Neuseeland

Inhaltsverzeichnis

Geologie

1.1 Landschaft

1.2 Geologische Geschichte

1.3 Gletscher und Vereisung

1.4 Vulkanismus und vulkanische Begleiterscheinungen

Klima

Flora + Fauna

3.1 Vegetation

3.2 Eingef√ľhrte Pflanzen und Sch√§dlinge

Staat

Geschichte

5.1 Maori-Einwanderung

5.2 Maori-Lebensräume

5.3 Die Britische Annexion

5.4 Vertrag von Waitangi

5.6 Niedergang der Maori

Maori in der heutigen Gesellschaft

Wirtschaft

6.1 Weidewirtschaft

6.1.1 Schafhaltung

6.1.2 Milchwirtschaft

6.1.3 Rinderhaltung

6.2 Grundlagen der Weidewirtschaft

6.3 Wirtschaftliche Entwicklung

1.GEOLOGIE

1.1 Landschaftlicher √úberblick

Im wesentlichen besteht Neuseeland aus zwei gro√üen Inseln, der Nord- und der S√ľdinsel. Dazu kommen dann noch im S√ľden, wo es (umgekehrt wie bei uns) k√§lter ist, die kleine Stewart Island sowie ein paar kleinere Inseln wie Chatham Island. Nord- und S√ľdinsel haben einen Umriss, der an Italien erinnert, eine K√ľstenlinie von 5650 km. Das Land liegt in einer Zone vorherrschender Westwinde, und seine Breitenlage entspricht etwa der Lage von Wien bis Gibraltar 1600 km lang und an seiner breitesten Stelle 450 km messend. Vom Meeresspiegel bis auf 3764 m (Mt. Cook) ansteigend liegt es von gro√üen Wassermassen umgeben am Rande des Pazifischen Ozeans. Neuseelands insulare Lage f√ľhrt zu einem sehr ausgeglichen, maritimen Klima. Die Inseln sind relativ gebirgig, und nur knapp ein Viertel des Landes liegt unter 200m H√∂he. Die Gebirgsz√ľge erstrecken sich weitgehend nordost-s√ľdwestlich, und das R√ľckgrat der S√ľdinsel bildet eine massive Gebirgskette, die "neuseel√§ndische Alpen" hei√üt. Es gibt ca. 20 Berge √ľber 3000 m sowie 360 Gletscher, deren l√§ngster der Tasman-Gletscher mit 27 km ist. Das Nordende ragt in subtropische Klimazonen hinein, und an den K√ľsten n√∂rdlich von Auckland finden sich an Flussm√ľndungen Mangroves√ľmpfe. Zitrusfr√ľchte gedeihen, und Weinbau wird mit gro√üem Erfolg betrieben, in den ausgedehnten W√§ldern der S√ľdinsel macht man Jagd auf Rotwild.

1.2 Geologische Geschichte

Wie in Island deuten Erdbeben und Vulkanismus auf die teilweise sehr sp√§te Entstehung der Inseln hin. Das alpine Faltengebirge ist auch seiner Entstehung nach vergleichbar mit den europ√§ischen Alpen. Im Sp√§tterti√§r kam es hier, nachdem zuvor in einem gro√üen Sedimentationstrog riesige Gesteinsmassen abgelagert worden waren, zu einer Auffaltung, aus der die Alpen entstanden. Der Prozess begann vor etwa 25 Millionen Jahren, hatte seine aktivste Phase vor 5 Millionen Jahren und dauert bis heute an. Dieses Faltengebirge stellt den s√ľdlichen Zipfel des westpazifischen Feuerrings dar, der sich von Neuseeland √ľber den Kermadec- und Tongagraben, √ľber Melanesien und den Marianengraben bis nach Japan erstreckt. Die indisch-australische Platte, an deren Rand sich die Inseln befinden, schiebt sich im Bereich der S√ľdinsel unter und im Bereich der Nordinsel √ľber die Pazifische Platte, wobei es au√üerdem noch zu nordost-s√ľdwestlichen Seitenverschiebungen kommt.

Die bewegte geologische Geschichte Neuseelands geht zur√ľck auf die Zeit vor 150 Millionen Jahren, als sich der s√ľdliche Gondwana-Kontinent vom n√∂rdlichen Laurasia trennte. S√ľdamerika, Afrika, Indien, die Antarktis und Australien bildeten einen Superkontinent, der sp√§ter auseinanderbrach und aus dem sich vor 80-90 Millionen Jahren als ein Block Australien, Neuseeland und die Antarktis bildeten. Vor 70 Millionen Jahren trennte sich hiervon Neuseeland, vor etwa 50 Millionen Jahren l√∂ste sich die Antarktis von Australien. Neuseeland lag w√§hrend der ganzen Entwicklung immer am Rande und war dadurch st√§ndigen Ver√§nderungen, √úberflutungen und Gebirgsbildungen ausgesetzt. Die √§ltesten Gesteine, im nordwestlichen Nelson gelegen, sind ungef√§hr 600 Millionen Jahre alt; die meisten allerdings entstammen den j√ľngeren Gebirgsbildungen. W√§hrend der letzten 80 Millionen Jahre wurden nicht nur Gebirge gebildet sondern auch abgetragen, wodurch sich zu beiden Seiten der Gebirgsflanken gro√üe Gesteinsmassen auf dem Meeresboden ablagerten. Kalke, Sandsteine und Schotterfluren bilden weite Bereiche der Gebirge und K√ľstenebenen. Und dazwischen kam es immer wieder zu Vulkanausbr√ľchen, bis in die heutige Zeit hinein. Reste der urspr√ľnglichen Pflanzen und Tiere √ľberlebten auf kleinen, zersplitterten Inseln und zeugen noch heute von den Zeiten, als Neuseeland mit den anderen Teilen Gondwanas eine Einheit bildete.

W√§hrend der letzten Eiszeit kam es zu einer gro√üen Vergletscherung, die weit √ľber das hinausgeht, was heute an Vereisung zu sehen ist. Deren unmittelbare Folge war, dass vor etwa 20000 Jahren Nord- und S√ľdinsel miteinander verbunden waren. F√ľr das heutige Landschaftsbild wichtig sind die durch die riesigen Gletscher ausgeformten T√§ler im Bereich der Alpen, vor allem im Fjordland National Park, wo solche Trogt√§ler durch den nacheiszeitlichen Meeresspiegelanstieg ertranken und zu Fjorden wurden. Auch die zahlreichen Alpenseen √∂stlich der gro√üen Gebirgskette sind Ergebnis der aussch√ľrfenden Arbeit dieser eiszeitlichen Gletscher. Sie wurden tief ausgesch√ľrft, zum Teil bis unter den Meeresspiegel, und als Abschlussbegrenzung finden sich h√§ufig Endmor√§nen, die das weiteste Vorr√ľcken der Gletscher markieren. Vom Gletscherwasser in der Nacheiszeit ausgef√ľllt, bildeten sich hier Rinnen- und Zungenbeckenseen. Auff√§llig ist allerdings, dass es in Neuseeland diese Seen nur auf der Ostseite gibt. Im Westen f√§llt das Gebirge der Alpenkette so steil ins Meer ab, dass es nicht zur Ausbildung solcher Seen kommen konnte.

1.3 Gletscher und heutige Vereisung

Die Region der Gletscher ist heute in zwei Nationalparks zusammengefasst, dem Westland und dem Mount Cook Nationalpark. Beide Parks zusammen sind wegen ihrer einmaligen Sch√∂nheit in das "World Heritage"-Programm der UNO aufgenommen worden. Die beiden h√∂chsten Berge Neuseelands, Mt. Cook (3764 m) und Tasman (3497 m), die vom Meer aus steil ansteigen, liegen hier. Niederschl√§ge bis zu 7600 mm/Jahr sind die Folge dieser Erhebungen, die sich den Westwinden als Hindernis in den Weg stellen. Davon leben aber die Gletscher und auch die mit Regenwald bedeckten H√§nge. Gro√üe Mor√§nenschuttmengen liegen am Weg, und schotterreiche Fl√ľsse durchschneiden die schmale K√ľstenebene im Westen. Die H√§nge sind dicht bewaldet, √ľberwiegend mit S√ľdbuchen, die, mit Flechten- und Moosbewuchs verdichtet, einen Regenwald bilden. Am bekanntesten sind die beiden Gletscher Franz-Josef und Fox. Beide sind einmalig insofern, als sie bis auf etwa 300 m √ľber den Meeresspiegel hinabreichen und auf beiden Seiten von dichtem Wald begrenzt sind. Es gibt in vergleichbaren Breiten dieser Welt keine so weit herabreichenden Gletscher. Der steile Abfall aus ihren N√§hrgebieten f√ľhrt zu erstaunlich hohen Flie√ügeschwindigkeiten des Eises. Sie sind daher auch Indikatoren l√§ngerfristiger Witterungsschwankungen: es gab Zeiten, in denen sie sich nach unten ausdehnten' aber seit den f√ľnfziger Jahren ist √ľberwiegend ein R√ľckzug zu beobachten, der auf Klimaver√§nderungen (Erw√§rmung) hindeutet. Die Stadien des Vorr√ľckens und des R√ľckzugs sind in den Endmor√§nen "dokumentiert".

