Vergleiche verschiedener Medikamente und Darreichungsformen

A. Einleitung - Was mich an dem Thema interessiert hat und wie ich es bearbeitet habe.

Zu Beginn möchte ich feststellen, dass mich das theoretische Studium und die Versuche sehr interessiert haben, obwohl ich erst nach Vergabe des Themas gemerkt habe, dass es auch mit meiner Gesundheit und meiner Erfahrung mit einem Arzt zu tun hat.
Im Herbst letzten Jahres musste ich wegen Magenproblemen einen Arzt aufsuchen, wo mir ein Antazidum[1], ein gegen ein Zuviel an Magens√§ure wirkendes Mittel verordnet wurde. Beim Lesen des Beipackzettels hatte ich kein gutes Gef√ľhl und habe deshalb dar√ľber mit einem Freund gesprochen. Dabei h√∂rte ich, dass erst vor wenigen Jahren eine Entdeckung gemacht worden war, die viele Magenbeschwerden anders als bisher erkl√§rt. Vor 15 Jahren war mehr zuf√§llig in der Universit√§t Perth entdeckt worden, dass es im Magen ein Bakterium mit Namen Helicobacter Pylori gibt, was bis dahin wegen des sauren Milieus als ausgeschlossen gegolten hatte. Inzwischen hat man das sehr Milieu - anpassungsf√§hige Bakterium weiter erforscht und erkannt, dass es f√ľr praktisch alle gewebszerst√∂renden Vorg√§nge im Magen - bis hin zum Krebs - mitverantwortlich sein kann. Zu meinem Erstaunen stellte ich sp√§ter auf der Packungsbeilage auch fest, dass der Hersteller des Pr√§parats wegen des Helicobacter Pylori eine Warnung ("Wegen Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage oder fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker") ausgesprochen hatte. Danach soll das Antazidum nur dann angewendet werden, wenn vorher durch eine Magensaft - Untersuchung sichergestellt worden ist, dass sich dort keine Bakterien des Typs Helicobacter Pylori nachweisen lassen. Jetzt beim Studium der Antazida habe ich in der Ausgabe des Jahres 1999 der ROTEN LISTE, die der Arzt zur Auswahl der zu verordnenden Medikamente verwendet, festgestellt, dass weder bei den einzelnen Medikamenten noch im sog. Signaturverzeichnis, wo Gegenanzeigen, Anwendungsbeschr√§nkungen, Nebenwirkungen etc. dargestellt werden entsprechende Warn - Hinweise f√ľr den Arzt zu finden sind.
Die Art der Arbeit hat mir, wie schon ausgef√ľhrt, haupts√§chlich durch das den menschlichen K√∂rper betreffende Thema gefallen, dann aber auch durch die sowohl praktische als auch theoretische Ausrichtung. Was den theoretischen Teil betrifft, habe ich mich durch Gespr√§che mit √Ąrzten, und zwar einem praktischen Arzt und einer √Ąrztin in der Forschung der Firma Solvay, informiert und mir dort Unterlagen sowie Hinweise auf geeignete Quellen geben lassen.
Zur praktischen Arbeit muss allerdings gesagt werden, dass die Mehrzahl der im Magen ablaufenden chemischen Prozesse auf unserer Basis im Chemielabor nicht durchf√ľhrbar sind. W√§hrend die qualifizierteren Antazida indirekt in den Stoffwechsel der S√§ure produzierenden Zellen eingreifen und diesen bremsen oder ganz lahm legen, konnte im Labor nur die Wirkung der chemisch einfacheren Antazida bez√ľglich ihrer direkten S√§urebindung (Neutralisation) gezeigt werden.

B. Theoretischer Teil


1. Erläuterung von Magenfunktionen, die zum Verständnis der Wirkungsweise der Antazida notwendig sind

1. 1 Der Magen und seine Stellung im Verdauungsprozess

Den Magen kann man als ein aus Muskelschichten gebildetes und von Schleimhaut innen v√∂llig ausgekleidetes Hohlorgan beschreiben, das nach oben mit der Speiser√∂hre verbunden ist und unten durch einen Ringmuskel, den "Pf√∂rtner", in den D√ľnndarm f√ľhrt. Die √§u√üere H√ľlle bildet ein Bauchfell√ľberzug, die Serosa. Sie ist bedeckt mit zwei miteinander verflochtene Schichten aus glatten Muskeln. Diese glatten Muskeln unterscheiden sich von der quergestreiften Muskulatur in Aufbau und Funktionsweise. W√§hrend die quergestreifte Muskulatur der Gliedma√üen und des K√∂rperstammes der willk√ľrlichen Bewegung dient und dem Willen des Menschen gehorcht, steht die glatte Muskulatur des Magens und anderer Hohlorgane wie Verdauungskanal, Blutgef√§√üe, Harnblase, Geb√§rmutter unter einem ihr eigenen, nicht willensbestimmten, autonom genannten Rhythmus. Er wird vom vegetativen Nervensystem bestimmt, das nicht dem bewussten Willen des Menschen unterliegt.
Der gesamte Magen - Darm - Kanal hat - ganz ausgedehnt - immerhin eine Länge von acht Metern und eine Oberfläche von zirka 100 qm, das entspricht etwa der Größe eines Tennisplatzes. Diese Größe der Oberfläche ist durch extreme Auffaltung und Zottenbildung bedingt.
Feste Speisen und Fl√ľssigkeiten gelangen einzeln oder gemeinsam durch die Speiser√∂hre in den Magen. Die Ankunft der Speisen auf dem Grund des Magens f√ľhrt dort zu einer Dehnung, wodurch √ľber das unwillk√ľrliche Signalsystem des Vagusnervs die Verdauungss√§fte verst√§rkt produziert und in das Mageninnere abgegeben werden. Von Zeit zu Zeit laufen Muskelkonkontraktionswellen √ľber den Magen, die den Magen - Inhalt durchmischen und vorw√§rts bewegen (Peristaltik). W√§hrend der Weitertransport der Fl√ľssigkeiten einfachen mathematischen und physikalischen Regeln folgt (je Zeiteinheit wird ein bestimmter Anteil Wasser entleert), h√§ngen Bearbeitung und Weitertransport der Speisen von Zusammensetzung und N√§hrstoffinhalten (Kohlehydrate, Eiwei√üe und Fette) sowie der Konsistenz der Nahrung ab.

