Radioaktivität

Inhalt

Allgemeine Grundlagen Seite 2 Was ist ein Atom? Seite 2 Geschichte Seite 2 Strahlungsarten Seite 2 Halbwertszeit Seite 3 Kernspaltung Seite 3 Einsatz radioaktiver Isotope Seite 3 Strahlung kann Ihre Gesundheit gef√§hrden Seite 4 Was tun, wenn ...? Seite 4 Beispiel Mochovce Seite 4 AKW's Seite 5 Strom & M√ľll Seite 5 Was kostet Atomstrom wirklich? Seite 6 Sekunden, die die Welt ersch√ľttern Seite 6 Tschernobyl Seite 6 Schwere Unf√§lle in Atomreaktoren Seite 8 Atombomben Seite 8 Atombombentestgebiete Seite 8 Allgemeine Grundlagen

WAS IST EIN ATOM?

Das Wort Atom stammt aus dem Griechischen und bedeutet "unteilbar". Atome sind als die kleinsten, mit chemischen Mitteln nicht weiter spaltbaren Teilchen die kleinsten Bausteine der chemischen Elemente. Der Kern eines Atoms ist nicht immer stabil, manche können Teilchen verlieren oder Energie ab strahlen. Diesen Vorgang bezeichnet man als Zerfall, die Eigenschaft heißt Radioaktivität.

GESCHICHTE

1896: Die Radioaktivität wurde von Henry Becquerel beim Uran beobachtet

1898: Das Ehepaar Curie entdeckte die radioaktiven Elemente Polonium und Radium

Viele der bedeutenden Physiker, die mit Radioaktivität zutun hatten, sind an den Folgen der Radioaktivität gestorben, zum Beispiel durch Selbstversuche. Trotz alledem haben sie darauf beharrt, dass Radioaktivität keine Schäden hinterlässt (vgl. Kapitel 2).

Damals hat man radioaktive Stoffe in s√§mtlichen Lebensbereichen und -lagen sozusagen als "Allround-Mittel" oder Wundermittel eingesetzt. So fanden sich radioaktive Stoffe in Zahnpasten, Salben, Gesichtscrems, Damenstr√ľmpfe, Halsketten, Broschen, Uhren, und sogar im Trinkwasser.

STRAHLUNGSARTEN

Trifft Strahlung auf Widerstand, wird sie geschw√§cht, die Teilchen werden gebremst und von den Atomen, auf die sie treffen, aufgenommen. Die Energie der Strahlung wird dabei auf das Material √ľbertragen, handelt es sich zum Beispiel um Blei oder Wasser, wird dies ein wenig w√§rmer, ist es die Haut oder die Lunge eines Menschen, werden dadurch Zellen besch√§digt.

α-Strahlung:

Dies ist eine Teilchenstrahlung, die aus positiv geladenen Heliumkernen besteht. Sie hat eine Reichweite von nur wenigen Zentimetern und wird bereits durch d√ľnne Schichten, wie etwa durch ein Blatt Papier, vollst√§ndig abgeschirmt. Bei Bestrahlung von au√üen tritt keine Gef√§hrdung auf, gef√§hrlich jedoch kann die Aufnahme von Radionukliden durch die Nahrung oder Luft werden.

β-Strahlung:

Auch bei der β-Strahlung handelt es sich um eine Teilchenstrahlung, welche aus schnellfliegenden Elektronen besteht. Mit einer Reichweite von maximal einem Meter kann auch sie einfach abgeschirmt werden, allerdings ist hierbei schon ein Material mit einer Dicke von einigen Zentimetern vonn√∂ten. Bei Bestrahlung von au√üen tritt eine Gef√§hrdung von au√üen auf, eventuell kommt es zu Hautr√∂tungen und / oder Hautverbrennungen bei h√∂heren Dosen, so m√ľssen die Augen bei entsprechenden Bestrahlungsintensit√§t gesch√ľtzt werden. Diese Strahlung stellt also f√ľr die von au√üen kommende externe Bestrahlung auch kein Problem dar. Aber auch β-aktive Radonuklide sind bei der Aufnahme durch Nahrung oder Luft gef√§hrlich, zum Beispiel lagert sich Strontium-90 in den Knochen ab.