Der Fox-Gletscher ist etwas l√§nger (13,5 km) als der Franz-Josef-Gletscher (12 km). Eine F√ľlle glazialer Erscheinungen ist zu sehen, von Rundh√∂ckern mit Gletscherschliff √ľber Seiten- und Endmor√§nen bis hin zum Gletschertor oder den Gletscherb√§chen mit ihrem feinen Gletscherschluffmaterial, das die B√§che milchig wei√ü eintr√ľbt. Der Tasman-Gletscher ist mit seinen 27 km der l√§ngste Gletscher der warmgem√§√üigten Zone. Er ist bis zu 3 km breit, und seine Eismassen sind bis zu 600 m dick. Aus der Luft sind auch die Gletscherspalten, Seiten- und Endmor√§nen, zum Ende hin die Obermor√§nen sowie Trogt√§ler, H√§nget√§ler, Kare und Seitengletscher sehr gut zu sehen, wie auch die tr√ľben Gletscherb√§che und Schotterfluren.

1.4 Vulkanismus und vulkanische Begleiterscheinungen

Ein die Landschaft Neuseelands pr√§gendes Element ist bis heute der Vulkanismus. In Neuseeland ist der Vulkanismus wesentlich bedeutsamer als in Europa. Das h√§ngt mit der geologischen Unruhe am Rande der sich verhakenden Platten zusammen. Aktive Vulkane, Erdbeben und auch nachvulkanische Erscheinungen wie Geysire, Fumarolen, hei√üe B√§che und kochender Schlamm gibt es in Europa allenfalls in Island. L√§ngs √ľber beide Inseln, von Nord nach S√ľd, erstreckt sich eine Zone gro√üer Erdbebengef√§hrdung, die nur deshalb so selten katastrophale Auswirkungen hat, weil das Land relativ d√ľnn besiedelt ist. Man ist sich dieser st√§ndigen Gefahr durchaus bewusst, und in Wellington, das in einer besonders gef√§hrdeten Zone liegt, wurde in den letzten zwanzig Jahren manches Haus abgerissen und neugebaut, um den neueren erdbebensicheren Standards gerecht zu werden. Zahlreiche Katastrophenpl√§ne existieren, zumal man in den letzten Jahren eine Zunahme der Erdbeben im Lande beobachtet. Beben der St√§rke um 6 auf der Richterskala werden √∂fter registriert, allerdings meist in wenig besiedelten Zonen. Am 3. Februar 1931 ersch√ľtterte ein gewaltiges Erdbeben (Richterskala 7,9) die Hawke's Bay und zerst√∂rte nahezu alle Geb√§ude der beiden St√§dte Napier und Hastings. √Ėstlich dieser Region, im zentralen Bereich der Nordinsel, kommt dann noch die stets vorhandene Gef√§hrdung durch aktive Vulkane hinzu. Mount Taranaki war zuletzt wahrscheinlich 1636 aktiv, w√§hrend Ngauruhoe auch heute noch meist ein Rauchw√∂lkchen aufweist und es immer wieder zu Eruptionen kommt.

In vorhistorischer Zeit muss es in dieser Region Explosionen größeren Ausmaßes gegeben haben, von denen zwei riesige Calderen zeugen. Eine Caldera ist ein Einsturzkrater, der nach einer großen Explosion gashaltiger (saurer) Magma entsteht, bei der die Spitze des ehemaligen Vulkans in die Luft gesprengt wird. Übrig bleiben in der Regel große Seen, prototypisch zu sehen am Crater Lake in den USA. Der größte neuseeländische Binnensee, der zentral in der Nordinsel gelegene Lake Taupo, ist der Rest einer Caldera, aber auch Lake Rotorua und einige Nebenseen liegen in einem Einsturzkrater. Solche Katastrophen sind heute etwas unwahrscheinlicher geworden, da man beobachtet hat, dass ein Wechsel im vulkanischen Material von saurem, rhyolithischem Gestein zu eher basaltischem Material stattgefunden hat, bei dem die Explosivität geringer ist. Der "sanftere" Vulkanismus ist auf White Island, einer kleinen vulkanischen Insel in der Bay of Plenty, zu beobachten. Sie liegt genau in der Verlängerung der Tarawera-Spalte auf einer tektonischen Leitlinie, die durch mehrere kleinere Vulkankegel markiert ist. White Island, das noch bis 1914 zum Schwefelabbau genutzt und besiedelt war, ist stets von einer weiß-gelben Schwefelwolke umgeben.

Die "sch√∂nen Seiten" des Vulkanismus sind vor allem in der Umgebung von Rotorua zu sehen. In den Thermalregionen Waiotapu und Waimangu finden sich Geysire, hei√üe Quellen und B√§che, Schlammpools und Sinterterrassen sowie stets √ľberall kleine Dampfw√∂lkchen. Nachdem der einzigartige Waimangu-Geysir, der seinerzeit zu den gr√∂√üten der Welt z√§hlte und anscheinend bis zu 500 m hoch spritzte, versiegt ist und nur noch seine Sinterablagerungen zu bewundern sind, ist der Pohutu in Whakarewarewa der heute bekannteste Geysir; wenn er auch bei weitem nicht so hoch hinaufschie√üt und auch Vergleichen mit den ber√ľhmten Geysiren Islands oder dem Old Faithful nicht standh√§lt. 18 m H√∂he erreicht er aber allemal, h√§ufig sogar die doppelte H√∂he, und in der Regel wird er etwa 14 mal pro Tag aktiv, wobei Rhythmus wie H√∂he stark von den jeweiligen Witterungsverh√§ltnissen abh√§ngen. Wichtig sind besonders die Niederschlagsmengen der jeweils vorhergehenden Tage und die vorherrschende Windrichtung. Der Wind spielt deshalb eine so gro√üe Rolle, weil das hei√üe Geysirwasser sich in der Luft abk√ľhlt und, wenn es senkrecht auf das Geysirloch zur√ľckf√§llt, dort zu starker Abk√ľhlung f√ľhrt. Das abflie√üende Wasser baute im Laufe der Zeit eine Sinterterasse auf. Unmittelbar neben Pohutu, auf der Sinterplatte, befinden sich noch weitere Geysire, die allerdings nicht solche H√∂hen erreichen. Nicht weit entfernt befindet sich der "Frog Pool", ein Teich, in dem saurer schwefelhaltiger Schlamm kocht und je nach Menge vorhergehender Regenf√§lle eine breite Palette von kleinen Schlammvulkanen ausbildet. Au√üerdem gibt es in Whakarewarewa noch einen heftig kochenden chloridischen See mit erhobenem Sinterrand sowie unz√§hlige hei√üe Quellen, von denen manche einee Wassertemperatur von 98 ¬įC erreichen. Die lokalen Maori nutzten und nutzen solche Seen auch heute noch zum Kochen ihrer Mahlzeiten.

