Ursprung der Azteken

Ursprung der Azteken

Im fr√ľhen 13. Jahrhundert kamen die Azteken ins Hochtal von
Mexiko. Sie hatten eine lange Wanderung hinter sich. Wo die
Wanderung begann, ist unbekannt. Eine Legende erzählt, das
Aztl√°n, das "Land der Reiher", indem es angeblich einen See mit
einer Insel gab, der Ursprungsort war. Andere √úberlieferungen
verweisen auf Chicomoztoc, den "Ort der sieben Höhlen". In diesen
Höhlen lebten angeblich sechs verschiedene Stämme: die
Xuchimilca, die Chalca, die Tepaneca, die Culhua, die Tlahuica und
die Tlaxcalteca. Nacheinander verließen sie die Höhlen, als letzte die
Azteken. Ein dritter erwähnter Ort schließlich ist Colhuacan
("Krummer Berg"), das auch aus späterer Zeit historisch belegt ist
und ebenfalls etwa 270 km nordwestlich der heutigen Stadt Mexiko
vermutet wird. Es ist ungewiß, ob diese drei mythischen
Ursprungsstätten an ein - und demselben Ort zu suchen seien oder
ob sie nicht vielmehr Stationen eines Wanderweges beschreiben.

Die Frage, woher sie nun wirklich kamen, ist noch nicht eindeutig
geklärt. Es gibt aber zwei Indizien, die sprachliche und die rassische
Zugehörigkeit. Das Nahua, die Sprache der Azteken und ihrer
Nachbarn, ist eng verwandt mit Sprachen die bis hinauf nach Utah, in
den USA, gesprochen werden. Diese Sprache ist nach ihren
wichtigsten Vertretern benannt worden: "Uto - Azteco - Tanoan". Somit
sind die Azteken mit den Indianern des Nordwestens von
Nordamerikas verwandt. Wahrscheinlich kommen sie aus der
Umgebung des Großen Salzsees. Das sie aus dem Nordwesten
Nordamerikas einwanderten belegen auch rassische Indizien. Es gibt
Parallelen zu einigen Indianerstämmen in Nordamerika. Sie bilden
mit Indianerst√§mmen, die man im S√ľden der USA findet eine
rassische Einheit, deren Angehörige man als Zentralide bezeichnet.
Das Verbreitungsgebiet reicht vom S√ľden der USA bis zum
nördlichen Zentralamerika. Die Merkmale sind ein mittelgroßer
Körperbau, eine sehr dunkle, braune Hautfarbe, leicht vorspringende
Wangenknochen, eine niedrige Stirn und eine große untere
Gesichtshälfte. Innerhalb dieser Zentraliden gibt es auch
Unterschiede. Es gibt beispielsweise eine Gruppe, die fr√ľher
einwanderte und eher kleinw√ľchsig war und zur Kurzk√∂pfigkeit
neigte. Dazu zählen die Maya. Eine spätere Gruppe hatte einen
größeren Körperbau und eine längliche Kopfform, z.B. die Azteken.












Die Wanderung der Azteken

Als die Wanderung begann, waren sie noch typische Jägernomaden.
Die Wanderung der Azteken sollte fast 130 Jahre dauern. Bei ihrem
Auszug aus der Urheimat bestand der Stamm aus nur sieben Sippen
(calpulli). Huitzilopochtli wies ihnen den Weg. Er war ein strenger
F√ľhrer und stellte sie oft auf die Probe, errettete sie aber auch,
wenn sie in Not waren.

Erst in Tula, der ehemaligen Hauptstadt der Tolteken, wurden sie
"zivilisiert". Sie waren von der Kultur der Tolteken so beeindruckt,
dass sie ihr Vorbild wurde. Hier wollten die Wanderer ihre neue
Heimat errichten, aber ihr Gott ließ ihnen mitteilen, das Tula noch
nicht das prophezeite Land ist.

Die Wanderung der Azteken endete um 1299 n.Chr. - vorläufig - in
Chapultepec (dem "Heuschreckenberg"), einem Ort nahe des
westlichen Ufers des Tezcoco - Sees. Es kam allerdings zu Kämpfen
mit den Nachbarvölkern und 1319 wurden sie von einer Koalition
dieser St√§mme unter F√ľhrung des K√∂nigs von Colhuacan angegriffen
und geschlagen. Diese Nachbarvölker waren jene Stämme, die vor
den Azteken die Urheimat verlassen hatten und sich im Hochtal vom
Mexiko festgesetzt haben, wobei sie die Kultur der alteingesessenen
V√∂lker √ľbernahmen. Die Azteken wandten sich an den Herrscher von
Colhuacan, Achitometl, damit er ihnen eine neue Zufluchtsstätte
zuwies. Er gab ihnen ein Gebiet am Rande seines Reiches, das nur
eine Steinw√ľste war, in der es vor Schlangen nur so wimmelte. Die
Azteken machten das Land urbar, aßen die Schlangen und
errichteten Häuser und Tempel.

Das Geschick und die Zähigkeit der Azteken
machte großen Eindruck auf die Nachbarn.
Erneut traten sie an den Herrscher von
Colhuacan, um miteinander Handel zu treiben
und Ehen zu schließen. Dieser Frieden wurde
von den Azteken allerdings wieder aufs Spiel
gesetzt. Huitzilopochtli sagte ihnen, das das
noch nicht das versprochene Land ist und der
Anlass zum Fortgehen m√ľsse ein kriegerischer
sein. Wieder fragten sie den Herrscher von
Colhuacan, diesmal nach seiner Tochter. Sie
sollte die Königin des Aztekenreiches sein. Also
ließ er sie ziehen und als er die Einladung
annahm, die den Pakt besiegeln sollte, erlebte er eine böse
√úberraschung. Er fand einen Priester in der Haut seiner Tochter vor.
Daf√ľr hatte er kein Verst√§ndnis und es brach ein neuer Krieg aus.
Die Azteken wurden in die S√ľmpfe getrieben, in denen sie
Unterschlupf suchten. Dort sahen sie dann das Zeichen, dass ihnen
Huitzilopochtli prophezeit hatte: Eine Insel mit einem Kaktus, auf dem
Ein Adler mit einer Schlange in seinen Fängen saß. An dieser Stelle
entstand der Haupttempel von Tenochtitl√°n, dem "Ort des Tunal"
(Tunal ist eine kleine rote Frucht).
Huitzilopochtli

("Kolibri des S√ľdens")
Er f√ľhrte die Azteken aus ihrem Ursprungsland nach Tenochtitl√°n.
Als Sonnengott und Kriegsgott nahm er neben Quetzalcoatl und
Tezcatlipoca eine herausragende Stellung ein, wobei er spätestens
zur Gr√ľndung Tenochtitl√°ns als h√∂chste Gottheit galt. Er wurde
durch ein häßliches Gesicht, durch dessen geöffneten Mund der
Schnabel eines Kolibris hervorsieht, dargestellt. In den
Bilderhandschriften wird er mit blaugefärbten Gliedmaßen,
Kolibrifedern auf dem linken Bein, Pfeile mit nach unten gerichteter
Feder an der Spitze und einem schlangenförmigen atlatl gezeichnet.
Ihm und Tlaloc zu Ehren wurde im heiligen Bezirk ein großer,
pyramidenförmiger Tempel errichtet, den die Spanier später Templo
Mayor nannten.

Er war eine rein aztekische Gottheit und hatte keine Vorläufer in
anderen mesoamerikanischen Kulturen. Es ist unklar, ob
Huitzilopochtli von Anfang an ein Gott war, oder ob er eine
Heldengestalt (ein Anf√ľhrer oder so etwas) war, die sp√§ter
verg√∂ttlicht wurde. Der Legende nach f√ľhrte er sein Volk an, als sie
vom mythischen Aztlan aus eine neue Heimat suchten. Die Azteken
betrachteten sich selber als sein auserwähltes Volk, dessen
g√∂ttlicher Auftrag darin bestand, Kriege zu f√ľhren und das Blut der
Gefangenen Tonatiuh, dem Sonnengott, zu opfern, um so die f√ľnfte
Sonne in Bewegung zu halten.

