Indien

Einleitung

Indien - ├╝ber 500 Millionen Menschen im Elend! Diese Worte sind nicht ├╝bertrieben, wie ihr in der nachfolgenden Pr├Ąsentation sehen werdet. Ich habe mich in der letzten Zeit mit der Bev├Âlkerung dieses Subkontinents auseinandergesetzt und dabei auf f├╝r uns wirklich erschreckende Zust├Ąnde gestossen. Diese habe ich nun in einzelne Teile gegliedert:

(( FOLIE )) (Aufbau des Vortrages)

Allgemeines zur Situation

Unter Indien habe ich mir bis vor einiger Zeit meistens nur Rosa-Elefanten, F├╝rste und wunderbar duftende Gew├╝rze vorgestellt. Meine Lekt├╝re hat mich aber bald anders gestimmt;

gewiss, die Elefanten und Gew├╝rze existieren, aber die Bev├Âlkerung, die Zugang dazu hat, macht nur 15% der 950 Millionen Einwohner Indiens aus. Die restlichen 85% leben zumeist in ├Ąrmlichen, wenn nicht gar menschenunw├╝rdigen Verh├Ąltnissen. Armut, Hunger und Unterdr├╝ckung beherrschen das Durchschnittsindien. Auch die Analphabetenrate ist sehr hoch. Die Rechte der Unterdr├╝ckten, und auch die der Frauen, sind in der Verfassung festgelegt, wo es heisst: Gleiche Rechte f├╝r alle, f├╝r Mann und Frau, f├╝r F├╝rst und Kuhhirt. Die Situation dieser Bev├Âlkerung zu analysieren, das w├Ąre das Thema dieser Lektion.

Das Kastensystem

Zuallererst bedarf es meiner Meinung nach einer konkreteren Auseinandersetzung mit dem Kastensystem.

Was ist das Kastensystem?

Ihr m├╝sst euch die indische Bev├Âlkerung wie ein grosser Schrank vorstellen. Dieser Schrank ist nun in 5 verschiedene Schubladen aufgeteilt. Die oberste Schublade heisst Brahmana (=Priester), die 2. heisst Kshatria (=Krieger), die 3. heisstVaishya (=Kaufleute), die 4. heisst Shudra (=Handwerker, Arbeiter). Ihr habt nun die "Varna"-Aufstellung vor euch. Varna bedeutet soviel wie Farbe, sinnesgem├Ąss wird es mit "Stand" ├╝bersetzt. Die indische Gesellaschaft ist also eine St├Ąndegesellschaft.

Nun gibt es aber noch die "Jati"-Unterteilung. "Jati" heisst soviel wie geboren.

Ihr stellt euch also noch einen Schrank vor, der aber jetzt in etwa 227 Schubladen unterteilt ist, von denen jede wiederum in mehrere kleine K├Ąstchen, und so weiter, unterteilt ist. Jedes dieser K├Ąstchen ist rundherum mit undurchdringbarem Material abgeschlossen, so dass das Material in den einzelnen K├Ąstchen kein Kontakt mit dem der anderen haben kann.

Nun habt ihr also das Kastensystem, wie es auf dem Lande noch in Gebrauch ist, vor euch. Die erstere, also die Varna-Aufstellung, entspricht der Theorie im Glauben der Hindus. G├Ąngig ist aber heute eher die Jati-Aufstellung. In der Praxis siehr das so aus:

Ihr werdet in eine bestimmte Kaste geboren, sie ist also euer Schicksal, ihr d├╝rft euch nicht beklagen. Das ganze basiert auf dem Glauben an die Wiedergeburt (Reinkarnation), und die Kaste, in die ihr geboren werdet, ist dementsprechend angepasst (=Karma = Summe aller Taten aus dem fr├╝heren Leben).

Nat├╝rlich haben in diesem System nur die Obersten, also die Brahmanen, das sagen. Die unteren Kasten m├╝ssen ihnen dienen, sie k├Ânnen auch von ihnen ausgebeutet werden. Beklagen darf sich niemand, denn es ist ja jedermanns Schicksal.

Es gibt auch Leue, die ausserhalb und somit unter des Kastensystems leben; diese Leute werden als Dalit (Unber├╝hrbare) bezeichnet. Auch die Ureinwohner Indiens, die Christen sowie die Moslems stehen ausserhalb und somit unterhalb des Systems.

Dieses auf den ersten Blick v├Âllig ungerechte System hat aber durchaus seinen Zweck.

Es wurde vor tausenden von Jahren mit den arischen Einwanderern nach Indien gebracht, die die Ureinwohner unterdr├╝ckten. Deshalb sind noch heute die meisten unteren Kasten dunkelh├Ąutiger als die oberen Kasten.

Der Zweck des Kastensystems wird unterschiedlich interpretiert:

Einer sagt, die Kaste sei zum Schutz ihrer selbst, sie d├╝rfe aber nur sich selbst sch├╝tzen.

Das Kastensystem wurde demnach auch von denen erfunden, denen es am meisten n├╝tzt; n├Ąmlich von den Brahmanen.