1. 2 Der Magensaft in seiner Bedeutung f√ľr die Vorverdauung

Unser Magen enth√§lt eine - in den in der Magenschleimhaut liegenden Belegzellen hergestellte - im wahrsten Sinn des Wortes "√§tzende" Fl√ľssigkeit: den sauren Magensaft. Er ist im wesentlichen eine Mischung aus konzentrierter Salzs√§ure ( PH = 2) und Pepsin, einem eiwei√üverdauenden Enzym. Bereits in Ruhe sondert der Magen geringe Mengen von Magen - Saft ab. Diese Ruhesekretion von rd. 10 ml pro Stunde kann nach Nahrungsaufnahme bis auf 1 000 ml ansteigen. Die Magensaftsekretion wird sowohl nerv√∂s (vor allem vor der Nahrungsaufnahme) als auch hormonell gesteuert.
Die Aufgabe des Magensaftes ist es, den ersten Schritt der Verdauung (Vorverdauung) des Nahrungsbreis durchzuf√ľhren, wobei vor allem Eiwei√üe in ihre Bestandteile zerlegt werden. F√ľr die Kohlenhydratverdauung werden im Magen zwar keine Enzyme gebildet, aber das kohlenhydratspaltende Enzym des Speichels (Speichelamylase, Ptyalin) wirkt so lange weiter, wie der Magen - Inhalt noch nicht durchgehend mit Salzs√§ure vermengt ist. Die fettspaltende Lipase wird nur in geringen Mengen gebildet. Fette durchwandern den Magen daher im wesentlichen unverdaut.
Dar√ľber hinaus hat der Magensaft aber auch die wichtige Aufgabe, die diversen mit der Nahrung in den K√∂rper gelangten unerw√ľnschten potentiellen Krankheitserreger wie Bakterien, Pilze etc. abzut√∂ten. Das gelingt dem Magen mit Hilfe des durch den Magensaft stark sauren Milieus so gut, dass man im Magen normalerweise auch keine lebenden Bakterien findet. Dies f√ľhrte zu der oben angef√ľhrten Meinung, dass im Magen √ľberhaupt keinerlei Bakterium √ľberleben k√∂nne. Die gro√üe Ausnahme ist nun aber das Bakterium Helicobacter pylori, dessen - zuf√§llige - Entdeckung einen Wechsel des Denkens in diesem Gebiet der medizinischen Forschung ausl√∂ste. Im Darm dagegen, ganz im Gegensatz dazu, tummeln sich Millionen oder Milliarden von Mikroorganismen, die in diesem Bereich spezifische und ausgesprochen wichtige Aufgaben bei der Verdauung und der Immunabwehr erf√ľllen.
Durch den Magensaft, der durch intensive Bewegungen des inneren Magens gleichm√§√üig √ľber den Speisenbrei verteilt wird, werden alle festen Nahrungsmittel der ersten Verdauungsstufe, der Magenverdauung ausgesetzt, und erst wenn sie verfl√ľssigt und vorverarbeitet/vorverdaut sind, verlassen sie - in der Regel nach l√§ngstens f√ľnf Stunden - den Magen. Ein komplizierter Regelmechanismus sorgt au√üerdem daf√ľr, dass unterschiedliche Nahrungsmittel auch unterschiedlich lange im Magen bleiben: fettreiche am l√§ngsten, danach eiwei√üreiche, w√§hrend kohlehydratreiche Speisen nach der k√ľrzester Zeit √ľber den unteren Ausgang, den "Pf√∂rtner" in den Zw√∂lffingerdarm √ľbergehen.
Auf eine Besonderheit des chemischen Zusammenspiels zwischen Bearbeitung des Speisebreis durch den Magensaft und dem "Pf√∂rtner" ist hier noch hinzuweisen: Solange der Mageninhalt nicht ausreichend mit Verdauungss√§ften versetzt und damit durchgearbeitet ist, √∂ffnet der Pf√∂rtner nicht seine Schleuse zum Zw√∂lffingerdarm. Hier wirkt ein fein - abgestimmtes System, das einem chemischen Testlabor mit elektronischer Durchleitung der Ergebnisse an den Pf√∂rtner entspricht. Nur so kann sichergestellt werden, dass der Zw√∂lffingerdarm das erhaltene Material auch weiterverarbeiten kann. Diese Pf√∂rtnerschleuse hat auch die Aufgabe, den sehr sauren Bereich des Magens (Ph - Wert zwischen 1 und 2) vom erheblich schw√§cher sauren Zw√∂lffingerdarm zu trennen. Bei Fehlfunktion des Pf√∂rtners dringt zuviel S√§ure in den Zw√∂lffingerdarm ein und kann dort Reizungen, Geschw√ľre etc ausl√∂sen.

1. 3 Die Magenschleimhaut und ihr Schutz gegen die eigene Säure

Wenn der Magensaft alles (vor - )verdaut, ergibt sich die Frage, warum er nicht auch die eigene Magenwand angreift und diese "verdaut". Dies ist im normalem, also gesunden Funktionszustand des Magens nicht m√∂glich, weil er sich gegen seine eigene f√ľr die Verdauung der Nahrung selbst ausgesch√ľttete Magens√§ure auch selbst sch√ľtzt. Dazu dient die Magenschleimhaut. Und zwar besteht die oberste Zellschicht der Magenwand, d. h. die der Nahrung zugewandte, aus Schleimhautzellen, die einen z√§hen, undurchdringlichen Schleim bilden. Aus der darunter liegenden Zellschicht, in der auch die Dr√ľsen liegen, wird Natriumhydrogencarbonat (Natron) abgesondert, das die eindringende S√§ure neutralisiert. Zus√§tzlich sind die Zellen der Magenwand in der Lage, sich in einem sehr kurzen Regenerationszyklus auch st√§ndig zu erneuern: Nach jeweils drei Tage sind s√§mtliche Zellen der Schleimhaut vollst√§ndig durch neue ersetzt. Diese beiden Mechanismen gew√§hrleisten normalerweise einen ausreichenden Schutz vor dem Angriff der Magens√§ure. Allerdings ist diese Schleimhaut ein sehr empfindlicher Schutzmechanismus: Steht man z. B. unter st√§ndigem Stress, raucht viel oder nimmt regelm√§√üig bestimmte schleimhautreizende Medikamente ( wie z. B. Aspirin), zu sich, konsumiert hochprozentigen Alkohol und fette Speisen, so wird die Schleimhaut st√§ndig angegriffen und die Schutzfunktion kann trotz der Regeneration stark nachlassen. Das Eindringen der Magens√§ure in die vorgesch√§digte Schleimhaut wird auch durch eine allgemeine Dehydration (Wassermangel) des menschlichen K√∂rpers beg√ľnstigt, da bei Wassermangel die Schleimhautzellen ebenso wie die des darunter liegenden Gewebes weniger prall und so anf√§lliger gegen das Eindringen der S√§ure sind. Diese Entdeckung machte der iranischer Forscher BATMAN GELIJ.
Seine Erläuterungen hierzu befinden sich im Anhang.

