Investitionen

1 Allgemeines

Thema dieser Seminararbeit sind Investitionen in die Infrastruktur, oder allgemein die Verwendung von Geld- oder Sachkapital f√ľr die Erneuerung oder den Ersatz von Einrichtungen, die f√ľr die Wirtschaft eine Basisfunktion inne haben.

Nach einleitenden Definitionen und Klassifikationen werden f√ľr Infrastrukturinvestitionen Merkmale und Bedeutung aufgezeigt, wobei der Schwerpunkt sowohl auf Investitionen in die materielle Infrastruktur als auch auf Investitionen in den Menschen liegt.

In der heutigen, von zunehmendem Wettbewerb und fortschreitender Internationalisierung der Wirtschaftsprozesse gekennzeichneten Zeit erw√§gen viele Unternehmen Produktion, Forschung und Entwicklung in das Ausland zu verlagern. Was spricht dagegen? Ein wohl unbestrittener Standortvorteil gegen√ľber vielen Staaten in Osteuropa, Asien oder S√ľdamerika ist aktuell in der langfristig gewachsenen, modernen und leistungsf√§higen Infrastruktur zu sehen. Diese Infrastruktur besteht nicht nur aus Verkehrs-, Kommunikations- und Energieversorgungsnetz, sondern umfa√üt auch das Rechtssystem und ganz besonders alle Einrichtungen der Aus- und Weiterbildung der Bev√∂lkerung. Um nicht auf diesem Stand stehen zu bleiben, was einem R√ľckschritt gleich k√§me, bedarf es st√§ndig neuer Anstrengungen in Form von Investitionen, wobei Staat und Unternehmen, bez√ľglich Investitionen in das Humankapital aber jeder Einzelne gefordert sind.

2 Investitionen

2.1 Begriff der Investition

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff der Investition f√ľr die Verwendung von Finanzmitteln zur Anschaffung von Produktionsmitteln verwand.

Das Handw√∂rterbuch der Wirtschaftswissenschaft definiert den Vorgang der Investition aus volkswirtschaftlicher Sicht als Konsumverzicht in der gegenw√§rtigen Periode, "um in k√ľnftigen Perioden G√ľter verbrauchen zu k√∂nnen. Investitieren bedeutet daher Verwendung von G√ľtern zur Erhaltung, Erweiterung oder Verbesserung des Produktionsapparats einer Volkswirtschaft."(Albers, S.246f.) Dieser Produktionsapparat umfa√üt neben dem Sachkapital im engeren Sinne, wie Maschinen, Geb√§uden und Verkehrswegen, auch das "Humankapital, das institutionelle Kapital sowie konsumorientierte √∂ffentliche und private Anlagen bzw. Anlageg√ľter."(Enke, S.1)

√Ąhnlich erkl√§rt Streit (Vgl. S.196) die Investition als Aufwand von Produktionsfaktoren (Kapital, Boden, Arbeit und technisches Wissen) um in Zukunft Einkommen zu erzielen. Anlass daf√ľr ist die Aufnahme oder Erweiterung des Produktionsprozesses, Ersatz f√ľr bereits bestehende Anlagen oder das Bestreben den Produktionsablauf effektiver zu gestalten.

Investitionen stellen demnach immer die Verwendung knapper Ressourcen - z.B. Geld oder Arbeitskraft - dar. Sie verbessern/erneuern die Ausstattung der Wirtschaft mit langfristig nutzbaren G√ľtern, zu denen auch Bildung oder Kulturg√ľter z√§hlen. Die Rendite, des f√ľr die Investition aktuell erforderlichen Konsumverzichts, besteht in k√ľnftigem Einkommen, welches dann, zumindest teilweise, konsumiert werden kann. Charakteristisch ist auch, dass der Investor seine Investitionsentscheidung in Unkenntnis ob des Investitionserfolges treffen muss.

