Theodor Storm

Inhaltsverzeichnis





Thema Seite


1. Deckblatt 1

2. Inhaltsverzeichnis 2

3. Darstellung der geschichtlichen Epoche 3 - 5

4. Wichtigste geistige Strömungten dieser Epoche 6 - 7

5. Wichtigste Anliegen, Charakteristika und Dichter 8 - 9

6. Theodor Storms Lebenslauf 10 - 13

7. Gesamte Werketafel 14 - 15

8. Theodor Storm als Novellist 16 - 17

9. Der Schimmelreiter,
Inhalt und Handlung 18 - 20

10. Immensee,
Inhalt und Handlung 21
11. Abseits,
Interpretation und Gedanken 22 - 23
12. Einordnung in die Epoche 24
13. Zusammenfassung 25
14. Quellenverzeichnis 26





Das folgende Referat befaßt sich mit der Literaturepoche des Realismus bzw. Naturalismus. Besonders dargestellt wird das Leben und Werk Theodor Storms, einer der wichtigsten Dichter und Novellisten seiner Zeit.
Die realistische Dichtung löste in Deutschland seit etwa 1848 die romantische ab. Die tiefgreifenden Änderungen im Wirtschaftsleben im Wirtschaftsleben und in der Weltanschauung waren von starkem Einfluß auf die Kunst, besonders auf die Dichtung. Auch sie wurde realistisch, d.h., sie wollte die Wirklichkeit beschreiben. Das Leben sollte gezeigt werden, wie es ist, nicht wie es nach den Klassikern sein sollte, nicht wie die Romantiker es ertrĂ€umten. Die letzte Folgerung zog man jedoch erst in der nĂ€chsten Epoche, im Naturalismus.

Zum geschichtlichen Hintergrund:

In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts gĂ€rte es in vielen europĂ€ischen LĂ€ndern. Die erfolgreiche Julirevolutionen von 1830, die gezeigt hatte, dass sich das französische Volk nicht mehr absolutistisch regieren ließ, hatte wie ein Fanal gewirkt und allerorten das schwelende Feuer der Revolution entfacht. Es war wie eine Kettenreaktion, die sich bis zu den großen Entladungen von 1848 steigerte. Auch die nationalliberale Bewegung in den deutschen LĂ€ndern, die durch die Julirevolution einen starken neuen Auftrieb gewann, wurde von den ReaktionĂ€ren niedergeschlagen. Viele UniversitĂ€ten unterhielten eine revolutionĂ€re Geheimverbindung. Diese Kreise organisierten 1832 das 'Hambacher Fest', auf dem Tausende den Rednern und ihrer Parole 'Vaterland, Volkshoheit, Völkerbund' zujubelten. Daraufhin erließen die Herren des Deutschen Bundes eine Reihe von einschneidenden Gesetzen: Die Vereinigungsfreiheit wurde aufgehoben, ebenso die Reste der Pressefreiheit; die Geheimpolizei aller BundeslĂ€nder arbeitete zusammen, um AuffĂŒhrer aufzuspĂŒren; die UniversitĂ€ten wurden streng ĂŒberwacht; die Rechte der LandstĂ€nde in den Einzelstaaten wurden zugunsten der Bundesgewalt eingeengt. Einige solcher Gesetze wurden nicht veröffentlicht, sondern heimlich in Kraft gesetzt. Viele der fĂŒhrenden Geister flohen aus Deutschland nach Frankreich oder England oder gar nach Amerika. Auf anderen Wegen aber wurde der nationale Gedanke in Deutschland dennoch gefördert. In der aufstrebenden industriellen Wirtschaft waren die vielen Grenzen der deutschen Kleinstaaten mit ihrer Zollvorschriften sehr lĂ€stig geworden. So schuf die preußische Verwaltung einen Zollverein, der die LĂ€nder von Luxemburg bis Memel, von Stettin bis MĂŒnchen zu einem Wirtschaftsraum mit einheitlichen ZollsĂ€tzen werden ließ. Die reformfreudigen preußischen Beamten, die diese wirtschaftliche Einigung - - zum finanziellen Nachteil Preußens ĂŒbrigens - - erreicht hatten, erhofften davon eine Entwicklung auch zur politischen Einigung. Metternich aber erklĂ€rte den Zollverein als den ersten Schritt zu einer kommenden Revolution.
Er sollte recht behalten. Die jahrelang von der 'Heiligen Allianz' gehemmte soziale Entwicklung Mitteleuropas hatte inzwischen das politische Bewußtsein der BĂŒrger revolutioniert. Immer dringender verlangten sie nach dem demokratisch konstituierten Nationalstaat, und auch die Arbeiterklasse, die durch die zunehmende Industrialisierung im Entstehen war, forderte durch ihre VorkĂ€mpfer die soziale Revolution. Im Jahre 1848 gab es dann in Paris den erwarteten Umsturz.
Nur die deutschen Kleinstaaten machten PlĂ€ne zur Bindung einer großen deutschen Nation, und der preußische König versprach seinem Volk eine Verfassung.
Aber die einfachen Leute in den meisten dieser LĂ€nder waren nicht auf die Demokratie vorbereitet. Die große Mehrheit der Bauern war ungebildet und verstanden die Bedeutung von Revolutionen und Demokratie gar nicht. Die MĂ€nner, die ĂŒberall die Revolution fĂŒhrten, waren gering an Zahl. So fiel es den Herrschenden nicht schwer, die AufstĂ€nde nach kurzer Zeit niederzuschlagen.
Zu verschiedenen Zeiten in der Geschichte hat das Wort ' liberal ' verschiedene Bedeutungen gehabt. WĂ€hrend der Zeit der 1848er Revolutionen wollten die Liberalen das Wahlrecht fĂŒr alle Mitglieder der besitzenden Klassen - - Industrielle, Kaufleute, Bankiers wie auch Aristokraten - -, aber sie waren dagegen, das Wahlrecht dem gemeinen Volk zu geben. Sie wollten lieber eine Reform als eine Revolution, lieber eine konstitutionelle Monarchie als eine republikanische Demokratie.
Und doch, obgleich die Revolutionen von 1848 scheiterten, ließ sich Europa das Rad der Geschichte nicht mehr zurĂŒckdrehen. Die Leibeigenschaft war in Mitteleuropa beendet, die Bauern waren frei geworden. Das NationalgefĂŒhl wurde gestĂ€rkt, besonders in Deutschland und Italien. Metternich war in der Verbannung, und so hatten die Könige, Adligen und Besitzenden keinen FĂŒhrer mehr, um den sie sich sammeln konnten.
In etlichen europĂ€ischen LĂ€ndern aber bildeten sich in diesen Jahren verfassungsmĂ€ĂŸige Regierungen mit gewĂ€hlten Parlamenten - - in Skandinavien, Belgien, Holland, und der Schweiz. Dort waren die Minister den Volksvertretern gegenĂŒber verantwortlich. Allen BĂŒrgern war die persönliche Freiheit und das Wahlrecht garantiert.