γ-Strahlung:

Diese Strahlungsart besitzt eine Reichweite von vielen Kilometern und besteht aus elektromagnetischen Wellen, durchdringt alle Substanzen wie auch den menschlichen Körper und kann nur von Beton abgeschirmt werden. Darum sind bei entsprechender Strahlungsintensität Schutzmaßnahmen notwendig. Die Strahlenbelastung wird durch Abstand halten, Beschränkung der Aufenthaltsdauer und durch die Verwendung von Absorben in Grenzen gehalten.

Röntgenstrahlung

Neutronenstrahlung

Nat√ľrliche Umgebungsstrahlung

Diese kosmische Höhenstrahlung ist eine schwache aus allen Richtungen des Weltraums gleichmäßig einfallende Radiostrahlung.

HALBWERTSZEIT

Gibt die Geschwindigkeit des radioaktiven Zerfalls an, sie ist der Zeitraum in der die Radioaktivität um die Hälfte abnimmt

HZ im Vergleich: Thorium C: 0,3x10-6Sekunden

Radium C: 19,7 Minuten

Jod 131: 8 Tage

Radium: 1580 Jahre

Plutonium 238: 25.000 Jahre

KERNSPALTUNG

Einige Atomkerne wie Uran-235 oder Plutonium-239 lassen sich mit Gewalt spalten. Dabei entstehen neue Stoffe - meistens radioaktive - und es wird Energie freigesetzt. Zum Spalten braucht man Neutronen. Um den Vorgang unter Kontrolle zu halten, m√ľssen die √ľbersch√ľssigen Neutronen entfernt werden, andernfalls kommt es zu einer Kettenreaktion, die sich rapide ausbreitet.

Ein Ergebnis der Kernspaltung ist die Atombombe. Sie war die erste "praktische" Anwendung der Kernspaltung - 1945 warfen die USA je eine Bombe auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki.

EINSATZ RADIOAKTIVER ISOTOPE

Energiegewinn: "Kernspaltung" - U235 Kerne werden gespalten, dabei wird Energie frei Medizin: Therapien und Diagnostik (z. B.: Jod in der Schilddr√ľse, Chemotherapie zur Krebsbehandlung...) Technik: Messen von Schichtdicken (z. B. von Pipelines) √úberpr√ľfen von Schwei√ün√§hten Wissenschaft + Forschung: Untersuchung biochemische Vorg√§nge (z. B.: Photosynthese, N√§hrstoffaufnahme bzw. Verteilung in Pflanzen und Tieren) LM-Bestrahlung: z. B.: Kartoffel, Zwiebel (gegen Austreiben), Obst (Erdbeeren, tropisches Obst) √† in √Ėsterreich verboten! Altersbestimmung: von Fossilien (C14-Methode)

Strahlung kann die Gesundheit gefährden

Sehr starke Strahlung f√ľhrt zu Strahlensch√§den, diese Ver√§nderungen bzw. Zerst√∂rungen werden durch Strahlung in K√∂rperzellen hervorgerufen. Die Folge sind Strahlenkrankheiten, die durch Zerst√∂rung der blutbildenden Zellen zum Tod f√ľhren kann. Radioaktive Nuklide werden in Speicherorganen (im K√∂rperwasser, Schilddr√ľse, Muskulatur, Knochen, Niere, Skelett, Leber ...) oder auf den ganzen K√∂rper verteilt abgelagert. Gleichzeitig zerfallen die Radionuklide im K√∂rperinneren und verursachen die Bestrahlung von innen. Radioaktive Strahlung ist zellsch√§digend, krebserregend (Leuk√§mie, Lungenkrebs), schw√§cht das Immunsystem, verursacht Erbsch√§den (Mutationen), Tod- und Mi√ügeburten. Ver√§nderungen in den Keimzellen sind nicht mehr r√ľckg√§ngig zu machen - Noch heute tragen neugeborene Babys die grauenhaften Zeichen der Mi√übildungen an ihren K√∂rpern, noch als Erinnerung an Tschernobyl.