Um Huitzilopochtli rankt sich ein schauerlicher Wiedergeburtsmythos:
Danach wurde seine Mutter Coatlicue ("Schlangenrock"), die bereits
400 Söhne und eine Tochter ihr eigen nannte, mit Huitzilopochtli
schwanger, nachdem eine kleine Federkugel (einem "Kolibri" ähnlich)
auf sie herabgefallen war. Die einzige Tochter Coyolxauhqui hielt die
pl√∂tzliche Schwangerschaft f√ľr ein Ergebnis von promiskuitivem
Lebenswandel und empfahl ihren zahlreichen Br√ľdern, die Mutter
samt Leibesfrucht zu töten. Huitzilopochtli jedoch wurde von einem
der Br√ľder noch im Mutterleib gewarnt, und er wappnete sich
entsprechend: Blau bemalt, mit Schild und Feuerschlange kam er in
vollendeter Gestalt zur Welt und t√∂tete seine vierhundert Br√ľder.
Sodann durchbohrte er Coyolxauhqui mit der Feuerschlange und
schlug ihr den Kopf ab.

Durch diese Tat wurde Huitzilopochtli zum höchsten Gott. Seine
Mordtat galt zugleich als das erste zu Ehren des Gottes
dargebrachte Sakralopfer und schuf die symbolisch - religiöse
Grundlage f√ľr die aztekischen Menschenopfer.







Die Tolteken

Die Hauptstadt der Tolteken war Tollan (bzw. Tula). Gegen Ende
der klassischen Zeit siedelten sich die Chichimeken in Tula an und
vereinigten sich mit dem dort lebenden Volk der Tolteken. Dieses
Mischvolk schuf eine neue Kultur, die von mittelamerikanischen
Zentren beeinflußt war.

Im Codex Chimalpopoca steht, dass es eine Konföderation der
ältesten mexikanischen Städte gab. Die Hauptstadt dieser
Konföderation soll Tollan gewesen sein. Im selben Codex stehen
auch die Namen der Herrscher der Tolteken - Dynastie, aber die
Lebens - bzw. Regierungszeiten sind immer mit 52 Jahren
angegeben. Möglicherweise wurde das Toltekenreich um 720
gegr√ľndet.


Toltekisches Zylindergefäß (26 kB)

Toltekisches Zylindergefäß (25 kB)


Der ber√ľhmteste und zugleich letzte Herrscher der ersten
toltekischen Dynastie war Quetzalcoatl, der später zur Gottheit
erhoben worden ist. Er trat seine Herrschaft 925 an. Durch einen
B√ľrgerkrieg wurde er vertrieben. Mit ihm zusammen verlie√üen
zahlreiche Gruppen von Tolteken Tollan. Einige gingen in den S√ľden
Mexikos und beeinflußten kulturell die dort lebenden Mixteken. Ein
anderer Teil der Tolteken erreichte die Halbinsel Yucat√°n, die von
den Mayas besiedelt wurde. Sie eroberten einen Großteil der
wichtigsten Städte der Maya (u.a. Chichén Itzá, Tulum, Uxmál).
Eine zweite Tolteken - Dynastie trat ihre Herrschaft noch an. Aber
nachdem eine furchtbare Epidemie gefolgt von einer noch
katastrophaleren Hungersnot ausbrachen, wurde Tollan verlassen.

Sie errichteten noch kein Reich, wie später die Azteken. Es waren
nicht mehr die Religion und der Handel die Grundpfeiler der
Herrschaft der Tolteken, sondern die militärische Macht. Wie weit ihr
Einfluß reichte, ist unbekannt. Mit Sicherheit beherrschten sie den
nördlichen Teil des Hochlandes von Mexiko, an den ihre Hauptstadt
angrenzte. Wahrscheinlich war ihnen auch der s√ľdliche Teil untertan,
da sie in Colhuacan einen St√ľtzpunkt hatten.










Der Aufstieg der Azteken

Im Hochtal von Mexiko gelang es zwei Stämmen, die zu denen
geh√∂rten, die fr√ľher als die Azteken die Heimat verlie√üen, an die
Macht zu kommen. Dazu gehörten die Tepaneken. Sie siedelten am
westlichen Ufer des Sees, wo sie auch ihren Hauptstadt
Azcapotzalco hatten. Der zweite Stamm waren die Acolhua auf der
gegen√ľberliegenden Seite mit ihrer Hauptstadt Tezcoco. Au√üerdem
spielte Colhuacan eine gewisse Rolle, da dort Nachfahren der
bewunderten Tolteken lebten. Um Anerkennung zu gelangen, strebte
man verwandtschaftliche Beziehungen mit Colhuacan an.

Der genaue Zeitpunkt der Gr√ľndung Tenochtitl√°ns ist
noch ungewiß, man schwankt zwischen 1325 und 1370
n. Chr. Als erstes baute man Huitzilopochtli einen
Tempel. Danach teilten sie sich in vier Gruppen und
diese dann wieder in Einheiten jeweils mit einem
Lokalgott. Diese Einheiten nannte man calpulli. Dies
waren die Grundeinheiten der aztekischen
Gesellschaft. Es folgte eine Aufteilung des (wenigen)
Landes, wobei es zu Streitigkeiten kam. Die Azteken
spalteten sich und ein Teil gr√ľndete Tlatelolco.

Tenochtitl√°n war von Anfang an eine Doppelstadt: das eigentliche
Tenochtitl√°n im S√ľden, das religi√∂ses und politisches Machtzentrum
war und im Norden Tlatelolco, der Markt der Stadt. Um Spannungen
zwischen beiden St√§dten zu vermeiden, war man bem√ľht, ein
gemeinsames, zentrales Oberhaupt zu schaffen. Da dessen
Autorität nur gesichert war, wenn er sich auf sein toltekisches Erbe
berufen könnte, erkundigte man sich beim Herrscher von Colhuacan
nach geeigneten Kandidaten. Der Herrscher entsprach diesen
W√ľnschen und sendete Acamapichtli.

Acamapichtli war der Sohn eines Edlen der Azteken und einer
Prinzessin aus Colhuacan. 1372 wurde er König der Azteken. Sein
Sohn Huitzilihuitl regierte von 1391 bis 1415 und hinterließ eine
stattliche Anzahl von Nachkommen. Zwei seiner Söhne,
Chimalpopoca ("Rauchender Schild") und Moctezuma ("Zorniger
F√ľrst"), wurden auch K√∂nige. Chimalpopocas einziger Verdienst war
die Zeugung etlicher Nachkommen. Danach kam Itzcoatl
("Obsidianschlange") auf den Thron. Er war ein Sohn von
Acamapichtli und einer Sklavin. Wahrscheinlich beseitigte er
Chimalpopoca, um die Herrschaft zu erlangen.

Inzwischen hatten die Tepaneken Anspruch auf das Land erhoben,
auf dem die Azteken Zuflucht gesucht hatten. Die Azteken mussten
sich den Tepaneken beugen, wenn sie nicht wieder vertrieben
werden wollen. Die Folge war, dass sie hohen Tribut und
militärischen Beistand zu leisten hatten. Einerseits standen sie nun
unter dem Schutz der Tepaneken, lernten das Kriegshandwerk und
bekamen ihren Teil an der Kriegsbeute. Andererseits schraubten die
Tepaneken mit der Zeit ihre Forderungen immer höher. Die
Tepaneken besiegten 1418 die Acolhua von Tezcoco und waren
dann praktisch souverän im Hochtal von Mexiko.

Itzcoatl verb√ľndete sich mit den Acolhua und holte deren K√∂nig
Nezahualcoyotl aus dem Exil zur√ľck. Er ging auch ein B√ľndnis mit
einem Teil der Tepaneken ein, die ihren damaligen Herrscher grollte.
Aus diesen B√ľndnispartnern wurde sp√§ter der Dreierbund:
Tenochtitl√°n, das die Vorherrschaft hatte, Tezcoco und Tlacopan,
dem B√ľndnispartner unter den Tepaneken. Dies war der erste
Krieg, den die Azteken gewannen. Das hatten sie im hohen Masse
ihren ehemaligen Herren, den Tepaneken, zu verdanken, die sie in
der Kriegskunst unterrichteten. Damit waren nun die Azteken die
Herren des Tals von Mexiko.







































Die Bl√ľte des Aztekenreiches

Der Sieg √ľber die Tepaneken war der
Grundstein des Aztekenreiches. Bis es jedoch
den Namen Imperium verdiente, vergingen noch
einmal fast hundert Jahre.

