Entwicklung der Landwirtschaft in Deutschland

Gliederung

Entwicklung bis zum zweiten Weltkrieg Entwicklung in der BRD ab 1949 Entwicklung in der DDR von 1945-1989 Fazit Quellen

Entwicklung der Landwirtschaft bis zum zweiten Weltkrieg

Bis zum zweiten Weltkrieg ist die Entwicklung der Landwirtschaft in unterschiedlichen Phasen verlaufen. Diese Phasen sind allgemeing√ľltig f√ľr die Entwicklung in ganz Europa.

Phase

Am Anfang lebten nur wenige Menschen. Sie ern√§hrten sich haupts√§chlich von Tieren und Fr√ľchten, die aus der Natur kamen. Es gab noch keine planm√§√üige Landnutzung. Mit steigenden Bev√∂lkerungszahlen wurden die Menschen mit der Zeit dazu gezwungen ihre Nahrungsbeschaffung besser zu organisieren.

Phase

Die zweite Entwicklungsstufe der Landwirtschaft bestand in einer planm√§√üigen Nutzung der vorhandenen Fl√§che. Aus der Verbindung von Viehhaltung und Ackerbau entstanden b√§uerliche Betriebe. Das Ziel eines jeden Betriebes war die landwirtschaftliche Selbstversorgung. Durch Fruchtwechsel in Verbindung mit der Tierhaltung wurde das nat√ľrliche √Ėkosystem geschont und eine Artenvielfalt erhalten. Dieses war eminent wichtig, da die Ertr√§ge und damit das √úberleben des Bauern vom Boden abhing. Es gab kaum eine M√∂glichkeit auf die Ertr√§ge Einflu√ü zu nehmen.

Phase

Ende des 18. Jh. wurde dann eine Produktionssteigerung m√∂glich. Sie beruhte vor allem auf neuen Pflanzen, wie die Kartoffel, die aus Amerika importiert und dann in Europa angepflanzt wurden und auf dem Anbau von Futterklee. Dadurch wurde eine bessere Tierf√ľtterung m√∂glich. Diese verbesserte Tierf√ľtterung erm√∂glichte wachsende Tierbest√§nde, die eine st√§rkere D√ľngung und damit eine Verbesserung der Bodenqualit√§t m√∂glich machte.

Phase

Zu Beginn des 19. Jh. bildeten sich, nach mehreren Sozialreformen, eigenst√§ndige Familienbetriebe. Die neugewonnene Selbstst√§ndigkeit f√ľhrte zur Freisetzung ungeahnter Kr√§fte und zu einer stetigen Produktionssteigerung. Diese Steigerung wurde noch durch neue Erkenntnisse biologischer und √∂kologischer Begebenheiten beg√ľnstigt. Eine fortschreitende Mechanisierung gab es aber noch nicht. Bis zum zweiten Weltkrieg basierten die landwirtschaftlichen Betriebe, trotz der Industriellen Revolution, noch haupts√§chlich auf Menschen- und Muskelkraft.

Entwicklung in der BRD seit 1949

In der BRD gab es seit 1949 unterschiedliche Phasen in der Entwicklung der Landwirtschaft. Sie lassen sich vor allem auf die engen Wechselwirkungen zwischen agrarpolitischen Zielen und dem gesellschaftlichen Wandel zur√ľckf√ľhren.

Agrarwirtschaftliche Modernisierung (1949 - 1960)

In dieser Phase ging es vor allem darum, m√∂glichst schnell wieder gen√ľgend Nahrungsmittel f√ľr die Bev√∂lkerung zu produzieren. Trotz der nun fehlenden Anbaugebiete im Osten konnte die Nahrungsmittelproduktion sehr schnell gesteigert werden. Dies liegt vor allem an der nun zunehmenden Mechanisierung. Aufgrund von immer mehr Maschinen konnte auf den Feldern immer mehr produziert werden. Der Einsatz von k√ľnstlichen D√ľnger und Pestiziden vereinfachte zudem die Arbeit erheblich.

