Tibet

GESCHICHTE


Zeittafel

2. Jh. v. Chr. Unter den Völkern mongolischen Ursprungs, die seit Jahrtausenden die tibetische Hochebene besiedeln, entstehen lokale FĂŒrstentĂŒmer.
620 Namri Songtsen Gampo wird 1. König Tibets
620 - 649 Regentschaft König Songtsen Gampo, der Tibet zu einem Reich vereint
    Krieg zwischen Tibet und Tang - China beginnt
779 Der Buddhismus wird Staatsreligion
    China - Tibet Friedensvertrag Das tibetische Reich zerfĂ€llt GrĂŒndung des Sakya Klosters
1206 Dschingis wird zum ersten Khan der Mongolen gewÀhlt
1234 Mongolen erobern Nordchina
1247 Sakya Lama begibt sich unter den Schutz der Mongolen
1261 Tibet wird unter Sakya Lama wiedervereinigt
1279 Mongolisch Eroberung Chinas vollendet
1350 Changchub grĂŒndet neue sĂ€kulare Dynastie
1368 Unter Ming - Dynastie gewinnt China seine UnabhĂ€ngigkeit von den Mongolen zurĂŒck
1409 Der tibetische Mönch Tsongkhapa grĂŒndet den Gelugpa - Orden
1578 Alta Khan nennt den fĂŒhrenden Mönch des Gelugpa - Ordens erstmals "Dalai Lama"
1644 Mandschu besiegen die Ming, erobern China und grĂŒnden die Qing - Dynastie
1653 Der 5. Dalai Lama trifft den Qing - Kaiser in Peking
    Invasion der Dzungaren in Tibet
1720 Qing - KrÀfte vertreiben die Dzungaren und setzen den 7. Dalai Lama ein
1854 - 1856 Nepal - Tibet Krieg
1904 Britische Truppen besetzen Lhasa
    Invasion und Besetzung Tibets durch die Qing - Armee
1912 Letzter Qing - Kaiser dankt ab, die Republik China beansprucht die Mongolei und Tibet
1913 Tibet erklÀrt seine UnabhÀngigkeit
1914 Das Simla - Übereinkommen wird von Tibet und Großbritannien unterzeichnet
1918 Die chinesische Armee wird von Tibetern zurĂŒckgeschlagen
1924 Ausrufung der Mongolischen Volksrepublik
1928 Chiang Kai - Shek vereint China
1933 Tod des 13. Dalai Lama
1940 Inthronisierung des 14. Dalai Lama
1946 Republik China erkennt Mongolische Volksrepublik an
1947 Die britische Mission wird ins unabhÀngige Indien transferiert
1947 - 1949 Tibetische Handelsmissionen reisen in die USA, GB, Indien und China
    Die chinesische kommunistische Partei proklamiert die Volksrepublik China Invasion chinesischer Truppen in Tibet, Volksbefreiungsarmee Chinesen besetzen Lhasa, 17 - Punkte - Abkommen wird unterzeichnet Volksaufstand, antichinesische Revolte wird von den Chinesen gewaltsam niedergeschlagen, Dalai Lama flieht nach Indien Chinesisch - Indischer Krieg, China zieht sich wieder zurĂŒck Tibetische Exilregierung beschließt demokratische Verfassung fĂŒr ein zukĂŒnftiges befreites Tibet
1965 China konstruiert die "Autonome Region Tibet"
    WĂ€hrend der Kuturrevolution zerstören die Roten Garden einen Großteil der tibetischen Klöster
1979 China erlaubt einer Delegation der Exilregierung den Besuch Tibets
1989 Dem Dalai Lama wird der Friedensnobelpreis verliehen

Die Legende


Legenden wissen zu berichten, dass Tibet einst von einem gewaltigen Ozean bedeckt war. Im Yarlung - Tal, sĂŒdöstlich von Lhasa, zog sich das Meer zurĂŒck und brachte zwei Heiratskanditaten ans Licht. Einen Affen und eine böse Riesin. Der Affe steht nicht fĂŒr die Bosheit, sondern symbolisiert das Gute, die Weisheit. Die Riesin dagegen war eine bedauernswerte und klĂ€gliche Gestalt, die in den BĂ€umen hauste und jammernde Laute ausstieß. Der Affe fĂŒhlte Mitleid fĂŒr der Riesin und das Paar zeugte daraufhin sechs Kinder. Aus diesen sechs Kindern bildete sich im Lauf der Jahre die tibetische Rasse. Der erste Monarch der nach Tibet kam war dagegen ein Fremder. Als ihn die Tibeter nach seiner Herkunft fragten, deutete er ĂŒber seine Schulter in Richtung Indien. Die Tibeter glaubten, er sei vom Himmel gestiegen und akzeptierten ihn als ihren König.

Die FrĂŒhgeschichte (ca. 500 v.Chr. - 7. Jh. n.Chr.)


Gesicherte Daten aus der FrĂŒhzeit Tibets sind kaum vorhanden. Anthropologen und ArchĂ€ologen glauben, dass die ersten Tibeter, mongolische Hirtenvölker mit einer dem Birmanischen verwandten Sprache, vor rund 2500 Jahren aus dem Norden und Osten in das Hochgebirgsland einwanderten. Unter diesen mongolischen Völkern entstanden ca. im 2. Jahrhundert v. Chr. Lokale FĂŒrstentĂŒmer. Zu Beginn des 7. Jahrhunderts wurden die verstreut lebenden StĂ€mme unter Namri Songtsen, Sohn jener Dynastie, die laut Legende 32 Generationen zuvor von einem vom Himmel herabgestiegenen König gegrĂŒndet worden war, zu einem Königreich vereint. Dieses Königreich lag im Tsangpo - Tal, welches als Wiege der tibetischen Kultur gilt.

Ankunft des Buddhismus (7. - 8. Jh. n.Chr.)


Die herausragende Bedeutung Songtsen Gampo (620 - 649), Namri Songtsens Sohn, beruht auf der EinfĂŒhrung des Buddhismus in einem bis dahin der schamanistischen Bon - Religion[1] ergebenen Land sowie der Ausdehnung seines Herrschaftsgebietes weit nach Norden und ĂŒber Nepal hinaus. Er ebnete seinen Nachfolgern den Weg fĂŒr eine zweihundertjĂ€hrige Großmachtpolitik.

Songtsen Gampo war der erste Herrscher Tibets, ĂŒber den schriftliche Aufzeichnungen vorhanden sind. Er war es, der das Schriftsystem fĂŒr die tibetische Sprache einfĂŒhrte.

WĂ€hrend seiner Herrschaft nahm er wichtige Handelsbeziehungen mit China, Indien, und Nepal auf. Als die Grenzen des Königreichs ausgedehnt wurden, waren Chinesen und Nepalesen bemĂŒht, diese imperialistischen Ambitionen zu unterbinden und schlossen zu diesem Zweck BĂŒndnisse, die durch eine Heirat besiegelt wurden. China entsandte eine Prinzessin, und aus Nepal gesellte sich eine zweite Prinzessin hinzu. Der König von Tibet, der sich zuvor schon mit einer tibetischen Frau vermĂ€hlte, war nun mit drei verschiedenen Frauen verheiratet. Die Frauen aus den fremden LĂ€ndern brachten auch eine neue Religion nach Tibet - den Buddhismus. Im Jahr 779 n. Chr. wurde die Religion zum Staatsglauben erklĂ€rt. Vor dieser Zeit waren die Tibeter AnhĂ€nger verschiedener Naturreligionen, die alle versuchten, Menschen auf der Erde mit dem Himmel in Einklang zu bringen.

Zeit der MachtkÀmpfe (9. - 17. Jh. n. Chr.)


Die Großmachtpolitik Tibets wurde durch innere Auseinandersetzungen gestoppt. Der Adel, Gegner des starken Königtums, ging erfolgreich aus diesen MachtkĂ€mpfen hervor und setzte als AnhĂ€nger der Bon - Religion der Verbreitung des Buddhismus ein Ende. Im 9. Jahrhundert zerfiel Tibet in eine Reihe kleinerer, sich bekĂ€mpfender FĂŒrstentĂŒmer, begehrt von mongolischen und chinesischen Herrschern.

Im 11. Jahrhundert setzt eine Renaissance des Buddhismus ein, ausgehend von dem westtibetischen Königreich Guge. Mit dem religiösen Aufbruch kam der lamaistische Klerus in den Besitz großer LĂ€ndereien, so dass Ende des 12. Jahrhunderts die Äbte der großen Klöster gleichberechtigt neben den FĂŒrsten standen. Im 17. Jahrhundert gewannen im Kampf der Sekten untereinander die "Gelugpa" (GelbmĂŒtzen), die den mongolischen Titel des Dalai Lama einfĂŒhrten, die Oberhand. Mit Hilfe der Mongolen konnte sich der 5. Dalai Lama auch erfolgreich gegen die aufstrebende tibetische und Königsdynastie durchsetzen. Sich selbst erklĂ€rte er 1642 zum König. Damit war in Tibet zum ersten Mal die weltliche und geistliche Macht in einer Person vereint, und Tibet wurde ein theokratisch gefĂŒhrter Staat. Der Buddhismus ĂŒberlebte daraufhin nur, weil einige Mönche nach Westtibet und nach Kham im Osten flohen, wo sie diese Religion weiterverbreiteten. Auf den 5. Dalai - Lama geht auch der Bau des berĂŒhmten Potala - Palastes in Lhasa zurĂŒck.

Tibet und China


19. und frĂŒhes 20. Jh.


Von Anbeginn hatten sich die Tibeter des Zugriffs der chinesischen Nachbarn zu erwehren, die 1720 schließlich doch erfolgreich Tibet zum chinesischen Protektorat erklĂ€ren. Ab 1723 steht Tibet unter der "Schutzherrschaft" chinesischer Mandschu - Kaiser. Sie endete allerdings endgĂŒltig, als tibetische Soldaten 1912 Pekings Truppen aus Lhasa vertreiben. Der 13. Dalai Lama proklamiert 1913 die UnabhĂ€ngigkeit Tibets.

Durch die UnabhÀngigkeit Tibets werden westliche LÀnder auf das Königreich aufmerksam. China zeigt intensive Interesse an Tibets Einverleibung, doch dies widerspricht den britischen Vorstellungen einer Sicherheitszone zwischen China und Indien.

1918 dringen chinesische Truppen bis nach Lhasa vor, werden aber von den tibetischen Truppen zum RĂŒckzug gezwungen. 1933 stirbt der 13. Dalai Lama; wĂ€hrend des 2. Weltkrieges verfolgt Tibet eine strikte NeutralitĂ€tspolitik. 1942 beginnt Tibet seine diplomatischen BemĂŒhungen auszuweiten. Zuallererst mit der traditionell verbundenen Mongolei, begrĂŒndet durch die engen spirituellen und historischen Bande.

Erst mit Hinweis der britischen Regierung auf den unabhĂ€ngigen Status Tibets, beginnt sich die US - Regierung nĂ€her mit Tibet zu beschĂ€ftigen. Dennoch findet Chinas Forderung auf die Herrschaft Tibets bei der US - Regierung Anerkennung, um die guten Beziehungen zu China nicht zu untergraben. Eine tibetische Delegation ĂŒbergibt der chinesischen Regierung den sogenannten "Neun - Punkte Plan" zum Aufbau politisch - diplomatischer Beziehungen zwischen den beiden LĂ€ndern. Tibets Hoffnung ist es, eine freundschaftliche oder zumindest friedliche Beziehung mit China aufbauen zu können.

In China kĂŒndigen sich nach dem 2. Weltkrieg große VerĂ€nderungen an. So wendet man sich vom Konzept der nationalen territorialen Autonomie zugunsten der nationalen Minderheiten ab, und proklamiert von nun an die Unterordnung unter den chinesischen Gesamtstaat. 1949 schließlich erringen die Kommunisten die militĂ€rischen Oberhand ĂŒber die nationalistische Regierung unter Tschiang Kai - Shek. "Nunmehr forderten die chinesischen Kommunisten von allen NationalitĂ€ten strikte Unterordnung unter den Zentralstaat. In einer Anweisung des Zentralkomitees der kommunistischen Partei vom Oktober 1949 an ihr NordwestbĂŒro heißt es unmißverstĂ€ndlich: "(...) was die Frage der "Selbstbestimmung" der nationalen Minderheiten betrifft, so sollte diese heute nicht mehr betont werden.""[2]

Als eines der vordringlichsten Ziele wird die "RĂŒckkehr Tibets in den Schoß des Mutterlandes" definiert.

Vordringen chinesischer Truppen

Der 13. Dalai Lama versĂ€umte, die UnabhĂ€ngigkeit Tibets 1913 völkerrechtlich abzusichern. So marschiert 1950 die "Volksbefreiungsarmee" der Volksrepublik China bis Lhasa, um Tibet zurĂŒck zu erobern. Tibet wendet sich an die Regierung der US, Großbritannien und Indien, in der Hoffnung diese GroßmĂ€chte wĂŒrden zu Hilfe eilen. Doch keines dieser LĂ€nder will sich so kurz nach dem 2. Weltkrieg wieder auf ein militĂ€risches Abenteuer einlassen.

Die USA und Indien, aber auch Tibet, verbindet in dieser Phase das gemeinsame Interesse, die kommunistischen Expansionsvorhaben zurĂŒckzudrĂ€ngen. Es darf auch nicht außer Acht gelassen werden, dass 1950 die Kommunisten in Moskau die Kontrolle ĂŒber Peking fest in ihren HĂ€nden halten. Die USA sehen in Tibet ab nun einen Partner im Kampf gegen den Kommunismus, doch bitten sie Tibet, zuerst Indien um Hilfe zu fragen, um Indiens Vormachtstellung in dieser Region nicht zu untergraben.

Als 1950 die PLA (People's Liberation Army) in Tibet eindringt, sieht die tibetische Regierung nun seine letzte Hoffnung durch die Aufnahme in den Vereinigten Nationen. Doch als stĂ€ndiges Mitglied des Sicherheitsrates der Vereinigten Nationen mit Vetorecht, ist es unmöglich gegen die Zustimmung Chinas ein positives Votum zu erreichen. Des weiteren steht auch Rußland einem möglichen Ansuchen mit demselben Mißtrauen gegenĂŒber.

Am 25. August 1950 erklĂ€rt der chinesische Außenminister, jeden militĂ€rischen Konflikt in der Tibet - Frage vermeiden zu wollen und bittet aus diesem Grund eine tibetische Delegation um Aufnahme von direkten GesprĂ€chen in Neu - Dheli. Als Verhandlungsbasis werden zwei Punkte als gegeben vorausgesetzt:
Die Anerkennung Tibets als Bestandteil der Volksrepublik China.
Das Überlassen der nationalen Verteidigung chinesischer Obsorge.
Noch bevor Tibet die negative Antwort seiner Regierung auf die chinesische Forderung ĂŒberbringen kann, rĂŒcken bereits chinesische Truppen, auf tibetisches Territorium vor.

Indien richtet eine Protestnote an Peking, worin es UnverstĂ€ndnis fĂŒr die Aggression Chinas Ă€ußert. Chinas Antwort auf das indische Protestschreiben ist klar und unmißverstĂ€ndlich: Man wirft Indien vor, Expansionspolitik betreiben zu wollen und warnt zugleich vor Einmischung innerer Angelegenheiten.

Das 17 - Punkte - Abkommen

Unter der Drohung einer möglichen Invasion chinesischer Truppen in Lhasa unterzeichnet Tibet schließlich das sogenannte 17 - Punkte - Abkommen. Am 23. Mai 1951 einigten sich die Vertreter der Zentralen Volksregierung und der Tibetischen Lokalregierung ĂŒber Maßnahmen zur friedlichen Befreiung Tibets. Auf Basis dieses Abkommens verlor Tibet seinen Status als unabhĂ€ngige Nation. Da dieses Abkommen vom Dalai Lama nicht mit der nötigen Vollmacht ausgestattet ist, wird das tibetische Siegel, welches eine formale GĂŒltigkeitsvorraussetzung ist, einfach durch ein altes chinesisches ersetzt.

