Hinduismus

Hinduismus




































Da der Hinduismus keine gestiftete Religion ist, lÀsst sich seine Entstehung zeitlich nur annÀhernd feststellen. Sie liegt in der 2. HÀlfte des 1. Jahrtausend vor Christus,
wo sich seine Besonderheiten z.T. in Auseinandersetzung mit dem Buddhismus
und Jainismus sowie in Absetzung vom Brahmaismus herausbilden.Religion und
Kultur des Hinduismus haben sich auf dem indischen Subkontinent entwickelt und
haben nur Ausnahmsweise die Grenzen Indiens ĂŒberschritten.


Richtungen und Götter


Die verschiedenen Richtungen im Hinduismus bestehen nebeneinander mit großer gegenseitiger Toleranz, da alle Anschauungen ĂŒber die Möglichkeit, das Heil zu Erlangen, als gleichwertig gelten. Die Entscheidung fĂŒr eine bestimmte Richtung bedeutet nicht gleichzeitig eine Entscheidung gegen die anderen Richtungen.

Vishnuismus: Die AnhÀnger dieser Richtung werden Vishnuiten oder Vaishnavas genannt,
weil sie Vishnu als höchsten Gott, Schöpfer und ewigen Weltenherrn verehren.
Ihr Bekenntniszeichen ist das auf die Stirn gemalte tirunama, das auch an
Tempelmauern und GeschÀften zu sehen ist.





symbolische Wiedergabe Symbol fĂŒr das Wasser
von Vishnus Fußspuren und das weibliche
und Dreischritt Prinzip

Shivaismus: Die Shivaiten oder Shaivas sind die Verehrer des Gottes Shiva, der sich als
höchster Gott und oberster Weltenherr in zahlreichen Aspekten offenbart.
Ihr Bekenntniszeichen ist ein Stirnmal aus Asche oder weiße Farbe.





symbolische Wiedergabe Symbol fĂŒr das Feuer Symbol fĂŒr die Ver -
von Shivas Stirnauge und das mÀnnl. Prinzip einigung von mÀnnl.
und weibl. Prinzip

Shaktismus: Die AnhÀnger dieser Richtung werden Shaktas genannt, weil sie Shakti als
absolutes Prinzip ansehen und als weibliche Gottheit verehren. Vor allem in
Gebieten mit einst mutterrechtlichen Gesellschaftsstrukturen, wie in Assam,
Bengalen,Orissa und im dravidischen SĂŒden, ist der Kult der Muttergöttin
verbreitet.

Weitere Richtungen sind: ~ Neohinduismus, Reformhinduismus, Mimamsa, Yoga, Nyaya

Der Götterhimmel wird vor allem von drei großen Göttern beherrscht:
~ Brahma als Schöpfer
~ Vishnu als Erhalter
~ Shiva als Zerstörer und Erneuerer
Parallel zur mÀnnlichen Dreifaltigkeit gibt es eine weibliche Triade:
~ Lakshmi fĂŒr die Schöpfung
~ Sarasvati bzw. Gauri fĂŒr die Erhaltung
~ Durga bzw. Kali fĂŒr die Zerstörung und Erneuerung


Erlösung

Die Seele ist einem ewigen Geburtenkreislauf unterworfen, durch den der Mensch in die belebte Natur der Tiere und Pflanzen einbezogen ist.Wenn die seele den Körper eines Sterbenden verlÀsst, dann muss sie sich mindestens drei Menschenalter im Mond aufhalten
und kehrt dann auf ihrem Weg der Seelenwanderung in den Körper eines neu entstehenden Lebewesens auf die Erde zurĂŒck. Das karman bestimmt den Rang und die Art der Wiedergeburt, um in dieser neuen Existenz die Frucht der vergangenen guten Taten zu
ernten oder die bösen Werke zu bĂŒĂŸen. Um aus dem Geburtenkreislauf auszusteigen und in das Nirwana zu gelangen, gibt es fĂŒnf verschiedene Wege.
1. Weg der magischen Riten
2. Weg der leiblich - seelischen Übungen
3. Weg der Werke
4. Weg der Erkenntnis und Einsicht
5. Weg der Gottesliebe
Wenn der Zustand der Erlösung, der Ruhe und des Friedens erreicht ist, löst sich die
maya - Welt auf und der Erlöste wird ganz still. Die " Stillen " können nicht ĂŒber ihre diesbezĂŒglichen Erfahrungen sprechen, den das hieße sich im Gegensatz zu bewegen.
In seinem Zustand der Erlösung mag der Erlöste zwar physisch noch weiterhin der Welt leben, aber geistig ist sein atam zum brahman zurĂŒckgekehrt.Jivan - mukta heißt ein Heiliger, der
schon im irdischen Leben die Erlösung vom Kreislauf der wiedergeburten erlangt hat, so dass er in Fall der Todes zu brahman wird.