Itzcoatl gelang es die Oberherrschaft √ľber das
Tal zu gelangen. Sein Nachfolger, Moctezuma
vergrößerte das Reich erheblich. Nach fast
dreißigjähriger Herrschaft erstreckte sich der
Machtbereich von Cuernavaca, im S√ľden, wo
sie das Volk der Tlahuica unterwarfen bis nach
Xochitlalpan im Norden und von Osten, dem Land der Huaxteken bis
nach Tabasco. Diese Eroberungen brachten nicht nur Beute,
sondern in den nachfolgenden Jahren auch Tribute. Besonders
begehrt waren Luxusartikel, es wurde allerdings auch mit
Nahrungsmitteln, Baumaterialien und Sklaven bezahlt.

Durch die unzähligen Waren, die nach Mexiko kamen, nahm
Tenochtitl√°n einen unerwarteten Aufschwung. Es wurden viele
Tempel gebaut beziehungsweise erneuert.

Auch die Nachfolger von Moctezuma vergrößerten das Reich. Erst
unter Moctezuma II. zeigte es sich, dass das Expansionsbestreben
der Azteken an eine nat√ľrliche Grenze gesto√üen ist. W√§hrend er
noch mit Eroberungen beschäftigt war, nahm die Anzahl der
Aufstände in seinem Reich zu.

Während Tenochtitlán seine militärische Macht weiter ausbaute,
beschränkte sich Tlatelolco, die Schwesterstadt, damit, den Handel
zu fördern. Da Tlatelolcos Einfluß und Macht wuchs, kamen
Spannungen auf. Tenochtitl√°n griff 1473 Tlatelolco an, und ab da
war Tlatelolco ein Bestandteil Tenochtitl√°ns.

√Ąhnlich erging es 40 Jahre sp√§ter dem B√ľndnispartner Tezcoco, als
Moctezuma II, entgegen allen Regeln, in Thronwirren eingriff. Auch
Tezcoco verlor seine Autonomie.

Das Aztekenreich war kein einheitliches, geschlossenes Reich. Es
war eine Ansammlung heterogener Gebilde. Gebiete, die sich
freiwillig unterordneten, konnten ihre Herrscher und Sitten
beibehalten. Es wurde nur ein Tributeintreiber abgestellt, der f√ľr
Eintreibung der Abgaben verantwortlich war. Vielleicht hätte
Moctezuma es geschafft, ein einheitlichen Staat zu schaffen, da er
eine Verwaltungsreform durchf√ľhrte. Allerdings hatte die Conquista
keine Zeit gelassen, das Ergebnis zu beobachten.





Die Staatsordnung der Azteken

Es gab eine Klassengesellschaft. Ganz unten auf der
sozialen Leiter standen die Sklaven und die
Leibeigenen, die die privaten Ländereien des Adels
bewirtschafteten. Es gab verschiedene Kategorien
von Sklaven: Kriegsgefangene, die f√ľr den Opfertod
bestimmt waren, Verbrecher, Staatsschuldner, Leute,
die aus Armut auf Freiheit verzichteten, Kinder, die
von ihren Eltern verkauft wurden. Die zu fordernden
Dienste waren sehr genau begrenzt. Sklaven durften
eigene Familien haben, Eigentum und sogar eigene
Sklaven. Ihre Kinder waren frei.

Die Masse der Bevölkerung zählte zum gemeinen Volk
(macehualtin, d.h. Arbeiter). Sie lebten und arbeiteten auf
Ländereien, die im Gemeinbesitz waren. Die Macehualtin mussten
Steuern zahlen und waren zur Bereitstellung von Kontingenten f√ľr
den Militärdienst verpflichtet.

√úber ihnen stand der erbliche Adel (pipiltin). Er stellte die obersten
Beamten der aztekischen Reichsverwaltung und aus seinen Reihen
setzte sich der Rat zusammen, der den Herrscher beriet und seinen
Nachfolger aus der regierenden Dynastie wählte. 4 vornehme
Edelleute aus diesem Rat w√§hlten aus den Br√ľdern oder Neffen des
alten Herrschers den neuen. Er musste sich im Krieg ausgezeichnet
haben. Somit wurde das Reich vor minderj√§hrigen K√∂nigen gesch√ľtzt
und es war garantiert, dass der Herrscher F√ľhrungserfahrung und die
entsprechende Erziehung hatte. Die oberste Lenkung war dem
königlichen Haus vorbehalten. Es gab den tlatoani (Sprecher), der
vor allem mit dem auswärtigen Beziehungen der Stadt und des
Reiches beschäftigt war. Im Jahr 1519 war Motecuhzoma
Xocoyotzin (Moctezuma oder Montezuma) der tlatoani. Es gab noch
einen zweiten Herrscher mit dem Titel cihuacoatl (Weibliche
Schlange). Ihm oblag das Gerichtswesen √ľber die inneren
Angelegenheiten der aztekischen Hauptstadt. Außerdem gab es
noch die Gesellschaftsschicht der pochteca. Dies war eine erbliche
Kaufmannsgilde, die mit Luxusg√ľtern auf M√§rkten au√üerhalb des
Landes Handel trieben.

Jeder, der sich im Krieg verdiente machte, konnte in den Rang eines
Adligen aufsteigen und bekam Land und Hörige. Den Titel und das
Gut wurden vererbt. Die Adligen, die keinen Landbesitz hatten,
wurden Priester, Gelehrte oder Kunsthandwerker, wenn sie sich
nicht f√ľr den Milit√§rdienst eigneten.

Die Staatsordnung der Azteken war auf Krieg ausgerichtet. Man
unterhielt gewaltige Heere unter der F√ľhrung von Offizieren, die
ihren Aufstieg der Anzahl ihrer Gefangenen verdankten. Die
aztekischen Krieger waren pr√§chtig geschm√ľckt, besonders die
Angehörigen der Kriegerorden der Jaguare und der Adler. Eroberte
Staaten wurden als tributzahlende Provinzen der Dreierallianz unter
unmittelbarer Herrschaft der aztekischen Garnisonen organisiert.
Eine umfangreiche B√ľrokratie mit unerbittlichen Steuereinnehmern
sorgten f√ľr den reibungslosen Ablauf des Systems.

Die Erziehung der jungen Azteken wurde vom Staat kontrolliert und
war darauf gerichtet, gehorsame B√ľrger zu schaffen. Jeder hatte
ein Mindestmaß an Bildung. Es gab niemanden, der keine Schule
besucht hatte. Es gab drei Arten von Schulen, die sich hinsichtlich
Alter, Geschlecht und Stand unterschieden. Mit 12 Jahren kamen
alle Mädchen und Jungen in die Schule, cuicalli, dem "Haus des
Gesanges". Hier wurde die Kinder mit den Göttern und Zeremonien
vertraut gemacht. Außerdem wurde Tanz und Gesang gelehrt. Sie
blieben dort bis sie 15 waren. F√ľr die M√§dchen h√∂rte die Schule auf,
es sei denn, sie wollten Priesterin werden. Die Söhne der Adligen
gingen danach in den calmecac, wo sie auf ihre privilegierte Rolle
vorbereitet wurden. Neben der militärischen Ausbildung, wurde
Rhetorik, Gesang, Religion und Fertigkeiten in der Verwaltung und
Politik vermittelt. Der Rest ging in das telpochcalli, das "Haus der
jungen Männer", wo die militärische Ausbildung im Vordergrund
stand.

Die Frau war in dieser patriarchalischen Gesellschaft strengen
Normen unterworfen. Als Kind hatte sie den Eltern zu gehorchen und
als Frau den Mann. Sie wirkte im Haus, selten als Hebamme oder
als Priesterin, wenn sie aus einer adligen Familie stammte.



