2.2 Arten der Investitionen

In Anlehnung an die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung wird bei Investitionen in Brutto-, Ersatz- und Nettoinvestitionen unterschieden. Die Bruttoinvestitionen, sie existieren in Form von Bruttoanlage- und Vorratsinvestitionen, sind definiert als Summe aus Ersatz- und Nettoinvestitionen, wobei die Ersatz- bzw. Reinvestitionen wertm√§√üig mit den in der betrachteten Periode vorgenommenen Abschreibungen √ľbereinstimmen und die Nettoinvestitionen der Ausweitung des Produktionsapparates und Ver√§nderungen in den Lagerbest√§nden entsprechen.(Vgl. Albers, S.247)

Sinnvoll ist auch die Einteilung verschiedener Investitionsarten anhand des Investitions-objektes (Vgl. Meyer, S.45), wobei folgende Gruppen entstehen:

Sachinvestitionen - z.B. Maschinen, Fabrikhallen, Kommunikationsnetze, Vorräte,

Finanzinvestitionen - z.B. Kauf von Aktien, festverzinslichen Wertpapieren,

Immaterielle Investitionen - z.B. Kosten der Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern.

Betrachtet man wie Streit (Vgl. S.196) hingegen den eigentlichen Zweck der Investition so gelangt man zur Einteilung in:

Gr√ľndungsinvestitionen, die vor der Aufnahme der Gesch√§ftst√§tigkeit erforderlich sind,

Ersatzinvestitionen, welche dem Austausch abgenutzter Anlagen dienen,

Erweiterungsinvestitionen, um beispielsweise in Konjunkturphasen eine größere Nachfrage befriedigen zu können,

und in Rationalisierungsinvestitionen, welche zur Steigerung der Arbeitsproduktivität getätigt werden.

Dar√ľber hinaus vorstellbar ist jede Kombination der letzten drei Varianten, z.B. eine auf Grund von Verschlei√ü zu ersetzende Maschine wird durch ein leistungsf√§higeres Modell ausgetauscht, was sowohl als Ersatz- als auch als Rationalisierungsinvestition betrachtet werden kann. Ein weiteres Investitionsmotiv kann in neuen Gesetzen, wie Auflagen des Umweltschutzes, bestehen.

Von der Frage - Welcher Art sind die Effekte der Investition? - gelangt Enke (S.16) zu folgenden Klassen der Investitionen:

"- solche, die ausschließlich produktiv sind,

- solche, die zugleich produktiv und konsumtiv sind,

- und solche, die ausschließlich konsumtiv sind."

Diese Einteilung basiert auf einem Definitionsbegriff des Produktionsapparates im weiteren Sinne, da Investitionen produktiver und konsumtiver Art (z.B. Bildung) bzw. rein konsumtiver Art (z.B. Parks, Denkmäler) nicht ausgeschlossen sind.

Die Vielzahl verschiedener Klassifikationen weist auf die große Bedeutung zweckmäßiger Einteilungen hin. Die Klassifikationen unterscheiden sich nicht qualitativ sondern hinsichtlich des Untersuchungsobjektes.

3 Infrastruktur

3.1 Definition der Infrastruktur

Der Begriff der Infrastruktur stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Unterbau. Mit diesem Unterbau sind die Basiseinrichtungen einer Volkswirtschaft im engeren oder weiteren Sinne gemeint.

Eine durchg√§ngige exakte Begriffsbestimmung existiert in der einschl√§gigen Literatur nicht. So versteht das Gabler-Volkswirtschafts-Lexikon (S.525f.) unter Infrastruktur "die Grundausstattung einer Volkswirtschaft (eines Landes, einer Region) mit Einrichtungen, die zum volkswirtschaftlichen Kapitalstock gerechnet werden k√∂nnen, die aber f√ľr die private Wirtschaftst√§tigkeit den Charakter von Vorleistungen haben."

Während Knigge (Vgl. S.21) in Anlehnung an Tuchtfeldt und Jochimsen pragmatischer Weise unter Infrastruktur nur, die auch "social overhead capital" genannte, materielle Infrastruktur, wie Verkehrs- und Versorgungsnetze, versteht, gebraucht Bach (S.11) einen umfassenden Begriff: "Im weiteren Sinne umfaßt Infrastruktur rechtliche, organisatorische, personelle und materielle Bestandteile".

Auch Woll (S.336) bedient sich eines weiteren Begriffs, wenn er Infrastruktur, als "Ausstattung einer Volkswirtschaft mit Verkehrs- und Kommunikationseinrichtungen, Energieversorgung, Bildungs- und anderen eine wirtschaftliche Tätigkeit ermöglichenden und grundlegenden öffentlichen Einrichtungen, die Entwicklungsstand und Produktionsniveau des Landes bestimmen", definiert.

