Monopol im deutschen Telekommunikationsmarkt

1 Das Monopol in deutschen Telekommunikationsmarkt

2 Das Monopol und die vollständige Konkurrenz

Das Angebotsmonopol Der vollkommene Markt Wohlfahrtsverluste in einem Monopol

3 Die Entwicklung der Deutschen Bundespost zur Telekom

3.1 Postreformen

3.2 Die Telekom AG und ihr Börsengang

4 Mobilfunk in Deutschland

4.1 Lizenzvergabe f√ľr Mobilfunkdienste

4.2 Service Provider

4.3 Wachstumsmarkt Mobilfunk

5 Monopolverlust der Deutschen Telekom AG

6 Die neuen Wettbewerber

6.1 Die größten Konkurrenten der DTAG

6.2 Kundenpotentiale f√ľr die neuen Anbieter

6.3 Wettbewerbsstrategien der neuen Anbieter

6.4 Mobilcom

7 Regulatorische Prozesse

7.1 Regulierungsbeispiel

8 Kritische Betrachtung der Liberalisierung des Deutschen Telekommunikationsmarktes

Das Monopol im deutschen Telekommunikationsmatkt

Bis zum 1.1.1998 hatte die Deutsche Telekom AG das Fernmeldemonopol in der Bundesrepublik Deutschland. Die Telekom besa√ü sowohl das Netzmonopol, wie auch das Errichtungsmonopol f√ľr Funkanlagen. Ursache f√ľr die Errichtung des staatlichen Fernmeldemonopols Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland waren machtpolitische- milit√§rische und fiskalpolitische Erw√§gungen (Voeth;1996).

Die Telekom ist weltweit der drittgrößte und in Europa der größte Anbieter von Telekommunikationsdiensten mit einem der technisch höchstentwickelten Netze der Welt. 1994 erzielte die Telekom einen Umsatz von 63.8 Milliarden DM der im Jahre 1995 auf 66.1 Milliarden DM anwuchs (o.V.;1996).

Im Rahmen der Europ√§ischen Union entwarf die Europ√§ische Kommission Mitte der 80er Jahre Richtlinien, die eine Entmonopolisierung der Telekommunikationsm√§rkte der europ√§ischen Mitgliedsstaaten vorsahen. Richtlinien der Europ√§ischen Kommission m√ľssen in Form eines Gesetzes in den Mitgliedsstaaten umgesetzt werden. Die schrittweise Liberalisierung des deutschen Telekommunikationsmarktes wurde von der Bundesrepublik Deutschland durch das Poststrukturgesetz und das Postneuordnungsgesetz eingeleitet. Ziel dieser beiden Gesetze ist es, eine Umwandlung der Rechtsform von einem staatlichen Monopol zu einer Kapitalgesellschaft. Die Anteile der Deutschen Telekom AG sollen schrittweise an private Investoren ver√§u√üert werden (Gerpott;1997).

Nach einer theoretischen Analyse soll eine Betrachtung des momentanen Telekommunikationsmarktes in Deutschland vorgenommen werden. Ich werde auf die regulatorischen Prozesse in dem liberalisierten Markt eingehen und eine kritische Beurteilung vornehmen.

Das Monopol und die vollständige Konkurrenz

Im folgenden Teilen werden verschiedene, f√ľr meine Arbeit relevanten Marktformen betrachtet. In diesem theoretischen Teil werde ich auf spezielle Marktformen, wie das Angebotsmonopol und den vollkommenen Markt, eingehen. Diese Form des Monopols war in der Vergangenheit f√ľr den deutschen Telekommunikationsmarkt charakteristisch. Die Form des vollkommen Marktes wird in Deutschland f√ľr die Zukunft angestrebt.

Das Angebotsmonopol

Bei einem Monopol handelt es sich um eine Marktform, bei der auf der Seite des Angebotes oder der Nachfrage nur ein Anbieter beziehungsweise nur ein Nachfrager vorhanden ist. Der Monopolist hat die Möglichkeit als Preisfixierer einen Preis festzusetzen und die nachgefragte Menge zu decken. Eine andere Option des Angebotsmonopolisten ist die Mengenfixierung, bei der eine bestimmte Menge angeboten wird und sich der Preis aufgrund der Nachfrage bildet.

