. Ich sah, wie sich das grĂ¶ĂŸte Grab mit seinen Toten in die Luft hob. Es sah aus, als hĂ€tte es keine Kraft, ziemlich wackelig schwebte es in der Luft. Plötzlich schlossen sich die kleineren GrĂ€ber dem Rumpf an, und alle GrĂ€ber von Bergen - Belsen bildeten einen Riesenvogel. Er formte sich aus der Erde der GrĂ€ber, die unzĂ€hligen Leichen bildeten seine Federn, die Totenköpfe schauten ĂŒberall aus dem Gefieder hervor. Der jetzt kraftvolle Vogel schwebte ĂŒber Bergen - Belsen. Doch er sah nicht traurig aus. Er flog zu jenen, die am Tod der vielen Menschen schuldig waren."[54]

Ceija verspĂŒrt keinen Haß gegen die Menschen, die ihr die Qualen im KZ angetan haben. Sie hat Mitleid mit ihnen und versucht sie auch zu verstehen:

"Wenn dieser junge Mann, der gerade eine Frau geheiratet hat und ein Baby kriegt und verliebt ist und der muss nach Auschwitz rein und den Wahnsinn dort miterleben muss, dann ist es ja ganz klar, dass er sagt: "Diese Kreatur, wenn die nicht da wĂ€re, dann wĂ€re ich zu Hause." Und so war es. Und es ist so. Es waren nicht alle böse. Es hat Ausnahmen auch damals gegeben. Ein Nazi ist auch nur ein Mensch. "Nazi" ist nur die Bezeichnung fĂŒr das, was er tut in seinem Leben, wo er sich hinwendet, aber in Wirklichkeit ist er ein Mensch!"[55]

Die Genugtuung fĂŒr Ceija ist die, dass die Nazis die selbe Luft wie die Gefangenen einatmen mussten. Nach dem Leben im KZ versucht sie eine ErklĂ€rung fĂŒr die Menschen mit Vorurteilen zu finden. In ihrem Buch "Reisende auf dieser Welt" beschreibt sie eine Situation, wo sie sich den IdentitĂ€tsausweis holen musst. Sie stĂ¶ĂŸt auf einen Beamten, der sie erniedrigt. Kritisch, die Scheinmoral entdeckend, und doch voll GefĂŒhl, erzĂ€hlt sie uns diesen Vorfall:

[...] "Aber höre jetzt gut zu, du Zigeunerin. Dass du dir ja nich erlaubst, irgendwann einmal bei unserer Gemeinde zu betteln. Hast du mich verstanden? Ich will dich hier bei uns nie wieder sehen!" Dann fĂŒgte er noch hinzu: "Mia san ka Bett’lamt und schon gor net fĂŒr euch." Mein Blick erreichte eine Zimmerecke, von wo mich der Gekreuzigte barmherzig ansah. Dann sah ich das LĂ€cheln eines Mannes auf einem Bild: Der damalige österreichische BundesprĂ€sident.
Meine Beine versteiften sich. Nein, nicht aus Haß oder Angst, sondern aus reinem Stolz. Es lag ĂŒberhaupt nicht in meinen Gedanken, von dieser Gemeinde etwas zu erbetteln. Ich dachte so vor mich hin: "Mein Gott, ist dieser Mensch arm, arm an seinem eigenen verbissenen Leben." Ich war auch damals als Reisende zufrieden und glĂŒcklich, wĂ€hrend dieser Bedienstete am Joiser Amt Angst hatte, dass ihn die Roma anbetteln könnten."[56]

Sie beschreibt, wie es im KZ unter den Gefangenen keine Diskriminierung gibt:

"Wir waren alle zusammen an einem Platz. Aber fĂŒr uns ist es ja nicht um die Grenzen gegangen. FĂŒr uns hat der Mensch gezĂ€hlt."[57]
Ceija stellt sich nicht als eine leidende Heroin ins Bild, sie schildert ihr Leben nicht als eine riesige Heldentat, sondern erzĂ€hlt ĂŒber sich im Hinblick auf das Schicksal anderer Menschen.


4. Ceija Stojka "Wir leben im Verborgenen"


4.1. Entstehungszeit

Schriftliche Literaturen der Roma sind uns in Österreich erst seit wenigen Jahren bekannt. Sie zĂ€hlen zu der Gruppe der Minderheiten, die aus Angst vor noch stĂ€rkerer Diskriminierung und UnterdrĂŒckung lange davor zurĂŒckschreckten, ihr Schicksal schriftlich festzuhalten. Das Leben der Sinti und Roma ist von einer Geschichte der Verfolgung bestimmt. Seit Ankunft der Zigeuner im Mitteleuropa im 14.und 15. Jahrhundert war das Mißtrauen der seßhaften Bevölkerung gegenĂŒber dieser Minderheit sehr groß. Im 15. Jahrhundert, zum Beispiel, wurden Zigeuner auf einem Reichstag fĂŒr "vogelfrei" erklĂ€rt, was natĂŒrlich vollkommene Rechtlosigkeit bedeutete. SpĂ€ter galten sie sogar als Schuldige bei Seuchen und standen in den Augen der aberglĂ€ubischen Bevölkerung im Bund mit dem Teufel.[58] Zweifelsohne erreichte ihre grausame Verfolgung zur Zeit des Nationalsozialismus ihren Höhepunkt:

"Gemeinsam mit Juden, politischen HÀftlingen, Behinderten und Homosexuellen werden die Zigeuner zu Opfer des totalitÀren Regimes. Der rassenideologische Blut und Boden Mythos des Dritten Reiches sowie darauf aufbauendes anthropologisches und biologische Schrifttum stempeln den Zigeuner zum Untermenschen, zum Parasiten des deutschen Volkes."[59]

Die Erinnerungen an diese Grausamkeit in den Konzentrations - und Vernichtungslagern und TrĂ€ume, in denen ihre Erlebnisse bis zum heutigen Tag gegenwĂ€rtig bleiben, brachten Roma dazu, jahrelang ein GesprĂ€ch ĂŒber diese Zeit zu verweigern.
Vor allem der Verlust von Angehörigen und Freunden war groß und in den wenigen, die der Verfolgung entkommen waren, hat somit "das Schweigen alle SĂ€tze aufgefressen. Andere haben niemals geredet - Ihr sprachliches Entsetzten hĂ€lt an."[60] Weil das ErzĂ€hlen oft zu schmerzhaft war, sind uns viele Geschichten ihres Leidens und ihres Überlebenskampfes verlorengegangen ....
Erst in den letzten Jahren, genauer gesagt seit Ende des Zweiten Weltkrieges, haben einige Zigeuner den Weg in die Öffentlichkeit gewagt. Auch wenn es kein leichter Schritt war, begannen sie erstmals schriftlich Zeugnis ĂŒber ihre UnterdrĂŒckung im Nationalsozialismus zu geben. Einerseits schreiben viele, um ihr Leben aus der AnonymitĂ€t zu holen, aber auch um die schrecklichen Erfahrungen der Diskriminierung zu verarbeiten.
Trotzdem ist an dieser Stelle zu erwĂ€hnen, dass heute ein nur recht geringer Prozentsatz unter den Zigeunern, dieses fĂŒr sie neue Medium verwendet, um ihre Umwelt, Lebensweise, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu beschreiben. HĂ€ufig findet nĂ€mlich eine solche Auseinandersetzung mit der jeweiligen Lebenssituation durch musikalische Ausdrucksmittel oder auch im Bereich der bildenden Kunst statt.[61]
Wir leben im Verborgenen. Erinnerungen einer Rom - Zigeunerin. zĂ€hlt somit zu den ersten und wenigen Aufzeichnungen, in denen Roma und Sinti ihre Erinnerungen und Schrecken der Konzentrations - und Vernichtungslager schriftlich festhalten. Genau gesagt ist Ceija Stojka die zweite Autorin, die ĂŒber ihre Erlebnisse als Gefangene berichtet. Ihre Autobiographie erschien erst drei Jahre nach der Herausgabe des Werkes "Zwischen Liebe und Haß" von Philemona Franz. Laut Beate Eder war Stojka und ihrer Herausgeberin Karin Berger diese Autobiographie noch nicht bekannt. "So erklĂ€rt sich auch folgender Hinweis im Vorwort Bergers zu Wir leben im Verborgenen: Ihre Aufzeichnungen sind die bisher einzigen von Roma oder Sinti schriftlich festgehaltenen Erinnerungen an die Schrecken der Konzentrations - und Vernichtungslager.[62] In einem weiteren Aufsatz erwĂ€hnt Beate Eder, dass Roma - Autoren in den meisten FĂ€llen einander gar nicht kannten.[63] Dadurch ließe sich auch die Gemeinsamkeit in der Auswahl der Themen unter den Roma - Autoren erklĂ€ren.
Das Erscheinungsjahr des Werkes Wir leben im Verborgenen ( 1989 ) fĂ€llt genau mit der GrĂŒndung der ersten offiziellen Vertretung von Roma in Österreich, dem Verein "Roma und Sinti - Verein zur Förderung von Zigeunern", zusammen. Dieser Verein hofft vor allem auf ein neues und integratives Zusammenleben von Roma und Nichtroma. Unter der Volksgruppe begann mit dieser GrĂŒndung ein Selbstbewußtsein, sie beginnt sich zur RomaidentitĂ€t zu bekennen. Es kam natĂŒrlich sehr rasch zu Publikationen von Literaturen dieser "Minderheit" und engagierte Autoren und Autorinnen hatten nun die Gelegenheit mit zeitgenössischen Schriftstellern dieser Volksgruppe in Kontakt zu bleiben.


4. 2. Entstehungsbedingungen

Roma und Sinti, die ihre Erlebnisse und Lebensweisen schriftlich festhalten, werden bei ihrer Arbeit mit einer Vielzahl von Problemen konfrontiert. In erster Linie wollen sie mit ihren Verschriftlichungen ihrem jeweiligen Land als gleichberechtigte BĂŒrger anerkannt und nicht als Minderheit an den Rand der Gesellschaft gerĂŒckt werden. (An dieser Stelle möchte ich auf das Interview mit Ceija Stojka hinweisen. Sie war in den letzten Jahren vergebens darum bemĂŒht, das Wort Minderheit nicht lĂ€nger fĂŒr die Volksgruppe der Roma und Sinti zu verwenden. Ceija Stojka nennt Zuwanderer, Migranten, FlĂŒchtlinge und Angehörige ethnischer Minderheiten Wenigerheiten, da sie ja eigentlich dem Merheitsvolk angehören. ) Zuerst stellt sich dem Schriftsteller aus einer Volksgruppe natĂŒrlich die essentielle Frage: In welcher Form soll das literarische Werk veröffentlicht werden?
Die Angst vor Diskriminierung fĂŒhrt in vielen FĂ€llen zur Verleugnung der IdentitĂ€t. Dennoch wĂ€hlen viele Roma - Schriftsteller aus Liebe zu ihrer Volksgruppe und aus Angst vor einem möglichen Aussterben bewußt ihre eigene Sprache, das Romanes.[64] Diese indoeuropĂ€ische Sprache besteht aus einer Vielzahl von Dialekten und ist in ihrer schriftlichen Form bis heute noch nicht standardisiert. NatĂŒrlich kam es in Laufe der Zeit in allen LĂ€ndern, in denen das "wandernde Volk" gelebt hat, zur Aufnahme von Lehnwörtern. "Der Wortschatz der Romadialekte ist vergleichsweise gering: Er setzt sich aus durchschnittlich 1200 Wörtern zusammen, davon entfallen 400 - 600 auf indische Ursprungswörter, der Rest setzt sich aus Lehnwörter zusammen."[65] Heute wachsen Roma, wenn sie auch nicht mehr auf stĂ€ndiger Reise sind, meist zweisprachig auf. Sie beherrschen neben ihrem Dialekt die jeweilige Landessprache. Auch Ceija Stojka spricht in ihrem Interview mit Karin Berger ĂŒber den Gebrauch ihrer Sprache. Auf die Frage, in welcher Sprache die Zigeuner untereinander reden, antwortet sie: "Das [ Romanes ] haben wir schon in der Wiege mitgekriegt. Wir haben Romanes gesprochen und wenn wir unter Gadje waren, Deutsch. ... Es kommt auf meine Laune an."[66]
Meist ergeben sich fĂŒr die Gruppe, die ihrer Muttersprache bei der literarischen Verarbeitung treu bleibt, bei der Publikation eine Reihe von Problemen. Sie werden oft mit der Tatsache konfrontiert, dass nur wenige Verlage BĂŒcher in Romanes veröffentlichen. Die Chancen steigen, wenn es sich um zweisprachige Texte handelt.
Andere Autoren und Autorinnen wĂ€hlen die jeweilige Landessprache, um ihre Anliegen Zigeunern sowie Nicht - Zigeunern nĂ€her zu bringen. Doch in diesem Fall ergeben sich wieder schwierige UmstĂ€nde. Wie sollen sie in der jeweiligen Landessprache epische Werke, Gedichte und TheaterstĂŒcke veröffentlichen, wenn doch ihr Leben vor der Gefangenschaft von mangelnder Schulbildung gekennzeichnet war? Die Autorin Ceija Stojka war nach dem Konzentrationslager selbst um den Erwerb von schulischen Grundkenntnissen bemĂŒht, da sie ohne Schulbildung keine Chancen zum Überleben sah. In einem Interview mit Karin Berger erwĂ€hnt sie, dass sie nach ihrer Entlassung nicht einmal "gescheit" ihren Namen schreiben konnte.[67] Auch wenn es fĂŒr sie nicht einfach war im Alter von dreizehn Jahren gemeinsam mit Kindern aus der 2. Schulstufe den Unterricht zu besuchen, hat sie Lesen und Schreiben gelernt.
Aufgrund sprachlicher Schwierigkeiten bei der Textproduktion kommen dann viele Roma - Schriftsteller zu Herausgebern, mit denen sie gemeinsam das Werk nochmals durcharbeiten. Herausgeber sehen ihre Aufgabe darin, Autoren und Autorinnen, die Schwierigkeiten mit der Sprache haben, zu unterstĂŒtzen, ihre Texte zu perfektionieren und womöglich die "richtigen Worte" zu finden.[68] Sie unterstĂŒtzen sie vor allem darin, in der immer noch fremden Sprache das auszudrĂŒcken, was ihnen ein Anliegen ist. Auch Ceija Stojka erzĂ€hlt im GesprĂ€ch mit uns, wie es zur Veröffentlichung ihrer Autobiographie gekommen ist:

"Ich hab' einen lieben Menschen kennen gelernt - das ist Karin Berger. ( ... ) Sie hat sich bemĂŒht, ... ist zu einem Verlag gegangen und der Verlag, der Verlag wollte die Originale haben. Die wollt ich nicht herausgeben, weil so viele Fehler drin sind, weil ich ja nicht lesen und schreiben .... Also ja, dann hat sie das also in einem ... also richtig getippt."[69]

Wir leben im Verborgenen erschien dann unter der Herausgabe von Karin Berger. Stojkas literarischer Beitrag wurde auch noch durch ein Interview ergĂ€nzt, um so dem Leser mehr Eindruck in die Lebensgeschichte, Denkweisen und Anliegen der Minderheiten in Österreich zu geben. Durch gewisse Leitfragen die in den GesprĂ€chen immer wieder prĂ€sent waren, wie zum Beispiel: "Woher kommen Sie?" "Wie wurden Sie in Österreich aufgenommen?" "In welchem Umfeld sind Sie aufgewachsen?" "Wie und warum haben Sie zu schreiben begonnen?" erfahren wir ĂŒber die jeweilige Lebenssituation der Autoren.
Der Schreibbeginn ist fĂŒr viele Roma, die als Außenseiter und UnterdrĂŒckte im ganzen Land abgestempelt werden, eine schwierige Zeit des Durchhalten. Vor allem Frauen stehen wĂ€hrend ihrer Arbeit am Manuskript vor weiteren Problemen.[70] Von der Volksgruppe werden derartige schriftliche Verarbeitungen nicht als sinnvolle BeschĂ€ftigungen, denen eine Frau nach traditionellen Vorstellungen der Roma - Familien nachgehen soll, anerkannt. Auch Ceija Stojka, die ihre Biographie vor allem wĂ€hrend ihrer Haushaltsarbeit geschrieben hat, erzĂ€hlt in unserem Interview ĂŒber die unterschiedlichen Reaktionen der Verwandten und nĂ€chsten Bekannten. Anfangs wurde "das Geschreibe" von ihrem Bruder als Gekritzel abgewertet. Stojka reagierte auf solche und Ă€hnliche Aussagen mit Antworten wie: "Ich muss geduldig sein und ich muss mir Zeit lassen, irgendwann einmal werden sie einsehen, dass es der richtige Weg ist, nicht."[71] .... In ihrer Geduld hat sie sich dann auf den besten Weg einer Bestsellerautorin gemacht. In Deutschland ist die Autobiographie fast auf jedem Tisch - was Kultur anbelangt - zu finden und im Laufe der Jahre hat es Japan und Amerika erreicht. NatĂŒrlich sind die Geschwister ab einem gewissen BerĂŒhmtheitsgrad stolz auf Schriftstellern und Schriftstellerinnen in der Familie. Es kommen sich dann alle Angehörigen irrsinnig wichtig vor, wenn diese kleine Frau plötzlich mit der Welt zu tun hat, die Hand den Höchsten gibt und mit ihnen GesprĂ€che fĂŒhrt. [72]



4. 3. Textsorte: Autobiographie

In Ceija Stojkas Autobiographie Wir leben im Verborgenen steht die bittere Zeit des Nationalsozialismus, der sich die Roma als erste SĂŒndenböcke erwĂ€hlt hat, im Mittelpunkt ihres ErzĂ€hlens. Die schriftliche Fixierung ihrer Vergangenheit mag unter dem Volk der Roma und Sinti sehr wohl ein neues Ausdrucksmittel sein. In den vergangenen Jahren wurde die Lebensweise dieser Volksgruppe zwar durch Liedtexte, durch ihre Musik, in Legenden und MĂ€rchen ans Tageslicht gebracht, blieb aber vor allem auf die mĂŒndliche Form beschrĂ€nkt. Daher stellt sich bei nĂ€herer Betrachtung von Stojkas Werken die Frage: Was hat Ceija Stojka bewegt, ihre Erinnerungen und Schrecken der Konzentrations - und Vernichtungslager in der Erscheinungsform einer Autobiographie schriftlich zu fixieren?
Das Schaffen von Literatur erhĂ€lt fĂŒr Autoren und Autorinnen durchaus auch eine psychologische und therapeutische Funktion. Durch das "Aufschreiben" sollen die Erlebnisse aus der Vergangenheit bewĂ€ltigt werden.[73] Gerade in der schwierigen Situation der Zuwanderer, Migranten, FlĂŒchtlingen und Angehörige ethnische "Wenigerheiten" kann Schreiben zur Überlebensstrategie werden. In ihrer IdentitĂ€tssuche bedeutet Schreiben zum einen ein Nachdenken ĂŒber sich selbst und die Gesellschaft, aber fĂŒr Angehörige des "Mehrheitsvolkes" auch ein Einblick in das Leben fremder Kulturen. FĂŒr Ceija Stojka war vor allem die Diskriminierung und Verfolgung unter dem Nationalsozialismus ein wichtiger Auslöser die Vergangenheit schriftlich zu fixieren. Sie selbst erzĂ€hlt ĂŒber ihren Schreibbeginn:

"Als ich das Buch geschrieben habe - und das ist die Wahrheit - vor zehn Jahren, da hab ich mich gelöst, also den Druck aus meinen Bauch, wo man immer gesagt hat "AusschwitzlĂŒge" und "das Gelogene", wo dann mein Bruder ....., also ich hab nicht geschrieben fĂŒr die Öffentlichkeit, ich hab fĂŒr mich geschrieben."[74]

In den Jahren nach dem Aufenthalt im Konzentrationslager gab es in ihrem Leben keine Bezugsperson, mit der sie Erfahrungen und Erlebnisse ihrer Verfolgung austauschen konnte oder die ihren ErzĂ€hlungen zugehört hĂ€tte. All den Bekannten und Familienangehörige, die die Zeit in den Vernichtungslagern miterlebt haben, fiel es schwer, sich ihre Erinnerungen wieder ins GedĂ€chtnis zu rufen. Es gibt zwar auch heute noch viele Menschen, vor allem Jugendliche, die ĂŒber das Leben in den Konzentrationslagern erfahren wollen, doch meist können sie nicht konzentriert zuhören oder sich nur schwer in die Zeit der Verfolgung und Ausbeutung zurĂŒckversetzen.
In ihrem GesprĂ€ch bedauert Ceija Stojka, dass sie eigentlich nie mit ihrer Mutter ĂŒber die Verfolgung der Zigeuner gesprochen hatte. Sie hatte ja ohnehin soviel Kummer gehabt und deshalb wollte sie Ceija nie damit belasten. Da sie auf ihrer Wanderung durch das weite Land mit ihrer Mutter auf engsten Raum zusammengelebt hatte, kam es natĂŒrlich immer wieder zum Austausch von Erinnerungen:

"... wĂ€hrend ich mit meiner Mutter immer wieder - auch als ich schon Frau war ja, und schon Großmutter geworden bin - Erinnerungen ausgetauscht habe. Zum Beispiel von der Kartoffelschale, die eine Frau, also eine Weißrussin, verloren hat. Und ja, da hab ich gesagt: "Mama kannst dich erinnern?" und sie hat immer gesagt: "Ja, wenn du schĂ€lst eine Kartoffel - dann schĂ€l sie dick!" Das sind die Erinnerungen die in mir stark hochgekommen sind: "Mama, kannst du dich erinnern, wenn das noch stĂ€rker gewesen wĂ€re, hĂ€tten wir noch mehr Kraft gehabt."[75]

Doch der Schmerz war immer zu groß. Es kam nie zu einer Fortsetzung der GesprĂ€che oder zu einer BewĂ€ltigung der Vergangenheit. "Ja sie hat immer nur angedeutet, aber sie konnte nie etwas ganz zu Ende ... - dann ist schon der Schmerz gekommen. Und dann waren ihre Augen schon ganz glĂ€srig gell, diese blauen Augen, und ich musste schon mit meiner Stimme spielen..."[76] Somit könnt diese Autobiographie auch als Ersatzmedium zur Konversation mit der Mutter betrachtet werden.
Wieder an einer anderen Stelle in unserem GesprĂ€ch erzĂ€hlt die Autoren: "Ich hab fĂŒr mich geschrieben und wenn ich die Augen zumache: fĂŒr meine Kinder."[77] Musik und Gesang spielen
im Leben der Roma und Sinti ja eine Ă€ußerst wichtige Rolle. In einem anderen Interview mit Karin Berger im Anschluß an das Werk Reisende auf dieser Welt erzĂ€hlt sie:

"Der Wald rauscht, die Vögel fliegen ĂŒber dich, die Sonne lacht, du spĂŒrst das Gras wachsen, zwischen den Zehen, da kann man nicht einfach nur stumm sein. Man muss, ob man will oder nicht, sich irgendwie ausdrĂŒcken, ob es in Liedform ist oder in Gedichten oder indem man Geschichten erzĂ€hlt. Und der Rom singt. Er singt ĂŒber alles, es gibt nichts, worĂŒber er nicht singt."[78]

Durch Lieder werden Geschichten erzĂ€hlt, Lebenserfahrungen ausgetauscht, Gesetzte vermittelt, Traditionen weitergegeben aber auch GĂ€ste willkommen geheißen und geehrt. Im Volk der Zigeuner war die Weitergabe traditioneller Romamelodien und Liedtexten vor allem den Frauen zugeschrieben. Ceija Stojka ließ sich diese Aufgabe und Stellung natĂŒrlich nicht nehmen. In ihren Augen musste die Weitergabe von Traditionen eine lebendige sein und da auf Grund der geĂ€nderten LebensumstĂ€nde eine Weitergabe durch Musik kaum mehr vorhanden ist, hĂ€lt sie ihre Lebenserfahrungen fĂŒr die nachkommenden Generationen in schriftlicher Form fest.
Es gibt unterschiedliche GrĂŒnde, die zur Produktion schriftlicher Literatur gefĂŒhrt haben. Sicher jedoch ist, dass Ceija Stojka in ihrer Autobiographie die schrecklichen Erlebnisse aus der Vergangenheit zu verarbeiten versucht. Andererseits holt sie mit ihren Werken die Volksgruppe der Roma und Sinti aus der AnonymitĂ€t und dem Verborgenen und kĂ€mpft engagiert um deren Anerkennung unter dem "Mehrheitsvolk".
4. 4. Handlungs - und ErzÀhlzusammenhÀnge

In ihrer Autobiographie Wir leben im Verborgenen berichtet Ceija Stojka von den unfaßbaren Schrecken in den Lagern des Hitlerregimes. Es ist sehr schwierig anhand dieses Werkes eine chronoligische Biographie von dieser Roma - Schriftstellerin zu erstellen. In den Konzentrationslagern war ihr Zeit - und RaumgefĂŒhl komplett anders als in den ĂŒbrigen Jahren ihres Lebens. In den Lagern konnte sie keine genauen Tage, Monate und Jahre wahrnehmen und fand einzig und allein an den Jahreszeiten ihre Orientierung. So nennt sie in Wir leben im Verborgenen nur ungenaue und wage Datumsbezeichnungen, wie zum Beispiel: "Es muss einen Tag vor Jahreswechsel gewesen sein."[79] Trotzdem erzĂ€hlt sie all die Stationen in der Zeit ihrer Verfolgung in chronologischer Abfolge: Kurz vor der Beerdigung ihres Vaters wird die Familie nach Birkenau gebracht, wo ihr kleiner Bruder an den Folgen von Bauchtyphus stirbt. Als Birkenau aussortiert wird, kommt es zur Trennung der Familie. Ceijas BrĂŒder mĂŒssen andere Wege gehen, und die Schwester Mitzi wurde schon zuvor einem anderen Arbeitslager zugeteilt. Gemeinsam mit ihrer Mutter kommt das kleine MĂ€dchen nach Ausschwitz. Nach einem kurzen und grauenvollen Aufenhalt geht es dann weiter in das Frauenlager RavensbrĂŒck, wo ihrer Aussage nach die SS - Frauen noch schlechter als jeder Satan waren[80]. Mit viel GlĂŒck gelingt ihnen der Transport auf einem Lastwagen in das Arbeitslager Bergen - Belsen, wo sie nach einer schrecklichen Zeit, die wiederum von Hunger und Not gekennzeichnet war, endlich von den EnglĂ€ndern befreit wurden.
Das Buch selbst besteht aus zwei Teilen. Im ersten Abschnitt wird der Leser mit den Erfahrungen und Erlebnissen der NS - Zeit aus der Sicht eines ZigeunermĂ€dchen konfrontiert. Anschließend spricht die ErzĂ€hlerin in einem Interview mit der Herausgeberin Karin Berger als Erwachsene ĂŒber die aktuelle Situation der Roma in Österreich. Sie erinnert sich an die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, in der sie mit ihrer Familie und anderen Roma mit Roß und Wagen durch Österreich reist.
In der Autobiographie, im ersten Teil des Buches, hingegen wĂ€hlt die Autorin nicht die Perspektive des zurĂŒckblickenden Erwachsenen sondern die eines Kindes, das erlebt, beobachtet und beschreibt[81]. Sie selbst hat ja auch den Aufenthalt in den Konzentrationslagern, der sie fĂŒr das weitere Leben sehr geprĂ€gt hat, als Kind erlebt.
Wie schon zuvor erwĂ€hnt, bedeutet dieses ErzĂ€hlen aus der Sicht eines Kindes ein "Sich - ZurĂŒckversetzten" und ein "Wieder - Erleben", genau wie all ihre spĂ€teren Besuche in den ehemaligen Arbeitslager. Aus GesprĂ€chen mit ihr geht hervor, wie genau sie in Erinnerung behĂ€lt, wo all die Baracken gestanden sind, wo das Krankenlager war, in dem ihr kleiner Bruder Ossi gelegen und gestorben ist. Jedesmal hat sie den Berg der Toten unmittelbar vor den Augen und in jedem Regenguß und Wind, der durch ihr Haar weht, sieht sie eine BegrĂŒĂŸung von den Familienangehörigen und Freunden, die dort ihr Leben lassen mussten.[82]
Auffallend ist auch, dass im Laufe der ErzĂ€hlung nie von Krieg die Rede ist. Stojka verwendet diesen Ausdruck kaum und beschreibt auch keine genaue Daten aus den Kriegsjahren. Wichtig erscheinen fĂŒr sie einzig und allein die Jahre 1939, als Zigeunern das Herumreisen verboten wurde, und 1943, das Jahr ihrer Verhaftung. Ihre Unwissenheit ĂŒber das Kriegsgeschehen kommt vor allem ans Tageslicht wenn sie schreibt: "Er war "Reinarier" und irgendwo in Österreich eingerĂŒckt."[83]