WAS TUN, WENN ...?

Pannen in AKW's gibt es oft, zwar muss nicht jede Meldung bedeuten, dass wir gef√§hrdet sind, trotzdem kann es vorkommen, dass es sich um einen Erstfall handelt, und f√ľr diese Situation sollte man vorbereitet sein.

Zum Beispiel helfen Kaliumjodidtabletten gegen radioaktives Jod, das sich in der Schilddr√ľse ablagert.

Warn- und Alarmsignale warnen nicht nur vor Strahlung sondern auch vor Chemieunfällen:

Warnung: Gleichbleibender Dauerton von 3 Minuten = herannahende Gefahr

Alarm: Auf- und abschwellender Heulton von mind. 1 Minute = unmittelbare Gefahr, Aufsuchen von Schutzräumen

Entwarnung: Gleichbleibender Dauerton von 1 Minute = Ende der Gefahr

Es gibt verschiedene Alarmstufen, und je nachdem wie stark die Strahlung ist, werden vom Strahlenschutz verschiedene Maßnahmen empfohlen:

Gefährdungsstufe
Dosisleistung
µSv/h
betroffen
was tun?
I
> 300
Kleinkinder
kein langer Aufenthalt im Freien, in der Folge Vorsicht bei Nahrungsmittel
II
> 1000
Kinder,
Jugendliche,
Schwangere
im Haus bleiben, Kaliumjodid nehmen
III + IV

alle
alle Menschen m√ľssen in den H√§usern bleiben, auch Erwachsene sollen dann Kaliumjodid nehmen
Bei h√∂heren Alarmstufen m√ľssen Leute evakuiert werden.

BEISPIEL MOCHOVCE:

Sollte es dort zu einem schweren Unfall kommen, w√ľrden radioaktive Stoffe austreten, welche vom Wind verteilt werden w√ľrden. W√ľrde dieser Fall tats√§chlich eintreten, w√ľrde die radioaktive Wolke bereits in 8 bis 10 Stunden in √Ėsterreich sein. Regnet es unterwegs, gelangen gro√üe Mengen der radioaktiven Stoffe auf den Erdboden, je nach Dauer und Heftigkeit des Regens k√∂nnten kleine Erdfl√§chen 100 bis 1000 mal st√§rker verseucht werden, als es 1986 nach dem Unfall in Tschernobyl in √Ėsterreich der Fall war.

AKW's

In Atomreaktoren findet eine kontrollierte Kernspaltung statt, wobei mittels Neutronenbestrahlung nat√ľrliche Elemente in radioaktive Isotope umgewandelten werden. Bei diesem Vorgang wird Energie erzeugt. Bei der Kernspaltung laufen strenge Kontrollen ab, sonst verwandelt sich das AKW bei Fehlern in eine "Atombombe". So m√ľssen Vorkehrungen getroffen werden, um m√∂gliche Kettenreaktionen jederzeit stoppen zu k√∂nnen.

Im Reaktor wird unweigerlich Plutonium erzeugt, welches f√ľr Atombomben verwendet werden kann. Die ersten Reaktoren wurden nicht zum Zweck der Stromerzeugung sondern gerade zu diesem Zweck gebaut.

219 Reaktorblöcke sind insgesamt in Europa aktiv, in allen können gefährliche Störfälle auftreten.

Beispiele: Frankreich (56), GB, Rußland (je 34), Deutschland (21), Ukraine (14), Schweden (12), Spanien (9), Belgien (7), Bulgarien (6), Schweiz (5), FL, Tschechien, Slowakei, Ungarn (je 4), Litauen, NL (je 2), Slowenien (1)

Weltweit sind rund 500 Atomkraftwerke in Betrieb oder in Bau!


