Paul Klee

Inhaltsverzeichnis

Paul Klee

Biographie von Paul Klee

Paul Klee in den Augen anderer

Blauer Reiter

Das Bauhaus

Werke von Paul Klee

Namensregister

Erkl├Ąrungen der Abbildungen

Quellenverzeichnis

Praktischer Teil

Paul Klee

Paul Klee wurde am 8. Dezember 1879 in M├╝nchenbuchsee bei Bern geboren und ist am 26. September 1940 in Locarno gestorben. Er war ein deutscher Maler, Zeichner und Kunsttheoretiker. Klee, als Sohn des deutschen Musikers Hans Klee geboren, studierte in M├╝nchen und lie├č sich nach einem kurzen Italienaufenthalt (1901) ab 1906 in M├╝nchen nieder. Von 1920 bis 1931 war Klee Lehrkraft am Bauhaus, von 1931 bis 1933 schlie├člich an der D├╝sseldorfer Kunst-akademie. 1933 verlie├č Klee aufgrund nationalsozialistischer An-feindungen Deutschland und kehrte nach Bern zur├╝ck. 1937 wurden mehrere seiner Arbeiten auf der Ausstellung "Entartete Kunst" in M├╝nchen gezeigt.

Klees Fr├╝hwerk wurde vor allem durch graphische Arbeiten be-stimmt, oft skurrile und phantastische Darstellungen, die Einfl├╝sse von Goya, Blake und Ensor zeigen. Durch die Freundschaft zu Kandinsky und die Maler des "Blauen Reiters" begann die Ausein-andersetzung mit Farbe und Kontrastwirkungen. Verst├Ąrkt durch eine Begegnung mit Delaunay und die Auseinandersetzung mit dem Werk von C├ęzanne und van Gogh entstanden ab 1914 Bilder aus leuchtenden Farbfeldern. Klee l├Âste die gegenst├Ąndliche Darstellung von ihrer reinen Abbildfunktion und experimentierte mit irrealen Bild-zeichen, die zum Teil dem Bildverst├Ąndnis des Surrealismus ent-sprachen. Entgegen den funktionalen und geometrischen Bildprinzi-pien des Bauhauses hielt Klee auch in seinen sp├Ąteren Arbeiten an der Bedeutung des Unbewu├čten f├╝r die Kunst fest. Seine Bilder-welten und seine theoretischen ├äu├čerungen zeigen eine gewisse N├Ąhe zum Kunstverst├Ąndnis des Expressionismus ("Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar").

Biographie von Paul Klee

1879 Paul Klee wird am 18. Dezember als Kind des deutschen Musiklehrers Hans Klee (1849-1940) und der schweizer-ischen S├Ąngerin Ida Marie Klee, geborene Frick (1855-1921), in M├╝nchenbuchsee bei Bern geboren

1898 Klee geht nach M├╝nchen, um Kunst zu studieren. Mangel-haftes fig├╝rliches Zeichnen verhindert seine Zu-lassung zur Akademie; zur Vorbereitung besucht er die private Zeichenschule des akademischen Malers Heinrich Knirr (1862-1944).

1899 Klee lernt die Technik des Radierens. Im Dezember des Jahres lernt er seine zuk├╝nftige Frau, Lily Strumpf ken-nen.

1900 Einschreibung an der M├╝nchener Akademie in der Malklasse von Franz von Stucks, die er im M├Ąrz 1901 wieder verl├Ąsst.

1901-1902 Sechsmonatiger Italienaufenthalt in Mailand, Genua, Rom und Neapel. Besuch von Anatomiekursen und einer Abendklasse f├╝r Aktzeichnen in Bern.

1902 Klee verlobt sich mit der Pianistin Lily Strumpf in M├╝n-chen.

1904 Im Herbst besucht er M├╝nchen und studiert im Graphi-schen Kabinett die Werke von Goya, William Blake und Aubrey Beardsley. Auf der R├╝ckreise begegnet er Corot in Genf.

1904-1905 Entstehung der Radierungsfolge der Inventionen. Klee besucht Paris, wo er den Louvre und das Muse├ę du Luxembourg besucht. Die moderne franz├Âsische Malerei findet in seinen Tageb├╝chern keine Erw├Ąhnung.