Anders die Darstellung von chinesischer Seite: "Am 24. Oktober 1951 sandte der Dalai Lama ein Telegramm an den Vorsitzenden Mao Zedong, in dem es unter anderem heißt: "Am 23. Mai 1951 haben die Vertreter der beiden Seiten auf der Grundlage der Freundschaft ein Abkommen ĂŒber Maßnahmen zur friedlichen Befreiung Tibets unterzeichnet. Die Tibetische Lokalregierung, die tibetischen Mönche und Volksmassen unterstĂŒtzten das Abkommen einstimmig und werden unter FĂŒhrung des Vorsitzenden Mao Zedong und der Zentralen Volksregierung den in Tibet stationierten Truppen aktiv zu helfen, die Landesverteidigung zu verstĂ€rken, die imperialistischen KrĂ€fte aus Tibet zu vertreiben und die territoriale Einheit und die SouverĂ€nitĂ€t des Vaterlandes zu schĂŒtzen."[3]

Bis 1951 sind etwa 20.000 chinesische Soldaten in Tibet stationiert, um so die Kontrolle ĂŒber das ganze Land zu erreichen. Bei erster Möglichkeit, nach seiner Flucht nach Indien, erklĂ€rt der Dalai Lama 1959 zum betreffenden "17 - Punkte - Abkommen": "While I and my government did not voluntarily accept the Agreement, we were obliged to acquiesce in it and decided to abide by the terms and conditions in order to save my people and country from the danger of total destruction."[4]

Unwirksame Staatsgebietsaneignung

Aus völkerrechtlicher Sicht erfĂŒllt die Eingliederung Tibets in den chinesischen Staatenverband 1951 den Tatbestand der Annexion. Formell wurde im 17 - Punkte - Abkommen das VerhĂ€ltnis der LĂ€nder zueinander festgelegt, indem Tibet eine gewisse Autonomie zugesichert wird und China von nun an die auswĂ€rtigen Angelegenheiten und die militĂ€rische Hoheitsgewalt ĂŒbernimmt. Doch beruht der Vertrag auf der militĂ€rischen Unterlegenheit Tibets und gegen dessen Willen.
GemĂ€ĂŸ Artikel 52 der Wiener Konvention ĂŒber das Recht der VertrĂ€ge ist ein unter Zwang abgeschlossener Vertrag, der eine Besetzung bestĂ€tigt, nichtig.[5]
Die Annexion stellt im heutigen gĂŒltigen Völkerrecht keinen wirksamen Gebietstitel mehr dar. Somit ĂŒbt China heute ohne gĂŒltigen Gebietstitel die Gebietshoheit ĂŒber Tibet aus.

Der tibetische Volksaufstand

China fordert unmißverstĂ€ndlich die totale Unterwerfung unter die kommunistische Politik. Tibet soll im Einklang mit den anderen Landesteilen an der modernen Entwicklung teilhaben. Dies soll in Umsetzung von Reformen auf Grundlage des 17 - Pnkte. - Abkommens geschehen, womit man auch den Einfluß des Dalai Lama einzuschrĂ€nken versucht. Mit UnterstĂŒtzung der Sowjetunion und den osteuropĂ€ischen Staaten beschließt China 1953 den ersten FĂŒnfjahresplan mit Schwerpunkt auf der Entwicklung der Schwerindustrie. Am Ende dieser Periode sind fast alle Betriebe verstaatlicht und die Bauern in Genossenschaften zusammengefaßt.

1958 will Mao Tse - tung innerhalb weniger Jahre die wirtschaftlich fortgeschrittenen LĂ€nder in der Pro - Kopf - Produktion einholen. Nun werden die Bauern in Volkskommunen zusammengefaßt und in besonders geförderten Industriebereichen eingesetzt. Dies hat zur Folge, dass viele LĂ€nder nicht mehr bestellt werden können und die Ernten verloren gehen. Eine schwere Hungersnot ĂŒberfĂ€llt das Land, der Millionen zum Opfer fallen.
"Ihm, der in militĂ€rischen Kategorien dachte, der sich die chinesischen Volksbefreiungsarmee fĂŒr seine Zukunftsmodelle auserkoren hatte, waren alle Kritiker seiner Vision VerrĂ€ter, Feinde, die es auszuschalten galt. (...). Konfuzianismus galt als "reaktionĂ€r" und alle Religionen, etwa der das MitgefĂŒhl betonende Buddhismus, waren bloß Opium fĂŒr das Volk - Gift, wie sich Mao ausdrĂŒckte."[6]

1954 ist der Aufbau des einheitlichen Verwaltungssystems beendet und China wird nunmehr in sechs große Verwaltungsregionen eingeteilt, die den militĂ€rischen Großbezirken entsprechen. Als einzig noch nicht eingegliederte Region bleibt Zentraltibet, in der 1958 noch immer neben der Volksbefreiungsarmee die Religion des Dalai Lama existiert.

Ab Mitte der fĂŒnfziger Jahre regt sich der Widerstand in den frĂŒheren tibetischen Ostprovinzen, die sich jetzt formell auf chinesischem Boden befinden. Der Dalai Lama beugt sich dem Druck der Volksbefreiungsarmee und entfernt antichinesische Minister aus seiner Regierung. Durch die VerstĂ€rkung der chinesischen Truppenkontinents kommt es zu einem Versorgungsengpaß, was die Anspannung in der Bevölkerung weiter steigen lĂ€sst.

1954 unterschreibt der Dalai Lama ein chinesisch - tibetisches Handelsabkommen, indem Tibet als "tibetisches Gebiet der Volksrepublik China" bezeichnet wird, ein außenpolitischer Erfolg Chinas. Peking versucht einerseits die tibetischen Gebiete durch materielle Entwicklung und Verbesserung der Infrastruktur und andererseits durch die schrittweise EinfĂŒhrung der kommunistisch - "demokratischen" Reform an sich zu binden.

Es folgt eine Ausradierung des tibetischen Wertsystems, indem der Dalai Lama, Buddha, der Buddhismus und die Mönchsgemeinde als heilig gelten. Bis zur chinesischen Invasion war dieses System nie in frage gestellt worden. Bald wird Lhasa das Zentrum des Widerstandes und noch mehr konzentriert sich alles Interesse auf die Person des Dalai Lama. Dieser versucht immer wieder, durch ZugestĂ€ndnisse an die chinesische Regierung, Blutvergießen zu verhindern.

Der 10. MĂ€rz 1959 sollte schließlich ein schicksalhafter Tag in der Geschichte Tibets werden. An diesem Tag sollte der Dalai Lama einer Theatervorstellung im chinesischen Truppenlager beiwohnen. Die Vermutung einer geplanten EntfĂŒhrung durch die Chinesen, versetzte das tibetische Volk in helle Aufregung. Die Tibeter versuchen jeden weiteren Kontakt des Dalai Lama mit den Chinesen zu unterbinden und versammeln sich unterhalb des Potala - Palastes. Die Menschenmasse verlangte den sofortigen Abzug der chinesischen Truppen aus ganz Tibet. Der Dalai Lama wird gegen dessen Willen von den AufstĂ€ndischen festgehalten, so verliert er und seine Regierung an diesem Tag die AutoritĂ€t ĂŒber das Volk.

Mit den ersten GranateneinschlĂ€gen am 18. MĂ€rz 1959 entschließt sich der Dalai Lama zur heimlichen Flucht nach Indien. Schon im Jahre 1959 also findet die gewĂ€hrte Autonomie somit ihr abruptes Ende, als, nach der Flucht des Dalai Lama die tibetische Regierung aufgelöst und das Land verwaltungsgemĂ€ĂŸ in das chinesische System eingegliedert wird.

Folgen des Aufstandes

Schon auf der Flucht nach Indien werden dem Dalai Lama die traditionellen Symbole der Herrschaft ĂŒberreicht und am 26. MĂ€rz 1959 unterzeichnet er eine Proklamation ĂŒber die Einsetzung einer provisorischen Regierung des unabhĂ€ngigen Tibets. Bis Ende 1959 sollten 17.000 Tibeter dem Dalai Lama ins Exil gefolgt sein.

Am 28. MĂ€rz 1959 wird die Auflösung der bestehenden Regierung und die Einsetzung einer neuen kommunistischen Regierung verkĂŒndet. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen stimmt 1961 einer von Irland, Malaysia, El Salvador und Thailand eingebrachten Resolution zu - gegen die Stimmen des kommunistischen Blocks - in der China aufgefordert wird, das tibetische Volk nicht weiter seiner grundlegenden Rechte zu berauben. Als auch eine zweite und dritte Resolution der UNO wirkungslos verhallte, stand die Tibet - Frage in der Volksversammlung nicht mehr auf der Tagesordnung.

Im Sommer und Herbst 1964 kommt es zu Studentenunruhen, in deren Folge der neuerrichtete Kulturpalast in Flammen aufgeht. Dies fĂŒhrt zur ZurĂŒcknahme der gemĂ€ĂŸigteren Politik der letzten zwei Jahre.

Die Kulturrevolution

Die Zeit von 1966 - 1976, Zeit der "Kulturrevolution", war die schlimmste Zeit fĂŒr die Bevölkerung Tibets. Die Kulturrevolution ist eng verbunden mit der Person Mao Tse - tung und seiner Vorstellung der klassenlosen Gesellschaft.

1958 propagiert Mao den "Großen Sprung nach vorne", was vorerst nur die EinfĂŒhrung des Kommunismus zur Folge hat. Dann geht man daran die Stahlproduktion zu steigern und die Landwirtschaft zu vernachlĂ€ssigen. Mao bereitet einen Angriff auf den pragmatisch gesinnten FlĂŒgel der KP vor, die in seinen Augen seine Ideale zu verraten scheint. Mao schaltet die "Machthaber auf kapitalistischem Weg" aus. Intellektuelle werden als Klassenfeinde betrachtet, es kommt zu blutigen Gefechten und Kampftruppen bilden sich. Die Lage eskaliert und China steht vor einem BĂŒrgerkrieg.

Mao und seine WeggefĂ€hrten setzten den "Großen Sprung nach vorne" weiter fort, was China Mitte der 70er Jahre an den Rand eines Zusammenbruchs fĂŒhrt. Durch die Ansiedlung von Industrie, Straßenbauten, Bau von StaudĂ€mmen und eines Flughafens wird zwar die Infrastruktur verbessert, aber gleichzeitig die Landwirtschaft vernachlĂ€ssigt.

Als am 25. August 1966 die Kulturrevolution ausbricht, richtet sich die Aggression der Chinesen, gemĂ€ĂŸ dem Auftrag Maos, gegen die alten Ideen, die alte Kultur, alte Traditionen und alte Sitten und BrĂ€uche, vor allem die traditionell sehr einflußreichen Klöster stehen im Mittelpunkt des Zerstörungswahnes des MilitĂ€rs.

Die Tibeter werden gezwungen ihre traditionelle Kleidung gegen eine chinesische zu wechseln. Sie werden angehalten, Loblieder auf Mao zu singen, ihre traditionellen TĂ€nze mĂŒssen sie fortan gegen chinesische FolkloretĂ€nze tauschen. MĂ€nner wurden kastriert, um die tibetische Rasse auszurotten. Man hat die Tibeter mit Waffengewalt dazu gebracht, eigenhĂ€ndig ihre Haustiere zu töten, was von Buddhisten wie Mord an einem Menschen empfunden wird. Tausende landeten als politische Gefangene in GefĂ€ngnissen. Dort sollten sie nach chinesischen Richtlinien erzogen werden. Wer sich dagegen aufbĂ€umte, wurde gnadenlos hingerichtet. Mönche und MönchsanwĂ€rter wurden dazu gezwungen, chinesische Frauen zu heiraten und mit ihnen Kinder zu zeugen. Mit dem Tod Maos 1976 geht die Kulturrevolution zu Ende und China erlebt eine Liberalisierung.


Seit 1987 werden systematische Kampagnen von Zwangssterilisationen und Zwangsabtreibung - bis zum 9. Monat - und Tötung Neugeborener durch Injektionen oder VerbrĂŒhen durchgefĂŒhrt. Durch die "Kulturrevolution" verringerte sich die Zahl der Klöster und religiösen StĂ€tten nach einer chinesischen SchĂ€tzung von 2463 im Jahr 1959 auf zehn im Jahr 1976. Als "Wiedergutmachung" begannen die Chinesen nach 1980 damit, viele der Klöster wieder zu errichten

Obwohl dem tibetischen Volk seit 1979 wieder grĂ¶ĂŸere Freiheiten eingerĂ€umt werden und der Glaube die Verfolgung ĂŒberlebt hat, besteht zwischen Tibetern und Chinesen immer noch ein gespanntes VerhĂ€ltnis. Die Umsiedelungspolitik von Chinesen nach Tibet ließ die Tibeter zur MinoritĂ€t im eigenen Land werden. Die Umwelt wird zunehmend durch Raubbau zerstört - WĂ€lder werden abgeholzt, Mineralien abgebaut. Es werden Atomwaffentests durchgefĂŒhrt und AtommĂŒll abgelagert. FĂŒr die Tibeter ist ihr Land zu einem GefĂ€ngnis geworden.

Der 14. Dalai Lama


Der noch gegenwÀrtige Dalai Lama, Tenzin Gyatso, ist das 14. geistliche und weltliche Oberhaupt der Tibeter. Diese Machtkonzentrierung auf eine Person stellt sicherlich ein Demokratiedefizit dar, es entspricht aber den historischen und traditionell gewachsenen Strukturen, die von den Tibetern noch heute so anerkannt werden.

Dalai ist das mongolische Wort fĂŒr Ozean und Lama bedeutet auf Tibetisch "spiritueller Lehrer", daher die Übersetzung "Ozean der Weisheit" fĂŒr Dalai Lama. Damit wurde eine Tradition gegrĂŒndet, die noch heute lebendig ist.

Lama zu sein ist eine Eigenschaft, die nur wenigen hochrangigen WĂŒrdentrĂ€gern zugesprochen wird. Gebunden ist diese Funktion nicht unbedingt an ein MönchsgelĂŒbte. Ein Lama ist in den Augen der Tibeter andererseits nicht jeder Mönch, sondern nur derjenige, der in seinem ganzen Wirken vom Geist der buddhistischen Philosophie beseelt ist und eine spirituelle Verwirklichung besitzt, die ihn zu geistlicher FĂŒhrung befĂ€higt

Wenn ein Dalai Lama stirbt, begibt sich eine Delegation von hohen Lamas und Mitgliedern des Kabinetts, nach Befragung eines Orakels, auf den Weg, um den neuen Dalai Lama zu suchen. Der wunde Punkt dieses Systems ist die Notwendigkeit eines Regenten, wÀhrend die Reinkarnation, die meist ein Kind ist, aufwÀchst. Dies hat zur Folge, dass nicht jeder Dalai Lama sofort die Regierung
ĂŒbernehmen kann.

Lhamo Thondup wurde am 6. Juli 1935 in der tibetischen Nordostprovinz Amdo als fĂŒnftes Kind einer Bauernfamilie geboren. Aufgrund einer Reihe von Omen und nach einer Befragung des Orakels hatte der "Suchtrupp" in Lhamo den 14. Dalai Lama gefunden. Man rief den Jungen, nach tagelanger Huldigung, als spiritueller FĂŒhrer seines Volkes aus. Lhamo wurde in den Potala - Palast gebracht und gemĂ€ĂŸ der Tradition wurden ihm die Haare geschnitten, der Kopf geschoren und die kastanienbraune Kutte eines Mönches angelegt. ZusĂ€tzlich erhĂ€lt er einen neuen Namen: Tenzin Gyatso.