2.2 Der vollkommene Markt

Den Gegensatz zum Monopol bildet die vollständige Konkurrenz in Form eines vollkommenen Marktes. Bei vollständiger Konkurrenz existieren auf beiden Marktseiten viele kleine Marktteilnehmer, was als Polypol bezeichnet wird. Der vollkommene Markt ist dadurch gekennzeichnet, dass die einzelnen Marktteilnehmer nur einen zu vernachlässigenden Einfluß auf dem Preis nehmen können. Die Anbieter können sich im vollkommenen Markt lediglich als Mengenanpasser verhalten (Varian;1991). In Abbildung 1 (Anhang) wird ein Markt dargestellt, bei der die Preiseinheiten auf der Ordinate und die Mengeneinheiten auf der Abzisse abgebildet sind. Es wird von einem Markt mit einer Angebotskurve A und einer Nachfragekurve ausgegangen. Bei vollständiger Konkurrenz wird der Gleichgewichtspreis und die dazugehörige Absatzmenge durch den Schnittpunkt x* der beiden Kurden bestimmt (Frank;1995).

Der Monopolist bildet das alleinige Angebot f√ľr seinen entsprechenden Markt (Anhang: Abbildung 2). Er hat Preissetzungsspielr√§ume, da die Haushalte keine Auswahlm√∂glichkeiten auf identische Produkte anderer Anbieter haben. Der Monopolist produziert eine gewinnmaximierende Preis- Mengen- Kombination, den Cournotschen Punkt C. Die gewinnmaximierende Menge wird durch den Schnittpunkt der Grenzerl√∂skurve GE und Grenzkostenkurve GK gebildet. Der dazugeh√∂rige Preis wird durch die Nachfrage bestimmt.

2.3 Wohlfahrtsverluste in einem Monopol

Sobald in einer Volkswirtschaft ein Angebots Monopol existiert, kommt es zu einem volkswirtschaftlichen Verlust (Anhang: Abbildung 3). Durch die geringere Menge die der Monopolist anbietet ist die Marktversorgung schlechter als bei vollständiger Konkurrenz. Da in einem Monopol die Nachfrage von x* nach xm reduziert wird und der Preis von p* auf pm steigt, ist der Konsument schlechter gestellt als in einem vollkommenem Markt bei vollständiger Konkurrenz. Die Konsumentenrente, die als maximale Zahlungsbereitschaft und dem Marktpreis definiert ist, ist im Monopol geringer. Es findet eine Umverteilung der Rente zugunsten des Produzenten statt. Dieser Verlust wird Effizienzverlust genannt. Durch die geringere Angebotsmenge sind die Produktionsfaktoren, wie etwa Arbeit und Produktionsanlagen, nicht voll ausgelastet.

Diese negativen Effekte sind einige Gr√ľnde weshalb Monopole in einer Volkswirtschaft nicht w√ľnschenswert sind. Bei einer vollst√§ndigen Konkurrenz entstehen keine Wohlfahrtsverluste und die Produktionsfaktoren sind ausgelastet. Der Optimalfall f√ľr eine Volkswirtschaft ist der vollkommene Markt.

Die Entwicklung der Deutschen Bundespost zur Telekom

Die Deutsche Bundespost wurde 1949 in Bonn gegr√ľndet. Sie besa√ü das Monopol im Deutschen Post- und Fernmeldewesen. Im Jahre 1989 wurde das Gesetz zur Neustrukturierung des Post- und Fernmeldewesens verabschiedet. Dieses Gesetz wird als Postreform I bezeichnet. Die DBP wurde in drei Teile aufgeteilt, welche dem Bundesminister f√ľr Post und Telekommunikation unterstanden. Es entstanden die Telekom, Postbank und der Postdienst. Sie blieben jedoch weiterhin √∂ffentlich-rechtliche Unternehmen und verf√ľgten √ľber ein gemeinsames Direktorium. Ein flexibles unternehmerisches Handeln war der Telekom, Postbank und dem Postdienst durch die bundeseigene Verwaltung nicht m√∂glich.