Geringsch├Ątzung der Arbeit

Seit dem Bestehen des Kastensystems ist es die Regel, dass der am wenigsten z├Ąhlt, der arbeitet am meisten.

Wie verzwickt die Situation dieser Arbeiter ist, m├Âchte ich an einem Beispiel eines Tagel├Âhners aus Rajastan zeigen.

Unser Arbeiter schuftet 8 Stunden am Tag auf dem Bau. Er sagt, er habe Tuberkulose und k├Ânne deswegen nur an 20 Tagen pro Monat arbeiten. Er sei 8 Monate lang auf kosten der Regierung behandelt worden (!!), jetzt aber nicht mehr. Er verdient 40 Rupien am Tag, die ihm 2mal im Monat ausgezahlt werden. Der Mindestlohn betr├Ągt zwar mehr als 50 (~2.-) Rupien, aber da Arbeiter in den Slums leicht zu finden sind, und weil die zust├Ąndigen Regierungsstellen immer wiedermal beide Augen zudr├╝cken, bekommt niemand soviel.

Unser Mann arbeitet schon seit 16 Jahren bei der gleichen Firma, hat aber immer noch keinen Arbeitsvertrag, da er auf Tagesbasis arbeitet.

Arbeitsvert├Ąge werden in Indien nur sehr selten ausgestellt, weil ein solcher praktisch unk├╝ndbar ist. Ausserdem m├╝sste der Arbeitgeber dem Arbeiter Sozialleistungen zahlen.

Unser Arbeiter gilt als Wanderarbeiter ohne festen Wohnsitz, darum hat er auch kein Stimmrecht und somit keinen Anspruch auf Lebensmittelkarten f├╝r staatlich subventionierte Billigl├Ąden.

Vielen ergeht es wie ihm, viele m├╝ssen auch Schulden machen, sei es,weil sie krank werden, oder sei es, weil sie die Mitgift ihrer T├Âchter nicht bezahlen k├Ânnen. Denn selbst die Armen kommen nicht um die Mitgift herum, und das zieht meiner Ansicht nach die ganze Geringsch├Ątzung der Frau von Geburt an nach sich. So freut sich kein armer Mann ├╝ber eine Tochter, der er sp├Ąter die Mitgift bezahlen muss.

Hier kommt nun der Begriff der Schuldknechtschaft ins Spiel. Sie beginnt zum Beispiel damit, dass eine arme Familie bei einem wohlhabenden Steinbruchbesitzer einen Kredit aufnimmt. Die Zinsen betragen h├Ąufig bis zu 10% im Monat, wenn nicht gar in der Woche. Die ganze Familie wird also, um die Schulden abzubezahlen, im Steinbruch schuften. Dazu bedarf es aber an Werkzeugen, f├╝r die die Arbeiter selbst aufkommen m├╝ssen. Der Besitzer leiht ihnen also Geld, um diese zu kaufen, da sie selber keins besitzen. Auf diese Weise f├Ąngt also ein Kredithai die armen Leute ein. Diese verdienen aber zuwenig Geld, um die Zinsen oden das Dahrlehen abbezahlen zu k├Ânnen. Der Schuldenberg wird auf diese Weise immer gr├Âsser, die Familie ist somit f├╝r Generationen in der Schuldknechtschaft gefangen, und sie ist in einer solch krassen Form vom Geldgeber abh├Ąngig, dass Schuldknechtschaft oft als moderne Form von Sklaverei bezeichnet wird.

((FOLIE))

Deshalb wollen sich die Tagl├Âhner vermehrt f├╝r den Mindestlohn einsetzen; ein bekannter unseres Mannes wurde deswegen jedoch zusammengeschlagen und ein Bein gebrochen. Die Polizei hat sich sogar geweigert, eine Azeige entgegnzunehmen.

Die Adivasi, die Ureinwohner Indiens

Die Adivasi, eine Minderheit in der Gesellschaft Indiens, stehen im Kastensystem ├Ąhnlich weit unten wie die Unber├╝hrbaren und stellen etwa 7.5 %, also 60 - 70 Millionen Menschen der Gesamtbev├Âlkerung.

Die Adivasi befinden sich seit etwa 1500 Jahren, als die ersten Arier in Indien einwanderten, auf dem R├╝ckzug,. Wie heute schon, waren die Einwanderer den Einwohnern technisch ├╝berlegen und verdr├Ąngten sie von der fruchtbaren Gangesebene. Die Adivasi zogen sich von da an immer mehr ins Landesinnere in unwegsame Gebiete zur├╝ck, denn nur dort konnten sie noch von ihren eigentlichen Lebensgrundlage existieren, vom Wald.

Heute vollenden die moderne Wirtschaft und die ├ťberbev├Âlkerung das Werk der arischen Einwanderer: Die W├Ąlder der Adivasi werden abgeholzt, die Leute werden aus T├Ąlern vertrieben, die nun fortan als Stauseen der indischen Stadtbev├Âlkerung Strom liefern, und zu guter letzt macht sich auch noch eine immer gr├Âssere Schar von landlosen Kleinbauern in das Land der Adivasi auf, um dieses zu kultivieren.