1905 Mai bis Juni. Aufenthalt in Paris zusammen mit Hans Bloesch und Louis Moilliet.

1906 April. Klee besucht Berlin und sieht die Jahrhundert-Ausstellung. Auf der Ausstellung der M├╝nchner Sezes-sion zeigt Klee zehn seiner Inventionen. Sie werden bis-sig besprochen. Durch den Zeichner und Illustrator Jacques Ernst Sonderegger wird er auf Henri Toulouse-Lautrec, Edvard Munch und James Ensor aufmerksam gemacht. Am 15. September heiratet Klee Lily Strumpf. Umzug nach M├╝nchen.

1907 Die Jury zur Fr├╝hjahrsausstellung der M├╝nchner Sezes-sion weist Klees Inventionen und Hinterglasbilder zur├╝ck, ebenso der Herausgeber der Zeitschrift Kunst und K├╝nstler. Besuch einer Ausstellung ├╝ber franz├Âsische Malerei von Manet bis Monet in der M├╝nchner Galerie Heinemann. Am 30. November 1907 wird sein Sohn Felix geboren.

1908 Arbeiten Klees werden in der Sezession in M├╝nchen und Berlin sowie im Glaspalast in M├╝nchen gezeigt.

Die Van Gogh-Ausstellung in den M├╝nchner Galerien Zimmermann und Brakl machen ebenso wie die Hans von Mar├ęes-Ausstellung in der Sezession einen gro├čen Ein-druck auf Klee.

1909 Die Jury f├╝r die Ausstellung der M├╝nchner Sezession weist f├╝nf seiner Zeichnungen zur├╝ck. Auf eben dieser Ausstellung sieht Klee acht Gem├Ąlde von Paul C├ęzanne, den er seinen Lehrmeister par excellence nennt. Pablo Picasso nannte C├ęzanne le p├Ęre de nous tous. Auf der XIX. Ausstellung>Zeichende K├╝nste< der Berliner Se-zession werden zwei Zeichnungen Klees ausgestellt.

1910 Erst Einzelausstellung mit mehr als f├╝nfzig Werken aus den Jahren 1907 bis 1910 in Bern, Z├╝rich, Winterthur und Basel.

1911 Anlage eines Werkkataloges der bisherigen und aller neuen Werke, den er bis zu seinem Tod fortf├╝hrt. Klee beginnt die Illustrationen zu Voltaires Candide, die 1920 im M├╝nchner Verlag Kurt Wolff erscheinen. Heinrich Thannhauser stellt in seiner Modernen Galerie in M├╝nchen drei├čig Werke von Klee aus. Bekanntschaft mit August Macke, Wassily Kandinsky, Alexej Jawlensky, Franz Marc, Gabriele M├╝nter, Marianne von Werefkin und Heinrich Campendonk. Klee besucht in der Galerie Thannhauser die erste Ausstellung des>Blauen Rei-ters<.

1912 Klee schlie├čt sich dem>Blauen ReiterModernen BundDer Sturm< in Berlin.

Ver├Âffentlichungen Klees ├╝ber Kunst, Musik und Theater in der Zeitschrift seines Freundes Hans Bloesch,>Die Alpen<, 1911-1912 Bern. Hier seine erste W├╝rdigung als Graphiker.

1913 Klees ├ťbersetzung von Robert Delauneys Essay>La Lumi├Ęre├ťber das Licht Der Sturm< sind 22 seiner Werke zu sehen.

1914 Mit Louis-Ren├ę Moilliet und Macke verbringt Klee zwei Wochen in Tunis und Kairuan. Das klare Licht Nordafri-kas weckt Klees Farbgef├╝hl, und er f├╝hlt sich zum ersten Mal als Maler. Ausstellung gemeinsam mit Marc Chagall in der Galerie>Der SturmNeuen M├╝nchner Sezession< und von 1918 bis 1920 ihr Sekret├Ąr. Am 1. August Beginn des Ersten Weltkrie-ges. Marc, Macke und Heinrich Campendonk werden eingezogen; Kandinsky, Werefkin, Gabriele M├╝nter und Jawlensky verlassen Deutschland.

