Der Faust Stoff

Der Faust - Stoff

Faust, Johannes, wahrscheinl. eigtl. Georg F., * Knittlingen (W├╝rtt.) um 1480, Staufen (Breisgau) 1536 oder kurz vor 1540, dt. Arzt, Astrologe und Schwarzk├╝nstler. F├╝hrte ein unstetes Wanderleben und stand in Verbindung mit humanist. Gelehrtenkreisen. Schon zu Lebzeiten (F. hatte wohl Kenntnisse auf dem Gebiet der Naturphilosophie) setzte die Sagenbildung ein, bes. durch ├ťbertragung von Zaubersagen auf ihn, in denen er v. a. als Totenbeschw├Ârer auftritt. Sein pl├Âtzl. (gewaltsamer?) Tod gab Ansto├č zur Sage, der Teufel habe ihn geholt. - Diese Stoffe wurden Grundlage eines Voksbuches: Das erste F.buch erschien 1587 bei J. Spies in Frankfurt am Main. Das ├Ąlteste ├╝berlieferte F.drama ist ›The tragical history of Doctor Faustus‹ (1604, entstanden wohl vor 1589) von C. Marlowe. F.spiele waren bei den engl. Kom├Âdianten in Deutschland (zuerst 1608 in Graz bezeugt) und sp├Ąter den dt. Wandertruppen beliebt; das Puppenspiel vom Doktor F. ist ab 1746 bezeugt. Der Stoff wurde v. a. von Dichtern des Sturm und Drang aufgegriffen (Maler M├╝ller, F. M. Klinger, der ›Urfaust‹ des jungen Goethe [entstanden 1772 - 75]). In einer stark ver├Ąnderten und von Goethe 1790 ver├Âffentlichten Fassung ist die Goethesche Konzeption, in der das F.drama zum Menschheitsdrama wird, bereits angelegt, wie sie in der Endfassung des Werkes (Teil I, 1808; Teil II, 1832) verwirklicht ist. Im 19. Jh. bearbeiteten C. D. Grabbe und Lenau, im 20. Jh. P. Val├ęry und T. Mann den Stoff. - Unter den musikal. Bearbeitungen zu Goethes ›Faust‹ sind neben B├╝hnenmusiken und Ouvert├╝ren (R. Wagner) C. Gounods Oper ›F.‹ (1859; auch als ›Margarete‹ bekannt), die ›F. - Sinfonie‹ von F. Liszt (1857) sowie u. a. die dramat. Legende ›F. Verdamnis‹ von H. Berlioz (1846) zu nennen. Die Opern ›F.‹ von L. Spohr (1816) und ›Doktor F.‹ von F. Busoni (1925) kn├╝pfen direkt an die Volkssage an.

Gr├╝ndgens
Gr├╝ndgens, Gustaf, *)D├╝sseldorf 22.12. 1899, †)Manila 7.10. 1963, dt. Schauspieler und Regisseur. 1934 - 37 Intendant des Staatl. Schauspielhauses in Berlin, 1937 bis 1945 Generalintendant des Preu├č. Staatstheaters, ab 1947 der St├Ądt. B├╝hnen D├╝sseldorf, 1955 - 62 des Dt. Schauspielhauses in Hamburg. Als Schauspieler bed. Rollen in zentralen Dramen der Weltliteratur (bes. bekannt als ›Mephisto‹); auch zahlr. Filme, u.)a. ›Pygmalion‹ (1935), ›Tanz auf dem Vulkan‹ (1938), ›Faust‹ (1960), ›Das Glas Wasser‹ (1960).

Inhaltsangabe

Faust

Der Trag├Âdie erster Teil
Erste Auff├╝hrung 19. Januar 1829 in Braunschweig,
erste Gesamtauff├╝hrung: 6. und 7. Mai 1876 in Weimar


P e r s o n e n : Faust - Mephistopheles - Wagner - Sch├╝ler - Allerlei Volk beim Osterspaziergang - Frosch, Brander, Sybel, Altmayer (lustige Gesellen in "Auerbachs Keller") - Hexen, Meerkatzen und Meerkater - Margarethe - Valentin, ihr Bruder - Marthe Schwerdtlein u.a.
O r t und Z e i t : In Fausts Studierstube, vor dem Tore der Stadt, Auerbachs Keller in Leipzig, verschiedene Schaupl├Ątze in einer deutschen Kleinstadt, am Brocken und anderw├Ąrts, 16. Jahrhundert.

