Sturm und Drang (1767 - 1785)






Sturm und Drang




1. Inhaltsverzeichnis

2. Einleitung

Der Sturm und Drang ist die Auflehnung der jungen Generation gegen die verstandesbetonte Aufkl√§rung. Die gesamte Epoche, die sich von zirka 1765 bis 1785 erstreckt und auch gern als Geniezeit bezeichnet wird, hat ihren Namen von einem 1776 erschienenen Drama von Friedrich Maximilian Klinger. Dieser ist ein Jugendfreund Goethes und schreibt in dieser Zeit der Begeisterung f√ľr Jean - Jacques Rousseau auch noch das Werk "Die Zwillinge" (1776), das ebenfalls dem Sturm und Drang zuzurechnen ist.
"Die Bewegung begann mit Herders 'Fragmenten' (1767) und endete mit Schillers 'Räubern' (1781)." (Deutsche Literaturgeschichte (1) Seite 45)

3. Philosophie

Um 1770 geht eine gro√üe Unruhe durch die europ√§ische Studentenschaft, die sich auch in der Literatur bemerkbar macht und sich gegen die k√ľhle, strikte und verstandesgem√§√üe Aufkl√§rung richtet. Au√üerdem richten sich literarische wie politische Str√∂mungen gegen jede Art der Bevormundung oder Unterdr√ľckung. Jeder Mensch soll sich frei entfalten k√∂nnen und nicht durch irdische oder geistige Fesseln eingeengt sein. Freiheit bricht wie ein Zauberwort in die Reihen der jungen Menschen, die sich daraufhin selbst als Original - oder Kraftgenie bezeichnen. Das Genie bricht aus jeder Form der Lebensart, des Zwanges, egal ob politisch oder literarisch, aus, um sich selbst ganz zu erleben und um der dem Genie innewohnenden sch√∂pferischen, kreativen Kraft keine Grenzen zu setzen. Die Phantasie ist stark genug, um jede Formvorschrift und Regel zu brechen. Es gibt keine Versform und keinen Dramenaufbau mehr; die Form wird vom Werk erschaffen und darf nicht von au√üen aufgezwungen werden. "In den 'Fragmenten' k√§mpft er gegen die Nachahmung fremder Muster und legt das Recht auf Einzelpers√∂nlichkeit wie des Volkes dar, sich zu geben, wie sie sind. Als wichtigsten Satz verficht er die neue Lehre, dass die Poesie nicht das Recht weniger Bevorzugter, Gelehrter sei, sondern das Gemeingut des ganzen Volkes und damit zugleich ein Teil der Geistes - und Seelengeschichte. [...] Er verwirft durchaus die blo√üe Korrektheit, den stilistischen Regelzwang, und setzt die volkst√ľmliche Sprache in ihr Recht ein, die auch nicht schriftgem√§√üe Ausdr√ľcke und Wendungen getrost verwenden darf, wenn darin Kraft und Eigenart liegen. Dadurch gewann er tiefgehenden Einflu√ü auf die 'Kraftgenies' und auf die Entwicklung unserer Sprache √ľberhaupt." (Deutsche Literaturgeschichte (2) √ľber Johann Gottfried Herder; Seite 146)
Jean - Jacques Rousseau pr√§gt den Satz "Zur√ľck zur Natur!", eine Aufforderung, der die St√ľrmer und Dr√§nger gerne nachkommen. Sie entwickeln eine schw√§rmerische Liebe zur Nat√ľrlichkeit. Rousseau geht jedoch weiter. In einer preisgekr√∂nten Schrift √ľber die Wirkung der Wissenschaften und der K√ľnste behauptet er, dass diese den Menschen nicht besser, sondern schlechter gemacht haben. "Alles ist gut, wie es aus den H√§nden des Sch√∂pfers kommt; alles entartet unter den H√§nden des Menschen." (Literaturkunde Seite 83). Rousseau macht die Wissenschaft und K√ľnste f√ľr die sozialen und politischen Probleme der Zeit verantwortlich, prangert die sogenannte Zivilisation an und fordert zu einem R√ľckschritt und Zur√ľckschritt zur Natur auf, in der der Mensch anf√§nglich gl√ľcklich gewesen ist.
Die Nat√ľrlichkeit soll sich auch in anderen Bereichen durchsetzen, so strebt der Sturm und Drang eine nat√ľrliche Gesellschaftsordnung an, in der der Mensch nicht nach seiner Geburt beurteilt wird. Der Adel wird des Machtmi√übrauchs angeklagt und (leider nur auf der B√ľhne) vor Gericht gestellt und verurteilt. Hier werden die Fehler und Unzul√§nglichkeiten, die Vergehen und Verbrechen aufgezeigt, angeprangert und angeklagt, anders als in fr√ľheren Epochen, in denen die bessere Welt skizziert, aber kein Angriff auf die bestehende unternommen wurde. Die Ideen des Sturmes und Dranges k√∂nnen sich politisch jedoch nicht durchsetzen, da die Masse des Volkes zu dieser Zeit kein Mitspracherecht in der Regierung hat, sondern absolutistisch gef√ľhrt wird (siehe Geschichte).
Der Menschen, der in seiner Verg√§nglichkeit nur ein Gleichnis, ein Symbol des G√∂ttlichen ist, hat die Aufgabe einen Gedanken der Sch√∂pfung zu verwirklichen, um diese weiterzuf√ľhren und seinen Vers dazu beizutragen. "Dies geschieht am besten dadurch, dass er sich an die Aufgaben, die ihm aus dem bestimmten Kreis seines Lebens zuwachsen, hingibt und sie in fortschreitender Entwicklung und L√§uterung der pers√∂nlichen Begabung zu l√∂sen sucht. So handelt schlie√ülich Faust, so auch Wilhelm Meister" (Deutsche Literaturgeschichte (2) Seite 143). Jeder Mensch hat also die Kraft und Macht, anders ausgedr√ľckt das Genie, die Welt zu ver√§ndern, zu formen, zu gestalten und sollte sich nicht durch Gesetze, Sitten oder Gebr√§uche daran hindern lassen. Das Genie entwickelt sich das ganze Leben lang, es wird geformt, es reift. Es verk√ľmmern zu lassen w√§re eine Schande.