1915 Auf der Fr├╝hjahrsausstellung der M├╝nchner Sezession sind vierzehn Werke von Klee zu sehen. Die Werke sind nun v├Âllig abstrakt. Reise in die Schweiz.

1916 Ausstellung in der Galerie>Der Sturm<. Auf der Som-merausstellung der Neuen Sezession sind acht Arbeiten von ihm zu sehen. Paul Klee muss den Milit├Ąrdienst ab-solvieren. Versetzung zum Zweiten Reserve-Infanterie-regiment nach M├╝nchen. Abkommandierung zur Werftkompanie der Fliegerersatzabteilundin Schlei├č-heim. Malt und repariert Zeichen und Zahlen auf Flug-zeugen.

1917 Klee wird der Fliegerschule in Gersthofen bei Augsburg zugeteilt und erh├Ąlt den Posten eines Schreibers in der Zahlmeisterei. In seiner Freizeit malt und zeichnet er. Ausstellung in der Galerie>Der Sturm<, viele Arbeiten werden verkauft. Weitere Ausstellungen in Z├╝rich und M├╝nchen.

1918 24 Zeichnungen bilden den dritten Band der Sturm-Bil-derb├╝cher, der im Februar erscheint. Im November schreibt Klee die Endfassung eines Artikels, der 1920 in der Anthologie von K├╝nstleressays, Sch├Âpferische Kon-fession, als dreizehnter Band der Kunstbuchreihe Tri-b├╝ne der Kunst und Zeit erscheint. Bis zu seiner endg├╝l-tigen Entlassung im Februar 1919 wird Klee vom Milit├Ąr-dienst beurlaubt.

1919 Klee arbeitet in ├ľl. Er schlie├čt einen Dreijahresvertrag mit Hans Goltz ab, der 1922 um drei weitere Jahre ver-l├Ąngert wird. Klee tritt in Kontakt mit der Dada-Gruppe, wo er Hans Arp, Hans Richter und Tristan Tzara trifft. Die Staatliche Graphische Sammlung in M├╝nchen kauft f├╝nf von Klees Inventionen ab. Der Architekt Walter Gropius gr├╝ndet in Weimar das Bauhaus und verpflichtet Lyonel Feininger, Johannes Itten und Gerhard Marcks als Lehrer.

1920 Gro├če Werkschau mit 362 Arbeitern von Klee in Hans Goltz' Galerie>Neue KunstDer AraratFarbe als Wissenschaft<. Am 25. November wird Klee von Gropius ins Bauhaus berufen.

1921 Klee beginnt seine Lehrt├Ątigkeit am Bauhaus am 10. Januar. Er unterrichtet in M├╝nchen und Weimar. Im Mai beginnt er seine Vorlesung ├╝ber Komposition vor unge-f├Ąhr drei├čig Studenten. Beginn des Unterrichts der>Bei-tr├Ąge zur bildnerischen FormenlehreKairuan oder eine Geschichte vom Maler Klee< erscheint.

1922 Klee unterrichtet>Farbenlehre< und wird Formmeister in der Werkstatt f├╝r Glasmalerei.

1923 Bauhaus-Ausstellung und Bauhaus-Fest. Klees Essay>Wege des NaturstudiumsElementaren Gestal-tungsunterricht<.

1924 Erste Einzelausstellung in den Vereinigten Staaten bei der Soci├ęt├ę Anonyme in New York. Im Museum von Jena h├Ąlt Paul Klee seine ber├╝hmten Vortrag>├ťber die moderne KunstDie Blauen Vier<, mit dem Ziel, ihr Werk in den Vereinigten Staaten zu zeigen. Am 26. Dezember k├╝ndigen die Lehrer des Bauhauses an, das Bauhaus in Weimar mit dem Aus-laufen ihrer Vertr├Ąge am 1. April 1925 zu schlie├čen.

1925 Neuer├Âffnung des Bauhauses In Dessau. Die Lehrer, darunter Klee, erhalten den Professorentitel. Zweite gro├če Retrospektive in der Galerie Hans Goltz. In der Reihe der Bauhausb├╝cher erscheint als zweiter Band Klees P├Ądagogisches Skizzenbuch, ein Auszug aus sei-ner Vorlesung>Beitr├Ąge zur bildnerischen FormlehreElementaren GestaltungsunterrichtSonder-klasseSCISKI<).