Motorisierung und Energieeinsatz in der Landwirtschaft in der BRD

Ackerschlepper in 1000

Ackerschlepper kWh je 100 ha LF

Treibstoff Mio. l

1950

139

17

239

1960

857

87

1048

1970

1356

206

2194

1980

1469

352

2333

Dadurch wurde die Landwirtschaft kurzfristig sogar zum wirtschaftlichen R√ľckrad Westdeutschlands. Die Industrie war infolge des Krieges produktionsunf√§hig und so fanden Hunderttausende in der Landwirtschaft eine neue Existenz. Die agrarstrukturellen Bedingungen (hoher Anteil von Kleinbetrieben und Flurzersplitterung infolge von Realteilung) waren jedoch nicht geeignet, die Existenz der l√§ndlichen Bev√∂lkerung langfristig zu sichern. Bereits Anfang der 50er Jahre begannen deshalb umfangreiche Ma√ünahmen zur Steigerung der Ertr√§ge. Im Rahmen der Flurbereinigung wurden die Landschaft nach √∂konomischen Aspekten neu geordnet. Es wurde keinerlei R√ľcksicht auf √∂kologische Vertr√§glichkeit genommen. Die neuen schleppergerechten Felder und k√ľrzeren Anfahrtswege waren Teil einer weitreichenden Rationalisierung der Landwirtschaft.

Minerald√ľngerverbrauch in der BRD je ha LF und Ernteertr√§ge je ha

1950

Kg

1960

Kg

1970

Kg

1980

Kg

1990

Kg

Stickstoff

25,6

43,4

83,3

126,6

115,3

Phosphat

29,6

46,4

67,2

68,4

42,9

Kali

46,7

70,6

87,2

93,4

62,3

Kalk

47,5

37,5

49,5

92,9

120,8

Getreide

23,2

31,4

33,4

44,3

58,0

Agrarstruktureller Wandel (1960 - 1980)

In dieser zweiten Entwicklungsphase verstärkte sich der Wandel der Agrarstruktur. Die bis heute wirksame Tendenz zu Spezialisierung der Agrarproduktion setzte ein. Als Spezialisierung bezeichnet man die Verminderung der traditionellen Produktionsvielfalt bäuerlicher Gemischtbetriebe und die Ausrichtung auf Hauptproduktionsrichtungen. In spezialisierten Betrieben werden mehr als 50% des Gesamteinkommen aus der jeweiligen Hauptproduktionsrichtung erzielt.

Man unterscheidet vier Spezialisierungsformen:

Marktfruchtbau (z.B. Getreide, Gem√ľse) Futterbau (f√ľr Michviehhaltung und Mastbetriebe) Veredlungswirtschaft (Rinder- und Schweinemast) Dauerkulturen (z.B. Obst, Wein, Hopfen)

Der agrarstrukturelle Wandel ist vor allem auf die Einbindung der Bundesrepublik Deutschland in die europäische Union beeinflußt worden. Die Marktordnungsregeln der EU haben den Konkurenzdruck im europäischen Raum so erhöht, dass eine weitere Produktionssteigerung unvermeidlich war. Dadurch hat sich die Landwirtschaft zu einem Industriezweig entwickelt, dessen größtes Problem die Umweltbelastung und die Überproduktion geworden ist.

2.3. Spannungsverhälnis (seit 1980)

Seit Beginn der 80er Jahre werden von verschiedenen gesellschaftlichen und politischen Gruppen immer mehr Vorbehalte gegen√ľber den st√§ndigen Produktionssteigerungen in der Landwirtschaft laut. Immer dringender wird die Forderung nach einer naturnahen Landwirtschaft erhoben, in der nat√ľrliche Landschaftselemente wie Hecken und Gr√§ben nicht l√§nger als ertragsmindernd angesehen werden. Diese Richtungs√§nderung dr√ľckt sich auch in dem neuen Flurbereinigungsgesetz aus, in dem mehr Wert auf die Erhaltung nat√ľrlicher Begebenheiten gelegt wird. So werden z.B. die Stillegung von Fl√§chen und der Anbau von nachwachsenden Rohstoffen, wie Raps (als alternative Energiequelle), besonders gef√∂rdert.

Das Spannungsverh√§ltnis zeigt sich auch in der Zunahme und F√∂rderung alternativer Landwirtschaftsbetriebe. Das Ziel dieser Ma√ünahmen, die auch durch die Agenda2000 weiter unterst√ľtzt werden, ist eine dauerhafte Nutzung landwirtschaftlicher Fl√§chen und eine Erhaltung des l√§ndlichen Lebensraums zu gew√§hrleisten.