3.1 Postreformen

Die gesetzliche Umsetzung der Postreform I stellt das Poststrukturgesetz dar. Es wurde im April 1989 vom Bundestag verabschiedet, und trat am1.7.1989 in Kraft. Die Postreform I leitete die Liberalisierung des Post- und Fernmeldewesens in den Bereichen Endgeräte, Satellitenfunk, Mobilfunk und Telekommunikationsdienste ein. Die Telefondienste waren in den Bereich der Telekommunikationsdienste nicht inbegriffen.

Die Postreform II wurde durch das Postneuordnungsgesetz vom Januar 1994 eingeleitet. Ziel ist es gewesen, die Unternehmen Telekom, Postbank und Postdienst zu Aktiengesellschaften umzubilden und die Regelungen im Telekommunikationswesen zum 31.12.1997 außer Kraft zu setzen. Dies war nötig, da die deutschen Gesetze an das europäische Recht und an die europäische Wettbewerbspolitik angepaßt werden mussten. Diese zweite Postreform beließ die drei Unternehmen in bundeseigener Verwaltung, gewährte ihnen jedoch flexibeles und eigenverantwortliches Handeln. So entstanden am 2.1.1995 die Deutsche Telekom AG, die Deutsche Post AG und die Deutsche Postbank AG. Die Postreform II enthält außerdem Regelungen, welche die Möglichkeiten des Bundes, Aktien am Kapitalmarkt vor Ablauf des 31.12.1999 zu veräußern, eingeschränkt.

In naher Zukunft wird es eine Postreform III geben. Diese Postreform sollen die vorhandenen ordnungspolitischen Instabilitäten, welche durch die Postreform II nicht geklärt wurden, beseitigen. Zudem soll sie die rechtsverbindlichen Vorgaben, die durch die Europäische Gemeinschaft bestehen, umsetzen.

3.2 Die Telekom AG und ihr Börsengang

Die Bundesrepublik Deutschland war bis zu dem B√∂rsengang der Deutschen Telekom AG alleiniger Aktion√§r. Und dem hohen Wettbewerbsdruck in einem lieberealisierten Markt entgegentreten zu k√∂nnen, hat sich die DTAG mit dem B√∂rsengang im November 1996 Kapital in H√∂he von 3,565 Milliarden DM besorgt, um einen gewinnbringenden und technisch fortschrittlichen Telefonverkehr gew√§hrleisten zu k√∂nnen. Nach der Durchf√ľhrung des globalen Angebotes der DTAG Aktien, ist der Anteil des Bundes auf ungef√§hr 76,5% reduziert worden. Dieser Anteil reicht immer noch aus um alle Beschl√ľsse in der Hauptversammlung herbeizuf√ľhren. Nach einer zweiten Aktienemissionen soll der Anteil des Bundes auf 67% zur√ľckgef√ľhrt werden. Die DTAG hat globale 713 Millionen Aktien angeboten. Ungef√§hr 65% dieser Aktien wurden nur in der Bundesrepublik Deutschland angeboten. Der Rest des Angebotes ist zu 15% in Amerika, 10% im Vereinigten K√∂nigreich, 5% im √ľbrigen Europa und 5% in Asien und der √ľbrigen Welt angeboten worden (Anhang: Abbildung 4). Der Bund hat bei allen diesen Angeboten auf seine Bezugsrechte verzichtet, um hat aus dem Verkauf der Aktien keinen Erl√∂s erhalten. Der Wert dieser Bezugsrechte betrug 3,565 Milliarden DM.