4. 5. Eigenarten ihres Schreibens

Als kleines ZigeunermĂ€dchen erlebt Ceija Stojka die Ausbeutung in den Vernichtungslager auf ihre eigene Art und Weise, wie sie es spĂ€ter auch auf Papier bringt. Typisch fĂŒr diese ErzĂ€hlung aus der Perspektive eines Kindes sind die kurzen und einfachen SĂ€tze. So verzichtet sie bewußt auf eine komplizierte und "hochtrabende" Sprache, wodurch ihre ErzĂ€hlung einem GesprĂ€ch gleicht. Dementsprechend unterstreicht auch die Wahl der Wörter ihre kindliche Tendenz. Neben der Form "meine / unsere Mutter" benutzt sie des öfteren den Ausdruck "meine Mama", der uns ja aus den Mund eines Kleinkindes bekannt ist. Diese kindliche Sprache und Sichtweise bieten dem Leser die beste Möglichkeit, das Erlebte möglichst genau erahnen zu können, sich mit dem Leben der verachteten Minderheiten zu identifizieren und gibt das GefĂŒhl, direkt am Schauplatz des Geschehen anwesend zu sein.
Kennzeichnend fĂŒr diese kindliche ErzĂ€hlweise sind unter anderem der wiederholte Stimmungswechsel und die Gabe Kleinigkeiten als "schön" bzw. "herrlich" zu empfinden.[84] Als das ZigeunermĂ€dchen ĂŒber den Transport von Auschwitz in das Frauenlager RavensbrĂŒck erzĂ€hlt, spĂŒrt der Leser zum ersten Mal eine Erleichterung unter den KZ - HĂ€ftlingen, da ja bekannt ist, dass sich in Auschwitz die meisten Gaskammern befinden. Den Gefangenen ist es verboten, auf der Fahrt nur ein einziges Wort miteinander zu sprechen, und daher bringt die Autorin ihre Beobachtungen aus der Landschaft, die sie mit einem "Personenzug" durchqueren, auf Papier. Es ist fĂŒr sie einfach ein herrliches GefĂŒhl, in einem "richtigen Personenzug" mit vier oder fĂŒnf Waggons und BĂ€nken darin, auf denen sie sogar Platz nehmen durften, zu fahren.[85] Auch hier wird dem Leser wieder bewußt, welch eine Aufmerksamkeit das MĂ€dchen den Kleinigkeiten und alltĂ€glichen Dingen schenkt, wie sehr sie bei ihren Beobachtungen ins Detail geht. Auf dieser Fahrt wundert sie sich weiters ĂŒber "richtige" Menschen, die auf dem Acker arbeiten und ĂŒber "richtige" BauernhĂ€user. FĂŒr sie ist es ein besonderes Erlebnis den Alltag der "freien" Bevölkerung bewundern zu können, da ihr die Gefangenschaft in den Konzentrationslagern das GefĂŒhl gab, alleine auf der Welt zu sein und als niedriger und unwĂŒrdiger Mensch zu leben. FĂŒr die Menschen hingegen war dies kein besonderer Zug, denn alle ZĂŒge, die von einem Vernichtungslager zum anderen unterwegs waren, glichen einander. Wenn auch Gefangene auf diesen ZĂŒgen transportiert wurden, mussten sie nur tatenlos zusehen und widerstandslos schweigen.
Auffallend an dieser Stelle ist auch, mit welcher Art von Adjektiva die Autorin die Landschaft beschreibt:

"Also schauten wir alle aus dem Fenster, wir waren ja in der Freiheit. Wir sahen richtige Menschen, die auf dem Acker arbeiteten. Die einen mĂ€hten das Gras, die anderen setzten irgendetwas in den guten Boden. Wir sahen braune, schöne KĂŒhe und Arbeitspferde, mitunter sogar einen Hasen und fröhliche, gutaussehende Kinder mit ihren MĂŒttern. FĂŒr Minuten vergaßen wir alles. Der Zug fuhr etwas langsamer, wir sahen richtige BauernhĂ€user mit Vieh und Menschen. FĂŒr sie war es kein besonderer Zug, denn es war ein Zug wie jeder andere. Bald fuhr der Zug immer schneller, die BauernhĂ€user wurden immer kleiner. Nun ging es auf einer langen Ebene dahin, es gab keine Straßen und keinen Weg, nur Wiesen und Wald."[86]

Der "gute Boden", die "schönen KĂŒhe", der Anblick eines "Hasen", "die fröhlichen und gutaussehenden Kinder mit ihren MĂŒttern" zeigen die positive und glĂŒckliche Stimmung des kleinen ZigeunermĂ€dchens. Die wunderschöne Landschaft mit "dem frisch gemĂ€hten Gras", dem "guten Boden" und die "Wiesen und WĂ€lder" geben den Gefangenen ein GefĂŒhl der Freiheit. FĂŒr kurze zeit wird hier vielleicht ein Traum von einer anderen, besseren Welt war. FĂŒr Minuten vergaßen sie sogar ihr Schicksal, die Gefangenschaft und Trauer um die sterbenden Freunde und Familienangehörige. Dieser Ausschnitt erinnert genau an die ErzĂ€hlungen von Ceija Stojkas weiteren Werk Reisende auf diese Welt. Aus dem Leben einer Rom - Zigeunerin. In diesem Buch erzĂ€hlt die Schriftstellerin ĂŒber die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, als sie mit ihrer Familie und Freunden durch Österreich unterwegs war. Auch diese Reisen mit "Roß und Wagen" schenkten ihnen eine Reihe von schönen Naturbildern, die dem MĂ€dchen auf der Fahrt in das Frauenlager wieder ins GedĂ€chtnis kommen. Gerne denkt sie zurĂŒck an die Zeit, als sie an einem Lagerplatz vor dem Wald Rast gemacht haben, beim Lagerfeuer getanzt und gesungen und manchmal sogar im Freien ĂŒbernachtet haben.
Kurz darauf wird das ZigeunermĂ€dchen zusammen mit ihren Genossinnen in das Frauenlager eingeliefert. Es kommt zu einem plötzlichen Stimmungswechsel. Wie ein Kind, dem beim Lachen noch die TrĂ€nen von zuvor ĂŒber das Gesicht laufen, schreibt sie nun in einer ganz anderen Sprache, verwendet eine unterschiedliche Art der Adjektiva. Im Gegensatz zu den wunderschönen Landschaftsbildern mit den saftgrĂŒnen Wiesen und WĂ€ldern, regiert hier die nĂŒchterne und bittere Sprache des Konzentrationslagers. Das MĂ€dchen hat nun wieder die braungrĂŒne Uniform der SS - Soldaten vor den Augen, die Beleuchtung war ziemlich dĂŒster und noch dazu war es schon finster, als sie das Lager betraten:

"Sie waren bei Gott keine sanften Frauen. Sie ĂŒbernahmen das Kommando und schrien: "Alles antreten. Marsch, Marsch!" Nun standen wir alle wieder beisammen. Die Beleuchtung war ziemlich dĂŒster. Wir mussten nicht weit gehen, schon waren wir durch das Tor: Das war das Frauenlager RavensbrĂŒck. Wir marschierten, es war schon ganz finster..... Ein KnĂŒppelschlag machte dem ein Ende."[87]

In all ihren Werken verwendet Ceija Stojka Bilder aus der Natur und ganz unterschiedliche Landschaftsbilder. In einem GesprĂ€ch erzĂ€hlt sie einmal: "Natur ist mein Leben, ich halte mich gerne an einen Baum an."[88] Auch aus dem Arbeitslager in Bergen - Belsen wird ihr ein Baum, der vor ihrer Baracke gestanden ist, ewig in Erinnerung bleiben. Sie nannte diesen schönen Baum, dessen krĂ€ftige Äste bis auf den Boden reichten, Lebensspender, denn er löschte immer wieder Durst und Hunger, gab neue Energie und Kraft, die ja lebensnotwendig war. Er hatte schöne, dicke hellgrĂŒne BlĂ€tter und durfte natĂŒrlich in ihrer ErzĂ€hlung nicht fehlen. Die dicken BlĂ€tter enthielten einen sĂŒĂŸlichen Saft, der fĂŒr die Kinder als Lebensspender wirkte.[89] Des öfteren gab ihr die Mutter den Rat: "Nimm und iß, es [ die dicke, gelblich, weiße Masse aus den blĂ€ttern des Baumes ] ist sehr gut, du wirst sehen. Nun wirst du so stark wie dein Lebensspender."[90]
Im Laufe der ErzĂ€hlung stĂ¶ĂŸt der Leser immer wieder auf Zitate aus der Bibel. Im Frauenlager RavensbrĂŒck wird ihr zum ersten Mal der Unterschied zwischen den hĂŒbschen SS - Frauen und den abgemagerten Gefangenen bewußt. Als die Kinder einen Streifen mit der Aufschrift "Arbeitsscheu" auf die linke Seite ihrer Kleider nĂ€hen mussten, fiel Ceija das Zitat aus der Bibel ein: "Nun waren wir alle gekennzeichnet: Der letzte Abschaum der Menschheit"[91] In ihrer Not beteten sie öfters zu Gott, und als ihre Mutter einmal die "Stubenfreunde" mit den Worten beruhigte: "Vielleicht hilft uns jetzt Gott, wir mĂŒssen alle fest daran glauben.", hatten die Frauen plötzlich nicht mehr so viel Angst und ihre Hoffnung wuchs von neuem.[92] Diese AusdrĂŒcke und Ausrufe zeigen, wie fest sie an Gott glaubt und trotz ihrer Not und Elend auf ihn beharrt. Immer wieder schöpft sie neue Kraft aus dem Glauben und hĂ€lt durch bis zum Ende.
Hier stellt sich natĂŒrlich die Frage, ob Ceija Stojka durchgehend in ihrem Werk ein Kind erleben und erzĂ€hlen lĂ€sst. Die ErzĂ€hlerin unterbricht auch öfters ihre Schilderung mit Ausrufen, die sie in Klammer setzt. In den Überlegungen: "Aber wie konnte ein Kind arbeitsscheu sein?" oder "Wir waren gekennzeichnet: der letzte Abschaum der Menschheit" spricht sicherlich nicht ein Kind, sondern die Erwachsene, die ĂŒber das Geschehen reflektiert.[93] Leider Gottes bleibt der wahrhaftige Grund fĂŒr diese EinschĂŒbe, die in der Autobiographie eher selten sind, jedoch auch noch nach unserem GesprĂ€ch mit der Roma - Schriftstellerin ungeklĂ€rt ....








    6. Figurendarstellungen

    6. 1. Darstellung der Mutter

Ceija Stojkas ErzĂ€hlung kreist immer wieder um die Gestalt ihrer Mutter. Als ihr Vater, noch bevor sie in das Konzentrationslager gebracht wurden, sterben musste, bleibt die Mutter die einzige Bezugsperson fĂŒr die Kinder und fĂŒr Ceija ĂŒber ihren Tod hinaus. Ihre Mutter war eine "tapfere und kluge Frau" und fĂŒr Ceija galt sie als "Vorbild", wie eine Frau ihr Leben meistert, und ein Hoffnungsschimmer in jeder aussichtslosen Situation in den Konzentrations - und Vernichtungslagern. Mit nur wenigen Worten erzĂ€hlt die Rom - Schriftstellerin ĂŒber die Beziehung zur Mutter:

"Man muss sich vorstellen: ein Kind das immer bei der Mutter ist, gell. Und erst, ah, dann losgelassen wird, wenn es also das Leben fordert. Ich war immer im KZ mit der Mama. WĂ€r' sie nicht gewesen, hĂ€tt' ich nicht durchg' halten, und bin dann auch sehr frĂŒh Mutter geworden - mit 16 hab ich schon einen Buam g' habt und hab mein Leben gemeistert heut. Und das Leben was mich geprĂ€gt hat, ist auch heute noch in mir drinnen."[94]

Auch nach der Verhaftung des Vaters hat die Frau, obwohl sie mit ihrer Familie vor den TrĂŒmmern ihrer Existenz stand, das Leben tapfer gemeistert. Im ersten Teil der ErzĂ€hlung Weihnachten, schildert Ceija die grauenvollen Tage nach dem Tod ihres Vaters. Als sich die Feiertage um Weihnachten nĂ€herten, stand sie mit sechs Kindern alleine in der elenden Welt.
Nichts desto trotz faßte sie den Mut, ein traditionelles Fest mit WeihnachtsmenĂŒ und einen reichlich geschmĂŒckten Christbaum zu gestalten.
In ihrer Autobiographie Wir leben im Verborgenen legt Ceija Stojka besonderen Wert, die Verhaltensweise und Einstellungen der Mutter herauszuarbeiten. Ihre Verzweiflung und Mißhandlungen, die sie in Gefangenschaft erdulden muss, prĂ€gen sich dem Kind besonders im GedĂ€chtnis.[95] Bis zum heutigen Tag blieben die Tage nach dem Tod ihres Vaters in Erinnerung. Einzig und allein die Mutter war es, die alle Versuche unternommen hatte, die Urne aus Dachau zu bekommen. Die Knochen gab sie dann in ein eigens dafĂŒr angefertigtes TĂ€schchen, das sie bis zu einem bestimmten Zeitpunkt um den Hals gebunden hatte. Im Konzentrationslager kam eines Morgen ein SS - Mann herangetreten und schrie: " "Du Kreatur, was hast du um deinen Hals?" Er riß ihr das kleine TĂ€schchen mit Vaters Knochen herunter und warf es in den Abfluß. Dann schlug er ihr ins Gesicht."[96] Das MĂ€dchen wußte zu diesem Zeitpunkt genau, auf welch einer Art und Weise diese Gewaltanwendung fĂŒr die Mutter Schmerz hervorrief, da sie eine glĂ€ubige Zigeunerin war und nach den Traditionen der Roma lebte.
In ihrem Werk prĂ€sentiert Ceija Stojka die Mutter als eine "Überlebenshilfe" fĂŒr die Familie wie auch fĂŒr Mitbewohner in den Baracken. Schon vor ihrer Verhaftung, als die Familie sozusagen "Auschwitz in der Freiheit spĂŒrte" sorgte die Mutter um das tĂ€gliche Brot fĂŒr die Kinder. Sei schreckte niemals davor zurĂŒck, die kleine HolzhĂŒtte, die von den SS - Leuten mit einem Gitter umzĂ€unt wurde, zu verlassen und von irgendwoher Brot, Milch und an besonderen Tagen sogar einen Topf voll Gulaschsuppe zu organisieren. Sie war es, die ihren SprĂ¶ĂŸlingen den Umgang mit den SS - Frauen und MĂ€nner lehrte und immer offenes Ohr fĂŒr neue Organisationen hatte. So lehrte sie, zum Beispiel, was die Kinder sagen sollten, wenn die SS - Soldaten Fragen stellten: "Dann sollten wir sagen: "In diesem Kamin und in diesem Ofen dort wird fĂŒr uns alle das tĂ€gliche Brot gemacht." Doch wir wußten alle, um was es ging."[97] Ein weiteres Mal versucht ihre Mutter heimlich RĂŒben von einem Lastauto zu stehlen, wird dabei aber ertappt. Ein SS - Mann schlĂ€gt ihr mit einem HolzkĂŒbel auf die Hand, sie war ganz blutunterlaufen. Die Wunde erinnerte sie bis ans Lebensende an diese Heldentat. Die RĂŒbe jedoch ließ sie nicht fallen und "sicherte" den Kindern und Mitbewohnern ein Überleben fĂŒr weitere Tage. Wie ihre Mutter suchte auch das MĂ€dchen Ceija immer wieder nach einer Gelegenheit, wo sie etwas organisieren könnte. "Wenn mir meine Mama nicht gesagt hĂ€tte, du bist du, dann hĂ€tte ich mich gar nicht getraut,"[98] erzĂ€hlt sie spĂ€ter im GesprĂ€ch mit Karin Berger. Im GesprĂ€ch mit ihr beschreibt sie ihre Mutter:

"Und fĂŒr mich war meine Mutter das Ă€h ... wenn sie mich mit ihren Augen gesehen hat, habe ich den Hunger und den Durst und alles vergessen, weil es war jemand da, der ein StĂŒck mir gehört, wo ich Fleisch und Blut bin, ja. Das war diese WĂ€rme, obwohl es eiskalt war, aber sie hat zu mir gesagt: "Du musst durchhalten, wir mĂŒssen stark sein! Du bist du, Ceija, du bist du. Nur du kannst deinen FĂŒĂŸen jetzt das sagen, dass sie laufen und dass sie warm werden."[99]

Stojka schildert genau die Verhaltensweisen der Mutter. Sie beschreibt all das Elend, das sie durchhalten muss. Aber dennoch beharrt sie im starken Glauben an Gott und hÀlt durch bis zur Befreiung durch die EnglÀnder.
Bewundernswert ist auch, wie sehr Liebe und körperliche NĂ€he in ihrer Familie zĂ€hlt. Liebe, Freiheit und körperliche NĂ€he bedeuten einen inneren Schutz, der im schrecklichen KZ Alltag neue Kraft verleihen kann. Ihre Mutter unterstĂŒtzt sie in schwierigen Lagen mit den Worten: "Haltet euch immer an mir fest."[100] Auch in den Baracken "sicherte" der Zusammenhalt der MĂŒtter das Leben, denn sie teilten stets Brot oder Kartoffeln untereinander.[101] Als sie im Frauenlager RavensbrĂŒck am ersten Abend in die vorgesehenen Baracken kamen, durften sie nicht miteinander reden, aber ihre HĂ€nde streichelten einander.[102] Wieder ein anderes Mal erzĂ€hlt sie ĂŒber ihren kleinen Bruder Ossi, der im Krankenlager an Bauchtyphus starb. Nachts schlich sie zu ihm ins Bett und versuchte ihn mit aufmunternden Worte zu trösten.


    6. 2. Darstellung des Vaters

Wie schon zuvor erwÀhnt kreist Stojkas ErzÀhlung vor allem um die Gestalt der Mutter, wÀhrend ihr Vater in der Autobiographie nur selten erwÀhnt wird. Vielleicht auch deshalb, weil er kurz vor der Verhaftung der Familie verstorben ist. Er wurde im Jahre 1941 von der Gestapo verhaftet und seitdem hat ihn die Familie nicht wieder gesehen.
Dennoch ist ihr Vater bis zum heutigen Tag in Erinnerung geblieben. Er war ein sehr charmanter Mann, beliebt unter den Zigeunern sowie den Nicht - Zigeunern. Heute sieht sie den Vater noch vor ihren Augen: "Seinen Pepitaanzug hat er angehabt, er war so ein fescher Mann. Wir waren immer sehr stolz auf ihn. Im Auto hat er sich noch umgedreht und gewunken. Das war das Letzte von ihm fĂŒr mich. FĂŒr uns Kinder war es ein Schock, dass er nicht mehr gekommen ist."[103]
Ihr Vater war ein sehr geschickter Mann, er hat immer Sensationen hervorgebracht. Einmal ist er gekommen und hat Ceija einen wunderschönen Sonnenschirm gezeigt, doch er war kaputt. SÀuberlich hat er den Stoff, er war reine Seide, gelöst und einen "Sonnenrock" daraus genÀht. Mit diesem Rock ist sie dann auch verhaftet worden und hat ihn bis nach Auschwitz gebracht. Dort wurde er dann weggenommen, genau wie die Gestapo der Familie den Vater weggenommen hat.
Noch heute trauert sie ihm nach, vor allem wenn sie andere MĂ€dchen beobachtet, die stolz mit ihrem Vater auf der Straße spazieren.


    6. 3. Darstellung der SS - MĂ€nner und Frauen

In der Autobiographie konfrontiert die ErzĂ€hlerin ihr Leserpublikum mit einer ausfĂŒhrlichen Berichterstattung des Alltags in den Konzentrations - und Vernichtungslagern. Die MĂ€nner, die die Gefangenen in den Lagern tyrannisieren und laut ihrer ErzĂ€hlung wie Tiere behandeln, beschreibt sie immer wieder als "groß und schlank", "mit einer Zigarette im Mund" und auch die "hochpolierten Stiefeln, die in der Sonne glĂ€nzten und bei jedem Schritt, den sie machten, knirschten" werden ihr in ewiger Erinnerung bleiben: "Die SS - MĂ€nner waren sehr groß und schlank, ich sah immer nur auf ihre hochpolierten Stiefeln. Sie rauchten eine Zigarette um die andere und man konnte sehen wie sie sich amĂŒsierten."[104]
Das Bild der "hochpolierten Stiefeln" kehrt in der ErzĂ€hlung immer wieder und ist auch fĂŒr Ceija Stojka zu einem beliebten Motiv, das sie in ihren Bildern und Gedichten verarbeitetet, geworden. Diese Stiefeln mĂŒssen fĂŒr das Kind so bedrohlich wie Maschinengewehre gewirkt haben. Mit ihnen konnten die Gefangenen ja auch getreten werden, was in den meisten FĂ€llen fĂŒr die Opfer auch tödlich endete.
Die SS - MĂ€nner waren so arg, dass auch Tiere nicht so böse sein konnten, denn selbst ein wildes Tier wird einmal mĂŒde und gibt auf. FĂŒr die Gefangenen nahmen die Qualen jedoch nie ein Ende, die SS - Soldaten gaben niemals auf.[105] Auch an Hand ihrer Sprache erkennt der Leser die Einstellung der SS - MĂ€nner zu den Gefangenen. In nur kurzen und prĂ€gnanten SĂ€tzen teilen sie ihre Befehle aus und zeigen keinerlei GefĂŒhle fĂŒr die verfolgten und gejagten Gruppe der Gesellschaft.
Vergeblich versucht das ZigeunermĂ€dchen immer wieder vom Äußeren eines Menschen innere Werte abzuleiten.[106] In ihrer kindlichen NaivitĂ€t ist es fĂŒr sie unvorstellbar, dass "hĂŒbsche" und elegant gekleidete Soldatinnen kein Mitleid fĂŒr die leidenden und verfolgten Frauen verspĂŒren. Ceija Stojka erzĂ€hlt auch einige Szenen aus dem Frauenlager und beschreibt sehr ausfĂŒhrlich das Aussehen und die Verhaltensweise der SS - Frauen: Sie waren meist große, vollschlanke, blonde und elegant gekleidete Frauen. Ihre Haare waren zu einem kunstvollen Knoten zusammen gesteckt und die MĂŒtze saß immer perfekt. Wieder bleiben ihr die wunderschönen Lackstiefeln in Erinnerung und ihr Blick wirkte sehr streng und eisig kalt.[107] In der Sprache unterscheiden sich die Frauen kaum von ihren mĂ€nnlichen Genossen. Wieder schreien sie, ohne die Miene zu verziehen oder GefĂŒhle zu zeigen: "Los, alles raus, aber dalli dalli!"[108]
Im Unterschied zu den SS - Frauen sahen die Gefangenen ganz erbĂ€rmlich aus. Die Frauen waren abgemagert und ganz grau im Gesicht. Sie hatten keine Kleider mehr, nur kaputte Decken hingen ĂŒber ihre Schultern wie auf Kleiderhacken. Auch die gesunden und gut ernĂ€hrten SS - MĂ€nner standen im krassen Gegensatz zu den Gefangenen. Das MĂ€dchen musste sich an den Anblick Kranker, Sterbender und Toter in den KZ gewöhnen. Der Haufen von Toten tĂŒrmte sich vor den Baracken, Juden wurden verbrannt und der Menschenstaub wehte durch die Lager, in denen die Soldaten aber auch die Gefangenen den Staub einatmeten. In den Vernichtungslager wurden Zigeuner wie auch andere Randgruppen der Gesellschaft ihrer IdentitĂ€t beraubt, nicht mit Namen angesprochen sondern mit Registriernummern abgestempelt. Frauen und junge MĂ€dchen wurden durch Sterilisation unfruchtbar gemacht, um somit ein Aussterben der Minderheit zu sichern.
An einigen Stellen versucht Ceija Stojka die Verhaltensweise der SS - MĂ€nner und Frauen zu rechtfertigen. Auf ihrer Fahrt in das Frauenlager erzĂ€hlt die Autorin ĂŒber SS - MĂ€nner die keine Freude gehabt haben, sie wĂ€ren viel lieber bei ihrer Familie geblieben. Doch sie mussten auch ihren Dienst tun und ließen ihren Frust einfach an den Insassen aus.[109] FĂŒr Stojka ist es ganz klar, dass diese MĂ€nner, die vielleicht gerade geheiratet haben, eine Familie zurĂŒckgelassen haben und dann in Auschwitz diesen Wahnsinn miterleben mussten, folgende Worte von sich gaben: "Diese Kreatur, wenn die nicht da wĂ€re, dann wĂ€re ich zu Hause!"[110]


    6. 4. Darstellung zwischenmenschlicher Beziehung

Ceija Stojka schreibt in ihrer Autobiographie auch ĂŒber die zwischenmenschliche Beziehung in den Konzentrationslagern, ĂŒber den Zusammenhalt der Frauen und ĂŒber die diversen Gelegenheiten, in denen sich neue Freundschaften gebildet haben. Hat eine Frau einen breiten Rock getragen, dann hat sie sofort einen Teil abgeschnitten und zu ihren Bekannten gesagt: "Du, du kannst aus den den Kindern Unterhemderln machen." Auf dieses Art und Weise haben die Frauen mit ihren Kindern auch ĂŒberleben können und jederzeit anderen Leidenden soweit es möglich war Hilfe geleistet.[111] FĂŒr einen Zigarettenstummel haben die Frauen von ihren mĂ€nnlichen Nachbarn öfters ein StĂŒck Brot erhalten; es gab sehr einfallsreiche Methoden des Tauschhandels.
Die Minderheiten haben sich untereinander niemals diskriminiert. Alle Gefangenen haben miteinander gelitten und es ist selten vorgekommen, dass der einen den Nachbarn nach seiner IdentitÀt gefragt hÀtte.
Im Frauenlager RavensbrĂŒck waren es die MĂŒtter, die immer sehr fest zusammenhielten. Ceijas Mutter organisierte öfters Brot oder Kartoffeln fĂŒr ihre Kinder aber auch andere Mitbewohner aus den Baracken. Unter den Gefangenen herrschte dann Freude, ein herrliches und unvergeßliches GefĂŒhl, das sie durch ihre Lieder zum Ausdruck brachten.
In unserem GesprĂ€ch mit der Autorin erzĂ€hlte sie auch ĂŒber ein kleines MĂ€dchen namens Resi. Als Kind suchte sie immer wieder Gelegenheiten, um in den Baracken und dort gegrĂŒndeten Gemeinschaften irgendwas organisieren zu können. Einmal war es die StubenĂ€lteste, die Hilfe benötigte, und ein anderes Mal half sie einfach den Mist zu beseitigen.[112] So lernte sie auch das MĂ€dchen Resi kennen, die um einige Jahre Ă€lter als sie war. Da Resi ohne ihre Eltern in der Baracke lebte, sagte Ceija zu ihrer Mutter: "Mama, die hat niemanden!" Ab diesen Zeitpunkt sind die MĂ€dchen immer wieder zusammen umhergezogen, bis Resi abgeholt wurde und nach der Sterilisation verstorben ist.
Der Zusammenhalt in den Vernichtungslagern und die freundschaftliche Beziehung, von der bei Ceija Stojka immer wieder die Rede ist, haben bei einigen wenigen zum Überleben beigetragen. Gemeinsam haben sie es geschafft, die Not und Qualen zu ertragen und waren stets zu gegenseitiger Hilfe bereit.