Typische Merkmale einer Infrastruktur sind (Vgl. Gabler-Volkswirtschafts-Lexikon,S.526):

Die Materielle und personelle Infrastruktur besitzt Investitionscharakter, d.h. der f√ľr deren Erstellung langfristig nutzbarer G√ľter n√∂tige Aufwand dient der Erzielung von Einkommen.

Da die Erstellung der Infrastruktur sehr kapitalintensiv ist, und das Kapital langfristig gebunden ist, erfolgt die Finanzierung häufig aus öffentlichen Mitteln.

Infrastruktur verursacht sowohl positive wie negative externe Effekte. So kann eine f√ľr die Erschlie√üung eines neuen Gewerbegebietes gebaute Stra√üe nat√ľrlich auch von nicht in dieser Region besch√§ftigen Personen befahren werden (positiver externer Effekt), der dort zu erwartende Verkehr bel√§stigt Anwohner der Stra√üe aber mit L√§rm und Abgasen (negativer externer Effekt).

Dar√ľber hinaus existieren weitere Merkmale (Vgl. Trunzer, S.11f.):

Die Infrastruktur ist technologisch nicht teilbar, sie kann weder importiert noch exportiert werden.

Infrastruktur besitzt den Charakter eines Kollektivgutes, sie kann von vielen genutzt werden und es besteht oft nicht die Möglichkeit des Ausschlusses.

3.2 Arten der Infrastruktur

Die von Knigge (Vgl. S.29ff.) vorgenommene Einteilung in konsumtive, haushaltsorientierte Infrastruktur (z.B. Parkanlagen,Theater) und in Einrichtungen der produktiven, unternehmensorientierten Infrastruktur (z.B. Hochseeh√§fen, G√ľterbahnh√∂fe) basiert auf den √úberlegungen:

Wer ist Nutznießer dieser Einrichtungen? Unternehmer oder Haushalte?

Und wozu werden die Leistungen der Infrastruktur verwand? Zu privatem Konsum oder zu Produktionszwecken?

Da viele Infrastruktureinrichtungen jedoch Mischformen darstellen, das Schienennetz kann zu G√ľtertransport und Urlaubsreisen genutzt werden, Versorgung mit Wasser und Energie erfolgt f√ľr Produzenten wie Konsumenten auf die gleiche Weise, und somit eine klare Trennung erschweren, erscheint die Klassifizierung in materielle, personelle und institutionelle Infrastruktur (Vgl. Ba√üeler, S.376) f√ľr diese Seminararbeit geeigneter.

3.2.1 Materielle Infrastruktur

Gablers Volkswirtschafts-Lexikon (Vgl. S.526) setzt Infrastruktur im engeren Sinne mit materieller Infrastruktur gleich.

Ausf√ľhrlicher erkl√§rt, umfa√üt die materielle Infrastruktur "die Teile des Realkapitalstocks, die √ľberwiegend als Vorleistungen in die Produktion von G√ľtern und Dienstleistungen eingehen, die die Endnachfrage aufnimmt."(Trunzer, S.9, nach Jochimsen)

Im Detail handelt es sich somit um "die sachlichen Anlagen und Ausr√ľstungen einschlie√ülich staatlicher Verwaltung, Ausbildung, Forschung, Gesundheits- und F√ľrsorgewesen sowie Kultur- und Sporteinrichtungen."(Woll, S.336)

Sehr umfassend erscheint die f√ľr eine statistische Untersuchung vorgenommene Einteilung der materiellen Infrastruktur in 12 Hauptkategorien, wie sie Busch (S.16, nach Biel) vornimmt:

- "Verkehrsinfrastruktur

- Kommunikationsinfrastruktur

- Energieversorgungsinfrastruktur

- Wasserversorgungsinfrastruktur

- Umweltinfrastruktur

- Bildungseinrichtungsinfrastruktur

- Gesundheitswesen

- spezielle städtische Infrastruktur

- Sport- und Touristikeinrichtungen

- soziale Infrastruktur

- kulturelle Einrichtungen

- naturräumliche Ressourcen"

Das verbindende Element aller Definitionen der materiellen Infrastruktur ist der physische Charakter der Infrastrukturelemente (Versorgungsnetze, Geb√§ude). Unstrittig ist ebenso die langfristige Nutzung, der hohe Investitions- bzw. Kapitalbedarf, die Basisfunktion f√ľr Produktion und Dienstleistung sowie die N√§he zu √∂ffentlichen G√ľtern.