Die Aktien der DTAG konnten ab dem 9.10.1996 gezeichnet werden. Am 21.10.1996 wurde die Preisspanne des Verkaufspreises pro Aktie ver√∂ffentlicht. Sie betrug 25,- bis 30,- DM. Der endg√ľltige Verkaufspreis pro Aktie wurde am 17.11.1996 bekanntgegeben, und betrug 28,50 DM. Der Handel mit den Aktien der DTAG ist am 18.11.1996 an allen deutschen Wertpapierb√∂rsen und an der New York Stock Exchange aufgenommen worden. Der Handel an der Wertpapierb√∂rse von Tokio begann am 19.11.1996. Durch die Gr√∂√üe der DTAG ist die Aktie automatisch in den DAX aufgenommen worden. Der B√∂rsengang der die DTAG wurde von einer breit angelegten Werbekampagne begleitet, welche bis √ľber die Emission hinaus andauerte. Inwieweit der Bund ab dem Jahr 2000 seine Anteile an der DTAG weiter reduzieren wird, ist gesetzlich nicht geregelt. Geplant ist, dass in einem zweiten Schritt in den Jahren von 1998 oder 1999 weitere 10% des Unternehmens ver√§u√üert werden und das Grundkapital der DTAG um 1,4 Milliarden DM erh√∂ht wird. Der Bund hat solange noch einen starken Einflu√ü auf die Unternehmenspolitik der DTAG, bis der Bund kein Mehrheitsaktion√§r mehr ist. Die Bundesrepublik w√§re auch mit dieser zweiten Anteilsver√§u√üerung in Europa immer noch weit hinter ihren Europ√§ischen Nachbarn, die schon wesentlich gr√∂√üere Ver√§u√üerungen ihrer Telekommunikationsunternehmen realisieren konnten (Anhang: Abbildung 5).

4 Mobilfunk in Deutschland

In Deutschland versorgen zur Zeit drei verschiedene Netze den Mobilfunk. Dabei teilen sich D1, D2 und E-Plus das digitale Netz. Auf das C-Netz werde ich nicht weiter eingehen, da es trotz sehr gutem Netzausbau im Vergleich zu den digitale Netzen veraltet ist. Der Unterschied zwischen D- und E-Netz liegt in der unterschiedlichen Funkfrequenz mit denen die Ger√§te senden. Die seit 1992 in Betrieb genommenen D-Netze sind dichter ausgebaut als das seit 1994 in Betrieb befindlichen E-Netz. Der Ausbau der Netze an Autobahnen und in St√§dten ist nahezu gleich, doch das E-Netz in den l√§ndlichen Gebieten noch zahlreiche L√ľcken. Ein anderer gro√üer Unterschied ist die Anwendung im Ausland. Die D-Netze sind in √ľber 50 L√§ndern einzusetzen, hingegen das E-Netz gerade einmal in zehn L√§ndern funktioniert.

Mitte 1998 wird ein weiteres E-Netz seinen Dienst aufnehmen. Es wird E2 heißen und der Netzbetreiber ist ein Joint-venture des Mischkonzerns Viag AG, der britischen Telekommunikationstochter British Telecom (BT) und des norwegischen Telefonkonzerns Telenor.

4.1 Lizenzvergabe f√ľr Mobilfunkdienste

Mit der ersten Postreform von 1. 4.1989 wurde das Monopol der DTAG bereits in den Bereich Mobilfunk und Telefongeräte aufgehoben. Im Dezember 1989 erhielt das Mannesmann Mobilfunk Konsortium die Lizenz zum Betreiben eines Mobilfunknetzes in Deutschland.

Die Lizenzvergabe wurde durch ein "Best of" abgewickelt. Der damalige Bundesminister f√ľr Post und Telekommunikation hatte die zehn Bewerbungen f√ľr die Mobilfunklizenz dem "Lenkungsausschu√ü Mobilfunk" √ľbertragen. Das Unternehmen Mannesmann Mobilfunk wurde als √ľberdurchschnittlich und √ľberragend in ihrer technischen Planung und Leistungsf√§higkeit von dem Ausschu√ü eingestuft, und gab dem Minister die Empfehlung den Zuschlag der Lizenz dem Mannesmann Mobilfunk Konsortium zu geben. Der Minister folgte dieser Empfehlung. Auch das Auswahlverfahren f√ľr die Vergabe der sogenannten E-Lizenz erfolgte nach dem "Best of" verfahren. Der Minister folgte damals nicht dem Vorschlag der Europ√§ischen Kommission, welche vorgeschlagen hatte die Lizenz zu versteigern. Der Minister erteilte im Februar 1993 dem E-Plus Konsortium von Thyssen und Veba die Lizenz.