4. Geschichte

In fast allen L√§ndern Europas ist ein absolutistischer Herrscher an der Macht, in unserem Fall regiert Maria Theresia √Ėsterreich (von 1740 bis 1780). Nach den √∂sterreichischen Erbfolgekriegen, die 1763 enden, erh√§lt Preu√üen Schlesien und wird zur Gro√ümacht. Deutschland ist in viele kleine F√ľrstent√ľmer zersplittert, die von F√ľrsten mit fast uneingeschr√§nkte Macht regiert werden. Der Schriftsteller Christian Friedrich Daniel Schubart wird auf Befehl des Herzogs Karl Eugen von W√ľrttemberg ohne Proze√ü eingekerkert, und dies nur, weil er einige kritische Bemerkungen in seiner "Deutschen Chronik" ver√∂ffentlicht. W√§hrend der Haft schreibt er das Gedicht "Die F√ľrstengruft", welches ihm weitere sieben Jahre Haft einbringt.
In diese Zeit fällt auch der Unabhängigkeitskrieg, der Kampf der amerikanischen Siedler gegen die Kolonialmacht England, der mit der Unabhängigkeitserklärung von 1776 beginnt.

5. Der Göttinger Hain

Der Sturm und Drang hat besonders in zwei St√§dten Fu√ü gefa√üt und diese sind G√∂ttingen und Stra√üburg. W√§hrend in Stra√üburg der junge Goethe mit seinen Freunden lebt, die ihre Geniezeit ganz in das Zeichen des Dramas setzen, und Schiller seine Liebe zu dieser Epoche noch nicht entdeckt hat, fr√∂nt die G√∂ttinger Jugend eher der Lyrik, und sechs Dichter schlie√üen sich 1772 zu einem Bund zusammen, den sie einfach nur "Hain" nennen. "Ihr leuchtendes Vorbild war der Messiasdichter, w√§hrend sie den 'Sittenverderber' Wieland ha√üten. Die neuen Ideen wirkten sich in diesem Bunde zwar nicht mit der gleichen vulkanischen Wucht wie beim dramatischen Sturm und Drang aus, aber auch die Hainb√ľndler beseelte gl√ľhende vaterl√§ndische Begeisterung, Freiheitsliebe, Tyrannenha√ü, schw√§rmerische Empfindsamkeit, die sich in Freundschaftskult und einem feinf√ľhligen Verh√§ltnis zur Natur auswirkte und ihnen das singbare volkst√ľmliche Lied eingab. Ihre Gedichte ver√∂ffentlichten sie unter Leitung des √§ltesten, Christian Boies (des Dichters der 'Lore am Tore'), in dessen 'Deutschem Museum', vor Wielands (Anmerkung des Autors: Christoph Martin Wieland, Dichter der Aufkl√§rung und Feindbild des "Hains") 'Merkur' der besten deutschen Zeitschrift, und besonders im 'Musenalmanach' [= Taschenkalender mit literarischen Beitr√§gen]" (Deutsche Literaturgeschichte (2) Seite 150).

6. Literatur

In den folgenden Kapiteln m√∂chte ich einen √úberblick √ľber die vertretenen Literaturgattungen geben. Es sollen Beliebtheit, Stil und Themen der jeweiligen Art analysiert und diese Behauptungen durch Zitate, beziehungsweise Leseproben untermauert werden. Die gew√§hlten Werke werden f√ľr die Epoche charakteristisch, jedoch nicht vorwiegend von den bekanntesten Autoren sein, da diese, samt ihrer Werke, in einem eigenen Kapitel namens Personen bearbeitet werden.

6.1. Epik

Der Roman ist im Sturm und Drang nicht so beliebt wie in anderen Epochen. Wenn diese Art der Literatur verwendet wird, so meist in den Formen eines Tagebuches oder Briefes, da sich die Gef√ľhle in solchen pers√∂nlichen Aufzeichnungen besonders gut abzeichnen und eine feine Deutung und Nachempfindung des Erz√§hlten m√∂glich ist. Diese Romane sind oft Selbstanalysen, die auf pers√∂nlichen Erlebnissen, Empfindungen, Gef√ľhlen des Autors beruhen. Goethes Briefroman "Die Leiden des jungen Werther" hat nicht zuletzt deshalb einen so gro√üen Erfolg, weil er den Vorstellungen und W√ľnschen der Leser genau entspricht (siehe auch Der junge Johann Wolfgang Goethe).