Der Dalai Lama wird einer Ausbildung unterzogen, wobei besonderer Wert auf die Lehre der buddhistischen Philosophie gelegt wird. Eine besondere Freundschaft entwickelte sich mit dem österreichischen Alpinisten Heinrich Harrer.

Heute lebt Tenzin Gyatso in Nordindien, umgeben von einer großen Gemeinde, die ihm ins Exil gefolgt ist. Hier fĂŒhrt der Dalai - Lama die tibetische Exilregierung an, die auf demokratischen GrundsĂ€tzen basiert.

Die Aufgaben dieser 1960 gegrĂŒndeten Regierung sind:

    Betreuung der tibetischen FlĂŒchtlinge Pflege der tibetischen Kultur, Religion und Sprache Erziehung und Ausbildung der tibetischen Kinder Bewahrung der nationalen und kulturellen IdentitĂ€t im Exil Verteidigung der nationalen SouverĂ€nitĂ€t des tibetischen Volkes auf der Grundlage einer demokratischen Staats - und Gesellschaftsordnung FortfĂŒhrung des tibetischen Freiheitskampfes im Interesse der 6 Mio. Tibeter


Die chinesische Regierung forderten den Dalai Lama bereits auf, wieder nach Tibet zurĂŒckzukehren.

Die Delegationen des Dalai Lama


Statt selbst nach Tibet zurĂŒckzukehren, schickte der Dalai Lama mehrere Delegationen ins Land, welche die Lage der Bevölkerung dokumentieren sollten. Obwohl die Chinesen versuchten, den Abgesandten nur die staatlichen Musterbetriebe zu zeigen, konnten sich die Beobachter trotzdem ein Bild von der tatsĂ€chlichen Situation in Tibet machen. Ihre Berichte waren erschĂŒtternd:

    1,2 Millionen Menschen sind alleine zwischen 1950 und 1983 dem chinesischen Terror zum Opfer gefallen. Ohne RĂŒcksicht auf die Umwelt hatten die Chinesen Fabriken gebaut, jedoch arbeiteten hier ĂŒberwiegend chinesische ArbeitskrĂ€fte und die Produktion ging nach China. Jeder 10. Tibeter war im GefĂ€ngnis, 100.000 waren in Arbeitslagern Hunderttausende von Quadratkilometern hatten jegliche Vegetation verloren. Ganze Ökosysteme waren zusammengebrochen In KrankenhĂ€usern benachteiligte man die tibetische Bevölkerung gegenĂŒber den chinesischen Siedlern. Der gesamte Schulunterricht wurde auf chinesisch gehalten. Hunger herrschte unter den Tibetern Religion war verboten, Klöster wurden zerstört Zwangssterilisationen und Abtreibungen wurden meist gegen den Willen der tibetischen Frauen durchgefĂŒhrt

SĂ€mtliche Delegationsmitglieder, die von Tibet zurĂŒckkehrten, waren schockiert und konnten nicht begreifen, warum die chinesischen MilitĂ€rs solche Greueltaten an ihrem Volk verĂŒbten, doch sie berichteten auch von erfreulichen Ereignissen. Obwohl die Chinesen die Tibeter ĂŒber 3 Jahrzehnte grausam unterdrĂŒckt und politisch umerzogen hatten, gingen diese trotz Ausgehverbots zu Tausenden auf die Straße, um die Abgesandten des Dalai Lama zu empfangen. Sie wollten wissen, wie es "Seiner Heiligkeit" gehe oder erbaten einfach nur den Segen der Delegierten. Der ungeheure Zulauf traf die Chinesen ĂŒberraschend. Überzeugt, den sozialen Fortschritt nach Tibet gebracht zu haben, glaubten sie die Tibeter auf ihrer Seite. Ideologische Verblendung hatte sie zu einem totalen RealitĂ€tsverlust gefĂŒhrt.

Angesichts der grausamen Berichte, welche der Dalai Lama nach RĂŒckkehr der Abgesandten erhalten hatte, entschied er sich, nicht in sein geliebtes Land zurĂŒckzukehren.

Am 10. Dezember 1989 wurde ihm der Friedensnobelpreis verliehen - in Anerkennung seiner BemĂŒhungen um eine gewaltfreie Trennung Tibets von China. Fast die HĂ€lfte des Jahres verbringt das geistliche Oberhaupt mit Reisen, um auf die Probleme in Tibet aufmerksam zu machen, um Freunde und BefĂŒrworter fĂŒr eine friedliche Lösung fĂŒr Tibet zu finden. Er hat Erfolg. Inzwischen existieren in 33 LĂ€ndern mehr als 350 Hilfsgruppen und Organisationen, die sich der Situation in Tibet angenommen haben. UnermĂŒdlich wirbt Tenzin Gyatso fĂŒr die Durchsetzung der Menschenrechte, nicht nur in seiner Heimat Tibet, sondern auf der ganzen Welt.

Der Friedensplan des Dalai Lama


Der Dalai Lama hat einen maßvollen, realistischen Friedensplan vorgelegt, indem er auf historisch und völkerrechtlich begrĂŒndete AnsprĂŒche Tibets verzichtet. Peking ist bis jetzt noch nicht darauf eingegangen.

Der Plan sieht folgendes vor:
1. Umwandlung des gesamten Gebiets von Tibet in eine Friedenszone;
    Beendigung der Politik der Umsiedelung von chinesischen Volkszugehörigen, welche die Existenz der Tibeter als eigenstĂ€ndiges Volk bedroht; Respektierung der fundamentalen Menschenrechte und der demokratischen Freiheiten des tibetischen Volkes; Wiederherstellung und Schutz der natĂŒrlichen Umwelt Tibets und Beendigung der chinesischen Ausbeutung Tibets zum Zwecke der Herstellung von Kernwaffen und der Lagerung von radioaktiven Abfall; Beginn ernsthafter Verhandlungen ĂŒber den kĂŒnftigen Status Tibets und die Beziehung zwischen den Völkern Tibets und Chinas.

Die rund 6 Millionen Tibeter innerhalb und außerhalb des Landes geben aber die Hoffnung nicht auf. Die Hoffnung, dass die Welt auf die Vorkommnisse reagiert und dass eines Tages ihr Oberhaupt zurĂŒckkehren wird. Denn ohne seine Persönlichkeit wĂ€re die Gefahr noch viel grĂ¶ĂŸer, dass das tibetische Exil auseinanderbrechen könnte und die tibetische Kultur untergehen wĂŒrde.
"Ich werde oft gefragt, ob ich wĂŒtend auf die Chinesen fĂŒr alles bin, was geschehen ist. Richtig ist, dass ich manchmal die Geduld verliere, aber dann sorge ich mich um sie und fĂŒhle mit ihnen. Ich nehme ihr Leid, ihren Ärger und ihre Unwissenheit in meine Gebete auf (...) und kann ihnen MitgefĂŒhl entgegen bringen. So werde ich mich auch in Zukunft verhalten," so sprach seine Heiligkeit, der Dalai Lama am 6. Mai 1995 in Essen.

Der Panchen Lama


Über die frĂŒhere Stellung des Panchen Lama in Tibet wie ĂŒber seine Rolle bis zu seinem Tod im Jahre 1989 gab und gibt es widersprĂŒchliche Ansichten.

Die chinesische Regierung versuchte Zeit seines Lebens ihn fĂŒr ihre Ziele einzuspannen und insbesondere, ihn zu benutzen, um die AutoritĂ€t des Dalai Lama und dessen Regierung in Tibet zu schwĂ€chen.

Dem Rang nach war der Panchen Lama nach dem Dalai Lama der zweithöchste geistliche WĂŒrdentrĂ€ger in Tibet. Inzwischen bemĂŒhen sich die Chinesen einen von ihnen auserwĂ€hlte Reinkarnation des Panchen Lama als legitimen Nachfolger des 1989 verstorbenen Panchen Lama einzusetzen.

Diesem Ansinnen war jedoch bisher kein Erfolg beschert. Die Tibeter lehnen die chinesische Wahl ab, die sie als unqualifiziert ansehen. Auch der Dalai Lama gab seine Zustimmung nicht. Das einzige, was die Chinesen mit dieser Aktion erreichten war, dass die weltliche und geistliche AutoritÀt des Dalai Lama in Tibet noch stÀrker geworden ist.

Heinrich Harrer


Heinrich Harrer wurde 1912 in KĂ€rnten geboren. Er war Sport - und Geographielehrer, aber auch ein begeisterter Bergsteiger und SkilĂ€ufer. 1936 gehörte er der österreichischen Olympiamannschaft an; 1938 glĂŒckte ihm die Erstbesteigung der Eiger - Nordwand, wodurch er sich fĂŒr eine Himalaya - Expedition qualifizierte. WĂ€hrend der Teilnahme dieser Nanga - Parbat - Expedition wurde er vom Ausbruch des 2. Weltkrieges ĂŒberrascht und geriet in englische Kriegsgefangenschaft. Nach mehreren gescheiterten Ausbruchsversuchen gelang ihm 1944 die Fluch aus dem Internierungslager in Nordindien. Zusammen mit seinem Freund, Peter Aufschneiter, erreichte er unter kaum vorstellbaren Strapazen zwei Jahre spĂ€ter die tibetische Hauptstadt. Als eine der ersten EuropĂ€er betraten sie Lhasa, die "verbotene Stadt" Tibets. Harrer wurde Erzieher, Berater und schließlich Freund des jungen Dalai Lama. Nach dem Einmarsch der Chinesen floh er aus Tibet und kehrte nach Österreich zurĂŒck.

Harrers Aufzeichnungen und Fotos vom "Dach der Welt" zeigen die Menschen im ehemaligen Tibet, ihre Sitten und VergnĂŒgungen, lĂ€ngst zerstörte Klöster und HeiligtĂŒmer und bieten einen tiefen Einblick in eine Kultur, die heute so nicht mehr zu erleben ist. Sein Buch "Sieben Jahre in Tibet" ist eins der bekanntesten BĂŒcher der Welt, es wurde in 48 Sprachen ĂŒbersetzt. 1997 diente es fĂŒr den gleichnamigen Hollywoodfilm mit Brad Pitt in der Hauptrolle. WĂ€hrend der Regisseur J. - J. Annaux die Wandlung Harrers vom knallharten Nazi zum esoterischen Menschenfreund darzustellen versucht, kritisiert Harrer, dass der Film mit seinen wirklichen Erfahrungen nichts zu tun hat. TatsĂ€chlich habe er sich in Tibet kaum mit religiöser Erleuchtung beschĂ€ftigt, sondern mit ganz banalen Fragen des Überlebens.

Über die erst kurz vor dem Start des Films ans Licht gekommene Nazivergangenheit Harrers wurde in der Presse ausfĂŒhrlich berichtet. Er selbst sagt dazu, er sei der SS in den 30er Jahren beigetreten, um seinen Berufe als Schullehrer, Bergsteiger und Trainer der Österreichischen Damennationalmannschaft im Abfahrts - und Slalomlauf ausĂŒben zu können. In einem Interview vom Juni 1996 sagte Harrer, dass der Regisseur mit seiner Rolle machen könne, was er wolle, da es ja darum gehe, durch den Film das Anliegen der Tibeter populĂ€r zu machen

Optionen fĂŒr den kĂŒnftigen Status[7]


GrundsĂ€tzlich bieten sich drei Optionen an, die den kĂŒnftigen Status von Tibet rechtlich regeln könnten:

Die Integration Tibets in die Volksrepublik China
Ein Assoziationsabkommen beider Staaten
Die Wiederherstellung Tibets als souverÀnen, unabhÀngigen Staat

Integration in die Volksrepublik China


"Die Politik der Zentralregierung gegenĂŒber dem Dalai Lama ist konsequent und bleibt auch heute unverĂ€ndert. Unser grundlegendes Prinzip ist, dass Tibet ein unabtrennbarer Bestandteil Chinas ist. Über diese grundlegende Frage lassen wir nicht mit uns handeln (...)"[8], so der MinisterprĂ€sident des Staatsrates der Volksrepublik China, Li Peng, am 19. Mai 1991. Da weder eine Änderung im chinesischen StaatsgefĂŒge, noch ein ZurĂŒcknehmen der formellen AnsprĂŒche der Chinesen ĂŒber Tibet ersichtlich ist, ist diese Option die wahrscheinlichste.

Dennoch sollte Tibet zumindest die volle Autonomie gewĂ€hrt werden, im sinne einer politischen oder einer Regierungsautonomie, das heißt Selbstregierung im wirtschaftlichen, religiösen und kulturellen Bereich. In bestimmten FĂ€llen könnte die Kompetenz zum Abschluß internationaler Abkommen in den Bereichen von Kultur und Wirtschaft der Autonomen Region ĂŒberlassen werden. Genau diese Form der Autonomie ist in der Verfassung Chinas enthalten, Hongkong und Taiwan erhielten so eine Art von Autonomie. Die Zentralregierung Chinas verharrt auf dem Standpunkt, dass diese Form der Regierung nur auf Regionen anwendbar sei, die erst wieder mit dem Mutterland zu vereinen sind, wĂ€hrenddessen Tibet bereits 1951 wieder in den Schoß des Mutterlandes zurĂŒckgekehrt sei.

Ein Assoziationsabkommen


Das Konzept der Zusammenarbeit Staaten setzt die Anerkennung der gegenseitigen SouverĂ€nitĂ€t auf gleicher Ebene voraus. Eine Assoziation ist im heute geltenden Völkerrecht gekennzeichnet durch die Anerkennung der typischen Unterordnung und der Delegation von Kompetenzen von dem assoziierten Staat auf den Erststaat, bei gleichzeitiger Beibehaltung des völkerrechtlichen Status eines kontinuierten Staates. Die grundlegende ZĂŒge einer solchen Assoziation sind folgende:

Die Beziehung muss aus freier Zustimmung zwischen zwei souverĂ€nen Staaten zusammenkommen; die Bedingungen mĂŒssen klar, deutlich und in eine fĂŒr beide Vertragspartner bindende Form festgehalten werden.

Der Entschluß der Zusammenarbeit muss aufgrund einer freien und freiwilligen Wahl im Sinne einer demokratischen Entscheidung vom assoziierten Staat erfolgen.

Der assoziierte Staat behĂ€lt seine volle VölkerrrechtssubjektivitĂ€t bei, delegiert aber einige Kompetenzen[9] - jedoch nicht zwingend - an den Erststaat. Nichtsdestotrotz bleibt es dem assoziierten Staat unbelassen in internationale Beziehungen einzutreten bzw. VertrĂ€ge abzuschließen.

Die Regierung des assoziierten Staates erledigt innere Angelegenheiten in voller Autonomie, ohne wie auch immer geartete Intervention des Erststaates.

Das Volk des assoziierten Staaten behĂ€lt das Recht, den Status ihres Territoriums wann auch immer zu verĂ€ndern, das heißt auch das Recht hat, ihre Assoziation zu beenden.

Der Abschluß eines Assoziationsabkommen wĂŒrde den Forderungen Chinas sowie Tibets sehr nahe kommen und den völkerrechtlichen Vorstellungen entsprechen.

Etablierung als souverÀner und unabhÀngiger Staat


Dies wĂ€re auf lange Sicht die befriedigenste Lösung der Tibet - Frage. DemgegenĂŒber stehen die expliziten Interessen Chinas, wenngleich die UnabhĂ€ngigkeit Tibets eine positive Auswirkung auf die sehr spannungsgeladene Region Zentralasiens haben könnte und gerade dadurch zu StabilitĂ€t und Frieden fĂŒhren könnte.

Als neutraler Staat mĂŒsste sich Tibet verpflichten, an keinen Kriegshandlungen teilzunehmen, außer zur Verteidigung des eigenen Territoriums, keinen BĂŒndnissen beizutreten und die Gleichbehandlung aller Staaten garantieren, gleichgĂŒltig, ob bei einem bevorstehenden Konflikt oder in einer Kriegssituation.