Pflichten und Handlungen

Jeder Hindu, durch sein karman in eine bestimmte Kaste hineingeboren, ist fĂŒr diese Lebenszeit an den dharma seiner Kaste, an bestimmte Pflichten, gebunden.Die jeder Kaste eigenen Tugenden und Pflichten heißen swadharma. Untereinander sind die Mitglieder einer Kaste durch Strenge Vorschriften bezĂŒglich Beruf und Ehe, Brauch und Sitte, Essen und Trinken verbunden und gegenĂŒber denen anderen Kasten abgegrenzt. Als Hauptgebote gelten:
~ eine Heirat nur innerhalb der eingenen Kaste
~ die AusĂŒbung eines nur fĂŒr die eigene Kaste erlaubten Berufes und
~ das Einnehmen der Mahlzeiten nur zusammen mit Angehörigen der eigenen Kaste
Das varnadharma ist die Gesamtheit der Pflichten: eines Kastenmitgliedes.
Je höher ein Hindu auf Grund seiner Kastenzugehörigkeit in der sozialen Rangordnung steht, desto strenger sind die fĂŒr ihn geltenden Kastenvorschriften. ZusĂ€tzlich zu den Pflichten werden freiwillige Handlungen empfohlen, durch die man sich Verdienste erwerben kann.








Kastenordnung

Die Kastenordnung ist von der Regierung offiziel aufgehoben, wird aber von der Gesellschaft weiterhin streng eingehalten.

Die Hindugesellschaft weist eine religiös begrĂŒndete klare Struktur nach StĂ€nden und Kasten auf. Die auf der Grundlage der vier Kasten, wie Priesterstand, Kriegerstand, Bauernstand, Dienerstand, entstandenen 2000 bis 3000 Unterkasten haben sich infolge der weiteren Spezialisierung der Berufe entwickelt. Die Zugehörigkeit des Hindu zu einer der Unterkasten
ist durch seine Herkunft festgelegt. Diese Kastenordnung ist fĂŒr einen Hindu heilig und ewig.
Da der Mensch ein Gefangener im samsara, dem Kreislauf der Wiedergeburten, ist, bestimmt das Gesetz des karman die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kaste. Eine Ablehnung der Kastenordnung kĂ€me einer Auflehnung gegen die ewig gĂŒltige Weltordnung gleich.Das Kastensystem bestimmt das VerhĂ€ltnis der Menschen zueinander. In diesem System kennt jeder von Kindheit an seinen Platz und verhĂ€lt sich dementsprechend gegenĂŒber Gleichen, Höheren oder Niederen. Die Kastenlosen haben besonders strenge Bedingungen.
~ Sie dĂŒrfen keine öffentlichen Wege und Brunnen benĂŒtzen.
~ Sie dĂŒrfen die Heilige Schrift weder lesen noch hören und auch keinen Tempel betreten.

























Mahatma Gandhi (1869 - 1948) hat zwar fĂŒr die ca. 65 Millionen " UnberĂŒhrbaren "die gleichheit vor dem bĂŒrgerlichen Gesetz erreicht, aber die religiösen Kastenschranken fĂŒr die
harijans (Gotteskinder, Krishnakinder ), wie er die Kastenlosen bennante, nicht abgeschafft.
Das Kastensystem als solches hat Gandhi nicht in Frage gestellt, sonderen nur deren AuswĂŒchse bekĂ€mpft.



Feste, Feiern, Rituale

Der Jahreskreis wird von zahlreichen Festen geprÀgt. Abgesehen von einigen Festen wie Holi, Dussehra und Divali, die in ganz Indien gefeiert werden, hat die Mehrzahl der Feste nur regionale oder örtlich Bedeutung. Einer der wichtigsten Feste einer jeden Ortes ist sein Tempelfest.

Rituelle Handlungen durchdringen den Alltag und umgekehrt. Kulte werden in der freien Natur, in HÀusern und Tempeln vollzogen. Das tÀgliche Ritual wird von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zelebriert.
Von den tĂ€glichen Pflichten fĂŒr die Brahmanen sind die wichtisten:
~ die DĂ€mmerungsandacht vor Sonnenaufgang
~ das Feueropfer fĂŒr die Götter
~ das Schriftenopfer durch Rezitieren des Veda
~ die Wasserspende fĂŒr die Ahnen
~ ein Gottesdienst zu Hause oder im Tempel
~ ein Allgötteropfer ( vaishvadeva ) und eine Streuspende ( bali ) fĂŒr Geister und DĂ€monen
~ die Mittagsmahlzeit und das DĂ€mmerungsbad mit Andacht am Abend

Ähnliches gilt fĂŒr den Familienvater, der verpflichtet ist, die hĂ€usliche Andacht zu halten und einen Tempelbesuch zu machen, jeweils nach vorheriger Reinigung durch MundspĂŒlen oder Begießen mit Wasser.