Tenochtitl√°n - Die Hauptstadt der Azteken

Dort, wo sich heute die Hauptstadt Mexicos befindet, war einmal die
Hauptstadt der Azteken, Tenochtitl√°n. Als Cortes 1519
einmarschierte, betrug die Einwohnerzahl wahrscheinlich um 100000
Menschen.

Tenochtitlán umfaßte ca. 13 km². Da
es eine Insel war, war das Land
relativ knapp. Man entwässerte die
S√ľmpfe, um mehr Boden f√ľr Geb√§ude
und Gartenparzellen zu erhalten.
Durch das Schilfgebiet wurden Kanäle
gezogen und der Aushub zwischen
den Kanälen mit Pfählen gesichert, um
so k√ľnstliche Inseln zu erhalten. Abwechselnd wurden lagen aus
Schlamm und Schilf aufgehäuft, um die Höhen der Inselplattformen
zu heben. Außenherum befestigte man sie mit Flechtwerk und
pflanzte rasch wachsende Bäume, deren Wurzeln die Plattformen
mit dem Grund des Sees verankern sollten. Eine abschließend
aufgetragene Schlammschicht verwandelte die k√ľnstlichen Inseln in
Chiampas, langgestreckte, schmale Gartenparzellen, die durch
Kan√§le voneinander getrennt waren und etwa einen Meter √ľber den
Wasserspiegel lagen. Die Wasserversorgung der Pflanzen war
sowohl durch den feuchten Untergrund als auch durch Bewässerung
von Hand gewährleistet, während die Fruchtbarkeit des Bodens
jederzeit durch das Aufbringen frischen Schlammes
wiederhergestellt werden konnte. Die tiefliegenden Chiampas waren
jedoch durch √úberschwemmungen und Verunreinigungen durch
Salzwasser aus dem östlichen Teil des Sees gefährdet. Deswegen
wurde an der Schmalseite des Sees ein 16 km langer Damm mit
Schleusen aufgesch√ľttet, durch die der Wasserstand kontrolliert
werden konnte. Hinter diesen Deich stand Tenochtitl√°n in einer
k√ľnstlichen Lagune und wurde durch S√ľ√üwasserstr√∂me mit
Trinkwasser versorgt. Dammwege verbanden die Stadt mit dem
Festland und Aquädukte lieferten zusätzliches Trinkwasser von
Quellen am Ufer. Tenochtitl√°n durchzog ein rasterartiges Kanalnetz.

Es ist höchst unwahrscheinlich, dass die Stadt jemals
gefallen wäre, wenn sie von Einheimischen
angegriffen worden wäre. Die Dämme, die die Stadt
mit dem Festland verbanden, konnten durch Br√ľcken
gesperrt werden.

Die Stadt war in vier Sektionen gegliedert, dessen
wichtigste der Tempelbezirk war. Er war von Mauern
umgeben und somit vom Rest der Stadt
abgeschlossen. Der größte Bau, der die ganze Anlage
beherrschte, war der Tempel der Huitzilopochtli geweiht war, der
Templo Mayor. Neben einer Anzahl von anderen Tempel befand sich
auch ein Ballspielplatz auf diesem Gelände. Die Bauten, die nicht
Tempel waren, dienten den Priestern als Unterk√ľnfte.
Der Templo Mayor:

Tempelbezirk der aztekischen Hauptstadt
Tenochtitl√°n


√úbersicht √ľber die Grabungsst√§tte (38 KB)

Grabungsfunde (40 KB)


Direkt am Zocaló von Mexiko - City zwischen dem Palast und der
Kathedrale, liegt der ausgegrabene Templo Mayor. Obwohl man
seit Beginn des 20. Jahrhunderts weiß, dass das religiöse Zentrum
von Tenochtitl√°n unter diesem Teil der Stadt lag, wurde allgemein
angenommen, dass sich der Haupttempel Teocalli genau unter der
Kathedrale befunden habe. Erst nachdem bei
Ausschachtungsarbeiten im Jahr 1978 eine gewaltige, etwa 8
Tonnen schwere Steinscheibe mit der Abbildung von Coyolxauhqui,
der Mondgöttin, zum Vorschein gekommen war, leitete man an
dieser Stelle ernsthafte archäologische Ausgrabungen ein.
Wahrscheinlich hat diese Scheibe den Boden des
Huitzilopochtli - Tempels gebildet. Die alten Gebäude wurden
abgerissen, und man begann mit den Ausgrabungen. Es war √ľblich,
alle 52 Jahre einen neuen Tempel √ľber den alten zu bauen. Hier
geschah es wahrscheinlich noch öfter. Von den insgesamt sieben
Tempelanlagen wurden alle bis hinunter zur zweiten freigelegt, von
der man nur den oberen Teil sehen kann, da der Boden unterhalb
des Grundwasserspiegels liegt.

Der Templo Mayor war ein Doppeltempel, das heißt er war 2
Gottheiten geweiht: Huitzilopochtli und Tlaloc, dem Regengott. Der
Legende nach, erkannte Tlaloc Huitzilopochtli als seinen Sohn an.


Chac - Mool (21 KB)

Schädelmauer (30 KB)


Das Heiligtum Huitzilopochtlis auf dem Templo Mayor war mit
weißen Schädeln auf rotem Grund verziert. Dort fanden sehr viele
Menschenopfer statt. Meistens wurde das Herz mit einem
Feuerstein oder einem Obsidianmesser herausgeschnitten, der
Sonne dargeboten und im quauhxicalli ("Adlervase") verbrannt.
Dann wurden die leblosen Körper die Treppe runtergeworfen, so
dass sie auf dem Bildnis von Coyolxauhqui landeten. So wurde der
Sieg Huitzilopochtlis √ľber Coyolxauhqui nachgestellt.




Die aztekische Religion und Mythologie

F√ľr uns ist die aztekische Religion sehr verwirrend, da es eine
Vielzahl von Göttern gibt. Diese Götter haben teilweise unter dem
selben Namen verschiedene Funktionen. Es kommt auch sehr oft
vor, dass ein Gott unter verschiedenen Namen bekannt ist.

Die Religion bestimmte das ganze Leben der Azteken. Schon der
Tag der Geburt war schicksalhaft, denn die Wahrsager bestimmten
den zuk√ľnftigen Lebensweg anhand der Konstellation dieses Tages
im Wahrsagekalender und gaben eventuell Tips zur Abhilfe, falls
schlechte Vorzeichen zu erkennen waren. Alle wichtigen Handlungen
verlangten ein religiöses Ritual, ob das nun die Bestellung der
Felder, Beginn eines Krieges mit Nachbarvölkern, Errichtung eines
neuen Hauses oder auch die Inthronisierung eines neuen Herrschers
waren.

Nach der aztekischen Mythologie erschuf sich der "Herr der
Zweiheit", Ometecuhtli, selber. Da die ganze Vorstellungswelt der
Azteken von dem Gedanken der Dualität durchdrungen war, gab es
einen weiblichen Aspekt (Omecihuatl) und einen männlichen Aspekt
(Ometeoth) von Ometecuhtli. Die Nachkommen Ometecuhtlis waren
die vier Tezcatlipocas. Dabei war der Rote Tezcatlipoca Xipe Totec
(der gehäutete Gott) und mit dem Osten verbunden. Der Osten galt
als Ort der Fruchtbarkeit und des Lebens. Der blaue Tezcatlipoca
war Huitzilopochtli und mit dem S√ľden verbunden, der Wei√üe
Tezcatlipoca war Quetzalcoatl und hatte eine Verbindung zum
Westen. Der Letzte, der Schwarze Tezcatlipoca war der Herr des
Nachthimmels und mit dem Norden verbunden. Der Kampf der
G√∂tter um die Oberherrschaft f√ľhrte zur Erschaffung und Zerst√∂rung
f√ľnf aufeinanderfolgender Welten (mehr dazu im Kapitel "Der
Sonnen - oder Kalenderstein der Azteken").

In der aztekischen Religion gab es 13 Hauptg√∂tter und √ľber 200
untergeordnete Götter. Diese Götter kann man grob in drei Gruppen
unterteilen:

1.Götter des Himmels, wie die Schöpfergottheiten, die Sonne
inklusive der toten Krieger und der im Kindbett gestorbenen
Frauen;
2.Götter des Fruchtbarkeit (wie z.B. des Regens, des Wassers
und des Lebensunterhaltes) und
3.Götter der Unterwelt, wie bspw. die Feuer - und Erdgötter.