Landwirtschaft in der DDR seit 1945

In der DDR wurde das Prinzip des Marxismus - Leninismus auch in der Agrarwirtschaft eingef√ľhrt. In der Landwirtschaft war man √ľberzeugt, dass ein wirtschaftlicher - technischer Fortschritt und eine √úberlegenheit der Gro√übetriebe die Klein- und Mittelbetriebe verdr√§ngen wird (Theorie von Karl Marx). Da die wirtschaftliche Macht in den H√§nden der SED lag, war die Agrarwirtschaft eine Planwirtschaft.

3.1. Bodenreform (1945-1949):

Der Inhalt der Bodenreform war folgender: S√§mtliche Betriebe mit mehr als 100 ha Betriebsfl√§che, einschlie√ülich des gesamten Inventars entsch√§digungslos zu enteignen. Die Durchf√ľhrung der Bodenreform erfolgte unter Anleitung der L√§nderverwaltungen (Kreis- und Gemeindeverwaltung). Das Grundeigentum der Kirchen wurde von der Bodenreform nicht betroffen. Die enteigneten Fl√§chen wurden √ľberwiegend ehemaligen Landarbeitern, landarmen Bauern, Umsiedlern und Fl√ľchtlingen zur Bewirtschaftung √ľbergeben. Auf ca. 5% der Fl√§chen wurden Volkseigene G√ľter (VEG) als staatliche Musterbetriebe eingerichtet. Die enteigneten Landmaschinen wurden in den Maschinen-Ausleih-Stationen von vielen Landarbeitern genutzt. Zur Sicherung der Nahrungsmittelversorgung wurde eine Ablieferungspflicht eingef√ľhrt.

Enteignung von Gro√ügrundbesitz (Betriebe √ľber 100 ha) in % der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfl√§che

Mecklenburg

46

Brandenburg

35

Sachsen-Anhalt

29

Sachsen

20

Th√ľringen

14

3.2. Klassenkampf auf dem Lande (1949-1952/53)

Das Ziel des Klassenkampfes war es, die Kleinbauern als B√ľndnispartner f√ľr die Agrarpolitik der SED zu gewinnen. Deshalb wurden die Kleinbauern auch gef√∂rdert. Gleichzeitig versuchte die SED die verbliebenen Gro√ü- und Mittelbauern (mehr als 50 ha, sp√§ter auch mit mehr als 20 ha Land) wirtschaftlich in Bedr√§ngnis zu bringen.

z.B.: - durch h√∂here Geb√ľhren f√ľr die Ausleihe von Landmaschinen

- durch Einschränkung der Ersatzteilversorgung

- wer viel produzierte, musste zu niedrigeren Erfassungspreisen abliefern

- Nichterf√ľllung der Abgabepflicht war ein Wirtschaftsverbrechen

die Landwirte wurden inhaftiert

- Selbsthilfeorganisationen der Bauern wurden unter staatliche Kontrolle gestellt

3.3. Kollektivierung (1952-1960)

Die Kollektivierungsphase ist der √úbergang von der privaten Landwirtschaft zur kollektiven Landwirtschaft. Um den Bauern den Zugang zur kollektiven Betriebsweise zu erleichtern, entstanden 3 Typen von LPGs (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft).

Typ I: genossenschaftliche Nutzung des eingebrachten Ackerlandes der Mitglieder

Typ II: die Mitglieder brachten nicht nur Land, sondern auch Tiere, Maschinen und Geräte

zur genossenschaftlicher Nutzung ein

Typ III: der gesamte Besitz floß in die kollektive Bewirtschaftung ein. Jedes LPG-Mitglied

konnte aber 0,5 ha privates Hofland bewirtschaften und eine begrenzte Anzahl von

Nutztieren halten

Die SED √ľbte st√§ndig massiven Druck aus, um die Bev√∂lkerung vom Sinn der neuen Agrar- und Gesellschaftsordnung zu √ľberzeugen. Viele Landwirte haben sich gegen den Eintritt in die LPG gewehrt.