    7. Funktion ihres Schreibens und Adressatenbezug

Der Leser stellt sich natĂŒrlich nach ausfĂŒhrlicher LektĂŒre eines Werkes die Frage: "Was will der Autor / die Autorin mit diesem Buch aussagen?". Um die Frage in diesem Fall beantworten zu können, werfen wir einen Blick auf die letzte Seite der Autobiographie. Hier schreibt Ceija Stojka ĂŒber das Schicksal ihrer Volksgruppe: "Aber wir mĂŒssen hinausgehen, wir mĂŒssen uns öffnen, sonst kommt es noch so weit, dass irgendwann alle Romani in ein Loch hineinkippen."
Mit ihren Werken will die Roma - Schriftstellerin auf die Situation der Zigeuner aufmerksam machen. Einerseits zeigt sie das Schicksal der unterdrĂŒckten Minderheiten in der NS - Zeit und andrerseits beschreibt sie das Leben der Roma und Sinti in der heutigen Zeit, nachdem ihnen das Herumreisen verboten wurde.
Sie kann einfach das Schweigen ĂŒber die Vergangenheit nicht lĂ€nger akzeptieren und belebt durch die "Niederschrift" ihrer Erlebnisse die eigenen Vergangenheit. Laut Beate Eder heißt "im Verborgenen leben" fĂŒr viele Angehörige der Minderheiten, ihr Rom - Sein zu verheimlichen, um nicht die damit die verbundenen Nachteile der Diskriminierung in Kauf nehmen zu mĂŒssen.
Heute haben schon einige "schreibbegeisterte" Roma - Schriftsteller den Weg in die Öffentlichkeit gewagt. In Stojkas ErzĂ€hlungen fĂ€llt allerdings das Fehlen von AggressivitĂ€t auf.[113] Ceija Stojka geht es einzig und allein darum, die Wahrheit ans Tageslicht zubringen und niemals wollte sie eine bestimmte Gruppe der Gesellschaft fĂŒr ihr Leiden verantwortlich machen. Laut ihren Aussagen hat sie niemals fĂŒr die Öffentlichkeit geschrieben oder gar an ein Bestsellerbuch gedacht. So sagte sie vor der Veröffentlichung der Autobiographie Wir leben im Verborgenen: "Es soll kein Bestseller werden."[114] Sie war schon glĂŒcklich, wenn ein junges MĂ€dchen sein letztes Taschengeld opfert, das Buch kauft, es liest und dann voll Begeisterung der besten Freundin mit den Worten weitergibt: "Ja, das war's. Du, lies es auch!" Erst wenn dieses Buch durch mehrere HĂ€nde gegangen ist und am Ende nicht mehr festzustellen ist, wie viele HĂ€nde es erreicht hat, dann bezeichnet sie die Autobiographie als Bestseller und großen Erfolg.
Wie schon zuvor erwĂ€hnt, wendet sich Ceija Stojka nicht direkt an einen bestimmtes Leserpublikum, ihre ErzĂ€hlungen wirken auf keine Weise appelativ. Möglicherweise adressiert die Roma - Schriftstellerin mit ihren Werken die Gruppe der jugendlichen Leser. Sie hĂ€lt auch Lesungen in Schulen und fĂŒhrt anschließend Diskussionen mit Jugendlichen, denn in ihren Augen kann nur die Jugend verhindern, dass so etwas wieder passiert und Auschwitz wieder Geschichte macht. Heute blickt Ceija Stojka sehr optimistisch in die Zukunft und ist sich ganz sicher, dass sich Jugendliche nicht mehr von ihren Eltern und Erwachsenen manipulieren lassen und eine solch grausame Form der UnterdrĂŒckung in Zukunft nicht wieder zulassen. [115]



























5. Ceija Stojka: "Weihnachten" und "Mit Roß und Wagen"


Auch in ihren ErzĂ€hlungen Weihnachten und Mit Roß und Wagen verarbeitet die Roma - Schriftstellerin ihre Erlebnisse aus der Gefangenschaft in den Konzentrations - und Vernichtungslagern und ihre Erinnerungen an die "guten alten" Zeiten, in denen sie mit ihrer Familie durch Österreich unterwegs war. Diese kurzen ErzĂ€hlungen erinnern den Leser an Passagen aus ihrer Autobiographie Wir leben im Verborgenen und dem weiteren Werk Reisende auf dieser Welt. Durch VerĂ€nderungen in der Wortwahl, Satzkonstruktion und Aufbau werden diese AuszĂŒge an die gegebene ErzĂ€hlsituation und das vorhandene Leserpublikum angepaßt.
Besonders die einfache Sprache und Satzkonstruktion in Weihnachten erinnern an ein GesprĂ€ch, das Ceija Stojka mit einer Gruppe von jugendlichen Zuhörern fĂŒhrt. Vielleicht sind es ihre Enkeln und Enkelinnen, die ĂŒber BrĂ€uche, Religion und Festlichkeiten in der Tradition der Roma erfahren wollen. Die ErzĂ€hlung selbst, sie ist im Jahre 1995 in der Zeitschrift des Roma - Vereins "Romano Centro" erschienen, gibt uns dazu keinen direkten Hinweis. Sicher ist nur, dass Ceija Stojka ĂŒber drei ganz unterschiedliche Weihnachtsfeste berichtet, die ihr Leben jeweils auf ihre eigene Art geprĂ€gt haben. Vor allem die Feiertage um das Weihnachtsfest, als die Familie die Nachricht vom Tod ihres Vaters erhalten haben, werden Ceija ewig in Erinnerung bleiben. Die Mutter stand nun mit ihren Kindern alleine in der elenden Welt. Dennoch faßte sie den Mut, ein traditionelles Weihnachtsfest mit FesttagsmenĂŒ und einem reichlich geschmĂŒckten Baum zu gestalten. Die Worte, mit denen die Mutter das Weihnachtsfest nach all den Turbulenzen abschließt: "... der liebe Gott ist nicht gut auf uns zu sprechen. Ihr werdet noch sehen, was in diesem Jahr auf uns zukommen wird." deuten auf die SchicksalsschlĂ€ge, die in den nĂ€chsten Jahren ĂŒber sie kommen werden.
Im zweiten Abschnitt berichtet Ceija Stojka ĂŒber eine ganz andere Weihnachtsfeier im Konzentrationslager. WĂ€hrend in den ĂŒbrigen Jahren ihrer Gefangenschaft Weihnachten und Neujahr lautlos vorĂŒbergingen, prĂ€gte sich das Weihnachtsfest im Jahre 1944 besonders in ihrem GedĂ€chtnis. Damals betraten die SS - Frauen ganz unerwartet die Baracke in diesem elenden Lager und luden die Kinder samt der Aufseherin, der StubenĂ€ltesten, zum Feste. Die ersten SĂ€tze dieses Abschnittes könnten als Einleitung betrachtet werden, sind aber als solche formal nicht gekennzeichnet. Kurz und prĂ€gnant erklĂ€rt hier die Autorin dem Leser die Situation in der Gefangenschaft, ihre FamilienverhĂ€ltnisse und die brutale Behandlungsweise im Frauenlager RavensbrĂŒck. Auch diese Passage finden wir in Ceija Stojkas Autobiographie wieder, doch wie schon zuvor erwĂ€hnt, in einer verĂ€nderten Wortwahl und Satzkonstruktion. Auffallend ist, dass dem ZigeunermĂ€dchen in ihrem Werk Wir leben im Verborgenen der Kalender mit der Aufschrift "24. Dezember 1944" sofort ins Auge fĂ€llt. In den Konzentrationslagern konnte sie keine genauen Tage, Monate und Jahre wahrnehmen, da ihr genaue Zeitwahrnehmungen an Hand eines Kalenders oder einer Uhr fehlten. Somit war in der Gefangenschaft das Zeit - und RaumgefĂŒhl komplett anders als in den ĂŒbrigen Jahren ihres Lebens. Im ersten Weihnachtsfest, das Ceija ihren Zuhörern erzĂ€hlt, war es die Mutter, die fĂŒr die Kinder liebevoll das Fest organisiert und HĂŒhner, GĂ€nse, Enten, Grammel und Reis nach Hause brachte und ein wunderbares Esse bereitete. Bei der Weihnachtsfeier im Konzentrationslager hingegen hatte jedes Kind nur einen Gedanken: Sie alle sorgten um das Wohl der MĂŒtter und unternahmen alle möglichen Versuche, ein StĂŒck Brot oder Metwurst unter das Hemd zu schieben.[116]
Last but not least beschreibt die Roma - Schriftstellerin ein traditionelles Weihnachtsfest, wie sie es im Jahre 1995 mit ihrer Familie gestaltete. Heute ist es einfach ein Fest mit einem ausgiebigen FesttagsmenĂŒ zu organisieren. Nach der Roma - Tradition kommen HĂŒhner, Enten, Schweinefleisch, Kraut, Pogatschen, Strudeln ... auf den Tisch, und die ganze Familie ist geladen. NatĂŒrlich wollen alle Zigeuner bei diesem Fest voll Stolz zeigen, wie gut sie singen können und mit SegenswĂŒnschen wird viel GlĂŒck, Gesundheit und Erfolg fĂŒr das kommende Jahr gewĂŒnscht.
In der weiteren ErzĂ€hlung Mit Roß und Wagen erinnert sich Ceija Stojka an die "guten alten Zeiten" vor ihrer Verfolgung. Wie in der Autobiographie Reisende auf diese Welt beschreibt sie das Leben der Zigeuner, wie sie mit Roß und Wagen durch Österreich unterwegs waren. Auffallend ist jedoch, dass die Autorin in ihrem Werk Reisende auf dieser Welt in Ich - Form erzĂ€hlt, wĂ€hrend sie in der ErzĂ€hlung Mit Roß und Wagen die auktoriale ErzĂ€hlerhaltung bevorzugt. Mit dieser Weise steht sie als ErzĂ€hlerin ĂŒber dem Geschehen, kennt die Romanfiguren genau und weiß Bescheid ĂŒber ihr FĂŒhlen, Denken und Handlungsweise. Sie hat die Macht, das Geschick zu lenken. Vielleicht schafft sie sich Kraft ihrer Phantasie mit dieser ErzĂ€hlerhaltung eine neue, schönere Welt. Diese Welt ist jedoch nur eine Wunschvorsttellung, die sie als handelnde Figur nicht mehr miterlebt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde den Zigeunern nĂ€mlich das Herumreisen verboten. Deshalb denkt sie heute noch gerne an die Zeit zurĂŒck, als sie an einem Lagerplatz vor dem Wald Rast gemacht haben, vor dem Lagerfeuer getanzt und gesungen und untereinander Geschichten und Erfahrungen ausgetauscht haben. Damals waren sie glĂŒcklich und frei. Auf der ganzen Welt waren sie zu Hause, denn ihre Heimat waren die Wiesen und WĂ€lder.[117]

























6. Ceijas Bruder Karl Stojka


Ceijas Bruder Karl, ist der zweite in der Familie der Stojkas, dessen kĂŒnstlerisches Werk ein Zeugnis der Verfolgung und Vernichtung der Roma durch die Nationalsozialisten in den Konzentrationslagern darstellt.
Der 1931 im Bezirk Baden geborene Ă€ltere Bruder von Ceija, hat einen Ă€ußerst schicksalhaften Geburtstag, den er immer besonders herausstreicht. So auch in seinem Buch "Auf der ganzen Welt zu Hause", wo er berichtet: "Ich bin 1931, am 20. April, geboren, ich habe also mit Adolf Hitler denselben Geburtstag, mit jenem Mann, der mein ganzes Leben, das meiner Familie und das der Roma so beeinflußt hat."[118] Dass er seinen Geburtstag gerade mit diesem verhaßten Mann teilen muss, der bei seiner Geburt genau 42 Jahre alt war, lĂ€sst ihn immer noch sehr wĂŒtend werden. Im Wintersemester 1997/98 hatte ich zwei Mal die Möglichkeit, Herrn Stojka persönlich in einer Vorlesung, die sich mit der NS - Zeit beschĂ€ftigte, ĂŒber seine Vergangenheit berichten zu hören.[119] Auch bei dieser Gelegenheit kam er bereits im ersten Satz seines Berichtes auf diese Gemeinsamkeit zu sprechen.
1943 wurde auch er als ZwölfjĂ€hriger ins Konzentrationslager Auschwitz - Birkenau eingeliefert. Danach folgten zwei lange und harte Jahre in Buchenwald und FlossenbrĂŒg, bis er schließlich als VierzehnjĂ€hriger auf dem sogenannten "Todesmarsch" von Soldaten der alliierten Truppen befreit wurde.
Seine tragische Vergangenheit bewĂ€ltigte der heute 67 - jĂ€hrige, wie seine Schwester, zuerst vor allem durch seine kĂŒnstlerische BetĂ€tigung als Maler. In seiner Austellung "Eine Kindheit in Birkenau - A Childhood in Birkenau" zeigt Karl Stojka Bilder der tragischen Erinnerungen seiner Kindheit. Sie wurde unter anderem 1992 im U.S. Holocaust Memorial Museum in Washington D.C. gezeigt.[120]
Erst spĂ€ter entschloß er sich, seine Erlebnisse aufzuschreiben, und 1994 erschien schließlich sein Werk "Auf der ganzen Welt zu Hause" - sechs Jahre nach dem Erfolg von Ceijas KZ - Biographie "Wir leben im Verborgenen". Wahrscheinlich wollte er - nachdem bereits seine Schwester sehr erfolgreich war - ebenfalls ein Buch schreiben, das sich mit ihrem gemeinsamen Schicksal befaßt. Vielleicht war er eifersĂŒchtig auf seine Schwester und wollte sie ĂŒbertrumpfen: Tatsache ist jedoch, dass beide als Zeitzeugen durch ihre schonungslose Berichterstattung, ĂŒber die unmenschlichen VerhĂ€ltnisse im Konzentrationslager, dem Leser ein genaues Bild dieser grausamen Zeit bieten können.
Heute lebt Karl Stojka mit seiner zweiten Frau wie seine Schwester Ceija in Wien.





























7. Ceija Stojkas "Wir leben im Verborgenen" im Vergleich zu Karl Stojkas "Auf der ganzen Welt zu Hause"


7. 1. Funktion des Schreibens - Schreibbeginn

Die beiden Geschwister Ceija und Karl Stojka begannen aus unterschiedlichen GrĂŒnden ihre beiden Werke zu schreiben. Ceija war es, die mit ihrem Buch das Schweigen ĂŒber ihre Vergangenheit nicht mehr akzeptieren wollte. Sie wollte mit jemandem darĂŒber reden und sie sagte im Interview mit Karin Berger: "Es war aber niemand da, der mir zugehört hĂ€tte, und - Papier ist geduldig."[121] Aber auch in einem GesprĂ€ch mit Christa Stippinger erklĂ€rte sie: " Ich schreibe, weil ich niemanden habe, mit dem ich reden kann, wenn mich etwas bewegt. Die Kinder willst du nicht belasten. Der Mann hat auch keine Geduld, will das auch gar nicht hören. Ein Blatt und ein Bleistift sind aber geduldig."[122] Scheiben war fĂŒrCeija einen ungewohnte TĂ€tigkeit, da ihr als Rom der Schulbesuch wĂ€hrend der NS - Zeit verboten worden war. Sie ging zwar nach dem Krieg in eine Schule und konnte zumindest die Grundbegriffe des Schreibens und Lesens lernen, doch das Scheiben bereitete ihr dennoch Probleme. Sie selbst erzĂ€hlte uns, dass sie dem Verlag die Originalnotitzen nicht geben wollte, da so viele Fehler drinnen waren. Mit der Zeit schossen ihr dann jedoch die Erinnerungen nur so heraus[123], und die BlĂ€tter in der KĂŒchenlade wurden immer mehr. Anerkennung oder UnterstĂŒtzung hatte sie keine. Ihr Mann - wie bereits erwĂ€hnt - hatte kein VerstĂ€ndnis dafĂŒr, und auch von ihrem Bruder Karl kamen keine aufbauenden Worte: Denn als sie ihm ein Blatt zum Lesen gab, sagte er nur: "Geh, das Gekritzel, schmeiß’ weg."[124] Daher blieben ihre Memoiren vorerst weiter in der KĂŒchenlade. Den Grund fĂŒr diese Reaktion ihres Bruders glaubt Ceija in der Eifersucht zu finden, dass sie vor ihm zu schreiben begonnen hatte. Ceija sagt, dass sie nicht fĂŒr die Öffentlichkeit, sondern fĂŒr sich selbst geschrieben hat. "Und wenn ich einmal meine Augen zumache: fĂŒr meine Kinder. Ich hab’ nie gedacht, dass es an die Öffentlichkeit kommt."[125] Dass es aber dann so ein "Bestseller" wurde, glaube ich, war der ausschlaggebende Grund fĂŒr Karls Schreibbeginn. Sein Werk erschien vier Jahre nach Ceijas Buch - nĂ€mlich 1994. Ich bin auch der Meinung, dass er es nicht ertragen konnte, zu sehen, wie seine kleine Schwester plötzlich durch ihre Memoiren im Rampenlicht stand. Er, der ja die selbe Erfahrung wie seine Schwester machen musste, war nicht zuerst auf die Idee gekommen, diese niederzuschreiben! Das bestĂ€tigte mir auch Ceija persönlich in unserem Interview: Sie, die "kleine Frau hat mit der Welt zu tun, gibt die Hand den Höchsten und redet mit ihnen."[126] Dies konnte Karl, der sich immer in den Mittelpunkt drĂ€ngen möchte, nicht verkraften.
Karl Stojka selbst jedoch, nennt in seinem Buch andere BeweggrĂŒnde fĂŒr seinen Schreibbeginn: Dass es heute immer noch Ausschreitungen gegenĂŒber Zigeunern gibt, macht ihn sehr traurig, und er meint, dass sie auch in Österreich vor der Auslöschung stehen:

"Einst waren die Zigeuner die Sterne am Firmament Europas, isoliert zwar, aber verbunden durch das gemeinsame Licht, das sie ausstrahlten, haben sie die Nacht erhellt. Hitler hat die Sterne vom Himmel geholt, hat sie weggewischt in seinen Konzentrationslagern und hat den Himmel der Zigeuner verdunkelt. Die wenigen, die ĂŒbergeblieben sind, sind nun zu weit voneinander entfernt, das Licht verbindet sie nun nicht mehr miteinander, und langsam verlöschen auch sie."[127]

Aber auch die moderne Zeit setzt der Zigeunerkultur ein Ende. Bald werden nur mehr "Karikaturen ĂŒbrig sein, die geigenden Zigeuner in den Lokalen, die den Touristen vorspielen, wie es nie gewesen ist.Und die Touristen werden nie begreifen, was es einst hieß, ein stolzer Zigeuner zu sein." [128] Daher möchte Karl mit seinem Werk versuchen, diese Zeit des Umbruch zu beschreiben - all das, was er in den letzten 60 Jahren erlebt hat.



7. 2. Handlungs - und ErzÀhlzusammenhang

Ceijas Buch "Wir leben im Verborgenen" ist eine KZ - Autobiographie. Hier steht die Zeit wĂ€hrend der NS - Herrschaft - der Zeit der Verfolgung - im Mittelpunkt der ErzĂ€hlung. Die Vorgeschichte, die die Ereignisse ab 1939 - also die Zeit vor ihrer Inhaftierung - schildert, ist Ă€ußerst knapp gehalten und bietet nach der Beschreibung ihrer Familie[129] einen kurzen Einblick in die Situation bevor ihr Vater verhaftet wurde.
Der Hauptteil ihrer Erinnerungen stammt aus dem Alltagsleben in den verschiedenen KZs. Hier beschreibt sie die grausamen Bedingungen und ihre Erlebnisse in den Lagern Auschwitz - Birkenau, RavensbrĂŒck und Bergen - Belsen in chronologischer Reihenfolge. Aber auch auf die Zeit nach der Befreiung durch die Alliierten kommt Ceija kurz zu sprechen. Dabei steht vor allem das Wiedersehen mit den, in den Lagern getrennten, Geschwistern im Vordergrund.
Umrahmt werden Ceijas Erinnerungen durch ein Vorwort der Herausgeberin Karin Berger zu Beginn und durch ein Interview mit Ceija am Ende des Buches. Im Vorwort schildert Karin Berger ihre BeweggrĂŒnde fĂŒr die Herausgabe dieses Buches; sie erzĂ€hlt von Ceija, deren Schreibbeginn, von der Situation der Roma zur Zeit des Zweiten Weltkrieges und deren Probleme heute. Den Schluß bildet dann ein GesprĂ€ch von Karin Berger mit Ceija Stojka. Hier berichtet die Roma - Angehörige ĂŒber ihre Kindheit, ihre Eltern, ĂŒber die Zeit im KZ und ĂŒber die Zeit danach. Dabei kommt sie auch auf das Bild der Zigeuner zu sprechen und auf die "Wiedergutmachung" durch den Staat. Dieses "Eingebettet - sein" von Ceijas ErzĂ€hlung in das Werk der Herausgeberin, verdeutlicht meiner Meinung nach Ceijas Aussage, dass sie das Buch nicht fĂŒr die Öffentlichkeit schreib und damit nie alleine zu einem Verlag gegangen wĂ€re.[130]
Karl Stojka hingegen prĂ€sentiert sein Werk ohne Herausgeber. Jedoch nicht ganz ohne Hilfe, da auch ein Co - Autor aufscheint, auf den jedoch nicht weiter eingegangen wird und dessen Rolle ungeklĂ€rt bleibt. Im Vorwort spricht Karl ĂŒber seine Schreibmotivation und ĂŒber die Zeit des Umbruches der Zigeunerkultur. Danach schildert er seine Erlebnisse aus der Zeit, in der er mit seiner Frau und seinen Kindern in Amerika unterwegs war. Dabei blickt er in RĂŒckblenden auf seine Geburt, seine Kindheit, auf die Aufenthalte in den KZs, den Todesmarsch und auf das Leben nach der Befreiung zurĂŒck. Er erzĂ€hlt von den Ereignissen der letzten 60 Jahren, wie er es im Vorwort bereits ankĂŒndigt.[131] "Die 17 Kapitel sind kurz gehalten, die einzelnen ErzĂ€hlungen vordergrĂŒndig situationsgebunden, und dennoch zieht sich ein dĂŒnner Faden durchs ganze Werk, gebildet durch ein splitterhaftes Aufzeigen von Elementen der Romakultur. Die groben Teile dieses "Puzzles" bilden das Leben des Karl Stojkas als HĂ€ndler mit Stoffen und Teppichen [...]"[132]
Daher kann man einen Bericht aus der Sicht eines zurĂŒckblickenden Erwachsenen vorfinden, der jedoch auch manchmal kindliche Erlebnisse und EindrĂŒcke schildert.
Ceija hingegen erzĂ€hlt ihre Geschichte nicht aus der Perspektive eines Erwachsenen, sondern aus der eines Kindes, das erlebt, beobachtet und beschreibt.[133] Es bedeutet fĂŒr sie ein Wiedererleben und ein SichzurĂŒckversetzen.[134]
Durch diese beiden ErzÀhlperspektiven unterscheiden sich die Werke der beiden Geschwister gÀnzlich.