1926 Aufenthalt mit der Familie in Italien, Besuch der St├Ądte Genua, Elba, Pisa, Florenz, Ravenna und Mailand. Klee siedelt nach Dessau ├╝ber. Am Bauhaus h├Ąlt Klee ein Seminar ├╝ber Skulptur und Malerei, einen Abendkurs in Aktzeichnen und>Grundlehre<.

1927 Unterrichtet>Gestaltungslehre f├╝r WebereiForm-lehre< und eine Malklasse.

1927-1928 Sommeraufenthalte in Frankreich und Italien.

1928 Klee verkauft seine Werke jetzt ├╝berwiegend durch Alfred Flechtheim, der Galerien in Berlin und D├╝sseldorf betreibt. Er stellt Klees Werke in seiner Berliner Galerie aus. Reise nach ├ägypten und Italien. Besucht Alexandria, Kairo, Luxor und Assuan. Ausfl├╝ge f├╝hren ihn zu den Pyramiden nach Gize, nach Luxor zu den Tempeln von Karnak und ins Tal der K├Ânige. R├╝ckreise ├╝ber Syrakus, Neapel, und Mailand. Klees Essay>Ex-akte Versuche im Bereich der KunstTheorie der FormenTextile Komposi-tionGrundlegende Kom-position<.

1929 Klee tritt dem Deutschen K├╝nstlerbund bei. Sein f├╝nfzigs-ter Geburtstag wird durch Ausstellungen in ver-schiedenen bedeutenden Galerien gefeiert. In den Cahiers d'Art erscheint Will Grohmanns Klee-Monogra-phie.

1930 Dritte Einzelausstellung in der Berliner Galerie Alfred Flechtheim und im "Museum of Modern Art" in New York.

1931 Klees Vertrag mit dem Bauhaus endet. Er wird Professor f├╝r Malerei und Mitglied der Fakult├Ąt der D├╝sseldorfer Akademie. Er unterrichtet Maltechnik und hat nur wenige Studenten. Sommerreise an die Biskaya. Das Dezem-berheft der Bauhaus-Zeitschrift f├╝r Gestaltung ist Klee gewidmet.

1932 In D├╝sseldorf malt Klee pointillistische, heitere, mosaik-artige Bilder, w├Ąhrend er in Dessau konstruktivistisch weiterarbeitet. Er besucht die Picasso-Ausstellung im Kunsthaus Z├╝rich.

1933 Hitler wird deutscher Reichskanzler. W├Ąhrend Klees Abwesenheit wird Ende M├Ąrz sein Haus in Dessau von den Nationalsozialisten durchsucht. Klee, als>entarteter K├╝nstler< klassifiziert, wird fristlos seines Amtes an der D├╝sseldorfer Akademie enthoben. Daniel-Henry Kahnweiler, der in Paris die Galerie Simon leitet, wird von Flechtheim, der Deutschland verl├Ąsst, dazu angeregt, einen Generalvertrag mit Klee abzuschlie├čen. Klee be-sucht in Paris Picasso. Ende Dezember emigriert er mit Lily in die Schweiz. Intensive Schaffensperiode trotz be-ginnender Krankheit.

1934 Erste Ausstellung in England in der Mayor Gallery in London. Ausstellung in der Galerie Simon, Paris. Begeg-net Ernst Ludwig Kirchen. Will Grohmanns Werk>Paul Klees Handzeichnungen< wird von der Gestapo be-schlagnahmt.

1935 Die Kunsthalle Bern stellt 273 seiner Werke aus, die Ausstellung geht - in vermindertem Umgang - an die Kunsthalle Basel. Beginn einer ernsten Krankheit. Will Grohmanns Buch ├╝ber Klees Zeichnungen von 1921 bis 1930 erscheint und wird w├Ąhrend der Auslieferung an die deutschen Buchhandlungen von den Nationalsozialisten konfisziert.

1936 Klees Zustand verschlechtert sich, sein Leiden wird als Sklerodermie diagnostiziert, eine unheilbare Krankheit. Er begibt sich zu einer Kur. Es entstehen nur 25 Werke.