3.4. Kooperation (1960-1968)

Das Ziel der Kooperationsphase war es die Produktionseinbr√ľche der vergangenen Jahre wettzumachen. Au√üerdem war man bestrebt eine Vergr√∂√üerung der bestehenden Betriebe zu erreichen (z.B. durch Zusammenlegung einzelner LPGs). Eine Zusammenarbeit der LPGs mit der Industrie und den Dienstleistungssektor wurde von der SED erzwungen. In den nun entstehenden Kooperationsverb√§nden repr√§sentierte sich die "√∂konomische Einheit von Erzeugern, Lagerung, Verarbeitung und Absatz der Agrarprodukte". Die Parteif√ľhrung schuf f√ľr die LPGs g√ľnstige Rahmenbedingungen bei der Produktionsmittelversorgung, der Subventions-, Preis-, und Steuerpolitik. Wobei die LPGs des Typen I und II in der Preisgestaltung und in den Finanzierungsm√∂glichkeiten gegen√ľber den LPG des Typs III benachteiligt wurden. Ab 1968/69 spezialisierte sich die Landwirtschaft. Es entstanden 2 neue Arten von LPGs. Die einen waren auf die Pflanzenproduktion und die anderen auf die Tierproduktion spezialisiert. Au√üerdem entstanden 32 Kombinate f√ľr industrielle Mast.

3.5. Industrialisierung in der Landwirtschaft (1968-1983)

Die industriem√§√üige Agrarproduktion sollte der letzte Schritt, des von den Klassikern des Marxismus - Leninismus vorgezeichneten gesetzm√§√üigen Entwicklungsweges, der Landwirtschaft sein. Durch die Einbeziehung neuester Gesellschafts- Wirtschafts- und Naturwissenschaften und einer zunehmenden Mechanisierung und D√ľngung versuchte man unabh√§ngig von der Bodenqualit√§t und negativen Witterungseinfl√ľssen zu werden. Durch Monokulturen wollte man zus√§tzlich die Vorteile der Massenproduktion nutzen. Au√üerdem war man st√§ndig bestrebt die Stallkapazit√§ten zu erh√∂hen, um m√∂glichst viel Fleischprodukte und Milchprodukte zu erhalten. Die landwirtschaftliche Produktion wurde in hochspezialisierte Arbeitsabl√§ufe untergliedert. Diese Entwicklung f√ľhrte aber zu einer Preisexplosion. Die Erzeugerpreise stiegen, vor allem wegen des erh√∂hten D√ľngemittel- und Pestizidenverbrauchs, stetig an. Dies erforderte eine st√§rkere Subvention der Landwirtschaft durch den Staat. Zus√§tzlich wurden viele Felder vor allem durch Winderosion verw√ľstet. Dies f√ľhrte zu einer Richtungs√§nderung ab dem Jahre 1983.

3.6. Richtungsänderungen (1983-1989)

Auf dem "Deutschen Bauernkongre√ü" in Berlin 1982 wurde die "Wiederherstellung der organischen Einheit von Pflanzen- und Tierproduktion" gefordert. In den nun folgenden Jahren wurde die Spezialisierung und Industrialisierung der Agrarwirtschaft wieder eingeschr√§nkt. In den LPGs wurden Neubauten eingestellt, auch die Stallkapazit√§t der Betriebe wurde vermindert und die Pflanzen mussten wieder auf Standortbedingungen abgestimmt werden (weniger D√ľnger, Pestizide). Diese Richtungs√§nderungen haben die agrar√∂kologische Situation verbessert. Seit die Agrarreform von 1984 mussten die Agrarbetriebe h√∂here Bezugspreise f√ľr Produktionsmittel bezahlen. Sie war eine Aufforderung zur Sparsamkeit, Kostensenkung und Steigerung der Produktivit√§t.

Fazit

Zusammenfassend l√§sst sich sagen, dass die Entwicklung der Landwirtschaft wie eine Art Kreislauf verlaufen ist. Man startete naturverbunden, versuchte dann die Natur zu verbessern und sie auszunutzen. Heutzutage hat man wieder die Bedeutung der Natur f√ľr die Landwirtschaft und den Menschen erkannt und f√§ngt daher an die Landwirtschaft in einen naturnahen Zustand auszurichten. Die erm√∂glicht eine langfristige Sicherung der Ertr√§ge und ist daher unabk√∂mmlich.

Quellenangaben

Mensch und Raum, Geographie 11, Berlin 1992

Fundamente, Stuttgart 1994

Agrarbericht der Bundesregierung 1998

Internet

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