Der wichtigste Fruchbarkeitgott war Tlaloc, der Regengott. Er
wurde in ganz Mesoamerika verehrt, so kannten die maya ihn unter
dem Namen Chac und bei den Zapoteken war er als Cocijo
bekannt.

Der Kriegsgott, Huitzilopochtli, war einer der wichtigsten Götter der
Azteken. Sein wunderliches Bild war mit kostbaren Schmuck
√ľberladen und seine Tempel waren die prachtvollsten Geb√§ude in
jeder Stadt. Seine Schwester Coyolxauhqui, die Mondgöttin, spielte
bei seiner Geburt eine wichtige Rolle. Auch Quetzalcoatl taucht in
der aztekischen Mythologie auf.

Zu Ehren der Götter gab es viele Feste. Oft gab es dabei
vorausgehende Fastentage, vielfältige Opfergaben, bspw.
verschiedenartige Blumen -, Speise - und Trankopfer, und nat√ľrlich
Gesänge, Tänze und Prozessionen. Da es sehr viele Regionalgötter
gab und Götter die nur bestimmten Berufsgruppen zugeordnet
waren, wurden viele Feste oft nur von einem kleinem Teil der
Bevölkerung begangen.

Zu großen Zeremonien fanden auch Menschenopfer statt. Bevor die
Menschen geopfert wurden, stellten sie eine zeitlang den jeweiligen
Gott bzw. die Göttin dar und wurden in dieser Zeit auch als diese
verehrt. Oft wurden besonders tapfere Kriegsgefangene oder auch
sehr schöne Sklaven oder Sklavinnen geopfert. Es gab mehrere
Formen des Menschenopfers. Meistens wurde das Herz aus der mit
einem speziellen Opfermesser geöffneten Brust herausgerissen.
Kinderopfer fanden bei den Azteken oft zu Ehren der Regengötter
statt, da die Kindertränen mit Regentropfen in Verbindung gebracht
wurden.

Bei den Azteken war nicht der Mensch das Maß aller Dinge (wie bei
den Griechen). Die Menschen standen der Welt ziemlich hilflos
gegen√ľber. Vieles konnte er nicht erkl√§ren, deswegen l√§sst er
Naturkatastrophen und - phänomene Zeichen der Götter sein. Durch
Opfer versuchten die Azteken mit den Göttern in Verbindung zu
treten.

Huitzilopochtli war nicht nur der Kriegsgott, sondern verkörperte
auch die Sonne. Indem man die Sonne f√ľtterte, konnte sie Kraft
sch√∂pfen f√ľr den t√§glichen Kampf gegen die Finsternis. Das hei√üt,
die Welt bleibt erhalten, wenn man die Götter bei ihren Kämpfen
unterst√ľtzt. Da man sich die G√∂tter menschen√§hnlich vorstellte,
brauchten sie auch Nahrung. Nur das Beste war gut genug, Krieger,
die auf dem Schlachtfeld gefallen sind oder Kriegsgefangene.

Die Götterbilder und - statuen der unterworfenen Völker wurden mit
nach Tenochtitlán gebracht und dort in ein "Göttergefängnis", dem
Coacalco, gesperrt.

Die Eroberungen erfolgten nur deshalb (offiziell), um Gefangene f√ľr
die G√∂tter zu machen. Aber eines Tages w√ľrde das Reservoir an
Kriegern einmal ersch√∂pft sein. Deshalb f√ľhrte man den
sogenannten "Blumenkrieg" (xochiyayotl) ein. Dies war ein
permanenter Krieg zwischen den Azteken und den Tlaxalteken, mit
dem einzigen Zweck: Gefangene zu machen, die man den Göttern
opfern konnte. Den Gegner wollte man nicht bezwingen. So blieben
auch die Heere in ständiger Übung.


Die aztekischen Götter

Eine (nicht vollständige) Liste der aztekischen Götter:

Name des
Gottes
Bedeutung
Chicomecóatl
"Sieben Schlange", Göttin des Ackerbaus.
Cihuatéotl Ce
Cuauhtli
"Gottfrau Eins Adler", Göttin der im Kindbett
gestorbenen M√ľtter. Wird oft als eine Art
Gespenst dargestellt, das aussieht, als ob es sich
auf seine Opfer st√ľrzen m√∂chte.
Chalchiuhtlicue
Wassergöttin, Ehefrau des Regengott Tlaloc.
Chantico
Göttin des Herdes
Coatlicue
"Herrin im Schlangenrock". Mutter des aztekischen
Stammesgottes Huitzilopochtli, Herrscherin der
Erde, der Finsternis und des Todes, außerdem
auch Fruchtbarkeitsgöttin.
Coyolxauhqui
Schwester von Huitzilopochtli, Mondgöttin.
Ehecatl
Windgott.
Huehueteotl
Der Alte Feuergott
Hueyhuecoyotl
Der Alte Kojote
Huitzilopochtli
Kriegsgott, einer der wichtigsten Götter in der
aztekischen Mythologie.
Mayahuel
Herrin der Agaven und des Pulques
Mictlantecuhtli
Gott der Unterwelt
Ometeotl
Gott der Zweiheit, √ľbergeordneter Gott
Patecatl
Gott der Heilkunst
Quetzalcoatl
"Gefiederte Schlange", erscheint auch als Herr der
Winde, der Medizin und der K√ľnste.
Tecciztecatl
Mondgott
Tepeyollotli
Herz des Berges
Tezcatlipoca
"Rauchender Spiegel", Kriegsgott
Tlaloc
Regengott
Tlazolteotl
Göttin der Liebe und des Schmutzes
Tonacatecuhtli
Herr der Erhaltung
Tonatiuh
Sonnengott
Xipe Totec
"Unser Herr, der Geschundene", Gott des
Fr√ľhlings und der beginnenden Regenzeit.
Xiuhtecuhtli
Feuergott
Xochipilli
"Blumenf√ľrst", Gott der Liebe und des Tanzes,
Symbol f√ľr den Sommer.
Xochiquetzal
G√∂ttin der Blumen (war urspr√ľnglich die Gemahlin
des Regengottes Tlalocs, bevor sie von
Tezcatlipoca entf√ľhrt wurde).

































Chalchiuhtlicue

Chalchiuhtlicue, die Wassergöttin und Ehefrau Tlalocs, herrschte
√ľber die "Vierte Sonne". Sie galt als Schwester der Tlaloque, der
Helfer des Regengottes. Sie besa√ü die Macht √ľber die Orkane und
Wirbelst√ľrme und konnte den Tod durch Ertrinken herbeif√ľhren.
Deshalb trug sie auch den Beinamen "Herrin des Meeres und der
Seen".


Bildnis von Chalchiuhtlicue (33kB)

Meist wurde sie mit einem Halsband aus Edelsteinen und einem mit
Muscheln geschm√ľckten blauen Kleid dargestellt. Ihre Ohren waren
mit T√ľrkismosaiken bedeckt.

Coyolxauhqui


Coyolxauhqui; Skulptur im Museum des Templo
Mayor (28 KB)

Coyolxauhqui (21 KB)


Coyolxauhqui, die aztekische Mondgöttin, war die Tochter von
Coatlicue, der √ľber Leben und Tod gebietenden Mutterg√∂ttin. Als
Coyolxauhqui feststellte, dass ihre Mutter auf mysteriöse Art
schwanger geworden war, wollte sie diese Schmach tilgen und die
Mutter ermorden. Da sprang Huitzilopochtli in voller R√ľstung aus
dem Mutterleib, enthauptete die Schwester und trennte ihre
Gliedmaßen vom Rumpf, den er anschließend in eine Schlucht warf.
Dann wandte er sich gegen die 400 Br√ľder, die ihr zu Hilfe geeilt
waren und vertrieb sie in alle Himmelsrichtungen des Firmaments,
wo sie zu Sternen wurden. Deshalb wird Coyolxauhqui immer mit
abgeschnittenen Kopf und ohne Arme und Beine dargestellt. Sie
muss am Fuße des Huitzilopochtli - Tempels liegen, da sie vom Berge
heruntergestoßen wurde. Die im Tempel vollzogenen
Opferhandlungen stellten einerseits die symbolische Wiederholung
dieser Handlung dar: die Leichen der Geopferten wurden später die
Stufen der Pyramiden hinuntergeworfen. Zum anderen musste der
Sonnengott mit Blut genährt werden, damit er in seinem
allnächtlichen Kampf gegen die Mächte der Finsternis nicht unterlag.