KLIMA

Eigentlich sind Klima und Wetter kein Thema, denn schon durch die geographische Lage der Inseln unterscheiden sich Klima und Wetter kaum von dem, was man in Europa gewohnt ist. Trotz aller √Ąhnlichkeit gibt es dennoch ein paar Besonderheiten. Zun√§chst bestimmt nat√ľrlich die Breitenlage in der gem√§√üigten Zone mit vorherrschenden Westwinden das Klima. Die Insellage hat gro√üen Einfluss auf das Wettergeschehen, vor allem auf die Temperaturen, die Winde und die Niederschl√§ge. Trotz einer Erstreckung von 1600 km in Nord-S√ľd-Richtung betr√§gt der Unterschied in der Jahresmitteltemperatur zwischen dem warmen Norden und dem kalten S√ľden nur 6¬įC - im Norden sind es 13¬įC, im S√ľden 9¬įC. Ausgeglichen ist auch der Jahresgang der Temperatur, die Extreme sind wenig ausgepr√§gt. Januar und Februar sind die w√§rmsten, Juli ist der k√§lteste Monat. Der subtropische Norden ist auch im Sommer ertr√§glich, und im k√ľhlen S√ľden f√§llt - auf Meeresniveau - im Winter selten Schnee. Lediglich im Windschatten der Alpen, in Zentral Otago, herrschen kontinentale Verh√§ltnisse mit kalten Wintern und hei√üen Sommern. Die Alpen haben vor allem gro√üen Einfluss auf die Niederschl√§ge. Abrupt steigen die Berge vom Meeresspiegel innerhalb von nur 20-30 km bis zu 3764 m an! Die von Westen, von der Tasman See herkommenden Luftmassen, die sich dort √ľber gro√üe Distanzen mit Wasserdampf haben auff√ľllen k√∂nnen, prallen gegen diese Gebirgswand, steigen auf und regnen sich ab: Niederschl√§ge √ľber 7000 mm sind auf der Westseite der Alpen keine Seltenheit. Nat√ľrlich sind das Extreme, aber durch die gebirgige Natur des Landes kommen hohe Niederschlagsmengen auch sonst relativ h√§ufig vor. Mit den vom Meer kommenden Winden ist aber andererseits auch ein h√§ufiger Wechsel des Wettergeschehens verbunden, so dass auf starken Regen schnell wieder Sonnenschein folgen kann. Umso weniger, als nach den starken Regeng√ľssen auch die Sonnenscheinstunden l√§nger sind als bei uns. Die sonnigsten Gegenden des Landes finden sich an der Nordk√ľste der S√ľdinsel sowie, auf der Nordinsel in der Bay of Plenty (durchschnittlich 2350 Sonnenscheinstunden). Weite Teile des Landes weisen mindestens 2000 Sonnenscheinstunden auf (zum Vergleich: K√∂ln 1521, M√ľnchen 1722). Das sind etwa 5-6 Stunden Sonnenschein pro Tag! Dennoch wird es nie √ľberm√§√üig hei√ü. Die Seebrisen lassen an den K√ľsten selten schw√ľles Wetter aufkommen; etwas anders ist es im Hochland √∂stlich der Alpenkette, wo trockene Fallwinde (F√∂hn) vorkommen k√∂nnen. Extreme Windverh√§ltnisse gibt es in Wellington an der st√ľrmischen Cook-Stra√üe, die wie ein Windkanal zwischen den beiden Inseln wirkt. Die Stadt hei√üt bei den Neuseel√§ndern "windy city": an durchschnittlich 173 Tagen pro Jahr herrschen Windgeschwindigkeiten von √ľber 60 km/h.

Statistisch nicht zu fassen sind die durch das maritime Klima mit dem h√§ufig wechselnden Wettergeschehen, die hohe Luftfeuchtigkeit und die Seebrisen bedingten √ľberraschenden Lichtverh√§ltnisse

3. FLORA + FAUNA

3.1 Die einheimische Vegetation

Vom Klima stark abh√§ngig ist nat√ľrlich auch die Vegetation. Die W√§lder sehen mit ihrem Unterwuchs, den Moosen und Flechten, Lianen und Epiphyten fast aus wie tropische Regenw√§lder.

Gerade die S√ľdbuchen (Nothofagus) sind eine Besonderheit. S√ľdbuchen gibt es nur auf der S√ľdhalbkugel der Erde, vor allem noch in Chile. Die Verbindung zu Chile ist in der geologischen Vergangenheit zu suchen, im Gondwana-Kontinent. Ein Teil der neuseel√§ndischen Vegetation geht bis in die Zeiten zur√ľck, als die Inseln noch Teil dieses gro√üen Kontinents waren. Nach der sehr lange zur√ľckliegenden Trennung von den anderen Gondwana-Resten hatte das Land aber noch einige Zeit Verbindung zu Australien. Deshalb bestehen die gr√∂√üten Gemeinsamkeiten mit Australien. 20% aller in Neuseeland bl√ľhenden Pflanzen gibt es auch noch in Australien. Allerdings fehlen eigene Eukalyptus- und Akazien-Arten, wie sie f√ľr Australien typisch sind; die Trennung von Australien muss also stattgefunden haben, bevor sich diese Arten dort entwickelt haben. Seit etwa 80 Millionen Jahren haben sich dann Flora und Fauna in nahezu vollst√§ndiger Isolation entwickeln k√∂nnen, sie mussten sich den gegebenen Umwelten und den hier auftretenden st√§ndigen Ver√§nderungen, z.B. der Eiszeit und der Vulkanausbr√ľche, anpassen. Durch diese Eigenentwicklungen kam es zu den heutigen Unterschieden gegen√ľber den urspr√ľnglich gemeinsamen Formen in Australien, Neuguinea, S√ľdamerika und der Antarktis.

Es sind sowohl die einzelnen Pflanzen, die fremdartig erscheinen, als auch die Pflanzenformationen, vor allem die W√§lder. Ber√ľhmt ist vor allem der heute nur noch in Restbest√§nden auf der n√∂rdlichen Nordinsel vorkommende Kauri-Baum, der K√∂nig des neuseel√§ndischen Waldes. Er wird √ľber 50 m hoch und √ľber 2000 Jahre alt; der ber√ľhmte Kauri "Tane Mahuta" ist 2100 Jahre alt und 51,2 m hoch, sein Umfang betr√§gt ca. 20 m. Charakteristisch f√ľr den Kauri sind sein hoher, von Zweigen freier Stamm und seine weit ausladende Krone. Wegen dieses Stammes wurde er von den Seefahrern f√ľr ihre Schiffsmasten geschlagen, aber auch sein Harz war sehr begehrt. Als fossiles Kauri-Harz wurde es im vergangenen Jahrhundert von ganzen Horden von Kauri-Gr√§bern ausgegraben, die es f√ľr die Farben- und Lackherstellung verkauften. H√∂her noch als der Kauri wird der Kahikatea, von dem es einzelne Exemplare mit H√∂hen bis zu 60 m gibt. Er geh√∂rt zur Familie der auf der S√ľdhalbkugel weit verbreiteten Podocarpaceen, immergr√ľnen Koniferen, die es bereits vor 150 Millionen Jahren gab. Besonders sch√∂ne Exemplare sind an der Westk√ľste der S√ľdinsel, an relativ feuchten Standorten, zu sehen. Ein interessanter Baum ist auch der Horoeka, der in den ersten 20 Jahren seines Lebens v√∂llig anders aussieht als sp√§ter: zun√§chst besteht er aus einem d√ľnnen Stamm, von dem lange Einzelzweige wie Lanzen herabh√§ngen. Im Englischen wird er daher auch Lancewood genannt (alle neuseel√§ndischen B√§ume haben - ohne den botanischen - noch mindestens zwei Namen). Der Horoeka entwickelt sich sp√§ter zu einem ganz "normalen" Baum. Auch dieser Unterschied zwischen Jugend- und Altersstadium ist nicht ungew√∂hnlich in der neuseel√§ndischen Vegetation. Ein anderes Kuriosum dieser Art bildet der Rata, der sein Dasein in der Regel als Parasit beginnt, bis er dann seinen urspr√ľnglichen "Wirt" ganz verdr√§ngt und "verschlingt". Er kommt meist auf der S√ľdinsel vor und hat ganz √§hnliche Bl√ľten wie der Pohutukawa. Schlie√ülich muss noch der Baumfarn erw√§hnt werden, der f√ľr das Land so charakteristisch ist. Es gibt √ľber 150 verschiedene Arten, und eine der sch√∂nsten wurde zum Nationalemblem: der Silberfarn, dessen Blattunterseite silbrig gl√§nzt.

Die gr√∂√üten W√§lder, vor allem auf der S√ľdinsel, werden von S√ľdbuchen gebildet. In diesen W√§ldern ist in der Regel der Unterwuchs relativ artenarm. Der Wald wirkt - jedenfalls f√ľr neuseel√§ndische Verh√§ltnisse - "offen" und ist mit dem vergleichbar, was man in Europa gewohnt ist. Die anderen W√§lder erinnern eher an Regenw√§lder, mit ihren vielen Arten sowie dem ausgiebigen Unterwuchs. Farne, Moose, Kletterpflanzen im Unterstock, gr√∂√üere Baumfarne, B√ľsche und manchmal Palmen auf halber H√∂he sowie dar√ľber einige Waldriesen erscheinen typisch. In feuchten Gebieten entwickeln kopflastige Baumriesen Wurzelsysteme, die dem Baum zus√§tzliche Stabilit√§t verleihen. Die Entwicklung zu solchen W√§ldern wurde dadurch m√∂glich, dass es keine grasenden und √§senden Tiere gab.