Auf diese Weise wird der Urbev├Âlkerung ihre ganze Lebensgrundlage weggenommen. Indien, oder besser gesagt, die dominierende Mittelschicht befindet sich auf einer immer gr├Âsser werdenden Suche nach Wohlstand, auf der sie die letzten Reserven an Land, Wasser und Luft schamlos vergeudet. Und genau diese Faktoren sind entscheidend f├╝r das ├ťberleben der Adivasi.

Ein konkretes Beispiel f├╝r diese verheerende Gef├Ąhrdung der Adivasi ist das Beispiel eines Stammes im S├╝den Rajastans. Diese Leute haben binnen einer Generation den Kollaps ihrer Lebensgrundlage und somit ihrer selbst mit ansehen m├╝ssen:

Ein Stammes├Ąltester erz├Ąhlt: "Noch vor 25 Jahren war hier alles Wald. So dicht war der Wald, dass man kaum darin herumlaufen konnte. Auf dem Talboden hatten wir 2 Ernten im Jahr, ohne bew├Ąssern zu m├╝ssen. Heute aber trocknet der Boden sofort nach den Monsunregen aus, das Land gibt immer weniger her."

Heute sieht es dort wie in der Sahelzone aus. Äusserst magere Vegetation, an vielen Orten ist der Humus abgetragen, kahle Hügel dominieren die Landschaft.

Um zu ├╝berleben, m├╝ssen die jungen M├Ąnner jedes Jahr f├╝r sechs bis acht Monate nach Gujarat oder Maharashtra gehen und dort als Hilfsarbeiter auf dem Bau schuften. Sie verdienen 1 Franken 20 Rappen im Tag.

Als Hauptgrund wird die Abl├Âsung der alten Subsistenzwirtschaft durch die moderne Geldwirtschaft angesehen. Wenn die eigene Ernte nicht reicht, muss man in der Stadt einkaufen, aber die Adivasi haben ja als einzigen Besitzt ihren Wald. Sie werden also f├Ârmlich gezwungen, ihre Lebensgrundlage in Form von Holzkohle zu verkaufen. Dazu kommt auch der ungeheure Brennholzverbrauch der Bev├Âlkerung und der sich rasend entwickelnden Industrie, weshalb die Regerung immerwieder an ausl├Ąndische Firmen Konzessionen f├╝r das Abholzen der W├Ąlder verteilt.

Auch die kulturelle Identit├Ąt geht dabei verloren. Dadurch, dass viele junge M├Ąnner ein halbes Jahr lang von Zuhause weg sind, wird das Gemeinschaftsleben, das f├╝r die Adivasi so wichtig ist, unterh├Âhlt. Auch tragen die jungen M├Ąnner ihre Kultur in die Ferne hinaus, werden dort aber von einer moderneren, westlicheren Kultur beeinflusst und bringen dann diese wiederum nach hause. Die Adivasi-Kultur wird also mehr oder weniger unmerklich zertreten.

Auf der religi├Âsen Ebene findet ebenso ein Verlust statt. Fragt man heute die Adivasi nach ihrer Religion, so werden nicht wenige sagen, sie seien Hindus. Weil den Adivasi der Wald genommen wurde, habe sie damit auch ihre Gottheiten verloren. Sie passen sich nun der Religion der Unterdr├╝cker an.

Die eigentlichen Vertreter der Minderheiten in der Regierung aber halten es zweifellos f├╝r richtig, die Urbev├Âlkerung mit der modernen Kultur zu begl├╝cken. Dass davon keine Rede sein kann, beweist schon die Begebenheit, dass die Adivasi zuunterst in die Bev├Âlkerungshierarchie eingeordnet werden.

Doch auch die Adivasi wissen inzwischen, wie sie ihr Elend ├Ąndern k├Ânnen. Sie versuchen, mehr denn je zusammen zuhalten und helfen sich wenn, immer m├Âglich, selber aus der Patsche. Sie bauen aus ganz kleinen Betr├Ągen ein Kapital auf, aus dem sie in Notf├Ąllen Darlehen beziehen k├Ânnen. Das macht sie unabh├Ąngig von den Geldgebern.

(Mit dieser Methode der Selbsthilfe helfen sich immer wie mehr Menschen aus der Patsche, so Frauen, Unber├╝hrbare und generell arme Leute)

Die Dalit

Mit Dalit sind die Unber├╝hrbaren gemeint. Unber├╝hrbar sind diejenigen Menschen, die mit Totem zu tun haben, mit F├Ąkalien, mit Schmutz. Einige Beispiele w├Ąren Gerber, Putzer und W├Ąscher.

Die Dalit machen etwa 15 % der Bev├Âlkerung aus. Sie stehen unter und ausserhalb des Kastensystems, daher nennt man sie auch Kastenlose. Sie wohnen ausserhalb der D├Ârfer, und sie d├╝rfen nicht den gleichen Brunnen wie die ├╝brigen Leute benutzen.

Denn Unber├╝hrbarkeit bedeutet im wahrsten Sinne des Wortes, dass diese Menschen nicht angefasst werden d├╝rfen, weder physisch noch psychisch. Auch darf nicht von Unber├╝hrbaren gesch├Âpftes Essen oder Trinkenzu sich genommen werden.