1. 4 Die Entstehung der Magenschleimhautentz√ľndung und des Magengeschw√ľrs

Bis zur Entdeckung des schon erw√§hnten Magenbakteriums Helicobacter Pylori ging man davon aus, und soweit das Bakterium nicht nachgewiesen ist, gilt das auch unver√§ndert, dass diese dauerhaften Schleimhautreizungen mit Eindringen der Magens√§ure in das Untergewebe der Grund f√ľr Magen - und Zw√∂lffingerdarmgeschw√ľre sind. Wenn der Schutz versagt, so lautet die Theorie, kommt es zun√§chst zu einer Magenschleimhautentz√ľndung und dann bei l√§ngerer Fortsetzung des Reizungs - und Zerst√∂rungsprozesses zu den schmerzhaften Magen - und meist gleichzeitig auch zu Zw√∂lffingerdarmgeschw√ľren. Im schlimmsten Fall bricht die Magenwand sogar an den durch die Geschw√ľre durchgefressenen Stellen durch (man spricht hier von einer Magenperforation, also einer √Ėffnung in den Bauchraum), und es kann zu t√∂dlichen Blutungen kommen.

1. 5 Die Grundidee der Antazida

Als einzige Therapie gegen die mit der Wirkung eines Zuviel an S√§ure erkl√§rten Verletzungen der Magenwand bis hin zum Geschw√ľr sah man bis vor wenigen Jahren die Verminderung der S√§ure im Magen an. Die S√§ure musste zumindest solange gemindert oder unterbunden werden, um die Geschw√ľre ausheilen zu lassen. Diese alte - und trotzdem nicht richtige - Theorie war schon vor 2000 Jahren im Umlauf, und schon damals nahmen die Menschen bei Magenproblemen sogenannte Antazida, also s√§urebindende Substanzen, zu sich. Damals wurden geriebene Korallen, Knochenmehl oder bestimmte Mineralerden ( z. B. Tonerde) verabreicht, um damit die √ľbersch√ľssige S√§ure zu binden, d. h. chemisch gesehen, zu neutralisieren. Auch heute sind traditionelle Antazida (Neutralisierende Antazida, d. h. Schwache Basen oder Salze schwacher S√§uren) noch h√§ufig eingesetzte Arzneimittel. Die Pr√§parate sind inzwischen jedoch konzentrierter und leichter zu schlucken, obwohl die Wirkstoffe im Prinzipbezeichnet. die gleichen sind wie vor Jahrtausenden. Das Problem bei all diesen Medikamenten blieb jedoch immer das gleiche: Sie sind zwar wirkungsvoll und, solange man sie einnimmt, beseitigen sie auch die Beschwerden, aber sobald man die Medikamente absetzt, kehren auch die Beschwerden wieder.
Aus diesem Grund hat die pharmazeutische Forschung zwischenzeitlich jedoch - und zwar vor Entdeckung des Helicobacter Pylori - erheblich wirkungsvollere Medikamente zur Bek√§mpfung der S√§ure im Magen entwickelt, die nicht nur, wie die traditionellen Mittel die S√§ure binden, sondern auch in den in den Dr√ľsen ablaufenden Entstehungsprozess der S√§uren eingreifen. Sie tun dies durch die sogenannten H - 2 - Blocker, die eine Minderung der S√§uremenge bewirkt und durch die sogenannten Protonenpumpenhemmer, die die v√∂llige Unterbindung der S√§ureentstehung in den Dr√ľsen bewirken. Diese Medikamente werden im Gegensatz zu den nur neutralisierenden Antazida als S√§uresekretionshemmer bezeichnet.

1. 6 Die Wirkungsweise der H2 - Antihistaminika

Histamin ist ein in vielen K√∂rperprozessen wirksames biogenes Amin, das f√ľr viel Prozesse vorhanden sein muss, um sie in Gang zu setzen und zu beschleunigen. Man nennt es auch den "Hauptstimulus" vieler Zellvorg√§nge. Diese Rolle spielt es auch bei der S√§ureproduktion in den Belegzellen des Magens. Die Antihistaminika nutzen, wie der Name schon sagt, diese Tatsache und blockieren die H2 - Rezeptoren genannten Stellen im biologischen Prozess, an denen die Histaminika arbeiten wollen. Soweit das gelingt, wird die S√§ureproduktion in den Dr√ľsen des Magens reduziert oder g√§nzlich unterbunden.
Die derzeit zur Verf√ľgung stehenden mit H2 - Antagonisten arbeitenden Medikamente sind unter anderen: Cimetidin¬ģ, Ranitidin¬ģ, Famotidin¬ģ, Nizatin¬ģ und Roxatidinacetat¬ģ. Diese aufgrund der beschriebenen Wirkungsweise auch als H2 - Antagonisten bezeichneten Produkte lindern durch die S√§urehemmung rasch die Schmerzen, beschleunigen die Heilung und rufen - nach bisherigen Kenntnissen - nur selten Nebenwirkungen hervor.
Sofern aber, wie es h√§ufig der Fall ist, die eigentliche Ursache der Ulkuskrankheit (Geschw√ľre) eine Infektion mit Helicobacter pylori ist, ergibt die zeitlich begrenzte Hemmung der S√§ureproduktion keine dauerhafte Heilung.

1. 7 Das Bakterium Helicobacter Pylori; die neue Erkl√§rung f√ľr div. Magenkrankheiten

W√§hrend fr√ľher ein Zuviel an Magens√§ure als Hauptursache vieler Magenkrankheiten und folglich die Antazida als deren logische Heil - oder Linderungsmittel angesehen wurden, wei√ü man seit der Entdeckung des Magenbakteriums, dass das - zumindest teilweise - ein Irrtum war. Deshalb wird heute genauer erforscht, was das Bakterium im Magen anrichtet. Wie viele Bakterien kann sich auch Helicobacter pylori seiner Umwelt anpassen, und zwar tut er das im Magen mit Hilfe des Enzyms Urease. Dieses Enzym bildet er aus Harnstoff (einer Substanz, die in gro√üen Mengen beim Zersetzen des Nahrungsbreis entsteht), eine Ammoniakwolke um den Keim und r√ľstet sich so mit einer s√§ureneutralisierenden Substanz aus, die man als eine raffinierte Art "chemischer Schutzanzug" bezeichnen kann. Der Keim - nun gegen die S√§ure gesch√ľtzt - bohrt sich in die Schleimschicht der Magenwand und setzt sich auch auf den Zellen darunter fest. Hier vermehrt er sich und sendet giftige Substanzen in die umliegenden Zellen. Als Folge dieses Eindringens entz√ľnden sich nun die Schleimhautzellen, und so entsteht wieder die bekannte Magenschleimhautentz√ľndung ("Gastritis"), nur hier nicht, wie immer behauptet, durch S√§ure, sondern durch Bakterien verursacht.
Der menschliche K√∂rper ist nicht in der Lage, den Keim mit seinen √ľblichen Abwehrmethoden wieder loszuwerden. Zwar versucht der Magen, wahrscheinlich durch Aussch√ľtten von mehr Magens√§ure gegen die Eindringlinge vorzugehen, aber das gelingt nicht, weil der konventionelle Arzt - nicht nur fr√ľher, sondern oft auch noch heute - Antazida verordnet und damit die Versuche des Organismus zunichte macht, den Feind durch S√§ure abzut√∂ten. Ein einmal Infizierter beh√§lt den Helicobacter auch, es sei denn die Zusammenh√§nge werden richtig erkannt, und eine richtige Therapie zu seiner Zerst√∂rung wird eingeleitet. Dies kann mit einem "Antibiotika - Mix" erfolgen. Genauso wirksam - und dabei v√∂llig frei von Nebenwirkungen - ist aber eine Therapie mit dem Extrakt aus Kernen der Pampelmuse, was von Heilpraktikern nachweisbar mit Erfolg angewendet wird. Nach neuesten Forschungen entwickeln ca. 10% aller mit Helicobacter Pylori Infizierten ein Magengeschw√ľr, sogar bis zu 30% ein Zw√∂lffingerdarmgeschw√ľr. Man geht heute davon aus, dass das Bakterium in der Regel an diesem Krankheitsgeschehen beteiligt ist. Deshalb ist das Vers√§umnis, einen Test auf das Bakterium durchzuf√ľhren, ein √§rztlicher Fehler.