4.2 Service Provider

Neben den Anbietern die DeTeMobil, Mannesmann Mobilfunk und E-Plus, gibt es noch die sogenannten Service Provider wie beispielsweise Debitel, Talkline oder Mobilcom. Diese unabh√§ngigen Dienste-Anbieter kaufen bei den Netzbetreibern Gespr√§chszeit im Mobilfunknetz bis zu 20% billiger ein. Diese Service-Provider entwickeln dann eigene Geb√ľhrenmodelle und bieten diese dem Kunden an.

4.3 Wachstumsmarkt Mobilfunk

Der Deutsche Telekommunikationsmarkt w√§chst stetig. 1995 hatte der deutsche Telekommunikationsmarkt ein Volumen von rund 72 Milliarden DM. Zus√§tzlich lagen die Endger√§teums√§tze 1995 bei ungef√§hr 12 Milliarden DM. Es wird eine j√§hrlicher Wachstum von 5% bis 7% f√ľr das n√§chste Jahrzehnt prognostiziert. Dabei wird der Mobilfunk von 6 Milliarden 1995 auf 22 Milliarden im Jahr 2005 ansteigen. Den Hauptanteil stellt weiterhin die Basistelefonie mit rund 67 Milliarden DM im Jahr 2005 (Anhang: Abbildung 6). Ma√ügeblich verantwortlich f√ľr das starke Wachstum im Mobilfunksektor sind die sinkenden Nutzungsgeb√ľhren und die immer g√ľnstiger werdenden Endger√§tepreise. Der rapide ansteigende Anteil an Privatkunden l√§sst die Mobilfunktelefonie zus√§tzlich zu einem Massenmarkt heranwachsen. Diese Effekte k√∂nnen es in kurzer Zeit dazu kommen lassen, dass es Mobilfunkkunden geben wird, die dann ausschlie√ülich mobil telefonieren werden.

1997 war Mannesmann Mobilfunk mit 3,5 Millionen Kunden der größte Mobilfunkanbieter in Deutschland. Dicht gefolgt wurde das Mannesmann D2 Netz von dem D1 Anbieter DeTeMobil mit 3,3 Millionen Kunden. Mit einer Million Kunden bleb der E-Netz Anbieter E-Plus 1997 weiter hinter den beiden Anbietern der D-Netze.

5 Monopolverlust der Deutschen Telekom AG

Das Monopol im Telekommunikationsmarkt ist der DTAG nicht erst am 1.1.1998 verlorengegangen. Zu diesem Datum ist der DTAG lediglich der bedeutendste Bereich, n√§mlich das Monopol am inl√§ndischen und internationalen √∂ffentlichen Sprachtelefondienst genommen worden, und f√ľr den Wettbewerb ge√∂ffnet worden, welche bis dahin durchschnittlich 75% der Ums√§tze der DTAG ausmachte. Zahlreiche Dienste in denen die DTAG ebenfalls t√§tig ist wurden schon vorher Entmonopolisiert und dem freien Wettbewerb zug√§nglich gemacht.

Viele M√§rkte in denen die DTAG t√§tig ist, wurden schrittweise durch die erste Postreform vom 1.4.1989 dem Wettbewerb ge√∂ffnet. So unterliegt die Text- und Daten√ľbertragung, der Sprachdienst f√ľr geschlossene Benutzergruppen, der Vertrieb und Service von Endger√§ten und der Mobilfunk schon seit dem vergangenen Jahren nicht mehr dem staatlichen Monopol der DTAG. Ebenso ist das Betreiben von Netzen f√ľr alle Formen der Telekommunikation, mit Ausnahme des √∂ffentlichen Sprachetelefondienstes im Festnetz, seit dem 1.8.1996 f√ľr den freien Markt zug√§nglich.