F√ľr die heutige Verteilung der Vegetation waren im wesentlichen die Ereignisse der letzten hundert Jahre ausschlaggebend, vorher war Neuseeland bis auf wenige Regionen dicht bewaldet. Mit der Ankunft des Menschen kam es hier zu erheblichen Ver√§nderungen. Sie brachten neue Pflanzen und Tiere mit, dr√§ngten einheimische Pflanzen zur√ľck, es kam zum Aussterben einzelner Tierarten (Moa) und zur Konkurrenz zwischen einheimischer und eingef√ľhrter (=exotischer) Fauna und Flora.

3.2 Eingef√ľhrte Pflanzen und Sch√§dlinge

Die Maori brachten tropische und subtropische Kulturpflanzen wie Kumara und Yams von den S√ľdseeinseln ins Land, passten sich aber an den vorgefundenen Naturraum an und nutzten die einheimische Pflanzen- und Tierwelt, wo immer sie konnten: sie jagten die flugunf√§higen V√∂gel, sammelten essbare Pflanzen, wie z. B. Farnwurzeln, und fingen Fische in den Binnengew√§ssern und an den K√ľsten. Ihre mitgebrachten Pflanzen kultivierten sie nur auf der subtropischen Nordinsel, auf der S√ľdinsel lebten sie vom Sammeln und Jagen. Es waren vor allem die S√ľdinselbewohner, die erheblich in die bestehende Vegetation und Tierwelt eingriffen: sie brachten den Laufvogel Moa zum Aussterben, indem sie ihn mit gro√üangelegten Br√§nden jagten. Brandrodungen waren dann sp√§ter das "Verdienst" der eingewanderten Europ√§er: um zu Land zu kommen, wurde in gro√üem Ma√üe Wald gerodet, wurden einheimische Tussock-Gr√§ser durch eingef√ľhrte und neu gez√ľchtete ersetzt, Schafe, Rinder und K√ľhe ein-gef√ľhrt und ganze Lebensr√§ume ver√§ndert. Insgesamt etwa 2000 Pflanzenarten wurden eingef√ľhrt, und manche von ihnen haben sich so verbreitet, dass sie f√ľr ganze Regionen charakteristisch geworden sind, wie z.B. die aus Nordamerika eingef√ľhrte Fichte Pinus radiata in den unendlichen Forst-Monokulturen der Nordinsel. Vor allem in den Anfangsjahren der Besiedlung machte man sich wenig Gedanken √ľber die Folgen, wenn man neue Arten einf√ľhrte. Heute wissen wir, dass sich an vielen Standorten der isolierten Inselwelt labile Verh√§ltnisse nur deshalb √ľber lange Zeiten gut halten konnten, weil die Konkurrenz fehlte. Massive Importe von konkurrierenden Pflanzen und Tieren mussten zur Vernichtung zahlreicher Arten und Lebensgemeinschaften f√ľhren. Als besonders sch√§dlich hat sich die Einfuhr von Tieren erwiesen, die im neuen Lebensraum keine nat√ľrlichen Feinde hatten. Eine gro√üe Gefahr f√ľr die W√§lder, wo urspr√ľnglich au√üer Flederm√§usen keine S√§ugetierart lebte, stellen die europ√§ischen Rothirsche dar, die sich in den ausgedehnten Alpenw√§ldern unkontrolliert vermehren k√∂nnen und die durch ihren Verbiss h√§ufig eine nat√ľrliche Verj√ľngung der Vegetation verhindern, wodurch an den Gebirgsh√§ngen die Erosionsgefahr w√§chst. Auch das wegen seines Pelzes eingef√ľhrte australische Opossum ist gef√§hrlicher als es den Anschein hat. Es hat sich zu seiner Ern√§hrung auf eine die Baumgrenze bildende Baumart spezialisiert, entbl√§ttert sie v√∂llig und bringt sie zum Absterben. Als √§hnlich problematisch hat sich die Ansiedlung von Ziegen, Schweinen, Wieseln, Kaninchen und Wapiti herausgestellt. Kaninchen, die in Australien zu einer l√§stigen Plage wurden und auch in Neuseeland den Schafen und Rindern das Gras wegfra√üen, wurden von 1870 bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg bek√§mpft. Fast eine Generation lang durfte kein Neuseel√§nder Kaninchen z√ľchten; erst neuerdings wird wieder diskutiert, ob man nicht auch Kaninchenfleisch exportieren k√∂nnte. Die Einfuhr des europ√§ischen Ginsters, der sich vielfach auf Weiden ausbreitet, wird heute ebenso bedauert wie die einer Vielzahl von B√ľschen, Kr√§utern, Diesteln und Beeren, die insgesamt als "aggressive Unkr√§uter" angesehen werden. Neuseeland ist ein gutes Beispiel daf√ľr, wie gef√§hrlich menschliche Eingriffe in das nat√ľrliche Gleichgewicht eines Lebensraumes sein k√∂nnen.

4. STAAT

Wie in Gro√übritannien, so gibt es auch in Neuseeland keine geschriebene Verfassung. 1852 erhielt das Land im einzigen schriftlich vorgelegten Constitution Act das Recht der Selbstverwaltung zugesprochen (bis dahin war es von Australien mitverwaltet worden), aber dieses Dokument hat heute ausschlie√ülich historischen Wert. Die Verfassungswirklichkeit beruht teils auf britischen, teils auf neuseel√§ndischen Parlamentsgesetzen sowie auf ungeschriebenem Verfassungsbrauch. Auch das neuseel√§ndische Parlament war urspr√ľnglich dem britischen System nachgebildet und bestand bis 1952 aus zwei Kammern. Heute gibt es nur noch eine Kammer; das Abgeordnetenhaus (House of Representatives). Von den 97 Parlamentssitzen (1990) sind 4 f√ľr Maori W√§hler in eigenen, landesweiten Wahlbezirken reserviert. Das Parlament wird jeweils f√ľr drei Jahre gew√§hlt, kann aber auch, wie in Gro√übritannien, vorzeitig von der Regierung aufgel√∂st werden. In den letzten Jahrzehnten wurden die Mandate √ľberwiegend von der konservativen National Party und der Labour Party gewonnen; daneben haben kleine Parteien wegen des Mehrheitswahlrechts (vgl. Gro√übritannien) nur eine geringe Chance, die zuletzt von den Democrats (vormals ,,Social Credit") wahrgenommen werden konnte. Von 1984 bis 1990 regierte die Labour Party (mit David Lange), nachdem vorher √ľberjahrzehnte - mit nur kurzen Unterbrechungen 1957-1960 und 1972-1975 - die National Party die Mehrheit hatte, die auch seit

1990 wieder die Regierung stellt. Dabei gelang Jim Bolger ein ,,landslide victory", mit dem er bei allerdings nur 47 % der Wählerstimmen 68 von 97 Sitzen erhielt.

Schließlich lehnt sich auch das neuseeländische Recht an das britische Recht an (Magistrates Court, Friedensrichter u.a.) und wird lediglich durch die neuseeländische Gesetzgebung ergänzt und geändert.

5. GESCHICHTE

5.1 Die Maori-Einwanderung

Wann genau diese Erstsiedler ins Land kamen, ist nicht einfach zu kl√§ren, Man muss sich dazu auf die zahlreichen, zum Teil sehr ausf√ľhrlichen, aber nur m√ľndlich √ľberlieferten Erz√§hlungen der Maori sowie auf Erkenntnisse der Arch√§ologen verlassen. Sicher d√ľrfte heute sein, dass Polynesier von den n√∂rdlich und √∂stlich gelegenen Inseln das Land in verschiedenen Einwanderungswellen besiedelten.

Nach der √úberlieferung war es ein aus Tahiti stammender Seefahrer namens Kupe, der die Inseln entdeckte. Er war nicht allein, sondern wurde von einer gro√üen Zahl von Frauen und M√§nnern begleitet. Seine Frau soll die Inseln als erste gesehen haben und sie mit einer gro√üen wei√üen Wolke am Horizont verglichen haben, daher der Maori-Name "Aotearoa" f√ľr Neuseeland. Kupe kehrte nach "Hawaiki", der Heimat der Urahnen der Maori, zur√ľck und schilderte ausf√ľhrlich, wie man zu der neuen gro√üen Insel kommen k√∂nne. Aber erst etwa 400 Jahre sp√§ter kam es zu ausgedehnten Abwanderungen aus den Gesellschaftsinseln, als dort Hungersn√∂te und Kriege das Leben erschwerten. Die meisten heutigen Maori sehen sich als Nachfahren eines der um 1350 hierher gekommenen Kanus der ,,gro√üen Flotte". Die Namen der Boote sind bekannt (z. B. Arawa, Aotea u. a.) und bilden gewisserma√üen den Ursprung der verschiedenen St√§mme.