Ehecatl

In der aztekischen Mythologie ist Ehecatl der Windgott, der den
Wind in alle Richtungen bläst. Seine Tempel standen sogar auf
zylinderförmigen Sockeln, damit sie dem Wind weniger Wiederstand
zu bieten hatten. Er ist auch eine andere Form von Quetzalcoatl.

Huehueteotl

Der Feuergott Huehueteotl galt bei den Azteken als der Alte Gott
und der erste Freund des Menschen. Meistens wurde er als
zahnloser, gebeugter alter Mann mit einer Kohlenpfanne auf dem
Kopf, dargestellt.

Quetzalcoatl

("Gefiederte Schlange von Quetz√°l" oder "Edelsteinzwilling")
Quetzalcoatl ist ein außergewöhnlicher Gott. Er tritt in verschiedenen
Inkarnationen auf, ist in ganz Mesoamerika bekannt gewesen (bei
den Mayas beispielsweise unter dem Namen Kulkulcan) und um die
Verwirrung perfekt zu machen, nahm auch ein ber√ľhmter
toltekischer Herrscher diesen Namen an.

Er war einer der Schöpfergottheiten, taucht aber auch in anderen
Gestalten auf, wie zum Beispiel als Windgott Ehecatl, als wohltätiger
Gott des Lernens und des Handwerks, als Gott der Zwillinge, als
Gefiederte Schlange und als Erfinder des Kalenders.


Tempel des Quetzalcoatl in Teotihuac√°n (37 kB)

√úber solch einen ber√ľhmten Gott gibt es nat√ľrlich auch etliche
Legenden:

1.Quetzalcoatl hatte einen Zwillingsbruder, den hundsköpfigen
Gott Xolotl. Die beiden sollen in die Unterwelt (mictlan)
eingedrungen sein und dort die Knochen eines Mannes und
einer Frau aufgesammelt haben, die bei den vier kosmischen
Katastrophen umgekommen waren. Er floh vor dem Zorn des
Totengottes und ließ dabei die Knochen fallen. Dabei gingen sie
kaputt. Quetzalcoatl hob die St√ľcke aber wieder auf und floh
damit zur Erdgöttin Cihuacoatl (Schlangenfrau). Diese zermahlte
die Knochen und mischte sie in ein Gericht. Quetzalcoatl
tr√§ufelte Blut aus seinem Penis dar√ľber und erschuf so die
Menschheit neu.
2.Ce Acatl Topilzin ("Gefiederte Schlange 1 Rohr") war ein
Priester des Gottes Quetzalcoatl und gr√ľndete Ende des 10.
Jahrhunderts eine neue Hauptstadt, die er Tollan nannte. Später
wurde daraus Tula. Er galt als charismatischer Prophet und
Bewahrer der K√ľnste und Wissenschaften und nahm den
Namen seines Gottes, Quetzalcoatl, an. Er war gegen die
Menschenopfer und wollte daf√ľr Blumen und Tiere opfern. Sein
Bruder Tezcatlipoca, der blutr√ľnstigere Zeremonien verlangte,
vertrieb ihn aber aus Tula und es wird berichtet, dass er in
Richtung Atlantikk√ľste zog, wo er sich gen Himmel wandte und
sich in den Morgenstern, die Venus, verwandelte. Eine andere
Variante dieser Geschichte besagt, dass Topilzin sich nach
seiner Flucht aus Tula ein Schlangenfloß baute und nach Osten
segelte, wo er dann die Halbinsel Yucat√°n erreichte und die
dortige Mayakultur beeinflußte (siehe auch Chichén Itzá).



Tezcatlipoca

("Herr des rauchenden Spiegels")
Tezcatlipoca gilt als der oberste Gott der Azteken. Alle anderen
Schöpfergottheiten waren nur Aspekte dieses allmächtigen Wesens.

In der Legende ist er der Widersacher des tugendhaften Gottes
Quetzalcoatl, dem er die Freuden des Trinkens und der
Fleischeslust beibrachte.


Name und Symbol des Gottes Tezcatlipoca (32 kB)

Tezcatlipoca trat in verschiedenen Formen und mit verschiedenen
Namen auf. So wird er als yaotl (Krieger) und yoalli ehecatl
(Nachtwind) mit dem Tod, dem Krieg und dem Reich der Finsternis
in Verbindung gebracht. Außerdem wurde er als Schutzherr der
K√∂nigsw√ľrde und der Zauberer verehrt. Er war ein unsichtbarer,
aber immer gegenwärtiger Gott, der mit seinem magischen Spiegel
in die Zukunft und die Herzen der Menschen schauen konnte. Aber
er brachte nicht nur Elend und Tod, sondern spendete auch
Reichtum, Tapferkeit und Gl√ľck.

Tezcatlipoca herrschte in der ersten Sonne, die durch Quetzalcoatl
zerstört wurde (siehe Der Sonnen - oder Kalenderstein der Azteken).
















Tlaloc

Tlaloc, der Regengott der Azteken, war einer der wichtigsten Götter
der Azteken, da es in diesem Lande zu unberechenbaren
Regenfällen kam, so dass es vorkam, das die Ernte verdorrte oder
durch zu späte Regenfälle vernichtet wurde.

Schon zur Zeit von Teotihuacan gab es Darstellungen des
Regengottes, aber erst in der Aztekenzeit erhielt er seine
herausragende Bedeutung. Wie wichtig dieser Gott den Azteken
war, sieht man auch daran, dass auf dem Templo mayor neben dem
Tempel des Kriegsgottes (weiß - rot bemalt) das Heiligtum von Tlaloc
stand (weiß - blau bemalt).


Tlaloc (32 kB)

Er stand an der Spitze einer Reihe von verwandten
Fruchtbarkeitsgöttern. Ihnen waren auch die meisten Opferriten
gewidmet. So gab es in den Monaten Atlcahualo und Tozoztontli
Feste, bei den Kinder auf Berggipfeln geopfert wurden. Weinten die
Opfer wurde das als gutes Zeichen gewertet, da die Tränen Regen
und Feuchtigkeit repräsentierten.

Das aztekische "Paradies" wurde nach dem Regengott Tlalocan
benannt. Es herrschte dort eine √úberf√ľlle an Wasser, Nahrung und
Blumen. In dieses Paradies kam allerdings nur der, der durch
Tlalocs Hand starb, das heißt derjenige der ertrank oder vom Blitz
erschlagen wurde.

Xipe Totec

Xipe Totec, "Unser Herr, der Geschundene" (oder auch als der
"Enth√§utete Herr" bekannt) war urspr√ľnglich eine mixtekische
Gottheit, die die Azteken √ľbernahmen. Xipe - Totec ist auf Bildern
dadurch zu erkennen, dass er eine Menschenhaut "√ľbergezogen" hat.


Xipe Totec (22 kB)

Er war der Gott der Vegetation und der Erneuerung im Fr√ľhling und
man ehrte ihn beim Tlacaxipeualitztli - Fest. Bei diesem Fest wurden
die ihm geweihten Opfer enthäutet und ihre Häute von den Priestern
dieses Gottes angelegt, da die getrocknete Menschenhaut, die von
den Priestern getragen wurde, als Sinnbild der H√ľlse, die eine
lebende Pflanze einh√ľllte, galt.