Die wichtigsten geistigen Strömungen dieser Epoche



Die Literatur der "Neuen Zeit" umfaßt den Zeitraum vom Revolutionsjahr 1848 bis zum 1. Weltkrieg. Wie in den vom selben Geiste erfĂŒllten Zeitabschnitten unterscheiden wir drei Entwicklungsstufen. Voraus geht die Vorbereitungszeit, die Abkehr von der Romantik durch das "Junge Deutschland". Daran schließt sich die Herrschaft des Liberalismus, der in der Dichtung im Realismus zum Ausdruck kommt. Darauf folgt der sozial, national und religiös betonte RĂŒckschlag, den wir nicht ganz zutreffend als Naturalismus bezeichnen. Den Höhepunkt des Zeitalters bildet der Symbolismus, der zugleich Wendepunkt ist hinĂŒber zur unmittelbaren Gegenwart, zur "Neuesten Zeit".
Der Realismus entwickelt sich 1848 - 1875 aus dem "Jungen Deutschland" heraus. Das KÀmpferische desselben ist geschwunden, doch zeigt die nationale Gesinnung der meisten Dichter dieser Zeit noch die Verbundenheit mit der Romantik. Nur auf religiösem und politischem Gebiet hat man sich schon von den bisherigen Anschauungen freigemacht. Eine neue AufklÀrung setzt ein, gefördert durch die Naturwissenschaft, Das neue Leben steht im Mittelpunkt der Dichtung, klar, scharf und realistisch, nicht mehr eine getrÀumte Welt wie in der Romantik.
Die Ursachen fĂŒr das Aufkommen des Realismus waren weitgehend technischer und wirtschaftlicher Art. Schon seit der Erfindung der Dampfmaschine im Jahre 1765 hatte sich manche Änderung im Wirtschaftsleben vollzogen ( Spinnmaschine, mechanischer Webstuhl usw. ). Doch seit der Mitte der 19. Jahrhunderts setzte in Deutschland geradezu revolutionierende Entwicklung ein. In 30 Jahren wurde die Umwelt der Menschen stĂ€rker verĂ€ndert als frĂŒher in den Jahrhunderten. Aus der beschaulichen "guten alten Zeit" wurde in wenigen Jahrzehnten das nĂŒchterne Maschinenzeitalter. Das handwerklich und landwirtschaftlich bestimmte Deutschland entwickelte sich zu einem Industriestaat mit Fabriken, Eisenbahnen und wachsenden StĂ€dten. Aus selbstĂ€ndigen Handwerkern und Bauern wurde das unselbstĂ€ndige Proletariat der Lohnarbeiter. Jeder einzelne wurde in diese Entwicklung mehr oder weniger stark einbezogen. Niemand konnte sich ihr ganz entziehen.
Deshalb ist es verstĂ€ndlich, dass die Menschen innerlich eine Wandlung durchzumachen hatten. MĂ€nner, die als Arbeiter, Angestellte oder Unternehmer tĂ€glich zwischen Maschinen, Kalkulation, Konkurrenzkampf und oft in bitterster Not standen, hatten wenig Sinn fĂŒr romantische Schwelgerei. Sie waren real ( wirklichkeitsnahe ), nĂŒchtern, diesseitsgewandt. Aus dem Volk der Dichter und Denker wurde ein Volk von Tatmenschen.


Die wichtigsten Anliegen, Charakteristika und Dichter
des Realismus


Die Fortschritte der Wissenschaften, der Technik, des Handels und der Industrie spiegeln sich auch in der Dichtung des Realismus wieder. Die Poesie lebt nicht mehr in der Antike oder im Mittelalter, sondern in der Gegenwart. Diese wird realistisch, wirklichkeitsgetreu dargestellt. Eine BlĂŒte erreicht in dieser Zeit der Roman. Die großen ErzĂ€hler haben einen gemeinsamen Zug; sie sind Volkserzieher. Eine innere Verwandtschaft wird man jedoch kaum finden.