6.2. Lyrik

In der Lyrik l√∂st das freie Lied das Gedicht der Aufkl√§rung, welches durch seine strengen Formvorschriften und Normen stark eingeengt ist, ab. Der Stil des einfachen Volkslieds wird wiederentdeckt und aufgearbeitet, als Themen Erlebnisse geschildert. Diese Erlebnislyrik bedient sich gerne der Natur als Mittel zur Darstellung des Gem√ľtszustandes der Hauptperson. Sonnenschein, duftende Wiesen und bl√ľhende Blumen sollen das Gef√ľhl der Heiterkeit ausdr√ľcken und auf den Leser einwirken. Wolken, Nebel, Regen und K√§lte sollen dem Leser bei ihrer Schilderung real erscheinen und ihn in die, nun schlechte, Stimmung der Hauptperson bringen.
Eine andere Art der Lyrik sind die hymnischen Gedichte. Wie schon am Namen zu erahnen ist, werden Helden, die gerne aus der Antike stammen, beschrieben und besungen. Die Gedichte unterliegen keinerlei Formbeschr√§nkungen, sondern werden in freien Rhythmen erz√§hlt. Die Zeilen sind unterschiedlich lang, haben nicht die gleiche Anzahl von Hebungen und Senkungen und sind nicht in Reimform. In diese Epoche fallen auch die Homer - √úbersetzungen von Johann Heinrich Voss, der 1781 die "Odyssee" und 1793 die "Ilias" in die deutsche Sprache √ľbersetzt.
1771 schreibt Goethe seinen Prometheus und dr√ľckt damit das Aufbegehren der St√ľrmer und Dr√§nger gegen die alte Aufkl√§rung, das Ablehnen der reinen Vernunftebene, den Protest gegen die Unterdr√ľckung und Bevormundung aus.

"Bedecke deinen Himmel, Zeus,
Mit Wolkendunst
Und √ľbe, dem Knaben gleich,
Der Disteln köpft,
An Eichen dich und Bergeshöhn!
Mußt mir meine Erde
Doch lassen stehn,
Und meine H√ľtte, die du nicht gebaut,
Und meinen Herd um dessen Glut
Du mich beneidest.

Ich kenne nichts √Ąrmer's
Unter der Sonn' als euch Götter.
Ihr n√§hret k√ľmmerlich
Von Opfersteuern
Und Gebetshauch

[...]

Ich dich ehren? Wof√ľr?
Hast du die Schmerzen gelindert
Je des Beladenen?
Hast du die Tränen gestillet
Je des Geängstigten?

Hat nicht mich zum Manne geschmiedet
Die allmächtige Zeit
Und das ewige Schicksal,
Meine Herrn und deine?

[...]

Hier sitz' ich, forme Menschen
Nach meinem Bilde,
Ein Geschlecht, das mir gleich sei,
Zu leiden, zu weinen,
Zu genießen und zu freuen sich,
Und dein nicht zu achten,
Wie ich."
(Monolog des Prometheus, entnommen aus der Literaturkunde Seite 88)

6.3. Dramatik

Das erste Sturm und Drang - Drama ist "Ugolino", das Wilhelm Heinrich von Gerstenberg auf die B√ľhne bringt. Es ist eine Hungerturmtrag√∂die, deren Stoff aus Dantes "G√∂ttlicher Kom√∂die" stammt und in der er Shakespeare nachahmen will, den er bewundert. Die Handlung beschr√§nkt sich eigentlich darauf, dass ein Vater mit seinen drei S√∂hnen in einem Turm verhungert. Diese magere Handlung wird absichtlich gew√§hlt, um die Gef√ľhle, die Leidenschaften und nicht zuletzt das Leiden genauer darstellen zu k√∂nnen.
Shakespeare ist f√ľr die meisten Dramatiker des Sturmes und Dranges ein Vorbild, da er in seinen Werken mehrmals den Schauplatz wechselt und Jahre √ľberspringt, damit die Dramatik des Gezeigten voll wirken kann. "Die erste Seite, die ich in ihm las, machte mich zeitlebens ihm eigen [...] Ich zweifelte keinen Augenblick, dem regelm√§√üigen Theater zu entsagen. Es schien mir die Einheit des Orts so kerkerm√§√üig √§ngstlich, die Einheiten der Handlung und der Zeit l√§stige Fesseln unsrer Einbildungskraft. Ich sprang in die freie Luft und f√ľhlte erst, dass ich H√§nde und F√ľ√üe hatte." (aus dem Aufsatz "Zum Shakespeare - Tag" vom jungen Goethe (1771), entnommen aus der Literaturkunde Seite 83).
Das Genie des Sturm und Drangs sprengt alle stilistischen und sprachlichen Fesseln, da es keine Einschr√§nkung der k√ľnstlerischen Freiheit duldet. Die Dramen sind meist in Prosa verfa√üt, grammatikalische Regeln werden mi√üachtet, halbe S√§tze, Ausrufe und einzelne W√∂rter als Stilmittel verwendet. Diese Art der Schreibweise wird als Explosivstil bekannt.
Friedrich Maximilian Klinger, der, wie schon erw√§hnt, durch sein Schauspiel "Sturm und Drang" (1776) der ganzen Epoche ihren Namen gibt, ist der "wuchtigste" Dramatiker der Stra√üburger Gruppe um Goethe (vergleiche Deutsche Literaturgeschichte (2) Seite 153) und beeindruckt am meisten mit seinem Werk "Die Zwillinge", das auch 1776 ver√∂ffentlicht wird. Es geht hier um ein Br√ľderpaar, von dem sich beide Br√ľder in das selbe M√§dchen verlieben, in Streit geraten und ihren Konflikt nur durch die T√∂tung des einen Bruders durch den anderen aus der Welt schaffen k√∂nnen.
Als ein von Wahnsinn geplagter Mann und begabter Kritiker schreibt Michael Reinhold Lenz die realistischen Kom√∂dien "Hofmeister" (1774) und "Soldaten" (1776). Im "Hofmeister" beschreibt er die Sch√§den, die eine Privaterziehnung anrichten kann, in "Soldaten" berichtet er √ľber die Folgen der allgemein geforderten Ehelosigkeit der Offiziere.