Nach Sch√§tzungen von Marktbeobachtern und nach internationalen Erfahrungen wird die DTAG durch den entstandenen Wettbewerb bis zu 30% seiner Kunden an die neuen privaten Telefongesellschaften abgeben m√ľssen. Die DTAG muss sich ab dem 1.1.1998 gegen tatkr√§ftige Konkurrenten durchsetzen, die mit einer schlanken und besseren Kostenstruktur der DTAG den Kampf angesagt haben. Nach allgemeinen Expertensch√§tzungen hat alleine nur der Deutsche Telekommunikationsmarkt in der Zukunft ein Marktvolumen von weit √ľber 100 Milliarden DM (Gerpott;1997).

6 Die neuen Wettbewerber

Mit der Er√∂ffnung des gesamten Telekommunikationsmarktes am 1.1.1998 haben eine Vielzahl von neuen Wettbewerbern als Lizenznehmer der Lizenzklasse 4 ihren Dienst im Sprachtelefondienst aufgenommen. Grunds√§tzlich kann man die neuen Anbieter in zwei Klassen einteilen. Die einen haben eine Bundesweite Lizenz und bieten auch Bundesweit ihre Dienste an. Die anderen Anbieter haben eine regional begrenzte Lizenz, welch ihnen nur erlaubt in Regionen anzubieten, f√ľr die Sie eine Lizenz haben (Anhang: Tabelle 1).

6.1 Die größten Konkurrenten der Deutschen Telekom AG

Die drei gr√∂√üten privaten Anbieter sind zur Zeit bei Mannesmann Arcor, o.tel.o communications und Viag Interkom. Die Anteilseigner bei Mannesmann Arcor sind die Deutsche Bahn AG (50,2%) und ein von der Mannesmann AG angef√ľhrtes Konsortium (49,8%). Das Mannesmann Arcor Unternehmen hat f√ľr die n√§chsten f√ľnf Jahre ein Investitionsvolumen von bis zu vier Milliarden DM geplant. o.tel.o ist eine gemeinsame Tochtergesellschaft der Stromgiganten RWE und Veba. o.tel.o hat angek√ľndigt bis zum Jahr 2005 eine Summe von rund sieben Milliarden DM in den freien Telefonmarkt zu investieren. Die Viag Interkom ist ein gemeinsames Tochterunternehmen der Viag AG (45%), der British Telekom (45%) und der norwegischen Firma Telenor (10%). Die Viag Interkom, die eine neueartige Infrastruktur aus Fest- und Mobilnetz in Betrieb nehmen will, haben sogar Investition von 7,5 Milliarden DM bis zum Jahr 2006 vorgesehen.

Im Vergleich zu den neuen Anbietern hat die DTAG immer noch zuviel Personal, und dadurch zu hohe Kosten. Die DTAG will bis zum Jahr 2000 ihre Mitarbeiterzahl vom ehemalig 260.000 auf 170.000 reduzieren. Die privaten Unternehmen wie o.tel.o planen ihr Personal von jetzt 3000 auf bis zu 10.000 im Jahr 2005 aufzustocken. Die Viag Interkom plant eine Mitarbeiterzahl von 9000 im Jahr 2006 (M√ľller-Michaelis; 1998). Das ist nat√ľrlich ein enormer Wettbewerbsvorteil der privaten Anbieter im Gegensatz zur DTAG. Den Mitarbeitern der DTAG musste der Service und die Dienstleistungen am Kunden erst beigebracht werden. Dazu muss die DTAG zahlreiche Schulungen f√ľr ihre Mitarbeiter veranstalten. Es wurde damit auch versucht von der Beh√∂rdenmentalit√§t der DTAG loszukommen. In dieser Hinsicht haben die privaten Anbieter ein besseres Image. Sie setzen freundliches und kompetentes Personal voraus.