In Betrieb
In Bau
Kanada
22

USA
113
1
Lateinamerika
4
5
W-Europa
153
4
O-Europa, ehem. UdSSR
69
26
Afrika
2
2
Asien
30
13
Japan
49
5

Auch √Ėsterreich wollte in den 70er Jahren ins Atomzeitalter aufbrechen: In Zwentendorf wurde ein AKW gebaut, doch massive Widerst√§nde und Demonstrationen seitens der Bev√∂lkerung lie√üen 1978 von der Regierung eine Volksabstimmung zu: Eine Mehrheit von 50,6 % sprach sich gegen den Weiterbau aus, hier sieht man, wie gut die √∂sterreichische Bev√∂lkerung √ľber die Gefahren der Atomkraft informiert gewesen war. So blieb √Ėsterreich frei von jeglichen Atomreaktoren.

STROM & M√ľLL

Der Betrieb eines AKW ist eine ziemlich kurze Angelegenheit: ca. 30 Jahre, dann k√∂nnen die Werkstoffe nicht mehr verwendet werden. Diese 30 Jahre Betrieb hinterlassen radioaktiven M√ľll (Spaltprodukte), der einige hunderttausend Jahre lang von der Umwelt ferngehalten werden muss - Aber wer wird nach 250.000 Jahren noch wissen, wo unsere Abf√§lle gelagert sind? Abschieben zum Nachbarn gegen hohe Entgelte ist seit jeher die "L√∂sung" des Problems gewesen. Die fatalen Folgen werden aber erst in der Gegenwart sichtbar, vor unl√∂sbaren Umweltproblemen stehen nun zum Beispiel die Staaten des ehemaligen Ostblocks.

Ob die Radionuklide aus AKW's kommen, ob sie aus den Rissen des Muroroa-Atolls ins Meer sickern, aus versenkten U-Booten oder Atomm√ľllf√§ssern kommen, aus einem Atomm√ľllager entweichen oder bei einem Unfall in einer Atomanlage in die Luft geblasen werden, irgendwann gelangen sie in die Nahrungskette.

Nach dem Unfall in Tschernobyl war die radioaktive Belastung noch nach Jahren sehr hoch

Strahlenbelastung im Jahr
1986
1987
1988
1989
1990
1991

Summe

Dosis in nSv
400.000
315.000
80.000
50.000
25.000
10.000
880.000


    WAS KOSTET ATOMSTROM WIRKLICH?

Kosten f√ľr ein gro√ües AKW
Baukosten
Je länger die Bauzeit, desto teurer!
30 Milliarden öS
Wartungskosten + Verbesserungen
300 Millionen öS pro Jahr mal 30 Jahre
9 Milliarden öS
Brennstoff
400 Millionen öS pro Jahr mal 30 Jahre
12 Milliarden öS
Zwischenlagerung Brennstäbe
400 Millionen öS pro Jahr mal 30 Jahre
Angabe der Atomindustrie - wird sich
vermutlich als zu wenig erweisen
12 Milliarden öS
Abbau des AKW

3 Milliarden öS
Summe mindestens

66 Milliarden öS

Die oben angef√ľhrte Angaben sind blo√ü Sch√§tzungen der Atomindustrie f√ľr die Zukunft, die bisherigen Erfahrungen deuten jedoch bereits auf das Zehnfache der prognostizierten Werte Teuer sind die Wartung und die Verbesserungen, die immer wieder n√∂tig sind, da die umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen eingehalten werden m√ľssen. Es stellt sich die Frage, ob diese Ma√ünahmen auch laufend getroffen werden.