7. Persönlichkeiten

In diesem Kapitel sollen die interessantesten und bekanntesten Literaten der Sturm und Drang - Epoche kurz vorgestellt und ihre Werke beschrieben werden. Es werden nur die f√ľr diese Zeit wichtigen Dichtungen ber√ľcksichtigt und der Lebenslauf im gro√üen und ganzen auf diese Zeit beschr√§nkt. Aus diesem Grund sind auch bei den Kapiteln √ľber Goethe und Schiller die Worte "Der junge" hinzugef√ľgt, um zu zeigen, dass diese sich in ihrer Jugend dem Sturm und Drang widmeten, sp√§ter jedoch in der Klassik etc. weiterarbeiteten.

7.1. Johann Georg Hamann

Der 1730 in K√∂nigsberg geborene, leidenschaftliche und tief religi√∂se Hamann beginnt schon 1760 den Kampf gegen die verstandesgem√§√üe Aufkl√§rung und gilt somit als einer der Bahnbrecher des Sturmes und Dranges. Goethe sagt einmal selbst, dass es Hamann ist, dem er am meisten verdankt, und auch Herder, dessen "Fragmente √ľber die neuere deutsche Literatur" die neue Epoche vollends einl√§uten, ist von ihm inspiriert. Er bricht in seinen Werken die Formvorschriften und schreibt in einem abgehackten, mystischen Stil, der die kommende Zeit schon im voraus ank√ľndigt, wenn er gegen die verkommene Literatur der Aufkl√§rung wettert. "Nicht Leiter! - Noch Pinsel! - eine Wurfschaufel f√ľr meine Muse, die Tenne heiliger Literatur zu fegen! [...] Poesie ist die Muttersprache des menschlichen Geschlechts; wie der Gartenbau alter als der Acker: Malerei - als Schrift: Gesang - als Deklamation: Gleichnisse - als Schl√ľsse: Tausch - als Handel. [...] Sinne und Leidenschaften reden und verstehen nichts als Bilder. In Bildern besteht der ganze Schatz menschlicher Erkenntnis und Gl√ľckseligkeit." (aus der Deutschen Literaturgeschichte (2) Seite 144)
Er fordert, dass die Welt und das Leben "instinktm√§√üig" erfa√üt werden, und zwar als Ganzes, nicht, wie durch die Vernunft, nur in einzelnen Teilen. "'Gef√ľhl oder Magie' m√ľssten herrschen; Poesie und Glaube m√ľssten die 'ausgestorbene Sprache der Natur' wieder zu gewinnen suchen." (Deutsche Literaturgeschichte (2) Seite 144). Durch den Ausspruch "Gef√ľhl oder Magie" erh√§lt er den Beinamen der "Magus (oder Magier) aus dem Norden". Was Hamann in schwer verst√§ndlichem Text verpackt ("Sokratische Denkw√ľrdigkeiten" (1759), "Kreuzz√ľge der Philologen" (1762)), versucht sp√§ter Herder zu klaren Ideen zu sammeln.