6.2 Kundenpotentiale f√ľr die neuen Anbieter

Bei den deutschen Telekommunikationskunden ist nach einer repr√§sentativ-Studie des Emnid-Institutes von einem gro√üen Wechselpotential der Bundesb√ľrger auszugehen. Rund 64% der Deutschen sind bereit, Ihre Telefongesellschaft zu wechseln, sollten Sie bei einem anderen Anbieter ein g√ľnstigeres Angebot kriegen. Bei 97% sind die Geb√ľhren das zentrale Kriterium f√ľr die Wahl ihrer Telefongesellschaft.

Um eine angemessene Verzinsung des eingesetzten Kapital zu erzielen, damit ein Unternehmen auch langfristig √ľberleben kann ist nach internationalen Erfahrungen eine zweistelliger Marktanteil n√∂tig (Booz; 1997).(Anhang: Abbildung 7).

6.3 Wettbewerbsstrategien der neuen Anbieter

Da die Geb√ľhren f√ľr fast alle Kunden das zentrale Kriterium sind, setzten die neuen Anbieter genau an diesem Punkt an, und haben der DTAG den Kampf angesagt. Die privaten Anbieter wollen ein g√ľnstigeres Geb√ľhrenmodell ihren potentiellen Kunden anbieten. Dabei setzen Sie auf √ľbersichtliche und einfache Geb√ľhrenmodelle, die es dem Kunden erm√∂glichen sollen, sich schnell und einfach f√ľr ein Angebot zu entscheiden. Ein guter Service und eine kompetente Beratung sollen die neuen Kunden auch langfristig an einen privaten Anbieter binden. "Das Dienen soll in der deutschen Dienstleistungsgesellschaft wieder in den Vordergrund ger√ľckt werden. Die Kunden die im Monopol zum l√§stigen √úbel wurden, werden erst durch Wettbewerb zum K√∂nig" (http://www.bmwi.de/reden/1997/0514dlf.html). Die zuk√ľnftigen Unternehmensstrategien sollen sich nicht an den Technologischen M√∂glichkeiten, sondern vielmehr am Nutzen f√ľr den Kunden orientieren. Die neuen Anbieter versuchen dabei ihre Unternehmen optimal zu strukturieren. Wenig, aber kompetentes Personal welches eine gute Kostenstruktur des Unternehmens erlaubt, sollen den Wettbewerbsvorteil bringen.

Es wird sich zeigen ob die DTAG den neuen Anforderungen gerecht werden kann, und ein Wechsel der Kunden verhindern kann.

6.4 Mobilcom

Ein besonderes Augenmerk unter den neuen Anbietern im Sprachtelefondienst sollte man auf das Schleswiger Unternehmen Mobilcom, richten. Mobilcom ist erst 1997 an die Börse gegangen, und hatte damals ihre Aktien zu einem Ausgabekurs von 62,50 DM angeboten. Der Kurs ist bereits um das 20 fache gestiegen und lag am 30.03.1998 bei 1244 DM. Mobilcom wird demnach an der Börse mit 4,1 Milliarden DM bewertet, und ist damit sogar höher bewertet als der Sportwagenhersteller Porsche, welcher nur mit 3,1 Milliarden DM bewertet wird. Diese drastische Kurssteigerung spiegelt das starke Potential im deutschen Telekommunikationsmarkt, etwas verstärkt, wieder.

7 Regulatorische Prozesse

Um eine korrekte Durchf√ľhrung der Liberalisierung des deutschen Telekommunikationmarktes zu gew√§hrleisten, ist vom Bundesministerium f√ľr Post und Telekommunikation die Regulierungsbeh√∂rde f√ľr Telekommunikation und Post gegr√ľndet worden. Das wichtigste staatliche Ziele bei der Deregulierung ist die Etablierung eines funktionsf√§higen Wettbewerbes. Die Regulierungsbeh√∂rde soll unter anderem verhindern, dass die DTAG ihre Marktmacht nicht unfair zur Verdr√§ngung von neuen Wettbewerbern und zur Durchsetzung von √ľberh√∂hten Preisen Mi√übraucht.