Die geographische Lage Tibets im Herzen Asien und die NĂ€he zu den wichtigsten MĂ€chten des Kontinents macht es zu einem der strategisch wichtigsten LĂ€ndern in Asien. Gerade aus diesen UmstĂ€nden ergibt sich die AttraktivitĂ€t fĂŒr eine etwaige NeutralitĂ€t Tibets. Dieselbe könnte auch die Spannungen zwischen China, Indien und den USA betrĂ€chtlich reduzieren.

Tibets Umwandlung in eine solche Friedenszone wĂŒrde, mehr als jede andere Lösung, dem Wunsch der Tibeter entsprechen, sowohl sich selbst zu regieren, als auch einen bedeutenden Beitrag zum Friedensprozeß leisten zu können.

Schlußfolgerungen


Der augenblickliche Status von Tibet ist unbefriedigend, sowohl hinsichtlich der bestehenden regionalen und internationalen Beziehungen, als auch bezĂŒglich der Mißachtung der Menschenrechte.
"Um die Verantwortung fĂŒr die Geschichte, fĂŒr die chinesische Nation und fĂŒr das 1,1 Milliarden zĂ€hlende Volk, einschließlich der tibetischen Bevölkerung, zu tragen, darf die Zentralregierung hinsichtlich der grundlegenden Frage der Wahrung der Einheit des Vaterlandes nicht die geringsten Kompromisse machen. Die Versuche, gestĂŒtzt auf auslĂ€ndische KrĂ€fte, die "UnabhĂ€ngigkeit Tibets" zustande zu bringen und das Vaterland zu spalten, sind ein schĂ€ndlicher Verrat am Vaterland und an der gesamten chinesischen Nation, einschließlich der tibetischen NationalitĂ€t,"[10] so die beharrliche Position der chinesischen Zentralregierung.

Vorderrangig bleibt die ErfĂŒllung der berechtigten Forderung des tibetischen Volkes fĂŒr eine wĂŒrdige Existenz in ihrer Heimat, zweitrangig wird man den zukĂŒnftigen Status Tibets ĂŒberdenken mĂŒssen.

Drei GrĂŒnde, warum die Chinesen Tibet besetzten


Sinisierungspolitik


Tibet ist ein riesiges Land, es leben dort aber nur wenige Menschen. In China hingegen wÀchst die Bevölkerung unaufhaltsam und das Land platzt aus allen NÀhten. Die chinesische Zentralregierung will in Tibet Millionen von Chinesen ansiedeln, so dass die Tibeter zur MinoritÀt im eigenen Land werden.

BodenschÀtze


Tibet verfĂŒgt ĂŒber ein riesiges Vorkommen von BodenschĂ€tzen - Gold, Silber, Kupfer und Uran, um nur einige zu nennen. Sie wurden von den Tibetern nie ausgebeutet, denn sie wollten die Erdgeister nicht stören. Heute gibt es in Tibet bereits 150 von den Chinesen erbaute Bergbaugebiete, in denen rund um die Uhr Tausende von Bergleuten beschĂ€ftigt sind.

MilitĂ€rische Überlegungen


Tibet ist eine strategisch sehr wichtige Region in Asien. Die Berge lassen sich mit modernen Waffen zu einer uneinnehmbaren Festung ausbauen. Von hier kann man sĂ€mtliche umliegenden LĂ€nder und SĂŒdostasien angreifen.

Das alte Tibet


Kommen heute Touristen nach Tibet, so erreichen sie das Land mit einem Flugzeug, und sie werden mit dem Auto in ein bequemes Hotel inmitten von Lhasa gefahren. Nur die wenigsten können sich vorstellen, wie es frĂŒher war - ohne Straßen, ohne Autos - als die Lasten noch auf schmalen Saumpfaden transportiert wurden. Ob es der Bevölkerung damals besser ging als heute, kann ich nicht beurteilen, glĂŒcklicher war sie auf jeden Fall, denn heute beherrschen die Chinesen das Land, und die Tibeter werden von den MilitĂ€rs unterdrĂŒckt.

Sicherlich war das Leben frĂŒher auch nicht einfach. Die soziale Ordnung ließ sich als hierarchisch gegliederte Nomaden - und Bauerngesellschaft mit theokratisch - feudalistischen Strukturen umschreiben. Zweifellos war dieses System reformbedĂŒrftig, denn eine kleine Minderheit herrschte ĂŒber die Mehrheit. Klerus und Adel regierten das Land - Korruption war alltĂ€glich. Dessen war sich der 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso, jedoch immer bewußt, und bereits in seinen Jugendjahren arbeitete er PlĂ€ne aus, wie man das System reformieren könnte. Dann kamen ihm jedoch leider die Chinesen zuvor, die seither mit skrupellosen, kolonialistischen Methoden das Land ausbeuten.

Nicht nur Adelige und Großgrundbesitzer waren im alten Tibet mĂ€chtig, auch religiöse Institutionen beherrschten dieses Land. Immer wieder mussten sie ihre Macht unter Beweis stellen, vor allem widersetzten sie sich jeglichem Fortschritt und auslĂ€ndischen Machteinfluß.
"In Lhasa (gab es) einen britischen Lehrer, der seinen SchĂŒlern das Fußballspielen beibrachte. Eines Tages kam wĂ€hrend des Spiels ein Gewitter auf, und die Äbte sagten, die Götter seien zornig."[11]

Dieses Beispiel verdeutlicht, dass der Aberglaube in Tibet weit verbreitet war, und selbst die Chinesen konnten den Tibetern den Glauben an ihre Geister nicht austreiben, denn nach Ansicht der Buddhisten bewohnen verschiedene Arten von Wesen die Welt.
"In der Erde und im Wasser leben schlangenartige Geister, von derer Wohlwollen der Regen und damit die Ernte abhĂ€ngt. Im Zwischenbereich tummeln sich die BeschĂŒtzer der Dörfer und der FamilienunterkĂŒnfte, die Hausgötter, die in TĂ€lern und auf Felsen hausenden Geister und viele weitere Kobolde, Götter und NaturmĂ€chte. Auf Bergspitzen und in himmlischen Gefilden schließlich thronen mĂ€chtigere Götter, die das Land, die Religion, sowie die Himmelsrichtungen beschĂŒtzen."[12]

Jeder Tibeter musste bestimmte Riten beachten, um die Götter nicht zu erzĂŒrnen, denn das war gefĂ€hrlich. Sogar wĂ€hrend der Feldarbeit verabsĂ€umten sie es nicht, fleißig mystische Formeln aufzusagen. Trotz ihrer stĂ€ndigen Angst vor bösen Geistern waren die Tibeter ein glĂŒckliches Volk. Sicherlich wĂ€re der Dalai Lama fĂ€hig gewesen, ihnen die Angst zu nehmen und ĂŒber kurz oder lang in seinem - nach unseren Begriffen etwas rĂŒckstĂ€ndigen - Land Reformen durchzufĂŒhren, doch die Chinesen verwehrten ihm diese Chance.

Freilich rĂŒhmen sich die chinesischen FunktionĂ€re heutzutage, dass sie es waren, welche die Leibeigenschaft und die Sklaverei abgeschafft haben, doch andererseits unterdrĂŒckten sie die tibetische Bevölkerung auf brutale Art und Weise und raubten ihr jegliche persönliche Freiheit.

Das Regierungssystem im "alten Tibet"


Anfang des 17. Jh. entstand unter dem 5. Dalai Lama die spezielle tibetische Staatsform, die hĂ€ufig als lamaistische Theokratie bezeichnet wird. Die Regierung bestand aus den Staatsministern, dem Staatsrat, der Nationalversammlung und der Exekutive. Alle wichtigen Entscheidungen mussten dem Dalai Lama unterbreitet werden. Gemeinsam mit dem Panchen Lama stand er ĂŒber alle kirchlichen und weltlichen Institutionen.

War der Dalai Lama noch minderjĂ€hrig, vertrat ihn ein von der Nationalversammlung bestimmter Regent. Um eine effektive Kontrolle zu gewĂ€hrleisten, wurden alle bedeutenden Posten der Zentralregierung von einem Laien und einem Mönch, also doppelt, besetzt. Anfang des 20. Jh. arbeiteten in den verschiedenen Körperschaften der Regierung jeweils 175 Mönche und 175 Zivilbeamte. Abstimmungen waren in der Nationalratsversammlung unĂŒblich. Statt dessen wurde solange debattiert, bis sich kein Widerspruch mehr regte. Da die Mönche nur wenig zu verlieren hatten, setzten sie meist ihre Meinung gegen den wohlhabenden Adel durch.

LandbesitzverhÀltnisse


GrundsĂ€tzlich gehörte alles Land dem Dalai Lama und damit dem tibetischen Staat, der es entweder selbst bewirtschaftete oder verpachtete. Die Klöster und die Adeligen erhielten lediglich ein Bewirtschaftungsrecht, die einen zur Sicherung ihrer wirtschaftlichen Existenz, die anderen als Gegenleistung fĂŒr ihre Regierungsdienste.

Die Bearbeitung dieser NutzflĂ€chen ĂŒbernahmen die tibetischen Bauern. FĂŒr ihre Frondienste bekamen sie von ihren Lehnsherren in der Regel kleinere Parzellen zur eigenen Bewirtschaftung. Die PachtverhĂ€ltnisse unterschieden sich von Region zu Region und können nicht verallgemeinert werden.

Aktuelle Lage in Tibet


Die neue Schreckensherrschaft der Chinesen war fĂŒr viele Tibeter ein Grund, das Land zu verlassen. So flĂŒchteten sie ins Exil - in eine ungewisse Zukunft. FrĂŒher bevölkerten HĂ€ndler und Schmuggler die gefĂ€hrlichen Wege ĂŒber den Himalaja. Heute sind es die tibetischen FlĂŒchtlinge, welche tagelang, manchmal sogar wochenlang unterwegs sind, um die nepalesische Grenze zu erreichen.

FĂŒnfunddreißig Jahre nachdem der Aufstand gegen die Chinesen niedergeschlagen wurde, und er Dalai Lama mit seinen vielen AnhĂ€ngern nach Indien floh, folgen ihm die Tibeter immer noch ins Exil.

Die indische Regierung wies den Exiltibetern zwar in beispielloser Freigebigkeit PlĂ€tze zu, wo sie ihre HĂ€user bauen konnten und gewĂ€hrleistete ihnen noch zusĂ€tzliche finanzielle UnterstĂŒtzung - das, obwohl Indien eine Entwicklungsland ist -, doch an manchen dieser Orte fanden die FlĂŒchtlinge nichts außer einen undurchdringlichen Urwald vor. Trotz ihrer schwierigen Lage verharrten die Tibeter aber nicht in Agonie, sondern begannen sofort mit dem Aufbau einer neuen Existenz. Sie rodeten den Wald, bauten Getreide an und errichteten bereits nach kurzer Zeit die ersten ZeltstĂ€dte, doch das grĂ¶ĂŸte Problem war deswegen noch lange nicht aus der Welt geschafft. Viele von ihnen starben weiterhin wegen der ungewohnten Hitze in ihrer neuen Heimat an - fĂŒr die Tibeter - unbekannten Krankheiten.

Die anfĂ€nglichen Schwierigkeiten sind heute nach ĂŒber 40 Jahren zum GlĂŒck ĂŒberwunden. Die Verteilung der Exiltibeter nach der GrĂ¶ĂŸe der Gemeinden geordnet (Stand 1994):

Indien: 100.000, Nepal: 20.000, Bhutan: 2.000, Schweiz: 2.000, USA: 1.500, Kanada: 500

Die restlichen rund 4.000 Exiltibeter leben in kleineren Gruppen ĂŒberall auf der Welt verstreut.

Religion


" Wenn der Metallvogel fliegt und die Pferde auf RĂ€dern dahinrollen, werden die Tibeter ĂŒber die Welt verstreut sein, und die Lehre Buddhas kommt in die fernsten LĂ€nder."[13]
Prophezeiung des indischen Mönchs Padmasambhava (8.Jh.)

Es ist nur natĂŒrlich, dass aufgrund der Abgeschiedenheit auf dem Dach der Welt die Gedanken der Menschen anders geartet sind, als in der Enge der StĂ€dte oder des dichtbesiedelten Landes. Die Gedanken scheinen sich in der unbegrenzten Weite zu verlieren, Wege und Irrwege einzuschlagen, die fern vom richtigen Weg liegen, dem Weg zum Nirvana, zur Erlösung.

Die tiefe Verwurzelung des Menschen in einem Lebensraum, dessen extremen klimatischen Bedingungen er auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist, sowie die Abgeschiedenheit Tibets, haben die Bewohner nach Möglichkeiten suchen lassen, die sich in den Naturgewalten, Krankheiten und Gefahren offenbarenden KrÀfte durch Magie und Rituale zu ihrem Vorteil zu beeinflussen.

Volksreligiöse Vorstellungen


Soweit man die Kulturgeschichte Tibets zurĂŒckverfolgen kann, wird die Vorstellungswelt der Tibeter von naturreligiösen Vorstellungen geprĂ€gt. Grundlage dieser Vorstellungen ist das Erleben der Welt als einer allerorts von Geistern und DĂ€monen belebten Wirklichkeit. Diese unsichtbaren Wesen wirken als latente KrĂ€fte und werden hĂ€ufig als Ursache fĂŒr Verderben und Krankheiten angesehen, können aber auch begĂŒnstigenden Einfluß ausĂŒben.

In der Unterwelt residieren so die Erdherren, im Wasser die Schlangengeister, auf BĂ€umen, Bergen und Schluchten die TsĂ€n - DĂ€monen, die man sich als rotfarbige, wilde JĂ€ger vorzustellen hat, und schließlich in der Luft und auf Gestirnen die Himmelsgeister.

Verletzt man den Wohnbereich dieser Wesen, lĂ€uft man Gefahr, sich ihren Zorn zuzuziehen. Daher schĂŒtzen sich die Tibeter mit Amuletten, magischen Symbolen und Opfergaben. Verursachen diese DĂ€monen großes Unheil, werden sie in "Geister[14]fallen" rituell gefangen und gebannt.

Die Bon - Religion


Bevor der Buddhismus im 7. Jh. nach Tibet eingefĂŒhrt wurde, herrschte hier eine nur noch ungenau faßbare Religion, die hĂ€ufig als der ursprĂŒngliche glaube Tibets bezeichnet wird: Die Bon - Religion! Ihre Priester, die Bonpos, verehrten die Gestirne des Himmels. Sie versuchten durch Tier - und Menschenopfer, das Schicksal zu beeinflussen und betrieben magische Praktiken zur Austreibung oder Befriedigung böser Geister.

Mit der Ankunft des Buddhismus unterlag die Bon - Religion einem starken Wandel und nÀherte sich in ihren Auffassungen immer mehr den Anschauungen der buddhistischen Philosophie an. Gekennzeichnet wird die Bon - Religion durch ausgeprÀgte Jenseitsvorstellungen und einer Kosmologie, derzufolge die Welt aus einem Ei entstand.

Wenngleich das Bontum im Laufe der Zeit von der Praxis sogenannter "Roter Opfer", Ritualpraktiken, bei denen Blut vergossen wurde, immer mehr absah und damit den buddhistischen Geboten entgegen kam, vermochte die Bon - Religion in den letzten Jahrhunderten lediglich in abgelegenen Regionen Tibets zu ĂŒberdauern.

Im Gegensatz zu den Buddhisten umrunden die Bonpo - AnhÀnger ihre heiligen StÀtten gegen den Uhrzeigersinn und unter ihrem Obergewand tragen die Bonpo - Mönche eine blaue Weste.