7.2. Johann Gottfried Herder

Herder wird in 1744 in Ostpreu√üen als Sohn eines armen Lehrers geboren und w√§chst in kleinen Verh√§ltnissen auf. Als Schreiber des Predigers seines Heimatortes kann er zwar viel lesen und seinen Wissensdrang befriedigen, aber erst als er nach K√∂nigsberg kommt, um Theologie zu studieren, kann er sich voll entfalten. Hier kommt es auch zu der Begegnung mit Hamann, der ihn in die Werke von Shakespeare und die Ideen von Rousseau einf√ľhrt. Seine eigene schriftstellerische T√§tigkeit beginnt erst in Riga, wo er 1764 Prediger ist, und von wo er 1769 eine Reise mit dem Schiff ins Unbekannte unternimmt, die ein einschneidendes Erlebnis werden soll. "Den 3. Juni (Anmerkung des Autors: 1769) reiste ich aus Riga ab, und den 5. 6. ging ich in See, um, ich wei√ü nicht wohin? zu gehen. Ein gro√üer Teil unserer Lebensgegebenheiten h√§ngt wirklich vom Wurf von Zuf√§llen ab. So kam ich nach Riga, so in mein geistliches Amt, und so ward ich desselben los; so ging ich auf Reisen. Ich gefiel mir nicht als Gesellschafter, weder in dem Kreise, da ich war; noch in der Ausschlie√üung, die ich mir gegeben hatte. Ich gefiel mir nicht als Schullehrer, die Sph√§re war f√ľr mich zu enge, zu fremde, zu unpassend, und ich f√ľr meine Sph√§re zu weit, zu fremde, zu besch√§ftigt. Ich gefiel mir nicht als B√ľrger, da meine h√§usliche Lebensart Einschr√§nkungen, wenig wesentliche Nutzbarkeiten und eine faule, oft ekle Ruhe hatte. Am wenigsten endlich als Autor, [...] Alles also war mir zuwider [...] Ich musste also reisen: und da ich an der M√∂glichkeit hiezu verzweifelte, so schleunig, √ľbert√§ubend und fast abenteuerlich reisen, als ich konnte." (aus dem "Reisejournal"; entnommen aus dem Buch Deutsche Literaturgeschichte Seite 145).
Er landet an der franz√∂sischen K√ľste und trifft sich in Paris mit vielen Schriftstellern der Aufkl√§rung, die ihm allerlei Anregungen geben. Auf seiner R√ľckreise trifft er Gotthold Ephraim Lessing. Im Sommer 1770 macht er seine zweite Reise, diesmal nach Italien. Noch auf der Reise, in Darmstadt, lernt er Karoline Flachsland kennen, die einmal seine Frau werden soll, und schon in Stra√üburg gibt er die Reise auf und trifft auf den jungen Goethe. Sie pflegen einen regen Gedankenaustausch, in dem Goethe zu sich selbst findet. (vgl. Deutsche Literaturgeschichte (2) Seite 145)
Goethe ist es auch, der ihn sp√§ter eine Anstellung als Generalsuperintendent in Weimar verschafft, die Herder anfangs gerne annimmt, ihn √ľber die Jahre hinweg aber immer mi√ümutiger werden l√§sst. So gibt er die Stellung, aber auch sein Verh√§ltnis zu Goethe auf, reist umher, unruhig, getrieben von Unzufriedenheit mit der Literatur, die er ja selbst mitgeschaffen hat. Er stirbt 1803 nach Jahren der Vereinsamung und ist, nach Goethes Worten "verzweifelt in die Grube gefahren".
Seine bedeutendsten Werke sind "Fragmente √ľber die neuere deutsche Literatur" (1767/68), in dem er gegen die Nachahmung fremder Muster, f√ľr das Recht auf Einzelpers√∂nlichkeit und Kultur f√ľr jedermann k√§mpft, und "Kritische W√§lder" (1769), wo er die Korrektheit anprangert und die Freiheit der Kunst und Sprache feiert.
"Die Kunst kommt und l√∂scht die Natur aus." (angeblicher Ausspruch Herders; entnommen aus dem Buch Deutsche Literaturgeschichte (2) Seite 146). Herder ist von der sogenannten Naturpoesie begeistert, die eine starke Aussage hat, aber keinen Wert auf stilistische Korrektheit legt. Seiner Meinung nach wird alles in ein unnat√ľrliches Regelwerk gepre√üt, welches die eigentlichen Gef√ľhle unterdr√ľckt und dann so perfektioniert werden muss, damit dies nicht mehr auff√§llt. Mehr oder minder reine Naturpoesie sei noch bei Homer, in der Bibel (Altes Testament), aber auch bei Shakespeare und in Volksliedern zu finden. 1772 ver√∂ffentlicht er seine Schrift "Vom Ursprung der Sprache", die 1772 von der Berliner Akademie ausgezeichnet wird und auf die ein halbes Jahrhundert sp√§ter die vergleichende Sprachwissenschaft aufbaut.

7.3. Der junge Johann Wolfgang Goethe

Goethe wird am 28. August 1749 in Frankfurt am Main, damals eine der bedeutendsten St√§dte Deutschlands, als Sohn gut situierter Eltern geboren. Durch zahlreiche in - und ausl√§ndische G√§ste im Hause Goethe und ein vielseitiges Leseangebot wird der junge Johann Wolfgang zum eigenen Schaffen ermutigt. Mit sechzehn geht er an die Universit√§t in Leipzig um Rechtswissenschaften zu studieren, von deren N√ľchternheit jedoch abgeschreckt, belegt er fortan Kunstf√§cher. Aus der Liebe zu der Gastwirtstochter K√§thchen Sch√∂nkopf entstehen einige beschwingte Werke, wie zum Beispiel das "Leipziger Liederbuch" und die Kom√∂dien "Die Laune der Verliebten" und "Die Mitschuldigen". In allen diesen Werken spielt die Liebe eine wichtige Rolle.
Nach einem Blutsturz, der ihn in Lebensgefahr bringt, geht er, immer noch nicht voll genesen, im September 1768 nach Frankfurt zur√ľck und betreibt alchemistische Studien, die sich im Faust niederschlagen. Erst im Fr√ľhling 1770 geht er nach Stra√üburg, um sein Studium zu beenden und den Doktor zu machen. In Stra√üburg trifft er auch auf Johann Gottfried Herder, der ihm die Nat√ľrlichkeit, und damit die Gedanken des Sturm und Drang, n√§herbringt. Goethe entdeckt die Sch√∂nheit Homers, Ossians, Shakespeares, des Volkslieds und lie√üt die Bibel. Eifrig sammelt er f√ľr Herder Volkslieder und schreibt selbst sein "Heidenr√∂slein". In dieser Zeit, w√§hrend den Gespr√§chen mit Herder und den einsamen Spazierg√§ngen, steigen zum ersten Mal die Gestalten des G√∂tz und des Faust in ihm auf, doch durch seine Liebe zur Pfarrerstochter Friederike Brion entstehen Lieder wie "Willkommen und Abschied", "Mit einem gemalten Band" und das "Mailied".