1937 17 Arbeiten von Klee sind auf der Ausstellung>Entartete Kunst< in M├╝nchen zu sehen, 102 Werke von Klee wer-den in ├Âffentlichen deutschen Sammlungen beschlag-nahmt. Die Beschlagnahmung erfolgt ohne rechtliche Grundlage. Curt Valentin von der Buchholz Gallery in New York verst├Ąrkt die Kontakte zu Klee in der Hoffnung, ihn in Amerika vertreten zu k├Ânnen. Klee erholt sich so gut, dass er wieder arbeiten kann; in diesem Jahr entste-hen 264 Werke. Picasso, Braque und Kirchner besuchen Klee in Bern.

1938 Ausstellung in Paris in der Galerie Simon und in der Ga-lerie Balay et Carr├ę. Im Fr├╝hjahr unterzeichnet Klee einen Kontrakt mit Karl Nierendorf in New York. Teil-nahme an der Bauhaus-Ausstellung im Museum of Modern Art.

1939 Bewirbt sich zum zweiten Mal um die schweizerische Staatsb├╝rgerschaft, nachdem ein fr├╝herer Antrag aus technischen Gr├╝nden abgelehnt worden war. Es ent-stehen um die 1300 Arbeiten, zumeist Zeichnungen.

1940 Ausstellung von Werken Klees aus der Zeit von 1933 bis 1940 im Kunsthaus Z├╝rich aus Anlass seines im Jahr zu-vor begangenen sechzigsten Geburtstages. Im Mai zieht sich Klee in ein Sanatorium zur├╝ck, im Juni geht er in ein Hospital in Muralto-Locarno im Tessin, wo er am 29. Juni stirbt. Sein Antrag, Schweizer Staatsb├╝rger zu werden, wird erst nach seinem Tode genehmigt.

Paul Klee in den Augen anderer

Oskar Schlemmer:

Klee ist der feinste bekannte, moderne Geist, und seine plumpsten Nachahmer finden bei den Kunstschreibern eher Verst├Ąndnis als er, der Echte. Klees Tat ist ganz wunderbar. In einem Minimum von Strich kann er seine ganze Weisheit offenbaren. So zeichnet ein Buddha. Ruhig, in sich ruhend, von keiner Leidenschaft bewegt, der unmonumentalste Strich, weil suchend und kindlich, um Gr├Â├če zu offenbaren. Er ist alles; innig, zart und vieles andere Beste, und dies vor allem: er ist neu. Hier ist, wie Blake sagt, Gr├Â├če der Idee, weil Pr├Ązision der Idee. Die Taten aller bedeutenden Menschen haben ihre Wurzel in einer einfachen, aber alles umfassenden Erkenntnis. Diese gefunden zu haben, bedeutet, sich selbst gefunden zu haben und damit die Welt und alle Dinge.

Tagebuch, September 1916

Theodor D├Ąubler:

Alles, was Klee gibt, muss vollgekonnte m├Ąnnliche Kunst genannt werden. Die obere Einfachheit liegt nur darin, dass seine ganze Schulung und kr├Ąftige ├ťberlieferung, kurz die verbl├╝ffende Virtuosit├Ąt des K├╝nstlers, ins Nervische ├╝bergegangen ist. Folglich hat Klee in einem entscheidenden Augenblick gewu├čt, sich von allerhand herk├Âmmlichem K├Ânnen freizumachen, das bereits Geleistete durch genialen Entschlu├č zu befl├╝geln... Sein Erinnern war abgr├╝ndig geworden: es braucht keine Lehrer mehr, wer den W├Ąchter in sich selbst aufgerufen hat.

Der neue Standpunkt. 1916

Adolf Behne:

Die kleinen libellenhaften Bilder Paul Klees sind so ersch├╝tternd, weil sie in einer r├╝hrenden Unpathetik die Welt des Gr├Â├čten in sich tragen. Sie sind Keime eines kommenden herrlichen Jahrhunderts, unendlich zarte, unendlich reiche Keime. Behutsam gehen wir mit ihnen um, wie mit eingerollten Zauberformeln.