7. 3. Eigenart der Sprache

Entsprechend der gewÀhlten kindlichen Perspektive, hat Ceija auch die kindliche Sprache in ihrem Werk verwendet. "Die SÀtze sind kurz und einfach strukturiert, die Wahl der Wörter unterstreicht die kindliche Tendenz"[135]. Wenn Ceija zum Beispiel von ihrer Mutter spricht, zu der sie ja eine ziemlich enge Beziehung hatte, so nennt sie sie neben "meine / unsere Mutter" auch einfach liebevoll "meine Mama" - wie ein Kind, das sehr an seiner Mutter hÀngt. Kennzeichnend sind auch "der wiederholte Stimmungswechsel und die Gabe, Kleinigkeiten schön bzw. "herrlich" zu finden.[136]
Die ErzĂ€hlung ist auch nicht völlig ident mit der Wirklichkeit. In ihrem Werk steht nicht die Vermittlung von Fakten im Vordergrund, sondern die Vermittlung von persönlichen Einstellungen. Man hat das GefĂŒhl, dass es sich um eine ErzĂ€hlung handelt, in der sie all ihre persönlichen EindrĂŒcke und Erinnerungen - v.a. die, die sie als Kind wahrgenommen hat - eingebaut hat. Dennoch kann man an manchen Stellen einen Wechsel der Perspektiven feststellen. Wenn sie berichtet: "Die kleinen Kinder weinten, wir hatten ja kaum etwas an"[137], dann wechselt sie im Satz von der rĂŒckblickenden Erwachsenenperspektive, in die eines erlebenden Kindes. So versucht sie die Erinnerung aus der Sicht eines Erwachsenen einerseits, mit ihren alten Empfindungen, die sie damals als Kind hatte, andererseits, zu verknĂŒpfen.
Ceija kam sich nicht nur klein vor, weil sie noch ein Kind war, sondern auch weil sie als Rom - Zigeunerin, genauso wie alle andere, machtlos gegenĂŒber der NS war. Das sieht man sehr deutlich in der Schilderung ĂŒber die Großrazzien der SS - Leute: "Sie drĂŒckten unsere kleine TĂŒr ein, rissen uns aus den Betten und hielten uns ihre Leuchtbatterien in die Gesichter."[138] Die Beschreibung "unsere kleine TĂŒr", drĂŒckt meiner Meinung nach ihre Macht - und Hilflosigkeit aus, ihren Eindruck, dass sie keinen Schutz mehr hatten gegen all die Attacken durch die SS - Leute. Obwohl sie in dieser Zeit sehr viel Leid miterleben musste, fehlt in ihrem Werk - aber auch in ihren Aussagen bei Interviews - jegliche AggressivitĂ€t. Dennoch bietet sie eine schonungslose Berichterstattung ĂŒber den Alltag in den Konzentrationslagern, die jedem Leser "unter die Haut" gehen muss. Auch in unserem Interview mit ihr sagte sie zu uns: "[...] - ich bin nicht einmal auf Hitler böse, weil ich sage, er war ein Narr: er hat seine eigenen Menschen vernichtet. Er muss ein Irrer gewesen sein! Er hat Kinder an die Front geschickt!"[139] Diese Einstellung kann man auch in ihrem Buch "Wir leben im Verborgenen" wiederfinden, wo sie immer wieder versucht, das brutale Verhalten der Aufseher und Aufseherinnen zu begrĂŒnden und zu entschuldigen. So zum Beispiel auch bei ihrem Bericht ĂŒber ihre Ankunft im Frauenlager RavensbrĂŒck: "Die Aufseherin war schon ziemlich ungeduldig, es war ja ziemlich spĂ€t."[140] Bei ihren kindlichen Beobachtungen versucht Ceija auch immer wieder vergeblich vom Äußeren eines Menschen innere Werte abzuleiten. FĂŒr sie war es unverstĂ€ndlich, wie so schöne Frauen - wie sie die WĂ€rterinnen beschreibt - ĂŒberhaupt kein Herz haben konnten.[141]
Sich selbst und die anderen HĂ€ftlinge, vergleicht sie oft mit Tieren. Bei ihrer Ankunft im Lager Auschwitz beschreibt sie die Insassen dort als "Menschen, die wie Tiere aussahen, dĂŒrr, geisterhaft [...]"[142]
BezĂŒglich ihrer Sprache ist auch auffallend, dass sie Gebete, Ausrufe usw. in ihrem Buch immer zuerst auf Romanes schreibt und erst danach die deutsche Übersetzung in Klammer hinzufĂŒgt. Dabei sind es meist die emotionalem Ausrufe und Aufforderungen der Mutter, die sie auf diese Art und Weise "getreu" wiedergibt und an die sie sich heute noch erinnert.
In ihrem Buch ist auch ein Lied abgedruckt, das im Lager Auschwitz entstanden ist. Dieses Lied, das allerdings auf deutsch geschrieben ist, drĂŒckt die GefĂŒhle, Ängste und Stimmungen der Insassen aus - all das, was sie sonst nie zeigen durften, denn es musste immer nach außen hin den Anschein haben, dass es allen gut geht.
Obwohl sich Ceija noch genau an AussprĂŒche, Lieder usw. aus dieser Zeit erinnert, erinnert sie sich nicht an genaue Datumsangaben, bzw. will sie sich nicht daran erinnern. In ihrer Biographie fehlen jegliche Zeitangaben, da sie fĂŒr sie nicht wichtig waren. Im Interview mit Christa Stippiner erklĂ€rt sie: "Die vier Jahreszeiten sind unser Kalender gewesen"[143]
Karl hingegen spart nicht mit genauen Zahlen -, Datum - und Ortsangaben. Er erinnert sich noch genau an Zahlen, die bei Ceija nicht erwĂ€hnt werden, und an Gassennamen, z. B. an die Paletzgasse, wo sich seine Mutter vor der Verhaftung bei Ceijas Taufpatin versteckt hat. [144]Ich habe das GefĂŒhl, dass er ein PrĂ€zessionsmensch ist, der immer alles perfekt und genau machen möchte. Bei ihm fehlt auch diese kindliche Tendenz, die wir bei seiner Schwester finden und er verzichtet auf Formulierungen wie "meine Mama" usw.
Aber auch bei der Formulierung der ErzĂ€hlung drĂŒckt sich Karl etwas gewĂ€hlter als Ceija aus - so als wollte er sie mit seinem Werk ĂŒberbieten. Er verwendet zwar ebenfalls eher kurze und einfach gebaute SĂ€tze, die jedoch sachlicher und stilistisch besser geschrieben sind. So etwa schreibt er zum Beispiel ĂŒber den Transport nach Auschwitz: "Ich kann also sagen, ich bin 2. Klasse auf dem Weg in die Hölle auf Erden gebracht worden."[145] Ceija verzichtet auf solche ĂŒberschwenglichen Formulierungen. Sie schreibt nur darĂŒber, dass sie in einen Waggon hineingepreßt wurden.[146] Aber auch Karl kann sich an die AussprĂŒche und Gebete der Mutter, und die seines Bruders auf Romanes erinnern, und man findet diese auch in seinem Buch wieder - natĂŒrlich mit Übersetzung danach. Dadurch behĂ€lt das Buch auch noch die Ähnlichkeit zu einer mĂŒndlichen ErzĂ€hlung, wie es auch bei seiner Schwester der Fall ist.
FĂŒr mich war sein Buch jedoch viel schockierender als das von Ceija, da er detailgenau von den Grausamkeiten der NS - Leute berichtet. So schildert er zum Beispiel die Exekution eines HĂ€ftlings auf dem Todesmarsch folgendermaßen: "Der SS - Soldat trat hinter ihn, legte ihm die MĂŒndung des Gewehres an den Kopf und schoß. Aus dem Loch schoß eine BlutfontĂ€ne, zuerst 25 Zentimeter hoch, ich konnte den Blick nicht abwenden, dann wurde sie immer weniger, 15 Zentimeter, zehn Zentimeter, fĂŒnf Zentimeter und dann nur noch leises Getropfe [...]".[147]Darauf verzichtet Ceija, aber man hat dennoch einen genauen Eindruck, wie schrecklich das Leben im KZ gewesen sein muss.
Man findet auch in Karls Werk ein Lied, das die russischen Gefangenen in Buchenwald immer gesungen haben und das ihm heute noch in Erinnerung geblieben ist,[148] aber auch ein Kochrezept seiner Mutter, das zum Nachkochen einlÀdt.[149]
Fraglich ist natĂŒrlich, was in diesem Buch aus der Feder des Co - Autors Reinhard Pohanka stammt. Denn es scheint in keinem Teil des Buches auf, in welcher Weise er Karl Stojka geholfen hat. Er wird eigentlich nur auf dem Umschlag kurz erwĂ€hnt, wo man seinen Werdegang lesen kann. Ich persönlich vermute, dass Reinhard Pohanka Karls Erinnerungen fĂŒr ihn zu Blatt brachte, da jener selbst bereits zahlreiche BĂŒcher publiziert hatte, wie man es dem Umschlag entnehmen kann.



7. 4. Darstellung der eigenen Person

Über ihre eigne Person erfahren wir in Ceijas Buch eigentlich recht wenig. Sie erzĂ€hlt hauptsĂ€chlich von den Menschen, die ihr am Wichtigsten waren - nĂ€mlich von ihrer Mutter und ihren Geschwister. Dabei hat man den Eindruck, dass sie ihren kleinen Bruder Ossi am meisten gemocht hat. Auch in ihrem Werk schreibt sie, dass sie - obwohl es verboten war - in die Krankenstation zu Ossi schlich. Als sie aber dann ein WĂ€rter entdeckte, schlug er ihr auf den Kopf, doch das machte ihr nichts aus, denn ihr Schmerz, dass ihr geliebter Bruder gestorben war, war ja grĂ¶ĂŸer.[150]
Über sich selbst sagt sie nur: "Die Angst machte mich zum Meister."[151] - nĂ€mlich als sie, um die Selektion zu bestehen, mit einer viel zu großen Schaufel Schutt einschaufeln musste. Diese Angst, so sagt sie, hat sie heute nicht mehr: "Meine Angst ist in Auschwitz geblieben, und in den Lagern."[152] In all der schrecklichen Zeit, gab es immer wieder kurze Momente fĂŒr sie, die sie wieder aufbauten. So zum Beispiel war es fĂŒr sie ein herrliches und unvergeßliches GefĂŒhl, als ihre Schwester in der Baracke einmal zu singen begann[153], oder als sie einmal kurz die Möglichkeit hatten, TempelhĂŒpfen zu spielen, vergaß sie fĂŒr eine Weile ihr Elend.[154]
Dass sie ein herzensguter Mensch ist, konnte sie auch unter Beweis stellen, als sie nach der Befreiung in Bergen - Belsen einem SS - Mann mit seiner Pistole ĂŒber den Kopf hĂ€tte schlagen sollen. Sie aber schreibt: "Er zeigte es mir, aber ich konnte es nicht tun."[155] Das zeigt auch, dass sie keine AggressivitĂ€t oder Haß verspĂŒrte, obwohl sie zuvor derart leiden hatte mĂŒssen.
Ich glaube, ihr Bruder Karl hĂ€tte in dieser Situation anders reagiert, da er heute noch mehr Haß empfindet als Ceija. Er schreibt zwar, dass er den Deutschen nicht böse ist[156], aber in seinen Aussagen spiegelt sich tiefer Haß wider, wie ich es selbst in einer Vorlesung erlebt habe.
Karl bezeichnet sich selbst als ein Produkt der Zwischenzeit, da er sowohl noch die alte Romakultur durch seine Eltern erleben durfte, aber dann nach dem Krieg dieses alte Leben gegen den Wohlstand eintauschte. GĂ€nzlich konnte er sich jedoch an dieses neue Leben nicht gewöhnen, denn er erzĂ€hlt: "Manchmal hat mich zwar noch der alte Geist gepackt, ich habe alles aufgegeben und bin mit Frau und Kindern ins Ungewisse aufgebrochen, habe alles zurĂŒckgelassen und dort neu angefangen, weil ich es nicht ausgehalten habe, so lange auf einem Platz zu sein."[157]
Karl besitzt auch keinen Mangel an Selbstbewußtsein, da er sich das ganze Buch hindurch immer nur selbst rĂŒhmt und ĂŒber sein Aussehen spricht. Ein gutes Beispiel dafĂŒr ist eine Stelle, in der er von einer Bekanntschaft mit einer Deutschen in Florida berichtet, die mit ihrem Mann dort lebte. "Irgendwie hatte ich gemerkt, dass ich der alten Lady gefiel, was auch kein Wunder war, denn ich war wirklich ein schöner Mann damals. Ich hatte schwarze Haare und Locken, ich war braungebrannt von der Sonne Floridas, und dazu war ich noch von Natur aus braun, ein richtig fescher Zigeuner."[158] Aber auch sonst streicht er immer seine wichtige Position heraus und er hĂ€lt sich fĂŒr irrsinnig wichtig, wie uns auch seine Schwester bestĂ€tigte. Er schreibt nĂ€mlich zum Beispiel ĂŒber Auschwitz: "Trotzdem wĂ€ren wir alle umgekommen, wenn ich nicht durch Zufall in die Kantine versetzt worden wĂ€re."[159] Ceija hingegen erwĂ€hnt nur, dass ihr Bruder in der Kantine arbeitete[160]. FĂŒr sie war es die Mutter, die die wichtigste Überlebenshilfe darstellte. Karl ist aber fest davon ĂŒberzeugt, dass er damals der "Held" war, denn er sagt: "Damals habe ich als Kind meine Familie durchgebracht, und meine Mutter hat spĂ€ter oft gesagt, wenn ich nicht gewesen wĂ€re, hĂ€tte keiner ĂŒberlebt."[161]
Wir haben Ceija bei unserem Interview darauf angesprochen, und ihre Reaktion war folgende: "Das ist alles nicht richtig"[162]. Sie erzĂ€hlte uns außerdem, dass es einen gewissen Machtkampf zwischen Aussagen und Aussagen zwischen den beiden gibt und dass Karl lange gesagt hatte: "Meine kleine Schwester, die kann das gar nicht wissen - die war viel zu klein!"[163]
So berichtet Karl zum Beispiel in seinem Buch, dass sein Vater nach Mauthausen gebracht wurde, wÀhrend Ceija beweisen kann, dass er in Dachau gestorben ist. Dennoch aber beharrt Karl aber noch auf seiner Aussage.
Ceija schreibt in ihrem Buch nur sehr wenig ĂŒber Karl. Sie berichtet hauptsĂ€chlich ĂŒber ihren kleinen Bruder Ossi, den sie "unser kleiner Liebling Ossi"[164] nennt, und ĂŒber ihre Schwester Kathi. Aber auch bei Karl erfahren wir recht wenig ĂŒber Ceija oder ĂŒber seine Beziehung zu ihr und er erwĂ€hnt nur ihren Namen. Ossi dĂŒrfte auch fĂŒr ihn sehr wichtig gewesen sein, denn abgesehen von seinem Bruder Hansi, mit dem er die Zeit im KZ verbrachte, kommt er auch auf ihn zu sprechen.
Der Grund, warum beide recht wenig ĂŒber den anderen berichten, kann darin liegen, dass Karli und Hansi bereits nach Auschwitz vom Rest der Familie getrennt wurden. Ceija berichtet dann nur, dass sich ein Ă€ltere Mann um Karli und Hansi angenommen hat.[165] Ceija gestand uns aber auch im Interview, dass sie schon immer ihre Probleme mit Karl hatte, weil er sich immer so wichtig vorkommt und immer im Mittelpunkt stehen möchte. Möglicherweise ist das der Grund, warum beide so wenig ĂŒber einander berichten.



7. 5. Darstellung der Mutter

Ihre Mutter war fĂŒr Ceija Vorbild, "Überlebensretterin", Hoffnungsschimmer und Schutz in dieser schrecklichen Zeit. Jede Minute ohne sie war schrecklich. Als die zum Beispiel in den Krankenblock musste, schreibt Ceija:" Gott sei Lob und Dank kam unsere Mama wieder aus dem Krankenblock, nun waren wir nicht mehr so allein."[166] Ihre Mutter war es auch, die immer das Essen fĂŒr alle Kinder aufhob und gerecht verteilte - sie war daher in ihren Augen eine Überlebenshilfe: "Unsere Mutter organisierte immer von irgendwoher ein StĂŒck Brot oder ein paar Kartoffel. Wir Kinder krochen immer in unsere Mutter. Ohne sie hĂ€tte ich kaum ĂŒberlebt"[167], sagt Ceija heute ĂŒber sie. Sie lehrte den Kindern, was sie den SS - Leuten bei Fragen zu antworten hatten, um sie vor SchlĂ€gen zu beschĂŒtzen, und Ceija wußte, dass sie keinen Fehler machen durfte, da sonst ihre Mama darunter leiden hĂ€tte mĂŒssen.[168]. Ihre Mutter sorgte auch stets fĂŒr trockene Kleidung und gab Anweisungen fĂŒr ihr Überleben. Sie sorgte nicht nur fĂŒr ihre Familie, sondern sie nahm sich auch anderer Frauen an, die Hilfe benötigten,[169] und sie teilte auch das Essen mit anderen Freundinnen und deren Kindern. Ceija bezeichnet ihre Mutter als "tapfere Frau"[170] und als sehr "erfinderisch"[171]. Sie erklĂ€re uns im Interview: "Und fĂŒr mich war meine Mama das Ă€h... wenn sie mich mit ihre Augen angesehen hat, habe ich den Hunger und den Durst vergessen, weil es war jemand da, der ein StĂŒck - ja mir gehört, wo ich Fleisch und Blut bin, ja."[172]
Karl hingegen beschreibt seine Mutter immer nur in ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter. Bei ihm fehlt, meiner Meinung nach, diese enge Bindung, die Ceija mit ihr hatte. Karl berichtet zum Beispiel nur, welche Probleme seine Mutter nach dem Seßhaftwerden hatte - nĂ€mlich dass sie nichts mit Herd und Ofen anfangen konnte und lieber vor dem Haus auf dem offenen Feuer gekocht hĂ€tte.[173] Weiters betont er, dass sie bei ihrem Wiedersehen nach dem KZ krĂ€ftig auftischte, da er schreibt: "Und sie begann zu kochen, soweit es die wenigen Lebensmittel des Jahres 1946 in Wien zuließen."[174]
Karl erklĂ€rt auch: "Bei den Roma besorgte die Frau das tĂ€glich notwendige Geld"[175], und ich glaube, dass er bis heute noch an dieses Rollenverteilungs - Schema glaubt. Daher ist es fĂŒr ihn wichtig, dass seine Mutter krĂ€ftig aufgetischt hat usw. Er sagt von ihr auch: "Meine Mutter war, wie man auf Romanes sagt: Harniko, fleißig."[176] Aber auch ihre ReligiositĂ€t ist fĂŒr ihn erwĂ€hnenswert. Von der kurzen Zeit im KZ mit ihr berichtet er aber auch, dass er sich mit seinen Geschwistern nicht von der Pritsche herunter traute, wenn sie gerade arbeiten musste und so nicht bei ihnen sein konnte. Und als Ossi krank wurde, war sie es, die ihn in die Krankenbaracke brachte.[177] Außerdem rettete sie sein und Ceijas Leben, als sie den WĂ€rtern bei einer Selektion erklĂ€rte, dass die beiden Zwerge wĂ€ren.
FĂŒr beide Geschwister war die Mutter sehr wichtig, doch ich glaube Ceija hatte einfach ein engeres VerhĂ€ltnis zu ihrer "Mama" als Karl. Ceija selbst erklĂ€rte uns, dass das möglicherweise an der Trennung in den KZs lag - als sie nicht mehr zusammen sein durften, da MĂ€nner und Frauen getrennt wurden. Damals stand Karl dann ohne seine Mutter da, wĂ€hrend Ceija diese immer noch schutzbietend an ihrer Seite hatte.

7. 7. Darstellung des Vaters

Über ihren Vater erzĂ€hlt Ceija nicht viel. Vielleicht deshalb, weil er bereits 1942 in Wien von der SS verhaftet und weggebracht wurde, da er ein Zigeuner war. An ihre Kindheit, die Reisen und das Herumziehen mit ihm kann sie sich aber noch gut erinnern. Besonders aber an den Tag, der fĂŒr alle Kinder Ă€ußerst aufregend ist: "Ich erinnere mich noch an meinen ersten Schultag, mein Vater Wackar brachte mich dahin. Ich war mĂ€chtig stolz."[178] Das ist die Sicht eines kleinen MĂ€dchens, das - wie jedes andere - stolz auf seinen Vater ist. Sie bewunderte ihn auch, da er sehr geschickt war: Er machte nĂ€mlich aus alten Schuhen neue fĂŒr seine Familie.[179] "Mein Vater hat immer Sensationen hervorgebracht."[180], berichtet sie, als er ihr aus einem alten Sonnenschirm mit seinen eigenen Fingern einen "Sonnenrock" nĂ€hte. Mit diesem Rock wurde Ceija spĂ€ter verhaftet, jedoch er wurde ihr in Auschwitz abgenommen. Ihr Vater war zu diesem Zeitpunkt schon lĂ€ngst tot: Er starb im Alter von 33 Jahren in Dachau. Ihr Bruder Karl behauptet jedoch, er wĂ€re in Mauthausen gestorben - so auch in seinem Buch. Im Interview mit Ceija hörten wir ĂŒber den Aussagenkonflikt der beiden Geschwister: Obwohl Ceija eine BestĂ€tigung fand, dass ihr Vater in Dachau ermordet wurde, behauptet Karl immer noch, er wĂ€re in Mauthausen gestorben. Ceija dazu: "Ich als Schwester, bei Zigeuner also, da muss ich immer einen Schritt zurĂŒck sein, gell. Aber umgekehrt wollte ich mir auch meine Rechte nicht nehmen von ihm und meine Behauptung gelten lassen - was wahr ist, was stimmt, nicht."[181] Über eine negative Erinnerung mit ihrem Vater erzĂ€hlte sie uns im Interview: Als sie alle registriert wurden, stand Ceija mit ihrer Familie wartend am Gang. Da gab der Vater den Buben ein StĂŒck Knackwurst, und Ceija ging leer aus, da nicht genug fĂŒr alle da war. Sie sagte zu uns: " Wir waren alle sehr schnell wieder draußen. Aber ich habe die Wurst im ganzen KZ - Sein, mein Vater war schon tot, nie vergessen. ich hab’ immer gesagt: ‘Wenn mein Vater gelebt hĂ€tte, hĂ€tte ich ihn fragen können, warum er mir von dieser Wurst nicht auch ein StĂŒckchen geben hĂ€tte können’".[182]
WĂ€hrend Ceija hauptsĂ€chlich ĂŒber die vĂ€terlichen Eigenschaften spricht, erfĂ€hrt man in Karls Buch eher mehr ĂŒber die Rechte und Sitten des Mannes bei den Zigeunern. Er schreibt, dass die Mutter die Familie ernĂ€hren musste und dass der Vater erst dann Geld hergab, wenn zum Beispiel ein Pferd krank oder ein Rad gebrochen war - also erst, "wenn sie Familie in Not war"[183]. Ich glaube, das ist fĂŒr ihn selbstverstĂ€ndlich, da er sagt, dass es damals so ĂŒblich war: "Der Mann hat immer die Hosen angehabt und hatte das Sagen in der Familie. Ein Mann konnte durch seine Frau auch unrein werden. Wenn er zum Beispiel gesessen ist, und eine Frau ist ĂŒber seine FĂŒĂŸe gestiegen, so war er unrein und wurde fĂŒr ein paar Tage von den anderen gemieden."[184] Auch diese Roma - Sitte lĂ€sst er in seinem Werk völlig ohne Kommentar im Raum stehen. Ich glaube, dass diese alte Einstellung noch immer tief in ihm drinnen steckt und dass er sie nicht ablehnt.
Aber auch sein eigenes Handeln versucht er durch das seines Vaters zu rechtfertigen. Seine Mutter hatte ihm nĂ€mlich erzĂ€hlt, dass sein Vater von Zeit zu Zeit all seine Rösser verkauft, sein bestes Gewand angezogen hatte und mit weißen GlacĂ©handschuhen im Wiener Nachtleben untergetaucht war. Die Mutter hatte dann immer besonders fleißig gearbeitet, da sie gewußt hatte: spĂ€testens nach einer Woche kommt er pleite nach Hause. Sie hatte damals nie etwas gesagt, sondern ihm ihr bestes Essen vorgesetzt und ihm Geld fĂŒr neue Pferde gegeben. Der Vater hatte sich dann immer geschĂ€mt, jedoch viel genĂŒtzt hatte es nicht[185]. Da das "Ausreißen" daher quasi in der Familie liegt, rechtfertigt Karl damit auch seine eigenen AusbrĂŒche aus dem zivilisierten Leben: Auch er hatte nĂ€mlich einmal seine Frau einfach verlassen und war - ohne ihr eine Nachricht zu hinterlassen - nach Lissabon gefahren, da ihn das Reisefieber gepackt hatte[186].
Über die Verhaftung seines Vaters weiß Karl noch, dass er einen Pepita - Anzug trug, als er ins PolizeigefĂ€ngnis RosauerlĂ€nde gebracht wurde. Im sogenannten Zweier Landesgericht am Hernalser GĂŒrtel versuchte er ihn noch einmal durch die EisenstĂ€be zu kĂŒssen, jedoch diese waren zu dick.[187] Das war auch das letzte Mal, dass er seinen Vater sah, bevor dieser starb.



7. 7. Darstellung der NS - MĂ€nner und Frauen

Ceija geht vor allem immer auf das Aussehen der WĂ€rter und WĂ€rterinnen ein. Wie bereits erwĂ€hnt, versucht sie immer vom Äußeren auf innere Werte zu schließen. So auch bei den WĂ€rterinnen. So beschreibt sie zum Beispiel eine Aufseherin: "Sie war eine große, vollschlanke blonde, sehr elegante Frau, sehr streng und eiskalt. Ihre Haare waren kunstvoll zu einem Knoten hochgesteckt, sie hatte wunderschöne Lackstiefel an, ihre MĂŒtze saß perfekt, es fehlte nichts an ihr."[188] Da diese Frau so perfekt zu sein schien, konnte sich Ceija nicht vorstellen, wie eine so schöne Frau kein Herz haben konnte. Aber auch die SS - MĂ€nner beschreibt sie immer als "sehr groß und schlank" und sie spricht auch immer von ihren "hochpolierten Stiefeln"[189] Als Kind war sie ja noch ziemlich klein und blickte daher bei den SS - Leuten immer zuerst auf diese Stiefel, die ihr heute noch in Erinnerung geblieben sind. Über die SS - MĂ€nner schreibt sie: "Die SS - MĂ€nner waren so arg, dass kein Tier so böse sein konnte, denn selbst das wildeste Tier wird einmal mĂŒde und gibt auf. Aber die SS konnte niemand mĂŒde machen."[190] Die Frauen waren jedoch noch schlimmer als die MĂ€nner in Auschwitz, und Ceijas Mutter sagte einmal zu ihr: "Wir mĂŒssen aufpassen dass wir nicht auffallen, denn diese Aufseherinnen sind zu allem fĂ€hig."[191] Ceija sagt auch, dass sie von den WĂ€rterinnen den Eindruck hatte, dass es fĂŒr sie das schlimmste war, die gleiche Luft mit den Gefangenen einzuatmen.[192] Sie versucht aber auch immer die brutalen Aktionen der WĂ€rter zu rechtfertigen, indem sie sagt, dass sie viel lieber bei ihrer Familie wĂ€ren und daher ihren Zorn an den HĂ€ftlingen auslassen.[193] Auf allzu genaue und vor allem schreckliche Schilderungen ĂŒber brutale Folterungen oder Hinrichtungen verzichtet Ceija bewußt, da sie meint, dass sich jeder vorstellen kann, wie schrecklich diese Zeit war.
Karl hingegen schildert vor allem die Grausamkeiten, die PrĂŒgel und Ungerechtigkeiten der NS und deren Verhalten, da zum Beispiel jede auch noch so unbedeutende Bemerkung die Ursache fĂŒr PrĂŒgel oder den Tod sein konnte. Er schreibt auch, dass die SS - Leute mit der Zeit immer grausamer wurden und die Zigeuner wie Vieh behandelten. Aber auch vor allem Menschen mit TĂ€towierungen verschwanden immer wieder.[194]
Er berichtet auch von einem Österreicher namens Kurt, dem brutalsten Aufseher, der es besonders auf Kinder abgesehen hatte. Er schlug und prĂŒgelte sie immer, wenn er sie nur sah. Karl musste ihm auch einmal in der Nacht in seinen Raum folgen. Dort musste er seine Kleider ausziehen und sich drehen, wĂ€hrend der WĂ€rter wohl erregt war. [195]
Aber auch er hat die selbe Meinung ĂŒber die WĂ€rterinnen wie Ceija: "Nach der Selektion in Auschwitz, durch die wir wie durch ein Wunder alle hindurchgekommen waren, wurden die Mutter und die Schwestern ins Frauen - KZ nach RavensbrĂŒck gebracht. [...] Sie haben fĂŒrchterlich dort gelitten unter den Aufseherinnen, die vielleicht schlimmer waren als all die SS - MĂ€nner, die uns bewachten."[196]
Karl bezeichnet die Nazis auch als "schlau", da die zuerst die MĂ€nner verhafteten und Frauen und Kinder zunĂ€chst in Ruhe ließen, da diese ihnen nicht so leicht davonlaufen hĂ€tten können. Über das Aussehen der Aufseher und SS - Leute berichtet er nichts. Ich glaube, fĂŒr ihn scheint immer nur deren Verhalten erzĂ€hlenswert, wĂ€hrend sich Ceija auch mit deren Aussehen auseinandersetzt.