Die Dalit haben aber unter sich eine eigene Gesellschaftsordnung, deshalb werde ich auch von Kasten sprechen.

Ich m├Âchte nun am Beispiel der W├Ąscherkaste (Dhobi) zeigen, was es heisst, unber├╝hrbar zu sein.

Millionen Inder und Inderinnen geh├Âren dieser Kaste an, deren Aufgabe war und ist, die Kleider der wohlhabenderen Leuten zu waschen. Doch heute bekommen die Dhobi Konkurrenz: In immer mehr Haushalten der Mittelschicht ist eine Waschmaschine zu finden, und das Wasser der Fl├╝sse ist oft so schmutzig, dass niemand mehr dort seine Kleider waschen lassen will. Die Existenzgrundlage der ganzen Kaste steht somit auf dem Spiel. Das Gesch├Ąft sei um die H├Ąlfte zur├╝ckgegangen, erz├Ąhlen Arbeiter.

Unver├Ąndert ist die Technik des Waschens geblieben: Die Dhobi stehen im Wasser und schlagen die schmutzige W├Ąsche auf einen flachen Stein, um den Schmutz herauszupr├╝geln (= ausserordentlich anstrengend!!). ((FOLIE))

Die Dhobi m├╝ssen nun mit Lumpenwaschen ihr Geld verdienen. Sie sagen, die Zuwanderer aus den l├Ąndlichen Regionen, die am Fluss ihre Slumh├╝tten bauen, w├╝rden den ganzen Fluss verschmutzen. Auch die Kaste der Gerber tr├Ągt Mitschuld an der Verschmutzung der Fl├╝sse, indem sie Chemikalien in diese sch├╝tten.

Die Konkurrenz der Waschmaschine dr├╝ckt auf die Preise und nimmt die Arbeit weg. Die Dhobi verdienen darum sehr wenig. Das t├Ąglich notwendige kaufen sie beim H├Ąndler, bei dem sie immer von neuem Kredit aufnehmen m├╝ssen. (Davon noch sp├Ąter)

Auch um den Nachwuchs steht es nicht gerade gut: Wer als Dhobi geboren wurde, bleibt ein Leben lang Dhobi. Heute ist zwar ein Aufstieg m├Âglich, dazu ist aber ein guter Job n├Âtig, und daf├╝r braucht es Bestechungsgelder (Die beste Arbeit findet man bei der Regierung), die die Dhobi nat├╝rlich nicht bezahlen k├Ânnen.

Das Beispiel der Dhobi ist typisch f├╝r ganz Indien. Auf der einen Seite steht das ungerechte Kastensystem, auf der anderen Seite die Modernisierung, die eine f├Ârmliche Konsumgier nach sich zieht. All dies mag neue M├Âglichkeiten schaffen, l├Ąsst aber gleichzeitig Millionen von Menschen zur├╝ck, die in einer sich modernisierenden Gesellschaft keine neue Nische finden, um zu ├╝berleben.

((FOLIE))

Die Kinderarbeit

Genau so h├Ąufig wie fr├╝her werden heute Kinder, trotz des Verbotes, zur Herstellung von Teppichen in den Teppichg├╝rteln im Uttar Pradesh benutzt. Die Kinderarbeit ist heutzutage kaum noch von der Sklavenarbeit zu unterscheiden.Die Kinder werden dazu meist den verzweifelten M├╝ttern abgekauft oder weggenommen. Selten sieht man daher Kinder aus dem einen Dorf in demselben arbeiten. Den M├╝ttern werden gute L├Âhne f├╝r die Arbeit der Kinder versprochen, doch sie werden weder ihre Kinder noch irgendein Lohn je wiedersehen. Die Kinder werden gezwungen, in fremden D├Ârfern bis zu 14 Stunden am Tag in L├Âchern oder H├╝tten vor einem Webstuhl zu schuften. Dabei herrscht qualvolle Enge, die Kinder k├Ânnen sich fast nicht bewegen, Temperaturen von 44┬░C sind keine Seltenheit, und das ungen├╝gende Licht schadet den Augen. Die j├╝ngsten dieser Sklavenkinder sind etwa 6 Jahre alt. ((FOLIE))

Oft habe ich mich gefragt, warum denn ausgerechnet Kinder diese Arbeit verrichten m├╝ssen.

Die Verteidiger der Kinderarbeit sagen, die Kinder h├Ątten viel geschmeidigere Finger und w├╝rden darum den Erwachsenen vorgezogen. Die Wahrheit jedoch sieht anders aus: Die von Kinderhand gefertigten Teppiche sind nur von mittelm├Ąssiger Qualit├Ąt, w├Ąhrend gute Teppiche von Erwachsenen gefertigt werden. Die Kinder sind willig und billig, da sie viel Platz sparen. Somit ist der Grund der Kinderarbeit reine Profitgier, die durch den Kinderhandel noch angespornt wird.

Millionen von Kindern unter 14 Jahren arbeiten auch als Schuhputzer, Bettler, in der Landwirtschaft, als Gep├Ącktr├Ąger und im Steinbruch. Beliebt ist die Kinderarbeit auch in der Feuerwerkshertstellung. Dass jedes Jahr mindestens eine dieser Fabriken explodiert, und dass die meisten Opfer Kinder oder Frauen sind, k├╝mmert niemanden.