Diese traditionellen Geschichten der Maori, die seit Generationen m√ľndlich weitergegeben werden, werden in der heute vorliegenden Form von Historikern und Arch√§ologen angezweifelt. Man nimmt an, dass sich eine den europ√§ischen Vorstellungen des 18. und 19. Jahrhunderts entsprechende Theorie entwickelte, die durch h√§ufiges Wiederholen auch Eingang in die Maori-Erz√§hlungen gefunden hat. Nach diesen Forschungen kamen die Vorfahren der heutigen Maori in mehreren Besiedlungswellen zwischen 800 und 1100 nach Neuseeland, und zwar im Endstadium einer langandauernden Besiedlung des s√ľdlichen Pazifik. Dabei ist davon auszugehen, dass die Besiedler des Pazifik urspr√ľnglich aus S√ľdostasien kamen, √ľber Melanesien ins heutige Polynesien gelangten, das dann zum Ausgangspunkt der weiteren ausgedehnten Besiedlung Ostpolynesiens wurde. Von hier aus wurden die letzten Entdeckungsfahrten nach Hawaii und Neuseeland, den gr√∂√üten Inseln und Eckpunkten des polynesischen Dreiecks, unternommen. Thor Heyerdahls Theorie, nach welcher der Pazifik von S√ľdamerika aus besiedelt wurde, wird heute durch die Annahme modifiziert, dass die Polynesier irgendwann auch den Weg nach S√ľdamerika gefunden hatten, von dort einige Innovationen mitnahmen und in die Inselwelt zur√ľckkehrten. Die f√ľr die Ern√§hrung aller Polynesier wichtige S√ľ√ükartoffel, die nachweislich aus S√ľdamerika stammt, soll unter anderem diese Hypothese st√ľtzen.

5.2 Maori-Lebensräume

Die "neue Welt", die die Polynesier in Neuseeland fanden, unterschied sich sehr von ihrer Heimat. Ostpolynesien (Tahiti, die Marquesas, Raiatea sind wahrscheinlich das sagenhafte Hawaiki) besteht aus kleinen Vulkaninseln und Atollen, es ist ganzj√§hrig w√§rmer und die Inseln sind erheblich kleiner. Von dort zog man nun mit Familie, Ger√§ten, Hunden, Schweinen, H√ľhnern und Ratten, S√ľ√ükartoffeln (Kumara), Taro, Yams und anderen Anbaufr√ľchten auf unermesslich gro√üe, aber sehr kalte Inseln. Wasserprobleme wie auf den Atollen gab es hier nicht, daf√ľr aber fror man in den Wintern, und die mitgebrachten Anbaufr√ľchte waren auch nur begrenzt zu gebrauchen. Die Kumara ist z.B. frostempfindlich, und es z√§hlt zu den gro√üen Pioniertaten der Maori, dass es ihnen gelang, die Kumara in Erdh√∂hlen √ľber den Winter zu bringen. Man musste sich an den neuen Lebensraum anpassen, und aus heutiger Sicht ist das wohl gelungen. Nicht bekannt sind nat√ľrlich die wahrscheinlich vielen Fehlschl√§ge, angefangen von den uns unbekannten Verlusten bei den √úberfahrten, die wir als Meisterst√ľcke polynesischer Seefahrerkunst bewundern. Eine Fehlentwicklung bei diesem Anpassungsproze√ü an die neue Umwelt ist uns heute bekannt: Die ersten Einwanderer, die auch Moa-j√§ger genannt werden, fanden - vor allem auf den offeneren Fluren der √∂stlichen K√ľstenebene der S√ľdinsel, der heutigen Canterbury Plain - einen gro√üen Laufvogel vor, den Moa. Da es ansonsten wenig gro√üe Landtiere zum Verzehr gab, wurde der Moa - der auf solche "Feinde" nicht eingestellt war - in gro√üem Ma√üe gejagt und war bereits vor der Ankunft der Europ√§er ganz ausgerottet.

Die ersten Siedler lebten zun√§chst - eben wegen dieses Moa -trotz des f√ľr sie schlechteren Klimas √ľberwiegend auf der √∂stlichen Ebene der S√ľdinsel. Sp√§ter wurde dann aber die w√§rmere Nordinsel bevorzugt, wo man Ackerbau betreiben konnte und wo es dann eben deshalb zu einer dichteren Besiedlung mit festen Siedlungspl√§tzen kam. Auf der S√ľdinsel lebten nur ganz wenige Maori, die weniger sesshaft waren und von Sammeln, Jagen und Fischfang lebten. Die dichte Besiedlung der K√ľstenebenen und Flussl√§ufe der Nordinsel f√ľhrte allerdings zu Konflikten zwischen den einzelnen Siedlungsgruppen (St√§mmen). Etwa seit dem 14. Jh. wurden befestigte Siedlungen (pa) angelegt.

5.3 Die britische Annexion

Ein einschneidendes Ereignis war dann 1840 die Annexion Neuseelands durch die britische Krone. Damit wurden Verh√§ltnisse geschaffen, die das ungeregelte Nebeneinader der Maori und der verschiedenen europ√§ischen Siedlergruppen, die es zu dem Zeitpunkt bereits gab, abl√∂sten und den Grundstein f√ľr die sp√§tere Dominanz der Pakeha legten, die man heute wieder r√ľckg√§ngig zu machen versucht. Diese in sich widerspr√ľchlichen Entwicklungen sind eine Folge des Vertrags von Waitangi, der am 6. Februar 1840 zwischen der britischen Krone und einer gro√üen Zahl von Maori-H√§uptlingen abgeschlossen wurde.

Die eigentliche Annexion geschah jedoch schon vorher. Am 14. Januar 1840 erkl√§rte der Gouverneur von New South Wales (Australien), Gipps, dass die Grenzen seines Territoriums Neuseeland einbez√∂gen und dass Kapit√§n William Hobson als Generalleutnant f√ľr Neuseeland ernannt worden sei. Bereits 1833 war James Busby von Neus√ľdwales aus nach Waitangi geschickt worden, um dort als "British Resident" f√ľr Ordnung zu sorgen. Das bedeutete sowohl, dass er die Eingeborenen vor √úbergriffen der Engl√§nder sch√ľtzen sollte, als auch, dass er entflohene Strafgefangene zur√ľckschicken, den Handel zwischen Europ√§ern und Maori ermutigen und Siedler in ihrem Vorhaben unterst√ľtzen sollte. Aber da er mit keinen Machtbefugnissen ausgestattet war, wurde er von niemandem ernstgenommen. Hobson landete am 24. Januar 1840 in der Bay of Islands und bereitete einen Vertrag mit den Eingeborenen vor. Dabei wollte die englische Krone Fehler vermeiden, die in vorhergehenden Kolonialisierungen gemacht worden waren. Hobson hatte den Auftrag, die H√§uptlinge mit ihrem "free and intelligent consent" dazu zu bringen, wilde Landverk√§ufe in Zukunft zu unterlassen und der britischen Krone ein Vorkaufsrecht auf alles Land einzur√§umen. Au√üerdem sollte ein "Protector" ernannt werden, der die Interessen der Eingeborenen wahrnehmen sollte. Hobsons Aufgabe war nicht einfach. Er hatte nicht nur gegen das bisher vorherrschende Recht des St√§rkeren, also gegen seine eigenen Landsleute, anzuk√§mpfen, sondern musste auch den √§u√üerst schwierigen Versuch unternehmen, den Eingeborenen eine Vorstellung von Begriffen wie "Souver√§nit√§t", "K√∂nigin", "Besitz" und √§hnlichen westlichen Konzepten zu vermitteln. Am 6. Februar unterzeichneten Gouverneur Hobson und 46 H√§uptlinge den Vertrag.