7. 8. Beschreibung der Situation im KZ

FĂŒr Ceija war vor allem der Zusammenhalt zwischen den HĂ€ftlingen sehr wichtig. Sie schreibt, dass es immer einen engen Zusammenhalt im KZ gab, um das Leid zu mindern - vor allem unter den MĂŒttern, die stark zusammen hielten[197]. So retteten alle Frauen unter anderem einem kleinen Buben das Leben, indem sie ihm Frauenkleidung anzogen, da er sonst als Bub in die Gaskammer gekommen wĂ€re.[198]Aber auch manche anderen Lagerinsassen waren nicht nur auf das eigene Überleben bedacht: So gab es zum Beispiel manchmal eine Weißrussin, die ihnen eine Kartoffel schenkte, oder die die Kartoffel so dick schĂ€lte, dass sich die Gefangenen mit der Schale stĂ€rken konnten.[199] Daran kann sie sich heute noch beim Kartoffelschalen erinnern. Ceija fand auch einige Freundinnen: Tante Ria, die BlockĂ€lteste, der sie immer half, eine alte Polin, Resi, die an den Folgen ihrer Zwangssterilisation starb, und einige andere. Aber sie berichtet auch, dass sich ein Ă€lterer Mann - der auch Stojka hieß - nach der Trennung der Buben von der Mutter, um Karli und Hansi angenommen und als deren Großvater ausgegeben hatte.[200]
Karl erwÀhnt das jedoch mit keinem Wort.
Ceija erzĂ€hlt außerdem von der Weihnachtsfeier am 24.12.1944, die von der Lagerleitung fĂŒr die Kinder veranstaltet wurde, wo alle "Stille Nacht" singen mussten, und von der grausamen Sterilisation, der sie jedoch durch GlĂŒck entkommen konnten.
Karl erklĂ€rt sowohl in seinem Buch, als auch bei seinen VortrĂ€gen, dass es ĂŒberhaupt keinen Zusammenhalt im KZ gab, dass jeder nur auf sein eigenes Überleben bedacht war und dass höchstens die Familien zusammenhielten. Er und sein Bruder Hansi hĂ€tten nur ĂŒberlebt, da sie raffinierter als viele andere Kinder waren: "Wenn auf einer Pritsche ein alter ausgemergelter Mann saß und sein Brot in der Hand hielt, so sausten wir vorbei, einer gab ihm einen Stoß, der andere klaute ihm das Brot aus der Hand, und wir ĂŒberlebten wieder einen Tag."[201] Dass heißt, dass es keinen Zusammenhalt gab, sondern eher einen Kampf ums Überleben. Um auch an Essen und sonstiges zu gelangen, gab es sogar im Lager Tauschhandel und sogar so etwas wie Prostitution: "Frauen, die nichts zu tauschen hatten als ihren Körper, stellten sich manchmal an den elektrischen Zaun am Russenlager und hoben die Röcke und ließen sich von allen Seiten bewundern, dafĂŒr haben die Russen Zigaretten und Brot ĂŒber den Zaun geworfen."[202] Karl berichtet aber auch von Kannibalismus unter den HĂ€ftlingen: "[...] einmal hat ein HĂ€ftling versucht, an unserem Feuer ein StĂŒck Fleisch zu rösten, von dem man sehen konnte, dass es Menschenfleisch war."[203] Keiner sagte etwas darĂŒber, und er selbst rechtfertigt es damit, dass jeder das Recht zu ĂŒberleben hat.
Von vielen Freundschaften erwĂ€hnt er nichts. Nur sein Bruder und ein Freund namens Fredl halfen ihm auf dem fĂŒrchterlichen Todesmarsch, als er unter Durchfall litt und sie ihn beim Gehen stĂŒtzten.

Wie man sieht, gibt es auch hier kontrĂ€re Aussagen und unterschiedliche Ansichten ĂŒber die Zeit, die die beiden Geschwister im KZ verbrachten. Klar ist, dass jeder diese schreckliche Zeit auf unterschiedliche Weise erlebte und in Erinnerung behielt. Es sind schließlich zwei verschiedene Menschen, die nur das selbe Schicksal teilen mussten. Ausschlaggebend fĂŒr all diese Unterschiede im Stil, der Beschreibung von Situationen und Menschen ist sicher auch, dass Ceija eine Frau ist, wĂ€hrend Karl sich als eitler und stolzer Rom zeigt.
Ceija sagte im Interview zu uns: "HĂ€tte er frĂŒher [geschrieben], hĂ€tte ich keine Chance ĂŒberhaupt, eine Aussage zu machen. Bei mir hat er alle Chancen: Ich bin eine Frau!"[204] Ich persönlich muss auch sagen, dass sich auch die Persönlichkeit der beiden in ihren Werken widerspiegelt: Ceija, die kleine sympathische Schwester und der große, stolze, selbstsichere Bruder. Beide haben jedoch ein individuelles Werk geschaffen .


























8. Exkurs: Vergleich mit "... und dann zogen wir weiter" von Miso Nikolic


Miroslav (Miso) Nikolic stammt, gleich wie Ceija Stojka, aus einer Romagruppe der Lovara. Er ist 1940 in Serbien, auf der Landstraße zwischen Pozarevac und Petrovac na Mlavi geboren. Bereits anhand dieser genauer Angabe von Ort und Zeit seiner Geburt ist ein Unterschied zur Lebensdarstellung von Ceija Stojka zu erkennen. Miso besucht in Serbien die Schule. WĂ€hrend des Krieges muss sich seine Familie vor den Nazis verstecken. Seine frĂŒheste Kindheitserinnerung ist ein Vorfall zur Zeit eines Fliegeralarmes:

"Am Straßenrand haben ein paar Leute zwei kleine Kinder in weiße Laken eingewickelt. Wie sie die Kinder weggetragen haben, habe ich gesehen, wie das Blut aus den LeintĂŒchern geronnen ist und eine blutige Spur auf der Straße hinterlassen hat. Das werde ich nie vergessen. Das ist meine frĂŒheste Kindheitserinnerung."[205]

Man kann sagen, dass Miso ein "Kriegskind" ist, wĂ€hrend Ceija Stojka auch das Leben vor dem Krieg in seiner Sorglosigkeit kennt. Im Gegensatz zu Ceija war Miso nicht im KZ. Es ist bemerkenswert, dass Ceija in ihrer Autobiographie nie das Wort "Krieg" benutzt, sondern nur von den Ereignissen spricht, die der Krieg mit sich brachte, wĂ€hrend hingegen Miso den Krieg als Zeitangabe verwendet und auch versucht, die GrĂŒnde, warum es zum Krieg kommt, zu erklĂ€ren:

"Am 6. April 1941 marschierte die deutsche Armee in Jugoslawien ein. Da mein Vater ein gebildeter Mann war, hatte er geahnt, dass ein Krieg ausbrechen wird. Seit der Ermordung von König Aleksandar Karadjordjevic in Marseille war in Jugoslawien eine sehr große Spannung und schwere Krise. Weil mein Vater immer die Nachrichten gehört und die Zeitung gelesen hat, wußte er genau, was in Europa alles geschah. NatĂŒrlich begann jetzt auch in Jugoslawien eine große Verfolgung von Juden und Zigeunern."[206]

In dem Zitat wird klar, dass Miso die zeitgeschichtlichen ZusammenhÀnge erkennt, und dass sein Vater informiert ist.
Miso verdient seinen Lebensunterhalt als Maler und Anstreicher, TeppichhĂ€ndler, Musiker etc. Er reist viel und letztendlich entscheidet er sich fĂŒr ein Leben mit seiner Frau Ruza Lakatos in Österreich. 1995 beginnt er die Geschichte seiner Familie und seines eigenen Lebens zu schreiben. 1997 wird sein Buch "...und dann zogen wir weiter" herausgegeben. Darin erzĂ€hlt er uns die Lebensgeschichte seiner Familie von 1896 bis in die sechziger Jahre unseres Jahrhunderts. Das Werk ist in zwölf Kapitel unterteilt. Im Vergleich zu Ceija Stojkas Werk "Wir leben im Verborgenen", schreibt Miso Nikolic ĂŒber Geschehnisse die vor seiner Geburt passiert sind. Er erzĂ€hlt uns die Geschichte seiner Eltern, wo sie geboren sind, wie sie sich kennengelernt haben... Er ordnet die Geschehnisse exakt zeitlich und rĂ€umlich ein. Da er das ErzĂ€hlte nicht selbst erlebt haben kann, hat er es vermutlich von einem Angehörigen der Familie gehört. Man kann auch annehmen, dass ein großer Teil des Werkes fiktive Geschehnisse prĂ€sentiert, wodurch das Werk einen anderen Stellenwert bekommt, als Ceijas autobiographische Schriften. Ihr ist es wichtig, die Geschehnisse wahrheitsgetreu wiederzugeben und dadurch wirkt sie, meiner Meinung nach, authentischer als die von Nikolic. Miso versucht seine Geschichte auf eine literarische Ebene zu bringen, was bei Ceija Stojka nicht der Fall ist. Er versucht, aus seiner Geschichte und seinen Darstellern etwas Besonderes zu machen.
Im Vergleich zu Ceijas Bescheidenheit, versucht Miso die hervorragenden Eigenschaften seiner Familienangehörigen und von sich selbst hervorzuheben. Er erwÀhnt z.B. des öfteren das gute Aussehen seines Vaters: "Ljubomir ging dann zur Schule und wuchs zu einem gesunden jungen Mann heran, der auch gut aussah."[207]
Außerdem betont er die gute Bildung seines Vaters:

"Da mein Vater von einer feinen Familie abstammte, hatte er als Kind eine Schule besucht und konnte dadurch lesen und schreiben. Außerdem sprach er mehrere Fremdsprachen, und zwar Serbokroatisch, Russisch, Bulgarisch, Tschechisch, Polnisch, RumĂ€nisch, Italienisch,, etwas Französisch, Deutsch, Englisch und natĂŒrlich seine Muttersprache Romanes."[208]

Miso stellt seine Familie als sehr vornehme Leute dar: "Auf einmal kamen alle Menschen aus den Zelten heraus, um die vornehmen Leute zu sehen, [...]"[209]
Auch bei der Beschreibung der eigenen Person, spart Miso nicht an Lob, wie z.B. beim Fußballspielen: "Ich spielte in seiner Gruppe, gewonnen haben natĂŒrlich wir, mit einem sehr hohen Resultat, und die ganzen Mitspieler bewunderten mich, wie gut ich spielen konnte."[210]
In der Schule ist Miso auch einer von den besten SchĂŒlern: "Ich und Jovo waren ganz im Gegensatz zu meinem Bruder Dragi in der Schule so gut, dass wir ein Vorbild fĂŒr die anderen SchĂŒler waren."[211]

Im Zuge der Aufgabenstellung meiner Arbeit habe ich mich besonders mit dem zwölften Kapitel auseinandergesetzt, das den Titel "Ein Teller voll Dukaten" trĂ€gt. Darin erzĂ€hlt Miso eine Episode aus dem Leben seiner Eltern, wo die besondere Stellung der Frau in der Roma - Gesellschaft zum Ausdruck kommt. In diesem Kapitel wird die Spielsucht des Vaters Ljubomir beschrieben, die eines Tages so weit fĂŒhrt, dass er sein Hab und Gut verspielt. Als er nach Hause kommt, um seine GĂŒter unter den Schuldnern zu verteilen, ist er so verzweifelt, dass er sogar seine Frau von einer BrĂŒcke stoßen will. Mileva sieht, dass ihr Mann nicht zurechnungsfĂ€hig ist, weil er betrunken ist. Mit weiblicher List gelingt es ihr, ihn von seinem Vorhaben abzubringen, indem sie sagt, dass sie ein kleines Vermögen versteckt hat:

"Betrunken und verzweifelt sagte Ljubomir zu Mileva:
- Du bist das einzige, was ich jetzt noch habe, und da ich alles verloren habe, stoße ich dich jetzt von der BrĂŒcke hinunter.
Obwohl sie Analphabetin war und dazu noch ungebildet, reagierte sie blitzschnell und meinte:
- Du dummer Kerl, wenn du mich jetzt von der BrĂŒcke hinunterstĂ¶ĂŸt, erfĂ€hrst du nie, wo ich das ganze ersparte Geld versteckt habe. Und mit diesem Geld kannst du dir alles wieder kaufen, was du verloren hast."[212]

Auf der Suche nach dem Geld muss Ljubomir viele Steine heben. Durch die körperliche Anstrengung wird er wieder nĂŒchtern. Da erkennt er, dass er falsch gehandelt hat und ist froh, mit so einer klugen Frau verheiratet zu sein.

"Er hob die Steine auf, einen nach dem anderen, aber es war nichts zu finden. Mit der Zeit wurde Ljubomir langsam nĂŒchtern. Als er dann mit nĂŒchternen Augen sah, wie Mileva verzweifelt herumsuchte, mit verweinten Wangen, bat er sie, zu ihm zu kommen. Mileva sah ihn an und ging dann mit TrĂ€nen in den Augen zu ihm. Er umarmte sie und sagte ihr, sie sei eine sehr kluge Frau. Und so gingen beide zurĂŒck zu den Kindern."[213]

Die Episode erinnert an ein moralisierendes MĂ€rchen, in dem die Überlegenheit der Frau dem Mann gegenĂŒber thematisiert wird.
Nach diesen Vorfall, muss Mileva die Familie mit dem Essen versorgen. Sie geht in die Stadt, um wahrzusagen. Als sie verzweifelt auf der Straße sitzt, weil sie zu wenig verdient hat, kommt ein Reiter an ihr vorbei der sie aus der Not rettet. Er scheint wie eine Figur aus einer Heldensage zu sein. Diese Situation wird auch sehr "mĂ€rchenhaft" beschrieben und nimmt ein glĂŒckliches Ende, wo Ljubomir und Mileva weiter unbeschwert leben können:

"WĂ€hrend sie auf dem Trottoir saß, voller Gedanken und Trauer, kam plötzlich ein Reiter auf einem Schimmel vorbei. In ihrer Verzweiflung rief sie nach dem Reiter:
" - Edelmann Lasar, mit dreißig Dinar in der Tasche, komm runter, damit ich dir aus der Hand die Zukunft lesen kann!
Er ritt ein StĂŒckchen weiter, dann blieb er stehen. Er stieg vom Pferd und ging auf Mileva zu, um ihre Zigeunermutter zu beschimpfen. Doch dann sagte der Mann:
- Vielleicht kennst du mich und weißt, dass ich Lasar heiße, aber woher wußtest du, dass ich genau dreißig Dinar in der Tasche habe?
- Aus dem Grund, weil ich eine Hellseherin bin, meinte Mileva."[214]


In seinem Buch hebt Miso oft die guten Eigenschaften seines Vaters hervor. Er war fĂŒr ihn vermutlich ein großes Vorbild. In dieser Geschichte weist Miso auf die Weisheit seiner Mutter hin, obwohl sie im Gegensatz zu seinem Vater, nicht gebildet ist. Man kann vielleicht eine Parallele zwischen den Beziehungen Miso - Vater und Ceija - Mutter ziehen. Beide Elternteile waren fĂŒr die Kinder von sehr großer Bedeutung.

Meiner Meinung nach, schreibt Miso, was seine Erlebnisse betrifft, in einem nĂŒchternerem Stil als Ceija. Er beschreibt sie mehr analytisch, wĂ€hrend bei Ceija die Sinneswahrnehmungen - das Riechen, Hören und SpĂŒren - eine bedeutende Rolle spielen. Ihre Visionen, ihre GefĂŒhle umhĂŒllen das ganze Werk. Miso schafft eine Distanz bei den Beschreibungen von seinen GefĂŒhlen:

"Nach dem Tod meines Vaters trug ich ein schwarzes Hemd und trauerte ein volles Jahr. Ich tanzte nicht, ich sang nicht und ich ging nie dorthin, wo Musik spielte. Ich wußte schon, was das bedeutet fĂŒr einen jungen Menschen, wenn er Trauer trĂ€gt. Den Vater haben wir ganz plötzlich verloren, er war kerngesund, als er umgebracht worden ist. Doch die Mutter war bettlĂ€gerig und sehr krank, deswegen trauerte ich nach meiner Mutter nur sechs Wochen."[215]

Die Toleranz, die das Leben von Ceija Stojka begleitet, ist bei Miso nicht so stark spĂŒrbar:

"Ich habe erlebt, wie die Kinder uns nachgelaufen sind und "Zigeuner, Zigeuner!" gerufen haben. Am liebsten hĂ€tte ich sie zusammengeschlagen. Ich bin von Belgrad gekommen, war ein guter SchĂŒler und tausend Mal fortschrittlicher als die dummen Bauernkinder, die gar nicht richtig sprechen konnten."[216]

Sicher ist es auch eine Frage des Geschlechtes, wenn man vergleicht, wie Miso Nikolic und Ceija Stojka schreiben. Ceija meint:

"[...] die Ehrlichkeit liegt in dem kleinen Buch "Wir leben im Verborgenen", ja! [...] Und das andere ist dann also ... sie wollen etwas erreichen. Das ist jetzt das selbe, wenn ich jetzt sage: ‘Du schreib’, du wirst besser als ich! [...] Aber haben wir jetzt nicht ein Leben vor uns, wir vier, das auch ein StĂŒck wert zu schreiben ist? Wie das Leben lĂ€uft uns wie das Leben ist."[217]

Doch eines ist ihnen gemeinsam: beide möchten die Geschichte der Roma weiterleiten, damit sie nicht vergessen wird.

"Du, Du. Du hast Angst
vor der Finsternis
auf diesem langen Waldesweg.
Du, ich sage D
wo der Weg menschenleer ist
dann brauchst Du Dich auch nicht fĂŒrchten."[218]