Schwerpunkt - Dichter im Zeitalter des Realismus (1848 - Ende 19.Jh.):

• Gottfried Keller (1819 - 1890) mit z.B.: "GrĂŒner Heinrich", "Die drei Kammeraden"
• Theodor Storm (1817 - 1888) mit z.B.: "Der Schimmelreiter", "Immensee", "Pole PoppenspĂ€ler"
• Conrad Ferdinand Meyer (1825 - 1898) mit z.B.: "Das Amulett", "Der Heilige"
• Gustav Freytag (1816 - 1895) mit z.B.: "Die verlorene Handschrift", "Die Ahnen", "Soll und Haben"
• Theodor Fontane (1819 - 1898) mit z.B.: "Irrungen und Wirrungen", "Effi Briest", "Der Stechlin"
• Wilhelm Rabe (1831 - 1910) mit z.B.: "Der Hungerpastor", "Abu Telfan"
• Friedrich Hebbel (1813 - 1863) mit z.B.: "Maria Magdalena", "Judith"
• Georg BĂŒchner (1813 - 1837) mit z.B.: "Woyzeck", "Rose Bernd"
• Johann Peter Hebel (1760 - 1826) mit z.B.: "Kannitverstan", "Seltsamer Spazierritt"
• Jeremias Gotthelf (1797 - 1854) mit z.B.: "Uli der Knecht"
• Christian Dietrich Grabbe (1801 - 1836) mit z.B.: "Hannibal", "Napoleon oder die hundert Tage"
• Otto Ludwig (1813 - 1865) mit z.B.: "Die Heiteretei", "Zwischen Himmel und Erde"
• Wilhelm Busch (1832 - 1906) mit z.B.: "Max und Moritz", "Fipps, der Affe"
• Fritz Reuter (1810 - 1874) mit z.B.: "Ut mine Festungstid", "Ut mine Stromtid"
• Ebner - Eschenbach (1830 - 1916) mit z.B.: "Marie", "Krambambuli"
• Ludwig Thoma (1867 - 1921)
mit z.B.: "Der Wittiber", "Der Ruepp", "Andreas Vost"