5.4 Der Vertrag von Waitangi

Der Vertragstext wurde auf Englisch entworfen und dann in die Sprache der Maori √ľbersetzt. Im englischen Original wurden alle Souver√§nit√§tsrechte an K√∂nigin Victoria √ľbertragen, w√§hrend im Gegenzug die H√§uptlinge den Besitz an Land, Wald und Fischerei gesichert bekamen; allein die Krone hatte das Recht, Land zu kaufen. Die Maori wurden dem Schutz der K√∂nigin unterstellt und erhielten alle Rechte und Privilegien britischer Untertanen. Die Version des Vertrags in der Maori-Sprache, die vom Missionar Henry Williams relativ hastig erstellt werden musste, war dagegen in erheblich vageren Formulierungen gehalten, nicht zuletzt, weil es schwierig war, europ√§ische juristische Konzepte in die fremde Sprache und deren Vorstellungswelt zu √ľbertragen. Die Maori-Unterzeichner stimmten zu, dass die K√∂nigin die Rechte des des Gouverneurs √ľbernahm. Da sie aber als einziges Beispiel f√ľr solche Gouverneursherrschaft den recht ineffektiven James Busby kannten, ist es wenig wahrscheinlich, dass sie die volle Bedeutung dessen verstanden, was sie unterschrieben. In den Reihen der Maori gab es eine ganze Reihe kritischer Stimmen, und ohnehin waren l√§ngst nicht alle H√§uptlinge bei der Unterzeichnung anwesend. Das gro√üe Problem bestand eben darin, dass es in Neuseeland nichts Vergleichbares zur englischen K√∂nigin gab: eine √ľbergeordnete Herrschaft hatte nie existiert, die St√§mme lebten in eigenen Rechten nebeneinander. In den folgenden Monaten musste der Vertrag durchs ganze Land getragen werden, um m√∂glichst viele Unterschriften zu bekommen. Dabei wurden offensichtlich weitere Fehler gemacht, z.B. waren die Abschriften nicht alle mit dem Original identisch. Wichtige St√§mme betrachteten die Angelegenheit als nicht besonders wichtig und vers√§umten es, zu unterschreiben. W√§hrend dieser Prozess noch im Gange war erkl√§rte Hobson bereits am 21. Mai 1840 die britische Herrschaft √ľber Neuseeland - f√ľr die Nordinsel auf der Basis des Vertrages und f√ľr die (d√ľnner besiedelte) S√ľdinsel aufgrund des "Rechtes" der "Entdecker". 1841 wurde Neuseeland eine eigenst√§ndige Kolonie, und die Hauptstadt wurde, entsprechend der sich abzeichnenden Bev√∂lkerungsverlagerung, von Russell in der Bay of Plenty nach Auckland verlegt, das sowohl strategisch g√ľnstiger lag als auch ausreichend gro√üe Siedlungsfl√§chen bot.

5.5 Der Niedergang der Maori

Die Maori hatten Anlass, vieles von dem, was die Neusiedler nun in ihrem Land anstellten, als Verletzung ihrer Rechte zu sehen. Die Beziehungen zwischen den Maori und den Einwanderern begannen sich zu verschlechtern. Bis 1859 waren von 26 Millionen acres in Besitz genommenen Landes auf der Nordinsel erst 7 Millionen rechtm√§√üig gekauft worden, aber weiterhin str√∂mten Europ√§er ins Land, die Siedlungsgebiet haben wollten. Es kam zu - aus heutiger Sicht meist unrechtm√§√üigen - Landkonfiszierungen, und damit begann der Krieg. Dabei mussten auch die Europ√§er zahlreiche Niederlagen hinnehmen, denn die Maori waren kriegserfahren und kampfbereit. Dennoch war die Vorherrschaft der Pakeha, schon wegen ihrer Ausr√ľstung und sp√§ter auch wegen ihrer zahlenm√§√üigen √úberlegenheit, nicht aufzuhalten. Ihre milit√§rischen Siege sicherten den dr√§ngenden Bedarf der wei√üen Siedler nach Land. Gleichzeitig sank die Zahl der Maori bis 1896 auf 42000. Um 1900 schien es nahezu sicher, dass die Maori aussterben w√ľrden. Zum Gedenken an sie errichtete man auf One Tree Hill/Auckland ein Denkmal.

Die Abnahme der Maori einerseits und die rasante Zunahme der europ√§ischen Bev√∂lkerung andererseits f√ľhrte in den folgenden fast hundert Jahren dazu, dass die Maori in der neuseel√§ndischen Gesellschaft nur am Rande eine Rolle spielten. Man k√ľmmerte sich mehr oder weniger wohlwollend um sie. Sie erhalten seit 1867 vier Parlamentssitze reserviert, aber eigentlich hoffte man, sie als benachteiligte Restbev√∂lkerung in die wei√üe Gesellschaft integrieren zu k√∂nnen. Man wollte sie zu "braunen Europ√§ern" machen, zumal sie gezeigt hatten, wie anpassungsf√§hig sie waren. Solche Anpassung wurde durch Sprachkurse, landwirtschaftliche Hilfen, sogar gleichberechtigte Einstellung in die Polizei gef√∂rdert; bei den Maori entstand eine "Young Maori Party", die sich f√ľr die √úbernahme der Pakeha-Kultur einsetzte. Die Teilnahme der Maori an der importierten Kultur der Europ√§er fand allerdings immer noch auf der Basis der eigenen Kultur statt: in Familiengruppen und nicht als Individuen. Die eigene kulturelle Tradition blieb stark genug, und die beiden Bev√∂lkerungsgruppen lebten bis in die Mitte unseres Jahrhunderts auch noch weitgehend voneinander r√§umlich getrennt. Erst die starke Zunahme der Maori-Bev√∂lkerung, die notgedrungen verbunden war mit einem Umzug in die St√§dte, f√ľhrte zu st√§rkeren Kontakten der Kulturen untereinander, die aber im Prinzip immer noch die Anpassung der Maori zum Ziel hatten. Sie mussten sich in die Welt der Pakeha einf√ľgen, um √ľberleben zu k√∂nnen.

Es lohnt, kurz auf die unterschiedliche Bev√∂lkerungsentwicklung der Rassen einzugehen. Man nimmt an, dass um 1800 etwa 100000 Maori in Neuseeland lebten. Wie gesagt, ging diese Zahl aufgrund der Kriege, durch Krankheiten u.√§. bis 1896 auf einen Tiefstand von 42000 zur√ľck. Bei der ersten Volksz√§hlung, die die Briten so gewissenhaft wie damals m√∂glich 1857 durchf√ľhrten, lebten bereits 59413 Europ√§er und noch 56043 Maori im Land. Durch verschiedene Einwanderungswellen (veranlasst vor allem durch den Goldrausch) stieg die europ√§ische Bev√∂lkerung weiterhin rapide an, 1908 wurde die Millionengrenze erreicht. Vor und nach dem Ersten Weltkrieg kam es noch einmal zu starken Einwanderungen, dann erst wieder nach dem Zweiten Weltkrieg. Dazwischen lagen Perioden geringeren Zuwachses, ja es gab - zu Zeiten von Wirtschaftskrisen - gelegentlich sogar Auswanderungs√ľbersch√ľsse. Nachdem gesichert war, dass die Maori als Rasse √ľberleben w√ľrden - was vor der Jahrhundertwende nicht sicher war -, geschah, was man nicht erwartet hatte: Die Maori-Bev√∂lkerung, deren nat√ľrliches Bev√∂lkerungswachstum stets weit √ľber dem der Pakeha lag, erreichte bereits um 1945 wieder die 100000-Grenze, 1966 waren es schon 200000.

5.6 Maori in der heutigen Gesellschaft

Neuseeland hat traditionell eine egalitäre Gesellschaft, in der Klassenunterschiede keine große Rolle spielen. Auch Rassendiskriminierung gibt es nicht - jedenfalls nicht offiziell.

Der Maori sieht das nat√ľrlich anders. Abgesehen davon, dass er die Europ√§er als Eindringlinge betrachtet, kann er mit Recht darauf verweisen, dass trotz aller egalit√§rer Tendenzen die Maori in der heutigen neuseel√§ndischen Gesellschaft sozial und √∂konomisch benachteiligt erscheinen. Sie weisen eine h√∂here Arbeitslosenrate auf, sind √ľberwiegend Industriearbeiter, haben ein geringeres Durchschnittseinkommen und besitzen weniger Hauseigentum. Alle diese Kriterien der Benachteiligung entstammen freilich der importierten europ√§ischen Kultur: Arbeitslosigkeit, Industriearbeit, Individualeinkommen oder Privatbesitz spielten in der voreurop√§ischen einheimischen Gesellschaft keine Rolle, ja waren unbekannt. Sie wurden erst zum Problem, als die Maori ihren Lebensraum verlie√üen und in die St√§dte der europ√§ischen Kultur zogen, wo sie allenfalls Restformen ihrer ehemaligen Kultur pflegen k√∂nnen.