Bis zur Stillegung erzeugt ein solches AKW ca. 180.000.000 Kilowattstunden (kWh) Strom. Der Preis pro Kilowattstunde ergibt sich aus 66.000.000.000 ATS durch 180.000.000.000 kWh: mindestens 37 Groschen!!! Es ginge allerdings auch ohne Atomenergie: Eine Kilowattstunde Energie, das ist die Energiemenge, die eine 100 W Gl√ľhbirne 10 Stunden lang leuchten l√§sst, kostet im Vergleich:

Strom aus Atomkraft
120 Groschen je kWh
Strom aus Erdgas
60 Groschen je kWh
Strom aus Windkraft
60 Groschen je kWh

Sekunden, die die Welt ersch√ľttern

26. APRIL 1986: SUPERGAU IM AKW TSCHERNOBYL (UKRAINE)

Beim Supergau in Tschernobyl handelt es sich klar um menschliches Versagen: In einem Versuch wollte man testen, was passiert, wenn die Verbindung zum √§u√üersten Stromnetz ausf√§llt. Eine Kette von Fehlern f√ľhrt zur bisher gr√∂√üten Katastrophe der Atomenergienutzung: Innerhalb von Sekunden stieg die Reaktorleistung auf das mehr als Hundertfache. Die Reaktion war nicht mehr zu stoppen, die 2m dicke Betonplatte oberhalb des Reaktors wurde in die Luft geschleudert, es gab eine Explosion, der Graphitblock brannte noch tagelang.

Einige Prozent des durch die Explosionen zerrissenen Brennstoffs flogen aus dem Reaktorgebäude und verteilten sich in der Umgebung. Tagelang traten radioaktive Stoffe, v. a. Gase aus dem zerstörten Reaktorblock aus und der Wind verteilte diese auf große Teile Europas. Wo es geregnet hat, fielen sie rasch zur Erde. Die stärkste Verseuchung trat in den umliegenden Teilen von Ukraine, Weißrußland und Rußland auf.

Rund 800.000 Menschen - darunter viele Soldaten - waren an der Beseitigung der Katastrophenfolgen beteiligt. Sie stellten L√∂schtrupps, beseitigten die Brennstofffragmente und bauten den Sarkophag, die Betonh√ľlle √ľber dem ruinierten Reaktor. Ihre Ausr√ľstung war √§u√üerst mangelhaft, aber ohne ihren Einsatz w√§re alles noch schlimmer geworden. 31 von ihnen starben trotz Behandlung in den ersten Wochen nach der Katastrophe. Mehr als 7000 seither der Strahlung zum Opfer gefallen. Die einstigen Helden (ca. 750.000) der Sowjetunion sind heute, ca. 10 Jahre sp√§ter, strahlengesch√§digt, oftmals dem Alkohol verfallen oder haben bereits Selbstmord begangen. Die Opferbilanz der Tschernobyl-Katastrophe ist grauenvoll: Gesch√§tzte 5.000 bis 10.000 Ukrainer sollen dem Supergau bisher zum Opfer gefallen sein.

135.000 Menschen wurden in den ersten Tagen aus der umliegenden 30 km Zone evakuiert, die bis heute nicht bewohnbar ist. Sie leben heute - ebenso wie die Beteiligten an den Aufr√§umungsarbeiten - verstreut in den 3 Republiken. Dies macht eine effektive Behandlung ihrer Gesundheitsprobleme √§u√üerst schwierig. Auch au√üerhalb der ger√§umten Sperrzone fand man sp√§ter ebenso gef√§hrlich verseuchte Gebiete. Die Menschen hatten die Todesstrahlung anf√§nglich ignoriert, viel zu sp√§t machten sich die letzten Einwohner auf den Weg, Hunderte ihrer Nachbarn waren bereits tot, jedes zweite Kind kam verkr√ľppelt zur Welt. Auch aus diesen D√∂rfern wurden in den Folgejahren Menschen umgesiedelt. Insgesamt haben mehr als 400.000 Menschen ihre Heimat verloren.