    Interview mit Ceija Stojka


Wir: ErzĂ€hlen Sie uns doch bitte ĂŒber Ihren Schreibbeginn und ĂŒber die Reaktionen Ihrer Mitmenschen auf Ihr Schreiben!
Ceija Stojka: Als ich begonnen hab‘ zum Schreiben ĂŒberhaupt - als Zigeunerin, als Außenseiterin - also als UnterdrĂŒckte - und, und, und... .
Wir: Sie waren die erste?
Ceija Stojka: Ja, ja, von Österreich ĂŒberhaupt, als Zigeunerin, die etwas geschrieben hat und Ă€h, dann hatte ich natĂŒrlich auch mit meinen Verwandten Probleme, gell. Bis sie dann - ich hab‘ gesagt, ich muss geduldig sein und ich muss mir Zeit lassen, irgendwann einmal werden sie das einsehen, dass es der richtige Weg ist, nicht. Aber es hat sich dann ergeben, na dass er selber geschrieben hat, gell.
Wir: Denn am Einngang hat der Karl ja gesagt, dass ihr Geschreibe nur Gekritzel ist. Das habe ich in einem Interview gelesen.
Ceija Stojka: Der Karl? Echt ?
Wir: Ja! Das steht in ihrem Buch "Wir leben im Verborgenen".
Ceija Stojka: Wirklich? - Ja, das ist schon richtig.
Wir: Und dass er dann nachher selber zu schreiben beginnt, da haben wir gedacht, das ist vielleicht...
Ceija Stojka: Das ist aber schön, dass ihr mir das sagt. Das find ich... Ja, ihr mĂŒĂŸt euch vorstellen, ihr seid’s MĂ€dchen, sagen wir jetzt, Frauen... und habt eine Familie, habt dann Kinder, und da sind BrĂŒder dazwischen, die sich also irrsinnig wichtig vorkommen. Und diese kleine Frau hat mit der Welt zu tun, gibt die Hand den Höchsten und redet mit ihnen. Und in diesem Raum da, wo ihr jetzt seid’s, da sind schon ganz große Menschen gewesen und ganz kleine. Und jetzt kommt er. Ich habe auch heute noch - aber es ist schön, es freut mich unhamlich, dass ihr mir das gesagt habts, und es wĂ€r‘ auch schön, wenn s’mir so a Blatt zukommen lassen wĂŒrdets.
Wir: Das ist in ihrem Buch drinnen, "Wir leben im Verborgenen", im Interview mit der Karin Berger. Da sagen sie das am Anfang ĂŒber ihren Schreibbeginn, dass Sie ihm das gezeigt haben und dass er es dann abgewertet hat.
Ceija Stojka: Ja, das ist schön, dass ihr das also wieder.... Ja, es ist ja auch spĂ€ter dann immer wieder abgewertet worden. Und es ist, dass ihr das behalten habt‘s und dass ihr ĂŒber das reden wollt‘s und auch das Ganze auseinandernehmen wollt‘s, das ist etwas Wunderbares - wenn das geschieht, gell. Es ist, die Probleme zwischen den Ă€lteren BrĂŒdern - er ist nicht viel Ă€lter, um zwei Jahre, aber doch. Und jetzt muss man sich vorstellen: er, der eitle Karl Stojka, gell, wird von der kleinen Schwester - also...und da hat man so gewisse.... Er hat auch zu mir gesagt: "Dieses Gekritzel wird nie jemand lesen !" Und ich hab‘ gesagt: "Das macht nichts" - "Ja", sagt er, "und wie viele BĂŒcher werden da vielleicht...." - "Na", hab ich g’sagt, "vielleicht sind’s zwanzig oder zehn, oder...dann liegen eben zehn BĂŒcher irgendwo in einem Haushalt, wo man darĂŒber reden kann. Und das eine Buch wandert von einem zum anderen, und irgendwo in Österreich liegen zwei, drei BĂŒcher. Und das is‘ ja schon was! Und das hĂ€tten sie sich nie gedacht, dass es dann so ein ... also dass es so eingeschlagen hat. Und ich hab‘ noch heute meine Probleme mit den Geschwistern. Aber er ist dann vier Jahre spĂ€ter mit einem Buch herausgekommen, gell, und ich weiß, dass ich heute noch sehr, sehr daran zum Nagen hab‘, gell, weil er ist ja doch ein Mann, gell! Und ich denk‘ mir: "Ach Gott, ich muss ja nicht ĂŒberall dabei sein!" Aber er versucht also dann ĂŒberall dabeizusein, wo er dann glaubt, er könnte alles in einem riesen Karton einschnĂŒren und verstecken - nur er...gell, also... .
Wir: Das ist uns eh auch aufgefallen, dass Sie eigentlich kaum ĂŒber ihn schreiben in ihrem Buch, sondern eher ĂŒber den Ossi oder ĂŒber die Kathi, aber weniger ĂŒber ihn. Und er aber auch! Er macht sich auch irrsinnig wichtig, also er setzt sich immer in den Vordergrund, er bezeichnet sich immer als schön, er sagt, dass er die Familie gerettet hat,...
Ceija Stojka: Das ist alles nicht richtig.... Ich hab‘ zu ihm gesagt: "Karli, das ist das erste Buch, was rausgekommen ist". Als ich das Buch geschrieben habe - und das ist die Wahrheit - vor zehn Jahren, da hab‘ ich mich gelöst, also den Druck aus meinem Bauch, wo man immer gesagt hat "AuschwitzlĂŒge" und "das Gelogene", wo dann mein Bruder..., also ich habe nicht geschrieben fĂŒr die Öffentlichkeit, ich hab‘ fĂŒr mich geschrieben. Und wenn ich einmal meine Augen zumache: fĂŒr meine Kinder. Ich hab’ nie gedacht, dass es an die Öffentlichkeit kommt. Ich hab’ auch nicht gerechnet, dass es jemand nimmt und zu einem Verlag... Ich wĂ€r‘ sowieso nie damit gegangen!
Wir: Wie ist das passiert?
Ceija Stojka: Ich hab‘ einen lieben Menschen kennen gelernt - das wĂ€r‘ ich euch auch erzĂ€hlen - das ist die Karin Berger. Die hat mich gesucht, die hat einen Hinweis - von wo weiß ich bis heute nicht.... Und diese junge Frau war damals so 30, gell, und die hat g’sagt: " Könnt‘ ich ein Interview haben von Ihnen. Sie sind eine Zigeunerin und mir fehlt in meinem Buch ein..., ein ganz kurzer... wenigstens zwei Wörter." Sie hat ein Buch herausgegeben und das heißt "Ich gebe dir einen Mantel, den du in der Freiheit auch noch tragen kannst". Und es war niemand bereit, ihr ein Interview zu geben. Und ich hab‘ g’sagt: "Warum eigentlich nicht!". Ich hab‘ sie bestellt, und wir sind zur Schwester gefahren und da hab‘ ich ihr das Interview gegeben. Und im Laufe der Zeit, waren meine BlĂ€tter - so wie ihr jetzt da habt’s - BlĂ€tter, nur BlĂ€tter, und da hat ihr meine Schwester gesagt: "I sag‘ dir was: Die hat auch geschrieben - alles was sie im KZ erlebt hat." Das hat sie behalten und dann ist sie immer gekommen auf einen CafĂ©, immer auf einen CafĂ©.... Ich wußte schon, warum sie kommt, gell, dass sie da reinschauen wollte. Aber ich hab‘ ihr das nicht gezeigt, und fast ein Jahr nicht, gell. Und der CafĂ© wurde immer lĂ€nger, lĂ€nger, lĂ€nger, bis ich einmal g’sagt hab‘: "Jetzt kenn‘ ich dich so gut, okay, da hast du alles und mach‘ daraus etwas, weil ich werd‘ mich natĂŒrlich nie ... also bei einem Verlag oder so... ." Ja, sie hat sich bemĂŒht, hat das geschrieben und ist zu einem Verlag, und der Verlag, der Verlag wollte aber die Originale haben, gell. Die wollt‘ ich nicht rausgeben, weil so viel Fehler drinn sind, weil ich ja nicht lesen und schreiben.... Also ja, dann hat sie das also in einem ... also alles richtig getippt. Es muss alles richtig geschrieben sein. Wenn’s ich lesen kann, kann’s ein anderer auch lesen, aber deswegen werd‘ ich das nicht so an die Öffentlichkeit geben. Und es ist so schnell gegangen dann mit der, mit der Öffnung, gell, also mit der PrĂ€sentation. Ja, und es ist... also hat fast Amerika, dann Japan, und es ist sehr.... In Japan gibt‘s es auch das Buch - und ĂŒbersetzt. Und ich kann sagen, dass fast in Deutschland...also ist es, Ă€h, fast auf jeden Tisch - was Kultur anbelangt.
Wir: Aber hier auch. In den Bibliotheken, das finden wir super,... wir haben es in jeder Buchhandlung gefunden.
Ceija Stojka: Ja, dann hab‘ ich natĂŒrlich mit den Geschwistern die wahnsinnigen Probleme gehabt.
Wir: Warum? Wollten sie nicht, dass es veröffentlicht wird?
Ceija Stojka: Ja, also mein Bruder, nein, er wollte eben nicht. Er wollte eben kein Zigeuner... also nicht das zeigen... .
Wir: Aber er hat ja selbst schon gemalt zu der Zeit, oder ?
Ceija Stojka: Er hat zu dieser Zeit schon, richtig...
Wir: Vielleicht weil Sie eine Frau sind. Wahrscheinlich weil sie an die Öffentlichkeit gegangen sind als Zigeunerin und noch als Frau.
Ceija Stojka: Noch drauf. Aber dann die Anerkennung, gell, weil in diesen RĂ€umen waren so viele Menschen - kleine, große.... und das hat er fĂŒr sich nicht verkraften können. Ja, ja, er will immer der .... Ich bring‘ euch jetzt den CafĂ©!
[Ceija serviert uns Café mit Gugelhupf]
Wir: Ihre Beziehung zur Natur ist auch irgendwie ganz anders. Das kann man auch in ihren BĂŒchern herauslesen.
Ceija Stojka: Ja, naja, man muss sich vorstellen: Ein Kind, das immer bei der Mutter ist, gell. Und erst, ah, dann losgelassen wird, wenn es also das Leben fordert. Ich war immer im KZ mit der Mama. WĂ€r‘ sie nicht gewesen, hĂ€tt‘ ich nicht durchg’halten, und bin dann auch sehr frĂŒh Mutti geworden - mit 16 hab‘ ich schon einen Buam g’habt - und hab‘ mein Leben gemeistert heut‘. Und das Leben, was mich geprĂ€gt hat, ist auch heute noch in mir drinnen, ja.
Wir: Sie haben da von diesem Baum da geschrieben - dem "Lebensspender"...
Ceija Stojka: Ja, da hab‘ ich also.... Also nach dem Buch, gell, ist das sehr rasch... - das Buch kam raus und es hat sehr rasch, also, Deutschland und so, die KZ auch gleich erreicht, und da wurde gleich schnell eingeladen, 50 oder 52 Jahre danach - nein 51 Jahre danach - in Bergen Belsen, gell. Ja, und man kann sich vorstellen, wenn man da hingeht, mit der Enkelin, die ziemlich jung war damals, mit meiner Schwiegertochter.... Und es ist alles dort flach, gell, also grĂŒn - wie eine Heide. Nur mit diesem Wind, ja, und ich hab‘ zu meinen Kindern g’sagt, ich kann mit den allen Juden nicht gehen... also es wĂ€re fĂŒr den nĂ€chsten Tag ein großes, also Treffen, mit zwei - oder dreitausend Juden.... Und ich hab‘ gesagt: "Ich war da drinnen. Ich hab‘ da drinnen geschlafen, gegessen und ich bin dort gequĂ€lt worden. Ich muss alleine gehen, weil nur so kann ich das Ganze wieder, also, aufnehmen und eventuell etwas finden." Und als wir reingegangen sind, sagt meine Schwiegertochter: "Du musst zu dieser Tafel gehen! Die Tafel - dort gehen alle hin, immer zu dieser GedenkstĂ€tte. Da muss eine Tafel sein und da stehen Namen drauf." - Sag‘ ich: "Die Tafel hat’s ja frĂŒher nicht gegeben! Also die ist ja erst viel spĂ€ter gekommen. Aber lasst’s mich in Ruh‘!" Und ich bin dann gegangen, ĂŒber HĂŒgeln und ĂŒber dieses Gras da. Plötzlich stand ich vor einem Abschnitt ja, und ich hab‘ meine Mama gesehn - in diesen HĂŒgeln, diesem Wahnsinn. Und ich war auf diesem kleinen Fleck, wo ich rausgegangen bin vor 54 Jahren. Wenn man das wiederelebt, auf einer FlĂ€che, wo man kaum etwas finden kann, wo man sich nichts vorstellen kann.
Wir: Wir finden das ĂŒberhaupt sehr beeindruckend, wie Sie das beschreiben, wie Sie ihre GefĂŒhle beschreiben, dass sie so viel schon im Vorhinein spĂŒren können - das ist so esoterisch... Also fĂŒr uns ist es ein total ungewöhnliches Buch!
Ceija Stojka: Als ich dort reingekommen bin, gell, und ich geh‘ und steh‘ so.... Ja, das ist es, das ist es: Ich spĂŒr’ meine Mama dort sitzen - nur ohne Gras, der trockene Boden.... "Aber jetzt eine BestĂ€tigung," sag‘ ich, " die mĂŒsste ja da sein!" Und das war der Baum. Aber der Baum - es hat ja alles gebrannt, beim Verlassen, gell - aber er war so jung, der Baum, dass er auch den Brand ĂŒberstanden hat. Und das Schöne ist, er muss noch viele, viele Jahre... - also wunderschön g‘wachs’n. Er hat Millionen Ästerln g’habt, kleine Äste - wie eine graue Frau, die uralt wird und die Haare ganz unten am Boden.... Und die Kinder sind unten, also durch, durch die Äste, da hab‘ ich g’sagt: "Schaut’s einmal mitten, wo der Ast sich also auseinandergeht, da muss ein Einschnitt sein - wenn es dieser Platz ist und dieser Baum ist, der jetzt schon zehn Mal so groß ist." Und die Kinder sind durch und da haben sie zum Weinen, zum Schreien ang’fangt. Und wenn ich daran denke, muss ich auch weinen, weil dieser Ast, der ist noch immer dort gewesen - mit dem Einschnitt! NatĂŒrlich sind dort ganz, ganz viele Einschnitte.
Wir:[...] Bei dem Versuch eine chronologische Biographie zu schreiben, haben wir uns sehr schwer getan, da es manchmal zum Beispiel WidersprĂŒche und so gibt. Dann haben wir aber begonnen die BĂŒcher unter einem anderen Aspekt zu lesen, nĂ€mlich dass die Zeit und das RaumgefĂŒhl fĂŒr Sie komplett anders sind, als diese "Schemawelt". Wir möchten nicht unangenehm sein, aber es ist total wichtig fĂŒr unsere Analyse, dass wir Sie fragen, ob es bewußt eingesetzt ist - manche Fehler...
Ceija Stojka: Nein, nein! Es ist meine Geschichte. Und wenn in dem Buch Fehler vorhanden sind, dann hat es sicher... entweder war es Karin Berger, die also mit der Zeit gegangen ist und den Fehler nicht auskorrigiert hat, oder es sind Fehler unterlaufen. Aber von mir aus ist alles richtig!
Wir: Denn es gibt einen witzigen Fehler: Am Anfang schreiben Sie, dass Sie 6 Jahre alt waren und irgendwann ist rausgekommen, dass Sie 10 waren.
Ceija Stojka: Naja, das ist der Fehler von, von, von der, die das ausgebessert hat.
Wir: Und dass der Vater um zwei Jahre jĂŒnger war als die Mutter [wĂ€hrend ein anderes mal geschrieben steht, dass die beiden gleich alt waren] und dass der Vater [laut Karl] nach Mauthausen gefĂŒhrt wurde und einmal [laut ihrer Aussage] nach Dachau.
Ceija Stojka: Nein, nein, mein Vater ist in Dachau gestorben. Karl, mein Bruder, behauptet, er ist in Mauthausen gestorben. Das sind so Fehler.... Schau, man muss das auch ,ah,... er war ein Junge gell, und ziemlich ein wilder Junge und war nie zu Hause und hat sich nie gekĂŒmmert um etwas. Und auch nach dem KZ hat es ihn nicht interessiert, wĂ€hrend ich mit meiner Mutter immer wieder, immer wieder - auch als ich schon Frau war ja, und schon Großmutter geworden bin - immer wieder noch zur Mama und Erinnerungen ausgetauscht. Zum Beispiel von der Kartoffelschale, die eine Frau, also eine Weißrussin, verloren hat. Und ja, da hab‘ ich gesagt. "Mama, kannst dich erinnern?" und sie hat immer gesagt: "Ja, wenn du schĂ€lst eine Kartoffel - dann schĂ€l‘ sie dick!". Das sind dann diese Erinnerungen, die in mir stark hochgekommen sind: "Mama, kannst du dich erinnern, wenn das noch stĂ€rker gewesen wĂ€re, hĂ€tten wir noch mehr Kraft gehabt". Aber das war’s nicht.
Wir: Sie erwĂ€hnen in einem Interview auch, dass Sie nie mit Ihrer Mutter wirklich darĂŒber gesprochen haben, dass das immer eine LĂŒcke geblieben ist.
Ceija Stojka: Ja, sie hat es immer nur angedeutet, aber sie konnte nie etwas ganz zu Ende... - dann ist schon der Schmerz gekommen. Und dann waren ihre Augen schon ganz glĂ€srig gell, diese blauen Augen, und ich musste schon mit meiner Stimme also spielen, und sie hat immer g’sagt: "Jetzt geh‘ aber raus. Trink‘ deinen CafĂ© und geh‘ raus in den Garten! Ja, das ganze ist nicht einfach und Buben.... Er hat, mein Bruder, - ich liebe ihn und er liebt mich auch, sicher ich bin seine Schwester - aber da ist ein Machtkampf zwischen Aussagen und Aussagen. Weil er der Mann ist, glaubt man, er mĂŒsste alles wissen nicht, und ich tu‘ auch mit meiner Schwester, die mich sehr gut versteht - Kathi - die immer sagt: "Ja, du weißt doch eh wie die Buam sind! Und der kann es nicht wissen." Und er weiß heute noch sehr wenig.
Wir: Ich habe ihn schon persönlich in einer Vorlesung gesehen, in der er allen irgendwie ein schlechtes Gewissen eingeredet hat, weil wir die Nachkommen der Generation sind, die ihm das alles angetan haben. Er war ziemlich aggressiv usw. ...
Ceija Stojka: Ja, aber das kann man nicht, man kann nicht... also das auf andere Menschen ĂŒbertragen.
Wir: Es waren auch alle ziemlich geschockt, denn wie kann er uns SchuldgefĂŒhle einreden!
Ceija Stojka: Nein, das darf man nicht. Er ist ziemlich... ich komm auch mit ihm nicht zurecht. Äh, es sind zum Beispiel Kleinigkeiten: Ich sag‘ zu ihm: "Morgen hat mein Schwager Geburtstag - der 31. Mai, nicht". Das war fĂŒr mich so selbstverstĂ€ndlich wie wenn man CafĂ© kaufen geht und Zucker. Und er sagt zu mir: "Du bist blöd! Es gibt doch keinen 31. Mai!" Da hab’ ich gesagt: "Karli bitte, es gibt einen 31. Mai, immer." Dann hat er also so mit den Fingern abgezĂ€hlt und ist auf die Höhe gekommen, nicht. "Ich will ja nichts sagen - du bist ja mein Bruder und ich liebe dich." Aber es sind so Kleinigkeiten und viele andere Sachen, wo er nach Amerika schreibt und geschrieben hat, und sagt: "Meine kleine Schwester, die kann das nicht wissen - die war viel zu klein!" Jetzt hat man ihm aber zurĂŒckgeschrieben: Herr Karl Stojka, können Sie nicht zurĂŒckdenken, wie alt war ihre Schwester wirklich? Ich kenne Menschen, die sich ab drei Jahre erinnern können. Wie alt war ihre Schwester und wie ist ihr Erinnerungsvermögen? Jetzt hat er es zum ersten Mal nach so langer Zeit zugegeben, dass ich mich doch erinnern kann.
Wir: Wir alle haben bemerkt, dass Sie keinen Haß verspĂŒren und auch niemandem VorwĂŒrfe machen. Bei Karl ist das ja umgekehrt. Glauben Sie, dass es auch mit dem Alter zutun hat?
Ceija Stojka: Weil er um zwei Jahre Ă€lter ist? Nein, nein, das glaub‘ ich nicht! Er hat vielleicht mehr... wie soll ich sagen... es ist die Zigeunerwelt sehr klein, sehr jung mit dem Schreiben und ĂŒberhaupt mit Aussagen. Bis jetzt waren sie ja im Verborgenen und die meisten sind es heute noch, ja. Jetzt gibt es aber einen kleinen Teil, der sich öffnet und dann sagt man: "Wieso hab‘ ich nicht vorgegriffen?" Es gibt Frauen bei uns - bei den Zigeunern - die sagen: "Wenn ich schreibe, dann muss es ein Bestseller werden!" Ich sage, es soll kein Bestseller werden. Ich bin glĂŒcklich, wenn ein Buch gekauft wird und wenn ein junges MĂ€dchen, das nicht mehr Geld hat, und es fĂŒr dieses Buch opfern muss - ich hab‘ sowieso nichts davon - kauft es, liest es und sagt: "Ja, das war’s." Und sagt zu ihrer Freundin: "Du, lies es auch!" Und die nĂ€chste gibt es dann weiter. Dann ist mein Buch ein grĂ¶ĂŸerer Bestseller, dann ist dieses kleine Buch durch mehr HĂ€nde gegangen... dass man nicht zĂ€hlen kann, durch viele HĂ€nde gegangen, ja. Und da ist aber der Machtkampf zwischen den MĂ€nnern - jetzt sind wir wieder dort: MĂ€nner. HĂ€tte er frĂŒher, hĂ€tte ich keine Chance ĂŒberhaupt, eine Aussage zu machen. Bei mir hat er alle Chancen: Ich bin eine Frau! Ich weiß, was ich sage, ich rede mit Menschen, und wenn er glaubt, dass er auf diese Art - also seinen Haß auf das Geschehene geben muss, dass er andere Menschen dadurch in den Schmerz hereinbringt - das ist nicht richtig! Weil, was kann die nĂ€chste Generation - ich bin nicht einmal auf den Hitler böse, weil ich sage, er war ein Narr: er hat seine eigenen Menschen vernichtet. Er muss ein Irrer gewesen sein! Er hat Kinder an die Front geschickt !
Wir: An manchen Stellen im Buch sind wir uns nicht sicher, ob sie zynisch und kritisch schreiben. Zum Beispiel bei der Schilderung ĂŒber die "armen" Nazis, die auch gerne zu Hause gewesen wĂ€ren mit ihren Familien - aber weil sie es nicht konnten, haben sie einfach den Frust auf die Insassen abgelassen.
Ceija Stojka: Ja, bin ich auch, aber es ist so: Wenn dieser junge Mann, der gerade eine Frau geheiratet hat und ein Baby kriegt und verliebt ist und der muss nach Auschwitz rein und den Wahnsinn dort miterleben muss, dann ist es ja ganz klar, dass er sagt: " Diese Kreatur, wenn die nicht da wĂ€re, dann wĂ€re ich zu Hause". Und so war es. Und es ist so. Es waren nicht alle böse. Es hat Ausnahmen auch damals gegeben. Ein Nazi ist auch nur ein Mensch. "Nazi" ist nur die Bezeichnung fĂŒr das, was er tut in seinem Leben, wo er sich hinwendet, aber in Wirklichkeit ist er ein Mensch!
Wir: Uns ist auch aufgefallen, dass Ihr Bruder Ihre Mutter nur in ihrer Rolle als Mutter gesehen hat, also er beschreibt immer nur, wie gut ihr Essen war und was ihre Pflichten waren und was ĂŒblich war fĂŒr Roma damals. Sie hingegen beschreiben sie eher von der mĂŒtterlichen Seite, aber nicht im Dienste einer Frau, sondern als Mutter und "Lebensretterin".
Ceija Stojka: So war es auch. Ich war damals also 12 - also mit nicht ganz 10 kam ich nach Auschwitz, mit 10 Jahren ist man schon ein großes MĂ€del, und wir haben das beste daraus gemacht. Es ist ein Kleiner gestorben und Karli und Hansi, Mitzi und Kathi sind alle weg gewesen. Die Kathi war noch mit uns bis RavensbrĂŒck, gell. Dann war Kathi auch weg und ich kam mit Mama am Ende nach Bergen - Belsen. Also Auschwitz war ja die Hölle, und dann dieses Frauenlager, wo die Frauen schlechter waren, schlechter als die MĂ€nner. In diesem schrecklichen RavensbrĂŒck, wo die Frauen also....wirklich unbeschreiblich, dass kann man nicht... .Da gab es eine, die hat Pinz geheißen und sie war schlimmer wie jeder Mann! Sie fuhr mit die RĂ€dern in die Frauen hinein, hat ihnen die FĂŒĂŸe mit dem Rad aufge....Ă€h, also es ist eh klar. Und wir haben alle gefrorene und geschwollene FĂŒĂŸe gehabt - wir haben ja alle keine Schuhe gehabt und wenn man einmal einen Fetzen erwischt hat, den man sich ĂŒber die FĂŒĂŸe gerollt hat, haben sie, und hat eine, meiner Mama ihren Kopf geschlagen und mich geschlagen. Sie hat nur geschlagen, sie war böse.
Und fĂŒr mich war meine Mama das Ă€h...wenn sie mich mit ihre Augen angesehen hat, habe ich den Hunger und den Durst und alles vergessen, weil es war jemand da, der ein StĂŒck - ja mir gehört, wo ich Fleisch und Blut bin, ja. Das war diese WĂ€rme, obwohl es eiskalt war, aber sie hat zu mir gesagt: "Du musst durchhalten, wir mĂŒssen stark sein! Du bist du, Ceja, du bist du. Nur du nur du kannst deinen FĂŒĂŸen jetzt das sagen, dass sie laufen und dass sie warm werden. Und nur du kannst in deinem Kopf jetzt das ganze...dass du keinen Hunger hast. Du musst durchhalten, denn wir mĂŒssen raus und Karli, Hansi wartet, Kathi, Mitzi wartet." Das wĂ€re anders nicht möglich gewesen, es sind ja tĂ€glich so viele gestorben. Und es wĂ€r‘ anders nicht möglich gewesen. Oft haben auch ein GefĂŒhl gehabt, wo wir g’sagt haben: "Wer weiß, was mit den anderen ist. Wir machen die Augen zu...", und in der FrĂŒh, also, wĂ€ren wir weg gewesen, weil die Kraft ja nicht da war, wir hĂ€tten ja rĂŒbergeschlafen, aber sie war immer diejenige, die immer wieder gesagt hat: "Schau, hast g’hört: irgendwo ist ein Vogel!" Obwohl er nicht ĂŒber das Lager geflogen ist. Weil es hat in diesem Lager so gestunken, dass sogar kein Vogerl nicht hingekommen ist, oder eine Ratte, ich habe keine Ratte gesehen. Und wenn es eine...wahrscheinlich haben sie die anderen schnell gegessen.
Wir: Im Gegensatz zu Karls Buch, beschreiben sie die Tatsachen nicht so grausam bis in das letzte Detail.
Ceija Stojka: Ich habe nie, also, an ein Buch gedacht, das in die Öffentlichkeit kommt und ich mich protzen will mit was ich geschrieben hab, ich habe etwas geschrieben fĂŒr meine Kinder, damit die Urenkel einmal sagen können, was da einmal wirklich war. Was war mit unserer Urgroßmutter? Die wollen das wissen. Damit die Kinder da einmal Einblick haben. Nur hat sich, wie das Leben halt sich abspielt und wie die Strahlen...wĂ€hrend ich da geschrieben habe, haben sich irgendwo, so wie ihr jetzt, auch drei MĂ€dchen zusammengetan, die auch geschrieben haben ĂŒber WiderstandskĂ€mpferinnen damals, gell. Und die sind dann auf mich zugekommen. Und ich habe dem einen MĂ€dchen dann gesagt: "Da hast du das Geschriebene und kĂŒmmere dich darum, dass es in die Öffentlichkeit kommt, denn mein Bruder hat zu mir gesagt: "Schmeiß‘ doch den Dreck weg. Wer wird denn das lesen?". Da habe ich gesagt: "Mein Gott na, und wenn es nur zwei lesen oder werden es vielleicht fĂŒnfzig BĂŒcher" - "Na stell dir vor was du da sagst: fĂŒnfzig BĂŒcher! Das ist ja irrsinnig viel!"
Wir: Sie beschreiben auch den engen Zusammenhalt der Frauen im KZ, dass sie viele Freundinnen gefunden haben, wÀhrend ihr Bruder jeglichen Zusammenhalt abstreitet. War es wirklich so, dass man zusammengehalten hat?
Ceija Stojka: Ich denke, dass es damit zutun hat, dass er das Leid, das er dort mitgemacht hat...schon alleine, wie er die 75 Hiebe bekommen hat, gell, und ich ihn gepflegt habe - ab diesem Zeitpunkt vor den Augen eine Rollo herunterlassen hat und einfach nur darauf gelebt hat und nicht registriert und nicht aufgenommen...Und dadurch ist es auch in seiner Niederschrift...es war nicht nur böse, denn wir Insassen, wir Opfer,... wenn die eine einen breiten Rock gehabt hat, dann hat sie ein Teil abgeschnitten, rausgenommen und gesagt: "Du, du kannst aus dem den Kindern Unterhemderl machen. Oder aus einer alten Decke....Und es ist...auf diese Art und Weise hat man auch ĂŒberleben können. Ich hab’ zu ihm gesagt: "Karli, wenn du deine ganze Geschichte noch einmal ĂŒberdenkst und den wahren Weg gehst, den du wirklich erlebt hast - die Wahrheit - dann ist es viel schöner, einfacher und schöner, ja. Aber dieses Übertreiben, das bringt nichts und hat auch keinen Sinn!
Wir: Er schildert ja auch bis ins Detail, wie die Gefangenen umgebracht wurden. Vielleicht wollte er ja auch schockieren!
Ceija Stojka: Ja sicher, er wolle schockieren, aber es ist schlimm, es ist schlimm! Es kommt immer drauf an, wie weit man reingehen kann ,gell. Sicher hĂ€tte ich viel stĂ€rkere Sachen gehabt, um in dem Buch zu geben, aber man soll damit gut umgehen können! Das Böse weiß der Mensch ja dann selber. Man hat ja selber...
Wir: Sie haben ja alles viel symbolischer ausgedrĂŒckt. Zeit hat fĂŒr Sie immer bedrohlich gewirkt, es war immer eine Eingrenzung in der Gadsche - Welt. Kennen Sie Miso Nicolic'?
Ceija Stojka: Ja, ja, ich bin bei ihnen also Vice - Obfrau in diesem Verein! Im Romano - Centro.
Wir: Wir wollen nĂ€mlich auch seine ErzĂ€hlweise mit ihrem Schreibstil vergleichen. Sie beschreiben nĂ€mlich, was Sie selbst alles erlebt haben. Er hingegen schreibt nur ĂŒber seine Eltern.
Ceija Stojka: Ja, ja, ein Gedicht kenn‘ ich von ihm: "Das BĂŒndel", glaub ich.
Wir: "Ein Teller voll Dukaten" kennen Sie nicht?
Ceija Stojka: Au! Na Moment, Moment! Jetzt bin ich... Miso. Nein, ich mein den Illias!
Wir: Ich hab‘ mir auch ĂŒberlegt, ob ich nicht auch zu ihm gehen soll, aber mir kommt auch vor, dass er sich ein bißchen wichtig macht.
Ceija Stojka: Bitte, darf ich dir jetzt etwas sagen - diese ganzen... die Ehrlichkeit liegt in dem kleinen Buch "Wir leben im Verborgenen", ja! Das ist die Wahrheit. So war es im KZ, und so haben wir gelebt. Und das andere ist dann also ... sie wollen etwas erreichen. Das ist jetzt das selbe, wenn ich jetzt sage: "Du schreib‘, du wirst besser als ich!". Das kann nicht sein! Dieses kleine Buch "Wir leben im Verborgenen", das kann niemand wiederholen. Und es kann niemand einholen, weil es war einmalig, es war nicht beabsichtigt, was da rausgekommen ist, und es ist einmalig. Und das kann niemand erreichen. Und es geht immer nur um ihr Werk und um ihre Aussage, ja, und ich weiß, dass der Miso... ein jeder möchte versuchen, etwas zu bringen, zu sagen - es ist ja schön das Leben! Aber haben wir jetzt nicht ein Leben vor uns, wir vier, das auch ein StĂŒck wert zu schreiben ist? Wie das Leben lĂ€uft und wie das Leben ist.
Wir: Wann verwenden Sie eigentlich die deutsche Sprache und wann sprechen sie Romanes? Wenn Sie schimpfen, tun Sie das dann eher auf Deutsch?
Ceija Stojka: Ja, auch! Schimpfen tu‘ ich auch auf Deutsch.
Wir: In ihrem Buch schreiben Sie auch oft zuerst auf Romanes und dann erst die deutsche Übersetzung.
Ceija Stojka: Ja, die Mama! Ja, ja. Sie war eine ewige Österreicherin, die ewig den Einschlag ein biß’l ... also nie richtig Deutsch hat können, gell. Man hat das sehr stark g’spĂŒrt bei ihr - aber sie war so super!
Wir: Was ist eigentlich mit ihrem Vater?
Ceija Stojka: Mein Vater, also der ist in Dachau gestorben, gell, und der Karli behauptet - das ist ja eben dieser Unterschied, der ... der mir das Leben ziemlich schwer g’macht hat, gell: Ich als Schwester, bei Zigeuner also, da muss ich immer einen Schritt zurĂŒck sein, gell. Aber umgekehrt wollte ich mir auch meine Rechte nicht nehmen von ihm und meine Behauptung gelten lassen - was wahr ist, was stimmt, nicht. Und ich habe die ganzen Unterlagen bekommen, gell, von Dachau - wo mein Vater war - auch... es scheint sein Name genau auf, gell, und ich hab‘ schon frĂŒher gewußt, wie mein Vater umgekommen ist dort in diesem KZ.
Wir: Durch wen?
Ceija Stojka: Ja, ich hab‘ Suchaktionen also eingeleitet. Ich war - wie soll ich sagen - als KZ - Kind bin ich nie damit fertig geworden, gell, obwohl die anderen schon immer das eigene Leben gelebt haben, hab‘ ich mich noch als 18 - jĂ€hrige gefragt: Wieso ist das eigentlich geschehn? Warum ist das geschehn ? Wieso mein Vater? Ich war ein MĂ€dchen mit 18 Jahren - wie gern‘ wĂ€r‘ ich mit meinem Vater...
Wir: Sie waren schon stolz auf ihn, oder?
Ceija Stojka: Ja, ja.