Die drei Hauptaufgaben im Bereich der Deregulierung des deutschen Telekommunikationmarktes sind in der Marktzugangs-, Preis- und Qualitätsregulierung zu sehen. Es soll grundsätzlich jedem möglich seien in den deutschen Telekommunikationsmarkt als Händler, Hersteller oder Anbietern eintreten zu können. Dadurch sollen sich möglichst viele Marktteilnehmer auf dem Markt etablieren. Nur so kann eine hohe Wettbewerbsintensität und ein kundenfreundlicher Markt gewährleistet werden. Das Ziel der Preisregulierung ist nicht nur in der Verhinderung einer ausbeuterischen Preissetzung zu sehen. Es soll auch eine strategische Preissetzung des Monopolisten zur Verhinderung von Markteintritten von neuen Wettbewerbern gänzlich ausschließen. Die Qualitätsregulierung ist mit der Preisregulierung eng verbunden. Nicht allein der Preis, sondern auch die Leistungsqualität ist ein Mittel der Unternehmenspolitik. So könnte zum Beispiel eine Preisregulierung ohne ein entsprechende Qualitätsregulierung zur Folge haben, dass die Unternehmen den regulierten Preisen durch eine Anpassung ihrer Qualitätspolitik in die Quere kommen.

7.1 Regulierungsbeispiel

Ein aktuelles Beispiel wie die Regulierungsbeh√∂rde in den Markt eingreift, ist das festlegen des monatlichen Mietpreises f√ľr Leitungen die von einem Wettbewerber genutzt werden. Die Telekom verlangte bislang von ihren Wettbewerber einen monatlichen Mietpreis von 28,80 DM. Die Regulierungsbeh√∂rde entschied nun, dass die DTAG h√∂chstens 20,65 DM verlangen darf, und f√ľgte damit die Unternehmensstrategie der DTAG einen herben R√ľckschlag zu.

8 Kritische Betrachtung der Liberalisierung des Deutschen Telekommunikationsmarktes

Mit der Gr√ľndung der Regulierungsbeh√∂rde hat die Bundesregierung einen wichtigen Schritt getan, um eine gerechte Regulierung im deutschen Telekommunikationsmarkt zu gew√§hrleisten. Die spezifischen Liberalisierungsentscheidungen welche die Regulierungsbeh√∂rde treffen musste und in Zukunft treffen muss, d√ľrfen nicht untersch√§tzt werden. Internationale Erfahrungen in bereits deregulierten L√§ndern zeigen, dass die Entscheidungen des Regulierers das Entstehen von Wettbewerb erheblich beschleunigen oder verz√∂gern k√∂nnen.

Die Bundesrepublik ist nicht der Vorreiter in der Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes in Europa, und schon gar nicht weltweit. Den europäischen Zeitplan hat sie dennoch eingehalten. Länder wie Großbritannien, Schweden und Finnland waren in diesem Bereich in der Vergangenheit zukunftsorientierter. Die in mehreren Schritten eingeleitete Liberalisierung des deutschen Telekommunikationsmarktes hat es der Bundesregierung ermöglicht, sich optimal auf den Liberalisierungsprozeß vorzubereiten.

In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit kommt der Beschäftigungsentwicklung in der Telekommunikation besondere Bedeutung zu. Der in Deutschland stark wachsenden Markt im Telekommunikationsbereich lässt dabei hoffen, dass die Entlassungen bei der Deutschen Telekom AG, welche durch die Liberalisierung bedingt sind, zumindest durch die Schaffung neuer Arbeitsplätze bei den neun Anbietern kompensiert werden können.

Das nicht gerade Serviceverw√∂hnte Deutschland kann im Telekommunikationbereich einer Verbesserung sicher sein. Freuen k√∂nnen sich die Deutschen auf jeden Fall auf sinkende Telefongeb√ľhren. Seit 1.1.1998 sind sie in Deutschland schon gesunken. Sie werden es auch weiter tun!

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