In Tempeln wird puja, ein tĂ€glich wiederkehrender Ritus, vollzogen, wobei das Bild der Gottheit wie die Gottheit selbst verehrt wird. Der im Bildnis anwesende Gott wird symbolisch verehrt durch rituelle Verpflegung und Bedienung. Morgens wird das Götterbild durch GlockengelĂ€ut geweckt, gebadet, gesalbt und mit farbigen Stoffen bekleidet. Es bekommt ein FrĂŒhstĂŒck und Mittagessen, hĂ€lt seinen Mittagsschlaf, erhĂ€lt ein Abendbrot und wird uu Bett gebracht. Die Götternahrung besteht aus Gerste, Reis, Milch und Schmelzbutter.Die Verehrung des Götterbildnisses erfolgt auch durch dessen Umwandlung im Uhrzeigersinn
( pradakshina ), durch Kniefall, Rezitieren von Geberen und Blumenstreuen.

Die Gefahr einer rituellen Unreinheit ( ashauca ) besteht fĂŒr einen hindu stĂ€ndig, und Unreinheit kann sich auf jeden, der damit in BerĂŒhrung kommt, ĂŒbertragen. FĂŒr die Mitglieder höherer Kasten kann sie von Dauer und mit der Person oder Sache ( Nicht - Hindu, Hund, Knoblauch ) verbunden oder aber nur vorĂŒbergehend sein, wenn sie mit Unreinheiten in BerĂŒhrung hekommen sind, wie z.B. durch das Ereignis einer Geburt oder durch einen Todesfall in der Familie. Bei leichten FĂ€llen ritueller Unreinheit wird diese durch selbstbestimmte Reinigungszeremonien getilgt. In schweren FĂ€llen, wie Brahmanenmord oder Tötung einer Kuh, werden die SĂŒhnezeremonien von einem Brahmanenkollegium bestimmt.Bei Reinigungsriten dienen als Reinigungsmittel der Kuhmist, dessen Essen ein SĂŒhneritus, prayashitta ( Gedanke des Todes ) ist. Ein Wasserbad ist nicht nur nach jeder Verunreinigung und nach jedem Schlaf, der ja verunreinigt, erforderlich, sonder auch vor jeder Kulthandlung. Ein weiteres Mittel ritueller Reinegung stellt die Enzhaltsamkeit bei Speisen dar.





Schriften der Offenbarung und Überlieferung

Die heiligen Schriften der Hindus gliedern sich in zwei große Gruppen, deren Ă€lteste zu den Shruti und deren spĂ€ter zu den Smriti gehört.

Shruti ( das Hören, Gehörte ) bezeichnet diejenigen heiligen Texte, die ursprĂŒnglich auswendig gelernt, rezitiert und gehört wurden. Sachlich handelt es sich um Texte der göttlichen Offenbarung, die mit höchster geistlicher AutoritĂ€t ausgestattet und verbindlich fĂŒr Fragen der Lehre und Ethik sind.
Diese Schriften der göttlichen Pffenbarung sind nur einem kleinen Teil der Bevölkerung zugÀnglich und verstÀndlich.

Smriti ( Erinnerungen ) bezeichnet eine sehr alte heilige Überlieferung. Sachlich handelt es sich - im Gegensatz zur ĂŒbermenschlichen Offenbarung der Shruti - um Texte menschlicher Überlieferung, die als Werk vieler Generationen heiliger Menschen angesehen werden.
Diese Schriften sind allen Bevölkerungsschichten - auch den Frauen - zugĂ€nglich und erfreuen sich zudem großer Beliebtheit.


































Verbreitung


Die Hindus bilden die 3.grĂ¶ĂŸte Weltreligion nach dem Christentum und dem Islam. Ihre Zahl betrĂ€gt heute ca. 647 567 000 dh. 13,5 % der Weltbevölkerung, davon leben 99,4 % in SĂŒdasien. Etwa 85 % aller Hindus leben in Indien wo sie mit 78,8 % die Mehrheit der Bevölkerung darstellen. Der Hinduismus ist heute in 84 LĂ€ndern verbreitet.
z.B. Indien, Nepal, Bangladesch, Indonesien, Sri Lanka, Pakistan, Malysia u.a.



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