Totale Verwirrung stiftete bei mir das Gesetz zur Regelung der Kinderarbeit. Denn einerseits ist Kinderarbeit an Webst├╝hlen, in Feuerwerksfabriken und in der Bauindustrie verboten, andererseits regelt ein Gesetz von 1987 die Kinderarbeit, wie z.B. keine Nachtarbeit, Sechstagewoche, Arbeitszeit usw. Dass sich daran niemand h├Ąlt, ist ja wohl klar.

Gegenstrategien: Quoten f├╝r die Benachteiligten

Die Einstellung der indische Gesellschaft hat sich jedoch in den letzten Jahren ge├Ąndert: Jetzt wird allgemein anerkannt, dass die Dalit und die Adivasi bisher auf eine nicht verantwortbare Weise vernachl├Ąssigt und unterdr├╝ckt worden sind. Deshalb sind in der indischen Verfassung seit 1950 Quoten, d.h. Reservationen, f├╝r die Benachteiligten geregelt: Die Dalit machen etwa 15% der Bev├Âlkerung aus, demnach sollten sie auch 15% aller Pl├Ątze im Erziehungswesen, in Regierungsposten und in politischen ├ämtern erhalten. Das heisst, dass ein Dalit Anrecht auf eine Hochschulausbildung hat und danach eine politische Kariere beginnen kann, was noch vor 50 Jahren absolut unm├Âglich war.

Eine der Kehrseiten dieser Politik ist jedoch die Tatsache, dass Dalit, die den Aufstieg geschafft haben, sich meistens vom eigenen Umfeld abwenden, anstatt sich daf├╝r einzusetzen.

Sie f├╝hlen sich als Mitglieder der dominierenden Mittelklasse und somit als nicht verpflichtet, den Unterdr├╝ckten zu helfen.

Aber auch die Ausf├╝hrung des Systems an sich ergibt Probleme aufgrund der herrschenden Korruption, die, wie ich denke, sicher auch mit Vetternwirtschaft verbunden ist.

Bei der Beurteilung einer Person spielt oftmals auch der Namen eine grosse Rolle, denn jeder Angeh├Ârige einer Kaste tr├Ągt meistens auch deren Namen, d.h., dass ein Kuhhirt eben Kuhhirt heisst, und ein Toilettenreiniger Toilettenreiniger. Aber dazu haben sich einige Dalit etwas einfallen lassen: Sie legen sich einfach einen Brahmanennamen zu, um die Beurteilung nach Name durcheindander zu bringen. Mit dieser Hilfe haben es schon einige geschafft, sozial aufzusteigen.

Dass es auch ohne Namens├Ąnderung geht, beweist das Beispiel, dass der jetzige Pr├Ąsident Indiens ein Dalit ist.

Gegenstrategien: Schule

Tatsache ist, dass Indien die H├Ąlfte der Analphabeten der Welt stellt. Im Gegensatz dazu steht die Verfassung, die die allgemeine Schulpflicht seit 1950 festlegt. Damals war dies noch ein Ding der Unm├Âglichkeit, doch heute scheint die Idee langsam Fuss zu fassen, doch es stellen sich auch hier Schwierigkeiten:

Die Eltern, selbst Analphabeten, haben oft M├╝he, die Kinder, die auf dem Land einen festen Teil der Arbeitsgesellschaft darstellen, in die Schule zu schicken. Sie wissen nicht, was Schule ist, und sie wissen nicht, f├╝r was sie gut sein sollte. Nicht selten werden sie in ihren Erwartungen get├Ąuscht: Die staatlich angestellten Lehrer sind st├Ąndig betrunken, sie erscheinen nie p├╝nktlich, und das Schulmaterial ist ├Ąusserst sp├Ąrlich. Dementsprechend lernen die Kinder auch zuwenig. Manche k├Ânnen selbst nach einigen Jahren Unterricht noch nicht mal ihren Namen schreiben.

Auch gehen die meisten Schulgelder in den M├╝hlen der Verwaltung verloren, ohne zu den Bed├╝rftigen zu gelangen.

Nun bleibt einfach noch abzuwarten, ob diese Gegestrategien n├╝tzen; Werden sich die Unterdr├╝ckten wehren, werden sie die Quoten ausnutzen? Hoffnung besteht, und das ist ja bekanntlich schon ein Anfang!

Quellen: "Wir wollen mehr vom Leben!", Andreas B├Ąnziger, Lamuv-Verlag.

240 sehr empfehlenswerte Seiten ├╝ber alle Probleme der Bev├Âlkerung von Indien.