"Ich sah dich, und die milde Freude
Flo√ü aus dem s√ľ√üen Blick auf mich.
Ganz war mein Herz an deiner Seite,
Und jeder Atemzug f√ľr dich.
Ein rosenfarbes Fr√ľhlingswetter
Lag auf dem lieblichen Gesicht
Und Z√§rtlichkeit f√ľr mich, ihr G√∂tter,
Ich hofft' es, ich verdient' es nicht.

Der Abschied, wie bedr√§ngt, wie tr√ľbe!
Aus deinem Blicken sprach dein Herz.
In deinen K√ľssen welche Liebe,
O welche Wonne, welcher Schmerz!
Du gingst, ich stund und sah zu Erden
Und sah dir nach mit nassem Blick,
Und doch, welch Gl√ľck, geliebt zu werden,
Und lieben, G√∂tter, welch ein Gl√ľck!"
(Originalversion von "Willkommen und Abschied" (1771), abgeänderte Version wurde erst 1789 veröffentlicht; entnommen aus der Literaturkunde Seite 87)

Im August 1771 kehrt Goethe nach Frankfurt zur√ľck, wo er, bis auf kleine Unterbrechungen, bis 1775 bleibt. Es ist eine Zeit des Schaffens und Wirkens, eine Zeit, die voll dem Sturm und Drang gewidmet ist. 1771 entsteht die "Geschichte Gottfriedens von Berlichingen", welche sozusagen der Urg√∂tz ist und 1773 zum "G√∂tz von Berlichingen" umgearbeitet wird. In diesem Drama geht es um G√∂tz von Berlichingen, der sich gegen die Bevormundung von Bischof von Bamberg ank√§mpft. Er will sein Land selbst verwalten und in ehrlichem Kampf den Sieger bestimmen, doch er wird beim Kaiser wegen Landfriedensbruch angeklagt. G√∂tz l√§sst den Ankl√§ger, der ein verr√§terischer Freund ist, vergiften und wird mit der Reichsacht bestraft. Er wird in seiner Burg belagert und durch Verrat gefangengenommen. Als er wieder befreit wird, schw√∂rt er "Urfehde" und zieht sich in seine Burg zur√ľck, wo ihn die Bauern, die zu einem Aufstand entschlossen sind, bitten, ihre F√ľhrung zu √ľbernehmen. Er tut dies nur, um zu verhindern, dass der Kampf zu blutr√ľnstig wird und als er dies nicht verhindern kann, will er sich abwenden - zu sp√§t - er wird in einen Kampf verwickelt, verwundet und gefangengenommen; es ist auch das Gef√§ngnis, in dem er mit dem Ruf "Freiheit" auf den Lippen stirbt. Dieses Ende gestaltet Goethe so: "[...] Er war der beste Junge unter der Sonne und tapfer. - L√∂se meine Seele nun! - Arme Frau! Ich lasse dich in einer verderbten Welt. Lerse, verlass sie nicht. - Schlie√üt eure Herzen sorgf√§ltiger als eure Tore. Es kommen die Zeiten des Betrugs, es ist ihm Freiheit gegeben. Die Nichtsw√ľrdigen werden regieren mit List, und der Edle wird in ihre Netze fallen. Maria, gebe dir Gott deinen Mann wieder. M√∂ge er nicht so tief fallen, als er hoch gestiegen ist! Selbitz starb, und der gute Kaiser, und mein Georg. - Freiheit! Freiheit! (Er stirbt.)" (G√∂tz von Berlichingen Seite 111).
Goethe hat die Figur des G√∂tz zu einem K√§mpfer f√ľr die Freiheit, einem Unbeugsamen, einem Streiter gegen Unterdr√ľckung, kurz einem Helden gemacht, obwohl die geschichtliche Vorlage zu diesem St√ľck weitaus negativer besetzt ist.
Das Drama allgemein zieht sich √ľber viele Jahre und wechselt oft die Schaupl√§tze, eine Freiheit des Sturmes und Dranges, die von Shakespeare inspiriert ist. Herder urteilt deshalb auch schlecht √ľber das St√ľck und war der Meinung: "Shakespeare hat Euch ganz verdorben!".