3.2.2 Personelle Infrastruktur

Ausgehend vom Begriff ist klar, dass personelle oder personale Infrastruktur nicht von Personen, Menschen getrennt werden kann. Sie existiert im Können und geistigen Vermögen des Trägers.

Damit ist die personelle Infrastruktur eng an den Begriff des Humankapitals gebunden. Humankapital definiert Ba√üeler (S.348) kurz als den "Gegenwartswert menschlicher Arbeit", also als Arbeitskapital. Entscheidend f√ľr die H√∂he dieses Arbeitskapitals sind neben dem Bildungsniveau und speziellen beruflichen Erfahrungen auch angeborene F√§higkeiten, Motivationsf√§higkeit und die Flexibilit√§t des Individuums (Vgl. Helmes, S.16).

Lindner (S.3) hingegen sieht im Humankapital ausschlie√ülich die "Menge von erlernten Fertigkeiten, also von F√§higkeiten, das technische Wissen √ľber Produktionsprozesse auch anzuwenden." Er betrachtet somit nur die direkt produktiven Komponenten des Humankapitals.

Die personelle Infrastruktur eines Landes oder einer Region besteht somit im aus Bildung, Erfahrung und Talenten resultierenden, an die Individuen gebundenen Vermögen. Dieses Humanvermögen ist durch Investitionsprozesse in Familien, Schulen, Unternehmen und Gesellschaft entstanden. Es ermöglicht sowohl dem Einzelnen, als auch der von dieser Investition direkt profitierenden Unternehmung und der Gesellschaft die Erzielung von Einkommen.

3.2.3 Institutionelle Infrastruktur

Trunzer (S.9, nach Jochimsen) interpretiert die institutionelle Infrastruktur als "die gewachsenen und gesetzten Normen, die organisatorischen Einrichtungen und Verfahrensweisen einer Volkswirtschaft, die den Rahmen f√ľr die Erstellung und Realisierung der individuellen Wirtschaftspl√§ne abgeben."

√Ąhnlich skizziert Gablers Volkswirtschafts-Lexikon (S.526) diese Form der Infrastruktur anhand der drei Beispiele: "Rechts-, Wirtschafts- und Sozialordnung".

Der institutionellen Infrastruktur fehlt der investive Charakter, wie er beim Bau einer Autobahn (materielle Infrastruktur) oder der Berufsausbildung (personelle Infrastruktur) offensichtlich ist. Auch entsteht institutionelle Infrastruktur nicht planm√§√üig nach einer betriebswirtschaftlichen Kosten-Nutzen-Analyse in wenigen Jahren, sondern entwickelt sich √ľber viele Jahrzehnte hinweg und ist st√§ndigen Ver√§nderungen unterworfen.

4 Investitionen in die Infrastruktur

Die gro√üe Bedeutung der Infrastrukturinvestitionen f√ľr die Entwicklung der Volkswirtschaft, die k√ľnftige Leistungsf√§higkeit und zu erwartende Einkommen wird in der betrachteten Literatur nicht in Frage gestellt.

F√ľr Ba√üeler (S.704) sind Investitionen in die Infrastruktur "f√ľr das Wachstum einer Volkswirtschaft von grundlegender Bedeutung, da sie z.T. Voraussetzung, z.T. notwendige Begleiterscheinung des Wachstumsprozesses sind."

Auch das Gabler Volkswirtschafts-Lexikon (Vgl. S.527) sieht im, sowohl durch privatwirtschaftliche als auch durch staatliche Investitionen entstandenen, volkswirtschaftlichen Kapitalstock eine maßgebende Einflußgröße aus das Wirtschaftswachstum.