Der Sonnen - oder Kalenderstein der
Azteken

In der Sch√∂pfungsmythologie der Azteken gab es f√ľnf
aufeinanderfolgende Welten oder auch "Sonnen" genannt. Der
Kampf der G√∂tter f√ľhrte zur Erschaffung und zur Zerst√∂rung jeder
dieser Welten durch eine Katastrophe. Die erste Sonne wurde von
Tezcatlipoca regiert und hieß "Vier - Jaguar". Nach 676 Jahren stieß
Quetzalcoatl Tezcatlipoca ins Wasser, woraufhin die Erde von
Jaguaren verschlungen wurde. Somit herrschte Quetzalcoatl √ľber
die zweite Sonne namens "Vier - Wind". Die wurde durch die Rache
Tezcatlipocas an Quetzalcoatl durch einen Wirbelsturm zerstört. Die
dritte Sonne, "Vier - Regen", wurde vom Regengott Tlaloc regiert.
Allerdings schickte Quetzalcoatl einen Feuerregen, der auch diese
Welt zerstörte. Die vierte Sonne, "Vier - Wasser", endete als die
Welt von einer Flut √ľberschwemmt wurde und die Menschen sich in
Fische verwandelten. Nach diesen unvollkommenen Welten entstand
die f√ľnfte Sonne, "Vier - Bewegung", in der wir jetzt leben.

Die f√ľnfte Sonne entstand in Teotihuac√°n, als sich der Gott
Nanahuatzin in ein Feuer st√ľrzte und sich dadurch in die aufgehende
Sonne verwandelte. Da sie aber bewegungslos am Himmel hing,
opferten die anderen G√∂tter ihr Blut, um Energie f√ľr die Bewegung
am Himmel zu erzeugen.

Dieser Sonnenstein gilt als Ehrung f√ľr den Sonnengott und
symbolisiert die Notwendigkeit der Menschenopfer f√ľr die Sonne,
damit sie genug Energie hat, um am nächsten Morgen wieder
aufzugehen.

1497 ließ der sechste Herrscher der Azteken, Axayácatl, den Stein
fertigen, um ihn im Haupttempel aufzustellen. Als die Spanier
Tenochtitl√°n eroberten, schmissen sie diesen Stein aus dem Tempel
auf den Hauptplatz (den heutigen Zocaló). Da der Sonnenstein aber
weiter angebetet wurde, ließen sie ihn vergraben. Erst 1790, bei
einer städtischen Ausgrabung, wurde er wiedergefunden und auch
als Meisterwerk anerkannt. Heute kann man den Sonnenstein im
Museo Nacional de Antropologia y Historia in Mexico City
besichtigen.


Sonnenstein (392 KB)

Zentralkreis

In der Mitte des Steines kann man das Gesicht des Sonnengottes
Tonatiuh erkennen. Seine Zunge ist als ein schwarzes
Obsidianmesser dargestellt als Zeichen daf√ľr, dass er Opfer von Blut
und menschlichen Herzen erwartet. Nach dem aztekischen Glauben
enthielt menschliches Blut eine wertvolle Fl√ľssigkeit, chalchihuatl,
die als einzige den Göttern angemessene Nahrung galt.


Tonatiuh

Erster Kreis

Um das Bild des Sonnengottes sind vier von einem Kasten
umrahmte Bilder angeordnet. Diese Bilder stellen die vier
vorangegangenen Sonnen dar. Auf der 2 - Uhr - Stellung kann man das
Zeichen der ersten Sonne sehen (Vier Jaguare). In dieser Urzeit
zerstörte der Gott der Jaguarsonne, Ocelotonatiuh, die ersten
Erdbewohner, eine Rasse von Riesen, dadurch dass sie von
Jaguaren gefressen wurden. Entgegen dem Uhrzeigersinn
(11 - Uhr - Stellung) kommt man zum Zeichen der zweiten Sonne (Vier
Wind), die von Ehécatl, dem Gott des Windes, durch einen
Wirbelsturm zerstört wurde. Außerdem verwandelte er die
Menschen in Affen. Die dritte Sonne, oder auch Vier Regen
(7 - Uhr - Stellung) wurde vom Gott Tlaloc, Herr √ľber Regen und
himmlisches Feuer, durch eine Flut aus Lava und Feuer zerstört und
er verwandelte die Menschen in Vögel. Auf der 5 - Uhr - Stellung wird
die vierte Sonne dargestellt. Sie wurde von der Göttin des Wassers,
Chalchiuhtlicue, durch eine Sintflut zerstört, wobei die Menschen in
Fische verwandelt wurden.

Das Gesicht Tonatiuhs wird beidseitig von Riesenklauen (den
Händen des Sonnengottes) flankiert, die nach Menschenherzen als
Nahrung greifen. Die Klauen haben Augen, damit wird angedeutet,
dass der Sonnengott alles weiß und alles sieht.

Die konzentrischen Kreise, die sich jeweils neben den Klauen
befinden, sollen bedeuten, dass die F√ľnfte Sonne durch ein Erdbeben
zerstört werden wird.

Außerdem sind noch die vier Himmelsrichtungen dargestellt. Oben
rechts neben den Zacken befindet sich der Osten, ein
Obsidianmesser, links neben dem Zacken der Norden als
Kopfschmuck eines Kriegers. Unten rechts neben dem Kreis wird
der S√ľden als Affe dargestellt und links der Westen als Haus des
Gottes des Regens und des himmlischen Feuers.

Zweiter Kreis

Im zweiten Kreis kann man 20 von einem Kasten umrahmte Bilder
sehen, die die 20 Tage eines Monats darstellen. Der 1. Tag ist der
Cipactli (Krokodil) auf der kurz vor 12 - Uhr - Stellung. Dann kommt,
entgegen dem Uhrzeigersinn, der 2. Tag Ehécatl (Wind), Calli
(Haus), Cuetzpallin (Eidechse), Coatl (Schlange), Miquiztli (Tod),
Mazatl (Reh), Tochtli (Kaninchen), Atl (Wasser), Itzquintli (Hund),
Ozomatli (Affe), Malinalli (Pflanze), Acatl (Rohr), Ocelotl (Jaguar),
Cuauhtli (Adler), Cozcacuauhtli (Geier), Ollin (Bewegung), Técpatl
(Feuerstein), Xuiahuitl (Regen) und als zwanzigster Tag Xochitl
(Blume). Dar√ľber kann man einen schmalen Streifen sehen, der
Schmuckstreifen der Sonne. Die Zacken symbolisieren die
Sonnenstrahlen.

√Ąu√üerer Kreis

Der äußere Kreis stellt zwei Feuerschlangen Xiuhcoatls dar, das
Schwanzende ist oben und die zwei Köpfe unten. In ihrem Maul
haben die Feuerschlangen jeweils einen Gott, rechts
Tezcatlipoca - Xiuhtecutli und links Quetzalcóatl - Tonatiuh. Dabei
personifiziert Quetzalcóatl die Sonne und Tezcatlipoca die Nacht.
Ihre zueinander gerichteten Gesichter bedeuten den Kampf
zwischen Licht und Dunkelheit im Universum. Am Ende des
Schwanzes (in der 12 - Uhr - Stellung) sieht man die Hieroglyphe
"Dreizehn Rohr", die den Beginn der F√ľnften Sonne darstellt.







































Die Schrift und das Zahlensystem der
Azteken

1.) Schrift

Die Azteken kannten keine Aufzeichnungen in unserem Sinne (Texte
in geschriebener Sprache), sie benutzten "Bilderb√ľcher", die
sogenannten Codices (Einzahl: Codex). Die meisten Symbole der
aztekischen Schrift zeichnen sich durch eine naturalistische
Bildtechnik aus. In den Faltb√ľchern wurden religi√∂se Ges√§nge,
Zeremonialtexte, Chroniken und Erzählungen, Sitten und Gebräuche,
und vor allem die Geschichte der Indianer Mesoamerikas
dargestellt. Die meisten Faltb√ľcher wurden von den Spaniern
zerstört. Ganze vierzehn Codices aus ganz Mexiko (aus der Zeit vor
der Eroberung) sind erhalten geblieben. Die meisten befinden sich in
europäischen Museen und Bibliotheken.

Durch den Franziskanerpater Bernadino de Sahagun wissen wir, wie
die Faltb√ľcher hergestellt und interpretiert wurden. Er rettete die
Faltb√ľcher, die der spanischen Zerst√∂rungswut entgehen konnten.
Sahagun hatte indianische Helfer, die Informationen √ľber den Inhalt
der zerst√∂rten Faltb√ľcher sammelten. Diese Wissen wurde dann in
neuen Codicen festgehalten, wie z. B. im Codex Florentino. Neben
den Bildern kann man dort auch spanische Anmerkungen finden.