Theodor Storms Lebenslauf






1817 14. September: Hans Theodor Woldsen Storm in Husum, Markt 9, geboren. Vater: Justizrat Johann Casimir Storm (1790 - 1874); Mutter: Lucie, geb. Woldsen (1797 - 1879).
1821 Herbst: Eintritt in die Klippschule der Madame Amberg.
1826 Herbst: Eintritt in die Quarta der Husumer Gelehrten - schule.
1833 17. Juli: erstes Gedicht fĂŒr die Jugend Freundschaft Emma K. " An Emma".
1835 Herbst: Übergang auf das Katharineums in LĂŒbeck. Storm lernt Goethes "Faust", die Lyrik Heines und Eichendorffs kennen.
1837 April: Immatrikulation an der Kieler UniversitÀt. Entstehung des MÀrchens "Hans BÀr" und einiger Gedichte. Verlobung mit Emma K. .
1838 Ostern: Lösung der Verlobung. Immatrikulation an der UniversitÀt Berlin. Im Herbst Bildungsreise nach Dresden.
1839 RĂŒckkehr an die Kieler UniversitĂ€t. Freundschaft mit Theodor und Tycho Mommsen.
1840 Erste Gedichtsveröffentlichungen in der Zeitschrift 'Europa' (u. a. "Goldriepel", "Morgenwande - rung")und im 'Album der Boudoirs' (u. a. "Die Möwe", "Aufwiedersehen"). Beginn der Sammlung von Sagen, MĂ€rchen und Liedern (spĂ€ter von MĂŒllenhof herausgegeben).
1842 Oktober: Bertha von Buchan weist Storms Heiratsantrag zurĂŒck. Juristisches Staatsexamen in Kiel. RĂŒckkehr nach Husum; erste juristische Arbeit in der Rechtsanwaltspraxis des Vaters.
1843 Februar: Eröffnung einer eigenen Rechtsanwaltspraxis, Husum, Großstr. 11. FrĂŒhjahr: GrĂŒndung eines 'Singvereins'. Im November erscheint des "Liederbuch dreier Freunde" mit 40 Stormgedichten.
1844 Januar: Verlobung mit Constanze Esmarch (1825 - 1865). Gedicht "Wer je gelebt in Liebesarmen"; MĂ€rchenszene "Schneewittchen".
1846 15. September: Eheschließung mit Constanze Esmarch in Segeberg.
1847 LiebesverhÀltnis zu Dorothea Jensen. Erste Prosaveröffentlichung "Marthe und ihre Uhr" in 'Biernatzkis Volksbuch auf das Jahr 1848' Gedicht - zyklus mit "Rote Rosen" und "Mysterium" (erst posthum veröffentlicht).
1848 Anfang: Dorothea Jensen verlÀsst Husum. 25. Februar: Geburt des ersten Sohnes Hans. MÀrz: Entstehung der Geschichte "Ostern" und "Oktoberbild"; Skizze "Im Saal" .
1849/50 Novelle "Immensee" (erste Fassung) in 'Volksbuch auf das Jahr 1850 fĂŒr Schleswig, Holstein und Lauenburg' (Buchausgabe 1852) KindermĂ€rchen "Der kleine HĂ€welmann". 5.Oktober: Storm Mitunterzeichner der Protestadresse gegen die Aufhebung des Staatsgrund - gesetzes. Juni '50: Gedicht "Im Herbste 1850" entstanden. November: Briefwechsel mit Eduard Mörike.
1851 30. Januar: Geburt des Zweiten Sohnes Ernst. Erste Buchausgabe: "Sommergedichte und Lieder" und "Hinzelmeier" (MĂ€rchen).
1852 8. Mai: Londoner Protokoll. Storms Bestallung als Rechtsanwalt wird vom dĂ€nischen König aufgehoben. Storm sucht eine Neue Stellung in Gotha, Buxtehude und im preußischen Justizdienst. Dezember: Bekannt - schaft mit den Mitgliedern 'Tunnels ĂŒber der Spree'. Ende 1852: Erste selbstĂ€ndige Ausgabe seiner "Gedichte" (bei Schwers in Kiel), u.a. mit den Gedichten "Die Stadt" ("Am grauen Strand, am grauen Meer..") und "Hyazinthen".
1853 MĂ€rz: Beginn des Briefwechsels mit Theodor Fontane. 10. Juni: Geburt von Karl. Oktober: Ernennung zum preußischen Gerichtsassessor. November: Beginn des Briefwechsels mit Paul Heyse. Dezember: Übersiedlung von Husum nach Potsdam.
1854 Novellen "Ein grĂŒnes Blatt" und "Im Sonnen - schein". Gedicht "FĂŒr meine Söhne". Bekanntschaft mit Eichendorff.
1855 10. Juni: Geburt der Tochter Lisbeth. 15. und 16. August: Besuch bei Eduard Mörike in Stuttgart. Novelle "Angelika".
1856 "Gedichte" (2. Aufl.), u.a. mit den Gedichten "GrĂ€ber an der KĂŒste" und "Meeresstrand". 4. Mai: Begeg - nung mit Ludwig Pietsch wegen der Illustrierung von "Immensee". Juli: Ernennung zum Kreisrichter in Heiligenstadt und Umzug nach Heiligenstadt.
1857 Freundschaft mit Landrat Alexander von Wussow. Humoristische ErzĂ€hlung "Wenn die Äpfel reif sind".
1859 Novelle "Auf dem Staatshof" GrĂŒndung eines Gesangvereins in Heiligenstadt.
1860 Geburt der Tochter Lucie. Novelle "SpÀte Rosen".
1861 Novellen "DrĂŒben am Markt" und "Veronika".
1862 Spukgeschichtensammlung "Am Kamin". Novellen "Auf der UniversitÀt" und "Unter dem Tannenbaum".
1863 24. Januar: Geburt der Tochter Elsabe. Gedicht "Und wir haben unser Herzoglein...".
1864 Wahl zum Landvogt in Husum. RĂŒckkehr nach Husum. Besuch Fontanes. MĂ€rchen "Bulemanns Haus".
1865 4. Mai: Geburt der Tochter Gertrud. 24. Mai: Tod seiner Frau Constanze. Gast bei dem russischen Dichter Iwan Turgenjev in Baden - Baden. Novelle "Von Jenseit des Meeres" und MĂ€rchen "Der Spiegel des Cyprianus"
1867 13. Juni: Eheschließung mit Dorothea Jensen. Besuch bei Klaus Groth in Kiel. Umzug in das Haus Husum, Wasserreihe 31 (heute: Museum). Novellen "In St. JĂŒrgen" und "Eine Malerarbeit".
1868 Ernennung zum Amtsrichter. 4. November: Geburt der Tochter Friederike. Gedicht "Wer der Gewalt genĂŒber steht" und erste Ausgabe "SĂ€mtliche Schriften". Gedicht "Beginn des Endes".
1870 Anthologie "Hausbuch aus deutschen Dichtern seit Matthias Claudius".
1872 Novelle "Draußen im Heidedorf" (Durchbruch zu einem Realismus ohne den Dunstkreis einer bestimmten Stimmung).
1874 Ernennung zum Oberamtsrichter.14. September: Tod des Vaters. Novellen "Viola tricolor", "Beim Vetter Christian", "Pole PoppenspÀler", "Waldwinkel".
1875 Novellen "Ein stiller Musikant", "Psyche" und "Im Nachbarhause links". Gedicht "Über der Heide".
1876 Novelle "Aquis submersus" in Deutsche Rundschau, Reise nach WĂŒrzburg. Beginn der Freundschaft mit Erich Schmidt.
1877 Beginn des Briefwechsels mit Gottfried Keller
1878 Novellen "Carsten Curator" und "Renate".
1879 Ernennung zum Amtsgerichtsrat. 28.Juli: Tod der Mutter. Novellen "Zur Wald - und Wasserfreude", "Im Brauerhause", "Eekenhof", Gedicht "Geh nicht hinein".
1880 1.Mai: vorzeitige Pensionierung. Bau einer 'Altersvilla' in Hademarschen. Novelle "Die Söhne des Senators".
1881 30.April: Einzig in die Villa.
1882 Novelle "Hans und Heinz Kirch"
1883 Novelle "Schweigen". Verleihung des Maximilianordens
1884 Reise nach Berlin. Begegnug u.a. mit Th. Fontane, Th. Mommsen, Alexander v. Wussow, Ludwig Pietsch. Festbankett zu Ehren Storms. Novellen "Zur Chronik von Grieshuus", "Es waren zwei Königskinder"
1885 Novellen "John Riew'", "Ein Fest auf Hader - slevhuus".
1886 Besuch bei Erich Schmidt (damals Direktor des Goethe Archivs).Novelle "Bötjer Basch", Beginn der Arbeit am "Schimmelreiter". FĂŒnfmonatige Krankheit, 3.Dezem - ber: Tod des Sohnes Hans
1887 Novellen "Ein DoppelgÀnger" und "Ein Bekenntnis". Aufenthalt auf Sylt. Fragment "Sylter Novelle" .Magen - krebs.
1888 Novelle "Schimmelreiter". Fragment "Die ArmesĂŒnder - glocke". Am 4.Juli gestorben, am 7.Juli in der Familiengruft auf dem St. - JĂŒrgen - Friedhof in Husum beigesetzt.