Der Buddhismus


Die erste buddhistische Schrift war in Sanskrit[15] geschrieben und eine Legende besagt, sie sei vom Himmel herabgefallen. Diese Schrift stammte aus dem 5. Jh., sie wurde auf tibetisch ĂŒbersetzt. SpĂ€ter, im 8 Jh. verbreitete sich der Buddhismus und religiöse Sekten bekamen ihre Form. Eine dieser Sekten war die Gelugpa - Sekte, gegrĂŒndet wurde sie von Tsongkapa, dem grĂ¶ĂŸten Reformer des tibetischen Buddhismus. So verbreitet sich der Buddhismus seit dem 15. Jh. wie ein wildes Feuer, auch auf westliche LĂ€nder.

Noch immer ĂŒbt der Buddhismus eine starke Anziehungskraft auf den Westen aus. Die Ursache mag in dem friedfertigen Erscheinungsbild der von ihm beeinflußten Kulturen liegen oder in der darstellenden Kunst, die im Bild des in sich ruhenden, lĂ€chelnden Buddha ihren Ausdruck findet. Doch vielleicht liegt die Ursache der Anziehungskraft des Buddhismus auch in dem philosophischen Versuch, den Menschen aus allen weltlichen Verstrickungen zu lösen und ihm den Weg zu einem von jedermann erfahrbaren Absoluten zu weisen.

Das Leben des Buddha

Der Buddha lebte vor rund 2500 Jahren in Indien. Er wurde als Sohn eines Königs geboren und Siddharta Gautama genannt, das heißt: "der sein Ziel erreicht". Bei seiner Geburt prophezeite ein Seher den Eltern, dass das Kind entweder ein großer religiöser FĂŒhrer oder ein mĂ€chtiger Herrscher werden wĂŒrde. Da der Vater den weltlichen Rang vorzog, suchte er den Jungen von allen Leiden und UnzulĂ€nglichkeiten des Lebens, die den Sohn auf religiöse Gedanken bringen könnten, fernzuhalten und umgab ihn mit vielen Sinnesfreuden. Der Prinz war sehr begabt und lernte schnell alles, was die Lehrer ihm beibringen konnten. Als er erwachsen wurde heiratete er und hatte einen Sohn.

Mit 29 Jahren aber begegnete er auf drei heimliche Ausfahrten dem Leid der Welt: er sah einen alten, einen Kranken und einen Toten. Nachdem ihm klar wurde, dass diese Leiden auch ihm gewiß wĂ€ren, begann er ĂŒber die Situation in der Welt nachzudenken. Er verspĂŒrte keine Freude mehr an den oberflĂ€chlichen Ablenkungen des Palastlebens.

Nachdem er auf einer vierten Ausfahrt einem Mönch begegnet war, der ruhig und friedlich seiner Wege ging, war seine Entscheidung gefallen. Er flĂŒchtete nachts aus dem Palast, schnitt sich die langen Haare ab und zog das Gewand eines Bettlers an, um sich auf die Suche nach einem geistigen Weg zu machen, der zu einem dauerhaften GlĂŒck fĂŒhren könnte. Er suchte viele Lehrer auf, lernte bei ihnen Techniken der Meditation und ĂŒbte strenge Askese. Nachdem er die bloße Askese als unzureichend fĂŒr das Erlangen des höchsten Ziels erkannt hatte, fand er schließlich unter dem Bodhibaum in tiefer Meditation die Erkenntnisse, die man Erleuchtung nennt.

Er hatte damit die Antworten auf seine Fragen nach dem Sinn des Lebens, die sich ihm durch die Begegnungen mit dem Leid stellten, gefunden. Fortan wurde er ein Buddha, ein Erwachter genannt.

Der Kern der Lehre des Buddha

Die fĂŒr alle Buddhisten gĂŒltige, gemeinsame Grundlage der Lehre besagt, dass es vier edle Wahrheiten gibt, die sich mit der zentralen Frage beschĂ€ftigen, wie fĂŒr alle Wesen Leid vermieden und GlĂŒck erlangt werden kann.

Die meisten nicht buddhistischen Religionen sehen den letzten Ursprung von GlĂŒck und Leid in einem Gott, der die Wesen geschaffen hat und Herr ihres Schicksals ist. Dieser Gedanke ist den Buddhisten fremd. Die Ursachen fĂŒr GlĂŒck und Leid werden in dem Geist des Erlebenden selbst gesehen. Äußere Bedingungen gelten lediglich als BegleitumstĂ€nde.

Entsprechend dieser Grundannahme ist der Dreh - und Angelpunkt der buddhistischen Praxis die Geistesschulung. Eine fortlaufende Entwicklung des Geistes ist möglich, da der Geist im Gegensatz zu materiellen Dingen sich Wissen aneignen und so zum Besseren entwickeln kann.

Betrachtet man die Lehre in ihrer Gesamtheit, so fĂ€llt auf, dass der Buddhismus in seiner ursprĂŒnglichen Form wesentliche Elemente einer Religion vermissen lĂ€sst. Eine transzendente Macht wie Gott, ein Pantheon von Gottheiten und selbst das Element des Kultes fehlen. Daher lĂ€sst sich durchaus sagen, dass die Lehre des Buddha ursprĂŒnglich mehr eine Philosophie, als eine Religion gewesen ist.

Diese Lehre war nicht mehr wirklich weiterzuentwickeln und in ihren AnsprĂŒchen an die LebensfĂŒhrung zu hoch, um von einer breiten Masse getragen zu werden. Deshalb bildeten sich viele Unterzweige des Buddhismus. Ich werde in dieser Arbeit jedoch nur den Mahayana - Buddhismus nĂ€her erlĂ€utern, denn er stellt im Zusammenhang mit Tibet den wichtigsten dar.

Heinrich Harrer schrieb.
"Das irdische Dasein hat keinen hohen Wert in Tibet, der Tod hat keinen Schrecken. Man weiß, dass man wiedergeboren wird, und hofft auf eine höhere Daseinsform im nĂ€chsten Leben (...) Ich habe in all den Jahren niemanden getroffen, der auch nur den leisesten Zweifel an der Lehre Buddhas getroffen hĂ€tte (...)"[16]

Die vier edlen Wahrheiten

Die EDLE WAHRHEIT VON LEID besagt, dass alle Erfahrungen von GlĂŒck unbefriedigend bleiben, da sie immer wieder vergehen. Am ende unseres Lebens stehen fĂŒr jeden das Alter, die Krankheit, der Tod.

Die EDLE WAHRHEIT VOM URSPRUNG DES LEIDENS fragt nach dem Grund fĂŒr diese leidvollen Situationen. Genannt werden die drei GrundĂŒbel: Gier, Haß und Unwissenheit.

Die EDLE WAHRHEIT VOM AUFHÖREN DES LEIDENS gibt an, dass sich der Mensch selbst vom Leid befreien kann. Ein solcher Zustand einer endgĂŒltigen Beendigung von Neid, Haß und unbelehrbares Nicht - Wissen - Wollens wird Nirvana genannt.

Die EDLE WAHRHEIT VOM WEG, DER ZUM AUFHÖREN DES LEIDENS FÜHRT. Durch Gedankentraining, Meditation und rechte LebensfĂŒhrung sollen die menschlichen WĂŒnsche und Begierden nicht verdrĂ€ngt, sondern umgewandelt werden. Erst die Erkenntnis, wie unwichtig die ErfĂŒllung vergĂ€nglicher WĂŒnsche ist, fĂŒhrt zum Eingang ins Nirvana. Dieser Weg ist in der Lehre Buddhas aufgezeigt.

Nirvana

Dem Kreislauf der Wiedergeburten gegenĂŒber steht das Nirvana, was soviel wie Verwehen heißt. Es ist eine SphĂ€re, die sich allem diskursiven Denken entzieht, so dass ĂŒber sie keine Aussagen gemacht werden können. Mißinterpretationen frĂŒherer Forschungen ist es zuzuschreiben, dass es zu Vorstellungen des Nirvana als ein "Nichts" kam. Doch definiert wird Nirvana von Buddha als die Erkenntnis nicht mehr zugĂ€nglicher RealitĂ€t des Ungeborenen, Ungewordenen, Ungeschaffenen und Ungestalteten jenseits von Sein und Nicht - Sein.


Harrer schrieb:
"Schon nach kurzem Aufenthalt war es mir nicht mehr möglich, gedankenlos eine Fliege zu töten. Und in Gesellschaft eines Tibeters hÀtte ich nie gewagt, nach einem Insekt zu schlagen, nur weil es mir lÀstig war."[17]

Der Achtfache Pfad

Die Buddhisten glauben, dass eine gute oder schlechte Wiedergeburt einzig und allein von den guten oder schlechten Taten (Karma) der Menschen selber abhĂ€ngt. Sie gehen davon aus, dass jede Handlung, jedes Wort und jeder Gedanke eine Kraft in Bewegung setzt, die nicht aufhört, bis sie ihre volle Wirkung ausgeĂŒbt hat. Da jeder Mensch der Urheber seiner eigenen LebensumstĂ€nde ist, stellt das Karma kein fatalistisches Gesetz dar, sondern es eröffnet die Möglichkeit zur Beeinflussung des eigenen Schicksals, der gegenwĂ€rtigen und zukĂŒnftigen Existenzen, durch die bewußte AusĂŒbung entsprechender Handlungen in Übereinstimmung mit dem Achfachen Pfad.

Um den ewigen Kreislauf der Wiedergeburten zu unterbrechen, werden folgende Verhaltensregeln angeraten:
Rechtes Reden, Rechtes Verstehen, Rechte Gesinnung, Rechtes Handeln, Rechte LebensfĂŒhrung, Rechtes BemĂŒhen, Rechte Achtsamkeit, Rechte Konzentration.

Der Mahayana - Buddhismus

Das Mahayana, dessen Philosophie auch den Kern des tibetischen Buddhismus bildet, tritt erst um Christi Geburt in Erscheinung. Seine entscheidendste philosophische Neuerung bildet die Vorstellung eines Absoluten - der sogenannten Leere, die alles Sein durchdringt und damit auch die Wiedergeburt und das Nirvana gegenseitig aufhebt. Diese Lehre wird als zeit - und grenzenlos, ungeschaffen, unverĂ€nderlich, undenk -, unwĂ€g -, und unmeßbar bezeichnet. Verglichen wird sie hĂ€ufig mit dem leeren Himmelsraum. Ziel ist daher weniger das Erreichen des Nirvana, als die Verwirklichung dieser eigentlichen Natur der Wirklichkeit.

Ihre Niederschrift fanden die Lehren des Mahayana in der "Prajnyaparamita", was Vollkommenheit der Weisheit bedeutet, von der die Tibeter glauben, sie stamme aus der Tiefe des Ozeans, dort, wo sich der Wohnraum der Schlangengeister befindet

Die Dimensionen von Raum und Zeit werden von den Mahayanisten gedanklich bis ĂŒber alle Vorstellbarkeit ausgedehnt. Der historische Buddha wird folglich als einer von zahllosen, unablĂ€ssig erscheinenden Buddhas gedacht, die immer wieder neu in der Reinkarnation auftreten, um den Lebewesen mit der VerkĂŒndung der Lehre en Weg weisen. Solche Reinkarnationen haben zwar alle einen eigenen Namen, nennt man aber allgemein Bodhisattva. Somit werden auch andere Buddhas verehrt.

Es entstanden zwei Hauptströmungen des Mahayana:
Erstens Madhyamika, das mit kĂŒhnster Logik die Nicht - Existenz der Gegebenheiten nachzuweisen und alle PhĂ€nomene als zusammengesetzt zu entlarven suchte. Zweitens das Yogacara, die Schule der Yoga - Praxis. Ihr Hauptmerkmal liegt auf der Erkenntnis der Leere als "Reinem Bewußtsein", das hĂ€ufig mit einem leuchteten Spiegel verglichen wurde, der nichts als sein eigenes Licht reflektiert.

Tantrismus

Etwa vom 5. bis 6. Jh. an werden die indischen Religionen des Buddhismus, Hinduismus und Jainismus, vom magischen Gedankengut des Tantrismus erfaßt. Es handelt sich dabei um eine geheime Erkenntnislehre, deren Ziel die Transzendierung der realen Welt in das höchste Sein und die mystische Verschmelzung mit dem Absoluten bildet.

Wesentlich ist, die Ablehnung dogmatischer Anschauungen, die Betrachtung der Welt als einer aus purer Energie bestehenden, vielschichtigen RealitĂ€t, die sich in einer mĂ€nnlich - weiblichen PolaritĂ€t entfaltet. Weiters gehört die Lehre der Untrennbarkeit von Absolutem und relativem und schließlich die Erkenntnis, dass die Welt eine sich ĂŒber scheinbar zahllose Ebenen erstreckende makro - mikrokosmische Analogie zugrunde liegt zu den wichtigsten Merkmalen des Tantrismus.

Tantrismus ist maßgebend fĂŒr die Entstehung des Vajrayana, das die Verwirklichung der Buddha - Natur anstrebt. Das Vajrayana strebt die Erleuchtung möglichst noch im gegenwĂ€rtigen Leben an. Dazu benutzt es radikale Mittel und Methoden, die eine tiefgreifende BewußtseinsverĂ€nderung hervorrufen.

Der Tibetische Buddhismus oder Lamaismus

Bereits in der Geschichte habe ich erwĂ€hnt, wie König Songtsen Gampo und seine beiden Gemahlinnen den Buddhismus in Tibet einfĂŒhrten und förderten. Um sich einer breiten Masse ĂŒberhaupt verstĂ€ndlich machen zu können, integrierten die tibetischen Mönche einheimische, volksreligiöse Vorstellungen in ihre Glaubensinhalte. Magische Rituale, exorzistische Riten, rituelle Heilungen und BesessenheitsphĂ€nomene prĂ€gten somit von Anfang an das Ă€ußere Erscheinungsbild des Tibetischen Buddhismus.

Wegen der zentralen Stellung des Lamas als des unabdingbaren FĂŒhrers auf dem Weg zum Heil, kann der Tibetische Buddhismus auch als "Lamaismus" bezeichnet werden.

Die Basis des Tibetischen Buddhismus bilden einerseits die Philosophie des Mahayana und andererseits meditative und rituelle Praktiken. Dabei rĂŒckte die Bedeutung der geistlichen Überlieferung und Vermittlung der Lehren des Lamas im Laufe der Zeit immer mehr in den Mittelpunkt.

UnterdrĂŒckung der ReligionsausĂŒbung


Die Religionsfreiheit in Tibet besteht nur scheinbar. Die Riten in den Tempeln können wieder vollzogen werden. Die einfachen Menschen mĂŒssen nicht mehr schwere Strafen befĂŒrchten fĂŒr das bloße Murmeln eines Gebets oder auch nur fĂŒr den Besitz einer GebetsmĂŒhle. Die Verbreitung der buddhistischen Lehre jedoch, ist nicht erlaubt und die Ausbildung qualifizierter Lehrer untersagt. Eine kĂŒrzlich beendete "SĂ€uberungsaktion" in den Klöstern gestattet in fĂŒhrenden Positionen nur noch Mönche, die den Primat der Kommunistischen Partei anerkennen. Viele Mönche haben die Klöster daraufhin verlassen, weil sie nicht mehr nur als Touristenattraktion verwendet werden wollten. Die Traditionen der Klöster leben hauptsĂ€chlich deswegen fort, weil im Exil, vor allem in Indien, von den geflĂŒchteten Mönchen neue Klöster gegrĂŒndet wurden. Hierdurch konnte die KontinuitĂ€t in der Ausbildung der Mönche und der VerkĂŒndigung der Lehre Buddhas gewĂ€hrt werden.