Die Tradition der Herstellung solcher B√ľcher blieb erhalten und so
wurden während der spanischen Kolonialzeit, bis ins 18. Jahrhundert
hinein, noch √ľber 400 Codices hergestellt.

2.) Zahlen

Die Azteken zählten und rechneten nach dem Zwanziger - System (im
Gegensatz dazu rechnen wir heute nach dem Zehner - System). Das
heißt, die Zahl 20 ist die Basis. Zum Beispiel:


Darstellung der Zahl 30
Darstellung der Zahl
400
Azteken (mit
Basis 20)
1*20^1 + 10*20^0 = 20 + 10
= 30
1*20^2 + 0*20^1 +
0*20^0 = 400
Wir (mit
Basis 10)
3*10^1 + 0*10^0 = 30
4*10^2 + 0*10^1 +
0*^0^0 = 400


Leute, die nicht an dieses System zu zählen und zu rechnen gewöhnt
sind, scheint es reichlich kompliziert. Die Basiseinheiten haben
eigene Symbole. Das Zeichen f√ľr 20 ist bspw. eine Fahne.

















































ie Kalender der Azteken

Der normale aztekische Kalender richtete sich nach dem Sonnenjahr
und hieß xihuitl (bei den Maya haab). Er umfaßte 18 Monate zu je
20 Tagen plus 5 extra Tage, die ungl√ľcksvoll gewesen sein sollen.
Jeder Monat hatte 4 Wochen zu je 5 Tagen. Der letzte Tag in der
Woche war öffentlicher Markttag (tianquiztli) und gleichzeitig Fest -
und Ruhetag. So gab es insgesamt 288 Arbeitstage und 72
tianquiztli im Jahr. An den 5 Ungl√ľckstagen sollte man nicht
arbeiten. Dies ergab insgesamt 365 Tage. Da aber das Jahr ca. 6
Stunden länger ist, ergab sich ein Überschuß an Tagen. Deshalb
wurde nach jeweils 52 Jahren 12 ¬Ĺ Schalttage eingeschoben. Damit
wurde eine genauere Angleichung an das Sonnenjahr erreicht, als in
jedem europäischen Kalender.

Es gab noch einen zweiten, heiligen Kalender mit 260 Tagen, den
sogenannten tonalpohualli, der zu Weissagungen benutzt wurde. Die
260 Tage waren in 20 Wochen zu je 13 Tagen aufgeteilt. Jeder Tag
war einem Gott (bzw. einer Göttin) zugeordnet. Das Schicksal der
Menschen hing davon ab, ob ihrem Geburtstag gute oder schlechte
Eigenschaften zugeschrieben wurde. So war bspw. "Sieben Regen"
ein g√ľnstiger Tag, "Zwei Kaninchen" dagegen ein schlechter Tag.

Auch bei den Azteken wurden die beiden Kalender kombiniert, so
dass ein "Kalenderrad" von 52 Jahren entstand. In Mesoamerika
wurde die Zeit nicht als linear aufgefasst (so wie wir das machen),
sondern als zyklisch: Am Ende einer 52jährigen Periode wird die Zeit
und die Welt wiedergeboren. Dies symbolisierte dann die
"Zeremonie des Neuen Feuers". Bei dieser Zeremonie wurden in den
letzten Stunden des alten Jahres alle Feuer gelöscht, die Bildnisse
der Götter ins Wasser geworfen und Kinder und Frauen versteckt.
Priester stiegen auf den "H√ľgel des Sterns", oberhalb von
Ixtapalapa und warteten bis die Plejaden den Zenit √ľberschritten.
Um diese Zeit war die Gefahr am größten, dass die Erde zerstört
wird. Um dieses Ungl√ľck abzuwenden, wurde ein Mensch geopfert,
dem man das Herz aus dem Leibe riß. In der Brusthöhle des Opfers
entfachte man ein neues Feuer und damit auch einen neuen
52jährigen Zyklus. Das Feuer wurde mit Fackeln zum Templo Mayor
in Tenochtitlan gebracht und von dort aus in die anderen Städte der
Azteken.

Die Götter des tonalpohualli:

Tag
Symbol
Gott
1
Krokodil (cipactli)
Tonacatecuhtli, Herr der
Erhaltung
2
Wind (ehecatls)
Quetzalcoatl, die Gefiederte
Schlange
3
Haus (calli)
Tepeyollotli, das Herz des
Berges
4
Eidechse
(cuetzepalin)
Hueyhuecoyotl, der Alte
Kojote
5
Schlange (coatl)
Chalchiuhtlicue, die
Wassergöttin
6
Tod (miquiztli)
Tecciztecatl, der Mondgott
7
Hirsch (mazatl)
Tlaloc, der Regengott
8
Kaninchen (tochtli)
Mayahuel, die Göttin des
Pulque
9
Wasser (atl)
Xiuhtecuhtli, der Feuergott
10
Hund (itzcuintli)
Mictlantecuhtli, Herr der
Unterwelt
11
Affe (ozomatli)
Xochipilli, Prinz der Blumen
12
Gras (malinalli)
Patecatl, Gott der Heilkunst
13
Rohr (acatl)
Tezcatlipoca, Herr des
rauchenden Spiegels
14
Jaguar (ocelotl)
Tlazolteotl, Göttin der Liebe
und des Schmutzes
15
Adler (cuauhtli)
Xipe Totec, der gehäutete
Herr
16
Geier
(cozcaquauhtli)
Itzpapalotl, der
Obsidianschmetterling
17
Bewegung (ollin)
Xolotl
18
Reibstein (tecpatl)
Tezcatlipoca, Herr des
rauchenden Spiegels
19
Regen (quiauitl)
Chantico, Göttin des Herdes
20
Blume (xochitl)
Xochiquetzal, Göttin der
Blumen



































Zeittafel der Azteken

1200 - 1519

(Spätes
Postklassikum)
1215: Die Azteken sind im Hochtal von
Mexiko
1325: Die Azteken werden auf die Inseln des
Texcoco - Sees vertrieben.
1370: Gr√ľndung von Tenochtitl√°n
1372: Thronbesteigung Acamapichtli
1428: entscheidender Sieg der Azteken √ľber
die Tepaneken
1430: Itzcoatl, 4. Aztekischer Herrscher,
begr√ľndete den Imperialismus der Mexica.
1431: Vernichtung √ľberlieferter historischer
Dokumente von Itzcoatl
1431 - 1472: Nezahualcoyotl, Herrscher von
Tezcoco
1433: Gr√ľndung des Dreierbundes
(Tenochtitl√°n, Tezcoco, Tlacopan)
1440 - 1469: Regierungszeit von Moctezuma
I.
1450 - 1454: große Hungersnot; Beginn der
Blumenkriege
1455: Eroberung von Oaxaca
1458: Eroberung von Veracruz (Golfregion)
1465: Bau der Wasserleitung von
Chapultepec nach Tenochtitl√°n
1469 - 1481: Regierungszeit von Axayacatl
1472 - 1515: Nezahualpilli, König von Tezcoco
1473: Eroberung Tlatelcos durch
Tenochtitl√°n
1476: Eroberung des Tals von Toluca
1481 - 1486: Regierungszeit von Tizoc
1486 - 1502: Regierungszeit von Ahuizotl
1487: Weihe des Templo Mayor in
Tenochtitl√°n
1497: Vorstoß der Azteken nach Chiapas
und Guatemala
1502 - 1520: Regierungszeit von Moctezuma
II.
1515: Tenochtitl√°n erlangt absolute
Vormachtstellung im Dreierbund
1519 - 1700

(Spanische
Eroberung)
1519: Moctezuma II. Erfährt von der
Landung Cortes
1520: Moctezuma II. stirbt als Gefangener
von Cortes. R√ľckzug der Spanier in der
Noche Triste
1521: Fall und Pl√ľnderung von Tenochtitl√°n
1525: Zusammenbruch des aztekischen
Widerstandes






Darstellung der Zahlen
Quelle: Haarmann, Harald. Universalgeschichte der Schrift

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