Das dies keine einseitige Beziehung ist, l√§sst sich einfach belegen. Infrastrukturinvestitionen erfordern bekannterma√üen das Vorhandensein gro√üer Kapitalmengen. Aus hohem Produktionsniveau und erfolgreicher Unternehmert√§tigkeit resultierende umfangreiche Kasssenzufl√ľsse sind hierf√ľr eine notwendige Voraussetzung. Anders herum betrachtet ist eine gut entwickelte Infrastruktur die Voraussetzung produktiver und rentabler Unternehmen. Damit sind Infrastrukturinvestitionen der Ausgangspunkt wirtschaftlicher Entwicklung. (Vgl. Bach, S.112)

Basierend auf den Arten der Infrastruktur können die Investitionen in diese in zwei Gruppen, der institutionellen Infrastruktur fehlt der Investitionscharakter, eingeteilt werden:

Investitionen in die materielle Infrastruktur,

Investitionen in den Menschen.

4.1 Investitionen in die materielle Infrastruktur

4.1.1 Allgemeines

Bei Investitionen in die materielle Infrastruktur handelt es sich ganz allgemein um den Einsatz von Kapital zur Erstellung von langfristig nutzbaren Anlageg√ľtern, welche sowohl f√ľr die privatwirtschaftliche Leistungserstellung als auch f√ľr den privaten Konsum den Charakter von Basiseinrichtungen oder Vorleistungen besitzen.

Eine Vielzahl von Gr√ľnden f√ľhrt dazu, dass diese Investitionen √ľberwiegend aus √∂ffentlichen Mitteln finanziert werden (Vgl. Trunzer, S.28ff.):

Investitionen in die materielle Infrastruktur zeichnen sich durch einen sehr hohen Kapitalbedarf aus.

Das Kapital ist, selbst f√ľr Investitionen in Anlageg√ľter, sehr langfristig gebunden.

Zu den Herstellungskosten, die in der Regel 'sunk costs' also versunkene und damit nicht zur√ľckzugewinnende Kosten darstellen, kommen sp√§ter zwangsl√§ufig Aufwendungen f√ľr Ausbau oder Instandhaltung, sogenannte Folgeinvestitionen.

Bei Investitionen in die, in der Regel √∂ffentliche G√ľter darstellende, Infrastruktur versagt der Markt, d.h. die Versorgung auch abgelegener Regionen mit elektrischem Strom, Wasser usw. w√§re nicht gesichert, da die Kosten hierf√ľr am Markt nicht zu erzielen w√§ren.

Damit wird deutlich, dass das Risiko m√∂glicher Fehlinvestitionen, wie jede Investitions-entscheidung wird auch diese ohne jegliche Erfolgsgarantie get√§tigt, in der Regel die √∂ffentlichen Kassen und mittelbar die Steuerzahler zu tragen haben. Wurde die Investition privatwirtschaftlich finanziert, z.B. private Autobahnen, Mobilfunknetze oder Musicalgeb√§ude, tr√§gt das Risiko der private Investor. W√§hrend das Opportunit√§tskostenkalk√ľl den privaten Investor zwingt sich nur bei befriedigendem Verh√§ltnis zwischen Aufwand und Ertrag zu engagieren, stehen Bund, L√§nder und Gemeinden in der Pflicht auch Investitionen zu t√§tigen, die nicht rentabel sind.

4.1.2 Effekte von Infrastrukturinvestitionen

Bei der Betrachtung von Investitionen in die materielle Infrastruktur hinsichtlich ihrer Effekte m√ľssen vor allem Einkommens-, Besch√§ftigungs- und Kapazit√§tseffekte genannt werden. (Vgl. Albers, S.250f.)

Bez√ľglich des Einkommens kann in einen prim√§ren und einen sekund√§ren Einkommenseffekt unterschieden werden. Prim√§r entsteht Volkseinkommen bei der Erstellung der Infrastruktur durch die Unternehmen und ihre Besch√§ftigten. Sekund√§r wird die Einkommenssituation eben durch die optimierte Infrastrukturausstattung verbessert, z.B. stellt eine bessere Verkehrsanbindung einen positiven Standortfaktor dar. Da dieses Einkommen konsumiert werden kann und bei der Produktion der Infrastruktur Vorleistungen anderer Unternehmen ben√∂tigt werden, spricht man hier von Multiplikatoreffekten.