Vorstellungen ĂŒber Zeit, Raum, Dasein und Tod


Durch die bahnbrechenden Entdeckungen des Nikolaus Koperikus sind die Grenzen unseres Weltalls in unvorstellbare Entfernungen gerĂŒckt. Ähnliche Vorstellungen ĂŒber eine ungeheure Ausdehnung von Zeit und Raum sind in Indien jedoch schon seit viel lĂ€ngerer Zeit prĂ€sent gewesen und haben auch in den Buddhismus Eingang gefunden. Sie beruhten aber weniger auf wissenschaftlichen Beweisen, als auf einem umfassenden Analogiedenken.

Buddhistischer Vorstellung zufolge vollzieht sich das Entstehen und Vergehen einer Welt in vier großen Äonen, die jede 1 300 000 000 Jahre andauern. Im ersten Zeitalter existiert einzig die große Leere als Essenz des Universums. Durch die Entstehung eines Urwindes und Bildung der Elemente in der Reihenfolge Wind, Feuer, Wasser und Erde im zweiten Äon, gestaltet sich im dritten Äon das Leben der Erde. Danach löst sich die Welt in einem vierten Äon in einem Verbrennungsprozeß wiederum in ihre eigentliche Natur der Leere auf.

Ohne Anfang und ende folgt so eine Welt der anderen, jede mit Sonne, Mond und Planeten ausgestattet. 3000 solcher Welten werden von einer Mauer umgeben, von diesen 3000 Welten gibt es wiederum 3000 von einer Mauer umringte Welten, die ihrerseits in 3000facher Anzahl existieren. Daraus ergibt sich eine Anzahl von 27 000 000 000 Welten - ein Sinnbild fĂŒr die Unbegrenztheit des Raumes.

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Nach dem Abidharmakosha, dem "Schatz des Wissens" wird der Weltenberg Meru (1) von sieben Ringgebirgen und Ringozeanen (2) umschlossen. Umgeben wird dieser Kern jeden Weltensystms vom Urozean (3), der an seinem Ă€ußeren Rand von einer Gebirgskette (4) begrenzt wird. In den vier Himmelsrichtungen sind die Kontinente samt ihren jeweils zwei Nebenkontinente gelegen: im Osten der halbkreisförmige Kontinent Puravideha (5), im SĂŒden der annĂ€hernd fĂŒnfeckige Kontinent Jambudvipa (6), auf dem wir Menschen leben, im Westen - verdeckt durch Meru, so dass nur seine beiden Nebenkontinente zu sehen sind - der kreisförmige Kontinent Aparagodaniya (7), im Norden der viereckige Kontinent Uttarakuru (8). Auf der Spitze des von sonne und Mond flankierten, fĂŒnfstufigen Meru, befindet sich der Himmlische Palast des hinduistischen Gottes Brahma (9), der als Weltenherrscher fĂŒr die Periode der gegenwĂ€rtigen vier Äonen die Weltgeschichte lenkt. Über dem Meru erheben sich die himmlischen SphĂ€ren mit den vier Daseinsbereichen der niederen Götter (10), die noch von Begierde beherrscht werden, darĂŒber die 17 verschiedenen Himmel der Götter feinstofflicher Form (11) und an der Spitze die vier "Stufen der Formlosigkeit" (12), die man sich als rein meditative Bereiche vorzustellen hat.

Das Rad der Existenzen

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Oft am Eingang der Versammlungshalle eines Klosters dargestellt, soll es den einfachen GlĂ€ubigen in bildlicher Weise mit den grundlegenden dogmatischen Anschauungen ĂŒber den Kreislauf des Daseins vertraut zu machen.

In der Radnabe sieht man ein Schwein, eine Schlange und einen Hahn als Symbole fĂŒr Unwissenheit, Haß und Stolz, die "Drei Grundgifte", welche die Ursache des Geburtenkreislaufes bilden. Solange das Bewußtsein von ihnen beherrscht wird, nimmt es wegen des Durstes nach Existenz Wiedergeburten in einer der sechs, innerhalb der Radspeichen sichtbaren Wiedergeburtswelten an. Im Nabenkranz sind die beiden Wege heilvoller und unheilvoller Taten dargestellt: Der "Weiße Weg" als langsamer, kontinuierlicher Aufstieg zum Heil, sowie der "Schwarze Weg" frevelhafter Taten, auf dem DĂ€monen den Lebewesen Schlingen um den Hals legen und sie in die Tiefe der niederen Gefilde zerren.

Die unteren Bereiche sind die von besonders schweren und langfristigen Arten des Leidens gekennzeichneten "Niederen Daseinsbereiche", in denen Höllenwesen, Hungergeister und Tiere ihr Dasein fristen. Die UnglĂŒcklichen leben dort in eiskalten und brennendheißen Höllen, werden immer wieder zerstĂŒckelt, von Speeren durchbohrt, mit HĂ€mmern gemartert und bei lebendigem Leibe in Töpfen gekocht.

In den oberen Bereichen existieren die Menschen, Halbgötter und Götter. Die Menschen, die durch ihren Intellekt die idealen Voraussetzungen hÀtten, Befreiung zu erlangen, frönen in der Mehrzahl dem Egoismus, anstatt sich der Lehre des Buddha hinzugeben.

Die von Neid und Ehrgeiz besessenen Halbgötter liegen stÀndig mit den Göttern in Streit, erringen such Teilerfolge, werden jedoch stets sobald sie in den Himmel der Götter gelangen wieder geschlagen.

Die Götter fĂŒhren je höher angesiedelt ein umso ĂŒppigeres Leben, frei von Sorgen und Krankheiten. Sie unterliegen jedoch der Illusion, ihr himmlischer Zustand dauere fĂŒr alle Ewigkeit an. Sobald ihr Tod naht, haben sie eine schreckliche Vision vom Ende ihrer Existenz.

HĂ€ufig werden in diesen sechs Daseinsbereichen die Gegenmittel zur Aufhebung des leidvollen Daseins bereit gehalten. So erscheint ein Bodhisattva in der Götterwelt mit einer Laute, um die Lebewesen durch den ausklingenden Ton an die VergĂ€nglichkeit ihres Daseins zu erinnern, bei den Halbgöttern mit einem Schwert als Symbol der Sittlichkeit, bei den Menschen mit einer Almosenschale als Symbol fĂŒr einen schwierigen Weg der Erkenntnis, bei den Tieren mit einem Buch als Symbol der Weisheit, bei den Hungergeistern mit einer Vase mit dem ewigen Lebenswasser als Symbol der Stillung aller Begierde und in der Hölle mit einem Spiegel als Symbol fĂŒr die Aufhebung der Leidenschaft durch die Erkenntnis der wahren Natur der Dinge.

Im Radkranz befindet sich schließlich die Darstellung der "Zwölffachen Kausalkette", welche zeigt, dass Entstehung und PrĂ€gung des Bewußtseins einem kausalen AbhĂ€ngigkeitsverhĂ€ltnis unterliegen.

Geboren wird dieses Rad aus dem Schoße einer DĂ€monin. Ein oberhalb abgebildeter Buddha weist den Weg zur Befreiung aus einem von Unwissenheit und Leidenschaften geprĂ€gten Daseinskreislauf.

Das Tibetische Totenbuch


Dieses Buch zĂ€hlt wegen seiner zahlreichen Übersetzungen zu den bekanntesten Zeugnissen der tibetischen Literatur. Es belehrt ĂŒber die Erfahrungen, die der Mensch im Bardo macht, dem Zwischenbereich zwischen Tod und Annahme einer neuen Existenz. Der Bardo ist gleichermaßen ein Reich des Schreckens, wie die beste Chance zur Befreiung. Aufgabe des Menschen ist es, seine karmisch bedingten Illusionen zu durchschauen und den Bardo als die Pforte zur Befreiung zu begreifen. Das Tibetische Totenbuch, dessen Originaltitel wörtlich ĂŒbersetzt "Die Befreiung durch Zuhören im Zwischenzustand" lautet, wird ebenso von den Lamas als ein FĂŒhrer fĂŒr das Leben verstanden.

Die volkstĂŒmliche religiöse Praxis


Auf unzĂ€hligen, sogenannten "Mani - Steinen" in Tibet ist die Inschrift "Om mani padme hum" eingemeißelt. Hunderttausende Tibetern setzen tĂ€glich GebetsmĂŒhlen in Bewegung und murmeln dabei diese Gebetsformel, die soviel heißt, wie "Gesegnet seien Sprache, Körper und Seele durch das Juwel der LotusblĂŒte".

Das Gebet "Om mani padme hum" sammelt die geistigen KrÀfte und konzentriert sie auf den richtigen Weg. Wesentlich dabei ist, den Geist auf die Bedeutung des Mitleids zu lenken. Die Schwingungsresonanzen dieser Mantra[18] sollen Mitleid in den Herzen der GlÀubigen wecken. Die sakrale Kunst Tibets, also Wandmalereien, Statuen und Thangkas[19], hat den alleinigen Zweck, als Meditationshilfe und Inspiration zu tieferer Einsicht zu dienen.

Die Mythen der Götter und Heiliger Tibets sind nicht Leidensgeschichten wie diejenigen vieler christlichen Heiliger, sondern viel mehr ErzĂ€hlungen großer Lehrer, die durch ihre Verdienste die Erleuchtung erlangt haben. Jedoch darauf verzichteten, ins Nirvana einzugehen, um den Menschen zu helfen und diesen auf ihrem Weg zur Vervollkommnung zu unterstĂŒtzen. Um ihre sterblichen Überreste zu verehren, sind prunkvolle Schreine aus Silber und Gold, verziert mit kostbaren Steinen, in den Klöstern und Tempeln errichtet worden.

Da ein Großteil der gebildeten Mönche von den Chinesen umgebracht wurde, ist in Tibet der Standard der religiösen Kenntnisse nicht mehr so hoch wie frĂŒher. Das religiöse Wissen wird jedoch insbesondere in Indien mit dem Zentrum in Dharamsala von den Tibetern bewahrt.

Die vier wichtigsten Orden des tibetischen Buddhismus sind:
Der Gelugpa - Orden, auch Orden der GelbmĂŒtzen
Der Sakya -, KagyĂŒ -, und der Nyingma - Orden, auch Orden der RotmĂŒtzen
Die Klassifizierung der Orden ist jedoch nicht ganz richtig. Die unterschiede sind komplexer und nicht wirklich eine Frage der Farbe der Kopfbedeckung. Der Nyingma - Orden vertritt die Ă€lteste Schule des tibetischen Buddhismus, die sich auf die alten Übersetzungen buddhistischer Texte seit dem 7. Jh. stĂŒtzt. Die anderen drei Orden basieren auf neuen Übersetzungen, die seit dem 11. Jh. entstanden sind.

Die volle Ausbildung der Mönche in den theologischen und philosophischen FÀchern an den Gelugpa - UniversitÀten dauert etwa 15 - 20 Jahre. Der Absolvent erhÀlt mit dem Titel "Geshe" eine Art Doktortitel. Erst dann sind ihm tantrische Studien und Praktiken erlaubt.

Anders ist die Ausbildung der weiteren drei Orden. Hier beginnen die Mönche schon frĂŒher tantrische Praktiken und eignen sich dazu erforderliche Kenntnisse der Meditation und des Yoga an. Sie folgen dabei hĂ€ufig den Weg des Vajrayana, jedoch nicht fĂŒr sich selbst, sondern um der anderer willen. Es geht fĂŒr den GlĂ€ubigen darum, sich selbst als Gottheit vorzustellen, um schließlich Erleuchtung zu erlangen. Das klare Licht, das bei dieser Meditation sichtbar werden soll, kann normalerweise erst kurz nach dem klinischen Tod erkannt werden.

AugenfĂ€lligste Manifestationen dieser volksreligiösen Praktiken sind das Aufsagen von Mantras genannten Gebeten, wie "Om mani padme hum", und das dreimalige Niederwerfen vor Statuen Buddhas, wobei der Kopf den Boden berĂŒhrt. Gleichfalls wichtig sind das Umschreiten von Tempeln und Schreinen im Uhrzeigersinn und Opfergaben in den Tempeln, etwa flĂŒssige Butter oder Milch, fĂŒr die Öllampen, die in den Tempeln brennen.

Im Drehen von GebetsmĂŒhlen wird eine Einstimmung des Geistes auf die Rezitation der Mantras gesehen. Es gilt als eine Handlung, durch die sich der GlĂ€ubige Verdienste erwirbt.

Das Gebet


Das Gebet hat im Buddhismus eine vom Christentum recht verschiedene Bedeutung. Gebete im buddhistischen Sinn sind nicht Bitten an eine außer uns stehende Macht, zur Erlangung persönlicher Vorteile, sondern ein Aufrufen der in uns wohnenden KrĂ€fte, und dies kann nur dann erfolgreich sein, wenn wir frei sind von egoistischen WĂŒnschen. Mit anderen Worten: Der Buddhist setzt seine Hoffnung nicht auf die Macht der Götter, sondern er glaubt an die Macht der rechten Absichten und Motive, die Reinheit des Herzens.

Im tibetischen Buddhismus werden dazu Mantras rezitiert oder in Stein gehauen, GebetsmĂŒhlen in Bewegung gesetzt und Gebetsfahnen ĂŒber HĂ€user und Tempeln, auf BĂ€umen und auf Berggipfeln aufgehĂ€ngt. Gebetszettel werden in den Wind oder in BĂ€che geworfen. Dies alles soll dem Wunsch nach Ausbreitung der Lehre und das damit verbundene GlĂŒck fĂŒr alle Lebewesen ausdrĂŒcken.

Tibetisch - buddhistische GlĂŒckssymbole


In der Buddha - Legende heißt es, die acht GlĂŒckssymbole seien dem Buddha nach seiner Erleuchtung als Sinnbilder der QualitĂ€ten seiner Lehre ĂŒberreicht worden. Zu finden sind sie auf AltĂ€ren als Opfergaben fĂŒr die Buddhas sowie in allen Bereichen des tĂ€glichen Lebens der Tibeter.

1. Der Schirm

Dies ist ein Symbol des Schutzes, den die Lehre des Buddha gewÀhrt.

2. Die Kalasha (Vase)

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Sie symbolisiert das ewige Leben, das der Nektar dieser Lehre spendet, durch eine Vase, die das Lebenswasser beinhaltet.

3. Zwei Fische

Sie dienen als Symbol der FĂ€higkeit, mit dieser Lehre den Ozean der Wiedergeburten zu durchschwimmen.

4. Das rechtsdrehende weiße Muschelhorn

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Es dient als Symbol fĂŒr den Ruhm der Lehre Buddha. Mit ihm verhĂ€lt es sich Ă€hnlich wie mit dem vierblĂ€ttrigen Kleeblatt: Es findet sich sehr selten - normalerweise dreht es sich nach links - und bringt deshalb GlĂŒck. In die MuschelgehĂ€use wird wĂ€hrend religiöser Rituale wie in ein Horn geblasen. Der dabei entstehende Ton verkĂŒndet den Ruhm der Lehre des Buddha. Zugleich erinnert das Muschelhorn an das menschliche Ohr und kann auch das Gehör symbolisieren und als Ziechen dafĂŒr dienen, dass die Lehre gehört wird.

5. Der Lotos

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Dies ist das Symbol der geistigen Klarheit und Unbeflecktheit der Lehre.

6. Das Siegesbanner

Es symbolisiert den Sieg der Lehre ĂŒber alle Verdunkelungen.

7. Der glorreiche Knoten

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Er ist oft auf Geschenken oder GlĂŒckwunschkarten zu finden. Er hat weder Anfang noch Ende, symbolisiert also Ewigkeit und Unendlichkeit. So steht er fĂŒr die unendliche Liebe und Harmonie, fĂŒr das unendliche GlĂŒck und die unermeßliche Kraft, die aus der Erkenntnis und der Lehre Buddha hervorgehen können. Aber er steht auch als Symbol fĂŒr die Möglichkeit, mit Hilfe der Lehre des Buddha karmische Verstrickungen zu lösen. Der gelöste Knoten, der das Ziel symbolisiert, wird hĂ€ufig lose im Knoten hĂ€ngend dargestellt.