W e r k e t a f e l

(genannt wird jeweils das Jahr der Erstveröffentlichung)





Gedichte:
Liederbuch dreier Freunde Th. Mommsen, Th. Strom, Tycho Mommsen
(1843)
Sommer - Geschichten und Lieder (1851)


Gedichte:
Seperatausgaben der Gedichte von 1852 bis 1855:
1. Ausgabe: 1852
2. Ausgabe: 1856
3. Ausgabe: 1859
4. Ausgabe: 1864
5. Ausgabe: 1875
6. Ausgabe: 1880
7. Ausgabe: 1885
MĂ€rchen und Spukgeschichten
Schneewittchen. MĂ€rchenszenen (1. Szene: 1846, 2. Szene 1885)
Hans BÀr (1837 entstanden, Jahr der Erstveröffentlichung unbekannt, Zweitveröffentlichung: 1952)
Geschichten aus der Tonne (1846)
Der kleine HĂ€welmann (1850)
Hintzelmeier. Eine nachdenkliche Geschichte (1851)
Am Kamin (1862)
Die Regentrude (1864)
Bulemanns Haus (1864)
Der Spiegel des Cyprianus (1865)


Kleine Prosa:
Der amtschirurgus - Heimkehr (1871)
Zwei Kuchenesser der alten Zeit (1871)
Kulturhistorische Skizzen (1872)
Lena Wies (1873)
Von heut und ehedem (1873)
Von Kindern und Katzen, und wie sie Nine begruben (1877)


Novellen:
Marthe und ihre Uhr (1847)
Im Saal (1848)
Immensee (1849)
Posthuma (1851)
Ein grĂŒnes Blatt (1854)
Im Sonnenschein (1854)
Angelika (1855)
Wenn die Äpfel reif sind (1857)
Auf dem Staatshof (1859)
SpÀte Rosen (1860)
DrĂŒben am Markt (1861)
Veronika (1861)
Im Schloß (1862)
Auf der UniversitÀt (1862)
Unter dem Tannenbaum (1862)
Abseits (1863)
Von jensits des Meeres (1865)
Eine Malerarbeit (1867)
In St. JĂŒrgen (1868)
Eine Halligfahrt (1871)
Draußen im Heidehof (1872)
Beim Vetter Christian (1874)
Viola tricolor (1874)
Pole PoppenspÀler (1874)
Waldwinkel (1874)
Ein stiller Musikant (1875)
Psyche (1875)
Im Nachbarhaus links (1875)
Aquis submersus (1876)
Carsten Curator (1878)
Renate (1878)
Zur "Wald - und Wasserfreude" (1879)
Im Brauhaus (1879)
Eckendorf (1879)
Die Söhne des Senators (1880)
Der Herr Etatsrat (1881)
Hans und Heinz Kirch (1882)
Schweigen (1883)
Zur Chronik von Grieshuus (1884)
Es waren zwei Königskinder (1884)
John Riew (1885)
Ein Fest auf Haderslevhuus (1884)
Bötjer Basch (1886)
Ein DoppelgÀnger (1886)
Der Schimmelreiter (1888)
Die ArmesĂŒnderglocke (Fragmente aus dem Jahre 1888, 1913 von Gertrud Storm veröffentlicht)