2. Detaillierte Betrachtungen √ľber Antazida

2. 1 Die Wirkungsweise der Antazida

Wo die Salzs√§ure - ohne nachgewiesenes Bakterium - f√ľr die Entstehung die Magenbeschwerden eine Schl√ľsselrolle einnimmt, muss die √úberproduktion(Hypersekretion) durch entsprechende Basen oder Salze schwacher S√§uren neutralisiert werden. Die schleimhautsch√§digende Wirkung des Magensaftes l√§sst sich abschw√§chen, indem die Protonen - Konzentration durch Zugabe von basischen, d.h. Protonen - bindenden Mitteln herabgesetzt wird. Solche Verbindungen sind haupts√§chlich NaHCO3, CaCO3, Al(OH)3 und Mg(OH)2.
Der die Säure neutralisierende Effekt dieser Antazida kann therapeutisch bei einer "Übersäuerung" des Magens nach Diätfehlern, Alkoholmissbrauch usw. ausgenutzt werden.
Bei der Auswahl und Anwendung eines Antazidum sind sein S√§ureneutralisationsverm√∂gen als gew√ľnschte Wirkung sowie seine Resorbierbarkeit als unerw√ľnschte Nebenwirkung zu ber√ľcksichtigen.

2. 2 Standardmethode zur Beurteilung der Wirksamkeit von Antazida

Die im Handel befindlichen Pr√§parate unterscheiden sich betr√§chtlich hinsichtlich ihrer Neutralisationskapazit√§t. Diese kann titrimetrisch bestimmt werden und ist eine f√ľr die Beurteilung der Wirksamkeit der Pr√§parate entscheidende Gr√∂√üe. Bei der Bemessung der Dosierung geht man davon aus, dass die Sekretionsrate des Magens nach Stimulation durch ankommende Nahrung durchschnittlich 50 mmol HCl pro Stunde betr√§gt. Die zur Erh√∂hung des pH - Wertes auf 3,5 die notwendige Dosis ist der unterschiedlichen Neutralisationskapazit√§t entsprechend sehr verschieden. Bei √úberproduktion (Hypersekretion), bei der dagegen pro Std. etwa 150 mmol HCl produziert werden, m√ľsste die Dosis, um das gleiche Ziel zu erreichen, bei jedem eingesetzten Medikament auf das Dreifache erh√∂ht werden. Bei zahlreichen im Handel befindlichen Antazida - Pr√§paraten reicht die empfohlene Dosierung hierf√ľr, d. h. die Hypersekretion, nicht aus. Jedoch sind Antazida auch in kleineren Mengen, die nicht zu einer l√§nger anhaltenden, deutlichen Anhebung des Magen - pH - Werts ausreichen, bei Ulkus - (Magengeschw√ľr) Patienten wirksam.
Es muss aber darauf hingewiesen werden, dass die im Reagenzglas ("in vitro") ermittelte Neutralisationskapazität noch nicht unbedingt eine widerspruchsfreie Wirkungsvorhersage von Antazida möglich macht, weil sie beispielsweise die unterschiedlichen Pufferkapazitäten der einzelnen Antazida noch außer Betracht lässt.