Die Besch√§ftigungseffekte stehen in engem Zusammenhang zu den Einkommenseffekten, da Besch√§ftigung die Voraussetzung von Einkommenserzielung darstellt. Handelt es sich jedoch dem Typ nach um eine Rationalisierungsinvestition (z.B. Ersatz einer alten Abwasserbehandlungsanlage durch eine moderne, leistungf√§higere, welche weniger Personal beansprucht), f√ľhrt die Freisetzung von Mitarbeitern zu negativen Besch√§ftigungseffekten und damit auch zu Einkommensverlusten.

Ein positiver Kapazitätseffekt wird in der Regel durch die Investition angestrebt. Ist das Produktionsvolumen durch die gegebene Infrastruktur begrenzt (z.B. unbefriedigende Energieversorgung), besteht zum Ausbau keine Alternative.

Abschlie√üend sei zu Investitionen in die materielle Infrastruktur bemerkt, dass die ausf√ľhrende Industrie (z.B. Baubranche) mit ihren kostenintensiven Ausr√ľstungen stark an einem gleichm√§√üigen Auftragseingang interessiert ist. In Rezessionszeiten m√ľsste nach Keynes der √∂ffentliche Sektor zus√§tzliche Nachfrage entwickeln. Da die f√ľr den Gro√üteil der Infrastrukturinvestitionen verantwortlich zeichnenden Gebietsk√∂rperschaften aber nur bei g√ľnstiger Finanzlage, also in Boomphasen, bereit sind umfangreich zu investieren, kommt es leider nicht zu diesen antizyklischen Reaktionen.(Vgl. Poser,S.40f.)

4.2 Investitionen in den Menschen bzw. Investitionen in das Humankapital

4.2.1 Allgemeines

Bei Investitionen in den Menschen handelt es sich um Aufwendungen f√ľr Erziehung, Aus- und Weiterbildung von Individuen. Sie dienen dem Erwerb von Kenntnissen und F√§higkeiten, welche die Erzielung von Einkommen erm√∂glichen. Ebenso sind Forschungs- und Entwicklungskosten zu dieser Form der Investitionen zu z√§hlen, da hier eine Vermehrung des technischen Wissens angestrebt wird (Vgl. Lindner, S.3). Im weiteren Sinne z√§hlen hierzu auch Aufwendung f√ľr die Erhaltung der Gesundheit. M√∂gliche Investoren sind:

die Familie,

allgemein- und berufsbildende Schulen,

Unternehmen,

Forschungseinrichtungen

und die Gesellschaft.

Das durch die Investition entstandene Humankapital ist gr√∂√ütenteils mit dessen Tr√§ger, dem Menschen verbunden. Die Verf√ľgbarkeit wird somit durch die Flexibilit√§t und Mobilit√§t des Individuums bestimmt.

Bei den Investitionskosten kann in direkte und indirekte unterschieden werden. Direkte Kosten stehen in direktem Zusammenhang mit dem Investitionsvorgang. Bei Aus- oder Weiterbildung w√§ren das beispielsweise die Kosten f√ľr Lehrkraft, B√ľcher, Unterrichtsmittel. Indirekte Kosten existieren in Form von Opportunit√§tskosten wie z.B. keine Einkommenserzielung in der Lehrzeit.(Vgl. Schultz, S.IX)

4.2.2 Investitionen in spezifisches Humankapital

Maßgeblich an der Entstehung spezifischen bzw. branchen- oder arbeitsplatzbezogenen Humankapitals beteiligt sind drei Investorengruppen:

die Unternehmen, sie tragen die Kosten von Berufsausbildung und Qualifikationsma√ünahmen sowie f√ľr die Zeit des Anlernens,

die Besch√§ftigten, die ihre Zeit, und in vielen F√§llen auch ihr Geld, f√ľr Aus- und Weiterbildung, Umschulung usw. verwenden

und der Staat oder die Gesellschaft, durch den Einsatz von Finanzmitteln f√ľr √ľberbetriebliche Ausbildungsst√§tten, Umschulungsprogramme u.a.

Alle drei Gruppen t√§tigen diese Investition in Erwartung zuk√ľnftigen Einkommens. Da jede Investitionsentscheidung in Unkenntnis des Erfolges getroffen werden muss, wird das f√ľr Investitionen zur Verf√ľgung stehende Kapital dorthin gelenkt, wo die besten Gewinnchancen dem geringsten Risiko gegen√ľberstehen.