8. Das Dharmarad

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Es ist das Rad der Lehre oder des Gesetzes. Das Dharmarad ist ein wesentliches Symbol des Buddhismus. Die Kreisform symbolisiert die VollstĂ€ndigkeit und Vollkommenheit der von Buddha ausgehenden Lehre. Die acht Speichen des Rades stehen fĂŒr den "Achtfachen Pfad", die acht Elemente des Weges zum Heil. Das Rad der Lehre erinnert die Glaubenden immer wieder an diesen Pfad. Diejenigen, die ihn beschreiten, halten dieses Rad, das ursprĂŒnglich von Buddha in gang gesetzt wurde, in der Welt in Bewegung.

Mandala

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Mandala heißt wörtlich ĂŒbersetzt "Kreis" und ist ein universelles Symbol der Menschheit, das seit jeher zur Heilung, Meditation und Selbstbesinnung genutzt wurde. Die Kreisform lenkt automatisch die Konzentration auf die Mitte und ist somit eine gute Übung zur Meditation. In neuerer Zeit hat sich Psychoanalytiker C.G. Jung intensiv mit den Mandalas befaßt. Er meinte, dass sie eine wertvolle Hilfe beim persönlichen Reifungsprozeß sein können und deutet ihre Strukturen als einen Ausdruck der Seele, die Menschen verschiedener Kulturen erleben lassen, dass es eine Mitte gibt, dass man sich nicht verliert, sondern im Dasein geborgen sein kann.

Betrachtet man ein Mandala, wird man intuitiv der ihm innewohnenden Ruhe und Harmonie gewahr. Die Ausgewogenheit in Farbe und Form, die Geschlossenheit im Aufbau, die harmonisch miteinander verwebten Elemente und die innere Ordnung lasen seine Bezeichnung als "magischer Kreis" leicht verstÀndlich werden.

FĂŒr den Buddhisten stellt ein Mandala den Daseinsbereich einer Gottheit dar, der in vielem mit dem Palast und dem Gefolge eines Herrschers vergleichbar ist. Im Zentrum thront die Hauptgottheit, umgeben von vier Nebengottheiten. In den GĂ€rten und ĂŒber den TordĂ€chern befinden sich die GlĂŒckssymbole. TorwĂ€chter schĂŒtzen die EingĂ€nge. Die den Palast umfassenden Kreise stellen SphĂ€ren der Reinigung von Körper (Flammenkreis), Wort (Vajra - Mauer) und Geist (LotusblĂŒtenkranz) dar, die der Meditierende zuerst zu durchschreiten hat, bevor er in den Palast einzutreten vermag.

Bekannt geworden sind die Mandalas vor allem in Form von zweidimensionalen Darstellungen auf den tibetischen Thangkas. Die in den Klöstern bisweilen zu sehenden plastischen Mandalas vermitteln jedoch einen besseren Eindruck von der dreidimensionalen RĂ€umlichkeit, die der Konzeption der Mandalas zugrunde liegt. Mit farbigen Pulver werden diese vergĂ€nglichen Kunstwerke in wochenlanger Arbeit fĂŒr einen besonders religiösen Anlass angefertigt.

Kunst und Kunsthandwerk


Die Ă€ltesten Zeugnisse tibetischer Kunst gehen in die vorbuddhistische Epoche zurĂŒck. Ausgrabungen und Höhlenforschungen förderten einerseits GebrauchsgegenstĂ€nde, wie Tontöpfe, Speerspitzen und Messer, zutage, andererseits magische Amulette, die als Grabbeigaben Verwendung fanden. Es fanden spĂ€ter auch die chinesische und die indisch - nepalesische Kunst Einzug in Tibet.

Die tibetische Kunst war eine auftragsgebundene Kunst, sie wurde meist von Laien ausgefĂŒhrt und sie richteten ihre Arbeiten an den WĂŒnschen der Auftraggeber aus.

Tibetische Plastiken


Aus Lehm oder Ton

Sie werden in der Regel aus Lehm, Ton oder verschiedenen Metallegierungen hergestellt, seltener aus Stein oder Holz. Schon aus KostengrĂŒnden ist die Mehrzahl der großen Statuen aus einem Lehm - oder Tongemisch gefertigt, das auf einen Holzkern als Basis aufgetragen wird. Ist die Statue trocken, wird sie poliert und farbenprĂ€chtig bemalt.

Aus Metall

Diese Plastiken bestehen meist aus Messing, Kupfer oder Bronze hergestellt, seltener aus Silber oder Gold. Sie werden in mehreren Teilen gefertigt. Die traditionelle Methode des Metallgusses bildet das aufwendige Verfahren der verlorenen Form. Über einen Lehmkern modelliert der Meister eine Wachsschicht in Form der gewĂŒnschten Statue, auf die eine zweite Lehmschicht als Mantel aufgetragen wird. Danach schmilzt man das Wachs hinaus und fĂŒllt den Hohlraum mit flĂŒssiger Bronze. Am Schluß wird der trockene Lehmmantel abgeschlagen und die Metallschicht wird noch aufwendig bearbeitet. Vielarmige Gottheiten und grĂ¶ĂŸere Statuen werden hĂ€ufig nach diesem Verfahren angefertigt.

Thangkas


Neben den Plastiken bilden diese Bilder die bekanntesten Zeugnisse der tibetischen Kunst. Traditionell werden auf die Leinwand zunĂ€chst mit Bleistift die Bildachsen eingezeichnet und die Raster der Gottheiten entworfen. Danach malt ein SchĂŒler die einzelnen Partien aus und zum Abschluß ĂŒbernimmt der Meister die Feinarbeit. Nach der Vollendung faßt man die Leinwand in Brokat ein. Die Malerei selbst umrahmen zwei rote und gelbe Brokatstreifen, die als Regenbogen bezeichnet werden.. ein dĂŒnner Seidenschleier schĂŒtzt das Thangka.

Tibetische BĂŒcher


Sie bestehen aus ungebundenen BlĂ€ttern, deren breite zur LĂ€nge im VerhĂ€ltnis von etwa 3 : 1 steht. Nach Gebrauch faßt der Leser die BlĂ€tter zwischen zwei hölzerne Buchdeckel ein und umwickelt alles mit einem Tuch aus Baumwolle, Seide oder Brokat. Hergestellt wurden die BĂŒcher im sogenannten Blockdruckverfahren mit Druckstöcken, in die der Text spiegelverkehrt eingeschnitzt war. Als DruckschwĂ€rze diente aus Birkenholz gewonnene Tusche. Papier produzierten die Mönche im sogenannten Eingießverfahren. Dabei wurde der Faserbrei in einem mit einem Baumwolltuch bespannten Rahmen gegossen und zum Trocknen gelegt.

Schmuck


Tibeter, gleich ob MĂ€nner oder Frauen, lieben Schmuck ĂŒber alles und dokumentieren damit ihren Reichtum und ihre soziale Stellung. Als ein unĂŒbersehbares Zeichen des Wohlstandes sind goldene EckzĂ€hne sehr beliebt. Ein großer Teil des Schmucks besitzt aber neben der Schönheit auch eine praktische, religiöse oder heilende Funktion. So werden Steinfeuerzeuge, ManikĂŒre - Sets, KĂ€mme oder BehĂ€lter fĂŒr Schreibfedern - aus kostbaren Materialien gefertigt - hĂ€ufig am GĂŒrtel getragen. Amulette und ReliquienbehĂ€lter dienen als Brustschmuck und besonders Steinen werden heilkrĂ€ftige Wirkungen beigemessen.

Der schon traditionell vorwiegend an besonderen Festtagen getragenen Kopfschmuck der Frauen ist heute nur noch selten. Er bestand aus einem ins Haar gebundenen, mit Perlen und Korallen besetzten, HolzstĂŒck, das je nach Landessitte verschiedene Formen besaß. (Bild) Zeichen verheirateter Frauen ist neben ihrer gestreiften SchĂŒrze eine am Hinterkopf im Haar befestigte TĂŒrkisbrosche. MĂ€nner trugen am GĂŒrtel Messer oder Schwerter mit verzierten Griffen und Scheiden. Wenngleich die AmulettbĂ€nder wegen ihrer kunstvollen Fertigung von Tibetern auch als SchmuckstĂŒcke getragen wurden, stellen sie eigentlich magische Schutzobjekte dar, die ihren EigentĂŒmer vor allen Arten von Unheil bewahren soll.

Einzigartig und in ihrem Wert nahezu unermeßlich sind fĂŒr die Tibeter jedoch die Zi - Steine. Diese Steine sind vermutlich gefĂ€rbte oder geĂ€tzte Karneole, ĂŒber deren Herkunft bislang nur wenig bekannt ist. Bei den Zi - Steinen handelt es sich um Grabbeigaben von Menschen aus prĂ€historischer Zeit. Weit verbreitet sind ErzĂ€hlungen, dass die Zi einmal eine Art von WĂŒrmern waren, die, wenn man sie erblickte und schnell seinen Hut ĂŒber sie warf, sich zu Tode erschreckten und versteinerten. Andere Überlieferungen erklĂ€rten sie zu Schmucksteinen der Götter, die auserwĂ€hlten GlĂ€ubigen zuteil wurden oder sie einfach zur Erde warfen, wenn sie beschĂ€digt waren.

Feste und Feiern


Im eigenartigen Widerspruch zur weltabgewandten Philosophie des Buddhismus steht die lebensbejahende Einstellung der Tibeter, die sich vielleicht am besten bei den zahlreichen Festen offenbart. Abgehalten werden diese Feste an den traditionellen, seit Jahrhunderten gepflegten Daten. Diese beruhen auf dem im Jahre 1027 eingefĂŒhrten Kalender, der das Jahr in 12 Monate Ă  30 Tage aufteilt und alle fĂŒnf bis sechs Jahre ein Schaltjahr einfĂŒgt. Die hier vorgestellten Fettagsdaten, wobei ich mich nur auf die bekanntesten beschrĂ€nkt habe, werden mit ihrem Datum nach dem europĂ€ischen Kalender skizziert. Wenn Sie bestimmte Feiertage auf Ihrer Reise erleben möchten, erkundigen Sie sich bitte unbedingt bei den tibetischen Reiseorganisationen ĂŒber genauere Informationen ĂŒber die Daten der Feste.

Neujahr (losar), etwa Februar - MĂ€rz


Dieses Fest wird in ganz Tibet zur Erinnerung an den Sieg des Buddhismus ĂŒber den Unglauben gefeiert. Gleichzeitig findet das FrĂŒhlingsfest statt, es ist das grĂ¶ĂŸte Fest in Tibet. In alten Zeiten, wenn der Pfirsichbaum zu blĂŒhen begann, war dies das Zeichen fĂŒr ein neues Jahr. Seit der EinfĂŒhrung des tibetischen Kalenders wurde dieser Tag Neujahr. Die Bevölkerung feiert es mit tibetischen Opern, Pferderennen und Bogenschießen. Die HĂ€user werden gereinigt, GlĂŒckssymbole an die KĂŒchenwĂ€nde gemalt und die Gebetsfahnen werden erneuert.

Großes Gebet fĂŒr den Frieden (Monlam), 4. - 25. JĂ€nner


Es wird von 4. Bis zum 25. Tag des ersten Monats in einem speziellem Tempel abgehalten. Zum Abschluß gab es sportliche WettkĂ€mpfe und Reiterspiele auf einer Wiese außerhalb von Lhasa.

Lichterfest


Bei diesem Fest werden alle Klöster und HĂ€user mit Butterlampen als Opfer fĂŒr die Götter beleuchtet, dieser Zeremonie wohnt der Dalai Lama bei.

Saga Dawa, etwa Mai/Juni


Dieses ist das heiligste Fest in Tibet, es wird die Geburt, die Erleuchtung und der Tod des Buddha gefeiert. HÀuser und Klöster werden erleuchtet, gefangene Tiere werden freigelassen. Die ganze Bevölkerung Lhasas versammelt sich um die Stadt und verbringt den Nachmittag gemeinsam bei einem Picnic in einem Park in der NÀhe des Potala - Palastes.

Gartenfest (Lingkha), etwa Juni/Juli


Bei diesem Fest genießen die Tibeter in ihrer besten Kleidung die traditionelle tibetische KĂŒche in Parks und Hainen in der Umgebung.

Das Pilgerfest, etwa Juli


Dieses Fest ist speziell dem rituellen Besuch heiliger StÀtten gewidmet und wird nachmittags mit Feiern, Picknicks und VolkstÀnzen fortgesetzt.

Wettkampfspiele (Damag), etwa August


Pferderennen, Ringen, Steinheben und Bogenschießen sind die vier populĂ€ren Wettkampfspiele Tibets, die in den Sommermonaten in fast allen Regionen an unterschiedlichen Tagen stattfinden.

Lhamo - Opern


Abgehalten werden die berĂŒhmten tibetischen Opern, den lokalen Traditionen entsprechend, an unterschiedlichen Orten zu unterschiedlichen Zeiten. Ziel dieser Opern ist es, dem Volk heilsgeschichtliche Geschehnisse der indischen und tibetischen Mythologie in Form von Gesangsdarbietungen nahezubringen.

Das Joghurtfest (Zhotön), etwa Ende August


Dieses Fest ist ursprĂŒnglich ein rein religiöses Fest, das traditionell dem Anschluß langer Perioden meditativer ZurĂŒckziehung diente. SpĂ€ter stehen TheaterauffĂŒhrungen tibetischer Opern im Mittelpunkt dieses Festes.

Feldsegnung


AngefĂŒhrt von einem Mönch tragen die Menschen Weihrauch, religiöse Symbole und heilige Schriften mit sich auf das Feld. Mit diesem Ritual will man eine ertragreiche Ernte erzielen.

Zeremonienspiele (Cham)


Zahlreiche Klöster Tibets besitzen die Tradition des Cham, die im Kern stets der Vernichtung des Bösen dienen.

Tanz und Musik hÀngt in Tibet eng mit der Religion zusammen. Im Laufe der rituellen Zeremonien dienen Jagdhörner und Trommeln dazu, die DÀmonen fernzuhalten, sowie die Aufmerksamkeit der Götter auf sich zu ziehen.

Die beeindruckendsten Instrumente sind die lange Trompete (Dungchen), das bis zu 5 m lang ist und das Muschelhorn. Sie rufen die Mönche zum Gebet und begleiten die Trommeln und die Gongs im Laufe der Zeremonie. Ihr tiefer, seltsamer Klang soll an das heilige Vibrieren erinnern, mit welchem nach tibetisch - buddhistischer Vorstellung das Weltall entstand. Das kurze Horn, aus einem menschlichen Schenkelknochen gemacht, soll die verÀrgerten Götter und DÀmonen beruhigen.

In manchen Jahreszeiten schmĂŒcken sich die Mönche mit reichen KostĂŒmen und großen Masken aus Holz und PapiermacheĂš. Sie tanzen auf dem Hof der Klöster zu Ehren Buddhas und anderer Heiliger.

Die KulturdenkmÀler


Mit ihrer Ansiedlungen in den FlußtĂ€lern ließen sich die Tibeter, vor allem im Winter, zunĂ€chst in Höhlen nieder. SpĂ€ter bauten sie HĂ€user mit flachen DĂ€chern. Könige und mĂ€chtige Adelsfamilien errichteten sich große, mehrgeschossige Festungen, die VorlĂ€ufer der heutigen Dzongs[20]. Abgesehen vom Dzong von Gyantse sieht man heute nur noch auf manchen Bergspitzen ein paar Mauerreste.