ISBN: 3-88977-442-3

Dauer des Vortrags: 20-30 min, dazu noch 15-20 min Klassenarbeit = 1 Schulstunde

Note des Vortrags: +0.3 Zuschlag auf Gesamtdurchschnitt in Geographie

(abs.Minimum = -1, Maximum = +0.5), Bewertung: Vortrag 66%, Zusammenfassug 33%

Zusammenfassung ├╝ber 3 Seiten:

Indien - ├╝ber 500'000'000 Menschen im Elend

Zusammenfassung

Gliederung: 1.) Kastensystem 4.) Dalit

2.) Wert der Arbeit 5.) Kinderarbeit

3.)Adivasi 6.) Gegenstrategien

Vorwort

Die Bev├Âlkerung Indiens ist grob in 2 Teile geteilt: Die alles dominierende Mittelschicht mit 15 % Anteil und die restlichen 85%, die zumeist in ├Ąrmlichen, wenn nicht gar menschenunw├╝rdigen Verh├Ąltnissen leben. Armut, Hunger und Unterdr├╝ckung beherrschen das Durchschnittsindien. Auch die Analphabetenrate ist sehr hoch. Die Rechte der unterdr├╝ckten M├Ąnner und Frauen sind in der Verfassung festgelegt, wo es heisst: Gleiche Rechte f├╝r alle, f├╝r Mann und Frau, f├╝r F├╝rst und Kuhhirt.

Doch die Wirklichkeit sieht anders aus...

Das Kastensystem

Das Kastensystem wurde vor etwa 3000 Jahren von den arischen Einwanderern nach Indien gebracht, die sich ├╝ber die Ureinwohner stellten und diese unterdr├╝ckten.

Am besten stellt man sich das System w├Ârtlich als Kasten und K├Ąstchen vor. Es existieren 2 Einteilungen. Die erste ist die Varna - Einteilung (Varna = Stand; siehe Zusammenfassung "Hinduismus", S. 3).

Die zweite Einteilung wird Jati genannt. In die Jati-Einteilung wird man geboren, sie ist das Schicksal eines jeden, abh├Ąngig vom Karma = Summe aller Taten aus fr├╝heren Leben. Sich beklagen ist nicht erlaubt. Jede Jati-Kaste hat ihren angestammten Beruf, wobei diejenigen, die am meisten arbeiten, am wenigsten z├Ąhlen. Kontakte ├╝ber die Kasten hinaus sind so gut wie verboten, Heirat gilt als sch├Ąndlich. Minderheiten wie Christen, Moslems und die Urbev├Âlkerung stehen ausserhalb, also unterhalb des Kastensystems.

Zurzeit gibt es etwa 227 Jati-Kasten, die jedoch wiederum in Unterkasten, Sippen, Grossfamilien und Familien unterteilt sind.

Der Zweck des Kastensystems wird so interpretiert:

Die Kaste ist zum Schutz ihrer selbst, sie darf aber nur sich selbst sch├╝tzen. Die unteren Kasten existieren einzig und allein, um den oberen zu dienen. Das Kastensystem wurde demnach auch von denen erfunden, denen es am meisten n├╝tzt; n├Ąmlich von den Brahmanen. Im Gegensatz zu heute hatten fr├╝her die oberen Kasten eine Verantwortung gegen├╝ber den Unteren, so dass zumindest niemand verhungerte. Heute wird dies total vernachl├Ąssigt.

Diese Grafik zeigt die Varna-Einteilung, verbunden mit den Anteilen der Bev├Âlkerung:

Wert der Arbeit

Wie verzwickt die Situation dieser Arbeiter ist, m├Âchte ich am Beispiel eines Tagel├Âhners aus Rajastan zeigen.

Unser Arbeiter schuftet 8 Stunden am Tag auf dem Bau. Er sagt, er habe Tuberkulose und k├Ânne deswegen nur an 20 Tagen pro Monat arbeiten. Er sei 8 Monate lang auf kosten der Regierung behandelt worden (!!), jetzt aber nicht mehr. Er verdient 40 Rupien am Tag, die ihm 2mal im Monat ausgezahlt werden. Der Mindestlohn betr├Ągt zwar mehr als 50 Rupien (~2.sFr), aber da Arbeiter in den Slums leicht zu finden sind, und weil die zust├Ąndigen Regierungsstellen immer wiedermal beide Augen zudr├╝cken, bekommt niemand soviel.

Unser Mann arbeitet schon seit 16 Jahren bei der gleichen Firma, hat aber immer noch keinen Arbeitsvertrag, da er auf Tagesbasis arbeitet.

Arbeitsvertr├Ąge werden in Indien nur sehr selten ausgestellt, weil ein solcher praktisch unk├╝ndbar ist. Ausserdem m├╝sste der Arbeitgeber dem Arbeiter Sozialleistungen zahlen.

Unser Arbeiter gilt als Wanderarbeiter ohne festen Wohnsitz, darum hat er auch kein Stimmrecht und somit keinen Anspruch auf Lebensmittelkarten f├╝r staatlich subventionierte Billigl├Ąden.

Das ist ein typisches Paradox in Indien: Wer einen festen Wohnsitz hat, kann billig einkaufen und hat ein Stimmrecht; die meisten dieser Arbeiter haben aber keinen festen Wohnsitz.