F√ľr den Unternehmer, als in den Menschen Investierenden, h√§ngt die Investitionsentscheidung bei vorhandenen Alternativen auch von Bedingungen wie Nutzungsdauer der Investition bzw. zeitliche Verf√ľgbarkeit der Arbeitskr√§fte und der Mobilit√§t des Humankapitals ab:

Im Rahmen einer Kosten-Nutzen-Analyse stellt der Unternehmer den Kosten f√ľr Ausbildung und Qualifikation die Ertr√§ge gegen√ľber. Die H√∂he der Ertr√§ge wird unter anderem durch Produktivit√§t des Humankapitals und zeitliche Verf√ľgbarkeit der Arbeitskr√§fte bestimmt. √úber die zeitliche Verf√ľgbarkeit entscheidet aber der Unternehmer nicht allein. Wochenarbeitszeit, Zahl der Urlaubstage, M√∂glichkeit von √úberstunden werden von den Tarifparteien ausgehandelt, beeinflussen die Investitionsrechnung aber in erheblichen Ma√üe.(Vgl. Schawilye, S.149ff.)

Die Mobilität des Humankapital ist abhängig von dessen Träger, den qualifizierten Arbeitnehmer. Strebt der Arbeitgeber die Erschließung eines neuen Marktes an und will dort diesen Arbeitnehmer einsetzen, so muss er die Kosten der Mobilität - Umzugskosten, Erlernen der neuen Sprache als Folgeinvestitionen mit einkalkulieren.(Vgl. Fehn, S.401)

Auch f√ľr den Arbeitnehmer besteht die M√∂glichkeit und Notwendigkeit in sich selbst zu investieren. Das Ergebnis des daf√ľr notwendigen Konsumverzichts, weniger Freizeit und weniger f√ľr Konsum zur Verf√ľgung stehendes Kapital, kann in h√∂herer Entlohnung und einem sichereren Arbeitsplatz bestehen.(Vgl. Robbers, S.10)

4.2.3 Investitionen in nichtspezifisches Humankapital

Unspezifisches Humankapital, also Wissen und F√§higkeiten eher allgemeiner Natur, entsteht √ľberwiegend in Familie, Schule und pers√∂nlichem Lebensraum. Von einer planm√§√üigen Investition kann vor allem beim Erwerb von Allgemeinbildung in Schulen ausgegangen werden.

So schreibt Baßeler (S.707) dem Staat die Aufgabe zu "Bildungspolitik zu betreiben, also Ausbildungsstätten, Schulen, Universitäten usw. zu errichten und zu fördern." Er bezeichnet Bildung als Konsumgut und wirtschaftliche Investition.

Im Gegensatz zu Investitionen in spezifisches Humankapital besteht bei unspezifischem Humankapital nicht die Gefahr der Entwertung (z.B. durch Verlust des Arbeitsplatzes), da dieses aus Allgemeinbildung, generellen Erfahrungen und Schl√ľsselqualifikationen bestehende Humankapital auch beim Einsatz in anderen Unternehmen, Branchen usw. den gleichen Wert besitzt.

5 Zusammenfassung

Bei Infrastrukturinvestitionen handelt es sich um die Verwendung von Produktionsfaktoren f√ľr die Erweiterung, Verbesserung oder Erneuerung des Teils des volkswirtschaftlichen Kapitalstocks der f√ľr Wirtschaftst√§tigkeit und Konsum den Charakter von Vorleistungen besitzt.

Diese Investitionen werden in der Erwartung k√ľnftiger Ertr√§ge von Staat, Unternehmen oder Privatpersonen get√§tigt.

Von Infrastrukturinvestitionen gehen Einkommens-, Beschäftigungs- und Kapazitätseffekte aus.

Hinsichtlich des Investitionsobjektes bietet sich die folgende Einteilung an:

Investitionen in die materielle Infrastruktur

und Investitionen in das Humankapital

Beiden Arten von Infrastrukturinvestitionen besitzen entscheidenden Einfluß auf Wirtschaftswachstum und Einkommensentwicklung, sind aber auch dessen Folge.

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