2. 3 Betrachtung der einzelnen Antazida und ihrer Wirkungen

Im folgenden werden verschiedene handels√ľbliche Antazida auf ihre Wirksamkeit sowie ihre Nebenwirkungen hin untersucht, und zwar zun√§chst die "traditionellen" Mittel und dann die modernen auf Basis von Aluminium - / Magnesiumhydroxid.
2. 3. 1 Traditionelle Antazida
Natriumhydrogencarbonat (NaHCO3) Von dem fr√ľher viel gebrauchten Natriumhydrogencarbonat wird heute abgeraten, da bei der Neutralisation von Salzs√§ure durch Natriumhydrogencarbonat rasch gro√üe Mengen von Kohlendioxid freigesetzt werden, was unter anderem erhebliche, als unangenehm empfundene Bl√§hungen verursachen kann. Dar√ľber hinaus kann das entstehende CO2 bei einem Magengeschw√ľr zu einer Magenwanddurchbruch f√ľhren.
Die Reaktionsgleichung f√ľr die S√§urebindung lautet:
NaHCO3 + HCl ⇔ NaCl+ H20+ CO2
Das Natriumhydrogencarbonat geht zwar im Magen schnell in L√∂sung √ľber und senkt daher auch die S√§urekonzentration rasch stark ab, aber die puffernde neutralisierende Wirkung ist auch nur von kurzer Dauer. Der ausgepr√§gte Anstieg des Magen - pH - Werts kann dar√ľber hinaus zu einer ausgleichenden Gastrin - Aussch√ľttung, d. h. zu einer vermehrten S√§ureproduktion f√ľhren. Diese s√§ureerh√∂hende Reaktion des Magens in Verbindung mit einem s√§uresenkenden Mittel bezeichnet man mit dem Fachausdruck "acid rebound".
Ein weiterer schwerwiegender Nachteil liegt darin, dass die Natriumionen praktisch vollst√§ndig resorbiert werden, wodurch die Alkalibelastung des Organismus zunimmt. Dies kann bei Patienten mit Hypertonie (Bluthochdruck) oder Herzinsuffizienz (Herzschw√§che) zu Sch√§digungen f√ľhren und ist deshalb streng kontra - indiziert.
Calciumcarbonat, dessen Bedeutung als Antazidum ebenfalls zur√ľckgegangen ist, reagiert wie Natriumhydrogencarbonat mit der Magensalzs√§ure unter Kohlendioxid - Entwicklung, allerdings ist die dabei entstehende C02 - Menge deutlich geringer und daher weniger st√∂rend.
Die Reaktionsgleichung f√ľr die S√§urebindung lautet:
CaCO3+ 2 HCl ⇔ CaCl2 + CO2 + H2O
Die s√§urepuffernde Wirkung von CaCO3 setzt nach oraler Zufuhr langsam ein, h√§lt aber l√§ngere Zeit an. Im D√ľnndarm entstehen Carbonate und Phosphate, deren Resorptionsquote ca. 10% betr√§gt.
Die wichtigste Nebenwirkung nach längerer Anwendung ist eine mögliche Hyperkalzämie (erhöhter Gehalt des Blutes an Calcium) sowie die Ablagerung von Kalk - Salzen in verschiedenen Geweben, vor allem der Niere. Ob Calciumionen eine reaktiv verstärkte Magensäuresekretion (acid rebound) auslösen, ist umstritten. Calciumcarbonat wirkt außerdem schwach obstipierend (verstopfend).
2. 3. 2 Moderne Antazida
Magnesiumhydroxid (Mg(OH)2) ist in Wasser schlecht löslich und reagieret langsam mit Magen - Salzsäure, und zwar unter Bildung von Magnesiumchlorid.
Die Reaktionsgleichung f√ľr die S√§urebindung lautet:
Mg(OH)2 + 2 HCl ⇔ MgCl2 + 2 H2O ⇔ Mg(OH)Cl + HCl + H2O
Aus diesem und im Speisebrei vorhandenen Substanzen entstehen im D√ľnndarm Phosphate und Carbonate. Die neutralisierende Wirkung tritt rasch auf. Weniger als 10% der zugef√ľhrten Menge werden resorbiert. Der Organismus scheidet die aufgenommenen Magnesium - Ionen normalerweise aber auch schnell aus.
Als Nebenwirkung tritt häufig Diarrhö (Durchfall) auf, da Magnesiumionen laxierend wirken.
Aluminiumhydroxid (Al(OH)3) neutralisiert Salzsäure (unter Bildung von Aluminiumchlorid), außerdem bindet es sie auch teilweise adsorptiv.
Die Reaktionsgleichung f√ľr die S√§urebindung lautet:
Al(OH)3 + 3HCI ⇔ AlCl3 + 3H20 ⇔ Al(OH)C12 + HCI+2H20
Die Resorptionsquote der Aluminiumionen beträgt ca. 1%, wobei jedoch säurehaltige Getränke die Resorption verstärken können. Aluminiumhydroxid wirkt schwach obstipierend.
Die Kombination von Magnesiumhydroxid und Aluminiumhydroxid wird gewählt, um die gegensätzlichen Effekte beider Antazida in bezug auf die Darm - Motilität zu nutzen. Magnesiumhydroxid ist nämlich laxierend, Aluminiumhydroxid dagegen obstipierend. Wenn ein Antazidum benötigt wird, empfiehlt sich also entweder die Kombination des Einsatzes von Magnesiumhydroxid und Aluminiumhydroxid oder die Komplexverbindung dieser beiden Hydroxide in einem Medikament.
Eine weitere Möglichkeit der Kombination zweier Mittel sind die Magnesium - Aluminium - Silikate, die in ihrer Wirkung ungefähr der einer Kombination von Magnesium - und Aluminiumhydroxid. entspricht Bei langdauernden Verwendung muss allerdings mit der Bildung silikathaltiger Nierensteine gerechnet werden.
Aluminiumhydroxid als Phosphatf√§nger - Die phosphatbindenden Eigenschaffen von Aluminiumhydroxid werden bei nierenkranken Patienten therapeutisch ausgenutzt. Und zwar werden nicht nur die mit der Nahrung zugef√ľhrten Phosphate, sondern auch die aus dem Blut in den Darm abgesonderten Phosphate durch das in Gegenwart der Magens√§ure gebildete Aluminium - Chlorid in unl√∂sliches AlPO4 √ľbergef√ľhrt. Dabei wird das Phosphat schwerl√∂slich und mit den Stuhlgang ausgeschieden. Hierdurch gelingt es, bei Diabetes - Patienten die Dialysefrequenz herabzusetzen.
Die Reaktionsgleichung f√ľr die Phosphatbindung lautet:
Na2HPO4 + NaH2PO4 + 2AlCl3 ⇔ 2AlP04 + 3NaCl + 3HCl
Es bedarf bei langdauernder Anwendung der sorgf√§ltigen Kontrolle der Patienten, die zur leichteren Erreichung des Therapieziels oft auch eine phosphatarme Di√§t erhalten. Das Therapieziel ist die Verhinderung der Ausbildung eines sog. sekund√§ren Hyperparathyroidismus, das ist eine √úberproduktion von Parathormon durch die Nebenschilddr√ľse. Die zu starke Senkung des Phosphatspiegels kann langfristig zu einer Osteomalazie (Knochenerweichung) infolge von Calcium - und Phosphatmangel f√ľhren.
Systemische Toxizit√§t von aluminium - und magnesiumhaltigen Antazida - Diese beiden Verbindungen sind schwer l√∂slich, so dass die Resorption ihrer Alkali - Anteile als gering und als zu vernachl√§ssigen angesehen wurde. Trotz der geringf√ľgigen Resorption von nur rund 1% (bei Aluminiumhydroxid) k√∂nnen bei chronischer Einnahme von aluminiumhaltigen Antazida dennoch nicht zu vernachl√§ssigende Aluminiummengen in den Organismus gelangen. Bedrohlich wird die chronische Aluminium Aufnahme, wenn gleichzeitig eine Niereninsuffizienz besteht.
Die akute Toxizität löslicher Aluminiumverbindungen ist gering (die LD - 50[1] von AlCl3 bei der Ratte:420 mg/kg AL). Der Wirkung Mechanismus ist nicht bekannt.
Das √ľber Aluminium Gesagte gilt auch f√ľr Magnesium. Die Resorption von Magnesium aus Magnesiumhydroxid haltigen Antazida kann bis zu10 % betragen.
Auch hier nimmt das Risiko dann erheblich bis zu Todesfällen zu, wenn gleichzeitig eine Niereninsuffizienz besteht.
Toxische Wirkung von Magnesium - Der menschliche K√∂rper des Erwachsenen enth√§lt rund 100 g Magnesium. Die H√§lfte davon befindet sich im Knochen, rund 45 % sind intrazellul√§r und nur 5 % in der extrazellul√§ren Fl√ľssigkeit.
Der Mensch nimmt mit der Nahrung t√§glich zwischen 40 und 80 √¨mol Magnesium zu sich und ein Drittel davon wird resorbiert. Die Ausscheidung erfolgt √ľber die Nieren.
Magnesium spielt bei einer gro√üen Zahl von biochemischen Reaktionen eine wichtige Rolle. Bei Reaktionen, an denen Magnesium beteiligt ist, f√§llt die √Ąhnlichkeit mit der bei Calciumionen auf. Magnesium kann bei der intestinalen (zum Verdauungssystem geh√∂rend) Resorption die Transporteinrichtung von Calcium mitbenutzen.
Auch am Zentralnervensystem gibt es enge Verbindungen zwischen der Wirkung von Magnesium - und Calciumionen. Der Abfall der Magnesium - Konzentration im Plasma bewirkt eine gesteigerte Erregbarkeit des Zentralnervensystem, die bis zu Kr√§mpfen und psychotischen Krankheitszeichen f√ľhren kann.
Hohe Magnesium - Konzentrationen verursachen eine schlaffe Skelettmuskulatur bis hin zur Lähmung. Diese sogenannte Magnesium - Narkose trägt ihren Namen jedoch zu Unrecht, weil die Betroffenen bei vollem Bewusstsein sind. Die Lähmung der Skelettmuskulatur tritt bei Konzentration von>30 mmol pro Liter Plasma auf.
Am Herzen √§hnelt die Wirkung der Magnesiumionen der von Calciumionen. Hohe Konzentrationen (20 - 30 mmol/Liter Plasma) verl√§ngern die √úberleitungszeit, und h√∂here Konzentrationen f√ľhren zu einem Herzstillstand in der Diastole (Druck bei Blutr√ľckfluss; Gegenteil Systole).
Sucralfat - S03(A12(OH)5
Sucralfat (Ulcogant¬ģ),ist eine salzartige, wasserunl√∂sliche Verbindung von Aluminiumhydroxid und Saccharosesulfat. Sie bildet auf der Oberfl√§che des Ulkus (Geschw√ľr) Komplex - Verbindungen mit basischen Proteinen und verhindert dadurch den Angriff aggressiver Faktoren wie Salzs√§ure, Pepsin und Galle, und zwar vor allem an den ulcerierten Stellen der Schleimhaut. Daneben adsorbiert Sucralfat Pepsin und - allerdings bei niedrigen pH - Werten - auch Gallen - S√§uren, der eine gro√üe Rolle in der Entstehung der Schleimhautentz√ľndung des oberen D√ľnndarms zugeschrieben wird.
Sucralfat hat auch schmerzlindernde Wirkung bei Geschw√ľren sowohl des Magens als auch des Zw√∂lffingerdarms. In kontrollierten klinischen Studien wurde nachgewiesen, dass die Abheilungsrate von Zw√∂lffingerdarmgeschw√ľren dann beschleunigt ist, wenn Sucralfat jeweils 1 Stunde vor den Mahlzeiten eingenommen wird.
Wichtig ist, dass Sucralfat auf den leeren Magen eingenommen wird, damit es seine schleimhautsch√ľtzenden Eigenschaften entfalten kann. Sucralfat wird deshalb in 4 Einzeldosen von je 1 g jeweils 1 Stunde vor den Mahlzeiten verabreicht. Die Erhaltungstherapie wird mit t√§glich 2 Dosen von je 1 g durchgef√ľhrt, wodurch die Rezidivfrequenz (H√§ufigkeit des Wiederauftretens nach Abheilung) eindeutig gesenkt werden konnte.
Sucralfat zeichnet sich durch eine bemerkenswert geringe Anzahl unerw√ľnschter Nebenwirkungen aus. Neben unspezifischen Wirkungen wie Schwindel und √úbelkeit steht nur die durch Aluminium verursachte geringf√ľgige Obstipation (H√§ufigkeit nur ca. 1,4%)