Storm als Novellist

"Der Begriff "Novelle" stammt aus der Sprache der Juristen und bezeichnet einen Nachtrag, der als eine Neuigkeit einer Urkunde hinzugefĂŒgt wurde. Im Zeitalter des Humanismus ĂŒbertrug man diesen Begriff auf eine bestimmte Gattung von kĂŒrzeren ErzĂ€hlungen; insbesondere die von Giovanni Boccaccio um 1350 geschriebeben ErzĂ€hlungen des Decamerone galten in spĂ€terer Zeit als Musterbild der Gattung.
Es gibt Novellen in Versform, doch zumeist wird es sich um ProsaerzÀhlungen handeln, inder eine neue, meist bemerkenswerte Begebenheit, zumeist ein Konflikt, in einer begrenzten und geschlossenen Form dargestellt wird. Im Gegensatz zum MÀrchen handelt es sich um eine tatsÀchliche oder zumindest mögliche Begebenheit, auch wenn phantastische Elemente vorkommen. Der Novelle fehlt die epische Breite des Romans, es ist jedoch möglich, dass sich in der hÀufig verwendeten Rahmenhandlung der ErzÀhler kommentierend und raisonierend zu Wort meldet. Durch den strengen tektonischen Aufbau ist die Novelle dem Drama verwandt und Th. Storm hat sie "Schwester des Dramas" genannt."
Als Storm im Jahre 1881 das falsche GerĂŒcht zu Ohren kam, Georg Ebers habe sich in einem Vorwort geringschĂ€tzig ĂŒber die Gattung der Novelle geĂ€ußert, schrieb Storm höchst erregt eine Verteidigung, ohne sich ĂŒber die Wahrheit dieses Geredes zu informieren. So schreibt er u.a. : "Die Novelle, wie sie sich in neuerer Zeit, besonders in den letzten Jahrzehnten, ausgebildet hat und jetzt in den einzelnen Dichtungen in mehr oder minder vollendeter DurchfĂŒhrung vorliegt, eignet sich zur Aufnahme auch des bedeutendsten Inhalts, und es wird nur auf den Dichter ankommen,auch in diser form das Höchste der Poesie zu leisten. Sie ist nicht mehr, wie einst, die kurzgehaltene Darstellung einer durch ihre Ungewöhnlichkeit fesselnden und einen ĂŒberraschenden Wendepunkt darbietenden Begebenheit; die heutige Novelle ist die Schwester des Dramas und die strengste form der Prosadichtung. Gleich dem drama behandelt sie die tiefsten Probleme des Menschenlebens; gleich diesem verlangt sie zu ihrer Vollendung einen im Mittelpunkt stehenden Konflikt, von welchem aus das Ganze sic organisiert, und demzufolge die geschlossenste Form und die Ausscheidung alles Unwesentlichen; sie duldet nicht nur, sie stellt auch die höchste Form der Kunst. - Im ĂŒbrigen geht es mit der Novellistik wie mit der Lyrik; alle meinen es zu können, und nur bei wenigen ist das Gelingen, und auch dort nur in glĂŒcklicher Stunde."

Die bedeutenste Dichtung der letzten Schaffensphase Theodor Storms ist die umfangreiche Novelle Der Schimmelreiter (entstanden vom Juli 1886 bis zum Februar 1888). Die Novelle ist wohl deshalb so beeindruckend geworden, weil Der Schimmelreiter in einer Landschaft spielt, die Storm aufs engste vertraut war.


Der Schimmelreiter


Zum Inhalt: Hauke Hain ist der Sohn eines Kleinbauern. Er ist Kleinknecht beim Deichgraf Tede Volkers geworden. Er geht ihm in allen Arbeiten tĂŒchtig zur Hand und wird fĂŒr ihn unentbehrlich. Sein Ehrgeiz geht dahin, Deichgraf zu werden, obwohl er dafĂŒr nicht genĂŒgend "Klei an den FĂŒĂŸen" hat, denn zu diesem Amt kann nur ein reicher Bauer gelangen. Der Großknecht Ole Peters ist ihm mißgĂŒnstig gesinnt, doch gewinnt er durch sein offenes und gerades Wesen die Zuneigung der Tochter des Deichgrafen, Elke Volkers. Der Großknecht verlĂ€sst das Haus, und Hauke wird Nachfolger. In verbissener Arbeit verschafft er sich alle nötigen Kenntnisse. Aber als sein Vater krĂ€nkelt, kehrt er ins Elternhaus zurĂŒck. - Nach dem Tode des Deichgrafen wird Hauke durch Elkes Eingreifen zu ihrem Mann und als Ehemann Elkes ist er der reichste Bauer des Dorfes, der die Nachfolge fĂŒr das Amt des Deichgrafen antritt. Er lebt sein Verantwortungsbewußtsein voll, und fĂŒhrt alle Aufgaben mit besten Wissen und Gewissen durch, wobei er sich viele Feinde macht, vor allem schĂŒrt Ole Peters die ĂŒble Nachrede. Ein gewaltiger Plan wurde von Hauke entworfen: er will einen neuen Deich bauen der einer ganz neuen Art entspricht, dazu will er dem Meer noch mehr Land abgewinnen. Der Deich hat ein besseres, widerstandsfĂ€higeres Profil als der alte. Die Gemeinde ist mit dem neuen Deich nicht einverstanden, doch die muss sich fĂŒgen, es ist ja nur zu ihrem Besten. Da viele BĂŒrger nicht einverstanden waren, steigt die feindliche Stimmung immer mehr an. - Hauke hat in der Stadt die Genehmigung zum Bau des neuartigen Deiches erhalten. Als er auf RĂŒckweg nach Hause ist, kauft er einen halbverhungerten Schimmel, der ihm bald ans Herz wĂ€chst und sein Lieblingspferd wird. Carsten, der Dienstjunge, hat vor dem Pferd ein heimliches Grauen, welches nur seinen Herren auf seinen RĂŒcken duldet. Der geĂ€ngstigte Dienstjunge verlĂ€sst den Hof Hains und geht zu Ole Peters, um dort neu anzufangen, wo seine Schauergeschichten ĂŒber das Teufelspferd guten Anklang finden. Seit dieser Zeit heißt der Deichgraf nur noch der Schimmelreiter. Die Dorfbewohner sehen in ihm ein unheimliches Wesen, das mit den Teufel im Bunde steht. Die Deicharbeiten fĂŒr den neuen Deich haben mitunter schon begonnen. Überall ist Hauke mit seinem Schimmel zur Stelle, doch er findet stets nur mißmutige Gesichter vor und so hat er hart mit seinem noch nie dagewesen Werk zu kĂ€mpfen. Nach neun Jahren seiner Ehe wird ihm ein Töchterlein geboren, allerdings ist Kind das geistesgestört. Der neu gebaute Deich bewĂ€hrt sich mehrfach, und vergeblich toben StĂŒrme gegen das Machwerk. - Das UnglĂŒcksjahr rĂŒckt immer nĂ€her. Überall sehen die Menschen schlimme Vorwarnungen. Und an all diesem Desaster soll Hauke Hain verantwortlich sein.
An einem Tag im Oktober bricht dann das Unwetter los. Der Deichgraf prescht in finsterer Nacht mit seinem Schimmel hinaus auf den bedrohten Deich. Es kommt eine Sturmflut auf, der neue Deich trotzt den ' Angriffen ', doch alte Damm hĂ€lt nicht stand und bricht in sich zusammen, denn an der Nahtstelle zwischen den beiden Deichen entstehen gefĂ€hrliche SchĂ€den. Die Wassermassen ĂŒberschwemmen schnell das umliegende Land. Plötzlich taucht im Dunkel ein Pferdewagen auf, darin sind seine Frau und das Kind. Sie ahnen die vor ihnen liegende Gefahr nicht, so muss Hauke mit ansehen, wie die Kutsche in die Wassermassen stĂŒrzt und darauf nicht mehr zusehen ist, ohne ihnen Helfen zu können. Da gibt er dem Schimmel die Sporen und stĂŒrzt sich auch in die Fluten mit dem Satz: ' Nimm mich und verschone dafĂŒr die anderen! '. So enden der Deichgraf, seine Frau und das Kind, die die einzigen Opfer dieser UnglĂŒcksnacht wurden. - Die Geschichte vom Schimmelreiter lebt aber bei den friesischen Bauern und BĂŒrgern weiter, und wenn die Sturmfluten die Deiche zu zerstören versuchten, dann glauben sie den Schimmelreiter geisterhaft vorbeijagen zu sehen, warnend und unheilverkĂŒndend.