Im Sommer 1772 ist Goethe in Wetzlar und sein Freund Kestner stellt ihm seine neunzehnj√§hrige Verlobte Charlotte Buff vor, in die Goethe sich sofort verliebt. Aus Charlotte wurde Lotte, die Geliebte des Romanhelden und als sich ein junger, begabter Gesandtschaftssekret√§r in Wetzlar aus Liebeskummer umbringt, steht auch das Ende des Romans fest. So entstehen "Die Leiden des jungen Werther", die 1774 ver√∂ffentlicht werden. Goethe erz√§hlt in diesem St√ľck nicht nur das Schicksal einer einzelnen ungl√ľcklichen Liebe, sondern die Tragik der Jugend und der Liebe im allgemeinen. Viele Menschen f√ľhlen sich von diesem einf√ľhlsam geschriebenen Werk in fortlaufender, einseitiger Briefform verstanden, und es findet gro√üen Anklang. Leider kommt es auch zu einer Idealisierung der Werther - Figur, so dass es eine Reihe junger Menschen gibt, die sich ebenso wie dieser kleiden, n√§mlich mit blauen Frack, gelber Weste und Hose und Stulpenstiefeln, aber auch solche, die das selbe Ende wie er w√§hlen. In diesem Roman ist Werther ungl√ľcklich in Lotte verliebt, was er seinem Freund Wilhelm in vielen Briefen erz√§hlt. Im Laufe der Handlung verschlechtert sich der seelische Zustand des feinf√ľhligen, empfindsamen und leicht verletzlichen Werthers immer mehr, bis er am Ende den Freitod w√§hlt. Dies ist der erste deutsche Roman, der √ľber die Grenzen hinaus bekannt wird und in ganz Europa Anerkennung findet. Er wird in viele Sprachen √ľbersetzt und oft kopiert. Im realen Leben entzieht sich Goethe seiner Liebe zu Charlotte durch die Flucht nach Frankfurt. Dort verlobt er sich mit der Bankierstochter Elisabeth Sch√∂nemann; die Verlobung wird jedoch bald darauf wieder gel√∂st. 1774 schreibt er den "Urfaust", ver√∂ffentlicht ihn jedoch nicht, arbeitet am "Ewigen Juden" und schreibt des "Wanderers Sturmlied", Mahomets Gesang", "Ganymed" und "Prometheus" (siehe Kapitel Literatur/Lyrik).
In weiterer Folge schreibt er noch zwei Gesellschaftsdramen, n√§mlich "Clavigo" (1774) und "Stella" (1776). In dieser Zeit gehen in seinem Elternhaus viele ber√ľhmte Pers√∂nlichkeiten ein und aus, mit denen er einen regen Gedankenaustausch pflegt. Um sich vollends von Elisabeth zu l√∂sen, macht er eine Reise in die Schweiz, wo er den jungen Erbprinzen Karl August von Weimar kennenlernt, der ihn nach seiner Thronbesteigung 1775 nach Weimar holt, wo er auch Herder eine Stellung verschafft. Herzog Karl August und Goethe verstehen sich nicht nur gut, sie haben auch die Liebe zur Kunst gemeinsam und unternehmen eine gemeinsame Schweizreise (1779/80). Danach ernennt Karl August Goethe zum Pr√§sidenten der Kammer, womit er das h√∂chste Amt im Herzogtum nach dem F√ľrsten vergibt. Das ruhige und ablenkungsreiche Leben bei Hof ist nicht gerade f√∂rderlich f√ľr Goethes Schaffensdrang, l√§sst ihn aber auch nicht v√∂llig abstumpfen. Er schreibt "Die Geschwister", beginnt "Egmont", vollendet "Iphigenie" (in Prosa) und schreibt Teile von "Tasso" und der Urform von "Wilhelm Meister". Nebenbei entstehen einige Dichtungen, wie "Wanderers Nachtlied", "An den Mond", "√úber den Gipfeln", "Harzreise im Winter", "Gesang der Geister √ľber den Wassern", "Grenzen der Menschheit", "Das G√∂ttliche", "Der Fischer" und auch der "Erlk√∂nig". Mit der Zeit langweilen ihn die Amtsgesch√§fte immer mehr, so dass er im September 1786 Richtung S√ľden aufbricht, nach Rom, durch Italien und wieder nach Rom reist und sich mit der antiken Kunst befa√üt. Diese alte Literatur fasziniert ihn immer mehr, so dass Shakespeare Homer weichen muss. Er schreibt "Iphigenie" in jambische Verse um und beginnt damit seine klassischen Leistungen.