2. 4 Wechselwirkungen von Antazida mit anderen Pharmaka

Die gelartigen Al - und Mg - haltigen Antazida sind Adsorbentien (aufsaugende Substanzen), die mit vielen Pharmakai bei der oralen Anwendung Wechselwirkungen haben. Vielfach wird nur die Ausbildung des Maximums des Medikaments im Blut verzögert, oft aber auch die insgesamt resorbierte Menge erniedrigt. In der Regel soll deshalb zwischen der Einnahme der Antazida und der anderen Arzneistoffe eine Spanne von 2 - 3 Stunden liegen.

2. 5 Sonstige unerw√ľnschte Wirkungen von Antazida

Neben den bereits bei den einzelnen Medikationen typischerweise erwähnten Nebenwirkungen sind noch folgende weitere zu beschreiben.

2. 5. 1 Alkalose
Durch die Neutralisation der Magens√§ure verliert der Organismus im Sinne des angestrebten S√§ure - Basen - Gleichgewichts S√§ure√§quivalente, was aber bei normaler Nierenfunktion durch Ausscheidung von Bicarbonat bzw. Reabsorption von Protonen ausgeglichen werden kann. Hierf√ľr ist jedoch Voraussetzung, dass das Antazidum nur im Magen wirkt und den S√§ure - Basen - Haushalt systemisch nicht belastet. Und dieses trifft nur f√ľr die Aluminiumhydroxid - haltigen Verbindungen zu, da diese zu nur rund 1% resorbiert werden. Bestandteile anderer Antazida werden in erheblich gr√∂√üerem Umfange in den Organismus aufgenommen und vermehren dementsprechend die Bicarbonat - Reserve, d.h., sie belasten den S√§ure - Basen Haushalt. Es ist offensichtlich, dass bei Gabe von Natriumhydrogencarbonat, das nahezu vollst√§ndig resorbiert werden kann, die Belastung des Organismus mit Alkali am gr√∂√üten ist. Mit anderen Worten hei√üt das, dass im Umfang der Resorption Metallanteile der Antazida die Alkalibelastung des Organismus erh√∂hen. Die Folge ist eine metabolische[2] Alkalose und folglich die Ausscheidung eines alkalischen Urins. Es h√§ngt lediglich von der Leistungsf√§higkeit von Lunge und Niere ab, in welchem Umfange der Organismus die Alkalibelastung kompensieren kann. Alkalisierung des Urins √ľber lange Zeit beg√ľnstigt Steinbildung in Niere und Blase.
2. 5. 2 St√∂rung des Elektrolyt - und Fl√ľssigkeitshaushaltes
Antazida können in nicht unerheblichem Ausmaß Natrium enthalten. Dies ist z.T. eine Folge des pharmazeutischen Produktionsprozesses und geschmackskorrigierender Maßnahmen. Bei langdauernder hochdosierter Einnahme sind vor allen Dingen Patienten gefährdet, die an einem nicht erkannten und nicht behandelten Bluthochdruck leiden. Die Hersteller von Antazida geben in den USA deshalb den Natriumgehalt ihrer Präparate mit an. Der Literatur zufolge kann bei gleicher Dosis von Antazida der Natriumgehalt von 0,1 bis fast 10 mmol, d.h. um das Hundertfache, schwanken! Deshalb ist einer möglichen unkontrollierten Natriumzufuhr mit Antazida eine besondere Aufmerksamkeit zu schenken! Wegen der unkontrollierten und langdauernden Natriumeinnahme ist Natriumbikarbonat unter ärztlichem Aspekt als Antazidum abzulehnen.