V o r s p i e l a u f d e m T h e a t e r : Direktor, Theaterdichter und Lustige Person diskutieren ├╝ber den Sinn des Theaterspielens. W├Ąhrend der Direktor nur auf volle H├Ąuser sieht und alles nach dem Erfolg bei der Menge berechnet, bekennt sich der Dichter zu der hohen, g├Âttlichen Poesie, die sich von der Menge eher abgesto├čen f├╝hlt. Die Lustige Person gibt praktische Ratschl├Ąge, wie man das Publikum am besten unterhalten kann. Goethe nahm die Anregung zu diesem Vorspiel u.a. aus dem indischen Theater, das ihm 1791 durch Forsters ├ťbersetzung der Sakuntala des Kalidasa bekannt geworden war.

P r o l o g i m H i m m e l : Die drei Erzengel Raphael, Gabriel und Michael r├╝hmen "die unbegreiflich hohen Werke" der Sch├Âpfung Gottes. Mephistopheles, der sich zum Gesinde des Herrn rechnet, ist anderer Meinung. Er sieht nur, "wie sich die Menschen plagen". Der Herr lenkt das Gespr├Ąch auf den Dr. Faust, den er als seinen "Knecht" bezeichnet. Mephistopheles verh├Âhnt die Leidenschaft, mit der dieser Tor ihm diene und bietet dem Herrn eine Wette an: es w├╝rde ihm gelingen, Faust von ihm abzuwenden. Der Herr geht darauf ein, doch nur, solange Faust auf Erden lebe. Mephisto werde am Ende besch├Ąmt erkennen m├╝ssen: "Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange ist sich des rechten Weges wohl bewu├čt." Die Wette wird geschlossen. Der Herr ├╝berl├Ąsst das Weitere getrost dem "Schalk", den er in Mephistopheles erblickt. Er hat seinesgleichen nie geha├čt, sondern in seinen Weltplan eingebaut, da der Mensch in seinem T├Ątigkeitsdrang allzu leicht erschlaffe und des Antreibers bedarf. Der "Prolog im Himmel" hat wesentliche Anregungen durch das 2. Kapitel des Buches Hiob empfangen.