Die HĂ€user des wohlhabenden BĂŒrgertums sind zumeist zwei - bis dreigeschossig. Einen Kontrast zu ihren weißen Fassaden bilden die farbig bemalten, mit ZiervorhĂ€ngen geschmĂŒckten Fenster. ReisigbĂŒschchen mit weißen oder bunten FĂ€hnchen, die mit magischen Formeln bedruckt sind, dienen als Schutz vor geistern, DĂ€monen und anderen unheilvollen MĂ€chten.

Lamaistische Sakralbauten


Die Erbauungsgeschichte lamaistischer HeiligtĂŒmer beginnt im 7. Jh. mit der Errichtung von 13 Tempeln in allen Gegenden des Landes. Diese Tempel erfĂŒllten den Zweck, eine sich ĂŒber ganz Tibet ausbreitende DĂ€monin mit Pflöcken an allen Gliedmaßen zu befestigen und so unschĂ€dlich zu machen.

Diese ersten buddhistischen KulturstĂ€tten Tibets, die ursprĂŒnglich nur aus einem einzigen Raum bestanden, waren GebetsrĂ€ume fĂŒr den damals erst frisch entstandenen Buddhismus.

Gönpa, der tibetische Begriff fĂŒr Kloster, bedeutet "abgelegener Ort". Standorte, an denen neue Klöster gegrĂŒndet werden sollten, wurden auf ihre Eignung strengstens geprĂŒft. Grundvoraussetzungen fĂŒr die Standortbestimmung waren BĂ€che oder FlĂŒsse zur Wasserversorgung sowie GelĂ€ndeformationen, wie kleinere Plateaus an BerghĂ€ngen, welche die Errichtung erst möglich machten. Danach wurden die positiven und negativen EinflĂŒsse des Ortes untersucht, es wurde auch ĂŒberprĂŒft, ob die dort lebenden Geister mit der Erbauung eines Klosters zufrieden waren.

Die ökonomische FĂŒhrung oblag Verwalter, teils Mönchen, teils Laien, welche die Klöster nach streng wirtschaftlichen Prinzipien fĂŒhrten. Wenn die Verwalter das fĂŒr seine Arbeitsperiode festgesetzte Soll nicht erreichen konnte, musste er die Differenz aus seiner eigenen Taschen zahlen. Andernfalls, wenn er einen Überschuß erzielt hatte, stand ihm der Gewinn zu. Verantwortlich war der Verwalter auch fĂŒr den Einkauf der Nahrungsmittel. FĂŒr zeremonielle Begehungen wurden festgelegte GebĂŒhren erhoben. Neben den EinkĂŒnften aus Handel und Bewirtschaftung der LĂ€ndereien bildeten Spenden einen wesentlichen Anteil des Klostereinkommens.

Der architektonische Aufbau der Klöster


UrsprĂŒnglich entwickelten sich manche heilige Orte zu wahren KlosterstĂ€dten, in denen mehrere tausend Mönche lebten. Zumeist nach SĂŒden ausgerichtet und oft an GebirgshĂ€ngen gelegen, so dass sie in unsicheren Zeiten auch als Schutzburgen fungieren konnten, waren die Klöster in der Regel von einer hohen Mauer eingefaßt. WĂ€hrend die kultischen Zwecken dienenden, zentralen GebĂ€ude oft nach symmetrischen Prinzipien konstruiert wurden, lassen sich in der Gestaltung des Klosteraufbaus keine ĂŒbergeordneten Anlageprinzipien erkennen. ZurĂŒckzufĂŒhren ist dies einerseits auf die unterschiedlichen topographischen Gegebenheiten, andererseits auf die ĂŒber Jahrhunderte durchgefĂŒhrte Erweiterung der Anlagen und die gelegentliche Umgestaltung einzelner GebĂ€ude.

Zahlreiche Klöster, die ab dem 11. Jh. entstanden sind, lagen dem symbolischen Aufbau eines Mandala zugrunde. Doch nahezu alle fielen wĂ€hrend der Kulturrevolution in Schutt und Asche. In jĂŒngerer Zeit entstanden die lamaistischen Sakralbauten zumeist als terrassiert ansteigende Kuturanlagen, welche die GlĂ€ubiger ĂŒber einen oder mehrere Vorhöfe, die Vorhalle und durch den Versammlungsraum zum Heiligtum fĂŒhrten. (Bild)

Erbaut werden die sakralen GebĂ€ude der Klöster ĂŒblicherweise aus Bruchstein. Die leicht nach innen geneigten, dicken Mauern sind weiß, das Grundgeschoß ist meist fensterlos. In den oberen Bereichen befinden sich ĂŒberdachte, hĂ€ufig mit drapierten VorhĂ€ngen verzierte Fenster, die von schwarzen Fensterlaibungen eingefaßt werden. Zum Innenhof hin liegen offene Galerien, von denen die auf dem Klosterhof stattfindenden Zeremonienspiele gut zu ĂŒberblicken sind. Eine breite, rot eingefĂ€rbte Attika bildet das unverkennbare Merkmal aller SakralgebĂ€ude.

Das Zentrum tibetischer Klöster bildet der Versammlungsraum, in den sich die Mönche anlĂ€ĂŸlich der tĂ€glichen gemeinsamen ZusammenkĂŒnfte und zur Begehung religiöser Festlichkeiten treffen. In der offenen Vorhalle dieses Raumes findet man gewöhnlich die Vier WeltenhĂŒter und didaktische Darstellungen wie das Rad der Existenzen, kosmologische Schaubilder oder Vorschriften fĂŒr ein angemessenes verhalten der Mönche. An der Eingangswand zeigen Malereien die Dharmapalas, das sind schreckenerregende Gottheiten, die als Schutzgottheiten auf der untersten Stufe in das Pantheon eingegliedert wurden, um die Lehre, die GlĂ€ubigen und die sakralen StĂ€tten vor Unheil zu schĂŒtzen. An den SeitenwĂ€nden findet man oft Schriften oder die Darstellungen der Zwölf Taten des Buddha. GegenĂŒber des Haupteinganges befinden sich gewöhnlich ein bis drei Sanktuarien[21] von hĂ€ufig doppelter Stockwerkhöhe, die - durch TĂŒren verbunden - im Uhrzeigersinn begangen werden können und die bedeutendsten Verehrungsobjekte des Klosters beherbergen. Spezielle GĂ€nge ermöglichen dem GlĂ€ubigen die rituelle Umrundung einzelner Objekte oder des ganzen Sanktuariums. Gekrönt werden diese HeiligtĂŒmer in großen Klöstern nicht selten von prachtvollen, chinesisch inspirierten DĂ€chern.

In der NĂ€he des Versammlungsraumes liegt stets die KlosterkĂŒche, die den Mönchen bei den oft mehrtĂ€gigen, rituellen Begehungen mit Speisen versorgt. Im obersten Klostergeschoß oder in höheren Lagen des Berghanges befindet sich hĂ€ufig die Residenz des Abtes. Den grĂ¶ĂŸten Teil des Klosters machten frĂŒher die Mönchsbehausungen aus. Die einzelnen Behausungen, in denen die Mönche allein oder zu zwei bis vier Personen in einem Raum lebten, bildeten Teile der sogenannten Khangtsen. Das waren mehr oder weniger wirtschaftlich autonome Einheiten innerhalb der Klöster, die den verschiedenen FakultĂ€ten angegliedert waren und in denen Mönche entsprechend ihrer regionalen Herkunft untergebracht waren. Dass Mönche aus verschiedenen Teilen Tibets oder aus anderen LĂ€ndern wie Ladakh oder der Mongolei in der Gemeinschaft ihrer Landsleute sein wollten, diente auch der Bewahrung regionaler Sitten und GebrĂ€uche.

Die Objekte der Verehrung


Die StĂŒtzen des Glaubens

Der Buddha als das Prinzip der Erleuchtung offenbart sich den Lebewesen nach Vajrayana - Vorstellungen in drei grundsĂ€tzlich verschiedenen Aspekten, die als Körper, Wort und Geist des Buddha bezeichnet werden. Als Symbole des Körpers werden alle Statuen von Buddhas, Gottheiten und Heiligen angesehen, als Symbole des Wortes gelten alle heiligen Schriften, und als Symbole des Geistes betrachten die GlĂ€ubigen sĂ€mtliche Stupas. Die kultische Verehrung dieser StĂŒtzen bildet ein bedeutendes Mittel zur Heilserlangung, das auch einfachen Menschen offensteht.

Stupas

Als Symbole des lamaistischen Kulturbereiches begegnet man ĂŒberall in Tibet den Stupas. In den Klöstern dienen sie als ReliquienbehĂ€lter verstorbener Heiliger, am Rande von Orten, die ĂŒber keine Klosteranlage verfĂŒgen, las Verehrungsobjekte, durch deren rituelle Umwandlung sich die GlĂ€ubigen in den Geist ihrer Religion versenken, auf Paßhöhen als Wegemarkierung sowie als Symbole fĂŒr GlĂŒck und Heil.

Die Symbolik des Stupa ist komplex und verwirrend. Im Kern bildet er gleichermaßen ein Abbild des Universums, des Menschen und seines Weges zur Erleuchtung. FĂŒr den Betrachter unsichtbar verbirgt sich in seiner Mittelachse ein sogenanntes "Lebensholz". Unter kosmologischen Gesichtspunkten gilt es als die Entsprechung des Weltenbaumes. Dieses Lebensholz verbindet Erde und Himmel, die im Fundament und in der gewölbten Kuppel des Stupa zum Ausdruck kommen.
(Bild)
In der Stupasymbolik steht das Fundament fĂŒr die Praxis der "Zehn Heilvollen Taten" als die ethnische Grundlage des Weges. Die darĂŒberliegenden vier Stufen symbolisieren die "Vier Achtsamkeiten", die "Vier Unterlassungen unheilvoller Taten", die "Vier Konzentrationen zur Erlangung ĂŒbersinnlicher KrĂ€fte" und die "FĂŒnf Ausstattungen heilvoller Macht". Die Bumpa, die Kuppel oder Wölbung des Stupa, verweist auf die "Sieben Glieder der Erleuchtung", das darĂŒberliegende Dre auf den edlen "Achtfachen Pfad". Die darĂŒberliegenden Elemente stehen fĂŒr den Geist des Buddha: Die 13 Dharma - Ringe stellen die QualitĂ€ten des Buddha dar, der Schirm sein großes MitgefĂŒhl. Sonne und Mond versinnbildlichen die PolaritĂ€ten. Auf der Spitze erscheint der sogenannte Bindhu, er steht fĂŒr die Vereinigung der PolaritĂ€ten und weist auf die Befreiung als Resultat der Vereinigung dieser GegensĂ€tze hin.

ErnÀhrung


Gerste, die auf dem kargen Boden in Tibet am besten gedeihen kann, entwickelte sich zum Grundnahrungsmittel im Himalaja. Die Hauptmahlzeit in Tibet ist Tsampa, ein wohlriechendes, eßfertiges, geröstetes Gerstenmehl, das mit Buttertee zu Teig angerĂŒhrt und so gegessen wird. Auch Bier oder Milch kann man zum AnrĂŒhren verwenden, denn Tsampa kann man sĂŒĂŸ oder salzig genießen. Die Tibeter sind sehr erfinderisch in der Zubereitung ihrer Speisen.

Jedem Reisenden, der die eingetretenen Touristenpfade verlĂ€sst, begegnet auf Schritt und Tritt der Buttertee. Er ist das NationalgetrĂ€nk Tibets und wird tĂ€glich bis zu sechzig mal getrunken. Der fĂŒr den europĂ€ischen Gaumen fremdartiger Tee gibt den Tibetern die fĂŒr die Höhenlage unentbehrlichen Mineralien Dem europĂ€ischen Geschmack vertrauter ist das tibetische Bier, Chang, das ebenfalls aus Gerste gebraut wird. Es enthĂ€lt meist nur wenig Alkohol und erinnert eher an Most.

Neben diesen beiden Hauptnahrungsmitteln gibt es noch Reis, Buchweizen, Hirse, Mais, Kartoffeln, RĂŒben, Zwiebeln, Bohnen und Rettiche. Fleisch ist eine RaritĂ€t. Denn durch die streng glĂ€ubige Bevölkerung wird in Tibet nie ein Tier getötet. Fleisch kommt nur dann am Tisch, wenn BĂ€ren oder Panther ein Tier anfielen und von ihrer Beute etwas ĂŒbrig ließen.

Rezepte zum Nachkochen


Der Buttertee

Zutaten fĂŒr 4 Personen
4 Tassen Wasser
ÂŒ Tasse schwarze TeeblĂ€tter
œ Tasse Milch
3 TL Butter
Salz zum Abschmecken, gegebenenfalls Soda

Zubereitung
Die TeeblĂ€tter zusammen mit dem Wasser solange kochen, bis es eine dunkelbraune FĂ€rbung annimmt (etwa 5 bis 10 Minuten), abseihen und mit Milch, der Butter und dem Salz wĂŒrzen.

Momo (mit Fleisch gefĂŒllte Teigtaschen)

Zutaten fĂŒr 4 Personen
250 g Mehl
Âœ Teelöffel Salz
2 Eier und etwas Wasser
FĂŒllung
250 g Hackfleisch
Knoblauch und kleingeschnittene Zwiebeln
Ingwer, Pfeffer und Salz

Zubereitung
Mehl, Eier, Salz und Wasser zu einem festen Teig kneten und in einer Frischhaltefolie ruhen lassen. WĂ€hrenddessen die Zutaten der FĂŒllung mischen. Aus dem Teig etwa kirschgroße BĂ€llchen formen, dĂŒnn ausrollen, mit Fleisch belegen und die RĂ€nder zusammendrĂŒcken. 45 Minuten in wenig Wasser dĂŒnsten lassen. Heiß servieren.

[1] Urreligion Tibets, durch dĂ€monische und magische ZĂŒge gekennzeichnet
[2] FORSTER - LATSCH/RENZ, Tibet, Land°Religion°Politik, 99
[3] PRESSEAMT DES STAATSRATES DER VR CHINA, SouverÀnitÀtszugehörigkeit Tibets und seine Menschenrechtssituation, 16
[4] VAN WALT VAN PRAAG, The Status of Tibet, 149
[5] KELLY/BASTIAN, Tibet - ein vergewaltigtes Land, 97
[6] FORSTER - LATSCH/RENZ, Tibet, Land°Religion°Politik, 114
[7] VAN WALT VAN PRAAG, The Status of Tibet, History, Rights, and Prospects in Intern Law
[8] PRESSEAMT DES STAATSRATES DER VOLKSREPUBLIK CHINA; SouverÀnitÀtszugehörigkeit Tibets und dessen Menschenrechtssituation, 36
[9] meist die Belange der Außenbeziehungen und der Verteidigung
[10] PRESSEAMT DES STAATES DER VR CHINA, SouverÀnitÀtszugehörigkeit Tibets und dessen Menschenrechte, 37
[11] Craig, Mary, TrĂ€nen ĂŒber Tibet, Scherz Verlag, 1993, 35
[12] Braun, Martin, Opfer, Magier und Wunderheiler, Geo - Spezial Himalaja, Hg. V. Schreiber Hermann, Verlag Gruner & Jahr AG & CO, 1988, 122
[13] Wolfgang von Erffa, Das unbeugsame Tibet, Tradition - Religion - Politik, Edition Interfrom, 13
[14] bunte Fadenkreuze unterschiedlichster GrĂ¶ĂŸe
[15] indogermanische Sprache, Ausgangspunkt der Indogermanistik
[16] Regina Behrendt, Tibet Menschen und Menschenrechte, Verlag an der Ruhr 1997, 22
[17] siehe 11
[18] Gebetsformel
[19] Große Rollbilder mit religiösen Motiven
[20] "Festung" oder "Burg", zumeist an strategisch gĂŒnstigen Punkten errichtete Verwaltungssitze der tibetischen Distriktgouverneure
[21] Aufbewahrungsort von Reliquien

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