Zur Handlung: Storms Meisternovelle zeigt zwei Motive: den an seinem großen, gemeinnĂŒtzigen Werke schaffend, dabei aber immer einsamer und unverstandener werdenden Mann, daneben die aberglĂ€ubisch - gespenstige Naturgeisterwelt, die sich in den Köpfen der friesischen Bauern und BĂŒrgern einnistet. Romantisch ist die sich in der Schilderung der dĂ€monischen Naturgewalten, der DĂ€monenglaube; realistisch die FĂ€higkeit, die verborgensten Tiefen des menschlichem Herzes aufzudecken, aber auch die Sprache in ihrer Gedrungenheit, Herbheit und in ihrem Wohllaut.
Storms erste erfolgreiche Novelle, Immensee, erschien im Jahre 1850. Mit ihr wurde er berĂŒhmt. Kaum eine andere deutsche Dichtung des 19. Jahrhunderts wird einen so großen Leserkreis gefunden haben. In dieser Novelle wird bereits das Motiv deutlich, das Storms gesamte Novellistik prĂ€gt. Es ist die Dichtung von der Macht und Ohnmacht des Menschen in der Zeitlichkeit.




I m m e n s e e


Zum Inhalt: Die Kinder Reinhard und Elisabeth sind eng befreundet, doch nach der Volksschulzeit, als Reinhard eine höhere Schule besucht und spĂ€ter auf die UniversitĂ€t geht, zerbricht das KinderglĂŒck. Es entsteht eine kalte Vereinsamung. Reinhard trifft eine Zigeunerin, die ein Lied von Vergehen und Vereinsamung singt, das symbolisch auf die VergĂ€nglichkeit kindlichen GlĂŒcks und das kĂŒnftige Alleinsein hinweist. Reinhard und Elisabeth entfremden sich im Laufe der Jahre immer mehr. Das ZigeunermĂ€dchen erscheint wieder, nun allerdings " in Lumpen gehĂŒllt " und " im verstörten schönen ZĂŒgen ", und singt vom Sterben in der Einsamkeit. Je lĂ€nger also die Zeit verfließt, desto ferner entschwindet Reinhard seinem KinderglĂŒck.



Zur Handlung: Storm erzĂ€hlt in seiner Novelle, dass das GlĂŒck der Kindheit, obwohl es im Laufe der Jahre verschwand, doch im GedĂ€chtnis des alten Reinhards lebendig bleibt und ihm seelische Kraft gibt. Reinhard kann sich die Vergangenheit so sehr vergegenwĂ€rtigen, dass er in Gedanken wieder so jung ist, wie in damals.












Interpretation und Gedanken zum Gedicht:
Abseits



Abseits:
Es ist so still; die Heide liegt
Im warmen Mittagssonnenstrahle,
Ein rosenroter Schimmer fliegt
Um ihre alten GrÀbermale;
Die KrĂ€uter blĂŒhn; der Heideduft
Steigt in die blaue Sommerluft.

LaufkÀfer hasten durchs GestrÀuch
In ihren goldnen Panzerröckchen
Die Bienen hÀngen Zweig um Zweig
Sich an der Edelheide Glöckchen,
Die Vögel schwirren aus dem Kraut -
Die Luft ist voller Lerchenlaut.

Ein halb verfallen niedrig Haus
Steht einsam hier und sonnbeschienen,
Der KĂ€tner lehnt zur TĂŒr hinaus,
Behaglich blinzelnd nach den Bienen,
Sein Junge auf dem Stein davor,
Schnitzt Pfeifen sich aus KĂ€lberrohr.