Hier kommt nun der Begriff der Schuldknechtschaft ins Spiel. Sie beginnt zum Beispiel damit, dass eine arme Familie bei einem wohlhabenden Mann einen Kredit aufnimmt. Die Zinsen betragen h├Ąufig bis zu 10% im Monat, wenn nicht gar in der Woche. Die ganze Familie wird also, um die Schulden abzubezahlen, gezwungen, im Steinbruch zu schuften. Die Familie verdient aber zuwenig Geld, um die Zinsen oder das Darlehen abbezahlen zu k├Ânnen. Der Schuldenberg wird auf diese Weise immer gr├Âsser, die Familie ist somit f├╝r Generationen in der Schuldknechtschaft gefangen, und sie ist in einer solch krassen Form vom Geldgeber abh├Ąngig, dass Schuldknechtschaft oft als moderne Form von Sklaverei bezeichnet wird.

Der Kreislauf der Schuldknechtschaft sieht so aus:

Schulden

unf├Ąhig, Zins zu bezahlen Zwangsarbeit

zuwenig Lohn

3.) Die Adivasi, Ureinwohner Indiens

Die Adivasi, eine Minderheit in der Gesellschaft Indiens, stehen im Kastensystem ├Ąhnlich weit unten wie die Unber├╝hrbaren und stellen etwa 7.5 %, also 60 - 70 Millionen Menschen

Die Adivasi befinden sich seit der Ankunft der ersten Arier in Indien auf dem R├╝ckzug in den Wald, der inzwischen zu ihrem Besitz, ihrer Religion und ihrer Lebensgrundlage geworden ist.

Heute werden die W├Ąlder der Adivasi abgeholzt, die Leute werden aus T├Ąlern vertrieben, die nun fortan als Stauseen der Mittelschicht Strom liefern, welche auf der Suche nach Wohlstand die letzten Reserven der Natur zerst├Ârt. Ebenso macht sich auch noch eine immer gr├Âssere Schar von landlosen Kleinbauern in das Land der Adivasi auf, um dieses zu kultivieren.

Das ├ťberleben der Adivasi ist also erheblich gef├Ąhrdet. ├ťberlebensstrategien sind rar. Die Adivasi haben ja als einzigen Besitz ihren Wald. Sie werden also f├Ârmlich gezwungen, ihre Lebensgrundlage in Form von Holzkohle zu verkaufen.

Viele der jungen M├Ąnner gehen jedes Jahr f├╝r sechs bis acht Monate nach Gujarat oder Maharashtra und schuften dort als Hilfsarbeiter auf dem Bau. Sie verdienen 1 Franken 20 Rappen im Tag.

Auch die kulturelle Identit├Ąt geht dabei verloren. Die jungen M├Ąnner tragen ihre Kultur in die Ferne hinaus, werden dort aber von einer moderneren, westlichen Kultur beeinflusst und bringen dann diese wiederum nach Hause. Die Adivasi-Kultur wird also mehr oder weniger unmerklich zertreten.

Die eigentlichen Vertreter der Minderheiten in der Regierung jedoch halten es zweifellos f├╝r richtig, die Urbev├Âlkerung mit der modernen Kultur zu begl├╝cken. Dass davon keine Rede sein kann, beweist schon die Begebenheit, dass die Adivasi zuunterst in die Bev├Âlkerungshierarchie eingeordnet werden.

4.) Die Dalit, die Unber├╝hrbaren

Die Unber├╝hrbaren sind diejenigen Menschen, die mit Totem zu tun haben, mit F├Ąkalien, mit Schmutz. Einige Beispiele w├Ąren Gerber, Putzer und W├Ąscher.

Die Dalit machen etwa 15 % der Bev├Âlkerung aus. Sie stehen unter und ausserhalb des Kastensystems, daher nennt man sie auch Kastenlose. Sie wohnen ausserhalb der D├Ârfer, und sie d├╝rfen nicht den gleichen Brunnen wie die ├╝brigen Leute benutzen.

Denn Unber├╝hrbarkeit bedeutet im wahrsten Sinne des Wortes, dass diese Menschen nicht angefasst werden d├╝rfen, weder physisch noch psychisch. Auch darf nicht von Unber├╝hrbaren gesch├Âpftes Essen oder Trinken zu sich genommen werden.

Die Dalit haben aber unter sich eine eigene Gesellschaftsordnung, deshalb werde ich auch von Kasten sprechen.

Millionen Inder und Inderinnen geh├Âren den Dalit an. Sie alle werden, so gut es geht, gemieden, Aussicht auf Arbeit haben sie meist keine. Die beste Arbeit gibt es bei der Regierung. Da es aber f├╝r einen gute Job Bestechungsgelder braucht, bleiben die meisten Dalit ein Leben lang arm.

In Indien haben die Leute meist den gleichen Namen wie ihre Kaste. Dadurch wird bei Bewerbungen unweigerlich eine Beurteilung durch Name hervorgerufen. Kein Arbeitgeber wird also je einen Mann (geschweige denn eine Frau) mit dem Namen Gerber einstellen. Einige Dalit haben sich jedoch den Namen eines Brahmanen zugelegt, um diese Beurteilung durcheinander zu bringen.