Wir: Sie erwÀhnen ja such oft, wie sehr er ihnen gefehlt hat - als Vorbild usw.
Ceija Stojka: Und wieso? Ich war jetzt 18, 19, 20 und dann hab‘ ich geschrieben an die Konzentrations - und Vernichtungslager. Hab‘ ich geschrieben und hab‘ nie eine Antwort zurĂŒck bekommen. Und eines Tages kam aber eine Antwort, und da steht drinnen: Karl Horvarth Wackar, wohnhaft - wo er gewohnt hat, die Gasse, alles, wo wir gewohnt... - und die BestĂ€tigung. Nur können sie nicht ganz genau sagen - das ist auch verstĂ€ndlich - wo er gestorben ist und wann, nicht. Weil die Papiere, die wir damals bekommen haben, die sind ja auch mit denen unserer Verhaftung an Ort und Stelle geblieben und da ist nichts mehr da, nicht. Da gibt’s nichts.
Wir: Bei Karl ist uns auch aufgefallen, dass er sein eigenes Verhalten durch das seines Vaters gerechtfertigt hat, da dieser auch öfters seine Familie einfach allein gelassen hat - wie ihre Mutter erzĂ€hlt hat - und im schönsten Anzug das Geld fĂŒr Frau und Spiel ausgegeben hat.
Ceija Stojka: Ich kann das nicht sagen. Ich kann das nicht behaupten, ich weiß das nicht. Ich kann das nicht sagen. Ich hab‘ das nicht erlebt. Ich hab‘ meine Eltern nur von einer Seite kennen gelernt, die arm waren, die nicht viel gehabt haben, die unter dem braunen Regime auch noch unterdruckt worden sind, von ihrer Reise auf einen kleinen Platz - also in den 16. Bezirk - mussten, sie mussten auch - wie sagt man - registriert, gemeldet sein. Und mehr weiß ich da nicht, also kann ich nicht sagen: "Mein Vater war ein so ein Typ, der davongelaufen ist". Ich weiß nur: Wenn er verkauft hat, dann hat er es der Frau...und wir haben gelebt davon und wir haben miteinander diesen Wahnsinn mitgemacht. Ich kann mich auch an Sachen erinnern, wo sich meine Schwester - meine Ă€lteste Schwester, die jetzt die Ă€lteste ist - gewundert hat...ich hab‘ sie vor zwei oder drei Jahren gefragt - das steht aber nicht im Buch drinnen - : "Sag‘ einmal Kathi, ich hab‘ eine Erinnerung, ich kann schlecht umgehen damit, aber es kommt immer: Und zwar ein, ein, ein Platz, wir wurden registriert, wir mussten alle hingehen, ein Sessel, der immer g‘quietscht hat bei jeder Drehung - links, rechts - und Scheinwerfer. Und ich kann mich erinnern, mein Vater ist draußen mit uns am Gang gestanden voller Angst, meine Mama auch, und dann hat er denan Buam‘ jeden ein StĂŒckl Knackwurst gebn - a Wurst - und mir hat er keine gegeben. Und wahrscheinlich ist es ja auch deswegen: Wenn er mir auch eine Wurst gegeben hĂ€tte, von der Knackwurst, dann hĂ€tte ich das wahrscheinlich auch vergessen. Aber dass mir mein Vater nichts gegeben hat, weil nur ein StĂŒckerl war da, denan Söhnen aufgeteilt hat, und mir nichts... dadurch ist die Erinnerung auch so stark bei mir drinn. Er hat mir nichts gegeben. Hab‘ ich ihn aber nie g’fragt, weil wir sind ja dann Z’aus, und hab‘ ihn nie g’fragt: "Warum hast du mir denn kein StĂŒckerl gebn?" Aber es kommt ja etwas Interessantes aus dieser Sache heraus: Meine Schwester hat damals gesagt: "Wieso weißt du das? Also, ich hab‘ das vergessen, aber das stimmt - es ist war! Du bringst jetzt in mir etwas hoch, das was 50 Jahre da drinnen war. Ich hab‘ das total vergessen, aber es stimmt!" Sag‘ ich: "Also hat das gestimmt? Stimmt das? Sind wir auch geknipst worden?"
Wir: Vom Dr. Ritter und der Eva Justin? Wirklich?
Ceija Stojka: Ja, ja. Kein Mensch wĂŒrde das erkennen. Kein Mensch. Ich kann mir nicht vorstellen, dass meine Schwester oder irgend jemand diesen Menschen da erkennt. Wenn das Bild da liegt, ganz ein kleines Bild, ich seh’ aber schlecht, ich hab' nur ein Auge ... Ich hab' geglaubt ich bin in Auschwitz, ich hab einen Anfall gekriegt. Da ist das mein kleiner Bruder, da Ossi. Ein Bild, das weder von unseren Eltern gemacht wurde oder von unsren Freunden, sondern eben von dieser Justin, gö. Und wahrscheinlich war das auch diese Situation, wo ich die Wurscht nicht bekommen habe. Diese ganzen Bilder hat sie gebracht, mich, mein Bruder Karl, die Mitzi, die Ă€lteste Schwester, die Kathi, in Hansi, meinen Vater, meine Mutter, meine Großmutter, die ganze Familie liegt vor mir in den Bildern. Aber lauter Bilder, die keiner kennt.... nicht einmal Karl Stojka, ja o.k.? Und natĂŒrlich ich war auch schockiert, ich muss Euch das ehrlich sagen. Aber meine BestĂ€tigung, dass ich das damals eine Erinnerung gehabt hab hat sich bestĂ€tigt mit diesen Bildern. Sagte ich: Karin, wie hast Du das geschafft? Von wo hast Du die Bilder? Das sind Bilder lang vor unserer Verhaftung, das ist drei Jahre zuvor. Wir sind also 1940, ehhh '43, verhaftet worden. Die Bilder sind aber beschrieben mit '43.... ahhh mit '40. Wir sind '43 verhaftet worden und mit '40 sind diese Bilder alle registriert.... alle Bilder. Darunter war sogar ein ganz kleines Farbphoto..... damals zu dieser Zeit..... wie ein Dias, ein farbiges. Und da frag ich mich, was haben sie vorgehabt mit diesen Bildern. Und ich kann mich erinnern, dass wir unsere FĂŒĂŸe auch auf ein Kasterl gelegt haben, ich kann mich erinnern, aber gut das gibt’s nicht.... es wird vielleicht irgendwo vergraben sein.
Wir: Waren die Leute damals freundlich, oder war die Registration eher zwanghaft?
Ceija Stojka: Schau meine ganzen Geschwister haben diese Szene vergessen. Ich hab diese Szene immer in mir drinnen gehabt, vor allem dieser knackige Sessel, der sich immer, bei jeder Drehung, gezackt hat, ... und dann die Teilung von der Wurscht, von der Knackwurst, was ich nicht vergessen hab. Das war fĂŒr ein MĂ€dchen .... der Vater hat mir ja nichts gegeben, die Buam hab'n nur kriegt und i nix, ... und es war fĂŒr mich die BestĂ€tigung plötzlich da durch diese Bilder. Wie es sich damals das ganze abgespielt hat war ganz normal. Das heißt man ist, es sind ja alle in einem Raum, wahrscheinlich auch alle Juden, auf diese Art und Weise registriert worden, ohne dass es den anderen aufgefallen wĂ€re sind wir vorgeladen worden, sind fotografiert worden. Das ist so schnell gegangen, dass es viele wieder vergessen haben.
Wir: Das hat Karl Stojka ganz anders erzÀhlt.
Ceija Stojka: Das kann nicht anders gewesen sein, man sieht ja die Bilder auf drei Seiten, links, rechts, das kann nicht anders sein. Man sieht auch den Sessel, man sieht die Mauer. Das kann nicht auf der WankostÀtten sein.
Wir: Er hat auch ein Bild gezeigt.
Ceija Stojka: Das ist möglich, das kann ich aber nicht sagen. Er hat zu mir gesagt: "Schau auf das Bild! Ist das nicht die Großmutter?" Ich kann mich aber nicht auf den Wohnwagen erinnern .... ein Wohnwagen, wie der andere. Ein Reihenhaus wie das andere, gell, da kann man sich nicht mehr so erinnern. Aber das weiß ich ganz genau, dass diese Bilder, diese Bilder, die ich meine, nur in einem GefĂ€ngnis, sagen wir Landesgericht, in einem kleinen Raum ... Ich kann mich erinnern, es war ein Licht, ein schreckliches Licht. Und vor allem hab ich Angst gehabt, weil der Weg von der Mutter zum Sessel und das Drehen und es ist immer geknipst worden... Wer geknipst hat, das weiß ich nicht. Ich kann mich nur auf die Bewegungen erinnern. Vor allem an den schrecklichen Sessel. Und das ist sehr schnell gegangen. Wir waren auch alle sehr schnell wieder draußen. Aber ich habe die Wurst im ganzen KZ - Sein, mein Vater war schon tot, nie vergessen. Ich hab immer gesagt: "Wenn mein Vater gelebt hĂ€tte, hĂ€tte ich ihn fragen können, warum er mir von dieser Wurst nicht auch ein StĂŒckchen geben hĂ€tte können." Ich hab das nicht ĂŒberwinden können.
Wir: Haben die MĂ€nner bei den Roma das Hauptwort?
Ceija Stojka: Nein! Nur zum Schein. In Wirklichkeit kann es ja nicht sein, denn die Frau bekommt ja die Kinder, sie hat die Probleme.
Wir: Wie ist das bei Ihnen mit der Heirat? Sie erzĂ€hlen ja nie in Ihren BĂŒcher: "Jetzt habe ich mich verliebt." Es ist einfach der Sohn auf die Welt gekommen. ( zum Beispiel die Geschichte, als der Vater das Kind weggenommen hat ) Ware Liebe nicht wie ein Spiel?
Ceija Stojka: Das ist so und ich komm nicht wieder darĂŒber hinweg. Ich kann es nicht mehr Ă€ndern.
Wir: Aber der schönste Satz ist: "Reisende kann man nicht aufhalten."
Was wir auch nicht verstanden haben: In Bergen - Belsen haben sie von einem EnglÀnder eine Dose zum Essen bekommen. Sie sind von dieser Dose blind geworden.
Ceija Stojka: Schau, das werdet Ihr gleich verstehen. Wenn Du Dir dem Körper alles entziehst, Du hast nur RĂŒben und einmal alle drei Monate eine Kartoffel, und Regenwasser oder rostiges, schmutziges Wasser. Zum GlĂŒck hast Du einen Magen, der alles gut verdaut. Du trinkst viel Regenwasser. Du trinkst viel Tee, den Du Dir aus Brennesseln machst. Du ißt das, was Du Dir gestohlen hast, eine RĂŒbe, oder irgendwo gefunden hast. Du ißt alles, aber viel zu wenig. Du hast keine Vitamine. Du hast kein Brot. Du hast keine Milch. Du hast keine Butter. In Ausschwitz gab es noch Butter, wo anders aber nicht mehr. Wenn Du das drei Jahre machst und dann kommen die Amerikaner und bringen Dosen..... Die Dosen haben wir miteinander vergewaltigt ... dann kam das Fleisch mit dem Schmalz... und wir haben es gleich gegessen. Das kann der Körper nicht aufnehmen. Es hat sich sofort auf meine Augen geschlagen, da bin ich sofort blind geworden. Aber es war bald auch wieder vorbei. Momentan, nach 5 Minuten ungefĂ€hr, hat meine Mama zu mir gesagt: "Du bleibst jetzt hier, ich geh zu den Amerikanern. Ich komm gleich wieder zurĂŒck." WĂ€hrenddessen haben wir die Dosen aufgemacht und gegessen. Bis meine Mutter nach 10 Minuten zurĂŒckgekommen ist, war mein Augenlicht weg. Also hat sie mich bei der Hand genommen und hat gesagt: "Schnell, schnell, ich hab Dir ein Zelt aufstellen lassen. Du bekommst dort alles, HĂ€ferl, Glaserl, Brot." Ich habe dann gesagt: "Ja Mama, das ist alles sehr schön." Ich bin dann aber geflogen, ich habe mir es zuerst nicht sagen getraut. Wenn sie das gehört hĂ€tte. "Ja was ist denn los mit Dir? Schnell renn!" Nun musst ich ihr das sagen: "Mama i siech nix." Aber sie war so gescheit, sie hat gleich gewußt, was los ist. "Du hast das Fleisch gegessen," sagt sie.
Dann ist sie zu den Leuten gegangen, zu den EnglĂ€ndern. Sie haben mich in das Zelt gebracht. Dann hat einer gesagt: "Gib bitte die Zunge heraus!" " Nein das mach ich nicht!" Zwei Sekunden...das ist gleich zergangen auf der Zunge. Sie haben das ja gewußt.
Wir: Wir haben gedacht die NAZIS wollten Euch vergiften.
Ceija Stojka: Nein! Diese Schmalzbrot habe ich nicht angebissen, ich habe es nur angegriffen. Er hat gesagt: "Nimm Dieses Brot! Ich habe auch so eine Klene wie Du." Ich hĂ€tte das Brot nie gegessen, weil dazu sind wir von Ihnen zu sehr gezĂŒchtigt worden. Die Dose, die ich von den Alliierten bekommen habe, die haben wir gegessen. Das Schmalz und das Fleisch war natĂŒrlich zu stark fĂŒr meinen Körper. Und da habe ich mein Augenlicht verloren und die Alliierten haben auch gewußt, dass Menschen, die leiden, gewisse Medikamente brauchen. Das Pulverl war so klein, kaum zu sehen. Es ist sofort auf der Zunge zergangen und plötzlich sind meine Augen wieder da gewesen. Aber was sein muss, muss sein. Das Schicksal hat mich eingeholt. Vor fĂŒnf Jahren bin ich doch an dem einen Auge erblindet.
Wir: Was war die Ursache?
Ceija Stojka: Wenn Ihr das zweite Buch auch gelesen habt, wißt Ihr, ich hab einen zweiten Sohn auch noch gehabt. Er war ein schöner, fescher Mensch, ein super Musiker. Er war meine Sonne! Er war mein Leben, wie alle meine Kinder. Da gibt’s keine Ausnahme, nicht das eine mehr, das andere weniger. Aber er war viel zu sensibel, viel zu schön fĂŒr diese Welt. Diese reichen, hochgestellten, diese berĂŒhmten Menschen..... er als Zigeunerkind war ein zu sensibler Mensch.
Wir: Es hat uns so fasziniert, dass sie nie jemanden abgestempelt haben. Sie haben auch einmal erwĂ€hnt, dass die SĂŒchtigen in unserer Gesellschaft gemieden und abgestempelt werden. Sie haben jedoch versucht, die schwierige Zeit mit ihrem Sohn durchzumachen, wĂ€hrend andere Eltern ihre Kinder in eine Anstalt schicken .
Ceija Stojka: Ich wĂŒrde jedes Kind von denen wegnehmen, weil diese Kinder haben keine Chance. Abschieben ist immer das einfachste.
Wir: Gehen wir vielleicht wieder zurĂŒck in die Zeit ihres KZ - Aufenthaltes. FĂŒr uns wĂ€re es der grĂ¶ĂŸte Horror mit der Angst zu leben, vergewaltigt zu werden. War das auch bei Ihnen der Fall? Sie haben einmal in ihrer Autobiographie von den Weißrussinnen erzĂ€hlt, die den KZ - MĂ€nnern so gefallen haben. Waren sie Ihre MĂ€dels, sozusagen?
Ceija Stojka: Das war sicher der Fall, aber wir nicht.
Wir: Waren sie sich zu gut dafĂŒr?
Ceija Stojka: Nein, nein! Das war ganz anders. Sie hĂ€tten schon gerne ZigeunermĂ€dchen gehabt. Am Anfang war es auch so, dass sie sich so manche herausgeholt haben und sie vergewaltigt haben. Aber das wußte ich damals nicht. Meine Mutter hĂ€tte mir das nie erzĂ€hlt und hĂ€tte mich nie damit gequĂ€lt. Ich hatte davon wirklich keine Ahnung, das hat mir meine Mama aus den Augen genommen. Aber als ich dann Ă€lter war hat sie mir das dann erzĂ€hlt und dass diese Frauen sich dann auch selbst umgebracht haben. Die meisten haben Selbstmord gemacht, weil bei den Zigeunern ist es ganz schlimm, wenn eine Frau von anderen MĂ€nner ...... Sie kann dann ihren Mann und dem Vater nicht mehr in die Augen schauen. Das ist eine gewisse Erziehung.
Wir: Je Àlter Du als Frau im KZ gelebt hast, je mehr hast Du noch diese zusÀtzliche Angst.
Ceija Stojka: Nur waren diese MĂ€dchen und Frauen spĂ€ter, sie hatten das GlĂŒck,...... weil man ja verschiedene Krankheiten gehabt hatte. Und diese Frauen, die schönen Frauen, haben sich so manchen Dreck in die Augen geschmiert und haben sich so manche Wunden zugefĂŒhrt, damit man sagt, sie haben Krebsen. Oder sie haben gesagt, sie haben irgendeine Geschlechtskrankheit. Und dann sind sie von ihnen in Ruhe gelassen worden.
Wir: Bei der Sterilisierung haben wir nicht genau verstanden, welches GerĂ€t sie benĂŒtzt haben.
Ceija Stojka: Ja, das war schlimm .... Das war so ein GerĂ€t ...... Ein Lockenwickler. Da gibt es ja solche mit Strom. Solche StĂ€be waren das. Ich hab’s gesehen, weil ich stand mit meiner Schwester ja vor der TĂŒr. Wir haben GlĂŒck gehabt. Er hat gesagt: "Leider heute ist nichts, heut ist kein Strom." Es war Stromausfall.
Wir: Sind diese Frauen sofort gestorben?
Ceija Stojka: Nein! Ich hatte eine liebe Freundin, die Resi, ........ Ach Gott, sie hat keine Mutter gehabt. Ich glaube sogar, dass die Resi um ein oder zwei Jahr Ă€lter war wie ich. Von der GrĂ¶ĂŸe und in der Erscheinung. Ja und sie hatte niemanden und ich war klein und immer irgendwo. Kann ich etwas organisieren? Wo gibt' s eine liebe StubenĂ€lteste, die eine Hilfe braucht, wo man aufpassen tut, oder den Mist raustragt. Dann kriegst Du einen Kartoffel. Da habe ich die Resi halt mitgezogen und zur Mama gesagt: "Mama, die hat niemanden." Und Resi, ja, sie wurde abgeholt und dann ist sie am Wagen gelegen. Da waren so viele auf diesem Wagen.
Wir: Gibt es da nicht auch ein Buch ĂŒber diesen Leichenbretterwagen?
Ceija Stojka: Ja...... Moment. Es gibt ein Buch, das auch von Wissenschaftlern herausgebracht wurde und hier wird beschrieben: Was sagt uns Ceija? Ich hab die einzelnen GegenstĂ€nde so beschrieben, wie sie da drinnen benannt wurden.... Bretterwagen... da waren die Leichen oben. Es war kein normaler Wagen, die Toten kamen irgendwo hinauf. Es gab nicht einen besonderen Leichenwagen fĂŒr verstorbene Menschen. Es war fĂŒr sie Wurscht. Hauptsache sie sind tot. Hauptsache sie sind krepiert.
Wir: Wieviel waren Sie zum Schluß ungefĂ€hr?
Ceija Stojka: In RavensbrĂŒck, Bergen - Belsen oder Ausschwitz?
Wir: Wieviel waren Sie nach Bergen - Belsen?
Ceija Stojka: In Bergen - Belsen, das ist auch sehr interessant. Obwohl der Abteil sehr groß war, wußte ich nicht, dass unmittelbar neben uns noch ein Abteil ist. Gel. Weil sagen wir diesen Abteil, den Du hier siehst, der war umrahmt von lauter BĂ€umen. Da gab es einen Zwischenraum von fĂŒnf Metern. Nachdem die nicht schreien durften und wir auch nicht, haben wir gar nicht gewußt, dass da noch ein Abteil ist, und noch einer, und noch einer...... Erst von oben, nach vierundfĂŒnfzig Jahren habe ich das Ausmaß der GrĂ¶ĂŸe gesehen, dass es noch einen Abteil gibt. Am Anfang als ich herausgekommen bin von dort hab ich geglaubt das ist alles, wo wir waren. Daweil war ein russisches Lager dort, dann waren Austauschjuden dort.
Wir: Waren Zigeuner immer in einer Gruppe?
Ceija Stojka: Nein! Nicht mehr in Bergen - Belsen. Da warst Du nichts mehr. Da warst Du kein Zigeuner, da warst Du ein niemand. In Bergen - Belsen da hast Du keine Registriernummer mehr gehabt. Da hast Du keine Namen gehabt. Da warst Du nichts.
Wir: Haben sie damals schon gewußt, dass der Krieg bald zu Ende sein wird?
Ceija Stojka: Ja, sicher. Man hat sich in Bergen - Beslen, das war ein Abteil ... ich habe Ausschwitz erlebt, ich habe RavensbrĂŒck erlebt, ich habe von anderen gehört, aber es war ein Wahnsinnsort, dieses Bergen - Belsen. Diese TotenhĂŒgel und LeichenhĂŒgel, so groß wie dieser Raum hier. So hoch und eine Leiche ĂŒber der anderen. Mitten drinnen Kinder, die noch geatmet haben. Das kann sich niemand vorstellen, all die Leute, die noch gelebt haben .... mit offenem Mund, man hat ihnen die Augen zugemacht.
Wir: Es sind sicher sehr viele an Seuchen, Pest, Hunger gestorben?
Ceija Stojka: Seuchen jeder Art ....
Wir: Warum glauben Sie, hat man zum grĂ¶ĂŸten Teil nur Juden und nicht auch Roma vergast?
Ceija Stojka: Das kann man nicht sagen. Es steht doch auf keinen Kopf jetzt, wenn wir jetzt runter gehen, da steht nicht geschrieben: wer ist Zigeunerin, wer ist RumĂ€nin, wer ist Jugoslawin. Am Ende, sagen wir 1943, wurde alles was an dieser Straße nicht diesen hellen Gesichtern entspricht eingesperrt. Ich möchte nicht wissen, wieviel Zigeuner unter den Juden waren. Es ist auch eine Behandlung, die ungerecht ist. Es wird alles nur ĂŒber die Juden gesprochen und die Zigeuner haben nichts erlebt. Wir werden auch unter den Minderheiten noch diskriminiert. Das ist das schlimme, das ich nicht verstehe. 50 Jahre Mauthausen. Ich hab aufgepaßt ob einmal jemand ein Wort von Zigeunern erwĂ€hnt und auch Roma oder Sinti. Vor kurzem wurde der Befreiungstag gefeiert. Mein Bruder war auch dort. Es hat niemand eine ErwĂ€hnung gemacht. Es hat auch keiner irgendeine ErwĂ€hnung gemacht, wenn irgend etwas passiert ist. So sehe ich es, dass wir unter den Minderheiten noch diskriminiert werden.... und noch als Frau. Sicher waren zwischen uns auch Ungarn, Jugoslawen. Wir waren alle zusammen an einem Platz. Aber fĂŒr uns ist es ja nicht um Grenzen gegangen. FĂŒr uns hat der Mensch gezĂ€hlt. Man hat gelitten, man wollte helfen. Es ist auch selten vorgekommen, dass man gefragt hat, von wo bist Du. Du atmest, Du redest, Du lebst, Du bist noch am Leben. Man hĂ€tte da drinnen nie jemand gefragt: "Du bist aus Bosnien?" Da hĂ€tte man diesem Menschen weh getan. Dann hĂ€tte es geheißen: "Wieso weiß sie das? Sogar sie unterscheidet mich."
Wir: Traurig ist, dass so etwas heute wieder passiert.
Ceija Stojka: Heute in Deutschland ..... Das ist schlimm, was bei uns alles passiert.
Wir: Kann man das wirklich verÀndern?
Ceija Stojka: Ich bin ganz glĂŒcklich, ich weiß ganz sicher, dass sich die Jugend heute von den Eltern nicht mehr manipulieren lĂ€sst und von den Älteren so ziehen lĂ€sst, wie noch zu meiner Jugendzeit. Das gibt mir die Kraft weiter zu leben, zu atmen. So weiß ich auch, dass .... ein Teil von Euch das nicht zulassen. Aber die Älteren kommen von ihrer Einstellung nicht mehr heraus. Zu dieser Zeit damals haben sich auch einige MĂ€dchen und Burschen getraut, Zetteln im Parlament zu verteilen. Dieser kleine Teil hat uns die Chance gegeben, um weiter zu leben. Versteht Ihr, was ich meine? Solange es diese Menschen gibt...... Man muss auf alle FĂ€lle reden können. Ich hab immer gesagt: "Ich habe ĂŒberhaupt keine Angst." Meine Angst liegt in Ausschwitz. Ich hab immer gedacht, egal was geschieht, ich werde es den Nazi sagen: Du bist ein armer Mann. Du bist ein armer Mensch, eine arme Frau, wenn Du so denkst. Weil Dein Leben nicht geklappt hat, mĂŒssen tausend andere darunter leiden. Es mĂŒssen tausend Kinder auf der Straße sterben. Du haust eine Bombe in ein Haus hinein, oder zĂŒndest es an. In Wirklichkeit sind das fĂŒr mich arme Menschen. Ich habe Mitleid mit Ihnen. Ich lad' gerne einmal einen ein und möchte mit ihm seine Gedanken austauschen.
Wir: Aber es ist sicherlich sehr schwierig, wenn jemand von seiner Sache so ĂŒberzeugt ist.
Ceija Stojka: Ja, sicher. Die bringst Du nie weg. Er stirbt auch mit dem. Das was man ihm eingelegt hat ... Du musst Dir vorstellen: ein Mensch, ein kleiner brauner Mensch, ist Adolf Hitler. Dabei war er auch nicht ein blonder Mensch, er war ja auch ein eher schwarzer Typ. Dann musst Du Dir vorstellen, da stehen Millionen Menschen auf der Straße. Dieser eine Mensch kommt und alle brĂŒllen: "Heil Hitler". Das zeigt, keine eigene Meinung zu haben.
Wir: Heute merken wir besonders wie Medien vor allem junge Menschen manipulieren können.
Ceija Stojka: Es ist schön, dass Ihr diese Einstellung habt. Was ist das in Kroatien wenn Menschen die eigenen BrĂŒder .... Wo gibt es denn so etwas. Ich schreibe ja tĂ€glich meinen Lebensablauf, was ich sehe, was mir gefĂ€llt, was im Fernsehen gezeigt wird. Ich schreibe tĂ€glich was passiert. Und wenn ich dann nachblĂ€ttere, dann denke ich: "Ach, da hast Du schon wieder etwas ĂŒber Serbien geschrieben." Ja, weil es mich immer wieder aufdrĂ€ngt. Im Ende des Zwanzigsten Jahrhunderts gibt es sogar noch MassengrĂ€ber. So wie damals der Jude auch der schöne Nachbar im Haus war, ist das heute wieder Dein Nachbar. Er hat der armen BĂŒrgerin Brot gegeben, ihr Schilling geborgt und plötzlich war' s der Jud'. Man hat ihnen alles weggenommen. Diese schönen Kinder. Ich muss immer weinen ..... Der Pullover war dunkelblau .... so ein blau, wie die Nacht. Diese langen Haare, der schöne Kopf. Das Kind mit den dunkelschwarzen Haaren und das blasse Gesicht. Seine wunderschöne Mutti. In Ausschwitz war sie in der Schreibstube und sie ist von diesem Kind nicht weggegangen. Meine Mama ist hingegangen und hat mit ihr geredet. Sie konnte nicht weggehen.
Wir: Was ist dann mit der Mutter passiert?
Ceija Stojka: Ich glaube, dass sie noch am Ende gestorben ist. Vor allem auf der Befreiung. Das schnelle Essen. Da sind noch sehr viele gestorben. Auch Theo. Theo war so ein schönes Kind und er hatte LungenentzĂŒndung. Er war Lungenkrank.
Wir: Auch die VorfÀlle mit Typhus konnten wir nicht verstehen.
Ceija Stojka: Ja, die TyphuslĂ€use wurden eingezĂŒchtet. Wenn ich heute ĂŒber das nachdenke, hĂ€tte Mengeli und andere den Krieg gewonnen, so hĂ€tten heute manche zwei, drei Köpfe. Weil zu dieser Zeit hat doch dieser eine da mit den Zwillingen ermittelt: wieso haben die grĂŒne Augen, wieso haben die braune Augen. Das alles haben diese Menschen in Deutschland unternommen. Die Forschung hat nie aufgehört.
Wir: Gab es auch im Lager Versuche?
Ceija Stojka: NatĂŒrlich, auf jede Art und Weise hat es die gegeben. Man hat ihnen die Haut abgezogen, man hat den Kindern das Geschlechtsteil weggeschnitten, man hat den Kindern den Bauch aufgeschnitten, man hat Zwillinge am RĂŒcken zusammengenĂ€ht. Weißt du, er wollte wissen, ob es siamesiche Zwillinge geben kann, kĂŒnstliche.
Wir: Das haben sie alles mit lebenden Menschen gemacht?
Ceija Stojka: Ja, Ja. Kinder waren das.
Wir: Haben Sie das selber gesehen?
Ceija Stojka: Nein, das habe ich, Gott sei Dank, nicht gesehen. Ich glaube, das hĂ€tten wir nicht geschafft, zu ĂŒberleben. Nein, nein, das war ein ganz anderes Abteil. Dieser Mann, wie hat er geheißen? Mengele und...? Eichmann! Der andere war Eichmann. Eichmann war der, der die Juden in den Ofen brachte, gell. Und Mengele war derjenige, der...
Wir: Der die Versuche gestartet hat?
Ceija Stojka: Die Versuche gestartet...
Wir: Wurden die Juden lebend verbrannt?
Ceija Stojka: NatĂŒrlich.
Wir: Das war billig...
Ceija Stojka: Nicht wegen dem billig Sein allein. Es war Platz gleich zu machen, gell, weil, oft sind die ausgebrochen, weil sie nicht reingegangen sind. Jetzt waren aber zwanzig Juden mehr da, vielleicht war ein Bosnier dazwischen, vielleicht ein Zigeuner, dass weiß ja keiner. Auf jeden Fall sind die Leute herumgelaufen und wir haben das von oben gesehen und haben geschrien und gebrĂŒllt. Ja, da ist ein Schacht gewesen - ich hab’ irgendwo Bilder - Ja, diese Situation habe ich gemalt, gell, wo diese Menschen hineinfliegen, in diesen Schacht. Und da haben sie Öl draufgeschmissen. Öl oder Holz; es war ja Holz genug dort, im Wald, nicht? Und angezĂŒndet, es hat ...
Wir: Der Geruch muss schrecklich gewesen sein.
Ceija Stojka: Der Geruch eben. Die Haare und...
Wir: Ich wĂŒrde es mein lebenlang ĂŒberall riechen.
Ceija Stojka: Ich war erst jetzt vor kurzem im "FĂŒnfzig Jahre RavensbrĂŒck". Ich bin mit einer Gesellschaft runtergefahren. Mit Frauen aus vierzig verschiedenen LĂ€ndern haben wir uns dort getroffen. Die sind von ĂŒberall gekommen, nur wegen mir, um dort zu beten, in RavensbrĂŒck. FĂŒr die Frauen, die erschossen worden sind. Die, wo die Seele keinen Frieden finden kann. Und, da waren diese Frauen, so - die konnten das auch nicht verstehen, so wie Ihr jetzt, ja. Und wir saßen, erstarrten und saßen. Teilweise gesessen, teilweise sind wir gestanden. Sonne, Wind, bei einer Mauer, gell. Und plötzlich kam durch das Feuchte, durch die WĂ€rme..., kam der Geruch aus dem Stein raus, als wĂ€re es jetzt genau wieder so, wie es damals war. Ja, könnt Ihr das verstehen? Also, es riecht bis... Also, dafĂŒr ... ich kann heute, wenn, wenn ich so ein ... Geselchtes... habe ich Probleme mit dem, also, umzugehen. Es riecht genau so, gell. Nein, das kann man nicht essen, das geht nicht. Und wir haben dort Frieden getrommelt mit den Frauen, und dann sind wir nach Bergen - Belsen auch noch gezogen. Diese Frauen sind dann bis... also... von Auschwitz angefangen - geendet haben sie dann in Japan. Also das war...
Wir: So ein Kreis?
Ceija Stojka: Ja, Kreis! Und so kann man schon dann, sehr stark sein, auch im Schmerz, den man nach so vielen Jahren... Dass es solche Menschen gibt, die heute so was auf sich nehmen, um der Welt zu beweisen, dass es auch Menschen gibt, die gegen UnterdrĂŒckung, gegen alle Menschen sind, die sagen: "Raus!". Da ist eine Frau jetzt, die ihr Kind im Spital gelassen hat. Von Bosnien ist sie, ich glaube. Jetzt wird sie hinausgewiesen, obwohl sie in Österreich geboren ist. Ich kann das nicht verstehen. Sie hat gestern gesagt, sie war im Fernsehen und hat gesagt: "Ich habe schon ein Kind, das ist vier Jahre. Mein Mann ist weg, ich hab’ ein kleines Kind, neugeboren. Ich weiß nicht, was ich machen soll. Ich hab’ nicht einmal Brot, geschweige Milch." Da verstehe ich nicht dieses Land Österreich. So ein großes Land, so ein reiches Land, so ein herzloses Land.
Wir: Und ĂŒberall wird es als das schönste und herzlichste Land prĂ€sentiert; ĂŒberhaupt Europa...z.B. in der "Kronenzeitung"...die ziemlich beliebt ist...
Ceija Stojka: O ja, natĂŒrlich, wenn die Schauspieler kommen, auf den Opernball und die werden bezahlt von einem Herrn Lugner, dann ist es natĂŒrlich die schöne Seite, nicht? Aber die andere Seite; Österreich hat zwei Gesichter, oder drei. Du darfst nichts sagen. Du musst dir deinen Teil denken, musst denken darĂŒber. Dann lebst du gut. FĂŒr mich war es schon eine Genugtuung, dass sie die Luft eingeatmet haben, wo wir waren.
Wir: Das haben Sie auch geschrieben. Und was machen Sie jetzt? Sie machen Lesungen in den Schulen?
Ceija Stojka: Ich mache Lesungen, ich - du siehst - Ausstellungen, ich male, also...
Wir: Die Bilder, Sie malen Naturbilder oder auch Erinnerungen?
Ceija Stojka: Auch! Sehr viele. Ihr habt einen Katalog, aber da gibt’s auch etwas. Wenn eine von euch da schauen will... ihr könnts... da... Also, da gibt es z.B. eines: ein Kind hockerlt meistens. Wenn es spielt, dann geht’s ins Hockerl. Und ich hatte immer - ich war so klein, ich habe immer nur die Stiefeln gesehen. Die MĂ€nner waren so groß. Diese "Braune Gesellschaft", die SS...
