Kaum zittert durch die Mittagsruh
Ein Schlag der Dorfuhr, der entfernten;
Dem Alten fÀllt die Wimper zu,
Er trÀumt von seinen Honigernten.
- Kein Klang der aufgeregten Zeit
Drang noch in diese Einsamkeit




Die erste Strophe des Gedichts gibt ein allgemeines Bild der sommerlichen Heide. Der Duft der KrÀuter scheint die Lebensgeister zu lÀhmen, aber dennoch regt sich geschÀftiges Leben: KÀfer, Bienen und Vögel sind voller Bewegung. In sommerliche Stille sind auch die Menschen miteinbezogen, die in dieser naturnahen Welt leben.
Die Stilmittel des Dichters, die Wortwahl und der Reim sind schlicht und einfach. Der Rhythmus ist weich und musikalisch. Wird noch in der ersten Strophe ein verschleiertes Stimmungsbild gezeichnet, so geht die zweite in Einzelheiten ĂŒber, die keinen 'Tiefsinn' haben, sollen darstellen was der Dichter in dem einen, einzelnen Augenblick sieht, von dem er schreibt. Storm schildert ein Bild natĂŒrlichen Lebens, wobei er eine gewisse Stimmung aufkommen lĂ€sst. Doch er bietet uns keine Fotografie. Das unterscheidet den Realismus vom Naturalismus:
Der Realismus verklĂ€rt noch, wĂ€hlt noch aus, was sich zu einer einheitlichen Wirkung zusammenschließt. Der Naturalismus versucht, ein vollstĂ€ndiges, ganz exaktes Bild zu zeichnen, in dem auch das Uneinheitliche und HĂ€ĂŸliche nicht fehlen.

Einordnung in die Epoche des Realismus


Ist in der Stimmungsnovelle Immensee noch eine wehmĂŒtige Stimmung mit vielen romantischen Effekten zu spĂŒren, so geht es in der Novelle Der Schimmelreiter, die fast 40 Jahre spĂ€ter geschrieben wurde, um die Tragik des Lebens.
Storms Werke beinhalten im allgemeinen eine demokratische Grundhaltung. Er scheut sich nicht, sich gegen Standesdenken und Konventionen, gegen Vorrechte des Adels, sowie gegen die Kirche auszusprechen. Auch seiner eigenen Welt, der bĂŒrgerlichen Gesellschaft, steht er nicht kritiklos gegenĂŒber.
Der Dichter hat erkannt, dass die Zeit der biederen Beschaulichkeit vorĂŒber und die Sehnsucht nach der vergangenen Zeit eine Illusion ist. So wendet er sich den RealitĂ€ten des menschlichen Lebens zu und beschreibt diese eindrucksvoll.

Zusammenfassung



Theodor Storm war ein bedeutender Lyriker und Novellist des 19. Jahrhunderts. Seine Gedichte und besonders seine Novellen sind seit Jahrzehnten ein wichtiger Bestandteil des Deutschunterrichts. Obwohl Storm oft vorgeworfen wurde, ein Heimatdichter zu sein, stimmt das so nicht. Allerdings hat die Liebe zu seiner Heimat einen großen Einfluß auf seine Werke. Der Dichter bemĂŒht sich in seinen Werken, Vergangenes zu erhellen (dies tat er vielfach in Rahmenhandlungen) und seinen Lesern menschliche Probleme, Konflikte und Schicksale nahe zu bringen. Dabei zeichnet er so nachvollziehbare Stimmungsbilder, dass man sich in die Situation hineinversetzt glaubt.






Quellennachweis



1. Beyersdorf, P., G. und Poppe, R. :Theodor Storm Der Schimmelreiter; ErÀuterungen u. Materialien; 1. Auflage

2. Bompiani V. : Kindlers Literatur Lexikon; Band 21

3. Brenner, Dr. E. : Deutsche Literaturgeschichte; 13 Auflage

4. Dichtung und Deutung; Eine Geschichte der Deutschen Literatur in Beispielen

5. Epochen deutscher Dichtung; ein Lehr - und Lesebuch

6. Eversberg, G. : ErlÀuterungen und Materialien zu Theodor Storm Der Schimmelreiter; Band 192; Auflage 1

7. Eversberg, G. : ErlÀuterungen und Materialien zu Theodor Storm Immensee; Band 193; Auflage 1

8. Fetzer G. : Die Klassiker der deutschen Literatur

9. Haerkötter, H. : Deutsche Literaturgeschichte; 33. Auflage

10. Hildebrandt, K. : Der Schimmelreiter; Interpretation; 1. Auflage

11. Immensee; ErlÀuterungen und Dokumente

12. Immensee und andere Novellen; 1. und 2. Band

13. Laage, K. E. : Theodor Storm Leben und Werk

14. Sowinski, B. und Meurer, R. : Der Schimmelreiter; Band 42; 1. Auflage

15. Storm T.: Der Schimmelreiter; ungekĂŒrzter Text; 2. Auflage

16. Tessloffs Weltgeschichte in Farbe; Band 3; Von den großen Königen bis zur Industriellen Revolution.

17. Vincon, H. : Theodor Storm in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten

18. von Wiese, B. : Deutsche Dichtung des 19. Jahrhunderts; 2. ĂŒberarb. Auflage





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