Faust gr├╝belt in seiner Studierstube bei Nacht ├╝ber den Sinn des Daseins. Die herk├Âmmlichen Wissenschaften (Philosophie, Juristerei, Medizin und auch die Theologie) verm├Âgen ihm nichts mehr zu geben. Nur noch in der Magie sieht er einen Weg, in das Geheimnis der Welt einzudringen. Er schl├Ągt das Zauberbuch des Nostradamus auf und berauscht sich beim Anblick des Zeichens des Makrokosmos an der Harmonie, die das All durchdringt. Doch hofft er sich noch mehr Befriedigung vom Zeichen des Erdgeistes, den er mit geheimnisvollen Formeln beschw├Ârt. Der Geist erscheint, jedoch nur, um Faust seine Zwergenhaftigkeit als Mensch gegen├╝ber der Natur und ihren ewig schaffenden Gewalten f├╝hlen zu lassen. Nach einer kurzen Unterbrechung durch seinen Famulus Wagner, "den trocknen Schleicher", meditiert Faust verzweifelt weiter und n├Ąhert sich dem Gedanken einer Erl├Âsung durch den Tod. Doch kaum hat er die kristallene Schale mit Gift an den Mund gesetzt, als Glockenklang und Chorgesang ihm des "Osterfestes erste Feierstunde" k├╝nden. ├ťberw├Ąltigt von Jugenderinnerungen und dem Auferstehungswunder des Osterfestes, f├╝hlt er sich der Erde neu zur├╝ckgegeben. Mit Wagner tritt Faust nun am Ostermorgen einen Spaziergang an vor das Tor der Stadt. Ehrfurchtsvoll begr├╝├čt ihn das Volk, dem er einst in jungen Jahren bei Bek├Ąmpfung einer Pestseuche hilfreich zur Seite stand. Der Anblick der untergehenden Sonne ruft in ihm aber aufs neue die metaphysische Sehnsucht wach, und er kommt zu der Selbsterkenntnis: "Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, die eine will sich von der andern trennen." Auf dem Heimweg umkreist ihn ein geheimnisvoller, schwarzer Pudel, der ihm in sein Studierzimmer folgt. Beim Versuch, das Neue Testament in sein "geliebtes Deutsch" zu ├╝bertragen, st├Â├čt er gleich am Anfang des Johannes - Evangeliums auf die un├╝berwindbare Schwierigkeit der ├ťbersetzung des griechischen Wortes Logos. In seiner landl├Ąufigen Bedeutung als "Wort" kann es ihm nicht gen├╝gen. So w├Ąhlt er die Formulierung: "Im Anfang war die Tat!" Doch nun beginnt der Pudel in seinem Zimmer zu randalieren. Er entpuppt sich als Mephistopheles (in der Gestalt eines fahrenden Scholaren). "Ich bin der Geist, der stets verneint", offenbart er Faust, "ein Teil von jener Kraft, die stets das B├Âse will und stets das Gute schafft." Nachdem Faust in wilden, aufbegehrenden Worten seinen ganzen Unmut ├╝ber die Last und Qual des irdischen Daseins ausgedr├╝ckt hat, wird ein Pakt geschlossen und mit einem Tropfen Blut aus Fausts Arm besiegelt: Mephistopheles verbindet sich auf Erden ganz zu Fausts Diensten. Daf├╝r erhebt Mephisto Anspruch auf ihn, wenn sie sich "dr├╝ben" wiederfinden. Entscheidend soll sein, ob Faust jemals durch die Erf├╝llung seiner W├╝nsche befriedigt werden kann, so dass er zum Augenblicke sagen m├Âchte: "Verweile doch! du bist so sch├Ân!" Dann m├Âge die Totenglocke schallen, und dann soll Mephisto seines Dienstes ledig sein. Ehe sie nun ihre Reise in die Welt antreten, fertigt Mephistopheles einen Sch├╝ler ab, den er auf diabolische Weise in die Wissenschaften einf├╝hrt. Mit einer derben Szene bei einer "Zeche lustiger Gesellen" in Auerbachs Keller in Leipzig beginnt dann Fausts "neuer Lebenslauf". Dann schleppt Mephisto Faust in die Hexenk├╝che, wo es unter Geschrei von Meerkatzen und - katern toll hergeht, wo Faust aber auch in einem Spiegel das himmlische Bild eines Weibes sieht, f├╝r das er sofort leidenschaftlich entflammt ist. Die Hexe muss ihm einen Verj├╝ngungstrank reichen, der aus dem Professor der Philosophie einen verliebten J├╝ngling machen soll. Mit diesem Trank im Leibe wird er (wie Mephisto prophezeit) bald "Helenen in jedem Weibe" sehen.
Das unschuldige Gesch├Âpf, an dem sich Fausts Liebessehnen in tragischer Weise erf├╝llen soll, ist Gretchen. Er begegnet ihr - sie kommt von der Beichte - und spricht sie sofort in st├╝rmischer Werbung an. Mephisto kann nicht schnell genug Geschmeide herbeischaffen, mit dem das arme Kind bet├Ârt werden soll. Im Haus und Garten der kupplerischen Nachbarin, Marthe Schwerdtlein, vollzieht sich das Weitere. Es kommt zum r├╝hrenden Gest├Ąndnis des zum ersten Liebeserleben erwachten M├Ądchens. Ahnend sieht sie in Mephisto den ›b├Âsen Geist‹, der zwischen ihr und ihrer Liebe steht, und ihr gl├Ąubiges Gem├╝t ist in tiefer Sorge um die Stellung des Geliebten zur Religion, die auch durch das ber├╝hmte (pantheistische) Glaubensbekenntnis Fausts nicht behoben werden kann. Nachdem Gretchen Faust in ihre Kammer eingelassen hat, w├Ąhrend ihre Mutter durch einen Trank, den ihr Faust gab, in tiefen Schlaf versetzt wurde, ist die tragische Entwicklung nicht mehr aufzuhalten. Valentin, Gretchens Bruder, stellt Faust zum Zweikampf und kommt zu Tode, da Mephisto seine Hand erlahmen lie├č. Vergeblich betet Gretchen, die ein Kind unterm Herzen tr├Ągt, vor dem Bild der Mater dolorosa ("Ach neige, Du Schmerzenreiche, Dein Antlitz gn├Ądig meiner Not!"). Faust wird zur Ablenkung von Mephisto zu dem gro├čen Hexensabbat der Walpurgisnacht auf den Blocksberg gef├╝hrt, wo die beiden im Aufstieg auf den Brocken in den tollen Strudel der entfesselten D├Ąmonenwelt hineingezogen werden. An Gretchen hat sich inzwischen das unabwendbare, bittere Schicksal vollzogen: ihre Mutter starb an dem Trank, ihr Bruder ist tot, das Kindlein, das sie zur Welt brachte, ertr├Ąnkte sie. So findet Faust nur noch eine Wahnsinnige im Kerker, deren Verbrechen "ein guter Wahn" war und bei deren Anblick Faust "der Menschheit ganzer Jammer" anpackt. Vergeblich versucht Faust, Gretchen aus dem Gef├Ąngnis zu retten. Ihr Geist ist verwirrt. Der Anblick Mephistos rei├čt sie jedoch zu letzter Klarheit empor. Sie befiehlt sich reuig der Gnade Gottes an. Es graut ihr selbst vor Faust. "Sie ist gerichtet!" ruft Mephisto. Doch aus der H├Âhe erklingt eine Stimme: "Ist gerettet!" Mephisto rei├čt Faust mit sich davon.



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