    Zusammenfassung und Schlußbemerkung


Wie wir in unseren Beobachtungen feststellen konnten, hat sich einerseits die Kultur der Roma in den letzten fĂŒnfzig Jahren gĂ€nzlich verĂ€ndert. Angehörige dieser Volksgruppe, wie zum Beispiel Karl Stojka beschreiben sich selbst als "Produkt der Zwischenzeit", da sie sowohl Teil des herumfahrenden Volkes waren, aber sich auch an die zeitgenössischen Lebensweise angepaßt haben. Andrerseits aber ist der Drang, ihre Tradition und BrĂ€uche wiederzugeben, grĂ¶ĂŸer denn je.
Dies versuchen sie mit ihren Verschriftlichungen den Zigeunern wie auch den Nicht - Zigeunern nĂ€her zu bringen. Damit nie wieder jemand in unserer Gesellschaft den Vorwurf einer "AusschwitzlĂŒge" vorbringen kann, sollten authentische BĂŒcher ĂŒber ihre grausame Situation in den Konzentrationaslagern bereits in den Schulen in den Mittelpunkt gerĂŒckt werden. Denn Ausschwitz spĂŒren wir noch heute, nĂ€mlich in der Form von Rassismus, AuslĂ€nderfeindlichkeit und Fremdenhaß. Diese Thematik betrifft uns schon in unserer unmittelbaren Umgebung und ist immer eine aktuelle Situation.
















11. Literaturverzeichnis


    1. PrimÀrliteratur

    Nikolic, Miso: ... und dann zogen wir weiter. Lebenslinien einer Romafamilie. - Klagenfurt / Celovec: Drava 1997. Stojka, Ceija: Reisende auf dieser Welt. Aus dem Leben einer Rom - Zigeunerin. Hrsg. v. Karin Berger. - Wien: Picus 1992. Stojka, Ceija: Weihnachten. - In: Romano Centro 11 (1995) Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. Erinnerungen einer Rom - Zigeunerin. Hrsg. v. Karin Berger. - Wien: Picus Verlag 1988. Stojka, Karl u. Reinhard Pohanka: Auf der ganzen Welt zu Hause. Das Leben und Wandern des Zigeuners Karl Stojka. - Wien: Picus Verlag 1994.


11. 2. SekundÀrliteratur

    Eder, Beate: Geboren bin ich vor Jahrtausenden.... Bilderwelten in der Literatur der Roma und Sinti. Mit einem Vorwort von Erich Hackl. Hrsg vom Slowenischen Institut zur Alpen - Adria - Forschung. - Klagenfurt: Drava Verlag 1993. Eder, Beate: Literatur einer Minderheit. - In: Stimme 17 (1994). Ich geb’ Dir einen Mantel, dass Du ihn noch in der Freiheit tragen kannst. Wiedersehen im KZ. Österreichische Frauen erzĂ€hlen. Hrsg. v. Karin Berger. - Wien: Promedia 1987. Jeder ist anderswo ein Fremder. Eine Anthologie mit Texten und Interviews der Autoren und Autorinnen der Schreibwerkstatt fĂŒr ZuwanderInnen und Angehörige ethnischer Minderheiten in Österreich 1995/96 im Amerlinghaus. Hrsg. v. Christa Stippinger. - Wien 1996 (= Interkulturelle Reihe des Vereins Exil im Amerlinghaus. Bd. 1). Meier - Rogan, Patrizia (Hrsg.): Ceija Stojka. Bilder & Texte. 1989 - 1995. - Wien 1995. Nitsche, Gerald (Hrsg.): Österreichische Lyrik und kein Wort Deutsch. - Innsbruck: Haymon 1990. Rohringer, Margit: Ein Leben durch Welten. Karl Stojka/ Reinhard Pohanka, Auf der ganzen Welt zu Hause. Das Leben und Wandern des Zigeuners Karl Stojka. Wien: Picus Verlag 1994. - In: Stimme 14 (1995). Roma: das unbekannte Volk. Schicksal und Kultur. Hrsg. v. Mozes F. Heinschink und Ursula Hemetek. - Weimar: Böhlau 1994. Stippinger, Christa: Jeder ist anderswo ein Fremder. Bericht einer interkulturellen Schreibwerkstatt. - In: Ide. Informationen zur Deutschdidaktik. 20 (1996). Stippinger, Christa: Schreiben zwischen den Kulturen. Eine Anthologie. Wien 1997. Wege zu Minderheiten. Ein Handbuch. - Hrsg. v. Ursula Hemetek fĂŒr die Initiative Minderheiten. - Klagenfurt: Drava - Verlag 1998 (= Edition Minderheiten. Bd.2).


[1] Stojka, Ceija: Interview. S 75.
[2] Anmerkung: Da die Autoren sich z.T. selbst als "Zigeuner" bezeichnen, verwenden auch wir diesen Ausdruck ohne negative Assoziation fĂŒr Roma - Angehörige.
[3] Vgl. VO: NS - Herrschaft in Österreich zwischen 1938 - 45.
[4]Meier - Rogan, Patrizia (Hrsg.): Ceija Stojka. Bilder & Texte 1989 - 1995. Wien 1995.
[5]Stojka, Ceija: Reisende auf dieser Welt. Aus dem Leben einer Rom - Zigeunerin. Hrsg. v. Karin Berger. - Wien: Picus 1992. S. 33.
[6]Stojka, Ceija: Reisende auf dieser Welt. S. 33.
[7]Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. Erinnerungen einer Rom - Zigeunerin. Hrsg. v. Karin Berger. - Wien: Picus 1988. S. 28.
[8]Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 47.
[9]Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 29.
[10]Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 30.
[11]Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 49.
[12]Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 105.
[13]Stojka, Ceija: Reisende auf dieser Welt. S. 18.
[14]Stojka, Ceija: Reisende auf dieser Welt. S. 57.
[15]Stojka, Ceija: Reisende auf dieser Welt. S. 59.
[16]Stojka, Ceija: Reisende auf dieser Welt. S. 91.
[17]Stojka, Ceija: Reisende auf dieser Welt. S. 93.
[18]Stojka, Ceija: Reisende auf dieser Welt. S. 95.
[19]Stojka, Ceija: Reisende auf dieser Welt. S. 96.
[20]Stojka, Ceija: Reisende auf dieser Welt. S. 97.
[21]Stojka, Ceija: Reisende auf dieser Welt. S. 100.
[22]Stojka, Ceija: Reisende auf dieser Welt. S. 100.
[23]Stojka, Ceija: Reisende auf dieser Welt. S. 100f.
[24]Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 15.
[25]Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 127.
[26]Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 15f.
[27]Meier - Rogan, Patrizia: Ceija Stojka. Bilder & Texte.
[28]Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 17.
[29]Stojka, Ceija: Interview. S. 85.
[30]Stojka Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 105.
[31]Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 21.
[32]Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 62.
[33]Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 70.
[34]Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 105.
[35]Stojka, Ceija: Reisende auf dieser Welt. S. 131.
[36]Stojka, Ceija: Interview. S. 87.
[37]Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 21.
[38]Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 40f.
[39]Stojka, Ceija: Interview. S. 85.
[40]Stojka, Ceija: Reisende auf dieser Welt. S. 73.
[41]Stojka, Ceija: Interview. S. 86.
[42]Stojka, Ceija: Interview. S. 75.
[43]Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 155.
[44]Stojka, Ceija: Interview. S. 70.
[45]Meier - Rogan, Patrizia: Ceija Stojka. Bilder & Texte.
[46]Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 150.
[47]Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 123.
[48]Meier - Rogan, Patrizia: Ceija Stojka. Bilder & Texte.
[49]Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 57.
[50]Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 100.
[51]Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 108.
[52]Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 101.
[53]Stojka, Ceija: Interview. S. 89.
[54]Stojka, Ceija: Reisende auf dieser Welt. S. 110.
[55]Stojka, Ceija: Interview. S. 75.
[56]Stojka, Ceija: Reisende auf dieser Welt. S. 34f.
[57]Stojka, Ceija: Interview. S. 86.
[58] Vgl. Nitsche, Gerald (Hrsg.): Österreichische Lyrik und kein Wort Deutsch. - Innsbruck: Haymon 1990. S 7.
[59] Vgl. Nitsche, Gerald (Hrsg.): Österreichische Lyrik und kein Wort Deutsch. S. 7.
[60] Ich geb’ dir einen Mantel, dass du ihn noch in der Freiheit tragen kannst. Wiedersehen im KZ. Österreichische Frauen erzĂ€hlen. Hrsg. v. Karin Berger. - Wien: Promedia 1987. S. 7.
[61]vgl. Roma: das unbekannte Volk. Schicksal und Kultur. Hrsg. v. Mozes F. Heinschink und Ursula Hemetek. - Weimar: Böhlau 1994. S. 129.
[62] Eder, Beate: Geboren bin ich vor Jahrtausenden. Bilderwelten in der Literatur der Roma und Sinti. - Klagenfurt: Drava 1993. S. 127.
[63] Roma: das unbekannte Volk. S. 130.
[64] Vgl. Eder, Beate: Literatur einer Minderheit. - In: Stimme 17 ( 1994 ) S. 4.
[65] Eder, Beate: Geboren bin ich vor Jahrtausenden. S. 74.
[66] Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 115 f.
[67] Vgl. Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 140.
[68] Stippinger, Christa: Jeder ist anderswo ein Fremder. Bericht aus einer interkulturellen Schreibwerkstatt. - In: Ide. Informationen zur Deutschdidaktik 20 ( 1996 ) S. 85.
[69] Stojka, Ceija: Interview. S. 70.
[70] Vgl. Eder, Beate: Literaturen einer Minderheit. S. 4.
[71] Stojka, Ceija: Interview. S. 69.
[72] Vgl. Stojka, Ceija: Interview S 69.
[73] Eder, Beate: Geboren bin ich vor Jahrtausenden. S. 121.
[74] Stojka, Ceija: Interview. S. 70.
[75] Stojka, Ceija: Interview. S. 73.
[76] Stojka, Ceija: Interview. S. 74.
[77] Stojka, Ceija: Interview. S. 70.
[78] Stojka, Ceija: Reisende auf dieser Welt. S. 142.
[79] Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 51.
[80] Vgl. Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 51.
[81] Eder, Beate: Geboren bin ich vor Jahrtausenden. S. 127.
[82] Vgl. Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 100 - 102.
[83] Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 33.
[84] Vgl. Eder, Beate: Geboren bin ich vor Jahrtausenden. S. 127.
[85] Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 36 f.
[86] Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 36 f.
[87] Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 38 f.
[88] Jedermann ist anderswo ein Fremder. Eine Anthologie mit Texten und Interviews der Autoren und Autorinnen der Schreibwerkstatt fĂŒr ZuwanderInnen und Angehörige ethnischer Minderheiten in Österreich 1995 / 96 in Amerlingerhaus. Hrsg. v. Christa Strippinger. Wien 1996 ( = interkulturelle Reihe des Vereins Wxil im Amerlinghaus Bd. 1 ). S. 233.
[89] vgl. Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 60 f.
[90] Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 61.
[91] Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 41.
[92] Vgl. Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 38.
[93] Vgl. Eder, Beate: Geboren bin ich vor Jahrtausenden. S. 130.
[94] Stojka, Ceija: Interview. S. 72.
[95] Vgl. Eder, Beate: Geboren bin ich vor Jahrtausenden. S. 128.
[96] Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 26.
[97] Stojka, Ceija. Wir leben im Verborgenen. S. 27 f.
[98] Stojka, Ceija. Wir leben im Verborgenen. S. 108.
[99] Stojka, Ceija: Interview. S. 76.
[100] Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 21.
[101] Vgl. Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 35.
[102] Vgl. Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 39.
[103] Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 132.
[104] Stojka, Ceija. Wir leben im verborgenen. S. 24.
[105] Vgl. Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 29.
[106] Vgl. Eder, Beate: Geboren bin ich vor Jahrtausenden. S. 129.
[107] Vgl. Stojka, Ceija. Wir leben im Verborgenen. S. 40.
[108] Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 44.
[109] Vgl. Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S. 36.
[110] Stojka, Ceija: Interview. S. 75.
[111] Vgl. Stojka, Ceija. Interview. S. 77.
[112] Vgl. Stojka, Ceija: Interview. S. 84.
[113] Vgl. Eder, Beate: Geboren bin ich vor Jahrtausenden. S. 131.
[114] Stojka, Ceija: Interview. S. 75.
[115] Stojka, Ceija: Interview. S. 86.
[116] Stojka, Ceija: Weihnachten. - In: Romano Centro. 11 (1995) S. 8.
[117] Vgl. Jeder ist anderswo ein Fremder. S. 218.
[118] Stojka, Karl: Auf der ganzen Welt zu Hause. S.20.
[119] Anm.: Die Vorlesung fand unter der Leitung von Prof. Neugebauer mit dem Titel "NS - Herrschaft in Österreich zwischen 1938 - 45" statt.
[120] Vgl. Stimme 14 (1995) S.29.
[121] Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.97.
[122] Jeder ist anderswo ein Fremder. S.233.
[123]Vgl. Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.97.
[124] Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.98.
[125] Stojka, Ceija: Interview S. 70.
[126] Stojka, Ceija: Interview S. 69.
[127] Stojka, Karl: Auf der ganzen Welt zu Hause. S.8.
[128] Stojka, Karl: Auf der ganzen Welt zu Hause. S.10.
[129] Vgl. Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.15.
[130] Vgl. Stojka, Ceija: Interview S 70.
[131] Vgl. Stojka, Karl: Auf der ganzen Welt zu Hause. S.10.
[132] Stimme 14 (1995) S.29.
[133] Vgl. Eder, Beate: Geboren bin ich vor Jahrtausenden. S.127.
[134] Vgl. Wege zu Minderheiten. S.137.
[135] Wege zu Minderheiten. S.137.
[136] Wege zu Minderheiten. S.137.
[137] Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.20.
[138] Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.17.
[139] Interview S. 75.
[140] Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.39.
[141] Vgl. Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.40.
[142] Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.22.
[143] Jeder ist anderswo ein Fremder. S.229.
[144] Vgl. Stojka, Karl: Auf der ganzen Welt zu Hause. S.36f.
[145] Stojka, Karl: Auf der ganzen Welt zu Hause. S.37.
[146] Vgl. Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.21.
[147] Stojka, Karl: Auf der ganzen Welt zu Hause. S.56.
[148] Vgl. Stojka, Karl: Auf der ganzen Welt zu Hause. S.32.
[149] Vgl. Stojka, Karl: Auf der ganzen Welt zu Hause. S.73.
[150] Vgl. Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.27.
[151] Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.32.
[152] Jeder ist anderswo ein Fremder. S.232.
[153] Vgl. Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.35.
[154] Vgl. Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.44.
[155] Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.72.
[156] Vgl. Stojka, Karl: Auf der ganzen Welt zu Hause. S.9.
[157] Stojka, Karl: Auf der ganzen Welt zu Hause. S.9.
[158] Stojka, Karl: Auf der ganzen Welt zu Hause. S.88.
[159] Stojka, Karl: Auf der ganzen Welt zu Hause. S.42.
[160] Vgl. Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.52.
[161] Stojka, Karl: Auf der ganzen Welt zu Hause. S.43.
[162] Stojka, Ceija: Interview S. 70.
[163] Stojka, Ceija: Interview S. 74.
[164] Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.25.
[165] Vgl. Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.33.
[166] Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.25.
[167] Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.30.
[168] Vgl. Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.44.
[169] Vgl. Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.57.
[170] Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.48.
[171] Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.60.
[172] Stojka, Ceija: Interview S. 76.
[173] Vgl. Stojka, Karl: Auf der ganzen Welt zu Hause. S.33.
[174] Stojka, Karl: Auf der ganzen Welt zu Hause. S.70.
[175] Stojka, Karl: Auf der ganzen Welt zu Hause. S.24.
[176] Stojka, Karl: Auf der ganzen Welt zu Hause. S.25.
[177] Vgl. Stojka, Karl: Auf der ganzen Welt zu Hause. S.39.
[178] Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.15.
[179] Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.122.
[180] Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.122.
[181] Stojka, Ceija: Interview S. 79.
[182] Stojka, Ceija: Interview S. 82.
[183] Stojka, Karl: Auf der ganzen Welt zu Hause. S.24.
[184] Stojka, Karl: Auf der ganzen Welt zu Hause. S.26.
[185] Vgl. Stojka, Karl: Auf der ganzen Welt zu Hause. S.102.
[186] Vgl. Stojka, Karl: Auf der ganzen Welt zu Hause. S.100 f.
[187] Vgl. Stojka, Karl: Auf der ganzen Welt zu Hause. S.35.
[188] Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.40.
[189] Vgl. Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.24.
[190] Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.29.
[191] Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen S. 41.
[192] Vgl. Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.42.
[193] Vgl. Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.36.
[194] Vgl. Stojka, Karl: Auf der ganzen Welt zu Hause. S.48.
[195] Vgl. Stojka, Karl: Auf der ganzen Welt zu Hause. S.49.
[196] Stojka, Karl: Auf der ganzen Welt zu Hause. S.70 f.
[197] Vgl. Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.35.
[198] Vgl. Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen S.33.
[199] Vgl. Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.59.
[200] Vgl. Stojka, Ceija: Wir leben im Verborgenen. S.33.
[201] Stojka, Karl: Auf der ganzen Welt zu Hause. S.41.
[202] Stojka, Karl: Auf der ganzen Welt zu Hause. S.44.
[203] Stojka, Karl: Auf der ganzen Welt zu Hause. S.48.
[204] Stojka, Ceija: Interview S. 62.
[205]Stippinger, Christa (Hrsg): Schreiben zwischen den Kulturen. Eine Anthologie. Wien 1997. S. 87.
[206]Nikolic, Miso: ...und dann zogen wir weiter. Lebenslinien einer Romafamilie. Klagenfurt/Celovec: Drava 1997. S. 44f.
[207]Nikolic, Miso: ...und dann zogen wir weiter. S. 9.
[208]Nikolic, Miso: ...und dann zogen wir weiter. S. 18.
[209]Nikolic, Miso: ...und dann zogen wir weiter. S. 13.
[210]Nikolic, Miso: ...und dann zogen wir weiter. S. 80.
[211]Nikolic, Miso: ...und dann zogen wir weiter. S. 58.
[212]Nikolic, Miso: ...und dann zogen wir weiter. S. 22.
[213]Nikolic, Miso: ...und dann zogen wir weiter. S. 22f.
[214]Nikolic, Miso: ...und dann zogen wir weiter. S. 23f.
[215]Nikolic, Miso: ...und dann zogen wir weiter. S. 109.
[216]Stippinge, Christa: Schreiben zwischen den Kulturen. S. 88f.
[217]Stojka, Ceija: Interwiew. S. 68.
[218]Meier - Rogan, Patrizia: Ceija Stojka. Bilder & Texte.

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