Paul Klee. In: Die wei├čen Bl├Ątter. 1917

Wilhelm Hausenstein:

Vielleicht ist Klees Einstellung ├╝berhaupt nur dem musikalischen Menschen begreiflich - wie Klee selbst einer der k├Âstlichsten Geiger von Bach und H├Ąndel ist, die je ├╝ber die Erde gingen. Musik ist nicht darstellend; sie ist Figur; von den Dingen gibt sie nicht die Mitte, das Dasein, die Plastik, sondern das Citra und Ultra. Bei Klee, dem deutschen Klassiker des Kubismus, ist das Musikalische der Welt also Begleiter, vielleicht sogar Gegenstand einer Kunst geworden, die einer in Noten geschriebenen Komposition nicht un├Ąhnlich scheint. Dabei bleibt aber wesentlich, dass alles Musikalische an Klee, wie immer es mit seiner Malerei verkn├╝pft sein mag, klassischen und romantischen, nicht wagnerisch naturalistischen Geistes ist.

├ťber Expressionismus in der Malerei.1919

Paul Westheim:

Paul Klee ist kein Maler f├╝r viele, sondern f├╝r die wenigen, die -man verzeihe den Ausdruck - Musik in den Augen haben. Wenn er M├Ąrchen erz├Ąhlt, so sind es Abenteuer der Linie, der Farben, nicht Geschichten, die aus der Literatur ins Bild ├╝bertragen sind. Eine Linie steigt an und pl├Âtzlich kommt da wie ein Hai eine andere, gr├Â├čere Linie angefahren und kappt sie weg. Eine Trag├Âdie in Tusche und Aquarell, atemlos spannend f├╝r den, der so was zu lesen versteht... Nun gibt es ja eine Unmenge prosaischer Naturen, die keine Phantasie und kein Organ f├╝r das Poetische haben. Alles, was ├╝ber das Wahrscheinliche hinausgeht, ist f├╝r sie Hirngespinst, dummes Zeug. Ihnen ist nat├╝rlich nicht zu helfen, man kann sie nur bedauern. Wir anderen aber lieben Paul Klee... Bei ihm liegt das M├Ąrchenhafte im k├╝nstlerischen Sehen, in dem Spiel der Linien, in dem Zauber der Farben, im Wunder einer sch├Âpferischen Phantasie. Er ist ein Malpoet, und es ist etwas Bestrickendes in den Visionen dieses Malpoeten, der in der Empfindung, in der Gestuftheit des Empfindens vergleichbar ist mit H├Âlderlin.

Helden und Abenteuer. 1931

Will Grohmann:

Die Gr├Â├če Klees liegt in der Unbeirrbarkeit und der Treue zu seinem Ich. Er forderte von sich das Letzte und opferte auf jeder Stufe der Entwicklung, sogar den Erfolg. Er schritt ├╝ber ihn hinweg, lie├č sich von seinem Ruhm nicht einholen und dachte nur daran, wie er es besser machen k├Ânne. Diese Zielstrebigkeit hinderte ihn aber nicht, heiter z sein. Er nahm die erregendsten Dinge mit Gelassenheit auf und wandte sie ins Sinnvolle. War heiter auch in der Arbeit, denn sie erweckte seine st├Ąrksten Kr├Ąfte; indem er sich auf der bildnerischen Ebene immer intensiver orientierte, antworteten ihm immer tiefere Geheimnisse.

Vielleicht werden viele Freunde der Kunst Klees die Arbeiten zwischen 1920 und 1930 den sp├Ąten Realisierungen vorziehen und nicht ganz verstehen, warum die Preisgabe so vieler>Sch├ÂnheitStirb und Werde<. Er verleugnete damit nichts von dem, was er je geschaffen hatte, auch die Anf├Ąnge nicht, er hatte Stein auf Stein gesetzt, und sie waren alle notwendig und richtig gewesen, das Werk war mit ihm gewachsen. Ob er 1940 fertig war, wer wagte das zu entscheiden; der Metamorphosen gab es bei ihm viele, aber vielleicht ├╝bersprang Klee nahe dem Ende eine Anzahl solcher ├ťberg├Ąnge, um mit dem Tode ganz im Einklang zu sein.