Die Familien- und Altersstrukturen der Maori machen sich im Vergleich mit denen der Pakeha auch heute noch aus wie die der Bev√∂lkerung eines Entwicklungslandes. Seit einiger Zeit sind allerdings Angleichungen zu beobachten. Die Lebenserwartung der Maori liegt zwar noch etwa um 7 (M√§nner) bis 8 (Frauen) Jahre niedriger als die der Nicht-Maori, ist aber in den letzten Jahren stark angestiegen. Die gr√∂√üere durchschnittliche Kinderzahl der Maori-Frauen (4,12 gegen√ľber 2,51 der Europ√§erinnen) verr√§t, dass die Familie bei den Maori in der Regel gr√∂√üer ist als bei den Pakeha. Gerade an der demographischen Entwicklung lassen sich noch bestehende Unterschiede der Kulturen wie auch die Anpassungstendenzen auf Seiten der Maori deutlich erkennen. Bis heute geht es ja nicht um eine eigenst√§ndige Weiterentwicklung der verschiedenen Kulturen, sondern um eine Einbindung der aus der l√§ndlichen Subsistenzwirtschaft stammenden Maori in eine st√§dtisch orientierte Marktwirtschaft.

Es ist also wahrscheinlicher, dass ein Maori die M√ľlltonnen leert, als ein Nicht-Maori. Gegen diese immer noch existierende Benachteiligung richten sich nun aber Tendenzen zur Restaurierung fr√ľherer Rechte, wie sie seit der verst√§rkten Diskussion um den Vertrag von Waitangi vor etwa zwanzig Jahren aufgekommen sind. Man muss etwas weiter ausholen, um die Maori-Diskussion um das Recht der "Erstsiedler" zu verstehen. Als solche betrachten sie sich im Vergleich mit den erst etwa 200 Jahre hier lebenden Pakeha allemal.

6. WIRTSCHAFT

6.1 Weidewirtschaft

6.1.1 Schafhaltung

Mit der Anlage von Schaffarmen in gro√üem Ma√üstab begann man in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts. Um 1840 fing man mit der Schafhaltung im Wairarapa an, jedoch waren die Probleme auf Dauer zu gro√ü (das Land war feucht und nicht ohne Schwierigkeiten zu beweiden), und erst der Wechsel auf die Canterbury-Ebene brachte den Durchbruch zu einer neuseel√§ndischen Schafhaltung in gro√üem Stil. Das ,,goldene Zeitalter" der Weidewirtschaft begann. Steigende Wollpreise in √úbersee sowie gezielt g√ľnstige Pachtverh√§ltnisse f√ľr Schaffarmer f√ľhrten zu einer Ausweitung der Schaffarmen vor allem auf der Ostseite der S√ľdinsel.

Wolle wurde zum Hauptprodukt und Haupthandelsgut Neuseelands, die Schafzahlen stiegen von 750000 im Jahre 1855 auf 10 Millionen im Jahre 1870! Die hohen Kosten zum Ausbau der notwendigen Infrastruktur auf beiden Inseln f√ľhrten allerdings bald zu hoher staatlicher Verschuldung, und zus√§tzliche Preiseinbr√ľche brachten eine etwa 15 j√§hrige Stagnation. In diese Zeit fiel nun aber eine f√ľr die weitere Entwicklung der Schafweidewirtschaft wichtige Erfindung: K√ľhltransporte f√ľr Fleisch, mit denen man neuseel√§ndisches Lammfleisch auf den langen Seeweg nach Europa schicken konnte, ohne dass es verdarb. Andere Konservierungsmethoden waren bis dahin nie im gro√üen Ma√üstab erfolgreich gewesen, und man setzte gro√üe Hoffnungen auf diese neue Technik.

Zun√§chst jedoch lief der Handel nur langsam an, und erst um 1890 kam den Durchbruch. 1892 gab es bereits 21 "freezing works" (Schlachtereien und Gefrierfleischfabriken), und in den folgenden Jahren stiegen die Einnahmen aus Fleischexporten auf j√§hrlich √ľber eine Million Pfund an, das war fast so viel wie die Wolle einbrachte. Neue Schafarten wurden eingef√ľhrt und gez√ľchtet, die sowohl Wolle als auch Fleisch lieferten, neue Farmen wurden angelegt und weite Bereiche der Nord- und S√ľdinsel gerodet. In den Grundz√ľgen bildete sich die neuseel√§ndische Agrarlandschaft, wie man sie heute kennt, heraus: ausgedehnte Weiden, je nach Lage, Klima und B√∂den unterschiedlich dicht beweidet und mit ganz unterschiedlichen Schafrassen belegt, die entweder auf Wolle, auf Fleisch oder auf Wolle und Fleisch spezialisiert sind. Wolle wird in den h√∂her gelegenen, kalten Regionen besser produziert, Fleisch eher auf den klimatisch g√ľnstigeren und intensiver zu nutzenden Weiden der K√ľstenebenen

6.1.2 Milchwirtschaft

1882 wurde Neuseelands erste ,,dairy factory" in Edendale in Southland er√∂ffnet, und der Export von Milchprodukten profitierte ebenfalls von den neuen Verfahren des Langstreckentransports. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Waikato zu einer bl√ľhenden Milchwirtschaftsregion. Anders als bei der zum Teil sehr extensiven Schafweide (in den h√∂her gelegenen Gebieten im Tussockgrasland kommt auf einen Hektar nur ein Schaf, die Schaffarmen umfassen mehrere tausend Hektar), ist Milchwirtschaft nur bei sehr intensiver Beweidung zu betreiben - dreimal t√§glich muss schlie√ülich gemolken werden, die Milch muss zur Molkerei transportiert und verarbeitet werden k√∂nnen. Die Milchwirtschaftsregionen sind dementsprechend die am besten erschlossenen Gebiete Neuseelands. Hier findet man die dichteste Siedlungsstruktur, das am besten ausgebaute Stra√üennetz, die meisten St√§dte und - abgesehen von den Gro√üst√§dten - den st√§rksten Verkehr. Es ist bezeichnend, dass die einzige j√ľngere Gro√üstadt Neuseelands, Hamilton, im Waikato liegt. Sie ist die einzige Stadt mit mehr als 100000 Einwohnern, die nicht zugleich Hafenstadt ist.

6.1.3 Rinderhaltung

Auch die Rinderhaltung hat Tradition in Neuseeland, aber anders als die Schaf- und Milchviehhaltung hat sie nie eine so dominierende Rolle gespielt wie etwa in Argentinien. Die extensiveren Weiden werden besser mit Schafen bestockt und die intensiveren mit L√§mmern und Milchvieh. Meist h√§lt man die Rinder zusammen mit Schafen, da sie die Weiden besser abfressen: wo die Schafe die harten Gr√§ser und Unkr√§uter stehen lassen, r√§umen die Rinder auf. Fr√ľher eigneten sie sich gut dazu, den nach den Rodungen noch nicht gen√ľgend gefestigten Boden der Weidefl√§chen festzutreten. Rinderhaltung war und ist also in Neuseeland eine Begleiterscheinung der Schafhaltung. Auch heute noch nutzen viele Schaffarmer die Fressgewohnheiten der Rinder, um ihre Weiden zwischendurch einmal wieder zu verbessern. Die Rinder werden danach an die Schlachth√∂fe verkauft und das zus√§tzliche Einkommen gerne mitgenommen. Mit der √Ėffnung der Exportm√§rkte ist es allerdings zu einer Aufwertung der Rinderhaltung gekommen, und von 1950 bis 1970 haben sich die Best√§nde verdoppelt. Zwar ist der Zugang zum amerikanischen Markt durch Quotenregelungen nicht ganz einfach, bringt aber gute Einkommen. Schaffarmer halten sich daher nebenher auch gerne Rinder, da die Preise f√ľr Wolle relativ stark schwanken. H√§ufig wird auch das gute Steak f√ľr den heimischen Markt zur√ľckgehalten und der Rest als Hackfleisch (Hamburger, W√ľrstchen) in die USA verkauft.