2. 6 Weitere Gesichtspunkte zur Darreichung der Antazida


Da die Nahrung bereits selbst durch die Verdauung S√§ure abbaut, werden die Antazida zwischen den Mahlzeiten eingenommen. Es bew√§hrt sich die Gabe einer ausreichenden Dosis jeweils 1 und 3 Stunden nach den Mahlzeiten sowie zur Nacht. Die S√§urehemmung soll dabei nur bis zum Fr√ľhst√ľck hinreichen, da tags√ľber ein Teil der Magens√§ure (50 %) durch die Mahlzeiten verbraucht wird. Insgesamt wird das Antazidum also pro Tag in sieben Einzeldosen verabreicht, was die Zuverl√§ssigkeit der Einnahme (Compliance) in Frage stellt. Auch aus diesem Grund werden Antazida zur Ulkustherapie nicht mehr verwandt.

C. Experimenteller Teil

1. Reaktion von Salzsäure mit Natriumhydrogencarbonat (in Form von "Bullrichsalz")mit Nachweis der Freisetzung von Kohlendioxid

Bullrichsalz ist der Produktname eines volkst√ľmlichen traditionellen Magenmittels, das durch das enthaltene Natriumhydrogencarbonat als Antazidum wirkt.
Im Versuch verwendete Materialien - Salzsäure, Bullrichsalz und Kalkwasser.
Versuchsbeschreibung - In ein Reagenzglas mit 20 ml Salzs√§ure (1 mol/L; pH= 0.7) wird 5 Gramm Bullrichsalz gegeben und das Reagenzglas mit einem Deckel abgedeckt, durch den ein Schlauch f√ľhrt. Durch den Deckel wird verhindert, dass das freiwerdende Gas verloren geht, und mit Hilfe des Schlauches wird das Gas aufgefangen und in eine Gaswaschflasche geleitet, in der sich Kalkwasser ( Ca(OH) 2 ) befindet.
Die Reaktion l√§uft sofort heftig sprudelnd ab und endet nach wenigen Sekunden. Nach Ende der Reaktion wurden folgende Beobachtungen gemacht: Der nun gemessene pH - Wert ist erh√∂ht und betr√§gt 7.5. In der Gaswaschflasche zeigt sich eine wei√üe Tr√ľbung des Kalkwassers, und im Reagenzglas sind kleine, salzartige Partikel zu erkennen.
Erläuterung des Versuchsgeschehens - Durch Zufuhr des im Bullrichsalz enthaltenen Natriumhydrogencarbonats wird die Salzsäure neutralisiert, und zwar nach der Formel
NaHCO3 + HCl ⇔ NaCl+ H20+ CO2
Das dabei freigewordene CO2 reagiert mit Kalkwasser und erzeugt den weißen Niederschlag, der von Calicumcarbonat stammt. Die zugehörige Formel lautet:
CO2+ Ca2++ 2OH - ⇒ CaCO3+ H20

2. Untersuchung des Bullrichsalzes auf seine Pufferwirkung

Unter Pufferung versteht man die Tatsache, dass eine Lösung ihren pH - Wert bei Zusatz einer starken Säure oder Base nur weniger verändert als aufgrund der Stärke der Säure/der Base zu erwarten wäre.
Hier war zu untersuchen, ob das im Bullrichsalz enthaltene Natriumhydrogencarbonat eine solche puffernde Wirkung hat und wenn ja, in welchem Umfang.
Im Versuch verwendete Materialien - Salzsäure, Bullrichsalz
Versuchsbeschreibung - wie im ersten Versuch beschrieben wurde Bullrichsalz in die Säure mit pH - Wert 0,7 gegeben, und zwar solange, bis die Säure neutralisiert und dann sogar die basische Ionen - Konzentration höher war. Dies wurde jeweils durch Messungen des pH - Werts kontrolliert. Dieser Versuchsteil wurde beendet, nachdem der pH - Wert auf 7,3 angestiegen war.
Dieser nunmehr basischen L√∂sung wurde nun durch Titration Salzs√§ure, und zwar erneut mit pH - Wert 0,7, hinzugef√ľgt. W√§hrend des Versuchs wurde der pH - Wert der L√∂sung h√§ufig √ľberpr√ľft. Der Versuch wurde bei einem pH - Wert der L√∂sung von 1,9 beendet (siehe Tabelle 1 im Anhang), da ein klares Ergebnis erkennbar war.
Erläuterung des Versuchsgeschehens - Tabelle 1 zeigt die pH - Werte der Ausgangslösung (Spalte 1) in Abhängigkeit von der zugegebenen Säuremenge (Spalte 2). In Spalte 3 ist die erforderliche Säuremenge abzulesen, die jeweils erforderlich ist, um den pH - Wert um den konstanten Betrag von 0,1 abzusenken. Während hierzu vom Ausgangswert von 7,3 auf 7,0 zunächst nur rund 0,9 ml Säure erforderlich waren, steigt diese Kennzahl im Bereich von pH = 6,4 auf 6 ml an. Das heißt, dass in diesem Bereich das Bullrichsalz seine stärkste Pufferwirkung zeigt. Danach allerdings, und zwar schon im Bereich von pH = 6,0, fällt dieser Wert mit 3,0 rasch auf die Hälfte und erreicht bei etwa pH = 4,0 den im weiteren Versuchsablauf nicht mehr unterschrittenen Wert von 0,1. In diesem Bereich hat die Lösung ihre Pufferwirkung gänzlich verloren. Da dieser Wert konstant blieb, wurde der Versuch bei pH = 1,9 beendet.