8 Millionen Menschen leben heute noch in mehr oder weniger stark verseuchten Gegenden. Gut 80 km von der Todeszone entfernt, leben nur mehr wenige alte Menschen, die keine Kraft mehr fanden, aus ihrer verstrahlten Heimat wegzuziehen. Der Geigerz√§hler, der die Strahlendosis mi√üt, z√§hlt 1,6 Mikro-Sievert - das Gebiet wird noch mindestens 300 Jahre unbewohnbar sein, niemand kann hier je wieder zur√ľckkommen. In anderen Gebieten, wo die Strahlung hoch ist, k man heute noch nur unter Einschr√§nkungen leben: Kein Gem√ľse aus dem eigenen Garten, keine Pilze, keine Fische, keine frische Milch, Kinder wurden in den Schulen "eingesperrt" - Spielen im Freien war verboten. Kein Wunder, alle Untersuchungen zeigen, dass diese Kinder wirklich nicht gesund sind.

Inzwischen zeigen sich auf typische Folgen der Strahlenbelastung. Und wieder sind es die Kinder, die es am st√§rksten trifft. Seit 1990 wird vor allem in Wei√üru√üland eine H√§ufung von Schilddr√ľsenkrebs bei Kindern festgestellt. Statt durchschnittlich 2 Operationen pro Jahr, waren es im Jahre 1994 bereits 80 Kinder, die operiert werden mussten.

Heute kann man sich dem "Todesreaktor" nur noch im Schutzanzug n√§hern, den man danach vernichten muss. Mit jedem Schritt, den man sich dem Reaktor n√§hert, steigert sich die Dosis an radioaktiver Strahlung. Direkt beim Sarkophag betr√§gt sie 312 Mikro-Sievert, das ist 3.900 mal so hoch, wie die Normalwarte in Westeuropa. Im Inneren des Reaktors befinden sich immer noch 400 kg Plutonium, 4 Millionen Curie h√∂chstradioaktiver Stoffe, die noch √ľber 100.000 Jahre aktiv sein werden. Der 3.000 Tonnen schwere Deckel der Reaktorkammer, der beim Unfall 14 Meilen senkrecht in die Luft geschleudert wurde, liegt schief eingeklemmt in den Stahl- und Betonfragmenten. Vom ersten Tag an war der Mantel undicht, heute ist er schief, l√∂chrig und vom Einsturz bedroht. Jetzt soll der Mantel saniert werden; niemand wei√ü, wie lange daf√ľr Zeit bleibt. Ein kleines Erdbeben kann gen√ľgen, den n√§chsten GAU auszul√∂sen.

SCHWERE UNFäLLE IN ATOMREAKTOREN

USA: 1961 (3 Tote), 1979, 1991, 1993

Rußland: 1975, 1978 (8 Arbeiter wurden verstrahlt), 1992, 1994 - bei fast allen diesen Unfällen treten radioaktive Gase aus

Kanada, England, ehem. Jugoslawien, Slowakei, Ukraine Japan

Dazu kommen noch etliche Unfälle in anderen Atomanlagen, wobei festzuhalten ist, dass viele - besonders Unfälle - in militärischen Anlagen, oft erst Jahre später publik werden.

Diese ausgew√§hlten Beispiele sind nur die Spitze des Eisberges. √Ėfter als uns bewu√üt ist, sind wir am Rand zur Katastrophe gestanden

Ru√ülands Beh√∂rden bef√ľrchten, dass eine weitere von den Hunderten schrottreifen Atomanlagen bald in die Luft fliegen k√∂nnte. Die Weltbank sch√§tzt die Kosten f√ľr die notwendigsten Sanierungsarbeiten auf 200 Milliarden Schilling.

ATOMBOMBEN

16. Juli 1945

An diesem Tag z√ľndeten die USA die erste Atombombe. Die furchtbarste Massenvernichtungswaffe ersch√ľtterte die W√ľste in New Mexiko.

6. und 9. August 1945

Die amerikanischen Kampfflugzeuge warfen Atombomben √ľber den japanischen St√§dten Hiroshima und Nagasaki ab. Beide St√§dte wurden vernichtet. In der Flammenh√∂lle der Atomexplosion kamen 200.000 Kinder, Frauen und M√§nner um. Von den √úberlebenden starben viele an den Folgen der Strahlung, Kinder kamen mit schweren Mi√übildungen und Gehirnsch√§den zur Welt.