6.2 Grundlagen der Weidewirtschaft

Schafzucht, Milchwirtschaft und Rinderhaltung sind die tragenden S√§ulen der neuseel√§ndischen Weidewirtschaft - und damit auch die Hauptdevisenbringer, die Fundamente eines jahrzehntelang w√§hrenden Wohlstands. Die wohl bekannteste neuseel√§ndische Statistik besagt, dass auf jeden Neuseel√§nder 20 Schafe kommen. 1988 wurden etwa 65 Millionen Schafe gehalten, dazu kommen etwa 5 Millionen Rinder und 3,2 Millionen Milchk√ľhe. Bei einer Bev√∂lkerung von etwas mehr als 3 Millionen sind das schon erstaunliche Zahlen, und es liegt auf der Hand, dass die landwirtschaftlichen Produkte nahezu ausschlie√ülich exportiert werden. Wenn man bedenkt, dass Neuseeland "am Ende der Welt" liegt, dass also Transportkosten - ganz gleich wohin - eine nicht unerhebliche Rolle spielen, so m√ľssen die Standortvorteile f√ľr die Weidewirtschaft schon ganz bedeutend sein. Hier ist in erster Linie das Klima zu nennen. Neben gem√§√üigten Temperaturen und ausgedehnten Niederschl√§gen ist es vor allem der Jahresgang von Temperatur und Niederschlag, der die betriebswirtschaftlichen Kosten der Tierhaltung reduziert: Nahezu ganzj√§hriges Graswachstum an den meisten Standorten in K√ľstenn√§he und im H√ľgelland erm√∂glicht es, dass der Farmer kaum Futter zu kaufen braucht, dass er selbst nur wenig Heu machen muss und das Vieh ganzj√§hrig auf den Weiden bleiben kann. So trifft man in Neuseeland nur selten - in den gebirgigeren Lagen -Stallbauten an, auch Heuschuppen oder Futtersilos sind im Vergleich zu √§hnlich intensiven Weidegebieten in Mitteleuropa selten. Damit vermindert sich der Arbeitsaufwand, die Kosten f√ľr Futterzukauf und Geb√§ude fallen weg, der Arbeitskr√§ftebedarf einer Farm ist minimal. Selbst gro√üe Betriebe sind h√§ufig Familienfarmen, vor allem bei der Milchviehhaltung, viele Arbeiten werden durch Kontraktarbeiter ausgef√ľhrt, die je nach Arbeitsanfall als Kolonnen auftauchen und die Z√§une reparieren oder Schafe scheren. Auch der Einsatz von D√ľngemitteln ist perfektioniert: aus Flugzeugen wird der D√ľnger auf die Weiden ausgebracht (aerial topdressing). Unterst√ľtzt wird der nach strengen betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten gef√ľhrte Farmbetrieb von einer ausgekl√ľgelten Vermarktung der Produkte, die meist in genossenschaftlicher Hand liegt (sogenannte Marketing Bords) und bei der darauf geachtet wird, dass die Produkte dann auf den Weltmarkt kommen, wenn die Preise am g√ľnstigsten sind. Staatlicherseits k√ľmmern sich agrarwirtschaftliche Forschungseinrichtungen u.a. um die Verbesserung der Grassorten und die Z√ľchtung angepasster Tiere. Die Notwendigkeit, auf dem Weltmarkt trotz hoher Transportkosten konkurrenzf√§hig zu bleiben, hat zu einer perfekt durchorganisierten Landwirtschaft gef√ľhrt. Neuseel√§ndische Butter, neuseel√§ndischer K√§se, neuseel√§ndisches Lammfleisch w√§ren auch bei uns konkurrenzf√§hig, wenn die EG nicht hohe Einfuhrz√∂lle erheben w√ľrde.

6.3 Wirtschaftliche Entwicklung

In der ersten H√§lfte dieses Jahrhunderts gingen 80 % der neuseel√§ndischen Exporte nach Gro√übritannien, woher auch etwa 50 % der Importe kamen. Das ist angesichts der hohen Transportkosten erstaunlich. W√§re es doch schon immer wirtschaftlicher gewesen, gr√∂√üere Mengen von G√ľtern aus dem nahen Australien und den nicht so weit entfernten USA zu importieren. 1973 trat England der EWG bei und Neuseeland verlor dadurch seinen wichtigsten Handelspartner. Die europ√§ische Wirtschaftsgemeinschaft hatte sich auf die Wahrung der Interessen der heimischen Landwirtschaft verschworen. Innerhalb der EWG wurden die Grenzen f√ľr den zollfreien Handel mit Agrarg√ľtern ge√∂ffnet, nach au√üen schottete man sich ab. Die EG-Landwirtschaftspolitik ist eben ein B√ľndnis zum Schutze der europ√§ischen Bauern auf Kosten des ansonsten so hochgelobten freien Handels. Darunter leidet Neuseeland genauso wie die Entwicklungsl√§nder: Es wird ihnen nicht nur der Zugang zu einem interessanten, weil kaufkr√§ftigen Markt verweigert, es wird dar√ľber hinaus auch noch der Weltmarkt mit subventionierten √úberschu√ü-Produkten ruiniert.

F√ľr Neuseeland war der Verlust seines traditionellen Absatzmarktes, der hinter den Schranken der EWG verschwand, wie ein Schock. Er wurde zwar dadurch etwas gemildert, dass Gro√übritannien f√ľr Neuseelands Produkte eine √úbergangsfrist aushandeln konnten, aber im Endeffekt lief alles darauf hinaus, dass der Haupthandelspartner neuseel√§ndische Produkte nicht mehr uneingeschr√§nkt einf√ľhren durfte.

Man musste sich also nach neuen Märkten umsehen und entdeckte, dass es Länder gibt, die sehr viel näher liegen und die neuseeländischen Produkte genauso gut bezahlen können. Der Handel mit dem pazifischen Raum wurde enorm ausgebaut, und heute geht nur noch ein ganz geringer Teil der Ausfuhren nach Europa.

In den 60er und 70er Jahren hatte man sich in der Milchwirtschaft stark umstellen m√ľssen; Konzentrationsprozesse, bedingt durch den technischen Wandel (Transporttechnologie, automatische Melkverfahren, Verarbeitungstechniken), hatten zur Schlie√üung vieler "dairy factories" gef√ľhrt, und nur Gro√übetriebe waren √ľbrig geblieben. Insgesamt hat sich der Export von Milchprodukten in den letzten Jahren halten k√∂nnen, was angesichts der internationalen Probleme beachtenswert ist.

Die Diversifizierung der Produkte beschr√§nkte sich aber nicht nur auf die Milchwirtschaft. Man hat auch andere landwirtschaftliche Exportprodukte neu auf den Markt gebracht und daneben auch Erzeugnisse der Forstwirtschaft und der Industrie (Aluminium, Methanol, pharmazeutische Artikel). Der Schwerpunkt der Entwicklung lag und liegt bei Produkten aus den nat√ľrlichen Ressourcen. So bringen z.B. die mittlerweile riesigen ,,exotischen" Aufforstungen von Pinus radiata, die bereits nach etwa 20-25 Jahren einschlagreif sind, hohe Ertr√§ge. Sie werden als Baumst√§mme oder als Papier exportiert, haupts√§chlich nach Japan und Australien.

Als neues Weltmarktprodukt aus Neuseeland bekannt geworden sind bei uns vor allem die Kiwi. Mitte der 70er Jahre kamen die ersten Kiwi in den Handel. In den folgenden Jahren vergr√∂√üerte sich die Anbaufl√§che von 2173 auf 18900 ha, die Produktion von 9616 t auf 230000 t. Anbaugebiete sind √ľberall auf der Nordinsel anzutreffen, der Schwerpunkt liegt in der Bay of Plenty. Wie bei den traditionellen Exportprodukten wurden auch hier Qualit√§tskontrollen eingef√ľhrt und eine moderne Vermarktungsorganisation aufgebaut, man bem√ľht sich um ein eigenes Produktimage, indem man die Fr√ľchte mit speziellen Aufklebern versieht, und wirbt gezielt in den Abnehmerl√§ndern.

Eine weitere Einnahmequelle stellt die Fischerei dar. Bisher wurde weitgehend nur K√ľstenfischerei f√ľr den Eigenbedarf betrieben. Seit der Ausdehnung der Fischereirechte auf eine 200 Seemeilen-Hoheitszone zu Beginn der 80er Jahre ist es dann zu einer enormen Steigerung der Fangertr√§ge auch im Tiefseebereich gekommen. Der Aufbau der Fischereiflotte war zun√§chst mit ausl√§ndischer Hilfe geplant, zum Teil √ľber Joint Ventures oder Lizenzen an ausl√§ndische Fischereiunternehmen, ist aber heute weitgehend eine Angelegenheit der einheimischen Fischer. Da man die Fanggr√ľnde nicht √ľberfischen will, sind den Ertragssteigerungen hier allerdings Grenzen gesetzt.

Alle diese Entwicklungen trugen zu einer Diversifizierung der Exportprodukte bei und ver√§nderten die traditionellen Handelsbeziehungen v√∂llig. Gro√übritannien spielt dabei nicht mehr die fr√ľhere dominierende Rolle und wurde auch bei den traditionellen Exportprodukten an den Rand gedr√§ngt. Neuseelands Export ist nicht mehr an einige wenige Produkte und an ein einziges Abnehmerland gebunden.

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