Die Kinderarbeit

Genau so h├Ąufig wie fr├╝her werden heute Kinder, trotz des Verbotes, zur Herstellung von Teppichen in den Teppichg├╝rteln im Uttar Pradesh benutzt. Die Kinderarbeit ist heutzutage kaum noch von der Sklavenarbeit zu unterscheiden. Die Kinder werden dazu meist den verzweifelten M├╝ttern abgekauft oder weggenommen. Selten sieht man daher Kinder aus dem einen Dorf in demselben arbeiten. Den M├╝ttern werden gute L├Âhne f├╝r die Arbeit der Kinder versprochen, doch sie werden weder ihre Kinder je wiedersehen noch irgendeinen Lohn erhalten. Die Kinder werden gezwungen, in fremden D├Ârfern bis zu 14 Stunden am Tag in L├Âchern oder H├╝tten vor einem Webstuhl zu schuften. Dabei herrscht qualvolle Enge, die Kinder k├Ânnen sich fast nicht bewegen, Temperaturen von 44┬░C sind keine Seltenheit, und das ungen├╝gende Licht schadet den Augen. Die j├╝ngsten dieser Sklavenkinder sind etwa 6 Jahre alt.

Die Verteidiger der Kinderarbeit sagen, die Kinder h├Ątten viel geschmeidigere Finger und w├╝rden darum den Erwachsenen vorgezogen. Die Wahrheit jedoch sieht anders aus: Die von Kinderhand gefertigten Teppiche sind nur von mittelm├Ąssiger Qualit├Ąt, w├Ąhrend gute Teppiche von Erwachsenen gefertigt werden. Die Kinder sind willig und billig, da sie viel Platz sparen. Somit ist der Grund der Kinderarbeit reine Profitgier, die durch den Kinderhandel noch angespornt wird.

Millionen von Kindern unter 14 Jahren arbeiten auch als Schuhputzer, Bettler, in der Landwirtschaft, als Gep├Ącktr├Ąger und im Steinbruch. Beliebt ist die Kinderarbeit auch in der Feuerwerkshertstellung. Dass jedes Jahr mindestens eine dieser Fabriken explodiert, und dass die meisten Opfer Kinder oder Frauen sind, k├╝mmert niemanden.

Totale Verwirrung stiftete bei mir das Gesetz zur Regelung der Kinderarbeit. Denn einerseits ist Kinderarbeit an Webst├╝hlen, in Feuerwerksfabriken und in der Bauindustrie verboten, andererseits regelt ein Gesetz von 1987 die Kinderarbeit, wie z.B. keine Nachtarbeit, Sechstagewoche, Arbeitszeit usw. Dass sich daran niemand h├Ąlt, ist ja wohl klar.

Gegenstrategien

Heute wird allgemein anerkannt, dass die Dalit und die Adivasi bisher auf eine nicht verantwortbare Weise vernachl├Ąssigt und unterdr├╝ckt worden sind. Deshalb sind in der indischen Verfassung seit 1950 Quoten, d.h. Reservationen f├╝r die Benachteiligten, geregelt: Die unterdr├╝ckten Gruppen sollen den gleichen Prozentsatz der Regierung stellen, wie den der Bev├Âlkerung. Das heisst, dass ein Dalit eine politische Kariere beginnen kann, was noch vor 50 Jahren absolut unm├Âglich war.

Eine der Kehrseiten dieser Politik ist jedoch die Tatsache, dass diejenigen Dalit, die den Aufstieg geschafft haben, sich meistens vom eigenen Umfeld abwenden, anstatt sich daf├╝r einzusetzen.

Sie f├╝hlen sich als Mitglieder der dominierenden Mittelklasse und somit als nicht verpflichtet, den Unterdr├╝ckten zu helfen.

Aber auch die Ausf├╝hrung der Quotenregelung an sich ergibt Probleme aufgrund der herrschenden Korruption, die, wie ich denke, sicher auch mit Vetternwirtschaft verbunden ist.

( Hinweis: der jetzige Pr├Ąsident Indiens ist ein Dalit; nachzulesen im Bund vom 17. Juli 1997)

Indien stellt die H├Ąlfte der Analphabeten der Welt. Im Gegensatz dazu steht ein Artikel der Verfassung, der die allgemeine Schulpflicht seit 1950 festlegt. Damals war dies noch ein Ding der Unm├Âglichkeit, doch heute scheint die Idee langsam Fuss zu fassen, doch es stellen sich auch hier Schwierigkeiten:

Die Eltern, selbst Analphabeten, haben oft M├╝he, die Kinder, die auf dem Land einen festen Teil der Arbeitsgesellschaft darstellen, in die Schule zu schicken. Sie wissen nicht, f├╝r was sie gut sein sollte. Nicht selten werden sie in ihren Erwartungen get├Ąuscht: Die staatlich angestellten Lehrer sind st├Ąndig betrunken, sie erscheinen nie p├╝nktlich, und das Schulmaterial ist ├Ąusserst sp├Ąrlich. Dementsprechend lernen die Kinder auch zuwenig. Manche k├Ânnen selbst nach einigen Jahren Unterricht noch nicht mal ihren Namen schreiben.

Auch gehen die meisten Schulgelder in den M├╝hlen der Verwaltung verloren, ohne zu den Bed├╝rftigen zu gelangen.

Hoffnung besteht also, und die ist ja bekanntlich der Anfang des Erfolges!

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