TESTGEBIETE

Trotz aller Appelle ist die Zahl der Atomwaffen, die es auf der Erde gibt, seit 1945 auf ein Vielfaches gewachsten, heute haben mehr Staaten als je Atomwaffen. Staaten, die √ľber eine eigene Atomr√ľstung (v. a. Atombomben) verf√ľgen, nennt man Atomm√§chte, sie werden oft auch "Atomclub" genannt. Zu diesen Staaten geh√∂ren zum Beispiel die USA, die ehem. Sowjetunion, GB, China, Frankreich, der Nahe Osten, Indien. Nat√ľrlich besitzen noch zahlreiche andere L√§nder Atomwaffen, doch √∂ffentlich wird dies ungern zugegeben.

Seit 1945 fanden weltweit mehr als 2000 Atombombenteste statt. Bei den 511 in der Atmosph√§re gez√ľndeten Atomsprengk√∂pfen wurde eine Sprengkraft von 29.000 Hiroshima-Bomben freigesetzt.

Als Testgebiet m√ľssen meistens Kolonien, abh√§ngige Territorien oder Gebiete mit nationalen Minderheiten herhalten:

USA
Bikiniatoll, W√ľste von Nevada (ohne die Bev√∂lkerung zu informieren)
Atomtests
Großbritannien
Australische W√ľste, verseuchte Urbev√∂lkerung
z√ľndete Atombomben
Frankreich
Algerische Sahara, S√ľdsee-Atolle Muroroa und Fangataufa
Atomtests
China
Lop Nor (nationale Minderheiten)
Atomtests
Ehem. Sowjetunion
kasachischen Steppe
Atomtests

Die oberirdischen Atomtests der 60er Jahre f√ľhrten zu einer weltweiten Verseuchung durch die Spaltprodukte der Explosionen, schlie√ülich kam es zum Verbot von Atomtests in der Atmosph√§re. Seither wird unterirdisch auf Meeresgrund getestet, dabei werden die Atolle stark besch√§digt, manche werden durchl√∂chert, und so sickern die radioaktiven Stoffe langsam ins Meer.


Tests in der Atmosphäre
ober- & unterirdische Tests
USA
214 + 2 Bombenw√ľrfe
1030
UdSSR
210
715
Frankreich
68
205
UK
12 + beteiligt an der USA
45
China
22
42
Indien
-
1
Israel und S-Afrika
1
1

Trotz der bereits 2000 Tests meinen manche Milit√§rs, sie m√ľssten noch weiter probieren, wo es eigentlich nichts mehr zu erforschen gibt. Die Nuklearverbrechen gehen gro√üteils auch auf das Konto der m√§chtigen Milit√§rs: √ľber hundert mal dr√ľckten sie den roten Knopf f√ľr "friedliche" Atomtests, 21 gesperrte Geisterst√§dte, wohl auf alle Zeit unbewohnbar, lie√üen sie zur√ľck Der wahre Grund f√ľr die Tests ist aber wohl, dass Frankreich und China es f√ľr n√∂tig halten, ihre milit√§rische St√§rke zu beweisen.

Die Halbinsel Kola im arktischen Eismeer ist das radioaktivste Gebiet unseres Planeten: 14 komplette Nuklearreaktoren, ein Atom-U-Boot, 17 v√∂llig verstrahlte Frachter und Tausende Tonnen Atomabfall wurden einfach ins Meer gekippt. Die gesamte Nahrungskette - vom Plankton bis zu den Seehunden - ist nichts anders als atomarer Sonderm√ľll.

Vielleicht sollte man sich erstmals den Folgen bewu√üt werden, bevor man gedankenlos und unn√∂tigerweise Tests durchf√ľhrt. Erbsch√§den, Waldsterben, Verstrahlung von Bodens, Meer und Trinkwassers und saurer Regen durch Luftschadstoffe sind keine Seltenheit.

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