7.4. Der junge Friedrich Schiller

Schiller wird am 10. November 1759 in dem w√ľrttembergischen St√§dtchen Marbach am Neckar geboren. Seine Jugend verbringt er w√§hrend der unruhigen Zeit des Siebenj√§hrigen Krieges, 1773 muss er auf Gehei√ü des Herzogs Karl Eugen an die Hochschule, um Rechtswissenschaften zu studieren. Er leidet sehr unter dem Kasernenleben, ebenso an der ihn nicht interessierenden Rechtskunde. Er nennt die Schule eine "Seelenfabrik und Sklavenplantage". 1775 wird die Schule nach Stuttgart verlegt und um eine medizinische Abteilung erweitert, wodurch er die Gelegenheit hat, nun Medizin zu studieren. Hier kommt er auch zum ersten Mal mit der Literatur von Klopstock, Rousseau, Shakespeare, Ossian und Dichtungen des Sturmes und Dranges in Ber√ľhrung, woraufhin er heimlich "Die R√§uber" schreibt. Er erh√§lt zahlreiche Auszeichnungen f√ľr philosophische und medizinische Arbeiten. 1780 verl√§sst er die Karlsschule und arbeitet als Regimentsmusikus und ver√∂ffentlicht "Die R√§uber", welche am 13. J√§nner 1782 uraufgef√ľhrt werden.
In diesem St√ľck geht es um den alten Graf von Moor, der zwei S√∂hne hat. Der √§ltere, Karl, ist mit ein sehr intelligenter und kr√§ftiger Junge, w√§hrend sein Bruder Franz mi√ügestaltet ist. Daf√ľr ha√üt er seinen Bruder und verbreitet solange falsche Nachrichten √ľber ihn, bis ihr Vater Karl verst√∂√üt. Der ist tief gekr√§nkt und als auch seine Reuebriefe keine Antwort finden, was ebenfalls an Franzens T√ľcke liegt, bricht er mit der erbarmungslosen Gesellschaft und wird der Kopf einer R√§uberbande. Er durchstreift die Lande und richtet nur die "Schuldigen", wobei er erst sp√§ter bemerkt, dass ihm dies nicht immer gelungen ist - so steigt Reue in ihm auf. Das Heimweh treibt ihn wieder nach Hause zur√ľck, wo Franz w√§hrenddessen den Vater in Hungerturm gefangenh√§lt und qu√§lt. Karl will seinen Vater befreien, doch dieser stirbt auf den Schock, einen R√§uberhauptmann als Sohn zu haben. Franz t√∂tet sich aus Angst vor der Rache Karls selbst und mit seiner Leiche wird auch die Braut Karls, Amalia, zu ihm gebracht, die in all den Jahren der Versuchung durch Franz trotzdem treu geblieben ist. Da die R√§uberbande Karl voll f√ľr sich beansprucht, sieht Amalia keine Zukunft f√ľr sie beide und bittet Karl, sie zu t√∂ten. Er zweifelt an seiner Lebensweise: "O √ľber mich Narren, der ich w√§hnte, die Welt durch Greuel zu versch√∂nern und die Gesetze durch Gesetzlosigkeit aufrecht zu halten! Ich nannte es Rache und Recht - Ich ma√üte mich an, o Vorsicht, die Scharten deines Schwertes auszuwetzen und deine Parteilichkeiten gutzumachen - da steh ich am Rand eines entsetzlichen Lebens und erfahre nun, dass zwei Menschen wie ich den ganzen Bau der sittlichen Welt zugrunde richten w√ľrden." (Die R√§uber Seite 102). Er t√∂tet Amalia und richtet sich dann selbst.
Der Erfolg seines St√ľckes befl√ľgelt ihn und es entsteht die "Verschw√∂rung des Fiesko" (1783) und die Idee zu "Kabale und Liebe" (1784). Der Herzog, der schon f√ľr die Einweisung in die Schule verantwortlich ist, wird durch zwei unerlaubte Reisen nach Mannheim ver√§rgert und verbietet weitere k√ľnstlerische Aktivit√§ten. Daraufhin verl√§sst dieser heimlich Stuttgart und flieht nach Mannheim. Es folgt eine unruhige Zeit, in der "Kabale und Liebe", "Don Carlos", "An die Freude", "Der Verbrecher aus verlorener Ehre" und andere St√ľcke geschrieben und ver√∂ffentlicht, und die als "Wanderjahre" (1782 bis 1787) bekannt werden. Im Sommer 1787 geht er nach Weimar, um das klassische Altertum zu studieren. Er √ľbersetzt griechische und r√∂mische Schriftsteller in den "G√∂ttern Griechenlands" und trauert darin √ľber das verlorene Paradies der Menschheit. Im Mai 1789 entsagt er der Dichtung und widmet sich seiner Arbeit als Lehrer, die er durch Goethe erhalten hat, obwohl sich die beiden noch nicht pers√∂nlich kennen. Sie lernen sich erst 1794 kennen, was aber keinen Einflu√ü auf die Sturm und Drang - Zeit Schillers hat.

8. Res√ľmee

Die Sturm und Drang - Epoche ist durch ihr Aufbegehren gegen Einschr√§nkungen gekennzeichnet und besticht durch die Kraft ihrer Werke, die aus der Masse der Normen ausbrechen. Eine Identifikation mit den verarbeiteten Stoffen ist auch heute noch leicht m√∂glich, da jeder in seinem Leben schon einmal einen Kampf gegen Autorit√§ten ausgefochten hat. Dies beginnt beim Streit des Jugendlichen mit den Eltern, geht √ľber die Zwiste im B√ľro bis zum Kampf gegen den Staat. Vielleicht ist das der Grund, warum viele Werke des Sturm und Drang noch heute viele Leser, beziehungsweise Zuseher begeistern und bewegen.

9. Literaturhinweis

9.1. Primärliteratur

1. Götz von Berlichingen (mit der eisernen Hand) von Johann Wolfgang Goethe, erstmals erschienen 1773, Vorlage 1992 im Reclam Verlag
2. Die Räuber von Friedrich Schiller, erstmals im Jahre 1776 erschienen, Vorlage 1991 im Reclam Verlag

9.2. Sekundärliteratur

1. Deutsche Literaturgeschichte von Prof. Dr. E. Brenner, erschienen 1934 im Verlag Leitner & Co
2. Deutsche Literaturgeschichte von Dr. Leo Krell und Dr. Leonhard Fiedler, erschienen 1960 im C. C. Buchners Verlag
3. Literaturkunde, Gestalten und Verstehen, erschienen 1992 im Verlag Hölder - Pichler - Tempsky
4. Das moderne Lexikon (in zwanzig Bänden) vom Lexikon - Institut Bertelsmann, erschienen 1974 im Bertelsmann Lexikon - Verlag

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