Paul Klee. 1954

Blauer Reiter

Im Jahre 1912 schlie├čt sich Paul Klee dem Blauen Reiter an. "Der Blauer Reiter" nannte sich eine Gruppe von Malern unterschiedlicher Str├Âmungen wie Abstraktion und Expressionismus, die sich 1911 in M├╝nchen zusammenschlo├č und eine zentrale Bedeutung f├╝r die Entwicklung der modernen Kunst erlangte. Der Begriff leitet sich von einem gleichnamigen, 1903 entstandenen Gem├Ąlde des russischen K├╝nstlers Wassilj Kandinsky ab. Gemeinsam mit Franz Marc organisierte er im Zeitraum von 1911 bis 1914 verschiedene Ausstellungen, in der sich die Kr├Ąfte der Avantgarde sammelten. 1912 gaben sie den Almanach "Der Blaue Reiter" mit Texten und Bildern zu Kunst, Theater und Musik heraus.

Der Gruppe lag kein festes Programm zugrunde, sondern sie hatte sich zum Ziel gesetzt "die bisherigen Grenzen des k├╝nstlerischen Ausdrucksverm├Âgens zu erweitern" (Kandinsky). Neben Kandinsky und Marc beteiligten sich unter anderem Paul Klee, Gabriele M├╝nter, Franz Marc, Alexej von Jawlensky und Heinrich Campendonk an den Ausstellungen und Aktivit├Ąten des "Blauen Reiter". Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs zerfiel die Gruppe 1914. Verschiedene k├╝nstlerische Ans├Ątze und Ideen brachten Kandinsky und Klee sp├Ąter als Lehrer in das Bauhaus ein.

Das Bauhaus

Im Oktober 1920 wird Paul Klee ans Bauhaus berufen, indem er von 1920 bis 1931 als Lehrkraft wirkt. Doch was ist das Bauhaus, welche Bedeu-tung hatte es?

Im April 1919 wird unter der Leitung von Walter Gropius das Bauhaus ge-gr├╝ndet. Die Bauhaus-Schule residierte zun├Ąchst von 1919 bis 1925 in Weimar und vereinigte Architekten, Maler und Designer, darunter Wassilij Kandinsky, Paul Klee, Lyonel Feininger und Oskar Schlemmer. Erkl├Ąrtes Ziel der Bauhaus-Bewegung war die Aufhebung der traditionellen Trennung von freier und angewandter Kunst.

Der erste Rektor des Bauhauses, Walter Gropius entwarf selbst die innovativen Geb├Ąude in Dessau, in die die Schule von 1925-1932 ├╝bersiedelte. 1932 wurde das Bauhaus nach Berlin verlegt und dort 1933 aufgel├Âst. Der letzte Direktor des Bauhauses war Ludwig Mies van der Rohe.

Die neue Architektur bewies ihre Leistungsf├Ąhigkeit in den neuen Siedlungen von Berlin und Frankfurt. Die in der 1927 gebauten Wei├čenhofsiedlung zusammengestellten Hausentw├╝rfe von Ludwig Mies van der Rohe, Walter Gropius, dem Holl├Ąnder J. J. P. Oud und dem Schweizer Le Corbusier markieren den Wendepunkt zu einer Ausrichtung der Architektur auf ein besseres Leben f├╝r den Durchschnittsb├╝rger.

Ein weiteres Beispiel f├╝r die Bauhausarchitektur war der deutsche Pavillion auf der Weltausstellung in Barcelona 1929. Er bestand aus eher traditionellen Materialien wie Travertin, Marmor und Onyx in Kombination mit modernen Materialien wie verchromtem Stahl.

Nachdem die Gestapo das Bauhaus im April 1933 geschlossen hatte, beschlo├č das Lehrerkollegium im Sommer des gleichen Jahres die Aufl├Âsung des Instituts. Ludwig Mies van der Rohe und Walter Gropius siedelten in die USA ├╝ber. Le Corbusier setzte den Einflu├č des Bauhauses bei Bauvorhaben in Frankreich, der Schweiz und in Indien weiter fort.

Quellenverzeichnis

1. Paul Klee Autor: Carola Giedion-Welcker Verlag: Rowohlt Taschenbuch

2. Die Zwitschermaschine Verlag: Eulenspiegel Verlag Berlin

3. Paul Klee - Die Zeit der Reife Autor: Manfred Fath

4. Das Grosse Lexikon 1998 CD Firma: Data Becker

5. Internet

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