3. Untersuchung des Medikaments Maaloxan¬ģ auf vorhandene Pufferwirkung

Aus der Gebrauchsinformation des Produkts geht hervor, dass die Wirkstoffe des Medikaments Aluminiumoxid und Magnesiumhydroxid im Verhältnis 1:2 vorhanden sind. Wesentliche sonstige Bestandteile sind Saccharose und Saccharin - Natrium.
Im Versuch verwendete Materialien - 20 ml Salzs√§ure (1 mol/Liter; pH - Wert 0,4), Maaloxan¬ģ in Tablettenform mit einem Gewicht von 9,7 g.
Versuchsbeschreibung - Die Tabletten wurden in einem M√∂rser zu Pulver verrieben und dann der S√§ure, die in einem Reagenzglas war, zugegeben. Die Medikamente l√∂sten sich nicht von selbst in der S√§ure auf, sondern mussten l√§ngere Zeit gesch√ľttelt werden. Der erste pH - Wert wurde mit 6,8 festgestellt. Danach steigerte sich der pH - Wert innerhalb von ca. 20 Minuten auf 7,6 und sank dann innerhalb von 5 Minuten wieder auf 7,42. Nun wurde mit der Titration begonnen und w√§hrend der S√§urezugabe immer wieder der pH - Wert ermittelt. Dabei konnte festgestellt werden, dass bei kurzzeitiger Unterbrechung der S√§urezufuhr der pH - Wert wieder anstieg, und zwar nach etwa 5 Minuten auf den urspr√ľnglichen Wert von oder sogar etwas dar√ľber und auf dieser H√∂he stehen blieb. Darauf hin wurde in einem zweiten Durchgang erneut S√§ure zugegeben, woraufhin der pH - Wert auf 7,24 absank, dann nach Beendigung der S√§urezufuhr und drei Minuten Pause wieder 7,42 erreichte....
Dieser Zyklus von S√§urezugabe, Senkung des pH - Werts, Abwarten und Anstieg des pH - Werts wurde mehrmals wiederholt, wobei sich der obere pH - Wert Schritt f√ľr Schritt und kontinuierlich absenkte. Auf jeder Ebene f√ľhrte die Pause der S√§urezugabe jedoch Schritt f√ľr Schritt auch stets zu einer Erh√∂hung des pH - Wertes. Einzelheiten zu den Ergebnissen der zahlreichen Versuche, die bis zu einem unteren pH - Wert von 2,98 durchgef√ľhrt wurden und eine Gesamtzeit von ca. 3 Stunden in Anspruch nahmen, sind der Tabelle 2 - Ermittlung der Pufferkapazit√§t des Antazidum Maaloxan¬ģzu entnehmen.
Erläuterung des Versuchsgeschehens - Maaloxan ist - im Gegensatz zu Bullrichsalz und anderen traditionellen Antazida - ein erheblich langsamerer Aufnehmer der Säure, die Wirkung könnte man mit der sogenannten "Retard" - Wirkung verschiedener anderer Präparate vergleichen. Es dauerte immerhin 20 Minuten, bis durch Maaloxan der pH - Wert von 0,4 auf 7,42 angestiegen war.
Was die Pufferwirkung betrifft, ist diese erheblich dauerhafter, man k√∂nnte sagen, dass das Medikament selbst bei l√§nger andauernder Zugabe von S√§ure den pH - Wert verh√§ltnism√§√üig hoch halten kann. Hinzu kommt, dass es dem Medikament relativ bald gelingt, - im Versuch wurden Pausen der S√§urezuf√ľhrung von 3 bis 5 Minuten gew√§hlt - den pH - Wert sogar wieder zu steigern. Diese Steigerungen bleiben √ľber die gesamte Versuchszeit hinweg deutlich messbar, jedoch gehen nach Zuf√ľhrung gr√∂√üerer S√§uremengen diese Steigerungen des pH - Werts bereits nach Zugabe immer geringerer S√§uremengen wieder verloren. Schlussfolgerung: Maaloxan ist imstande, erhebliche S√§uremengen zu neutralisieren, dies auch √ľber l√§ngere Zeit und dar√ľber hinaus den pH - Wert auch immer wieder zu steigern. Erst bei extremer √úbers√§uerung l√§sst diese F√§higkeit langsam nach.
PH - Wert der Bullrichsalz - Lösung
Menge (ml) der hinzugegebenen HCl (pH = 0.6)
zusätzliche Säuremenge, um den pH - Wert um 0,1
zu reduzieren
7.3
0.0

7.3
0.1

7.3
0.2

7.3
0.4

7.2
0.8
0,8
7.2
1.1

7.2
1.2

7.1
1.4
0,6
7.1
1.9

7.1
2.2

7.0
2.6
1,2
7.0
3.1

7.0
3.4

7.0
4.4

6.9
5.4
2,8
6.9
7.4

6.8
9.4
4,0
6.7
12.4
3,0
6.7
14.4

6.6
17.4
5,0
6.5
21.4
4,0
6.5
23.4

6.4
27.4
6,0
6.3
30.4
3,0
6.1
33.4
1,5 [3]
6.0
36.4
3,0
5.3
40.4
0,6[4]
4.3
42,0
<0,2[5]
2.9
42.1
<0,1[6]
2.6
42.3
0,1[7]
2.5
42.4
0,1
2.4
42.5
0,1
2.2
42.7
0,1[8]
1.9
43.4
0,1


Tabelle 1 - Ermittlung der Pufferkapazität der Bullrichsalz - Lösung







Tabelle 2
Menge (ml) hinzugegebene HCl ( pH=0.6)
pH - Wert der Maaloxan - Lösung
Nach...Minuten Pause pH - Wert auf...
0
7.42

0.5
7.42

1.0
7.42

1.5
7.40

2.0
7.30

2.5
7.30

3.0
7.29

3.5
7.30

4.0
7.27

4.5
7.23

5.0
7.20
5...7.45
5.5
7.38

5.7
7.34

6.0
7.28

6.5
7.24

7.0
7.18

7.3
7.19
4...7.42
7.5
7.39

8.0
7.29

8.2
7.26

8.5
7.22

8.8
7.19

9.0
7.18
4....7.45
9.5
7.40

10.0
7.30

10.5
7.23

11.0
7.19

11.5
7.19
4....7.37
12.0
7.25

12.3
7.21

12.5
7.20

13.0
7.18
4.... 7.36
14.0
7.18

14.5
7.15

15.0
7.13
4.....7.35
15.5
7.21

16.0
7.07
4.....7.36
16.5
7.28

17.0
7.17

17.5
7.10

18.0
7.06
4.....7.32
18.5
7.16

19.0
7.06
4.....7.28
19.5
7.13

20.0
7.03

20.2
6.97
4....7.26
- Ermittlung der Pufferkapazit√§t des Antazidums Maaloxan¬ģ

Menge (ml) hinzugegebene HCl ( pH=0.6)
pH - Wert der Maaloxan - Lösung
Nach...Minuten Pause. pH - Wert auf....
20.5
7.20

21.0
7.05

26.8
7.00

26.5
6.93
4... 7.20
27.0
7.10

27.3
7.00

27.5
6.95

27.8
6.87

28.0
6.82

28.5
6.74
4...7.10
29.5
6.78

30.5
6.70

31.0
6.58
3...7.00
31.5
6.79

32.0
6.62

32.5
6.47

33.0
6.36

33.5
6.30
3...6.68
34.0
6.60

34.5
6.54

36.0
6.14
3...6.72
36.5
6.48

37.0
6.42

37.5
6.30

38.0
6.12

38.5
5.99
3...6.43
39.0
5.99

40.0
5.97

41.0
5.87

42.0
5.72
3...5.88
43.0
5.47

44.0
5.14
3...5.42
45.0
4.63

46.0
4.02
3...4.56
47.0
3.77

48.0
3.33
3...4.22
49.0
3.09

50.0
2.98

Fortsetzung der Tabelle 2
- Ermittlung der Pufferkapazit√§t des Antazidums Maaloxan¬ģ


[1 Das Produkt heißt ]Antramups
[1] LD = Lethale Dosis; LD - 50 = LD, bei der 50 % der Versuchstiere verenden.
[2] Metabolisch: Den Stoffwechsel (Metabolismus) betreffend
[3] (3,0 auf 0,2)
[4] (4,0 auf 0,7)
[5] (1,6 auf 1,0)
[6] (0,1 auf 1,4)
[7] (0,3 auf 3)
[8] (0,2 auf 2)

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